jump to navigation

We cease, they fire Juli 15, 2014, 12:33

Posted by Lila in Deutschland, Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute, Persönliches, Uncategorized.
trackback

Immerhin hat die Hamas diesmal ehrlich gesagt, daß sie an einer Feuerpause nicht interessiert ist.

Israel hat das Feuer eingestellt, die Hamas feuert weiter.

Ob das manchen zum Nachdenken bewegen kann, der bisher immer geglaubt hat, daß Israel der Angreifer ist – oder zumindest genauso aggressiv wie die Hamas? Ich muß sagen, daß ich in den letzten Tagen mehr und mehr Artikel in deutschen Medien gelesen habe, die tatsächlich erkannt haben, wie groß der Unterschied ist.

Die Hamas feuert bewußt ihre größeren Raketen ab, die bis in die Nähe von Haifa kommen.

Diesmal gab es also auch in unserem alten Kibbuz Alarm…. wo Secundus lebt, meine Schwiegermutter und meine beste Freundin. Kein Fleckchen mehr, außer vielleicht der Gegend um Tiberias, wo es noch keinen Alarm gab.

Y.s Mutter lebt seit vielen Jahren mit einem sehr netten, aber auch ziemlich kranken Mann zusammen. Einen mamad haben sie nicht, darum haben sie sich in das kleine Zimmer mit den wenigsten Fenstern begeben, über ihnen eine Gipsdecke, ein paar Balken und Ziegel. Nicht sehr solide. Sie haben die zehn Minuten damit verbracht, sich zu streiten: er wollte, daß meine fitte Schwiegermutter zum Luftschutzbunker sprintet, der für ihn nicht erreichbar war – sie hat das weit von sich gewiesen und gemeint, sie bleibt bei ihm. Nein, das war ihm nicht recht. So gingen die zehn Minuten vorbei.

Meine Freundin war in dem Bunker, den meine liebe Schwiegermutter verschmäht hat. Er liegt bei den Kinderhäusern (die eigene Bunker haben), und sie hat unterwegs viel Kinderweinen gehört. Die Kinder hatten Angst.

Secundus war mit seinen Kollegen in einem anderen Bunker, mit denen der Kibbuz ja gesegnet ist. Normalerweise probt dort eine Band. Zwischen Gitarren, Schlagzeug und Mikrofonen haben sie abgewartet, bis der Alarm vorbei war.

Ich erzähle Secundus, daß ich den Livestream vom WM-Triumphzug in Berlin gucke. Im Hintergrund höre ich die Freudengesänge. Secundus ist natürlich sehr stolz auf den großen Erfolg, er war ja schon ein Schweinsteiger-Fan, als der noch in der Jugendmannschaft spielte. Wir unterhalten uns kurz, dann muß er weiterarbeiten.

Nie, nie, nie ist mir der Abgrund größer vorgekommen zwischen meiner alten Heimat und meiner neuen. Ich freue mich über den Jubel auf den Straßen von Berlin und freue mich über den sportlichen Erfolg und darüber, daß die sympathische Mannschaft überall nicht nur mit Toren, sondern auch mit Charakter gewonnen hat. Ich gönne es allen, die dort jubeln. Freu mich ja mit und bin wie eine Verrückte vom Sofa gesprungen, als Götze das Tor geschossen hat.

Wir leben so anders, so anders. Wie würde ich so einen leichtherzigen, frohen, stolzen Jubel mal den Israelis gönnen. Was uns verbindet, sind Momente der überwältigenden Trauer oder Sorge oder der Bewährung in schweren Stunden. Das schweißt auch zusammen, wenn man in Trauer zusammen singt. Aber vor lauter Freude – das muß schön sein.

Kommentare»

1. “Waffenstillstand” | Kinder, Katzen und Kakteen - Juli 15, 2014, 13:36

[…] Fazit: We cease, they fire. […]

2. Jürgen - Juli 15, 2014, 13:49

Mal ein interessanter Artikel aus palästinensischer feder – da sieht man mal, dass Bildung eben doch nützt: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article130098694/Hamas-wuenscht-sich-Tote-auf-der-eigenen-Seite.html

3. Underdog - Juli 15, 2014, 15:22

Wenn die Deutschen stolz jubeln rinnt mir immer so ein absolut nicht wohliger Schauer die Wirbelsäule runter…

4. Lila - Juli 15, 2014, 16:30

Ja, aber wenn ich mir dann wieder durchlese, was diese Jugendlichen dazu zu sagen hatte, finde ich das eigentlich ermutigend.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/deutschland-ist-weltmeister-jugendliche-ueber-nationalstolz-a-980908.html

Jede Art Jubel, die sich über andere erhebt oder lustig macht, finde ich unangebracht und unschön. Aber sich einfach über eine schöne sportliche Leistung freuen – das finde ich normal. Und da ist dann auch die Nationalität egal.

Vielleicht ist ja nächstes Mal eine kleine Mannschaft, die noch nie gewonnen hat, ganz oben dabei? Kolumbien, Costa Rica…? Das wäre doch mal schön.

5. rudolf1611 - Juli 15, 2014, 16:45

Ich möchte Deine Aussage am Ende etwas relativieren.
Freilich, ich rede mir leicht, lebe in vollständiger Sicherheit und im Frieden.
Auch sei es den jungen Leuten vergönnt, bei solchen Gelegenheiten mal völlig auszurasten. Trotzdem wirkt das auf mich doch alles recht unreif und kindisch.
Angefangen mit diesem Massenauflauf und dem gemeinsamen Gegröle, das ist nicht jedermanns Sache.
Freude ist mehr und wertvoller als das. Wirkliche Freude spielt sich im Innern ab.
Gerade wenn Du die Leistung der jungen israelischen Soldaten und Soldatinnen hervorhebst und man hier das oft kindische, oberflächliche und egozentrische Verhalten der Menschen beobachtet, dann beneide ich die israelische Jugend auch wiederum.
Das was Israel in der Auseinandersetzung mit seinen Feinden leistet, ist mehr als der Gewinn einer Weltmeisterschaft im Fußball.
Trotzdem bleibt selbstverständlich das Ziel, in Frieden und ohne Bedrohung leben zu können. Und die Sehnsucht danach ist verständlich.
Doch wenn Israel erfolgreich ist, dann sei die Fußball-Weltmeisterschaft geschenkt.

6. Lila - Juli 15, 2014, 16:52

Ja, man kann es nicht gegeneinander abwägen. Es ist schön, wenn Jugend in Sicherheit und Wohlstand aufwächst – und auch wenn Deutschland heute mehr Probleme hat als vor ein paar Jahren, ist es doch ein sicheres und wohlhabendes Land. Es ist aber auch schön, wenn Jugend lernt, daß es über-individuelle Werte gibt, eine Gemeinschaft, die was für einen tut und für die man dann auch was tut.

Ich hab da mal was Grundsätzliches drüber geschrieben… ich such es mal.

7. Lila - Juli 15, 2014, 16:54
8. Jack - Juli 15, 2014, 17:24

„Vielleicht ist ja nächstes Mal eine kleine Mannschaft, die noch nie gewonnen hat, ganz oben dabei? Kolumbien, Costa Rica…? Das wäre doch mal schön.“

Das hat mir meine Mutter gestern am Telefon auch gesagt. 🙂 Und mein Vater hat im Hintergrund zugestimmt.

Und dann haben wir ueber Israel geredet. Und dann haben sie vom Krieg erzaehlt, wie das war als Kind. Und dass mein Vater, wahrlich kein Hasenfuss, noch heute bei jeder Feuerwehrsirene zusamnenzuckt. Und die schrecklichen Bilder nicht vergisst.

Es gibt keine Alternative zum Frieden. Es gibt kein attraktiveres Modell dazu. Deswegen kommen Menschen nach Europa und riskieren ihr Leben dafuer.

Es muss auf Dauer einen Weg geben, radikale Kraefte anders auszuhebeln als nur mit Hilfe von Waffen. Und ich glaube nach wie vor, dass mehr Menschen dafuer als dagegen zu gewinnen sind. Dafuer braucht man kein Traumtaenzer sein. Menschen sind vom Grunde her nicht so verschieden.

Hamas oder Isis und all solche Leute, ich glaube nicht, dass sie von Dauer sind. Sie sind voruebergehend, weil sie kein attraktives Lebensmodell haben oder jemals haben werden.
Das ist unsere Chance, die wir viel mehr als bisher ergreifen muessen. Immer wieder versuchen positive Anreize fuer Menschen zu setzen. Gerade auch Europa muss viel mehr tun als nur Geld geben und versteckend doof gucken. Und die Grenzen dicht zu machen und die Koepfe dazu.

9. Myriade - Juli 15, 2014, 18:51

@Jack – den Punkt mit dem attraktiven Lebensmodell finde ich sehr gut !

10. Lila - Juli 15, 2014, 19:27

Ja, sehr schöne Idee – aber vollkommen säkular und westlich. Versucht mal, diese Idee in der islamischen Welt zu vermarkten.

Was sind positive Anreize? Warum müssen sie von außen gegeben werden? Warum muß man ihnen schmackhaft machen (Anreiz ist Belohnung, positive Verstärkung), uns leben zu lassen?

Konkrete Ideen, Jack, da warte ich schon lange drauf!

Israel HAT positive Anreize gegeben. Ich weiß nicht, wie oft ich schon die wirtschaftlichen Zentren in Karni und Erez genannt habe – die wegen Terror geschlossen werden mußten. Das hat eine Weile gut funktioniert, arabische und israelische Kooperation und blühende Geschäfte – aber das waren die ersten Ziele, die die Terroristen aufs Korn genommen haben.

Der Widerstand dagegen muß von den Palästinensern selbst kommen, nicht von uns. Echte Veränderungen kommen von innen, aus innerer Motivation, nicht von außen. Anreize sind da nicht grundsätzlich anders als Drohungen und Sanktionen – sie alle verlagern die Motivation nach außen.

Ich glaube nicht mehr daran, daß man von außen tiefgreifende, echte Veränderungen erreichen kann.

11. beer7 - Juli 15, 2014, 19:39

Ich wuerde auch die Frage stellen, inwieweit Europa immer noch ein attraktives Modell ist? Die Werte der Aufklaerung werden zunehmend zugunsten einer politisch korrekten Meinungshoheit aufgegeben. Die Europaeer selber haben nicht mehr genug Vertrauen in die Zukunft, um Kinder zu bekommen und grosszuziehen. Ein spiritueller Hunger wird durch billige Souragouts zu stillen versucht. Junge, orientierungs- udn oft auch arbeitslose Europaeer lassen sich fuer den Jihad in Syrien rekrutieren…

12. sabine - Juli 15, 2014, 21:01

@beer7

Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Ich habe zwei Kinder, 20 und 24, eine an der Uni im Master Geisteswissenschaften, einer grad angenommen an der Uni der Künste in Berlin (seit heute, welche Erleichterung). Ich kenne ihren weiträumigen Freundes-/Bekanntenkreis ganz gut. Möglicherweise sind sie nicht Mainstream, da bin ich als Mutter vielleicht voreingenommen. Sicher gibt es übergenug politisch überkorrekte Jugendliche, deren Idealismus, die Welt zu retten, oft ins Demagogische abgleitet. Was da in diversen Zirkeln abläuft, finde ich beängstigend, man möchte dem nicht ausgesetzt sein. Das Gros an den Unis sieht auf die Karriere, ich bin mir nicht sicher, ob das nicht immer so war. Und die sind oft unangekratzt von Gedanken an gefährliche Entwicklungen, es liegt halt ziemlich in der Zukunft, meinen sie.

Auf der anderen Seite kenne ich viele Jugendliche, oft säkular, weil die Kirchen einfach keine Wege mehr aufzeigen, für die Europa, jenseits des politischen Establishments und den daraus resultierenden Schwierigkeiten, gerade eine Heimat ist, weil diese Werte von außen und innen so bedroht werden. Viele sind desinteressiert, ja, medienbeeinflusst, ja. Aber es gibt genug, die sich furchtbar heimatlos fühlen, weil alles so auseinanderdriftet.
Dürrenmatt, Romulus der Große. Oder Poetry Slams, man muss, wenn man wissen will, wie diese Altersgruppe fühlt, wirklich da mal hingehen.

Ein Punkt, den ich schon oft ansprechen wollte, ist das total versagende Bildungssystem in Deutschland, wenn es grad nicht die naturwissenschaftlichen Fächer betrifft. Man hat mitunter das Gefühl,es ist gewollt, obwohl ich Verschwörungstheorien eher bemüht finde.
Ich kann nur für Sachsen sprechen, weil meine Kinder hier zur Schule gegangen sind. Plus die Erfahrungen meiner Tochter an den Unis in Potsdam und Passau. Das Schulsystem hier versagt völlig, was Geschichte im Allgemeinen und Geschichte des 20. Jahrhunderts im Speziellen betrifft. Ich bin DDR beschult, habe also nicht besonder viel oder differenziert oder überhaupt über die Shoah gelernt, z.B.
Die Mängel waren nicht nur gravierend, sondern klar systemimmanent.

Die Entstehung des Islam, Kalifat (grad ja besonders aktuell) und die Interaktion der islamischen Reiche mit Europa wurden aber gelehrt. Vielleicht erinnere ich mich auch nur daran, weil es mich interessiert hat. Es war nicht einer besonderen Lehrkraft geschuldet, es stand im Stundenplan 6. Klasse, allerdings Mitte der Siebziger. Ich will da nichts beschönigen, nur darauf hinweisen, dass es Kraft kostet, sich über derart grundlegende Dinge allein zu informieren. Sykes-Picot ist hier bei Jugendlichen nicht bekannt. Die Geschichte des nahen Ostens (wie entstand Israel etc.) ist grad mal eine Fußnote, wenn überhaupt, im Geschichtsbuch. Und kommt nicht vor im Religionsbuch, auch nicht in Gegenwartskunde oder wie die Fächer heißen, nicht mal in Geografie, Hauptkonflikt hin oder her.

Meine Kinder besuchten eine katholisch-jesuitische Schule, die wirklich sehr gut war, auch bis 2004 z.B. einen Schulaustausch mit einer Schule in Herzliya hatte, die dann in beidseitigem Einverständnis wegen der Sicherheit aufgegeben wurde. Sie istr auch die einzige Schule in der Stadt, soweit ich weiß, die letzte jüdische Zeitzeugen der Schoah einläd. D.h. die Voraussetzungen waren gut. Dennoch kamen die Impulse zum Thema (meine Kinder sind sehr langmütig) und Hinweise von mir.

Man möge sich die Melange hier vorstellen: 80% der Bevölkerung säkular, d.h. die simpelsten biblischen Geschichten sind unbekannt, dito die Bekanntheit welchen monotheistischen Ritus auch immer. Die mittlere Generation immer noch DDR-geformt. Schulbildung in Bezug auf Israel und Islam niente. Die nichtdeutsche Bevölkerung gegen 3%, schleiertragende Frauen, auch deutsche, im Aufschwung, aber kein Vergleich zu den westlichen Bundesländern. Eine große, schon aus der Vorwende herübergewachsene rechte Szene, die zwar nun wirklich in den Muslimen keine Arierverwandten installieren kann, sie aber gern gegen Israel nutzt.

Die meisten machen sich doch überhaupt nicht klar, ob Europa ein Modell für sie ist, es ist das Gegebene. Das Weinen und Klagen wäre erst dann groß, wenn ihre Wirklichkeit gleich einem Mongolensturm hinweggefegt würde, inklusive Big Brother und wie der Kram sonst noch heißt. Aber ist das nicht leider immer wieder in der menschlichen Geschichte passiert? Mein Sohn hat da apokalyptische Ängste.

Das tröstlichste, was ich zu beer7’s Beitrag schreiben kann, ist, dass das Kinderkriegen hier en vogue ist, wirklich. Und Europa doch als gegeben empfunden wird. Auch wenn viele vielleicht nicht wissen, was das bedeutet.

13. ekkehard schroeder - Juli 15, 2014, 22:08

was ja einigermasen hoffnungsvoll ist das sich in tunesien etwas getan hat oder selbst im trostlosen afghanistan zu mindest mit dem ruf vieler, meist wohl frauen, nach bildung gegen aberglauben und rückständigkeit hoffnung gibt. wahrscheinlich auch ein erbe französischen bzw sowjetischen einflusses.

und wie beschämend ist es zb für so manche region, die alles andere als stabile regierungen haben, die ihnen nicht viel bietet, die wenn sie wollen wahrscheinlich die ganze welt kennen könnte, und mit einen bruchteil des hasses auf israel oder sonstwas wahrscheinlich ihre regierung zum teufel jagen könnte.

mein eindruck ist das es häufig auch ein problem der konkreten utopie ist wenn man die konkrete situation hat. zb lief es letztendlich in ägypten darauf hinaus einen militär durch den anderen zu ersetzen anstatt den ganzen militärisch-wirtschaftlichen apparat zu zerschlagen.

@11
man sollte immer vorsichtig sein mit der verklärung der vergangenheit.
konflikte werden zb nicht mehr wie früher mit der gebotenen schärfe ausgetragen. zum einem ist es angenenehm das man einen franz josef straus heute nicht mehr ertragen muss.
zum anderen gibt es auch keinen nennenswerten gesellschaftsentwurf der wesentlich emanzipatorisch ist. der zeitgeist ist beliebigkeit und anpassung. und die materiellen perspektiven der lebensplanung verlangen es oftmals.

14. Myriade - Juli 15, 2014, 23:47

@Lila. Ja, da gebe ich dir Recht. Das ist ein absolut säkularer Ansatz und höchstwahrscheinlich von einem religiös orientierten Menschen egal welcher Religion nicht nachvollziehbar. Wenn jemand an einen Gott glaubt, der vorgibt wie ein gutes Leben auszusehen hat, dann wird er wahrscheinlich das was die Interpreten der Gesetze dieses Gottes vorschreiben als den richtigen Weg empfinden, egal wie wenig attraktiv dieses Lebensmodell für Außenstehende erscheinen mag. Dennoch gibt es doch menschliche Grundbedürfnisse, die irgendwann doch wieder einen Weg aus dem Fanatismus heraus finden. Es kann auf die Dauer nicht funktionieren, wenn zum Beispiel alle jungen Menschen einer Gesellschaft Märtyrer werden sollen. Das ist gegen die Natur. Nur braucht es eben Alternativen

Und ja, die Veränderungen müssen von innen kommen. Es gibt ja doch hin und wieder mal den einen oder anderen Islamgelehrten, der den Koran als Buch der Weisheit und Toleranz auslegt. Allerdings gehen solche Aussagen wohl im mainstream unter. Trotzdem können vielleicht Angebote von außen irgendwann irgendwas bewirken..

15. Ludwig - Juli 16, 2014, 0:29

Lila – 6

„… und auch wenn Deutschland heute mehr Probleme hat, als vor ein paar Jahren, …“

Ich wäre ehrlich neugierig, wo Du in Deutschland heute größere Probleme siehst als vor 10-15 Jahren. Deutlich gestärkt scheint mir inzwischen die „Innere Einheit“, es gibt also inzwischen weniger Gegensätze zwischen Ossis und Wessis. Mitte der 2000er Jahre hatte die Agenda 2010 recht starke, soziale Spannungen in die Gesellschaft gebracht, von denen heute weniger zu spüren ist.

Was Du in Deinem alten Beitrag geschrieben hast, stimmt insofern, dass es in Deutschland wohl kein so starkes Gemeinschaftsgefühl gibt, wie in Israel.

Und das Verhältnis zwischen Bundeswehr und Gesellschaft ist sicher nicht vergleichbar, nicht mit Israel, aber auch nicht mit anderen westlichen Staaten. Ich bin gespannt, wie es sich verändern wird, jetzt wo wir eine Berufsarmee haben.

Insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass „wir“ Deutschen heute auf höherem Niveau jammern als früher. 😉

Ansonsten wünsche ich „Euch“ allen eine sichere, gute und möglichst ruhige Nacht.

16. Ludwig - Juli 16, 2014, 0:35

Beer7 – 11

Nun ja. Anzeichen für die Ausrufung eines Eurabischen Kalifats konnte ich jedenfalls bisher nicht entdecken, obwohl es irgendwo hier in der Gegend damit losgehen müsste. 😉

Andererseits hat das Europäische Parlament heute erstmalig den Spitzenkandidaten der stärksten Fraktion als „Regierungschef“ der Europäischen Union gewählt, während die Staatschefs an dieser Entscheidung nur pro forma beteiligt waren.

Mal sehn, wo die Union in 20 Jahren steht. Ich bin da recht zuversichtlich.

17. Jack - Juli 16, 2014, 0:37

Natürlich sind die Ideen säkular und westlich, Lila.
Ich bin nicht doof oder ignorant. Aber was soll man sich sonst zum Vorbild nehmen? Veränderungen sind keine Sachen von Tagen, sondern von Generationen, für die man irgendeinen gearteten Anfang finden muß. Natürlich liest sich das scheisse, aber ich schreibe es trotzdem. Du schreibst auch.
Und ich mein’, guck Dir doch mal den ganzen Schrott an, der ansonsten so geschrieben wird. Und zwar nicht nur unter Kommentatoren deutschsprachiger Medien, sondern auch englischsprachiger israelischer Medien. Die Scheiße von dort erwähnst Du ja nie. An arabische Medien möchte ich gar nicht erst denken, da würde ich glaube ich nur noch schreien.

„Der Widerstand dagegen muß von den Palästinensern selbst kommen, nicht von uns. Echte Veränderungen kommen von innen, aus innerer Motivation, nicht von außen“ schreibst Du.

Ich mach’s mal wie Du bei mir da oben: Ja, sehr schöne Idee – aber vollkommen illusorisch. Versucht mal, diese Idee in der islamischen Welt zu vermarkten. Da wird nichts kommen.
Vielleicht einmal. Hoffentlich.

Ich mein politisch zusammengefasst liest sich Dein Blog, seit ich hier seit dreieinhalb Jahre lese, ungefähr so: Die haben Schuld, die haben Schuld, die haben Schuld. Die haben angefangen, die haben angefangen, die haben angefangen und fangen immer wieder an, fangen immer wieder an, fangen immer wieder an.

Ja, ich bin nicht blind!
Das braucht man mir nicht dauernd zu sagen. Sehe ich genauso und dem stimme ich zu.
Aber es ändert nichts, gar nichts, absolut gar nichts an der Tatsache, daß es für jemanden, der z.B. 2004 in Sderot geboren wurde oder für jemanden, der 2004 in Gaza auf die Welt kam keinen Unterschied macht, wenn eine Rakete oder entsprechen ein Düsenjäger auf ihn zufliegt. Und er dann zusehen muß, wie die Mutter in Sderot oder der Vater in Gaza dabei zu Tode kommt. Dieses Erlebnis in einer solchen konkreten Situation, dieses Bild geht nie wieder aus ihren Köpfen heraus. Das bleibt dort. Bei Leuten, die nichts dafür können. Das ist Schuld, Lila. Das ist immer auch Schuld! Und daraus entsteht neue Schuld. Immer und immer wieder! Es ist schrecklich, dass es gegen diese grauenvolle Logik so gut wie keine Lösung gibt.

Ja, ich höre es schon, aber die Hamas hat Schuld, wenn ein Kind in Gaza, das nichts dafür kann, zusehen muß, wie der Vater bei einem Luftangriff zu Tode kommt. Sie können sich ja ändern, dann passiert so etwas nicht, die Bevölkerung kann aufstehen, sich dagegen stemmen.
Ja, stimmt alles. Aber es ändert nichts! Die konkrete tödliche Situation geht nicht heraus aus den Köpfen dieser beiden 2004 geborenen Kinder. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Das ist immer auch die schreckliche Wahrheit.
Wem erzähle ich es, Du weißt es selber.

Und ich kann’s irgendwann auch nicht mehr hören, dieses ’jedes Entgegenkommen wird als Zeichen von Schwäche verstanden-Zeug’. Es stimmt ja auch. Und ich bin der letzte Mensch auf Erden, der sich einfach aufs Maul hauen oder abstechen lassen würde.
Aber es stimmt immer nur für den nächsten Tag, und wenn man Glück hat vielleicht auch für die nächsten zwei Jahre. Und dann sind die Menschen meist verbraucht.

Was Israel tun kann? Nicht viel. Ich verlange nichts, schon gar nichts Unmögliches. Aber was man tun kann, das sollte man tun. Zum Beispiel mit diesem Siedlungsbau aufzuhören oder damit rumzuprotzen.
Und zwar nicht, weil Siedlungen oder keine Siedlungen irgendetwas an dem Hass der islamischen Welt auf Israel ändern würde, mit oder ohne, der bleibt und würde sich kaum ändern, sondern um sich in der westlichen, der säkularen Welt breite politische Unterstützung zu sichern. Die braucht Israel nämlich als demokratisches Land. Und keine zweite politische Front, an der man auch noch unnötig zu kämpfen hat.

Und jetzt mache ich mal auf wirklich doof und ignorant: Der wesentliche Grund für Siedlungen ist meines Erachtens das Wohnen an sich. Und zwar zu annehmbaren Preisen. Gott, ’unser Land’ und so weiter hat damit nur wenig zu tun. Oder salopp gesagt: Verarschen kann ich mich selber.

Und irgendwo in der Westbank zu wohnen und zu glauben das machen zu können, wo andere schon sind oder auch gerne leben möchten, das funktioniert nicht. Vom Prinzip her nirgendwo auf der Welt, das zieht meist Konflikte und verhärtete Fronten nach sich.
Das kann so schwer nicht zu verstehen sein, geht aber, wenn man’s nicht verstehen will oder drauf scheißt. Diesbezüglich kann Israel was tun. Immerhin.

Und ja, „Widerstand muß von Palästinensern selber kommen“. Aber er kommt nicht. Er kommt nicht. Und ja, „echte Veränderungen kommen von innen, aus innerer Motivation, nicht von außen“. Aber sie kommen nicht. Sie kommen nicht.

„Anreize sind da nicht grundsätzlich anders als Drohungen und Sanktionen – sie alle verlagern die Motivation nach außen.“

Ja und nein. Denn wenn von selber und von innen kaum was kommt, dann bleiben nur Anreize von außen, damit vielleicht irgendwann von selber und innen was passieren möge.

Wie die Anreize aussehen sollen? Ich weiß es nicht. Aber sich darüber immer wieder Gedanken zu machen würde vielleicht helfen. Toller Tipp.

Aber im Grunde habe ich keinen Bock mehr. Quasi auch ein Zeichen von Schwäche, dem entgegenzukommen, Und ich kann jeden verstehen, dem es ähnlich geht. Gerade auch Euch in Israel. Ich glaube wie Du auch nicht mehr daran, daß man von außen tiefgreifende, echte Veränderungen erreichen kann.
Vergiss es einfach, was ich schreibe. Ich mach trotzdem weiter.

18. Culatello - Juli 16, 2014, 7:34

@Jack

„Ich mach trotzdem weiter.“

Unbedingt, Jack!
Deine Kommentare berühren mich sehr, weil aus ihnen echte Empathie für beide Seiten spricht.

19. Culatello - Juli 16, 2014, 7:49

Nachtrag zu 18

Wobei es sicherlich sehr schwer sein muss, als BETEILIGTER einer Konfliktpartei Empathie für den anderen aufzubringen.
Die Berücksichtigung dieser Tatsache spräche wiederum für eine von außen kommende Lösung bzw. das Angebot hierzu.

20. willow - Juli 16, 2014, 9:32

@ 16. Ludwig

„Nun ja. Anzeichen für die Ausrufung eines Eurabischen Kalifats konnte ich jedenfalls bisher nicht entdecken, obwohl es irgendwo hier in der Gegend damit losgehen müsste.“

Ihnen ist aber schon aufgefallen, daß am letzten Wochenende die deutsche Polizei „mal wieder“ vor „orientalischen“ Randalierern kapituliert hat? Oder suchen sie einfach mal das Gespräch mit Polizisten und Leuten von medizinischen Rettungsdiensten – inzwischen gibt es in deutschen Städten Gebiete, in die nicht mehr ohne Polizeischutz zu Rettungseinsätzen gefahren wird. Wir sind zwar noch ein ganzes Stück von Zuständen wie in einigen britischen, französischen oder schwedischen Städten entfern, wo sich ganze Stadtteile/satellitenstädte zu „national befreiten Zonen“ geworden sind, deren einzige Bindung zum Mutterland im Empfang von Sozialleistungen besteht – aber es geht voran. Das nur sichtbar gewordenen Kalifat im Orient ist ja auch nicht über Nacht entstanden, daran wird seit Jahrzehnten gearbeitet und Leute, die vor 10 Jahren vor dieser Entwicklung gewarnt hatten, wurden als Spinner und Rassisten beschimpft …

21. Myriade - Juli 16, 2014, 10:31

@Jack – Danke für deine ausführlichen, inhaltlich ausgewogenen Meinungen.

„Denn wenn von selber und von innen kaum was kommt, dann bleiben nur Anreize von außen, damit vielleicht irgendwann von selber und innen was passieren möge.
Wie die Anreize aussehen sollen? Ich weiß es nicht. Aber sich darüber immer wieder Gedanken zu machen würde vielleicht helfen. Toller Tipp.“

Immer wieder versuchen, immer wieder darüber nachdenken. Das ist wohl wirklich das einzige, was man tun kann. Ich weiß schon es redet sich leicht von weit weg …..

22. willow - Juli 16, 2014, 10:46

@17 Jack

Na klar, die Siedlungen sind Schuld … irgendetwas muß ja „Schuld“ sein, nicht? Mal ganz davon abgesehen daß etliche der Siedlungen absolut Niemandem im Weg sind (Maale Adumin ist ein schönes Beispiel, bis zum Horizont ist nichts außer Wüste zu sehen – wem ist diese „Siedlung“ im Weg? Oder die grßte der Siedlungen – Jerusalem. Fordern sie wirklich, Israel soll in seiner Hauptstadt die Bautätigkeit einstellen!?

Zu den Perspektiven: Natürlich ist es wichtig, den „armen Wilden“ eine Perspektive zu bieten … aber woher nehmen sie ihre Sicherheit, daß ihr „western way of life“ tatsächlich das ist, was auch nur einer Mehrheit als erstrebenswertes Ziel zu „verkaufen“ ist? So um 1970 herum mah dies so ausgesehen haben – aber 2014!?

Sie unterschätzen einerseits den Realismus der „Betroffenen“ – für den „Orient“ sind Bevölkerungsexplosion und Analphabetismus die tägliche Realität, dadurch wird ein persönliches Streben nach „sozialem und wirtschaftlichem Aufstieg“ fast unmöglich gemacht. Können sie sich vorstellen, wie frustrierend das ist? Zumal es für orientalisch geprägte Hirne typisch scheint, die Schuld an Problemen nicht „intern“ zu suchen sondern irgendwo „Außen“ zu sehen? Die Alternativen sind „Flucht in den Westen“ aber eben auch „Djihad“ … wenn ich keine Chance habe, mein Leben durch harte Arbeit zu verbessern, dann ist der Gedanke nicht weit, mir all die begehrten Schätze der westlichen Welt eben mit Gewalt zu nehmen. Unterschätzen sie nicht dieses Djihat-Sytem, das „funktioniert“ seit 1400 Jahren „erfolgreich“, da ist westliche Überheblichkeit ziemlich leichtsinnig. Es gibt genügend viele frustrierte Jugendliche und junge Erwachsene, die für „Beute und Paradies“ ihr ebenso ärmliches wie eintöniges Leben hinter sich lassen können. Die Tatsache, daß dieser „Weg“ auch auf westlich sozialisierte junge Menschen eine sehr starke Anziehungskraft ausübt, sollte zumindest nachdenklich machen …

23. willow - Juli 16, 2014, 11:10

PS: wie erfogreich diese Idee des „kämpfenden und siegenden Islam im Namen des Propheten“ derzeit agiert, zeigt sehr schön dieses Bild

24. sabine - Juli 16, 2014, 12:00

@22.willow

Die „orientalisch geprägten Hirne“ stören mich jetzt doch, Abfälligkeiten müssen nicht sein, helfen auch nicht, eher im Gegenteil.
Ahmad Mansour ist auch ein orientalisch geprägtes Hirn. Oder Yahya Hassan, falls der bekannt ist – ein junger dänisch-palästinensicher Dichter, der voriges Jahr Furore gemacht hat und den man lesen sollte, auch wenn es harter Tobak ist. Aus der Frustration auszusteigen kann unter guten Umständen auch klappen.

Hier eine alte Besprechung auf der Achse:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_dichter_und_die_schreiber

Auf der verlinkten Seite unten ausgewählte Gedichte, leider in Versalien, keine Ahnung, was die sich wg. Lesbarkeit gedacht haben.

http://www.perlentaucher.de/vorgeblaettert/leseprobe-zu-yahya-hassan-gedichte.html

Auf Youtube gibts auch was, sehr eindrucksvoll, find ich aber grad nicht.

25. Lila - Juli 16, 2014, 12:39

Ja, orientalisch geprägt sind auch hier sehr viele Hirne. Quarta beklagt sich gern, daß sie fast die einzige Nicht-Orientalin ihrer Klasse ist… und hätte viel lieber eine marokkanische Mutter, allein schon wegen der Küche.

26. Ludwig - Juli 16, 2014, 12:54

Willow,

Ich weiß nicht, wie ich’s am Besten ausdrücken soll, so von konzeptionellem Paralleluniversum zu konzeptionellem Paralleluniversum. Daher probiere ich zwei verschiedene Wege, zum selber aussuchen.

a) Neutral: Mein Eindruck ist, dass Du durch Deinen Internet-Aktivismus zwischen Israel und dem deutschen Mainstream polarisierst. Ich verstehe nicht, was Du damit erreichen willst, wenn Du gegenseitige Distanz und Unverständnis verstärkst.

b) Sarkastisch: Dein „Pro-Israel“-Aktivismus ist aus meiner Sicht ein recht guter Beleg dafür, dass es keine zionistische Weltverschwörung zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Deutschland gibt. Gäbe es eine solche zielorientiert geplante, zentral gesteuerte Hasbara-Verschwörung, sie würde Argumente nutzen, die hierzulande wirksam sind, indem sie den Mainstream erreichen.
Stattdessen argumentierst Du so, dass Du vermutlich breite Zustimmung ernten wirst – aus dem Bible Belt im mittleren Westen der USA. Und gleichzeitig beim deutschen Mainstream den Eindruck verfestigst, dass Israel nicht fähig sich als Akteur zu reflektieren.

Ratlose Grüße 😉

27. willow - Juli 16, 2014, 13:17

@ 24. sabine

Ich habe ja auch vorsichtig formuliert … aber irgendwie gehört diese „Inschallah-Mentalität“ ebenso zu weiten Teilen des Orients wie das „Mañana“ zu Teilen Mittel- und Südamerikas 🙂

(und die destruktiven Selbstzweifel zu etlichen Mitteleuropäern und vielen Juden)

28. G. - Juli 16, 2014, 13:46

Was fängst Du nun an, @jack, mit soviel positivem Feedback?

Der Sachstand ist der von Dir beschriebene, in eben diesen Teilen, ich komme nur zu ganz anderen Schlüssen.

Es ist vorteilhaft, möglichst umsetzungsfähige Pläne (wie deren Protagonisten) zur Gestaltung eines dauerhaften und für alle Seiten vorteilhaften Friedens beizeiten zur Hand zu haben. Allerdings nur solange man anerkennt, dass es dazu auch eines Friedens bedarf und solange man Frieden von Krieg zu trennen bereit und in der Lage ist.

Krieg wiederum – geradezu der Antagonist des Friedens – verlangt ausschliesslich nach Effizienz.

Träumerisches Nichtanerkennen der bestehenden Eigenschaft dieses Zustandes, sei es in Form aktuell unangebrachter Bereitschaft zu Zugeständnissen, Verhandlungsbereitschaft, Schonung weicher oder harter Ziele … neigt schnell dazu, in den Augen des Gegners zu eigener Schwäche zu mutieren.

Es ermutigt, es relativiert bestehende eigene Stärke und erhält somit diesen in der Regel unsäglichen Zustand letztendlich unnötig weiter aufrecht.

Und schaut man sich den „Gegner“ einmal an, so sieht man tatsächlich, dass er durchaus Anklang in der westlichen Gesellschaft findet. Getrennt von seinem Biotop, in dem er seit langer Zeit persistiert.

In etwa in einem Anteil an der Gesamtbevölkerung wie das `Schnibbeln‘, das meist pathologische, autonome Abtrennen von Gliedmassen oder deren Bestandteilen vom eigenen Körper.

Soll ich daraus nun die gefährliche Überlegenheit des „eastern way of life“ erkennen?

Und wir reden hier nicht vom Islam im allgemeinen. Hierzulande ist das Gros der dritten, vierten Generation türkischstämmiger, muslimischer Einwanderer längst angekommen. Mit oder ohne Uni-Abschluss hervorragend dotierte Positionen besetzend – in bürgerlicher Unauffälligkeit das Bruttosozialprodukt messbar steigernd. Denen der Djihat als Lebensführung ähnlich erstrebenswert erscheint, wie die Möglichkeit des spontanen Abtrennens eines ihrer Zehen.

Die übrigens auch in rückgekehrten Anteilen (nicht die Zehen) mitwirkten bei dem Aufbegehren des türkischen Volkes gegen totalitäre Bevormundung eben zugunsten eines „western way of life“, der ihnen allemal ausreichend begehrenswert erschien, erhebliche persönliche Nachteile seitens ihrer von anderen Teilen der Bevölkerung getragenen Regierung in Kauf zu nehmen. Bildung und Erfahrung verändern durchaus.

Was aber den Krieg anbelangt, sehe ich es doch eher ähnlich … Broder (!), der hier wieder einmal komplexeste Zusammenhänge auf wundervolle Weise für jeden verständlich niederbricht:

.

„Brutalste Barbarei“

„Der Islamismus, die dritte totalitäre Ideologie, ist dem Westen in allen Bereichen unterlegen. Seine Stärke liegt allein in der grenzenlosen Gewalt -Von Henryk M. Broder

Der niederländische Fußballtrainer Johan Cruyff hat vor einem Spiel gegen einen schwächeren Gegner seine Mannschaft gewarnt. „Die können gegen uns nicht gewinnen, aber wir können gegen sie verlieren.“ Das ist alles, worauf es im Umgang mit Gotteskriegern ankommt.“

http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article130117312/Brutalste-Barbarei.html

29. sabine - Juli 16, 2014, 13:54

@27.willow

Ich will ja jetzt nicht Pingpong deswegen spielen, aber wenn das vorsichtig formuliert war, möcht ich straight away lieber nicht hören. Ludwig hat es auf den Punkt gebracht.
Bevölkerungsexplosion, falls Du Kindersegen meinst, findet man auch in Mea Shearim. Oder der Pine Ridge Reservation. Und mit dem Analphabetismus ist das so eine Sache – wer postet denn dann bloß so viel auf arabisch…
Das mit den destruktiven Selbstzweifeln lass ich mal stehen, klingt irgendwie nach Gregor Mendel.

Ich wollte nur sagen, dass man sich leicht selbst beschädigen kann, klassifiziert man andere so ab. Ist schon schlimm genug, dass die Betreffenden, ob Hamas oder sonstwer, es ganz wunderbar alleine können.

30. avra - Juli 16, 2014, 14:32

zwei interviews, die zeigen wie komplex aber auch schwierig die problematik u. eine lösung des konflikts ist:
http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/israelblog120.html

http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/israelblog-110.html

31. Jack - Juli 16, 2014, 15:10

@22 willow

Mein Gott willow, ich sag wirklich nie was zu Dir und wenn, dann muß das schon lange zurück liegen. Tue und schreibe was Du willst, but with all due respect, bei allem gebotenen Respekt, das geht mir echt auf die Eier was Du da über mich schreibst. Aber ich bin Dir natürlich nicht böse und ich hoffe Du mir auch nicht, nicht falsch verstehen, nur Du scheinst diesbezüglich nicht viel zu verstehen, schon gar nicht mich oder was ich geschrieben habe. Ein Schlagwort wie Siedlungen und hops – die Maschinerie kommt in Gange. Gib Dir doch mal mehr Mühe, würde ich als Lehrer sagen, der, Achtung Abweichung, aber niemals Wörter wie ’a priori’ benutzen würde (wie kommt man nur darauf?)
Hey Lila, das war ein Witz, das war sticheln, entspann Dich für den Fall, fühle Dich nicht gleich wieder angegriffen, sondern greif mich an z.B. mit ’Jack, act your age!’ ’Nein. Und nochmals nein.’

Also willow, lies Dir vielleicht noch mal genau durch, was ich geschrieben habe auf die mir direkt-eindirekt gestellte Frage was Israel tun könne. Erstmal kann Israel nur wenig tun, es ist kaum Spielraum vorhanden und wenn, dann nur das, was geht. Und was habe ich geschrieben vor den Siedlungen? Guck hin. „Und jetzt mache ich mal auf wirklich doof und ignorant:“
Ein Mittel zum Zweck ist es z.B. Dinge zu erhöhen, um damit eine gewisse, vielleicht schon vergessene Deutlichkeit hervorzuheben.

Ich hätte es auch anders sagen können. Auf eine ungefähre Art, wenn auch weit entfernt, vergleichbar in einem ganz kleinen Rahmen hier in Deutschland. Stichwort Gentrifizierung. Ein Witz gegen die Problematik des Siedlungsbaus in Israel bzw. der Westbank.
Aber was für Streitereien und soziale Spannungen entstehen aufgrund dessen allein hier schon in den Städten, wenn die einen glauben die anderen ignorieren zu können und umgekehrt. Auf Dauer geht auch das nur im Einvernehmen, durch Ausgleich und Vermittlung.

Aber das ist nicht das Thema. Nicht jetzt. Aber es sollte in Zukunft anders gelöst werden. Und diesbezüglich weitere Gründe habe ich genannt, um zumindest mal eine Kuh vom Eis zu bekommen. Mein Wunschdenken.

32. willow - Juli 16, 2014, 15:55

Ohne Pingpong spielen zu wollen – Bevölkerungsexplosion an sich ist nicht das Problem, gefährlich wird sie erst, wenn sie Landstriche betrifft, die sich eh schon durch Armut und Perspektivlosigkeit „auszeichnen“ … wenn dann noch mangelnde Ausbildung (http://diepresse.com/home/panorama/welt/352155/Arabische-Laender_30-Prozent-Analphabeten) und eine kriegerische Ideologie dazukommen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bombe hochgeht. Läßt sich zur Zeit recht gut in sehr vielen orientalischen Ländern beobachten. Boko Haram und ISIS sind nur zwei Beispiele.

33. Georg B. Mrozek - Juli 16, 2014, 16:20

Wie lange soll es eigentlich noch weitergehen, dass wir Menschen des Westens immer und immer wieder die Schuld (oder die Ursachen) für alles Übel in der Welt bei uns selber suchen? Diese Art der Kasteiung finde ich mit den Jahren unerträglich. Das Böse existiert, es steckt bekanntlich in jedem von uns, doch wird vermehrt in Ländern Israels Nachbarschaft gefördert und heißt Hass, Neid, Missgunst und Mordlust. Es sind so starke Triebe, dass sich allerhand mit ihrer Erweckung anfangen lässt. Aber wir sind es nicht, die sie fördern, nicht der reiche, liberale, nicht der für die individuelle Freiheit stehende Westen erweckt das Böse, es ist der pure Machtwille von Eroberern.

Der Hass auf Israel fungiert hier prima wieder als Sündenbockfunktion zur Ablenkung von diesen Zielen (der Macht) sowie als Werkzeug, diese Interessen mit der Herde dummer, da indoktrinierter Schafe zu erreichen.

Machen wir doch ein mal eine hypothetische Annahme: Israel verschwindet von der Landkarte und wird von der Hamas oder der IS erobert. Nach der Meinung derjenigen, die Israel und dem Westen eine Mitschuld (oder Verantwortung) für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Elend im Gazastreifen und in Judäa, ja in der gesamten arabischen Welt geben, müsste doch nun alles in Ordnung sein. Glaubt denn irgendjemand tatsächlich, es herrsche nun Frieden? Es wird ein neuer Sündenbock gefunden werden und ein neues Ziel zur Projektion des Hasses (wie gesagt als Werkzeug).

Und weiter angenommen, die ganze Welt sei Morgen ein Kalifat. Was wäre gerechter und besser für die Menschen?

Wir im Westen sind nicht verantwortlich für die Machtgeilheit unterschiedlicher islamischer Führer und Gruppierungen. Es handelt sich auch nicht um einen „Krieg der Kulturen“, denn Machtgeilheit ist kulturunabhängig.

Hier liegen die Ursachen: Macht, Ohnmacht und der unbändige Wille zur Macht, koste es, was es wolle.

Die der aufgehetzten Masse von den machthungrigen Führern versprochene Anteilnahme am Wohlstand des Westens ist nichts weiteres als die Erweckung des Neides zur anschließenden Plünderung. Wieso sollte der Westen also selber seine mühsam über die Jahrhunderte erworbenen Errungenschaften eines einigermaßen gerechten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsenses wieder aufgeben, nur um andere zufrieden zu stellen, die dieser Erfolgsgeschichte die erwachsenen Früchte neiden? Sie wollen keinen Anteil haben am landwirtschaftlichen Betrieb, also nicht an der Arbeit, die für das Wachsen der Früchte erforderlich ist, sie wollen nur die Ernte einfahren. In dem hypothetischen Beispiel wäre das aufgegebene Land Israel binnen eines Jahres wieder ödes Brachland.

Wer erzählt denn solche Geschichten, dass mit einem unabhängigen Palästina in einer globalisierten und vernetzten Welt plötzlich Wohlstand über die Menschen einbräche? Aufgrund ihrer defizitären gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung belegen doch die arabischen Länder ihre momentane Unfähigkeit zur Prosperität. Ohne den einzigen Bodenschatz Öl wären sie eine sich selbst überlassene Wüste des Elends. Und komme jetzt keiner mit der Religion – Wasser predigen und Wein saufen, das haben wir längst hinter uns gebracht.

Dass die Entwicklung einer Wirtschaft für alle zum Wohlstand führt, setzt eine gesellschaftliche Anteilnahme voraus, eine einigermaßen gerechte, jedenfalls geregelte gesellschaftliche Strukturen, Verteilung der Aufgaben usw. – zur Zeit gibt’s da nichts besseres als eine Demokratie. Zuerst muss die Gesellschaft funktionieren, dann klappt’s auch mit der Wirtschaft – im anschließenden Wohlstand lässt sich trefflich über sonstiges debattieren. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

Diese Einsicht des Zusammenhangs gesellschaftlicher Entwicklungen, individueller Freiheit und Verantwortung mit dem Wohlstand muss aber von innen heraus erwachsen und ist leider bis zum heutigen Tag in der islamischen Welt kaum oder gar nicht vorhanden. Dafür ist nicht der Westen verantwortlich.

34. Jack - Juli 16, 2014, 16:53

@28 G.

Ich verstehe Dich nicht. Du mußt für mich in einfacheren Sätzen schreiben, sonst reicht meine Aufmerksamkeitsspanne nicht aus. Die ist begrenzt.

So zum Beispiel, wenn Du Broder erwähnst.
Guck mal, jemand der wie er zum Bäcker oder was auch immer geht, sich dort von der Bedienung schlecht behandelt fühlt und sich dann auf seiner Achsen-Seite darüber auslässt, so jemand hat meine Aufmerksamkeitsspanne verloren. Ich komme dann auch nicht mehr zurück. Bin sowieso schon lange vorher gegangen, aus ganz anderen Gründen. Aber halt Du ihm mal schön die Hand, laß Dich nicht aufhalten.
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/berlin_die_service_metropole

Jedenfalls, das ist ungefähr so wie vor einiger Zeit dieses Video, auf dem zu sehen war, wie Leute im Holocaust-Mahnmal in Berlin pissen gehen. Das wird dann gefilmt.
Weißt Du was? Wenn so etwas vor meinen Augen passiert, egal ob Sylvester oder wann auch immer, dann gehe ich hin, frage was das soll, ob sie blöd sind oder nicht wissen was sie tun. Und wenn das alles nichts hilft, dann schubs ich sie halt in ihre eigene Pisse.
Verstehst Du? Ich riskiere was. Tue was. Aber ich filme das nicht mit so einem Muliti-Telefon und empöre mich dann.
Ich verlange das nicht von allen, würde ich niemals tun. Aber dann, wenn man einigermaßen zusammen ist, zumindest eine Chance hat.

Die hatte Broder, das wäre nun wirklich leicht gewesen. 🙂
Hast Du ihn schon mal live erlebt? Hast nichts verpasst. Aber hättest vermutlich was gelernt.

35. G. - Juli 16, 2014, 17:16

Und doch, @Georg B. Mrozek, sehe ich Verallgemeinerungen zum Trotz derzeit eine aufkeimende Flamme der Hoffnung.

Im dem verlinkten Artikel angehangenen video sieht man zwischen 0:50 und 1:14 eindrucksvoll eine Wirkung des Bombardements auf die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen. Noch drei solcher Monate und ähnliche Verhandlungsbereitschaft dürfte weiteste Teile der dortigen Bevölkerung für Verhandlungen tragfähig ergriffen haben.

Nur kein Mitleid.

Diese Reize überlagern alles. Propaganda, Glaube, Hoffnung … alles. Alle vier Minuten kommt der Anruf. Und die überlebenden Adressaten dieser Botschaft werden den Frieden lieben. Den auf Erden.

„Wir sind zwischen den Juden und den Arabern gefangen und wissen nicht was wir tun sollen!“ Entstehende Verhandlungsbereitschaft. Zum auf der Zunge zergehen lassen.

Solange dieser Lernprozess nicht zu früh abgebrochen wird, könnten sich anstelle der Hamas dort Kräfte etablieren, deren vorrangiges Ziel Verhandlungen zum Erreichen eines für alle Seiten vorteilhaften Friedens sind.

Und gerade die Palästinenser scheinen doch eine Bildungsquote aufzuweisen, die anstelle der desolaten Gegenwart „blühende Landschaften“ verspräche. Wenn, ja … wenn dieser Krug von ihnen solchermassen bis zur Neige geleert werden darf. Djihat! Und danach der gesunde Menschenverstand. Aber eben erst wenn er das letzte, das allerletzte sein wird, was ihnen geblieben ist.

Die entgegengestreckte Hand Israels, das offen fragen wird und daran habe ich keinen Zweifel, wie es denn nun bitte weitergehen soll. Beizeiten. Tut mir auch Quarta aufrichtig leid, die derzeitige Situation kann durchaus reiche Früchte tragen.

http://www.02elf.net/tv/euronews/israel-bombardiert-haeuser-der-hamasfuehrung-671865

36. Georg B. Mrozek - Juli 16, 2014, 17:28

@ Jack: „wie Leute im Holocaust-Mahnmal in Berlin pissen gehen. Das wird dann gefilmt.
Weißt Du was? Wenn so etwas vor meinen Augen passiert, egal ob Sylvester oder wann auch immer, dann gehe ich hin, frage was das soll “

Es wird aber doch nicht gefilmt, um es zu verhindern, sondern um aufzuzeigen, dass Leute so etwas tun und wie diese Menschen ticken. Und dass es so wie aufgezeigt ist, hat dann ja seine Gründe. Über die sollte man sich also Gedanken machen. Genau das ist der Sinn eines solchen Videos.

37. Georg B. Mrozek - Juli 16, 2014, 18:06

@ G: Das sehe ich genauso wie du (ab 1:14). Vielleicht sollte man mal nachforschen, was diesem Mann seither geschehen ist. Vielleicht nichts, wurde er aber identifiziert, wird er von der Hamas mit Sicherheit zumindest gemaßregelt worden sein. Unterdrückung ist das Wesen totalitärer Regierungen.

Ich weiß doch auch um die Opfer, und dass die Menschen Bomben und Gewalt leid sind – überall -, doch finden sie kein Gehör, besitzen sie keinerlei politischen Einfluss. Wenn es der Mehrheit der Bevölkerung leid ist, wenn sie aufbegehrt, dann herrscht Revolution im Gaza-Streifen, dann ist die Chance auf Änderung und Entwicklung gegeben. Das meinte ich ja damit, dass so etwas von innen heraus entstehen muss.

Heute sehen wir aber, dass trotz des auch von ihnen zu tragenden Leids, kein Aufbegehren gegen die eigene Regierung entstanden ist. Leider.

Übrigens, selbst in den schlimmen Bombennächten auf deutsche Städte im 2. WK revoltierten die Menschen nicht. „Bomber-Harris“ hatte sich damit komplett verschätzt. Nun ist die Zerstörung einzelner Depots (in und unter den Häusern) in Gaza nicht damit vergleichbar, ich will nur sagen, dass selbst in einem solchen Fall es nicht einmal zu einem Aufstand der Bevölkerung kommt. Mit einem Krieg kann man so etwas nicht herbeiführen.

Wie ich schrieb, es muss aus Einsicht von innen heraus erwachsen.

38. G. - Juli 16, 2014, 18:28

@jack, Du leidest unter geringer Aufmerksamkeitsspanne? Mit allem gebührendem Respekt, nur weil Du Dein Ritalin verweigerst, verpflichtet dieser Missstand Deine soziale Umgebung zu gar nichts.

Broder, dessen Worte Dich zweifellos treffen, kannst Du inhaltlich kaum am Zeug flicken. Das weisst Du auch und versuchst es nicht einmal. Anstelle dessen nutzt Du die Gelegenheit ihn zu diskreditieren, indem Du beanstandest, dass und wie er sich „beim Bäcker“ beträgt.

Sagt mehr über Dich aus als über ihn.

Du gibst an, Menschen in ihren Urin schubsen zu wollen. Broder stellt sich jedem, wirklich jedem Gespräch. Seit Jahrzehnten.

Was denkst Du, wer die grössere Chuzpe hat?

Gut, vielleicht auch ein wenig persönlich – aber – wenn ich höre, wie Broder die „politisch korrekte“ Linke abfertigt, dann bringt mich dies auf die Knie vor ihm. Unweigerlich.

Er ist aufrichtig, nimmt keinerlei Rücksicht, vertritt allein seine Meinung, als Jude, als Mensch, folgt keiner Ideologie, duldet kein Dogma, ist stets und in allem persönlich, täuscht niemals auch nur ansatzweise Objektivität vor und trifft den Nagel meist mit schon traumwandlerischer Sicherheit auf den Kopf.

Sein Geltungsbedürfnis ist so wohltuend gering. Jeden Abgrund öffentlich zelebrierend. Könnte ja was für den Leser dabei sein.

Und seine raue Schale, die verstehe ich nicht nur, als seit Jahrzehnten über alles und jedes hierzulande publizierender jüdischer Autor, ich empfehle sie jedem der seinen hierzulande, kämpft für den Platz, der Euch zusteht, der schlichtweg Euer ist.

Ich bin Giordano begegnet. Bei einer Lesung. Nach seiner Wandlung. Er teilte dem Publikum ungefragt mit, dass er nicht im geringsten bereit sei, dies, sein Land zu verlassen und dass er keine Auskunft darüber geben wolle, ob er bewaffnet sei oder nicht … aber „niemandem, wirklich niemandem“ raten wolle, ihn anzugreifen.

Und dann las er etliche der an ihn gerichteten schriftstellerischen Leistungen hierzulande lebender Antisemiten vor. Beeindruckend, wirklich beeindruckend. Teils per Einschreiben verschickt. Und weisst Du was? Sie haben Giordano, der hinging wo es ihm beliebte, kein weiteres mal angegriffen. Denn die bei weitem überwiegende Mehrheit der Antisemiten ist feige. Was bei aller diesbezüglich erfolgter Indoktrination auch der Umstand anzeigt, sich ausgerechnet am vermutlich schwächsten, am wenigsten wehrhaften Teil einer Gesellschaft abzureagieren.

Und ich gehe jede Wette ein, hätte Giordano bei den Erstellern der Einschreiben persönlich vorgesprochen, wäre auch dies unterblieben. Zugunsten der anonymen Version derartiger Mitteilungen.

Broder trägt seine Haare heutzutage auf der Zunge. Niemand wird ihm derartiges Streitgespräch antragen. Na und?

Wenn mich meine Kinder nach einem Beispiel für Zivilcourage hierzulande fragen, nenne ich Broder! Broder, Broder, Broder. Wirst Du von mir noch desöfteren zu hören bekommen. Es sei denn, Du nutzt Deine geringe Aufmerksamkeitsspanne. (Und dabei lese ich Deine posts im allgemeinen ausgesprochen gern.) Mit allem gebührendem Respekt, wie Du sagst.

@Georg B. Mrozek: Ich glaube nicht, dass die Situation und Gesellschaft des Gaza-Streifens mit der deutschen Gegenwart zu Zeiten des Dritten Reiches vergleichbar sind. Es erscheint mir dort keine Gesellschaft, die militärische Disziplin („Kadavergehorsam“) um ihrer selbst willen mit der Muttermilch aufgesogen hat. In meinen Augen kann dort eine „Nacht der langen Messer“ vorwiegend durch mangelnde Erfolgsaussichten oder mangelnde Möglichkeit sich diesbezüglich zu organisieren unterbleiben. „Verrat“ nicht.

39. Georg B. Mrozek - Juli 16, 2014, 18:51

@ G: „In meinen Augen kann dort eine “Nacht der langen Messer” vorwiegend durch mangelnde Erfolgsaussichten oder mangelnde Möglichkeit sich diesbezüglich zu organisieren unterbleiben.“

Nun gut, ich weiß es letztlich nicht, meine Glaskugel verzerrt ihr Bild immerzu. Die Antwort auf diese Frage ist aber gar nicht so entscheidend, denn 1. führt Israel keinen Zermürbungskrieg, sondern will bekanntlich so schonend wie möglich für die Bevölkerung lediglich die Hamas entwaffnen, um damit die Raketenangriffe auf Israel zu verhindern – und 2. ob und wenn ja, wie diese Einsicht bei der palästinensischen Bevölkerung von außen zu erzielen ist, wäre ein gesondertes interessantes Thema.

Einig sind wir uns ja darin, dass als Voraussetzung einer positiven Veränderung der palästinensischen Gesellschaft auf jeden Fall diese Einsicht von Nöten ist. So lange sie nicht vorhanden ist, gibt es keine Veränderung des Status Quo‘. Somit geht es bis dahin einzig um den Schutz Israels.

Nebenbei und abschließend bemerkt: Broder schätze ich seit Mitte der 1980er Jahre. Er hat mir die Augen geöffnet mit seinem Buch „Der ewige Antisemit“. Ich muss wirklich zugeben, in meiner Jugend (also alles vorher) war ich doch arg dumm und selber teilweise indoktriniert. Broder ist m.E. für Deutschland heute so wichtig, wie es Heine fürs 19. Jahrhundert war.

40. willow - Juli 16, 2014, 21:09

Zum Thema – kann sich eine islamisch indoktrinierte Gesellschaft von innen wandeln – vor Kurzem einen interessanten Kommentar gelesen. „Natürlich“ vom falschen Autor, deshalb wird sich niemend mit den Inhalten auseinandersetzen … warum auch, reicht ja, wenn der Autor „doof“ ist :

http://koptisch.wordpress.com/2010/07/23/wilders-meine-botschaft-an-die-muslime/

Da ich schon mal an meinem Ast säge – „In’shallah“ von Oriana Fallaci ist eine ebenso lohnende Lektüre wie „Die Wut und der Stolz“ oder „Die Kraft der Vernunft“ … ein Blick in eine mögliche Zukunft, nicht eben erstrebenswert, deshalb ziehen Viele es vor, den Kopf in den Sand zu stecken 😦

41. rudolf1611 - Juli 16, 2014, 21:51

Weil in dieser Diskussion vereinzelt auch wieder auf die angebliche Problematik der sog. „Siedlungspolitik“ hingewiesen wurde.
Diese Nummer hat inzwischen bei uns jeder drauf, auch wenn er sonst keine Ahnung von Israel hat. Mit diesem Thema hat die arabische Propaganda einen Volltreffer gelandet. Selbst Israelfreunde pappeln oft diesen Unsinn nach, der ja sowohl von vielen westlichen Politikern und in den Medien so gerne als Hinderungsgrund für Fortschritte hochgepuscht wird. Die meisten stellen sich unter Siedlungspolitik vor, dass sich Gruppen von „radikalen Juden“ auf privatem Besitz im Westjordanland nieder lassen und den armen „Palästinensern“ „ihr Land“ und „ihr Wasser“ wegnehmen. Einen richtigen „Gutmenschen“ bringt das natürlich auf die Palme und er fühlt sich so richtig wohl, wenn er dann gegen Israel hetzen kann, weil er sich auf der Seite der Armen und Schwachen fühlt.
Woher soll er wissen, dass er übel manipuliert wird. Er denkt, das sagen doch alle, also muss es stimmen.
Es wäre daher noch einmal gut, eine Übersicht über die Zusammensetzung der als „böse Siedler“ in einen Topf geworfenen jüdischen Bewohner zu haben (annektiertes Gebiet Ost-Jerusalem, Gebiete östlich der grünen Linie, die bei einer Einigung zum Tausch vorgesehen sind und die jüdischen Siedlungen im Kernland des Westjordanlandes). Letztere haben allerdings besonderen Wert, da sie gewissermaßen die Probe aufs Exempel darstellen, denn ein möglicher „Palästinensischer Staat“, der nicht ertragen kann, dass auch Juden in seinem Land leben, beweist damit, dass er zu einem friedlichen Zusammenleben mit Israel nicht in der Lage ist.
Diese Thematik sollte vielleicht noch einmal extra thematisiert und diskutiert werden.

42. G. - Juli 17, 2014, 0:13

Entschuldige meinen Blick in die Glaskugel, @Georg B. Mrozek, hast völlig recht, zu spekulativ.

„… Israel (führt) keinen Zermürbungskrieg …“

Aber genau das tut Israel derzeit eben doch. Israel mochte wahrscheinlich keinen Zermürbungskrieg führen, mag es nicht, tut es aber eben doch. Seitens der Hamas erzwungen, mit dem Ziel, eigene Bürger zu schützen aber diese resultierende Kriegsführung, dies Kind soll nicht ohne Namen bleiben.

Ein Zermürbungskrieg par excellence.

Wir kennen doch die Wirkung von Bombardements. Aus Schiderung derer, die seinerzeit in den Bunkern sassen. Nicht die Frauen, nicht die Alten, die seinerzeitigen Kinder waren es, die sich im letzten Lebensdrittel diesbezüglich ausführlich mitteilten.

Die erzählten von diesen für sie damals unfassbaren, wiederkehrenden in ihrem Rückblick bis zu drei, vier Stunden andauernden Momenten allgemeiner Todesangst. So präsent, so mächtig, das sie oft das weitere Lebensscript dieser Kinder bestimmten.

Und dies alles überlagernde Gefühl der Todesangst war nachvollziehbar. Nicht allein inhaltlich, nicht allein anhand Beschreibungen des Verhaltens ihrer primären Bezugspersonen in Augenblicken, in denen sie ihrer Hilfe, ihres Beistandes bedurft hätten, nein, allein schon auf rein emotionaler Ebene.

Es war spürbar, wie dies mächtige, alles überlagernde und überschreibende Gefühl auch nach sechzig Jahren wieder in ihnen präsent wurde, wie das seinerzeitige emotionale Erleben reaktiviert wurde, ihnen die Kehle zuschnürte, sie am Weitersprechen hinderte, jeden emotionalen Bezug zur Gegenwart kappte und ihr Trauma erneut durchleben liess.

Um wievieles mächtiger mag der Eindruck der palästinensichen Zivilbevölkerung derzeit sein. Ohne Bunker, allem schutzlos ausgesetzt, auf kleiner Flamme über lange, lange Zeit, Tag und Nacht ohne Ausweg. Selbst diese einseitige, kurze Waffenruhe mag allenfalls dazu beigetragen haben, ihre Sinne für diese Reize, für dies Erleben von Todesangst erneut zu schärfen.

Ist das kein Zermürbungskrieg? Wirklich nur ein weiterer Blick in die Glaskugel? Wie würdest Du den Zustand des Mannes ab 0:50 denn dann beschreiben?

Ja, es ist eine Todeskultur. Doch der Tod, den der Gotteskrieger lieben will – ist fiktiv. Es ist eine Vorstellung desselben, nicht mal ein fader Abklatsch, eine Fiktion und die noch geschmückt mit Heldentum, reichlich Sex und Glückseligkeit.

Die Todesangst eines Bombardements aber und die eines derart permanenten in solchermassen exponierter Lage allemal … ist allzeit real. Und die will keiner. Sicher nicht.

Würdest Du Deine Hände ins Feuer legen dafür, dass dieser Mann nicht mit unreflektierter, handgreiflicher Aggression reagiert hätte, wenn ein Mullah ihm in seiner Situation unvermittelt von Heerscharen von Jungfrauen erzählen würde, die aufgrund seiner derzeit vorteilhaften Lage im Jenseits auf ihn warten würden?

Wie weit glaubst Du, brächte es seine verantwortliche Führung noch, wenn er glauben würde ohne sie diesem Reiz nicht weiter ausgesetzt zu sein? Die seinerzeit Betroffenen beantworteten dies jedenfalls sinngemäss mit: „Alles, du hättest alles getan, damit es aufhört“.

Das ist ein Zermürbungskrieg. Und wenn der Terminus nicht gefallen sollte, gib dem Kind halt einen neuen Namen.

43. Lila - Juli 17, 2014, 0:18

Es ist ein Zermürbungskrieg und wird auch hier so genannt (milchemet hatascha). Jedoch von beiden Seiten.

Ich sagte neulich beim Aufwachen zu Y.: ich weiß schon nicht mehr, was ein normales Leben ist… ohne Bedrohung, ohne Angst. In meiner Jugend hatte ich das, aber es kommt mir vor wie ein Traum.

Er: ich hatte das nie und mein Vater auch nicht. Meine Großeltern auch nicht. Das ist hier eben so. Was ist normal?

Ich kann Dir nicht sagen, G., wie zermürbend es ist, ständig überall bedroht, verachtet, verhaßt und in Erwartung der nächsten Bombe zu leben. Du weißt ja nie, woher sie kommt. Ist der Autobus sicher, ist die Pizzeria sicher, ist der BUMM ein platzender Autoreifen oder eine Bombe, und was plant der Iran? und was Nasrallah?

Es ist ein Zermürbungskrieg an allen Fronten.

Daß Israelis nicht total am Rad drehen, ist ein Wunder.

44. Georg B. Mrozek - Juli 17, 2014, 5:22

Jeder Krieg ist schlimm, da brauchen wir nicht drumrumreden. Ein Zermürbungskrieg ist aber etwas anderes – oder besser gesagt, die Intention zu einem solchen Krieg ist sehr speziell.

Die Bombardements der britischen Luftwaffe unter General Arthur Harris auf deutsche Städte sind als Antwort auf Hitlers Angriffe auf London zu verstehen und hatten wie diese das alleinige Ziel, die gegnerische Moral der Zivilbevölkerung zu schwächen. Es wurden also absichtlich und in einem bisher nicht gekanntem Ausmaß die zivilen Städte zerbombt, extra auf Wohnviertel und nicht auf militärische Ziele die Bomben geworfen, um die Bevölkerung zu zermürben. Das war eine militärische Strategie, unfassbar eigentlich. Was Israel macht, ist das genaue Gegenteil dessen. Das wollte ich herausstellen.

Dass neben den körperlichen Verletzungen die psychischen Auswirkungen unter der zivilen Bevölkerungen identisch sind, steht außer Frage.

Die Geschichte dieser Angriffe im 2. WK lehrt aber auch, dass die Zermürbung der Bevölkerung nicht zu einem moralischen Wandel und nicht zu einer Kapitulation von innen heraus geführt hatte – und heute auch nicht führen wird. Egal mit welcher Rechtfertigung versehen ist es ein Kriegsverbrechen, solche Strategien zu verfolgen. Genau dieses Verbrechen begeht derzeit die Hamas – aber Israel antwortet eben nicht mit einem solchen absichtlichen Zermürbungskrieg gegen die Zivilbevölkerung – auch wenn die Menschen unter allen Bombardements natürlich leiden.

45. Georg B. Mrozek - Juli 17, 2014, 6:29

Sorry, ich möchte ja gar nicht auf Begriffe reiten, aber das beschäftigt mich wider Erwarten sehr.

PS @ G: Mir fällt kein anderer Begriff dazu ein, habe diese Arbeitsnacht lange überlegt. „Terror“ mal außen vor gelassen, das wird zu inflationär benutzt, Terror stimmt natürlich, trifft aber für beinahe jeden Krieg zu, je nach Sichtweise. Wie würdest du denn den Unterschied der Kriegshandlungen in einem Begriff beschreiben?

Die Hamas schießt auf Zivilisten, führt also einen Zermürbungskrieg.
Israel schießt aber nicht auf Zivilisten, führt demnach einen ……..-krieg. (?)

46. G. - Juli 17, 2014, 13:16

Bedrückend, @lila.

Ich hoffe für Dich, dass Du doch noch einen, Deinen Weg findest, Dich mit dieser Situation zu arrangieren.

Selbst wenn eine Internationale Friedenstruppe in ihrem niemals endenden Einsatz ungeachtet aller diesbezüglicher Schwierigkeiten eine blühende Zwei-Staaten Lösung absichern würde, die Lage dürfte sich kaum merklich entspannen.

All die sunnitischen und schiitischen Kräfte, die in für meine Person unübersichtlicher Komplexität eben diesen Frieden aktiv zu verhindern suchen, fänden andere Vasallen.

Um sich letztendlich nach ihrem „Erfolg“ des „einenden“ äusseren Feindes beraubt, gegenseitig zu bekämpfen. Man braucht gar nicht weit zu blicken.

Die Lage scheint nicht zu beruhigen.

Oder eben nur insoweit, dass allzeit empfindliche Gegenschläge die Verantwortlichen zweimal über ihr Treiben nachzudenken zwingen. Zumindest weniger desselben.

Das ist jetzt auch nicht gerade erbaulich, Y. hat ungleich bessere Worte gefunden, aber ohne mich dem Tenor Deinerseits angeprangerter Heuchelei anzuschliessen, bekomme ich es schlechterdings nicht besser hin.

Hätte ich geschwiegen, wäre ich ein Philosoph geblieben. Just my two cents.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s