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Lange nicht mehr gehabt Februar 27, 2009, 19:49

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Musik zum Wochenende.

Shalom Chanoch – Ahavat neurai, Liebe meiner Jugend

Arik Einstein – Gitara ve-kinor, Gitarre und Geige

Leah Shabat – Tamid yechaku lcha, du wirst immer erwartet

Secundus Februar 25, 2009, 20:32

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sehe wir kaum noch. Er ist nämlich bis über beide Ohren damit beschäftigt, die Gigantischste Purimwoche Aller Zeiten au die Beine zu stellen, ob in der Schule. Er kommt alle paar Tage mal, gibt mir einen unrasierten Kuß, duscht sich, schmeißt mir die dreckigen Klamotten in die Waschmaschine und erzählt mir kurz, was er gemacht hat. Dann schwirrt er wieder ab.

Vor ein paar Wochen hat er sich mit mir beraten. Er und seine beste Freundin Rotem (seit Babyhaus best friends), die den Kulturausschuß leitet, haben die Idee, dieses Jahr unter dem Motto griechische Mythologie zu feiern. Ob ich Ideen für die Dekoration habe. Dann leiht er sich von Nachbarskindern den Hercules-Film von Disney aus, den haben wir nämlich nicht. Die Kinder gucken ihn zweimal nacheinander an, kichern sich weg und meinen, wir Eltern sind fies, daß wir ihnen so einen lustigen Film vorenthalten haben! Secundus wird sich als Hades verkleiden und auch als solcher bei der Show auftreten. Sie schreiben ein Stück, das mit Pandora anfängt und mehr will er nicht verraten. Aber im Laufe der Zeit hörte ich immer neue Einzelheiten.

Heute kam er wieder, farbverschmiert und müde. Er hat zwei Tage ununterbrochen geschuftet, damit der Dining Room der Schule rechtzeitig als griechischer Tempel erkennbar ist. Und gestern wurde das Thema, das bisher das Geheimnis von Rotem, Secundus und ein paar anderen Besessenen war, allen Schülern vorgestellt. Sie haben ein Lied dazu geschrieben, auf David Bowies Let´s Dance, die Tempel-Dekoration enthüllt und Feuerwerk gemacht. Während das Feuerwerk abgebrannt wurde (von einem professionellen Feuerwerker, der Rotems Mutter kennt), stand Secundus noch auf dem Dach. Er sagt, es hätte sich angefühlt, als würden die Raketen ihm jeden Moment um die Ohren fliegen, und er hat richtige Angst gehabt.

Jetzt ist er also wieder weg. Wir sind eingeladen, nächste Woche, um ihn im schwarzen Hades-Kostüm zu bewundern. Und ich bin mal gespannt auf das Pandora-Stück. Ideen für Kostüme sind herzlich willkommen.

Fast vergessen Februar 25, 2009, 20:19

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zu erzählen. Die Oscar-Verleihung vor ein paar Tagen war die erste, die ich halbwegs wach erlebt habe. Mich hat dieses Spektakel nie besonders  interessiert. Diesmal waren wir alle wegen Valtz im Bashir hibbelig, und außerdem habe ich eine heranwachsende Generation im Haus, die gern Filme guckt. Und Tertia ist Kate-Winslet-Fan.

Tertia hat sich also von sechs bis Mitternacht vorratschlafen gelegt, und dann kam sie ins Wohnzimmer getigert, mit einer Decke für sich und einer für mich. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, war zu müde. Aber Tertia hat tapfer von Anfang bis zu Ende geguckt. Winslets Gewinn hat uns für die Enttäuschung entschädigt, zum zweiten Mal. Vermutlich ist es schwierig, Filme wie Beaufort und Waltz with Bashir zu mögen, sie sind doch eher sperrig, wie Israelis nun mal sind.

Nun ja. Um halb sieben morgens übermüdet mit meiner Tochter warmen Kakao zu trinken, durchzuhecheln, was ich mitgekriegt hatte, und von ihr erklären zu lassen, was ich verschlafen hatte – das war auch schön. Wäre Kino mal nur nicht so teuer hier…

Im Anfang Februar 25, 2009, 10:26

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Gestern abend war ich mit einer Freundin bei einem Abend mit Meir Shalev, in HaZorea, einem Kibbuz hier in der Gegend. Es ging um Shalevs neues Buch, Reshit (im Anfang), das sich wieder mit der Bibel beschäftigt.  Auf Deutsch gibt es das wohl noch nicht.

Shalev geht an die Bibel ein bißchen anders ran als religiöse Interpreten, aber er liest sehr genau. Ein Buch, das mit den Worten Be-reshit, im Anfang, anfängt, mißt Anfängen große Bedeutung zu. Shalev untersucht, wann in der Bibel  zum ersten Mal geträumt, gelacht, geliebt, gekämpft und geweint wird. Gestern sprach er über die Liebe.

Das erste Mal wird die Wurzel אהב  in der Geschichte von der Opferung Isaaks erwähnt. Gott befiehlt Abraham, seinen Sohn zu opfern, “den du liebst”. So wie Gott Himmel und Erde erschaffen und dann benannt hat, so wie Adam den Tieren Namen gab, so gibt Gott jetzt dem Gefühl einen Namen, das Abraham für seinen Sohn hegt: das, was du fühlst, das ist Liebe. Und stellt ihn gleich auf die Probe.

Nach der Opferung teilen sich Abrahams und Isaaks Wege, ein interessantes Detail, auf das ich nie geachtet habe, obwohl ich die Bibel ganz gut kenne. (Und ach, wie schön ist der Urtext!)

Dann wandte sich Shalev der Liebe zwischen Mann und Frau zu. Isaak und Rebekka – zuerst wird geheiratet, dann geliebt, und so will es die Bibel. Das ist die richtige Reihenfolge, denn in der Ehe geht es um Nachkommen, nicht um Gefühle. Jakob, der gegen die Regel verstößt und liebt, bevor er heiraten kann, wird dafür bestraft – durch das Erwachen mit Leah, und Rahels Unfruchtbarkeit.

Shalev liest mit solcher Genauigkeit, daß ich am liebsten Wort für Wort erzählen würde, was er alles gesehen hat. Es war sehr interessant, und meine Freundin und ich haben beschlossen, das Buch zu kaufen. Es war schade, daß wir es nicht schon hatten, wir hätten es nämlich signieren lassen können – ich hab doch so gern signierte Bücher. Und wir hätten den Abend noch mehr genossen.

Meir Shalev meinte zum Abschied: also, mehr Bibel lesen! Schade, daß ich Tertia nicht dabei hatte. Sie schreibt heute eine Arbeit im Fach Bibel und hat dazu nicht die geringste Lust. Das Buch Könige kommt ihr wie eine einzige Abfolge von Krächen und Versöhnungen zwischen Gott und dem Volk vor.  Obwohl sie eine fleißige Schülerin ist, langweilt sie sich in den Bibelstunden und malt ihr Heft voll. Sie malt übrigens wirklich gut.

Secundus dagegen, der eine bessere Lehrerin hat, interessiert sich in letzter Zeit erstaunlicherweise dafür. Seine Lehrerin hat mit den Schülern andere Schöpfungsgeschichten mit der biblischen sehr genau verglichen, mit erstaunlichen Ergebnissen. Wenn mein Secundus, für den die Schule nur ein lästiges zeitraubendes Nebengeschäft darstellt, das interessant nennt, dann ist die Lehrerin gut.

Ich habe ja mehrmals Unterrichtsreihen über biblische Geschichten in der Kunst gehalten, wo dann noch der zusätzliche Kick dadurch entsteht, daß es christliche Maler sind (bis ins späte 19. Jahrhundert), die Szenen aus der hebräischen Bibel (AT) darstellen und eine Art Deutungshoheit gewinnen. Sie bevorzugen natürlich Szenen und Figuren, die sich als Präfiguration christlicher Gestalte und Ereignisse verwenden lassen. Es ist sehr interessant, christliche und jüdische Interpretationen zu vergleichen.

Es war also genau das Richtige für mich gestern abend. Mehr Bibel lesen! Und genau, genau hingucken.

Kreise Februar 24, 2009, 18:34

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Ich habe heute ein *japs* glänzendes Arbeitsangebot gekriegt. Juhu. Näheres demnächst, ich muß erstmal weiter in meine Papiertüte atmen.

Nichts weiter los hier Februar 19, 2009, 14:22

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Ich schreibe nur noch für den drafts folder (wie heißt der eigentlich im deutschen WordPress?). Fiese Viren strecken uns nacheinander nieder, heute ist Y. sogar zuhause geblieben, was selten vorkommt. Damit ich ein bißchen liegengebliebene Arbeit wegschaffe, sperre ich mich per Leechblock selbst aus – nicht als ob es viel hülfe, ich sticke oder häkle dann lieber, statt zu schreiben. Ich habe nun mal den akademischen Ehrgeiz nicht.

Quarta ist heute zehn Jahre alt geworden. Ich bin so froh, daß ich die Kleine habe, wenn sie auch längst nicht mehr klein ist. Die Jungen sind ja praktisch flügge, und Tertia wird auch schon richtig erwachsen.  Die Holzbuchstaben aus Deutschland reichen nur bis 9, die bewahre ich jetzt für eventeulle Enkelkinder auf. Spielzeug brauchen wir auch nicht mehr. Quartas größter Wunsch war eine Swiss card wie ihr Bruder, und sie hat sie auch bekommen, nur noch cooler, mit Taschenlampe.

Ich habe überraschenderweise ein paar ganz gute Angebote für nächstes Jahr gekriegt, jobmäßig. Dabei bin ich ja eigentlich ganz gut ausgelastet. Mal gucken, was draus wird. Ich habe ein paar neue Themen am Wickel. Y. meint immer, mit den Ideen, die bei mir in der Schublade schlummern, könnte ich ein ganzes Regal mit Veröffentlichungen füllen, aber wie gesagt, ich hab diesen Ehrgeiz nicht. Und es tut mir nicht mal leid. Immerhin bin ich vorsichtiger geworden und laß mir nicht mehr von Krethi und Plethi die Ideen aus der Nase ziehen. Es ist mir ja ein paarmal passiert, daß andere aus meinen Ideen und teilweise auch unter Benutzung meiner Materialien ihr Nest gepolstert haben. Na ja, sowas passiert nun mal.

Von dem politischen Kuddelmuddel hier haben wir so die Nase voll, daß wir die Nachrichten ignorieren und statt dessen Romme spielen. Ich hab sogar ein paarmal gewonnen. Ich bin froh, daß wir so abgeschieden leben. Manchmal möchte ich mich wirklich vor aller Welt zurückziehen, auf einen Einödhof (nicht als ob es hier sowas gäbe…)  und mit dem ganzen Mist nichts mehr zu tun haben. Ich kann nur hoffen, daß Netanyahu die goldene Linie zum vernünftigen, konstruktiven, sicheren  Kompromiß  findet und sich weder auf unhaltbare Positionen zurückzieht, die wir dann in fünf Jahren mit Blessuren räumen müssen, noch sich von internationalem Druck ins Spielchen drängen läßt, das nur von uns fordert, jedes Beharren unsererseits auf Einhaltung der Abmachungen von Seiten der Anderen aber als “Friedenshindernis” diffamiert.  Beides kann ich nicht mehr ertragen. Es ist unsere Zukunft, die da auf dem Spiel steht. Und irgendwie hab ich zu Bibi nicht das Zutrauen. Nun, hoffen wir das Beste, dumm ist er ja nicht, nur nervös.  Und endlich mal ne stabile Regierung zu haben wäre ja mal eie feine Abwechslung.

Oh, und im Süden geht der bardak weiter.  Auf kleinerer Flamme, aber er geht weiter.  Auch sehr bedrckend. Keiner weiß, was mit Gilad Shalit wird. Einerseits sehe ich ein, daß die Freilassung brutaler Terrroristen nur dazu führen wird, daß Entführungen weiterhin als lohnend gelten – abgesehen davon, daß diese Terroristen sehr gefährlich sind und weitere Menschenleben zerstören können (die Zahl der Todesopfer als Auswirkungen des Jibril-Deals gehen in die Dutzende). Andererseits ist die Vorstellung, den Jungen aus wie auch immer gerechtfertigten Grundsätzen im Gazastreifen verkimmeln zu lassen, unerträglich. Ich denke da fast permanent dran. Als er von der Hamas verschleppt wurde, war er 19 Jahre alt. Jetzt sind fast drei Jahre vergangen. Soll er unsere Unerpreßbarkeit mit dem Leben besiegeln?

Also, ich habe nichts Neues zu sagen.

Yvet-Net Februar 12, 2009, 19:13

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Am Wahlabend – muß ich irgendwie verpaßt haben. Gefunden bei Carl, wo sich eine englische Übersetzung von Lisa Goldman findet.

For the Hebrew-less, it starts with Bibi and Tzipi simultaneously claiming that each has won the elections. As each calls upon President Shimon Peres to give him/her the first crack at forming a government, Lieberman walks in, so they switch to ingratiating themselves to him. Bibi tells Lieberman that he’s a “lean, mean sex machine” and Tzipi tells him he looks fantastic. “Have they told you you’re a handsome man?” she asks. They both clamour to negotiate with him so that he’ll join their government.

In response Lieberman has his goons move them aside by force. When Bibi objects, Lieberman shoots a bullet at his foot. “Walla, he’s serious!” says Bibi, as the black-clad goons hustle him and Tzipi into a cell.

The lights dim, the Yisrael Beiteinu banner is unrolled, and Lieberman addresses the nation:

“Good Morning, Israel,” he begins. “Citizens, second-class citizens, third-class citizens – and Arabs. I declare the founding of a Jewish state called Yisrael Beiteinu. Applause.” (the audience obediently applauds, then stops as soon as Lieberman raises his right hand).

“The elections were a marvelous experience and they were also a final experience. There will be no more elections. Mina [a famous pollster], your next poll will be called, ‘What do you think of the leader?’ And the answers will be: (a) He is excellent; (b) He is great; (c) He’s totally hot, I’d leave him nothing but his socks and do him right here and now; (d) All answers are correct with the addition of coconut oil. Applause plus whistles.” (the audience obediently applauds and whistles, then stops on command).

“Regarding the rest of the choices, I decide as follows. On planes, regarding chicken or beef – beef. For weddings, garden or indoor event space –  indoor event space. On Galgalatz (army radio), Madonna or Shakira – Madonna. Regarding leftists: If you voted Hadash, you will receive a new (hadash) passport (the leftwing party’s name is an acronym for the Democratic Party for Peace and Equality, but it also means ‘new’). Applause. Now lower the volume of the applause. Raise it again. Now applaud according to a jazz rhythm.”

Kitzis, the news anchor, interrupts and asks, “Mr. Lieberman, would you allow me to ask you a question from the studio?”

Lieberman: “No, I won’t.” (laughter). “Which reminds me, regarding television (he picks up a remote control with the Yisrael Beiteinu symbol on it): this is your new remote control. There is one button, and a variety of one channel. You can watch Lieberman TV. The other channels have moved to the History Channel. Regarding Internet – there’s no need. From now on, there’s Yvet Net (Yvet is Lieberman’s nickname). You can send us your questions by email, and one of our representatives will contact you with a notice of indictment. Good morning, Israel.”

Kitzis interrupts again: “Mr. Lieberman, with all due respect, there’s no guarantee that you will even be a senior minister in the coming government – let alone prime minister. And there’s also the matter of the police investigations [into your affairs].”

Lieberman: “Don’t worry, I will investigate the police fairly and firmly (the slogan used by the army to describe the means used to evacuate settlers from Gush Katif in 2005).”

Lieberman calls one of the muzzled German shepherds and hands him a police cap to sniff. “Snoopy, find the chief of police! Catch him! Eat him! Go!”

Kitzis: “Ooookay, with that I must return the broadcast to Yonit Levy (the Channel 2 news anchor).”

Lieberman holds up his hand and says, “Leave Yonit to me!” He brandishes a taxi light (because Yonit’s boyfriend is the host of a game show called ‘Money Taxi,’) and calls to another muzzled German shepherd, “Roxy! Smell this! Go! Eat Yonit! Go!”

And with that, Kitzis hands the show over to Yonit.

Ich fand es lustig.  Ohne ein bißchen Blödelei müßte man ja trübsinnig werden.

ETA: wer mehr Eretz Nehederet (Wunderbares Land) sehen möchte, der kann sich ja mal den Clip “Israel erklärt dem Ausland den Krieg” angucken. Auch der BBC-Reporter ist gut getroffen,  ebenso der unerträglich kriegsbegeisterte Roni Daniel.

Kleinigkeiten Februar 11, 2009, 19:03

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Kadima dringt in traditionelle linkswählende Kreise vor. Wohlhabende Städter, die sonst immer Avoda oder Meretz gewählt haben, sind zu Kadima übergeschwenkt. Kibbuzim, auch unserer, wählen Kadima. Meretz hat noch immer die meisten Stimmen bei uns gekriegt, aber gleich danach Kadima. Das ist ohne Zweifel ein Schwenk nach rechts – Kadima als Linke, die sich die Augen reibt, aus ihren Träumen erwacht.

In Majd el Shams und anderen drusischen oder gemischten Städtchen hat Lieberman erstaunlichen Zulauf gefunden. Auf seiner Liste ist ja auch ein Druse. Die Spannungen zwischen Arabern und Drusen finden also ein Ventil in der Wahl Liebermans.

Die arabische Partei Chadash wiederum hat neue jüdische Wähler gefunden, vielleicht auch wegen ihrer grünen Inhalte. Andere grüne Parteien haben es ja nicht geschafft, auch Meimad nicht, eine ganz interessante Verbindung von sanftem Judentum und grünem Säkularismus.

In Nahaufnahme sind diese Wahlen wirklich hochinteressant. In Städten wie Karmiel haben 30% der Einwohner Lieberman gewählt. Y. arbeitet in der Nähe von Karmiel und er sagt, das sind die russischen Einwanderer, die Lieberman als “einen der Ihren” empfinden und für ihn wählen. Das verwundert nicht, es verwundert eher, wie er es schafft, auch andere Wähler zu finden. Er ist der erste “russische” Politiker, der diese Barriere überspringt. Auch seine säkularen Forderungen (nach Zivilehe zB, aber auch nach Änderung des verkorksten Wahlrechts) finden Widerhall – auch bei eigentlich eher “linken” Wählern.  Sie sind mehrheitsfähig.

Die Peripherie hat Likud gewählt, die Städte und Kibbuzim Kadima.  Aber die Einzelheiten interessieren mich.

Ausgeblieben Februar 10, 2009, 23:37

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ist der klare Rechtsruck, der mit wohligem Grausen schon vorhergesagt wurde. Die beiden “Blöcke”, rechts und links, sind fast gleich groß, und da in den letzten Jahren mal dieser, mal jener ein bißchen zugelegt hat, kann man nicht von einem Erdrutsch oder so sprechen. Kadima scheint größer zu sein als unter Olmert, und die Likud hatte letztes Mal so ein mieses Ergebnis, daß sie mit ihrem Erfolg eigentlich nur auf ihre alte Größe zuruckgewachsen ist. Und sie sah noch vor ein paar Monaten wesentlich kräftiger aus. Netanyahu hat viele Stimmen an Lieberman abgeben müssen.

Doch Lieberman ist nicht ganz so groß geworden, wie viele, auch ich, es gefürchtet hatten. 15 Mandate ist beachtlich, und er wird Königsmacher, aber es schwirrten in den letzten Tagen Zahlen über 20 durch die Luft.

Shas ist weggebrochen, es kann auch sein, daß das eine Reaktion auf ihr Verhalten im Oktober ist. Als die Shas Livni auflaufen ließ, beim Versuch, eine Koalition zu bauen. Livni ging auf die Forderungen der Shas nicht ein, und darum haben wir heute die Wahlen. Shas hätte uns die ersparen können, hätten sie auf den Erpressungsversuch  verzichtet.

Auch Avoda und Meretz haben schwer verloren. Meretz hat einen blassen Wahlkampf gemacht, und wenn am Wahltag Raketen im Süden fallen, lassen sich imt Friedensparolen keine Stimmen holen. Selbst in den Kibbuzim hat Kadima mehr Stimmen geholt als Avoda und Meretz. Baraks relativer Erfolg als Verteidigungsminister hat nicht geholfen  – sein negatives Image sitzt zu fest, und sein militärischer Ruhm verträgt sich schlecht mit seiner Rolle als Taube im Trio mit Livni und Netanyahu. Unstimmigkeiten allüberall. Wenn die Arbeiterpartei eine Renaissance erleben will, wie Netanyahu es geschafft hat, muß sie sich neu erfinden.

Die arabischen Parteien sind, soweit es bisher zu beurteilen ist, in etwa gleich groß geblieben. Das bedeutet hoffentlich, daß der Wahlboykott ausgeblieben ist, den ich ja für ein untaugliches Mittel halte.

Die Rentnerpartei hat ausgespielt  – sie hat sich in der Knesset so lächerlich gemacht mit Binnenkämpfen und dummen Intrigen, daß sie nicht mehr zu retten war. Grünes Blatt, Grüne, alle möglichen anderen Kleinstparteien sind ebenfalls nicht drin.

Viel hängt von Lieberman ab. Er ist nicht nur Zünglein an der Waage, sondern eine ausgewachsene Zunge. Ohne Zustimmung seiner Fraktion geht kein Vorschlag für das Amt des Premierministers durch.

Oh, Barak hält seine Rede zur Niederlage. Nicht einfach. Zitternde Stimme, gesenkter Blick. Im Publikum Tränen. Immerhin weiß er, daß er verloren hat. Bei Zippi und Bibi wird es schwieriger. Jeder von ihnen wird eine Siegesrede halten. Da die Verlierer immer zuerst die Rede halten, geht schon das Geraune los: wer als erster redet, outet sich als Verlierer. Ach das Spiel, nur kein Gesicht verlieren, aber auch: die Chancen nicht senken, den Premier zu stellen.

Ich glaube, ich bleibe noch ein bißchen wach. Y. ist schon im Bett, er ist jetzt im schweren Stadium des Virus, das ich vorgestern hatte. Ihm kam der Wahltag gerade recht, ein Tag Ruhe.  Was morgen, übermorgen, nächste Woche, nächstes Jahr ist — ach, ich hoffe, es wird trotzdem etwas Gutes herauskommen. Wir haben ja nicht mal die endgültigen Zahlen.

(Oh, und ausgeblieben ist auch die riesige Provokation der extremen Rechten  in Umm el Fachm. Die Polizei hat Marzel aufgehalten, und Eldar ist nicht so eine provokante Persönlichkeit.)

Verkehrte Welt, Wahlausgabe Februar 9, 2009, 22:37

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Der Sohn des spirituellen Kopfs der Shas-Partei empfiehlt die Wahl der Partei “Ichud Leumi”, Nationale Enheit. Der Sohn von Itzhak Rabin stellt sich hinter Netanyahu, den bittersten Kritiker seines Vaters. Zipi Livnis Bruder macht öffentlich Reklame für Netanyahu, den Rivalen seiner Schwester.

Mein Mann weiß immer noch nicht, was er wählen soll.

Negev Februar 7, 2009, 21:08

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Wir konnten heute nur kurz bei Primus bleiben, denn der Junge hatte mittags Küchendienst. Eigentlich war er ja für abends eingeteilt, aber nachdem der für mittags verdonnerte Freund bitter enttäuscht war, daß er seine Eltern nur so kurz sieht…. meinte der stets hilfsbereiter Primus, er und seine Eltern stecken das weg, und er übernimmt die Mittagsschicht. Wir haben ihm die Entscheidung überlassen. Er hat nur von neun bis halb zwölf Zeit? Gut, wir sind um neun bei ihm. Bei zweieinhalb Stunden Fahrt ist das ganz schön früh.

Wir wollten also um fünf aufstehen, und ich denke lieber nicht darüber nach, wie lange ich gestern nacht noch in der Küche stand, um meinem Jungen dies und jenes Leckerchen zuzubereiten… Und dann hatten wir noch der Mutter von Primus´ Schulkamerad versprochen, daß wir für ihren Sohn auch ein Päckchen mitnehmen, natürlich um halb sieben  früh, kein Problem. Gott sei Dank rief sie mich um viertel nach sechs an, um sicherzugehen, daß wir sie nicht vergessen. Oh nein. Wir hatten nur das Aufstehen vergessen. Trotzdem haben wir es geschafft, bis um sieben mit allem Krims und Krams und den Mädchen im Auto zu sitzen. So richtig wach waren wir erst, nachdem wir uns auf der Nr. 6 einen Kaffee gekauft hatten. Die Fahrt ging schnell.

Primus war nicht so vergnügt wie am Telefon, er ist erschöpft. Er hat eine fiese Bronchitis, hustet ohne Unterlaß, schläft deswegen schlecht (und sein Schlaf ist sowieso knapp bemessen), und er hat einen üblen Sonnenbrand. Mutters Ratschläge und Sonnencreme nimmt er unwillig entgegen. Leider kann ich ihn nicht mehr auf mein Fahrrad packen und zum Arzt schleppen. Na ja, ich habe ihm dann mit moderater Gewalt ein Dexamol Cold eingeflößt, er hat mein Herz mit Lobpreis auf meine Meister-Frikadellen und meinen Kartoffelsalat erfreut, und fand die neugekauften Campingsessel besonders bequem. Dann mußte er schon gehen. An der Anstrengung, die es ihn und mich jeweils kostet, dem anderen den Abschied so leicht wie möglich zu machen, erkenne ich, wie schwer es auch ihm fällt.  Da müssen wir durch.

Immerhin hat er ganz interessante Zukunftsaussichten, davon erzähl ich aber erst, wenn was draus wird!

Auf dem Rückweg waren wir dann endlich, endlich am Monument von Dani Karavan, das ich bisher nur von fern gesehen hatte. Es war ein wundersames Erlebnis. Die Mädchen waren zuerst etwas muffelig: waaas, ein Monument? Ach neee… Aber dann waren sie beide begeistert.  Y. konnte ihnen den militärischen Hintergrund erklären (sie wußten beide schon ganz gut Bescheid über die Palmach), und ich konnte an strategischen Punkten strategische Fragen stellen, damit ihnen klar wird, was sie eigentlich sehen.

Das Monument liegt auf einem kahlen Hügel, und es ist aus Zement in demselben Farbton erbaut. Es ist eine Komposition, die an Gebäude erinnert, aber kein Gebäude wirklich ist. Ein Labyrinth, Grabkammern, eine Verteidigungsanlage, eine Kuppel, ein gewölbtes Dach, eine Wasserrinne… in schlichten, teils organischen, teils geometrischen Formen.

Man muß sich das Monument erlaufen, erklettern, erarbeiten. Sobald man den Platz wechselt, sieht alles ganz anders aus. Und wenn man es eine Weile erforscht hat, fallen einem die Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen auf. Dann denkt man: wie sieht das bei Nacht aus? was passiert bei Regen? wenn der Wind stark durch die Löcher pfeift? Und dann wird die ganze Anlage richtig lebendig.

Eine Art Wasserturm überragt die ganze Anlage, leider war die Treppe abgeschlossen. Er ist durchlöchert, so wie die durchschossenen Wassertürme der Ortschaften im Unabhängigkeitskrieg. Das Monument erinnert ja an 324 Kämpfer und Kämperinnen der Palmach, die den Negev gegen die Ägypter hielten. Am eindrucksvollsten ist wohl die in der Mitte von einem Schlitz durchzogene, ebenfalls von Löchern durchbohrte Kuppel, in der alle Namen an den Wänden zu lesen sind – einfach negativ in den Zement eingelassen. Jeder Schritt hallt, und wenn man spricht, zittert die Kuppel und das Echo antwortet. Der Lichtstrich durchteilt den Himmel, die Löcher wirken von innen wie Sterne – oder eben doch wie Einschußlöcher.

Es ist möglich, dieses Monument wie einen Abenteuerspielplatz zu erfahren. Es ist möglich, es wie ein statisches Monument für die Kämpfer im Negev zu erfahren. Es ist möglich, es als Apotheose der subtil-dramatischen Landschaft des Negev zu sehen. Es ist möglich, es wie ein zeitloses Stück Kunst zu erfahren, in dem Zeit und Ort, Erinnerung und Idee, Material und Form zusammenschießen. Ich wußte, daß Dani Karavan mich beeindrucken würde, aber ich wußte nicht, wie sehr.

Ein altes Bild – inzwischen ist die Umgebung ein bißchen bewohnter.

Leider hatten wir keine Kamera dabei, aber ich gebe hier einfach mal drei Adressen, wo man Bilder sehen kann.

Eins, zwei, drei.

Ein Iraki in Israel Februar 7, 2009, 18:39

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Wir sind heute in den Süden gefahren, Primus besuchen. Dabei sind wir die Straße durch Wadi Ara gefahren, also über die Kreuzung von Megiddo, Umm el Fachm und die anderen arabischen Städtchen, bis wir die Schnellstraße 6 erreicht haben. Ich staune immer, wenn wir durch Wadi Ara fahren – ein ungebrochender Bauboom, große und prächtige Häuser, und im Gegenteil zu den knapp bemessenen, einheitlich gehaltenen jüdischen Städtchen, die mit jedem Quadratmeter geizen, wirken die Häuser individuell und sehr geräumig. Dann im Süden – die Beduinen in ihren Blechhütten mit Satellitenteller auf dem Dach, Kamelen und Autos vor der Tür. Verschiedene Ansichten von Arabern in Israel.

Wir haben uns auf dem Weg dann genau darüber unterhalten: Araber in Israel, was wir versäumt haben, was die Araber versäumt haben, der große Graben, der immer weiter aufbricht, und wie man es noch verhindern könnte. Über Lieberman will ich ein andermal was sagen, aber nicht jetzt, sonst verwickle ich mich. Ich wünschte jedenfalls, die Araber würden nicht mit Wahlboykott reagieren, nicht mit Verweigerung. Wenn sie sich dann nicht repräsentiert fühlen, wird die Entfremdung nur noch stärker empfunden. Ich bin kein Fan von Achmed Tibi, aber wenn die Araber in Israel sich vertreten fühlen wollen, müssen sie vernünftige Politiker in die Knesset schicken, die ihre Interessen durchsetzen. Es besteht ja auf allen Seiten ein Vakuum, bei Arabern und Juden, und ich verstehe den Zorn auf die arabischen Parteien, die mehr mit Profilpflege als mit Alltagsarbeit beschäftigt sind, und auch auf die zionistischen Parteien.

Ich würde mir wünschen, daß die Araber in Israel versuchen zu verstehen, warum die Juden reagieren, wie sie reagieren – oder daß sie eine konstruktive Strategie vorschlagen, zB gegen die Qassams. Leider ist mir nicht erinnerlich, daß sich ein Politiker wie Tibi da für eine Verständigung und Verhinderung weiteren Beschusses aus dem Fenster gelegt hätte. Aber gut, einer versteht den anderen nicht. Für die Araber war die Aktion in Gaza ein einziges Kinder-Schlachtfest ohne Grund und Anlaß, und das nehmen die Juden den Arabern übel. Und so geht es immer weiter. Viele Juden mißtrauen den Arabern grundsätzlich, weil sie sie im Verdacht haben, daß sie den Staat grundsätzlich abschaffen wollen – was viele zB von den fundamentalistischen Moslems auch offen sagen und andere vermutlich denken.

So leben wir zusammen, in diesem Staat, und eigentlich wäre es doch ganz einfach. Die Juden haben die Araber nicht vertrieben, wie die Araber ihre jüdischen Bevölkerungen vertrieben haben. Der jüdische Staat läßt eine Minderheit nicht nur zu, sondern hat ihr von seiner Geburtsstunde an gleiche demokratische Rechte gegeben. Daran ändert auch Diskriminierung nichts – eine Diskriminierung, über die auch Juden aus arabischen Ländern in Israel oft geklagt haben, Stichwort ashkenazische Elite…

Wenn wir nicht begreifen, daß wir dieselben Interessen und Belange haben, weil wir nun mal in diesem Boot sitzen und Sturm und Wellengang gemeinsam mitmachen, dann sind wir irgendwann nur noch damit beschäftigt, die Pumpe zu bemannen. Ich habe die ganze Fahrt darüber nachgedacht, was jetzt vielleicht noch zu retten wäre. Welche unangenehmen Wahrheiten über sich selbst jede Seite mal einsehen müßte.

Und dann habe ich vorhin beim Zeitunglesen diesen Artikel gefunden.

In keinem einzigen arabischen Land lebt ein Palästinenser so gut wie sie [die Palästinenser in Israel]. Ich will nicht sagen, dass alles vollkommen ist. Das ist es natürlich nicht, aber wenn Sie vergleichen, dann muss man es einfach zugeben: In keinem anderem arabischen Staat haben die Palästinensern so viele Rechte wie in Israel. Selbst jetzt in der Gaza-Krise: Es herrscht Meinungsfreiheit; die Palästinenser können wählen. Zwei palästinensische Parteien wurden im Vorfeld der Wahlen verboten. Das israelische oberste Gericht hat diese Verbote aufgehoben. Das gibt es in keinem arabischen Staat – nicht in Ägypten, nicht im Libanon, nirgends.

Wer sagt das? Ein konservativer israelischer Politiker? Ein amerikanischer pro-israelischer Christ? Ein Blogger aus meiner Blogroll? Mitnichten.

Es ist der Iraker Nadjem Wali, der Israel bereist hat und darüber ein Buch geschrieben hat.

Ich schreibe schon seit einiger Zeit regelmäßig Kolumnen für “al-Hayat”, der größten arabische Zeitung. Immer wenn es zu Selbstmordattentaten kam, habe ich diese verurteilt. Das hat mir in bestimmten Kreisen nicht gerade Freunde gemacht. Ich gehöre zu einer kleinen Gruppe von arabischen Schriftstellern, die offen wagt, diese Gewalt zu verdammen. Mit diesem Buch habe ich noch mehr gewagt: Ich bin nach Israel gereist. Dieser Reisebericht ist einmalig in der Geschichte der arabischen Literatur. Denn von Israel, unserem Hauptfeind, haben wir nur ein offizielles Bild und dagegen schreibe ich an.

[…]

Ich gelte als Verräter. Das kann vor allem für meine Familie im Irak gefährlich werden. Übrigens habe ich auch einige deutsche Freunde verloren, die es nicht akzeptieren konnten, dass ich ihren Vorurteilen widerspreche.

Oh ja, das kann ich mir irgendwie total gut vorstellen. Ich hab auch ein paar Freunde verloren!

Weiter. Es liest sich sehr, sehr interessant.

In den arabischen Gesellschaften gibt es einen Kodex. Danach spielt das Individuum keine Rolle. Dieser Kodex gilt natürlich auch in der Politik. Im arabischen Selbstverständnis gibt es einen gemeinsamen Feind; der heißt Israel. Gegen diesen Feind darf man nicht aus der Reihe tanzen. Freilich ist in meinem Fall auch Neid dabei. Ich kenne viele Kollegen, die mir sagen: “Ich wäre auch gern gefahren”. Aber sie haben sich nicht getraut. Individualität ist im arabischen Raum nicht gern gesehen, vor allem, wenn man wie ich das offizielle Feindbild nicht mittrage. Ich habe den Israeli, unseren Feind, als einen Menschen beschrieben. Dieser Feind hat Angst wie wir. Er ist uns in vielem ähnlich. Wir sitzen mit ihm am Tisch der Verzweiflung. All das soll im offiziellen Bild von Israel nicht auftauchen.

Wenn ich das gesagt hätte, würde der wohlmeinend kritische Leser sagen: ach, wie sie generalisiert! wie ihre Vorurteile gegen Araber wieder durchkommen! Aber ich glaube,  Wali ist unverdächtig. Individualität und eigenständiges Kritisieren als wahr akzeptierter Propagandalügen sind tatsächlich in der arabischen Welt unerwünscht, wohl noch unerwünschter als überall sonst. Denn gegen den Strom schwimmen ist überall schwer.

Dann erzählt er Dinge, die ich schlicht nicht wußte, über den Irak.

Die Iraker fühlen sich schon seit Jahren von den arabischen Brüdern im Stich gelassen. Und was die Palästinenser betrifft, so sind die Iraker auf die Palästinenser auch durch deren Zusammenarbeit mit Saddam Hussein nicht gut zu sprechen. Darüber hinaus dürfen Sie nicht die lange jüdische Geschichte im Irak vergessen. Diese gemeinsame Geschichte hat dazu geführt, dass viele Iraker sich fragen: “Warum soll Israel unser Feind sein?” Es gibt Hass auf Israel bei den alten Saddam-Leuten, bei alten Baathisten, den Islamiten, den al-Sadr-Leuten, den radikalen Schiiten. Doch die Mehrheit der Bevölkerung, besonders im Süden, hat mehr Sympathie für die Israelis als für die Palästinenser. Es gibt beispielsweise einen irakischen Abgeordneter, der kürzlich zum zweiten Mal in Israel war. Daraufhin hat ihn die Mehrheit des irakischen Parlamentes ausgeschlossen. Er hat sich wieder eingeklagt mit Hilfe des obersten Gerichtes. Nun bei den jüngsten Wahlen ist er mit einer größeren Mehrheit als beim letzten Mal wiedergewählt worden.

Daß es im Irak Menschen gibt, denen Israel näher steht als die Palästinenser, das wußte ich wirklich nicht.

Und wenn er über das Palästinenserproblem spricht, dann könnte ich es sein, die das geschrieben hat. Kommt es vielleicht jemandem bekannt vor?

Es ist so schön leicht für die arabischen Regierungen zu sagen: “Tut uns leid, eine Demokratie kann es erst geben, wenn der Palästina-Konflikt gelöst ist. Armut? Ja die gibt es, aber wir brauchen das Geld für die Armeen, die Palästina befreien müssen.” Und das hört man bei jedem Problem. Wir werden mit Palästina erpresst.

[…]

In den arabischen Ländern löst man das palästinensische Flüchtlingsproblem bewusst nicht, damit – so die offizielle Begründung – die Palästinenser nicht ihre Identität verlieren. Wenn wir sie wie gleichberechtigte Bürger behandeln, dann werden sie ihre Identität vergessen. Deshalb bekommen die meisten von ihnen keinen Pass und kein Ausweis. Sie müssen weiter in Lagern leben, bis Palästina befreit wird. Die Palästinenser in Israel haben viel mehr Freiheiten und Rechte als die Palästinenser in arabischen Staaten. Ich war in Haifa und habe dort lange mit den Palästinensern gesprochen. Sie sind freie Bürger. Sie haben ihre Volksvertreter im israelischen Parlament. In den arabischen Ländern haben die Palästinenser nur eine Rolle: Sie werden als fünfte Kolonne gegen die Einheimischen eingesetzt.

Und so aufmerksam, wie wir Wali zuhören, wenn er die arabische Seite kritisiert, so offen müssen wir auch sein, wenn wir darüber sprechen, warum Araber sich im Staat unerwünscht und fremd fühlen, und warum die Eltern des neulich an der Grenze zu Gaza getöteten beduinischen Soldaten den Namen ihres Sohnes nicht genannt haben wollten – sie hatten Angst vor dem Zorn der Nachbarn. So unbeliebt ist der Dienst in der israelischen Armee bei Beduinen schon geworden. Und das sollen allein die Beduinen Schuld sein? Ganz bestimmt nicht.

Was brauchen Soldaten-Eltern? Februar 6, 2009, 11:46

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Richtig. Eine Camping-Ausrüstung. Wir werden nächstes Wochenende wieder mal zu Primus fahren, und da er sich von der Basis nicht entfernen darf, werden wir ein weiteres Picknick veranstalten. Da die Zahl der  Picknick-Ecken auf dem Parkplatz vor der Basis (fürwahr ein lauschig Plätzchen…) begrenzt ist, und auf die Dauer das Sitzen auf Steinen und Decken popoweh macht, kramen wir die alten Ausflugs-Utensilien hervor. Für manches sind die Damen und Herren Kinder zu groß geworden. So kaufen Y. und Tertia gerade ACE leer. Mir scheint, wir werden diesen Kram noch viele Jahre brauchen…

Aber juhu, am Wochenende sehn wir Primus! Er hat sogar zwischendurch mal angerufen. Trotz etlicher Strapazen klang er ganz vergnügt. Gut, daß der Junge so ausgeglichen ist und nicht zum Klagen neigt. Und wir werden Klappstühle und Thermos-Kaffee mit ähnlichem Heroismus ertragen, bis das jüngste unserer Kinder der Armee Adieu sagt. Hm, so gegen 2019.

Stets aktuell – Februar 6, 2009, 11:18

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der Qassam-Ticker. Heute früh zwei Stück, im Gebiet Shaar ha Negev und südlich von Ashkelon. Die Grad-Rakete im Stadtzentrum von Ashkelon am Dienstag hatte ich erwähnt? Nein, ich glaube, die habe ich unterschlagen. Wie viele andere Raketen. Ich komme einfach mit dem Tickern nicht hinterher.

Lesenswert Februar 6, 2009, 10:23

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Bei Liza gefunden: Lehming im Tagesspiegel über die verschiedenen Maßstäbe, die an Christen und Moslems angelegt werden, wenn es um Antisemitismus geht.

Muslime sind etwas rückständig, sie haben viel unter westlichem Kolonialismus gelitten, ihr Groll auf den Staat Israel ist verständlich, man darf nicht jedes ihrer Worte auf die Goldwaage legen: Ein solch impliziter Rassismus durchzieht die zu Recht lebhafte Debatte über die Rehabilitierung des Holocaustleugners, Bischof Richard Williamson. Denn eine Frage drängt sich auf: Warum wird beim Papst und der katholischen Kirche die historisch-moralische Messlatte sehr hoch gelegt, im Fall Tausender Imame und islamischer Gelehrter aber bewusst ganz niedrig? Warum darf ein katholischer Geistlicher auf keinen Fall die in Auschwitz Ermordeten verhöhnen, während in vielen Freitagspredigten in der muslimisch-arabischen Welt die “Lüge vom Judenmord” und das “Märchen von den Gaskammern” gängige Metaphern sind?

Albern Februar 6, 2009, 8:24

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Das kommt davon, wenn man morgens fernsieht! Da haben sie nämlich gerade über diese Seite gekichert.

rikud

Wenn man unten auf die grauen Tasten drückt, tanzen sie. Jeder hat sein eigenes Repertoire, mit passendem Gesichtsausdruck. Man darf auch abstimmen, wer der beste Tänzer ist.  Danke, Internet.

Denkmäler setzen Februar 5, 2009, 20:27

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sollte man den Töchtern des Arztes Abu al-Aish, über den ich schon öfter geschrieben habe. Die Armee hat heute die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlicht: wie der Vater von Anfang an gesagt hat, waren es Geschosse eines israelischen Panzers, die seine Töchter töteten, und in seinem Haus waren keine Waffen. “Meine Mädchen waren mit Liebe, Wissensdurst und Bereitschaft zum Frieden bewaffnet”, sagt er, und so war es wohl auch. Seine Älteste, eine BWL-Studentin, war Teilnehmerin bei einem Friedenscamp mit israelischen Studentinnen, und ihr Vater wird weiterhin israelische Patientinnen behandeln.

Wie mein Mann von Anfang an vermutet hat, hatte die Hamas wohl bemerkt, daß der bekannte Arzt mit den guten Verbindungen es kurz vor dem Unglück durch seinen Einfluß fertiggebracht hatte, einen israelischen Panzer aus der Nähe seines Hauses entfernen zu lassen. Und sich mit Scharfschützen in einem Haus ganz in der Nähe niedergelassen. Er war ja bekannt genug. Der Golani-Offizier, der den fatalen Befehl gab, wartete vorher eine halbe Stunde ab. Er glaubte, die sich bewegenden Menschen seien Scharfschützen. Es waren aber die Töchter und die Nichte des Arztes. Die Soldaten bemerkten ihren Fehler und halfen bei der Evakuierung der Verletzten, aber für die vier jungen Mädchen kam die Hilfe zu spät.

Und was sagt der Vater heute, nachdem die Armee sich bei ihm entschuldigt hat?

“First of all, I would like to thank all those who worked, and had the courage and good conscience to shed light on the truth that I always believed. Thank you to everyone who took upon themselves to publicize this truth seeking investigation,” Abu al-Aish said in an interview with Channel 2.

The Palestinian doctor went on to say “I have two options – the path of darkness or the path of light. The path of darkness is like choosing all the complications with diseases and depression, but the path of light is to focus on the future and my children. This strengthened my conviction to continue on the same path and not to give up.”

Abu al-Aish did not neglect to thank the Israelis who met with him and offered him strength, saying “the love that I’ve received, from people I knew and people I didn’t know, gave me strength.”

Das sind die Menschen, die mir Hoffnung geben – nicht umsonst wieder ein Arzt. Wirklich ein Licht in der Finsternis. Wer weiß, wie viele Menschen es gibt, die sich auch durch unvorstellbares menschliches Unglück nicht in Haß und Verbitterung treiben lassen. Denn das ist nicht zwangsläufig. Es ist eine Wahl, die der Mensch trifft. Abu al-Aish hat seine Wahl getroffen. Ich wünschte, viele würden sich daran ein Beispiel nehmen, und seine Worte nicht vergessen. Und auch die Töchter und Nichte nicht, Bisan, Mayar, Aya und Nur.

Letzter Tag der Umfragen Februar 5, 2009, 20:05

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Ab heute dürfen keine Umfragen mehr veröffentlicht werden.

Ich: Wenn Lieberman weiter so zulegt, dann wird er am Ende noch Premierminister.

Y. (grinsend):  Das würde ich Bibi, Zippi  und Barak gönnen…

Wie Lieberman es geschafft hat, sich als Protestwahl der Unzufriedenen zu positionieren – keine Ahnung. Jemand meinte, daß ein politischer Berater (Arthur Finkelstein?) zu Lieberman gesagt hat: die Israelis sind im Moment zornig. Mach einen auf zornig, dann wählen sie dich. Seitdem zürnt Lieberman den Arabern, den Nicht-Lieberman-Wählern, dem “Establishment” (dem er angehört) und allem, was sich rührt und regt. Es scheint zu funktionieren. Zornige Israelis werden Lieberman wählen. Ich habe auch das eine oder andere Zörnchen, aber so weit würde ich dann doch nicht gehen.

Der Wahlkampf gegen Livni setzt natürlich, genau wie bei Merkel, auf die “Frauen können es doch nicht”-Schiene. Die armen kleinen Dinger! In Deutschland hieß es “kann die dat?”, hier säuselt eine Frauenstimme “ze gadol aleiha”, das ist einfach zu groß für sie. Im Hintergrund grau in grau Zippkele, wie sie verzweifelt das blonde Köpfchen in den Händen vergräbt. Maria Theresia, Margaret Thatcher, Golda Meir und noch ein paar andere zaghafte, putzige kleine Mädchen schluchzen vermutlich in ihren Staatsgräbern.

Es gibt durchaus Leute, die glaubwürdig sagen, daß es Zipi an Führungsqualitäten und Kompetenz fehlt – ebenso wie es bei Netanyahu Geraune gibt über seine Unfähigkeit, unter Druck kühl zu bleiben, und aus Baraks Umgebung seine Neigung zur Unbelehrbarkeit und hermetischen Abriegelung beklagt wird. Kein idealer Kandidat in Sicht.

Die Umfragen gleichen sich alle. Das rechte Lager wird größer, aber ich erinnere alle, die darüber erschrecken, an Menachem Begin und den Frieden mit Ägypten. Eine Wahl Netanyahus bedeutet noch nicht, daß Israel sich verbuddelt. Sollte es Bewegung auf der palästinensischen Seite geben, wird auch eine Regierung unter der Likud zu Zugeständnisssen bereit sein.  Der Ball liegt eindeutig bei den Palästinensern. Die Unterschiede zwischen unseren Kandidaten sehe ich weniger in der Sache und tatsächlich mehr im kühlen und gleichzeitigen offenen Kopf.

Oh, Quarta schaltet gerade den Fernseher an, und da lächelt Bibi schon ganz staatsmännisch. “Die Leute wollen mich als Premierminister”, wiederholt er dreimal. “Wie der sich gern hat”, meint Quarta empört. Tja, Politiker eben. Die sagen alle öfter “ICH” als ein Dreijähriger im Meltdown.  Siedlungen will er nicht räumen, “wo wir räumen, stößt die Hamas rein”. Illegale Siedlungen, das ist was anderes, aber auch die würde er lieber ohne Gewalt räumen. Fair enough.

Seine Kürzungen bei den Sozialleistungen vor ein paar Jahren verteidigt er, er meint, es war gut für die Wirtschaft. Er schnalzt energisch mit der Zunge, klappert weniger als sonst mit den Augendeckeln. Wenn ich ihm zugucke, denke ich mir immer dieses Klapp-Klapp aus der Sendung mit der Maus dazu.  Daß keiner denke, die anderen flößten mir mehr Vertrauen ein – nein.

Die heutigen Umfragen werden also bis auf den letzten Tropen ausgequetscht, dann dürfen keine mehr veröffentlicht werden.

Junge Filmemacher Februar 3, 2009, 18:36

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Morgen fährt Secundus mit seinem Film-LK zu einem Treffen junger Filmemacher mit Regisseuren und Schauspielern. Der bekannteste von ihnen ist Ari Folman, der Regisseur von Waltz with Bashir. Secundus freut sich, und ich würde am liebsten mitfahren.

Vorhin, vor unserem Fenster Februar 3, 2009, 16:34

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drara

drarot-1

drarot-2

Das sind Drara-Papageien, die hier im Norden frei rumfliegen und die Blüten am Baum vor unserem Fenster besonders gern mögen.

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