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Zwei Kleinigkeiten… März 31, 2012, 23:27

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… die mir sehr gefallen, wo wir jetzt wohnen.

Unser Nachbar hält sich eine ganze Menagerie von Bauernhof-Tieren. Ich höre tagsüber die Ziegen meckern, nachts kräht der Hahn (der muß irgendwie verwirrt sein, weil er praktisch die ganze Nacht durchkräht). Das ist schön. Es ist auch nett, auf dem Weg zum Mülleimer Pferde und Ziegen zu treffen.

Vorneraus übrigens ist relative Wildnis, da kann man wie gewohnt Schakale, Frösche und Grillen hören. Hintenraus dagegen ist Bauernhof-Idylle wie beim Sternenfritzchen.

Damit komme ich zur zweiten Kleinigkeit.

Nachts wird die Straßenbeleuchtung abgestellt. Ohnehin ist das Örtchen nicht sehr grell beleuchtet, und aus welchen Gründen auch immer, wird auch diese schwache Beleuchtung nach Mitternacht abgestellt. Ich schlafe unter einem großen Fenster und kann über mir den Sternenhimmel sehen. Und weil keine Straßenbeleuchtung stört, sehe ich ihn klar und deutlich. Besonders in den letzten Nächten, die klar und kühl sind, sieht man die Sterne wunderbar deutlich und bis runter zum Horizont.

Ist das nicht schön? Wenn man schon unter Schlaflosigkeit leidet, dann schlägt man sich am besten so wie ich die Nacht um die Ohren:   begleitet von ländlich- friedlichen Tierlauten und strahlendem Sternenhimmel .

Bilanz März 30, 2012, 22:07

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Puh, es ist glimpflich abgegangen. Nein, das ist nicht zynisch gemeint, auch ein Toter ist einer zuviel, und es ist schade, daß es diesen einen Toten heute gegeben hat. Sagen wir: relativ glimpflich.

Aber ehrlich, ich hatte Angst, es wird schlimmer. Solche Situationen wie vorher ausgemalt, wenn von allen Seiten, an allen Grenzen, Leute versuchen rüberzukommen, die sind brenzlig. Und es reicht, daß ein Soldat oder Polizist die Nerven verliert – oder ein Demonstrant, oder ein libanesischer Soldat. Aber auch die Armee ist grundsätzlich zufrieden mit dem Tag, weil sich alle an die Vorgaben hielten und auch die Sicherheitskräfte der PA mitgespielt haben.

Tag der Erde ist traditionell ein Tag der Demonstrationen in Israel.  Und es ist auch richtig, daß sich in einer Demokratie Bürger, die eine Beschwerde haben, offen äußern können. Grundsätzlich herrscht hier Demonstrationsfreiheit. Zwar sind die Demonstrationen nicht ganz so gewaltlos abgelaufen wie angekündigt, aber es hätte schlimmer sein können.

Von den Teilnehmerzahlen her, merkten heute Kommentatoren an, zeigt die arabische Bevölkerung in Israel dieses Jahr weniger Interesse an den Demos als an anderen Themen. Der Tel-Aviv-Marathon hat mehr Leute auf die Beine gebracht als der Tag der Erde, meinte einer. Ein paar hundert Demonstranten in arabischen Orten – ein paar tausend an den Grenzen – macht selbst bei mir noch keine Million. Nun, es soll ein Testdurchlauf sein, gucken wir mal, was Naqba-Naqsa-Naqda und so weiter noch bringen.

Zwei Dinge ermutigen mich heute:

1. die Armee hat dazugelernt. Sie hat konsequent Methoden eingesetzt, die auf der ganzen Welt bei Demonstrationen benutzt werden, darunter auch den „Skunk“, eine Art Stinkkanone. Das klingt fast wie aus Harry Potter, soll aber angeblich gut wirken, weil der Gestank unerträglich sein soll.

2. Als jugendliche Demonstranten versucht haben, Steine auf Autofahrer auf der Straße 44 zu schleudern, haben ihre erwachsenen Begleiter sie davon abgehalten.

Beides Zeichen für De-Eskalation. Ich bin erleichtert. Ich bin rundherum für De-Eskalation. Eskalationen hatten wir schon genug.

Ratespiel März 30, 2012, 17:01

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Heute, an der Grenze zum Gazastreifen. Ist das ein israelischer Grenzpolizist oder Soldat, der die demonstrierenden Palästinenser mit Gewalt zurückhält? Oh nein, die Uniform ist ja eine ganz andere. Tatsächlich – auch die Hamas hält ihre Leute davon ab, die Grenze zu stürmen.

Ich muß doch glatt mal nachprüfen, wo dieses Bild sonst noch auftaucht… und mit welcher Bildunterschrift:-)

Ein herrlicher Tag März 30, 2012, 12:06

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für einen Ausflug. Es ist richtiges Frühlingswetter bei uns. Noch ein bißchen kühl, aber ich habe im T-shirt den Hof gefegt und meinen sisyphischen Kampf gegen das winterliche Unkraut weitergeführt. Schade, daß die drei Großen nicht zuhause sind, sonst würden wir eine kleine Fahrt machen, vielleicht nach Yechiam, da waren die Großen noch gar nicht.

Auch die Hamas scheint von Frühlingsgefühlen beseelt zu sein. 120 Busse setzt sie ein, um Libanesen und Palästinenser zu den Demos zu transportieren, die heute stattfinden werden. Selbst mir ist klar, daß 120 Busse noch keine Million Menschen ausmachen, aber der Rest kommt vermutlich privat oder zu Fuß.

Irgendwie drängt sich mir der Vatertags-Ausflug aus Kästners kleinem Roman „Die verlorene Miniatur“ auf. Kindertrompeten und Pappnasen werden wir zwar nicht sehen, aber trotzdem erinnert mich die ganze Aktion irgendwie daran. Seltsame Assoziationen.

In Qalandia bringen sich die Palästinenser in Form, werfen ein bißchen Steine und verbrennen Reifen. Irgendwo müssen die Energien ja hin. Arme Nachbarstochter, die in Qalandia am Checkpoint Dienst tun muß, obwohl sie sich ihre Armeezeit anders vorgestellt hat.

Mal gucken, wie der Tag weitergeht.

Bei der Berichterstattung lohnt es sich übrigens, diesen ausgezeichneten Artikel der ZEIT im Hinterkopf zu behalten. Keine Ahnung, wie der es in die ZEIT überhaupt geschafft hat – über Manipulationen in der Pressefotografie.

Beinahe täglich März 30, 2012, 11:51

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In den letzten Wochen und Monaten häufen sich Angriffe auf jüdische Israelis. Angreifer sind arabische Israelis oder Palästinenser. Fast jeden Tag findet sich in der Zeitung eine Meldung. Mal wird eine Soldatin in der Straßenbahn mit einem Messer schwer verletzt, mal ein Mann, der seinen Hund Gassi führt, von einer Gruppe arabischer Jugendlicher angegriffen und erschossen, täglich werden Steine auf Autofahrer oder Busse geworfen oder ein Molotovcocktail auf einen Bus. In den Gebieten wird ein LKW-Fahrer in eine Falle gelockt und stundenlang festgehalten. In der Nähe von Ramallah werden zwei Palästinenser festgenommen, ehe sie sich mit Messern bewaffnet in die Siedlung schleichen können. Ein Soldat wird in Jerusalem von arabischen Jugendlichen verprügelt. Vergessen wir auch nicht den Mord an Asher Palmer und seinem kleinen Sohn. 

Das sind meist keine organisierten Akte. Man könnte sie unter „Kriminalität“ verbuchen, so wie es das Gericht manchmal auch tut. Im Falle der beiden Soldaten in Zivil z.B., die von einer Bande arabischer Jugendlicher angegriffen und schwer verletzt wurden – die Angreifer gaben an, daß sie vorher mit Steinen beworfen wurden, und daß sie die beiden jungen Männer für die Steinewerfer gehalten hätten. (Ob man in so einem Fall das Recht hat, die Verdächtigen fast zu ermorden, muß man sich aber immerhin fragen – wären nicht Sicherheitsbeamte des nahen Rambam-Krankenhauses dazwischengegangen, wäre es vermutlich zum Lynch gekommen).

Aber es ist eine Art stille Intifada. Es passiert täglich, überall im Land. Die Täter sind meist junge Männer, mal in kleinen Gruppen, mal Einzeltäter. Die Opfer sind ganz normale Bürger mit unauffälligem Verhalten, die zufällig ins Visier der Täter geraten. Die Täter sind Araber und Moslems, die Opfer Juden.

Ich weiß nicht, ob es ein Zeichen für Paranoia ist, wenn ich mir darum echte Sorgen mache. Egal welche Erklärung man für diese Häufung der Angriffe gibt, es ist beunruhigend. Entweder hat die arabische Gesellschaft ihre Jugend nicht mehr im Griff, und sie greift spontan zur Gewalt, um ihren Haß auf die jüdischen Bürger abzureagieren. (Die Mutter eines der Mörder von George Sa´ado engagiert sich in einer jüdisch-moslemischen Frauengruppe und war entsetzt von der Tat ihres Sohnes). Oder es gibt von irgendwoher eine deutliche Ermutigung zu solchen Taten.

Ich weiß nicht, ob die Polizei diese Taten als Einzelfälle getrennt voneinander untersucht, oder ob es nicht doch bei jemandem klingelt. Zumindest sollte man mal nachprüfen, wo es Gemeinsamkeiten oder Zusammenhänge zwischen den Tätern gibt. Es kann doch kein Zufall sein, daß es fast jeden Tag neue Berichte über Akte brutaler Gewalt gegen jüdische Israelis gibt, ausgeübt von arabischen jungen Männern.  Daß einige der Täter angeben, von arabischen Medien aufgestachelt worden zu sein, wundert mich nicht. Das Gift, das dort täglich gesendet wird, tut seine Wirkung. Ich erinnere mich dunkel, daß sich die Palästinenser eigentlich mal verpflichtet hatten, mit der mörderischen Propaganda aufzuhören – da war doch mal so ein Abkommen…

Daß es beidseitige Akte der Gewalt zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen gibt, die in einem Konflikt leben, ist traurige Normalität. Aber was sich hier in den letzten Monaten abspielt, scheint mir darüber hinauszugehen. Ich frage mich, wann bei uns in den Medien und Behörden jemand darauf aufmerksam wird.

 

Zählen Mörsergranaten? März 29, 2012, 23:37

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Kommt wohl drauf an, wie nah man dabei ist, wenn sie fallen. Drei Stück heute abend im Negev, Israel beschießt als Reaktion die Gegend, aus der sie kamen.

Kein Schaden, weder Sachschaden noch an Menschen. Och, nennen wir das doch weiter Waffenruhe, das Wort ist so beruhigend.

Routine März 28, 2012, 18:57

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Secundus ist schon wieder weg, im tiefen Süden, aber ich habe jede Minute seines Hierseins genossen. Gestern früh fragte ich ihn, ob er schon Nachrichten gehört oder gelesen hat – nein, wieso? Na ja, weil doch eine Bombe an der Grenze zum Gazastreifen gefunden worden ist, und ich gern wissen wollte, was er dazu sagt. Er schenkt mir den nachsichtigen Blick. „Ach Mama, die versuchen das doch andauernd. Das ist doch wirklich nichts Besonderes.“

Auch andere Nachrichten aus der Gegend, in der er Dienst tut, stoßen bei ihm auf Gelassenheit. Schießerei an der Grenze? Lautstarke Demos als Vorbereitung auf den Land Day übermorgen? Das ist nur ein kleiner Teil der Dinge, die dort wirklich passieren, und es ist für Secundus Teil seines Alltags. Täglich wird er damit konfrontiert, daß es Leute gibt, die Israel bis aufs Blut hassen. Er will nicht mal drüber reden. Die Jungens, mit denen er dient, sind nett, das Essen ist passabel, sie hatten sogar Zeit zum Duschen und geregelte Schlafenszeiten – und die anderen Sachen, na ja.

Und dann sagt er (bitte hübsch alle zusammen): „Mach dir keine Sorgen, Mama“. Ich glaube, er versteht gar nicht, worum ich mir eigentlich Sorgen mache, und was ich ihm gern ersparen würde. Nicht die physische Gefahr, sondern den Anblick dieses ungezügelten, gewaltsamen Hasses.

Mir graut, graut, graut vor übermorgen, obwohl ich sehr hoffe, daß dieser „Marsch der Millionen“ als Bettvorleger landet.

Secundus erzählt März 26, 2012, 23:07

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„Willst du mal was von den Tieren hören, die wir bei den Patrouillenfahrten an der Grenze zum Gazastreifen sehen? Also paß auf. Wir sehen fast jeden Abend Stachelschweine. Wie dusselig ist so ein Stachelschwein (durban) ! (lacht) Das läuft auf unserer Spur, weil die so schön gebahnt ist. Und wir tuckern hinter ihm her. Aber es läuft langsam und wackelt so vor sich hin. Und wir immer hinterher. Und das Stachelschwein immer im Scheinwerferlicht. Bestimmt denkt es sich: was sind das für Idioten, die die ganze Zeit hinter mir her fahren? Bis es irgendwann abbiegt.

Klippschliefer (shfanim) sehen wir auch, die laufen schneller. Sie rennen auch gern in der Spur. Sie biegen aber schnell ab und sind nicht so hartnäckig wie die Stachelschweine.

Und gestern, das war am lustigsten. Da lief ein Tier vor uns her, und wir dachten erst, das ist ne Maus. Aber dafür war es zu schwerfällig. Als wir näher kamen, sahen wir eine häßliche, plumpe Wurst. Ein chafarperet!*  Die sieht man doch so selten.

Wirklich, die Tiere ansehen, das macht am meisten Spaß.“

 

*  Weiß ich, ob das ein Maulwurf oder Nacktmull war? Ich hab keine Ahnung. Muß Secundus mal mittels Bild genauer befragen. Bis morgen ist er noch hier.

Lord Peter Wimsey März 25, 2012, 17:17

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trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt, anderen seine Träume zu erzählen, ist der Gipfel des Egoismus. Er tut´s trotzdem, und ich auch. Manchmal.

Gestern hatte Primus gleich zwei der gigantischen Spinnen, die in dieser Weltgegend leben, vor seinem Fenster. Er sah eine auf dem Fenstergitter von draußen, und als er rausging, um sie zu verscheuchen, sah er, daß daneben der Bruder saß.  Bisher dachte er wohl, seine dramatische Mutter übertreibt, wenn sie von handtellergroßen Spinnen erzählt, die sie überall im Haus antrifft, aber gestern sah er sie selbst und meinte anerkennend, „das sind ja wirklich richtige Kaventsmänner“.

Dieses Gespräch habe ich wohl in den Schlaf mitgenommen. Jedenfalls träumte ich, daß ich ein Gespräch über Spinnen mit anhöre. „…. und er ist der erste seiner Familie mit einem akademischen Abschluß, das ist für Spinnen ja wirklich ungewöhnlich“. „Ja, er hat es aber nur geschafft, weil er die Unterstützung seiner gesamten Familie hatte.“

Da saß ich aufrecht im Bett vor Graus. Die Vorstellung einer ganzen Familie der garstig-graubraunen Viehcher, die tatsächlich gigantische Ausmaße haben, wie sie im Audimax der Uni sitzen, während einer der Ihren seine MA-Urkunde ausgehändigt bekommt – das war zuviel für mich. Brrrr. Und das war um vier Uhr morgens. Einschlafen ging nicht mehr.

Wie werde ich das innere Bild nur wieder los?

 

Das Wochenende März 24, 2012, 22:34

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war herrlich ruhig und entspannt. Tertia ist ganz vergnügt nach Hause gekommen, Primus hab ich noch hier, Secundus kommt morgen, und meine Quarta ist ja immer bei mir. Weil das Wetter so mild ist, haben wir angefangen, im Garten rumzukramen, der sich in einen Unkrautdschungel verwandelt hat in den nassen Wintermonaten. In kleinen Schritten geht es vorwärts. Es drängt uns ja keiner. Y. knattert mit dem Freischneider, ich suche mein Basilikum und Thymian unter dem Unkraut, und die Katzen schleichen durch die grüne Wildnis.

Die Kinder waren heute im Film Hunger Games (Die Tribute von Panem), nachdem sie ja alle drei vom Buch so begeistert waren. Ich weiß nicht, ob ich das Buch überhaupt lesen kann, die Geschichte scheint mir so grausam. Den Film jedenfalls will ich ganz bestimmt nicht sehen. Obwohl er ja ganz gute Kritiken bekommen hat, und das Buch sowieso. (Sofern man „besser als Stephenie Mayer“ als gute Kritik werten kann:-) ).

Y. und ich haben also ein bißchen Haifa angeguckt – es gibt immer noch Ecken, die wir nicht kennen. Wir waren auf dem Templerfriedhof und dem Friedhof der britischen Soldaten – Bilder und Geschichte reiche ich nach, sobald ich Zeit habe. Sehr interessant und auch sehr bewegend. Besonders fielen mir auf dem Templerfriedhof die Daten auf den Kindergräbern auf – in den Jahren 1910 und 1915 müssen Epidemien gewütet haben, denn manche Familien begruben mehrere Kinder kurz hintereinander. Auch die Gräber der vielen jungen britischen Soldaten waren bewegend. Ich mag Friedhöfe ja sehr gern. Wir haben uns Zeit genommen, die Namen der Toten und die Grabsteine angesehen und alles auf uns wirken lassen. Ich muß mein Buch über die Templer nochmal rausholen – mit persönlicher Widmung von Alex Carmel. Das verpflichtet doch.

Dann waren wir am Meer, in Bat Galim, wo der Strand ganz unspektakulär ist, arabisch- und russischsprechende Familien grillen oder die Kinder toben lassen. Die Sonne ging unter, und wir genossen den Blick aufs Meer und auf die andere Seite der Bucht von Haifa. Weil es heute so staubig war, konnte man „unsere“ Berge nur verschwommen sehen, Akko war kaum sichtbar. In dieser Gegend von Haifa waren wir ewig nicht mehr. Auf einmal standen wir vor einem Restaurant, in dem wir vor 20 Jahren mal mit meinen Eltern gegessen haben. Da kamen ganz viele Erinnerungen wieder hoch.

Wir waren pünktlich wieder am Kino, die Jugend abholen. Ich höre ihnen gern zu, wenn sie ihre Eindrücke besprechen und vergleichen, jeder hat andere Ansichten. Noch netter ist es, wenn sie ihre Erinnerungen vergleichen. Wir waren noch zusammen essen, und jetzt muß Tertias Wäsche fertigwerden.

Morgen geht der Alltag weiter.  Wieder eine Woche. Dieses Semester ist recht hektisch, auch wenn es mir immer noch viel Spaß macht. Aber manchmal sind die langen Wege und Fahrzeiten doch beschwerlich. Na ja, ich hab´s ja selbst so gewollt. Auf Primus´ Rat hin werde ich die ganze Serie „A Song of Fire and Ice“ unterwegs lesen, da soll mir die Zeit schon vergehen.

Ich mag den Frühling. Der Winter war dieses Jahr so reich gesegnet. Jetzt bin sogar ich reif für ein bißchen Frühlingssonne.

 

(Ein Link mit vielen alten Bildern von Haifa ist hier.)

Und wieder drei Raketen März 22, 2012, 1:15

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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auf den Negev.

Denkt daran, wenn es das nächste Mal heißt „Die momentane Eskalation kam in Gang, als Israel…“. (Hoffentlich dauert es noch lange genug bis dahin. Ich hab jetzt oft genug Recht gehabt – Ruhe haben wär mir lieber).

Nichts für Zyniker… März 20, 2012, 22:23

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… diese Internet– und Facebook-Aktion.

Nicht erst, seit ich bekannte Gesichter bei der Aktion entdecke, frage ich mich natürlich: würde ich da mitmachen? Würde ich. Allerdings würde ich nicht das Wort „love“ benutzen, das finde ich (wie „hate“) zu stark und dramatisch.

Ich würde sagen:

Iranians, I have nothing against you. I’d like to get to know you and I hope our governments find ways to reconcile. I’m happy you feel the same

ایرانیان، من هیچ چیزی بر علیه شما. من می خواهم برای رسیدن به شما می دانید و من امیدوارم که دولت های ما پیدا کردن راه هایی برای آشتی دادن. خوشحالم شما هم همین احساس رو.

(Keine Ahnung, ob Google translate dem gewachsen ist – ich hoffe es).

Und dann wird es problematisch März 20, 2012, 18:38

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Ich weiß nicht, was Catherine Ashton genau ausdrücken wollte – sie ist keiner einseitigen Parteinahme für Israel verdächtig, und ihre Aussage klingt auch nicht danach.

 „Wenn wir daran denken, was heute in Toulouse passiert ist, erinnern wir uns daran, was letztes Jahr in Norwegen passiert ist, wir wissen was momentan in Syrien passiert und wir sehen, was in Gaza und an anderen Orten passiert, wir denken an junge Menschen und Kinder, die ihr Leben verloren haben,“ sagte Ashton am Montag am Rande eines Treffens mit palästinensischen Jugendlichen in Brüssel.

Vermutlich wäre sie schlecht beraten, bei einem Treffen mit palästinensischen Jugendlichen Empathie mit israelischen Opfern zu äußern. Darum wählte sie wohl eine schwammige Formulierung, in der junge Opfer aller möglichen Taten und Umstände in einem Atemzug genannt werden. Breiviks Opfer, Assads Opfer, Israels Opfer. Alles irgendwie dasselbe.

Daß Israelis aller politischen Parteien die Unterstellung, wie Breivik oder Assad zu handeln, von sich weisen, ist wohl klar. Interessanterweise hat Ashton ja die zivilen Opfer der britischen Einsätze an allen möglichen Fronten nicht mitgenannt. Sie hätte ja mal bei Robert Kemp anfragen können, wie ihr eigenes Land in solchen Einsätzen abschneidet. Aber Israel lag irgendwie näher.

Lieberman, who is on official visit to China, said he „hopes Ashton will retract her statement.“

Israel is the most moral country in the world and despite the fact that it has to fight terrorist who operate from within civilian population, the IDF makes every effort possible not to harm that population, despite their defense of the terrorists.

„No army is as ethical as the Israeli army,“ he continued. „The IDF risks its soldiers‘ lives in order to minimize risk to civilian population. The children Ashton should be worried about are those living in southern Israel, who are in constant fear of Gaza rocket fire.“

„Moralischstes Land der Welt“ ist zwar eine Aussage, die bei den meisten Menschen Gelächter auslöst, aber angesichts der Zivilisten-Terroristen-Ratio, die wir erreicht haben – angesichts der humanitären Hilfe, die wir nach wie vor in den Gazastreifen schicken, und angesichts der Tatsache, daß wir auch nach elf Jahren Raketenbeschuß von einem Flächenbombardement nach wie vor absehen, können wir wohl wenigstens „moralisch“, wenn schon nicht den Superlativ, in Anspruch nehmen. Für Liebermans Verhältnisse ist seine Äußerung übrigens geradezu zartfühlend:-)

Zipi Livni und Barak zum gleichen Thema:

Opposition Chairwoman Tzipi Livni (Kadima) echoed Lieberman’s sentiment, calling Ashton’s comments „misguided, wrong and outrageous. The demand that she retracts her statement is right. A hate crime or a leader butchering his people cannot be compared to a state’s fight against terror, even if civilians are hurt in that fight.“

Defense Minister Ehud Barak vigorously condemned the statements as well, saying:

„The comparison made by Ashton between events in Gaza, Toulouse and Syria is outrageous and disconnected from reality. The IDF is operating in Gaza with the utmost care in order to prevent hurting the innocent. I hope the EU foreign affairs commissioner realizes her mistake quickly and retracts her statements,“ he said.

In Israel herrscht in der Frage also Einigkeit.

Aber in den deutschen Reaktionen, ob im SPon-Forum oder in der Kommentarsektion der Welt, macht sich deutlich fühlbar, daß der ständige Beschuß durch Raketen einfach nicht als Fakt bewußt ist. Selbst die „Verteidiger“ Israels führen sie selten an. Die Tatsache, daß auch gestern wieder Raketen gefallen sind, daß in Südisrael jeden Tag Zivilisten beschossen werden, ist einfach nicht bekannt genug, oder wird einfach beiseite gewischt („selbstgebastelte Kleinraketen“ – keine sehr passende Bezeichnung für Grad-Raketen).

Für die meisten Kommentatoren sind Israels gezielte Tötungen von Terroristen im Gazastreifen, die direkt und seit Jahren andauernd israelische Zivilisten beschießen, moralisch gleichbedeutend mit Breiviks brutalem Mord oder dem Scharfschützen in Südfrankreich. Und Ashton wird als mutige Stimme der Wahrheit gepriesen.

es wundert mich das sie sowas sagt wenn ich ehrlich bin…aber warum ist das unangebracht…?…es stimmt ja….oder sind kinder dort nichts wert?

Über Kinder im Gazastreifen, also palästinensische Kinder darf nicht geredet werden, weil das ein Vorwurf in Richtung Israel wäre.  Über Juden darf grundsätzlich nicht negativ berichtet werden, weil dieses Volk so gelitten hat u. nun für meine Begriffe narrenfreiheit hat.

Ich weiß, ich werde heftige Kritik erhalten, da man so etwas, wenn überhaupt, denken, aber nicht sagen bzw. schreiben darf.

Es ist ja wohl nicht zu bestreiten, dass die Palästinenser Land an Israel verloren haben, weil es sich die Israelis einfach angeeignet haben, nachdem sie den Staat Israel gegründet haben. Würden Sie sich einfach Ihr Land wegnehmen lassen?

Wie wiedermal sofort, aus irgendeiner Panik heraus, die Diaspora der jüdischen Kreise die geschichtliche Keule auspackt und alles niederbügelt, was wie Kritik aussieht.

Ich bin wirklich kein Antisemit! Aber diese Strategie der Anti-Diffamierungs-Ligen ist schon beachtlich – vorallem wie realtätsfern diese Gesellschaft ihr Tun in den Palästinensergebieten rechtfertigt.

Das Grauen von damals, legitimiert nicht zu einem Grauen von heute!

Aber genau Das passiert leider und die ganze Welt schaut zu und sagt nichts.
Die Diplomatin Ashton hat doch absolut recht, dass es sein kann, dass es einen Zusammenhang gibt mit den Anschlägen in Südfrankreich. Wieso wird dann kategorisch alles in abrede gestellt, was irgendwie den Staat Israel, die jüdische Religion und dem Tun dieser Verbindung betrifft?

Wahrschinlich ist der Post sowieso gleich weg, oder geht gar nicht durch. Bzw. ich bekomm im übertragenen Sinne gleich dermaßen eins auf die Nuss, dass alles zu spät ist.

Mrs. Ashton hat völlig Recht mit ihrer Bemerkung

…und es ist völlig klar, dass aus Israel wieder Geschrei ertönt. So klein das Land, so laut das weltweit tönende Geschrei aus Israel und dieses winzige, weltwirtschaftlich völlig uninteressante Land zündelt auch noch an neuen Kriegen. Hauptsache, keiner macht mit.

Wie kann sie es nur wagen den israelischen Staat daran zu erinnern, dass er regelmäßig Zivilsten, darunter zahlreiche Kinder, tötet. Hier wird jemand dafür verprügelt, dass er die Wahrheit sagt.

Also ich schäme mich es zu fragen. Aber wieso sind jüdische Kinder mehr wert als palästinensische?
Kind ist Kind – das wertvollste „Gut“, dass wir als Gesellschaft haben. Diese Klassifizierung als antisemitischen Reflex zu bezeichnen ist eigentlich der Affront!

Mir persönlich es völlig egal, ob ein jüdisches oder palästinensisches Kind leidet. Beide können nichts für die Dummheiten der Geschichte und beide können nichts für die Dummheiten ihrer Politiker oder der EU-Politiker, ganz zu schweigen von Dummheiten der Fundamentalisten oder ultra-orthodoxer jüdischer Kreise …

Es gibt bereits seit Jahren keine palästinensischen Selbstmordattentate mehr, ausschliesslich Morde der Israelis an palästinensischen Kindern.
Allerdings braucht die israelische Armee für ihre Morde keinen Hass auf Moslems, sondern es reicht der Befehl der vermeintlichen „einzigen Demokratie im Nahen Osten“.
Frau Ashton ist für ihren Mut zu loben, die Wahrheit auszusprechen: Israel ist ein Staat, der Staatsterrorismus praktiziert.
An diesem ist nichts besser und edler, als an anderem Terrorismus. Er hat nur weitaus mehr Opfer.

Und so weiter und so fort. Na klar, das sind nicht alle Stimmen, und Hut ab vor denen, die Gegenstimmen erheben. Volker Beck – das ist mir aufgefallen. Pluspunkte wird ihm das kaum gebracht haben.

Aber wäre etwas bekannter in Deutschland, daß Israel weder einen Staat Palästina beraubt hat noch gezielt Zivilisten aufs Korn nimmt, sondern daß israelische Zivilisten seit elf Jahren einer endlosen Serie von Raketenangriffen ausgesetzt sind und aus Rücksicht auf zivile Verluste dagegen meist defensiv vorgeht  – vielleicht wäre dann der blame-Israel-Reflex nicht so ausgeprägt. Vielleicht.

Es ist typisch für Ashton, daß sie diesen Reflex sofort bedient. Ist es nicht möglich, ein Verbrechen zu verurteilen, ohne sofort Israel in die Reihe mit dem Verbrecher zu stellen? Wir wissen ja noch nicht einmal, wer der Mörder in Südfrankreich ist, und welche Beweggründe er hatte, Soldaten nordafrikanischer Abstammung und jüdische Schulkinder zu ermorden.

Es sind schreckliche Tage, und letzte Nacht habe ich lange wachgelegen und habe an die vielen Kinder gedacht, die in der letzten Zeit gestorben sind – durch Unfälle, wie die palästinensischen und belgischen Kinder, durch Mord, durch Hausbrände. Ich verstehe, daß Ashton das auch als schrecklich empfindet, und auch mir tut es leid um den kleinen Jungen in Gaza, der nicht hätte sterben müssen, wären die Erwachsenen um ihn herum achtsamer gewesen. Aber ich finde Ashtons Formulierung als sehr problematisch, und noch viel problematischer, daß sie in den Augen vieler Deutscher „die Wahrheit sagt“. In ihren Augen läuft Israel im Gazastreifen Amok.

Und da ist sie wieder… März 18, 2012, 7:29

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… die Tertia. Und ist auch schon wieder weg. Den Eintrag habe ich Freitag geschrieben, aber erst jetzt, wo sie wieder weg ist, stell ich ihn hier rein.

Ihr erster Besuch zuhause seit zwei Wochen – letztes Wochenende scheute sie vor lauter Müdigkeit den ellenlangen Heimweg, aber am Freitag nahm sie die vier Stunden Fahrzeit mutig auf sich. Wir holten sie in Nahariya ab, an der Bushaltestelle. Ich hielt nach ihr Ausschau, und für den Bruchteil einer Sekunde war ich verwundert, daß da nur eine kleine Soldatin… ach je, das ist sie ja, meine Soldatin! Die Uniform steht ihr gut, die warme Jacke aber, die sie ihr gegeben haben, ist mindestens zwei Nummern zu groß für sie.

Sie kletterte ins Auto und fing gleich vergnügt an zu erzählen. Von den 45 anderen Mädchen, mit denen sie in der Grundausbildung ist – nicht alle werden nachher mit ihr den Kurs machen. Sie sind zu achtzehn Mädchen im Zimmer, sie haben zehn Duschen für 46 Mädchen und müssen sehr schnell duschen. Eine Offizierin ist nett und muß sich manchmal das Lachen verbeißen, wenn die Gruppe rausplatzt und kichert – Tertia, weise durch die Erfahrungen ihrer Brüder, weiß, wozu die Distanz dient, die in der Grundausbildung aufgebaut wird, und nimmt auch die andere, wesentlich weniger nette Offizierin nicht sehr ernst. Die ganze Fahrt über lachen wir. Sie hat so eine lustige, etwas spöttische Art zu erzählen, man sieht alles sofort vor sich.

Eigentlich sollten die Mädchen ja nur die Grundausbildung 01 machen, die aller-einfachste, aber wegen der Sicherheitslage wurde ihnen mitgeteilt, daß in allen Ausbildungsbasen die Grundausbildung 02 Pflicht ist. Na ja, Tertia findet es nicht schlimm. Sie findet die Grundausbildung bisher überhaupt nicht schlimm. Ja, ein paar Mädchen haben wohl geweint und hatten Heimweh und fanden alles schrecklich, aber sie nicht. Sie ist nicht verwöhnt und sie ist gut vorbereitet und hat ja schon mal zwei Monate allein gelebt, als sie im Kibbuz gejobbt hat, und sie ist gern selbstständig. Das erklärt sie uns sehr selbstbewußt.

Inzwischen sitzt sie in der Küche, am Tisch mit Y. und Quarta, während ich schnell Essen koche (die sehr beliebte orange Suppe  – Kürbis, Süßkartoffel und Möhre, das wärmt schön). Wir hören alle zu. Ich sehe wieder mal vor meinem inneren Auge das winzige Baby, das sie war – wie sie sich Gramm für Gramm hochgekämpft hat, bis sie die zwei Kilo nach sechs Wochen endlich voll hatte und dann mit nach Hause durfte. Wie wenig sie geweint hat als Baby – aus der Frühgeborenenstation war sie vielleicht gewöhnt, daß Weinen nichts nützt, denn so liebevoll die Schwestern auch waren, sie waren überarbeitet. Und wir konnten immer nur für ein, zwei Stunden bei ihr sein.

Als sie das erste schwierige Jahr hinter sich hatte, wußten wir schon, daß sie einen ungeheuer starken Charakter hat. So zart und lieblich sie aussieht mit ihren Rehaugen, ihren langen Wimpern und Locken – sie ist zäh, energisch, hat den kühlsten analytischen Verstand der Welt von ihrem Vater geerbt und strebt nach Selbständigkeit. „Allein!“, war ihr Motto. Sie war wirklich ein winziges Pünktchen, als sie mir erklärte, daß sie von jetzt an ALLEIN in den Peuton geht, den Kleinkindergarten. Wie alt war sie da – zweieinhalb, drei?

Ich rief also die netten Metaplot an und erklärte ihnen die Lage. Dann schlich ich also hinter dem Kind her, daß ALLEIN mit der Tasche auf dem Rücken den Hügel hochstapfte und dann ALLEIN über das Sträßchen durch den Kibbuz mußte. Auf der anderen Seite lauerten schon die Betreuerinnen, wie zufällig, um sie in Empfang zu nehmen. Und ich lugte durch die Büsche, ob sie auch gut ankommt. Hätte sie mich entdeckt  – sie hätte mir das nie verziehen. So ging das eine ganze Weile, bis sie mir erlaubte, sie wieder zu begleiten.

Während diese alten Geschichten mir also durch Kopf und Herz zogen, erzählte sie weiter und wir verglichen ihre Erlebnisse mit denen der Brüder. Wir stellten fest, daß für sie die Fallhöhe der Erwartungen viel weniger hoch war als bei den Jungen. Viele junge Männer gehen zur Armee mit einer riesigen Erwartungshaltung, mit brennender Motivation – was wir hier rabak nennen. Auch wenn sie in Schule und Elternhaus vollkommen friedfertig sozialisiert werden und sie keinerlei Aggressionen gegen andere hegen, steigern die jungen Männer sich gegenseitig in einen Rausch der Kampfbereitschaft. Ich schieb es ja immer auf das Testosteron.

Sie messen sich an anderen, rennen und springen und üben und bereiten sich vor…  und wenn sie dann in die Armee kommen, dann heißt es: stellt euch im U auf. Und da stehen sie dann. Und sie merken, daß die Armee ihren ganzen rabak nicht will und nicht braucht. Sondern daß die Armee nüchtern ist, gern effizient wäre, aber es oft auch nicht ist, und daß sie keine Helden braucht, sondern disziplinierte, gut ausgebildete, pragmatische und geerdete Soldaten.

Ich weiß, daß es auch jede Menge junger Männer gibt, die kühlen Herzens zur Armee gehen und jobnik werden und ihre drei Jahre irgendwo ableisten, wo sie sich nicht übermäßig abäschern müssen. Und daß es eine wachsende Zahl junger Frauen mit rabak gibt, die ebenfalls fit und durchtrainiert und tatendurstig in die kämpfenden Einheiten strömen.

Bei mir zuhause jedoch war rabak bei beiden Söhnen festzustellen – bei Primus verflüchtigte er sich einfach und wurde durch eine große Begeisterung für seine Aufgabe als Sanitäter ersetzt, die ihn ausfüllte und die er ausfüllte. Und bei Secundus ist gerade noch so viel vorhanden, daß er seine Arbeit als mefaked kita gut erfüllen kann und seine Soldaten versteht – die er ja nun erden muß. Ich habe dieselbe Ernüchterung bei vielen hochmotivierten Neu-Rekruten beobachtet und sehe heute den rabak nur mehr als eine Hilfe beim Übergang vom zivilen ins militärische Leben. Solange sie nicht genau wissen, was die Armee von ihnen will, füllen sie die Leerstelle mit gespanntem rabak.

Meine Tochter jedoch ist vollkommen rabak-frei und neugierig an die Sache herangegangen. Sie amüsiert sich über manche Absurditäten bei der Armee, wie sie sie auch in der Schule und bei ihren verschiedenen Arbeitsplätzen wahrgenommen hat. (Und im Elternhaus natürlich, ja ja.) Sie ist mit niedrigen Erwartungen, aber ohne Horror oder Furcht, in die Armee gegangen und findet es nun sehr interessant und lustig. Ja, sie schlafen zu wenig, und längere Duschzeiten wären schön. Aber die Schuhe sind bequem, das Bett annehmbar, das Essen eignet sich zu witzigen Schilderungen, und die Mädchen, die sind sehr nett. Ja, eine, die ist doof, die hilft nie mit beim Putzen und Bettenmachen, die sitzt nur da und feilt sich die Nägel, aber eigentlich ist das auch gut, denn da hat Tertia eine Quelle der Heiterkeit.

Die meiste Zeit am Wochenende hat sie mit Schlafen verbracht, und bei einem Familienfest stand sie im Mittelpunkt des Interesses, zu ihrer eigenen Überraschung. Ihre Oma säumte ihr die Uniformhosen, der Opa gab ihr ein Bündel guter Ratschläge und die Eltern guckten stolz. Wir wußten es doch – Tertia macht das schon.

Sie ist vorhin mit Y. losgefahren, zum Bahnhof. Statt um 9:00 muß sie erst um 12:00 in ihrer Basis sein. Tertia hat um diese drei Stunden Kulanz wegen der großen Entfernung kämpfen müssen, denn unser winziges Yishuv ist nicht auf den Listen der „abgelegenen Orte“ der Armee. Aber Tertia hat sich durchgesetzt. Ich bin optimistisch, daß sie auch weiterhin ihr Dasein als Soldatin leicht nehmen wird. In einer Woche ist die Grundausbildung für sie schon vorbei, dann fängt der Kurs an. Und dann wird es richtig interessant.

Tertia the next generation

Definitionen März 16, 2012, 3:18

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Das Wort pigua löst in Israel sofort eine winzigkurze Erstarrung aus, dann den heftigen Wunsch, mehr zu wissen. Das Wort stammt aus der Wurzel P-G-Ayn, Verletzung, und bedeutet Anschlag. Die grammatische Form des Worts pigua ist der Piel, also eine Steigerungsform. Eine normale Verletzung heißt pgiah, eine Verletzung durch Terror pigua. Das Wort wird üblicherweise nur benutzt, wenn Menschen die Zielscheibe sind, also keine Brandanschläge auf leere Gebäude.

Der Wunsch, mehr zu wissen, wird normalerweise von den Medien so bald wie möglich befriedigt. Zuerst müssen die betroffenen Familien Bescheid wissen, und das wird selbstverständlich auch immer erwähnt: „die betroffenen Familien wurden informiert“, sonst geraten andere in Panik und fragen sich, ob es nicht ihr Vetter oder Bruder war. Aber sobald klar ist, daß die Familien davon wissen, hören wir genau, wo und wann und wer und was mit den Attentätern ist – ob man weiß, wer sie waren, sie vielleicht schon gestellt hat.

In der Berichterstattung wird anfangs meist nur ungenau von nifgaim, also Verletzten, Betroffenen, gesprochen – darin sind Todesopfer mit eingeschlossen. Bevor die Familien informiert sind, werden keine genauen Opferzahlen angegeben – nifgaim sind Verletzte und Tote.

Bei Todesopfern werden die Namen so schnell wie möglich veröffentlicht, mit genauer Angabe von Zeit und Ort des Begräbnisses. Juden begraben gern noch am selben Tag oder einen Tag nach dem Tod. Wer zur Beerdigung kommen will, der hat die Informationen schon aus Fernsehen, Radio oder Zeitung. Den Familien bliebe gar keine Zeit, sich darum zu kümmern. Todesanzeigen werden hier nicht versandt – sie werden in der Nachbarschaft an Wänden und Zäunen angeschlagen.

Wir unterscheiden zwischen:

pigua hitabdut – ein Selbstmordattentat, normalerweise mit Sprenggürtel, Sprengsatz oder Bombe. Manche Sprengsätze sind mit Nägeln und Metallteilen versetzt, andere besonders groß (rav-otzma). Je nachdem ob der Anschlag in einem geschlossenen Raum oder im Freien stattfindet, sind viele oder wenige Opfer zu beklagen.

pigua yeri – Anschlag mit Schußwaffe, gern von Scharfschützen am Straßenrand verübt – in der Intifada II kamen davon viele vor, in den Gebieten besonders, aber auch an der Straße Nr. 6 (Noam Leibovitz).

pigua dkira – Anschlag mit Stichwaffe, so wie heute, als eine Soldatin von einem Palästinenser in der Straßenbahn in Jerusalem mit voller Wucht in die Brust gestochen wurde. Sie liegt im Krankenhaus. Der Sanitäter, der zum Glück in der Nähe war und sie behandeln konnte, erzählte, wie sie fassungslos sagte: „warum ich?“, und ein Arzt beschrieb die Verletzung – sie hatte großes Glück, ihr Herz wurde knapp verfehlt. Das Wort pigua dkira wird nur benutzt, wenn es sich eindeutig um einen Angriff aus nationalistischen Motiven handelt, also ohne vorhergehende  Auseinandersetzung. Oft wird dabei allahu akbar o.ä. gerufen. Es sind oft Einzeltäter, die sich spontan entscheiden, jemanden zu erstechen, zur höheren Ehre Palästinas oder Allahs.

pigua drissa – Anschlag mit einem Auto oder schweren Fahrzeug, durch Überfahren. Besonders Bushaltestellen voll Soldaten sind potentielle Ziele, aber auch Zivilisten auf dem Bürgersteig. Darum sind viele heute mit Absperrungen geschützt.

pigua mechonit tofet – ein Anschlag mit einem Auto, bei dem das Auto mit Sprengsätzen gefüllt ist und in ein Gebäude oder eine Menschenmenge gesteuert wird.

pigua hamoni – Massen-Anschlag. Das Herz sinkt einem ins Bodenlose, wenn man das Wort hört. Das sind Bombenanschläge, manchmal mehrere gleichzeitig (pigua kaful ist ein doppelter Anschlag). Pigua hamoni bedeutet: viele, viele Opfer. Und immer Tote.

Erleichterung dagegen fühlt man, wenn man nisaion pigua hört – der Versuch eines Anschlags. Entweder wurde er von vornherein vereitelt, verhindert oder aufgedeckt, oder jemand hat sich eingemischt oder gewehrt und den Angreifer entwaffnet, oder der mefagea hat sich dusselig angestellt.

Es gibt immer mal wieder Zeiten, in denen das Wort pigua oder nisaion pigua seltener fällt – vielleicht einmal die Woche. Dann wieder gibt es Zeiten, in denen wir es täglich hören. Insgesamt hören wir das Wort viel zu oft.

Ich wünsche dem jungen Mädchen, das gerade die Grundausbildung hinter sich hat, vollkommene und gute Genesung.

(Ich sehe gerade, daß sich Wikipedia der Sache ebenfalls angenommen hat, und auf ähnliche Unterscheidungen gekommen ist wie ich. Sie haben noch den pigua mikuach in der Liste – eine terroristische Geiselnahme. Interessanterweise werden Angriffe durch Steinewerfer, die ja durchaus töten können, besonders wenn sie eine Zwille benutzen, nicht als pigua bezeichnet – Asher Palmer und sein Sohn Yonatan sind so getötet worden ).

Waffenruhe? Hab ich mir anders vorgestellt März 16, 2012, 2:08

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Ashkelon, Ashdod, Netivot – die Grads regnen wieder mal vom Himmel. Die Armee, die schon gestern betont hat, daß sie an einer Eskalation nicht interessiert ist, reagiert mit Luftschlägen gegen leere Tunnel und Gebäude.

Die Rakete in Netivot fiel neben einer Schule, wo nach mehreren „raketenfreien“ Tagen gerade wieder der Unterricht angefangen hatte. Die Grundschüler liefen in Panik in den Flur und kauerten sich gegen Wände – die Schule hat keinen Schutz gegen Raketen. Das war kein schöner Anblick.

Ich hatte gehofft, daß diese Runde vorbei ist. Sie ist es wohl noch nicht.

 

Und noch eine Rakete auf Netivot März 15, 2012, 9:12

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Das ist ja wohl das Tückischste, was man überhaupt tun kann. Einerseits einen Waffenstillstand abmachen, eine Siegesfeier abziehen, Forderungen stellen – und andererseits weiter auf Zivilisten feuern. 

Wie gut, daß die deutschen Zeitungsleser mit solcher Perfidie nicht belastet werden!  (Wie immer: wer eine Erwähung in deutschen Zeitungen findet, bitte in den Kommentaren verlinken. Ein bißchen positive Widerlegung tut mir gut!)

Und drei Grad-Raketen auf Beer Sheva März 14, 2012, 19:55

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http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4203007,00.html

Dann geh ich mal Nachrichten gucken.  Nette Waffenruhe, muß ich schon sagen. Leider ein bißchen einseitig.

Viele Grüße von Primus März 14, 2012, 19:05

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Damit meine Blogleser auch mal was zu lachen haben.

Möglich März 14, 2012, 15:35

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Im Nordsinai hat die ägyptische Polizei einen bewaffneten Palästinenser festgenommen. Noch weiß man nichts Genaues, vielleicht wird es auch nie veröffentlicht – aber das kann durchaus ein Partner von al Keisi sein. Denn die Partner von der ägyptischen Seite kann Israel ja nicht liquidieren. Wie gut, daß die Ägypter ihn festgenommen haben – dann kann man ihn auch verhören. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt.

Manchmal entsteht ja im Ausland der Eindruck, daß Israel aus Willkür zB den Iran beschuldigt, die Anschläge in den Botschaften angezettelt zu haben. Als vor einem Jahr, oder ist es schon länger her?, ein Ingenieur aus dem Gazastreifen in der Ukraine festgenommen wurde, hieß es in gewissen Blogs: Willkür, ma pitom, was fällt Israel ein. Tja, der Mann war wohl ein ganz wichtiges Rädchen im Terror-Getriebe. Schon komisch. Oft stellt sich dann doch raus, daß die Informationen gut waren.  (Bei Interesse an dem Thema einfach mal nach seinem Namen googeln. Eine immer noch seltsame Geschichte!)

Und sagt mir nicht, ein israelisches Gericht hätte ihn automatisch verurteilt. Ein israelisches Gericht hat Demianjuk laufen lassen. Also – hold your hippogriffs.

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