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Gestern, heute, morgen Februar 29, 2012, 14:36

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Secundus hat es wirklich schwer. Nicht als ob er sich beschweren würde, das täte er nie. Aber er hat sehr viel Arbeit und Streß. An der Grenze zum Gazastreifen haben die Soldaten keine ruhige Minute, er kommt nicht mal dazu, vernünftig zu essen. Er ist noch magerer geworden. Weil er am Wochenende für jemand anderes einspringen muß, hat er jetzt zwei Tage frei gekriegt, er kam also gestern nach einer stundenlangen Fahrt gegen Abend. Es tut ihm sehr leid, daß er Freitag bei der Armee sein muß, denn da verlobt sich einer seiner Soldaten, einer der “Beinishim“, also ein religiöser junger Mann. Erst 18 Jahre alt und schon verlobt! Secundus sagt, er wäre so gern hingegangen, weil der Soldat so nett ist. “Manche von meinen Soldaten, die hab ich so richtig gern”.

Y. hat Secundus gestern in Akko abgeholt und nach Hause gebracht. Er ist erstmal duschen gegangen – er kann sich schon nicht mehr erinnern, wann er das letzte Mal geduscht hat. Manchmal hat er Probleme mit Blasen an den Füßen, aber als ich ihn fragte, wie es seinen Füßen geht, guckte er mich nur verständnislos an. “Meine Füße hab ich seit zehn Tagen nicht mehr gesehen, keine Ahnung”, griente er dann. Wie damals in den Golanhöhen schläft er in Stiefeln. Eigentlich schläft er gar nicht.

Wir sind dann abends essen gegangen, in ein Restaurant in Nahariya, wo wir oft und gern sind – der Pinguin. Seit wir Stadtleute geworden sind, gehen wir ja öfter mal essen. Die Kinder genießen es, besonders Secundus. (Primus und Quarta meinten schon: wir gehen immer nur essen, wenn Secundus da ist! der ist wohl was Besonderes! – Y. sagt immer, es ist erstaunlich, daß wir vier Kinder haben, von denen sich jedes zurückgesetzt fühlt!) Er hat sich richtig vollgestopft und noch einen riesigen Nachtisch gegessen. “So satt war ich lange nicht mehr”, meinte er. Ich sah sein müdes Gesicht an, die mit Schrunden übersäten Hände und die mageren Schultern – ehrlich, das ging mir durch und durch.

Die Jungens wollten einen Game-of-Thrones-Marathon machen, wie ich ihn neulich mit Primus gemacht habe. Doch sobald Secundus sich auf der Couch ausgestreckt hatte, in seinen warmen Sachen und mit Mütze auf dem Kopf, schlief er ein. Primus deckte ihn zu, Leo legte sich zu seinen Füßen, und da schläft er immer noch. Dreizehn Stunden. Primus meint, er sieht so armselig aus, daß man ihn glatt mit einer Sammelbüchse an eine Straßenecke setzen könnte. Er rührt sich nicht mal. Er ist einfach am Rande der vollkommenen Erschöpfung.

Bis morgen ist er noch zuhause. Ich habe in der Apotheke Lanolin für seine Hände gekauft, mal gucken, ob ich ihm das heimlich unterjubeln kann, wenn er tief schläft (Hände eincremen ist ja affig – auch wenn man Schrunden, Wunden und Risse in der Haut hat, klar). Primus, der wirklich ein lieber Bruder ist, hat für ihn gekocht, während ich arbeiten war.

Auf dem Rückweg kam ich im Bus am stürmischen, wilden Meer vorbei. Da ich das ja so gerne sehe, mußte ich es schnell mal knipsen. Vielleicht bin ich ja doof, aber ich finde es immer noch wunderbar, auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit am Meer vorbeizufahren – dem Meer, das jeden Tag anders aussieht und jeden Tag interessant. Flickr zickt leider gerade, ich reich das Bild vielleicht später nach.

An einer offenen Haltestelle stiegen zwei Soldaten ein, vom strömenden Regen durchnäßt. Kühl ist es heute auch. Als ich sah, daß sie beide Nachlawim sind wie Secundus, hätte ich ihnen am liebsten ein Stück Schokolade geschenkt vor Mitleid. Hätt ich nur Schokolade dabeigehabt! Wie leid tut es mir, daß wir die Kinder durch diese Mühle schicken – und ich weiß ja, daß das nichts im Vergleich dazu ist, was auf sie wartet, wenn es wirklich losgehen sollte. Klein-klein im Gazastreifen oder groß-klein im Iran oder groß-groß im Iran – lieber nicht darüber nachdenken.

Ach ja – gestern ging um 11:05 auf einmal die Sirene los. Dieses elende Jaulen, ABC-Alarm. Ich habe erstmal auf die Uhr geguckt – wäre es eine volle Stunde gewesen, hätte ich sofort gewußt, daß das ein Probealarm ist. So mußte ich erstmal schnell Ynet aufmachen – da stand dann, daß im Norden um 11:05 ein Probealarm stattfindet. Ich rief Tertia, die erschrocken in der Küche stand, sofort zu: “ist nur Probealarm” – “ganz bestimmt, Mama? woher weißt du das?” kam es gleich mißtrauisch zurück.

Primus erzählte uns später, daß er noch im Bett lag und sich dachte: “ach was, wird schon nichts passieren, ich spring jetzt nicht in der Unterhose in Tertias Zimmer, bin ich denn blöd?” Tertias Zimmer ist ja unser Luftschutzraum. Primus zog sie später ein bißchen auf: “da bist du ja angeschmiert mit deinem Zimmer, wenn wir Krieg haben, kommen sie alle zu dir gelaufen”. Tertia guckte uns strafend an und meinte, “der Probealarm findet statt, damit wir für den Notfall einüben können, was wir tun. Ihr hättet sofort zu mir ins Zimmer kommen sollen. Nächstes Mal macht ihr das, jawohl”.

Quarta sagte, in der Schule hatte niemand die Kinder vorbereitet, wohl um zu sehen, wie gut die Abläufe klappen. Es lief wohl alles tadellos, alle Kinder wußten, in welchen Schutzraum sie laufen müssen, und die Lehrer waren zufrieden. Aber einen Schrecken haben die Kinder trotzdem gekriegt.

Es ist schwer, nicht weiterzudenken. Ich hoffe ja immer noch, daß Bibis Ankündigungen und Baraks Drohungen rhetorische Druckmittel sind, daß sie es nicht wirklich tun werden. Angeblich würden die Iraner mit Raketen reagieren – womit sonst? Natürlich würde die Hisbollah im Norden und die Hamas im Süden das Ihre dazutun. Ich hoffe und bete, daß es nicht dazu kommt. Bis vor kurzem war ich ganz sicher, daß es sich nur um Manöver handelt, um den Druck auf den Iran zu erhöhen und den atomaren Wettlauf im Nahen Osten zu stoppen. Inzwischen könnte man fast meinen, sie meinen es ernst.

Ich darf mich aber nicht hängenlassen. Ich genieße, daß es draußen wieder stürmt und hagelt, nach ein paar sonnigen, auch sehr hübschen Tagen. Ich genieße, daß die Vögel der Umgebung sich von der spiegelnden Folie vor dem Fenster meines Arbeitszimmers täuschen lassen und mich nicht sehen, wenn sie auf der Fensterbank sitzen und ich sie ganz aus der Nähe betrachte. Ich genieße, daß die Arbeit mir Spaß macht, daß Y. so ein feiner Mann ist und ich ihn nach wie vor so wunderbar finde, und daß das gegenseitig ist (sein blinder Fleck, okay – jeder hat ja einen). Ich genieße es, daß ich Primus noch hier habe – bald schon wird er einen Job “abroad” annehmen und was ich dann mache, weiß ich nicht. Sein spöttischer Blick, wenn er die Spülmaschine ausräumt und mich mit einem “Finger weg, tapfere deutsche Hausfrau” aus der Küche scheucht, werden mir sehr fehlen.

Und dann ist ab Montag auch Tertia in Uniform. Es fällt mir einerseits natürlich schwerer, sie wegzulassen, weil sie immer so ein zartes Vögelchen war und ich sie gern betüddeln würde. Andererseits hat sie sich immer höchst ungern betüddeln lassen. Ihr Lieblingswort, als sie klein war, war “levad” – allein. LEVAD!, wie oft hat sie das gefordert. Alles mußte sie allein machen. Sie wird auch prima bei der Armee zurechtkommen, und die Härten, mit denen mein Infanterist zu kämpfen hat, werden ihr erspart bleiben. Hoffe ich doch mal. Aber sie wird mir auch fehlen mit ihren Kicherattacken, ihrer unerschütterlichen Loyalität zu Primus und ihrer Fürsorge für Quarta.

Wir sitzen jeden Mittag lange um den Tisch, nach dem Essen, und quasseln. Primus erzählt immer mehr Armee-Döneken, die wir noch nicht kennen. Tertia erzählt von ihren Freundinnen und witzige Schwänke aus der Fabrik, wobei wir uns manchmal alle aus einem Kicheranfall in den nächsten retten. Quarta äfft ihre Lehrerinnen nach und versorgt uns mit Klatsch aus ihrer Klasse. Manchmal sitzen wir zwei oder drei Stunden, bis Y. nach Hause kommt, dem wir dann das Essen wärmen.

Ich muß es genießen, daß ich diese Zeit habe, daß die Kinder mir zumindest einen Mama´s Digest ihrer Erlebnisse gönnen, daß wir dieses Haus bewohnen, in dem wir alle Platz haben. Jeden Tag denke ich daran, wie es im Kibbuz jetzt wäre: die drei Großen hätten ihre eigenen kleinen Zimmer weit weg von mir, sie würden ihre Wäsche in der Wäscherei waschen und mittags im Dining room essen. Ich hätte sie nur noch selten zuhause. Vielleicht hätte ihnen das sogar besser gefallen – aber ich glaube, es ist sehr gut für uns alle, daß wir diese Nähe haben. Trotzdem hat jeder sein eigenes Reich mit einer Tür, die er hinter sich schließen kann.

Ich darf das nicht vergessen, ich habe es so gut, warum bin ich nur so bedrückt? Shlomo Arzi sagt es wieder mal besser als ich: gestern war gut, und so wird es auch morgen.

אתמולה היה טוב, כן כן, אתמול היה טוב,

אתמולה היה טוב ויהיה גם מחר

Düstere Stimmung Februar 28, 2012, 0:10

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nach wie vor. Wie kann es anders sein? Während in deutschen Zeitungen der Oscar Schlagzeilen macht, Griechenland und die Präsidentschafts-Kandidatur von Beate Klarsfeld für die Linken … währenddessen drücken mich andere Themen.

Die Konferenz in Doha. Ich weiß nicht, wie die bei Euch in den Nachrichten vorkommt – ich finde Abu Mazens Rede und den ganzen Tenor dieser Konferenz (eine Konferenz gegen die drohende Judaisierung Jerusalems….) einen absoluten Schlag ins Gesicht.

The Prime Minister’s Office on Sunday blasted Palestinian President Mahmoud Abbas for his declaration that Jerusalem has always been and will remain an Arab city.

Abbas made the remark earlier Sunday in a speech at theInternational Conference for the Defense of Jerusalem in Doha, Qatar. The Palestinian leader promised to “encourage Arabs and Muslims to visit Jerusalem in order to strengthen our hold on the city, and to establish the Palestinian culture and heritage sites.”

Arabische Knesset-Abgeordnete wie Ahmed Tibi haben die Konferenz als Abgeordnete des Staats Palästina besucht – wenn eine Geste klarmacht, wie sie das Verhältnis von Israel und Palästina sehen, dann diese. Sie deklarieren damit eindeutig, daß Palästina Israel ersetzen soll. Andernfalls hätten sie ja wenigstens als Abgeordnete beider Staaten auftreten können. Aber nein. Palästina tritt an Israels Stelle, das sagen uns Ahmed Tibi und seine Kollegen damit. Leider sind es aber israelische und nicht palästinensische Steuerzahler, die ihn in Amt und Würden halten. Lippendienst zur Zweistaatenlösung dem UNO-Abgeordneten gegenüber kann darüber nicht hinwegtäuschen. Daß der überhaupt eine solche Konferenz mit seiner Anwesenheit beehrt, sagt einem alles über die UNO.

“Die Judaisierung Jerusalems” ist also ein Riesenproblem. Tja, würde ich sagen, seit seiner Gründung war Jerusalem mit diesem Problem belastet. Ganz schön judaisiert, schon damals. Daß während der jordanischen Besatzung in Ostjerusalem Synagogen und Häuser zerstört wurden, die Juden vertrieben wurden und dort entjudaisierte Fakten geschaffen wurden, soll ja wohl nicht jetzt nachträglich international abgesegnet werden. Oder doch?

Ein weiterer Angriff auf die ägyptisch-israelische Grenze wurde vereitelt, nur Tage nach dem Versuch, den ich schon gemeldet hatte.

Just like in the previous incident, the soldiers found a bag with a large explosive device near the Egypt border.The device was detected during a routine patrol in the area. The soldiers identified suspicious activity near the fence and began pursuing a suspect. They initiated the suspect detention protocol but the man was able flee into the Sinai Peninsula.

Wer weiß, ob der nächste Versuch nicht gelingt? Anscheinend sollen diese Bomben abgeholt und irgendwo plaziert werden – Einzelheiten wissen wir nicht.  Man mag sich nicht ausdenken, welche Pläne es für diese Bomben gab. Angsichts der Skrupellosigkeit des Terrors, die wir ja zur Genüge kennen, ist nichts auszuschließen. Und zwei Bomben in weniger als einer Woche bedeuten, daß auf der anderen Seite der Grenze ein paar Leute wirklich fieberhaft arbeiten.

Bei Ramallah explodiert ebenfalls eine Bombe.

A bomb exploded Sunday night near the West Bank security barrier, northwest of Ramallah. There were no reports of injury or damage.

Israeli defense officials believe the explosive device was meant to target an IDF force. Israeli security forces were combing the area in search of the perpetrators.

Auch das ist der zweite Versuch innerhalb weniger Tage, Patrouillen-Wege der IDF anzugreifen.

Ich bin keine Expertin für Armee, Sicherheit und Verteidigung, ich weiß nur, was die Medien durchlassen. Aber ich spüre ganz deutlich, daß sich diese Fälle häufen. Es sind einfache Sprengsätze, und bisher hat die Armee sie rechtzeitig entdeckt und entschärft. Ich denke, daß Shabak und Grenzschutz mit Volldampf daran arbeiten, die Hintermänner aufzuspüren.

Insgesamt sehe ich einen Anstieg aggressiver Akte, die sich sowohl gegen die Armee als auch potentiell gegen Zivilisten richten. Dazu wird die anti-israelische Rhetorik bis zum Absurden aufgeblasen, Vorschläge Netanyahus werden abgeschmettert, Gespräche laufen auf Grund. Die Kampagne der Palästinenser, Israel zu de-legitimisieren, jeden historischen Bezug der Juden zum Land Israel zu leugnen und gleichzeitig eine Hysterie zu schüren, als würde Israel den Islam bedrohen, während gleichzeitig auf brutalste Art und Weise archälogische Spuren der jüdischen Präsenz in Jerusalem beseitigt und zerstört werden – diese Kampagen trägt deutliche Früchte.

Was kriegt Ihr in den deutschen Medien von diesem bei uns deutlich fühlbaren Klima der Aggression mit? Gibt es überhaupt keine Besorgnis in Deutschland? Fällt jemandem auf, wie frech die Palästinenser die Geschichte fälschen? Noch in den 50er Jahren gab es den Begriff “Palästinenser” überhaupt nicht, erst in den 60ern wurde dieser Sprachgebrauch eingeführt. Es gibt keinerlei “palästinensische” Kultur vor dieser Zeit – es gibt lokale arabische Kultur, denn es gab ja palästinensische Araber, wie es palästinensische Juden gab. Eben Araber und Juden, die in der Provinz Palästina bzw im Mandatsgebiet lebten. Aber die Geschichtsfälschung der Palästinenser leugnet das alles. Unwissende Beobachter müssen davon ausgehen, daß es hier eine uralte palästinensische Kultur gibt, die von jüdischen Neuankömmlingen zerstört wird. Es ist für mich unfaßbar, daß sich gegen diese Verdrehung der Tatsachen kein Protest rührt, außer natürlich bei uns.

Außer im Israel-Netz finde ich übrigens keine deutschen Nachrichten zu dieser Konferenz. Oh, und natürlich das iranische Radio. Liegt bestimmt nur an meiner Ungeschicklichkeit beim Suchen. Übrigens haben Vertreter aus 70 Ländern an der Konferenz teilgenommen.

Ich sehe schon seit ein paar Jahren in pessimistischen Stunden vor mir, wie die UNO den Staat Israel für illegal erklärt und aufhebt, um ihn durch einen Staat Palästina zu ersetzen… hoffen wir, es kommt nicht so weit.

Haniya hat´s versprochen Februar 25, 2012, 19:17

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und schon ist´s eingetroffen.

Das war Haniyas Rede in Teheran, falls jemand sie noch nicht kennt:

Der Widerstand, den er so betont hat, drückt sich an diesem Wochenden an mehreren Orten gleichzeitig aus:

– bei Unruhen auf dem Tempelberg gibt es Verletzte auf beiden Seiten

– bei gewaltsamen Demonstrationen in Qalandia gibt es einen Toten

– bei der Beerdigung des Toten kommt es zu Unruhen

– in Haifa werden zwei Soldaten in Zivil von einer Gruppe junger Araber fast gelyncht

Mir scheint, wir steigen rundherum in eine neue Runde der Eskalation ein.

International sieht es auch nicht gut aus die versuchten und teilweise gelungenen  Terroranschläge in Georgien, Indien, Aserbaijan und Thailand – da kann durchaus was nachkommen. Der Raketenbeschuß im Süden wird wieder zur täglichen Routine, heute eine Rakete auf Ashkelon. (Beides sind aggressive Akte, die vom Iran ausgehen – der Krieg läuft auf kleiner Flamme schon längst.)

In den Gebieten und in Israel selbst häufen sich gewaltsame Vorfälle. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Zahl der vereitelten Anschläge ebenfalls gestiegen ist, nur werden dazu selten deutliche Zahlen bekanntgegeben.

Wie sich das anfühlt? Miserabel. Und verdammt bekannt.

Für Yair Lapid – mit freundlichen Grüßen von Y. Februar 25, 2012, 19:00

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Tislam – Schließlich und endlich (das Lied ist von Dani Basan)

“Dein Lächeln ist über die ganze Stadt gepflastert wie ein großes Versprechen,

du hast eine Anhängerschaft, die jedes deiner Worte im Chor mitsingt,

was soll man sagen?, alle Karten sind ausverkauft

aber schließlich und endlich:

wann hast du zum letzten Mal was für einen anderen Menschen getan?”

(das Publikum singt mit – ist ein bekanntes Lied)

Nu?

Wochenend-Gespräch Februar 24, 2012, 13:01

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Ich bemühe mich, Secundus unter der Woche nicht zu belämmern. Aber am Wochenende ruf ich ihn mal an. Wenn er nicht antwortet, warte ich, bis er zurückruft. Vorhin rief er also zurück.

Ich: Na wie ist es bei euch da unten im Süden? Ich hab in der Zeitung gelesen, es war ein bißchen unruhig in der Nacht.

Er: Was stand denn in der Zeitung?

Ich: Von den vier Raketen und dem Angriff auf Ziele im Gazastreifen (und ich wiederhole, was ich hier schon heute früh geschrieben habe)

Er: So, hm, das stand da? Die Angriffe haben wir übrigens gehört.

Ich: Was war denn noch? Sonst stand nichts in der Zeitung.

Er: Och…. hm…. na ja, nur son paar Mörsergranaten, aber wir haben ja Luftschutzräume.

Ich: Ihr schon, aber die Leute drumherum… aber du hast ja ein bißchen Action gern, oder?

Er: Ja ja, da bleibt man wenigstens wach. Wir haben auch zwei neue Commander in unser Team gekriegt, die haben den Kurs gerade zu Ende, die machen einen ganz netten Eindruck, und wir haben hier überhaupt gute Leute.

Dann haben wir ein bißchen über die Familie gesprochen. Secundus hängt sehr an seinen Großeltern (an allen), Onkel und Tanten, und er freute sich, daß nächstes Wochenende der Geburtstag seiner Oma aus dem Kibbuz gefeiert wird. Dann mußte er weg. Grüße an alle und bis nächsten Donnerstag.

Dann erzähle ich Y. kurz den Inhalt des Gesprächs. Und frage ihn, was eigentlich gefährlicher ist, Mörsergranate oder Qassam (daß Grad noch gefährlicher ist, weiß ich). Er fragt zurück, was ich wissen will. Ich: na die Wahrheit. Er: die Wahrheit ist, daß Mörsergranaten wesentlich treffgenauer sind als Qassams. Und als einer, auf den schon mit allem geschossen wurde, was der Markt hergibt, kann ich dir versichern, daß es eine reine Glückssache ist.

Tja, war eben eine dumme Frage.

Hoffen wir mal, daß nicht nur Secundus weiterhin heil bleibt, sondern auch die Leute um ihn  herum, die er ja schließlich beschützen soll. Und daß diese Ballerei endlich aufhört, damit es nicht wieder zu einer richtig großen Eskalation kommt.

Und wieder vier Raketen Februar 24, 2012, 9:10

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im Süden – die IAF hat über Nacht schon reagiert.

Air Force jets attacked two terror targets in the northern Gaza Strip overnight on Friday in response to the firing of rockets at Israel. The IDF Spokesperson’s Unit said that the forces carried out direct hits. The strike occurred shortly after the IDF thwarted a rocket firing attempt from northern Gaza.

At around 1 am the Air Force identified a terrorist cell that was about to fire a rocket and hit it. Gaza sources reported that two Palestinians were lightly hurt in the attack. On Thursday, a Qassam rocket exploded in an open area at the Eshkol Regional Council. No injuries or damage were reported.

Later in the night, at about 2:30 am, two rockets exploded in the Eshkol Regional Council. No injuries or damage were reported.

Earlier, another incident was recorded when a rocket exploded in the Shaar Hanegev Regional Council. No injuries or damage were reported.

Residents of the area said that the rocket exploded seconds after the Color Red alarm was sounded and some did not manage to find shelter in time.

Das ist Terror, Terror gegen eine Zivilbevölkerung, die von einem Jahrzehnt Raketenbeschuß zermürbt ist. Es ist auch der beste Beweis für die Notwendigkeit einer Blockade. Wenn schon durch die Tunnel Grad-Raketen geschmuggelt werden – was würden die Gaza-Bastler wohl importieren, wenn sie freien Warenverkehr aus Teheran per Schiff genießen könnten?

Es sollte wohl allen Beteiligten klar sein, daß irgendwann diese Glücksträhne zu Ende ist und tatsächlich, chalila, jemand getroffen wird. Und dann ist wirklich, entschuldigt den Anglizismus, die Kacke auf dem Ventilator gelandet. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Will die Hamas wirklich das Risiko eingehen? Wenn nicht, dann sollte sie die Leute, die unter ihrer Nase ständig Raketen abfeuern (ich krieg sie nicht mal alle erwähnt, es sind einfach zu viele), mal energisch zügeln.

Ich habe ein richtig mieses Gefühl dabei.

Meine erste Assoziation Februar 24, 2012, 8:48

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Entschuldigt, daß ich so blöd bin, aber als ich gelesen habe, daß Kofi Anan als Sondergesandter nach Syrien geschickt wird, war meine erste Assoziation: “dann kann man vom Coffee Anan aus Kofi Anan sehen!”

Das Coffee Anan liegt in den Golanhöhen. Anan heißt auf Hebräisch Wolke, und es liegt tatsächlich oft in oder über den Wolken. Und man kann von dort aus an schönen Tagen bis Damaskus gucken. Guckt Euch auf jeden Fall die Bilder an! Man sitzt da, als hätte der liebe Gott einem die Welt zu Füßen gelegt.

Ach, und wie schön wäre es, wenn es eine normale Grenze wäre, und Kofi Anan könnte einfach mal auf einen Kaffee im Coffee Anan rüberkommen.

Ich hab die alte und nie realisierbare Idee, aus den Golanhöhen eine Art internationalen Park ohne Vertreibungen und ohne Grenze zu machen, eine Art syrisch-drusisch-israelisches Weingut, nicht vergessen. Wie schön wäre die Welt, wenn sowas möglich wäre.

Aber im Moment denkt natürlich keiner an sowas. Erstmal hoffe ich, daß das Blutvergießen in Syrien aufhört und eine Art Ordnung in das Land einkehrt.

Er rückt näher… Februar 24, 2012, 1:14

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… der Tag im März, an dem meine Tertia eingezogen wird. Ich habe ja schon öfter von dem Prozeß der Vorbereitung berichtet, und wie verschieden er ist von denen, die die Jungens durchlaufen sind. Was auch daran liegt, daß Tertia von Anfang an gesagt hat: kämpfende Einheit, das will sie nicht. Mädchen, die diesen Ehrgeiz haben, und davon gibt es einige, machen wohl ähnliche Erfahrungen wie die Jungens, aber meine Tochter hat sich von Anfang an auf die professionellen Möglichkeiten gestürzt, die die Armee bietet. Sie war auf x Auswahltagen, und am Ende hat sie ja wirklich die SMS gekriegt, daß sie zu einer ganz besonderen Funktion ausgebildet wird. Die ist so besonders, daß ich sie nicht mal übersetzen kann! Hier steht ein bißchen mehr drüber, natürlich auf Hebräisch – aber Google translate, diese geniale Erfindung, hilft ein bißchen weiter.

Die Funktion gehört zum psychologischen Dienst, und die Mädchen durchlaufen eine Ausbildung. Dabei lernen sie, die Soldaten, deren Einheit sie zugeteilt werden, zu testen – sie machen Eignungsprüfungen für verschiedene Funktionen und Aufstieg, Einlaßprüfungen für bestimmte Einheiten, allgemeine und spezielle Einstufungen, überprüfen auch seelischen Zustand, zB vor und nach Einsätzen… Dabei benutzen sie sowohl Instrumente (psychologische Tests), die von den Psychologen der Armee entwickelt wurden, als auch im Laufe der Zeit selbst entwickelte. Natürlich müssen sie dafür lernen, wie man Test statistisch auswertet, und welche verschiedenen Arten von Tests es gibt.

Tertia, die an ihrer alten Schule mit Begeisterung im Leistungskurs Sozialwissenschaften war, hat von so einer Zusage geträumt. Heute also war das Vorbereitungstreffen. Sie ist voller Spannung heute früh losgefahren nach Tel Aviv, und kam gegen Abend strahlend wieder. (Ach, und wie hübsch sieht sie aus! ich kann kaum glauben, daß ich so eine hübsche Tochter habe!!! ich darf das natürlich nicht sagen, ich sage statt dessen: schicke Jacke, oder: hübsche Handtasche. Das darf ich. Sobald ich sage: hübsches Mädchen, da krieg ich aber einen strafenden Blick zugeworfen… doch zurück zum Thema).

Also, aus ihrem ganzen Jahrgang sind überhaupt nur 27 Mädchen für diesen Kurs ausgewählt worden. Die Offizierin hat gesagt: “ihr seid mit der Pinzette ausgewählt worden, aus Hunderten von Bewerbungen – ihr müßt euch bewähren. Wer nicht gut ist und sich anstrengt und die Arbeit ernstnimmt, den sortieren wir aus.” Tertia meinte, das könne ja wohl nicht ernstgemeint sein, aber Primus und Vater versicherten ihr sofort, daß sie da aber Gift drauf nehmen kann.

Die Armee kann sich nicht leisten, auf so einem Posten (in jeder Brigade gibt es nur eine davon) eine Soldatin zu belassen, die ihre Arbeit nicht tut, die ungeeignete Leute auf Posten losläßt oder geeignete fernhält. Das kann fatale Folgen haben. Jede Entscheidung betrifft ja nicht nur die Laufbahn des Soldaten, den sie beurteilt, sondern auch das Schicksal der anderen Soldaten und letztendlich auch das der Menschen auf der anderen Seite.

Da nach wie vor die am meisten vorkommende Todesursache israelischer Soldaten der Selbstmord ist (zumindest in “Friedens”zeiten), verwendet die Armee große Sorgfalt darauf, für jeden Soldaten den passenden Posten zu finden, sie weder zu über- noch zu unterfordern. Ich habe ja nicht nur an meinen eigenen Kindern gesehen, wie viel Mühe darauf verwandt wird, schon vor der Einberufung zu klären, wo ein Soldat mit seiner spezifischen Begabung und seinem Charakterprofil am besten hinpaßt. Wo er sich weder überflüssig und gelangweilt noch überfordert und unter Druck fühlt. Die Funktion, die Tertia übernehmen wird, ist ein Teil des Versuchs, diesen Prozeß der Einteilung zu optimieren.

Natürlich spart es der Armee auch Mühe und Geld, wenn eben nicht am Ende eines teuren Kursus sich herausstellt, daß zwei Drittel der Ausgebildeten überhaupt nicht fähig sind, die Aufgaben auch zu erfüllen, für die man sie ausgebildet hat.

Außerdem bedeutet so ein Posten auch einen Blick hinter die Kulissen der Armee. Der Schulfreund, der aus dem prestigeträchtigen Pilotenkurs ausgesiebt wurde – der Nachbarssohn, der aus dem fast ebenso begehrten Kommandokurs der Marine ausscheiden mußte – sie wissen nicht warum. Die Soldatin aber, die ihn getestet hat und zum Auswahlkomittee gehört – die weiß es.

Tertia war auch beeindruckt von den Soldatinnen, die eingeladen waren, um von ihrem Alltag, ihrer Ausbildung, den Fortbildungsmöglichkeiten (in der Armee und im zivilen Leben) zu erzählen. Sie war, wie sie es nun mal meist ist, auch ein bißchen skeptisch. “Kann es denn sein, daß die uns diese Arbeit nur schönreden, und sie in Wirklichkeit gar nicht so zufrieden sind? ich muß da auch im Büro sitzen… einen Bürojob wollte ich ja eigentlich nie…”

Wir haben ihr dann mit vereinten Kräften klargemacht, daß es ein Riesen-Unterschied ist, ob sie in einem Büro sitzt, um für andere Leute Papiere zu kopieren oder Vorgänge abzulegen – oder ob sie im Büro sitzt, um dort ihre eigenen Entscheidungen zu fällen, zu dokumentieren und mit anderen abzugleichen. Und daß ein Posten mit so viel Verantwortung, von der es in der ganzen Armee nur wenige gibt, ein Posten mit so vielen Möglichkeiten für Aufstieg, Weiterbildung und persönliche Entwicklung, den Mädchen auch Spaß macht und daß sie da stolz drauf sind – das kann man sich schon vorstellen.

Die Ausbildung wird in einer der Ausbildungsbasen in Zrifin stattfinden, wo die Jungens ja ihre Sani-Kurse gemacht haben. Zrifin ist eine richtige Soldatenstadt, in der sehr viele Ausbildungsbasen sind. Die Grundausbildung wird von allen Varianten, die die Armee anbietet, die leichteste – nicht mal Wache schieben müssen diese Mädchen, so gesehen ist es Armee light. Von der Verantwortung und Professionalität her natürlich nicht. Die Soldatinnen werden nach der Ausbildung einer Einheit zugeteilt, wo sie ein halbes Jahr lang eingearbeitet werden, und diese Einheit begleiten sie auch überallhin – ins Feld auch, wenn´s sein muß.

Tertia meinte auch, alle anderen Mädchen machten einen sehr, sehr netten Eindruck, obwohl sie alle ernsthaft und brav wirkten (wie Tertia selbst ja auch). Als die Offizierin dicke Notizblöcke austeilte, guckte das Mädchen neben Tertia entsetzt und flüsterte dann: “die meint doch hoffentlich nicht, daß wir diesen ganzen Block vollkriegen?”, und Tertia meinte, “zumindest nicht gleich heute”, und beide kicherten.

Ich glaube, Tertia freut sich fast ein bißchen auf diese neue Welt. Hoffen wir, daß sie nicht enttäuscht wird. Ich drück ihr so feste die Daumen – ich weiß nicht, was ich fühlen werde, wenn ich mein Frühchen, mein so oft schwer krankes Sorgenkind in Uniform sehe. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Aber es ist schon ganz nah.

Enthüllungen des Ehebetts Februar 23, 2012, 22:37

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Persönliches.
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Nein nein, keine Bange. Aber ich plaudere gerade zum Abschluß des Tages mit meinem lieben Mann, von dem ich doch alles zu wissen glaubte. Dem ist jedoch nicht so.

Ich erzähle ihm vom Präsidenten-Kandidaten-Drama in Deutschland, und frage ihn: “dir sagt doch bestimmt der Name Beate Klarsfeld was?”

Er: “Na klar, die kenne ich”

Ich: “So, du weißt also, was sie in ihrem Leben..”

Er: “Nö, die Beate, die kenne ich natürlich. Den Arno auch. Die waren doch mal einen Sommer bei uns im Kibbuz. Hab ich dir das nicht erzählt? Der Arno ist im Alter meiner Schwester, der war bei uns in der chevrat yeladim (der Gemeinschaft der Kinder). Aber überhaupt, die Klarsfelds kennt doch wohl jeder hier in Israel…”

Ich: “Und davon hast du mir nie was erzählt? die ist doch eine ganz berühmte Frau!

Er: “Och, ich dachte, du weißt das… aber eine originelle Idee, eine Nazijägerin als Präsidentin Deutschlands… wüßte mal gern, was sie selbst dazu sagt…”

In der Tat. Ich glaube auch nicht, daß die Linke das durchzieht. Aber so wie ich damals Köhlers Begleitung durch den Kibbuz geführt habe – das wäre bei einer Präsidentin Klarsfeld natürlich nicht nötig. Die fände sich wohl allein zurecht.  Na ja, vielleicht kriegt sie jetzt nach all der Beschäftigung mit ihrem Leben doch noch das Bundesverdienstkreuz, schön wär es ja.

Und ich werde doch mal die alten Photoalben durchkämmen, am Ende finde ich da noch irgendwo die Klarsfelds im Badeanzug im Schwimmbad des Kibbuz.

Schnell, schnell – Februar 23, 2012, 16:35

Posted by Lila in Rat und Tat, Uncategorized.
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ist ein Historiker im Haus? jemand mit einer sanften Stimme und einfühlsamem Wesen? Der wird jetzt gebraucht. Für die Linke.

Er muß sich nämlich mit ihnen zusammensetzen und ihnen sagen: “liebe Linke, ihr müßt jetzt mal ganz tapfer sein. Diese Beate Klarsfeld… also vielleicht paßt sie doch nicht so ganz zu euch. Ihr Mann – der soll ja nicht nur Jude sein, der soll sogar im Sechstagekrieg mitgekämpft haben. Als in einem brutalen Überfall und Expansionskrieg die Israelis den Staat Palästina vernichtet und die Bewohner geknechtet und in Flüchtlingslager gesteckt habt. Seither läuft der schleichende Völkermord, der die Zahl der Palästinenser von Jahr zu Jahr schrumpfen läßt.

Und der Sohn – das ist ja noch schlimmer.”

Hier wird die Linke vermutlich von Ensetzten gelähmt im Sessel zurücksinken. Hätten Historiker Riechsalz dabei, wäre es angebracht, aber ein Glas Mineralwasser soll ja auch belebend wirken.

“Der Sohn ist Rechtsanwalt und hat mit Sarkozy zusammengearbeitet. Er hat freiwillig seinen Wehrdienst in Israel abgeleistet – als Magavnik! Das sind doch die allerschlimmsten, die an den Checkpoints, eine Art Grenzpolizei. Wüteriche, übelst beleumdet. Er schämt sich nicht dafür, im Gegenteil, er ist stolz darauf und behauptet, die zionistische Besatzungsarmee ist nicht auf Haß aufgebaut.

Aber noch schlimmer. Er findet, solange Palästinenser in Israel friedlich und gut leben, steht Juden in der Westbank dasselbe Recht zu.

Seine Eltern haben sich nicht von ihm losgesagt. DAS ist die Familie Klarsfeld. Seid ihr sicher, daß ihr so eine Kandidatin wollt? Es ist ja schön und gut, daß sie mal einen Kanzler geohrfeigt hat, wer würde das nicht gern mal machen?, aber sie steht doch für die abscheulichsten Dinge überhaupt… sie paßt nicht zu euch…”

Ich hoffe, dieser taktvolle Mensch findet sich bald. Sonst könnte die Blamage unsterblich werden. Was ist ein grün unterfütterter Gauck im Vergleich zu einer rot unterfütterten Israel-Freundin?

Drei Nachrichten Februar 21, 2012, 21:09

Posted by Lila in Presseschau.
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Heute abend sind das die wichtigsten außenpolitischen Nachrichten:

1. in Azerbaijan ist eine Gruppe Terroristen ausgehoben worden, die Anschläge auf jüdische Einrichtungen bzw die israelische Botschaft geplant haben. Vor zwei Jahren war ein Anschlagsversuch, vor zwei Monaten ist einer vereitelt worden, und jetzt die Gruppe. Sie wollten eine jüdische Schule in Baku angreifen. Wer Hebräisch kann, kann sich die Reportage mit Bildern aus dem azerbaijanischen Fernsehen angucken.

Die meisten der Festgenommenen haben iranische Pässe. Einer von ihnen kommt aus dem Libanon. Der Iran und Hisbollah arbeiten eng zusammen. Riesiges Waffenlager dazu. (Haaretz bringt es als wichtigste Nachricht – irgendwann wird es vielleicht auch in deutsche Medien sickern, denn Haaretz lesen die deutschen Journalisten ja. Bisher finde ich auf der Tagesschau-Seite bei der Suche nach Baku nur Artikel über die Eurovision…)

2. ein hoher iranischer General spricht vom Präventivschlag gegen Israel. Die iranischen Kriegsschiffe legen in Syrien an. Damit könnten sie uns von zwei Fronten angreifen (sage ich, nicht die Nachrichten-Fritzen und -Grazien).

3. an der Grenze zu Ägypten wird eine Bombe entdeckt. Vermutlich war sie dazu gedacht, nach Israel transportiert zu werden. Aber der Abholer verspätete sich, und so wurde die Bombe von israelischen Soldaten entdeckt. Ich erschrecke natürlich sofort – ihr wißt schon – Secundus! Aber es war in Kerem Shalom, wo Gilad Shalit gekidnappt wurde. Secundus ist weiter nördlich, am “Knie”. Aber das ist in den letzten Wochen zu oft vorgekommen, die Südgrenze ist unruhig. Und es war ein gefährlicher, großer Sprengsatz.

Das also waren, unter anderem, unsere Nachrichten.

Selbstverständlich findet sich keines dieser Items in einer der deutschen Nachrichtenquellen, die ich angucke. Warum auch? Es sind ja Bedrohungs-Szenarios, die Israel und den Iran betreffen (bis auf das letzte Item – obwohl man noch nicht weiß, woher die Bombe nun genau kam). Aber Israel ist in dieser Serie als Falke gecastet. Die Bedrohten, mit denen man mitfühlt, bei aller Kritik an Ahmedinijads Drohgebärden, sind die Iraner.

Doch man kann trotzdem zu einigen Iranern Kontakt aufnehmen. Wenn man mit ihnen spricht, ergibt sich ein erstaunliches Bild: Diese Iraner – auch Gegner des radikalen Präsidenten Ahmadinedschad – sehen ihr Land vor allem in der Opferrolle. Auch sie sehen den Westen als Feind, differenzieren kaum, nehmen die gravierenden Unterschiede zwischen den Kriegsbefürwortern in Israel und den Kriegsgegnern in der Regierung Obama nicht wahr.

Ob das Bild so erstaunlich ist, weiß ich nicht – ich hatte genau das erwartet.

Ich halte Artikel wie den im SPon für wichtig. Er ist fair geschrieben und erwähnt ausführlich die andere Seite. Es ist wichtig zu wissen, was die Iraner denken, nicht nur ihr Regierungschef. Und auch was sie fühlen. Ich kann die Ängste der Iraner auch gut nachempfinden. Sehr gut sogar.

Wir leben mit diesen Ängsten schon seit ich weiß nicht wie viel Jahren. Die aggressive Rhetorik gegen Israel war immer da, sie wurde immer schlimmer. Die atomare Bedrohung, die anfangs niemand für ernst gehalten hat, im Ausland ganz bestimmt nicht, und die nach wie vor von vielen geleugnet wird, rückte immer näher. Wir können uns jeden Abend, seit Jahren, im Fernsehen angucken, wie diverse politische und religiöse Führungspersonen uns den Tod ankündigen, androhen, wünschen oder sich ausmalen, wie sie uns ins Jenseits befördern.

Und das sehen wir alle paar Tage abends in den Nachrichten. Hier wird das nämlich gesendet. Und genügend Leute können Arabisch und Farsi. Die verstehen das. Nun könnt ihr sagen: ja ja, die israelischen Journalisten, die malen den Teufel an die Wand, um euch aufzuhetzen. Aber es ist Tatsache, daß es ständig neue Reden und Aufrufe gibt. Das erfinden die Journalisten nicht. Übrigens sind israelische Journalisten meist eher linkslastig, regierungskritisch und, bis auf Roni Daniel, armee-kritisch. Keiner von ihnen ist der Hetze verdächtig. Der Iran war überhaupt jahrelang eigentlich beliebt, zumindest das Volk. Man konnte immer wieder hören, wie Israelis differenzierten, wie sie Mitleid mit der iranischen Bevölkerung und Respekt für ihre Kultur aussprachen.

Aber wir hören einfach bedrohliche Worte, praktisch pausenlos. Spinnen wir oder spinnen die, die uns den Tod androhen, für nichts und wieder nichts? oder spinnen die, die diese Drohungen häufig totschweigen und runterspielen?

Ich habe heute in den Kommentaren drei solcher Reden reingestellt, ich setz sie auch hier mal rein – in einem Eintrag finden sie wohl mehr Zuschauer.

Hamas-Chef Haniya in Teheran:

Ahmedinijad gibt Nachhilfe in Geschichte:

(Wie viele Deutsche würden seine Version unterschreiben…?)

Und Nasrallah, vor zwei Jahren – es ist immer dieselbe  Leier bei ihm.

Und wißt ihr was? Bei aller Sympathie für die Ängste der iranischen Bevölkerung – wir haben nicht weniger große Ängste. Wir sind ein wirklich kleines Land, von Feinden umringt. Wenn wir was aufs Korn nehmen (“nach fremden Berichten”…), dann ist es das iranische Atomprogramm. Die Iraner dagegen und ihre Erfüllungsgehilfen im Südlibanon und Gazastreifen feuern Raketen auf Dörfer, planen Angriffe auf Schulen und zivile Einrichtungen, und machen damit jeden zur Zielscheibe.

Wie weit sind die nächsten Hisbollah-Kämpfer von mir entfernt? Ich wohne vier Kilometer von der Grenze entfernt. Angeblich soll die Hisbollah ja bis zum Litani weiter nördlich eingeschränkt werden, sie dürfen sich eigentlich nicht in der Nähe der Grenze aufhalten. Aber sie sollten sich ja auch nicht mehr bewaffnen dürfen und haben es trotzdem getan. Ehrlich gesagt, wäre ich überhaupt nicht überrascht, die Fahnen der Hisbollah auf dem Hügel bei uns vor dem Haus zu sehen – da verläuft nämlich die Grenze. (Wir nennen das Berge, aber es sind eigentlich nur große Hügel – die “Leiter nach Tsor”).

Wenn diese Leute, die Hisbollah und ihre iranischen Sponsoren, einen Angriff auf eine jüdische Schule in Baku planen – wer garantiert uns, daß sie nicht mal die kleine Schule in Betzet angreifen, die direkt unter der Leiter liegt? Die Grenze ist gesichert, aber es reicht eine kleine Rakete, die über den Köpfen der Soldaten wegfliegt. Wie viele Raketen sind hier schon geflogen! Wir dagegen haben die iranische Zivilbevölkerung nie angegriffen. Ich weiß auch nichts von Plänen, die iranische Zivilbevölkerung auszurotten oder den Staat Iran abzuschaffen. Kollateralschäden berechnet Barak kühlen Herzens für beide Seiten, da sind wir genauso dabei wie die Zivilisten in Isfahan und Natanz.

Ich kann euch eins versichern: auch wenn es deutsche Journalisten wesentlich weniger “thematisch anmacht” als israelische Bürokratie-Schikane oder israelische Angriffslust oder israelische Unberechenbarkeit, als Siedler, Ultra-Orthodoxe oder beschmierte Parkbänke in Zfat – wir haben nicht weniger Angst als die Iraner. Nur weil ihr nichts davon eher selten hört, heißt das nicht, daß wir nicht bei Probealarm zusammenzucken. Nicht umsonst hören wir obsessiv Nachrichten. Wir wissen ebensowenig wie ihr, was uns´Bibi&Barak planen, wir wissen auch nicht, ob Ahmedinijad nur strunzt oder ob er es ernst meint.

Ein Nachrichtenabend wie heute ist hier absolute Routine. Was das für Auswirkungen hat, bei einem Volk, in dem jede Familie Geschichten von Verfolgung und Massaker und Flucht und Diskriminierung erzählen kann – ob sie nun in Israel seit Jahrhunderten ansässig sind und die Araber-Aufstände und das Hebron-Massaker miterlebt haben, ob sie aus Westeuropa kommen und die Deportationen in die Lager ihre Familie dezimiert haben, ob sie zu Fuß aus dem Jemen fliehen mußten oder alle Habe im Irak zurücklassen mußten, ob sie vor fünf Jahren aus Venezuela fliehen mußten oder im Ostblock diskriminiert oder “gesäubert” wurden – keine israelische Familie lebt in der satten Selbstzufriedenheit, die so viele Europäer haben.

Kein Israeli kann sorglos sagen, “ach Gott, was die dahinreden, die werden es schon nicht so meinen”. Die Leute hier wissen, daß ein Drohwort auch so gemeint sein kann. Sie wissen, daß Albträume wahr werden können. Selbst ich, erst seit einem knappen Vierteljahrhundert dabei, habe schon Raketen einschlagen gehört, mit Gasmaske dagesessen, ich kann die vielen Gelegenheiten gar nicht mehr aufzählen, bei denen Krieg und Terror mir nahegekommen sind. Und ich bin doch trotzdem mit meinem deutschen Bewußtsein des “es wird schon nichts passieren” imprägniert.

Ich weiß, daß Griechenland, der Jemen, Afghanistan, Gaucks Familienstand, Solaranlagen in der Westbank – daß das alles wichtige und ehrenwerte Themen sind. Ich verstehe auch vollkommen, warum deutsche Redakteure unsere drei Nachrichten nicht bringen. Ist für euch Pillepalle, redundant, keine Pointe drin. Für uns aber stehen ganz andere Nachrichten im Vordergrund. Man ist, was man ißt. Wir ernähren uns von anderen Nachrichten, und darum sind wir anders drauf.

Bitte behaltet das im Gedächtnis, wenn ihr das nächste Mal jemanden sagen hört: was haben diese Israelis nur, wieso sind sie so aggressiv? Ja, warum wohl?

Der andere Schuh drückt auch Februar 21, 2012, 13:16

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Wenn ich Kommentare israelischer Beobachter lese, die sich über die Lage in Deutschland auslassen, schüttele ich auch manchmal den Kopf. Einfach um Euch mal zu zeigen, wie so ein Blick von außen danebengehen kann, hier ein Stückchen aus Eldad Becks Artikel in Ynet:

The expected yet very late resignation of German President Christian Wulff is not just another affair involving a politician suspected of wrongdoing being caught. It is yet another step in undermining Germany’s democratic system, a trend accelerated in the past decade.

Beck sieht die deutsche Demokratie in Todesagonien liegen, und das wegen Wulff. Er zählt Warnsignale auf, Rücktritte und politische Krisen, und kommt dann zum folgenden Schluß:

Studies undertaken in the past decade show a significant decline in Germans’ trust in democracy and growing support for a “strong leader.” Corruption affairs have hurt the image of most established parties, with sympathy growing not only for the “Pirates” but also for far Right parties, including the neo-Nazi party, which was not yet outlawed despite its clear involvement in terror against immigrants.

All of the above attest to the consistent weakening of democracy. Hence, instead of preaching to others, the German establishment would do well to wake up quickly.

Auch wenn die Einzelbefunde stimmen, wird das Gesamtbild trotzdem schief und krumm. Ich bin zwar nicht in Deutschland, aber lese ziemlich munter deutsche Zeitungen und habe ständigen Austausch mit Euch hier und auch “prifat” hab ich Kontakte nach Deutschland. Ich habe nicht den Eindruck, als wäre die Mehrheit der Deutschen auf dem Weg zum Starken Mann, der sie endlich von der Demokratie erlöst. Ich habe auch nicht den Eindruck, als würden die Instrumente der deutschen Demokratie nicht mehr funktionieren und ihre Institutionen dem Untergang entgegentaumeln.

Fehler kommen vor, Versäumnisse und Ungerechtigkeiten. Es gibt korrupte Politiker, Politikverdrossenheit, und es gibt auch extremistische Gruppen in der Bevölkerung, die manchmal zu lange unentdeckt bleiben. Auch deutsche Behörden leiden unter Vorurteilen und falschen Einschätzungen. Aber geht davon gleich die Demokratie unter? Das würde ich nur fürchten, wenn auf breiter Basis deutsche Behörden Neo-Nazis vor Strafverfolgung schützen würden. Aber das ist doch wohl nicht der Fall. Und was Politiker angeht? Macht korrumpiert, viel Macht korrumpiert sehr. Und selbst dann nur einen Teil der Mächtigen.

Ich bin keine Juristin und kann nicht beurteilen, ob mehr israelische Politiker im Gefängnis bzw auf der Anklagebank sitzen als deutsche, weil die Korruption hier schlimmer ist, oder weil die israelische Justiz ein kräftigeres Gebiß hat, oder die deutsche Öffentlichkeit einen besseren Magen. Ich wünschte, jemand könnte mir mal fundiert darlegen, wie deutsche, der Korruption überführte Politiker in Israel behandelt worden wären und umgekehrt. Ich bin mir ziemlich sicher, daß Hirshson und Benizri auch in Deutschland hinter Gittern gelandet wären.

Immerhin – Deutschland braucht sich um solche Kommentare wie von Beck, die mehr der Dokumentation vorgefaßter Meinungen als wirklicher Analyse der Situation geschuldet sind, nicht zu kümmern. Da genügt ein Achselzucken, um mit solchen Mißverständnissen fertigzuwerden. Deutschland braucht niemandes Zustimmung, Unterstützung, Solidarität. Trotzdem lesen sich solche Verallgemeinerungen nicht gut. Oder was meint ihr?

So laufen “Gespräche” ab Februar 21, 2012, 11:08

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Ein sehr interessanter Artikel in Haaretz über die im Moment laufenden “Gespräche” in Amman.

The Palestinian side did not agree to sit with Molho [dem Israeli]  in the same room, and the envoys were resigned to hopping between different rooms in the hotel in order to hold discussions between the two sides.

After a week, the Quarter envoys arrived in Jerusalem, although the Palestinians refused once more to sit in the same room as Molho. “There is an empty chair in the room,” said Molho to the envoys at the meeting. “Where is Saeb Erekat?”

For over a month, the Quarter envoys attempted to bring the Palestinians to the negotiation room, but only when King Abdullah II began to apply pressure did things begin to move. The king came to Ramallah on a rare trip and pressured Mahmoud Abbas. Finally, on January 3, the Jordanians were able to bring together Erekat and Molho in Jordan’s Foreign Ministry in Amman.

Wahnsinn. Die Palästinenser wollen nicht mal in einem Raum mit den Israelis verhandeln. Na schön, schließlich tun sie es doch.

Es folgt ein verrücktes Hin und Her, das man einfach selbst lesen muß. Schließlich Israels Vorschläge:

On January 25, a day before the date which the Palestinians threatened to walk out on the talks, the final round of talks took place between the sides. During the discussions, Molho presented Netanyahu’s proposal on the borders of the Palestinian state.

Molho presented several principles:

1. The border will be drawn in a way that will include the maximum amount of Israelis living in the West Bank, and the minimum amount of Palestinians.

2. Israel will annex the large settlement blocs, without defining what exactly is considered a ‘bloc,’ nor defining its size.

3. It is necessary to first solve the problem of borders and security in relation to Judea and Samaria, and only afterwards move to discuss the topic of Jerusalem which is far more complicated.

4. Israel will maintain a presence in the Jordan Valley for a period of time. Molho did not mention how long nor what kind of presence.

….

Molho did not mention how size of the territory from which Israel will withdraw, but according to the principles he presented, it seems that it is similar, if not identical to that which was presented by Tzipi Livni during the negotiations that took place in 2008 after the Annapolis Conference. And although Netanyahu does not admit it, the meaning behind the principles Molho presented is a withdrawal that will cause Israel to give up 90% of its sovereignty. “The possibility of leaving the settlements in a Palestinian state also came up in Annapolis,” said a source that participated in the 2008 talks.

Erekat, who understood the principles, asked at the end of the meetings for a series of clarifications: whether Israel accepts the 1967 borders as a basic tenet upon which the two sides can negotiation, whether Israel accepts the principle of territory swaps, how many percentages of the West Bank is Israel interested in annexing, whether Israel has a map with border proposals, whether Israel is willing to evacuate settlements, etc.

“I’d be happy to answer all these questions in the next meeting,” said Molho to Erekat. But the next meeting never took place. A day later, the Palestinians said that they will not resume talks unless Israel freezes settlement building and accepts the principle of 1967 borders.

Allerdings waren die Palästinenser wohl schon von den israelischen Vorgaben enttäuscht. Vielleicht wären die Gespräche ja doch positiver verlaufen, wenn der Anreiz für die Palästinenser größer gewesen wäre. Nota bene: von einem “goodwill gesture package” von Seiten der Palästinenser ist mir nichts bekannt.

It must be noted that Netanyahu’s goodwill gesture package was much more modest han what the Palestinians and the international community had hoped for. Netanyahu proposed releasing 25 prisoners, establishing 10 new stations for the Palestinian police in Area B (where Israel is in charge of security), as well as a series of economic projects in Area C (where Israel has full control).

Ein solches Projekt hätte zB ein Solarpark sein können, mit Ausbildung der Anwohner, so daß sie nicht mehr auf Israelis angewiesen sind, die ihnen die Anlage unterhalten.

Und damit war die Runde beendet, und die Palästinenser stürzten sich statt dessen in die Verhandlungen mit der Hamas.

What now? Officials in Jerusalem are waiting to see which path Abbas will take: reconciliation with Hamas in a meeting set to take place in a week, a return to the United Nations or in a more optimistic scenario – a willingness to return to talks with Israel. “It is unclear what the Palestinians will choose, but we believe they will return to their campaign in the United Nations within a few weeks,” said the Israeli official.

Und was werden sie in der UN zum Besten geben? Daß Israel sie am ausgestreckten Arm verhungern läßt und sie sich deswegen über Israels Kopf hinweg gleich an die UN wenden. Um Israel ohne Verhandlungen dazu zu zwingen, ihre Maximalforderungen zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Rechte der Israelis. Das Recht auf sichere Grenzen, die man verteidigen kann, zum Beispiel.

Durch die international positiv gesehene Verbindung mit der Hamas setzt die PA jede Art von Verhandlungen mit Israel aufs Spiel. Nach der Rede Haniyas neulich besteht kein Zweifel daran, daß die Hamas an ihrem Programm festhält – das eigentlich die berühmten drei Nein von Khartoum wiederholt. Mit wem sollten wir also reden, und worüber?

Ernstnehmen oder nicht? II Februar 20, 2012, 15:15

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Das hab ich neulich schon gefragt, als es um die Werbung für HOT ging, mit dem explodierenden Atomkraftwerk in Isfahan. Ihr werdet Euch vielleicht erinnern, daß die Iraner das nicht witzig fanden, mehrere ausländische Journalisten dagegen nach verborgenen Motiven forschten. Und ich habe einfach aus Neugierde mal geguckt, was HOT als nächstes Motiv für seine Kampagne verwurstet.

Es ist wieder eine israealische Fernsehserie, die herhalten muß – ich kenn sie zwar nicht, aber ich glaube, Rami Heuberger spielt darin den israelischen Premierminister. In der Werbung gerät der von Heuberger gespielte Premierminister unter Druck, weil Yair Lapid ihm Konkurrenz macht. Kurzentschlossen verspricht der Premier allen Bürgern Fernsehen, Telefon und Internet zu besten Konditionen, natürlich per HOT.

Es ist der reinste Quark, strotzt nur so von Anspielungen (wie Amir Peretz und sein Feldstecher) und Kalauern, die der Übersetzung nicht wert sind. Es nimmt den aalglatten Politikertyp auf die Schippe, davon haben wir ja einige…, und Heuberger macht das gar nicht schlecht.

Die Idee wurde dann im nächsten Filmchen noch weiter ausgebaut, das die Ästhetik der Filmchen vor den Wahlen sehr genau parodiert. Israelis stecken bei der Wahl kleine Zettel mit Parteien-Codes in Umschläge, genau wie der kleine HOT-Zettel. Die Hubschrauber-Vistas und jubelnden Mengen, die banal-brachial-optimistische Musik – alles haargenau wie hundertmal in echt gesehen.

Eins jedenfalls ist sicher: wenn die Israelis vor ihren eigenen Institutionen so wenig Respekt haben, warum sollten sie dann vor iranischen mehr haben?

 

Und dann fiel mir ein, daß es irgendwann schon mal eine Werbung für Internet gegeben hatte, die das Motiv des Israeli im Iran benutzt hat. Allerdings mit einer anderen Pointe als HOT.

Schade, darauf haben die Iraner überhaupt nicht reagiert.

Ehelicher Dialog Februar 19, 2012, 22:20

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Ich: “Siehst du, ich krieg meinen Willen. Ich wollte den Peres, ich hab ihn gekriegt. Dann wollt ich den Gauck, den hab ich jetzt auch gekriegt.”

Er: “Aber was du dafür für Methoden benutzt….”

13 Jahre Quarta Februar 19, 2012, 17:02

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In meinem Kopf sehe ich sie immer noch als kurze, kleine, niedliche kleine Motte. Ich zucke immer erstaunt und fast überwältigt, wenn das schmale, hübsche, langbeinige junge Mädchen auftaucht, in die sich meine Jüngste verwandelt hat. Ihr großer Bruder findet, sie hat am meisten Pfeffer von allen vieren, und das kann sein. Sie hat einen scharfen Humor und eine ebenso scharfe Beobachtungsgabe. Außerdem sehr viele Freundinnen und Freunde, unglaublich gute Noten in allen Fächern, riesige Tierliebe und gute Menschenkenntnis. Es ist spannend, ihr beim Großwerden zuzusehen.

Heute ist sie also dreizehn Jahre alt geworden. Als wir in der Morgenfrühe den Kuchen anschnitten, machten Primus und Tertia mir die Rechnung auf – nicht nur wie viele Kindergeburtstage wir schon auf dem Buckel haben, sondern wie viele Kuchen ich dazu gebacken habe. Pro Geburtstag sind das mindestens drei Kuchen, oft vier oder mehr. Ein Kuchen für die Morgen-Feier im kleinen Kreis, einer für Schule oder Kindergarten, einer für Kinderhaus oder Kindergeburtstag, zwei Kuchen für Familienfeier.

Selbst wenn wir pro Geburtstag nur drei Kuchen ansetzen, ist das eine erschreckende Menge Eier und Schmalz, Butter und Salz, Milch und Mehl – mit oder ohne Safran. Meine Kinder sind 21, 20, 18 und 13 Jahre alt, rechnet es selbst aus…

Einige Kuchen sind in unsterblicher Erinnerung geblieben – das Schwimmbad, das ich zu Primus´ fünftem oder sechstem Geburtstag gebacken habe, mit Kinderüberraschungseier-Figuren verziert und Wackelpudding gefüllt! Wie viele Eisenbahn-Kuchen habe ich gebacken. Zebrakuchen, Schneewittchenkuchen, endlos viele Schokoladenkuchen mit Smarties und Kerzen obendrauf, Napfkuchen mit Mandeln, versunkene Apel- und Kirschkuchen, Mandelkuchen vom Blech, Biskuitrollen, vereinfachte Schwarzwälder-Kirsch-Variationen…. kaum nachzuvollziehen.

Ich war im Kibbuz, bevor ich raus in die feindliche Welt von Studium und Arbeit ging, als Kuchenbäckerin ganz bekannt. Mehrere Freundinnen baten mich um Torten für festliche Anlässe, und wenn bei der Arbeit jemand Geburtstag hatte und ein Kuchen fällig war, habe ich ihn gebacken.

Noch vor unserer Hochzeit hat mir meine liebe Schwiegermutter ein schönes unterteiltes Büchlein geschenkt, wo ich Rezepte eintragen konnte. Das ist jetzt neulich voll geworden, und ich habe angefangen, alles in Ziplist zu übertragen. Langsam langsam. Ich habe immer lieber gebacken als gekocht, die Freude am Kochen hat sich erst entwickelt, seit ich eine vertretbar große Küche habe – also in den letzten zehn Jahren. Mein Rezeptbüchlein zeigt diese Vorliebe, zwei Drittel der Rezepte sind Kuchenrezepte. Jedes Rezept mit Namen der Quelle und Datum.

Michals gekochter Schokoladenkuchen, Zippis salzige Sesamkekse, Jocelyns Quarksahnetorte – alles Erinnerungen an Teams, in denen ich mal gearbeitet habe, und an Gelegenheiten, bei denen diese Rezepte mal der ganz große Hit waren.

Leider habe ich nicht alle Rezepte meiner Oma, der besten Kuchenbäckerin und Köchin der Welt, überliefert bekommen. Ihr Haselnußkranz war so unglaublich lecker, daß ich manchmal nachts daran denke. Wie ich als Kind die einzelnen Schichten auseinandergepellt habe und genußvoll immer abwechselnd ein bißchen Teig, ein bißchen Füllung gegessen habe. Und wie schön und satt diese Rolle aussah.

Die Kinder dürfen sich natürlich immer Kuchen aussuchen. Als sie noch klein waren und ihr Sinn nach Eisenbahn, Schwimmbad und Schatztruhe stand, habe ich nach diesem Buch gebacken – da ging es mehr um Verzierung als um Geschmack. Alle Mütter im Kibbuz hatten dieses Buch, und es war ein kleiner Wettkampf zwischen den Müttern, wie wohl der Esti die Autobahn geraten war…

Als die Kinder größer wurden, kristallisierten sich die Geschmäcker heraus. Der eine mag gern, wie ich als Kind, eine Zitronen-Biskuitrolle, der andere lieber was ganz Schokoladiges oder Cremiges, Y. schwärmt für Mohnkuchen und ich für Obst, am liebsten Prummen- oder Apfelkuchen vom Blech.

Heute habe ich übrigens einen Kuchen gebacken, den alle gern mögen, der ganz einfach geht und den ich von einer Kollegin gelernt habe, mit der ich vor zwanzig Jahren im Altersheim gearbeitet habe. Chanas Biskuittorte geht ganz einfach und schnell, und nicht nur Kinder essen sie gern.

Also, eine einfache Biskuittorte backen, schön fluffig. Auskühlen lassen und aus der Springform nehmen. Mit einem scharfen Messer die Oberfläche des Kuchens kreisförmig einschneiden. Das abgeteilte Innere mit einem Löffel ausheben, so daß der Boden und ein Ring übrigbleiben. Den ausgelöffelten Teig in eine Schüssel bröseln, mit geschlagener Sahne und Obststückchen vermischen – entweder Fruchtcocktail aus der Dose (so hat Chana das gemacht), oder frisches Obst, oder gekochtes Obst. Mit gefrorenen Himbeeren find ich es auch sehr gut. Die Mischung gut verrühren, in die leere Vertiefung des Kuchens schaufeln, gut andrücken. Das ergibt einen kleinen Hügel. Mit Sahne überziehen und ein bißchen bunte Zuckerperlen drüberstreuen. Wenn der Kuchen ein paar Stunden zieht, wird er noch leckerer.

Inzwischen ist sie, mit Ballons und Geschenken beladen, aus der Schule zurück. Mazal tov, kleine Maus.

Ärger im Gazastreifen Februar 19, 2012, 1:59

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Nein, diesmal haben wir da gar nichts mit zu tun.

Nicht nur wir merken an steil steigenden Strompreisen die Probleme der Ägypter mit den Pipelines. Da kokeln ja immer wieder Leute dran rum, die es stört, daß Ägypten Israel Brennstoff verkauft. Auch für die Bewohner des Gazastreifens wird der Strom teuer und knapp. Laut Ynet hat Israel den Palästinensern zwar angeboten, ihnen genügend Diesel zu verkaufen, um ihr Kraftwerk zu betreiben – das haben diese aber (jetzt kommt das Wort) – abgelehnt.

Der Hintergrund der Krise:

Until 2010, the Palestinian Authority purchased diesel oil from Israel through a deal with Dor Alon paid for by the European Union. Ramallah and Gaza began fighting on energy supply after Europe stopped its funding of the deal.

Palestinian sources are pointing to three explanations for the cessation of fuel supply: Recent attacks by Bedouin tribes and terror cells against Egyptian elements; Egypt’s desire to increase profits on fuel; and an attempt by Cairo to signal to Hamas to accept Mahmoud Abbas as head of the provisional Palestinian government. They explained that Cairo knew what points in Gaza to pressure when dissatisfied with Hamas’ conduct.

Bei den wirklich kühlen Temperaturen der letzten Tage tun mir die Leute wirklich leid, die in der Dunkelheit und Kälte sitzen. Wir haben auch dauernd Stromausfälle, die dauern aber höchstens zehn, fünfzehn Minuten und nicht zwölf Stunden.

Ich frage mich allerdings, wann wir wieder Bilder wie vor nunmehr vier Jahren sehen werden – ergriffene Gesichter der leidenden Bevölkerung, die fromm ihre Kerzen mit den frierenden Händen schützen und hilfsuchend in die Kameras blicken. Ach, damals wollte noch alle Welt diese Kerzen-Demos sehen, weil es doch die bösen Israelis waren, die den armen Gaza-Bewohnern den Strom abdrehten! Nur peinlich, daß man auf den Bildern deutlich Straßenbeleuchtung im Hintergrund erkennen konnte, oder aber Sonnenlicht, das durch Vorhangspalte fiel.

Ich muß zugeben, daß diese Bilderserie nicht nur einer der ganz großen Erfolge meines Blogs war – da hatte ich tatsächlich mal mehr Leser als immer nur meine treuen paar Männeken, die sich meiner Weltabgeschiedenheit erbarmen und ein bißchen bei mir quasseln wollen. Und noch viel wichtiger ist, daß diese Bilder für mich persönlich einen wirklichen Wendepunkt bedeuteten. Weichherzig und altlink sozialisiert wie ich nun mal bin, haben auch auf mich Bilder von treuherzig präsentiertem, unverschuldetem Leid doch immer irgendwie Eindruck auf mich gemacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß man mich dermaßen frech anschwindelt, dermaßen schamlos meine Instinkte für sich nutzen will.

Seit ich diese Bilder genau angesehen habe, sie in mich aufgenommen habe, so daß ich sie nachzeichnen könnte, wenn ich wollte – seitdem glaube ich den Palästinensern, aber auch anderen professionellen Opfern wesentlich weniger rasch. Ich habe mein Herz gewappnet, weil ich nicht glaube, daß mit Leichtgläubigkeit und Ausnutzbarkeit irgend jemandem gedient ist – weder im Nahen Osten noch sonstwo. Die Bilder waren eine Lüge, aber die Gesichter der Menschen auf den Bildern zeigen, wie ich meine, daß es ihnen sehr, sehr leicht fällt, sich in die Pose der Opfer zu stilisieren. Ob sie selbst die Lüge als solche erkennen und innerlich lachen oder ob sie in diesem Moment des Photographiertwerdens selbst an ihr Leid glauben – wer kann das entscheiden.

Aber als ich von der Elektrizitätskrise las, wurde ich wieder daran erinnert, wie empört auch viele deutsche Leser und Schreiber waren, und wie die getürkten Demos doch Eindruck machten. Und ich frage mich, ob sich das wiederholen wird, ob derselbe Zorn sich jetzt gegen Ägypten richten wird, ob sich auch Ägypten internationale Mahnungen einfangen wird.

Von Rechts wegen sollte der Zorn sich gegen die Beduinen richten, die tatsächlich Pipelines abfackeln und es allen Beteiligten so schwer wie möglich machen, ihr normales Leben zu führen.

Also, warten wir mal ab, ob ihr davon was in der Zeitung lesen werdet. Es ist zwar auch im Gazastreifen umstritten, ob diese Energiekrise echt ist oder nicht, aber nach der Erfahrung von vor vier Jahren müßte sie eigentlich in den nächsten Tage in aller Munde bzw Zeitung sein.

 

Und wieder Raketen Februar 18, 2012, 11:54

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diesmal in der Nähe von Beer Sheva. Drei Stück. Wieder kein Schaden. Wieder kein großes Medienecho. Und noch ein Indikator für die fortschreitende “Erwärmung” im Süden. Wie es sich für Ruth, ihre Familie und andere Leute in Beer Sheva anfühlt, am Shabat den Alarm zu hören – schwer nachzuvollziehen. Gewöhnt man sich an sowas? Den Schutzraum hat sie bestimmt sowieso immer einsatzbereit. Was sagt man den Kindern? Wie läßt man sie morgens in die Schule gehen, mit einem Stein im Herzen?

Wann kommen Regierung und Armee zum Punkt des “jetzt reicht´s”? Was tun sie dann? Wie hoch wird der Preis für alle Beteiligten? Wie lange wird, wenn überhaupt, eine Ruhe nach dem Sturm vorhalten?

Gibt es keine tiefgreifendere Möglichkeit, diesem Beschuß auf Dauer ein Ende zu bereiten und die Hamas davon zu überzeugen, daß sie ihm wirklich konsequent von innen entgegentreten müssen, wenn sich die Lage im Gazastreifen endlich normalisieren soll? Vielleicht wäre es ja mal an der Zeit für internationalen Druck auf die Hamas, und wenn nur, um eine militärische Eskalation zu verhindern.

Kinder von heute Februar 18, 2012, 11:42

Posted by Lila in Kinder.
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schicken sich schnell SMS mit Bildern. Bei Quartas Klassenkameraden in Tsuriel schneit es – in Luftlinie nicht weit von hier, aber ein Stück höher. Jetzt warten wir auch. Natürlich mit der Kamera in der Hand.

 

Abends: In Zarit und Even Menachem ist auch ein bißchen Schnee gefallen. Bei uns nur Eisregen. Quarta fühlt sich zurückgesetzt. Es ist gar nicht viel Höhenunterschied, aber er war wohl entscheidend. Ich glaube, das war´s für diesen Winter. Es ist kalt, aber nicht kalt genug für Schnee. Und morgen ist die Regenfront weg. Schade…

Und im Süden… Februar 18, 2012, 10:11

Posted by Lila in Land und Leute, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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… more of the same.

Eine ungenannte Rakete landet in Ashkelon – wenn sie bis dort fliegen kann, ist es vermutlich eine Grad, bestimmt keine Qassam. Eine Qassam landet in der Gemeinde Eshkol. Wie immer werden keine genaueren Angaben gemacht.

Soldaten, die an der Grenze patrouillieren, wohlgemerkt auf der israelischen Seite, wo sonst?, werden mit RPG-Feuer beschossen. In der Nähe der Soldaten ging eine Bombe hoch. Niemand kam zu Schaden.

Das war alles gestern. Was passiert heute? Morgen? Übermorgen ist Secundus da unten mit seinen Soldaten.

Es sieht so aus, als würde sich diese Grenze wieder mal “erwärmen”. Keine guten Aussichten. Wieso können die nicht aufhören mit ihrer blöden Ballerei? Seit Gilad Shalit befreit ist, befindet sich kein einziger Israeli mehr dort. Wir schicken ihnen jede Woche lange Kolonnen von Lastwagen, einen Teil ihres Stroms, Gelder. Sie werden von ausländischen Freunden großzügig unterstützt. Der Tag, an dem sie sich entscheiden, ihre Energien in Landwirtschaft und Industrie und Handel zu investieren, wird ein glücklicher Tag für uns alle.

Ehrlich, diese täglichen Nachrichten aus dem Süden sind so bedrückend. Kein Wunder, daß Israelis dauernd prüfen, was denn jetzt schon wieder los ist. Denn irgendwas ist immer passiert, seit man das letzte Mal Ynet abgegrast hat.

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