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Auf Jobsuche September 28, 2014, 9:51

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Könnt Ihr Euch einen Politiker vorstellen, der sich selbst so auf die Schippe nimmt? Mir fällt keiner ein.

Jedes Jahr… September 1, 2014, 9:19

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… ein großer Tag. Am 1. September fängt die Schule wieder an. Ich kann mich nicht erinnern, ob das in Deutschland jedes Jahr so zelebriert wird – hier fangen am 1. September alle Nachrichtensendungen mit ausführlichen Berichten an (die Zeitungen auch), und jeder Politiker, der auf sich hält, muß irgendwo mit i-Dötzchen abgelichtet werden. Manchmal gibt es Aufregung, weil die Lehrer streiken. Ich werde nie vergessen, wie enttäuscht mein Secundus war, weil sein erster Schultag durch einen Lehrerstreik immer wieder rausgeschoben wurde. Da Lehrer hier sehr wenig verdienen (ich kann ein Lied davon singen) und immer weniger Lehrer gesicherte Arbeitsplätze haben, ist ihr Protest verständlich, aber er geht natürlich auf Kosten der Schwächsten, d.h., der Kinder.

Dieses Jahr war natürlich die große Frage, ob und wie man die Schule normal anfangen soll, wenn ein Großteil der Schulkinder auf dem Schulweg, aber auch in der Schule selbst der Gefahr von Raketen- und Mörserangriffen ausgesetzt ist. Auch die besten Schutzräume nützen nichts, wenn Hunderte von Kindern nur Sekunden haben, um sie zu erreichen – von der Fahrt im Schulbus ganz zu schweigen.

Man muß dazu wissen, daß die Hamas ihre Raketensalven in den letzten Jahren gern zwischen sieben und acht Uhr morgens abgefeuert hat, wenn sie wußte, daß Schulkinder unterwegs sind. Und die gelben Schulbusse waren schon oft Ziel von Anschlägen.

Nun, die Waffenruhe hat dieses Problem (vorerst?) gelöst. Die Bedeutung des 1. September und Präsenz der Frage „Schule oder nicht? wo und wie?“, die im Juli und August überall zu hören war, war auch für die Regierung groß. Hätte das Schuljahr nicht normal begonnen, wäre das wie ein Eingeständnis der Regierung gewesen, daß sie es nicht schafft, normales Leben in Israel zu ermöglichen. Aber nicht nur für Netanyahu, sondern für alle Israelis ist „Normalität“ ein hohes Gut. (Was ist Normalität? Was wir in Deutschland „normales Leben“ nennen würden, kennt man hier eigentlich nicht – aber israelische Normalität ist im Normalfall normal genug, damit sich Menschen normal entwickeln können…) Nach jedem Anschlag, nach jedem Krieg werden schnell und effizient Spuren beseitigt und Normalität wiederhergestellt.

So also auch jetzt. Der Bildungsminister, selbst Lehrer, Lehrerssohn und in Bildungsfragen kompetent und selbstbewußt, hat für die ersten zwei Wochen weniger Lernen und mehr Verarbeitung des Erlebten angekündigt. Die Lehrer sollen mit den Kindern die traumatischen Wochen des Kriegs, der ja fast ganz Israel betroffen hat, zum Thema machen. (Im Süden wächst ja eine Generation auf, die ein Leben ohne Raketen nicht kennt – DAS wäre doch mal ein Thema für einen Artikel in einer deutschen Zeitung…) Danach wird normal weitergelernt, in der Hoffnung, daß der Konflikt nicht noch einmal aufflammt.

Die enormen Kosten des Kriegs werden durch strike Budget-Kürzungen rausgeholt, und es wird wohl ein paar Jahre dauern, bis sich der Staat davon erholt hat. Der Streit „Steuern erhöhen oder nicht“ tobt in allen Medien – die einen sagen, irgendwoher muß das Geld ja kommen, die anderen sagen, wenn der Verbraucher noch mehr belastet wird, bricht er zusammen und ohne Kaufkraft der Verbraucher macht die Wirtschaft zu. Wenn Steuererhöhungen kommen, wen werden sie treffen? Na, uns natürlich, die ächzende Mittelschicht, die ihren Strom-, Wasser- und Mietkosten hinterherhechelt. Gehaltserhöhungen wird es nicht geben, denn auch die Betriebe sind betroffen – unter anderem sind internationale Kunden aus Empörung abgesprungen, oder internationale Partnerschaften sind auf Eis gelegt. Ich glaube nicht, daß Netanyahu die wirklich Reichen zur Kasse bitten wird.

Es kommen also schwierige Zeiten auf die Familien zu, und für die Kinder bedeutet es: weniger Ausflüge, weniger zusätzliche Aktivitäten, weniger Förderung, weniger Unterstützung für Hort und Betreuung. Der Bildungsminister hat viele Ideen, die meisten davon werden erstmal in die Schublade wandern. Da in den letzten Jahren das Bildungssystem für jeden neuen  Minister eine Art Experimentierfeld war, hat es vielleicht sogar gute Seiten, daß einige Ideen noch etwas länger simmern werden, bevor sie umgesetzt werden.

Ich weiß von Kollegen, daß der Minister seine Betonung des Themas „sinnvolles Lernen“ ernst meint. Was für eine Erleichterung nach all den fachfremden, eher aus der Wirtschaft kommenden Bildungsministern, die dem Fetisch Quantifizierung, Tests und dauernde Überprüfung abfragbaren Wissens hinterherliefen, so daß die Schüler praktisch nur noch auf Tests hin lernten. Das hat ein Ende, auch wenn viele Leute nicht verstehen warum und Angst haben, ohne ständige Überprüfung in Form von Multiple-Choice-Tests würden Kinder gar nichts lernen. Je mehr diese Tests eingerissen sind, desto weniger haben die Kinder gelernt, ist mein persönlicher Verdacht. „Sinnvolles Lernen“ bedeutet in erster Linie, daß man versteht, warum man lernt, und dann erst, was man lernt. Und Zusammenhänge kann man sowieso nicht in Tests abfragen, die brauchen auch manchmal Zeit, bis sie einem dämmern.

Quarta fängt heute die Oberstufe an – ihre letzten drei Jahre Schule. Für die Großen ist die Schule längst Vergangenheit. Ich hoffe, sie hat weiterhin Spaß an der Schule, auch wenn ihre Schule in vielem nicht mit der Kibbuz-Schule mithalten kann. Sie lernt gut und leicht und natürlich ist für sie Schule in erster Hinsicht Treffpunkt mit den Freundinnen… so ist das in dem Alter. Aber sie hat mit ihren Freundinnen auch den Sommer über fleißig Hausaufgaben gemacht und ist heute früh ganz vergnügt losgezogen. Die neue Klassenlehrerin ist nach Quartas Eindruck sehr nett, und die Klasse wird neu zusammengesetzt beim Übergang in die Oberstufe, je nach Schwerpunkten. Quarta hat Naturwissenschaften als Schwerpunkt gewählt. Es wird also viel Neues geben.

In Israel gibt es keine Schultüten, obwohl ich für meine natürlich bei der Einschulung welche gebastelt habe. Ich erinnere mich noch gut an die Schultüten für Primus´ ersten Schultag – eine große für ihn, zwei kleine für die kleinen Geschwister. Lang ist´s her. Aber ich bin froh, daß ich noch drei Jahre lang eine Schülerin zuhause habe. Es ist ein schöner Abschnitt im Leben, zumindest für mich als Mutter.

 

Optimismus? August 31, 2014, 11:01

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in Bezug auf die PA-Gebiete? Eher nicht.

Zwei Anschlags-Versuche schlugen heute fehl:

An der Tapuach-Kreuzung in Samaria explodierte eine Bombe.

In der Nähe von Kdumim wurden zwei Rohrbomben entdeckt.

Beides in den umstrittenen Gebieten – der Westbank – Samaria-Judäa, wie Ihr es auch nennen wollt.

Fazit: auch dort sind Terroristen unterwegs und pausenlos dabei, jüdische Israelis anzugreifen. Habe ich erwähnt, daß in der letzten Woche wieder Menschen durch Steinwürfe auf Autos bzw dadurch verursachte Unfälle verletzt wurden, darunter auch ein Baby? Adele Biton, die vor anderthalb Jahren durch einen Steinwurf schwer verletzt wurde, ist endlich wieder zuhause – aber mit ihrer schweren Hirnverletzung ist sie ein Pflegefall und wird nicht mehr normal leben. Sie ist jetzt vier Jahre alt.

Mit dieser Realität leben wir jeden Tag.

Falls Ihr zu der Sorte Leute gehört, denen der Unterschied zwischen Aktion und Reaktion nicht ganz klar ist und die glauben, daß der Terror gegen Israelis eine gerechtfertigte Reaktion auf irgendwas ist – spart Euch Eure Kommentare. Ohne Aggression, Terror, Gewalt und Krieg gegen Israel hätte es weder Schutzzaun noch Checkpoints gegeben, ja nicht mal die „Besatzung“.

Und wie verlogen die Kritik an Israels defensiven Maßnahmen ist, wenn sie von Leuten kommt, die selbst hinter einer brutalen Mauer leben – das muß ich wohl nicht noch einmal erwähnen. Wohlgemerkt: der israelische Schutzzaun schützt vor mörderischem Terror. Der europäische Schutzwall dagegen nur vor der Zumutung, Armut, Elend und Leid vor der eigenen Haustür zu haben.

Es vergeht kaum ein Tag ohne Gewaltakte von Palästinensern gegen israelische Juden. Meist sind es nur Anschlagsversuche – und wir wissen, daß nur ein Bruchteil davon überhaupt in den Medien auftaucht (in unseren – in Euren selbstverständlich nicht, dafür sind die Geschichten nicht groß genug und ins Narrativ passen sie überhaupt nicht). Oft genug fallen ihm aber auch Menschen zum Opfer – so wie die fürs Leben gezeichnete Adele Biton oder aber der kleine Yonatan Palmer und sein Vater, die durch Steinwürfe ums Leben kamen.

Nein, ich bin nicht optimistisch. Ich höre Tzippi Livni und möchte ihr gern zustimmen – theoretisch kann ich das alles nachvollziehen, was sie sagt. Wir müssen reden, mit den Palästinensern verhandeln, eine solide Basis schaffen für eine Friedensregelung, es klingt alles so schön und vielversprechend und vernünftig, ja, so vernünftig. Ich möchte gern glauben, daß auf der anderen Seite des Tischs vernünftige Leute sitzen, und bestimmt gibt es auch solche, denen man Territorien überlassen kann. Die gern wirtschaftliche Entwicklung wollen, Zusammenarbeit mit Israel, Kooperation in Forschung und Bildung, ja, ich weiß, daß es sie gibt. Ich kenne sogar ein paar.

Aber wie viele sind es? und wie viele stehen ihnen gegenüber, die lieber auf Zwillen, Molotov-Cocktails, Raketen setzen?

Und wenn es zum Showdown kommt zwischen den einen und den anderen – wer wird gewinnen?

Wer kann uns guten Gewissens raten, doch Mut zum Risiko zu haben? Lord Faquaad vielleicht.

 

 

 

Nach 32 Tagen Miluim… August 24, 2014, 21:24

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…. sagen ein paar Soldaten Danke.

Sie bedanken sich bei allen, die ihren Aufenthalt im Süden angenehm gestaltet haben – besonders den vielen Bürgern, von denen sie beschenkt und versorgt wurden.

Dieser Clip zeigt gleichzeitig ziemlich viele Aspekte der israelischen Mentalität und Armee. Es sind Miluim-Soldaten, also Reservisten, die älter sind als reguläre Soldaten, erfahrener, gelassener und keine Jungens mehr. Sie sind meistens eine eingeschworene Gemeinschaft, die über Jahre und Jahrzehnte hinweg zusammen Miluim macht, sich kennt und locker miteinander umgeht.

Im Gegensatz zu anderen Armeen ist die israelische, und ganz besonders bei den Miluimnikim, der Umgang locker, die Uniformen sind schlampig und ungebügelt, und die Hierarchien sind flach. Zackigkeit, zwanghafte Rituale wie Spindkontrolle und ähnliche Spirenzchen gibt es nicht – nur in der Grundausbildung, wenn aus Schulkindern Soldaten und Soldatinnen werden, wird der Unterschied mit dem zivilen Leben deutlich gemacht, aber nach der großen Party des „Distanz-Bruchs“ ist es damit vorbei. Allerdings müssen reguläre Soldaten bestimmte Kleidungsvorschriften einhalten, aber auch sie laufen oft in ungebügelten Uniformen rum.

Einmal, als Y. in wirklich total zerknitterter Montur zum Miluim fuhr, wollte ich protestieren, doch er grinste nur und meinte: in unserer Basis laufen keine regulären Soldaten rum, da brauch ich mir keine Mühe zu geben. Nur seine roten Stiefel hat er stets gut in Schuß gehalten.

Man sieht den Männern an, daß sie seit über einem Monat irgendwo im Süden campieren, aber auch bei normalem Miluim laufen sie so rum, unrasiert, Hemd aus der Hose, zerstrubbelt.

Und sie haben Humor und Lebensfreude. Etwas, das ganz viele Israelis einfach so ausstrahlen. Egal wie miserabel die Lage ist, man meckert erstmal gründlich und dann sucht man die Seiten, über die man lachen kann und sich freuen. So wie diese Soldaten nach 32 Tagen zwischen Mörsergranaten und Bodenoffensive sich gern bedanken möchten bei denen, die ihnen die Zeit erleichtert haben.

Wenn sie nach Hause kommen, ziehen sie die Uniform aus und gehen wieder ins Geschäft, in die Schule, in die Firma oder aufs Feld. Und wenn das nächste Mal der Brief mit dem dreieckigen Stempel kommt, na dann holen sie wieder die Uniform raus, putzen den Staub von den Stiefeln und packen ihren Kram, um wieder für Israel zu kämpfen. Ohne Haß, ohne Kampfparolen, ohne Prahlerei. Wenn man sie fragt, warum eigentlich?, dann würde vermutlich bei den meisten die Antwort lauten: ki ein breira – weil wir keine Wahl haben.

Ich hoffe, daß Leute, die diesen Clip sehen, verstehen, warum wir uns so auf die Armee verlassen. Auf diesen Männern (und Frauen) ruht Israels Überleben seit Jahrzehnten. Wir wissen das.

(Clip zuerst gesehen: hier)

Und kurze Zeit später – eine Ergänzung.

Was sehe ich beim unschlagbar aktuellen und interessanten Elder of Zion? Ein Soldat, der erzählt, wie es ist, gegen die Hamas zu kämpfen.

Quarta erzählt Juli 16, 2014, 21:06

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Quarta hat sich heute mit ihren Freundinnen aus der Jugendgruppe Maale Yosef getroffen, um die gespendeten Süßigkeiten, Snacks und Geschenke einzusammeln und abzugeben. In jedem Örtchen haben sich Unmengen von Sachen angesammelt – Quarta meinte, das ist nur ein kleiner Teil der gespendeten Geschenke. Es war die Idee und Iniative der Jugendlichen selbst. Sie haben alles organisiert, jedes Mädchen in ihrem Ort.

2014 07 17 presents for soldiers

Eigentlich sollten die Sachen ja an die Soldaten von kipat barzel gehen, aber seit Dror Hanin dabei umgekommen ist, ist klar, daß es viel zu riskant ist, in den Süden zu fahren und aufs freie Feld zu gehen. Und die Soldaten haben ja extra darum gebeten, das NICHT zu tun.

Doch wir haben ja hier die Basis Zarit ganz in der Nähe. Wir hören die Artillerie, wenn sie nach Raketenbeschuß auf uns zurückfeuert (immer genau auf den Abschußort), und Quartas Freundinnen aus Shomera und Zarit hören es noch viel besser.

 

2014 07 17 presents II

Schließlich entschlossen die Mädchen sich, diese Basis mit den Sachen zu beglücken. Einer der Väter stellte sich als Fahrer zur Verfügung, und sein Kombi war schnell picke-packe-voll.

2014 07 17

So fanden sich die Mädchen mit einer Gruppe Soldaten wieder, die sich unheimlich freuten. Sie haben einen nicht einfachen Dienst, die freien Wochenenden sind gestrichen, und jederzeit kann es neuen Beschuß geben, auf den sie angemessen beantworten müssen – nicht heftig genug, um eine Eskalation herbeizuführen, doch energisch genug, um vor weiterem Beschuß abzuschrecken. Außerdem besteht natürlich immer die Gefahr von eindringenden Terroristen und Entführungen – gerade in Zarit ist das ja schon vorgekommen.

2014 07 17 picture with soldiers smilies

 

Die Soldaten zeigten den Mädchen ihre Arbeitsplätze.

2014 07 17 on top of artillery with hearts

Quarta fragte etwas schüchtern, ob das denn nun die Dinger seien, die so schrecklichen Lärm machen, und vor denen sie Angst hat. Und die Soldaten erklärten ihr, daß die Geschosse ihr nichts tun und daß sie davor keine Angst zu haben braucht. Im Gegenteil, es ist gut, daß es die Artillerie dort gibt – sonst gäbe es wahrscheinlich viel mehr Beschuß aus dem Libanon.

Ich habe Quarta das auch schon gesagt, aber es klingt natürlich viel überzeugender, wenn es nicht mitten in der Nacht von einer Mutter kommt, während die Scheiben im Haus klirren, sondern von einem selbstsicheren jungen Mann in Uniform…

2014 07 17 inside artillery with stripes

 

Die Mädchen waren stolz, daß sie den Soldaten eine Freude gemacht hatten, und Quarta kam sehr vergnügt wieder.

Ja, und solche Bilder können natürlich einen in der Wolle gefärbten Pazifisten, für den jeder Soldat potentieller Mörder ist und Militär grundsätzlich übel, dazu bringen zu denken: ach, wie die armen Kinder in Israel indoktriniert werden! schlimm schlimm!

Ich hoffe aber, daß, wenn Ihr den Kontext zulaßt und versteht, das Ganze anders aussieht. Alle diese Mädchen haben ihre Väter, Brüder, Schwestern und Nachbarn in Uniform gesehen. Sie wissen alle, daß sie auch in drei Jahren eingezogen werden. Die Armee ist für sie Teil ihres Lebens, und zwar ein positiver. Wir sind ja unlängst zugezogen, aber Quartas Freundinnen sind hier großgeworden und erinnern sich deutlich an die Zustände vor 2006. Sie sind praktisch im Luftschutzraum großgeworden – immer wieder waren Angriffe. Auch ihre Eltern sind damit aufgewachsen. Ihre Väter haben teilweise im Libanonkrieg I, oft auch II gedient. In ihren Klassen sitzen libanesische Kinder, deren Väter Offiziere in der Südlibanesischen Armee gedient haben und die 2000 fliehen mußten.

Und so kommt es, daß Quarta und ihre Freundinnen sich Gedanken machen, wie man den Soldaten eine Freude machen kann, und das auch umsetzen. Quarta hat jetzt weniger Angst vor dem schrecklichen Geräusch der Artillerie, und wenn wir es noch einmal hören sollten, chalila, wird sie daran denken, was sie heute gesehen hat.

Ist es schlimm, so aufzuwachsen – mit echter Bedrohung und greifbarer Notwendigkeit, sich zu verteidigen? Ich glaube nicht, daß es schlimm ist, sonst wäre ich ja nicht hier. Es ist nun mal die Realität für Israelis, und als ich einen Israeli geheiratet habe (Irrsinn, ich weiß:-) ), da habe ich den Konflikt mitgeheiratet. Und meine Kinder haben ihn gewissermaßen in den agalul gelegt gekriegt. Solange er nicht gelöst ist, gehört er zu unserem Leben, und wir können nur dafür sorgen, daß unsere Kinder nicht darunter leiden, sondern gesund und selbstbewußt und angstfrei aufwachsen. Oh, und ohne Haß – man kann loyal zum eigenen Land sein, ohne Haß oder Häme anderen gegenüber zu empfinden.

Zynischer geht es nicht Juli 15, 2014, 21:02

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Ich kann nur hoffen, daß es endlich alle kapiert haben: der frappierende Unterschied der Opferzahlen in diesem Konflikt belegt nicht die besondere Grausamkeit Israels, sondern die Taktik der anderen Seite, Zivilisten zu opfern, um Israel unter internationalen Druck zu setzen. Es hat bisher jedes einzige Mal geklappt.

Ob Hamas oder Hisbollah – sie schicken ihre eigenen Leute in den sicheren Tod mit ihrer Handlungsweise, und die Welt schreit nach einem Stopp von Israels Selbstverteidigung. Nur weil Israel die Zivilisten schützt, bedeutet das noch lange nicht, daß sie keinen Schaden davontragen. Und wann wird die Welt für die enormen Hilfsgelder, die jährlich in den Gazastreifen strömen, endlich mal Gegenleistungen fordern? Gewaltverzicht wäre schon mal ein Schritt – und bis sie soweit sind: wie wäre es mit Schutz für die eigene Bevölkerung? Wenn man schon mit dem Feuer spielt, sollte man wenigstens einen Eimer Wasser für die Zuschauer danebenstellen.

Nur zum Vergleich: so werden Israelis auf Angriffe vorbereitet. Auf arabisch.

 

 

 

We cease, they fire Juli 15, 2014, 12:33

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Immerhin hat die Hamas diesmal ehrlich gesagt, daß sie an einer Feuerpause nicht interessiert ist.

Israel hat das Feuer eingestellt, die Hamas feuert weiter.

Ob das manchen zum Nachdenken bewegen kann, der bisher immer geglaubt hat, daß Israel der Angreifer ist – oder zumindest genauso aggressiv wie die Hamas? Ich muß sagen, daß ich in den letzten Tagen mehr und mehr Artikel in deutschen Medien gelesen habe, die tatsächlich erkannt haben, wie groß der Unterschied ist.

Die Hamas feuert bewußt ihre größeren Raketen ab, die bis in die Nähe von Haifa kommen.

Diesmal gab es also auch in unserem alten Kibbuz Alarm…. wo Secundus lebt, meine Schwiegermutter und meine beste Freundin. Kein Fleckchen mehr, außer vielleicht der Gegend um Tiberias, wo es noch keinen Alarm gab.

Y.s Mutter lebt seit vielen Jahren mit einem sehr netten, aber auch ziemlich kranken Mann zusammen. Einen mamad haben sie nicht, darum haben sie sich in das kleine Zimmer mit den wenigsten Fenstern begeben, über ihnen eine Gipsdecke, ein paar Balken und Ziegel. Nicht sehr solide. Sie haben die zehn Minuten damit verbracht, sich zu streiten: er wollte, daß meine fitte Schwiegermutter zum Luftschutzbunker sprintet, der für ihn nicht erreichbar war – sie hat das weit von sich gewiesen und gemeint, sie bleibt bei ihm. Nein, das war ihm nicht recht. So gingen die zehn Minuten vorbei.

Meine Freundin war in dem Bunker, den meine liebe Schwiegermutter verschmäht hat. Er liegt bei den Kinderhäusern (die eigene Bunker haben), und sie hat unterwegs viel Kinderweinen gehört. Die Kinder hatten Angst.

Secundus war mit seinen Kollegen in einem anderen Bunker, mit denen der Kibbuz ja gesegnet ist. Normalerweise probt dort eine Band. Zwischen Gitarren, Schlagzeug und Mikrofonen haben sie abgewartet, bis der Alarm vorbei war.

Ich erzähle Secundus, daß ich den Livestream vom WM-Triumphzug in Berlin gucke. Im Hintergrund höre ich die Freudengesänge. Secundus ist natürlich sehr stolz auf den großen Erfolg, er war ja schon ein Schweinsteiger-Fan, als der noch in der Jugendmannschaft spielte. Wir unterhalten uns kurz, dann muß er weiterarbeiten.

Nie, nie, nie ist mir der Abgrund größer vorgekommen zwischen meiner alten Heimat und meiner neuen. Ich freue mich über den Jubel auf den Straßen von Berlin und freue mich über den sportlichen Erfolg und darüber, daß die sympathische Mannschaft überall nicht nur mit Toren, sondern auch mit Charakter gewonnen hat. Ich gönne es allen, die dort jubeln. Freu mich ja mit und bin wie eine Verrückte vom Sofa gesprungen, als Götze das Tor geschossen hat.

Wir leben so anders, so anders. Wie würde ich so einen leichtherzigen, frohen, stolzen Jubel mal den Israelis gönnen. Was uns verbindet, sind Momente der überwältigenden Trauer oder Sorge oder der Bewährung in schweren Stunden. Das schweißt auch zusammen, wenn man in Trauer zusammen singt. Aber vor lauter Freude – das muß schön sein.

Gegenseitig Juli 15, 2014, 11:23

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Die Besatzung der „Eisenkuppel“ hat diesen Clip veröffentlicht, in dem sie sich für die vielen Besuche und Geschenke bedanken. Man sieht, wie ganze Familien zu den kipat-barzel-Batterien pilgern und dort Essen, Geschenke und von Kindern gemalte Briefe abgeben. Auch die Jugendgruppe, in der Quarta aktiv ist, packt Päckchen für die Soldaten.

Die Soldaten bitten die Bürger aber auch, ihnen die Arbeit nicht unnötig schwer zu machen und sich nicht in Gefahr zu begeben. Bei einem Alarm auf freiem Feld, wo die Batterien stehen, ist kein Schutzraum erreichbar. Die Anweisungen von pikud ha-oref sollen befolgt werden. Beides zusammen sind ja die Erklärung für die wenigen Opfer der vielen Raketen: die meisten Raketen werden abgeschossen, und die Menschen bringen sich in Sicherheit. Es ist unglaublich, wie jung diese Soldatinnen und Soldaten aussehen, die jeden Tag die Himmel über Israel von Raketen säubern. So viel Verantwortung.

Die Soldaten bitten zum Schluß darum, daß wir sie auch aus der Ferne weiter unterstützen und lieben.

Wird gemacht, wird gemacht.

 

Und am selben Abend:

Genau das, wovor die Soldaten gewarnt haben, ist eingetroffen. Ein 37jähriger Mann, der Päckchen mit Süßigkeiten und Getränken für die Soldaten der Batterie Kipat barzel im Süden abgeben wollte, wurde von einem Mörserangriff überrascht und getötet.

Der Mann mit der Brille Juli 13, 2014, 19:08

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ist unterwegs in diese unruhige Weltgegend, und in den Medien wird angedeutet, daß er ein Vermittler sein könnte. Erdogan würde zwar gern, kann aber nicht richtig. Ägypten reißt sich auch nicht drum. Deutsche Gesprächspartner haben schon öfter zwischen Israel und seinen Feinden vermitteln können. Schön wäre es. Leider wird die Hamas alles, was nicht Niederlage ist, als Sieg werten, und nur darauf warten, bis die nächste Runde losgeht. Wie sieht eine dauerhafte Lösung aus? Wie kann man der Hamas und den anderen Organisationen den Giftzahn ziehen, so daß sie ihre Energien dem eigenen Bruttosozialprodukt zuwenden statt der Vernichtung Israels. Die genauso real ist wie das WM-Finale zwischen Nord-Korea und Portugal heute abend.

Zivilschutz Juli 13, 2014, 13:55

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Ich habe schon in den Kommentaren dazu was geschrieben, aber für die Leser, die die Kommentare nicht lesen, wiederhole ich mich noch einmal. Was ist mit dem Schutzraum gemeint, den ich so oft erwähne?

Wir haben einen mamad, also einen extra Raum im Haus, der stahlbetonverstärkt ist, mit Stahltür und Stahl-Fensterläden. Allerdings ohne Gas-Ausrüstung.

Unsere Hausherrin hat den mamad gebaut bzw verstärken lassen, nachdem sie ihren Mann durch eine Katyusha-Rakete im Libanonkrieg II verloren hat (Kfar Giladi – er war der hochrangigste Offizier der Gruppe, die damals gestorben ist). Darum hat sich die Wände noch dicker bauen lassen als vorgeschrieben. Mein Eindruck ist, daß das ganze Haus äußerst solide gebaut ist – im Gegensatz zur sonstigen Ytong-Bauweise sind hier die Wände aus Beton, die Decken auch. Man kriegt keinen Dübel rein.

Wie in dieser Gegend vorgeschrieben, ist unser Mamad in Richtung Süden gebaut. Zwischen uns und der libanesischen Grenze liegen in unserem Fall drei kräftige Wände. Das Dach ist über der Mamad flach, das könnte ein Risiko sein – über der Mamad, die ein Anbau ist, befindet sich kein zweites Stockwerk wie über dem Rest des Erdgeschosses.

Soweit ich weiß, sind in Israel noch nie Menschen, die den Mamad vorschriftsmäßig genutzt haben, ums Leben gekommen.

Überdies befindet sich direkt hinter unserem Gartentor der Eingang zu einem altmodischen, soliden unterirdischen Bunker, der den Bewohnern dieser Ecke des Dorfs gedient hat, bevor nur noch mit Mamad gebaut werden durfte.

Im Kibbuz gab es nur solche Bunker, keine Mamadim. Deswegen war 2006 für mich seelisch schwieriger, obwohl es damals nur einen Alarm bei uns gab (den wir nicht mehr mitgekriegt haben, wel wir verreist waren – wieder mal die Sommerferien bei meiner Mutter). Aber das Gefühl, daß nur ein paar Holzbalken und Ziegeln zwischen uns und einer Rakete liegen, war äußerst, äußerst unangenehm. Der Bunker war weit weg, das Treppenhaus offen und mit Glasfenstern verziert, es war ein wirklich ekliges Gefühl.

Auf den Mamad verlaß ich mich, wie ganz Israel. Die Dinger bewähren sich einfach, wie kipat barzel. Es gibt keine 100%ige Sicherheit, aber wenn man das Risiko auf erträgliche Prozentzahlen gedrückt hat, kann man es vergessen und normal weiterleben.

Man kann viel in Israel beklagen – die Bürokratie, den Straßenverkehr, die Preispolitik einiger Monopolisten, es gibt hier genauso viel Grund zur Klage wie in anderen Ländern. Aber was Sicherheit, Zivilschutz und Sorge ums Leben angeht, sind die Israelis unübertroffen. Nicht aus sturem Sicherheitssinn – Israelis geht Freiheit über alles und vermutlich würde bei einer Wahl zwischen Freiheit und Sicherheit in Israel die Freiheit siegen.

Es ist eine Mischung aus Verpflichtung zum obersten Wert der jüdischen Tradition (ich sage mich Absicht nicht Glaube, denn auch ungläubige Juden ehren diesen Wert) – dem Schutz und der Bewahrung menschlichen Lebens – und dem kühlen Pragmatismus, der weiß, daß Israels Feinde nicht schlummern noch schlafen. (Shomer Yisrael auch nicht, was sehr gut so ist.)

Diese Mischung ist vermutlich der Schlüssel zu allem, was in Israel erfolgreich und gut ist. Ob es Medizin-Technologie ist, sehr weitgehende Unterstützung von Individuen mit Kinderwunsch, die große Akzeptanz für Kinder und Familie, das humanitäre Engagement und die Bereitschaft zu helfen, die auch Haniyas Enkelin, arabische Kinder aus aller Welt, verletzte Terroristen und verletzte Feinde wie Syrer umfassen. Israelische Ärzte und Feldhospitäler und Rettungskräfte sind überall auf der Welt die ersten, die ankommen und helfen, ob Haiti oder Türkei oder Japan oder Indonesien.

Und darum ist der Zivilschutz in Israel so gut. Auch um den Preis, im Opferzahl-Wettkampf mit den Palästinensern immer wieder den kürzeren zu ziehen. aber das ist es wert.

Wer ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt, heißt das Motto.

Doch es gibt immer noch viele alte Häuser ohne Mamad, und nicht alle Bunker waren gebrauchstüchtig im letzten Krieg, es gibt immer wieder Probleme mit leichtfertigen Bürgermeistern…. So wie in Nazareth 2006 der Bürgermeister (Araber wohlgemerkt) die Sirenen abgeschaltet hatte, weil er die Gedenk-Sirenen am Gedenktag seinen Bürgern nicht zumuten wollte – und dann gab es Todesopfer. Das war dann natürlich Israel schuld………..

Und hier sind die Bilder.

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Ich habe es neulich schon einmal erwähnt: der Zivilschutz (pikud ha oref – „Nackenschutz“ – oder Heimatfront-Kommando) blendet immer deutlich ein, wo es gerade Alarm gibt. Der Buchstabe bezieht sich auf die Gegend (z.B. Negev) und die Zahl zeigt dann genauer an, wo im Negev.

Wir sind wie gesagt in der 0-Sekunden-Kante in Alarmbraun gaaaanz oben links. Confrontation line. Wenn wir die Sirene hören, ist es eigentlich schon fast zu spät, so nah sind wir an der Grenze (4 km).

So sieht man also immer, wo gerade Alarm ist. Die Lebensgefährtin meines Schwiegervaters hat eine App, die immer quietscht und trällert, wenn gerade irgendwo Alarm ist.

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Das ist die Stahltür in den Schutzraum.

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Die Türzarge – ich hab nicht nachgemessen, wie dick diese Stahlbetonwände sind, aber sie sind sehr dick. Deswegen hat Tertia sich dieses Zimmer sofort ausgesucht – es ist geräumig, hell, das letzte Zimmer im Korridor der Kinderzimmer, und wenn sie die Tür zumacht, hört sie nichts mehr von ihren nervigen Angehörigen.

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Die Stahl-Läden von außen:

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Da bin ich gestern noch schnell hingelaufen, um diese Läden zu schließen. Verriegelt werden können sie nur von innen.

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Ja, unser Garten ist schon total vertrocknet, ich gieße nur die Kräuter……… seht darüber hinweg bitte….  – aber das da hinten ist der Stahl-Laden, der geschlossen werden muß. Hinter dem Dach des Nachbarhauses erkennt man Hügel – nicht sehr weit dahinter verläuft die Grenze.

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Das ist der Blick von Tertias Zimmer, dem Schutzraum, über das Gartentor hinweg – und da ist schon der Dorfbunker, den wir nicht brauchen, weil wir den mamad haben. Die Nachbarn in alten, nicht renovierten Häusern haben es nicht so gut – und ich hoffe, der Bunker ist offen und funktionsfähig.

Ich hoffe, Ihr habt jetzt eine bessere Vorstellung von diesem Raum. Die Anweisung lautet: bei Ertönen der Sirene oder Aufleuchten unserer Gegend sofort in den Schutzraum, alles verrammeln, dort 10 Minuten bleiben – falls eine Salve gefeuert wird, gibt es keinen extra Alarm innerhalb dieser zehn Minuten. Wenn nach dieser Spanne alles still ist, kann man davon ausgehen, daß die Gefahr vorbei ist.

Wenn man bei Alarm draußen ist, soll man sich nicht hinkauern, wie man es auf Bildern oft sieht, sondern sich flach hinlegen und den Kopf mit den Armen schützen. Trotzdem ist heute ein 16jähriger sehr schwer verletzt worden, weil er von einer Rakete in seiner Nähe verletzt wurde.

Das alles ist überhaupt kein Vergleich mit dem, was die Palästinenser durchmachen. Alle 4 Minuten wird dort gebombt, und egal wie präzise die Schläge aus Perspektive der Armee sind – wenn man neben einem Haus wohnt, das gerade in die Luft gejagt wird, kommt es einem garantiert nicht mehr chirurgisch vor. Mir tun die Eltern von Kindern so leid – sie können sie nicht schützen, nicht beruhigen. Es ist schlimm.

Ich erinnere mich zurück an die Bilder der Knafe-futternden Menschen im Gazastreifen und möchte in diese Bilder zurücktauchen und brüllen: bejubelt es nicht, wir fallen ins Kaninchenloch, distanziert euch, vergrößert den Graben nicht! laßt nicht zu, daß die Hamas euch benutzt! Doch es wäre sinnlos gewesen, die Hamas hat zwar an Macht verloren, aber sie herrscht noch immer mit einer Mischung aus Propaganda und Druck. Und gestern abend hat es die Hamas wieder geschafft, nach ihrer nicht sehr fürchterlichen Salve… die Eisenkuppel überfordern sollte…was sie nicht konnte… und doch gingen Palästinenser auf die Straße wie Jubelperser – und jubelten. Während in Tel Aviv sich die Cafes wieder füllten, gab es Siegjubel in Gaza. Absurd.

Und der Gipfel: auch in Hebron jubeln die Palästinenser, wenn bei uns Raketen fallen. Als wollten sie uns mit Unterschrift und Siegel bestätigen: ja, wenn wir nur könnten, würden wir gern jeden Tag Raketen auf Tel Aviv und Jerusalem fallen sehen! Ja, wir haben schon irre Pläne mit den Gebieten, die ihr räumen werdet! Wir lieben Abschußrampen!

Zivilschutz ist gut – ihn nicht brauchen ist noch besser.

 

 

 

 

 

Gerade gehört Juli 12, 2014, 19:09

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Verrückt. Die PA hat Israel um Hilfe gebeten beim Zivilschutz. Wenn bei ihnen Raketen landen, möchten sie wissen, wie sie sich verhalten sollen – und Israel hilft.

Leider habe ich das nur mit einem Ohr gehört und Quarta hatte gerade etwas sehr, sehr wichtiges zu sagen – aber ich achte mal darauf, ob sie noch was dazu sagen.

Das war wohl anläßlich der Raketen auf Hebron und Bethlehem. Ich wäre ja zu gern Fliege an der Wand, wenn sich Palästinenser bücken und verstecken müssen, weil ihre Brüder Zionisten beschießen möchten.

Hier übrigens, bei RotterNet, sind Bilder – erst von den Infanteristen und der Artillerie, dann aus dem Gazastreifen. Vielleicht sind ja welche dabei, die Ihr nicht kennt.

 

Und es scheint, als würde die qatarische Idee zu einer Feuerpause, mit Abu Mazens Beteiligung, Gestalt annehmen. Israel ist bereit für die qatarische Initiative, den Gaazstreifen umzugestalten – Infrastruktur statt Waffen (eine Initiative, die wohl schon länger auf dem Tisch liegt). Wenn die Qataris das machen könnten – das klingt interessant. Wie aber kann man den Gazastreifen auf Dauer befrieden? Nur durch Entwaffnung.

In der Zwischenzeit geht der Beschuß weiter. Israel will der Hamas die Möglichkeit, uns zu beschießen, nehmen. Ohne Bodenoffensive, heißt es, wird das nicht möglich sein. Entwaffnung also entweder mit Gewalt oder freiwillig. Israel ist nicht mehr gewillt, den jahrelangen Beschuß hinzunehmen.

Hamas kündigt inzwischen live an, daß gegen neun Uhr ein Großangriff gegen Tel Aviv stattfinden wird – auf Hebräisch, J 80 Raketen, in Mengen abgeschossen, sollen Iron Domes Unwirksamkeit beweisen. Man darf gespannt sein. Die Große Überraschung kündigen sie schon seit gestern an. Jedenfalls wissen sie, wann hier die wichigsten Nachrichten laufen, und ihr Hebräisch ist höchst unkonventionell.

 

Eine Mail Juli 11, 2014, 6:59

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Meine Korrespondentin hat mir erlaubt, sie zu veröffentlichen.

Liebe Lila,

wir wohnen ja ganz in der Nähe unserer Tochter, Schwiegersohn und 4 kleinen Enkelkindern ( zwischen 1  – 6 Jahren) hier in Bet Shemesh.

Als vor 3 Tagen der erste mal zewa adom*  kam waren die die beiden Kleinen schon im Bettchen, das im Mamad** ist und die beiden Grossen in ihrem Schlafzimmer.
Das war nicht so einfach für sie und sie fürchteten sich.
Beim zweiten Mal gings dann schon „besser“, wenn man das so sagen kann. Es war auch in der Nacht.

Heute aber um 6 Uhr , da waren sie alle am essen. Sie konnten das gar nicht verstehen und haben zu ihrer Ima gesagt: aber es ist ja noch gar nicht Nacht!

Es ist für uns/ mich nicht so einfach, wenn man auch nur einige Minuten entfernt wohnt, ich kann nicht hinspringen und helfen… oder wenn man unterwegs ist, denkt man stets daran, wann der nächste Alarm kommt und wo man dann Schutz sucht, vor allem wenn man mit 4 Enkelkindern unterwegs ist….

Vorgestern Abend war ich alleine zu Hause, kam grad zur Dusche raus , als es losging. Mein Mann war im Bet Midrash und konnte ihn einfach nicht erreichen….

Nach (mir schien es so) langer Zeit endlich konnte ich ihn sprechen. Niemand hatte während dens Lernens etwas gehört und als die Männer eine Etage tiefer in die Shul*** für Maariv**** gingen ,sahen die Raketen fliegen….

Dann haben wir noch Kinder in Jerusalem. Sie hatten vor 2 Tagen auch Alarm am Abend und meine ( hochschangere) Schwiegertochter musste die beiden 3 und 4 – jährigen Kinder aus dem Schlaf reissen und in den Shelter springen.
Auch sie war alleine zu Hause. Sie hat es irgendwie geschafft. Wenn man muss, hat man irgendwie die Kraft dazu.

Die andern wohnen im Shomron in einem Yishuv seit letzter Woche. Sie wohnten vorher ganz nah bei Ramallah.

Ich denke oft an all unsere Soldaten , ihre Familie und all diejenigen die im Moment sehr exponiert sind und ich hoffe von ganzem Herzen, dass niemandem etwas zustossen soll und wir in Ruhe und Frieden leben dürfen.

Ich wünsche auch euch, dass ihr alle gesund bleibt.

Lieber Gruss

S.

 

* Alarm

** Luftschutzraum

*** Synagoge

**** Abendgebet

Oh, diese Checkpoints! Juli 10, 2014, 20:37

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Aus reiner Willkür errichtet, weil diese kleinlichen Israelis mit ein bißchen Terror nicht zurechtkamen! Unglaublich.

Heute ein weiterer Fall schwerster Schikane.

Die Armee der brutalen Besatzer hat einen harmlosen Bastler daran gehindert, seine kreative Konstruktion aus Gasflaschen und elektrischen Verbindungen auszuprobieren. Er war so freundlich und wollte israelische Bürger mit seiner Erfindung beglücken, wie er auf Befragen bereitwillig zugab.

Bodenlose Frechheit! Ich schlage vor, sofort beim Menschenrechtsrat der  UNO Klage einzureichen. Nicht genug, daß vorgestern harmlose Schnorchler aus Gaza, die zufällig auch Waffenfreunde waren und den Kollegen der Marinebasis Zikim ihre Sammlung zeigen wollten, an diesem unschuldigen Vorhaben mit schwerer Gewalt gehindert wurden. Wirklich, Israel ist ein Schurkenstaat.

 

Eine Tote Juli 10, 2014, 20:20

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Aus einer Mail:

Liebe Lila,

Ich lese immer wieder mal bei dir mit. Bin grad aus dem Mamad rausgekommen. Wir hatten kurz vor 6 Alarm und haben diese dumpfen Bumms gehört.
Anbei ein Link. Heute morgen ist eine 65 – Jährige Frau ausgerutscht und hingefallen, weil sie den Alarm hörte und sich in Sicherheit bringen wollte.
Baruch dajan ha emet.
Mein Beileid.
Und gerade fiel in Ashdod eine Rakete auf ein Auto, das in Flammen aufging. Der Fahrer wurde schwerverletzt geborgen – man kann nur hoffen, daß er gerettet werden kann. 
Update: gerade wird berichtet, daß das eine Falschmeldung war. Aber der direkte Treffer auf einen Parkplatz neben einem Wohnhaus hat besonders die älteren Bewohner des Hauses in Panik versetzt.

Bumm, bumm, bumm Juli 10, 2014, 7:59

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Wie hilft man Kindern, mit Angst und Streß zurechtzukommen?

Die Kinder im Süden Israels kennen keine andere Realität als regelmäßige Alarme („Farbe Rot“), denn die ersten Angriffe waren vor 13 Jahren. In den letzten Jahren ist diese Realität immer weiter nördlich gekrochen, jetzt sind auch Kinder in Tel Aviv und im Carmel betroffen. Ungefähr 5 Millionen Israelis leben im Moment mit dem Alarm, der nur wenige Sekunden Zeit läßt, sich einen geschützten Platz zu suchen. Darunter sind viele, viele Kinder. Wie schützt man sie vor Angst, Panik und Spätfolgen?

Einer Lehrerin ließ die Frage keine Ruhe, und sie komponierte ein Spiel-Lied, das die Alarm-Routine durchspielt und zu einem guten Ende bringt. Die Kombination aus Musik und Bewegung macht fröhlich, und wenn man das Lied gut kennt, wirkt der feste Ablauf besonders beruhigend. Man weiß, daß am Ende das erleichterte YESH!!! kommt.

Bitte auch auf den Text achten: mit keinem Wort werden die erwähnt, die diese Raketen abschicken. Das Lied erzieht nicht zum Haß gegen Feinde – es stellt diese Fragen gar nicht, sondern behandelt die Alarme eher wie Blitz und Donner, die einem Angst einjagen, aber die mit entsprechendem Verhalten ihren Schrecken verlieren.

Ich finde das bewundernswert… und vielleicht ist es, wenn man diese Kinder gesehen hat, leichter zu verstehen, warum ich Israel und die Israelis liebe. Stellt Euch diese Kinder in 15 oder 20 Jahren vor, wenn sie Uniform tragen.

Mazal tov Juli 9, 2014, 19:30

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und viele gute Wünsche für ein glückliches, erfülltes Eheleben allen, die in diesen Tagen heiraten.

(das sind zwei Clips von derselben Hochzeit – Alarm und Iron Dome am Himmel)

Vor zwei Jahren spielten sich ähnliche Szenen ab:

Und so sah das vor drei Jahren aus, als man sich noch nicht auf Iron Dome verlassen konnte>

 

 

 

„Aufs Dach klopfen“ Juli 9, 2014, 19:04

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Ich habe ein paar Informationen zum Thema zusammengetragen.

Elder of Zion zeigt ein Flugblatt, wie es über dem Gazastreifen abgeworfen wird. Seine Quelle ist Maan.

Laut Elder steht auf diesem Flugblatt eine Erklärung, daß in Nähe der Wohnhäuer Tunnel gegraben werden, und daß die Terroristen damit die Anwohner gefährden. (Zum Thema Tunnel werde ich noch getrennt was schreiben.)

Die Armee warnt, daß sie diese Tunnel bombardieren muß, fordert die Anwohner auf, sich in Sicherheit zu bringen, und gibt auch eine Telefonnummer an, wo man sich weitere Informationen holen kann.

Ich hatte eine Zeitlang einen besonders netten Taxifahrer, leider fährt er nicht mehr Taxi, den ich total gern mochte. Ein richtig sympathischer, interessanter und vergnügter junger Druse, der viele Jahre bei der Luftwaffe gedient hatte. Er hat solche Flugblätter verfaßt und hat mir davon erzählt.

Nun, jedenfalls ist das eine bekannte Methode, die auch im Libanon angewandt wurde, um Todesopfer unter Zivilisten niedrig zu halten. Mir fällt im  Moment keine andere Armee ein, die ähnliche Methoden verwendet, aber ich verlasse mich auf meine Kommentatoren, die bestimmt Beispiele bringen können.

Bei Heplev habe ich einen Clip der Luftwaffe gefunden, der den Ablauf beim „Klopfen aufs Dach“ zeigt.

Zuerst wird ein sehr leichtes Geschoß aufs Dach gefeuert, damit die Bewohner sich in Sicherheit bringen können. Man sieht sie weglaufen. Aber dann kommen Zivilisten, die das Dach füllen und dort hin und her rennen, weil sie wissen, daß die Chancen gut stehen, damit den Beschuß zu verhindern.

Und in der Tat überlegt der verantwortliche Soldat, ob er es verantworten kann, das Ziel (das auf jeden Fall ein Terror-relevantes Ziel ist) zu beschießen oder nicht. In den meisten Fällen wird der Beschuß dann aufgegeben.

Daß die Hamas, wie auch die Hisbollah und alle anderen Terror-Organisationen, die gegen Israel kämpfen, den Gebrauch von menschlichen Schutzschilden gutheißt, ist bekannt. Mehr darüber habe ich bei Elder of Zion gefunden.

Ist es nicht verrückt, daß die Hamas-Verantwortlichen Israel so genau kennen und sich darauf verlassen, mit menschlichen Schutzschilden israelische Angriffe verhindern zu können.

Trotzdem kann man bei Kampfhandlungen leider nicht vermeiden, Unschuldige zu treffen. Bei jedem Krieg gibt es zivile Opfer, und immer auch „friendly fire“.

Aber die populäre Vorstellung, daß Israel wahllos drauflosballert, egal wer dabei ums Leben kommt, ist nachweislich falsch. Viele der Staaten, deren Vertreter sich lauthals über Israel empören, treffen weitaus weniger Maßnahmen, um feindliche Zivilisten zu schonen, wenn sie in militärische Konflikte verwickelt werden. Ich finde es immer tragikomisch, wenn sich Briten, Russen und Franzosen über Israel ereifern, obwohl die, wenn sie es für nötig halten, mal eben mit dem Maschinschen drübberbrasseln, wie unser Nachbar das nannte (er meinte aber den Mähdrescher).

Hilft es, solche Bilder zu verbreiten, zu erklären? Israel dokumentiert alles, und der IDF-Blog macht es öffentlich. Leider benutzen nicht viele Journalisten diese Quelle, vielleicht weil sie glauben, daß sie manipuliert werden. Dabei lassen sich alle Angaben der IDF überprüfen. Zumindest als zusätzliche Informationsquelle ist die IDF nützlich. (Hier ist eine ganze Seite mit Clips zum Thema menschliche Schutzschilde).

Oh, und noch etwas: nach tragischen Fehlern wie dem Beschuß des Hauses von Dr. El Eish, bei dem seine Töchter ums Leben kamen, hat Israel Krankenwagen geschickt und versucht, sie zu retten. Leider war es zu spät. Aber israelische Santitäter haben, wie meine Söhne, einen Eid geleistet, ohne Ansehen jedem Menschen zu helfen – und immer wieder werden auch Palästinenser von ihnen versorgt.

Also, ganz so unmenschlich, wie sie normalerweise dargestellt werden, sind israelische Soldaten nicht.

 

Gleichzeitig Juli 9, 2014, 14:21

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Als gestern abend in Jerusalem Alarm war, gingen viele Araber auf den Tempelberg und brüllten Parolen, das habe ich schon gezeigt. Gleichzeitig drängten sich Hotelgäste im Luftschutzraum eines Jerusalemer Hotels, die meisten von ihnen wohl  Juden.

Sie singen, viele davon mit hörbarem amerikanischem Akzent,  im Vertrauen darauf, daß der Herr Frieden schicken wird. Amen.

 

Hier gefunden.

Die aktuelle Karte Juli 9, 2014, 14:01

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Ich lebe ganz oben, confrontation line heißt unser Gebiet, und wir haben überhaupt keine Warnzeit. Wenn die Hisbollah oder palästinensische Splittergruppen aus dem Libanon auf uns schießen, besteht keine Möglichkeit, uns zu warnen. Da im Moment der Beschuß aus dem Süden kommt, ist ausgerechnet unsere Front die ruhigste Ecke Israels.

Primus und Secundus sind im hellgrünen Gebiet, Carmel und Menashe. Dort hat es schon Angriffe gegeben. Guckt Euch die Karte an. Bis Haifa gehen die Angriffe. Das ist das ganze Land.

Unser altes Problem: wir haben kein Hinterland.

Primus rief vorhin an. Drei seiner Freunde sind bereits einberufen worden. Falls sein Brief bei uns ankommt oder hier ein Anruf eingeht, soll ich ihm Bescheid sagen. Beide Söhne haben geschworen, daß ich sofort davon höre, wenn sie los müssen, und ich habe meiner Mutter versprochen, daß sie auch sofort informiert wird.

Zum Thema Karte finde ich gerade diesen Artikel in der FAZ.

 

Ohne Iron Dome Juli 9, 2014, 8:28

Posted by Lila in Land und Leute.
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sähe es hier ganz anders aus. Heute früh hat Iron Dome fünf Raketen über der Gegend von Tel Aviv (Gush Dan) und dem Flughafen Ben Gurion abgeschossen.

Was für eine gewaltige Geldverschwendung von beiden Seiten. Die Palästinenser in Gaza hätten ihre Gelder besser in Gewächshäusern und Geschäftsgründungen und Bildung angelegt, und uns wäre es lieber, Iron Dome wäre gar nicht notwendig gewesen. Aber so rettet es Leben.

Ich erinnere mich daran, wie es jahrlang hieß, bei so kurzen Flugbahnen wäre es nicht möglich, exakt zu berechnen, wohin die Rakete fliegt, und sie dann gezielt abzuschießen bzw sie fliegen zu lassen, wenn sie in leeres Gelände fällt. Und doch hat eine kleine Gruppe von kreativen Menschen bei Raphael diese Aufgabe gelöst. Im Fernsehen hieß es, die Ingenieure von Raphael begleiten die Iron-Dome-Batterien die ganze Zeit und nehmen Feinjustierungen vor.

Nicht auszudenken, was die Fajr-Raketen in Hadera oder Rishon hätten anrichten können. Sie nehmen Kurs auf Straßen, Häuser, Einkaufszentren, Kindergärten – und werden abgefangen. Die Metallreste, die von diesem Abschuß herunterfallen, haben die Passagiere der Aida Diva anscheinend so erschreckt, daß die Reederei beschlossen hat, Israel nicht mehr anzulaufen…

(Hier gibt es ein Video, wie das in der Gegend von Tel Aviv aussieht).

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