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Welcher Arsch und welche Zähne? September 8, 2014, 6:41

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Gegen Ausländerhaß protestieren, sich gegen Haß und Ungerechtigkeit wehren, Partei ergreifen – da sind die Kölner auf den Beinen, und das ist ja auch gut so. Da singt man mit, wenn BAP fordert: Arsch huh, Zäng ussenander.

Aber wenn es um Juden geht, um Israel? Da bleibt der Arsch mi Sessel und die Zähne werden höchstens zum Gähnen, Essen oder Biertrinken geöffnet.

Seit Jahren kämpft Gerd Buurmann gegen die Haß-Plakatierung vor der Domplatte. Klagen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Ordnungsamt halfen nichts – der ekelhafte Str0m anti-israelischer Haßparolen hört nicht auf.

(Bildquelle: Tapfer im Nirgendwo)

Wer jemals miterlebt hat, wie schnell und erbarmungslos deutsche Behörden gegen jede Ordnungswidrigkeit zur Stelle sind, der kann nur staunen, wenn er diesen Bericht liest.

§ 3 Absatz 3 der Kölner Stadtordnung ist eindeutig:

“Es ist nicht gestattet, die in § 1 bezeichneten Flächen, öffentlichen Anlagen und Einrichtungen sowie private Grundstücke einschließlich ihrer baulichen Anlagen, soweit diese von der Straße einsehbar sind, unbefugt zu beschreiben, zu bekleben, zu besprühen, zu beschmieren sowie zu bemalen oder dies zu veranlassen. Dieses Verbot gilt auch für das Anbringen von Werbung aller Art, wie z.B. Plakate, Suchanzeigen etc. (Wildplakatierung).”

Seit einigen Wochen plakatiert Walter Herrmann nun schon den Gehbereich vor dem Kölner Dom mit Plakaten. Er begnügt sich nicht mehr nur damit, seine Plakate hochzuhalten oder an einer eigens errichteten Mauer zu hängen. Er plakatiert mittlerweile sogar den Boden der Domplatte. Dies ist eindeutig durch die Kölner Stadtordnunguntersagt.

Ich informierte daher heute die Ordnungskräfte über den Bruch der Kölner Stadtordnung. Mir wurde mitgeteilt, das Plakatieren sei zwar grundsätzlich verboten, aber das Ordnungsamt der Stadt Köln toleriere diese besondere Wildplakatiererei.

Was würde passieren, wenn jemand dagegen an plakatiert? Er hätte natürlich sofort das Ordnungsamt auf dem Hals.

Ich verfolge den Kampf gegen diese Art der offenen Volksverhetzung schon lange, und mein Adrenalinspiegel geht automatisch in die Höhe, wenn ich lese, daß es offenbar unmöglich ist, sie zu stoppen. Die „normalen“ Medien ignorieren das Phänomen natürlich, aber bei Tapfer im Nirgendwo ist die ganze Saga dokumentiert. Man kriegt die Wut beim Lesen.

Es ist ein Skandal sondergleichen, daß dieser Mensch unter Tolerierung der Behörden seine Aktivitäten fortführen darf und seine widerliche, offene Unterstützung einer Terror-Organisation wie Hamas täglich zur Schau stellen darf. Wildplakatierenderweise.

Je mehr Menschen davon wissen, je mehr Menschen sich dagegen wehren, desto besser. Ich finde, WDR, Kölner Stadtanzeiger und Konsorten könnten das Thema ruhig mal aufgreifen.

Also – Arsch hoch und Zähne auseinander gegen diese ästhetische, politische und moralische Umweltverschmutzung. Es wird Zeit, die Vorschriften konsequent anzuwenden, auch gegen einen Judenhasser.

We cease, they fire Juli 15, 2014, 12:33

Posted by Lila in Deutschland, Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute, Persönliches, Uncategorized.
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Immerhin hat die Hamas diesmal ehrlich gesagt, daß sie an einer Feuerpause nicht interessiert ist.

Israel hat das Feuer eingestellt, die Hamas feuert weiter.

Ob das manchen zum Nachdenken bewegen kann, der bisher immer geglaubt hat, daß Israel der Angreifer ist – oder zumindest genauso aggressiv wie die Hamas? Ich muß sagen, daß ich in den letzten Tagen mehr und mehr Artikel in deutschen Medien gelesen habe, die tatsächlich erkannt haben, wie groß der Unterschied ist.

Die Hamas feuert bewußt ihre größeren Raketen ab, die bis in die Nähe von Haifa kommen.

Diesmal gab es also auch in unserem alten Kibbuz Alarm…. wo Secundus lebt, meine Schwiegermutter und meine beste Freundin. Kein Fleckchen mehr, außer vielleicht der Gegend um Tiberias, wo es noch keinen Alarm gab.

Y.s Mutter lebt seit vielen Jahren mit einem sehr netten, aber auch ziemlich kranken Mann zusammen. Einen mamad haben sie nicht, darum haben sie sich in das kleine Zimmer mit den wenigsten Fenstern begeben, über ihnen eine Gipsdecke, ein paar Balken und Ziegel. Nicht sehr solide. Sie haben die zehn Minuten damit verbracht, sich zu streiten: er wollte, daß meine fitte Schwiegermutter zum Luftschutzbunker sprintet, der für ihn nicht erreichbar war – sie hat das weit von sich gewiesen und gemeint, sie bleibt bei ihm. Nein, das war ihm nicht recht. So gingen die zehn Minuten vorbei.

Meine Freundin war in dem Bunker, den meine liebe Schwiegermutter verschmäht hat. Er liegt bei den Kinderhäusern (die eigene Bunker haben), und sie hat unterwegs viel Kinderweinen gehört. Die Kinder hatten Angst.

Secundus war mit seinen Kollegen in einem anderen Bunker, mit denen der Kibbuz ja gesegnet ist. Normalerweise probt dort eine Band. Zwischen Gitarren, Schlagzeug und Mikrofonen haben sie abgewartet, bis der Alarm vorbei war.

Ich erzähle Secundus, daß ich den Livestream vom WM-Triumphzug in Berlin gucke. Im Hintergrund höre ich die Freudengesänge. Secundus ist natürlich sehr stolz auf den großen Erfolg, er war ja schon ein Schweinsteiger-Fan, als der noch in der Jugendmannschaft spielte. Wir unterhalten uns kurz, dann muß er weiterarbeiten.

Nie, nie, nie ist mir der Abgrund größer vorgekommen zwischen meiner alten Heimat und meiner neuen. Ich freue mich über den Jubel auf den Straßen von Berlin und freue mich über den sportlichen Erfolg und darüber, daß die sympathische Mannschaft überall nicht nur mit Toren, sondern auch mit Charakter gewonnen hat. Ich gönne es allen, die dort jubeln. Freu mich ja mit und bin wie eine Verrückte vom Sofa gesprungen, als Götze das Tor geschossen hat.

Wir leben so anders, so anders. Wie würde ich so einen leichtherzigen, frohen, stolzen Jubel mal den Israelis gönnen. Was uns verbindet, sind Momente der überwältigenden Trauer oder Sorge oder der Bewährung in schweren Stunden. Das schweißt auch zusammen, wenn man in Trauer zusammen singt. Aber vor lauter Freude – das muß schön sein.

Gelacht Mai 23, 2014, 22:57

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In meiner Familie sind ja gräßliche deutsche Lieder und Geschichten ein running gag. Ob es das Häschen ist, das spazieren ging und dabei fast vom Mühlrad zermalmt wurde, oder der kleine Schelm im Hafersack, oder der blutige Zinken auf der Fahrt in die Ferne mit Sauerkraut und Speck… ganz zu schweigen vom Räuberbräutigam oder Blaubart oder den ausgestochenen Augen von Rapunzels Prinz oder Max und Moritz im Ofen oder Mahlwerk… meine Kinder und Y. können sich darüber sehr amüsieren, daß man sowas in Deutschland für kindertauglich hält. Mir selbst fällt erst jetzt auf, wie viel Gewalt und Tod in den Liedern steckt, die wir als Kinder im Auto gegrölt haben – wir lagen vor Madagaskar (…und täglich ging einer über Bord) oder der Herr Quintilius Varus (…und es war ein Moderduft wie von Blut und Leichen…).

Primus hat in seiner Zeit in Deutschland die folgende Karikatur entdeckt und sich zu eigen gemacht:

Wenn ich was auf Deutsch sage, ruft er in zackig-brachialem Ton: Staubsauger! Zahnbürste! SCHMETTERLING!!! und kringelt sich vor Lachen mit seinen Geschwistern über den Klang. (Ich schlage selbstverständlich zurück – das Hebräische klingt ja auch nicht gerade wie säuselnder Wohllaut… und für jemanden, der beide Sprachen nicht beherrscht, ist das Klangbild vermutlich ähnlich. Schachaf – dachaf – mechirat chissul!)

Vorgestern hielt mir Quarta ihr Telefon unter die Nase (ja, das Abendland geht selbstverständlich auch bei mir zuhause unter) und meinte: guck mal, da macht sich auch jemand über deutsche Kindergeschichten lustig!

Beide Mädchen fanden den Film milde lustig und wunderten sich, als ich sie fragte: ja kennt ihr denn die Geschichte nicht? Nö, meinten sie, ist das wirklich eine deutsche Kindergeschichte? Mama, du spinnst, das gibt es nicht.

Ich habe ja sämtliche Kinderbücher auf Deutsch aufbewahrt und holte mit einem Griff den Struwwelpeter raus, den wir wohl haben, den ich den Kindern aber nie vorgelesen habe. Inzwischen lachte ich so hysterisch, daß ich das Buch nur noch auf den Tisch legen und mit dem Finger auf den armen Konrad weisen konnte.

Die Mädchen schnappten nach Luft, schnappten sich das Buch und fingen auch an, unbändig zu lachen. Das brennende Paulinchen, der fliegende Robert, der Suppenkasper mit der Suppenschüssel auf dem Grab – die Kinder wollten nicht glauben, daß man sowas deutschen Kindern tatsächlich erzählt hat.

Hat man aber. Und nicht nur das – der Struwwelpeter ist auch auf Hebräisch übersetzt worden (Yehoshua ha-parua, der wilde Joshua). In der Kinderbücher-Sammlung unserer Hochschule habe ich die hebräische Erstausgabe selbst gesehen.

Ich habe irgendwann mal gelesen, daß der Autor die gräßichen Konsequenzen kindlichen Fehlverhaltens mit Absicht grotesk übertrieben hat. Das war mir als Kinder aber nicht klar. Mir jagte der Zappelphilipp den größten Schrecken ein – ich war sicher, daß er unter der Tischdecke bleiben muß – die kam mir vor wie zu einem Berg erstarrt. Und ich konnte das ganze Buch noch auswendig – ein Anfangsvers, und ich kann weiterrattern.

Vermutlich werden die Kinder ab jetzt nicht nur Aschenputtel! Schlafanzug! TEPPICHKLOPFER!!! rufen, sondern auch Suppenkasper! Wüterich! DAUMENLUTSCHER!!!!!

Was ist nur in Deutschland los? Februar 4, 2014, 0:05

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Überall knirscht es im Gebälk. Auf nichts und niemand ist mehr Verlaß. Stiftung Warentest irrt – ADAC schummelt – jetzt noch die schrappige Alice Schwarzer – als nächstes wird jemand nachweisen, daß Miele-Waschmaschinen rosten! Da brechen Weltbilder zusammen.

(Und dabei krieg ich doch nur einen kleinen Teil  mit…)

Sehr deprimierend November 8, 2013, 16:53

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Kerry und Obama fallen den Iranern in die Arme. Europa freut sich, wieder ungestört Geschäfte mit ihnen machen zu können. Iran droht Israel weiter, doch keiner nimmt Notiz davon. Die Iraner haben die Gunst der Stunde genutzt, den Machtwechsel, um ihre Maske zu wechseln.

Israel bleibt bedroht, die Iraner werden in Gnaden in die internationale Gemeinschaft wiederaufgenommen und können ungestört ihre Pläne weiterverfolgen.

Wenn sie uns bombardieren, wird es mit in Deutschland gekauften Waffen sein, mit deutscher Hilfe entwickelten Waffen.

Gleichzeitig wächst in Deutschland der Antisemitismus – von der Tiefe (wo er immer schon war) an die Oberfläche. Er schlägt gewissermaßen durch. Mit den Daten konfrontiert, schlägt der typische Deutsche sofort zurück: aber man wird doch wohl noch sagen dürfen… gerade als Freunde Israels… Kritik an der Politik Israels ist doch kein Antisemitismus… Kurz: Antisemitismus kommt in ihrem Weltbild nur in Keulenform vor.

Beklemmend, trübselig, beängstigend.

Auf Verständnis dürfen wir nicht hoffen. 

Sehe ich zu schwarz? Mag sein. Aber darauf müssen wir uns vorbereiten.

Wie froh bin ich, nicht in Deutschland geblieben zu sein, obwohl es dort und nur dort mein Lieblingsshampoo gibt. Aber ich komme lieber mit minderwertigen Alternativen für mein Haar klar als in dieser Atmosphäre zu leben, in der beim Wort Israel den Leuten die Adern schwellen vor selbstgerechtem Zorn. Und ich bin froh, daß im Moment keines meiner Kinder eine Zukunft in Deutschland plant. Es tut mir leid, wenn jemand das nicht gern hört, aber ich lebe lieber unter der Bedrohung durch die iranische Bombe als unter Menschen, die diese Bedrohung für ein lächerliches Hirngespinst zu Propagandazwecken halten.

Weil sie Israel (sprich: den Juden) grundsätzlich alles zutrauen.

Nicht nur bei den Nachbarn… Oktober 26, 2013, 21:49

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… werden alte Bräuche jetzt unter die politisch korrekte Lupe genommen.

Leider habe ich damals keine Bilder gemacht, aber auch wir sind mit der Selfkantbahn gefahren, als die Kinder klein waren.  Es ist wirklich ein besonderer Moment, wenn die Bahn auf einmal hält und übers Feld der Nikolaus in seiner Kutsche kommt. Er klettert dann in den Zug und verteilt, begleitet von Knecht Ruprecht, schöne Tüten an die Kinder.

Der Aufenthalt im Festzelt ist zwar für die Eltern allein als Zugeständnis an die Kinder erträglich, aber trotzdem gehören diese Fahrten zu den schönsten Erinnerungen der Kinder und ehrlich gesagt – auch der Eltern.

Ich kann verstehen, wenn nach dem Brief eines kleinen Mädchens, das sich durch das Wort „Negerlein“ in der Kleinen Hexe gekränkt fühlte, die Familie Preußler einer Änderung des Texts zustimmte.

Aber beim zwarten Piet, der ja nur vom Kamin schwarz ist, und auch beim Knecht Ruprecht stellen sich mir doch viele Fragen.

Hat die UNO wirklich das Recht und die Aufgabe, auch die kleinsten Details von Sitten und Überlieferungen mit dem Läusekamm zu untersuchen? Bleibt irgendwann dann wirklich nur noch eine Einheitskultur übrig, chemisch gereinigt von jedem Rest der rustikalen Einteilung der Welt in WIR und ANDERE?

In meiner Heimatstadt ist es bekanntlich der Lazarus Stromanus, der zu Fastelovend (Karneval) durch die Straßen getragen und gepreckt (in die Luft geworfen) wird.

Der Karneval ist vorbei, wenn der Lazarus mit großem Gepränge in die Rur geworfen wird.

Als Kind hatte ich Angst vorm Knecht Ruprecht. Ich hatte auch Angst vorm Nikolaus. Ein Nikolaus übrigens, der meinen Bruder einschüchterte, bis er anfing zu weinen – nachdem der Nikolaus ihn gefragt hatte, ob er Bächlein die Badewanne macht – und ich hatte nicht den Mut zu sagen: wir machen BEIDE Bächlein in die Badewanne!, was ich bis heute bitter bereue…

Am meisten Angst hatte ich aber vorm Lazarus Strohmanus.

Und der ist weiß. Er müßte abgeschafft werden! Er verursacht Traumata und perpetuiert negative Stereotypen über weiße, blonde, blauäugige Männer aus Stroh. Eindeutig liegt bei der Verschonung der Strohmanus-Sitte eine Diskriminierung von Weißen vor.  Alle negativen Figuren, die Kindern Angst machen können, müssen konsequent verboten werden, von häßlichen Gartenzwergen über Clowns (wie gräßlich sind Clowns!) über Munchs Schrei als Karnevalsmaske und die ganzen abscheulichen Kürbisgesichter zu Halloween (das ich ja sowieso auf dem Kieker habe).

Die müssen alle, alle abgeschafft werden. Der Bettler bei Sankt Martin kriegt Hartz IV, Sankt Martin selbst darf keine Uniform mehr tragen, sondern muß mit Blauhelm seine Friedenswilligkeit beweisen. Funkenmariechen, weg damit, Feuer ist gefährlich.

Und eigentlich müßte die kleine Hexe auch vom Stigma des abfälligen Worts Hexe befreit werden, eine weise Frau, die einer Naturreligion anhängt und ungerechtfertigerweise verfolgt und stigmatisiert wurde ist präziser. Und aus dem Raben Abraxas müßte eine graue Taube werden, damit nur ja niemand von seiner Farbe auf sich selbst… Ach so, Mist. Der war ja einer von den Guten, obwohl schwarz.

Tja, was machen wir mit dem Raben Abraxas? Schnell eine neue UNO-Kommission. Diese schwärende Wunde der Kulturlandschaft darf nicht unbehandelt bleiben.

(Fairerweise: dieser Artikel unterstützt den Rassismusvorwurf. Mach ich es mir zu einfach?)

Ein Preuße im Rheinland August 22, 2013, 7:41

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Ach, mein Kindle. Ich lese gern Biographien und werde darum, sobald ich einen gewissen Berg Arbeit erledigt habe, meine Zähne in die Biographie des 99-Tage-Kaisers schlagen, der mich immer schon interessiert hat, nicht nur als Mann der faszinierenden Vicky. (Eine Sammlung von Bildern der beiden bei Youtube.) Auch wenn er vermutlich die in ihn gesetzten Hoffnungen (besonders die posthumen…) nicht hätte erfüllen können, oder vielleicht gerade darum. Wie entsteht denn dann so ein Mythos? Und was verbirgt sich darunter?

Er ist mir sympathisch, weil er deutlich Stellung gegen den damals vollkommen salonfähigen Antisemitismus bezog.

Demonstrativ besuchte er im Dezember 1879 ein Konzert in einer Synagoge und notierte: „Wir schämen uns der Judenhetze, die in Berlin alle Grenzen des Anstands überschreitet.“

Die selbstverständliche und unreflektierte Herablassung Juden gegenüber kann man ja in jedem Roman von Fontane, Spielhagen oder Fanny Lewald nachlesen. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Preußen und Deutschland haben sich davon also bewußt abgesetzt.

Ein Gedenkstein für den „ewigen Kronprinzen“ steht auch in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Wikipedia unterschlägt diesen Stein übrigens, doch auffällig viele Denkmäler für Friedrich stehen in der früheren preußischen Rheinprovinz. Vielleicht war er im Rheinland beliebt, weil seine Eltern ihre glücklichsten Jahre im Rheinland verbrachten, weil er in Bonn Jura studierte? Ich weiß es nicht. Vor ein paar Jahren jedenfalls war ich in Potsdam am Grab von „Fritz and Vicky„, die nicht in der Hohenzollerngruft liegen, sondern in der Friedenskirche.

Und diesmal habe ich den Stein auf dem Jülicher Schloßplatz endlich photographiert.

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Es ist ein großer Findling mit dem Medaillon des Kaisers im Profil.

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Ich habe es in meiner Kindheit natürlich sehr oft gesehen, aber nicht begriffen, daß es der viel zu früh verstorbene Mann der Kaiserin Friedrich (die ich aus einem Mädchenbuch über Helene Lange kannte) war. Na ja, jetzt weiß ich es. Ich finde auch, die Stadt Jülich könnte das Denkmal ein bißchen säubern und vielleicht ein erklärendes Schild hinzufügen. Nicht jeder erkennt den bärtigen Herrn.

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Und bei einem Blick in meine kleine Sammlung von Regionalliteratur habe ich dann noch diese alte Postkarte gefunden. (Wolfgang Hommel, Jülich läßt grüßen. Eine Chronik aus Postkarten, S. 70) Das war der Jülicher Schloßplatz um 1905, da war der Gedenkstein noch neu. Er wurde 1903 gesetzt, also 15 Jahre nach dem Tod des Kaisers an Kehlkopfkrebs.

Der kleine Pavillon hat den Krieg nicht überlebt, der Findling wurde seitdem versetzt, und er ist heute nicht mehr mit Beet und Zaun besonders herausgehoben, sondern steht bescheiden im Schatten der Bäume am Rand der Grünanlagen. Leider weiß ich nicht, was die Jülicher damals dazu bewegt hat, gerade diesen Hohenzollern zu ehren. Bei meinem nächsten Besuch werde ich mal ein paar Kenner der Lokalgeschichte danach befragen.

Auch wenn Friedrich wohl nicht der große Liberale war, als sich die Liberalen in Deutschland ihn vorstellten, wäre es wohl besser gewesen, wenn er länger geherrscht hätte, statt seines Sohns. Vielleicht hätte der Erste Weltkrieg doch nicht stattgefunden, und damit wäre die europäische Geschichte ganz anders verlaufen. Er hat es jedenfalls verdient, daß man sich an ihn erinnert, finde ich.

Und noch eine Reise-Impression August 18, 2013, 21:11

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…allerdings unbebildert.

Auf den Straßen fielen mit Autos mit einem Kennzeichen auf, das ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. JÜL-…! Das ist doch ein Teil meiner Kindheit. Seit wir von der schönen Ostsee in die schnöde Rübensteppe gezogen waren, hatten meine Eltern immer Autos mit dem Kennzeichen JÜL. Am schönsten fanden mein Bruder und ich ein Kennzeichen auf einem von Papas imposanten Opeln: JÜL-HA 8. Wir fanden es ganz toll, daß wir das ganze Kennzeichen zu einem Wort zusammenfassen konnten: Jülhacht. Da hatten wir Spaß dran.

Ich weiß nicht mehr, wann es war, daß die stolze Herzogstadt nicht mehr Kreisstadt war, sondern statt dessen nur noch zum Kreis Düren gehörte. Düren! Was gab es da schon außer dem Hoesch-Museum! Dürener sind doch ganz, ganz andere Menschen! (Meine Mutter hat sich ja köstlich amüsiert, und wir mit ihr, wie lokalpatriotisch der Rheinländer so an un für sisch ist – „ich bin nicht von hier, ich bin aus Aldenhoven“, beschied ein neuer Kollege sie, als sie unvorsichtigerweise meinte, er wäre wohl auch aus der Gegend). Und die Autos trugen ihre neuen DN-Kennzeichen, aus denen mein Bruder und ich gar nichts mehr lesen konnten, und denen niemand mehr ansah, woher sie kamen. Was für ein schwächliches, armseliges Zeichen, verglichen mit dem kernigen, leicht erkennbaren JÜL! Wir müssen noch recht klein gewesen sein, als die JÜLsche Herrlichkeit verschwand. Überall nur noch DN…

Und siehe da, ich weiß auch nicht wann und warum (das Internet hingegen weiß es alles ganz genau) – es gibt sie wieder, die JÜL-Kennzeichen. Noch gar nicht lange, meint meine Mutter, aber man sieht sie wieder oft und öfter. Lokalstolz ist doch eine seltsame Sache, Kindheitserinnerungen auch. „Also, Mama, dein nächstes Auto bitte NUR mit JÜL!“

Ein totes Dorf August 18, 2013, 12:57

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Schon in der Grundschule erzählte uns der Rektor Langenbruch (der ein wunderbar rollendes R hatte: „…sonst rrrrrraucht´s!“) von der Braunkohle, von den Plänen, für den Tagebau Dörfer abzureißen und den Hambacher Forst abzubaggern. Von ihm hörte ich das Wort „Rekultivierung“ zum ersten Mal – große Badeseen, künstliche Berge und neu angelegte Wälder. Es war für uns Kinder schwer vorstellbar, und die Erwachsenen waren sich nicht einig, ob das nun eine gute oder eine schlechte Sache war.

Ich erinnere mich sehr gut an den Hambacher Forst. Dort wuchsen Maiglöckchen, die wir im Mai pflückten. Ich erinnere mich auch an die erste Grundschule, an der meine Mutter unterrichtete – die Zwergschule in Lich-Steinstraß, die längst verschwunden ist.

Und noch besser erinnere ich mich an Inden. Die Straßendörfer der Gegend sind ja nicht gerade reizvoll, und viele von ihnen könnten als Musterbeispiele für eine „Unser Dorf soll häßlich werden„-Doku dienen. (Oh ja, ich erinnere mich auch an diese Doku, meine Eltern hatten nämlich das Buch zum Film und es hat die Renovation unseres alten Bauernhauses beeinflußt – keine Glasbausteine und Eternitfassaden…) Aber Inden war tatsächlich das schönste Dorf der Gegend. Wir haben gern Radtouren nach Inden gemacht, dort Brombeeren gepflückt.

Wir wußten früh, daß Inden abgebaggert wird, und ich erinnere mich noch, als die ersten Schulkameraden umzogen. Aus Altdorf, aus Pattern. Sie wurden umgesiedelt. Ich war noch auf der Schule, als ein früherer Freund aus Inden, der schon Student war, mich um Hilfe bat. Seine Mutter bereute, daß sie ihr Gartentor, an dem sie sehr hing, nicht mitgenommen hatte. Ob ich das vielleicht abbauen und aufbewahren könnte, bis er in die Gegend käme?

Ich bin sogar mit meinem Bruder hingefahren in das leere Inden, und wir haben sogar das schön verzierte Gartentörchen gefunden. Ich hatte dann aber doch keine Traute, mich unter Umständen als Dorf-Fledderer oder -Plünderer bezichtigen zu lassen, und habe das Tor stehenlassen. Der alte Freund hätte es schon selbst holen müssen, welches Recht hatte ich?

Ich war fünfzehn, als meine Eltern den Wahnsinns-Entschluß faßten, ein altes Anwesen zu kaufen, das heute zwischen zwei Braunkohle-Tagebauten liegt. Und wenn ich dort bin, fahre ich durch die alten Dörfer und gucke sie einfach nur an und kann nicht verstehen, wie diese ganze Abbaggerei so viele Jahre lang über die Bühne geht. Proteste gibt es zwar, aber noch niemand hat es geschafft, die Rheinbraun (die jetzt anders heißt) aufzuhalten.

Diesmal habe ich mir also wieder das Fahrrad geschnappt und mein Telefon (da meine Kamera-Batterie alle war und das Aufladeteil in seiner Schublade in Israel ruhte, hatte ich nichts besseres). Und bin einfach die Rur lang geradelt, und dann über das Brückchen nach Schophoven, und dann nach Pier.

Über Pier haben wir immer ein bißchen gelacht, als ich im Kicheralter war, denn im Ortseingang hing ein Schild: „Bier aus Pier, das mundet dir“, und daran konnte man so schön demonstrieren, wie der Rheinländer das -r am Wortende ausspricht. Aber heute ist Pier wirklich ein trauriger Ort.

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Obwohl die Häuser in den Straßendörfern eher einfallslos sind, ist die Gegend mit alten Gutshöfen und Herrenhäusern gut bedacht. So war ich überrascht, wie hübsch Gut Müllenark aussieht – ich hatte ganz vergessen, daß es existiert, und das nur einen Steinwurf von meinem Elternhaus entfernt. Es gehört zu Schophoven. Ich glaube, Schophoven wird am Ende wie eine Insel allein zwischen künstlichen Seen und künstlichen Hügeln liegen. (Nett, daß Wikipedia einen Aussprachehinweis gibt – ich würde ja sagen Schopphowen…)

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Hinter Schophoven dann ist Schluß. Ein Neubaugebiet noch, wo die Einwohner von Pier ihre neuen Häuser bauen, aber dann führen alle Straßen ins Nichts.

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Oder auf einen Wall zu, auf den man klettern kann – da gibt es sogar eine Aussichtsplattform, von der aus man die Weiten und Tiefen des großen Lochs angucken kann. Die sieht so aus:

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Ich bin aber weiter mit dem Rad gefahren, obwohl die Erklärungen da oben mich schon interessiert hätten. Nächstes Mal. Ich wollte weiter.

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Trotz Warnschild geht es hinter dem Wall nicht sofort strack runter, sondern ein langer, schnurgerader Weg führt zwischen Wall und Loch in Richtung Pier. Im Bild erkennt man übrigens das Kraftwerk Weisweiler, dem man nie entkommt. In der ganzen Gegend stehen solche Kraftwerke rum, und weil die Gegend so platt ist, sind sie an klaren Tagen wirklich bedrückend.

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Das also ist der Weg zwischen Wall links und Loch rechts.

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Und da liegt Pier – zwischen Pier und mir ein Teil des Tagebaus Inden II samt Baggern. Und nach Pier, da will ich hin.

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Das sehe ich unterwegs – das riesige Loch.

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Zwischen Kohleabbau und Kraftwerk eingeklemmt – die Dörfchen sahen nie besonders eindrucksvoll aus, aber so werden sie von der Industrie verzwergt, bis sie verschwinden. Ganz links, das müßte übrigens der Indemann sein, der so häßlich ist, daß ich ihn nicht aus der Nähe sehen wollte…

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Und so geht es auf Pier zu. Fast könnte man meinen, es ist ein ganz normaler Wirtschaftsweg für die Rübentrecker der Gegend – aber es stehen teilweise schon Warnschilder. Man erkennt übrigens deutlich die typische Weisweiler-Fahne am Himmel.

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Das muß die Schule gewesen sein, dahinter die Turnhalle. Von hier aus sieht ja noch alles fast normal aus.

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Von dieser Seite aus dann schon nicht mehr.

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Links der Rand des Dorfs, leer und mit Probe-Löchern und Abrißgeräten versehen. Rechts geht´s in RichtungTagebau – der letzte Streifen Feld ist schon angeknabbert.

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Während ich so durch das stille Dorf fuhr, wurde mir ganz seltsam zumute. Pier und Schophoven ähneln sich wie ein Nachbardorf dem anderen. Schophoven ist lebendig, die Leute haben Blumen vor den Fenstern, ältere Frauen in Dauerwelle und Kittelschürze fegen den Bürgersteig, auf der Straße fahren Kinder in Kettcars und auf Fahrrädern. Pier ist tot. Nur eine Reihe Autos vom Tagebau brausten durch – vermutlich war Feierabend einer Schicht.

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Ein Gutshof sah bewohnt aus – ob da noch Leute wohnen, die sich nicht vertreiben lassen wollen?

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Alle anderen Häuser – verlassen, zerstört, verrammelt.

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An manchen Fenstern waren Fensterbilder oder Gardinen zurückgeblieben.

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Die Häuser stehen da und warten darauf, abgerissen zu werden. Und danach wird das ganze Dorf abgebaggert. Nichts bleibt mehr, keine Spur.

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Ich weiß nicht, ob die früheren Besitzer und Bewohner dieser Häuser, die ja nicht weit weg wohnen, noch mal herkommen und sich das ansehen. Mehrere Radfahrer waren unterwegs, die genauso wie ich einen etwas desorientierten Blick hatten.

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Und immer in Blicknähe diese riesigen Halden und Geräte, die verschiedenfarbigen Schichten der Erde.

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Ich wollte nicht mehr weiter. Ich wollte nur schnell wieder in bewohnte Gebiete.

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Es war fast erschreckend, wie schnell ich wieder in der Normalität gelandet war. In Nullkommanichts war ich wieder zuhause. Wer weiß, wie es aussieht, wenn ich das nächste Mal komme. Ich bedaure jetzt, daß ich bei meinen früheren Ausflügen keine Bilder gemacht habe.

An Inden, dieses wirklich idyllische Dorf mit eigener Schule, denke ich mit Wehmut, und nicht nur ich. Ein bißchen im Netz umgeguckt, und selbst Pier ist im Spiegel erwähnt. Natürlich gibt es auch richtig gute Photos von Pier, nicht so wie meine schnellen Schnappschüsse vom Rad aus. Auch vom Tagebau selbst.

Und ein letztes Fundstück aus dem Netz:

Da versteht man erst, was das für die Dorfbewohner bedeutet.

Mit Kindern in Köln August 18, 2013, 7:55

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Neu und faszinierend und ganz in der Nähe von Dom und Museen: die Bonbonschmiede mit Schauküche.

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Ich kann ja Leuten, die ihre Arbeit gut und geschickt machen, ewig zugucken. Und wie diese winzigen Erdbeeren oder Bananen oder Maracuja in die Bonbonstangen reinkommen, ist schön anzusehen. Ja, aus diesen seltsamen Klopsen werden am Ende Bonbons. Außerdem sind die Bonbons sehr, sehr lecker.

(Oh, und wie gut, daß sie den Laden nicht „Klümpschenschmiede“ genannt haben… ich hab die Stimme der Milchfrau noch im Ohr, die mit dem Milchwagen durch unsere Straße kam, als ich Kind war. Ich holte die Milch in einer hellblauen Plastikkanne, und die Milchfrau fragte: „willste en Klümpschen, Liebschen?“ Klümpchen? Ach so – ein Bonbon.)

 

Ein Experiment August 16, 2013, 16:13

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Ich hatte in diesem Urlaub eine längere Strecke zurückzulegen. Als brave Konsumentin deutscher Zeitungen war mir aufgefallen, daß in der letzten Zeit der Fernbus-Service ausgebaut wurde. Also habe ich mich schlaugemacht und tatsächlich eine Fernbusverbindug gefunden, die mich für wenig Geld mit etwas längerer Fahrtzeit nah genug an mein Ziel bringt, so daß ich den Rest des Wegs mit der Bahn zurücklegen kann.

Bei der Bahn habe ich das Dreifache gezahlt, aber an meinen kleinen Zielort konnte mich der Fernbus nicht bringen. Was muß, das muß.

Der Fernbus: sauber, klimatisiert, bequem. Die Toilette habe ich nicht genutzt, andere Mitfahrer schon, und schlimmer als ein Bahnklo kann sie nicht gewesen sein. Es war jedoch beruhigend, daß es sie gab. Der Fahrer fuhr einen angenehmen Fahrstil, und wir kamen eher am Ziel an als erwartet. Vermutlich ist bei den Zeitangaben ein kleines Polster mitgeplant, für eventuelle Staus. Es ging aber alles ganz glatt.

Ja, und dann stand ich im Bahnhof. Es war der heißeste Tag des Jahres, der Bahnhof glühte. Meine Pläne (romanischen Dom und kleine Galerie angucken) habe ich ganz schnell aufgegeben und ein klimatisiertes Cafe gesucht. Nur bei Starbucks gab´s eine Klimaanlage, da habe ich die Zeit totgeschlagen, bis die Bahn fuhr.

Sie hatte Verspätung. Es war ein Wagen mit Uralt-Abteilen, vermutlich früher mal Raucherabteile, denn sie müffelten sehr. Allerdings kann das Müffeln auch an uns Fahrgästen gelegen haben, denn die Klimaanlage funktionierte nicht, und es war drückend heiß. Ich saß mit mehreren älteren Menschen im Abteil und hatte Sorge, daß einer von ihnen ohnmächtig wird.

Ich mußte in Köln umsteigen. Die Einfahrt in den Bahnhof dauerte ewig, immer wieder blieb der Zug stehen, wir Fahrgäste mit Sack und Pack in langen Reihen vor den Ausgängen konnten es kaum erwarten. Ein Zugbegleiter, jung und nett und etwas verzweifelt, erzählte uns, daß er schon zwei Züge räumen mußte, weil die Hitze unzumutbar war. Er tat mir leid, denn er leidet unter der Hitze ja nicht weniger als alle anderen.

Dann in Köln – der Anschlußzug kam und kam nicht. Schließlich kam ein anderer mit demselben Zielbahnhof. Nach langer Wartezeit habe ich mich also in diesen Zug gequetscht. Er war unbeschreiblich voll – wir standen dicht gedrängt, schwitzten alle wie in einer Sauna mit Buttersäure-Aufguß und einige Fahrgäste hielten ihre Taschen über den Köpfen, damit noch mehr verzweifelte Reisende einsteigen konnten.

So standen wir etwa zehn, fünfzehn Minuten. Dann kam eine mürrische Durchsage, wir sollten den Zug räumen, er fährt nicht. Alle guckten sich an. Dann brachen wir in leicht hysterisches Gelächter aus. Und standen wieder am Bahnsteig.

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich warten mußte und mein Gepäck auf andere Bahnsteige schleppen mußte. Irgendwann kam ein Zug, irgendwie kam ich schließlich an.

Das Bahn-Drama hatte länger gedauert, als die viel längere Strecke im Fernbus, das Dreifache gekostet und an Nerven das Hundertfache. Aus dem Bus war ich frisch und fröhlich geklettert. Aus der Bahn fiel ich erschöpft, schweißgebadet und verärgert. Mir fielen andere unangenehme Bahn-Episoden ein – wie eine riesige Gruppe besoffener Fußballfans im oberen Stockwerk einer Regionalbahn grölte, rumpöbelte und im Takt sprang und trampelte, so daß der ganze Wagen, oben wie unten, belästigt wurde – und wie die Zugbegleiter mich, als ich mich beschwerte, nur achselzuckend wegschickten. Es war ihnen wohl unangenehm, eine ganze Gruppe zur Ordnung zu rufen. Hätten sie nicht vom nächsten Bahnhof Verstärkung anfordern können? Der Wagen leerte sich, weil immer mehr Fahrgäste vor den aggressiven Betrunkenen die Flucht ergriffen und der Boden bzw die Decke der unteren Etage erbebte, zwischen Resignation und Ärger.

Ich bin immer viel Bahn gefahren und habe schon viele angenehme Fahrten hinter mich gebracht, lange und kurze. Aber mein Experiment an diesem Tag hat mich überzeugt. Ab jetzt werde ich versuchen, so viel Bus wie möglich, Bahn dagegen nur so viel wie nötig zu fahren. Der Bahn ist das egal, sie hat noch genügend Kunden, die keine andere Wahl haben. Aber mir scheint, es staut sich doch viel Ärger bei Bahnkunden an. Wäre ich Bahnchefin, würde mir das schlaflose Nächte bereiten. Aber der Bahnchef fährt vermutlich selbst mit dem Auto.

Als Auslandsdeutsche vor der Bundestagswahl August 15, 2013, 21:41

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Der Artikel selbst in der ZEIT ist nicht besonders aussagekräftig, aber die Diskussion, die sich anschließt, ist interessant. Hat jemand, der jahrelang, ja jahrzehntelang im Ausland lebt, das Recht, an der Bundestagswahl teilzunehmen? Schließlich muß er nicht ausbaden, was er seinen vor Ort lebenden Mitbürgern an den Hals wählt. Ich habe mich aus diesem Grunde (und weil ich schon länger als zehn Jahre im Ausland wohnte) schon seit einigen Jahren nicht mehr an der Wahl beteiligt.

In diesem Jahr sind es 24  Jahre, seit ich mich in Deutschland ab- und in Israel angemeldet habe. Bei der nächsten Bundestagswahl also bin ich sowieso nicht mehr dabei, es sei denn, ich kann „besondere Verbundenheit“ mit Deutschland nachweisen, und wie könnte ich das? Keines der Kriterien trifft auf mich zu.

Die notwendige Vertrautheit mit den politischen Verhältnissen in der Bundesrepublik Deutschland muss im Einzelfall persönlich aufgrund eigener Erfahrung und unmittelbar erworben worden sein. Eine rein passive Kommunikationsteilnahme, etwa durch den Konsum deutschsprachiger Medien im Ausland, genügt nicht.

Ich bin weder Diplomatin noch arbeite ich in einer deutschen Firma noch repräsentiere ich Deutschland. Eine Zeitlang hatte ich mal so einen Job, aber das ist auch schon wieder ewig her.

Also, diesmal muß ich mich entscheiden, will ich mitwählen oder nicht? Die deutschen Gesetze haben es mir unmöglich gemacht, die israelische Staatsangehörigkeit zu erwerben, obwohl es von israelischer Seite aus möglich wäre – aber dann wäre ich meine deutsche Staatsangehörigkeit los. Und das will ich nicht. Ich bin und bleibe doch Deutsche.

Ob ich so gut informiert bin wie Deutsche, die in Deutschland leben? Bestimmt nicht. Ich verfolge zwar viele deutsche Themen und Diskussionen (viel mehr, als ich im Blog beackere – da bin ich doch eher monothematisch… ich kann und muß doch nicht zu allem meinen Senf dazugeben), aber bestimmt hat jemand, der mit seiner Umgebung täglich beim Kaffee darüber redet und den die Themen persönlich betreffen, viel mehr Einblick. Andererseits – das Wahlrecht ist nicht davon abhängig, wieviel Ahnung man hat. Wenn vor Erteilung der Wahlberechtigung eine Prüfung zu bestehen wäre, so wie der Einbürgerungstest, dann wäre vermutlich die Wahlbeteiligung noch niedriger, als sie so schon ist. (Obwohl der Test wirklich extrem einfach ist – ich hatte ihn mir schwieriger vorgestellt.)

In Israel wähle ich nicht, weil ich nicht kann, in Deutschland nicht, weil ich mich nicht einmischen will. Und doch betrifft mich, was in Deutschland beschlossen wird. Nicht nur, weil meine Familie und Freunde dort leben, und nicht nur, weil es mich interessiert. Das Ansehen Deutschlands in der Welt und besonders natürlich in Israel ist mir wichtig, und deutsche Positionen haben Einfluß auf Entscheidungen, die uns betreffen. Es reicht, sich einen Moment vorzustellen, daß die Linke den Außenminister stellte… Ich möchte also einerseits wählen und Einfluß nehmen und das Gefühl haben, daß ich meinen winzigen Beitrag leiste zu einer demokratisch gewählten Regierung, die ja auch mich repräsentiert.

Andererseits – was würde ich wählen? Soll ich Formulare ausfüllen und Anträge stellen, um dann einen leeren Wahlzettel zu verschicken? Meine chronische Unentschlossenheit ist bei diesem Thema noch viel ausgeprägter als bei anderen. An jeder Partei habe ich was zu bemängeln – keine versteht mich wirklich! unerhört!!

Wie stehen andere Expats dazu? wie finden es die Inlandsdeutschen, wenn Auslandsdeutsche mitwählen? Ich bin wirklich noch zu keinem Entschluß gekommen.

Danke, liebes Heimatland, November 13, 2012, 20:15

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fuer diese guten Nachrichten.

 Auch im Jahr 2011 ging wieder ein Großteil der Exporte in autoritär geführte Staaten der arabischen Welt. Auf die Vereinigten Arabischen Emirate entfielen Exportgenehmigungen in Höhe von 357 Millionen Euro. Besonders gefragt waren demnach Torpedos, Sprengvorrichtungen, Schiffe und Panzerteile.

Hurra, hurra, die Wirtschaft brummt.

Auch Saudi-Arabien blieb mit 139,5 Millionen Euro 2011 ein wichtiges Abnehmerland. Verkauft wurde ins Königreich hauptsächlich Hightech-Material, wie Kommunikationsausrüstungen, Drohnen sowie Teile für Kampfflugzeuge. Kräftig exportiert wurde auch in den Irak. Die Bundesregierung genehmigte Ausfuhren in Höhe von 244 Millionen Euro, ein Großteil der Exporte entfiel auf Kampfhubschrauber. Abnehmer war dem Bericht zufolge die Uno-Unterstützungsmission im Zweistromland.

Huebsch, huebsch. Moral predigen mit voller Lungenkraft, besonders in Richtung dieser aggressiven Israelis. Und gleichzeitig Geld verdienen mit Waffenexporten an Israels spezielle Freunde. Es passt sogar zusammen, denn man kann sich ja wuenschen, dass mithilfe deutscher Waffen dieser laestige Staat Israel in Schach gehalten wird.

Es muss wunderbar sein, so ein wasserdicht unterteiltes Gewissen zu haben.

In alten Zeiten, Juli 23, 2012, 22:14

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liebe Kinder, da gab es hier was zu lesen. Ja, richtig, kaum zu glauben, so verwüstet und leer, wie es jetzt hier aussieht!

Tja, ich weiß einfach nicht, wo anfangen. Der Tod meines Vaters und meine Reise und alle ihre Erlebnisse – hm, die sind kein richtiges Blog-Material, aber es ist Zeit darüber vergangen. Ich bin seit mehr als einer Woche wieder zurück, langsam akklimatisiere ich mich wieder und verarbeite die Früchte meiner Reise.

Zuerst war ich ja fast eine Woche mit einer Gruppe israelischer Studenten unterwegs, und das war sehr, sehr interessant und lehrreich. Ich freue mich, wenn die deutschen Studenten nach Israel kommen, und bin neugierig. Man lernt ja immer noch dazu, es ist absurd  – ich war Begleiterin und habe doch so viel gelernt! Ein Höhepunkt war der Besuch eines Kindergartens – vier israelische Studentinnen, ein deutscher Student, alle aus pädagogischen Fächern – und ein deutscher Kindergarten, der ganz anders ist, als ich meinen alten Kindergarten in Erinnerung hatte. Das gegenseitige Interesse auf allen Seiten war riesengroß. Und so ein Gewimmel von zufrieden beschäftigten Kindern in einer guten Umgebung ist für mich immer eine Ermutigung und Freude. Ich hatte auch Freude an den israelischen Studentinnen, die professionelles und menschliches Interesse zeigten, und an den ebenso professionellen und menschlich warmen Mitarbeiterinnen des  Kindergartens.

Schön war auch ein Abend in einem Biergarten, als Deutschland gegen die Niederlande Fußball spielte. Die Israelis, die wohl immer gedacht hatten, Deutsche sind würdevoll wie Eulen, fanden sich nun in einer ziemlich verrückten Atmosphäre wieder. Auf dem Rückweg zum Gästehaus wurden wir umarmt und die ganze Huperei drumherum und das viele Schwarzrotgold… „Ist hier Unabhängigkeitstag?“ hatte eine Studentin gefragt, als sie die vielen Flaggen an den Autos sah. Ich war nicht weniger verblüfft als sie, denn es war das erste Mal, daß ich zu so einem Spektakel tatsächlich anwesend war.

Nachdem die Studenten abgeflogen waren (ich habe dem Flieger noch mit ein paar deutschen Studenten zugewinkt), fing der private Teil an. Ein großes Familientreffen mit viel Austausch, eine Trauerfeier für meinen Vater, eine Woche Amsterdam mit meiner Jüngsten und schließlich die Seebestattung meines Vaters an dem Ort, der ihm einer der liebsten war – so ging der Monat vorüber.

Bei meiner Mutter war es schön wie immer. Der herrliche Garten, das wunderbare Wetter, die Johannisbeeren und zu Anfang der Spargel – und das platte Land, das einen geradezu aufs Rad zwingt – das war richtig schön. Mir fiel wieder auf, wie herrlich doch so ein klarer Himmel ist, an dem sich die Wolken perspektivisch bis zum Horizont staffeln, so daß der Blick ein richtiges weites Himmelszelt sieht. Leider haben wir im Sommer meist nur einen undurchdringlich staubigen, metallisch-grellen Himmel, an dem der Blick abprallt. Meine Mutter würde sagen: und wir haben so tiefe, dicke Regenwolken, daß wir außer unseren Gummistiefeln gar nichts mehr sehen. Jedoch, ich habe mir sagen lassen, daß auch nach Deutschland eine Art Sommer zurückgekehrt ist… und als ich da war, war es angenehm, nicht zu heiß und nicht zu kalt, nicht zu trocken und nicht zu naß.

Morgens  dann der Kaffee aus Mamas phantastischer Maschine (die einen endgültig für alle anderen Sorten Kaffee verdirbt), dann ein ruhiger Blick in die kleine Zeitung  mit Nachrichten von gestern, und das war´s. Internet konnte ich nicht immer erwischen, ich wollte auch nicht immer, oder wenn, dann nur für die dringendsten dienstlichen Sachen. Daß es in Israel nicht ganz ruhig war, kriegte ich wohl mit. Syrien beschäftigt uns wohl alle – und das Dilemma, ob und wie man überhaupt eingreifen soll oder kann. Aber die große Welt ließ mich in Ruhe, und ich sie. In Amsterdam und Kiel erst recht, da war ich wie aus der Zeit gefallen.

Seit meiner Rückkehr nach Israel dann stürmen die Ereignisse wieder gegen meine innere Ruhe an – die Selbstverbrennung eines Aktivisten, der verzweifelt und hoffnungslos war, weil er zu spüren bekam, daß das sogenannte soziale Netz niemanden mehr auffangen oder halten kann. Er hat damit eine ganze Welle von versuchten Selbstverbrennungen ausgelöst, heute allein drei, und gestern ist es einem Mann auch gelungen. Er liegt nun ebenfalls im Sterben.

Nicht weit von ihm liegt der am schlimmsten verbrannte Burgas-Urlauber.  Seine zwei Freunde, mit denen er unterwegs war, sind tot, er selbst hat schwerste Brandverletzungen erlitten. Seine Eltern stehen unentwegt an seinem Bett und streicheln ihn und sprechen mit ihm. Wenn er durchkommt, dann hat er das ihnen zu verdanken – ohne die Kunst der Ärzte in Zweifel zu ziehen, die ihr Bestes tun.

Die zwei Betten auf der Intensivstation symbolisieren unsere Lage. Von außen immer noch durch Terror bedroht, von innen von sozialer Härte und immer weiter klaffenden Gegensätzen. Gewinner und Verlierer. Der Mittelstand gerät langsam an seine Grenzen. Ich verstehe nicht viel von Wirtschaft, aber das Konzept einer sozialen Marktwirtschaft leuchtet mir ein – nur haben wir sie hier nicht, sondern eine reine Marktwirtschaft mit ein paar sozialen Zugeständnissen, die man sich durch einen Sumpf der Bürokratie erkämpfen muß, wenn man sie braucht. So kann es nicht weitergehen, aber es wird wohl so weitergehen. Ein Land der Zeitarbeiter, Leiharbeiter, die so wie ich eigentlich in der Luft hängen, jederzeit entlassen werden können, keinerlei Sicherheit haben. Und dabei geht´s mir ja noch gut.

Heute wurde irgendwo im Gazastreifen eine Schule eröffnet, die, wie viele palästinensische Schulen, nach einem Terroristen benannt ist. Selbstverständlich ist diese Lappalie keine Meldung in deutschen Zeitungen wert – auch viele israelische sind bei solchen Meldungen schon abgestumpft. Ich weiß nicht, wie viel Gewicht der Name einer Schule für die Schüler hat, denn meine Grundschule hieß einfach nur Nordschule. Aber ich kann mir vorstellen, daß die Schüler einer Erich-Kästner-, Geschwister-Scholl-, Helene-Lange- oder Elsa-Brandström-Schule ihre Namenspatrone kennen und dieser Name immer einen besonderen Klang für sie hat.

Nun, die Schüler der Adnan al-Ghoul-Schule können stolz darauf sein, daß der Namenspatron ihrer Schule die Qassam-Rakete entwickelt hat und aktiv an mehreren Anschlägen beteiligt war. Er hat die Bomben für Bet Lid (1995) und den Purim-Anschlag auf Dizengoff  (1996) gebaut, zwei Anschläge, die jedem Israeli in deutlicher Erinnerung sind. Na ja, Peanuts, warum sollte eine deutsche Zeitung das erwähnen? Weil das Geld für die Schule von der UNDP kam, einer Unterorganisation der UNO? Weil Haniya, dessen Hamas eine Terrororganisation ist, auch in Augen der deutschen Regierung, die Eröffnungs-Ansprache halten durfte?

Eine weitere Meldung, die hier natürlich in den Nachrichten war, finde ich ebenfalls bisher nicht in deutschen Zeitungen. Der Ramadan hat begonnen, das haben wir wohl alle mitgekriegt. Und damit werden wieder die Serien ausgestrahlt, die man abends beim Festmahl im Fernsehen genießen kann. Die meisten dieser Serien, die wohl populärer sind als selbst die Advents-Vierteiler meiner Kindheit (welches war übrigens euer liebster?), beschäftigen sich mit der Perfidie Israels und schwelgen in Träumen, wie man den verhaßten zionistischen Feind demütigen und zermalmen kann. Ramadan karim, kann ich da nur sagen. Die Gehirnwäsche nimmt immer groteskere Formen an – die Ausschnitte aus diesen Serien waren einfach lächerlich, aber es scheint, Millionen von Menschen nehmen sie ernst. Das ist eine Tradition, von der vielleicht mancher nichts weiß.

Außerdem findet hier in Israel das albernste Geharke aller Zeiten statt. Die Kadima-Partei, die eigentlich seit ihrem Start immer nur an Bedeutung verlor, nicht gewann, zerbricht wohl jetzt in Stücke, und das sieht nicht schön aus, hört sich nicht schön an, und riechen tut es auch nicht gut. Avoda und Likud werden wohl die Reste zwischen sich aufteilen. Egal wie die Manöver in der Knesset ausgehen – ich kann mir nicht vorstellen, daß viele Leute für Kadima stimmen werden, wenn die nächste Wahl ansteht. Eigentlich schade, denn eine vernünftige, pragmatische, weltoffene Partei im Zentrum, in der weder linke noch rechte Themen tabu sind, die fehlt eigentlich. Aber so wie die anderen Versuche gescheitert ist, so geht nun auch die Kadima den Bach runter.

Ich nehme an, bis gegen Ende des Jahres oder ins nächste Jahr hinein kann sich die Regierung noch retten. Aber irgendwann gibt es Neuwahlen. Sie werden weniger drastisch vorgezogen sein als in anderen Legislaturperioden, aber bis zu Ende schafft Bibi es vermutlich nicht. Ich weiß leider nicht mehr, wer es gesagt hat, aber es trifft auf unsere Politiker zweifellos zu: sie haben eine so dicke Haut, daß sie auch ohne Rückgrat zurechtkommen.

Und sonst? Ja, sonst. Ich freu mich auf Primus und Quarta, die morgen nacht nach Hause kommen. Ich vermisse Deutschland und bin doch froh, hier zu sein. Obwohl Israel sich gerade düster und grimmig anfühlt. Ein Lichtblick: Vered bloggt.

 

Das Fußballspiel gestern – Deutschland gegen Israel… Juni 1, 2012, 12:13

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… für wen war ich eigentlich? Wäre die deutsche Nationalelf so stark wie sonst oft, wäre ich selbstverständlich für die weit unterlegenen Israelis gewesen. Aber weil ich für die EM die Deutschen mental ein bißchen aufgebaut sehen will, konnte ich nicht gegen sie sein. Ich war also eigentlich für beide und wollte keine Mannschaft zerschmettert oder gedemütigt sehen (das will ich ja sowieso eigentlich nie). Meine Mutter war für Israel, Secundus (mit dem ich das Spiel gesehen habe) natürlich für Deutschland.

Leider bin ich sofort eingeschlafen – ich sehe schon, daß ich bei der EM endlose Schlaf-Defizite nachholen werde, es gibt nun mal keinen erholsameren Schlaf als vor dem Fernseher, bei einem Spiel, das man eigentlich unbedingt sehen will. Je mehr ich schlafen will, desto schlafloser werde ich – je dringender ich wachbleiben will, desto unwiderstehlicher sinke ich in Schlaf. Tja, da kann man nichts machen.

Obwohl die Blechbläser-Band beide Nationalhymnen zur Unsingbarkeit zerblecht haben (so meine unmaßgebliche Meinung), habe ich beide gern gehört. Ich wüßte nicht, welches nun „meine“ ist. Beide. Es sind auch beides wirklich sehr schöne Melodien. So wie ich nicht zwischen meiner Mutter und meinem Mann würde wählen wollen, so kann ich auch nicht zwischen Israel und Deutschland wählen. Gut, daß ich nicht wählen muß. Und gut, daß es nur ein Freundschaftsspiel war.

Nach Haus Mai 18, 2012, 21:23

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Erklärt mir mal, bitte, Januar 15, 2012, 0:21

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weil ich doch gar nichts davon verstehe. Nach Lektüre der täglichen schockierenden Enthüllung über Herrn Wulffs Vorleben (haltet euch fest – er ist zum Oktoberfest eingeladen worden und hat seine Übernachtung spendiert bekommen!) frage ich mich wirklich, ob noch jemand unterscheiden kann zwischen wirklichen Übertretungen und der berühmten Grauzone. Ich meine – es wird mir doch keiner weismachen wollen, daß Herr Wulff der einzige, allereinzige, erste und letzte Politiker ist, der sich mal eine Übernachtung schenken läßt. Wo verlaufen die Grenzen zwischen verboten, erlaubt aber halbseiden, und korrekt, wer bestimmt sie, und wer überwacht, daß alle sie einhalten?

Ich habe das Gefühl, die Grenze zwischen Wichtigem und Unwichtigem verschwimmt auf jeden Fall. Und ich habe auch das Gefühl, daß ein solches mediales Schlachtfest, wie angemessen auch immer der erste Auslöser gewesen sein mag, erstens Heuchelei derer fördert, die nie daraufhin kontrolliert werden, ob ihnen mal jemand eine Maß ausgegeben hat – und zweitens, letztendlich Wulff dient, dessen eventuelle echte Verfehlung in einem Sumpf von Banalitäten untergehen können. Und drittens löst es beim Leser riesigen, ärgerlichen Überdruß aus.

Dies jedenfalls ist meine von jeder Fach- und Sachkenntnis freie Einschätzung der Lage. Was meint ihr, die ihr näher dran seid? Wie läßt sich überhaupt noch Grund in die Sache bringen? Welcher Ausgang scheint euch angemessen?

Meine 50 Pfennig… März 1, 2011, 13:40

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… weil das immer meine liebste Münze war, der ich noch nachtrauere.

 

Ich habe mich kritisch zu Guttenberg geäußert, und darum ist es fair, daß ich jetzt auch zur Kenntnis nehme, wie er die Konsequenzen gezogen hat. Es tut mir leid, einen Menschen so gedemütigt zu sehen, und er hätte sich das durch einen früheren Abgang nicht ganz ersparen können – aber es wäre weniger bitter gewesen.

Zu gehen, während die öffentliche Meinung noch größtenteils auf seiner Seite war, wäre eleganter und einfacher gewesen. So blies ihm der Wind doch sehr scharf ins Gesicht. Ehrlich gesagt, er sah fix und fertig aus. Ich weiß nicht, wie lange er mit dem Unbehagen rumgelaufen ist, daß irgendjemand mal seine Diss. genauer anguckt. Wer weiß, wie er sich da verwickelt hat.

Wie ich schon vorher gesagt habe – ich bin für zweite Chancen. Und Guttenberg ist es auch von anderen zu leicht gemacht geworden, über manche Stufen einfach leichtfüßig hinwegzuspringen. Wie bei manchen Schauspielern, die von der Schauspielschule zum smash hit springen. Ein bißchen Repertoire-Theater mit echten Zuschauern und soliden Klassikern und ein bißchen unpopulärer Avantgarde – und mit den Lorbeeren dann wiederkommen. Das kann er bestimmt, und ich würde es ihm gönnen.

Und ab jetzt können wir ihn persönlich in Ruhe lassen und der Universität Bayreuth den Rest überlassen.

Aufbewahren! September 24, 2010, 11:20

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Ein Artikel über die Ängste der Menschen in einer deutschen Stadt. Nicht jeder lebt gut damit, daß Gewaltverbrecher aus dem Gefängnis entlassen werden und wieder frei rumlaufen können. Sagen wir mal so: wenn das irgendwo weit entfernt, im Nahen Osten, gemacht wird, dann nimmt man es gern in Kauf und sagt, „da müssen die Israelis schon mit fertigwerden, mit den paar hundert Terroristen und Mördern und Strippenziehern, wieso sind sie nur so bockig und lassen die nicht frei?“. Aber wenn es dann bei einem selbst um die Ecke ist… da fühlt es sich ganz anders an.

Ich wünschte, ein SPon-Journalist würde für unsere Ängste mal so viel Empathie aufbringen wie für die der Werler. Aber da können wir wohl noch ein Weilchen drauf warten. Bis dahin bewahr ich den Artikel mal auf.

Veit, Hilde, Dr. Hirsch und ich September 24, 2010, 11:15

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Das momentane Interesse an Veit Harlan, Jud Süß und der Familie Harlan hat für mich eine sehr persönliche Komponente. Ich habe ja schon vom Buch erzählt, an dessen Entstehung ich beteiligt war (Besprechung in Haaretz hier, eine andere, mit Bildern der Eltern, hier). Der Mann, der dieses Buch geschrieben hat, ist der (noch in Berlin geborene) Sohn eines bekannten Berliner Kinderarzts, Dr. Walter Hirsch. Irgendwann in den späten 20er oder frühen 30er Jahren war eines der Kinder von Veit Harlan und Hilde Körber schwer krank, und Dr. Hirsch schaffte es, das Kind zu retten. Seitdem waren die Harlans mit ihm und seiner unglaublich charmanten Frau befreundet. Auch nachdem die jüdischen Freunde nach Jerusalem auswanderten.

Ich hatte die Originalbriefe alle in der Hand: die herrische Handschrift Veits mit der genialischen Unterschrift, anfangs freundlich-vertraut, später dann sehr ärgerlich. Er hatte das Gefühl, die jüdischen Freunde in Jerusalem unterstützen seine Frau in der Ehekrise (wohl durch eine Affäre seinerseits ausgelöst). Hilde Körbers Handschrift ist großzügig und schwer leserlich, ihre Briefe an Dr. Hirschs Frau tatsächlich Briefe von Freundin zu Freundin. Als die Ehe in die Brüche ging, blieb Hilde mit den Hirschs in Kontakt, die Kinder kannten sich, der Kontakt brach nicht ab (und ich glaube, zwischen dem Autor des Buchs und Thomas Harlan besteht er bis heute).

Es stimmt also, daß Harlan jüdische Freunde hatte, und es ist aus den frühen Briefen keinerlei Distanz oder Abneigung zu spüren. Die Entfremdung hatte im Falle der Hirschs auch oder vielleicht sogar überwiegend private Gründe –  eine Folge der Entfremdung von der Frau, die er verließ und die den alten Freunden treu blieb.

Jud Süß ist zweifellos ein böser Hetzfilm, und Harlan war vermutlich Antisemit aus karrierepolitischen Gründen, oder er war schon vorher einer und er machte für seine „jüdischen Freunde“ eine Ausnahme. Schwer zu sagen im Nachhinein. Ich denke dabei unwillkürlich an Gustaf Gründgens und Hendrik Höfgen. Aber das ist kein Grund, seine Nachkommen in Acht und Bann zu tun und zu sagen, daß ihre versuchte Annäherung an das Volk der Opfer unmöglich war und ist. Ich glaube, das stimmt nicht. Sie tragen bestimmt schwer genug an ihrem Familiennamen und ihrer Familiengeschichte. Aber sie sind doch nicht Geiseln der Taten ihres Vaters.

Diese Doku über die Harlans, die würde ich schon gern sehen. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal die Gelegenheit.

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