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Zum Doku-Drama Juni 15, 2017, 2:39

Posted by Lila in Presseschau.
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Das hätte ich nicht erwartet, ich gebe es zu – als ich vor einiger Zeit las, daß eine Antisemitismus-Doku von Arte und WDR nicht ausgestrahlt wird, weil ihr Inhalt wohl zu heikel ist, zu deutlich, zu unbequem ist. Ich dachte, das ist  nur ein Kräusel auf der Oberfläche von Blogs wie  meinem, aber daß „normale“ Menschen 😉 das nicht weiter stören würde, weil sie sich ja gut informiert wähnen und sowieso immer nur die Anderen Antisemiten sind, man selbst hingegen rationale, objektive Israelkritik zu Israels Bestem übt.

Kurz, es traf mich unerwartet, aber freute mich, daß der Netzdruck stieg. Buurmann, Feuerherdt und andere taten das Ihre dazu – die Diskussion schwappte auf einmal in sog. Mainstream-Medien über, und die Neugierde stieg. Bis Bild dann (Bild!) den Film ins Netz stellte, und seitdem werden wohl die meisten die Doku gesehen haben, sich ein eigenes Urteil gebildet haben.

Ich selbst, in einer Phase intensivsten Zeitdrucks, habe etwa die Hälfte der Doku gesehen, und auch das war zu viel. Die Fakten kenne ich, die Argumentationsmuster kenne ich, die Taktik der anderen Seite – ich habe vieles selbst hier im Blog thematisiert, wie die Schulz-Rede in der Knesset und sein Beifall für die boshaft verlogene Abbas-Rede – und ich habe mich immer schon gewundert, warum das in deutschen Medien kein Thema war.

Ich persönlich hatte den Eindruck (und das zugegebenermaßen, ohne die gesamte Doku gesehen zu haben), daß man gut und gern zwei 90minütige Filme hätte machen können, mit einem gemächlicheren Tempo, denn die Fülle an Informationen ist groß. Wer in dem Thema nicht drin ist wie ich, sondern erstmal ruft, „aber hallo, das kann nicht stimmen! das wüßte ich aber!“, der braucht vielleicht mehr Zeit, die Fakten zu verdauen.

Und das Stilmittel des Sarkasmus – oh wie gut weiß ich, daß man auf manches einfach gar nicht anders reagieren kann. Aber mir ist auch klar, daß Sarkasmus auf Leute, die anderer Ansicht sind, einen unangenehmen Eindruck macht. Sie fühlen sich dadurch angegriffen und haben es einfacher, die gebotenen Informationen einfach wegzuwischen. Darum wäre ich vermutlich mit dem Sarkasmus sparsamer umgegangen.

Das sind meine zwei kleinen, blassen Fragezeichen, um sie hier gleich loszuwerden. Die Filmemacher hatten nicht die Wahl, einen Mehrteiler daraus zu machen, und bei der Masse an gequirltem Unfug, den sie sich anhören mußten, war Sarkasmus wohl schlicht die einzige Methode, nicht selbst wahnsinnig zu werden.

Ansonsten ist diese Doku wichtig, sehr wichtig und sehr notwendig. Das antijüdische Ressentiment, das Mißtrauen Israel gegenüber, die Bereitschaft, jeden Mist über Israel zu glauben und die mentale Unfähigkeit, irgendeine andere Konstellation als „Israel bösartiger Täter, Palästinenser harmlose Opfer“ aus der Realität herauszulesen, die vorurteilsbeladene, faktenarme Verurteilung des Zionismus als Inbegriff allen Übels – ich treffe sie überall, auch ein paar sehr gute israelische Dokus haben sie zutage gefördert, es ist nicht schwer, man muß nur „Israel“ sagen, und schon geht es los. Meine arme Mutter hat sehr oft, wenn sie erzählt, ihre Tochter, Israel, Israelis und so weiter, damit zu kämpfen. Es kommen die absurdesten Reaktionen, manchnmal wäre es den Leuten lieber, die Tochter hätte sich nach Nordkorea verheiratet als ausgerechnet nach Israel – und es ist ja auch eh fast dasselbe.

Ja, man kann über diese Doku auf der Ebene von „was hätte man besser machen“ diskutieren, und man wird immer etwas finden, das ist klar. (Doch wie viele Dokus mit klarer anti-israelischer Stoßrichtung, die viel weniger gut recherchiert und gemacht sind, wurden anstandslos gesendet! Ihr kennt sie, ich kenne sie, und die Reportagen der Tagesschau zum Thema Israel sind zu jedem Thema davon durchsetzt wie die Marmelade bei Großmutter Fallada von Schimmel).

Man kann auch über die Befunde diskutieren, über die antisemitischen Spuren in der Kultur, die antisemitisch angehauchten Redefiguren, die eindeutig antisemitischen Meinungen, die wieder salonfähig werden, und wie das alles von einer lügenhaften Präsentation des sog. Nahostkonflikts (als wäre der israelisch-palästinensische DER Konflikt der Gegend) immer wieder befeuert wird. (Weswegen selbstverständlich die Nahostfrage einen  Platz in einer Doku über Antisemitismus hat – sie wird dafür instrumentalisiert). Ich mache das seit Jahr und Tag, mir tun die Zähne davon weh, wie lange ich sie mir schon an dieser Pyramide der Lügen und Verdrehungen wetze.

Aber für mich ist der eindeutige Gewinn der Doku ein bitterer. Ich habe bei Twitter allzuoft die Reaktion „das habe ich nicht gewußt!“ gesehen. Es kann ein „das habe ich nicht gewußt und halte es auch für nicht möglich“ sein, es kann aber auch ein „das habe ich nicht gewußt, und WARUM habe ich das eigentlich nicht gewußt?“ sein.

Und das ist für mich der Clou bei der ganzen Geschichte und meines Erachtens der Grund, warum Arte und WDR die Doku nicht ausstrahlen wollen und wohl auch nicht ausstrahlen werden. Diese Doku spricht ein vernichtendes Urteil über die Berichterstattung der Medien. Das alles, das aus 90 Minuten an den Säumen birst und das ohne Zweifel zehn 90minütige Dokus gut füllen könnte, das alles wird normalerweise NICHT berichtet. Die Angriffe auf Israel, die Haßreden gegen Israel, die Lügen und Verdrehungen, die in Haß und Taten des Hasses überführt werden wie in andere Aggregatzustände – das alles kommt in den Abendnachrichten, der Morgenzeitung NICHT vor.

Wer nicht MEMRI guckt, MENAwatch oder Audiatur oder Gatestone liest, wer nicht Buurmann oder Feuerherdt oder Rungholt oder Elder of Ziyon liest (meinetwegen auch gern kritisch liest!), wer nicht Ynet, Times of Israel, JPost ,der Rotter.net liest oder HaOlam, wer sich also nicht aktiv auf die Suche nach Informationen begibt, die Spiegel, FAZ und Tagesschau ihm vorenthalten, der WEISS diese Dinge schlicht nicht.

Und der hat, weil ihm ein Teil der Wirklichkeit fehlt, einfach keine Möglichkeit, zu einer ernstzunehmenden Meinung über den palästinensisch-israelischen Konflikt und auch den Antisemitismus zu kommen.

Ein ganzes Rudel Kommentatoren auf diesem Blog haben, weil ihnen diese Informationen schlicht fehlten, sie sich dessen aber nie bewußt waren, daß sie nur einen Teil der Fakten kannten, immer dieselben ermüdenden Klischees wiederholt und mit Empörung reagiert, wenn ich ihnen geantwortet habe, daß sie nicht kompetent sind, eine Meinung zu haben.  Sie fühlten und fühlen sich rundherum gut informiert.

Aber eine Meinung kann man nur haben, wenn man alle Fakten kennt. Und ein Faktoid ist eben kein Fakt. Eine rhetorische Verknüpfung wie das automatische „Friedenshindernis Siedlungen“ ist kein Argument, da diese Verknüpfung bewußt von der palästinensischen Propaganda in die Welt gesetzt wurde, um den Terror unsichtbar zu machen, der das wahre Friedenshindernis bildet. Wer nicht erklären kann, warum es Terror gegen Juden VOR 1967 gab, ja VOR 1948, der hat das Problem nicht verstanden.

Es ist durchaus möglich, auch mit voller Faktenkenntnis viele Entscheidungen und Handlungen Israels kritisch zu finden und sich zu denken, man selbst hätte das alles ganz anders und viel besser gemacht, aber OHNE diese Faktenkenntnis kann man sich diese Meinung eben eigentlich nicht leisten.

Ich weiß nicht, was der Grund ist, daß in den Redaktionen bestimmt nicht nur in Deutschland alles, was sich nicht auf das oben genannte Raster reduzieren läßt, weggelassen wird. Warum über ein paar Wohnungen in Stadtteilen von Jerusalem Empörung herrscht, während Morde wie die an den Palmers einfach verschwiegen werden, die an den Fogels einfach kleingeschrieben werden. (Ich darf nicht daran denken, wie entsetzlich dieser Mord war und wie gleichmütig die deutschen Medien darüber hinweggegangen sind. Nein, ich darf nicht daran denken, sonst schlafe ich überhaupt nicht mehr. Das Baby im Arm seines Vaters, die Mutter, die wie eine Löwin gekämpft haben muß, bevor sie auch ermordet wurde.)

Ich benutze auch keine Ausdrücke wie Lügenpresse, obwohl auch schon Lügen unüberprüft von den Palästinensern übernommen wurden, immer immer wieder. Ich weiß nicht, warum Markus Rosch, Rania Salloum, Susanne Knaul, Inge Günther, Peter Münch und all die anderen unfähig sind, Fakten zu berichten, die nicht in ihr kostbares Narrativ passen. Warum der Spiegel das Bild eines riesigen Containers als Illustration bringt statt der faktisch nach Gaza geschipperten Nußschale, in der ein Erste-Hilfe-Koffer keinen Platz hätte. Warum Angriffe auf Israel, Angriffe auf Juden, Haßreden gegen Israel, Haßreden gegen Juden, einfach NICHT berichtet werden.

Ihr wart oft genug dabei, wenn ich verzweifelt bin, weil Menschen wie die Palmers oder Adele Biton* NIE in deutschen Medien auftauchen. Schicksale, die erklären, warum Israel gezwungen ist, manche Maßnahmen zu ergreifen, die dann von den Palästinensern wieder als Rechtfertigung für neuen Terror genommen werden.

Warum wird nie gezeigt, wie Gaza jubelt, wenn wir Tote begraben? Warum wird nie gezeigt, wie sorgfältig Israel vorgeht, um so wenig zivile Opfer wie möglich bei Verteidigungsschlägen zu gefährden, wie unendlich schwer sich Israel mit der Rolle tut, die uns von einem skrupellosen Gegner aufgezwungen wird, der aus Moscheen und Schulen heraus operiert? Richard Kemp kann sich den Mund fusselig reden – die Leute, die NIE ihr Leben verteidigen mußten, die sich NIE wirklich gefährdet gefühlt haben, die werden sich nie überzeugen lassen. Weil sie einfach nicht wissen, daß Israel viel weiter geht als andere Armeen, um das Leben der von Hamas oder Hisbollah zynisch benutzen Zivilisten zu schützen.

Nein, das paßt nicht ins Narrativ und wird darum nicht berichtet.

Diese Doku macht klar, wie wenig im Alltag bewußt wird, daß die deutsche Kultur antisemitisch gesättigt ist.

Diese Doku macht auch klar, daß das palästinensische Narrativ seit Jahrzehnten gegen Israel in Stellung gebracht ist, mit allen Lügen und Verzerrungen, mit dem Ergebnis, daß die meisten Deutschen tatsächlich glauben, Israel sei ein illegitimer und aggressiver Staat.

Diese Doku macht klar, daß Juden überall auf der Welt dafür mit Leib und Leben die Zeche zahlen.

Diese Doku macht klar, daß es Eure Steuergelder sind, mit denen Terror in Kindersendungen des palästinensischen Fernsehens, in Schulen und Unis verherrlicht wird, so daß nie Nachwuchsprobleme herrschen und es nie an palästinensischen Kindern mangelt, die begeistert und fanatisch mit Messern vor einer Kamera rumfuchteln. Das alles macht sie überdeutlich klar.

Und sie macht klar, daß Ihr von Euren Medien, von Ausnahmen mal abgesehen, seit Jahrzehnten absichtlich oder unabsichtlich manipuliert werdet. Darin liegt für mich die wahre Brisanz dieser Doku, und das wahre Skandalon. Alles, was dort erzählt wird, hättet Ihr in der Tagesschau sehen müssen, in der FAZ lesen müssen. Das habt ihr nicht? Warum nicht? Cui bono?

Ich ziehe alle Hüte, die ich je besessen habe, vor den Autoren dieser Doku, die sich mit sicherem Schritt in die Gülle vorgewagt haben, wo sie dick und stinkend ist. Sie haben uns allen einen Dienst erwiesen. Was ich in Jahren verzweifelten Bloggens nie erreicht hätte, ich und die ganze Blogosphäre, die an diesem Narrativ und Schema seit langem verzweifeln, das kann so ein Film natürlich in ganz anderem Umfang.

Antisemitismus und Terror gegenüber, diesen häßlichen Cousins, gibt es keine Ausgewogenheit, Objektivität oder Äquidistanz. Wer nicht dagegen Stellung bezieht, der unterstützt sie zumindest passiv. Das sollte jedem klar sein.

 

* Adele Biton ist während meiner Blogpause an den Spätfolgen des Anschlags verstorben.

ETA: Ich habe unfairerweise weggelassen, daß es sehr wohl Journalisten gab und gibt, die berichtet haben – gegen den Mainstream. Welt, Tagesspiegel und andere Zeitungen sind dabei immer positiv aufgefallen. Ja, man mußte ein bißchen buddeln, um sie zu finden, aber es ist möglich. Tut mir leid, daß ich das nicht auch berücksichtigt habe.

Immer wieder die alte Schote von den Semiten April 15, 2017, 22:13

Posted by Lila in Presseschau.
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Sobald irgendwo medial Antisemitismus, besonders von Migranten, beklagt wird, kommt sofort die relativierende Äußerung: Araber können gar keine Antisemiten sein, weil sie ja selbst Semiten seien! (Zum Beispiel in den Kommentaren hier, die auch ansonsten eine Blütenlese der Relativierung, ja Rechtfertigung des Antisemitismus bieten).

Also nochmal zum Mitschreiben: es gibt keine Semiten. Es gibt semitische Sprachen, aber es gibt keine Semiten, das ist kein Volk und kein Stamm. Arabisch und Hebräisch sind semitische Sprachen. Es gibt eine falsche Konstruktion, die aus den semitischen Sprachen Rassen ableitet – aber es gibt auch keine Menschenrassen, wir sind alle homo sapiens (auch wenn man´s bei manchen kaum glauben mag). Solche verallgemeinernden Metaphern sind typisch für Pseudo-Wissenschaften des 19. Jahrhunderts, der Zeit, in der der moderne Rassismus und Antisemitismus entstanden.

Antisemitismus ist ein politischer Kampfbegriff dieser Zeit, der sich explizit gegen die Juden richtet. Araber waren den Antisemiten egal, weil es keine in Europa gab und man sich an den Juden abarbeitete. Es gab antisemitische Vereine und antisemitische Parteien. Die Voraussetzung für den modernen Antisemitismus war der jahrhundertelange Anti-Judaismus der Kirchen, aber Antisemitismus geht weit über ihn hinaus. Der Anti-Judaist haßt Juden als Christusmörder und glaubt, daß das Christentum das Judentum heilsgeschichtlich abgelöst hat (bedient sich aber ohne weiteres am Fundus der Motive, Gebete, Rituale, Glaubenssätze und moralischen Gebote des Judentums), aber für ihn kann „der Jude“ prinzipiell gerettet und erlöst werden – indem er sich taufen läßt. Peinlich-penetrante Appelle Lavaters an Moses Mendelsohn sind ein Zeugnis für diesen automatischen Antijudaismus.

Doch für den Antisemiten ist klar, daß „der Jude“ nicht gerettet werden kann, denn aus einer „Rasse“, in die man hineingeboren ist, kann man sich nicht herauskonvertieren. Also hat der Antisemitismus gar nicht die Möglichkeit, Juden in irgendeiner Weise in die Welt zu integrieren. Logischerweise geht der Antisemitismus in drei Schritten vor sich: Juden müssen von Nichtjuden unterschieden und anders behandelt werden – sie müssen entfernt und weggeschickt werden – und sie müssen vernichtet werden.

Antisemitismus ist immer Haß bis zur Vernichtung, er kann gar nicht anders. Das sitzt in der Entstehungsgeschichte dieser Ideologie von Anfang an mit drin. Deswegen benutze ich das Wort auch nicht leichtfertig, ich spreche, wenn es um „leichtere Verlaufsformen“ geht, eher von antisemitischem Ressentiment oder antijüdischen Vorurteilen. Und schon das sind heftige Vorwürfe. Denn immer steckt dahinter, daß Juden anders sind, von Anfang an und unausweichlich der Feind.

Und das ist die Bedeutung des Worts Antisemitismus. (Der Wikipedia-Eintrag zum Thema, den ich mir gerade angeguckt habe, bietet recht viele Quellen, an denen man nachvollziehen kann, daß er mit anderen gesellschaftlichen Vorurteilen nicht fair verglichen werden kann – auch wer alle Schotten für Geizkrägen, alle Frauen für dumme Puten und alle Bayern für Hinterwäldler hält, geht nicht so weit, diese Gruppen als Rassen mit Stumpf und Stiel ausrotten zu wollen.)

Dieses Wort gewissermaßen auseinanderzufriemeln, als gäbe es Semitismus tatsächlich, diesen dann auf Araber anzuwenden und sie somit in einem Salto mortale der Logik von jeglichem Antisemitismus freizusprechen, ist eigentlich ein Akt des Rassismus. Denn er setzt voraus, daß der Rassismus real ist, daß Araber und Juden Semiten sind, unentrinnbar, und daß dieser Semitismus sie bestimmt.

Diese Dinge sollte man eigentlich in der Schule lernen. Semitismus ist ein Phantasieprodukt, Antisemitismus eine davon abgeleitete Ideologie des Hasses und des Vernichtungswillens. Daß es nicht bei der Ideologie geblieben ist, sondern daß Millionen mit diesem Haß emotions- und empathielos in den grausamen Tod getrieben wurden, sollte jedem bekannt sein.

Die naive Pose der Antisemitismusleugner ist verlogen und ich habe die Nase voll davon, daß in einem Land, das verdammt nochmal diese einfachen historischen Tatsachen kennen und lehren sollte, immer wieder dieses dümmliche Pseudo-Argument kommt.

Man mag diskutieren, ob es fair ist, den aus dem Koran erwachsenen Judenhaß (Chaibar, Chaibar…) als Antisemitismus zu bezeichnen, da dieser, s.o., ein spezifisch westliches Konstrukt ist. Es gibt allerdings viele Querverbindungen, und einige der ätzendsten antisemitischen Thesen hat der Westen den Araber frei Haus geliefert – die Protokolle der Weisen von Zion, Hitlers Mein Kampf, sie alle erfreuen sich großer Beliebtheit in der arabischen Welt. Und auch Mohammeds Haß auf die Juden fand Ausdruck im Aufruf, die Juden alle zu vernichten. Die Bilder von Hitler und dem Mufti kennen wir ja alle.

Für Juden ist das Endergebnis also gleich.

Aber ich hoffe, irgendwann spricht sich mal rum, daß dieses Wortspiel von den Arabern als Semiten, die darum per se unmöglich Antisemiten sein könnten, einfach dumm, geschichtsvergessen und unmöglich ist. Man höre und staune – es ist sogar möglich, JUDE und Antisemit zu sein. Von Otto Weininger bis Ilan Pappe ist die Liste der Juden, die mit ihrem Judentum hadern und dem Antisemitismus dadurch zuvorkommen, daß sie ihn aufsaugen und sich zu eigen machen, lang und trübselig (Tuvia Tannenbaum hat wohl einige Prachtexemplare getroffen).

Also, Schluß damit. Laßt diesen Dummschwatz nicht mehr durchgehen, niemandem, bitte.

Nachrichten sind ungesund, April 8, 2017, 18:57

Posted by Lila in Deutschland.
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das wußte ich ja vorher schon, und meine Abstinenz war gut für meine Nerven. Kaum sehe ich Nachrichten, lese ich Zeitungen, weiß ich nicht, was aus dieser Welt noch werden soll. Leider ist es mir nicht egal!

Sehr getroffen hat mich der Leserbrief der Mütter aus Berlin, für die der Ruf der Schule ihrer Kinder wohl ein schützenswerteres Gut ist als die Unversehrtheit eines jüdischen Schülers. Für sie sind die Leidtragenden IHRE EIGENEN KINDER, nicht hingegen der von der Schule gemobbte jüdische Schüler.

Die reflexhafte Schuldzuweisung an den „Nahostkonflikt“ ist so typisch, daß mir dabei der Hut bis auf Reiseflughöhe hochgeht. Liebe dumme Mütter, der „Nahostkonflikt“ besteht daraus, daß die Araber im Nahen Osten seit über hundert Jahren nicht bereit und willens sind, Juden, die sich selbstbewußt als Juden bezeichnen, unter sich zu akzeptieren. Als Untertanen, ja. Als gleichberechtigtes Volk mit autonomem Staat, nein.

Die Juden wurden und werden im Nahen Osten genauso gemobbt wie der Junge an der Schule in Friedenau. Und die westliche Welt in ihrem Wahn der Ausgewogenheit, und man muß ja beide Seiten sehen, und alle haben ja Dreck am Stecken, und die nehmen sich ja alle nichts, und die Araber sind ja schließlich auch Semiten!, kurz, die westliche Welt macht es genauso wie die Friedenauer Mütter. Sie betrachtet Bullies und Opfer als gleichermaßen schuldig – und exkulpiert damit den Bully. (Wie gut der westlichen Welt das bekommt, sieht man ja…)

Das ist übel, aber daß die Mütter das nicht wissen, wundert mich nicht, denn woher sollten sie Hintergrund zum Nahen Osten, der darüber hinausgeht, daß die Juden eben bockig sind und nichts abgeben wollen und darauf bestehen, wie andere Völker Rechte zu haben? Woher sollten sie wissen, was Gerd Buurmann aufzählt, da es in normalen Medien nie zu finden ist? Sie plappern nur nach, daß es ein religiöser Konflikt ist, und den hat dieser Judenknabe in ihre schöne Schule getragen, und damit ihren guten Ruf kaputt gemacht, und ihre Kinder LEIDEN jetzt!

Das ist so unglaublich dreist, und es wird noch schlimmer durch den Unterton. Und den, meine Lieben, den kenne ich. Warum sind diese Juden so selbstbewußt? Haben sie noch nicht kapiert, daß man sie nicht mag, nicht haben will, nicht akzeptiert?

Meine Mutter ist schon öfters gefragt worden: ja, ist denn Ihr Schwiegersohn (und hier wird die Stimme diskret gesenkt) JUDE? In einem Ton, als wäre JUDE ungefähr so eine Bezeichung wie Vogelfreier, Bankräuber oder Bigamist? Während die Worte pseudo-tolerant-weltoffen lauteten, ach ja, mal was anderes, ja die Juden sollen ja ein intelligentes Völkchen sein, sagte der Ton: ach du liebe Güte, Ausländer ist ja schön und gut, aber Jude?

Drum war der Schulleiter überfordert mit einem Juden, der nicht verbirgt, Jude zu sein (wie das doch ein anständiger Jude, der keinen Ärger verursachen will, tun würde).

„Bei der Anmeldung des Schülers habe ich die Mutter darauf hingewiesen, dass wir keine Erfahrung mit jüdischen Schülern haben, die wie der 14-Jährige offen mit ihrer Religion umgehen.“

Hingegen scheint er gute Erfahrungen mit Muslimen gemacht zu haben, die mit ihrer Religion offen umgehen. Oder? Die Eltern jedenfalls nennen Antisemitismus und Antiislamismus in einem Atemzug, als würden an anderen Schulen muslimische Schüler von jüdischen bis zum Schulwechsel gemobbt.

Abgesehen von dieser typischen Distanzierung vom Jüdischen und dem Unwillen, sich damit zu solidarisieren, geht es im Kern um noch etwas, und das trifft mich als Mutter, Lehrerin und Lehrer-Ausbilderin ebenfalls.

Es geht um moralische Feigheit. Frau Schultz, Frau Kuhne und Frau Saridou wissen genau, was sie tun müssen, damit ihre Kinder in der Schule NICHT gemobbt werden. Sie müssen das jüdische Kind preisgeben. Und das tun sie. Sie schieben die Schuld den „Auswüchsen internationaler Konflikte“ zu (sprich: dem von deutschen Medien verbreiteten Mythos der israelischen Brutalität und Unverhältnismäßigkeit), womit die mobbenden Schüler aus dem Schneider sind. Dabei wäre es doch mal ein Erziehungsziel, sich für die Rechte der Schwächeren, der Minderheiten einzusetzen, und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, wenn es unbequem wird!

Wieso bin ich eigentlich so entsetzt? Vielleicht, weil ich unter Umständen irgendwann jüdische Enkelkinder in einer deutschen Schule haben werde? Weil ich meine Kinder in Israel großgezogen habe, u.a., um solchen Müttern nicht zu begegnen?

Es ist das Gesicht meiner Heimat, es hat harte, kalte, egoistische Augen, und es stellt sich schützend vor Bullies, die ein jüdisches Kind über Monate hinweg mobben, bis die hilflosen Eltern es von der Schule nehmen. Und sentimentale Tränen steigen in diese Augen nur, wenn sie an das entsetzliche Leid ihrer eigenen kostbaren Schneeflöckchen denken, deren Schule nun so arg durch den Schlamm gezogen wird.

Ja, Frau Schultz, Frau Kuhn und Frau Maridou und alle anderen Unterzeichner, auf Sie wäre kein Verlaß, wenn es Juden an den Kragen ginge, solange der gute Name nur dadurch nicht beschädigt wäre.

ETA: ebenfalls zum Thema: Störe meine Kreise nicht