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Markerschütternd April 24, 2014, 21:02

Posted by Lila in Krabbeltiere.
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war mein Schrei.

Ich saß gerade gemütlich auf einem der Lese-Sessel in meinem Arbeitszimmer und tauschte mit meiner Telefon-Freundin Umzugstips aus – sie zieht nämlich am Wochende um. Wir waren so richtig tief in der trauten Diskussion, wie man fremden Knies und Knaas am besten von Duschabtrennungen und Küchenzeilen entfernt – da hörte ich es und fühlte ich es neben meinem Ohr ganz zart krabbeln.

Und da wandte ich den Kopf.

Ein dicker, hektisch wackelschwänzelnder, fettbraun glänzender Tausendfüßler wand sich und nahm Kurs auf meinen Hals. Ja, ein Tausendfüßler mit giftigem Stachel, dessen Stich angeblich sehr wehtut. Aber auch wenn er nicht giftig wäre, hätte ich vermutlich denselben Schreckensschrei ausgestoßen.

Meine Freundin erschrak furchtbar. Ich konnte nur stammeln: „nadal, nadal“, und sie gruselte sich auch. Y. und die Mädchen kamen die Treppe hochgeschossen, Tertia mit gerunzelter Stirn und tadelndem Ton, „ja was ist denn hier los, Mama?“ Als die Mädchen aber das Wort NADAL hörten, riefen auch sie sofort: „iiiih“ und „wo ist er?“ und „Abba, rette uns“.

Einen Moment lang tat mir mein Mann so leid. Er ist so gelassen und trocken im Umgang mit Krabbeltieren aller Art, und statt daß ich meinen hysterischen Ekel vor Kakerlaken, Spinnen und Tausendfüßlern bekämpfe, stecke ich die Töchter noch damit an.

Y. warf uns nur einen Blick zu, den jeder sich ausmalen kann, und begab sich auf der Suche nach dem Übeltäter.

Ich fand ihn schließlich selbst – er hatte sich noch an die Rückseite des Kissens geklammert, an das ich mein müdes Haupt gelehnt hatte.

Mir ist klar, daß meine Leser es zutiefst mißbilligen werden, einen Akt der brutalen Gewalt gegen Wehrlose nennen werden, aber ich habe das Tier mittels Sprühflasche zur Strecke gebracht, obwohl Y. schon mit dem Besen bereitstand, um es auf den Balkon rauszufegen. Damit er sofort wieder zurückkommen kann, wie unsere Ratten? Nein danke.

Wer seine Neugierde befriedigen möchte, wie so ein Schreckenstier aussieht, kann dieses hier tun. Und dann kommt wieder und sagt mir, daß Ihr nicht geschrien und nicht gesprüht hättet, sondern dem kleinen Burschen das Haupt getätschelt hättet, um ihn dann nach draußen zu tragen. Ja ja, glaub ich Euch aufs Wort.

Brrrrr.

ETA: Und wißt Ihr, wie Y. den Vorfall resümiert hat? „Ich habe dir doch gesagt, du sollst nicht so viel telefonieren“.

Ach nein, ach je, Mai 29, 2013, 0:02

Posted by Lila in Krabbeltiere.
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sie sind wieder da, die Spinnen. Handtellergroß ist sooowas von 2012 – dieses Jahr kommen sie nicht kleiner als meine Hand, mit abgespreizten Fingern. Pro Tag mindestens eine Begegnung. Ich bin inzwischen schon fast, beinahe, nahezu cool. Ich rufe nicht mehr mit bebender Stimme nach Sohn oder Gatte, um mich zu erlösen. Nein nein, ich erledige das selbst, meuchelmörderisch, ich kann mich nicht dazu bringen, diese Kaventsmänner irgendwie einzufangen.

Wenn ich ihnen bei der Gartenarbeit begegne, machen sie mir gar nichts aus. Draußen, das ist ihr Revier, da ekeln sie mich nicht weiter, da können sie machen, was sie wollen. Aber wenn sie im Haus fett und bräsig auf der Wand sitzen, überall, kein Zimmer, in dem ich nicht schon mindestens dreimal eine angetroffen häte — das ist gräßlich und verstörend.

Seltsam, meine Schwester geht locker mit Spinnen um, Y. und Primus machen sie nichts aus, Secundus lacht und staunt über ihre Größe. Doch meine Töchter scheine ich angesteckt zu haben mit meiner irrationalen Spinnenfurcht, obwohl ich mich vor ihnen immer bemüht habe, mir nichts anmerken zu lassen, ohne Schrecksekunde ganz sachlich zur Tat zu schreiten. Ja, vor Augen der Kinder überwinde ich mich, auch die ekligsten Viehcher per Besen nach draußen zu befördern. Viehcher, die ich in trauter Einsamkeit per feiger Chemiewaffe menschen- und spinnenrechtswidrig um Leib und Leben bringen würde, was ich den Kindern aber nicht zumuten möchte*.

Der Sommer hat Vorteile, ich leugne es nicht, besonders wenn er so relativ mild daherkommt wie im Moment. Die Wäsche trocknet im Nu, die Bougainvillea blüht, an manchen Tagen ist das Meer so glatt und spiegelblank, daß man es küssen möchte. Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf die Spinnen sehe….

Ich hab gerade eine erledigt, die war so groß wie eine Nordseeinsel. Hätt ich sie  mal photographiert. Ihr glaubt mir ja doch nicht. Keine Ahnung, wann meine Gänsehaut weggeht.

Ich sag ja, das Haus ist eine Therapieeinrichtung für Arachnophobiker. Hier werde ich getriggert, bis ich Spinnen unter Spiegeleigröße gar nicht mehr sehe.

Die nächste zeig ich euch, damit ihr auch was davon habt.

 

* Den Mädchen – die Söhne zählen bei mir unter Männer und haben damit die Lizenz, ja die Pflicht zum Spinnen-Beseitigen.

Ein Update Oktober 14, 2012, 0:37

Posted by Lila in Krabbeltiere.
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zu unseren unerwünschten Hausgenossen, den Ratten.

Natürlich hatten alle recht, die prophezeiten, daß es bei einem Rättlein nicht bleiben würde. In der Tat haben wir inzwischen fünf verschiedene Ratten nacheinander in der Lebendfalle gefangen. Eine schlanke, hübsche Braune, einen zerrupften Alten, eine verwirrte, am Schwanz verletzte Kleine, einen agilen jungen Mann und eine unauffällige, huschelige Dame mittleren Alters.

Y. nimmt sie immer im Auto mit und setzt sie bei Goren aus, am Rand des Nationalparks, nicht weit von  hier. Ich nehme an, daß sich nun eine Art „trampiada“ für Ratten gebildet hat, die mit Mund-zu-Mund-Propaganda weitergeben: wollt ihr mal mit ´nem Auto fahren? Also dieser Y., der macht das umsonst, ihr müßt nur über den großen Ombu aufs Dach klettern und euch unter den Ziegeln durchquetschen, kein Problem… Futter haben die auch…

Da zwischen Haus und Dachboden keine Verbindung besteht, habe ich keine richtige Sorge, daß mir eins der possierlichen Nagetiere aufs Kopfkissen fällt. Die Klapptür, die Y. aufstemmen muß, um die Falle aufzustellen, schließt hermetisch und ist schwer. (Übrigens sind wir schon richtig gut im Ködern – die Ratten mögen sehr gern Obst). Ich hab auch nichts gegen sie, es sind hübsche, geschmeidige und intelligente Tiere.

Aber trotzdem hör ich sie ungern über mir rascheln und scharren. Es hat ja auch etwas Absurdes: in meinem Kleiderschrank, Abteilung Wintersocken, schlummert Luzifer, fest zusammengerollt. (Nein, ich hab nicht das Herz, ihn rauszuschmeißen – eher wasch ich die Socken vorm Winter noch mal, ist ja noch Zeit). Neben mir, fest an mich gedrängt, schläft Leo den Schlaf des Gerechten – von Zeit zu Zeit streckt er selig die Krallen aus, gern in meine Seite. Und resigniert über die Frechheit der schwarzen Emporkömmlinge hat Mini es sich auf meiner Neoprentasche für den Laptop bequem gemacht, auf dem Rahmen am Ende des Betts. (Wir haben so ein komisches Bett mit einem umlaufenden Rahmen, der bestimmt 30 cm breit ist). Sie schläft prinzipiell nur auf Materialien, die Haare magnetisch anziehen.

Kurz, ich bin umgeben von tüchtigen Jagdtieren, die nicht mal blinzeln, wenn die Ratten über ihren Köpfen toben.

Unser Nachbar übrigens, ein kerniger Mann, hat uns erklärt, daß er jeden Tag „Dutzende“ von Ratten fängt. Er hält Tiere, und die Ratten gehen wohl ans Futter. Er ersäuft sie einfach. Wir sind noch nicht so weit, Rattengift zu verstreuen. Und wir konnten Quarta nur mit Mühe von dem Plan abbringen, die verletzte Ratte zum Tierarzt zu bringen. Quarta sieht unsere Lebendfalle als Rettungsaktion für die vom Nachbarn bedrohten Ratten der Umgebung. Und den Geräuschen über meinem Kopf nach zu urteilen, sehen die Ratten das ganz genauso.

Haustier mit fünf Buchstaben September 1, 2012, 8:52

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Unser Schlafzimmer ist im oberen Stockwerk, über unseren Köpfen ist ein großes Fenster, dann eine leichte Schräge, dann eine gerade Decke. Die Decke ist eine abgehängte Gipsdecke, darüber ist das Ziegeldach. Der Zwischenraum ist nicht als Speicher zu gebrauchen, denn er ist niedrig, aber dort steht noch eine alte, jetzt nicht mehr benutzte zentrale Klimaanlage. Die Decke weist mehrere Lüftungsgitter auf, die zu dieser alten Angage gehören, und die wir eigentlich irgendwann mal schließen wollen. Ich nehme an, daß dieser Speicher Zufluchtsort für die fetten Spinnen ist, die unser häusliches Leben bereichern.

Ich höre schon seit Wochen Trippelschritte und kratzende Geräusche von der Decke über uns. Jedesmal, wenn ich meinem Mann, diesem Tonmeister feinsten Gehörs, davon berichte, sagt er: hm, nichts gehört, das bildest du dir vielleicht ein. Nachdem auch die Mädchen ihm berichteten, daß es da oben raschelt und kratzt, meinte er: das sind bestimmt Nachbars Tauben, die auf den Ziegeln sitzen, und weil die doch so nah an der Gipsdecke sind, hört sich das dann so an, als wäre es direkt über euch.

Vor ein paar Nächten wurde es aber richtig laut. Zu dem Scharren und Trippeln kam jetzt noch ein eindeutiges Quieken und Pfeifen. Ich weckte Y. und zeigte nur stumm auf die Decke. Er brummte was von Tauben und schlief wieder ein. Ich schlief in der Nacht nicht so gut, weil ich erwartete, daß mir durch die Lüftungklappe zu unseren Häupten jederzeit eine fette, graue Ratte entgegenkäme.

Nun, das geschah nicht, aber der nächtliche Spektakel hatte mir gereicht, und Y., obwohl nach wie vor nicht überzeugt, sah ein, daß der eheliche Frieden nur durch Entgegenkommen zu retten war. Er fuhr in Kfar Yasif vorbei, bei dem treuen Eisenwarenhändler, wo er sämtliche Werkzeuge, Trittleitern, Kabel, Bewässerungsschläuche und sonstigen Notwendigkeiten des Alltags einkauft. Ich wandte die Augen ab, als er eine Rattenfalle ins Haus trug und sie auf dem Speicher aufstellte. Dort waren keine Spuren von Rattenbefall zu sehen, weder Köttel noch angefressene Leitungen. Er lächelte nachsichtig und meinte, jetzt könnte ich ja beruhigt schlafen, denn obwohl er nicht daran glaubt, daß wir Ratten haben, die Falle steht auf jeden Fall.

Es dauerte keine 24 Stunden, da stand er mit verblüfftem Gesicht vor mir. In der Falle sprang eine hübsche, schlanke, braune Ratte aufgeregt hin und her. Quarta war entzückt von ihr und bettelte darum, sie als Haustier halten zu dürfen. Schließlich überzeugten wir sie, daß ein Haushalt mit drei Katzen kein Ort für eine freiheitsgewohnte Ratte ist, und sie fuhr mit Y. bis hinter Goren, um die Ratte im Naturpark auszusetzen.

Wir nehmen an, daß die Ratte nicht dauerhaft bei uns gelebt hat, sondern daß sie über den Ombu-Baum, der das Dach längst wieder berührt und überragt, hochgeklettert ist und sich unter den Ziegeln durchgequetscht hat. Seitdem ist jedenfalls Ruhe, sie hat weder Nest noch nähere Angehörige zurückgelassen. Und wenn sie wiederkommt? Dann geben wir ihr einen Namen und einen Futternapf, denn dann hat sie sich den Aufenthalt bei uns redlich verdient.

Als Zugabe: die zweite Ratte, die wir gerade gefangen haben.

Nicht so hübsch wie die erste, deswegen ein Stück entfernt von ihr ausgesetzt.

Beweis April 9, 2012, 13:56

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Wer hat über mich gelacht, als ich mich vor den Riesenspinnen grauste, die uns heimsuchen? Kein Tag vergeht ohne mindestens zwei Begegnungen. Das da oben ist eine solche Spinne, nachdem sie mich getroffen hat. Ja, ich benutze die Waffe der Feigen und Frauen – ich sprüh sie an, dann ziehen sie die Beine an und sterben. Ich wünschte, ich wäre gruselfrei genug, sie wie kleinere Tiere einfach per Besen wieder hinauszubefördern. Aber sie sind flink und riesig und knacken beim Laufen. Darum erlege ich sie aus dem Hinterhalt, wenn sie sich in mein Territorium wagen.

Besonders bei Quarta, die meine Abneigung gegen dieses Getier teilt, tummeln sie sich. Gestern hatte sie zwei fette Brüder auf dem Fenster. Wir haben sie Gregor und Sandor genannt. Und die Sprühdose geholt.

Das da oben ist Sandor. Als er noch lebte, war er so groß wie meine Hand.

Zeit für eine neue Kategorie? September 16, 2010, 18:15

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Krabbeltiere. Tatsächlich, wir leben mitten in der Natur, und da krabbelt es eben auch öfter als in Tel Aviv oder Berlin…

Neulich stand Quarta gegen drei Uhr nachts neben unserem Bett und sagte mit gefaßter Stimme: „wacht bitte auf, ich hab einen Skorpion im Bett“. Ihr Vater verstand sofort, an wen dieser Appell sich richtete, und sprang unverzüglich aus dem Bett ins Nebenzimmer. Auch mir war klar, was von mir erwartet wurde, und ich nahm die bebende Quarta in meine Arme.

„Mama, Mama, stell dir vor, ich höre so ein Rascheln und wache auf und dann sehe ich einen schwarzen Schatten über mir auf dem Betthimmel [meine Tochter hat natürlich so einen schönen Ikea-Baldachin, aus dem einfachen Grunde, weil es die noch nicht gab, als ich Kind war, und ich das sooo toll gefunden hätte anno 1972!] und dann gucke ich genauer hin und mach das Licht an und dann sehe ich, daß das ein Skorpion ist – genau über mir – und sooooo groß ist er – und da bin ich ganz schnell aus dem Bett und zu euch gekommen…. und in meinem Zimmer, da schlaf ich nie wieder!“

Als Y. wiederkam, nach getaner Arbeit (Einzelheiten wollte keine von uns wissen), war er reichlich blaß um die Nase. Er beruhigte Quarta und erzählte ihr, daß der Stachelschwanz des Skorpion verletzt war und ganz krumm herunterhing – vermutlich hatte eine der Katzen ihren Job ernstgenommen und sich den Eindringling aus der Wildnis vorgeknöpft. Und der hatte sich vermutlich auf den Betthimmel geklettert, um sich vor den Katzen zu retten – und von dem Geräusch der nervösen Katzen könnte Quarta auch aufgewacht sein.

Später sagte er mir, daß das der fetteste Skorpion war, den er je gesehen hätte. Die schwarzen sind zwar nicht tödlich, aber so ein riesiges Exemplar und ein kleines Mädchen – wir haben Glück gehabt. Quarta hat einen tüchtigen Schutzengel, das weiß ich ja schon.

Sie hat vier Nächte nicht in ihrem Bett geschlafen. Eine unruhige Nacht hat sie unser Ehebett mit ihren langen Beinen heimgesucht und wir haben uns daran erinnert, wie sie als kleines Mädchen immer bei uns geschlafen hat: mir hat sie die Schmuseseite zugewandt, Y. dagegen die Tretseite. Wir hatten ganz unterschiedliche Meinungen zum Thema „Quarta im Bett“, und das hat sich auch jetzt, wo sie schon groß ist, nicht geändert. Eine zweite Nacht mit ihr im Bett hielte er nicht aus, meinte Y., und Quarta meinte, in ihr Bett kehrt sie nicht zurück.

Also habe ich eine Nacht mit ihr in Primus´ leerem Bett campiert – sehr zu dessen Mißfallen, als er davon hörte  – und dabei entdeckt, daß hinter dem Bett des Jungen eine noch ungenutzte Leitung für eine geplante Zentralheizung nach draußen führt. Und daß diese der bevorzugte Transportweg eines sehr aktiven Ameisenvölkchen ist. So ein Ameisenbiß ist unangenehm, aber gesund soll Ameisensäure ja sein, und morgens habe ich erstmal das Bett abgerückt und einen Völkermord begangen.  Und dann haben Quarta und ich Bisse gezählt und verglichen.

Die nächste Nacht zog ich wieder zu meinem Mann zurück, Quarta dagegen schlug ihr Lager auf dem Futon im Wohnzimmer auf, wo ich sonst lese. Auf ungeklärten Wegen war eine ziemlich große tote Grille unter diesen Futon geraten, und obwohl ich sie gleich wegfegte (wie kann sie mir vorher entgangen sein?), hatte Quarta nun keine Lust mehr auf den Futon und schlief auf der Couch. Ich mußte ihr versprechen, immer nach ihr zu gucken, und alle drei Katzen ließ ich ihr auch da. Oh, und das Licht brannte natürlich.

Nachdem Y. und ich ihr Zimmer gründlichst durchsucht hatten, alle Bettsachen gewaschen waren und wir das Zimmer als international anerkannte skorpionfreie Zone deklariert hatten, war sie bereit, wieder in ihrem Bett zu schlafen.  Sie hat ein Nachtlicht, da ich sowieso unter Schlafstörungen leide, gucke ich oft genug nachts bei ihr rein, und sie schläft wieder gut.

Das ist eine Woche her. Und heute, während ich ihr Bett neu bezog, fiel auf einmal (vom Betthimmel? von meinem Kopf, den ich gerade aus dem Garten reingetragen hatte?) eine Gottesanbeterin auf ihr Nachthemd. Das sind nach meiner höchstpersönlichen Einteilung keine Ekelviehcher, aber auf die Hand nehmen mochte ich sie trotzdem nicht. Ich holte also schnell einer der für den Kompost bestimmten sauberen Schüsseln aus der Küche, warf das Nachthemd samt Gottesanbeterin rein und trug die ganze Ladung schnell nach draußen.

Quarta merkte natürlich sofort, daß sich wieder mal was Krabbelndes in ihr Zimmer verirrt hatte. Gemeinsam guckten wir zu, wie die Gottesanbeterin im Beet verschwand, während Luzifer ihr verdutzt hinterherguckte. Sie meinte düster, „bin mal gespannt, was ich als nächstes finde“.

Was immer es auch sei, ich werde davon berichten…

Seltsame Grillen August 5, 2010, 7:50

Posted by Lila in Krabbeltiere, Persönliches.
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Gestern abend verirrte sich eine kleine Grille in unser Schlafzimmer. Sie machte einen fürchterlichen Lärm und hüpfte verwirrt durchs Zimmer. Wir haben sie in der Hand gefangen und nach draußen gesetzt. Auch ein Heupferdchen von beachtlicher Größe, daß unser wilder Leo neulich durchs Haus jagte, habe ich sofort gerettet.  Und die Gottesanbeterin, die wir im alten Haus mal auf dem Kinderbett hatten, habe ich ebenfalls nach draußen gesetzt und mich gefreut, daß ich sie aus der Nähe angucken konnte.

Komisch, wovor ich mich ekle und wovor nicht. Die handtellergroßen Spinnen, die selten genug von draußen eindringen, sind mir so ekelhaft, daß ich sie nicht mal benennen kann, und ich bin froh, wenn Y. sie entsorgt. Wie, ist mir egal. Gott sei Dank, Kakerlaken haben wir hier noch nie gesehen, aber in meinen Jahren in Israel habe ich sie oft genug getroffen. Sie sind wirklich fies und ekelhaft, finde ich, und ich graule mich vor ihnen. Für Spinnen und Kakerlaken empfinde ich kein Mitleid – meine Empathie reicht nicht bis zu ihnen.

Skorpione sind wieder was anderes. Ich finde sie nicht ekelhaft, sie sehen sogar schön aus, aber ich habe auch kein Mitleid mit ihnen. Wenn ich welche im Haus antreffe, fackle ich nicht lange – ich mach sie kaputt. Y. rettet sie und läßt sie draußen frei – mir ist das zu gefährlich, ich will nicht, daß einer von uns auf so ein Biest tritt.  Eine Schlange dagegen, auch eine giftige Zefa, wie unser Nachbar sie schon zweimal im Haus hatte, würde ich wohl nicht töten – obwohl Zefas wirklich gefährlich sind. Was würde ich machen, wenn ich eine Zefa im Haus finde? Ich würde versuchen, sie zu fangen, und sie dann in einer Kiste weit wegbringen und freilassen.

Meine Mutter grault sich vor Ratten. Wenn die Katzen unserer Kindheit stolz ihre Beute vor unserer Tür deportierten, wies unsere Mutter uns mit zitternder, doch entschlossener Stimme an, „das tote Eichhörnchen“ oder „den Maulwurf“ in den Müll zu werfen. Sie konnte nicht mal das Wort Ratte aussprechen. Natürlich sind wir grausame Kinder mit der Ratte auf der Kehrschaufel in die Küche gekommen und haben gesagt: „guck mal, Mama, die süße kleine Ratte – was die für Zähnchen hat!“ Schande über uns. Über anderleuts Grusel lacht man. Wenn meine Kinder mir das mit einer Spinne – oh nein, danke!

Seltsam, wo Ekel- und Mitleidgrenzen verlaufen. Bestimmt gibt es auch Leute, die sich vor Grillen ekeln, oder die mit fetten Spinnen keine Probleme haben.  Aber ich bin sicher, daß eine Grille im Schlafzimmer Glück bringt.

Eine nächtliche Begegnung August 27, 2009, 23:55

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Krabbeltiere.
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Ich nutze die Nächte zum Arbeiten, weil mich dann niemand stört. Die ganzen letzten Nächte habe ich bis fünf Uhr früh gearbeitet, dann bin ich schlafengegangen bis so gegen elf, dann weiter. Tertia und Quarta nehmen mir im Haus mehr ab, seit ich sie darum bitte, und sie machen es sogar willig. Quarta macht sehr gern Wäsche, Tertia kocht gern. Da die meiste Zeit nur wir drei Frauen zuhause sind, geht das ganz gut so.  (Primus macht einen Kurs als Sanitäter, Secundus ist auf Abschlußfahrt in Polen).

Vor einer halben Stunde wurde ich unruhig, weil ich das Gefühl hatte, ich bin nicht allein in der Küche. Irgendwas raschelte. Ich zog alle Schubladen auf und sah mich gut um, konnte aber nichts entdecken. Eine Pause von der Schreibtischarbeit konnte ich sowieso gebrauchen, also scheurte ich den Herd. Auf einmal sehe ich etwas Schwarzes auf dem Fußboden – tatsächlich, ein schwarzer Skorpion. Also, richtig schwarz sind sie nicht, die Kerle haben eher so die Farbe von Salmiakpastillen.

Ich bin schwach geworden und habe Y. zu Hilfe gerufen. Tote Skorpione habe ich aus unserem alten Haus entfernt, einmal auch einen an die frische Luft gesetzt, aber da war ich allein und mußte. Seit wir hier wohnen, hatten wir noch keinen Skorpion, und an Schlangen auch nur, was die Kinder anschleppen. Wie ehefraulich von mir – aber es war mein erster Instinkt, ihn zu rufen. Er war ja auch noch wach.

Y. zog sich nicht mal Schuhe an, sondern fegte den Skorpion seelenruhig aus dem Haus. Er hat ihn den Weg entlanggefegt, in der Hoffnung, daß er sich nun andere Aktionsfelder sucht. Y. schläft schon, aber ich habe doch einen Schrecken gekriegt. Wenn ich nur wüßte, wie der Skorpion hier reingekommen ist! Er marschierte so richtig selbstbewußt in Richtung Mädchenzimmer, seinen Stachel unternehmungslustig geschultert. Nicht auszudenken, wenn er sich da unter dem Gerümpel verborgen hätte, das die Kinder dort jeden Tag auftürmen.

Ach, ich bin diesen nächtlichen Begegnungen dieser Weltgegend mal gerade so gewachsen. Ein Isländer, ein Isländer, hätte ich mal einen Isländer genommen. Nur ein Buchstabe im Alphabet, aber wie viel leichter hätte ich es in Island!

(Aber ich habe DAS Argument gefunden, die Mädchen zum Aufräumen zu bewegen! Danke, Scorpio!)

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