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Nicht nur bei den Nachbarn… Oktober 26, 2013, 21:49

Posted by Lila in Deutschland, Presseschau, Uncategorized.
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… werden alte Bräuche jetzt unter die politisch korrekte Lupe genommen.

Leider habe ich damals keine Bilder gemacht, aber auch wir sind mit der Selfkantbahn gefahren, als die Kinder klein waren.  Es ist wirklich ein besonderer Moment, wenn die Bahn auf einmal hält und übers Feld der Nikolaus in seiner Kutsche kommt. Er klettert dann in den Zug und verteilt, begleitet von Knecht Ruprecht, schöne Tüten an die Kinder.

Der Aufenthalt im Festzelt ist zwar für die Eltern allein als Zugeständnis an die Kinder erträglich, aber trotzdem gehören diese Fahrten zu den schönsten Erinnerungen der Kinder und ehrlich gesagt – auch der Eltern.

Ich kann verstehen, wenn nach dem Brief eines kleinen Mädchens, das sich durch das Wort „Negerlein“ in der Kleinen Hexe gekränkt fühlte, die Familie Preußler einer Änderung des Texts zustimmte.

Aber beim zwarten Piet, der ja nur vom Kamin schwarz ist, und auch beim Knecht Ruprecht stellen sich mir doch viele Fragen.

Hat die UNO wirklich das Recht und die Aufgabe, auch die kleinsten Details von Sitten und Überlieferungen mit dem Läusekamm zu untersuchen? Bleibt irgendwann dann wirklich nur noch eine Einheitskultur übrig, chemisch gereinigt von jedem Rest der rustikalen Einteilung der Welt in WIR und ANDERE?

In meiner Heimatstadt ist es bekanntlich der Lazarus Stromanus, der zu Fastelovend (Karneval) durch die Straßen getragen und gepreckt (in die Luft geworfen) wird.

Der Karneval ist vorbei, wenn der Lazarus mit großem Gepränge in die Rur geworfen wird.

Als Kind hatte ich Angst vorm Knecht Ruprecht. Ich hatte auch Angst vorm Nikolaus. Ein Nikolaus übrigens, der meinen Bruder einschüchterte, bis er anfing zu weinen – nachdem der Nikolaus ihn gefragt hatte, ob er Bächlein die Badewanne macht – und ich hatte nicht den Mut zu sagen: wir machen BEIDE Bächlein in die Badewanne!, was ich bis heute bitter bereue…

Am meisten Angst hatte ich aber vorm Lazarus Strohmanus.

Und der ist weiß. Er müßte abgeschafft werden! Er verursacht Traumata und perpetuiert negative Stereotypen über weiße, blonde, blauäugige Männer aus Stroh. Eindeutig liegt bei der Verschonung der Strohmanus-Sitte eine Diskriminierung von Weißen vor.  Alle negativen Figuren, die Kindern Angst machen können, müssen konsequent verboten werden, von häßlichen Gartenzwergen über Clowns (wie gräßlich sind Clowns!) über Munchs Schrei als Karnevalsmaske und die ganzen abscheulichen Kürbisgesichter zu Halloween (das ich ja sowieso auf dem Kieker habe).

Die müssen alle, alle abgeschafft werden. Der Bettler bei Sankt Martin kriegt Hartz IV, Sankt Martin selbst darf keine Uniform mehr tragen, sondern muß mit Blauhelm seine Friedenswilligkeit beweisen. Funkenmariechen, weg damit, Feuer ist gefährlich.

Und eigentlich müßte die kleine Hexe auch vom Stigma des abfälligen Worts Hexe befreit werden, eine weise Frau, die einer Naturreligion anhängt und ungerechtfertigerweise verfolgt und stigmatisiert wurde ist präziser. Und aus dem Raben Abraxas müßte eine graue Taube werden, damit nur ja niemand von seiner Farbe auf sich selbst… Ach so, Mist. Der war ja einer von den Guten, obwohl schwarz.

Tja, was machen wir mit dem Raben Abraxas? Schnell eine neue UNO-Kommission. Diese schwärende Wunde der Kulturlandschaft darf nicht unbehandelt bleiben.

(Fairerweise: dieser Artikel unterstützt den Rassismusvorwurf. Mach ich es mir zu einfach?)

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