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Frage August 29, 2006, 18:48

Posted by Lila in Bloggen.
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Bitte, gegebenenfalls per Email beantworten! Ich habe doch aus reiner Sorge, daß bei meiner Abwesenheit hier sofort die Mäuse auf den Tischen tanzen, die Kommentarfunktion umgestellt. Man muß sich bei WordPress registrieren, um zu kommentieren. Ich dachte, wenn es rauflustige Mäuse gibt, die werden sich dann woanders hinbegeben, statt sich umständlich zu registrieren (wobei ich davon ausgegangen bin, daß bei WordPress registrierte Leute allesamt gaaanz nett sind!). Ja ich bin sogar so weit gegangen, einem notorisch zuverlässigen Leser das Passwort anzuvertrauen, damit er im Notfalle Spam killt, piu piu. Und jetzt bin ich wieder da, meine Sorge war vollkommen überflüssig, meine Leserzahlen bewegen sich wieder im altbekannten, heimisch-traulichen Niedrigwasser-Bereich – aber ich schaffe es doch nicht, die Kommentarfunktion wieder freizugeben! Oder kommt es mir nur so vor, weil nur WordPress-Blogger bei mir kommentieren? Ich habe die Kommentare, wie ich glaubte, sofort bei meiner Rückkehr wieder freigegeben, aber wie es scheint, funktionieren sie trotzdem nur mit Registrierung.

Bitte, sagt mir, ob Ihr problemlos kommentieren könnt. Und WordPress-Spezialisten, bitte einen Rat!

Planlos August 29, 2006, 17:30

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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Ich komme noch immer nicht richtig in die Gänge, wurstele ein bißchen planlos vor mich hin, dabei kann ich mir das eigentlich nicht leisten und normalerweise passiert mir das auch nicht. Ab morgen türmen sich wieder Termine auf, dann muß ich also meine professionelle Axt wieder scharf haben. Na ja, wird schon klappen. Jedenfalls genießen die Kinder es, daß ich mich noch ganz aufs Haus konzentriere. Warum sind die israelischen Kartoffeln nicht so lecker wie die deutschen?, meinten sie heute. Auch wenn ich genau dasselbe koche wie meine Mutter oder Tante, es schmeckt anders, und den Kindern fällt das auf. Besonders die Milchprodukte sind anders, der israelische Quark und Hüttenkäse sind viel leckerer, und Y. meint, das Fleisch schmeckt im unkoscheren Deutschland besser. Na ja, dafür gibt es in Deutschland diese köstlichen goldenen Pfirsiche, und hier nur die viel härteren weißen Pfirsiche – es gleicht sich alles am Ende wieder aus. In den Haag und Amsterdam haben wir die Milchprodukte so genossen, und das Lakritz! Hätte ich mir mal an der letzten Tanke vor der Grenze einen Sack voll davon gekauft, ich wußte doch, daß es mir noch leidtun würde! (Übrigens schmeckt es bei meiner Mutter und meiner Tante auch einfach deswegen besser, weil sie wirklich gute Köchinnen sind.)
A propos leidtun. Irgendwann demnächst wird es wohl ein Backup meines alten Blogs geben. Wie sagt Y. gern, meist stöhnend? Wenn ein Narr einen Stein in einen Brunnen schmeißt, können hundert Weise ihn nicht wieder rausholen. Wie närrisch war es, das alte Blog einfach so zu löschen, auch wenn mir das in dem Moment gar nicht klar war. Wie gut, daß das Internet voll von hilfreichen Menschen ist, die gern an Dateien rumfuddeln. Hoffentlich kann man also demnächst wieder in den Archiven kramen. Ich weiß selbst kaum noch, was ich da alles von mir gegeben habe. Im Moment bin ich so mit meinen Semestervorbereitungen beschäftigt, daß ich immer noch kein Interesse für unseren elenden Nahen Osten haben kann. Ich hoffe, bald finde ich irgendwo einen kleinen Funken Zukunftsaussicht, einen kleinen Erfolg, der mich optimistisch macht – das brauch ich.

Ach ja, und dann habe ich gestern oder vorgestern was gelesen, das war so absurd, daß ich es eigentlich bloggen wollte, dann aber doch nicht geschafft habe. In Indonesien findet demnächst eine Konferenz zum Thema Toleranz statt, unter norwegischer Schirmherrschaft. Das ist doch schön, nicht wahr, daß in diesem islamischen Land so eine Konferenz stattfindet, nicht wahr? Das fand wohl Yossi Sarid, der jahrelang Vorsitzender der linken Meretz-Partei war, auch, und wollte hinfahren. Aber natürlich hat die Sache einen Haken – er ist Israeli, und so weit geht die Toleranz der Toleranz-Konferenz nun doch nicht, daß sie einen Israeli zugelassen hätten!

Doch die Norweger haben das Ei des Kolumbus gefunden: sie haben Yossi die norwegische Staatsangehörigkeit angeboten! Dann könnte er als Norweger an der Konferenz teilnehmen. Tolle Lösung, nicht wahr? So könnte sich die Toleranz-Konferenz mit ihrer Toleranz brüsten, ohne auf die Probe gestellt zu werden. Den Norwegern selbst, zutiefst anti-israelisch, wie sie nun mal sind (und hey, ich hab eine Freundin in Bergen…), ist gar nicht aufgefallen, wie absurd das ist, und daß die Verleihung der norwegischen Staatsangehörigkeit an Yossi Sarid für diesen ein bißchen, nun… sagen wir mal entwürdigend wäre. Irgendwie haben sie gedacht, das geht schon so. Yossi hat die Ehre abgelehnt und so wird eine Konferenz ohne israelische Teilnehmer stattfinden.

Wenn diese Konferenz wie die von Durban wird, dann sehe ich ganz, ganz schwarz. Ich halte die Durban-Konferenz für einen weithin unterschätzten Katalysator der Gewalt gegen Israel, abgesehen davon, daß die Ungerechtigkeit, von allen Problemen der Welt NUR das der Palästinenser in den Vordergrund zu stellen, viele andere unglückliche Völker ein weiteres Mal benachteiligt. Und daß damals wieder mal nur Israel an den Pranger gestellt wurde, keine Industrienation zum Beispiel bereit war, für eigene postkoloniale Probleme die Verantwortung zu übernehmen etc, das war alles eine ganz üble Sache. Aber über Israel kann man ja jeden Unfug behaupten, irgendjemand wird es schon glauben… Ohne störende Teilnehmer aus Israel also wird sich die Konferenz vermutlich gegen die israelische Intoleranz ereifern. Werde ich bis dahin darüber lachen können? Wir wollen es hoffen.

Und was ich von Nasrallahs „Bedauern“ über den Krieg halte? Ich denke, er hat diese Äußerungen gemacht, um kritische Stimmen im Libanon (und wohl auch anderswo) zu beschwichtigen, die wohl zu Recht fragen könnten, ob sich diese ganze Aktion gelohnt hat. Er hat wohl gedacht, wie wir gleich vermutet haben, daß Israel sich das wieder mal gefallen läßt – wäre Israel wirklich so ein unberechenbarer Wüterich, wie wir in den Medien gern hingestellt werden, wäre es zu dieser Fehleinschätzung Nasrallahs wohl gar nicht gekommen. Aber nachdem die Hisbollah Israel jahrelang gepiesackt hatte, ging sie wohl davon aus, daß auch acht tote Soldaten, Beschuß der Dörfer im Norden und die Entführung zweier Soldaten nur eine symbolische Reaktion unsererseits auslösen würden. An solche Reaktionen waren sie und wir gewöhnt. Perverserweise.
Es scheint also, trotz der Jubelschreie der arabischen Welt, der Preis einigen Leuten zu hoch zu sein. Auch bei uns wird dieser Preis von vielen als zu hoch empfunden. Aber im Moment wird hier noch um das Wie diskutiert. Wann wird es alternative Lösungswege geben? Ich glaube, das wäre mal ein Thema für eine internationale Konferenz, um den nächsten Showdown zu verhindern… wie bringen wir Assad an den Verhandlungstisch, und Olmert auch. Das wäre doch mal was, eine friedliche Lösung. Na ja, dafür muß man erstmal Ahmedinijad zur Räson bringen, und wer kann das schaffen?

Und dann geht mir auch im Kopf rum, wie sich wohl in Deutschland die Bedrohung durch Kofferbomber etc auswirken wird. Es gibt ja immer noch viele Leute, die auch für diese Bedrohung Israel die Schuld geben, nach dem Motto, „würde sich die Regierung nur von Israel distanzieren, hätten die Terroristen keinen Hals auf uns“… als ob Terror rational begründbar wäre. Und auch Staaten, die Israel keineswegs freundlich gegenüberstehen, leben mit einer Bedrohung durch den Terror. Und wenn der Haß gegen Israel auf Lügen und Verleumdung beruht, was dann? Soll sich Deutschland dann aus Angst vor dem Terror von Israel distanzieren oder wie?

Na ja, vielleicht sind es ja doch nicht so viele Deutsche, die so denken, und nur unter den Leserbriefschreibern der Jülicher Nachrichten finden sich überproportional viele… das sind bestimmt alles die tapferen Helden von der Mahnwache, die auf dem Jülicher Marktplatz stattfand und die bei mir sofort den unstillbaren Drang nach Schüttelreimen weckte. Auch wenn ich es im Wahn mache, ich geh so gern zur Mahnwache. Der Welt hilft meine Mahnwache, auch wenn ich sie im Wahn mache. Und so. Besser wurde der Reim nicht, leider.

Ach ja, in der Zeitung stand natürlich, daß die Mahnwache im Namen beider Seiten etc…. aber im letzten Satz kam dann doch das Pferdefüßchen raus, in Form einer Email-Adresse. Endtheoccupation.org oder so. Na, gewundert hat es mich nicht. Ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt, den Veranstalter der Mahnwache, einen professionellen Betroffenen, den ich flüchtig kenne, anzurufen und zu interviewen. Für mein Blögchen. Ihn halt so zu fragen, zu was für Ereignissen sie denn so ihre Mahnwachen abhalten (ich weiß nämlich, daß sie gegen den palästinensischen Terror noch nie demonstriert haben, vielleicht, weil da ja nur Opfer von EINER Seite zu beklagen sind und es darum unausgewogen wäre…?). Aber mit solchen Gedanken spielt man nur, ich habe es dann doch nicht getan, es sind ja auch eigentlich lauter wohlmeinende Menschen, und daß sie kritiklos das palästinensische Narrativ schlucken, kann ich ihnen nicht mal übelnehmen. Schließlich speist sich die ganze Friedens-Aktions-Szene aus der pro-palästinensischen Ecke, wenn ich mir allein die Liste der Vortragenden und Überschriften ansehe, dann darf es mich nicht wundern. Viele arabische Namen dabei… aber keine israelischen. eben auch Toleranzveranstaltungen im Namen einer Seite.

Tja, hätten wir anders reagieren können? Ich zerbreche mir den Kopf darüber. Nein, verflixt nochmal, wir hätten das nicht, wie von Nasrallah geplant, auch noch hinnehmen können. Egal wie ich es in meinem Kopf drehe und wende, ich weiß nicht, wie Israel sonst hätte reagieren können. Auch wenn viele Fehler begangen wurden und Chancen verpaßt wurden, den Krieg eher zu beenden – was ja alles noch lang und breit diskutiert werden wird.

Gestern hat die Familie von Gilad Shalit seinen 20. Geburtstag feierlich begangen. Gestern abend erschienen auch neue Bilder von Ron Arad im Fernsehen. Ron Arad ist gefangengenommen worden, als Gilad geboren wurde, vor zwanzig Jahren. Lebt er? Wie lange wird es dauern, bis wir Ron oder Gilad wiedersehen? Wie lang ist unsere Rechnung mit Nasrallah! Nein, das kann sich niemand vorstellen, wie schwierig es ist, und wie hoffnungslos es einen macht, unter dauernder Bedrohung zu leben, von den Nachbarländern, der ganzen Region nicht akzeptiert zu werden. Und das im nahtlosen Anschluß an die bitterste Erfahrung des jüdischen Volks.

Nein, bevor ich jetzt richtig unglücklich werde, gehe ich zurück in die Küche. Da bin ich im Moment erfolgreicher als beim Bloggen.

Gelacht August 28, 2006, 1:12

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.
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habe ich heute, fällt mir gerade ein, als ich meinen Söhnen und ihren Freunden zuhörte. Sie tauschten Reiseerinnerungen aus, mit der vollmundigen Art, die Reisende und Jugendliche so an sich haben. Primus: „Also, in Deutschland ist mir aufgefallen, daß die Leute ganz kleine Kühlschränke haben und keine Fernseher“. Sein Freund: „Und die Amerikaner haben riesige Kühlschränke, die sie mit Essen vollstopfen. Und dann gehen sie doch aus essen“.

Ich sah sie förmlich vor mir, den Deutschen, den Amerikaner, mit ihren komischen Angewohnheiten. Nur wir, wir machen alles genau richtig, nicht wahr…

Immer mit der Ruhe August 28, 2006, 0:26

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.
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Noch immer habe ich es nicht fertiggebracht, Nachrichten zu sehen. Nach einer News-Entwöhnung von drei Wochen kann ich mich kaum daran gewöhnen, wie hektisch es hier zugeht. Ich bin auch nicht sicher, nach allem, was ich gehört und gelesen habe, daß die „Kopf-ab“-Stimmung, die hier im Moment herrscht, wirklich hilfreich ist. Was alles schiefgelaufen ist in diesem Krieg, kann durch ein rasches Nachhauseschicken der Herren Olmert, Peretz und Halutz nicht bereinigt werden. Im Gegenteil, dann herrscht die Illusion, daß wir ja  nun was getan haben, prima prima, und am Ende stehen wir mit Bugi Yaalon, Ehud Barak, Bibi oder Liebermann noch viel schlauer da… zumindest ein Teil dieser Herren war ja aktiv am Entstehen der Probleme beteiligt, die sich im Krieg gezeigt haben. Noch verstehe ich nicht genau genug, was nun wirklich alles schiefgelaufen ist, was ganz  normal und zu erwarten war (so wie die Probleme mit Nachschub: das war in allen Kriegen so, ärgerlich aber wohl Begleiterscheinung des Kriegs), was Resultat unserer Konzentration auf andere als militärische Angelegenheiten war (Etatkürzungen im Verteidigungsbereich, Verkürzung der Reservezeit, Abschaffen von Training und Übungen), was wir der Besatzung zu verdanken haben (die Armee verlernt den Kampf und dient statt dessen als eine Art Polizeitruppe), wo die Politiker zu viel oder zu wenig auf die Armee gehört haben (da gehen die Einschätzungen wild auseinander – hat Peretz nun zu viel oder zu wenig Senf dazugegeben?), wo sich die Personalpolitik in Ämtern, Ministerien und auch der Armee rächt… ganze Sümpfe sind da trockenzulegen, und allein das Zuhören macht mich schwindlig. Y. meint, trocken wie immer, daß wir Nasrallah dankbar sein können für die Chance dieses Probedurchlaufs, und der scharfe Ton, den die Kritiker und Selbstkritiker hier erheben, stört ihn weniger als mich.

Wie unser Verhältnis zum Rest der Welt aussieht? Oh je, lieber nicht daran denken. Vielleicht wird ja eines Tages, wenn die Hisbollah in Europa mal offener ihr Gesicht zeigt oder die UNIFIL-II-Leute einen kleinen Geschmack ihrer Methoden erhalten, das Bild sich wandeln und statt der Rundum-Verdammung ein ratloses Kratzen am Hinterkopf eintreten – wäre schon mal ein Fortschritt. Aber es sieht nicht so aus, als wollten die Italiener oder Franzosen sich ernsthaft mit der Hisbollah anlegen. Das kann ich sehr gut verstehen, ich wünschte, uns wäre diese Option gegeben. Außerdem wünsche ich wirklich kein Tröpfchen Blut mehr vergossen zu sehen, egal wessen, es ist eine Qual, wirklich eine Qual, daran zu denken. Manche meinen ja, die Armee ist von der Diplomatie daran gehindert worden, richtig hart durchzugreifen, aber mir war es ehrlich gesagt hart genug, und ich bin nicht sicher, daß mit noch mehr Gewalt ein Problem zu lösen gewesen wäre, das wir mit Gewalt schon nicht haben lösen können.

Ja, ich gucke mir also die Nachrichten nicht an, sondern höre nur zu, während ich die Küche aufräume, und auch bei Gesprächen höre ich nur passiv zu. Allerdings habe ich zu bedenken gegeben, als ein paar Bekannte allzu wütend Amir Peretz verwünschten, daß vor Ausbruch des Kriegs nicht nur mir dieser Mann als durchaus geeignet schien, den Rückzug aus der Westbank durchzuführen – bis zum 12.7. sah es ja so aus, als würde das die größte Herausforderung der Armee werden, ha ha. Ich dachte, und nicht nur ich!, ein Zivilist mit starker sozialer Ader kann da bestimmt Akzente setzen, auch wenn er kein Militärexperte ist. Na ja, im Gegensatz zu anderen kann ich nicht einfach abschütteln, daß ich mal so gedacht habe. Vielleicht hätte Peretz von selbst zurücktreten sollen, hm, ich an seiner Stelle hätte das wohl getan, aber so sind Politiker nun mal nicht gestrickt. Sonst säßen sie nicht allesamt seelenruhig in Jobs, für die sie gar nicht qualifiziert sind, sondern einen Stab von professionellen Beratern und Mitarbeitern brauchen. Warum sollte Peretz die Ausnahme sein? Kurz und gut, ich kann nicht einfach so nach der Machete rufen. Ich verstehe ja nicht viel davon, aber mir scheinen die Probleme nicht personell, sondern sachlich zu sein, und wenn personell, dann bestimmt nicht seit der letzten Wahl, sondern mehrere Legislaturperioden hindurch.

Dazu kommen dann noch mehrere kriegs-unabhängige Skandale, man hat sie ja immer gern mit se%ueller Komponente, und wenn der Justizminister und der Staatspräsident als charmanim (hat nichts mit charmant zu tun, sondern ist ein abfälliger Begriff, was man früher Schürzenjäger nannte…) demaskiert werden, dann mischt sich in die neugierig-hämische Berichterstattung auch eine Art apokalyptischer Lust. Da geht nun alles in Stücke, seht her, das alte  Rom war sittsam dagegen… obwohl man noch gar nichts genaues weiß, und in einer wirklich verwahrlosten Gesellschaft wohl keiner sich mehr über solche Skandale mehr aufregen würde.

Thomas Couture, Römer der Verfallszeit , 1847

Aber wie gesagt, ich bin noch mit Information-Sammeln beschäftigt, bis ich mir eine Meinung zu diesen Dingen bilden kann. Bis dahin habe ich auch noch manches andere zu tun. Heute hatte ich das Haus voll hungriger Jugendlicher, habe seit Mittag pausenlos in der Küche gestanden und die Bande abgefüttert. Bis ziemlich spät abends. Jetzt liegen noch ein paar auf Matratzen im Zimmer der Jungen. Es macht Spaß zu sehen, wie so ein Heranwachsender über das Essen herfällt, und bekanntlich schmeckt es ja bei anderleuts Müttern oder Vätern besser. Ein Mädchen meinte jedenfalls, „wenn es hier jeden Tag so gutes Essen gibt, dann komme ich jeden Tag!“ Obwohl ich wirklich keine brillante Köchin bin, habe ich das gern gehört, manchmal sind unverdiente Komplimente erfreulicher als verdiente.

Während die männliche Jugend also mit rauhen Kehlen im Zimmer meiner Söhne diskutierte und lachte, saß ich mit den Töchtern im Wohnzimmer. Tertia hat von meiner Tante zum Geburtstag hübsche rosalilaverlaufende Wolle und Häkelnadeln geschenkt bekommen und häkelt nun eifrig – nach einigen Anfangsschwierigkeiten hat sich die kleine Linkshänderin bei mir abgeguckt, wie man das macht, und es geht sehr gut. Ich habe mir in Deutschland (bei Tchibo, no less!) eine absolut geniale Sticklupe gekauft und habe an meinem Jahrhundertprojekt mit einfachem Faden weitergestickt – meine Tischdecke für mich selbst, an der ich schon seit Monaten rumstichele. Quarta las uns dazu aus einem Buch Kinderverse vor. Das war ein Gefühl von Frieden und Glück – wir drei Frauen in so sittsamem Tun, wie Scarlett und Melanie, und ich fühlte, wie gut es ist, daß die unmittelbare Bedrohung erst mal von uns genommen ist. So kurzsichtig und egoistisch ist man, ja, andere Menschen leiden und in ein paar Jahren kann es wieder losgehen, aber hier und heute genieße ich die Abendruhe mit Stick- und Häkelnadel und Datia Ben Dors Versen.

Gelandet August 27, 2006, 0:56

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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sind wir physisch schon am Donnerstag, Tertias Geburtstag. Y., der ja schon vorausgeflogen war, hatte ihr einen abendlichen Feiertisch aufgebaut, ganz gegen unsere sonstigen Familiensitte. Es war ein ziemlich verwirrender Tag, das geht einem ja immer so. Einerseits ist der Flug endlos, die viernochwas Stunden dehnen sich, wenn man die Beine nicht ausstrecken kann, den Gang zur Toilette vermeidet (ich reise noch mit Sagrotantüchern, wegen Quarta…) und vor Trockenheit die Augenlider nur so knirschen.

Und dann ist doch der Übergang von einem Leben, von einem Zuhause zum anderen jedesmal kraß, allzu rasch und geradezu erschreckend. Als wir in Tel Aviv aus dem Flieger stiegen, schlug uns die heiße, feuchte, von Staub durchsetzte Luft wie ein kochendheißer, nasser Lappen aufs Gesicht. Und in Deutschland war es so angenehm kühl und gerade richtig sonnigfrisch-regenfrisch gewesen! „Mensch, hier gibt es ja gar keine Luft“, stöhnte Secundus, und Tertia meinte, „ist es hier immer so heiß, oder kommt mir das jetzt bloß so vor?“

Ich hatte mir diesmal ein besonderes Meisterstück geleistet, wie ist mir das bloß passiert? Auf die Reise nach Holland hatte ich meinen Paß mitgenommen, einfach so, na ja, Niederlande sind ja auch Ausland. Bei der Rückkehr hatte ich ihn dann in unserem Zimmer auf einen bestimmten Platz gelegt, und von da verschwand er dann rätselhafterweise. Ich vermißte ihn nicht mal. Weil er ja eigentlich in der Tasche mit den Pässen der Kinder hätte sein müssen, nicht wahr. Nur daß er da nicht war.

Gut, daß mir in der Nacht vor der Abreise einfiel, diese Tasche zu prüfen. Da kriegte ich aber einen Schrecken. Ich war schon fast mit Packen fertig und wollte eigentlich schlafen. Da wurde dann nichts draus, ich verbrachte die Nacht mit Auspacken, Durchwühlen, Suchen, bis der Morgen graute. Meine Mutter meinte dann, als sie aufgestanden war und meinen Paß ebenfalls nicht finden konnte, „ruf doch einfach mal bei der Fluggesellschaft an, vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm und sie lassen dich trotzdem mit“.

Uh, ich telefoniere gar nicht gern, aber der Rat meiner Mutter war gut. Alle sicherten mir zu, in Düsseldorf und Tel Aviv, daß sie mich auch ohne Paß mitnehmen, und so war es dann auch. Jede Abfertigung dauerte noch ein bißchen länger als sowieso schon, und vor Müdigkeit war ich ganz matschig, aber ich bin tatsächlich ohne Paß nach Israel eingereist, nur mit meiner israelischen teudat zehut, dem Personalausweis. Jetzt muß ich also schon wieder einen neuen Paß beantragen. Der alte hat sich nicht gefunden. Irgendwann wird er mir genauso unerwartet, wie er verschwunden ist, wieder in die Hände fallen, hoffe ich. (Ich sag euch dann, wo er war, versprochen.)
Quarta weint nachts nach meiner kleinen Schwester, in deren Zimmer und Bett sie geschlafen hat – sie hat Sehnsucht. Die Großen haben sich gefreut, ihre Freunde wiederzusehen und die Katzen, sind aber schon wieder bereit, zum großen Haus der deutschen Oma zurückzukehren, wo man sich so gut aus dem Weg gehen kann und wo es immer was zu tun gibt. Alle Taschen sind ausgeräumt, für alle neuen Bücher ist ein Platz gefunden, morgen will ich die Bilder hochladen, morgen fängt hier auch die Woche an. Ich habe keine Ausreden mehr, der Krieg ist vorbei (obwohl ich mich in Gesprächen über den Krieg, wie mit meinem Schwiegervater heute, total unwissend fühle, mir fehlen einfach diese drei Wochen Miterleben) und ich muß etwa fünfzehn offizielle Anrufe machen, bäh.

Die Kinder haben noch eine Woche Ferien, müssen aber schon Schulbücher abholen, wir müssen den üblichen Schulkram kaufen und besorgen, aber ich habe noch ein bißchen Zeit. Erst Mitte Oktober fängt das Semester wieder an. Bis dahin muß ich mehrere nagelneue Kurse aus den Tiefen meines Hirn-Grabbeltischs fischen und zusammensetzen. Wie leichtfertig habe ich die Ideen dazu skizziert und wie unmöglich kommt es mir nun vor, daraus Unterrichtsstunden zu machen! Aber es muß sein. Also ab morgen strenges Regime, die Zeit ist schon verplant.

Richtig gelandet bin ich trotzdem noch nicht. Wenn ich nachts aufwache, weiß ich nicht, ob ich in unserem Zimmer im Haus meiner Mutter bin oder im ehelichen Schlafzimmer im Kibbuz. Mal gucken, wie lange das diesmal dauert.

Wie wenn man zu lange geschlafen hat… August 19, 2006, 22:45

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… und sich in der wachen Welt nicht sofort zurechtfindet, so fuehle ich mich, wenn ich nun mein Blog angucke. Ich bin noch in Deutschland, bei meiner Mutter, wo das Internet solche Zicken macht, dass es ewig gedauert hat, bis Y. das Ding doch ans Laufen kriegte. Meine eigene Netzkarte ist zu schwach, um meinen braven kleinen Laptop ans Netz zu zerren, und so schreibe ich diesen Eintrag auf Y.s Laptop. Darum die seltsamen umlautlosen Umlaute.

Ich habe die Zeit mit Museumsbesuchen, Bummeln durch die Strassen von Amsterdam, den Haag, Gouda und anderen Staedten verbracht, allein mit meinem Mann, waehrend die Kinder bei meiner Mutter waren und im Nahen Osten anscheinend Ausscheidungen am Dampfen waren, denen das Dampfen keinesfalls bekommt. Ich habe keine Zeitung gelesen, nach einem Mal Tagesschau-Gucken beschlossen, das nicht wieder zu tun, und habe keinen blassen Schimmer, was vorgeht. Ich weiss auch nicht, ob ich es wissen will.

 Y. meint, es ist keine Katastrophe, dass wir den Krieg verloren haben. Er meint, eigentlich haben wir gegen die Hisbollah schon vor langer Zeit verloren, und vielleicht ist es gut, dass das nun auch sichtbar ist. Vielleicht tut es der Hisbollah ja gut, ihrer Ehre etc, dass sie den verhassten Israelis mal so richtig gezeigt haben, wie sterblich sie sind.

Und da bei uns saemtliche kritischen Abrechnungen in aller Oeffentlichkeit gemacht werden, laesst sich da auch nichts verbergen oder schoenreden. Und wenn ich es mir genauer ueberlege, sind die Israelis mit Gold Meir und auch Begin recht scharf ins Gericht gegangen – und auch Ariel Sharon hat jahrelang im politischen Exil verbracht. Es kann also gut sein, dass die politische und allgemeine Seelen-Abrechnung, wie das auf Ivrit heisst, ein paar politische Karrieren beendet. Schade, ich hatte mich gefreut, eine so zivile und friedliche und relativ linke Regierung zu haben, aber wenn das Risiko zu gross ist, dann wird sie eben durch eine neuerliche Falken-Regierung abgeloest werden – und ich kann das den Waehlern nicht mal verdenken. Denn leider muss jede israelische Regierung fuer den Ernstfall geruestet sein, und so gern ich Olmert, Peretz und Livni gegoennt haette, allen zu zeigen, wie Zivilisten das Land durch eine militaerische Krise steuern – es hat aus vielen Gruenden nicht geklappt. Wobei ich nicht mal glaube, dass ein anderer Regierungschef es sehr viel besser gemacht haette – dafuer war die Ausgangslage zu verzwickt, der Angriff auf uns zu ueberraschend, und vermutlich waren auch in der Armee verschiedene Plaene in den Schubladen, die dann kollidierten.

Ich persoenlich frage mich manchmal ganz im Stillen, wie viel von der trickreichen Taktik der Hisbollah wir dem halbseidenen Geschaeftsmann Elchanan Tennenbaum zu verdanken haben, der bei einem missglueckten Drogendeal von der Hisbollah geschnappt wurde und von ihnen weissnichtmehrwielange gefangen gehalten wurde. Zwei oder drei Jahre? Lang genug jedenfalls, um aus diesem Offizier der Reserve genuegend Wissen rauszuquetschen, das dann nutzbringend eingesetzt werden konnte…

Na ja, Y. meint, gegen eine Guerilla-Truppe kann eine regulaere Armee nur verlieren, und wenn das dazu fuehrt, dass die Armee sich realistischer auf so einen Kampf einstellt, findet er die Niederlage sogar gesund. Er meint, wenn so viel falsch laeuft, dann darf man gar nicht gewinnen, weil man dann nie die Chance hat, sich selbst zu korrigieren, und beim naechsten Mal noch schlimmer verliert. Ob das aber beim naechsten Mal hilft, oder ob wir nicht doch die Geschichte durch den Abfluss verlassen, das weiss keiner so genau.

Dass das in Deutschland manchen Leuten als die beste Loesung erscheint, lerne ich hier mit Grausen, als ob ich es nicht schon vorher gewusst haette. Aber all das sage ich, ohne mehr zu wissen als die Niederlage. Ich habe nicht mal in Haaretz reingeguckt und noch nicht meine Email kontrolliert, sondern zuerst mal geguckt, ob meine Leser mich vermisst haben. Musste sein.

Ich bleibe noch bis Donnerstag hier, Dienstag fliegt Y. schon wieder (der ja auch eine Woche nach uns ankam, er hat einfach zu viel Arbeit in der Fabrik, um so lange wegzubleiben wie ich), und ich werde nicht viel Sinnvolles zum Nahen Osten zu sagen haben, bevor ich nicht wieder informiert bin. Und auch dann – ich weiss nicht, ob da im Moment viel zu sagen ist.

Und etwas spaeter: ich habe einfach mal durch ein paar Zeitungen geblaettert, virtuell, und finde, es gibt so viele kluge Leute und gute Artikel, dass ich gern viel verlinken wuerde. Aber hier habe ich nun nur den IE, mit dem das viel zu zeitraubend ist, also meine klugen Leser lesen ja bestimmt sowieso alle Sueddeutsche, FAZnet, Die Zeit und auch Haaretz, wozu soll ich das nun alles verlinken? Ich hab so viel nachzuholen und nachzulesen, ach je!

Aber die Pause war schoen. Ich habe auch ein paar nette Sachen erlebt. So beim Flug, mit den Kindern ueberm Mittelmeer. Unter uns die wunderschoene, geliebte Inselwelt Griechenlands. Ich, ganz andaechtig: „Guckt mal, Kinder, das ist Griechenland, eins der schoensten Laender der Welt“, und Quarta daraufhin, „aber Mama, gibt es denn Griechenland ueberhaupt noch? Ich dachte, das gab es nur frueher“. So spricht die Tochter der Kunsthistorikerin, die bei Griechenland an bronzene Sportler und Pferde denkt…

Und als Y. schon hier angekommen war, in seiner ersten Nacht in Deutschland, heulte auf einmal um 3 Uhr nachts die Sirene auf dem Nachbarhaus! Und das ist nicht so eine quaekige Sirene wie bei uns im Kibbuz, sondern wachad eine enorm starke Sirene, die einem in Bein und Glieder faehrt. Sie jaulte den ABC-Alarm-Singsang. Wir fuhren hoch. So nah! Alarm! Fuer einen Moment dachte ich, die Hisbollah ist hinter uns her gereist und verfolgt uns im Rheinland, im Schlaf. Dann bin ich von Kind zu Kind gegangen, und meine Mutter, die mich hoerte, meinte nur, „da war bestimmt irgendwo ein Brand, und mit der Sirene rufen sie die Feuerwehrleute zusammen“. Oh, und ich dachte, dafuer gibt es Telefone! Jedenfalls war das ein rechter Schreck, und es dauerte ein bisschen, bis ich wieder einschlafen konnte. Es war dann wirklich ein Brand: Brandstiftung in einer grossen Fabrik.

Und in unserer ersten Nacht in den Haag: wir schlafen in unserem Hotelzimmer in Scheveningen, am Meer. Auf einmal grosses Sirenengetoese, Feuerwehr, Polizei, grosses Chaos. Ich ging auf den Balkon, roch Brand, ich dachte schon, das gibt es doch nicht! Am naechsten Tag stand es in der Zeitung: Brandstiftung im Hafen, ein Grossbrand. Da habe ich doch einen Moment innegehalten und gedacht: ja gehe ich denn rum und lege Braende, im Schlaf, ohne es zu merken? Ueberall wo wir auftauchen, brennt es.

Und die Niederlande sind so schoen, ich war richtig richtig gluecklich dort. Ueberall sprechen die Leute Ivrit, es war richtig laecherlich. Der Mann an der Rezeption im Hotel von Oudewater: Shalom! Er war mal Volunteer bei uns in der Naehe. Am naechsten Morgen in der Hexenwaage von Oudewater: eine israelische Familie, die furchtbaren Laerm machte. Der Kellner eines suedamerikanischen Restaurants in Amsterdam: Israeli. Wir merkten es daran, dass er auf Ivrit fluchte, als er einen schweren Sonnenschirm bewegen musste. Ja sogar ein Schnorrer sprach uns auf Ivrit an und meinte, er kommt aus Bat Yam. Ja dann.

Oh, und es ist kaum zu glauben, dass ich gestern noch in Rembrandts Haus stand, seinem Atelier. Vorgestern stand ich vor Vermeers Milchmagd und begriff beim Vergleich mit de Hooch noch einmal, wie einzigartig Vermeer malt. Und ich stand vor Hals‘ Ehepaar-Portraet und hatte heftigste Sehnsucht, es mal neben Rubens Geissblattlaube aus Muenchen zu sehen.  Und Metsus krankes Kind. Oh, und im Mauritshuis, das Bild Sauls, wie er sich mit den Draperien, die doch normalerweise Koenigen Ansehen und Wuerde geben sollen, die Traenen abwischt, waehrend David fuer ihn spielt. Wer kann dieses Bild ohne Bewegung sehen?

Nur wenige Autostunden von mir entfernt liegen diese Wunder. Die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, nah an der hollaendischen und belgischen Grenze, ist so interessant. Eine richtige alte Kulturlandschaft, na ja, wo haben wir die in Europa nicht? Aber hier haben seit dem Mittelalter grosse Kuenstler gearbeitet, sind von Flandern nach Holland, vom Niederrhein an den Oberrhein gezogen und die Maas entlang. Hier haben auch Generationen von Soldaten ihr Blut vergossen. Eine Gegend, die heute so friedlich und ruhig ist. Breda: ich denke an die Belagerung von Breda, an Velazquez und wie friedlich Breda heute ist. Und dann habe ich wieder eine optimistischere Haltung. Vielleicht erleben meine Kinder es ja noch?

Oh, und ich war in Amsterdam bei Lush, sowas gibt es in Israel nicht. Und ich war bei einem fantastischen Friseur in Amsterdam, hinter der Nieuwe Kerk, und habe zum ersten Mal in meinem Leben eine richtig gut geschnittene Frisur. Und ich liebe, liebe, liebe den Regen, der hier so sacht und gruen faellt.

Jetzt habe ich was ganz Schreckliches getan, August 3, 2006, 0:32

Posted by Lila in Bloggen.
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nämlich die Kommentare beschränkt! Abscheulich von mir. Ich dachte, vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, alle Kommentare zum Moderieren in die Warteschlange zu schicken – seltsamerweise macht WordPress das mit vollkommen harmlosen Kommentaren, die ich auch alle freigebe, sobald ich sie bemerke. So daß ich, wenn ich in Deutschland mal an eine Internet-Zapfsäule gerate, ich mit einem husch-di-wusch alle Kommentare freigeben kann. Aber das geht nicht. Oder ich bin nicht begabt genug,rauszufinden, wie man das macht.

Na ja, mit Registrieren und so kann man trotzdem noch hier Kommentare hinterlassen. Aber irgendwie ist mir lieber, daß in der Zeit, in der ich nicht hier bin, ein bißchen die Rolläden runtergelassen werden. Wer das furchtbar doof findet, kann brieflich protestieren – es kann gut sein, daß ich das dann sofort wieder aufhebe.

Übrigens komme ich am 24.8. wieder zurück, hoffentlich ausgeruht und mit vielen neuen Plänen. Bis dahin wird es auch hoffentlich irgendwo ein Backup meines alten Archivs geben, für alle, die ein bißchen über friedlichere Zeiten wissen wollen. Eigentlich bin ich ja gar kein kriegerischer Mensch, auch wenn das im Blog im Moment so aussieht, sondern eine Mischung aus Ethno-, Mommie- und KulturbloggerIn.

Alle hier im Haus schlafen, nur ich sitze noch an ein paar Sachen, die unbedingt noch rausmüssen heute nacht. Mir graut vor dem Flug morgen, ohne Y., obwohl das Quatsch ist – wir haben dank Gingits kluger Ratschläge einen Direktflug, die großen Kinder sind alle mit Ohrenstöpseln und dicken Büchern ausgestattet (sind heute extra in die Bücherei gepilgert, die Süßen) und die Kleine ist auch schon kein wild herumtappendes Kleinkind mehr.

Mir ist diese ganze Bloggerei, ganz ehrlich, seit Ausbruch des Kriegs ein bißchen über den Kopf gewachsen, ach nein, sogar auf der Wikipedia-Seite zum Israel-Libanon-Konflikt tauche ich schon  auf –  mein einziger Anspruch auf Ruhm EVER!  Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt mit meinen Stammlesern, von denen ich das Gefühl hatte, ich kenne sie und sie kennen mich. Daß in letzter Zeit jede Menge Leute hierherfinden, die nicht wissen, was ein Kibbuz ist, die glauben, weil ich in Israel lebe, bin ich automatisch Rassistin oder ich laufe mit der Uzi im Anschlag rum oder ich habe einen gaaanz hohen Posten in der Armee und jede Menge Einfluß in der Knesset… das verwirrt mich. Ich habe keine Lust, ein FAQ zu schreiben, wie die kluge Kaltmamsell vorgeschlagen hat, aber vielleicht setze ich ja ein paar Links in mein Autorenprofil? Mal sehen. Erst die Pflicht, dann das Vergnügen.

Gute Nacht, liebe Leser, Ihr werdet mir fehlen. Ehrlich.  Und ohne Euch hätte ich diese letzten drei Wochen viel weniger gut überstanden. Und damit meine ich jeden Einzelnen, auch die, die vielleicht glauben, ich meine sie bestimmt nicht. Doch doch.

Weil wir morgen fahren, August 2, 2006, 14:53

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liegt vor mir ein riesiger Berg Arbeit, und ich habe mir zwar eine riesige Menge Artikel notiert und zugeschickt bekommen, die ich alle gern verwursten würde, aber es geht nicht, die Uhr tickt. Heute um 12 bekam ich auch von Yair, dem Sekretär des Kibbuz Saar (der neulich von der Süddeutschen interviewt wurde und den ich von der Arbeit kenne), einen Artikel zugeschickt, auf Ivrit (grrr), mit der Bemerkung, daß zwar bei ihm die Raketen pausenlos fallen, er aber keineswegs hinter der Entscheidung steht, weiterzukämpfen. Der Artikel war noch nicht auf Englisch raus, ich machte mir also einen Knoten ins Ohr, „nachgucken“!, und arbeitete weiter. (Er ist immer noch nicht raus, müßte auf Ynet erscheinen, von Zvi Maoz.)

Nun mache ich gerade den Fernseher an: Volltreffer in Kibbuz Saar, ein Mann tot. Yair als Sekretär des Kibbuz ist vermutlich vollbeschäftigt, so daß ich ihn nicht mit Anruf oder ähnlichem nerven will – aber Sorgen macht es mir doch. Ich warte nun, ob Yair im Fernsehen gezeigt wird.

Die ganze Lage, zwischen dringendem Wunsch nach Ende des Krieges und gleich starkem Bedürfnis, es Nasrallah so schwer wie möglich zu machen, sich als Sieger auszurufen, überfordert mich fast. Ich habe gestern abend darüber geschrieben, aber noch nichts veröffentlicht.

Y. ruft an, sein Kollege hat einen Anruf bekommen: sein kleiner Bruder ist sehr schwer verletzt, er muß schnell ins Krankenhaus. Der kleine Bruder ist Soldat, der große Bruder hat alles stehen und liegen gelassen und ist losgefahren.

Ich hatte gewünscht, daß die Situation sich entspannt, bis ich wegfahre, das war natürlich Unsinn. Ich weiß nicht, ob Olmert unser Taschen-Churchill ist und wir eines Tages darüber bitter lachen werden, oder ob wir eines Tages sagen werden, „Donnerwetter, wir haben ihn unterschätzt“. Wir wissen nicht genug. Wir wissen nicht, wie die Kämpfe laufen, wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird. Ich habe das Gefühl, immer stärker, daß es keinen einzigen Toten mehr geben darf, egal wie. Wie läßt sich die Lage stabilisieren, der nächste Angriff verhindern? Ich weiß es nicht.

Ah, ich sehe gerade ein Interveiw mit ihm, und Olmert meint, er hält an seinem Plan fest, die Westbank zu räumen. Ich glaube, das ist prinzipiell die richtige Entscheidung, mir werden es anders anpacken müssen, als gedacht – gibt es eine internationale Truppe, die bereit wäre, die Westbank von iranischen Raketen freizuhalten? Denn nach den Erfahrungen von Gaza und Südlibanon können wir wohl keine weiteren Risiken mehr eingehen…

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