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Alttestamentarische Rachsucht August 31, 2012, 14:49

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wird Juden  gern nachgesagt – Aug um Auge und so weiter. Wer diese schönen Eigenschaften gewissermaßen ad oculum demonstriert haben möchte, kann ja mal die Interviews mit dem zusammengeschlagenen Rabbiner lesen. Der Tagesspiegel und die Jüdische Allgemeine geben ein gutes Bild davon, wie man mit Trauma und Haß umgehen kann.

Ein schöner Traum August 31, 2012, 8:43

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Ich stelle  mir gerade vor, wie das wäre. Juden in Deutschland, aber auch in Frankreich und Schweden trauen sich nicht mehr, mit Kippa in die Öffentlichkeit zu gehen. Das empört die Nichtjuden in Deutschland so sehr, daß sich eine Bewegung bildet: mehr und mehr Männer fangen an, einfach eine Kippa zu tragen. Als Bekenntnis dazu, daß sie es unerträglich finden, wenn Kippaträger als vereinzelte, leicht erkenntliche Opfer gesehen werden.

Was Prince Charles, Präsident Obama, David Beckham und der Papst tragen, kann doch den deutschen Michel nicht schänden. Wem die klassische Kippa nicht gefällt, der kann ja auch bucharische oder drusische Kopfbedeckungen ausweichen. Oder ganz klassisch: wieder Hüte tragen.

Aber natürlich würde das nie Wirklichkeit werden. Juden werden Baseballkappen über der Kippa tragen, und Nichtjuden werden erklären, daß sie gegen Kopftuch, Kippa und Weihnachtsbäume im öffentlichen Raum sind. Bei den Weihnachtsbäumen machen sie vielleicht eine Ausnahme…

Trotzdem, es wäre ein Zeichen der Solidarität.

Raketen August 31, 2012, 7:16

Posted by Lila in Qassamticker (incl. Gradraketen).
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Gestern abend fiel eine in Chof Ashkelon, die habe ich nicht notiert – und dann noch eine in Shaar Hanegev, und schließlich in Sderot. Sie explodierte über einem Haus. Riesenglück, daß keinem der Hausbewohner was passiert ist. Nur Sachbeschädigung.

Die ganze letzte Woche über sind immer wieder Raketen im Süden gefallen. Habt ihr davon was gehört? Nein. Wenn Raketen auf israelische Bürger fallen, ist das normal.

Tiefpunkt? Gipfelpunkt? August 30, 2012, 16:39

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Mir gehen die Metaphern aus, wenn ich so lese, was Susanne Knaul von sich gibt, wenn es um Israel geht.

Seit Jahren behaupten die Palästinenser, Israel habe Arafat ermordet – bekanntlich sterben palästinensische Helden keines natürlichen Todes, das ist immer irgendwie Israel schuld. Daß der Mann über Jahre hinweg immer tatteriger wurde – daß er Suha nur heiratete, nachdem die Gerüchte über seine homosexuellen Kontakte unüberhörbar laut wurden – daß Israel ihn die Jahre über in der Muqata mit Chumus und anderen Lebensmitteln belieferte und an seinem Überleben interessiert war, um keinen Mythos zu schaffen – alles keine Erwähnung wert.

Israelische Aussagen sind grundsätzlich als Lügen und Ausreden zu werten. Zweifel von anderer Seite – da hat Knauel noch nie von gehört.

Israel will es nicht gewesen sein, resümiert Knaul mit einem Unterton der moralischen Empörung. Die Überschrift sagt deutlich, woran Knauel glaubt. Und wer es jetzt noch nicht kapiert hat – nun, der lese, was unser Freund Erekat dazu sagt, der aufrichtigste Mensch unter der Sonne und als solcher spätestens seit dem “Massaker” von Jenin bekannt. Als Abschluß dieses wunderbaren Stückchens Rufmord paßt es hervorragend.

„Auch wenn ich keine Beweise habe“, kommentierte Saeb Erikat, Chefunterhändler der Friedensverhandlungen, „in meinem Herzen weiß ich doch, dass Arafat nicht eines natürlichen Todes gestorben ist“.

Und dazu sage ich: auch wenn ich keine Beweise habe, in meinem Herzen weiß ich doch, daß Susanne Knaul in Gefahr läuft, sich vor Bosheit eines Tages an ihrem eigenen Speichel zu vergiften. Und auch das ist ganz allein nur Israel schuld.

Ein paar Fragen an Ali Maarous August 30, 2012, 13:35

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In der Welt lese ich soeben ein paar Reaktionen zum brutalen Angriff auf den Rabbiner Daniel A. vor den Augen seiner kleinen Tochter. Dabei finde ich es ausdrücklich ermutigend, daß Menschen wie der Chef des Deutsch-Arabischen Zentrums, Ali Maarous, diesen Angriff verurteilen. Aber trotzdem rutschen ihm dann wieder ein paar Phrasen heraus, die zeigen, wie tief verwurzelt das anti-jüdische Denken ist, selbst bei denen, die sich frei davon wähnen.

Das Deutsch-Arabische Zentrum sieht den Ursprung des Antisemitismus in den arabischen Ländern, aus denen die Mitglieder der arabischen Gemeinde kommen. “Die Eltern verfolgen tagtäglich den Konflikt in ihrer Heimat, auch wenn sie hier in Deutschland leben”, sagte Zentrumschef Ali Maarous. Sie seien wütend über das, was in ihrer Heimat geschehe.

“Diese Wut und der Hass überträgt sich dann auf die Kinder”, sagte Maarous. Das Zentrum arbeite daran, die Jugendlichen aufzuklären. In zahlreichen Seminaren erklärten sie den Jugendlichen, sich bei politischen Auseinandersetzungen zurückzuhalten und rational damit umzugehen.

Von welchem Konflikt bitte ist hier die Rede? Sind alle Araber automatisch Palästinenser? Und was ist mit den Türken? Welcher Konflikt quält sie so, daß sie Hand an Juden legen müssen? Der mit den Kurden? oder der auf Zypern? oder welcher?

Es ist schön, daß Maarous Jugendlichen hilft, mit Konflikten rational umzugehen. Aber dann soll er sich erstmal klarmachen, was er da gesagt hat. Er hat jeden Juden für Israels Politik verantwortlich gemacht und jeden Araber, jeden Moslem zum Palästinenser gemacht. So kann der israelisch-palästinensische Konflikt also von Stellvertretern ausagiert werden.

Das ist wirklich lächerlich, denn die Palästinenser werden weiß Gott nicht nur von Israelis diskriminiert – in Syrien, Jordanien und vielen anderen arabischen Ländern werden sie grundsätzlich als Menschen zweiter Klasse behandelt. Ich wüßte ja gern mal die Herkunft dieser Täter – vielleicht kommen sie ja selbst aus einem Land, das Minderheiten oder Migranten mit brutaler Gleichgültigkeit und Verachtung behandelt?

Maarous wird seinen Jugendlichen hoffentlich erklären, daß kein zivilisierter Mensch sich auf andere stürzt und sie zusammenschlägt, egal wie “wütend und haßerfüllt” er ist. Und daß es keinem schadet, sich die Konfliktlinien mal genauer anzugucken und sich zu fragen, ob die arabisches Seite nicht auch das ihre zu der Situation beigetragen hat, und sich zu überlegen, was man dazu beitragen kann, damit statt Haß und Wut auf der einen, Ratlosigkeit und Sorge auf der anderen Seite, sich gegenseitiges Verständnis und Respekt verbreiten.

Und nicht noch irgendwelche Vorwände für Wut und Haß aus dem Ärmel ziehen.

Meine Hoffnung, daß einem der deutschen Leserbriefschreiber diese Passage irgendwie auffiele, war natürlich unbegründet.

Kann das sein? August 29, 2012, 18:33

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In Israel machen die soeben vom israelischen Staatsarchiv veröffentlichten Protokolle der Vorkommnisse bei den olympischen Spielen 1972 Schlagzeilen. In deutschen Medien finde ich auf die Schnelle – nichts. Das kann nicht sein. Vielleicht werden die Erkenntnisse ja morgen veröffentlicht? Oder interessiert es wirklich keinen mehr in Deutschland? Nein, das kann ich nicht glauben.

Das Chaos muß unglaublich gewesen sein, die Entscheidungen von unfaßbarer Kaltschnäuzigkeit.

The documents include records of a meeting that took place between representatives of the International Olympic Committee and its German  affiliate, during which the officials decided against halting the Olympics while the hostage situation was taking place due to the fact that the German television channels did not have alternative programming to replace the games.

Das ist natürlich ein guter Grund. Ermordete israelische Athleten kann man hinnehmen, aber eine Wiederholung der Hitparade oder des Försters vom Silberwald? Der deutsche Fernsehzuschauer will doch unterhalten werden.

Bestimmt lagern auch in deutschen Archiven weitere Materialien, die ein genaueres Bild des Ablaufs und der Entscheidungsprozesse geben.

Ich werde oft gefragt, wieso die Juden wohl ihren eigenen Staat brauchen. Nun, unter anderem, um nicht mehr von anderen abhängig zu sein. Sowohl die deutschen Behörden als auch das internationale olympische Komittee haben damals schlicht versagt. Und haben es dieses Jahr noch einmal, bei der Entscheidung, statt der Gedenkminute für die ermordeten israelischen Athleten lieber eine für Opfer des Londoner Terrors (der mit der olympischen Idee ja wenig genug zu tun hatte) einzulegen. Denn noch weniger als deutsche Fernsehzuschauer möchte man wohl arabische Athleten, Zuschauer und Sponsoren vergrätzen. Was wäre Eurosport ohne die Werbespots von der Sportakademie Aspire in Qatar?

 

Und keine halbe Stunde später: ehre, wem Ehre gebührt. Jetzt kann man auf die Leserzuschriften gespannt sein, die beweisen daß es sich die Israelis selbst zuzuschreiben hatten, ermordet zu werden.

Allerlei August 29, 2012, 16:24

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1. werden meine treuen Leser gemerkt haben, daß ich bis über beide Ohren in Arbeit vergraben bin und nur von Zeit zu Zeit mal den Kopf hebe, um zu sehen, daß die Welt noch steht. Steht noch? Na dann buddel ich mal weiter.

2. habe ich eine Frage. Jemand, den ich kenne, sucht hier in Israel Mitarbeiter, die deutsche Muttersprachler sind und im Englischen sehr fit. Akademische Bildung ist zwar nicht unbedingt nötig, aber sehr nützlich. Wer gerade hier gestrandet ist und sich überlegt, wie er sich ohne Hebräisch über Wasser halten kann, der kann mir ja mal mailen oder einen Kommentar mit dem Vermerk “statt Mail” hinterlassen (bleibt unter uns). Ich erkläre und vermittle dann.

3. ist mein Primus aufgebrochen in die weite Welt, er klingt vergnügt, hat viele Pläne (Studium, Arbeit, Reisen…) und ich freue mich, daß er jetzt ein neues Kapitel aufschlägt. Für alles andere gibt es Skype und Abendgebet.

4. haben Y. und ich das letzte Projekt in diesem Haus sehr langsam in Angriff genommen – Arbeitszimmer, Rumpelkammer und “Hobby”raum (seliger Adorno, verzeih mir den Gebrauch dieses Unworts, aber wie soll ich sonst den Raum nennen, wo meine Häkel-, Stick-, Schmuckbau- und sonstigen Materialien wohnen sollen? crafts room? klingt auch  nicht besser). Im Moment ähneln sich diese Räume allzusehr, jedoch ist das Ziel, sie unterscheidbar zu machen, so daß keiner Arbeitszimmer und Rumpelkammer mehr verwechseln kann. Hauswurschteln kostet Überwindung, trägt jedoch seinen Lohn in sich. Gender-struppig wie wir sind, übernimmt er die Bohrmaschine, ich den Wischlappen und den sortierenden Blick. Ist es strafbar, damit zufrieden zu sein?

5. habe ich die Nase voll von Klimaanlagen. Gestern fiel ich halb erfroren in Nahariya aus der Bahn – wer mag wohl der Idiot gewesen sein, der dachte, bei 20 Grad müssen sich die Kunden doch pudelwohl fühlen? Ich führe immer ein warmes Tuch mit mir, aber gegen die Kälte hätte ich Wollsocken und eine Fleecejacke gebraucht. Es pustete mir so richtig fies in den Nacken. Ich habe die Nase auch voll von einem Wetter, das mir die Wahl läßt zwischen ekelpetrig zugiger Klimaanlage oder dem klebrigen Schlappgefühl irrwitziger Hitze. Was haben wir jetzt? August??? Ach du liebe Güte.

6. hat die Schule wieder angefangen. Quarta ist jetzt in der kita chet, also in der siebten Klasse. Auf der höheren Schule gehört sie schon nicht mehr zu den Küken. Kaum zu glauben. Es kommt mir vor, als wäre sie gestern noch auf der Grundschule gewesen, vorgestern im Kindergarten und letzte Woche im Babyhaus. Was muß ich feststellen? Das täuscht.

Not funny August 23, 2012, 23:06

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Ich habe die Meldung in mehreren Zeitungen gelesen und mir die Leserbriefe angeguckt. Sehr viele Menschen finden es anscheinend höchst amüsant, daß eine Stümperin hingegangen ist und ein Kunstwerk übermalt und es damit ruiniert hat. Ha ha. Habe ich einen Schlag weg, daß ich daran gar nichts komisch finde? Ich kann an so einer Meldung beim besten Willen nichts lustig finden.

Ein einmaliges Kunstwerk ist zerstört – was ist daran komisch? Soll ich mich auch darüber amüsieren, daß ein Säureattentat gegen Rembrandts Danae verübt wurde, daß Franz Marcs Turm der blauen Pferde verschollen bleibt, daß Raffaels Porträt eines jungen Rovere verloren ist, daß der Taliban Buddha-Statuen zertrümmert, daß die Bibliothek der Herzogin Anna-Amalia in Weimar abgebrannt ist, daß niemand das Original der Knidia kennt, daß nur noch ein kleiner Rest des Klosters von Cluny stehengeblieben ist, und und und…?

Ich finde alle diese Meldungen traurig, auch wenn das Wandbild (ein Fresko war es m.E. nicht) nicht mit Rembrandt, Mark oder Raffael in einer Liga spielt. Vandalismus aus Ahnungslosigkeit macht den Akt der Zerstörung nicht plötzlich amüsant und lustig. Ich bin ehrlich gesagt schockiert, wenn ich seitenweise Kommentare von Zeitgenossen lese, die sich beömmeln. Womit hat das Bild diesen hämischen Spott verdient? Manchmal verstehe ich wirklich die Welt nicht mehr.

Vielleicht ja doch…? August 20, 2012, 20:49

Posted by Lila in Kinder, Uncategorized.
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Wenn man ein paar Sprachen gleichzeitig bedient, gibt es immer wieder kleine, lustige Mißverständnisse.

Quarta ruft vom Computer zu mir rüber: “Mama, ma zäh (was heißt) be-siegen?” Ich: “In Siegen, das ist eine Stadt in Deutschland, wo Rubens… ach vielleicht heißt es doch lenazeach (besiegen)?” Sie spielt gerade Quidditch, was kann es also schon bedeuten?

Primus erzählt mir, wie er in Deutschland einen orangefarbenen Rettungswagen sah. “Hm”, dachte er, “das ist also anders als in Israel, da sind Rettungswagen mit Arzt immer orange gekennzeichnet, aber hier steht extra drauf NOTarzt, also kein Arzt… ach vielleicht heißt es ja rufeh cherum, Noootarzt?”

Rache folgt auf der Schiene August 20, 2012, 17:01

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Hab ich mich nicht gefragt, was ich wohl als nächstes auf der Bahn erlebe? Heute hatte ich eine volle Portion Bahnglück.

Mir gegenüber saß eine kleine Frau mit spitzen Acrylnägeln, dreifarbig lackiert, mit denen sie erbittert in ihren hinteren Backenzähnen stocherte. Zwei Bahnhöfe lang. Hörbar. Neben ihr saß ein schlafender Mann, dem die Speichelfäden aus dem Mund rannen. Neben mir saß ein Vater, der mit seinem kleinen Sohn schäkerte und tobte – wann er das letzte Mal geduscht hat, weiß ich nicht, aber es muß in einem Jahrhundert vor der Erfindung des Deodorant gewesen sein. Der Kleine immerhin war niedlich.

Am Vierertisch gegenüber drängte sich auf drei Sitzen eine riesige Großfamilie, die alle aufeinander saßen. Die Mädchen kreischten und quietschten und hielten sich mehrere laut blökende Smartphones an die Ohren, die Mutter  und die älteste Tochter (junge Tante?) schimpften, die Jungens knufften sich gegenseitig und versuchten, den Schwestern die Smartphones wegzunehmen. Auf dem vierten Sitz saß eine feine, kleine Dame und löste ein Kreuzworträtsel in einer mir unbekannten Schrift und Sprache.

Der Gang war gestopft voll mit Soldaten, Taschen, Kinderwagen, Koffern von Reisenden, die vom Flughafen kamen, und ein dicker alter Herr stand auch dort, der sich keinen Platz anbieten ließ. Hinter Binyamina fiel die Klimaanlage aus. Die Strecke Akko-Nahariya ist wegen Baustelle gesperrt, so mußte ich mich in Akko mit Hunderten von Menschen durch drei mickrige Sperren quetschen. (Ohne die Fahrkarte in die Sperre zu stecken, kommt man weder auf den Bahnsteig noch auch wieder runter – ingenious, those muggles.)

Karma mag eine Hündin sein, aber sie hat doch Humor.

Und wieder was aus der Eisenbahn August 20, 2012, 4:15

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Ich bin im Moment kaum zuhause – ich mache einen Lehrgang im Süden Israels, und da fahr ich morgens um sechs mit der Bahn los und komme abends um acht zurück. Extrem anstrengend und unerfreulich, obwohl der Kurs hochinteressant ist und ich mich damit ein bißchen breiter streuen kann als nur zu unterrichten. Aber das ist eigentlich gar nicht, was ich sagen wollte.

Gestern früh saß ich in der Bahn und um mich herum waren überall, allüberall Soldaten. Sitzend, stehend, liegend. Mit riesigen Taschen, mit Butterbroten, ein Mädchen mit einem Rollkoffer – weil sie nicht mehr schleppen kann.

Neben mir ein magerer Nahal-Soldat, rundherum lauter Luftabwehr. Der Nahal-Soldat in olivgrün mit roten Stiefeln, grünem Barett und dem mir so wohlbekannten Abzeichen, die Luftabwehr-Soldaten in der sandfarbenen Uniform der Luftwaffe mit dem mir ebenfalls wohlbekannten Abzeichen. Die Jungens von der Luftabwehr unterhielten sich darüber, wie sie nun zwei Wochen im Süden nur draußen im Gelände sind, und über ihren neuen Einsatz. Sie hatten offensichtlich schon mehr Armeezeit auf dem Buckel und klangen trotz leichter Meckerei ganz obenauf.

Dann wandten sie ihr Interesse dem Nahal-Soldaten zu, der neben mir saß. Sie wollten wissen, was er denn da für eine tolle Waffe hat. So, ne Mikro-Tavor, ist die gut? Sie redeten ein bißchen über ihre Waffen und dann fragten sie ihn, wo er dient. “Bei der Nahal”, sagte der Grüne. “Nee, wo bist du denn stationiert?” wollten sie wissen. “In Hebron”, sagte der Nahlawi. Da mußte ich natürlich spontan sagen: “ich hab einen Sohn bei der Nahal in Hebron”, und es stellte sich heraus, daß der Soldat Secundus kennt. Er nannte den Namen geradezu mit Ehrfurcht, denn Secundus hat ja schon zwei Jahre Armeezeit hinter sich und damit natürlich eine Autorität…

“Und was macht ihr?” fragte er die Luftabwehr-Jungs. Die sagten daraufhin mit lässiger Nonchalance: “wir? ach, wir sind kipat barzel” – Iron Dome, die Eiserne Kuppel. Sie sind unterwegs in Richtung Süden.

In der Zeitung lese ich, was sie da machen, und daß zwei Raketenangriffe auf Eilat waren, aus dem Sinai. Weitere werden die Jungens, die ich getroffen habe, hoffentlich verhindern. Dafür sind sie jedenfalls dort.

Der Stolz, mit dem sie ihre Arbeit tun, war offensichtlich. Ich habe darauf verzichtet, nachzuforschen, wer von ihnen Primus kennt – der war ja auch bei der Luftabwehr und kennt die Offiziere der Iron-Dome-Truppe, allerdings nicht mehr die jungen Soldaten. Wäre er nicht so dickschädelig, dann wäre er auch selbst zu Iron Dome gegangen. Als ich ihm später von der Begegnung erzählte, und wie stolz die Jungens waren, sagte er, das ist ja klar. Das ist ja auch ein ben-zona von einem Job.

Dann mußte ich aussteigen. Die Soldaten fuhren weiter – der eine nach Hebron, die anderen nach Eilat. Mal gucken, was ich heute in der Bahn erlebe.

In der Eisenbahn August 17, 2012, 10:59

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stand ich gestern neben den Eltern Shalit. Ich habe sie sofort erkannt – ein Blick auf das Profil der Mutter, und ich wußte, wer sie ist. Als ich dann neben ihr noch den Vater sah, war ich sicher. Die Bahn war voll, wir standen, und mir fiel auf, daß alle es so hielten wie ich – jeder erkannte wohl die Shalits, doch jeder wandte sofort den Blick wieder ab. Die Familie Shalit hat darum gebeten, sich wieder in ihre Privatsphäre zurückziehen zu dürfen. Ich hoffe, daß alle das respektieren und sie weder angestarrt noch angesprochen werden. Daß die meisten Menschen, denen sie in Bahn, im Supermarkt und an der Kreuzung begegnen, für ihren Sohn gebetet, demonstriert und gezittert haben, muß ihnen klar sein – sie haben dafür gedankt, und mehr schulden sie uns nicht.

Aber während ich so zwischen ihnen stand und die Bahn langsam in Richtung Nahariya rollte, war mir das Herz so schwer. Was diese Familie durchlebt hat, ist ein Albtraum. Es ist der erklärte Wille von Hamas und Hisbollah, einen zweiten Gilad Shalit zu erbeuten – eine Soldatin wäre ihnen am liebsten. Die Armee setzt alles daran, so einen Fall zu verhindern.

Man mag sich nicht ausdenken, wie die Shalits gelebt haben in den Jahren der Angst, der Verhandlungen, der vielen enttäuschten Hoffnungen. Wie sie überhaupt schlafen konnten – vermutlich haben sie keine Nacht ruhig geschlafen, keine Minute genossen oder sich einfach nur entspannt.

Obwohl sie als Eltern Gilad natürlich als ihr Kind gesehen haben und auch die Kampagne zu seiner Freilassung unter dem Motto stand, darf man doch nicht vergessen, daß es eben kein Verbrechen an einem Kind war – sondern ein politischer Schachzug, dessen Opfer Soldaten waren. Und das sind verantwortliche Erwachsene in Uniform. So wie die Eltern Shalit ihre Kinder zur Armee geschickt haben, so haben wir das auch getan. Und damit haben wir sie wissenden Auges in eine Situation gebracht, in der sie Zielscheibe werden, ja sich als Zielscheibe geradezu anbieten. Mit der Verantwortung müssen wir leben, auch die Armee und die Politik muß damit leben. Die Ambivalenz, die sich daraus ergibt, habe ich ja schon oft genug beschrieben.

Das ging mir alles so durch Kopf und Herz, während der Zug von Akko nach Nahariya rumpelte und langsamer wurde. An der Schranke wartete Y. auf mich,  mit Tertia, die auch gerade mit einer früheren Bahn gekommen war. Ich nahm sie besonders fest in den Arm, was sie eigentlich gar nicht so schätzt, und sie meinte auch sofort, “na Mama, was ist denn das für ein Überschwang?”, aber mir war danach.

Am 18. Oktober wird sich Gilads Freilassung jähren. Dann werden die Medien vermutlich den Schonraum um die Shalits ein bißchen aufweichen und uns von Gilad erzählen. Viele andere sind nie zurückgekehrt – Vermißte und Gefallene. Gilads Geschichte mit ihrem guten Ausgang ist auch deswegen so wichtig, weil wir uns damit trösten können. Er ist kein zweiter Ron Arad geworden. Batia Arad ist gestorben, ohne zu wissen, was ihrem Sohn zugestoßen ist. Die Shalits haben ihren Sohn wieder.

Zum Thema Blutgruppendiät August 15, 2012, 2:36

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Daß sich SPon diesen Unfug mal vorgeknöpft hat, freut mich. Ich hab das Gefasel schon länger auf dem Kieker, seit mir eine “Freundin” mal dazu geraten hat und ich die folgenden Ausführungen auf einer Website zum Thema fand:

Die politischen Wahrheiten gemäss Blutgruppen
Es ist so, dass die verschiedenen Typen von Natur aus verschiedene Wege favorisieren, Probleme zu lösen. Somit scheint es normal, dass es zwischen Völkern Krieg oder Bürgerkriege zwischen den verschiedenen Blutgruppen gibt:

— zwischen Arabern (Blutgruppe 0) und Juden (Blutgruppe B)
— zwischen Weissen in “Amerika” (Blutgruppe A) und Indios in “Amerika” (Blutgruppe 0)
— zwischen Weissen in “Amerika” (Blutgruppe A) und Schwarzen in “Amerika” (Blutgruppe 0)
— zwischen Leuten, die eine Strategie haben und Kriege anstreben (Blutgruppen A und B, Weisse) und Leuten, die Frieden und ein einfaches Leben pflegen (Blutgruppe 0, Schwarze, Araber).

— die Leute der Blutgruppen A und B machen mit Strategien die grössten Profite gegen alle anderen, vor allem gegen die Blutgruppe 0 (Schwarze und Araber), die meistens nur ein einfaches, friedliches Leben anstreben.

Da ich B positiv bin und damit blutrünstig, profitgierig und strategisch raffiniert, hat mich diese Beschreibung doch etwas pikiert. Immerhin, der Nahostkonflikt ist damit umfassend erklärt.

So vergeht die Zeit… August 13, 2012, 21:02

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Das war bei meiner Schwiegermutter in der alten Wohnung, so um 1996 herum. Tertia fehlt auf dem Bild. Vor meiner Schwägerin, die ihre Älteste und ihre dritte Tochter im Arm hält, sitzt ihre zweite Tochter auf dem Boden. Sie ist gleichaltrig mit Secundus, aber schon immer sind sie und die dritte Schwester ganz besonders mit Tertia befreundet. Die Kinder sind ja alle sehr dicht beieinander im Alter.

Tertia liebt auch die Cousine aus den USA, die regelmäßig nach Israel zu Besuch kommt.

So sehen die beiden Cousinen aus Israel, Tertia und die zweite Tochter meiner Schwägerin, jetzt aus.

Sie könnten auch Schwestern sein – da Tertia als einziges meiner Kinder Y.s Locken geerbt hat, paßt sie genau in die lockenköpfige Schar meiner Schwägerin.

Beide tragen stolz ihre Uniform – die Cousine hat einen technischen Beruf, mit dem sie bei den Fallschirmjägern dient, ganz in unserer Nähe, an der Grenze zum Libanon. Tertia trägt mit Stolz das braune geflochtene Band der Diagnostikerin zu ihrer Uniform der Luftwaffe (mit dem besonders schicken Abzeichen ihrer Basis – man beachte die Flugzeuge). Sie ist natürlich viel neuer bei der Armee als die anderthalb Jahre ältere Cousine, die sich verpflichtet hat und am Ärmel die drei Streifen des samal hat (einer davon verdeckt durch den umgeschlagenen Ärmel).

Besonders wichtig sind ihnen, wie den Jungens, die Nadeln und Abzeichen, von denen jede etwas bedeutet. Die Cousine erzählte, wie sie neulich ihr wichtigstes Abzeichen verloren hat – die Schwingen der Fallschirmjäger! und das auf dem Bahnhof, auf die Gleise waren sie ihr gefallen! Ein Bahnangestellter war so nett, aufs Gleis zu klettern, um die kostbare Nadel zu retten. Ob er es der Ehre der Fallschirmjäger zuliebe tat oder nicht doch wegen der dunklen Augen der Soldatin – wer weiß.

Groß war die Freude, als die Cousine aus den USA dann auch noch dazukam.

Lauter feine Mädchen. Die Drei, Primus und ich saßen stundenlang zusammen, wir konnten uns nicht entschließen, jeweils unserer Wege zu gehen, immer gab es noch was zu erzählen und zu kichern.

Ich bitte um Lob, daß ich nicht ein einziges Mal gesagt habe: ach Kinder, was seid ihr alle so groß geworden… und daß ich ohne zu murren mitgegangen bin, meine Füße in ein Knabberfischbecken zu stecken, zwecks Pediküre. Das hatten sich die Mädchen in den Kopf gesetzt. Tertia war es dann doch zu eklig, so daß ich mich opfern mußte.  Ich hatte schön weiche Füße hinterher, aber wie die Fische das ertragen…

Miserable Stimmung August 12, 2012, 19:31

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in den Nachrichten. War das schön, als ich statt dessen Turmspringen oder Rückenschwimmen oder Stabhochsprung gucken konnte. Die Nachrichten hören sich deprimierend an.

Spekulationen über den Stand der iranischen Nuklearbewaffnung, über die Auwwirkungen der Sanktionen und eventuelle Pläne der Iraner. Illustrierte Schilderungen des gestaffelten Luftabwehr-Systems, samt Schilderungen der jeweiligen Raketen, die jede Schicht dieses Systems abfangen kann.

Und natürlich Mahnungen zum Verhalten des “Nackens”, wie man die Zivilbevölkerung hier nennt: “der Nacken muß sich anweisungsgemäß in Sicherheit bringen”. Mein Mann weigert sich schlicht, neue ABC-Masken zu holen, nachdem wir die alten abgegeben haben. Wir sind schon seit Jahren vollkommen masken-los. Allerdings ist unser Schutzraum in Ordnung – muß ich jetzt anfangen, Mineralwasser, Gurken in Dill und Rote Bete zu horten? Danke, ich hab die Homefront-Hysterie von 1991 noch in guter Erinnerung, das mach ich nicht noch einmal mit.

Quarta hört mit Sorge zu. “Was ist eigentlich schlimmer – sofort sterben oder Strahlenkrankheit?” Ich erzähle ihr, wie ich als Schulkind Angst hatte, daß die Russen uns in die Luft jagen, und daß daraus auch nichts geworden ist. Alles Gerede. Die Iraner sind noch weit genug von einer Atombombe entfernt. Ich glaube auch nicht, daß sie sie aus heiterem Himmel einsetzen würden. Wir verschweigen Quarta allerdings, daß Netanyahu vielleicht doch Ernst machen will und uns damit in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang stürzen könnte. Mir gefällt dieses Gerede gar nicht.

Ich erinnere mich noch zu gut an den krassen Übergang von der Fußball-WM in Deutschland zum Libanonkrieg. Meinetwegen könnten die Olympischen Spiele einfach so weitergehen. Andere Nachrichten brauch ich nicht.

Eine schöne kleine Geschichte aus den Nachrichten August 8, 2012, 21:53

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Ein junger Filmemacher dreht einen kleinen Film über einen jungen Mann, der eine junge Frau kennenlernt – und deren Hund. Der Hund spricht mit tiefer Stimme und gibt einen laufenden Kommentar zu der sich entwickelnden Beziehung ab. Man kann einen Film nicht nach den Schnipseln beurteilen, die so eine Nachrichten-Reportage zeigt, aber er macht wirklich einen leichten, humorvollen und leicht verrückten Eindruck.

Der junge Filmemacher schickt seinen Film an die Jury eines internationalen Wettbewerbs. Wie es genau dazu kam, weiß ich nicht mehr, aber er bekommt Antwort. Email aus Teheran. Ein Juror aus dem Iran ist begeistert von dem Film und möchte ihn auf einem Filmfestival in Teheran zeigen. Als Anhang ist ein Antrag auf ein Visum für den Iran beigefügt.

Der Filmemacher ist verwirrt und sicher, daß dem Iraner nicht aufgefallen ist, woher dieser Film eigentlich stammt. Da sieht er, daß in der Antwortzeile “… and Shalom :-) ” steht. Große Freude und Gänsehaut. Tatsächlich – Shalom und ein Lächeln.

Weder er noch die Hauptdarstellerin noch auch der schöne Hund werden nach Teheran reisen. Aber hoffentlich wird der israelische Film dort gezeigt. Boy meets girl and dog. Wenn das keine universalen Erfahrungen sind.

 

 

Ja, sowas schafft es hier bis in die Nachrichten, ebenso wie ein gemeinsames Foto vom Tauchkurs, auf dem eine Iranerin und eine Israelin sich umarmen. Auch der israelische Bergsteiger, der einen türkischen Freund auf dem Mt. Everest gerettet hat. Für solche kleinen Geschichten sind wir dankbar. Beweise dafür, daß auf beiden Seiten Menschen leben, die vieles gemeinsam haben. Trotz allem.

Häää…???? August 8, 2012, 21:34

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Das ägyptische Militär setzt jetzt seine Luftwaffe gegen Extremisten auf der Sinai-Halbinsel an der Grenze zu Israel ein. Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch die Verstecke der mutmaßlichen Militanten und töteten nach Angaben aus Sicherheitskreisen mehr als 30 von ihnen.

Habe ich verstanden.

Zuvor war es in der Nacht erneut zu bewaffneten Attacken der Extremisten auf insgesamt fünf Militär- und Polizeikontrollpunkte nahe der Grenze zu Israel und zum palästinensischen Gaza-Streifen gekommen. Dabei waren mehrere Sicherheitsbeamte verletzt worden. Am Sonntag hatten Bewaffnete bei einem Überfall auf einen ägyptischen Grenzposten 16 Grenzschützer getötet. Einige von ihnen waren danach mit einem erbeuteten Panzerfahrzeug nach Israel eingedrungen, wo sie getötet wurden.

Ebenfalls klar.

Angesichts der Gewalt auf dem Sinai rief Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) Israel und Ägypten zu Zurückhaltung auf.

Hääää….????

Und wieder eine kleine, unbedeutende Rakete August 8, 2012, 17:40

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in einem Kibbuz in der Nähe des Gazastreifens. Es war sogar Zeit für die Sirene.  Alltag im Süden.

Ein ganz kleiner Zynismus August 8, 2012, 17:36

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Hans-Michael Ehl in einem Kommentar auf der Tagesschau.de-Seite:

Zuletzt profitiert auch Israel von der Gewalt – trotz der berechtigten Sorge um die Sicherheit an der Grenze zu Ägypten. Denn die Gewalt gibt Israel den Vorwand, auch an dieser Grenze die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Und die Bedrohung von Seiten Ägyptens, die seit Mubaraks Sturz immer wieder aus dem Hut gezaubert wurde, scheint sich zu bewahrheiten wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Na klar, wir profitieren davon. Wir brennen geradezu darauf, wieder ein paar schöne Anschläge mit fein viel Toten zu haben, damit wir endlich einen Vorwand haben, um unser sauer verdientes Geld in Grenzschutzanlagen statt Kindergartenplätze zu stecken. Es stört die Israelis ja schon lange, daß sie so einen mageren Etat für Verteidigung haben.

Und diese “sich selbst erfüllende Prophezeiung” – soll das etwa bedeuten, daß, wenn Israel die Gewalt nicht “aus dem Hut gezaubert” hätte, sie sich nie ereignet hätte?

Was sind das für Untertöne? Ein katholischer Theologe aus dem Rheinland suggeriert, daß Israel sich über Terror freut, ihn herbeiredet? Seltsame Dinge muß man in deutschen Medien lesen. Ich bin mal gespannt auf die Leserreaktionen.

Auffällig August 8, 2012, 11:19

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Immer, wenn ich gerade nicht hingucke, gewinnen deutsche Sportler olympisches Gold. Merke: mehr Wasser trinken!!!

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