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Besser kann es nicht werden Mai 30, 2011, 9:11

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beim Bloggen als die Einträge bei Indica. Wunderschöne Bilder vom Jüdischen Friedhof Weißensee, hier und hier. Nichts für den schnellen Verzehr.

Lieder zum Thema Krieg Mai 27, 2011, 21:03

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Vor einiger Zeit ging mir so durch den Kopf, daß ich das eigentlich mal mit Liedern zum Thema Krieg (milchama) probieren könnte. Ich habe ja schon Lieder zum Thema Liebe (ahava) gesammelt, und zum Thema Regen (geshem), neulich dann die Sammlung der Eretz-Israel-Lieder. Ich habe also einfach mal angefangen zu sammeln.

Wer Israel nicht kennt, wird wohl eher Texte erwarten, die Krieg und Kampf idealisieren, zum Töten anspornen oder Siege feiern. „Reißt sie in Stücke, es sind ja nur Araber“ oder „mit blutigen Rändern unter den Fingernägeln fühl ich mich wohl“ oder „mein neuer Panzer ist ein Riese“ oder „ich hab noch eine Uzi im Schlafsack“ oder „Tanzen und Jubeln auf Gräbern“…. das entspräche jedenfalls dem Bild des kampflustigen Israelis. (Ich merke gerade, daß ich eine morbide Phantasie habe!)

Hier also eine Auswahl, jeweils mit Links zu den Texten, so daß Interessierte nachlesen können, was das Lied erzählt. Diese Lieder sind alle sehr bekannt, und sie werden im Radio normalerweise zu Gedenk- und Trauertagen gespielt, oder nach einem Anschlag, oder einem Unglück, oder wenn Soldaten gestorben sind. Was den Effekt hat, daß man beim Hören unwillkürlich denkt: ist was passiert?

Yeduda Poliker, Yoram (Er blieb zwanzig Jahre alt…)

Yehuda Poliker, Kshe-tigdal (Wenn du groß bist)

Poliker hat mehrere Nachkriegs-Lieder geschrieben, die alle von Trauer und Trauma handeln.

Aviv Geffen, Uri Ur (Wach auf, geliebtes Land, denn wir sind sehr müde… ) – ein Protestlied

Yossi Banai, Sfirat Mlai (Inventur)

Rami Kleinstein, Ruchot milchama (Wind des Kriegs bzw Geist des Kriegs)

Shlomo Artzi, Lulik und Oshri Levi, Shir l-achrei ha-milchama (Ein Lied nach dem Krieg)

dasselbe Lied von Arik Einstein gesungen:

eine Truppe der Armee, Choref 73 (Wir sind die Kinder vom Winter 1973). Dieses Lied kann ich nicht leiden, ich finde es weinerlich und selbstgefällig. Nu, Eltern, wo ist der Frieden, den ihr uns versprochen habt, uns Kindern vom Winter 1973…? (also die Generation, die nach dem Yom Kippur-Krieg gezeugt wurde – und die selbst schon Kinder hat)

Shalom Chanoch, Bli lomar mila (Ohne ein Wort zu sagen)

Shlomi Shabat, Tnu ligdol be-sheket (Laßt uns in Ruhe großwerden) (Shlomi ist immer sentimental, aber was mir an dem Clip gefällt, sind die Bilder von israelischen Häusern im Hintergrund, und die Schule – da hätte man mehr draus machen können)

Gidi Gov, Eyn od yom (Es bleibt kein Tag mehr)

Die Schlacht auf dem Ammunition Hill (Erklärungen dazu hier und hier – eine Bekannte von mir hat dort ihren Mann verloren)

Si Heiman, Gibor gadol (Großer Held)

Harel Moyal, Emtza ha-laila ba-kfar (Mitten in der Nacht im Dorf)

Ben Azriel, Shtey ezbaot mi-Tzidon (Zwei Finger von Siddon) (mehr zum Film gleichen Namens hier, eine berühmte Szene aus dem Film hier: Georgie macht Shakshuka und erklärt den Krieg – ich denke dabei immer an Y., wie er als junger Mann, ach was, als 18jähriger Junge sich auf einmal in Jounieh wiederfand und nicht wußte, was er da soll… und dann fünf lange Jahre lang im Libanon blieb)

Arik Einstein, Mi she-chalam lo (Wer geträumt hat)

TACT, Prachim ba-kaneh (Blumen im Gewehrlauf)

Ha Re´ut (Die Freundschaft), Rabins Lieblingslied – das Versprechen, keinen der Toten zu vergessen. Aus dem Unabhängigkeitskrieg.

Idan Chaviv, Lied für Oz (der sein Freund war, Oz Tzemach, und im 2. Libanonkrieg fiel)

Yehoram Gaon, Der letzte Krieg (ich verspreche dir, kleine Tochter, daß das der letzte Krieg ist…)

Eyal Golan, Wer hätte gedacht… (der Clip idealisiert die Armee, das Lied auch, aber in der Hoffnung, dass dieser Krieg der letzte ist – und das Lied endet in der Hoffnung auf die Taube mit dem Olivenzweig…)

Irgendwann gebe ich mich auch mal an eine Sammlung von Liedern zum Thema Frieden (shalom), aber das scheint mir ein Faß ohne Boden zu sein, es gibt einfach zu viele davon. Liebe und Frieden, davon handeln so viele Lieder… das würde ja noch länger dauern als meine Sammelarbeit zum Thema Krieg.

Dabei ist die Sammlung noch längst nicht vollständig. So fehlen noch die (weniger bekannten) Lieder, die einzelne Einheiten der Armee besingen – die „Ballade vom Sanitäter„, „Einmal Fallschirmjäger, immer Fallschirmjäger„, „Golani, mein Golani“ – die will ich mal gesondert unter die Lupe nehmen, wenn ich eine Quelle für die Texte finde. Sie idealisieren die Armee und eben besonders die besungene Einheit sehr stark. Da scheint ein ganzes Genre zu blühen, das mir unbekannt ist.

Ich werde meinen Experten dazu mal befragen – mein Mann hat den hebräischen Liederschatz ziemlich vollständig im Gedächtnis, was er seinen Eltern verdankt, die beide im Chor des Kibbuz gesungen haben und auch zuhause ständig. Y. meint, einen beträchtlichen Teil seiner Kindheit hat er singend verbracht.

Jedenfalls ist bisher mein Befund zur israelischen Mentalität anhand der allgemein beliebten Lieder ziemlich klar: Krieg ist ein leider notwendiges Übel, man hätte lieber Frieden, um die Toten trauert man. Ein Krieg endet nicht in Siegestaumel oder Racheschwüren, sondern auf dem Friedhof.

Eigentlich sind viele dieser Lieder Anti-Kriegslieder.

21 Jahre Mai 25, 2011, 21:09

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ist mein Primus jetzt schon alt. Ich war heute mittag auf dem Heimweg und kaufte mir gerade einen Happen zu essen, als ich aus der Ferne eine hochgewachsene, blonde, bartstopplige Gestalt mit riesigem Rucksack und sandfarbener Uniform sah. Ich konnte nur piepsen, „Priiiiiimus!“, und er kam sofort auf mich zu geschossen. Ich mußte richtig an ihm hochspringen, um ihm zu gratulieren. Die Happen-Verkäuferin, eine junge Frau, strahlte Primus fast so entzückt an wie ich und meinte dann, „wie hast du überhaupt gehört, daß sie dich gerufen hat? sie hat ja nur gezirpt“. Und Primus feixte und meinte, „das Zirpen hör ich schon seit 21 Jahren, das hör ich überall raus“.

Wenn ich mit Primus rumlaufe und Bahn fahre, fällt mir immer auf, wie sehr wir im Unisono sind. Hinter uns schleppt ein arabischer Familienvater einen riesigen Koffer die Treppe runter – wir wenden uns gleichzeitig um und noch bevor ich Primus schubsen kann, sagt er höflich: „kann ich helfen?“ Beim Gedränge auf der nächsten Treppe sehen wir einen gebückten alten Mann mit Stock vorsichtig hinter der Menge her trapsen. Wir verlangsamen beide unser Tempo und kreisen ihn förmlich ein, unauffällig genug, um bei der Hand zu sein, falls er fällt. Hinterher grinst Primus mich an. Es ist ihm auch aufgefallen.

Er ist ein feiner Junge und ich bin froh, daß wir ihn haben. Ich erinnere mich noch genau an die letzten Tage meiner Schwangerschaft mit ihm, als ich lächerlich riesige Ausmaße angenommen hatte – Primus ist ja über 4 kg schwer geboren worden und er war 56 cm lang…. Ich ging zur Krankenschwester, um mir die übliche Wöchnerinnenausstattung abzuholen und noch ein paar gute Tips dazu, und die nette Krankenschwester fragte mich: „kannst du dir vorstellen, daß du in ein paar Tagen Mutter bist?“, und ich dachte mir, „ich bin doch schon längst Mutter“. Meiner Erfahrung nach fängt die Mutterschaft nämlich nicht mit der Geburt an. Da ich meine Karriere als Mutter schon als kleines Mädchen geplant habe, meine Puppen gehätschelt und mir Listen von Vornamen gemacht habe, fiel es mir nie schwer, mir vorzustellen, Mutter zu werden. Es war die natürlichste Sache der Welt, dieser Übergang, und ich glaube, er fand statt, als mir die Frauenärztin verkündete, daß ich schwanger bin.

Weil es (trivialerweise) so ein wichtiger Anteil meiner Identität ist, diese Mutterschaft, und ich immer denke, man sieht mir zehn Kilometer gegen den Wind das Muttertier an, amüsiert es mich ohne Ende, wenn ich mal für kinderlos gehalten werde. So wie vor ein paar Jahren eine Studentin verblüfft war, als ich im Gespräch die Kinder erwähnte, und meinte, „WAS, du hast Kinder? und wir dachten, du lebst ganz allein mit tausenden von Büchern und arbeitest nur!“ Woraus ich entnahm, daß sich eine ganze Gruppe Studenten so ein Bild von mir zurechtgelegt hatte, ruhiger Elfenbeinturm und einsamer Kunstgenuß… worüber ich noch immer kichern kann.

Es war also, großes Wort, mein Lebenstraum, der an einem hellen Mainachmittag in einem Krankenhaus mit Meerblick vor 21 Jahren Wirklichkeit wurde. Primus hat es mir leicht gemacht, denn obwohl er ein sensibles Baby war und recht viel schrie (meine alte Nachbarin konstatierte seufzend eine Matratzenphobie bei ihm  – auf dem Arm war er still, aber sobald wir ihn in die Horizontale und in Nähe der Matratze brachten, wachte er auf und weinte…), war es immer leicht, ihn zu verstehen. Er hat uns zu Eltern gemacht und uns beigebracht, was Elternsein bedeutet. Alle Erstgeborenen wissen, daß das keine leichte Aufgabe ist. Mazal tov, bni ha bachor. 

Oh nein Mai 24, 2011, 19:19

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denke ich beim Hören der Nachrichten – ein tödlicher Unfall in der Nähe von Jerusalem, und einer der Toten heißt Uri Dasberg. Dasberg, den Namen kenne ich aber – mein Gedächtnis ist ja so gut. Noch bevor ich googeln muß, um sicher zu sein, sagt der Reporter es schon – der Rabbi Dasberg und seine Frau ziehen die Enkelkinder groß, nachdem deren beide Eltern, Efrat und Yaron Unger, bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen sind, das Ehepaar Unger. Oh, die armen Kinder – Terrorwaisen, und jetzt ist der Großvater auch tot. Ich denke mit Grauen an die Trauer, die im Haus Dasberg jetzt herrscht.

Ich habe auch noch nicht mit Primus gesprochen. Es ist genau sein Einsatzgebiet, wo der Unfall passiert ist.

Von der Haussuche Mai 24, 2011, 16:40

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Wie bereits erzählt, dachten wir uns: fangen wir jetzt schon mal an, uns umzugucken, denn wer weiß, wie lang es dauert, bis wir ein passendes Haus finden? Und Y. fing an, im Internet zu fischen. Das erste Haus, das er fand, war ganz in der Nähe. Wir fuhren gleich hin und waren sehr angetan – es war ein sehr hübsches, kompaktes, wunderschön eingerichtetes Haus, aber für uns einfach zu klein. Die Zimmer waren eng, wenn auch gemütlich, und das Wohnzimmer pitzi – das ging nicht. Leider.

Mit der Besitzerin, einer sehr netten Amerikanerin, hatte ich sofort chemistry. Wir kamen ins Gespräch, es stellte sich heraus, daß ich ihre Schwägerin gut kenne, und sie erzählte mir mit leiser Stimme von den Gründen, warum sie das Haus aufgeben muß. Ja, ihr Mann hat sie verlassen, für eine 15 Jahre Jüngere, und sie kann das Haus allein nicht halten. Sie hat drei Kinder. Sie hatte Tränen in den Augen, obwohl sie vorher so vergnügt und witzig gewesen war, und mir tat es leid, daß das Haus uns nicht paßte. Ihr auch.

Das zweite Haus habe ich bereits beschrieben. Wir fuhren am Unabhängigkeitstag hin, nachdem Y. mit der Besitzerin telefoniert hatte. Eine zierliche junge Frau, sehr ernst, mit zwei Grundschulkindern. Als sie die am Haus vorgenommenen Veränderungen beschrieb, sagte sie „wir“ („in der Küche haben wir…“), aber als sie von der Zukunft sprach, „ich“ („ich brauche vor allem…“). Ich dachte mir so, oh je, wo ist der Mann? Noch eine verlassene Frau…?

Wir waren vom Haus sehr angetan und das Gespräch ging leicht und positiv. Sie meinte, wir gefallen ihr besser als alle anderen, die bis dahin bei ihr waren (das passiert uns immer, wir haben wohl so eine vertrauenerweckende Ausstrahlung oder was auch immer). Beim Abschied standen wir vor einem großen Bild im Eingan, das einen strahlenden jungen Mann zeigt, der zwei kleine Kinder auf dem Arm hält. Wir sahen uns das Bild schweigend an, bis Y. das Schweigen brach und sagte: „dein Mann kommt mir so bekannt vor – wo habe ich ihn schon einmal gesehen?“ Die junge Frau straffte sich etwas und antwortete, „vermutlich aus dem Fernsehen oder der Zeitung. Mein Mann ist im zweiten Libanonkrieg gefallen“.

Da standen wir wie angewurzelt. Ich stammelte, „und da kommen wir dir ausgerechnet heute ins Haus“, und sie meinte, „ja, gestern wollten auch Leute kommen, aber ich habe gesagt, ich kann niemanden sehen“.

Sie ist seit fünf Jahren Witwe. Ob die Kinder sich an den Vater noch erinnern, weiß ich nicht – sie sind wirklich noch klein. Sie sind auf Quartas Schule, und Quarta erzählte uns, daß sie bei der Zeremonie vorm Gedenktag das Bild des Vaters auch gesehen hat, in der Schule. Wir konnten nun auch besser verstehen, warum der Sohn in seinem schönen großen Zimmer nicht mehr schlafen will – er hat Angst vor dem Krieg, Angst vor Katyusha-Raketen, und schläft deswegen nur noch im Schutzraum. Und die Mutter hat das große Obergeschoß, das sie und ihr Mann sich als Arbeits- und Schlafbereich ausgebaut hatten, vermietet, um bei den Kindern zu schlafen. Jetzt ist es ihr aber zu groß und abgelegen. Sie verläßt das Haus nur schweren Herzens und hat natürlich auch Angst, daß sie übervorteilt oder übers Ohr gehauen wird, als junge Witwe.

Ja, in dieses Haus also werden wir ziehen. Wir haben der jungen Frau versprochen, daß wir das Haus, in dem ihr Mann fast alles selbst gebaut und geplant hat, in Ehren halten werden.

Und noch ein Link… Mai 24, 2011, 15:16

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… der eigentlich zum Unabhängigkeitstag gehört. Benji Lovitt zählt wie jedes Jahr auf, warum er Israel liebt. Für jedes Jahr Israel ein Grund. Das wäre natürlich vor ein paar Jahren einfacher gewesen.

This list would have been so much easier in the 1950s.  “Happy 3rd birthday, Israel!  Here are three things I love about you:  I love that you exist.  I love speaking Hebrew.  I love being a majority.  CHAG SAMEACH, EVERYBODY!”

Aber auch zum 63. Geburtstag gehen ihm die Gründe nicht aus, warum er das Land liebt. (Er schummelt sogar und schiebt ein paar Zwischenzahlen ein….)

Eine Auslese:

4)    I love how the Bezeq guy gave me internet service only after kissing the mezuzah on my doorpost.  I appreciate the service but how about kissing my bill down 50 shekels a month?

6)    I love how our start-up nation created the Iron Dome defense system to shoot down enemy rockets.  And is it just me or does “Iron Dome” sound like the name of an Israeli condom?

7)    Speaking of Iron Domes, I love the unique Rosh Hashana ads that you can only see in Israel. (Bild angucken! keine Ahnung, wo Benji das gefunden hat…)

38) I love that our intelligence services are so good that our neighbors actually believe that we’re employing sharks and vultures as Mossad agents.  That explains why we have so many cats in this country. They’re doing intel.

44) I love that when I clicked “Contact” on Ivri’s Lider’s website to ask a question, I got a reply within one hour from Ivri himself.  The moment Bono returns one of my emails is the moment falafel flies out of my tooseek.

51) I love that if I had to hitchhike, not only would it probably be much safer than in most other countries, but also that I could find a mutual friend with the driver within the first five minutes.

Ich bin sicher, daß ich auch so  eine Liste vollkriege. Und ich nehme mir vor, wieder öfter bei Benji reinzugucken. Seine Einträge sind sehr witzig – noch witziger, wenn man seine hebräischen Brocken versteht.

Benjis Verblüffung über die israelische Methode, einen Boden aufzuwischen, teile ich übrigens. Einen Eimer Wasser ausgießen und mit Gummilippe aus dem Haus befördern??? Denn im Kibbuz wird natürlich einfach die Tür aufgemacht und das Wasser wird in den Garten geschwemmt, während Benji auf der Etage nach dem Ausguß forschen muß. Im Kindergarten habe ich den Sinn der Methode auch eingesehen – aber zuhause? Ich habe längst möbelschonendere Methoden eingeführt, aber meine Schwiegermutter und viele meiner Freundinnen schieben immer noch ihren täglichen Eimer Wasser durchs Haus.

(Und was das Wassersparen angeht: meine beste Freundin duscht mit dem Putzeimer neben sich in der Dusche. Das Wasser, das darin aufgefangen wird, benutzt sie zum Putzen. Sie behauptet, das kühlt das Haus, und ohne diesen Eimer Wasser ist das Haus nicht sauber. Okay…)

Also, Benji lesen und das Staunen mitempfinden.

Preisfrage Mai 24, 2011, 14:51

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Wer hat diese Rede gehalten?

We are striving for a permanent solution to the unending bloody conflict between us and the Palestinians and the Arab states.

In the framework of the permanent solution, we aspire to reach, first and foremost, the State of Israel as a Jewish state, at least 80% of whose citizens will be, and are, Jews.

At the same time, we also promise that the non-Jewish citizens of Israel — Muslim, Christian, Druze and others — will enjoy full personal, religious and civil rights, like those of any Israeli citizen. Judaism and racism are diametrically opposed.

We view the permanent solution in the framework of State of Israel which will include most of the area of the Land of Israel as it was under the rule of the British Mandate, and alongside it a Palestinian entity which will be a home to most of the Palestinian residents living in the Gaza Strip and the West Bank.

We would like this to be an entity which is less than a state, and which will independently run the lives of the Palestinians under its authority. The borders of the State of Israel, during the permanent solution, will be beyond the lines which existed before the Six Day War. We will not return to the 4 June 1967 lines.

And these are the main changes, not all of them, which we envision and want in the permanent solution:

A. First and foremost, united Jerusalem, which will include both Ma’ale Adumim and Givat Ze’ev — as the capital of Israel, under Israeli sovereignty, while preserving the rights of the members of the other faiths, Christianity and Islam, to freedom of access and freedom of worship in their holy places, according to the customs of their faiths.

B. The security border of the State of Israel will be located in the Jordan Valley, in the broadest meaning of that term.

C. Changes which will include the addition of Gush Etzion, Efrat, Beitar and other communities, most of which are in the area east of what was the „Green Line,“ prior to the Six Day War.

D. The establishment of blocs of settlements in Judea and Samaria, like the one in Gush Katif.

Nun, wer war’s? Die Lösung gibt es hier.

Wo ist Majdi Halabi? Mai 24, 2011, 11:44

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Den Namen Gilad Shalit kennt jeder, aber vergessen wir nicht: es gibt auch andere verschwundene Soldaten. Heute wird in den Zeitungen daran erinnert, daß Majdi Halabi aus Daliat el Karmel schon seit sechs Jahren spurlos verschwunden ist. Ich habe Majdis Bild bei jeder Fahrt durch den Karmel gesehen, eine Zeitlang täglich. Auch Guy Hever ist nie wiedergekommen. Ich wünsche den Familien, daß sie gefunden werden. Tun wir genug dafür?

Etwas unheimlich Mai 20, 2011, 10:57

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Wenn in unserer Umgebung Ehen (langjaenrige Beziehungen) zerbrechen, dann immer gleich mehrere in kurzer Zeit. Ueber Jahre hinweg herrscht Ruhe, alle scheinen gluecklich und zufrieden zu sein – und auf einmal geht eine Welle los und man hoert hier, da und dort: die trennen sich, er hat sie verlassen, sie hat ihn verlassaen, sie lassen sich scheiden… fiel mir gerade so auf.

Komische Sache, ich habe keine Erklaerung dafuer. Es ist auch nicht so, als wuerden sie sich gegenseitig „anstecken“ – die Paare, die ich meine, kennen sich nicht mal.

Link-Nachlese Mai 19, 2011, 19:21

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Leider hab ich ein bisschen viel zu tun, ich reagiere auch nicht aufmerksam genug auf die Kommentare, sondern ueberlasse den Kommentarbereich ein bisschen sich selbst, entschuldigt.

Aber ein bisschen Link-dumping ist doch vertretbar, oder?

Silke hat bei EoZ darauf hingewiesen: ein Interview mit den Soldaten, die an der syrischen Grenze dabei waren.

„We didn’t have refrigerators thrown at us,“ says Or, „but they hurled rocks. Stones. The first time I got to a checkpoint I thought the worst would be small rocks. Suddenly, giant stones are being hurled at me. You get that it’s not something that’s going to scratch you, it’s something that could kill you.“ Daniel, already more than a year in Ramallah, says, „Yesterday they used objects I’ve never seen. Slingshots with marbles, for example. Marbles, because they are clear, you don’t see till they reach you. So they do damage to your face – they take out your eyes and break teeth.“

And still, they stress time and time again, no limits were crossed. „We really restrained ourselves. A lot,“ says Deputy Commander Harel, „Live-fire wasn’t even considered. We used stun grenades and gas grenades, and in specific cases rubber bullets.“ Eli adds, „That’s the idea, to be restrained. The mission isn’t to kill. It’s the exact opposite – that people will come out alive.“

„We came to disperse a riot, we didn’t come to conquer,“ Daniel adds. „The goal is to prevent damage and prevent hurting people. If there are no rocks, we don’t respond. We would just stand there to make sure everything is ok. Everything we do depends on how much we are attacked. In most cases the unruliness starts the moment people see army. Sometimes it’s before. Sometimes rocks are thrown on an empty stand, and only then we get there.“

So viel zu den Ereignissen vom 15. Mai. Und zu der unertraeglichen Berichterstattung: wie definiert ein deutscher Journalist, ach was, fast jeder deutsche Journalist, die Naqba?

Die Welt:

Die Palästinenser gedenken am Tag der Nakba (Katastrophe) der Flucht und Vertreibung Hunderttausender Araber aus dem historischen Palästina nach der israelischen Staatsgründung von 1948.

Diese Formulierung habe ich in x verschiedenen Zeitungen wortwoertlich wiederholt gesehen, ich nehme an, dass es eine Agenturmeldung war, die alle nachgeplappert haben.

In dieser Formulierung fehlt natuerlich vollkommen der Angriff der arabischen Staaten nach der Gruendung des Staats Israel, und dass sowohl Flucht als auch Vertreibung im Rahmen eines Kriegs stattfanden, den nicht Israel angezettelt hat. Diese Version, in dem die Araber (damals war das Wort Palaestinenser noch nicht ausschliesslich fuer Araber gebraeuchlich) vollkommen passsiv, ueberrannt und friedlich sind, ist natuerlich die Version, die sie selbst erzaehlen, und in der jede Fehlentscheidung ihrerseits vertuscht statt reflektiert wird. So erzaehlt zB Abu Mazen die Geschichte.

Er hat ihr in einem Artikel in der New York Times die typische Form gegeben. Israellycool reagiert darauf. Der Eintrag ist reichlich mit Links bestueckt, falls jemand weiterlesen moechte.

Auch Israel Matzav widmet sich Abu Mazens Artikel und stellt dabei die wichtigsten Luegen und Faelschungen richtig. Fuer alle, die noch nie davon gehoert haben, dass Israel damals von allen Seiten angegriffen wurde, noch bevor der neue Staat sich organisieren konnte – hingehen und lesen. Nebenbei lernt man auch noch, dass es einen selbstaendigen arabischen Staat Palaestina nie gab (und auch vor 1967 niemand daran dachte, weder Amerikaner noch Russen, weder Jordanier noch Aegypter, so einen zu gruenden).

Scharf im Tone ist auch Sultan Knish in seiner Erlaeuterung, was die Naqba-Feierreden weglassen.

But in Muslim culture time never passes. The words, „You Lost a War, Get Over It“, have no meaning. Arab Muslims still think Spain is theirs. Every time they see a European army, they mutter about the Crusades. Jews are greeted with chants of „Khaybar ya Yahood“ recalling Mohammed’s massacre of the Jews, a historical event that is much closer to what the Nakba only claims to be. Nothing is ever forgotten. Old hatreds are nurtured into violent rages that cannot be calmed by any treaty. The purpose of hate is hate. The purpose of Nakba is Nakba.

History is a dead word. The Muslim world has no history. It has pervasive myths that feed the Arab Muslim need for self-glorification and victimization. Muslim history is one long cry of „Mine, Mine, Mine“ and „Give it Back“. Millions of Arab Muslims believe that they discovered America, that European science was stolen from them, that the entire world used to be Muslim, that the Holocaust was made up, that Neil Armstrong heard the Islamic call to prayer on the moon, that Jacques Cousteau converted to Islam and that the Koran invented light bulbs. The Nakba makes as much sense as any of these.

Er verallgemeinert ueber Millionen von Menschen, und ich gehe davon aus, dass die Verallgemeinerungen nur auf einen Teil zutreffen. Also, im Zorn geschrieben, trotzdem interessant zu lesen, wenn auch cum grano salis – eine Polemik eben.

Sachlicher, aber nicht weniger pessimistisch ist der Leitartikel in der JPost. Er stellt die Vorfaelle der Naqba-Grenzverletzungen in den Zusammenhang des Projekts Friedensloesung.

BUT WHILE the prospect of additional, far greater, “nonviolent” mass border incursions presents daunting challenges, Sunday’s “Nakba” protests were also another reminder of the fundamental opposition to Israel’s very existence. The “Nakba” anniversary those protesters, and those who sent them, are marking is not the “catastrophe” of Israel’s 1967 capture of the West Bank, the Gaza Strip, east Jerusalem and the Golan Heights. It is, rather, the “catastrophe” of the revival of the historic Jewish state in 1948, a development with which they still refuse to reconcile.

Protests were launched not only in the “disputed” territories that some Palestinian leaders assure the world are their only focus, but also at Israel’s internationally recognized borders with Gaza and with Lebanon. The day’s bleak message: Nothing has changed since 1947, when Palestinians and the Arab states rejected the UN partition plan.

Der Unabhaengigkeitskrieg Israels ist also noch immer nicht beendet. 63 Jahre flackert, zuendelt und lodert er vor sich hin, und ein Ende ist nicht abzusehen. Es sei denn, man sieht das Ende des Staats Israel. Solange der Staat existiert, existiert auch der Konflikt.

Und man hoert es lange noch… Mai 18, 2011, 21:40

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… die Hamas, sie kann es noch.

Manche Dinge aendern sich wohl nie…

Hamas spokesman Mahmoud al-Zahar insisted his organization would not negotiate with Israel despite a statement to the contrary made by Hamas politburo chief Khaled Mashaal, the Palestinian paper Al-Quds reported Wednesday.

Mashaal’s statement „does not represent the movement’s official stance, which is based on a plan of resistance and not negotiations“, al-Zahar said.

„There has been no change in the movement’s position on everything related to the resistance, which is our only option,“ he said.

Al-Zahar also predicted that Hamas would rack up more votes than Fatah in both the West Bank and Gaza in elections once they are held, but a unity government is most likely in any case, according to most predictions.

The Hamas spokesman added that there was nothing new in talks for kidnapped soldier Gilad Shalit. He also praised ‚Nakba Day‘ protesters for „creating serious danger for the Zionist entity“.

Woher der hoffnungsfrohe Jubel ueber die wunderbare Einigung von Naqba-Held Abu Mazen und Khartoum-Anhaenger Al Zahar sich genau speiste, den ich zB der ZEIT entnommen habe – tja, keine Ahnung.

Warum droht Israel mit Fehde und Streit, wenn die Palästinenser sich versöhnen?

Netanjahu fürchtet, dass sich die Palästinenser bei einer Einigung zwischen Fatah und Hamas radikalisieren würden. Dass ihre Forderungen an Israel unerfüllbar und ihre Bereitschaft zur Gewalt steigen würden. Der Beweis für diese Annahme steht jedoch aus.

Ebenso steht ein Artikel in der ZEIT, der die neusten und immergleichen deutlichen Aeusserungen der Hamas zur Kenntnis nimmt, noch aus.

Und da ich Lurchi nicht zitieren kann, ohne sein Bild vor Augen zu haben, setze ich es hier rein – das ist doch mal ein Held, der Optimismus ausstrahlt.

Seltsame Windungen Mai 18, 2011, 21:04

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Politik und Moral sind seltsam miteinander verknuepft. Ein Beispiel dafuer habe ich heute in den Nachrichten gehoert.

In der Knesset wird ueber den Voelkermord an den Armeniern debattiert. Der Voelkermord an den Armeniern ist schon ein paar Jahre her. Warum steht er jetzt erst auf der Tagesordnung der Knesset? Jahrelang haben Vertreter der Armenier, die hier leben, versucht, das Thema in die Knesset zu bringen, in die oeffentliche Diskussion. Sie sind aber immer am Willen der Politiker gescheitert, die Freundschaft mit den Tuerken keinesfalls zu gefaehrden.

Die Freundschaft mit der Tuerkei war eine voruebergehende Erscheinung oder eine Illusion. Und wir koennen jetzt das Spektakel bestaunen, wie unsere Politiker sich in rechtschaffenem Zorn ueber einen Voelkermord empoeren, der schon ein paar Jahre her ist und von dem sie vor ein paar Jahren beredt geschwiegen haben. Ich warte darauf, dass ein fleissiger Journalist ins Archiv klettert und zwei Reden desselben Politikers ausgraebt: eine voll Lobes fuer die Tuerkei und ihre historischen Errungenschaften von anno 2004, und eine aktuelle, voll moralischer Verdammung fuer die historischen Verbrechen ebendieser Tuerken. Und ich saeh zu gern, wie sich dieser Politiker dann windet.

Tja, wer noch nicht Zyniker ist, der wird’s leicht beim Nachrichtengucken. Auch der Knesset-Kanal eignet sich dafuer.

Stellt euch meine Augenbrauen vor… Mai 18, 2011, 12:51

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…hochgezogen bis an den Hinterkopf.

Bei einer Protestkundgebung vor einem Lager der deutschen Soldaten kamen mindestens zehn Menschen ums Leben. Afghanische Polizisten, aber auch deutsche Soldaten sollen auf gewalttätige Demonstranten geschossen haben.

Wie bitte????????

Ich dachte, Deutsche tun sowas nicht, auf gewalttaetige Demonstranten schiessen. Ich dachte, nur bei den brutalen Israelis geht das. Ich dachte, die deutschen Soldaten haben Anweisung, bei gewalttaetigen Ausschreitungen Frigeo-Brause zu verteilen, weil man zwei Haende braucht, um die zu lecken (in die linke Hand kippt man die Brause, mit dem rechten Zeigefinger tupft man sie auf, Linkshaender tauschen dementsprechend), dieses urdeutsche, extra zur Selbstverteidigung entwickelte Erzeugnis. Denn ohne Haende frei kann man schlecht Steine schmeissen und so.

Ich scheine mich geirrt zu haben.

Bilder von friedlichen Demonstranten… oder: wo waren die UNO-Soldaten? Mai 17, 2011, 13:33

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… die wir nach Meinung der deutschen Kommentatoren einfach haetten weiterlaufen lassen sollen.

(die Bilder sind von dieser Seite, der Hinweis stammt von Israel Matzav)

Auch die libanesische Armee versucht die Demonstranten daran zu hindern, die Grenze zu durchbrechen – vermutlich gehen mehrere Todesfaelle auf ihr Konto. Nicht, als ob deutsche Medien daran ein Interesse haetten – Opfer anderer als israelischer Waffen erfreuen sich geringer Aufmerksamkeit.


Wie kann jemand diese Bilder ansehen und zu dem Schluss kommen, dass von diesem Mob keine Gefahr ausging? Sie kamen aus Laendern, die im Kriegszustand mit Israel leben. Wohlgemerkt: wo man den Zaun sieht, ist nicht etwa die Grenze, die haben sie zu dem Zeitpunkt laengst ueberschritten. Die Grenze liegt in der Mitte eines mehrere Meter breiten Streifens, der auf beiden Seiten von Zaeunen begrenzt wird. Die syrische Seite des Zauns haben diese Demonstranten nur mit taetiger Mithilfe der syrischen Grenzpolizei ueberwinden koennen, da ist normalerweise auch gesperrt.

Und das soll kein feindlicher Akt sein? Entschuldigt, dass ich noch immer schaeume, aber das geht mir gegen die Natur. (Ich werde mir spaeter die Bilder mit Primus, der gerade angekommen ist, noch mal angucken, und da er das Gelaende um Majdal Shams gut kennt, hat er vielleicht noch Ergaenzungen. Ansonsten hab ich zum verlinkten Text nichts hinzuzufuegen.

Aerger und Stress… und nicht mal Umlaute Mai 17, 2011, 9:36

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I.
Meine Festplatte hat endgueltig den Geist aufgegeben, ich bin auf Y.s Laptop umgestiegen. Gott sei Dank habe ich alle meine Dateien retten koennen, aber so ein ungewohntes Geraet ist schon seltsam. Man gewoehnt sich ja an Tastatur und Bildschirm, als waer’s ein Koerperteil. Fuehlt sich alles sehr seltsam an hier. Ich werde wohl oder uebel auch Deutsch installieren muessen, obwohl das wiederum fuer Y. eine Aenderung bedeuten wird – na ja, ich kann’s ja hinterher wieder rausnehmen.

II.
Dass die UNO Israel dafuer verurteilt hat, die Grenzen des Staats zu verteidigen, wundert einen schon nicht mehr. Tausende Tote in Syrien – na ja, das wird nicht so doll gemeint sein. Tote Syrer in Israel – oi va voi. Noch ist nicht geprueft, wie viele Tote an der libanesischen Grenze von der libanesischen Armee erschossen wurden. Laut Jerusalem Post hat die Armee Aufnahmen von solchen Schuessen, haelt sie aber zurueck, aus was fuer Gruenden auch immer.

Dass die Demonstranten von Assads Sicherheitskraeften angeleitet wurden, interessiert in den internationalen Medien und der UNO niemanden mehr. Dass eine eklatante Grenzverletzung dieser Art mit einer Verurteilung des angegriffenen Lands beantwortet wird, sagt einem alles ueber die UNO, was man wissen will. Ich sollte nicht schockiert sein, bin es aber doch. Unsere Souveraenitaet und Sicherheit, der alle gern Lippendienst leisten, gilt also im Ernstfall tatsaechlich – nichts, null, efes agol.

Ich meine, nach Willen der UNO haetten die Soldaten die Demonstranten einfach weitergehen lassen sollen, nicht wahr? Bis sie in Haeuser eindringen? Und wenn sie bewaffnet sind? Wenn einer mit Bombenguertel dabei ist? Oder mit Messern? Soll ich denen die Haustuer aufmachen und sagen: macht es euch gemuetlich, ist ja eh alles euers? Nach Ansicht der UNO ist es das wohl tatsaechlich. Diese unverschaemt rechtsbrecherische Unterstuetzung derer, die Israel jede Legitimitaet absprechen, ist jedensfalls das schwaerzeste Anzeichen von Uebel, dessen ich mich erinnern kann. Es kommen stuermische Zeiten auf uns zu.

III.
Auch im persoenlichen Bereich – nur Stress. Wie ich alles nacharbeiten soll, was ich durch Krankheit und andauernden Computerausfall liegengeblieben ist, ach, keine Ahnung. Denken wir nicht daran, bloggen wir statt dessen lieber!

Mit gemischten Gefuehlen berichte ich eine weitere Neuigkeit aus unserem ach so interessanten Leben: wir ziehen wieder um. Tja, wenn sie einmal losgelassen, diese Kibbuzniks! Im Kibbuz sind wir auch ein paarmal umgezogen, immer von klein-klein-und-viel-zu-eng in ein gerade-noch-gross-genug, das dann auch schnell zu klein wurde. Aber man kam eben auf die Liste, wenn noch ein Kind geboren wurde, fuer die naechstgroessere Wohnung.

Das hat sich im Kibbuz auch veraendert, man kann zwar nach wie vor nicht einfach eine neue Wohnung suchen, weil alle Wohnungen vom Ausschuss verteilt werden, aber viele Leute bauen ihre Haeuschen mit privatem Geld um (was dann Aerger mit dem Kibbuz macht, wenn die Haeuser nach Wert geschaetzt und „verteilt“ bzw an ihre Bewohner verkauft werden). Als ich noch im Kibbuz lebte, sah ich diese ausgebauten Haeuschen als vollwertige Haeuser an und dachte nur, „na, die haben aber viel Platz, das sind doch bestimmt 110 m2“. Und mit den Kibbuz-Gaerten und Terrassen ist das ja auch familienfreundliches Wohnen.

Wir haben uns an die 140 oder 150 m2, die wir hier haben, schnell gewoehnt. Wirtschaftsraum, begehbarer Kleiderschrank, vernuenftige Kueche, grosses Wohnzimmer – wunderbar, sehr genossen, und die Optik stellt sich ganz schnell um. Wenn wir jetzt in den Kibbuz kommen, sehen wir uns nur beklommen an: in so einem wiiiinzigen Wohnzimmer haben wir mal unseren ganzen Proell untergebracht? Eigentlich war es gut, beengt zu wohnen, denn das zwang uns, staendig Sachen wegzuschmeissen und alles unter Kontrolle zu halten. Es ging ja auch.

Nervig war eher der Geschwisterstreit, und es sind natuerlich wieder die Kinder, oh diese Kinder! (ja ja, ich weiss, sie sind erwachsen!), die den Anlass fuer die Suche nach einer neuen Bleibe geben. Denn so herrlich und paradiesisch schoen und wunderbar praktisch und heissgeliebt dieses Haus ist – es fehlen einfach zwei Zimmer. Der Hausbesitzer, der sie eigentlich noch anbauen wollte, kommt nun doch nicht dazu, und obwohl die Jungens sich im Nachbarhaus in der Einliegerwohnung sehr wohlfuehlen, ist es auf die Dauer zu teuer. Und mir fehlt das Gefuehl, alle unter einem Dach zu haben – ich weiss, dass das den Jungens gar nicht fehlt, aber ich hab sie nun mal gern alle bei mir.

Da unser Vertrag hier im Dezember auslaeuft, haben wir also gedacht: na gucken wir uns mal um, wie der Markt fuer Mietshaeuser so aussieht. Und bereits das zweite Haus, das wir angeguckt haben, war der Volltreffer. Nicht so schoen wie das Haus, in dem wir jetzt wohnen, und auch nicht in der jetzt modernen Formensprache (Neo-Bauhaus: einfach, kubisch, Flachdach, Erdfarbe), sondern in der traditionellen israelischen Bauweise (Ziegeldach, weisser Putz). Auch nicht so neu wie dieses Haus, sondern ein mehrmals umgebautes aelteres Haus, dem man ansieht, wo was hinzugefuegt wurde. Aber: es ist mehr als doppelt so gross und kostet deutlich weniger als die zwei Mieten, die wir jetzt bezahlen.

Da sich alles irgendwie fuegt, werden wir also im Juli, statt nach Deutschland zu fliegen und uns auszuruhen, unseren gesamten Hausrat packen und umziehen. Mir graust davor, obwohl ich zugeben muss, dass es vor anderthalb Jahren ja auch machbar war und gar nicht so schlimm. Aber die Buecher, die Buecher. Ohne die waere Umziehen ueberhaupt kein Problem.

Es ist also einerseits ein Stressfaktor, dieses Projekt Umzug mit allem Drum und Dran auf uns zu nehmen. Nur ungern werde ich dieses herrliche Haus mit dem Blick aufs Meer und dem Kraeutergarten verlassen. (Falls jemand weiss, wie man einen Kraeutergarten mitnimmt, sagt Bescheid! mindestens Ableger von jedem Kraut will ich mitnehmen). Doch auch im neuen Haus haben wir Blick aufs Meer – zwar aus etwas groesserer Entfernung und nur vom Balkon aus, aber auch der Rest der Aussicht ist nicht zu verachten.

In Luftlinie ist das Oertchen, in das wir ziehen, nicht weit entfernt von dem, wo wir jetzt wohnen. Wir ruecken naeher an den Libanon – NOCH naeher. Schulen, Gemeindeverwaltung, Wasserwerk und alles andere bleibt sich gleich. Die naechstgroessere Stadt bleibt Nahariya, es ist dieselbe Busgesellschaft und auch wenn es vielleicht 5 km mehr landeinwaerts geht, ist es genauso am Ende der Welt wie der Moshav, in dem wir jetzt leben.

Wir haben die Kinder und das Geld entscheiden lassen. Wenn es nach meinem Herzen gegangen waeren, waere ich hier wohl nie wieder weggezogen. Es wird mir schwerfallen, ein weniger schoenes Haus einzurichten, bei dem man sich Muehe geben muss, es zu verschoenern. Andererseits: ein ebenerdiger grosser Garten, genuegend Platz fuer ein Arbeitszimmer sowohl fuer mich als auch fuer Y., Blick auf die Berge – das ist auch nicht schlecht.

Auch dass das Haus und seine Umgebung schon was aelter sind, ist gut: das bedeutet naemlich, dass dort nicht mehr gebaut wird. Wir wohnen ja umgeben von Baustellen, was Laerm bedeutet (hier werden die Fundamente in den Fels gestemmt, macht sehr viel Laerm), Staub und Sorge, dass ein Haus genau in unsere Blicklinie geklotzt wird. „Unsere“ Klippschliefer haben sich schon zurueckgezogen, weil „ihr“ Steinhaufen zur Baustelle wird. Im Ort dagegen, wo wir hinziehen werden, wird zwar eine neue Nachbarschaft gebaut, aber das ist auf der anderen Seite, so dass wir die Vorteile (mehr Bewohner, Verbesserung der Infrastruktur) zwar geniessen werden, aber keine Nachteile in Form von Kompressor und Loechern im Buergersteig haben.

Ebenfalls von Vorteil ist der aeltere Garten – statt Disteln und zarten Neu-Baeumchen haben wir es dort mit ausgewachsenen Baeumen zu tun, und der Garten wirkt wohlgepflegt. Mein Kraeutergaertchen fuer den taeglichen Tee und fuer Gewuerze krieg ich auch wieder. Und ich habe weitreichende Plaene – ich bin sogar so weit gegangen, mir das einzig erreichbare englische Buch ueber Gaertnern in Israel zu bestellen. Ich hatte mir das mal ausgeliehen, da hatten wir aber nur ein Mini-Gaertchen.

Ich bemuehe mich also, es so optimistisch wie moeglich zu sehen. Ausser mir sind alle begeistert, besonders Quarta, die dieses Haus nie recht mochte und immer noch dem Kibbuz nachtrauert. Sie meint, mit diesem Umzug und mit dem Uebergang auf die hoehere Schule kann sie dann einen Schnitt machen.

Wenn ich mehr Zeit habe, erzaehle ich mal was vom house hunting. Das war ganz interessant. Bilder kommen auch noch.

Zu Fuß unterwegs Mai 15, 2011, 14:59

Posted by Lila in Presseschau.
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Vor über 20 Jahren habe ich zum ersten Mal gehört, wie Y. sagt: „die Araber müssen einfach nur zu Fuß nach Israel gehen – mit Frau und Kind und Opa – und da können wir gar nichts gegen tun. Selbst wenn wir auf sie schießen – es sind viel zu viele und kommen immer welche nach. Wie gut, daß sie bisher nochnicht auf die Idee gekommen sind“.

Nun, sie sind anscheinend auf die Idee gekommen.

Die Schlagzeile im SPon ist übrigens wieder mal der Hammer:

Gefecht an der israelisch-syrischen Grenze

Neue Gewalt im Nahen Osten: Israelische Soldaten haben vier Menschen erschossen, die versucht haben sollen, von Syrien aus die Grenze nach Israel zu überqueren. Bei den Toten handelt es sich offenbar um demonstrierende Palästinenser. Auch am Gaza-Streifen kam es zu schweren Zwischenfällen.

Aus diesen Sätzen ist jede aktive Aggression gegen Israel getilgt. Die Gewalt geht natürlich von den schießenden Israelis aus. (Der Text ist auch empörend ungenau, was die Gründe für dieses Spektakel namens Naqba angeht, und erwähnt weder den Kriegsausbruch 1948 noch die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern – beides Tatsachen, die die Opferpose der Palästinenser relativieren.)

Es sind viele arabische Journalisten in der Gegend unterwegs – das war eine geplante Aktion, mit Genehmigung Assads. Sonst kämen die Leute ja gar nicht bis an die Grenze dran, sie ist ja auch syrischerseits geschlossen.

Ich wüßte mal gern, was die syrische Grenzposten täten, wenn ich zu Fuß über die Grenze wollte. Das ist eine geschlossene Grenze, wer da rübergeht, tut es auf eigene Gefahr.

Ich guck gleich mal aus dem Fenster, ob sich an der nördlichen Grenze nicht auch was tut. Wie peinlich für Nasrallah, wenn nur Syrer und Palästinenser unsere Grenzen verletzten… nein, sind sind in der Nähe von Avivim, das ist ein bißchen weiter weg.

Nachtrag zu Pessach Mai 12, 2011, 17:05

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Ofra Haza singt Hoshia-na, Erlöse uns (aus dem Animationsfilm Prinz von Ägypten).

Balagaaaaan… Mai 12, 2011, 10:48

Posted by Lila in Land und Leute.
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Balagan ist eines der ersten israelischen Wörter, die man lernt – es bedeutet Chaos. Heute früh hatte ich ein bißchen balagan. Eigentlich sollte ich mit sämtlichen Kollegen und Studenten nach Tel Aviv ins Museum fahren, eine richtig schöne Exkursion, wie ich sie so gern mag. Natürlich habe ich geplant, mit der Bahn von Nahariya bis Tel Aviv zu fahren und dann den Bus zu nehmen. Wie praktisch, so nah an der Bahn zu leben!

Ich komme also heute früh unternehmungslustig und seelenvergnügt in Nahariya an – keine Eisenbahn fährt. Überraschung! die Bahn streikt! Ohne Ankündigung! Es war wohl eine plötzliche Entscheidung – ein bißchen Spontaneität macht das Leben doch interessanter, nicht wahr?

Der Busbahnhof war überlaufen mit panischen Fahrgästen, kein Sammeltaxi war zu kriegen, und an der Kreuzung Nahariya-Richtung Süden standen die Autos bis Regba. Da war kein Durchkommen.

Ich rief die Chefin an – was soll ich tun? Sie meinte nur, „bleib zuhause, ich kann mir das Chaos vorstellen“. Mit Glück schaffte ich es zurück in Richtung Norden, nach Hause. Ärgerlich ist es aber doch, ich mag diese Tage im Museum so gern, denn ich arbeite mit so interessanten Menschen zusammen, und ich sehe sie praktisch nie. Andererseits hatte ich Glück, daß ich einfach auf den Tag verzichten konnte – was ich an einem normalen Unterrichtstag gemacht hätte, weiß ich nicht, denn da hätte ich auf Biegen und Brechen versucht, irgendwie zur Hochschule zu kommen.

Aber was ich da heute früh am Bahnhof und Busbahnhof in Nahariya gesehen habe, das war balagan in Reinform.

Zwei traurige Nachrichten Mai 11, 2011, 20:04

Posted by Lila in Presseschau.
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Normalerweise sag ich nicht viel zu Nachrichten aus anderen Ländern, weil ich weiß, wie wenig man auf die medialen Berichte geben kann, in denen die Informationen zu uns sickern. Aber zwei Nachrichten sind es heute, die ich sehr beklemmend und traurig finde.

Die Bilder aus Japan, von den Menschen, die noch einmal in ihre Häuser dürfen, um eine kleine Tüte mit Unersetzbarem zu füllen und sich dann von der Hülle zu verabschieden, die ihr Leben umgab. Ja, sie sind froh, am Leben zu sein und es sind ja nur materielle Besitztümer und die kann man ersetzen. Aber es ist auch mehr. Wir Menschen umgeben uns nicht nur mit Gebrauchsgegenständen, sondern auch mit symbolischen Objekten. Wie Jahresringe umgeben unsere Sammlungen uns, die Bilder, Bücher, Gläser, Teppiche und Blumenvasen, widerspiegeln Phasen unseres Lebens und unseren Geschmack (oder das bilden wir uns zumindest ein).

Die Illusion der Geborgenheit im eigenen Heim, die Routine, die uns täglich Sicherheit gibt, diese zerbrechliche Schutzhülle des Alltags – das alles haben diese Menschen jetzt verloren. Daß das alles so äußerlich unversehrt aussieht, ganz im Gegensatz zu den Tsunami-Verwüstungen, macht diese vergifteten privaten Welten desto unheimlicher.

Und die Nachrichten von den Vorgängen in Syrien bedrücken mich. Syrien beherrscht unsere Nachrichten, und ich finde es unendlich bedrückend, was ich von dort höre. So nah bei uns, und wie leben die Menschen dort. Und wie lange schon müssen sie innerlich diesen Zorn auf Assads Regime gespürt haben. Ich gebe ehrlich zu, daß ich zwar wußte, wie despotisch und brutal dieses Regime ist, aber immer davon ausgegangen bin, daß ein Großteil der Syrer auf seiner Linie liegt. Ich habe mir nicht genug Gedanken darüber gemacht, wie es eigentlich in den Syrern aussieht, diesen potentiellen Feinden, und ich frage mich, wie es mit dem Land weitergeht.

Ägypten sieht nicht vielversprechend aus – keiner weiß noch, in welche Richtung die Veränderungen dort gehen werden. Libyen und Syrien sind im Umbruch, aber was bleibt und was verändert sich? Ich glaube nicht, daß jemand das sicher sagen kann.

Jedenfalls ist sonnenklar, daß unter dem Rauchvorhang des Israel-Palästina-Konflikts sehr finstere Regime ihre Bevölkerungen ungestört mißhandeln konnten. Keinen hat es  gekümmert. Auch mich nicht genug.

Wenn ich mir diese bei Wikipedia gefundene Graphik angucke, wundert mich nichts mehr. Es ist eine Aufschlüsslung der länderspezifischen Resolutionen der UNO-Generalversammlung.

Nichts hat die UNO mehr beschäftigt als der israelisch-palästinensische Konflikt (den ich nicht mehr Nahostkonflikt nennen möchte, weil es im Nahen Osten von Konflikten nur so wimmelt und ich nicht aktiv zu dieser Hypertrophierung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern beitragen will). Egal wen sie öfter verdammt haben (und wir wissen, wen sie normalerweise verdammen)  – sie haben die Größenordnung dieses Konflikts komplett falsch eingeschätzt.

Ich wünschte, ich könnte optimistischer sein, was die Entwicklungen in den arabischen Ländern angeht. Statt dessen fürchte ich, daß wir die Talsohle noch nicht durchschritten haben.

Dialog: Tertia und Quarta Mai 10, 2011, 17:47

Posted by Lila in Kinder.
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Ich höre den Mädchen zu und schreib einfach mit.

Tertia: „Wenn ich darüber nachdenke – Mama, die Oma in Deutschland hat ja gar keinen Schutzraum“

Quarta: „Richtig, was soll sie bloß machen, wenn jemand auf Deutschland schießt?“

Tertia: „Also das Haus ist ja groß, aber so viel Glas und so – das ist doch gar nicht sicher… eigentlich hat niemand in Deutschland einen Schutzraum.“

Quarta: „Ja, aber auf Deutschland schießt doch auch keiner. Wer soll Deutschland schon angreifen? die Japaner vielleicht?“

Tertia: „Na aber trotzdem. Ist das nicht komisch? Ist mir noch nie vorher aufgefallen. Wie gut, daß wir in Israel überall Schutzräume haben…“.

Die Mädchen wundern sich auch, daß in Deutschland nirgends Sicherheitsleute sind, daß man nirgends die Tasche aufmachen oder durch eine Schleuse muß. Bedeutet das nun, daß Deutschland sicherer ist oder unsicherer? Sicherer, meinen sie schließlich. Aber WENN was wäre – dann unsicherer.

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