jump to navigation

Sehr deprimierend November 8, 2013, 16:53

Posted by Lila in Deutschland, Persönliches, Presseschau.
trackback

Kerry und Obama fallen den Iranern in die Arme. Europa freut sich, wieder ungestört Geschäfte mit ihnen machen zu können. Iran droht Israel weiter, doch keiner nimmt Notiz davon. Die Iraner haben die Gunst der Stunde genutzt, den Machtwechsel, um ihre Maske zu wechseln.

Israel bleibt bedroht, die Iraner werden in Gnaden in die internationale Gemeinschaft wiederaufgenommen und können ungestört ihre Pläne weiterverfolgen.

Wenn sie uns bombardieren, wird es mit in Deutschland gekauften Waffen sein, mit deutscher Hilfe entwickelten Waffen.

Gleichzeitig wächst in Deutschland der Antisemitismus – von der Tiefe (wo er immer schon war) an die Oberfläche. Er schlägt gewissermaßen durch. Mit den Daten konfrontiert, schlägt der typische Deutsche sofort zurück: aber man wird doch wohl noch sagen dürfen… gerade als Freunde Israels… Kritik an der Politik Israels ist doch kein Antisemitismus… Kurz: Antisemitismus kommt in ihrem Weltbild nur in Keulenform vor.

Beklemmend, trübselig, beängstigend.

Auf Verständnis dürfen wir nicht hoffen. 

Sehe ich zu schwarz? Mag sein. Aber darauf müssen wir uns vorbereiten.

Wie froh bin ich, nicht in Deutschland geblieben zu sein, obwohl es dort und nur dort mein Lieblingsshampoo gibt. Aber ich komme lieber mit minderwertigen Alternativen für mein Haar klar als in dieser Atmosphäre zu leben, in der beim Wort Israel den Leuten die Adern schwellen vor selbstgerechtem Zorn. Und ich bin froh, daß im Moment keines meiner Kinder eine Zukunft in Deutschland plant. Es tut mir leid, wenn jemand das nicht gern hört, aber ich lebe lieber unter der Bedrohung durch die iranische Bombe als unter Menschen, die diese Bedrohung für ein lächerliches Hirngespinst zu Propagandazwecken halten.

Weil sie Israel (sprich: den Juden) grundsätzlich alles zutrauen.

Kommentare»

1. janina2212 - November 8, 2013, 17:09

Welches ist denn Dein Lieblingsshampoo? (ja, geht am eigentlichen Thema völlig vorbei, aber mehr als zustimmen hätte ich nicht kommentieren können)

2. Lila - November 8, 2013, 17:23

Balea braun. Wir schleppen immer Massen von Balea-Shampoos und Spülungen nach Israel, aber die Mädchen klauen mir immer meins. 😦

In Israel gibts kein dm und kein anständiges Lakritz und kein vernünftiges Roggenbrot (letzteres neuerdings leichter zu finden, aber immer noch selten.)

Und doch – selbst diese gewichtigen Faktoren lassen Deutschland nicht verlockender aussehen.

Es würde mich ja mal interessieren, was die Israelis in Berlin dazu sagen, aber ich habe nicht mehr die Möglichkeit, sie zu fragen…

3. Jack - November 8, 2013, 20:24

Kerry und Obama fallen den Iranern nicht die Arme. Auch dann nicht, wenn Du das schreibst. Für wie doof oder ahnungslos hältst Du eigentlich die Leute? Wie willst bzw. würdest Du denn vorgehen wollen?

Siehst Du?!
So einfach ist das nämlich nicht.

In Israel leben Menschen und im Iran auch. Und um die geht’s. Die einen Menschen ‚müssen‘ unter der Bedrohung und die anderen ‚müssen‘ unter den Sanktionen leben. Aber im Grunde wird von denen niemand gefragt, ob sie das überhaupt wollen, auch wenn die beiden Fragen besonders auf israelischer Seite rein rhetorisch sind. Das Problem ist doch, das im Iran die Menschen nicht wählen können wie sie wirklich wollen. Keine Ahnung, was sie dann wählen würden, aber Krieg oder die Vernichtung Israels … keine Ahnung, aber da habe ich meine Zweifel, ob das der Mehrheit der Menschen dort so wichtig wäre, mal ganz plump gesagt.
Und das nenne ich dann schon eher Politik. Und ich glaube Kerry und Obama auch. Dass man damit Israels berechtigte Bedenken einfach beiseite schiebt ist für mich nicht erkennbar. Im Gegenteil. Es gilt ja den Bau zu verhindern und eine Perspektive zu errichten. Und Du ahnst es: Einfach ist das nicht, aber unumgänglich. Auch wenn von mir leicht gesagt. Aber das ist der Kern und das Komplizierte ist drumherum.

4. Lila - November 8, 2013, 21:09

Hast Du die Doku gesehen, die ich verlinkt habe?

Hast Du das letzte Interview mit Sarif gesehen, wo er offen sagt, daß Iran nur wenig Zugeständnisse zu machen bereit ist, aber das Maximale an Zugeständnissen rausholen wird?

Da kann man sich doch nicht damit rausreden, daß alle Menschen doch eigentlich nett sind…

Die Sanktionen sind doch schon gelockert – ohne das geringste Entgegenkommen der Iraner.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4451132,00.html

Und hier Zarif:

“Iran demands respect and equal footing [that is] only done when you are prepared to accommodate the other side without trying to impose your views,” continued Zarif.

We want to see a situation where Iran’s right to the peaceful use of nuclear energy, including enrichment on Iranian territory, is respected and at the same time all sanctions are removed,” he said.

Win-win für die Iraner. Kein Wunder, daß sie grinsen.

5. willow - November 8, 2013, 21:22

Nun Jack, nicht alle sind so optimistisch, was das Verhalten des Irans angeht … irgendwie empfinde ich das Entgegenkommen des Friedensnobelpreisträgers gegenüber den Mullahs fast als ein trotziges „jetzt habe ich im Orient schon derartig viel Porzellan zerschlagen, derart viele Verbündete brüskiert, jetzt kommt es auch nicht mehr drauf an … “ 😦

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1473845/Pakistanische-Atomwaffen-fuer-die-Saudis

6. nussknacker56 - November 8, 2013, 22:18

Lila,

leider fällt mir nur wenig ein, was Ihren Eindruck mildern könnte. Vielleicht eines: Nach meinem Eindruck sind zumindest die USA keineswegs überzeugt davon, dass der Iran seinen wohlfeilen Worten Taten folgen lässt. Bei der ganzen gegenwärtigen Schmierenkomödie, u.a. mit dieser unsäglichen Catherine Ashton, dürfte einiges diplomatischen Gepflogenheiten geschuldet sein. Außerhalb Europas hat man einen deutlich nüchternen Blick auf die Dinge. Da schließe ich übrigens auch Obama, den ich noch immer für einen der fähigsten US-Präsidenten halte, mit ein. [:D]

Zu Deutschland. Hier sieht es trübe aus. Ich selber kenne nicht einen einzigen Menschen in meinem Bekanntenkreis, der die israelische Position historisch einigermaßen korrekt zu benennen und einzuordnen in der Lage ist. Aber so gut wie alle wissen genau, dass Israel die Palästinenser … bla, bla, bla. Ich bin schon froh, wenn sich wenigstens ein paar halbwegs „neutral“ verhalten. Was tun? Ich weiß es nicht. Außer: sich an das Prinzip Hoffnung klammern.

Morgen ist der 9. November. An meinem Wohnort findet eine Gedenkveranstaltung statt. Ich werde trotz meiner wachsenden Skepsis hingehen. Auch wenn mir bewusst ist, das das bloße Gedenken an die Opfer weniger denn je ausreicht. Doch bei wem sonst könnte ein erweitertes Nachdenken die Folge sein, wenn nicht bei denen, die wenigstens in einer einfachen Form zeigen, dass ihnen nicht alles egal ist?

7. schum74 - November 9, 2013, 2:49

Bin bei Rungholt, ezlech, liebe Lila: ein Grund zur Freude – und zu Dank für Deine Mühe um jeden von uns. Doch bei deiner präzisen Beschreibung der chamberlainschen Lage in den hohen Machtsphären fehlt mir der Übermut, in ein jesch! hurra! auszubrechen, als hätte Maccabi Tel Aviv Bayern München 5 zu 0 geschlagen.

Doch was auch immer geschieht: Ich vertraue darauf, daß es einen Rest von uns immer geben wird, ein scheerit ha-pleta, wünsche allerdings, nicht dazu zu gehören.

Trübe Gedanken zu schabbes, darf man nicht haben, darf man heute so einiges nicht, ich weiß.

Schum – bar jeder Zahl

8. Paul - November 9, 2013, 3:08

Nachdem mir klar geworden ist, Ruth aus Beer Sheva sei Dank, dass Israel durch Erpressung gezwungen wurde, erneut rechtskräftig verurteilte Mörder vorzeitig frei zu lassen, sehe ich auch in der Angelegenheit der „Friedensbemühungen“ Israel ständig erpresserischem Druck ausgesetzt und zwar auch von Staaten, wie den USA, die Israel andererseits finanziell stark unterstützen.

Es scheint sich unter den Völkern herumgesprochen zu haben, dass Araber sich nicht erpressen lassen. Sie gehen nicht nur in der Außenolitik über Leichen, sondern auch in der Innenpolitik.
Das Wohl der Bevölkerung ist den Regierungen arabischer Staaten völlig egal. Durch die Blockade wird die einfache Bevölkerung in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt und nicht die Regierenden.

Deshalb versucht man es nicht ernsthaft auf die Araber einzuwirken, um eine Deeskalation zu erreichen..
Aber mit Israel kann man es ja machen.

9. Jack - November 9, 2013, 10:20

Ne Lila, man kann sich aber auch nicht dauernd einreden, dass alle Menschen soundso schlecht sind.

Noch mal plump von mir dahergesagt: Was oder wen interessiert Zarif? Soll er doch seinen Scheiss labern, wenn ihn das glücklich macht. Ist der überhaupt vom Volk gewählt worden? Und was glaubst Du was Obama dann macht? ‚Ja, Zarif, machen wir so wie Du möchtest‘, oder wie?

Leute wie Zarif sind m.E. Typen die sich nach vorne drängeln und laut rumkacken. Aber was ist mit all den Leuten dahinter, die auf so was keine Lust haben? Und auf Zarif soundso nicht. Im Iran haben dieses anderen Leute so gut wie kein Forum und wenn, dann laufen sie Gefahr einfach zu verschwinden oder drauf zu gehen. Aber diese Leute sind da und die fragen und sagen sich: ‚Was habe ich mit Israel zu tun? Den USA? Gar nichts. Was haben ich mit der politischen Größenwahn-Führung meines Landes zu tun? Gar nichts. Aber ich muss trotzdem die ganze Scheissen auslöffeln‘.
Verstehst Du, wenn Du nicht aufpasst schieben diese Leute irgendwann wirklich die Hasskappe auf alles und jeden, und das würde mir und Dir und allen anderen sicherlich nicht anders ergehen. Deswegen möchte ich ein viel deutlicheres Gehör immer auch für diese Leute: Die Vernünftigen und nicht die lauten Dauer-Irren.

Verstehst Du? Ich steh auch nicht auf all die irren und lauten Internet-Kommentatoren die da rumpupen, die aber mit Sicherheit nicht die Mehrheit repräsentieren. Habe ich Dir ja schon tausendmal gesagt. Aber Du hängst denen offenbar (nach wie vor) an den Lippen. 🙂

Und mal davon abgesehen, ich glaube nicht, das es noch viele Möglichkeiten gibt eine kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Iran zu verhindern. Und wenn denn doch noch Möglichkeiten ‚erscheinen‘, dann sollten man diese unbedingt noch einmal nutzen. Denn wie gesagt, viele andere Gelegenheiten werden sich voraussichtlich nicht mehr ergeben. Da bin ich dann doch wieder ganz real(politisch).

Richard Schneider, mein Liebling vor allen anderen, hat’s aktuell ziemlich gut und passend beschrieben.
http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2013/11/08/kristallnacht-muenchen-38-und-der-zweite-holocaust.html
Ihn, König Richard, wünsche ich mir nach wie vor in die Politik zu gehen. Und bloß nicht mich oder Dich, Lila. 🙂


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s