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Zwei Verletzte Mai 31, 2008, 19:09

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im Negev. Thailändische Arbeiter in einem Hühnerstall – sie haben Glück gehabt, daß sie mit dem Leben davongekommen sind. Es geht immer weiter, immer weiter.

Nicht verallgemeinern Mai 30, 2008, 15:06

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Denn wenn man verallgemeinert, tut man Unrecht. Ich habe bei Israel Matzav einen Link zu einem Artikel in der JPost gefunden, der arabische Stimmen zum Korruptionsskandal zitiert. Das ist hochinteressant zu lesen, und erfreulich frei von Heuchelei und Hochmut. Im Gegenteil, sie zollen bei allem Haß auf das zionistische Regime dem israelischen Rechtsstaat Respekt, und das ist doch nicht selbstverständlich.

Egyptian writer Abdel Aziz Mahmoud said he doesn’t believe the day will ever come when an Arab leader will be put on trial for sexual harassment or financial corruption.

„I don’t think we will live to see the day when the police interrogate an Arab leader for sexually harassing his secretary or receiving bribes,“ he wrote. „Nor will our children and grandchildren live to see that day. What happened in Israel can never happen in any Arab country.“

„There is corruption in Israel and the Arab world,“ wrote Abu Hadi from Iraq. „But the difference is that the Israelis hold their leaders accountable, while we the Arabs remain silent about corruption.“

Jamal, who described himself as the Madman, wrote that „the reason why Israel has lasted for so long is because of its independent and fair judicial system. I challenge the Arabs to have such an independent judicial system.“

Many of the readers found it quite ironic that Olmert was being questioned because of „only“ tens of thousands of dollars he allegedly received from Talansky.

„They say he received something like $3,000 a year,“ said Abu Atab from Morocco inaccurately. „This shows that Olmert is a decent man. This is a small sum that any Arab government official would receive on a daily basis as a bribe. Our leaders steal millions of dollars and no one dares to hold them accountable.“

Touching on the same issue, a reader from Algeria posted this comment: „In the Arab world, our leaders don’t accept less than $1 million in bribes; the money must be deposited in secret bank accounts in Switzerland. Olmert is a fool if he took only a small sum.“

Mohammed in Lebanon: „Can you imagine if there was an investigation against an Arab or Muslim leader? Do you know how much money they would discover?“

Abu Yusef in Egypt: „Unfortunately, this is the real democracy. Our enemies are very good in practicing democracy. In the Arab world, our leaders steal everything and no one ever dares to ask a question.“

Rashid in Saudi Arabia: „Despite all our problems with the Jews, they are much better than us in fighting corruption and revealing the truth.“

Rashid Bohairi in Kuwait: „I swear Israel is a state that will succeed. They are prosecuting their prime minister because of tens of thousands of dollars. What about the millions of dollars that Mahmoud Abbas and the Palestinian Authority stole? How come the Palestinian people are still hungry?“

Ich war platt beim Lesen. Ich hoffe, arabische Politiker lesen diese Artikel auch und sehen, daß sie Bürger haben, die nach Transparenz und Demokratie hungern. Ich wünsche ihnen, daß sie den Tag sehen, an dem die Korruption in ihren Ländern mit rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft wird. Man fühlt sich zwar immer noch angeekelt und gedemütigt, von geldgierigem Gesocks regiert zu werden, aber immerhin – yesh din ve yesh dayan, es gibt ein Gericht und es gibt einen Richter.

Die Reaktionen dieser Araber trösten mich und bestimmt nicht nur mich in diesen Tagen, es ist schön und menschlich anständig, daß sie nicht mit Häme reagieren, sondern erst mal vor der eigenen Tür kehren. Ein kleiner Lichtstrahl. Ich weiß nicht, wie viele Araber so denken, aber es zeigt doch, daß sie kein monolithischer Block von passiven Subjekten sind, die sich automatisch allen anderen überlegen fühlen.

Der Gipfel war natürlich diese Aussage:

Israel Lover in Saudi Arabia: „Israel is a state that deserves to exist. It deserves our profound respect. I wish I were a citizen of this state.“

Ein Kandidat für die nächste Fackel-Zeremonie am Unabhängigkeitstag:) ?

Davids Freitagsbild: Nachlaot Shabbat Mai 30, 2008, 12:14

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Ein Stadtteil Jerusalems, der weniger Touristen anzieht, da er sich einfach nicht leicht von außen erschließt. Nachlaot liegt zwischen Agripas und Betzalel. Von außen sieht man oft nur verdreckte Eingänge und Hinterhöfe mit Mülltonnen.  In Nachlaot treffen Gegensätze aufeinander: Neben baufälligen,  heruntergekommenen Löchern wird gerade ein elegantes, schlankes historischen Haus hinreißend renoviert. Einige Plätze sehen aus, wie aus ein ost-europäische Stetl, über dem sich dann in orientalischer Bauweise Balkon und Erker marokkanischer und yemenitischer Häuser in die Höhe strecken.

Es ist absehbar, das sich hier gewaltig viel ändern wird, denn der Stadtteil ist ein echtes Juwel. Das war er früher auch schon einmal. Ende des 19. Jahrhunderts  entstand dieser neue Stadtteil und versprach seinen
Bewohnern Zuflucht vor der überfüllten Enge der Altstadt. Nachlaot ist so der sechste Stadtteil in der ‚Neustadt‘ geworden, als sich Jerusalem Richtung Westen ausdehnte.

In den 20er Jahren kamen kurdische, griechische und syrische Familien und Nachlaot füllte sich mit mehr und mehr Flüchtlingen und wurde schließlich fast zu einem Slum. Die heute berühmte Familie Banai ließ sich hier nieder, deren Nachkommen als Musiker und Schauspieler und Künstler bekannt wurden.

1967 änderte sich die Situation schlagartig, als neue Nachbarschaften gebaut wurden. In den 80ern drohte Nachlaot sogar, zu einer verlassenen Gegend zu werden. Seit 1991 wurde wieder viel renoviert, da der Stadtteil viele junge Leute und Neu-Einwanderer anzieht, die heute den Charakter von Nachlaot prägen.

Es gibt einen Wahlsieger! Mai 30, 2008, 8:35

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Ja, der Wahlkampf zog sich über Monate hin, und gestern wurde es groß verkündet – wir haben endlich einen Nationalvogel!

Wie wir es ohne nationalen Repräsentativ-Vogel ausgehalten haben, in diesem Paradies der Ornithologen, weiß ich nicht. Ich war natürlich Anhängerin des Rötelfalken (bas adom, lesser kestrel), schließlich brütet auch dieses Jahr wieder eine Falkenfamilie auf unseren Dach, wie auf allen unserer Nachbarn. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich diese herrlichen Vögel durch den Himmel schießen sehe. Leider hat er nicht gewonnen, aber er ist eindeutig unser Heimatvogel hier im Kibbuz.

Weitere Kandidaten aus dem Vogelreich Israels waren

– der Bulbul, ein sehr verbreiteter Vogel, der vermutlich durch seinen Namen zu Fall kam – im Kindergartenslang nämlich machen kleine Jungens mit ihrem Bulbul Pipi… keine Ahnung, wie es zu dieser Doppeldeutigkeit kam. Jedenfalls gibt es Leute, die sagen, der Bulbul braucht nicht Nationalvogel zu werden, denn er war ja schon Präsident…

– die Schleiereule (white barn owl, tinshemet), die ich auch sehr mag. Wir haben im Kibbuz schon seit vielen Jahren eine Schleiereulen-Sippe, die in einer alten Scheune haust. Wenn man dort abends vorbeigeht und Glück hat, dann hört man eine Eule rufen.

– der Goldfink, Chuchit, wobei ich natürlich immer an Carel Fabritius´wunderschönes, trauriges Bild im Mauritiushuis denke…

– der Geier (Nesher – das Wort wird auch oft für Adler verwendet, obwohl Adler ayit heißt, eng. griffon vulture), der schon in der Bibel erwähnt wird und sehr königlich aussieht, wenn er über die Berge fliegt – auch wenn seine Tischgewohnheiten etwas unappetitlich erscheinen,

der Spornkiebitz, eine Art Regenpfeifer (engl. spur-winged plover, lateinisch Vanellus spinosus, hebr. siksak), der von vielen favorisiert wurde – er ist nämlich ein vorwitziger, selbstbewußter Frechdachs, und entspräche damit dem Volkscharakter der Schubser und Drängler…

– Tzufit, honey-sucker, ein wirklich wunderschöner zierlicher Vogel, eine seltene Kolibri-Art. Sie haben so schön schillernde Federn und fangen das Licht ein, wenn sie in der Luft stehen und ihre spitzen Schnäbel in die Blütenkelche versenken. Ich sehe sie sehr gern.

– der Pashosh, auch graceful warbler oder Streifenprinie genannt, was ich ohne Google nie im Leben gewußt hätte!, ein hübscher kleiner Vogel. Pashosh nennt man auch kleine Kinder, und es ist ein beliebter Name für Kindergärten für die Allerkleinsten. Ey-ze pashosh ist so ein entzückter Ausruf über einem Kinderwagen, was für ein Streifenprinchen!…

Das klingt immerhin noch annehmbarer als der Ausruf ey-ze mammi für deutsche Ohren – mammi heißt nämlich nicht Mami, sondern bezeichnet alles Niiiiedliche. Das hat mich zu Anfang hier wirklich erstaunt – daß man kleine Kinder mammi und kleine Mädchen bubbele oder bubi nennt. Buba heißt nämlich Puppe, hat mit Bub nichts zu tun – außer man meint einen Puppenjungen, dann heißt der Bub. Ey-ze bub! Für diese menschlichen Verwirrungen jedoch kann der kleine Vogel nichts.

Die genauen Ergebnisse gibt es hier, mit ein paar hübschen Bildern.

Doch der Wahlsieger ist eindeutig der Wiedehopf (duchifat), der wirklich sehr schön ist. Im hebräischen Volksmund stinkt er auch nicht (obwohl sein Nest ja sehr stinken soll), aber er ist unkoscher. Na, er ist ja auch nicht zum nationalen Leibgericht, sondern Lieblingsvogel gewählt worden.

Herzlichen Glückwunsch, Wiedehopf! Ich hoffe, die ganze Aktion hat wirklich geholfen, die Bedürfnisse der Wildvögel ein bißchen prominenter zu machen.

Fies und hämisch Mai 29, 2008, 11:07

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bin ich ja nicht sooo oft… aber ich kann es mir bei dieser Meldung einfach nicht verkneifen.

Dieses Bild schreit geradezu danach, mit einer beißenden Unterschrift versehen zu werden. Das ist aber nicht meine Stärke, vielleicht fällt ja jemandem was ein.

Außerdem erinnert es fatal an einige berühmte Vorbilder. Und da kenne ich mich ein bißchen besser aus.

Maria Magdalene, die schöne Büßerin, wird oft in dieser Pose dargestellt. Ja die Hand vor der Brust und die flehend-schmerzichen Augen sind geradezu ein Gemeinplatz der Büßerin geworden.

El Greco

Tizian

Gentileschi

Allerdings sind die büßenden Magdalenen ohne Zweifel ansehnlicher als Olmert, und die legendäre Hure mit dem guten Herzen (die ja bekanntlich gar nicht Maria Magdalena hieß) bereute ihre Taten, und ihr ward vergeben. Also nicht ganz Olmerts Fall… denn niemand könnte von ihm sagen, daß er es nur aus Liebe getan hat.

El Grecos charmanter Edelmann wäre wohl schon eher ein Vorbild für ihn. Ein so feiner Herr, daß niemand ihm Böses zutrauen würde, noch dazu von leiser Melancholie umwittert. Ein Ehrenmann.

El Greco

Jedoch, fromme Christen mögen es mir verzeihen, am meisten liegt wohl das wahre Opferlamm in seiner Linie.

El Greco

Verfolgte Unschuld, geopfert von einer verständnislosen Umwelt der Machenschaften und Kleinlichkeiten. Olmerts Worte zeigen, daß er sich genau so sieht.

„I have been done an injustice, and it is illogical that a prime minister should be brought down because of something like this,“ Olmert said to some of the lawmakers.

Ein Pontius Pilatus, wer anders denkt…

Nicht schon wieder Mai 29, 2008, 7:44

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Ich mag nicht drüber nachdenken, mag es eigentlich gar nicht wissen, möchte es nicht persönlich nehmen, aber ich kann mir nicht helfen. Der neuerliche Versuch der britischen Akademiker, Israel offiziell zu boykottieren, ist brutal und verletzend und kränkend und gemein. Ich weiß von Freunden, die die Boykott-Mentalität schon zu spüren bekommen haben, auch wenn er offiziell nicht nicht beschlossen und auch umstritten ist. Britische Zeitschriften lehnen Artikel von israelischen Autoren ab, Museen kooperieren nicht, britische Wissenschaftler kommen nicht mehr zu Konferenzen in Israel und laden keine Israelis mehr ein.

Ich fahre gleich los an die Uni. Jeder, der schon mal an der Uni Haifa war, hat gesehen, wie selbstverständlich dort arabische und jüdische Studenten, Christen, Moslems, Tscherkessen, Drusen, alle miteinander studieren, lehren, Kaffee trinken. Ich sage ja immer, ich glaube nicht, daß man an einer deutschen Uni so viele verschleierte Studentinnen sieht wie bei uns. Niemand redet dem anderen rein, es ist egal, woher jemand kommt, wie er heißt. Viele arabische Studenten sind die ersten ihrer Familie, die eine akademische Ausbildung machen. Die Uni bietet ihnen besondere Unterstützung, auch mithilfe deutscher Freunde. Studenten egangieren sich in Projekten, Araber und Juden zusammen.

Ich selbst bin ja Ausländerin, Nichtjüdin, und kann bezeugen, daß das niemandem etwas ausgemacht hat. Mir nicht, anderen nicht. Man hört so viele Sprachen auf dem Campus, Hebräisch, Arabisch, Amharit, Russisch, Englisch, Griechisch. Wie man so eine Einrichtung boykottieren kann, die viel egalitärer ist als viele deutsche Unis, die sich so sozial engagiert, die so aktiv für Gleichberechtigung und Pluralismus eintritt, eine Uni, an der A.B. Yehoshua, Fania Oz-Salzberger und viele andere außergewöhnliche Menschen unterrichten, an der Sammy Smooha einige der interessantesten Analysen des arabisch-israelischen Zusammenlebens abliefert, ob bequem oder unbequem – eine Uni, deren Forschungsdekan Araber ist — das geht einfach über meinen Verstand.

Und es ist ja nicht so, als würden die britischen Akademiker über eine lange Liste Länder abstimmen, mit denen sie die Beziehungen abbrechen, eine Liste, auf der sich Syrien, China, Burma, Nordkorea, Pakistan, Saudi-Arabien, was weiß ich, Länder mit bekannten Problemen befinden. Und daß sich auf dieser Liste auch Israel findet. Nein nein, es wird NUR gegen Israel vorgegangen.

Getreu der UN-Devise, daß die israelischen Verbrechen so ungeheuerlich sind, daß man zu gar nichts anderem Zeit hat. Wer hat schon Zeit, sich um Darfur zu kümmern, wenn die Israelis sich mal wieder gegen Raketenbeschuß wehren? noch dazu mit gezielten, kleinteiligen Militäraktionen oder wirtschaftlichen Maßnahmen statt mit Flächenbombardierung? Unerhört. Da muß sofort eine Resolution heraus!

Oh, und wir wollen gar nicht erst daran denken, daß es die britische Kolonialpolitik war, die uns den Ärger hier erst eingebrockt hat. Wir wollen auch nicht daran erinnern, daß die Briten jüdische Flüchtlinge zurück in den Holocaust geschickt haben und somit die Seite Nazi-Deutschlands gegen die Juden genommen haben. Nein nein, daran darf man nicht denken, ebensowenig wie man fragen darf, mit welchem Recht Großbritannien Gibraltar besetzt hält, Nordirland, oder warum es für die Falklandinsenln in den Krieg gezogen ist. (Der geographische und historische Bezug ist jedenfalls dünner als die Beziehung der Juden zu Jerusalem, das seit mehreren tausend Jahren Dreh- und Angelpunkt jüdischer Identität ist…) Aber so kleinlich wollen wir gar nicht sein…

Ich sollte mich über diese bodenlose, blinde und haßerfüllte Ungerechtigkeit nicht ärgern, die irgendwelche britischen Dozenten dazu führt, Jahr um Jahr zu versuchen, die Uni Haifa speziell herauszupicken und mit dem Boykottsiegel zu versehen. Ich sollte aus meinem Kopf den Chor verbannen, der immer monoton schreit: Deutsche, wehrt euch… aber er will nicht stillwerden.

Die Ohrfeigen, die wir einstecken, während wir hier Angriffswelle um Angriffswelle hinter uns bringen, die töten uns nicht. Aber sie tun weh. Mir zumindest.

Nichts Gutes am Abend Mai 28, 2008, 20:40

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Olmert sieht gar nicht ein, weshalb er zurücktreten sollte. Daß über 80% der Befragten meinen, er ist unerträglich, stört ihn nicht. Es hat ja auch Katzav nicht gestört! Er meint, wenn er verurteilt wird, dann tritt er zurück. Na tolle Einstellung.

Barak, der ihn stürzen könnte, indem er die Koalition aufkündigt, tut das nicht. Er schiebt den Schwarzen Peter Olmerts Partei zu, die sollen ihn stürzen. Barak selbst hat ja ähnichen Dreck am Stecken und will sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Kadima dagegen, Olmerts Partei, hält bange still. Vermutlich wissen sie, daß sie bei einer Neuwahl abgestraft würden. Ich sehe ein Comeback des Likud am Horizont. Nicht nach meinem Geschmack, aber… vermutlich kann nur ein rechter Regierungschef Bewegung in eine Art Friedensprozeß bringen, weil er weniger inneren Widerstand überwinden muß. Aber wo ist de zukünftige Regierungschef, der mal eine kreative Idee hätte? Ich seh gerade keinen.

Die Hisbollah hat heute nicht nur ein Manöver mit voller Bewaffnung und scharfen Waffen durchgeführt, sondern sich auch dabei filmen lassen und im Fernsehen stolz gezeigt, wie sie sich auf den nächsten Krieg vorbereiten. Sehr nette Bilder! Siniora erklärt inzwischen deutlich, daß der gemeinsame Feind im Süden sitzt. Was sagt UNIFIL zu den Manövern der Hisbollah? Ist es Zufall, daß die Hisbollah so kurz nach ihrem politischen Sieg (denn nichts anderes ist das Abkommen mit der Regierung) offen ihre Muskeln spielen läßt? Es gefällt mir nicht.

Assad erklärt in aller Deutlichkeit, daß er seine Kontakte zum Iran natürlich nicht abbrechen will, das wäre ja noch schöner. Na nett. Vielleicht dauert es noch ein paar Jahre, bis wir mit Syrien in die Pötte kommen. Solange sie uns nicht angreifen, die Freunde A. und A., macht das keinen großen Unterschied.

Eine Gruppe jüdischer Jugendlicher hat zwei arabischen Jugendlichen vor einem Einkaufszentrum aufgelauert und sie brutal zusammengeschlagen. Die Jugendgewalt nimmt auch hier unglaubliche, schockierende Formen an. Mal werden äthiopische, mal russisch sprechende, jedenfalls immer „andere“ Jugendliche Opfer von Bandengewalt. Die Aufnahmen einer Sicherheitskamera, die das Pogrom an den arabischen Jugendlichen aufgezeichnet haben (auch in den Medien hier wird es so bezeichnet) sind fast unerträglich. Immerhin sind auf diese Art und Weise fast alle Schläger gefunden worden.

Moshe Nussbaum, der Reporter mit dem Pony, hat einen der jüdischen Jugendlichen interviewt. Er hat rumgestottert und gemeint, er war es ja nicht, er stand nur dabei, er konnte ja nichts machen (obwohl auf den Aufnahmen genau zu sehen ist, wie „unschuldig“ er war). Dann meinte er, „ich… äh… ich dachte nicht, daß da was nachkommt, ich dachte, da passiert nichts“. Ja, hat er wohl gedacht, daß er nicht erwischt wird oder straffrei ausgeht.

Auch solche Leute gibt es hier, pfui Teufel. Ich hoffe, sie werden mit aller Schärfe des Gesetzes bestraft. Jugendgewalt ist schlimm genug, rassistisch motivierte Gewalt ist so ziemlich das schlimmste überhaupt.

Im Süden sind heute mehrere Mörsergranaten gefallen, ein Haus ist direkt getroffen worden. Die Hamas möchte uns wohl zu gern in den Gazastreifen locken, damit es zu einem Showdown kommt, das sich dann publizistisch ausschlachten läßt. Im Moment gibt es nur kleine, begrenzte Einsätze der Armee. Ich bete, daß es dabei bleibt – ein großer Schlagabtausch kann uns nicht mehr bringen als gezielte Aktionen auf kleiner Flamme. Es sind schon zu viele Unbeteiligte ums Leben gekommen.

Die Bauern im Süden, die seit Jahren unter Beschuß stehen, wollen die Lebensmittellieferungen an die Leute, die sie beschießen, einstellen. Schockierend! Verbrechen gegen die Menschheit, die Blockade, stellen Desmond Tutu und Amnesty in schöner Einigkeit fest. Vielleicht fällt ihnen ja doch auf, wie absurd es ist, daß die Bewohner des Gazastreifens nach unseren Lebensmitteln schreien, während sie die Raketen zünden.

Nu, Jungens, wie wäre es, ihr entscheidet euch mal? Und Tutu, Amnesty & Co., wie wäre es, wenn mal jemand die Palästinenser deutlicher aufklären würde, daß es nicht ihr unveräußerliches Menschenrecht ist, sich von den Opfern ihrer Rakten durchfüttern zu lassen…? (Ich weiß, ich weiß, sie kritisieren den Beschuß des Negevs, aber sie erklären nicht deutlich den Kausalzusammenhang zwischen diesen Aggressionen und den Maßnahmen Israels, die sie ebenfalls kritisieren.)

Israel hilft den Opfern in China und Burma. Mein Herz zieht sich zusammen, wenn ich an die armen Menschen dort denke. (Laut Israel Matzav war israelische Hilfe eher in Burma als alle anderen, ich weiß auch nicht wie das möglich war.)

Die behinderten Sportler Israels, die bei den letzten Paralympics 13 Goldmedaillen gewonnen haben, prozessieren um Gleichbehandlung mit nicht-behinderten Sportlern. Ich bin so stolz auf diese Sportler, und ich finde es so beschämend, daß unser Staat sie diskriminiert und im Regen stehen läßt. Es wäre wohl an der Zeit, sie finanziell zu unterstützen.

Wirklich, das sind die Abendnachrichten. Selbst die Wettervorhersage ist unfroh: heiß, heiß, heiß.

Gute Idee Mai 28, 2008, 7:05

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Heute früh, beim Hören der Frühnachrichten. Erst Olmert und Talansky, dann der anstehende Austausch mit der Hisbollah – Regev und Goldwasser gegen Samir Kuntar & Co. [über Samir Kuntar wollte ich auch noch schreiben, ich schaff es nicht alles]. Quartas Gesicht leuchtet auf. „Mama, ich weiß was. Wir sagen zu Nasrallah einfach, hier habt ihr unseren Premierminister, jetzt gebt uns die Soldaten wieder!“

Ich halte diese Idee für mehrheitsfähig.

Update: Ich habe diesen neusten Ausspruch unserer Tochter Y. berichtet. Der nickte nur und meinte trocken, „ich würd Elchanan Tennenbaum noch dazugeben“.

False friends und andere Mai 27, 2008, 22:08

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nennt man Worte einer Fremdsprache, die man zu kennen glaubt, wei sie der eigenen Muttersprache ähnlich sind. Aber dann bedeuten sie doch was anderes.

In unserer beliebten Serie „israelischer Slang für Anfänger“ möchte ich mich heute einigen beliebten Worten widmen, die an deutsche Worte erinnern, aber nur von ferne.

Was ist ein Shveetzer? Ich schreibe mit Absicht nicht Schwitzer, denn das sagt man anders. Um Shveetzer wie ein Israeli zu sagen, muß man das i langziehen wie Fräulein Andacht das ü, und die Endsilbe klingt fast so wie im Französischen das -aire. (Temeraire) Das heißt, das r ist richtig schön anwesend, wird nicht zu einem maulfaulen -a verkürzt wie im Deutschen. Als Beispielwort nehme ich gern den Namen Mor, der im Deutschen wie Moa klingt, aber im Hebräischen wie Mooore.

Es klingt also anders als Schwitzer, und es bedeutet einfach Angeber. Dazu gibt es auch ein Verb, lehashveetz, prahlen, protzen, strunzen, und angewendet klingt das so: hishvatzti, ich habe geprahlt. Oder chavurat shveetzerim, eine Bande von Angebern. Man kann assoziativ sogar an einen Menschen denken, dem vor lauter Prahlerei die Oberlippe stets feucht ist, so wie Mr. Collins. Aber wie sich das genau herleitet, habe ich noch nicht überzeugend dargelegt gefunden. Jedenfalls ist ein Shveetzer ein etwas lächerlicher Angeber, dagegen der Shachtzan ein echter, eingebildeter Snob.

Ein Shtiinker stinkt wirklich, denn er ist ein Verräter, Betrüger, Spion für den Feind. Shtinker sorgen für Stunk, sie verpfeifen Freunde und niemand kann sie leiden.

Fraayer dagegen sind keineswegs Freier, weder auf ebendiesen Füßen noch hinterm Bahnhof. Ein Fraayer ist ein gutmütiger Trottel, einer, an dem bei Schlangestehen alle schnippisch vorbeiziehen, „ich will nur mal eben den Arzt was fragen“. Er ist der Betuppte, der Gelackmeierte. Vermutlich Neueinwanderer! „Nu, seh ich aus wie ein Fraayer?“ lautet eine beliebte rhetorische Frage. Nein, nein, bestimmt nicht. Fraayer sind immer die anderen.

Aber nicht alle sind unbekannte Größen. Da gibt es den Shluumper, der tatsächlich so schlampig ist, wie er sich anhört (und dessen Schwester Shluumperit keinen Deut besser ist – bin ich denn eure Fraayerit, daß ich hinter euch her räume?), den Shnorrrer, der allbekannt ist, und den Freser, der sich vollstopft.

Auch der Bandit kommt einem bekannt vor, es wird gern auf Kinder angewendet. Mamzer katan, kleiner Bastard, ist ein Wort für schalkhafte Kinder, und mamzer gadol, großer Bastard, geradezu anerkennend für Leute, die es hinter den Ohren haben.

All diese wunderbaren Worte kommen aus dem Jiddischen, einer Sprache, die uns auch den Nudnik und die Yente geschenkt hat, den Paskudniak, den Shmendrik, den Potz, den Tembel, die Pustema und die vilde Chaie. Lauter nervige Typen, ohne Zweifel, jeder auf seine Art. (Der Nudnik nörgelt, die Yente tratscht und mischt sich ein, der Paskudniak haut einen übers Ohr, der Shmendrik hat von nichts ne Ahnung, der Potz glaubt, er hat sie, die Ahnung, die Pustema ist einfach rundherum widerlich, und die vilde Chaie ist eine Beheyme – ein wildes Tier.)

Der Tembel, charmant-vertrottelt wie im bei uns sehr beliebten Lied von Kaveret, verdient einen eigenen Eintrag, so nennen sich meine Söhne nämlich gegenseitig liebevoll, und ihren Vater ehren sie mit dem schönen Wort Tembel merkasi, der Haupt-Tembel.

Einige dieser Worte kommen langsam aus der Mode, die Jüngeren benutzen gern den stets nützlichen maniak, keine Ahnung, woeher der kommt, um jemanden, äh, abzuqualifizieren. Doch selbst eine sonst sehr wohlerzogene Kollegin benutzte das Wort eindrucksvollerweise, als ich sie nach der langen, schweren Geburt ihres ersten Kinds besuchte. Sie fragte, wie die Geburt der am gleichen Tag fälligen Kollegin gelaufen war, bei der ich vorher war, und als ich sagte, „oh, das ging ganz schnell und war nicht schlimm“, knurrte sie nur, „diese maniakit„.

Aber wie sagt man im Yiddishen und auch im hebräischen Slang zu jemand, über den man nur Gutes zu sagen weiß? Ganz einfach. Er ist ein Mensch.

Mir ist schlecht Mai 27, 2008, 19:26

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und ich glaube, ganz Israel hat heute abend mit Brechreiz zu kämpfen. Pfui Teufel.

Heute hat Olmerts reicher Bekannter Moshe Talansky vor Gericht ausgesagt. So hat sich das abgespielt: der Mann hat Olmert sehr bewundert und Olmmer ihm ohne Ende Geld abgeknöpft. Es gibt ja eine Art Grauzone zwischen Spenden und Schmiergeldern, mit der alle Parteiendemokratien kämpfen. Doch hier geht es um etwas noch Ekelhafteres: ein wichtiger Mann und Politiker nutzt einen naiven, wohlhabenden Bewunderer schamlos aus, für seine eigenen persönlichen Bedürfnisse. Olmerts Sekretärin ruft bei Talansky an, sagt, daß Olmert Geld braucht, daß Olmert einen First class-Flug haben will, daß Olmert 5000 Dollar will, wenn er an der Hochzeit von Talanskys Sohn teilnehmen soll.

Zwischendurch, während er diese schrecklichen Geschchten erzählt, von Briefumschlägen voll Geld, bricht der Zeuge in Tränen aus. Er geht nach draußen, eine junge Journalistin fragt ihm wie es ihm geht. (Sie war die erste, die ihn neulich schon interviewt hat). Sie fragt ihn, wie es ihm geht. Er sagt, mit Tränen in den Augen, „meine Frau ist krank, es tut mir so leid für sie“. Er sagt, er weiß nicht, wieso er das so lange mitgemacht hat, und daß ihm heute klar ist, daß Olmert ihn zynisch ausgenutzt hat. Er hat nichts dafür bekommen, nichts dafür verlangt (man muß noch sehen, ob er nicht indirekt doch von der Nähe zu Olmert profitiert hat), er macht im Moment den Eindruck eines harmlosen Mannes. Nicht rachsüchtig, nicht verleumderisch.

Aber Olmert, pfui Teufel, pfui Teufel. Wenn ich mir überlege, daß Rabin zurückgetreten ist, weil seine Frau ein Dollarkonto hatte, ohne sein Wissen, obwohl es damals verboten war. Und Olmert hat so viel Dreck auf der Weste, man sieht vor Flecken keine Weste mehr. Er hat kein moralisches Recht, in unserem Namen irgendwelche Verhandlungen zu führen oder Verträge abzuschließen. Denn er ist unter falschen Vorspiegelungen gewählt worden. Zurücktreten, zurücktreten. Aber schnell.

Abgeblitzt Mai 26, 2008, 18:08

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Ich weiß nicht, was ich von dieser Meldung halten soll:

Palestinian officials close to peace talks said Sunday that Israel has offered a West Bank withdrawal map that leaves about 8.5 percent of the territory in Israeli hands, less than a previous plan but still more than the Palestinians are ready to accept.

Das heißt, 91,5% der Gebiete würden unter palästinensische Verwaltung kommen. Das heißt, wenn so ein Plan akzeptiert würde, müßte Israel Siedlungen auflösen, Straßen und Infrastruktur übergeben, Sicherheitsabkommen schließen, vielleicht den Sicherheitszaun versetzen, Gebiete innerhalb Israels zum Tausch bestimmen (ich denke, es geht um die Gebiete, die an der Grenze sind, überwiegend arabisch, und die nur aufgrund von Verhandlungen beim Waffenstillstand an Israel fielen), alles mögliche.

Man könnte sich ans Werk begeben, einen Zeitplan aufstellen, an der Finanzierung arbeiten, am Plan weiter feilen, Einwände hören, so daß er für möglichst viele Beteiligte tragbar ist. Sagen wir mal, es wäre ein gar nicht so dummer Schritt in eine Art Zukunft.

Solche Situationen hat es schon recht oft gegeben in der Geschichte: die Palästinenser bekommen ein Angebot, das für den Anfang gar nicht schlecht ist. Es ist ihnen aber nicht gut genug, also lehnen sie es rundweg ab und fangen statt dessen einen Aufstand an. Ich hoffe, sie verzichten diesmal auf den Aufstand.

Aber ehrlich, ich kann sie nicht verstehen. Sie sagen, sie wollen einen Staat, so wie die Juden 1948. Auch das Angebot, das die Juden damals kriegten, war alles andere als ideal. Sie haben es trotzdem angenommen, weil sie gesagt haben: Hauptsache unabhängig und souverän, das ist wichtiger als als alles andere. Es war in gewisser Hinsicht Israels Glück, daß die Araber alle Angebote ausgeschlagen haben (auch wenn es angesichts der vielen Kriegstoten zynischer klingt, als es gemeint ist) – denn so wurden die Karten alle paar Jahre wieder neu gemischt, wenn die Araber einen neuen Krieg anfingen, um ihre Maximalforderungen durchzusetzen, was nie funktionierte.

Ich würde den Palästinensern, die neulich erst bei ihrem Naqba-Tag obsessiv die Geschichte des jüdischen Staats studiert haben, ernstlich raten, sich mal eine Scheibe beim Yahud abzuschneiden. Mal zu gucken, wie die das eigentlich angestellt haben, daß es hier heute ganz nett brummt.

Nachbarn, bitte, nehmt, was ihr kriegen könnt, und macht das beste draus. Zeigt der Welt doch endlich mal, was eine Harke ist, wenn sie in palästinensischer Hand liegt. Macht was draus, eine Erfolgsgeschichte. Setzt uns doch mal mit Tüchtigkeit, Stabilität, Zuverlässigkeit und Kreativität unter Zugzwang. Baut einen Staat aus 91,5 statt 100% Eures Traumgebiets, aber baut ihn 100% erfolgreich. Ich bin sicher, viele Unternehmen, Unis und Forschungseinrichtungen in Israel warten nur darauf, mit den Palästinensern zu kooperieren und das Ihre dazu zu tun, daß die Gegend hier in Schwung kommt. Stef Wertheimer, aber nicht nur er.

Dann werden bei einer weiteren Verhandlungsrunde, die irgendwann ansteht, palästinensische Forderungen ganz, ganz anders klingen. Nicht mehr wie trotzige Luftschlösser, die von vornherein mit der Realität wenig zu tun haben, und hinter denen Chaos und Gewalt drohen („Rückkehr aller Flüchtlinge“). Sondern wie verständliche Ansprüche, die Israels Sicherheit nicht gefährden. Das wäre doch mal was.

Ich wünschte wirklich, die Verhandlungen würden in die Hände einer Gruppe erfahrener, pragmatischer Profis gelegt, statt Politiker. Erzieher, Lehrer, Ärzte, Unternehmer, Musiker. Leute, die begreifen, wie man ergebnisorientiert arbeitet, wie man mit Menschen arbeitet, wie man auch mal eine Niederlage einsteckt, wie man großzügig ist und flexibel. Beiden Seiten wünsche ich das – ich halte unsere Regierung auch nicht für das Gelb vom Ei.

Aber auf mich hört ja niemand. Wir werden wohl leider noch viele solcher Nachrichten lesen, fürchte ich.

Heiter Mai 26, 2008, 16:37

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Heute hatten wir eine kurze Unterredung mit einem Rentenfritzen, denn seit der Kibbuz kein richtiger Kibbuz mehr ist, ändern sich solche Abmachungen ein bißchen, und der Mann sollte uns auseinandersetzen, wie unsere Zukunft als Rentner aussieht. Wie also die Beschlüsse des Kibbuz sich konkret bei uns auswirken. Er ist vom Kibbuz als Berater angeheuert worden.

Solche Gespräche gehen natürlich glatt über meinen Verstand, ich sage nichts und lasse Y. die Fragen stellen. Der Mann war so wieselflinker Zahlenjongleur, der uns in Windeseile Diagramme auf die Tafel malte und mit Prozenten um sich warf. Mein Gehirn schaltete auf Mathestunden-Modus um, sprich: ich guckte mir die Bilder an den Wänden an und hängte sie in Gedanken um.

Nachdem er mit Y. gefachsimpelt hatte, wandte er seine Aufmerksamkeit mir zu und vesuchte zu ergründen, was ich eigentlich beruflich mache. Er war für einen Moment wie vor den Kopf geschlagen, dann sagte er: „Kunstgeschichte? ist das interessant?“ Ich war sehr höflich und verkniff mir die ehrliche Antwort, „interessanter als Rentenberechnungen“, sagte nur, „oh ja“. Und dann lehnte er sich plötzlich im Stuhl zurück und fing an zu feixen. „Also, wenn ich höre, Kunstgeschichte, dann denke ich immer an den da Vinci-Code. Das war ein tolles Buch! der Film war ja ne Enttäuschung, aber das Buch!“

Und dann fixierte er mich und fragte: „du verstehst also was von dem, was die in dem Buch erzählen?“ Ich, verzweifelt versuchend, ernst zu bleiben, „ja ja“. Er: „Und ist da was dran an der Geschichte?“ Ich: „Leider ist die ganze schöne Verschwörungsgeschichte nur heiße Luft, diese Theorien waren auch schon lange bekannt“. Er: „Aber einen da Vinci gab es doch wirklich, oder? war der denn wirklich so gut und wichtig?“ Ich kämpfte sehr mit einem unerklärlichen Hustenreiz, und dann empfahl mir der Rentenfritze, den neuen Indiana-Joe-Film zu sehen. Er meint, der war viel besser als der da Vinci-Code, und er würde mich bestimmt interessieren.

So endete diese Unterredung auf einer heiteren Note.

Volljährig Mai 25, 2008, 12:53

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Ich habe das Gefühl, ich werde heute zum zweiten Mal volljährig. Nein nein, so schlecht ist meine Mathematik auch wieder nicht, mir ist schon klar, daß ich älter als 36 bin… aber mein Ältester wird heute 18. Er hat heute nachmittag eine Abiprüfung, deswegen ist er noch zuhause, und erzählt mir gerade, wie viele Mädchen ihn schon angerufen, -gesimst und -gemailt haben. Eine erkleckliche Anzahl.

Primus als Baby, Sommer 1990, im blauweißen Strampelhöschen

Ist das wirklich schon so viele Jahre her, daß ich etwas verdattert in der Klinik des Kibbuz stand, bereit, ins Krankenhaus zu fahren, und die Krankenschwester freundlich sagte, „bald bist du Mutter, was sagst du dazu?“ Ich sagte gar nichts, denn nach überlanger Schwangerschaft mit enorm schwerem Baby fühlte ich mich schon keineswegs kinderlos, auch wenn er noch nicht geboren war.

Primus als Ältester von Dreien, mit Tertia im Herbst 1993

Wir verstehen uns gut, Primus und ich, ich habe nichts an ihm auszusetzen und es war bisher lächerlich einfach, seine Mutter zu sein. Er war sehr empfindsam als kleiner Junge, aber irgendwann hat er das überwunden, vielleicht hat ihm seine Körpergröße dabei geholfen, die ihm überall automatisch Respekt verschafft und Witze über seine Brille gar nicht erst aufkommen läßt.

kurz vor der Einschulung, 1996

Er ist hilfsbereit, verantwortungsbewußt, erzählt seiner Mutter alle seine Abenteuer, liest gern gute Bücher, hat nette Freunde, die wie er sind und wenig jungmännliche Allüren zeigen. Wenn die Nachbarin Hilfe braucht, schiebt er den Nachbarn im Rollstuhl den Hügel rauf und gibt ihr seine Handynummer, damit sie ihn immer rufen kann, wenn sie möchte. Er trägt seiner kleinen Schwester den rosa Ranzen und lädt ihr den MP-Player mit Musik voll, nach ihren detailliereten Wünschen. Er fegt für Mama die Treppe und geht mit Abba einkaufen. Hm, mir fällt gerade nichts ein, was schwierig wäre mit Primus.

Secundus, Primus, Tertia, 2001

Er war ein Schreibaby, das stimmt, aber das waren Y. und ich auch. Es war ja lustig, wenn ich mit Primus durch den Kibbuz zog und mich alte Frauen beim Klang seines Weinens versonnen ansahen. „Tatsächlich, so hat der Y. auch immer geweint. Wir haben im Babyhaus eine Zinkwanne unter den Wasserhahn gestellt, und beim Lärm des einlaufenden Wassers hat er sich beruhigt. Oh, und der Opa (Y.s Vater) hat auch viel geschrien, das weiß ich noch. Der war aber auch so oft krank als Kind“. Das war nett und beruhigend, daß es da Präzendenzfälle gab. Denn ich hatte ja eigentlich mir vorgenommen, ein so glückliches Kind grosszuziehen, das NIE weinen muß.

Allerdings war ich die ersten zwei, drei Jahre mit Primus todmüde, weil er nachts sehr unruhig war. Ich bin sogar mal zur Kinderpsychologin gegangen, die hier regelmäßig zu Besuch kam und durch die Kinderhäuser ging. Sie sagte mir die weisen Worte, die auch wahrwurden: „je älter Primus wird, desto weniger Probleme wirst du mit ihm haben“, und so war es auch. Seit das nächtliche Weinen aufgehört hat und die Anpassung mit der Brille, hat er keine Probleme mehr gemacht.

Sommer 2006, während ich meinen Kriegsfimmel in Aufräumfimmel umwandelte, mit einem alten blauweißen Strampelhöschen

Übrigens war die Erste, die ihn angerufen hat, seine geliebte Cousine, die am gleichen Tag geboren ist. Nur ein paar Stunden vor ihm. Sie ist auch so ein braves Mädchen, ich weiß nicht, woran es liegt. Die beiden stehen sich sehr nahe.

November 2007, mit Vater und Tertia

Mazal tov, mein Großer.

Akko Mai 24, 2008, 20:40

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Nachdem gestern so ein Erfolg war, haben wir heute der Familie abgesagt (sonst unerhört, unser Shabat ist IMMER Familientag!) und sind mit den Kindern nach Akko gefahren. Ich war hungrig auf alte Steine. Wir sind durch die Altstadt gepilgert, haben uns einiges angeguckt. Akko ist eine gemischte Stadt, aber die Altstadt ist natürlich ganz und gar arabisch. Kirchen und Moscheen, aber auch eine uralte Synagoge.

Akko, Khan el Omdan

Dann sind wir in ein Restaurant gegangen, haben uns mit gutem arabischen Essen vollgestopft (ich könnte nur von Taboule leben, ich liebe das Zeug – ein Salat aus Petersilie, Burgul und Pfefferminzblättern, schön mit viel Salz, Zitronensaft und Knoblauch), danach arabischen Kaffee getrunken (mit Kardamom) und weitergelaufen. Wir sind dann mit dem Auto weiter nordwärts gefahren, haben eine Weile an der Bucht von Achziv mit den Füßen im Wasser geplanscht, und bevor die Sonne unterging, sind wir nach Rosh haNikra hochgefahren.

Tertia

Die Seilbahn hatte schon zu, aber wir haben ein Paar Klippschliefer beobachten können, die es sich an der Grenz wohl sein lassen. (Wir waren schon so oft in den Grotten von Rosh HaNikra, daß es uns nicht leid tat, diesmal statt dessen Klippschliefer zu sehen – auf Ivrit heißen sie Shafan sela, „Klippenhase“.)

Klippschliefer an der Grenze Israel-Libanon

205 km nach Jerusalem, nur 120 km nach Beirut – so nah beieinander ist im Nahen Osten alles. Der Norden ist wunderschön, selbst eine Stippvisite reicht, um sich in Ferien zu fühlen.

Lokalgröße auf Weltniveau Mai 24, 2008, 11:44

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Soweit ich weiß, spielt sich heute abend das jährliche Wettsingen der Peinlichkeiten ab, auch Euro-Bisayon genannt. In Israel bekanntlich sehr beliebt, Izhar Cohen! Gali Atari!! Dana International!!! Wir sind auf Weltniveau!!!!!! und jedes Jahr wird gegiftet, daß es reiner Antisemitismus ist, daß wir keine Punkte bekommen. Und wie erklärt man dann die Punkte, die wir trotzdem bekommen? Die mentalen Verrenkungen sind immer höchst belustigend und machen die Euro-Bisayon zu einem Kultereignis des Jahres. Ich tu es mir trotzdem nicht an, wenn ich es vermeiden kann.

Dieses Jahr werde ich vermutlich nicht drumherumkommen. Der Held ist nämlich dieses Jahr eine entschiedene Lokalgröße, dessen Elternhaus in Elyakim steht, nur einen Katzensprung von unserem Kibbuz entfernt, und der auf die Schule meiner Kinder gegangen ist. Dort herrscht ja noch Lehrmittel-Freiheit, d.h., die Schule teilt den Kindern Schulbücher zu, in die sie dann ihre Namen eintragen. Am Ende des Jahres wird dann kontrolliert, ob der Schüler das Buch geschont hat, und es ans nächste Kind überreicht werden kann. Mein Secundus, mit einem etwas boshaften Sinn für Humor geschlagen, hat seine Bücher allesamt als „Boaz Ma´uda“ gezeichnet und sich über die hysterischen Juchzer gefreut, die daraufhin in der Stufe unter ihm zu hören waren.

Der junge Mann hat den fünften (oder sechsten?) Wettbewerb namens Kochav Nolad (A Star ist Born) gewonnen, einem markenaffin-lila ausgeleuchteten Spektakel, bei dem hoffnungsfrohe junge Menschen dazu ermuntert werden, jede Art ernsthafter Ausbildung als überflüssig zu betrachten, weil man ja einfach so „Star“ werden kann. Ein etwas verschwommenes Berufsbild, aber sehr beliebt. Immerhin muß man dafür singen können.

Die Schokoladenseite der Sache war bei den ersten zwei, drei seasons (danach sind wir als Zuschauer mehr oder weniger ausgestiegen) die Wiederbelebung und Neuinterpretation von vielen alten Liedern, bekannten und weniger bekannten. Ich bin ja nicht dagegen, daß Unbekannte singen, im Gegenteil. Ich finde nur das Spektakel darum schrecklich. Oh, und mindestens einer der Sänger, die diese Sache gewonnen haben, macht wirklich interessante Sachen.

Da Ma´uda aber von hier ist, kam auch ich nicht drumherum, wenigstens eines seiner Lieder aus dem Wettbewerb zu erkennen. Hier ist es. Ich bin nicht begeistert, ich finde, der Bub leiert, aber meine Kinder sagen, was er bei der Eurovision singen wird, ist noch schlimmer.

Na ja, trotzdem wird es aus reinem Antisemitismus sein, wenn er niedergewählt wird. Jawohl.

Neulich, beim Elternsprechtag Mai 24, 2008, 11:14

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an der High school. Das ist immer ein Kraftakt! Wir haben Primus und Tertia mitgenommen, Secundus hat mir eine lange Liste seiner Lehrer vorbereitet. Als wir ankamen, strömten schon Scharen von Eltern und Jugendlichen herbei. Wir trennten Streitkräfte: Y. und Primus in Richtung Naturwissenschaft, Tertia und ich ins Gebäude Geisteswissenschaften. In jedem Gebäude liegen Pläne aus mit einem Grundriß, auf dem eingezeichnet ist wo welcher Lehrer sitzt. Und dann heißt es eben, warten, bis man dran ist.

Die Leute sehen anders aus als in Deutschland, kein Zweifel, was daran liegt, daß es fast alles Kibbuzniks sind. Nach wie vor erkennt man Kibbuzniks. Die Erwachsenen kleiden sich wie die Jugendlichen, niemand ist schick oder teuer gekleidet. Väter tragen Jeans und irgendwelche Hemden und Schluppen, nur die die drusischen Väter in ihren Offiziersuniformen fallen auf. Die Mütter kleiden sich genau wie ihre Töchter, Jeans und irgendein Top und wilde Haare. Oh, und die Lehrerinnen und Lehrer sehen auch nicht anders aus. Wenn man einen ausgewachsenen Mann in karierten Pantoffeln rumlaufen sieht, ist es entweder Alfons der viertel-vor-Zwölfte oder ein Kibbuznik oder ein Lehrer für Geographie an unserer Schule.

In einer Warteschlange stand ich zwischen zwei niederländischen Müttern, die unbekümmert über ihre Umgebung lästerten. „Typisch israelisch“ war nicht das einzige, was ich verstand. Ein Elternpaar sprach Portugiesisch. Die Niederländerinnen und die vermutlich aus Brasilien stammenden Eltern fingen an, sich zu unterhalten und zu vergleichen, wie viele zweisprachige Kinder ihre Kinder in der Klasse haben. Tertia brachte mir Tee, und ich konnte nicht anders als sagen, „danke Schatz“. Daraufhin die Niederländerinnen, etwas dismayed, „oh weh, eine Deutsche! die hat uns verstanden!“ Und ich dachte, ich kenn fast alle Eltern an der Schule!

Mit Tertia zum Lehrersprechtag gehen ähnelt übrigens einem altrömischen Triumphzug. Wo das Kind eintritt, entspannen sich die Gesichtszüge der Lehrer, und sie rufen, „ach, das liebe Mädchen! so klug, und dabei so still! immer nett! hat immer ihre Hausaufgaben! und ihr Heft ist so ordentlich!“ Der Lehrer für Bibel, ein religiöser Freak mit Kippa und Birkenstocksandalen, meinte, ihre Arbeiten zeigen, daß sie wirklich Interesse am Fach hat und sich eigene Gedanken macht. Was Tertia abstreitet. Ihre Kunstlehrerin (die mal meine Studentin war) möchte, daß Tertia Kunst als Leistungskurs („chamesh yechidot“) nimmt. Tertia will das nicht, die Begeisterung der Lehrerin ist ihr peinlich.

Die Lehrer auf Secundus´ Liste waren deutlich weniger enthusiastisch. Ihnen ist klar, daß sie im Leben meines Sohnes eine eher untergeordnete Rolle spielen. Mich interessieren weniger die Noten, mehr das Sozial- und Lernverhalten. Immerhin macht keines meiner Kinder in der Richtung Probleme, sie sind nicht frech und stören nicht, das ist immerhin schon etwas. Und die Noten, tja. Y. meint, er sieht in Noten weder einen Liebesbeweis der Kinder noch einen Garant für ihre Zukunft. Das ist Sache der Kinder, sie lernen für sich selbst und nicht für uns oder die Lehrer.

Wenn ich mich erinnere, wie wichtig bei uns früher Noten waren, und wie ich von Mathe- zu Lateinarbeit gelebt habe, bin ich wieder froh, daß das Schulsystem hier entspannter ist.

Primus, fast durch sein Abi, hat sich eigentlich von seinen Lehrern verabschiedet. Er versteht sich mit seinen Lehrern sehr gut, sie loben ihn auch alle. Interessanterweise sind Primus und Tertia Leseratten, und das schlägt sich auf die Schulleistungen nieder. Ich erkenne auch bei meinen jugendlichen Schülern sofort, wer liest und wer nicht.

Er und seine Freunde haben Kuchen verkauft, wie das auch in Deutschland an manchen Schulen üblich ist. Ich habe aus nichts einen Quark-Ölteig gemacht, mit Äpfeln gefüllt und hübsch geflochten, wurde sehr hübsch. Als Primus mit den vier Zöpfen ankam, war er stolz, daß alle dachten, die sind gekauft. Sie haben auch gut verdient, die Kinder, das Geld wird für die Abschlußfeier gebraucht.

Und ich war wieder mal beeindruckt, mit welcher Nettigkeit und Hingabe die Lehrer meiner Kinder arbeiten, für so wenig Geld und so wenig soziale Anerkennung. Die ich ihnen hiermit von ganzem Herzen ausspreche!

Jerusalem Mai 24, 2008, 8:16

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Gestern waren Y. und ich allein (ohne Kinder! ohne auch nur eines!) in Jerusalem. Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr da, und die letzten Male waren immer arbeitsbedingt und zielgerichtet. Oder zu einer Feier. Einfach so in Jerusalem rumlaufen, das hab ich ewig nicht mehr gemacht, dabei war es, als ich nach Israel kam, meine Wonne und Freude. Ich finde Jerusalem nämlich wunderschön; der Stein, aus dem alles gebaut ist, verleiht selbst den relativ sterilen und schicken neuen Vierteln einen Schimmer des Wunderbaren.

Y. mag Jerusalem weniger. Er begeistert sich wenig für alles Alte, nur weil es alt ist, er hat nicht viel für Religion übrig und läuft viel lieber durch schöne Natur als durch enge Gassen oder Kirchen oder Museen. Außerdem hört man leider den Namen Jerusalem nur, wenn von Anschlägen, politischem Streit oder sonst Ärger die Rede ist. (Wie kann ich deutsche Nachrichtenleser tadeln, wenn ihr Israelbild einseitig ist, wenn mein Jerusalembild es ebenfalls ist?)

Trotzdem haben wir gestern die Kurve gekriegt und sind hingefahren, seit Jahren zum ersten Mal wieder. Einfach so, ohne Plan. Y. meinte, er hat beim planlos-inspirierten Hin und Her durch die Altstadt Ecken gesehen, wo er noch nie war. Wir haben uns wie Touristen benommen, was wir ja auch waren, und das war schön. (Nein, wir haben weder Vered noch sonst jemand angerufen, das machen wir nächstes Mal, wenn wir vorher wissen, daß wir nach Jerusalem fahren, und nicht nur spontan losfahren).

Wir waren nicht nur in der Altstadt, aber die Altstadt ist zweifellos am eindrucksvollsten. Es zogen viele Moslems mit kleinen Teppichen über der Schulter in Richtung Tempelberg, als wir vom Ölberg in Richtung Jaffator fuhren. Schließlich sind wir durchs Neue Tor in die Altstadt gegangen. Mein einziges Ziel war, darin rumzulaufen und wieder ein Gefühl für die einzelnen Teile und ihre Lage und ihre Architektur zu bekommen.

Für uns Provinzler war es schön zu sehen, wie viele Touristen aus aller Welt wieder durch Jerusalem laufen. Eine Gruppe Inder, die Frauen in atemberaubenden Saris. Nonnen, Mönche. Viele Europäer, darunter sehr viele Deutsche, darunter ein Kamerateam mit einer großen Tigerente (????). Wir haben in einem kleinen Restaurant libanesisch zu Mittag gegessen, neben uns ein deutsches Paar, das mit der Speisekarte kämpfte, und denen wir ein bißchen halfen. Wir wünschten ihnen zum Abschied einen schönen Aufenthalt, sie uns auch.

Wir waren in der Grabeskirche, die picke-packe-voll war (und wo noch immer die Leiter außen vor einem der Fenster steht, wie auf den Photos vom Anfang des Jahrhunderts), in der Erlöserkirche, zu deren Gemeinde ich zwar gehöre, zu der ich mich aber nicht wirklich zugehörig fühle und deren kühles Innere mich ebenso ließ, und wir waren an der Klagemauer, die mich diesmal wirklich umgehauen hat. Es standen und saßen dort viele Betende. Es war das erste Mal seit langem, daß ich ohne Begleitung vor der Klagemauer stand, ohne Gruppe, ohne Erklärungen, einfach so.

So wie wir fromme (vielleicht auch weniger fromme) Christen, Juden und Moslems überall sahen, so lagen auch in allen Auslagen von Touristen-Shops Kippas, Kreuze aus Olivenholz und Gebetsketten nebeneinader, mit Chanukkiot, Flschen mit heiligem Öl oder Wasser und Keffiyes. So viele Läden bieten diese Ware an, man fragt sich, wer das je alles kauft.

Was es das letzte Mal, als ich dort war, auch noch nicht gab: so viele kleine Computerläden und Internetcafes. Die machen sich in der Altstadt etwas seltsam, in diesen alten Gewölben, neben den Geschäften für Gewürze und Kräuter, Parfüms, uralte Tonkrüge (echte Antiquitäten oder hübsche Fälschungen?), grellfarbige Kinderkleidung, bemalte armenische Teller und Tassen, und modeste Kopfbedeckungen. Und überall Touristen, Touristen, Touristen. So wie wir.

Ich habe in letzter Zeit so viel über Jerusalem und die Geschichte des Landes gelesen, daß ich zwischendurch fast einen Moment der Überwältigung hatte und es mir zu viel wurde. Thomas Manns tiefer Brunnen. Da haben wir uns in ein winziges Restaurant gesetzt und uns ausgeruht. Und haben beschlossen, wir fahren wieder hin, diesmal mit den Kindern.

Vom Ölberg aus gesehen: das Goldene Tor oder Tor der Barmherzigkeit, Shaar ha Rachamim. Noch ist es zugemauert, doch wenn der Messias kommt, wird es sich für einen Einzug öffnen.

Freitagsbild Mai 23, 2008, 18:59

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Hof Habonim Shabbat

Irgendwann muss es ja kommen, das Photo vom Sonnenuntergang am Meer. Ich weiss, mehr Kitsch geht kaum. Aber nachdem das Mittelmeer so nah ist, entgeht man diesem Anblick auch schlecht. Zudem ist es auch nicht irgendein Sonnenuntergang an irgendeinem Strand an der 273 km langen Küste Israels. Das Bild ist am Hof Habonim (חוף הבונים) aufgenommen, einem Naturschutzgebiet zwischen Cesarea und Haifa.

Hier gibt es keine verdreckten Strände und Dauerurlauber in Zelten, sondern feinsten Sand, unterbrochen von spitzen, wettergemachten Steinskulpturen und sagenhafter Natur. Zum Baden eignet sich die Gegend eher nur beschränkt, denn die Küste ist im Allgemeinen recht rauh ist und ohne natürlichen Buchten oder künstliche Wellenbrecher stellt sich selten eine ruhige Brandung ein. Wer die Mühe nicht scheut, in den Naturpark zu fahren, wird dafür mit verborgenen Buchten, verlassenen, feinen Sandstränden und mit in Israel einzigartigen Gesteinsformationen belohnt. Das Bild ist schon etwas älter und mit einer inzwischen ältlichen Kamera gemacht. Eine längere Bilderserie gibt es es hier. (Bild: David)

Heute früh Mai 22, 2008, 22:53

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sind viele Bürger und Soldaten nur knapp einer Katastrophe entkommen. Am Grenzübergang Karni (Israel-Gazastreifen) explodierte vorzeitig, noch auf der palästinensischen Seite, ein mit Sprengstoff beladener LKW. Über vier Tonnen Sprengstoff. Im einem naheliegenden israelischen Dorf wackelten die Wände und zersprangen die Fensterscheiben.

Ein genauerer Bericht bei Haaretz.

Earlier Thursday, a Palestinian bomber blew up an explosives-laden truck on the Palestinian side of the Erez crossing on the Israel-Gaza Strip border early Thursday morning. The driver was the only casualty in the attempted attack.

A spokesman for Islamic Jihad said his group carried out the attempted attack in cooperation with the Al-Aqsa Martyrs‘ Brigades, an offshoot of Palestinian President Mahmoud Abbas’s more secular Fatah faction. Jihad described it as a successful martyrdom operation.

Immerhin schieben sie diesmal nicht der israelsichen Armee die Schuld in die Schuhe, das ist ja ein echter Fortschritt. Es existiert sogar ein Bekennervideo.

Kurz darauf gewaltsame Demonstrationen am Grenzübergang Eres. Die demonstrierenden Palästinenser waren bewaffnet, einige von ihnen mit RPGs. Sie warfen mit Steinen. (Ich hoffe, daß nun, nach dem tragischen Tod einer jungen Frau in Deutschland durch einen Holzklotz, der übliche Unfung von den unschädlichen Steinchen nicht mehr erzählt wird. Die Palästinenser werfen nicht mit Kiesel-, sondern mit Ziegelsteinen. Die können töten und haben das auch schon getan.)

Die Soldaten erschossen einen von ihnen.

Several hours later, Israel Defense Forces troops opened fire into a crowd of protesters at another border passage, killing a 22-year-old man and wounding 16, including three children, a Gaza health official said. The military said it was looking into the report.

Wenn man mit Waffen, darunter RPGs, zu einer Demo geht, wieso nimmt man dann Kinder mit? Ganz einfach, weil man kann. Und warum kann man? Weil man immer Israeli die Schuld zuschieben kann, wenn den Kindern was passiert. Ein bewährtes Patent.

Eres und Karni sind übrigens eben die Grenzübergänge, über die die Versorgung des Gazastreifens läuft, durch ohne Übertreibung todesmutige israelische LKW-Fahrer. Natürlich geht der normale Zeitungsleser davon aus, daß Israel aus reiner Lust am Quälen die Versorgung gedrosselt hat.

Außerdem heute passiert:

Also on Thursday, IDF troops operating in the Gaza Strip found a cache of weapons. including anti-tank missiles, hidden in a schoolyard in the Sajayeh refugee camp.

Richtig gelesen: in einem Schulhof wurden die Waffen versteckt. Rührend besorgt um die Kinder, ich muß schon sagen.

Die BBC konzentriert sich wieder mal auf das Wesentliche und titelt:

Gazan shot dead at blockade demo

Dann kleiner:

Israeli soldiers have fired at a demonstration near a Gaza border crossing, killing one man and injuring others, local medical workers say.

Wer sind übrigens local medical workers? Richtig, Palästinenser, die gewiß zuverlässig und objektiv wie stets verdient haben, als wahrhaftige Quellen zitiert zu werden.

Ein verschämtes Sätzchen erwähnt auch:

Earlier, Palestinians carried out a lorry-bomb attack at the Erez crossing.

Klingt harmlos, nicht wahr? Müssen ganz schöne Wüteriche sein, diese Israelis.

Gerechtigkeit Mai 21, 2008, 20:11

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Vermutlich wird es in den Medien keine großen Schlagzeilen* machen, aber liebe Leser, fragt Euch mal warum.

Heute erging das Urteil im Prozeß Philippe Karsenty gegen France 2. Ich habe die Geschichte schon öfter erwähnt, die dahintersteht. Es geht um die Live-Übertragung des angeblich von den Israelis verschuldeten Todes eines Jungen, der zur Ikone geworden ist: Muhammad al Durra. Karsenty hat dem französischen Sender vorgeworfen, daß er vollkommen unkritisch seinem palästinensischen Stringer geglaubt hat, wichtiges Material weggelassen hat und das Unmögliche behauptet hat, nämlich, daß der Junge durch Kugeln der israelischen Armee getötet wurde.

Daraufhin wehrte sich France 2 mit einer Verleumdungsklage gegen Karsenty. Die Geschichte wand sich ewig durch die Instanzen. Jetzt hat Philippe Karsenty endlich Recht bekommen: er darf ungestraft sagen, daß France 2 tendenziös und unwahr berichtet, daß es die Versionen der Paästinenser ungeprüft übernimmt, Geshichten hindreht und damit weiteren Zündstoff für Gewalt liefert.

Wie viele Menschen sind „im Namen Mohammad al-Durras“ schon getötet worden ? Zahllose. Wie viele Menschen haben das Gesicht des Kindes vor Augen, wenn sie vor Wut über israelische Brutalität schäumen? Alles Lüge, Freunde. Es stimmt nicht, wie so viele, unendliche viele Geschichten nicht sitmmen, die man in den Mainstream-Medien über Israel und die Palästinenser erzählt.

Das ist in meinen Augen der Dreyfus-Skandal unserer Zeit. Und wenn die Medien ihn totschweigen, statt endlich mal der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, nämlich daß sie palästinensische Gruselgeschichten und Lügenmärchen ungeprüft als Nachrichten-Items servieren, dann ist der Skandal nur noch größer.

Bitte, liebe Leser, sagt Bescheid, wenn Ihr irgendwo ein Echo auf dieses Urteil in Zeitung, Radio oder Nachrichten findet. Ach, wäre das schön, wenn jetzt mal ein paar selbstkritische Worte kämen. Aber keine Sorge, so unrealistisch bin ich nicht, ich erwarte nichts.

Ich kopiere hier einen Brief von Karsenty ein, den ich bei Meryl Yourish gefunden habe:

Philippe Karsenty gave the following statement regarding his victory:

“Today a French court ruled that I did not defame France 2 when I said that its news report was a staged hoax. Because I refused to be brainwashed, I was sued for defamation.

“Our victory today was a victory for freedom–the freedom to think and to speak one’s mind; the freedom to question what one is told; and the freedom to disbelieve the solemn pronouncements of others when the individual concludes that his reasoning is correct and that the state and the state-run media–and all of the institutions they represent–are wrong.

“The Al Dura lie is an assault on our ability to think, to criticize, to evaluate, and, finally, to reject information–especially the right to reject information on which we base our most cherished assumptions. One of Europe’s most cherished assumptions is that Israel is a viscious Nazi-like entity that deliberately murders Palestinian Arab children. Moreover, polls conducted in Europe have identified Israel as the greatest threat to world peace, greater than Iran and North Korea, Pakistan and Syria. The Al Dura hoax is one of the pillars on which these assumptions rely.

“It is ironic that I, a private individual, had to lecture one of France’s most influential TV stations in order to demonstrate that a child cannot move, lift his head, arm and leg, stare at the camera and still be considered “dead” a good 10 seconds after the newscaster tells us… ‘the child is dead.’ One need only look at France 2’s own footage to realize that the ‘death’ scene was faked.

“My only objective was to correct this error. However, on the part of the French media, it turned into a titanic battle against critical thinking and freedom of thought and expression. On my part, it became a battle for the right not to be brainwashed bythe French media. Only a few weeks ago, a French television station produced a documentary ‘proving’ that the Al Durah story is authentic. First, I was compared to a Holocaust denier, and then to the fringe elements that insist that 911 was an inside job. I, and others who share my opinion about the story, including Richard Landes, were labeled dangerous extremists and fanatics. All the while, viewers observed the ‘dead’ boy move exactly as I just described it. I can only conclude that, in France, it is critical thinking that is either dead or dying. Every French citizen should be complaining about this insult to our intelligence. In fact, very few complain because mass brainwashing works. Where are the angry letters to the station for its absurd documentary? Do the citizens of France now believe that a “dead” boy can move? Or have they merely forgotten how to think and draw their own conclusions?

The right to think, to speak, to evaluate, to accept and reject the conclusions of others goes to the very heart of what it means to be free.

Now it is time for France 2 to acknowledge that it created and is continuing to perpetuate the worst anti-Semitic libel of our era. It’s the responsibility of the French government and ultimately, the responsibility of the French president, Nicolas Sarkozy, who is, for all practical purposes, the chief executive of French public television, to finally reveal the truth.”

Zum Thema außerdem in anderen Blogs: Israel Matzav macht sich Gedanken und zeigt ein Bild, um uns daran zu erinnern, wie dieser Fall ausgeschlachtet wurde. Aussie Dave freut sich, daß es noch Gerechtigkeit gibt. Bei Richard Landes, der diesem Fall sorgfältig nachgegangen ist und auf dessen Blog sich alle Fakten finden, herrschen Freude und Erleichterung vor. Ich empfehle eine gründlichere Lektüre für Zweifler. Außerdem finden sich bei ihm weitere Links.

Aber ich denke mit schwerem Herzen: wie viele Menschen werden nie davon hören, daß sie belogen worden sind, und werden uns nach wie vor als blutberauschte Massenmörder, neue Nazis und was nicht alles bezeichnen. Und andere werden es einfach nicht glauben. Werden sagen, ja ja, jüdisches Geld kauft alles.

Und ich sage Euch: das ist nur ein winziges Teilchen in dem großen Bild, das da „palästinensisches Narrativ“ heißt. Es kommt einem das Entsetzen, wenn man daran denkt. Wir bezahlen für diese Lügen, die als Vorwand für endlosen Terror gegen uns dienen. Wir werden weiter bezahlen. Leider.

Doch ich würde viel darum geben, die herausgeschnittenen Teile der Aufnahmen von France 2 zu sehen und endlich zu wissen, was an diesem Tag wirklich geschehen ist. (Eine gründliche Analyse der Aufnahmen gibt es bei Richard Landes. Wer wissen will, wie der SChwindel funktioniert, sollte sich das zu Gemüte führen.)

Update: Medienecho hier. Interessante Überlegungen zum Thema Narrativ, Wirklichkeit und der Verbindung zwischen beiden hier.

*Nachtrag am 13.6.: Wie schade, daß ich Recht behalten habe. Der Fall hat keine Spuren in der deutschen Presse hinterlassen. Kein einziger der Journalisten, die damals gegen Israel gegiftet haben, hat sich entschuldigt oder auch nur milde Zweifel bekannt. Nichts.

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