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Mittelstaedt lügt – Teil II November 30, 2010, 20:00

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Es tut mir leid, daß ich diesen Artikel nicht aus den Klauen lassen kann, aber er steckt so voller Lügen, daß  er sich trefflich zum Auseinandernehmen eignet. Und nein, es ist nicht schade um meine Zeit, ich habe enorme Berge von Arbeit letzthin weggeschafft, und ich schlafe besser, wenn ich die Wahrheit hingeschrieben habe. Auch wenn Mittelstaedts Lügen von Hunderttausenden gelesen werden und die Wahrheit nur von einer Handvoll.

Also zitieren wir sie noch einmal:

Juden und Araber leben in getrennten Städten, lernen in getrennten Schulen und wählen getrennte Parteien. Es gibt Jobanzeigen, in denen steht „Avoda Ivrit“ – „Hebräische Arbeit“. Das bedeutet: Arbeit nur für Juden.

Juden und Araber leben in getrennten Städten? Sie leben nicht in „getrennten“ Städten. Sie leben in verschiedenen Städten, sie leben in denselben Städten. In Akko, Jafo, Nazareth und Haifa, zum Beispiel,  leben Juden und Araber zusammen. Es gibt Orte, in denen Moslems und Drusen wohnen, oder Drusen und Christen, und die Tscherkessen wohnen überhaupt allein. Beduinen wohnen in beduinischen Orten. Ultra-Orthodoxe leben getrennt von Säkularen, Kibbuzniks wohnen im Kibbuz und Moshavniks im Moshav. In Meilia wohnen libanesische Katholiken.

Insgesamt ist Israel sehr heterogen,  aber Menschen wohnen nun mal gern unter ihresgleichen, wo sie ihre Kirche haben oder ihre Moschee, wo die Nachbarn ihnen ähnlich sind und die Kinder der Nachbarn mit den eigenen Kindern spielen können, ohne daß die Unterschiede zu kraß sind. Das ist in Deutschland nicht anders, und nirgends auf der Welt. Es gibt soziale Segregation und ethnische.  Yuppies wohnen in der Nähe von anderen Yuppies, Arbeiter wohnen in anderen Gegenden  als Professoren, und jeder weiß, wo in Berlin die Türken wohnen und wo nicht. Big deal, Juliane!

….lernen in getrennten Schulen…

Noch eine Lüge. Wie jeder weiß, der hier mitgelesen hat, besteht hier die Möglichkeit, die Schule zu wählen. Selbstverständlich gibt es in arabischen Städten arabische Schulen! Was würde Mittelstaedt sich wohl ereifern, wenn arabische Kinder in jüdische Schülen gezwungen würden? Es gibt eine PH für arabische Studenten, wo auf Arabisch gelernt wird und besonderes Gewicht auf Lehrstoff gelegt wird, der Arabern wichtig ist. Auch Juden können dort studieren. Und meine Lehramtsstudenten sind zu c. einem Drittel arabisch – in manchen Kursen sitzen nur fünf Araber, in anderen sitzt nur ein einsamer Jude.

Und so werden Lehrer für die Schulen in Israel ausgebildet. Sie widerspiegeln die Vielfalt der Bevölkerung mit ihren verschiedenen Interessen und Bedürfnissen. Es gibt religiöse Schulen, es gibt christliche Ordensschulen, staatliche Schulen, arabische Schulen, Kibbuzschulen, künstlerische ausgerichtete Schulen, landwirtschaftliche Schulen… und die Eltern wählen, wo sie ihre Kinder hinschicken. Arabische Eltern wählen größtenteils die arabischen Schulen, weil dort auf Arabisch gelehrt wird und weil der Lehrplan widerspiegelt, was den Eltern wichtig ist. Manche wählen Schulen wie die meiner Kinder, wo die Unterrichtssprache Hebräisch ist. Das ist ganz allein ihre Sache. Meine Tochter hat gute arabische Freunde. In den meisten arabischen Schulen dagegen gibt es keine jüdischen Schüler.

Es gibt aber ein paar arabisch-jüdische  Schulen wie Hand-in-Hand in Jerusalem und die ausgezeichnete Grundschule in Manshia Zabda, wo der Unterricht zweisprachig ist.

Kurz, Mittelstaedt hat keine Ahnung, wovon sie spricht. Oder sie lügt bewußt.

…. und wählen getrennte Parteien.

Was, bitte, sind „getrennte“ Parteien? Sie wählen genau dieselben Parteien wie Nicht-Araber, nämlich die Parteien, die zur Wahl zugelassen sind. Es gibt Likud-Büros und –Wähler in arabischen Dörfern, es gibt jüdische Abgeordnete arabischer Parteien (am bekanntesten war Tamar Gozansky), es gibt Parteien, die von Juden und Arabern gleichermaßen gewählt werden (Meretz). Araber wählen Parteien und Politiker, von denen sie die optimale Vertretung ihrer Interessen erwarten. Juden tun dasselbe. Das nennt sich Demokratie. Niemand hält einen Araber davon ab, eine zionistische Partei zu wählen, und gar nicht so wenige tun es. Ich habe keine Zahlen, aber ich weiß, daß es Araber gibt, die traditionell Avoda wählen und sogar, wie gesagt, Likud. Gibt es alles. So wie es Juden gibt, die Balad wählen.

Und jetzt die infamste Lüge.

Es gibt Jobanzeigen, in denen steht „Avoda Ivrit“ – „Hebräische Arbeit“. Das bedeutet: Arbeit nur für Juden.

Das ist glatt gelogen. Dafür müßte man diese Frau glatt verklagen.  Y. allerdings hat laut rausgelacht, als ich ihm das erzählt habe. Ehrlich gesagt, er hat sich nicht mehr eingekriegt.

Was bedeutet Avoda Ivrit? Es bedeutet „hebräische Arbeit“ und war der Slogan der jüdischen Einwanderer im 19. Jahrhundert, die die Sümpfe trockengelegt haben. „Hebräische Arbeit“ bedeutet: keine arabische Arbeitskraft ausnutzen, sondern selbst die schwere körperliche Arbeit zu leisten. Also keine verwöhnten Kolonisten zu sein, sondern das Land selbst zu bearbeiten und bewohnbar zu machen. Das ist alles.  Es ist verboten, potentielle Arbeitskräfte zu diskriminieren.

Selective hiring practices are illegal in Israel under the Act of Equality in Employment.

Allerdings wird ein moslemischer Araber Probleme haben, bei Rafael oder anderen Firmen, die für das Militär produzieren, Arbeit zu finden.  Manche Arbeitgeber mögen das als Ausrede benutzen, um keine Araber einzustellen. Wie es auch in Deutschland Leute gibt, die lieber Claudia als Fatma einstellen.  Überall, wo Y. und ich je gearbeitet haben, hatten wir selbstverständlich arabische Kollegen.

Y., der dauernd Stellenanzeigen liest, hat wie gesagt nur laut gelacht, als er von Mittelstädts Behauptung hörte. Sie ist an den Haaren herbeigezogen.  Was für ein Unfug, avoda ivrit!

Allerdings gibt es eine sehr gute Doppel-CD mit Coverversionen von schönen alten Liedern, und die heißt Avoda Ivrit. Das Bild auf dem Cover zeigt schon, daß der Begriff in die Pionierzeiten vor der Staatsgründung verweist und das 60jährige Jubiläum des Staats feiert.

Und das ist die Art von Musik, die wir mit Avoda Ivrit verbinden, wo man sieht, wie die Originalversion und die Coverversion ineinander übergehen:

Und jetzt sagt mir, ob so ein Artikel nicht eine glatte Unverschämtheit ist. Der durchschnittliche Leser wird die einzelnen Punkte nicht nachprüfen, sondern nur nicken und sagen: ja ja, die Juden, nichts dazugelernt, diese Rassisten, das wußten wir ja schon… Und in einem Jahr werden sie keine Einzelheiten mehr wissen, nur dieses unklare, aber felsenfeste Gefühl der Gewißheit, daß Israel ein durch und durch rassistischer Staat ist.

Wenn der SPon Anstand hätte, würde er eine Richtigstellung veröffentlichen.

 

ETA: eine Auswahl aus den Kommentaren veröffentlicht die Achse des Guten. Ich muß sagen, wenn ich sowas lese, bin ich heilfroh, daß ich meine von jüdischem Blut verseuchten Nachkommen nicht in Deutschland großziehe. Es ist fürchterlich, was da ans Licht kriecht und krabbelt…

Wetterklage (täglich neu!) November 30, 2010, 7:35

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Auch heute mußte ich den Garten wässern. Die Bäumchen sehen armselig aus – ich weiß nicht, ob es der Wassermangel ist oder doch eine Art Herbstgefühl, daß die Blättchen alle abgefallen sind. Der Ostwind will nicht weichen. Nachts ist es kühl, wenigstens das!, aber morgens erwärmt sich die Luft sehr schnell. Der Himmel ist stumpf und staubig, über dem Meer liegen dicke Schleier von Staub, gelb-grau und in Streifen.

Die Trockenheit ist nicht leichter zu ertragen, wenn sie Wochen anhält und man sich eigentlich daran gewöhnen sollte. Man mag sich kaum in den Arm nehmen – jede Berührung wird von Knistern und kleinen elektrischen Schlägen begleitet. Wenn Quarta ihr Haar bürstet, steht es wie ein Heiligenschein um ihren Kopf.  Bevor ich den Kühlschrank anfasse, wische ich mir mit einem nassen Lappen über die Finger – sonst kriege ich ganz fiese Schläge. Ich habe diesen Lappen immer bereit. Meine Wäsche trocknet so schnell, daß sie bretthart wird.

Ich habe es so satt, so satt. Europa ertrinkt im Schnee, wir sehen den See Genezareth beängstigend schrumpfen. Wir sparen Wasser. Auch am Garten knapse ich – wir werden keinen Rasen säen, weil Rasen ein furchtbarer Wasserfresser ist. Jeden Monat, wenn die Wasserrechnung kommt, sind wir zufrieden, überlegen aber, wo wir noch weiter sparen können.  Niemand von uns würde sich spaßeshalber länger unter die Dusche stellen als notwendig. Baden tun wir gar nicht.

Wir warten auf den Regen. Überall sprechen die Menschen von der Trockenheit, der Wasserkrise. Und nicht aus Höflichkeit oder Mangel an anderen Themen – sondern weil wir besorgt bis zur Hysterie sind. Im Fernsehen laufen Mahnungen, noch mehr Wasser zu sparen – Israels bekannteste Schauspieler und Sänger (und Bar Rafaeli!) flehen uns an, den Kinneret zu retten. Israel trocknet aus. Und wir spüren es körperlich.

Die Fatach tagt… November 29, 2010, 22:28

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… und ich weiß nicht, ob außerhalb von Israel darüber überhaupt berichtet wird.

Fatach – ganz richtig, die Leute um Abu Mazen (Mahmoud Abbas), die „moderaten“ Palästinenser, denen wir so weit wie möglich entgegenkommen sollen.

Ich habe keine Zeit zum Übersetzen, also einfach wie´s in der JPost steht:

Participants kicked off discussion by giving special honor to Amin al-Hindi, one of the masterminds of the 1972 Munich Olympics massacre of 11 Israeli athletes, who died earlier this year.

Richtig – einer der Mörder von München wurde besonders geehrt.  So viel zur natürlich vollkommen aus der Luft gegriffenen Forderung Israels, daß die Palästinenser den Kult des  Terrors beenden sollen. Sie tun es nicht, sie feiern Terroristen nach wie vor und begreifen die Mörder der Olympischen Spiele als bewundernswerte Vorbilder, die man ehren muß. Was will uns das sagen?

The Fatah council derogatorily rejected recognition of “the so-called Jewish state” or any “racist state based on religion.

Das ist natürlich wunderbar, gewissermaßen eine Übersetzung. Israel sagt: jüdischer demokratischer Staat (wobei demokratisch selbstverständlich Gleichberechtigung für Minderheiten einschließt), und die Fatach übersetzt es als   rassistischer Staat, der auf Religion basiert. Sehr spaßig. Jedoch ist Judentum weder eine Rasse (liebe  Fatach-Funktionäre, die Rassentheorie hat sich inzwischen überlebt, guten Morgen!) noch eine Religion – denn der Staat Israel gründet seine Definition von jüdisch nicht auf die Halacha.  Der Staat akzeptiert als jüdisch genug für Aliya auch Menschen, die das Rabbinat nicht akzeptiert – ein Riesenproblem für Einwanderer, doch eindeutig Zeichen dafür,  daß Israel keineswegs als Theokratie angelegt ist.

Was bedeutet jüdischer Staat denn dann – diese Formulierung, die auch so vielen Deutschen Bauchschmerzen macht, da sie sich nicht von ihren deutschen Begriffen freimachen können und Juden als „Menschen jüdischen Glaubens“ definiert, als ginge es um tatsächlich nur um Religion.

Liebe Leute, Judentum ist eine ethnische Kategorie. Am Israel, das Volk Israel, so heißt es schon in der Bibel. Im Gegensatz zum Christentum, in dem das Ethnische keine Rolle spielt – weswegen es kein „christliches Volk“ gibt – was wiederum für Juden schwer zu verstehen ist, eine Studentin hat tatsächlich mal die Formulierung vom „christlichen Volk“ benutzt, und Juden fragen mich oft, ob sich das Christentum über den Vater vererbt.  So wie in meinem Paß steht „Der Inhaber dieses Passes ist Deutscher“, so wie das deutsche Volk im deutschen Staat lebt (und dort selbstverständlich Minderheiten akzeptiert, mit Rechten ausstattet und integriert), so ist jeder Jude (auch wenn nur väterlicherseits) potentieller Israeli. Nicht alle Israelis sind Juden, aber alle Juden sind, so sie wollen, Israelis.

Ja, daß das aber auch so kompliziert ist! Kann man denn von der Fatach erwarten, daß sie sich mal die Mühe macht zu verstehen, warum dem Verhandlungspartner dieser Punkt so wichtig ist? Wer Israel als jüdischen Staat anerkennt, der sagt damit, daß er das Recht des jüdischen Volks auf einen Staat anerkennt. Und das tut die Fatach natürlich auch nicht, ebensowenig wie die Hamas.  Wobei der Witz ist, daß sie gegen moslemische Staaten nichts einzuwenden haben. Eines schickt sich eben nicht für alle, und seit wann haben Juden Rechte wie andere?

Doch weiter, was hat uns die Fatach sonst noch zusagen?

It reasserted the “right of return” which, if implemented, would facilitate the end of a Jewish majority within the pre-1967 Green Line by allowing about four million Palestinian refugees and their offspring to settle in Israel proper.

Nichts Neues unter der Sonne. Die palästinensischen Flüchtlinge, mutwillig durch den von Arabern angezettelten Krieg aus der Heimat geflohen oder vertrieben, sollen samt Kind und Kindeskind zurückkommen dürfen – die ebenso große Zahl jüdischer Flüchtlinge, die aus arabischen Ländern brutal vertrieben wurde, wird natürlich nicht erwähnt. Immer dieselben alten Floskeln.

Land swaps as part of a peace agreement were ruled out as well. Large settlement blocs in Judea and Samaria, such as Gush Etzion, Ma’aleh Adumim and other cities located just over the Green Line, consisting of no more than five percent of the West Bank, where about 80% around 320,000 Jews live, must be uprooted and settlers must be expelled, it decided.

Na wunderbar.  Worüber bleibt dann denn überhaupt noch zu verhandeln? Die Palästinenser bleiben bei ihrem alten shtik:  Alles oder Nichts. Entweder Israel geht bedingungslos auf alle ihre Forderungen ein – dann sind sie bereit, „in Verhandlungen zu treten“ – welch verführerischen Aussichten! denn zu verhandeln bleibt ja gar nichts mehr. Aber die Ungewißheit, der Nervenkitzel, sich in einer so wehrlosen Lage zu finden, das soll uns wohl locken. Danke, ich fühle mich wenig abenteuerlustig.

Dieser Kommentar in der JPost stützt sich auf Khaled Abu Toamehs Bericht. Im Gegensatz zu den putzigen oder mittelstädtischen Journalistinnen, die sich gänzlich auf ihre kernigen palästinensischen Stringer verlassen müssen, kann Toameh nämlich Arabisch. Und er versteht, was die Fatach sagt.

Es ist mir vollkommen unverständlich, warum solche Berichte nicht die Aufmerksamkeit in deutschen Medien finden, die sie verdienen. Denn die deutschen Medien achten doch so sehr auf „Ausgewogenheit“! Ist ihnen das nicht ausgewogen genug? Oder stört es das obsessiv verfolgte Motiv von den störrischen Israelis, dem einzigen Friedenshindernis im Nahen Osten? Warten die deutschen Medien auf saftigere Brocken, zum Beispiel eine beschmierte Parkbank in Safed oder eine Facebook-Seite von einer dümmlichen Ex-Soldatin? DAS sind doch die wahren Nahost-Nachrichten. (Israel heute bringt die Nachricht auf Deutsch – wer von Euch hat sonst aus deutschen Medien davon erfahren?)

Wieso drängt die Welt uns, in Verhandlungen einzusteigen, die von vornherein sinnlos sind? Oder ist auch hier nur ein trügerischer Schleier von Rhetorik, hinter dem sich Bereitschaft verbirgt? Nun, werden wir dann mal diese Bereitschaft konkret sehen können?

Ein Nachruf November 29, 2010, 21:23

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Heute habe ich eine traurige Nachricht erhalten. Meine beste Freundin aus dem Kibbuz (eigentlich die einzige, mit der ich ständig in Kontakt bin) hat heute ihren Vater verloren.

Meine Freundin ist wenige Jahre jünger als ich,  und sie  ist die Jüngste von Fünfen (sie hat vier große Brüder). Ihr Vater war fast 80 Jahre alt, in den letzten Jahren sehr hinfällig. Er ist im Kibbuz-eigenen Altersheim gestorben, in den Armen seiner Frau.

Meine Freundin ist typische Israelin: sie hat einen gemischten ethnischen Hintergrund. Ihr heute verstorbener Vater war Holocaust-Überlebender aus Ungarn, ein Budapester Junge, der nach dem Krieg und Holocaust jahrelang nach überlebenden Familienmitgliedern suchte. Er kam mit einer Gruppe von anderen jugendlichen, verwaisten Überlebenden aus Ungarn in den Kibbuz – sie halten bis heute als Gruppe wie Pech und Schwefel zusammen, denn die meisten von ihnen sind im Kibbuz geblieben.

Diese ungarische Gruppe hatte immer einen leichten Groll auf die Gründer, die älter waren, nicht direkt vom Holocaust berührt (weil sie als glühende Zionisten wie die Großeltern meines Mannes schon in den frühen 30ern nach Palästina kamen) und ihren Gründerstolz nicht verbargen. Für die ungarischen Waisen, die mit ihren Traumata und seelischen (auch körperlichen) Narben hinzukamen, war es nicht einfach.

Der Vater meiner Freundin heiratete eine der nettesten und charmantesten Frauen des Kibbuz. Auch mit Mitte 70 hat sie nichts von ihrem Charme verloren, und niemand kann mit ihr reden, ohne ihr Lächeln zu erwidern.  Auch die Mutter meiner Freundin hat ihre Eltern sehr früh verloren, aber nicht durch den Holocaust. Sie ist ägyptische Jüdin und ist in Alexandria geboren. Den Vater hat sie nie kennengelernt, er ist vor ihrer Geburt gestorben, und die Mutter starb kurz darauf. Eine Odyssee der verwaisten Kinder folgte, bis schließlich die älteste Schwester sich um die Geschwister kümmerte.

In den 50er Jahren verließen die meisten ägyptischen Juden das Land und wanderten nach Israel ein. Die Schwestern wurden von der Aliyat ha noar, der Jugendaliya, auf Kibbuzim verteilt. In einer solchen Noar-Gruppe ist ja auch meine Schwiegermutter, Kind einer armen polnischen Familie, in den Kibbuz gekommen.  Auch die Mutter meiner Freundin hat also ihr Leben im Kibbuz nicht als privilegiertes Kind einer Gründerfamilie angefangen. Sie hat jahrelang im Kinderhaus gearbeitet, dabei auch Y. betreut, zu dem sie bis heute ein ganz besonders nettes Verhältnis hat, das sie auch auf mich und die Kinder ausgedehnt hat.

Sie ist auch die Frau, von der ich mal erzählt habe – sie traf mich gegen Ende meiner Schwangerschaft mit Secundus, als ich mit Primus spazierenging. Sie sah mir ins Gesicht und fragte: „na, machst du dir Sorgen, ob du genügend Liebe für zwei Kinder haben wirst?“ Und ich: „ja, hm, keine Ahnung, wie ich beiden gerecht werden soll, werde ich das neue Baby so liebhaben wie Primus und wird er nicht leiden….“ Und da lächelte sie und sagte: „vergiß nicht, das Herz ist ein Muskel. Je mehr du es benutzt, desto stärker wird es“.  Diese Worte, die wirklich ganz einfach und nicht phrasenhaft aus ihrem Mund kamen, haben mich tatsächlich seitdem begleitet. Sie ist eine ganz besondere Frau, die Mutter meiner Freundin.

Der verschlossene Überlebende aus Budapest und die temperamentvolle kleine Frau aus Alexandria – fünf Kinder – zwölf Enkelkinder – ein Urenkelchen – und ein Ruf als solider, zuverlässiger Mitarbeiter in der Verwaltung des Kibbuz. Das war sein Leben. Nichts Auffälliges, nichts Großartiges.

Er stand eigentlich immer ein bißchen im Schatten seiner Frau, die mit ihrer warmen Persönlichkeit nicht nur das Haus, sondern ihre ganze Umgebung versorgte. Sie ist die Nachbarin, die mir einmal, als wir alle krank waren, einen Topf Suppe durch die Tür reichte (köstliche Kürbissuppe, die ich seitdem oft nachgekocht habe). Aber sie hat ihn für den Verlust seiner Herkunftsfamilie zu entschädigen versucht, auch wenn das natürlich unmöglich ist. Sie hat sogar Ungarisch gelernt – sprechen und kochen. Wie viele Leute gibt es, die Hebräisch, Arabisch und Ungarisch fließend sprechen? Sie waren ein gutes Team, und es ist fast unmöglich, sie als Witwe vorzustellen.

Meine Freundin hat zu ihren so verschiedenen Ahnen ein ganz interessantes Verhältnis. Sie war immer, obwohl sie das einzig´Mädchen war und ihres Vaters Augapfel, selbst mehr Mutters Kind. Trotzdem hat sie sich in ihren Interessen und kulturellen Identität immer den europäischen Ahnen mehr verbunden gefühlt. Sie sieht eindeutig orientalisch aus, fühlt sich aber gar nicht so. Ihr langsam anlaufendes Projekt „Familienforschung“ ist viel komplizierter als meines. Sie war zuletzt vor zwei Monaten in Budapest, hat dort die Spuren der Kindheit ihres Vaters gesucht. Sie hat ihm die Bilder gezeigt, und er hat gelächelt, obwohl er sonst kaum noch kommunizieren konnte oder wollte.

Meine Freundin trauert nicht nur um den Verlust ihres Vaters, sondern auch darum, daß sie nun keine Chance mehr hat, die Löcher in seiner Kindheits- und Familiengeschichte zu füllen, die leer geblieben sind.

Ich kann auf Google Earth jedes Haus angucken, in dem meine Eltern und Großeltern gewohnt haben. Ich weiß, welche Schulen sie besucht haben, und kenne ihre Kindheitsfreunde und selbstverständlich alle Vettern und Cousinen. Ich weiß, wem ich ähnele und von wem ich, nach familiärer Vererbungstheorie, meine diversen Charakterfehler geerbt habe. Und ich habe erst in den letzten Jahren gelernt, daß das nicht selbstverständlich ist, und kostbar.

Meine Freundin hat jahrelang keine Fragen gestellt und sich nicht für die Geschichten ihrer Eltern interessiert. Erst als sie selbst älter wurde, erwachte auf einmal der sehnsüchtige Wunsch, mehr zu wissen. Der Vater gab nur unwillig Informationen preis, und die schließlich gefundenen Verwandten in Ungarn wissen nicht alles.  Jetzt wird sie mit den Lücken leben müssen, und auch mit der Frage: war es richtig, daß wir Kinder nicht weiter nachgefragt haben?  Haben wir dem Vater damit einen Gefallen oder Bärendienst getan?

Mittwoch wird er beerdigt.

In den Nachrichten November 29, 2010, 20:38

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Channel 2 – Yonit Levy hat gerade ein Wikileaks-Bübchen interviewt – James Ball (er hat auch gleich darüber gezwitschert). Er meinte auf Levys Frage, was noch alles ans Licht kommen wird, daß Israel nicht jedes Dokument gern sehen wird. Beziehungen zu den Nachbarn, Waffenhandel… auch unsere Achillesfersen werden bloßgelegt werden. Ich hoffe nur, daß wir mit möglichst wenigen lahmen Beinchen vom Feld humpeln…. und nicht etwa als Tausendfüßler mit lauter, lauter Achillesfersen…

Schattenfechtereien November 29, 2010, 15:14

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Trotz aller Peinlichkeiten finde ich die Wikileaks-Indiskretionen eigentlich ganz erfrischend. Man erkennt mal wieder, daß viele Meinungsverschiedenheiten eigentlich nur Scheingefechte sind. und IsraelMatzav ist bei der Lektüre  eines aufgefallen.

Obama übt ja so unermüdlich Druck auf Israel aus, alle Forderungen der Palästinenser bedingungslos zu erfüllen, damit der Konflikt „aus der Welt geschafft wird“ (obwohl die Palästinenser selbst noch keineswegs enthüllt haben, ob sie ihn damit tatsächlich als „aus der Welt geschafft“ ansehen würde). Denn dann erst kann Obama die Koalition gegen den Iran schmieden. Solange der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nicht gelöst ist, so die hundertmal gehörte Formel, kann es keine Koalition gegen den Iran gehen, weil die arabischen Staaten nicht mitziehen würden.

Gewissermaßen eine hübsche kleine Daumenschraube für Israel. Israel will Beistand gegen den Iran? Dafür muß es einen Preis zahlen, auch wenn die Forderungen der Palästinenser maßlos sind.

Doch wie ist es in Wirklichkeit? Die Koalition steht längst (wie israelische Beobachter schon längst wußten – nur hat ihnen niemand zugehört).  Der ganze Druck auf Israel war also nur zum Schein. Welche Interessen stehen dahinter? Darüber würde ich gern mal einen Wikileak lesen….

 

ETA, einen Tag später: Natürlich sagt der Leitartikel der JPost wesentlich eloquenter.  Es wäre wohl mal an der Zeit, auch in europäischen Zeitungen ehrlich zu sagen: wir haben uns geirrt. Unsere These von der Kriegstreiberei der Israel-Lobby war falsch.

 

In recent years, prominent pundits of Middle East affairs such as Foreign Policy’s Marc Lynch, The Nation’s Robert Dreyfuss, and Stephen Walt and John Mearsheimer, authors of The Israel Lobby and US Foreign Policy, have argued that Israel alone was pushing for a military attack on Iran.

It was the ubiquitous “Israel lobby” that would make sure the US continued to threaten Iran with military strikes, said Walt and Mearsheimer. It was clear to all that “for Saudi Arabia the worst thing that could happen would be… an Israeli attack on Iran,” Dreyfuss claimed just this month. Lynch, meanwhile, asserted that “while Arab leaders would certainly like Iranian influence checked, they generally strongly oppose military action which could expose them to retaliation.”

 

Warmongering Israel, ran the thesis, was single-handedly endangering geopolitical stability by attempting to plunge the Middle East into a war with the US.

All of these learned gentlemen also posited the premise of “linkage,” according to which all Middle East pathologies are a direct outcome of Israeli aggression and obstinacy. Only after the Israeli-Palestinian conflict is solved, they have argued, can other issues, such as Iran’s belligerence, be addressed.

Sunday’s revelations provided by WikiLeaks conclusively debunk these risible theories.

 

….

 

Whatever the wider repercussions of the WikiLeaks cable deluge, it has exposed the hypocrisy of those Arab leaders who publicly blame Israel for their woes while privately pleading for military measures to thwart their true enemy, Iran. And it has exposed the incompetence, too, or malice, of the analysts who took those Arab leaders’ public utterances at face value, and utilized them in a bid to ratchet up pressure on, and to besmirch, Israel.


Kleine schwarze Lügen – Mittelstaedt lügt, Teil I November 29, 2010, 12:29

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Der Artikel ist gestern erschienen und inzwischen von den Ereignissen (bzw dem Wirbel drumherum) überholt worden.  In den Kommentaren hier auf Rungholt haben wir auch schon darüber gesprochen – denn er verdient Richtigstellung. Und darum setze ich hier als extra Eintrag rein, was ich in den Kommentaren schon geschrieben habe. Vielleicht lesen es ja dann ein bißchen mehr Leute.

Bei Mittelstaedt heißt es:

Es geht in Safed um mehr als einen Nachbarschaftsstreit, um mehr als ein paar fundamentalistische Rabbis. Es geht darum, dass die jüdische Mehrheit sich nicht mehr verpflichtet fühlt, die Minderheit im Land zu tolerieren. Auf Bänken in Safed steht: „Sitzen für Hunde, Schweine und Araber verboten“.

Es scheint, dass der offene Araberhass der nationalistischen Regierung Wurzeln geschlagen hat.

Okay, sie hängt es ganz hoch auf. Was stellt man sich da vor?

Aber natürlich.  Offiziell beschriftete Bänke. Wie aber sieht es in Safed aus?

Übersetzt steht auf der Bank: Tod den Arabern – wer ist nicht dafür? Das Leben ist schöner ohne Araber.

Zweifellos gemeine, rassistische und ekelhafte Inschriften. Aber reichen sie als Beweis für tief verwurzelten Araberhaß in ganz Israel, inspiriert von der Regierung? Ist das nicht ein ziemlich großer Sprung?
Wenn jetzt eine Kritzelei auf Bänken internationale Schlagzeilen machen, dann lade ich mal zu einer Pressekonferenz in den öffentlichen Toiletten im Busbahnhof Merkazit ha Mifrats ein. Da sind schockierende Beispiele für Frauenfeindlichkeit und Sexismus zu finden, die einen internationalen Aufschrei über die Situation der Frauen in Israel zur Folge haben müssen.
(Als ob es in Safed Schweine auf Parkbänken gäbe… das muß doch wohl jedem Menschen zu denken geben.  Aber über sowas denken deutsche Leser wohl nicht nach…)

Übrigens muß ich wohl nicht betonen, daß ich die Arroganz und den Überlegenheitsanspruch mancher Ultra-Orthodoxen zum Kotzen finde. Der Skandal um die Mädchenschule, die nur ashkenasische Kinder aufnehmen wollte und dafür hundert Ausreden fand, ist mir noch gut im Gedächtnis. Viele von ihnen verachten uns, und wir sind schwer genervt von ihnen, weil sie die unangenehmen Pflichten uns überlassen. Deutlich dazu Yair Lapid.

„You hate haredim.“

It was a statement, not a question.

„Who said so?“

„Everyone knows.“

The young haredi man had a brown-reddish beard and he was quivering with anticipation for a confrontation. I’ve been familiar with this phenomenon for a while now. Haredim – and mostly the younger ones – feel an uncontrollable need to engage in such conversations with me. For them, it’s like talking to a porn starlet or to Hanin Zoabi. Later they return to their yeshiva and say that they really let Lapid have it.

I was just filling up gas at the large station at the entrance to Bnei Brak, so I had a few minutes.

„I don’t hate any Jew in the world.“

That confused him.

„Everyone knows,“ he said again.

„I think you need to join the army,“ I said. „I think you need to get help in order to integrate into the job market, and I think your children should study math and English. I also think that if, instead of doing this, you wish to study at the yeshiva, there is no reason for me to pay your salary. What does that have to do with hatred?“

In der Sache haben sowohl Meretz als auch Yair Lapid Recht, wenn sie sich gegen solche Ausbrüche wie in Safed wehren.
Aber die <em>psichim </em> (lunatic fringes…) von Safed als repräsentativ für Israel darzustellen… dafür braucht es schon eine Portion bösen Willen.

 

PS: Irgendjemand muß den SPon aufgeklärt haben, denn inzwischen heißt die Passage im Artikel so:

 

Auf Bänken in Safed steht mit Edding geschmiert: „Sitzen für Hunde, Schweine und Araber verboten“.

 

Ich schmeichle mir nicht, daß diese Korrektur Klein-Rungholts Bemühungen um Aufklärung geschuldet sind. Immerhin. Wenn sie den ganzen Artikel jetzt korrigieren wollen, haben sie aber ne Menge zu tun😀

 

Wettervorhersage November 29, 2010, 8:07

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Es bleibt weiter heiß. 30 Grad für heute erwartet. Ich trage nach wie vor Sommerröcke und leichte Blusen oder T-shirts. Der Kinneret ist so ausgetrocknet, daß es kaum anzusehen ist. Ein Albtraum.

Guy Bechor zum Thema Wikileaks November 29, 2010, 8:00

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Frei zitiert, ich schreibe mit.  (Frühstücksfernsehen, Arutz 2, gönne ich mir heute mal)

 

„Israel kommt bei den Dokumenten relativ gut weg, weil Sachen veröffentlicht werden, die wir immer schon behauptet haben. Israel ist eine offene Gesellschaft und unsere Politiker und Diplomaten sind offen bis zur Indiskretion. Niemand ist überrascht, daß Israel die Exil-Iraner unterstützt und die iranische Nuklearbewaffnung fürchtet.  Was ist daran neu?

 

Wer wirklich peinlich berührt sein muß, das sind die arabischen Staaten, die gewohnheitsmäßig mit doppelter Zunge sprechen. Sie sagen intern das Eine und nach außen das Andere. Ich sage das seit Jahren, wie alle meine israelischen Kollegen: alle lügen, wir sagen die Wahrheit. Das war auch immer unser Problem mit den Palästinensern. Wir wissen diese ganzen Enthüllungen seit langem, wir sind kein bißchen überrascht, daß die Saudis einen militärischen Schlag gegen den Iran sehen wollen. Bisher hat uns niemand außerhalb von Israel geglaubt, vielleicht glaubt es ja jetzt jemand?“

 

Ich höre immer gern Guy Bechor, denn er ist Optimist, und das ist tröstlich. Tatsächlich sind Veröffentlichungen wie dieses Dokument und dieser Bericht für Israel eine Bestätigung dessen, was wir schon wissen. Daß viele Araber zwischen Iran und Israel letzteres vorziehen, überrascht hier niemanden.

 

Ein paar interessante Zitate sind auch dabei.

Der Amir von Qatar:

 

4. (C) The Amir cautioned that the Syrians will not accept everything the U.S. proposes, stressing that the Israeli occupation of the Golan Heights continues and that the return of this land to Syria is paramount for Damascus. The Amir observed that the „Syrians have lost confidence in the U.S. and that the Israelis now have the upper hand in the region because of the support of the United States.“ The Israeli leaders need to represent the people of Israel, who themselves do not trust Arabs. The Amir said this is understandable and „we can’t blame them“ because the Israelis have been „under threat“ for a long time.

5. (C) What has changed, continued the Amir, is that Arabs „for sure“ now want two states — Israel and Palestine. When you consider that many in the region perceive that Hizballah drove Israel out of Lebanon and Hamas kicked them (at least initially) out „of the small piece of land called Gaza,“ it is actually surprising that the Israelis still want peace. The region, however, is still „far away“ from peace, concluded the Amir.

 

Interessante These.

 

Guy Bechor kommt wieder zu Wort:

 

„Man sieht auch deutlich, daß das palästinensische Problem überhaupt nicht relevant ist. Die anderen arabischen Sprachen leisten nur Lippendienst, wenn sie für die Palästinenser sprechen. Was sie wirklich bewegt, sind ganz andere Fragen. Niemanden kümmert es wirklich, was mit ihnen geschieht. Und ob es einen Staat Palästina gibt oder nicht, ändert an der Realität im Iran gar nichts. Und darum interessiert es auch niemanden. Das ist alles nur Rhetorik. Die Wikileaks-Dokumente sind ehrlich, das ist die reale Welt, in der die Palästinenser keine Rolle spielen.“

 

Daß Mubarak Netanyahu als charmant und zungenfertig bezeichnet, aber bemängelt, daß dieser seine Versprechen nicht einhält, überrascht hier niemanden. Auch die harsche Kritik an unserer politischen Trauma-Troika zur Zeit des letzten Kriegs, Olmert, Peretz und Livni, die weder miteinander arbeiten noch auskommen konnten, ist vollkommen gerechtfertigt.  Daß der amerikanische Botschafter das sah und nach Washington berichtete, ist doch wohl seine Aufgabe.

 

Daß Barak vor der Aktion „gegossenes Blei“ versucht hat, sich mit der Fatach und Ägypten abzusprechen, diese aber abgeblockt haben, reißt auch niemanden vom Hocker. Selbstverständlich geht man nicht in so eine Aktion rein, ohne sich ein politisches Ziel zu setzen.  Ob ein künstlich und mit Gewalt herbeigeführter Umsturz in Gaza auf Dauer gut und fruchtbar gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln, und verstehe die Zurückhaltung der Ägypter. Abgesehen davon, daß sie sich in der Welt der doppelten Zunge nicht leisten können, allzu offen zu zeigen, daß sie mit Israel zusammenarbeiten.

 

Daß die Welt sich Sorgen um die Türkei macht, ist ebenfalls old news. Die Türkei hat sich verändert, sie wird mächtiger und nähert sich dem Iran stetig an.

 

Der Rote Halbmond hat Waffen geschmuggelt – na, da sperren wir vor Überraschung Mund und Augen auf, wer hätte das gedacht? Es ist geradezu lächerlich, wie deutlich diese Dokumente zeigen, daß israelische Einschätzungen realistisch sind.

Wie nehmen die deutschen Medien mit ihrem großen Interesse für den Nahen Osten die Wikileaks-Informationen aus dieser Gegend wahr?

 

Ich hoffe, Bechor hat Recht (wie so oft) und es erweist sich als Segen, daß ein paar Sachen jetzt auf dem Tisch sind.  Um es mit Yaakov Katz´Worten zu sagen:

 

“If only we could say publicly what we hear behind closed doors,” Israeli officials would comment, following off-record talks they held with Arab leaders throughout the Middle East.

Well, now they can.

Tränenfeucht November 28, 2010, 23:25

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Ich sehe nicht oft fern, aber heute habe ich durch reinen Zufall einen Film gesehen, der mich bewegt hat. Und das im Channel 1! Es war ein ausgezeichneter Dokumentarfilm von Avishai Kfir über den amerikanischen Juden Fred Monosson, seine Lebensgeschichte und seine Obsessionen – Israel, Nelken im Knopfloch und Filme drehen. In Farbe.  Eine Zeitmaschine, ein Zeitloch, eine Zeitkapsel – egal welche Metapher, mir wird schwindlig dabei.

Monosson war acht Jahre alt, als seine verwitwete Mutter mit ihren Kindern Rußland verließ und nach Boston übersiedelte. Dort arbeitete Fred sich hoch, vom Schneider zum Besitzer einer Schneiderei, dann einer Kleiderfabrik, dann mehrerer Fabriken. Er wurde reich und zu einer Säule der jüdischen Gemeinde (nicht im religiösen Sinne) in Boston. Und er konnte sich eine hochmoderne Kamera leisten – mit Farbfilm. Damit hielt er sein Leben fest.

Er war schon Anfang der 40er Jahre im Mandatsgebiet Palästina, auch in unserem alten Kibbuz. Die Bilder waren einfach unglaublich – alles in Farbe, die Menschen in Tel Aviv, im Norden, an der Klagemauer. Dann der Hafen – die Schiffe mit Flüchtlingen aus Europa – die von den Briten weggeschickt wurden. Monosson verfolgte, was weiter mit ihnen geschah.

Monosson filmte nach dem Krieg in Europa, den zertrümmerten Reichstag – in Farbe. Er filmte in Warschau, das planierte Ghetto. Er war in Auschwitz, als die Schornsteine noch warm waren vom Rauch der Seelen, die dort verbrannt wurden. Und Kfir spekuliert, daß er auf dieser Reise, die ihn auch in die DP-Camps zu den Überlebenden führte,  endgültig zum Zionisten wurde. Denn er wurde ein glühender Aufbauhelfer, als der junge Staat entstand.

Er kannte sie alle, er war immer dabei. Wo immer etwas eröffnet, gefeiert, begangen wurde, er war dabei. Herzls Gebeine wurde nach Jerusalem gebracht – Monosson und seine Kamera waren dabei. Er hat alle Paraden festgehalten. Er filmte in Kfar Etzion, Wochen vor der Zerstörung und dem Massaker. Man sieht die Menschen herumlaufen, arbeiten – und weiß, was für ein Schicksal sie erwartet.

Er war in Kibbuzim, hat dort getanzt, geredet, gestiftet. Er hat aus den amerikanischen Juden große Summen zum Aufbau Israels rausgekitzelt und war zahllose Male hier. Seine Familie teilte und teilt seinen Eifer keineswegs, so daß er nicht Aliya machen konnte.  Seine Enkel, inzwischen selbst Großeltern, erinnern sich mit Stöhnen an die Abende beim Opa, wenn sie Filme über Israel gucken mußten und immer einschliefen, während der Opa ihnen jede Einzelheit erklären wollte. Bis heute war keiner von ihnen in Israel, und es interessiert sie auch nicht. Der Opa flog also meist allein oder mit seiner Frau Mimi.

Die Bilder zeigen, trotz der zweifelhaften Nähe von Kapital und Politik, einen begeisterten Menschen, der nichts für sich will, sondern alles für andere, für sein Volk, für das jüdische Volk. Sie zeigen auch einen Besessenen, der alle charmieren muß, der immer mit auf dem Bild sein muß, eine Art Forrest Gump, der immer dabei ist – aber in echt.

Er lädt Ben Gurion zu sich nach Hause ein, nach Boston. BG, der bekanntlich nichts von Galut-Juden hielt, antwortete ihm grimmig, daß er ihn wohl besuchen käme, wenn er erst ein Haus in Israel hätte. Natürlich baut sich Monosson ein Haus (damals unglaublich luxuriös wirkend) in einem Örtchen auf seinen Namen, eine weitere Stiftung. Und Ben Gurion kommt. Monosson strahlt.

Der Film zeigt einen unermüdlich tätigen Mann. Ein Fuchs und gleichzeitig von naivem Drang beseelt, allen zu gefallen, jedem Menschen ein Lächeln zu entlocken. Er flirtet mit Soldatinnen, er läßt sich von allen tauben Kindern, denen er Hörgeräte schenkte, die Patschhand geben, er filmt voll Faszination die Neueinwanderer aus dem Jemen (Fliegender Teppich) und Marokko. Die Maaborot (Lager für Neueinwanderer)! Was wohl aus den Einwanderern dort geworden ist? Wo sind Chaims Eltern, wo Shoshana, die in einer Maabara geboren ist? Wo meine Schwiegermutter, die als Kind dort lebte?

Tel Aviv – so leer! Wie die Leute gekleidet sind – mit Petticoats, die Frauen toupiert, alle laufen schnell, schnell, schnell. Die Autos! Und immer lächelt irgendwo Monosson. Er muß überall jemandem seine Kamera in die Hand gedrückt haben, um bei allen Bildern mit dabei zu sein. Immer zieht er jemanden zu sich heran, streicht sich mit komischer Grimasse über die Glatze, kokettiert mit der Kamera.

Unter der Geschichte eines guten Mannes an wunderschönen, bunt gefilmten Orten, die wir so gut kennen und die sich seither so verändert haben, spielt sich eine andere Geschichte ab: das Überleben des Volks Israel im 20. Jahrhundert.

Ich unterrichte ja einen Kurs über Kunst und Holocaust und habe heute über Kinderzeichnungen aus Terezin gesprochen. Terezin, der Stadt, die der Führer den Juden gebaut hat. Ich habe den Studenten die Bilder gezeigt, die die Kinder von der Ausschmückung des Ghettos gemalt haben, bevor das Rote Kreuz zu Besuch kam und befand, daß es vertretbar und angemessen ist, Juden in einem Ghetto zu halten. Die ganzen letzten Tage habe ich in diesem Thema gelebt, die Bilder ausgewählt und sortiert und mehr Bücher dazu gelesen, als mir guttut.

Der heutige Tag jedenfalls hat mir in einer Nußschale alles beschert, was mein Leben hier ausmacht. Morgens früh um sechs: zwei Söhnen in Uniform hinterhergewinkt. Mittags: mit Übelkeit im Magen das Mittelstädtsche Gebräu von Nachrichten, Ressentiments, Halbwahrheiten und Volllügen gelesen und mir das selbstgerechte Nicken und innere Juchzen der deutschen Leser ausgemalt (als ob es in Deutschland keine Idioten mit Vorurteilen gäbe). Nachmittags: über die Kinder von Terezin referiert, die vor ihrem Tod in Friedl Dicker-Brandeis´ Kunstklasse gemalt haben, was sie gesehen haben – Bilder, die kein Kind je sehen dürfte. Abends: dieser Film, der mir gezeigt hat, wie fragil der Staat Israel ist. Alles hängt an einem Härchen, alles hätte auch schiefgehen können, und es könnte morgen schon schiefgehen.

Und warum ich dieses Fleckchen Erde mit Irren aller Couleur so liebe. Es ist ein Wunder des Himmels, daß es Israel überhaupt gibt, diesen einen sicheren Hafen für das jüdische Volk. Und es ist ein noch größeres Wunder, daß Israel überhaupt noch existiert, verhaßt und verleumdet und mit Auslöschung täglich bedroht.  Ich bete und hoffe, daß Israel auch weiterhin bestehen wird.

Ich habe als Kind Kishon gelesen und eine Geschichte nie verstanden. Das war „Der Unterschied“, in „Dreh´n Sie sich um, Frau Lot“ – die Geschichte von dem amerikanischen Besucher Klein, der bei der Parade in Jerusalem in Tränen ausbricht, als er die vier mickrigen Hubschrauber sieht. Heute weiß ich, warum er geweint hat.

Schon eine Weile her… November 27, 2010, 11:20

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Im letzten Semester hingen überall an der PH Plakate für ein Konzert in einem Club namens Ultrasound, und obwohl das nichts für mich gewesen wäre, war mir der Name der Gruppe bekannt. Infected Mushroom, das hören meine Kinder nämlich manchmal.

Auf Nachfragen erklärten mir die Söhne, daß es sich dabei um eine Trance-Gruppe handelt, und das Internet präzisiert das Genre: Psy-Trance. Okay. Und die jungen Männer, die diese Musik machen, sind nicht nur inzwischen richtig berühmt, sondern sie sind auch Israelis, und nicht nur das: sie kommen aus Haifa bzw Kiriyat Yam, also aus der Provinz.  Wenn sie also einen Abend für die Studenten im Norden Israels machen, ist nett von ihnen, aber ein richtiges Heimspiel. Beide haben eine typisch israelische Biographie, also Armee, danach Abhängen in Goa, und dann erst wußten sie, was sie eigentlich machen wollten.

Also, Israel produziert nicht nur Waffen, Schlagzeilen, Computer und Medikamente, sondern auch Psy-Trance der Weltklasse. Wollte ich nur mal angemerkt haben. Schade, daß die hedonistische Seite Israels immer zu kurz kommt.  Das gehört nämlich auch zum Bild. Ich sehe bei meiner Vision des Friedens jedenfalls einen Club in Beirut vor mir, wo israelische und libanesische Fans gemeinsam tanzen. Hoffentlich dauert es bis dahin nicht so lange, daß Infected Mushroom eine Rentnerband ist.

(Ich glaube, Converting Vegetarians habe ich mal bei Muzika israelit vorgestellt).

Verkehrte Welt? November 24, 2010, 17:46

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Gerade lese ich bei SPon den etwas reißerisch aufgemachten Artikel über die „Online-Jagd auf Israels Wehrpflicht-Sünderinnen„:

 

Eine Spezialeinheit ist demnach mit der Aufgabe betraut worden, Schummlerinnen ausfindig zu machen, die ihre tiefe Religiosität nur vorschieben. Eine Analyse der Facebook-Aktivitäten der verweigernden Damen soll zutage bringen, ob sie sich wirklich den jüdischen Regeln gemäß verhalten, oder ob man ihnen Fehlverhalten, womöglich sogar regelmäßiges, nachweisen kann. Eine Aktion, die offenbar erfolgreich verläuft. Bisher haben die Ermittler dem Zeitungsbericht zufolge bereits rund 1000 Falsch-Verweigerinnen aufgespürt, deren Facebook-Aktivitäten einen gar nicht so orthodox geprägten Lebensstil verrieten.

 

– und denke mir, na sowas, gibt es etwa was Neues zu diesem Thema in israelischen Medien? Es gibt.  Ynet berichtet heute darüber, daß eine Gesetzesvorlage gescheitert ist, die vorsah, junge Frauen genauer unter die Lupe zu nehmen, die nur vorgeben, religiös zu sein.

 

The bill, proposed by Hasson along with Miri Regev, of the Likud, stipulates that any girl who claims she is religious in order to be exempt from military service must provide the proper certification from a religious school.

Many coalition members supported it at first, but ultra-Orthodox MKs said it goes against the status-quo and attempt to make life more difficult for religious girls.

 

Wohlgemerkt, die Gesetzesvorlage (von Miri Regev, der früheren Armeesprecherin, die jetzt für die Likud in der Knesset sitzt), ist gescheitert. Unter anderem, weil die ultraorthodoxen Parteien dagegen waren. Davon weiß der SPon wohl noch nichts. Na ja, vielleicht wird die Geschichte ja aktualisiert?

 

Tertia ist jedenfalls empört, daß ein Mädchen aus ihrer Klasse diese Masche probieren will. „Sie läuft im Minirock rum und geht am Shabat tanzen, und dann will sie der Armee vorlügen, daß sie religiös ist!“ Es ist übrigens dieselbe, die sich um die Feier zum Shoah-Gedenktag mit der Begründung gedrückt hat, daß sie dann bei ihrer Oma ist, einer Überlebenden, die alle Enkel um sich haben will. Obwohl die Oma aus Marokko stammt und keineswegs die Shoah direkt erlebt hat. Damals war Tertia geradezu schockiert, als das Mädchen sich dann noch vor ihren Freundinnen mit dem gelungenen Trick brüstete. Ich muß ehrlich sagen, daß ich mir nicht sicher bin, ob so ein Mädchen wirklich ein Gewinn für die Armee ist. Soll sie doch den zivilen Dienst machen, den religiöse Mädchen machen – das ist doch kein Beinab und sie gibt ihrem Land auch zwei Jahre lang ihre Arbeitskraft.

Nun, sie wird vermutlich sowieso nicht durchkommen, denn die Armee achtet tatsächlich zunehmend darauf, wer sich mit welchen Ausreden vor dem Dienst drücken will. Wer von einer normalen säkularen Schule kommt, hat da schlechte Karten. Menschen ausschnüffeln oder gar „jagen“ halte ich auch nicht für schön, aber sich mit Lügen vor einer Pflicht drücken, die andere seufzend erfüllen müssen, das ist auch nicht das Wahre.

 

Eine weitere Jahrgangsstufen-Kameradin von Tertia hat eine ganz besondere Geschichte – ihr Vater war hoher Offizier bei der Zadal, der südlibanesischen Armee, die mit Israel in der Pufferzone kooperierte. Bei der überstürzten Räumung im Mai 2000 floh auch diese Familie, heute wohnen sie in Nahariya. Die Kinder können sich freiwillig zum Wehrdienst melden, müssen es aber nicht. Dieses Mädchen ist Araberin, Libanesin (ich weiß nicht mehr, welche Religion – der Name klingt moslemisch), und nach längerem Zögern hat sie sich entschieden, daß sie zur Armee gehen will.

 

Trotz der bitteren Gefühle, die ihr Vater noch immer hat – wäre der Abzug nicht so holterdipolter über die Bühne gegangen, hätte Zadal wie eigentlich geplant die Stellung halten können. Vermutlich hätten all diese Menschen den Libanon nicht verlassen müssen.

 

Es muß traurig sein, an der Grenze zu stehen, rüberzugucken und nicht mehr rüberzudürfen. Ich glaube auch, der Staat hat diesen Menschen gegenüber seine Pflicht nicht ausreichend erfüllt.  Aber ich habe den höchsten Respekt vor diesem Mädchen. Ich kann mir die gemischten Gefühle der Eltern nicht vorstellen, wenn sie ihre Tochter in der israelischen Uniform sehen werden.

 

Qual der Wahl November 22, 2010, 21:33

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Es ist das dritte Mal, daß eines meiner Kinder sich auf die Armee vorbereitet, und diesmal ist es Tertia. Alles läuft ganz anders als bei den Jungen.

 

Beide Söhne waren, genau wie alle ihre Freunde, trotz ihrer Erziehung im traditionell linkszionistischen Kibbuz-Milieu, heiß auf die Armee. Sie sahen es als eine Art sportliche Ehre, in eine möglichst kämpferische Einheit zu gelangen, und dort möglichst gefährliche, anstrengende und geheime Aufgaben zugeteilt zu bekommen. Es war natürlich sehr interessant zu sehen, wie die Abenteuerspielplatz-Sicht auf die Armee innerhalb von wenigen Wochen zerbröckelte (was keine Predigt oder zynische Bemerkung von Vater, Onkel oder älterem Freund fertiggebracht hätte), und wie beide Söhne erkannten, daß ganz andere Dinge wichtig sind. Beide haben es ja auch sehr schnell geschafft, ihre Pläne diesen Erkenntnissen anzupassen, und auch  das gehört zum Erwachsenwerden in Israel wohl dazu.

 

Aber in der Vorbereitungsphase, in der die Armee den ganzen Jahrgang einlädt und mehrmals auf Herz, Nieren, Intelligenz, Charakter, Neigungen und Wünsche testet, befragt und interviewt, in dieser Phase war für die Jungen nur wichtig, so gut wie möglich abzuschneiden und sich damit einen Platz in einer prestigeträchtigen Einheit zu sichern.

 

Dabei spielen Profil (also körperliche Fitness) und Kaba (mentale Stärke und IQ) eine große Rolle. Primus´ Profil wurde durch seine schwache Sehkraft beeinträchtigt, Secundus´ Profil war so hoch wie möglich – 97. Kein israelischer Mann erreicht die 100, denn sie sind alle beschnitten (auch die Drusen und Beduinen, soweit ich weiß) und dafür gehen 3 Punkte ab. Die Kaba-Note weiß ich nicht mehr, oder vielleicht erfahren sie gar nicht, aber sie haben beide wohl gute Zahlen erreicht, denn sie sind in guten, wenn auch nicht Elite-Einheiten.

 

Bei den Jungen, das weiß ich noch genau, war es mehr die Frage: in welche Einheit sollen wir gehen? welche nimmt uns?, die sie beschäftigte. Artillerie oder Luftabwehr, Duvdevan oder Shaldag, U-Boote oder Sayeret Matkal? Was sie dann da mal tun sollten, hat sie weniger beschäftigt, das würde sich dann schon ergeben.

 

Y.s Versuche, sie dafür zu interessieren, welche Aufgaben es denn nun konkret in der Armee gibt und welche davon zu ihnen passen würden, die stießen bei beiden Jungens nicht auf viel Gehör. Jetzt natürlich desto mehr, jetzt auf einmal fragen sie ihren Vater (der die Armee wirklich gründlich kennt, besonders durch ein paar echte Insider-Kurse in seiner Zeit bei der Aufklärung, wo die Armee sich selbst reflektiert) und richten sich sogar nach seinen Tips.

 

Aber bei Tertia ist das alles ganz anders. Sie hat ein exzellentes Profil, trotz ihrer schwierigen Ausgangsbedingungen als geborene ziflona (Winzling) und Asthma-überschatteter früher Kindheit. Für mich eine Erleichterung, für sie vollkommen irrelevant. Der Kaba interessiert sie mehr, und sie hat nun mehrere solcher Treffen hinter sich, bei denen sie stundenlang getestet und interviewt wurde.

 

Und jetzt hat die Armee ihr ein Heftchen geschickt, das voll ist mit Beschreibungen von zukünftigen Aufgabenbereichen. Es ist extra für die Mädchen geschrieben und die einzelnen Einheiten spielen dabei kaum eine Rolle. Die meisten Aufgaben, die dort beschrieben werden, sind in allen Einheiten vertreten – überall gibt es eine Ansprechpartnerin für Soldaten, alle Einheiten beschäftigen Offizierinnen, die Eignungsprüfungen für Führungsaufgaben durchführen, und jede Einheit hat Büros. Denn sehr viele Jobs, die den Mädchen angeboten werden, sind administrative Arbeiten.

 

Über eine Beschreibung hat sich Tertia richtig aufgeregt: eine interessante und nicht ungefährliche Eiheit, wo die Soldatinnen aus dem Büro  die Arbeit der männlichen Kollegen unterstützen und begleiten. Gefahr ist nur für die Männer dabei. Frechheit!, meinte Tertia, wenn sie schon in so eine Einheit ginge, dann würde sie auch „vor Ort“ tätig werden und sich in Gefahr bringen. Aber ansonsten spielt die Frage der Gefahr, bei den Jungen solch ein Ehrenpunkt, überhaupt keine Rolle. Sie ist bereit dazu, aber sie nimmt die Frage nicht weiter wichtig.

 

Kämpfende Einheiten, die auch Mädchen nehmen, gibt es natürlich auch, aber für meine Tertia ist das nichts (während Quarta schon ihre Karriere bei Caracal plant… oder Kampfpilotin, das würde sie schon gern werden *ächz*). Schon eher zieht sie die Tätigkeit einer Ausbilderin in Betracht. In der Artillerie und bei den Panzern zum Beispiel sind es meist junge Frauen, die die Rekruten im Umgang mit Waffen und Panzern schulen – sie haben gründliche technische Kenntnisse und geben die weiter. Dabei müssen sie sich natürlich von den Jungens auch auf die Probe stellen lassen – Secundus hat inzwischen großen Respekt vor den Ausbilderinnen, die er schon getroffen hat.

 

Eine ihrer Cousinen macht eine Ausbildung zur Fernmeldetechnikerin, eine andere war Einsatzleiterin bei der Luftwaffe an der Grenze zum Gazastreifen. Während „Cast lead“ war das besonders stressig. Sie kann nicht viel darüber erzählen. Y. empfiehlt ihr Aufklärung, die ja so viele Aufgaben bietet, oder aber Armeesprecher – die Armee hat ja jede Menge Leute, die für die Kontakte mit Medien, ausländischen Besuchern und so weiter zuständig sind. Sie erfüllen uns nicht immer mit hymnischer Begeisterung, hrr-hm, was ein guter Grund wäre, meine Tochter dort hinzuschicken, damit sie mit ihren kritischen Augen und messerscharfen Formulierungen das Amt von Grund auf umkrempelt… Y. würde sie glaube ich gern vor einer Meute von Journalisten sehen, denen sie logisch und klar erklären kann, warum die Armee dies oder jenes getan oder nicht getan hat.

 

Aber schließlich tendiert Tertia doch mehr zu einer Aufgabe, die sie auch „im zivilen Leben“ interessiert. Sie hat ihren LK Psychologie-Soziologie geliebt (und war sehr enttäuscht, daß es ihn an der neuen Schule nicht gibt). Ihr Traum ist, einmal Psychologie und Soziologie zu studieren. Die vielen Aufgaben in dieser Richtung, die die Armee anbietet, faszinieren sie. Die Armee beschäftigt ja ein kleines Heer von Psychologen und Mitarbeitern, die sich um das seelische Wohl der Armee kümmern, um Auswahlkriterien für bestimmte Aufgaben, um das Auffangen von Trauma und Depression, um Soldaten mit speziellen Problemen (Neueinwanderer, Schulabbrecher, Kriminelle), die alle in der Armee eine gelungene Integration lernen sollen.

 

Es gibt eine besondere Einheit für die Begleitung von Verwundeten und ihren Familien, einschließlich Gefallenen. Diese Einheit besteht zu einem großen Teil aus Frauen, viele von ihnen auch verpflichtet zu längerem Dienst und Offizierslaufbahn. Sie begleiten die Betroffenen bzw die betroffenen Familien über Jahre hinweg. Sie sind vielleicht das menschlichste Gesicht der Armee. Tertia weiß, daß dieser Dienst besonders schwierig ist – zu einem Team zu gehören, daß an fremden Türen klingelt, um dort die schlimmste Nachricht von allen zu überbringen, ist nicht leicht. Sie zieht es in Erwägung, sich dafür zu melden.

 

(Ich weiß, daß das meine erste Wahl wäre, wenn ich zur Armee eingezogen worden wäre – aber ob Tertia dafür geeignet ist, weiß ich nicht, das kann ich nicht beurteilen. Es ist zweifellos sehr schwierig.)

 

Sie hat mir in den letzten Tagen große Teile des Büchleins vorgelesen und sich ernsthafte Gedanken gemacht: paßt das zu mir? passe ich zu der Aufgabe? Sie wird auf einer Liste ihre drei bevorzugten Aufgaben ankreuzen müssen, und dann werden die Fachleute für Eignung und Auwahl (von denen sie selbst gern eine wäre) diese Vorlieben mit ihren Testergebnissen vergleichen und entscheiden, wofür sie sich besonders gut eignet.

 

Es ist ein spannender Prozeß, meine Tochter dabei zu beobachten. Das ist nicht viel anders als die Wahl eines Studienfachs, in gewisser Weise aber verbindlicher (viel wechseln geht nicht) und auch unverbindlicher, denn es gibt viele Jobs, die man nur während der Armeezeit macht und dann nicht mehr. Andere hingegen sind ein Sprungbrett für Berufswahl und – ausbildung.

 

Wie bei den Jungen ist mir weniger wichtig, WAS sie am Ende machen wird. Wichtig ist mir, daß sie eine Aufgabe findet, die ihren Begabungen entspricht und die sie mit gutem Gewissen und Freude an der Arbeit ausüben kann. Bei beiden Jungen, tfu tfu tfu, ist es gutgegangen, sie leisten gute, wichtige Arbeit. Die Zufriedenheit in Primus´ Gesicht, wenn er mir von den Menschen erzählt, denen er das Leben retten konnte, macht mich glücklich. Ich weiß, daß im Fall eines Kriegs die combat medics eine gefährliche Aufgabe haben, und auch jetzt ist die Arbeit schwer und auf den ersten Blick undankbar. Aber dann eben doch dankbar, viellleicht dankbarer als alles andere.

 

Hoffen wir, daß Tertia ihre zwei Jahre nicht lustlos in einem Büro vertrauern muß, sondern eine konstruktive Aufgabe findet.

Kreuzfahrerstadt November 22, 2010, 20:07

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Heute war ich unterwegs: Quarta hat mich gebeten, einen Schulausflug zu begleiten. Da ich ihre Klassenlehrerin sehr schätze und sehe, daß Quarta bei ihr viel lernt (unter anderem, wie man sich organisiert, wie man lernt und wie man den Überblick behält), war ich gern bereit, egal wohin. Und dann stellte sich heraus, daß es eine Fahrt ganz nach meinem Herzen ist: ins nahe Akko, die Kreuzfahrerstadt.

Wir waren schon öfter in Akko, ich fahre ja auch ständig durch, aber eine Führung durch die Kreuzfahrerstadt mit einem Archäologen, der dort aktiv buddelt, habe ich noch nicht erlebt. Die Kinder waren weniger beeindruckt, weil ihnen die vielen Jahreszahlen gar nichts sagten, und sie auch nicht viel über die Kreuzfahrer wußten – ich weiß nicht, warum die Schule so einen Ausflug organisiert, wenn vorher keine Zeit ist, die Kinder vorzubereiten. Der Archäologe war kompetent, aber nicht wirklich kindergeeignet – zu viele Fachausdrücke, zu viele Ermahnungen, nicht genügend Lob für die zwei Klassen, wenn sie doch still zuhörten. Er hat auch nicht spannend genug erzählt. So gesehen also eine Enttäuschung, die Kinder meinten hinterher: Mann, war das laaangweilig.

Sie hatten auch ihren Spaß daran, wenn der Archäologe von seinen Ausgrabungen erzählte, denn „buddeln, graben“ ist auch der Schülerausdruck für langweiliges endloses Reden. Wenn er also stolz meinte, „und so graben wir noch immer…“, kicherten die Kinder und nickten: allerdings, er gräbt, der chafran!

Ich hatte meinen Spaß, denn die Altstadt von Akko ist hochinteressant, und die alte Kreuzfahrerstadt, die unter ihr liegt, noch mehr. Hallen, Gewölbe, Säulen, für mich ein Augenfest, für die Kinder aber bedeutet es gar nichts, wenn man in einer Halle einfache Kreuzgewölbe sieht und in der nächsten, späteren, Kreuzrippengewölbe. Die langen unterirdischen Gänge, in denen es furchtbar eng ist und man sich bücken muß, waren weniger nach meinem Geschmack – ich denke dann mit Grausen an die Tonnen von Stein, die über uns lasten, und vor mir und hinter mir drängen Menschen, und püüüh, die Klaustrophobie packt mich wie Lucy-Ann beim Kriechen durch die Höhlen im „Berg der Abenteuer“. Aber natürlich lasse ich mir nichts anmerken, ich atme nur auf, als wir wieder das Tageslicht sehen.

Beeindruckend auch das nahe Beieinander von Synagogen, Kirchen und Moscheen, die engen Gäßichen, und natürlich der Markt mit Gewürzen, Fischen, Tüchern und Touristenschnickschnack. Der Archäologe hat uns überall rumgeführt, wir sind im Hafen rumgelaufen und haben dort auch unsere Brote und Pittot ausgewickelt. An Meer und Schiffen und Fischerbooten und Anglern kann ich mich ja nie sattsehen. Der Tag war schön und frisch. Es ist hier immer noch T-shirt-Wetter, aber die drückende Hitze ist vorbei, und auch der grellgraue Einheitshimmel. Wolken, eine kleine Brise und leuchtendes Sonnenlicht. Das war ein schöner Tag für so einen Ausflug. Gegen halb zwei waren wir zurück in der Schule, und ich bin mit Quarta im Schulbus zurückgefahren.

Ja, das war ein schöner Tag, die ganze Zeit mit meiner Tochter zusammen. Der ohrenbetäubende Lärm, den eine Gruppe von fast 50 Kindern machen kann, ist allerdings sehr anstrengend. Ich bewundere die Lehrerinnen und Busfahrer, die das jeden Tag mitmachen, und es wundert mich nicht, wenn die Kinder beim Nachhausekommen erstmal ausspannen und sich beruhigen müssen. Obwohl es für mich kein Arbeitstag war, bin ich zuhause erstmal auf der Couch eingeschlafen. Das passiert mir nicht oft, daß ich mitten am Tag nicht mehr weiter kann… aber Akko ist schön, und wirklich so nah – da müssen wir mal wieder ohne Gruppe hinfahren.

Deprimierend November 20, 2010, 23:14

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Ynet berichtet über eine Umfrage unter Palästinensern.  Puh, was für eine deprimierende Lektüre.

 

The majority of Palestinians support direct talks and the two-state solution, but ultimately want the entire area between the Jordan River and Mediterranean Sea to turn into one Palestinian state, a poll sponsored by The Israel Project, a Jewish-American organization, shows.

 

According to the poll, 61% of Palestinians from both Gaza and the West Bank support direct negotiations with Israel, and 60% accept the two-state solution. A 54% majority also agree peace is possible with Israel.

 

Ja, das sind doch fast gute Zahlen, und bis hierhin sollte man lesen und nicht weiter, so man sich nicht den Tag vermasseln will.

 

A closer look, however, reveals a different picture: According to the poll, most Palestinians refuse to reconcile with the idea of Israel as a Jewish state. While 23% accept the statement that “Israel has a permanent right to exist as a homeland for the Jewish people,” two-thirds prefer the alternative statement that “over time Palestinians must work to get back all the land for a Palestinian state.”

Moreover, the Palestinians perceive the two-state solution as a precursor to this entirely Palestinian state. When presented with the statement that “the best goal is for a two-state solution that keeps two states living side by side,” 30% agreed, while 60% opted for the alternative statement that “the real goal should be to start with two states but then move it to all being one Palestinian state.“

On the issue of terrorism, 58% said they support the armed struggle with Israel, while 36% believes that the direct talks are the only option. In the aftermath of Operation Cast Lead, support for armed struggle was lower in Gaza (51%) than in the West Bank (62%).

 

Na großartig. Selbst die Hoffnung, daß diese Umfrage ungenau war, trägt nicht weit – denn die Zahlen könnten dann ja noch schlimmer sein. Und Umfragen von arabischen Instituten haben, wenn ich sie nicht ganz verkehrt abgespeichert habe, ganz ähnliche Ergebnisse gebracht.

 

Hoffentlich kommen irgendwann mal Verhandlungen in Gang, die ein Ergebnis zeitigen, mit dem die Palästinenser gut genug leben können, so daß diese ganze Gegend endlich mal in eine stabile Seitenlage kommt. Wenn sie erstmal ihren eigenen Staat haben, legt sich hoffentlich ihr Gelüst auf dessen Erweiterung durch den Staat Israel. Darauf aber fest bauen und vertrauen…? Ich bin ja schon froh, daß ich mir durch die diversen Debakel noch Hoffnunng bewahrt habe…

Der Ticker tickt… November 19, 2010, 15:13

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… wenn im Negev sieben Mörsergranaten fallen und in Ofakim eine Grad-Rakete.  Man möchte die deutschen Medien geradezu beneiden um ihre Kaltblütigkeit, mit der sie diese lächerlichen kleinen Vorfälle übersehen. Außer dem Stern, ich ehre wem Ehre gebührt, der die Meldung bringt. Übrigens macht sich die Facebook-Floskel besonders hübsch unter so einer Meldung.

 

 

Freunde, es gefällt mir leider gar nicht…

 

Zyklischer Verlauf November 19, 2010, 11:44

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Es geht wieder los. Noch ist kein Herbstwetter in Sicht, aber mein Drang zur Häkelnadel ist nicht zu übersehen. Ich habe einen kleinen Laden in Nahariya entdeckt, wo es Garne und Wolle gibt. Ein kleiner Russe mit Buckel und Bart und eine strahlend schöne junge Russin arbeiten dort und kennen mich schon. Sie lächeln nie, aber sie sind trotzdem nett.

Oh, wie gut, daß Umschlagtücher aller Art wieder in Mode gekommen sind. Shrug, Ruana oder Stola – für unser Klima ist es genau das Richtige, und auch im Sommer habe ich immer leichte Tücher dabei, wegen der Klimaanlage. Und man kann ja nie genug von den Dingern haben, nicht wahr? Sieht so schön viktorianisch aus, wenn ich im Winter ein warmes Tuch statt Jacke trage. Und Anorak oder Mantel braucht man hier sowieso nicht. Meine warmen Mäntel lasse ich immer in Deutschland, wo ich sie wirklich brauche. Aber egal wie es aussieht – der wahre Spaß liegt im Machen.

Ich bin doch eine Vollspießerin, wirklich. Selbst Professor Umbridges Wolljacken sehe ich mir aufs Muster hin an (nicht die Farben, keine Sorge). Und ich bin so richtig zufrieden, wenn ich auf der Couch sitze (Lady Bertram! ich sag es doch!) und unter meinen Händen ein Dreieckstuch wächst, während ich ein Dickens-Drama der BBC angucke oder auch Lord Peter. Dann geht mir der ganze Nahe Osten mit seinen Problemen und Ängsten kilometerweit an der Sitzfläche vorbei.

Im Sommer locken mich eher Stickgarn, Tischdecken-Projekte und kleine gehäkelte Accessoires, die ich an kleine Mädchen verschenke (meine Beutelchen mit Blume und passendem Haargummi sind sehr beliebt). Aber im Herbst und Winter hänge ich an der Häkelnadel.

Geballere November 17, 2010, 21:23

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Den ganzen Tag machen uns draußen Lärm und Ballerei wahnsinnig. Manchmal hört man hier Schüsse von Jägern – aber wir wohnen nicht mehr, wie früher, ganz in der Nähe von einer Armeebasis, wo manchmal Schießübungen zu hören sind. Was ist heute nur los? Bum-bum-bum, dumpfes Ballern den ganzen Tag. Erst als wir Y. fragen, wie er sich das erklärt, kommt die Erleuchtung: Id-el-Adha, das Opferfest. Richtig! Deswegen fällt morgen ein Kurs von mir aus, in dem 26 Araber und ein Jude sitzen. Deswegen sind alle unsere Stamm-Geschäfte in Mazraa, Yarka und Kfar Yasif geschlossen (Y. mußte heute in Shlomi einkaufen). Und deswegen wird in allen Dörfern ringsum wild in die Luft geballert. Ein bißchen Feuerwerk ist auch dabei.

Ich muß zugeben, bei aller Sympathie für unsere arabischen Nachbarn und bei allem Interesse für ihre Kultur  – dieses in-die-Luft-schießen halte ich für eine gefährliche Unsitte. Jede Kugel, die in die Luft geht, muß auch irgendwo runterfallen – und Prof. Google hat zu diesem Phänomen viele Antworten, keine davon ermutigend.  Es ist schon vorgekommen, daß Menschen von den herunterfallenden Geschossen getroffen wurden, und zwar auch tödlich. Warum wird dieser gefährliche Unsinn überhaupt getrieben?

Jeder kann sich vorstellen, was passierte, wenn die israelische Polizei zu Id-el-Adha und anderen moslemischen Feiertagen (zu Weihnachten habe ich keine Schüsse gehört) in die arabischen Dörfer käme, um diese Sitte zu unterbinden. Wir hätten vermutlich wieder eine Intifada am Hals. Aber ich habe keine Lust, heute rauszugehen. Hoffentlich geht das nicht die ganze Woche so weiter.

(Von dem Geld, das da einfach so rausgeballert wird, ganz zu schweigen – das ist Sache derer, die ihr Geld in Munition anlegen.)

Primus ist überglücklich November 15, 2010, 12:45

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Endlich, endlich, endlich ist der Tag da – seine Lieblings-Band seit eh und je, seit er überhaupt angefangen hat, Musik zu hören, spielt heute in Tel Aviv. Und er hat es geschafft, sich den Tag freizuschaufeln. Er strahlt übers ganze Gesicht. Mit seiner Gruppe allerbester Freunde wird er heute das Konzert genießen. Bravo, Linkin Park, daß sie sich nicht dem Druck gebeugt haben und uns boykottiert haben. Primus muß ihr treuster Fan sein. Und ich habe schon manchen Kurs über visuelle Kultur mit ihrem Clip eingeleitet.  Der ist nämlich ein sehr gutes Beispiel für Kommunikation durch Bilder, Musik und erst in dritter Linie durch Worte.

 

(Daß auf der Seite sofort Diskussionen über Diskrimination losgehen, ist lächerlich. Ich unterrichte seit Jahren im akademischen System in Israel und kann bezeugen, daß ein Großteil der Studenten Araber ist, und daß sie nicht im geringsten diskriminiert werden. Im Gegenteil, sie werden oft nachsichtiger bewertet, weil Hebräisch ihre Zweitsprache ist, und sie entfalten sich frei. Und ich kenne genügend arabische Dozenten und erfolgreiche Künstler. Das automatische Diskriminierungs-Geschrei ist eine freie Erfindung, der Vergleich mit den Schwarzen in den USA zur Zeit der Rassentrennung an den Haaren herbeigezogen, und die ganze Diskussion rein ideologisch. Ein Beispiel: diese Woche fällt einer meiner Kurse aus, der fast nur von Arabern besucht wird – wegen Eid el Adha, dem islamischen Fest. Die Hochschulen nehmen große Rücksicht auf Islam und Christentum. Ich muß Heiligabend unterrichten, aber christliche Studenten sind befreit. Also, alles haltlose Klagen, ärgerlich, daß das überhaupt auf der Seite einer Band auftaucht, aber Israel ist eben immer im Schußfeld….)

 

 

Ich bin so froh, daß Primus so glücklich ist!

Nachbarschaft November 15, 2010, 9:45

Posted by Lila in Presseschau.
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Das muß hier in der Nähe passiert sein, obwohl wir nichts mitgekriegt haben: eine 80jährige Libanesin ist der Grenze zu nahe gekommen und konnte sich nicht mehr befreien. Sie befand sich wohl in einer gefährlichen Zone, vermint und mit Stacheldraht geschützt. Die libanesische Armee konnte ihr nicht helfen, also kamen die Israelis und befreiten sie aus ihrer Lage.

Arme alte Frau, barfuß und vermutlich verwirrt.

Die UNIFIL überwachte die ganze Rettungsaktion und half ebenfalls, und über den Grenzübergang Rosh ha Niqra wurde die Libanesin zurück in ihr Land gebracht. Wie sie überhaupt in diese Lage gekommen ist, weiß ich nicht.

Was wäre passiert, wenn es umgekehrt gewesen wäre? Wie wird so ein kleiner Vorfall in den libanesischen Medien berichtet? Sieht man auf den Bildern nicht, daß israelische Soldaten tatsächlich keine Blutsäufer sind, sondern ganz normale Menschen, ein Durchschnitt durch die Bevölkerung? Wird irgendeine internationale Zeitung, die sich auf die nicht weniger nebensächliche Geschichte von den Facebook-Bildern gestürzt hat, diese Bilder mit ebensolcher Verve zeigen?

Ich wünschte, wir hätten nie kompliziertere Grenzzwischenfälle als solche, wo nicht mehr gefragt ist als nachbarschaftliche Hilfe und Zusammenarbeit.

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