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Feste und andere Kalamitäten September 28, 2010, 14:22

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Wir sind ja jetzt gegen Ende einer Festeperiode, in der Feiertag auf Feiertag folgt. Y. erzählte mir gestern die Erlebnisse seines Kollegen Amir mit den Festen.

Zu Yom Kippur, wenn keine Autos fahren, spielen ja viele Kinder auf der Straße, fahren Fahrrad und Rollschuh, wo sie sonst nicht dürfen. So auch Amirs Sohn. Er verlor die Kontrolle über die Rollschuhe und rasselte in Nachbars Auto. Blechschaden, kaputte Leuchte, wütender Nachbar und ein häßliches Nachspiel mit der Versicherung. Den Sohn mußte er zum Röntgen bringen, kein Vergnügen zu Yom Kippur. Da hatte Amir vom Yom Kippur die Nase voll.

Und jetzt Sukkot. Amir hat auf seiner Terrasse eine Sukka gebaut. Um sie zu befestigen, mußte er wohl alle möglichen baulichen Veränderungen vornehmen, die Fliegengitter kamen aus den Fenstern, und Amirs Frau nutzte die Gelegenheit, um die Fenster mal ordentlich sauberzumachen. Das sah die alte Hündin der Familie, und vor lauter Sauberkeit dachte sie wohl, es ist keine Scheibe mehr im Fenster. Und sprang durch die Scheibe.

Riesige Wohnzimmerfensterscheibe kaputt, Hündin blutete aus vielen Wunden und mußte genäht werden, Auto mußte hinterher gereinigt werden, Kinder in Panik und Frau hysterisch. Aber die Sukka, die ist gut geworden.

Kurz, spricht Y., Alltag ist am besten, und er ist froh, wenn die Feste vorbei sind.

Kuriositäten September 27, 2010, 21:25

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Ein nettes Patent nach dem anderen. Ich kann mir nicht helfen, ich finde diese Seite sehr lustig (und sie wäre es noch mehr ohne Ironie-Alarm). Was es nicht alles gibt…

Secundus September 27, 2010, 20:16

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Er hat sich breitschlagen lassen, ich durfte ein paar Bilder machen.

Er erzählt sehr lustig. Bisher ist er sehr zufrieden mit dem Anfang der Sani-Ausbildung. Nach den Härten der Grundausbildung für ihn die reinste Erholung – und mal wieder was lernen ist auch nett.

Am Ende der Grundausbildung haben sie mit den Commandern „die Distanz gebrochen“, wie das wohl bei Zahal so üblich ist. Damit ist eigentlich der Drill vorbei, gehorchen müssen sie zwar immer noch, aber nicht mehr wie in der Grundausbildung. Sie haben wohl eine ganz nette Party mit den vorher so unnahbaren 21jährigen gehabt, samt Wasserschlacht. In der Ausbildungsbasis Bahad 10, wo er jetzt ist, sind neue Commander und eine andere Art „Distanz“, aber es geht glaube ich wirklich lockerer zu als beim Bund.

Secundus hat uns sehr zum Lachen gebracht, als er uns erzählte, wie er zum ersten Mal in seinem Leben Hüttenkäse gegessen hat. Wozu man sagen muß, daß der hiesige „Cottage“ äußerst lecker ist und geradezu ein Grundnahrungsmittel. In seiner Kibbuz-Kindheit stand jeden Tag im Kindergarten Cottage cheese auf dem Tisch und wurde von den meisten Kindern auch begeistert gegessen, mit dem typischen israelischen Frühstück, bestehend aus Salat und Pita. Nun, mein Secundus ist ein äußerst kritischer Esser, und vor Cottage hat er sich immer schon geekelt. Er hat nie auch nur einen Teelöffel davon gegessen. Auch keinen Quark, niemals. Von Joghurt und ähnlichen Greueln gar nicht erst zu sprechen. Labane, vielleicht.

Nun, jetzt ist er Soldat, und eines Abends gab es nichts als Brot und – Cottage. Vielleicht noch ein bißchen rohe Tomaten und Gurken, wofür er ja auch nicht gerade schwärmt. Und da hat er seine Freunde mißtrauisch gefragt: meint ihr, das Zeug ist eßbar? Und die haben natürlich begeistert gesagt: Mensch, das ist Cottage, das ist super, probier ruhig! Und so hat er, oh Wunder, probiert. Und siehe da: es schmeckte ihm! So gut, daß er uns verwundert erklärte: und wißt ihr was, diese ekligen Knubbel im Cottage – ich wußte nie, was das ist, aber ich habe herausgefunden, daß die einfach nur Käse sind!

Eine umwälzende Erkenntnis. Die Armee bewirkt tatsächlich Wunder…

Jetzt ist er also in der Ausbildungsbasis Bahad 10 in Tzrifin, und die Ausbildung machen er und die anderen Nachal-Soldaten gemeinsam mit einer Gruppe von Givatis. Auch Infanterie, aber gaaaanz anders, kein Vergleich, Nachal ist VIEL besser. Nachal hat grüne Barette, Givati lila – absolut affig, wie Secundus findet. Allerdings, gibt es zu, sie sind eigentlich ganz nett und auch sehr cool, sie sind nämlich sehr stolz darauf, bei Givati zu sein. Und zwar so stolz, daß sie beim Sport sich gegenseitig anfeuern, mit rhythmischen Sprechchören: lila-wäscht-sich-nicht-aus-lila-ist-echt!

Das fanden die Jungens von der Nachal nun gar nicht gut, daß sie keinen Sprechchor in ihrer Farbe hatten, also mußte was improvisiert werden. „Secundus, kannst du auf Deutsch bis 15 zählen?“ Klar kann er.  Und das ist jetzt ihr Schlachtruf beim Sport, eins-zwei-drei-vier-….

Ich bin froh, daß er zufrieden ist und auch was Vernünftiges lernt.

Reminiszenzen… September 26, 2010, 17:14

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Und wenn wir schon mal dabei sind: erinnert sich noch jemand an die Zeit, als das Wort Fräulein tatsächlich noch als Anrede (und zwar sehr respektvolle) in Gebrauch war? Ja, ich weiß noch, wie mir ein Fräulein noch respekterheischender vorkam als eine verheiratete Frau. Und als mir irgendjemand erklärte, daß die Anrede ausstirbt, weil es eine Verkleinerungsform war (da muß ich im Grundschulalter gewesen sein), da tat mir das leid, das weiß ich noch. Oh, ich weiß auch jetzt wieder, warum das überhaupt zur Sprache kam: im dritten Schuljahr bekam ich eine Lehrerin, die wir Frau R. nannten, obwohl sie nicht verheiratet war. Und da hab ich wohl nachgefragt.

Wir haben als Kinder auch noch Knicks und Diener machen gelernt. Wenn ich meinen Kindern das erzähle, werfen sie sich weg vor Lachen. Da war ich übrigens froh, wie so oft, Mädchen zu sein, denn ein Knicks ist doch viel einfacher als ein Diener. Der sieht doch irgendwie immer doof aus. Knicks ist viel leichter gut hinzukriegen. Im Kindergarten haben wir vor den Schwestern immer geknickst. Oh ja, da waren Schwestern und Fräulein, Frauen gab es da nicht. Schwestern waren noch formidabler als Fräulein, aber auch die Fräulein waren den Müttern meiner Freundinnen an Würde weit überlegen.

Wir haben ja alle alten Bücherkisten aus der alten Wohnung raus, und ich lese vor dem Einschlafen meine ganzen alten Mädchenbücher wieder. Da steigen die Welten meiner Kindheit auf. Auch wenn es Bücher aus dem Besitz meiner Mutter oder noch älter waren und meine Kindheit der dort beschriebenen schon nicht ähnelte. Meine Kindheit mit der studierenden und arbeitenden Mutter, der emanzipierten Tante und den Fischer-Technik-Geschenken (die ich übrigens nur benutzte,  um meinen Puppen etwas zu bauen). Aber es waren Bücher, die meine innere Vorstellung davon, was eine Frau ist und was ein Fräulein und was ein Mädchen, stark geprägt haben.

Eine dieser Prägungen ist das Verhältnis von Mutter und Tante in Gritlis Kindern. (Auch hier nachlesbar, zweites Kapitel, Im Hause des Arztes, Seite 15 und dann 16). Beide sind gleich wichtig, teilen sich die Sorge um die Kinder, und mir fiel beim Lesen wieder auf, daß die Tante mehr Verständnis für die Kinder hatte als die Mutter. Aber groß war der Unterschied nicht. Mir war auch als Kind schon klar, daß die beiden Frauen Schwestern sind, die Mutter ist verheiratet (und wird als Ratgeberin im Ort geschätzt), die Tante nicht, und sie wohnt bei der Schwester und hilft mit. Sie hat nicht den Status der Mutter nach außen hin, aber innerhalb der Familie ist sie nicht weniger wichtig.

Da auch ich mit einer Auswahl erstklassiger Tanten aufgewachsen bin, darunter auch unverheiratete, die mindestens so wichtig waren wie die Tante in Spyris Buch, kam mir eine unverheiratete Frau nie weniger wertvoll vor als eine verheiratete. Und darum kam mir auch der Titel Fräulein nie so vor. Wer mag empfunden haben, daß Fräulein weniger bedeutet als Frau? Die Verkleinerungsform habe ich jedenfalls nie empfunden, so wie ich sie auch beim Wort Mädchen bis heute nicht bemerke.

Im Hebräischen gibt es diese Form übrigens gar nicht. Da sind alle Männer adon und alle Frauen geveret, aber da man eh nie den Nachnamen verwendet, benutzt man das Wort geveret, genau wie Fräulein, wenn man kleinen Mädchen drohen will.  Nu, geveret? Na wird´s bald, Fräuleinchen?  Der doppelte Diminutiv geht allerdings im Hebräischen nicht… Oh, als Kind habe ich mir den Wirzbald übrigens  immer als bärenähnliches Ungetüm vorgestellt, der mich durch den Alltag jagt.

Genug erinnert, ich muß weiter ackern…

Zum Thema Stuxnet September 26, 2010, 15:57

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Breitmaulfrösche?

Düüüüü gübt es hür nücht!

(Nein nein, ich weiß auch nicht mehr als ihr, fiel mir nur gerade so ein….)

Fundstück September 24, 2010, 16:56

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Ich lese ein bißchen in Google books herum, einfach was mich so interessiert – zur Geschichte der Hausarbeit zum Beispiel (ich hab schon ewig einen ellenlangen Eintrag über die Waschmaschine im drafts folder:-) ) Und da finde ich dieses goldene Zitat:

So erhöhte sich der Anteil der Männer, die täglich ihre Unterhose wechseln, zwischen 1968 und 1988 von 5 auf 47%.

Wie viele Fragen wirft dieses Sätzchen auf! Wer überprüft wie die Anzahl der Männer, die ihre Unterhosen täglich wechseln? Stichproben? Fragebögen? Telefonische Umfragen? Freiwillige? Und wenn sie alle lügen? Und die, die Unterhose nicht täglich wechseln – wie oft wechseln sie sie, und wie haben sich da die Prozentzahlen verschoben? „Alle zwei Tage“, „zweimal die Woche“, „am Sonntag“, „an kirchlichen Feiertagen“, „zum Schützenfest“ und „zu runden Geburtstagen“?

Was ist mit den Frauen, die ja bis ins 19. Jahrhundert oft offene Buxen anhatten, solche Beinlinge? Gibt es dazu keine Forschungen?

Und wie steht es jetzt um die Gewohnheiten der Unterhosenträger? Bestimmt ließe sich das nach Art der Unterhosen aufschlüsseln.

Ich muß sagen, daß ich Geschichte des Alltags faszinierender finde als alle großen Schlachten (obwohl ich bei Krieg und Frieden diesmal alle Schlachtszenen mitgelesen habe – ich finde Gräfin Rostova und Natasha beim Plaudern im Bett aber immer noch interessanter). Und ich glaube, es wird wirklich Zeit für einen Mehrteiler über die Waschmaschine und ihre Bedeutung für mein Leben…

Aufbewahren! September 24, 2010, 11:20

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Ein Artikel über die Ängste der Menschen in einer deutschen Stadt. Nicht jeder lebt gut damit, daß Gewaltverbrecher aus dem Gefängnis entlassen werden und wieder frei rumlaufen können. Sagen wir mal so: wenn das irgendwo weit entfernt, im Nahen Osten, gemacht wird, dann nimmt man es gern in Kauf und sagt, „da müssen die Israelis schon mit fertigwerden, mit den paar hundert Terroristen und Mördern und Strippenziehern, wieso sind sie nur so bockig und lassen die nicht frei?“. Aber wenn es dann bei einem selbst um die Ecke ist… da fühlt es sich ganz anders an.

Ich wünschte, ein SPon-Journalist würde für unsere Ängste mal so viel Empathie aufbringen wie für die der Werler. Aber da können wir wohl noch ein Weilchen drauf warten. Bis dahin bewahr ich den Artikel mal auf.

Veit, Hilde, Dr. Hirsch und ich September 24, 2010, 11:15

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Das momentane Interesse an Veit Harlan, Jud Süß und der Familie Harlan hat für mich eine sehr persönliche Komponente. Ich habe ja schon vom Buch erzählt, an dessen Entstehung ich beteiligt war (Besprechung in Haaretz hier, eine andere, mit Bildern der Eltern, hier). Der Mann, der dieses Buch geschrieben hat, ist der (noch in Berlin geborene) Sohn eines bekannten Berliner Kinderarzts, Dr. Walter Hirsch. Irgendwann in den späten 20er oder frühen 30er Jahren war eines der Kinder von Veit Harlan und Hilde Körber schwer krank, und Dr. Hirsch schaffte es, das Kind zu retten. Seitdem waren die Harlans mit ihm und seiner unglaublich charmanten Frau befreundet. Auch nachdem die jüdischen Freunde nach Jerusalem auswanderten.

Ich hatte die Originalbriefe alle in der Hand: die herrische Handschrift Veits mit der genialischen Unterschrift, anfangs freundlich-vertraut, später dann sehr ärgerlich. Er hatte das Gefühl, die jüdischen Freunde in Jerusalem unterstützen seine Frau in der Ehekrise (wohl durch eine Affäre seinerseits ausgelöst). Hilde Körbers Handschrift ist großzügig und schwer leserlich, ihre Briefe an Dr. Hirschs Frau tatsächlich Briefe von Freundin zu Freundin. Als die Ehe in die Brüche ging, blieb Hilde mit den Hirschs in Kontakt, die Kinder kannten sich, der Kontakt brach nicht ab (und ich glaube, zwischen dem Autor des Buchs und Thomas Harlan besteht er bis heute).

Es stimmt also, daß Harlan jüdische Freunde hatte, und es ist aus den frühen Briefen keinerlei Distanz oder Abneigung zu spüren. Die Entfremdung hatte im Falle der Hirschs auch oder vielleicht sogar überwiegend private Gründe –  eine Folge der Entfremdung von der Frau, die er verließ und die den alten Freunden treu blieb.

Jud Süß ist zweifellos ein böser Hetzfilm, und Harlan war vermutlich Antisemit aus karrierepolitischen Gründen, oder er war schon vorher einer und er machte für seine „jüdischen Freunde“ eine Ausnahme. Schwer zu sagen im Nachhinein. Ich denke dabei unwillkürlich an Gustaf Gründgens und Hendrik Höfgen. Aber das ist kein Grund, seine Nachkommen in Acht und Bann zu tun und zu sagen, daß ihre versuchte Annäherung an das Volk der Opfer unmöglich war und ist. Ich glaube, das stimmt nicht. Sie tragen bestimmt schwer genug an ihrem Familiennamen und ihrer Familiengeschichte. Aber sie sind doch nicht Geiseln der Taten ihres Vaters.

Diese Doku über die Harlans, die würde ich schon gern sehen. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal die Gelegenheit.

Zeit für eine neue Kategorie? September 16, 2010, 18:15

Posted by Lila in Kinder, Krabbeltiere.
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Krabbeltiere. Tatsächlich, wir leben mitten in der Natur, und da krabbelt es eben auch öfter als in Tel Aviv oder Berlin…

Neulich stand Quarta gegen drei Uhr nachts neben unserem Bett und sagte mit gefaßter Stimme: „wacht bitte auf, ich hab einen Skorpion im Bett“. Ihr Vater verstand sofort, an wen dieser Appell sich richtete, und sprang unverzüglich aus dem Bett ins Nebenzimmer. Auch mir war klar, was von mir erwartet wurde, und ich nahm die bebende Quarta in meine Arme.

„Mama, Mama, stell dir vor, ich höre so ein Rascheln und wache auf und dann sehe ich einen schwarzen Schatten über mir auf dem Betthimmel [meine Tochter hat natürlich so einen schönen Ikea-Baldachin, aus dem einfachen Grunde, weil es die noch nicht gab, als ich Kind war, und ich das sooo toll gefunden hätte anno 1972!] und dann gucke ich genauer hin und mach das Licht an und dann sehe ich, daß das ein Skorpion ist – genau über mir – und sooooo groß ist er – und da bin ich ganz schnell aus dem Bett und zu euch gekommen…. und in meinem Zimmer, da schlaf ich nie wieder!“

Als Y. wiederkam, nach getaner Arbeit (Einzelheiten wollte keine von uns wissen), war er reichlich blaß um die Nase. Er beruhigte Quarta und erzählte ihr, daß der Stachelschwanz des Skorpion verletzt war und ganz krumm herunterhing – vermutlich hatte eine der Katzen ihren Job ernstgenommen und sich den Eindringling aus der Wildnis vorgeknöpft. Und der hatte sich vermutlich auf den Betthimmel geklettert, um sich vor den Katzen zu retten – und von dem Geräusch der nervösen Katzen könnte Quarta auch aufgewacht sein.

Später sagte er mir, daß das der fetteste Skorpion war, den er je gesehen hätte. Die schwarzen sind zwar nicht tödlich, aber so ein riesiges Exemplar und ein kleines Mädchen – wir haben Glück gehabt. Quarta hat einen tüchtigen Schutzengel, das weiß ich ja schon.

Sie hat vier Nächte nicht in ihrem Bett geschlafen. Eine unruhige Nacht hat sie unser Ehebett mit ihren langen Beinen heimgesucht und wir haben uns daran erinnert, wie sie als kleines Mädchen immer bei uns geschlafen hat: mir hat sie die Schmuseseite zugewandt, Y. dagegen die Tretseite. Wir hatten ganz unterschiedliche Meinungen zum Thema „Quarta im Bett“, und das hat sich auch jetzt, wo sie schon groß ist, nicht geändert. Eine zweite Nacht mit ihr im Bett hielte er nicht aus, meinte Y., und Quarta meinte, in ihr Bett kehrt sie nicht zurück.

Also habe ich eine Nacht mit ihr in Primus´ leerem Bett campiert – sehr zu dessen Mißfallen, als er davon hörte  – und dabei entdeckt, daß hinter dem Bett des Jungen eine noch ungenutzte Leitung für eine geplante Zentralheizung nach draußen führt. Und daß diese der bevorzugte Transportweg eines sehr aktiven Ameisenvölkchen ist. So ein Ameisenbiß ist unangenehm, aber gesund soll Ameisensäure ja sein, und morgens habe ich erstmal das Bett abgerückt und einen Völkermord begangen.  Und dann haben Quarta und ich Bisse gezählt und verglichen.

Die nächste Nacht zog ich wieder zu meinem Mann zurück, Quarta dagegen schlug ihr Lager auf dem Futon im Wohnzimmer auf, wo ich sonst lese. Auf ungeklärten Wegen war eine ziemlich große tote Grille unter diesen Futon geraten, und obwohl ich sie gleich wegfegte (wie kann sie mir vorher entgangen sein?), hatte Quarta nun keine Lust mehr auf den Futon und schlief auf der Couch. Ich mußte ihr versprechen, immer nach ihr zu gucken, und alle drei Katzen ließ ich ihr auch da. Oh, und das Licht brannte natürlich.

Nachdem Y. und ich ihr Zimmer gründlichst durchsucht hatten, alle Bettsachen gewaschen waren und wir das Zimmer als international anerkannte skorpionfreie Zone deklariert hatten, war sie bereit, wieder in ihrem Bett zu schlafen.  Sie hat ein Nachtlicht, da ich sowieso unter Schlafstörungen leide, gucke ich oft genug nachts bei ihr rein, und sie schläft wieder gut.

Das ist eine Woche her. Und heute, während ich ihr Bett neu bezog, fiel auf einmal (vom Betthimmel? von meinem Kopf, den ich gerade aus dem Garten reingetragen hatte?) eine Gottesanbeterin auf ihr Nachthemd. Das sind nach meiner höchstpersönlichen Einteilung keine Ekelviehcher, aber auf die Hand nehmen mochte ich sie trotzdem nicht. Ich holte also schnell einer der für den Kompost bestimmten sauberen Schüsseln aus der Küche, warf das Nachthemd samt Gottesanbeterin rein und trug die ganze Ladung schnell nach draußen.

Quarta merkte natürlich sofort, daß sich wieder mal was Krabbelndes in ihr Zimmer verirrt hatte. Gemeinsam guckten wir zu, wie die Gottesanbeterin im Beet verschwand, während Luzifer ihr verdutzt hinterherguckte. Sie meinte düster, „bin mal gespannt, was ich als nächstes finde“.

Was immer es auch sei, ich werde davon berichten…

Auch ein Held September 14, 2010, 21:08

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Bald findet der Bibel-Wettbewerb für Erwachsene statt – den bekannteren für Jugendliche beendete vor ein paar Monaten einer von Netanyahus Söhnen als Dritter, eine schöne Leistung.  Der für Erwachsene hat viele Jahre lang geschlummert, jetzt ist er wiederbelebt worden.

Unter den Bewerbern für den Erwachsenen-Wettbewerb ist dieses Jahr auch Shadi Abu Arara, ein Beduine. Er ist Lehrer für hebräische Literatur an einer arabischen Schule und liebt die Bibel (die hebräische Bibel, auch AT genannt). Neulich hat er einen Koran-Wettbewerb gewonnen, denn auch den Koran kennt er gut. Auf dem Gruppenphoto sitzt Shadi Abu Arara zwischen vielen Kippot und grauen Köpfen. Ja, er hat in seiner Umgebung wenig Verständnis zu erwarten, sagt er in Interviews. Viele seiner Schüler, aber auch Erwachsene, kennen die Bibel gar nicht oder haben Vorurteile gegen sie. Dabei findet er es faszinierend, Gemeinsames zu finden und auch Unterschiede.

Ich halte ihm die Daumen. Nicht viele Menschen lassen sich so weit auf eine andere Religion und Kultur ein, daß sie es an Kenntnis mit „Eingeborenen“ aufnehmen können – und doch ihre eigene Identität nicht aufgeben oder geringachten, sondern sich bereichert fühlen. Und damit auch ihre Umgebung bereichern. Menschen wie Abu Arar machen mir Mut.  Er glaubt ans friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen und Völker. Ich wünschte, in der Realität könnten Tanach und Koran so friedlich miteinander leben wie in Abu Arars Kopf.

Frische Luft September 14, 2010, 20:48

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Noch ist der Sommer nicht vorbei – und der Herbst-Chamsin steht uns noch bevor. Das weiß ich. Aber wir haben gerade eine Atempause mit frischer Luft, und was mehr ist: mit echten, erkennbaren Wolken, mit festem Umriß, auf knallblauem Himmel. Wolken!

Monatelang war der Himmel verhangen, eine grelle erstickende Glocke, heiß und hell und diesig. Keine Wolke war zu erkennen, der Himmel war niedrig und bedrückend und monoton.

Monatelang konnten wir vom Balkon aus Haifa nicht mehr erkennen, ja oft genug war auch das Meer nur noch eine verwischte Linie. Morgens, wenn ich die Tür zum Garten öffnete, kam mir statt der erhofften frischen Morgenluft ein feuchter, heißer Dunstschwall entgegen. Ohne Klimaanlage war es auch in unserer luftigen Höhe und nachts nicht auszuhalten.

Aber seit ein, zwei Wochen hat das Wetter sich endlich geändert. Wir brauchen nachts keine Klimaanlage mehr, weil die Luft draußen frisch und kühl ist. Morgens ziehen Gone-with-the-wind-würdige dramatische Wolken vom Meer her über unsere Hügel, und wenn dann von Osten die Morgendämmerung und der Sonnenaufgang für die richtige Beleuchtung sorgen, möchte man geradezu rufen: I shall never be hungry again! Wir trinken unseren ersten Kaffee auf dem Balkon und erquicken das Auge an den gestochen scharfen Linien der Hügelkette gegenüber. Ich erkenne Haifa, von Stella Maris über die Dan-Hotels zieht sich die Stadt bis zur Uni, dann Usfiya, dann Daliyat-al-Karmel, die Drusenstädte, und das Carmelgebirge zieht sich bis Muchraka, das wir vom Kibbuz aus auch sehen konnten.

Auf dem Meer sehen wir die langen, rostfarbenen Frachter, die auf den Hafen von Haifa zustreben wie die Männeken beim Mensch-ärgere-dich-nicht in den Pott. Wir sehen einen Teil des Hafens, das Dagon-Lagerhaus, den schiffsförmigen hohen Neubau des Erziehungsministeriums. Wir sehen Nesher, wir sehen den Bahai-Tempel und die Gärten. Wir sehen die Klippschliefer, die den Tag damit beginnen, daß sie auf den Felsen sitzen und sich putzen und umgucken. Wir sitzen mit unserem Kaffee in der Hand und sind froh, daß der Herbst endlich, endlich da ist.

Und abends, wenn Y. wiederkommt, setzen wir uns wieder raus und warten auf den Sonnenuntergang. Wir sehen leider nicht, wie die Sonne im Meer versinkt – da sind Häuser dazwischen, sehr lästig. Und so warm der Tag auch war – abends kühlt es richtig schön ab. Noch nicht wolljackenkühl, nicht schultertuchkühl, ja nicht mal sockenkühl. Aber deutlich kühler als der Tag.

Da habe ich drauf gewartet. Wenn ich im Sommer jammere und klage, dann muß ich auch im Herbst danken und mich freuen. Und das tu ich hiermit.

Achtung, Bierglatze September 14, 2010, 20:30

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Neulich kam ich an einem Schild vorbei, auf dem stand:

בירה ונשירה

Darunter Datum, Uhrzeit und Name eines Kibbuz in der Umgebung.

Ich las es und dachte im Vorbeigehen: bira ve-neshiRA?  Bier und Haarausfall? Ein Vortrag über den Zusammenhang zwischen Biergenuß und Haarausfall? Wußte ich gar nicht, daß Bier auch…

Sekunden später machte es KLICK, und ich begriff: bira ve-naSHIra! Bier und Gesang. Ach so. Logisch.

😳

Makabre Kinder September 14, 2010, 8:22

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Primus: Eigentlich dürfte ich es ja gar nicht in Mamas Gegenwart erwähnen, weil sie sich immer so Sorgen macht – aber der letzte Selbstmord in Zahal war in unserer Einheit. Der R. war mit ihm befreundet – alle sagen, er war immer vergnügt und keiner hatte eine Ahnung, was in ihm vorgeht, bevor er sich erschossen hat.

Secundus: Nee, das darfst du in Mamas Gegenwart nicht erwähnen. Deswegen habe ich ihr auch nicht erzählt, daß bei uns in den Duschen sich jemand umgebracht hat. Ist aber schon eine Weile her. Aber ich dusche da jeden Tag.

***

Primus: Mama, ich wollte es dir schon eine Weile sagen. Du meinst es sicher gut, wenn du nach dem Bügeln den obersten Hemdenknopf an meiner Uniform zumachst – aber weißt du eigentlich, was das bedeutet? Es bedeutet, daß jemand tot ist. Wenn wir Sanitäter auf dem Schlachtfeld jemandem nicht mehr helfen können, weil er tot ist, und nichts haben, um ihn zuzudecken, dann schließen wir ihm den obersten Kragenknopf. Denn der ist ja sonst immer offen. Und wenn dann weitere Hilfskräfte kommen, verschwenden sie gar nicht erst ihre Zeit darauf, den Mann noch einmal zu untersuchen. Wenn der oberste Knopf zu ist, heißt das, der Mann ist tot. Ja, ich dachte, das könnte dich interessieren, weil du den Knopf doch immer so schön zumachst.

Tag der offenen Tür September 8, 2010, 15:46

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Vor ein paar Tagen waren wir zum Elterntag im Grundausbildungslager der Nahal eingeladen.  Unser Secundus ist ja „Nahlawi“, und weil wir bei Primus damals nicht kommen konnten, waren wir besonders gespannt.

Das Lager ist in Tel Arad, also gar nicht weit von Arad entfernt. Es war eine elende Juckelei bis da unten – erstmal bis in die alte Heimat in der Nähe des Kibbuz, dann auf den Highway Nr. 6, der dort in Ein Tut beginnt, und dann bis runter nach Bet Kama. Dort ist die Straße zuende. Über die Landstraßen richtig rein in die Wüste, und dann – die wirklich schön gelegene Basis. Rundherum kahle Wüstenberge – und nur die obersten Stockwerke der Hochhäuser von Arad sind zwischen zwei Gipfeln sichtbar. Wir parkten mit vielen anderen aufgeregten Eltern mitten in der Pampas, und Y. atmete tief durch, bevor wir durchs Tor gingen. Ich mußte grinsen: na, bist du in Feindesland? Er als alter Fallschirmjäger sieht die Nahal ja tatsächlich nicht gerade mit Begeisterung.

Verglichen mit Primus´ erster Basis Bisnam, auch da unten im Negev, sieht Tel Arad geradezu luxuriös aus. Ich schloß mich der Mütterkaravane an, die nach Toiletten suchte, währen die Männer mit lässigem Schritt zur Ausstellung von Waffen und Ausrüstung schlenderten. Da ich neue Orte nach dem Grundsatz „wie das Klo, so das Gros“ beurteile, war ich gespannt, aber die Mütter nickten sich überm Waschbecken anerkennend zu: die Toiletten sind okay!

Auf den ersten Blick sahen alle Rekruten gleich aus – alle mit dem „Brasselmaschinschen“ geschorene Haare, und alle entweder in Olivgrün (Nahal) oder Sandfarben (Shaldag). Ich dachte an die Szene bei James Herriot, nachdem er die Lämmchen impfen muß und sich verzweifelt fragt, wie er nun Mutterschafe und Lämmchen wieder zusammensortiert kriegt – doch ein Moment reicht, und schon haben sich die identisch aussehenden Tiere schon gefunden. Genauso war es mit den Rekruten und Eltern. Unser Secundus kam erst relativ spät, wir waren aber sehr früh, und so hatte ich Zeit, die Leute um mich herum zu begucken, was ja immer Spaß macht.

Manche Eltern und Kinder sehen sich ja lächerlich ähnlich. Papa und Sohn Drosselbart, Mutter und Sohn Rotbäckchen, manche Familien mit vielen kleinen Geschwistern dabei, und alle mit diesem glücklich-stolzen Gesichtsausdruck, den ich von so vielen Schulvorführungen und Kindergartenproduktionen kenne. Die Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs, die Söhne sind stolz, den Eltern ihren Wirkungskreis zu zeigen, wo sie sich auskennen und die Eltern nicht.

Die Mütter packen Picknickkörbe aus, die Väter bewegen sich lässig, um zu zeigen, daß sie, wenn sie nur wollten, all den Jungspunden zeigen könnten, wie man das macht, Armee.

Im Hintergrund lärmte eine Musikanlage Lieder aus der Rocky Horror Picture Show, unterlegt mit schönen neuen Texten, etwa so: Nahal ist prima, Nahal ist ne Wucht, mit Nahal macht das Kämpfen Spaß, ab in eure Zelte, mit dem Stiefelduft, mit Nahal macht Soldatsein Spaß…. Es gab Wasser, Säfte und Obst, und die älteren Soldaten und Soldatinnen standen grinsend um das Getümmel herum.

Schließlich gingen wir in Richtung Zelte, und dort kam uns Secundus schon entgegen. Er zeigte uns sein Zelt, wir setzten uns auf seine Pritsche und packten unser Picknick aus. Wir schüttelten vielen Eltern und Großeltern die Hand, die sich alle genauso besorgt und verwirrt umguckten wie wir. „Waaas, hier schläft unser Häseken, unter einer einfachen Zeltplane in der Wüste???“ Nun, mein Häseken hat sich ja schon vor Jahren von uns emanzipiert, im Internat mit seinen Freunden im Räuberlager gepennt und sein eigenes Zimmer im Kibbuz behalten, als wir umgezogen sind (er hat es noch).  Lange bevor ich bereit war, ihn aus dem Nest zu lassen, hat er meine Gluckenflügel abgeschüttelt, und er ist viel reifer für die Armee als sein großer Bruder es war.  Er hat uns stolz herumgeführt.

Dann hatten wir ein Treffen mit dem Mem-peh, Abkürzung für mefaked-pluga, company commander, wie mag sowas afu Deutsch heißen? Nur die Eltern, im Speisesaal, der gut gekühlt und sauber war und ein bißchen Kibbuz-mäßig. Der Saal war proppenvoll. Der Mem-peh erzählte uns ein paar Sachen über die IDF und ihre Werte (Menschenrechte, Ehrlichkeit, Kameradschaftlichkeit…), die Infanterie, die Nahal, über die verschiedenen Spezialeinheiten, Palsar, Palnat, Palchan, Gadsar…., und den jeweiligen Ablauf der Grundausbildung. Als er eine Weile gesprochen hatte, meinte er, jetzt können die Eltern Fragen stellen.

Und sofort brach ein Strom von Klagen über ihn herein: „mein Sohn hat mir erzählt, daß er zweimal kein Abendessen mehr gekriegt hat – es gab nur noch Birnen, als seine Gruppe vom Training wiederkam“, „mein Sohn hat gesagt, es gibt immer nur Hotdogs, und das paßt ja wohl mehr für einen Kindergeburtstag als für Soldaten“, „mein Sohn meint, es gibt immer nur Mais und Mais und Mais – wie soll er da das Training durchhalten?“

Es waren (natürlich?) nur Mütter, die diese Klagen vorbrachten. Der Mem-peh meinte, er ist bei allen Mahlzeiten dabei, und er erinnert sich nicht, daß es mal nur Birnen gegeben hätte. Aber er erklärte auch, wie es mit dem Essen zugeht, und versprach den besorgten Müttern, daß er sich darum kümmern wird, wenn es Klagen gibt – bat aber auch darum, daß die Jungens sich mit den Klagen direkt an ihn wenden.

Doch auch die Väter haben Klagen. „Mein Sohn hat mir erzählt, daß er einmal bei einer Übung viel Wasser trinken mußte – was bei der Hitze ja gut ist – aber daß er dann längere Zeit nicht austreten durfte!“ „Mir ist aufgefallen, daß die Soldaten hier gegen andere Einheiten aufgehetzt werden – alles außer Nahal finden sie unter aller Kritik! Sollen das Werte des IDF sein!“

Der Mem-peh antwortete allen freundlich und geduldig. Manchmal kann man bei einer Übung nicht nach Belieben alle austreten lassen, wann sie wollen. Und er erzieht die Rekruten zum Stolz auf ihre Einheit, ohne andere herabzusetzen, aber junge Soldaten gehen manchmal in ihrer Identifikation mit der Nahal zu weit. Das legt sich mit der Zeit von allein.

Irgendwann kamen auch sachlichere Fragen, so tat ich mich mit der intelligenten Frage hervor, wie die Ausbildung zum Sanitäter in der Nahal gehandhabt wird. Denn das ist ja Secundus´ Weg. Eine andere Mutter fragte, ob es Anhaltspunkte dafür gibt, daß die Palchan-Gruppe, die als Minen-Entschärfer ausgebildet werden, höhere Verletzungsraten haben als die anderen. Der Mem-peh sagt, nein, keineswegs, aber Y. und ich gucken uns bloß an. Mensch, was haben wir doch für Glück gehabt. Palchan- oh weh.

Nachdem sich alle ausgesprochen haben, kommen auch Lob und gute Worte. „Mein Sohn hat einen solchen Sprung getan, seit er bei der Armee ist! er hilft zuhause mit! er ist viel netter und selbständiger und will nicht mehr nur bedient werden!“, jubelt die Frau neben mir. Ein andere lobt die Nettigkeit der Ausbilder, von denen ihr Sohn begeistert ist. Ein Vater fragt, ob Rekruten, die weit entfernt leben, flexiblere Ankunftszeiten bewilligt bekommen können. Wir sehen uns wieder an. Weiter als Secundus hat es wohl keiner – wir leben wirklich am anderen Ende von Israel. Ja, die Mashakit tasch (Sozialarbeiterin der Einheit)  kümmert sich um sowas, man muß sie nur ansprechen. Gut, da wird sich Secundus drum kümmern müssen.

Schließlich strömten die Eltern wieder raus in die Sonne. Draußen warteten die Jungens schon. „Na Mama, hast du mir auch keine Schande gemacht?“, knurrte Secundus. Wann hätte ich ihm je Schande gemacht? Verglichen mit den anderen Müttern war ich doch ganz dezent, das konnte Y. auch bestätigen. Wir erzählten ihm von den Birnen und Hotdogs und dem Austret-Problem, und er grinste bloß. Er regelt seine Sachen lieber selbst, und wir lassen ihn auch.

Dann fuhren wir zurück, mit Secundus.  Er hatte ein freies Wochenende von Donnerstag bis Shabat – „chamshush“ genannt: chamishi, shishi, shabat. Verrückte Abkürzungen. Ich benutze sie schon selbst, ohne mit der Wimper zu zucken.

Es lief also ganz zivil ab – ohne Exerzieren oder andere Lustbarkeiten wie auf der Festwiese in Hultsfred. Diese Dinge werden wir wohl bei der offiziellen Verleihung der Nahal-Barette und der Vereidigung erleben.

Aber so bringe ich einen Meilenstein nach dem anderen hinter mich. Bald schon hat Secundus die Grundausbildung hinter sich. Dann geht er ins Bahad 10, wo auch sein Bruder den Sani-Kurs gemacht hat, und dann wird er, wie sein Bruder, seinen Dienst abwechselnd „in den Gebieten“ und den Golanhöhen absolvieren. Immer abwechselnd. Und, wie wie wir wohl wissen, Nahal unternimmt wesentlich riskantere Aktionen als Primus´ Luftabwehr-Einheit. Infanterie eben. Ich lerne, weil ich keine Wahl habe, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Wenn die Jungen anrufen und ich weiß, wo sie sind – gut. Wenn nicht – weniger gut, aber ich muß meinen Alltag trotzdem bewältigen, mein Herz in eiserne Ringe legen und warten, bis sie anrufen.

Früher war es einfach für Mama Ente, der innere Appell: alle vier im Kibbuz, nur in verschiedenen Kinderhäusern. Heute zähle ich mir auf, wo sie gerade alle sind. Tertia hat den Termin für ihre Einberufung schon: Februar 2012. Wie es aussieht, wird Primus bis dahin schon entlassen sein.  Ich bin schon gespannt, wie es bei den Mädchen ist, ob man mehr oder weniger Angst um sie hat. Tertia will ja Mashakit tash werden, bei welcher Einheit, ist ihr egal. Quarta ist kämpferischer und will entweder Pilotin werden oder zu Caracal. Allein schon des Namens wegen…da steht mir wohl noch einiges bevor.

Der Herr des Rings September 8, 2010, 13:42

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I.

Wie wir unsere Trauringe kauften. Aus  einem alten Eintrag:

Ich habe schon öfter erzählt, wie die Juweliers-Verkäuferin uns anstarrte, weil wir Englisch sprachen. „Ja ist Ihr Verlobter en Engländer?“, fragte sie in diesem herrlichen rheinischen Singsang. „Nein, ein Israeli“. Und sie, mit großen Augen: „DAS ist der Israeli? oh, wir haben Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen und uns gefragt… Gabi, komm doch mal, hier ist der Israeli!“ Und sie staunten ihn an. „DEN“ Israeli.

Wir haben dann ganz einfache goldene Ringe genommen, und ich habe auch die deutsche Sitte, Namen und Hochzeitstag eingravieren zu lassen, übernommen – auch wenn das in Israel gar nicht üblich ist. (Ist sogar unerwünscht, Gravierungen im Ehering, glaube ich). Aber ich habe als Kind gern die Eheringe meiner Eltern angeguckt, und tatsächlich, auch meine Kinder haben das alle gern gemacht und wie ich früher gerätselt, warum nicht jeder seinen eigenen Namen am Finger trägt. Wenn wir die Ringe abnehmen, was wir selten tun, sieht man, wo sie hingehören. Wir können sie also gar nicht richtig abnehmen, unsere Finger sind auch ohne Ring beringt.

II.

Tatsächlich nahmen wir unsere Ringe nur selten vom Finger. Ich nur, wenn meine bei starker Hitze auftretenden Ödeme es unmöglich machen, etwas an den Fingern zu ertragen, und Y. nur, wenn er eine Arbeit in Angriff nimmt, bei der ein Ring gefährlich wäre. Und so geschah es vor  etwa anderthalb Jahren, daß Y. mich verzweifelt anrief. Er war bei der Arbeit und auf einmal fiel ihm auf, beim Händewaschen, daß sein Ring weg war.  Er suchte überall, seine Kollegen ebenfalls, doch der Ring blieb verschwunden. Inzwischen war er auf dem Weg nach Hause, und dort wollte er weitersuchen. Er wußte nicht mehr, wann und wo er ihn abgenommen hatte.

Ich saß gerade mit einer unverheirateten und gänzlich an Beziehungen uninteressierten Freundin im Auto, die etwas spöttisch lächelte, daß ich den armen Y. so beruhigen und trösten  mußte. Sie fragte, ob er wirklich so traurig ist über den Verlust des Rings, oder ob er nicht eher Angst vor meiner Reaktion hat.  Ich weiß nicht mehr, was ich ihr darauf geantwortet habe – so ein Ring ist ein greifbares Symbol für das unlogische Konzept „Ehe“ und gleichzeitig ein sentimentaler Gegenstand, der einen über Jahre hinweg begleitet. Aber beides sagt ihr nichts, und darum habe ich vermutlich gar nichts weiter erklärt.

Wir waren traurig und haben das Haus um und um gekrempelt. Nichts. Wir haben uns dann getröstet und gesagt, na gut, wir kaufen einen neuen Ring, wenn wir wieder in Deutschland sind und zu Woltz auf der Kölnstraße gehen können. Es ist ja nur ein Symbol. Und mein Ring ist ja noch da.

III.

Vor ein paar Tagen haben wir endlich, endlich, endlich unsere alte Wohnung im Kibbuz leergeräumt. Es waren zwar nur noch der Hängeboden und die kleine Kammer voll, aber WIE voll hatten wir die gestopft! Ein paar alte Regale waren auch noch da, außerdem Bilder, ein paar Regale und Lampen. Meine immer noch unverbandelte Freundin half mir beim Saubermachen, und wir waren gerade in der schönsten Schaffensfreude, als wir einen erstickten Juchzer aus dem ehemaligen Jungenszimmer hörten. Mit einem unbeschreiblichen Strahlen kam Y. angeschossen – auf der flachen Hand hielt er mir den Ehering entgegen. Der hatte sich auf dem obersten Regal versteckt, wo die Jungens früher ihren Tenniskram aufbewahrten. Weiß der Himmel, wie der Ring dorthin geraten ist, und wie die Jungen ihn übersehen haben, als sie ihr Zimmer leerräumten.

Meine skeptische Freundin fand den Zufall auch lustig, daß sie wohl Verlust als auch Fund des Rings miterlebt hatte und betrachtete uns mit einem nachsichtigen Lächeln. Und Y. trägt ihn seitdem ununterbrochen.

Q.e.d. September 8, 2010, 13:15

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Also sprach Abu Mazen:

Wir werden Israel nie als jüdischen Staat anerkennen.

Wir werden kein einziges Zugeständnis machen.

Was folgert daraus sonnenklar?

Daß den Israelis der Frieden komplett am Gesäß vorbeigeht.

Und noch eine Quak-Meldung September 7, 2010, 18:10

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Während ich noch den Kopf über das letzte Beispiel der Berichterstattung schüttle, die automatisch bereit ist, von Israel immer das Schlechteste anzunehmen, fällt mir noch ein Beispiel ein. (Wenn ich sie alle aufschreiben wollte, käm ich zu nichts mehr).

Wer erinnert sich noch? Vor einem Jahr zur schönsten Sommerloch-Zeit wurde in den deutschen Medien eine aus den israelischen Medien übernommene, aber verkürzte und verfälschte Meldung verbreitet.

SZ:

Schilder an Straßen in Israel sind bislang in drei Sprachen bedruckt. Verkehrsminister Katz möchte das ändern: Nur die hebräischen Ortsnamen sollen bleiben.

Das war schon mal falsch, denn Katz wollte nur die Transskribierung ändern – also hebräische Namen auf Arabisch schreiben statt wie bisher arabische Namen auf Arabisch. Also statt Al Quds auf Arabisch – Yerushalaim auf Arabisch. Bei den meisten anderen Städten außer Jerusalem wäre der Unterschied kaum bemerkbar.

Und daß die verflixte Transskribierung vereinheitlicht werden muß, ist jedem klar, der mal nach Caeasarea gefahren ist, das mal so, mal Kesariyya geschrieben wird – oder Akko, das auf anderen Schildern wieder Acre heißt, oder Tiberias, auch als Tveriyya ausgeschildert… allein schon die englischen Transskribierungen sind eine Reform wert. Ob es nicht doch lieber Tiberias als Tveriyya sein sollte, darüber mag man streiten. Aber solange auf deutschen Autobahnen noch Nürnberg und München ausgeschildert sind statt Nuremberg und Munich, kann man wohl schlecht dem durchgehend, wenn auch chaostisch, dreisprachig beschilderten Israel etwas vorwerfen.

Ulrich Sahm nahm sich des Themas sachlich und kenntnisreich an wie stets, aber er war wohl der einzige. Auch SPon setzte auf die falsche Darstellung, vielleicht, weil das Problem der Transskribierung und des allgemeinen Chaos in den Schildern hier zu komplex ist? (Die größte Lachnummer war das Schild „Natbag“ – in lateinischen Buchstaben das Akronym für den namal te´ufa Ben Gurion – nämlich den Flughafen in Lod! Welcher arme Tourist sollte so den Weg nach Hause finden???)

Ich kriegte sogar empörte Emails und schrieb auch was darüber, das habe ich dann aber wohl nicht veröffentlicht (ich finde es nicht).

Und nun, ein Jahr später? Welche Überraschung! Kein einziges Schild ist geändert worden. Das war auch nie beabsichtigt – Katz hatte höchstens vor, neue Schilder einheitlich zu beschriften, aber die alten Schilder waren nie in Gefahr, abmontiert und ersetzt zu werden. Nach wie vor sind alle Schilder dreisprachig. Ich habe kein einziges entdecken können, das nicht wenigstens zweisprachig ist. Was aus Katz´ Vorstoß geworden ist – keine Ahnung. In einem Ausschuß hängengeblieben, nie ratifiziert worden, kein Geld dafür, nur punktweise umgesetzt – ich weiß es nicht.

Aber die Leute, die vor einem Jahr so panisch gequakt haben? Ach, was interessiert sie ihr Quak von gestern.

Und warum interessiert es mich? Ich denke an die momentane selbstgerechte Empörung, die damals durch die Brustkörbe von Zeitungslesern wogte, und die ihren Niederschlag in Kommentaren fand, oder einfach nur in der weiteren Bestätigung einer bereits festgefügten negativen Meinung über Israel.

Wenn das einem Privatmenschen zustöße – die ständige Verbreitung negativer Halbwahrheiten oder Lügen, die nie richtiggestellt werden, die Interpretation aller Äußerungen und aller Handlungen in ein bestimmtes Muster, auch wenn die Realität ganz andere Erklärungen dafür gibt, das zwanghafte Aufblasen auch der kleinsten Meldung zur schlagzeilenwürdigen Sensation  – dann würde man es systematischen Rufmord nennen. Wie nennt man es so? Qualitätsjournalismus.

Wetten? September 7, 2010, 17:30

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Yaakov Lozowick meint, diese Geschichte soll aufgegriffen werden, und das meine ich auch.

Vor ein paar Wochen ging es durch alle Medien, auch die deutschen: ein israelisches Gericht verurteilt einen Araber als Vergewaltiger, obwohl der Sex einvernehmlich war – aber der Araber sich der Frau gegenüber als Jude ausgegeben hatte!

Die SZ brachte die Geschichte:

Linke Israelis sprechen von einem Skandalurteil. Wäre auch ein Jude verurteilt worden, wenn ihn nach dem entsprechenden Trick eine Araberin nach einvernehmlichen Sex angezeigt hätte? Mit Sicherheit nein, lautet die Antwort.

die FAZ auch:

Nicht nur arabische Kommentatoren empören sich seit Tagen auch aus politischen Gründen über das Urteil. Wäre Ähnliches geschehen, wenn ein jüdischer Dudu sich als Araber ausgegeben hätte, um mit einer arabischen Frau zu schlafen, fragten sich manche.

natürlich SPon (sachlicher als sonst oft):

Die Richter erklärten, es handle sich nicht um einen „klassischen Vergewaltigungsfall unter Einsatz von Gewalt“. Das Vergehen sei aber schwer genug, um eine Gefängnisstrafe zu rechtfertigen. Die Angabe einer falschen Identität vor sexuellen Beziehungen kann in einigen Ländern als Vergewaltigung gewertet werden, unter anderem in den USA.

…und auch lokale Zeitungen fanden die Sache wichtig genug, um sie zu verbreiten. So die Augsburger Allgemeine, die wohl einfach die Agenturmeldung übernahm. Besonders nett sind auch hier die Kommentare:

Rassismus in seiner pefektesten Form. die sollen blos [sic] die Klappe halten und sich nicht über das Verhalten der restlichen Welt wundern.

Gut, das Urteil ist also gefällt, nicht wahr? Der Angeklagte exkulpiert, das Gericht für schuldig befunden.

Ich habe diese Sache damals nicht erwähnt, weil ich erstens anderes zu tun hatte und mir zweitens schwante, daß wir nicht alles wissen. Schließlich speiste sich die ganze Welle der Empörung aus einem einzigen mageren Artikel in Haaretz und einem Kommentar vor Gideon Levy, wenn wir der Meldung mal nachgehen.

Und so ist es denn auch, wir haben nur die eine Seite der Geschichte gehört – die des Manns, Sabbar Kashur.  Er wischte die Anklage der Vergewaltigung mit den Worten vom Tisch: sie wollte es auch. Und das hat niemand überprüft. Heutzutage sollte das eigentlich nicht reichen, wenn es um Fälle sexueller Gewalt geht. Aber die Rassismuskarte trumpfte die Vergewaltigungskarte, und es dauerte eine ganze Weile, bis der Fall in seiner Gänze bekannt wurde.

Vikhtor Shikhman faßt die in den israelischen Medien (leider bisher nur auf Ivrit erschienenen) Einzelheiten zum Fall zusammen (Meirav Michaelis Kommentar bezieht sich auf diese Einzelheiten, Lisa Goldmann übersetzt einen Teil des Artikels, und Elizabeth Tsurkov hat den ganzen Artikel übersetzt ).

Das Opfer ist eine Frau, die durch sexuelle Gewalt in der Jugend traumatisiert ist, die in Prositution abgerutscht ist, und die darum vor Gericht nicht als glaubwürdig galt – obwohl ärztliche Untersuchungen eindeutig zeigten, daß sie vergewaltigt worden war (der Vergewaltiger hat sie nackt in einem Treppenhaus zurückgelassen).  Die Frau ist wohl psychisch labil, weswegen sich ihre Anwälte auf einen Kompromiß einließen. Die Anklage sollte auf „rape by deception“ runtergestuft werden, aber der Angeklagte sollte eine Haftstrafe dafür bekommen.

Sobald der Angeklagte frei herumlaufen konnte, gab er Interviews, in denen er seine Version der Geschichte zum Besten gab – die von allen Medien hüben und drüben mit großem Interesse aufgenommen und verbreitet wurde, siehe oben.  Niemand widersprach ihm – die Wahrheit war nur Leuten bekannt, die von Berufs wegen darüber schweigen mußten.

Ich würde ja zu gern sehen, wie die Journalisten all der Zeitungen, die ich oben zitiert habe, nun ihre Hüte fressen und statt der einfach-plakativen „Israelisches Gericht fällt rassistisches Urteil“-Geschichte eine Richtigstellung publizieren. Genauso unübersehbar wie ihren ersten Beitrag zum Thema. Wie sieht die Geschichte dann aus?

Seelisch schwer geschädigte und aus der Bahn geworfene jüdische Israelin wird von Araber vergewaltigt, der hinterher in den Medien eine ihn selbst entlastende Lügengeschichte verbreitet – und wir alle, alle haben mitgeholfen und nicht kritisch nachgefragt.

So etwa. Das wäre menschlich anständig dem Opfer gegenüber.

Aber da können wir lange drauf warten. Ich habe schon manche Wette verloren, aber ich bin bereit zu wetten, daß in keinem der oben erwähnten Organe die ganze häßliche, traurige und schwierige Geschichte noch einmal aufgerollt wird. Bei der Google-News Suche unter Sabbar Kashur finden sich im Moment nur Artikel von Ende Juli. Wer hält dagegen?

(Und Gruß an Silke, die ich, wie beim Hasen und Igel, schon überall vorfinde! Und Shining City hat die Geschichte viel eher entdeckt als ich – Hut ab! Hab ich gerade erst entdeckt.)

Nur zur Erinnerung… September 1, 2010, 14:07

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… es ist dieselbe Hamas, die den Anschlag gestern abend in Hebron verübt hat und ausgelassen feiert – und die die Farce auf See inszeniert hat. Mit diesen Menschen hat sich jeder solidarisiert, der die Lüge von den „Hilfsgütern“ weiter verbreitet hat. So gesehen kein Wunder, daß die Welle internationaler Empörung, die damals so hysterisch durch die Medien und sogar Parlamente rollte, diesmal ausbleibt.

1. September September 1, 2010, 13:51

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bedeutet automatisch: erster Schultag nach den Sommerferien. Beide Mädchen sind heute früh seufzend wieder losgezogen, insgeheim froh, die Freundinnen und Freunde wiederzutreffen, aber auch übermüdet. Ja, wenn man sich erst mal angewöhnt hat, bis in die Puppen im Bett zu lesen! Das wird sich aber schnell wieder einpendeln.

Tertias letztes Schuljahr ist damit angebrochen, nächsten Sommer macht sie Abitur.  Auch Quarta, 6. Schuljahr,  wird nächstes Jahr von der Schule Abschied nehmen – die Grundschule dauert hier sechs Jahre.  Sie hat heute ein Mädchen aus der ersten Klasse in Empfang genommen. Alle Sechstkläßler sind Mentoren für Schulanfänger, und Quarta meint, „ihr“ Mädchen ist sehr nett. Als die Mutter wegging, hat sie wohl geweint, und Quarta hat sie getröstet. Ich kann kaum glauben, daß ihr eigener Schulanfang nun schon so weit zurückliegt.

Die neue Klassenlehrerin ist wohl strenger als die bisherige. Ich kann das nicht schlimm finden, Quarta stöhnt natürlich. Auch Tertia klagt über einen unmöglichen Stundenplan und doofe Lehrer. Ich staune aber, wie schnell sich die beiden in ihren neuen Schulen zurechtgefunden haben. Das ging doch wirklich alles, tfu tfu tfu, sehr glatt.

Für mich bedeutet diese Zeit, in der die Schule schon angefangen hat, das Semester aber noch nicht, daß ichmorgens sehr viel schaffe. Irgendwann rufen die Mädchen dann an und brüllen ins Handy (aus dem ein Höllenlärm dringt): ich steig gerade in den Bus! gibt es was zu essen?, und dann weiß ich: der Countdown zum Mittagessen läuft. Ich genieße es, mittags mit den Mädchen zu essen und zu hören, was sie erzählen.  Ich bin doch ein sehr häuslicher Mensch. Meine Freundin, die vor ein paar Tagen erstmals hier war, fragte mich etwas verstört, ob es mir hier nicht zu einsam ist. Ich hab gesagt, nein. Ich habe die wichtigsten Menschen um mich herum, mehr bedarf´s nicht.

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