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Haßerfüllter Siedler im Land der Apartheid März 30, 2011, 9:06

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David Bogner sucht Unterschlupf vor einem Wolkenbruch. Er ist Siedler, ich nicht, aber seine und meine kleinen Erlebnisse ähneln sich oft.

Leben ist schön… März 29, 2011, 11:30

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… Schahada ist schöner.

Gefunden bei IsraelMazav.

Vielleicht ist die israelische Forderung nach einem klaren Ende der Hetze und Propaganda ja doch nicht nur ein PR-Trick…? Wie sollen wir mit einem Nachbarn leben, dessen Jugend danach dürstet, sich in unseren Pizzerien in die Luft zu sprengen, und das als ihr gutes Recht empfindet?

Wer sich diesen Film anguckt und immer noch daran glaubt, daß Siedlungen, Checkposts oder sonst etwas, das Israel tut oder nicht tut, Wurzel des Hasses sind… der leidet anRealitätsverlust. Hier geht es um die tiefsitzende Überzeugung, daß der Feind nicht leben darf, und daß man den eigenen Tod freudig in Kauf nehmen soll, um den Feind zu töten.

Dieser Todeskult ist das Gift, das die Palästinenser daran hindert, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Natürlich frage ich mich, wie immer, ob deutsche Medien dieses Thema aufgreifen. Für uns ist es natürlich wichtig, weil es uns direkt angeht und wir die Zielscheibe dieses Hasses sind. Aber auch für unbeteiligte Beobachter stellen diese Szenen eigentlich einen wichtigen Schlüssel zum Konflikt dar, ohne den man nicht verstehen kann, warum die Lage so verfahren ist.

Im Schnee März 28, 2011, 22:11

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Bei Aussie Dave habe ich schöne Bilder gefunden – von den Alpinisten der IDF. Die sitzen ja auf dem Berg Hermon, wo im Winter Schnee fällt. Ich wußte es gar nicht, aber schon seit zehn Jahren laden die Soldaten in der Schneesaison kranke und behinderte Kinder zu Tobe-Tagen ein. Auch palästinensische Kinder.

Man braucht nicht viel dazu zu sagen – nur die Bilder angucken.

 

(Das grüne Barett bedeutet Nahal – wie Secundus.)

Party-Tiere März 26, 2011, 19:26

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Muzika israelit, Uncategorized.
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In vorsintflutlichen Zeiten waren Y. und ich echte Party-Tiere. Y. war der DJ des Kibbuz, Herrscher über Soundanlage, Platten und Cassetten, Herrscher über die Stimmung des Abends – mit dem angenehmen Nebeneffekt, von vielen Mädchen angehimmelt zu werden. Ich habe mir Nächte in Clubs und Diskotheken um die Ohren geschlagen – in manchen schlaflosen Nächten mit einem schluchzenden Baby habe ich mich daran erinnert und gedacht, irgendwo im Himmel grinst jetzt jemand boshaft. Touche!

Y. hat mich zwar zuerst wahrgenommen, als er mir im Dining Room Essen servierte, aber ich habe ihn ehrlich gesagt erst richtig auf der Purim-Party des Kibbuz wahrgenommen. Da war ich Teil einer Horde von Volunteers, wofür ich eigentlich schon zu alt war und wo ich mich sehr unwohl fühlte. Etwas später kam eine sehr nette Gruppe Volunteers aus der Schweiz und eine andere Gruppe fuhr ab, da wurde es besser – aber da war ich schon mit Y. zusammen und wohnte ja auch bald bei ihm.

Wir sind dann ja sehr schnell unglaublich solide geworden, ich weiß heute gar nicht mehr warum. Vermutlich, weil so viele ernste Entscheidungen an unserer Beziehung hingen – wo leben, wovon leben, wie leben. Da ich mich in den Kibbuz gleich mit verliebt hatte, blieben wir eben da – und um der Welt und uns gleich mit klarzumachen, daß das keine kleine, flüchtige Geschichte ist, haben wir gleich Wappen und Siegel draufgetan und geheiratet und schwuppdiwupp waren wir eine Familie, erst eine kleine und dann eine größere. Ich war 24, als ich Y. kennenlernte, und mit Dreißig hatte ich drei Kinder. Wir waren halt irgendwie im Schwung.

In den Jahren, als die Kinder klein waren, war es praktisch unmöglich, mich von zuhause wegzueisen. Ich wollte nirgendwo hin. Manchmal sind wir ins Konzert gegangen oder ins Ballett – wir hatten mal ein Abo für beides, aber wir waren zu erschöpft, um es wirklich zu genießen, und meine Schwiegermutter konnte nicht immer auf die Kinder aufpassen. Als wir einen Babysitter gefunden hatten, ging es einfacher, aber auch dann war es unmöglich, mich dazu zu bewegen, die Kinder allein zu lassen. Die einzigen Gelegenheiten, mich aus dem Haus zu zerren und auf die Tanzfläche, waren Hochzeiten (die ganzen Jahre über war ein regelmäßiger Strom von Hochzeiten, und die sind hier ja immer abends und immer mit Tanz) und eben Purim.

Wir haben kaum eine Purim-Party ausgelassen. Manchmal war Y. an der Planung beteiligt, oder ich bin aufgetreten – er ist lieber hinter den Kulissen, aber ich habe keine Probleme damit, mich öffentlich zum Narren zu machen (würde ich sonst bloggen?). Wir haben uns manchmal verkleidet bzw von meiner Schwiegermutter verkleiden lassen, manchmal sind wir praktisch in Schluppen gekommen, einfach nur um ein paar Stunden zu tanzen. Manchmal hatten wir keinen Baysitter, denn meine Schwiegermutter ist zu Purim immer mit der Kamera unterwegs, die Früchte ihrer Arbeit an den Kostümen festhalten. Dann haben wir uns abgewechselt und konnten nicht zusammen tanzen.

Als Primus groß genug war, um die Stellung zuhause zu halten, und wir so nah am Dining Room wohnten, daß es kein Problem war, zwischendurch mal nach Hause zu springen und zu gucken, daß alles ruhig ist, konnten wir Purim richtig nutzen. Ich habe immer Freundinnen von “draußen” eingeladen, die sich freuten, umsonst tanzen und trinken zu können, was das Zeug hält – die Bar ist umsonst, immer noch (inzwischen muß man allerdings Eintritt bezahlen, wir aber nicht). Sie haben gestaunt, wie ernst die Kibbuzniks Purim nehmen – viele sind verkleidet, teilweise sehr aufwendig, und alle Altersstufen von 18 bis 80 sind vertreten, tanzen und gucken den traditionellen Purim-Film und sehen die Vorführung. Der Kibbuz feiert sich selbst, zu Purim genau wie zu anderen Festen, aber zu Purim mit Humor, und das ist eben schön.

Meine Freundinnen aus der Stadt haben sich schon daran gewöhnt, daß irgendwann immer ein Loblied auf den Kibbuz gegrölt wird – und daß alle Witze Insider-Witze sind, die bei Tageslicht betrachtet gar nicht mehr sooo lustig sind.

Letztes Jahr war unser Abschied vom Kibbuz noch zu frisch, und wir hatten keine Lust auf die Purim-Party. Aber dieses Jahr haben wir uns gesagt, wir haben ewig nicht mehr einfach nur getanzt, und wir gehen. Da das Thema dieses Jahr Rom war, wollten wir uns sogar verkleiden – aber da haben die Söhne, die natürlich ebenfalls auf diese Party gehen wollten, ein Veto eingelegt. Sie fanden es so schon doof genug, daß wir Alten da überhaupt aufschlagen wollten – aber uns dann noch verkleiden? Wie peinlich.

Wir haben dann nicht darauf bestanden, denn wir sind oft genug schon unverkleidet hingegangen. Wir haben den Söhnen auch versprochen, uns in keiner Weise auffällig zu benehmen, ihre etwaigen Begleitungen nicht auszufragen (“… und was machen deine Eltern beruflich? :-D ) und es den Söhnen selbst zu überlassen, wie viel oder wenig Kontakt sie wünschen. Sie sind ohne uns hingefahren und über Nacht dort bei Freunden geblieben. Wir halten uns da raus, haben wir ihnen versprochen und auch gehalten. (Hier bitte brandet der Applaus auf – heldische Mutter verzichtet auf Kümmerpose!)

Wir waren gegen elf da und mußten keinen Eintritt bezahlen. Primus und seine Freunde waren als Surfer verkleidet, mit albernen Perücken und Hawaii-Hemden und seltsamen Hosen. Secundus und seine Freunde hatten Primus die Tüte mit Breslav-Verkleidungen abgenommen und sprangen mit Tallit, Kippa, Schläfenlocken und Kniehosen durch den Dining-Room.

Andere Jahrgangsstufen kamen als Piraten, Römer oder Ninja Turtles. Es ist jedes Jahr wieder auffällig, wie nahe sich die gemeinsam aufgewachsenen Jahrgangsgruppen stehen, wie eng sie zusammenhalten und wie viel Spaß sie haben. Meine Söhne sind noch voll integriert, und Tertias Freunde (die zum ersten Mal bei den Erwachsenen mitfeiern dürfen) fragten nach ihr und waren enttäuscht, daß sie nicht mitgekommen war.

Für mich ist es immer sehr seltsam, wieder im Kibbuz zu sein. Jede Bodenfliese guckt mich freundlich an, ich kenne den Kibbuz so gut. Und jetzt ist es nicht mehr Zuhause. Und ich bin nicht mal traurig darum. Ich trauere dem Kibbuz hinterher, wie er mal war – aber nicht dem, den wir verlassen haben.

Y. wurde mit großem Jubel begrüßt, ich eindeutig kühler. (Y. sagt, ich bilde mir das nur ein). Die Musik war so laut, daß man nichts weiter sagen konnte, nur gestikulieren. Meine Schwiegermutter nahm uns erfreut in den Arm und zeigte uns stolz ihre besten Werke – die Ninja Turtles, Römer und Piraten hatten ihre Schätze geplündert, ebenso mehrere Paare unseres Alters, die als Cleopatra und Marcus Antonius, Flintstones und anderen Paar-Kostümen erschienen waren.

Einiges hat sich verändert. Mehrere Paare haben sich getrennt und erschienen nun mit neuen Partnern. Ein geschiedener Mann kam mit Partner und einer ganzen Gruppe turtelnder junger Männer. Ein Junge aus Secundus´s Jahrgangsstufe hat sein Coming out hinter sich und erschien in Minirock mit Strapse, mit Freund im Schlepptau. Sie tanzten auf der Bühne und hatten Spaß. Die Eltern des Jungen tanzten mit.

Mein Schwager war allein da. Er war als Harlekin verkleidet und ohne seine Frau ein bißchen verloren, tanzte mit uns und trank mit seinen Neffen an der Bar. Ich versagte mir jeden mahnenden Blick, denn nächstes Jahr ist wieder Purim und ich will mich nicht gefesselt und geknebelt im Kleiderschrank wiederfinden, während Schwager und Söhne ohne mich feiern gehen.

Vom mörderischen Punsch jedenfalls, der jedes Jahr in Strömen fließt und der jedes Jahr von Uri gemischt wird, habe ich nur zwei Finger getrunken – und das reichte mir für den ganzen Abend. Ein junger Mann, den ich als Volunteer im Kindergarten hatte, lief mit Breezer auf der Tanzfläche herum und schenkte aus. An der Bar gab es alles weitere, wie gesagt umsonst.

Es war ziemlich voll, und alt und jung wartete erstmal auf die Aufführung. Es war diesmal lustiger als in früheren Jahren. Der Film, angekündigt durch den unermüdlichen Yossi als römischer Stadtausrufer, zeigte den göttlichen Hundeboten Snoopy, der Einladungen zum großen Wettkampf der einzelnen Erwerbszweige des Kibbuz verteilte. Jeder Empfänger bewaffnete sich dann mit den Insignien seines Stands – D. von der Wäschere mit Fleckentferner und Sprühflasche, Y. vom Schafstall mit Melkmaschine, M. von der Gärtnerei mit Heckenscheren, die Zwillinge aus der Kneipe stärkten sich unterm Bierhahn, A. aus der Autowerkstatt legte eine Kriegsbemalung aus Schmieröl auf  und N. vom therapeutischen Reiterhof ritt auf Rosie, dem Pony, zu Morricone-Klängen in Richtung Dining Room. Jede Szene wurde mit Jubel begrüßt. Es war ein bißchen wie bei Don´t mess with Zohan.

Der Wettkampf zwischen den einzelnen Zweigen war dann live und weniger witzig, am Ende gewannen die Zwillinge (als Asterix und Obelix verkleidet). Und dann legte der DJ los.

Traditionell wurde bei der Purimparty die Musik gestaffelt: erstmal gab es Volksmusik und Hora, damit meine Schwiegermutter und ihre Freunde im Kreis tanzen können. Dann lateinamerikanische Musik für die tanzfreudigen Südamerikaner und ihre Freunde. Dann irgendwann Eighties, Pop und normale Disco-Kost, dann viel orientalische und israelische Musik, und ab drei Uhr Trance, wenn nur die Leute unter 30 und natürlich Lila und Y. noch übrig sind. (Nein nein, in unserer Altersklasse gibt es gar nicht so wenige unermüdliche Elternpaare von vier Kindern, die aushalten, bis der Morgen graut, weil es auch für sie das einzige Mal im Jahr ist, daß sie tanzen können bis zum Umfallen).

In den letzten Jahren hat sich diese Staffelung nicht mehr durchsetzen können, weil immer weniger Bedarf nach Hora und Salsa bestand und DJs von draußen angeheuert wurden. Ich habe den DJ von letzter Nacht sogar bei Youtube gefunden – wer neugierig ist, kann hier sehen, daß bei manchen israelischen Hochzeiten der Rave wichtiger ist als der Rav…

Er hat eigentlich von halb zwölf einen einzigen Dance mix gespielt, eine Art Tanz-Wurst. Alle erkennbaren Einzelstücke waren so bearbeitet, daß sie tanzbar waren – darunter auch Dudus altes Lied über den Kibbuz (wo dann alle mitgebrüllt haben, wir natürlich auch). Eine Menge Infected Mushroom war auch dabei, überhaupt viel israelische Musik – Mashina, Mosh Ben Ari, Balkan Beat Box, HaDag Nahash.

Die Klotüren auf der anderen Seite des ziemlich großen Dining-Room-Gebäudes brummten und zitterten, die Fensterscheiben klirrten. Keine Ahnung, wie irgend jemand im Kibbuz letzte Nacht Schlaf gefunden hat.

Es muß so gegen drei gewesen sein, als meine Schuhe drückten und wir uns geschlagen gaben. Der Dining Room war noch voll, und es waren noch Leute dabei, die älter waren als wir. Die Söhne waren auch noch wach. (Secundus gab später knurrend zu, daß wir uns “okay” aufgeführt hätten.)

Komisch war es schon, daß wir nicht die paar Schritte nach Hause wankten, sondern nüchtern ins Auto stiegen und 45 Minuten durch die klare Sternennacht in unsere nördlichen Gefilde fahren mußten. Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß wir Purim-Kibbuzniks sind (so wie es Weihnachtschristen und Yom-Kippur-Juden gibt). Aber die sind wir für immer und ewig.

(Alle Clips, die ich hier im Eintrag verstreut habe, sind von israelischen Gruppen und gestern gespielt worden. Was Tanzmusik angeht, ist Israel autark.)

Bei Bert gefunden März 26, 2011, 17:19

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Ein Interview mit Motti Fogel, dem großen Bruder des in Itamar ermordeten Udi Fogel. Er wirft ein interessantes Licht auf die Vielschichtigkeit der Siedlungsfrage. Motti Fogel fiel auf der Beerdigung aus dem Rahmen, weil er alle politischen Deklarationen zurückwies und sagte, er würde am liebsten die Tausende von Besuchern wegschicken und noch einmal mit Udi Fußball spielen gehen. Ich habe mir gleich gedacht, daß es interessant sein muß, seine Ansichten zu hören.

Motti hat die Ziele der Siedlerbewegung hinter sich gelassen, aber er glaubt nicht an eine Räumung. Er demonstriert gegen Siedlungsbau, aber er stützt sich dabei auf die Dinge, die er in seiner Erziehung gelernt hat. Er vertritt andere Ansichten als seine Familie, aber ist trotzdem eng mit ihr verbunden. Sein Bruder scheint als sehr interessanter, sympathischer und fröhlicher Mensch in diesem Interview auf.

Einfache Antworten hat auch Motti Fogel nicht. Manchmal kann man nicht mehr tun, als die richtigen Fragen zu stellen und weiter nach einer Antwort zu suchen.

 

Shabat am frühen Morgen März 26, 2011, 16:31

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in Südisrael.

Niemand ist zu Schaden gekommen. Aber in dem Ort, an dem Qassam-Rakete gefallen ist, haben die Häuser noch keine Schutzräume. Ich weiß nicht, wie gut die Menschen in diesem Ort schlafen – vermutlich denken sie, wie ich, was wohl passiert wäre, wenn die Rakete ein paar Meter weiter Schlaf- oder Kinderzimmer, chalila, getroffen hätte.

Was sollen wir tun? Abschreckungsschläge werden international verurteilt, mit dem Beschuß müssen wir allein zurechtkommen, ihn irgendwie schlucken. Ehrlich gesagt, wenn das mein Zuhause wäre, würde ich eine riesige Wut kriegen. Die Familie, die dort wohnt, hat den Bewohnern des Gazstreifens nichts getan. Der Beschuß ist reiner Terror gegen Zivilisten.

Goodbye everybody März 25, 2011, 20:46

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Soeben habe ich eine Channel 10-Reportage über den Anschlag auf die Swissair-Maschine 330 im Jahre 1970 gesehen. Über die Vertuschungen der Schweizer und deutschen Behörden. Die damit den Anschlag auf Lockerbie möglich machten, denn da wurde dieselbe Methode verwendet. Die Hinterbliebenen der Opfer haben bis heute keine Antworten auf ihre Fragen bekommen. Der damalige Schweizer Außenminister (Name vergessen): “der größte Skandal an diesem Anschlag ist, daß er die neutrale Schweiz zum Schauplatz des Kampfs zwischen Ausländern macht”. Genscher: “wir werden nicht zulassen, daß Deutschland in die Auseinandersetzungen von Ausländern hineingezogen wird”.

Die Terroristen wurden erkannt und identifiziert, jedoch oh Wunder – die Akten verschwanden, so daß sie nie verfolgt wurden. Sie konnten sich nach Ägypten und Jordanien absetzen.

Der Anschlag richtete sich gegen Israel – vielleicht war das Paket mit dem Sprengsatz für die El Al bestimmt und wurde nur durch Zufall mit der Swissair befördert. Nach europäischer Logik wäre dann ein Anschlag gerechtfertigt gewesen – der Skandal bestand ja darin, daß auch Nicht-Israelis betroffen waren. Auch 1970 funktionierte die Logik eben schon, nach der Israelis sich selbst zuzuschreiben haben, wenn sie durch Terror umkommen.

Die Frechheit, mit der die Welt, die wieder und wieder Israelis nach anderen Maßstäben behandelt als andere Menschen, ebendiesen Israelis Moral predigt, ist atemberaubend.

Ich muß weg, aber das mußte ich noch schnell hinschreiben. Daß der Fall immer noch ungelöst ist, weil die Behörden ihn nicht lösen wollten, hatte ich in dieser Kraßheit nicht gewußt.

Die letzten Worte des Piloten waren: goodbye everybody… der Tod muß qualvoll langsam gewesen sein, erstickt in einem brennenden, abstürzenden Flugzeug, eine Viertelstunde lang.

Noch ein bißchen Musik März 25, 2011, 11:34

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Bet ha Bubot, Bleistift-Lied (nur transliteriert, nicht übersetzt)

Bet ha Bubot, Bevor du kamst

Bet ha Bubot, ….denn wenn nicht, warum überhaupt?

Bet ha Bubot, Für mich selbst

Bet ha Bubot, Wer wenn nicht ich

Schwieriger Tag März 25, 2011, 1:42

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Der Beschuß im Süden geht weiter. Die Bilder der Bevölkerung bei Alarm sind schrecklich – die Leute haben das oft genug mitgemacht, und es reicht einfach. Es besteht überhaupt kein Grund (egal, was Israel-Hasser in deutschen Zeitungskommentaren zusammenphantasieren), daß israelische Bürger solchem Terror ausgesetzt sind. Andererseits will niemand eine Eskalation, wir haben von der letzten genug.

Die Palästinenser wollen wohl ein bißchen Aufmerksamkeit auf sich lenken, nachdem die Geschehnisse in arabischen Ländern den Blick der Welt auf andere Mißstände als die Besatzung durch Israel gelenkt haben. Oder sie wollen Netanyahus winzige, bisher nur symbolische Schritte in Richtung Wiederaufnahmen der Gespräche verhindern, ehe sie stattfinden. Oder beides.

Es ist ein beklemmendes Gefühl. Dazu die anderen schrecklichen Vorkommnisse – die Bilder der Toten in Syrien. Dort fiel heute wohl derselbe Regen, der hier runterging. Zu sehen, daß in den Pfützen Tote liegen, nicht weit von hier entfernt – daß es aus denselben Wolken auf uns und die Syrer regnet – das war mir heute aus vielleicht idiotisch-unklaren Gründen besonders traurig. Ich hatte das Gefühl, ich muß etwas tun, und kann nicht.

Von den Gedanken an Japan ganz zu schweigen. Wenn ich mir denke, daß es dort Menschen gibt, die vielleicht nie wissen werden, was ihren Eltern, Geschwistern, Kindern oder Freunden zugestoßen ist – daß sie mit ihren offenen Fragen weiterleben müssen… nicht auszudenken. Die armen Menschen dort. Die menschliche Schmerzgrenze scheint dort überschritten, und doch machen sie weiter. Sie werden ihr Land wieder aufbauen, das bezweifelt der Zuschauer nicht. Aber wie es innen aussieht – man kann es nur ahnen.

Ich denke auch an die Familie im Gazastreifen, die durch den falsch gelaufenen Angriff so viele Mitglieder verloren hat. Diese Tragödien machen mir das Herz so schwer. Ich weiß, daß die Armee alles tut, um solche Unfälle zu vermeiden, aber es ist eben nie, nie, nie zu 100% möglich, sie auszuschließen. (Ich möchte gar nicht wissen, wie hoch der Anteil unbeteiligter Opfer in Libyen oder Afghanistan ist!) Es tut mir sehr leid für die Angehörigen und auch die Jungens selbst. Ich frage mich, wie nah die Terroristen ihre Aktivitäten an Wohnhäusern ausüben. Leider weiß ich keine Einzelheiten.

Aber die vielen Bilder, die Bewaffnete mit Kindern oder Jugendlichen zeigen, machen einen miserablen Eindruck auf mich. Wie soll man Leute bekämpfen, die sich mit Unschuldigen umgeben (Kinder und Jugendliche sind auf jeden Fall unschuldig, sie haben die Hamas nicht an die Macht gewählt – und selbst wenn sie Hamas-Fans waren: sie haben nie was anderes gelernt, Danke, UNRWA!, und können nichts dafür). Wie soll man Leute bekämpfen, die auf jeden Fall, direkt oder indirekt, Zivilisten das Leben kosten. Was soll daraus nur werden.

Das alles bedrückt mich und ich kann es nicht abschütteln. Überall höre ich auch andere darüber sprechen. Und was für Optionen uns bleiben. Mir tat der Kopf den ganzen Tag weh.

Auf dem Heimweg haben Y. und ich dann in Kfar Yasif Pizza gekauft, in der libanesischen Pizzeria, wo wir schon mal nach unserer Panne waren. Drei nette junge Männer arbeiten dort. In einer Laube, wo man bei gutem Wetter sitzen kann, hängen eine israelische und eine libanesische Flagge einträchtig nebeneinander. Während wir auf unsere Bestellung warteten, brachte uns einer der jungen Männer einen Kaffee, schön stark mit hel. Der tat mir so gut. Am Tisch neben uns saß ein Liebespärchen und unterhielt sich, in der Ecke hing ein Fernseher, der auf einen Sender mit arabischen Liebesliedern eingestellt war.

Es ist mir unmöglich, Araber in Bausch und Bogen zu hassen oder zu verurteilen oder zu verdächtigen. Von dem besonders netten jungen Sherut-Taxi-Fahrer, der morgens auf mich wartet, wenn ich mich verspäte, über meine Studenten und Kollegen bis zu diesem Pizza-Verkäufer – ich kann dankbar sein, daß ich so viele Araber als freudlich, humorvoll und locker wahrnehmen darf. Wer das nicht hat, diese tägliche Versicherung, daß es möglich und sogar einfach ist, mit Arabern in entspannter Nachbarschaft zu leben, der kann leicht in Vorurteile, Angst und Zorn verfallen. Ich kann kaum glauben, daß unsere Nachbarn hier in Galiläa zu dem selben Volk gehören wie die Bombenbastler in Jenin und die Raketenbastler in Jebalya. Oder auch die feindseligen Bewohner Ost-Jerusalems. Aber es ist tröstlich, täglichen Umgang mit Arabern zu haben und zu wissen: es ist doch möglich.

Auch wenn angesichts der allgemeinen Lage mein Trost sentimental und lächerlich wirkt – ich habe dem netten jungen Mann für mehr als nur den Kaffee gedankt (dem ich übrigens jetzt verdanke, nicht einschlafen zu können…)

Die Tote März 24, 2011, 13:09

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vom Anschlag gestern war wohl Britin. Sie war ohne Papiere unterwegs, darum war es schwer, sie zu identifizieren. Noch ist ihr Name nicht freigegeben worden, vermutlich ist ihre Familie noch nicht informiert worden.

Eine Touristin. Hätte sie mich gefragt: kann ich nach Israel kommen, oder ist das gefährlich?, dann hätte ich ihr aus vollem Herzen zugeraten zu kommen. Was für ein trauriges Ende ihres Besuchs.

Variatio delectat März 23, 2011, 23:45

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Grads sind von gestern und Bomben auch furchtbar Nineties… heute abend fallen Mörsergranaten mit Phosphor im Süden.

Danke März 23, 2011, 20:00

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Seit Jahren leite ich meine Stunde über christliche Ikonographie mit diesem Bild ein. Das letzte Mal vor einer Woche. Der Tod von Liz Taylor – auch wenn hier in unserer Weltgegend der Teppich brennt und mit Japan und Libyen die Aufnahmefähigkeit schon fast an ihre Grenzen nimmt, diesen Tod nehme ich mit Bedauern zu Kenntnis. Während ich nach diesem Bild suche, stoße ich auf eine Ader schöner Bilder von ihr mit James Dean, der ja schon so lange tot ist.

Auch hübsch:

Aber mein Lieblingsbild von Liz Taylor ist dies hier:

Meine Güte, was muß es für ein Gefühl sein, morgens aufzuwachen, und dieses wunderschöne Gesicht schaut einen im Spiegel an. Sie war nie eine meiner Lieblingsschauspielerinnen, aber ich bin traurig, daß sie tot ist. Ich hoffe, sie hatte ein friedliches Ende.

Alon Ben David März 23, 2011, 19:27

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sagt sonor wie stets: das ist ein einzelner Fall, eine kleine Bombe in einer Tasche, kein Selbstmordanschlag. In der Westbank besteht kein Netzwerk des Terrors mehr. Das haben Israel und auch die PA in den letzten Jahren zerschlagen. Wir stehen nicht vor einer Terrorwelle wie vor einem Jahrzehnt.

(Ich hätte mir das aufnehmen sollen, damit ich es vorm Schlafengehen noch mal hören kann. )

Zvi Yeheskeli antwortet ihm:  es gibt zwar keine Terror-Infrastruktur mehr, die noch funktioniert, aber es herrscht eine Atmosphäre des Hasses und die Gewißheit, daß man Israel angreifen kann, ohne daß es Folgen hat. Von Itamar bis Jerusalem. Alles ist möglich.

Auch wenn es nur ein kleiner Anschlag war – der Frau, die heute gestorben ist, hilft das nicht. Ihren Kindern und vielleicht Enkeln auch nicht.

Und zum Thema Gaza. Auch Alon Ben David sagt, wie gestern Ehud Yaari und heute früh Nir Dvori, daß die Hamas kein Interesse an einer Eskalation hat. Er meint, Israel hat nichts zu gewinnen, und man sollte nicht kopfüber in einen bewaffneten Konflikt einsteigen, solange der Effekt von oferet yezuka (Gegossenes Blei) noch nicht abgeklungen ist. Im Süden hat sich im Windschatten dieser Aktion ein kleines Wirtschaftswunder ereignet, und ein ausgewachsener Krieg würde auch auf unserer Seite alles wieder kaputtmachen.

Tertia meinte heute, sie ist sicher, daß der nächste Krieg ausbrechen wird, wenn sie bei der Armee ist. Sie sagt, das denkt sie schon seit langem. Hoffen wir, es trifft nicht ein.

 

Oh nein. März 23, 2011, 16:20

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Pigua. Keine Toten bisher, Gott sei Dank.

Wenn der Albtraum des Terrors wieder losgeht …

Grad am Abend… März 23, 2011, 7:01

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… nicht erfrischend und labend, Grad am Morgen, bereitet uns  Sorgen.

Gestern abend in Ashdod, heute früh in Beer Sheva. Ein Verletzter.  Ich nehme an, Ruth und ihre Nachbarn schicken ihre Kinder mit schwerem Herzen zur Schule – falls die Schule nicht sowieso ausfällt.

Das gefällt mir nicht – es gefällt wohl niemandem.

Was würde ich tun, wenn ich Bibi wäre? Ich glaube, ich würde bei der Hamas-Regierung in Gaza anrufen und alles versuchen, um eine weitere Eskalation abzuwenden. Ich würde auch versuchen, die europäischen und amerikanischen Politiker, die sich für eine Anerkennung der Hamas einsetzen, für eine De-Eskalation zu engagieren. Ashton und Carter könnten in so einer Lage mal zeigen, was ihnen der Frieden der Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze wert ist, und der Hamas klarmachen, daß sie für Ruhe im Karton zu sorgen hat (was sie durchaus kann). Sonst bleibt uns nur die militärische Option.

In Beer Sheva fällt heute die Schule aus. Ruths Töchter verbringen den Tag vermutlich im Schutzraum. Gut, daß sie ihn haben. Ich hoffe, sie haben den Einschlag gestern nicht gehört.

Kleine Anmerkung März 22, 2011, 20:17

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Im manchen deutschen Berichten über Katzav wird das Wort “Deal” benutzt, wenn “plea bargain” bzw “plea deal” gemeint ist. Bevor die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen gegen Katzav festgestellt wurde, handelten seine brillanten Rechtsanwälte (Zion Amir und Avigdor Feldman) einen plea bargain für ihn aus. Den er ausschlug. Plea bargains sind im israelischen Rechtssystem vorgesehen und rechtens. Die Vorwürfe, daß es sich um einen schmierigen Deal im Hinterzimmer handelte, sind unbegründet und leiten sich wohl aus dem Übersetzungsfehler her.

Tote Zivilisten März 22, 2011, 19:18

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im Gazastreifen, darunter drei Kinder davon zwei Terroristen (die zu der Bande gehören, die neulich Beer Sheva beschossen haben) und zwei unbeteiligte Jugendliche.

Zahal hat auf den Beschuß der letzten Tage reagiert, dabei ist eine Rakete in den Eingang eines Privathauses gefallen und hat dort Unbeteiligte getötet. Die Armee bedauert den Tod Unschuldiger und wird die Sache untersuchen.

Wer hier länger mitliest, konnte mitverfolgen, wie sich die Sache hochgeschaukelt hat. Nach oferet yezuka war eine Weile ruhig, dann fingen wieder Qassams an, in letzter Zeit immer mehr, dann auch wieder Grads. Die Armee hat fast jedesmal in kleinen gezielten Schlägen geantwortet – vor oferet yezuka war das anders, da hat die Armee nur selten reagiert, bis dann der Ausbruch kam. Ich habe damals sinniert, ob es nicht sinnvoller ist, zero tolerance zu probieren, aber wir haben gesehen, das hilft auch nichts. Egal was wir tun – sie schießen. Und irgendwann kommen Unschuldige dabei ums Leben, das grauenhafte Vorgefühl begleitet mich seit Wochen.

Und damit haben die Leute von Hamas und ihre diversen Brigaden, Kollegen und Rivalen wieder einen wunderbaren Vorwand für die nächste Runde. Das nennt sich Eskalation – nicht Spirale, denn eine Spirale hat keinen erkennbaren Anfang. Die Bewohner von Ashkelon werden es spüren.

Als i-Tüpfelchen auf den miesen Nachrichten kommt dieser gute Ratschlag: die französische Regierung empfiehlt Zurückhaltung.

“We are worried by the mounting rocket fire on Israeli territory – which we have condemned – and by the Israeli army’s operations in the Gaza Strip,” French Foreign Ministry spokeswoman Christine Fages told a press briefing.

“We have called on both sides to show the greatest restraint in order to avoid any escalation in violence which recent history has show can have disastrous consequences,” she said.

Laßt Euch das auf der Zunge zergehen. Während die Franzosen in Libyen bombardieren und dort Zivilisten sterben, ohne daß je eine libysche Rakete auf französische Zivilisten abgeschossen wurde, geben sie Israel gute Ratschläge – und den Palästinensern gleich mit. Man könnte fast meinen, sie wissen nicht zu unterscheiden zwischen beiden Seiten.

Noch mal zum Mitschreiben:

Israel hat keine Ansprüche an den Gazastreifen (außer Freilassung Shalits). Israel will die Palästinenser dort weder vernichten noch vertreiben. Israel will nur in Ruhe gelassen werden. Israel nimmt militärische Ziele aufs Korn (bzw Terror-Ziele), KEINE Zivilisten.

Die Hamas & Co. bedienen sich schärfster Vernichtungsrhetorik, wenn sie von Israel sprechen, wollen den Staat Israel vernichten und statt dessen Palästina errichten. Sie wollen die Juden vertreiben oder töten. Sie wollen keine Ruhe und keinen Frieden. Sie schießen wahllos auf zivile Ziele.

Ich erwarte nun die Verurteilungen der anderen europäischen Regierungen, die in allen möglichen Ländern Kollateralschäden anrichten, aber für uns immer einen guten Ratschlag übrig haben.  Sehr traurig, sehr schade um jedes sinnlos verlorene Menschenleben, egal durch wessen Waffen. Dieser Zustand der Welt bedrückt mich sehr.

(Und ich beneide den Menschen nicht, dessen Fehler zum Tod der Jugendlichen geführt hat. Es ist nicht leicht, damit zu weiterzuleben.)

Syrien März 22, 2011, 18:42

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interessiert uns sehr. Interessanterweise bekommen die Proteste in Syrien weniger Publicity – Zvi Yeheskeli meint, das kann daran liegen, daß die Bilder nur durch Youtube kommen und nicht über Al Jazeera. Weil Al Jazeera kein Interesse daran hat, Assad zu stürzen. Al Jazeera berichtet über Proteste und prägt ihr Bild, andere Medien übernehmen vielleicht ihr Material. Und so überträgt sich die Sichtweise von Al Jazeera auch auf andere Medien. Das wirft Yeheskeli nur nebenbei hin, ich finde es hochinteressant – der Einfluß von Al Jazeera nicht nur auf seine direkten Zuschauer, sondern auch indirekt auf die Zuschauer und Leser westlicher Medien. Das würde ich gern mal untersuchen, leider muß ich auch noch andere Sachen im Leben tun und ich spreche selbst kein Arabisch.

Zurück zu Syrien. Daß in einem brutalen Polizeistaat wie Syrien die Menschen offen protestieren, ist ein riesiger Umsturz. Ein kleiner Schritt für Außenstehende, ein riesiger für die von Furcht geprägten Bürger in Assads Diktatur.

Ich hoffe auf einen guten Ausgang für die Syrer und uns. Daß in all diesen Ländern der jahrzehntelang geschürte Haß auf Israel den niedrigsten gemeinsamen Nenner und damit den Leim für divergierende Gruppen darstellt, ist mir schmerzhaft bewußt. Ich wage kaum zu hoffen, daß in demokratisch regierten, aufgeklärten arabischen Ländern endlich innerlich Frieden mit Israels Existenz geschlossen wird. Es wäre der wichtigste Schritt zum Frieden.

Juhu, Mama!!! März 22, 2011, 13:18

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Gerade bekam ich einen jubelnden, überglücklichen Anruf meiner Tochter. Sport fällt heute aus, und sie kommt nach Hause. Die Abiprüfung in Sport ist auf Sonntag verlegt, es regnet nämlich (oh ja!). Und dann noch Abiprüfung in Englisch. Dann hat sie auch Sport und Englisch nicht mehr. Ja, und Mathe ist ja schon vorbei. Und Bibel und Literatur ja auch. Und Geographie die Woche drauf.

Und eigentlich ist die Schule schon vorbei! Nur noch Arbeiten einreichen und Prüfungen, und das war´s! Kein Lehrer bringt mehr neuen Stoff mit! Die Schulzeit ist vorbei! Juhu, Mama!!!

Ich höre ihr zu und freue mich. Wer erinnert sich nicht an das Verläppern der Schulzeit um die Abiprüfungen herum, an das plötzlich veränderte Verhältnis zur Schule, die vom Zentrum des Universums, fix und unverrückbar, auf einmal verschwindet und gewissermaßen untergeht. Wo die Planungen für die Zeit danach auf einmal konkret werden.

Aber natürlich denke ich auch an ihren ersten Schultag.

Ihre große Cousine (die jetzt schon längst die Armee hinter sich hat) war damals im 6. Schuljahr und hielt Tertia bei der Schulfeier an der Hand, als sie ihre Schullaufbahn begann. Die Cousine ist das große Mädchen in Sportsachen und Pferdeschwanz, Tertia das Pünktchen im hübschen Rock.

Von all meinen Kindern hat Tertia in ihrer Schullaufbahn, pardon, die Arschkarte gezogen. Ihre erste Lehrerin (mit Sonnenbrille hinter ihr) was sehr nett, es war ihre erste Klasse überhaupt und sie tat ihre Arbeit gern und mit Schwung und viel Liebe und Wärme (sie ist jetzt die Klassenlehrerin meiner kleinen Nichte).

Danach aber hatte Tertia eine nicht abreißende Kette von problematischen Lehrern und Lehrerinnen. Tertia, die immer so brav war, hatte nie Ruhe während der Schulzeit. Alles passierte in ihrer Klasse. Intrigen zwischen Lehrern, hochproblematische Mitschüler, deren Eltern Remmidemmi auf Kosten anderer Kinder machten, und ständigen Wechsel der Klassenlehrerinnen.

So zufrieden wir mit der Kibbuz-Grundschule bei allen Kindern waren – bei Tertia ging irgendwie einiges schief. So wurde ihr mal von einem der Rabauken der Klasse das Englischbuch gestohlen. Die Englischlehrerin glaubte Tertias Beteuerungen nicht und verlangte, daß wir das Buch bezahlen. Tertia sagte uns nichts davon, weil sie sich so schämte. Als sie schließlich damit rausrückte, sah sie ihren Vater in seinem Zorn – er loderte geradezu.

Am nächsten Tag kreuzte er in der Pause in ihrer Klasse auf, wo die Lehrerin auch gerade war. Schäumend vor Wut ging er zu dem Klassenschrank mit Schubladen, zog Benjamins Schublade auf, kramte darin ein bißchen herum, fand tatsächlich Tertias Buch ganz hinten versteckt, knallte es der Lehrerin vor die Nase und sagte ihr die Meinung. Ich bin normalerweise nicht dafür, Lehrer vor den Augen von Kindern anzugreifen, aber diese Lehrerin hatte es verdient. Statt gegen einen Bully vorzugehen, hatte sie selbst sich auf das schwächere Kind eingeschossen.

Tertia war ihrem Papa so dankbar dafür, daß sie immer noch glänzende Augen bekommt, wenn sie ihn daran erinnert. (Mein eigener Vater hat mir in einer ähnlichen Lage mit einer Lehrerin mal so tatkräftig beigestanden, daß es heute noch gern gehört wird, wenn ich den Kindern davon erzähle.)

Tertia war nie Klassenkönigin wie ihre extrovertierte Schwester, die mit starker Hand jede Klasse regiert, in der sie lernt. Sie hatte immer ihren sicheren, respektierten Platz in der Klasse, umgeben von ihren Freundinnen, mit denen sie treu zusammenhält.

Am Ende der Grundschulzeit dann kam die traditionelle Fahrt der Kibbuz-Eltern und Kinder nach Massada, mit Schlafen im Beduinenzelt, der genialen Selbstversorgung der durchorganisierten Kibbuzniks, und Aufstieg nach Massada vor Sonnenaufgang. Den sieht man von oben.

Tertia hatte auch auf der weiterführenden Schule, die wir ja so geschätzt und geliebt haben, das seltene Pech, eine der wenigen Nieten als Klassenlehrerin zu bekommen – eine schnippische, ordinäre Russin, mit der ich (einzigartig in meiner Karriere als Mutter) einmal episch zusammengerasselt bin. Ich bin sonst, glaube ich, für Lehrer eine sehr bequeme Mutter, weil ich die Position der Lehrer verstehe und sie nicht noch mehr schwächen möchte, als sie so schon geschwächt wird. Aber diese Galina… oha…

Tertia kam aber bis auf diese zwei Zwischenfälle immer ganz gut allein zurecht. Dann kam unser Umzug ihr in die Quere. Während Primus ja schon Soldat war, als wir umzogen, und Secundus noch im Kibbuz blieb, bei seiner Oma und in einer kleinen für ihn gemieteten Wohnung, mußten die Mädchen die Schule wechseln. Erstaunlicherweise ging das bei Tertia ganz leicht, obwohl ihre neue Schule keinen Vergleich mit der alten aushält – da muß ich eigentlich mal drüber schreiben, WIE unterschiedlich Schulen sein können! Aber die Leute in ihrer Klasse sind nett, haben sie sofort gut aufgenommen, und Tertia hat sich damit abgefunden, daß sie ihre alten Leistungskurse nicht weiterführen konnte. Statt dessen arbeitete sie sich so schnell in die neuen ein, daß sie eine der besten Schülerinnen wurde.

Ja, und nach 15 Monaten ist das nun auch vorbei. Im Gegensatz zu ihren Brüdern wird sie ein gutes Abizeugnis haben, so sieht es wenigstens im Moment aus. Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm – sie kann es nachholen.

Quarta wird nach den Sommerferien auf eigenen Wunsch in die höhere Schule, die Tertia gerade beendet, aufgenommen. Wir wollten sie ja in die ausgezeichnete Kibbuz-Schule schicken, die es hier in der Nähe gibt, aber alle Freundinnen aus der Grundschulklasse gehen in die “normale” staatliche Schule. Mir gefällt sie nicht besonders, eine Schule, die allein aufs Nützliche gerichtet ist und in der so viele schwache Schüler lernen, daß das Niveau dauernd  abgesenkt wird. Nun, seit neustem gibt es dort Klassen für Begabte, und in so eine soll Quarta gehen.

Ich habe beim Abschied vom Babyhaus geschluckt, beim Abschied vom Kindergarten und jetzt beim Abschied von dieser Phase in meinem Leben, wo ich ein Haus voll Schulkinder habe. Vor ein paar Jahren war meine Küchenkladde proppenvoll mit Stundenplänen. Bald habe ich nur noch ein Schulkind. Y. ist froh darüber, er hat die Nase voll von Elternversammlungen, Ausflügen, Mazzebacken, Sukka-Bauen und ähnlichen Scherzen. Er hat sich in der Schule aber immer unwohler gefühlt als ich. Für mich ist eine Schule eine sehr anheimelnde Umgebung. Ich habe den Lehrerslang drauf. Ich habe die Schulzeit der Großen immer gern begleitet, ohne zu viel einzugreifen, aber ich war schon eine “engagierte Mutter”, soweit es ging.

Also, Tertia ist rappelig vor Freude, als ihr heute aufging, daß das Kapitel Schule bald vorbei ist. Ich bin, wie immer, vorsichtig optimistisch und gleichzeitig wehmütig. Ach, wieso werden sie nur so schnell groß, die Kinder?

Warten aufs Urteil März 22, 2011, 7:57

Posted by Lila in Land und Leute.
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Heute wird das Urteil im Fall Moshe Katsav verkündet. Die Tatsache, daß dieser Mann seinen schmutzigen, widerlichen Weg nach oben durch die israelische politische Landschaft gehen konnte, ist eine Schande. Die Tatsache, daß es Gericht und Richter (din ve-dayan) gibt, ist ermutigend.

Ich möchte auch in Erinnerung rufen, daß die drei Richter, die vermutlich heute Katsav ins Gefängnis schicken werden, George Karra, Judith Shevach und Miriam Sokolov heißen. Zwei Frauen und ein Araber. In einer Stunde wird das Urteil verkündet.

 

Update: er hat 7 Jahre bekommen, die höchste Strafe, die für diese Vergehen zu der Zeit, als sie begangen wurden, gegeben werden kann. Wären die Übertretungen nach der Verschärfung des Gesetzes vorgefallen, wäre Katzav für noch längere Zeit ins Gefängnis gekommen.

Er wird wohl nach Ramle ins Gefängnis gehen müssen, in einem Monat (seine Rechtsanwälte haben um diesen Monat gebeten, um den Einspruch einreichen zu können). Ich war mal zu Besuch im Gefängnis Ramle – bei einem Mörder noch dazu. Es war schrecklich und bedrückend. Ich weiß noch, welche Schuhe ich damals anhatte – denn ich habe sie danach weggeworfen.

Katzav selbst sieht sich nach wie vor als verfolgtes Opfer. Er sieht nicht ein, was an seinem Verhalten nicht in Ordnung war. Trotz erdrückender Beweise hält er daran fest, daß “die Frauen”  und “die Ashkenasim” ihn in die Pfanne hauen wollten. Seine Anhänger sind derselben Meinung. Da die Verhandlungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfanden und wir darum nicht alle ekelhaften Einzelheiten wissen, ist es möglich, so eine Version der Geschichte zu spinnen.

In den letzten Jahren hat sich viel geändert. Wenn ich mit Frauen meines Alters und älter spreche, erinnern wir uns, daß wir als junge Frauen gar nicht wußten, wie wir es einordnen sollten, wenn ungewollte, teils ziemlich massive Avancen von mächtigeren älteren Männern bei uns landeten. Wir waren verlegen, und die Umgebung ermutigte uns, es als Kompliment oder Schmeichelei hinzunehmen, und wir versuchten, uns mit ausweichender Höflichkeit aus der Affäre zu ziehen.

In den Augen vieler Leute damals gab es eigentlich keine unerwünschte Aufmerksamkeit eines Mannes, es sei denn, die Frau war vergeben. Wenn eine Frau einem Mann gefällt, dann muß sie erfreut sein. Wenn nicht, dann stimmt was nicht mit ihr. Wie weit dieses “gefallen” gehen kann und wie schamlos jemand ein Serientäter dieser Art seine Phantasien im Büro ausleben wollte, das konnte ich mir auch nicht vorstellen, bis ich über Fälle wie Itzik Mordechai und Moshe Katzav gehört habe.

Ich habe einfach nur Glück gehabt, daß ich nie an einen Katzav geraten bin, der meine berufliche Zukunft in seinen schwitzigen Händen hielt, und daß ich nie erlebt habe, was die jungen Frauen mitgemacht haben, die er mit Schmeicheleien, Drohungen und dem massiven Druck seiner Mitarbeiter (die man als nächstes verklagen sollte) versucht hat gefügig zu machen.

Daß die Richter die Wahrheit so eindeutig auf Seiten der Opfer gefunden haben, ermutigt mich. Selbstverständlich gibt es Fälle von Lüge und Verleumdung – wer falsche Anschuldigungen dieser Art erhebt, versündigt sich doppelt, gegen den unschuldig Verklagten und die Opfer echter sexueller Gewalt. Bei Katzav war das offensichtlich nicht der Fall. Aber die Generation meiner Mädchen weiß genau, wo die Grenze verläuft. Die Jungen übrigens auch.

Und nein, bevor die Anti-Feministen mich wieder an den Marterpfahl fesseln wollen: ich spreche NICHT allgemeiner Hysterie das Wort, die kleine Jungens von der Polizei abholen lassen, weil er seiner Kindergärtnerin über das Bein gestreichelt hat. Ich sage nur: ein deutliches NEIN muß respektiert werden. Und sexuelle Avancen haben zwischen Menschen mit Abhängigkeitsverhältnis NICHTS zu suchen.

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