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Drei Künstler September 27, 2008, 10:31

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Kunst.
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Es ist doch schön, daß es das Internet gibt, auch wenn es sehr viel Zeit frißt😉

Ich habe meiner Blogroll drei neue Links hinzugefügt und möchte nicht, daß die einfach so untergehen. (Meine Blogroll ist zu lang aber ich kann irgendwie auf keinen Link verzichten.) Es sind nämlich Links zu Websites von Künstlern, nur eine davon ein Blog.

Rick kenne ich nicht persönlich, aber er ist mit einer sehr alten Freundin von mir verheiratet. Er ist Amerikaner, weitgereist, und hat sich mit meiner alten Freundin schon vor vielen Jahren in Ostfriesland niedergelassen. Ich mag besonders seine Aquarelle.

Rick Tipton, Seeigel

Sara kenne ich sehr gut und habe schon ein paarmal von ihr erzählt (hier kommt sie ganz zum Schluß vor). (Einzelheiten verändere ich natürlich immer ein bißchen.) Ihr Enkel hat jetzt eine Seite im Netz für sie eingerichtet. Das ist gut, denn in unserer Gegend ist sie zwar bekannt, aber darüber hinaus nicht. Sara ist Pariserin und hat den Holocaust knapp und mit großem Leid überlebt. Sie hat geheiratet und eine Familie aufgebaut. Wir sind uns in den letzten Jahren nähergekommen, als ihr Mann krank wurde und starb.

Sie hat sehr unterschiedliche Bilder: sehr schöne Landschaften aus unserer Gegend, und sehr persönliche, düstere Bilder, die von Verlust und Trauer sprechen. Auf jeden Fall sehenswert. Ich habe mich gefreut, daß sie mir den Link geschickt hat. Saras Bilder haben ein größeres Publikum verdient, ganz unabhängig von ihrer Lebensgeschichte.

Der dritte Künstler ist bekannt und erfolgreich, und ich freue mich, daß ich zwei seiner Bilder im Wohnzimmer hängen habe. Meine Mutter hat eine ganze Sammlung seiner Bilder in verschiedenen Techniken, und das schönste davon hat eine solche Tiefenwirkung, daß man glaubt, man kann das Auge drauflegen und in eine andere Welt gucken.

Benno Werth

Für alle Freunde der UNO September 26, 2008, 19:46

Posted by Lila in Land und Leute.
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Wer glaubt, daß Israel aus reiner Paranoia die UNO für eine israelfeindliche Einrichtung hält?

Es mag ja sein, daß wir paranoid ist, aber das heißt noch lange nicht, daß man uns nicht wirklich an den Pelz will. Und die Welt hält nicht still, nein. Die Welt applaudiert, umarmt, hört aufmerksam zu.

Wer uns im Notfall helfen würde? Hmm…..

(Und meine übliche Frage: wie ist diese Rede in den deutschen Medien wahrgenomen und wiedergegeben worden?)

(Gefunden bei Israel Matzav)

Mein Herz ist voll September 26, 2008, 19:13

Posted by Lila in Land und Leute.
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heute abend. Ich mach mehrere Teile draus.

Odeds Eltern

Wie jedes Jahr – am Freitag vor Rosh Hashana kommen alle alten Freunde zusammen, am Grab von Y.s Freund Oded, der im September 1982 im Libanon gefallen ist. Ich habe ja schon öfter von den Menschen berichtet, die wir dabei treffen. Es war Y über Jahre hinweg unmöglich, diese Treffen zu besuchen, aber eine der Offizierinnen ließ ihm keine Ruhe und rief ihn jedes Jahr wieder an. Vor ein paar Jahren ging er dann hin, und seitdem jedes Jahr zweimal – am allgemeinen Gedenktag und am Todestag im September. Wir haben die alten Eltern auch zwischendurch besucht, auch mit den Kindern, sind mit den Kindern auch einfach so ans Grab gegangen, und meist nimmt Y zu den Treffen auch eines der Kinder mit.

Ich geh manchmal mit, manchmal nicht, weil ich weiß, wie mich das aufwühlt. Ich kann mich ja so schlecht emotional abgrenzen, und Oded ist für uns so präsent, obwohl er und Y lang vor meiner Zeit Freunde waren. Ich habe ja mal vor ein paar Jahren geträumt, daß Y krumm geht und weint, und Oded auf den Schultern trägt. Und ich weiß, daß er ihn tatsächlich auf den Schultern trägt und sein Leben für Oded mitlebt und daß es den anderen Freunden auch so geht.

Odeds Mutter und ich haben uns sofort gut verstanden, sie malt und radiert und wir haben gemeinsame Bekannte und Lehrer gehabt. Wenn ich nicht mitfahre, sagt Y immer: sie hat extra nach dir gefragt, und du mußt nächstes Jahr mitkommen. Und so bin ich diesmal mitgekommen.

Schon von weitem konnten wir sehen, daß vor dem kleinen, ruhig gelegenen Friedhof des Moshavs eine große Gruppe steht. Gott sei Dank, auch dieses Jahr sind wieder viele gekommen. Begrüßungen, der kleine Friedhof, eine ganze Gruppe von Grabsteinen mit Odeds Familiennamen. Auch die Armee schickt immer zwei junge Soldaten, einen jungen Mann und eine Frau, die mit Uniform und dem roten Barett der Fallschirmjäger kommen.

Odeds Eltern sind alt geworden. Beide gehen am Stock, beide begrüßen herzlich jeden einzelnen. Der Rabbi des Moshavs kannte Oded noch und erzählt von ihm, bevor er Psalmen betet und El ha-rachamim. Er erinnert daran, daß Oded seinen Namen erhalten hat (der Trost), um die Familie über den Tod seines Onkels zu trösten, der im Unabhängigkeitskrieg fiel. Sie wollten ihm nicht denselben Namen geben, aber durch den Namen eine Verbindung herstellen. Wie in so vielen Familien ging die Verbindung zu weit – sie sind nebeneinander begraben, Onkel und Neffe, beide mit dem typischen Grabstein der Armee, mit dem kissenförmigen Stein.

Der alte Vater weint so hilflos, daß er das Kaddish nicht mehr sagen kann, und der Rabbiner betet es statt seiner. 26 Jahre, und der Schmerz ist so groß. Man steht hilflos dabei und möchte sich einfach nur hinlegen und nicht weiter darüber nachdenken, wie traurig das ist. Odeds Geschwister haben alle große Kinder, die älteste Nichte wird demnächst heiraten. Es tröstet die Eltern natürlich, daß sie eine große Familie haben. Alle Neffen und Nichten sind natürlich da und stehen um das Grab herum.

Nach der kleinen Zeremonie sind alle, wie jedes Jahr, bei Odeds Eltern eingeladen. Sie sind Moshavnikim, haben einen großen Bauernhof und einen großen Garten. Alle holen aus den Autos die Quiches und Salate und Kuchen, die sie vorbereitet haben, und ein großes Buffet wird aufgeschlagen. Dann setzen sich alle in Grüppchen zusammen und erholen sich seelisch durch den Austausch von „was machen die Kinder, wie läuft es beruflich, und was sonst noch?“ Die Eltern gehen von Grüppchen zu Grüppchen und fragen nach. Viele Freunde haben ihre Kinder mitgebracht, weil alle wissen, wie kinderlieb Odeds Eltern sind und wie wichtig es ihnen ist, daß auch die nächste Generation noch weiß, wer Oded war. Er ist ja jetzt länger tot, als er gelebt hat – er war 20, als er starb.

Odeds Freundin

Wir saßen mit einer Frau und ihrer Tochter zusammen. Diese Frau haben wir jahrelang dort getroffen, bis eines Tages Y ein Gespräch mit ihr anfing. Sie war Odeds Freundin gewesen, bevor er zur Armee ging, also vor Ys Zeit. Es stellte sich heraus, daß ihre Tochter mit Tertia in einer Klasse ist und die Mädchen befreundet ist. Ein Jahr drauf brachten wir dann beide Mädchen mit, und das war nett. Heute sitzen wir wieder mit ihr und ihrer Tochter.

Irgendwann steht sie auf und sagt, „ich muß weg, ich muß heute noch nach P. fahren“. P. ist ein winziges Moshav im Süden. „Oh“, meine ich, „da ist es hübsch, wir haben da Familie“. „Was? Wen habt ihr das?“, fragt sie, „da kenne ich alle“. „Mimi und Gil“, sagen wir, und sie ruft, „waas? Mimi und Gil?“ „Ja, Mimi ist eine Cousine meiner Mutter“, sagt Y. Und die Freundin sagt ganz aufgeregt: „Und Gil ist mein Adoptivbruder!“

Es ist der reinste Zufall, daß wir uns noch nie bei einem Familienereignis getroffen haben. Weil P. so weit weg ist, sind wir nicht immer hingefahren, und die Familie von Gil kennen wir gar nicht. Jedenfalls war das wirklich verrückt, nicht nur Bekannte, sondern Familie! Drei Verbindungen: durch Oded, durch unsere Töchter, durch die Ehe ihres Adoptivbruders mit Ys Tante. Wir verabschieden uns mit großer Herzlichkeit. Verrückt. Sie winkt uns noch aus dem Auto und ruft, „olam katan!“ Kleine Welt, wirklich.

Odeds Commander

Jedes Jahr kommen auch die Offiziere. Der höchste Offizier, der immer dabei ist und sich Zeit nimmt, ist ein vielbeschäftigter und charismatischer Mann namens Nir Barkat. Nir kennt in Israel jeder. Er war CEO einer erfolgreichen Hi-Tech-Firma, und als er sie verkaufte, war er einer der ersten schwerreichen jungen Unternehmer, die sich eigentlich aufs Altenteil zurückziehen können. Doch statt dessen fing er an, sich um Lokalpolitik seiner Heimatstadt Jerusalem einzusetzen. Vor ein paar Jahren stand er zur Wahl als Bürgermeister, und alle seine Soldaten waren für ihn im Einsatz. Auch Y half freiwillig mit und wird es auch wieder tun. Denn am 11.11. wird wieder ein Bürgermeister in Jerusalem gewählt, und diesmal, meint Nir, hat er gute Chancen.

Er erzählte vom Wahlkampf, von den religiösen Wählern, die nur einen religiösen Bürgermeister wollen und die mit großer Disziplin wählen gehen. Von den säkularen Wählern, die jammern, aber nicht zur Wahl gehen – und dann umziehen, weil ihnen der religiöse Bürgermeister nicht paßt. Er erzählte von dem Schock, den diese Säkularen erlebten, beim Skandal mit der Saiten-Brücke.

Als diese teure Brücke eingeweiht wurde, sollte eine Gruppe Schülerinnen tanzen. (Moderner Tanz ist in Israel sehr interessant und gut, und viele junge Leute tanzen.) Die Religiösen protestierten, daß junge Mädchen im Trikot tanzen sollten, nannten es Porn*graphie und die Mädchen prutzot, also N*tten, die ihr Fleisch schamlos zur Schau stellen. Die Tanzgruppe knickte ein, und damit die Mädchen trotzdem tanzen konnten, wurden sackähnliche Gewänder genäht. In diesen formlosen Säcken mußten sie dann tanzen, noch dazu mit Kopfbedeckung, obwohl auch bei frommen Juden unverheiratete Mädchen das Haar offen tragen dürfen.

In der säkularen Bevölkerung kam das sehr, sehr schlecht an. 12jährige Mädchen, die im Trikot tanzen, als prutzot zu bezeichnen und ihnen Burqas zu verpassen, empörte auch viele gläubige Juden, die pragmatischer sind und sich in der westlichen Kultur mit genüged Selbstsicherheit bewegen, um nicht jedes Mädchenbein se*uell zu interpretieren. Mit dieser Burqa-Aktion von Seiten der Ultra-Orthodoxen und dem Aufschrei, der daraufhin nicht nur durch säkulare Familien ging, sind einige Leute erwacht.

Auch vielen gemäßigten Religiösen geht das zu weit. Nir erzählte uns ein bißchen von der Dynamik zwischen den einzelnen Gruppen, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik.

Ich wünsche Nir viel Glück und Erfolg. Es gibt eigentlich kaum einen symbolträchtigeren Job als Bürgermeister von Jerusalem – im Sessel des unvergessenen Teddy Kollek zu sitzen. Es gibt zwei Bürgermeister, die jeder kennt: der Bürgermeister von New York und der von Jerusalem.

Der heutige Bürgermeister, ein religiöser Jude namens Lupoliansky, wirkt sympathisch genug, aber provinziell und längst nicht dem Format seines Amts gewachsen. Säkulare Bürger verlassen Jerusalem in Scharen, die Stadt verarmt und die Spannungen sind so schon groß genug. Nir war ein ausgezeichneter Offizier und Geschäftsmann, er hat sich als Lokalpolitiker um jede Kleinigkeit gekümmert und sich mit Haut und Haaren seiner Stadt verschrieben. Außerdem habe ich nie einen getriebeneren Menschen gesehen, er brennt geradezu vor Eifer und Ideen und auch Ehrgeiz.

Hier ein paar Links zu Nir, wer sich dafür interessiert.Seine Wahlkampfseite. Sein Facebook. Haaretz über Nir und englischsprachige Einwohner. Jerusalem Business Forum.

Y kennt ihn seit 26 Jahren, ich kenne ihn nun auch schon ein paar Jahre, und wir werden ihm sehr fest die Daumen drücken.

Es war gut für mein seelisches Gleichgewicht, daß nach den traurigen Momenten auf dem Friedhof erst die Entdeckung der Verbindung mit Odeds alter Freundin kam, und dann das politisch-allgemeine Gespräch. Aber es ist jedes Jahr ein trauriger, trauriger Tag.

Begegnungen September 25, 2008, 21:33

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Mir fiel auf, wie oft ich in Deutschland Leuten begegne, die irgendwie mit Israel und Israelis zu tun haben. Sollte ich mich je in der Illusion gesonnt haben, etwas Besonderes zu sein, wären sie mir lange schon gründlich vergangen. Die Tochter der Bäckersfrau hat ihren israelischen Mann verlassen und ist nach Deutschland zurückgegangen (mit ihr hab ich ein paarmal telefoniert, das war immer nett, und unsere Mütter haben oft überm Kartoffelbrot zusammen geseufzt). Der Vater eines ehemaligen Klassenkameraden meiner Schwester ist Israeli und spricht das schönste Rhein-Hebräisch, das man sich nur denken kann. Die Tochter einer Kollegin meiner Mutter hat in einer israelischen Truppe getanzt. Und so gibt es immer Querverbindungen.

Diesmal war es beim Einkaufen. Meine Mutter und ich trafen eine Frau, die wir von früher kennen, die sehr nett ist, aber von der ich weiter nichts weiß. Als sie das Wort Israel hörte, wurden ihre Augen ganz weich. Auf einmal fanden wir uns mitten in einer bewegenden Geschichte wieder, der Saga ihrer Lieblingsnichte, deren große Liebe ein Israeli war. Die Geschichte war spannend und rührend, wir standen versunken neben der Käsetheke und hörten zu. Das Ende war traurig, leider, oder vielleicht doch gut: aus der großen Liebe wurde eine gute Freundschaft.

Na ja, auch zu Spanien, Irland und Neuseeland finden sich immer Zeugen mit sentimentalen Erinnerungen. Trotzdem freut es mich immer besonders, Menschen zu entdecken, die meine alte und meine neue Welt verbinden.

Nichts weiter September 25, 2008, 21:26

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zu erzählen, ich sitze die meiste Zeit an der Arbeit, und teile mir dabei die Zeit zwischen Laptop und Küche. Vor ein paar Tagen war es aber ganz lustig, ich kam mal aus dem Haus. Ich habe einen Vortrag gehalten, gemeinsam mit zwei Kolleginnen, einer Mathematikerin und einer Physikerin. Es ging um den Goldenen Schnitt, Fibonacci-Zahlen, Penrose und Shechtmann und lauter so drollige Sachen. Wir waren so gut vorbereitet, nach mehreren intensiven Treffen, daß wir nicht nur eine nach der anderen sprechen konnten, sondern immer abwechselnd, fast wie ein Gespräch.

Ich kenne dieses Thema natürlich sehr gut, dachte ich zumindest, aber die Mathematikerin und die Physikerin haben natürlich einen ganz anderen Zugang, jeweils aus ihrer Disziplin. Wir hätten gern auch einen Architekten oder Biologen dabei gehabt, das wäre auch interessant gewesen. Da das Publikum größtenteils aus Laien bestand, mußte der Vortrag eher spritzig sein, aber natürlich fundiert. Da gerade über dieses Thema eine unendliche Menge an Material im Internet zu finden ist, muß man sich schon ein bißchen anstrengen, es ein bißchen originell darzubieten.

Hinterher ein Zuhörer zu uns und grinste, daß jede Kantine auf dem Fibonacci-Prinzip beruhend ihre Suppe macht. Die Reste von gestern kommen in die heutige Suppe, beide dann in die von morgen und so weiter. So ergeben sich jeweils Suppen, die aus immer größeren Anteilen früherer Suppen bestehen…

Wir planen schon weitere Vorträge über ähnliche Themen. Es hat Spaß gemacht. Ich habe Glück, daß ich mit netten Leuten arbeite und solche Sachen möglich sind. Das Schönste war, wie wir während der Vorbereitung immer wieder gestaunt haben und gesagt haben: ja gibt es das denn? Wahnsinn. Für die Gesetzmäßigkeiten des Goldenen Schnitts, die überall auftauchen, gibt es keine vernünftige Erklärung. Wir haben uns dabei ertappt, daß wir gleichzeitig einen Aufkleber an der Tür angeguckt haben und zu dritt im Chor gesagt haben: goldener Schnitt!

The Mania September 25, 2008, 21:20

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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ist mit ein paar Jahrzehnten Verspätung und ein paar fehlenden Beatles in Israel angekommen. Heute abend spielt Paul McCartney in Tel Aviv. Neulich wurde er von ein paar israelischen Journalisten interviewt, die von seinem Charme und seiner Freundlichkeit total überwältigt waren und strahlend wie Kinder erzählten, daß er sie hinterher mit ins Studio genommen hat, ihnen vorgespielt hat und alle seine alten Gitarren gezeigt hat.

Auch in den Nachrichten kam ein Item über das Konzert, und Quarta rief, „macht das aus, ich will es nicht sehen – warum sind wir nicht bei dem Konzert, das ist unfair!!!“ Sie ist seit frühstem Alter Beatlesfan. Ich weiß noch, als sie klein war, wollte sie immer Yellow Submarine hören.

Tja, ob es so ein Vergnügen ist, in riesigen Menschenmengen zu stehen und Sir Paul auf einer Leinwand zu bewundern, weiß ich nicht. Aber es wäre uns sowieso zu teuer. Quarta meint, sie wäre auch ohne uns hingegangen, wir hätten ihr nur ein Ticket kaufen sollen.

Zur Entschädigung habe ich mit den Mädchen einen Beatles-Abend gemacht. Wir haben die Beatles-Anthologie-DVD geguckt, die hat hebräische Untertitel und darauf erzählen sie ganz witzig ihren Werdegang. Außerdem jede Menge alter Aufnahmen.

Ich weiß noch, wie meine Mutter ihre Beatles-Platten im Wohnzimmer hörte. Und jetzt hören meine Kinder zu. Anscheinend ist auch das Konzert heute abend voll mit jungen Leuten.

Was ich von den Trööten halte, die McCartney mit dem Tode bedrohen, weil er es wagt, hier Musik zu machen, muß ich doch nicht extra sagen?

Update: Konzert ist vorbei, waren 40.000 Leute dabei.

Noch ein Update: Y. setzt sich dazu und meint, Help war die erste Platte, die er sich gekauft hat. Bei mir muß es auch eine der ersten gewesen sein. Ansonsten achtet er besonders auf Mikrophon, Monitor und Verstärker. Ihm fällt alles auf.

Müde, müde, müde September 18, 2008, 20:55

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Wir ließen heute abend die Nachrichten über unsere Köpfe hinwegrollen. Livnis knapper Sieg (der gestern nacht, als wir ins Bett gingen, viel deutlicher aussah – sehr schön die bedröppelten Gesichter der Umfragen-Wizards: „wir haben uns nicht verzählt – die Wähler haben gelogen! jawohl!“) und Mofaz´ Ausstieg aus der Politik („ich bin auf niemanden sauer, aber ich spiel nicht mehr mehr mit! jawohl!“).

Und gaaanz viele Schlaufüchse, die zwar vorgestern noch nicht wußten, was gestern passieren würde, aber heute genau-genau rückwirkend vorhersagen konnten, wie die politische Lage sich entwickeln würde. Was nächste Woche wird? Werden wir wohl in zehn Tagen nachfragen müssen.

Das erinnert mich an die Wirtschafts-Schlaufüchse, die sonst geschniegelt, gebügelt und selbstbewußt bis in die Kragenknöpfe den Weltmarkt erklären und mit allen möglichen Fachausdrücken um sich werfen. Falls einer von ihnen den Zusammenbruch von Lehman Brothers und anderen mir unbekannten Giganten deutlich vorhergesagt hat, muß das irgendwo untergegangen sein. Rückwirkend sind sie alle schlauer.

Na ja, so sind wir alle. Würden wir aus den Fehlern wenigstens lernen, aber hoffnungslos, das machen wir nicht, nein. Aber schlau im Nachhinein, das sind wir auch.

So saßen Y. und ich auf der Couch und ich meinte, „ich hab es so satt, alle paar Jahre kommt das große Durcheinander und alle Karten werden neu verteilt, und alles geht wieder von vorne los… kann mal nicht eine kadenzia vorbeigehen, ohne daß wir vorgezogene Neuwahlen oder eine Katastrophe erleben?“ Y., düster: „Seit Rabins Ermordung geht das so. Dieser tumtum hat mit seinen drei Kugeln genau erreicht, was er wollte. Seither sind wir nicht mehr zur Ruhe gekommen.“

Auch wenn der ganze Oslo-Prozeß nicht so glatt abgelaufen wäre, wie wir uns das vorgestellt haben damals, und die meisten Probleme nur vertagt waren… wie bei Leuten, die über krümeligen Bettlaken die Bettdecke hübsch straff ziehen… trotzdem ist die Hypothese durchaus einsichtig, daß Arafat es nicht gewagt hätte, einem starken und rundum respektierten Gegenspieler wie Rabin gegenüber eine vollkommen sinnlose und idiotische Intifada vom Zaun zu brechen. Und seitdem fallen die Dominosteine in entnervender Unaufhaltsamkeit. Ich weiß nicht, was Arafat sich hätte einfallen lassen, um den Friedensprozeß aufzuhalten, es wäre ihm schon was eingefallen…

Aber seit Rabin nicht mehr da ist, haben wir ein Loch in der israelischen Politik. Sharon hat eine Art Stabilität gegeben, ich habe nicht in allen Punkten mit ihm übereingestimmt und auch seine Ideen sehen im Nachhinein reichlich unausgegoren aus – die Menschen, denen er so großspurig versprochen hat, für sie zu sorgen, bevor sie aus dem Gazastreifen geholt wurden, leben heute noch in Baracken und wir sind keinen Schritt näher an einer Lösung des Problems mit den Palästinensern. Jeder positive Effekt, den freundliche Seelen wie ich sich von einem weiteren freiwilligen Rückzug versprochen haben, ist verpufft, die Palästinenser sind nicht im geringsten an einer Einigung interessiert.

Aber zu Sharons Zeit sind die Lösungen im Kampf gegen den Terror erarbeitet worden, denen wir es zweifellos verdanken, daß fast alle Versuche, Anschläge durchzuführen, vereitelt worden sind. Tfu, tfu, tfu, möge es weiter so bleiben. Sharons Abgang ins Koma und die darauf folgende Kadima-Flickschustereihaben zu dem Chaos geführt, in dem wir uns jetzt befinden.

Livni scheint eine Frau mit Potential zu sein, doch wir kennen sie nicht wirklich. Ich frage mich, was sie als Regierungschef machen wird, ob sie Linie zeigen wird, ob sie genügend Eindruck macht, um auch bei allgemeinen Wahlen gegen Barak II und Bibi II zu gewinnen. Ich denke an Merkel, auch weithin unterschätzt vor ihrer Wahl („kann die dat?“… peinlich, peinlich), knapp gesiegt und im Amt viel erfolgreicher als vorhergesehen. Ich hoffe für uns, daß Livni das auch kann.

Vielleicht wären auch Bibi II oder Barak II erfolgreicher als bei ihrem jeweiligen ersten Durchlauf. Rabin hat das ja vorgemacht.

Jedenfalls sind wir wieder auf der Achterbahn zu den nächsten Wahlen, die Geld, Energie und Zeit kosten. Als hätten wir das alles im Überfluß.

PS: Ich muß ja wohl nicht sagen, was ich von Pützekens Versuch halte, die Lage zu erklären, indem sie die Israelis als einzig Aktive hinstellt, die den „Friedensprozeß“ aufhalten, ohne einen Blick zu den Palästinensern rüberzuwerfen und sich mal ernsthaft zu fragen, ob die Frustration von Leuten wie mir nicht auch auf andere Faktoren zurückzuführen ist als krankhafte Angriffslust und imperialistische Gelüste. Vielleicht haben sich seit der Oslo-Euphorie ein paar grundlegende Dinge deutlich gezeigt, die uns den Wind aus den Segeln nehmen? Die Palästinenser werden bei ihr aber als friedlich gesinnte, ansonsten passiv abwartende Partner weichgezeichnet.

Dagegen unterschlägt sie, daß die relative Ruhe und Sicherheit und andere positive Faktoren Aktionen der Armee zu verdanken sind, unpopulären Maßnahmen wie Checkpoints und Schutzzaun, Druck und Drohungen. Es ist nicht etwa so, als würden die Palästinenser an die israelische Öffentlichkeit appellieren, daß sie auf Gewalt verzichten und stabile, zuverlässige Nachbarn sein wollen. Bis auf Forderungen, Forderungen, Forderungen und ein paar Drohungen hört man von ihnen nichts. Oh, und von unsren anderen Nachbarn erst recht nicht.

Woher Pütz also die Sicherheit nimmt, daß der Friedensprozeß klemmt, weil Israel ihn klemmen lassen will, und daß ausgerechnet die Wahl Livnis sowohl Indiz als auch Vorbedingung für seine weitere Schwächung ist – das wüßte ich gern. Vielleicht wäre ich dann optimistischer. So bin ich nur müde, müde, müde.

Name September 15, 2008, 20:36

Posted by Lila in Bloggen.
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Bei Croco und Indica gefunden und gleich ausprobiert: die Karte, auf der man sehen kann, wie selten mein Vor- und Nachname sind… bzw wo sie verbreitet sind.


Mein Vorname: 255


Mein Nachname: 4

Sehr cool. (Ob das jemand von meinen Lesern unterbieten kann? Meine Kinder können es… na ja, Kunststück.)

Das ist doch endlich mal ein nettes Meme. Danke, Croco und Indica.

Veränderungen September 12, 2008, 14:19

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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stehen an. Ich mag doch keine Veränderungen. Vielleicht, weil ich so ein Gewohnheitstier bin und die Routine schön finde und perfektioniere und kein Bedürfnis nach dem Reiz des Neuen habe – der Reiz des Bekannten ist mir viel lieber. Vielleicht leiste ich auch Widerstand gegen Veränderungen, weil ich sie dann familiär ausbalancieren und auffangen muß.

Y. hat endlich, endlich einen neuen Job. Obwohl er eigentlich gar nicht danach gesucht hat. Seit der Entlassungswelle vor fast zwei Jahren hat er sich in der Firma nicht mehr wohlgefühlt, obwohl er auch jetzt eine Beförderung angeboten bekommen hat und persönlich nur davon profitiert hat. Aber gerade das ging ihm gegen den Strich.

Er hat 17 Jahre in der Fabrik des Kibbuz gearbeitet, seit er sein Studium beendet hat, und auch vor dem Studium hat er dort als einfacher Arbeiter geschuftet. Seine Großeltern gehörten zu den Kibbuzniks, die die Idee hatten, auf Industrie zu setzen und besonders auf diese Art Industrie, die damals ungewöhnlich war. Er kennt in der Fabrik jede Schraube bei Vor- und Familiennamen, jede Maschine, jedes Abflußrohr. Es wird schwierig sein, ihn zu ersetzen, und er hätte wohl ausgeharrt, als letzter Ingenieur der „alten Garde“. Aber das Angebot, das ihm beharrlich angetragen wurde, bis er es genauer ansah, ist einfach zu gut.

Wir haben gestern abend die Flasche Prosecco getrunken, die wir aus Deutschland mitgebracht haben. Y. strahlt, eine Last ist von ihm abgefallen. Es war einfach zu viel in den letzten Jahren. Nicht als ob es jetzt viel weniger würde – aber er freut sich auf neue Herausforderungen, neue Aufgaben, eine neue Umgebung.

Ich freue mich, ihn fröhlich zu sehen, denn ich habe ihn ja die ganzen Jahre durch alle Höhen und Tiefen begleitet. (Er hat auch mehrmals anerkennend bemerkt, wenn er mir von der Arbeit erzählte, daß ich schon Fragen stelle wie ein Ingenieur:-) ) Aber ich bin auch etwas beklommen, denn er wird nun nicht mehr nur zwei Minuten von zuhause entfernt arbeiten. Es hat mich immer beruhigt, wenn ich wußte, daß er in der Nähe ist, wenn ich weg bin. Obwohl die Kinder schon groß sind, ist mir der Gedanke merkwürdig, daß wir nun wirklich einen Teil des Tages voneinander entfernt verbringen werden.

Es ist überhaupt merkwürdig, daß Primus abends in seine kleine Wohnung geht. Er hat gemischte Gefühle – einerseits freut er sich, mit seinen Freunden auf der Terrasse zu sitzen und zu reden, andererseits fühlt er sich bei uns zuhause ja auch sehr wohl. Ich habe keine gemischten Gefühle, nur einen ungemischten Unwillen, ihn gehen zu lassen. Er arbeitet auch so hart im Dining Room. Er schleppt den ganzen Tag schwere Sachen, aber das stört ihn nicht. Im Gegenteil, er ist stolz, daß er da der Stärkste ist, und würde viel lieber in der Landwirtschaft arbeiten, wo es noch viel mehr körperliche Arbeit gibt.

Secundus möchte ab Oktober wieder drei Nächte pro Woche oben an der Schule schlafen. Ich habe ja schon erzählt, daß es drei „Kreise“ gibt, die auch preislich verschieden sind. „Kreis Eins“ ist Vollmitglied des Internats und hat ein Zimmer dort, was mehrere Hundert Shekel im Monat kostet. „Kreis Zwei“ nimmt nur an den Aktivitäten des Internats teil, schläft aber zuhause, das ist billiger. Primus war Kreis Zwei.

Tertia ist von Anfang an unbeirrt „Kreis Drei“: sie geht nie zu einer Aktivität und würde nicht auf die Idee kommen, in der Schule ein Zimmer zu nehmen. Das kostet uns nichts, und sie liebt ihr Zimmer, ihre ebenfalls am Internat desinteressierten Freundinnen und ihre Bücher. Tertia arbeitet aber auch – einen Tag die Woche lernen die Oberstufenschüler nicht, sondern arbeiten. Das Geld wird gespart, um davon die Abschlußfahrt nach Polen und den Führerschein zu bezahlen. Tertia arbeitet in der Feriensiedlung, also Küchenmädchen oder Zimmermädchen in den Ferienhäusern. Sie wollte weder Kindergarten noch Schafhaus oder Fabrik. In den Ferienhäusern arbeitet auch ihre beste Freundin, und sie kichern den ganzen Tag über Zwiebeln und Kopfkissenbezügen.

Nur Kreis Eins-Mitglieder sind berechtigt, Ausschüsse zu leiten und Gelder zu verwalten und Verantwortung zu übernehmen. Und da ist Secundus ja wild drauf. Er war ja ein Jahr lang erfolgreich Leiter des Kulturausschusses und hat Dutzende von Bunten Abenden, Vorführungen und Festen gestaltet. Und darum wird er im landwirtschaftlichen Betrieb der Schule arbeiten, um sich die Mitgliedschaft leisten zu können (na ja, das Meiste zahlen wir).

Das Zimmer der Jungen steht also ab nächsten Monat mehrere Nächte pro Woche leer. Wer mich kennt, weiß, wie sehr mir das zuwider ist. Ich gehe doch nachts immer gucken, was mein Kind und mein Reh machen. Und mein Katz.

Verflixte Veränderungen. Aber ich darf mich nicht beschweren, ich weiß ja, daß ich sie nur auf Zeit habe, die Kinder, und daß sie ihr eigenes Leben führen müssen. Außerdem war ich die erste, die angefangen hat, „draußen“ zu arbeiten. Und es wird Y. genauso gut tun wie mir, aus dem Dunstkreis des Kibbuz rauszukommen, in eine Welt, wo einen nicht alle sofort kennen oder zu kennen glauben.

Gestern und heute September 11, 2008, 7:49

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.
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Gestern habe ich ohne besonderen Anlaß das Lied von Shlomo Artzi in den Blog gestellt, einfach weil es mir gefällt. Heute sind die Tränen schon wahr geworden.

Gestern war ein Trainingsunfall, gar nicht weit weg von uns. Ein Hubschrauber vom Typ Cobra hatte einen technischen Defekt, und bei Hubschraubern gibt es ja keine Notlandung. Er fiel wie ein Stein vom Himmel. Ich sah es in den Nachrichten und knöpfte Secundus sofort das Versprechen ab, nie und nimmer Pilot zu werden. Und mir grauste.

Gerade rief Y. mich an. Der Pilot war mit der kleinen Schwester von Y.s Kindheitsfreund verheiratet, die vor ein paar Jahren den Kibbuz verlassen hat. Ihre Mutter ist eine der besten Freundinnen meiner Schwiegermutter (und hat ihren Bruder im Sechstagekrieg verloren). Ich kenne sie alle gut, auch wenn ich die junge Frau nicht mehr gesehen habe, seit sie aus dem Kibbuz weggezogen ist. Sie sind eine große, warmherzige Familie, die Urgroßeltern leben auch hier, und außer der Mutter auch ihre beiden Schwestern mit ihren Männern, ihren Kindern (Ys. Generation) und Enkeln, die wiederum mit meinen Kindern befreundet sind.

Ich bin entsetzt und kann mir die junge Frau mit den strahlenden Augen gar nicht als junge Witwe denken. Und die Kinder.

Shlomo Artzi… mehr brauchen wir nicht September 10, 2008, 10:22

Posted by Lila in Muzika israelit.
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Ich höre beim Arbeiten Musik und dachte, ich teile mal ein bißchen.

ANACHNU LO TZ’RICHIM
ET HAGESHEM

Kvar yavshu eineinu mid’maot,
ufinu kvar notar ilem mekol.
Mah od nevakesh, emor mah od?
Kim’at bikashnu lanu et hakol.

Et hageshem ten rak be’ito,
uva’aviv pazer lanu prachim,
veten sheyachazor shuv leveito,
yoter mizeh anachnu lo tz’richim.

Kvar ka’avnu elef tzalakot,
amok bifnim histarnu anachah.
Kaver yavshu eineinu milivkot –
emor shechvar amadnu bamivchan.

Et hageshem ten rak be’ito,
uva’aviv pazer lanu prachim,
veten lah lihyot shenit ito –
yoter mizeh anachnu lo tz’richim.

Kvar kisinu tel ve’od echad,
tamanu et libeinu bein broshim.
Od me’at tifrotz ha’anachah –
kabel zot kit’filah me’od ishit.

Et hageshem ten rak be’ito,
uva’aviv pazer lanu prachim,
veten lanu lashuv velir’oto
yoter mizeh anachnu lo tz’richim.

WE DON’T NEED
GIVE US RAIN

Our eyes are already dry from the tears
and our mouth is left mute of sound,
Tell me, what else can we ask for,
we have already asked for everything,

Give us rain in it’s due time,
and scatter flowers for us in the spring,
And let him come back to his home,
we don’t need more than that.

We have already hurt a thousand scars,
and we hid a sigh deep inside,
Our eyes are dry,
please tell us we passed the test.

Give us rain in it’s due time,
and scatter flowers in the spring,
Let her be with him again,
we don’t want more than that.

We have already covered one grave and another,
We’ve buried our heads among the gum trees,
In a minute the sigh will burst out,
accept it as a personal prayer.

Give us rain in it’s due time,
and scatter flowers in the spring,
And let us return and see him,
we don’t want more than that.

Richtig erkannt, September 8, 2008, 16:38

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ich bin griesgrämig. Zu viel zu tun. Gut, ich bin viel zuhause, das ist ja eigentlich schön, und ich genieße es, jeden Tag für die Kinder fein zu kochen. (Gestern stand Secundus glücklich vor dem Herd, schnupperte herum und meinte: „das ist einfach vollkommen – aus der Schule kommen und mein Lieblingsessen wartet“. Ich habe natürlich sofort Schuldgefühle, daß ich das allzuoft nicht bieten kann und die Kinder sich mit dem Fraß aus dem Dining Room begnügen müssen.)

Aber ich habe so lange Listen von Sachen, für die ich Idiot mich verpflichtet habe, daß ich heulen könnte. Was hab ich mir eigentlich dabei gedacht, als ich immer gesagt habe, „ja klar mach ich das“??? Vor schlechtem Gewissen, weil ich nicht mit allem hinterherkomme, schlaf ich schlecht. Das macht griesgrämig und verbessert keineswegs meine Arbeitsleistung.

Bitte, wenn ich auf Mails nicht oder zu spät oder kurzangebunden antworte: nicht böse sein. Ich weiß ja, daß andere Leute noch viel mehr zu tun haben als ich, aber ich habe einfach das Gefühl, ich splittere meine Arbeitskraft in zu kleine Stücke auf. Und ich bin nicht so tüchtig wie andere, die mit Leichtigkeit viele Dinge auf einmal machen.

Wie lehnt man eigentlich höflich, doch bestimmt ab? Bin ich blöd, daß ich das nicht kann? Ich denke immer: nächstes Jahr freust du dich, wenn du da ein warmes Plätzchen hast. Aber das stimmt gar nicht, auch nächstes Jahr verfluche ich die viele Arbeitslast. Bei Y. wird es auch von Jahr zu Jahr mehr, der brave Mann (der viel tüchtiger ist als ich und der jeden Moment des Tags sinnvoll füllt) steigt unaufhaltsam auf, aber ich würde eigentlich gern kürzer treten.

Oh Mann, ich hoffe, nächstes Jahr passiert mir das nicht mehr. Erinnert mich dran, tov???

Suche: Stimmungskiller September 8, 2008, 16:29

Posted by Lila in Persönliches.
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Falls man mal in die Verlegenheit kommt und einen Stimmungskiller such: das Thema Naher Osten eignet sich wie kein zweites, ein gemütliches Beisammensein in Nullkommanichts ungemütlich zu machen. Oh, überhaupt, alles was mit Juden zu tun hat.

Also, wer ein paar soziale Kontakte loswerden will oder sich unbeliebt machen will – versucht mal, Israel zu verteidigen.

Nichts zu danken für den Tip, der Eine der Andere mag ihn schon selbst ausprobiert haben.

Römer, Barbaren und andere September 4, 2008, 23:24

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Kunst.
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Wir waren in Bonn in der Ausstellung „Rom und die Barbaren„. Im Laufe der Jahre haben wir da schon viele gute Ausstellungen gesehen – unvergessen die schöne Ausstellung über griechische Klassik und den Begriff der Klassik. Da war ich damals mit Primus allein, der hatte gerade Griechenland in der Schule gehabt (war nach dem 6. Schuljahr) und wir waren total begeistert. Vor zwei oder drei Jahren, die Vatikan-Ausstellung war sehr schön, und obwohl ich leider die über französische Kunst im 17. Jahrhundert verpaßt habe, hab ich mir den Katalog gekauft. Und letztes Jahr die Ausstellung über Ägypten…

Kurz und gut, wir haben es gewagt und sind mit den Kindern reingegangen, obwohl wir wußten, daß die Ausstellung sehr abstrakt konzipiert ist. Funde, Karten und Texte. Keine Rekonstruktionen, kaum Illustrationen zur Erklärung, kaum Alltagsleben. Da muß man sich schon reindenken können, um die Ausstellung zu genießen.

Glücklicherweise klappte das ohne Probleme. Die Mädchen nahmen einen Audio-Guide für Kinder, und zu meinem Erstaunen sah ich nicht nur meine bildungsbeflissene Tertia, sondern auch die rastlose Mücke Quarta mit dem Hörer am Ohr. Die müssen irgendwas können, das ich nicht kann, diese Dinger. (Tertia war so begeistert, daß sie ein paar Tage später mit meiner Tante allein in die Langobarden-Ausstellung ging. Meine Tante war natürlich entzückt. „Das ist doch unser Kind!“)

Meine Mutter holte sich ebenfalls einen Audio-Guide, aber für Erwachsene, wir anderen gingen ohne. Dann guckte ich mir die Kinder an. Die Mädchen guckten sich vor allem Porträtskulpturen an und Schmuck. Primus zog es magisch zu allem, was Schwert und Waffe war. Ich dagegen liebe alles, was mit Grab und Tod zu tun hat, und konnte mich kaum vom Sarkophag losreißen.

Irgendwann fanden wir uns alle vor einer großen Präsentation wieder, auf der eine animierte Landkarte den Zug der Völker nachzeichnete. Die Kinder setzten sich um mich herum: Mama, erklär. (Neben uns saß ein Oberlehrer, der seiner Frau alles erklärte, wie Traugott Nägele, und sie hörte ergeben zu. Daraufhin wechselte ich ins Ivrit, um mir keine Korrekturen einzufangen).

Sie wollten wirklich alles wissen, aber mein Wissen über die Zeit der Völkerwanderung gründet nun einmal fest auf Felix Dahns Kampf um Rom und ein paar Kursen über die Kunst der Zeit, Sutton Hoo und so. Ich kratzte also alles zusammen, was ich wußte, und erzählte es den Kindern. Wir ließen zwei Durchgänge lang die Völker vor uns hektisch herumziehen, zögern, sich ballen, in andere Gegenden vorstoßen, sich Schlachten liefern und nach einiger Zeit weiterziehen. Und das große römische Imperium, das so eindrucksvoll gewesen war, schrumpfte immer weiter zusammen.

Dann fragten die Kinder, was zu der Zeit denn in Eretz Israel los war, das ja unbeachtet am Rande des Imperiums lag. Falls es da eine Völkerwanderung gegeben hat, war sie jedenfalls nicht auf der Karte verzeichnet. Da war wohl Ruhe. Na ja, außer daß die Juden in den Jahren nach der Vertreibung sich eben in anderen Ländern angesiedelt haben und langsam ostwärts gezogen sind. „Das gucken wir zuhause mal nach, Kinder“. (Hätte Dahn nicht was zu dem Thema schreiben können???)

Und wo die Völker denn jetzt sind, die Awaren, Gepiden, Ost-und Westgoten und Langobarden? Ja, die gibt es nicht mehr. Und die Franken, Sachsen und Angelsachsen gibt es zwar noch als Bezeichnung, aber ihre Identität hat sich verändert. Und dann dachte ich mir so: eigentlich sind die Juden sich tatsächlich am treusten geblieben. Sie waren damals schon zerstreut, und waren schon kein junges Volk mehr. Sie nahmen ihre Thora und ihre Vorschriften und ihre Lebensweise und ihre Identität mit. Und bewahrten sie auf, bis sie wieder zurückziehen durften. Schon eine verrückte Sache.

Als ich das aussprach, fragten die Kinder: aber Mama, sind wir denn auch Barbaren? oder was sind wir? Ja, Kinder, ich weiß es auch nicht. Also Römer sind wir alle nicht, und darum nach Ansicht der Römer sowieso Barbaren. Aber ich weiß nicht, ob die Juden auch unter die Bezeichnung Barbaren fallen, denn oft werden damit nicht alle Nicht-Römer bezeichnet, sondern besonders die germanischen Stämme, die Rom bedrohten, angriffen und letztendlich zu Fall brachten.

Die Juden haben die Römer zwar auch genervt und sich nur teilweise kolonisieren lassen. Aber Rom bedroht haben sie nicht. Also, meine Kinder sind nur halbe Barbaren. Und halbe Juden. (Wie Juden sagen würden: leider die falsche Hälfte!)

Ein paar Tage später waren wir auf dem Tag der Archäologie in Rödingen. Dort wird jährlich ausgestellt, was bei der (vollkommen barbarischen) Braunkohlen-Buddelei ans Licht kommt. Das Schöne: die Funde sind aus ganz verschiedenen Zeiten. Steinzeit – Römer – Mittelalter. Das war für die Mädchen sehr verwirrend, sie können nicht so leicht über ein paar Hundert Jahre wegspringen und begreifen, was sich da verändert hat.

Ich habe mir zur Erinnerung das Replikat eines kleinen Hausaltärchens gekauft, das in Köln gefunden wurde. Es ist römisch, so aus dem 2. Jahrhundert, ganz schlicht gemacht, und stellt Venus dar. Ganz ähnliche Hausaltärchen stehen auch in israelischen Museen, weil die Römer ihre Kultur und Kultformen überallhin mitgebracht haben. Die plumpe kleine Venus erinnert mich daran, daß wir in gewisser Hinsicht alle Römer sind, ob Juden oder Barbaren, und daß ich einerseits sehr weit weg vom „jrüßten Loch der Wellt“ wohne, andererseits aber auch gar nicht. Deswegen mußte ich sie einfach mitnehmen, wenn ich auch noch nicht weiß, wo ich sie hinstellen soll.

Valete.

Ja, ja, September 3, 2008, 0:29

Posted by Lila in Bloggen.
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ich bin wieder da, schon ein paar Tage, und schleiche um das Internet mit allem, was dranhängt, ein bißchen herum. Ich habe einfach solche Stapel von Arbeit, daß für wenig anderes Zeit übrig ist, und da das meiste davon zuhause stattfindet, verwöhne ich auch die Kinder und Katzen ein bißchen.

Der Urlaub war schön, intensiv, interessant. Wir sind ja diesmal in wechselnden Besetzungen zu verschiedenen Zeiten unterwegs gewesen, was ich ja gar nicht mag. (Aber nicht Y. verraten, der so einen genialen Plan ausgeklügelt hat, nur damit unsere Katzen nicht einen Tag allein zuhause bleiben müssen!) Mir ist es ja am liebsten, wenn wir alle um einen Tisch sitzen. Das war also diesmal nicht.

Ein paar Tage war ich sogar ganz allein in Amsterdam und den Haag unterwegs. Ich bin ja so veranlagt, daß ich immer denke, „das kann ich nicht“, wenn ich etwas eine Weile nicht mehr gemacht habe. Egal wie lächerlich es ist, mir fehlt da jede Phantasie. Und so denke ich auch: mich in unbekannten Städten allein zurechtfinden, Taschen allein schleppen, alles allein machen, kann ich das überhaupt noch? Ich bin ja so gewöhnt, im Gespann zu gehen, jeden Eindruck sofort zu teilen, und ich verlasse mich viel zu blind auf Y.s Orientierungssinn.

Nun, es ist noch alles in Ordnung, ich bin mit dem Alleinsein gut zurechtgekommen. Ich habe halt mit mir selbst gesprochen und ansonsten genossen, mir eine Stadt allein zu erlaufen. Einfach nur stundenlang rumgelaufen und geguckt. Ich gehe allein auch nicht essen, höchstens mal einen Kaffee trinke ich in einem Museumscafe. Ich habe entdeckt, daß heutzutage in niederländischen Supermärkten alle möglichen Single-Mahlzeiten verkauft werden, zum Beispiel fertige, frische Salate und Obsalate, und die habe ich dann auf einer wunderschönen Parkbank verzehrt.

Ich fühle mich in den Niederlanden einfach sehr wohl, vielleicht, weil ich schon als Kind so oft da war, bei Verwandten, weil ich nah an der Grenze aufgewachsen bin, mehrere meiner Freundinnen niederländische Mütter hatten, oder einfach so? Ich habe abends im Hotelzimmer, um mich nicht allein zu fühlen, die Übertragung der olympischen Spiele angehört, natürlich auf Nederlands. Mich macht beim deutschen Fernsehen, wie mir diesmal ganz stark auffiel, die völlig verkorkste Betonung von nebensächlichen Wörtern wahnsinnig, die sich eingebürgert hat. „… an diesem Tag in dieser Stadt bei gutem Wetter eine Goldmedaille zu gewinnen…“ Achtet mal drauf, kein Mensch spricht so, es würde mich verrückt machen, das jeden Tag zu hören. Also, da ist mir Nederlands lieber. Ich habe gegen Ende selbst angefangen, niederländische Brocken zu benutzen.

Ach, und das Wetter. Ich muß doch nicht sagen, wie bitter es war, von der herbstlich-melancholischen Stimmung im Garten meiner Mutter, der wunderbar frischen Luft und den dramatisch geballten Wolken wieder zurückkatapultiert zu werden, in den Sommer in seiner schlimmsten Form? Schwülheiße Nächte, grelle Tage, und wenn man nicht genau unter der Klimaanlage sitzt und sich nicht körperlich anstrengt, ist man in Schweiß gebadet. Meine Mutter meinte, sie merkt mir richtig an, wie ich aufblühe, wenn ich die Auswirkungen des israelischen Sommers hinter mir lasse. Ich hoffe, der Winter entschädigt mich dieses Jahr großzügiger als letztes Jahr.

Die Schule hat wieder angefangen, und für Primus ist es seltsam, nicht mehr hinzugehen. Seine Freunde sind teils schon bei der Armee, teils in einem freiwilligen sozialen Jahr, und nur noch wenige sind im Kibbuz und arbeiten, wie er. Er arbeitet im Dining Room, wo es für seine jugendlichen Kräfte nicht genügend Spielraum gibt, und ist noch immer oft zuhause. Wohl auch, weil es in seiner kleinen Wohnung sehr heiß ist. Auch mit dem von Mama und Abba gespendeten Air Cooler wird es nicht richtig angenehm.

Secundus ist in der 11, Tertia in der 10 und Quarta schon im vierten Schuljahr! Das ist wirklich unfaßbar. Ich glaube, ich habe mit Bloggen angefangen, als sie noch im Kindergarten war.

Die Kinder haben meine Ehre als deutsche Mutter gerettet und in Deutschland tadelloses Deutsch gesprochen, auch Primus, dem die Umstellung diesmal am schwersten fiel. Tertia, die in Israel kein Wort Deutsch spricht, spricht fast völlig akzent- und fehlerfrei. Secundus traut sich mehr zu, auch wenn er weniger akzentfrei spricht. Er genießt es, mit meiner Mutter Einkäufe zu machen und von der Metzgersfrau und dem Fischkerl als „der junge Mann“ bezeichnet zu werden. „Der junge Mann trägt das schon!“ Na klar.

Auch Quarta ging mehrmals mit und kam begeistert wieder: „Mama, ich hätte mich beim Einkaufen schon sattessen können! Beim Metzger haben sie mir Fleischwurst geschenkt, auf dem Markt ne Banane und beim Bäcker ein Brötchen!“ Ja, das sind die netten rheinischen Geschäftsfrauen.

Mir ist aus meiner Kindheit noch deutlich der Milchmann in Erinnerung, der mit dem Wagen kam. Man ging mit Mamas hellblauer Milchkanne hin, ließ sie sich füllen und wurde dann gefragt: „Liebschen, willste en Klümpschen?“ Das waren so flache weiße toffee-ähnliche Dinger, ähnlich wie die Kamelle zu Karneval. Ich habe immer ja gesagt und mich gewundert, wie man Bonbons „Klümpchen“ nennen kann.

Secundus meint auch, daß das Fleisch viel besser ist in Deutschland, klar, da ist es ja nicht koscher. Er hat sich auch bei meiner Mutter abgeguckt, Sahne in die Fleischsauce zu tun, was ich vermeide, seit ich in Israel lebe – ohne jüdisch oder gar koscher zu sein. Es kommt mir einfach seltsam vor. Er lacht mich aus, wie Kinder ihre inkonsequenten Eltern auslachen. Wenn ich sonst nicht koscher lebe, warum dann die Scheu, Sahne ans Fleisch zu gießen? Keine Ahnung. Aber ich habe ja sowieso Scheu vor Fleisch.

Ja, was war sonst noch? Ich bin erkältet wiedergekommen und noch nicht ganz drüber weg. Irgendwie noch matschig in den Nebenhöhlen.

Meine liebste Freundin mit dem Baby hat eine schwere Postpartum-Depression und ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll. Bei mir war der Übergang in die Mutterschaft ja vollkommen problemlos und von starken positiven Gefühlen begleitet. Ich habe sie aus dem Urlaub oft angerufen. Sie hat mich gebeten, in jeder Kirche für sie zu beten und alle Menschen, die beten, um Gebete für sie zu bitten. Was ich hiermit mache.

Ist es nicht seltsam, daß der katholische Brauch, die Kirchen stets offen zu halten und Kerzen anzuzünden, sogar auf eine gute Jüdin wie meine Freundin anheimelnd wirkt? So daß sie mich, eine nicht sehr gute Protestantin, darum gebeten hat, Kerzen für sie anzuzünden. Ich habe es auch gemacht. Ich habe ja so viele katholische Gottesdienste mitgemacht, als ich jung war, daß sich katholische Kirchen nach wie vor heimatlich anfühlen. Meine Freundin bittet um Gebete von Menschen aller Religionen, weil diese Depression wohl eine furchtbare Qual ist und sie sich gar nicht richtig um die Kleine kümmern kann, geschweige denn, sie genießen. Ich habe sie noch nicht besucht, weil ich noch erkältet bin und sie nicht anstecken will.

Ja, das war´s fürs erste. Wie aufmerksame Leser sehen, habe ich mich noch nicht an Alltags-Zeiten gewöhnt. Hier ist es halb zwei nachts. Und morgen muß ich wieder früh raus!

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