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Weiter im Auge behalten Dezember 31, 2008, 23:01

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Der Direktor des Shifa-Krankenhauses in Gaza City hat sich empört gegen Diskins Erklärung gewandt, daß das Krankenhaus zur Aufbewahrung von Waffen dient.  Mal gucken, was am Ende die Wahrheit ist. Ob Diskin sich geirrt hat, ob Diskin absichtlich gelogen hat, ob der Krankenhausdirektor hintergangen wurde oder die Unwahrheit gesagt hat, aus Überzeugung oder unter Zwang – ich wüßte es gern.

Ich hoffe und erwarte, daß der Shabak seine Quellen noch einmal gründlich prüft. Eine unberechtigte Bombardierung des Krankenhauses wäre eine Katastrophe. Ich hoffe, daß die Wahrheit ans Licht kommt.

Pro Bodenoffensive: Moshe Arens Dezember 31, 2008, 22:55

Posted by Lila in Presseschau.
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Immerhin bedenkenswert für die Strategen, die meinen, die  Luftwaffe allein kann es reißen.

Moshe Arens war mehrmals israelischer Verteidigungsminister. Er gehört zur israelischen Rechten, und er ist einer der Rechten, die mir Eindruck machen. Er hat einen kühlen Kopf und ich mag seinen Stil, auch wenn ich politisch woanders stehe. Aber wo kämen wir hin, wenn wir nur Ideen annähmen, die von ähnlich Denkenden geäußert werden?

Arens läßt alle bisher ausprobierten oder empfohlenen Lösungsansätze des Gazaproblems Revue passieren und legt die Schwäche eines jeden einzelnen dar. Überzeugend, wie ich finde (es ist auch nicht soo  schwierig). Aber was dann?

Now that leaves the only effective alternative – for the Israel Defense Forces to take control of the rocket launching sites in the Gaza Strip. Over 60 years ago, in World War II, the Allies understood that the only way to put a stop to the shelling of London by German V2 rockets was for Allied armies to reach the launching sites in Western Europe.

Much has changed since then, but the rockets are essentially still the same (the Qassams and Grads fortunately have considerably less range than the V2s). So that leaves the job to the IDF ground forces.

Why has it been so difficult for our leaders – civilian and military – to understand this? The prospect of ground forces entering the Gaza Strip is not particularly attractive, especially after we have been told that „we have left the Gaza Strip forever.“ But nobody has yet found a way of defeating an enemy without invading their territory. Call it occupation or whatever else you like, but that is how wars have always been won, and if we are going to defeat Hamas and stop the rockets from raining on Israeli civilians that is what we will have to do.

„Once there, how are we going to get out?“ is the ultimate argument sounded by those who oppose the only move that can attain our declared objective of providing security for Israel’s citizens in the south. It is an argument that is based on the presumption that future events can be foretold with certainty; that the IDF, once in the Gaza Strip, will find it impossible to disentangle itself from there; and that Hamas, even after having been defeated, will continue to rule the Gaza Strip. Not very sound reasoning.

Ich wünschte, ich könnte seinen Optimismus über die Beendung der Aktion teilen. Bei militärischen Einsätzen geht es manchmal zu wie beim Redenhalten – man findet das Ende so schlecht, wenn man warmgelaufen ist.  Aber daß die Infanterie die Arbeit beenden muß, die die Luftwaffe angefangen hat, daran habe ich keinen Zweifel. Schweren Herzens sehe ich der Bodenoffensive entgegen, aber vom militärischen Standpunkt aus gibt es keine bessere Lösung. Damit erstmal Ruhe ist vor dem Raketenterror. Was dann politisch ist? Nun, vielleicht holen wir Arens wieder vom Regal und stauben ihn etwas ab. Ich hoffe, er hat auch dafür eine gute Idee.

Tatsachen. Dezember 31, 2008, 20:47

Posted by Lila in Land und Leute.
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Gefunden bei Meryl Yourish

Eine Zusammenfassung der Ereignisse seit der Räumung vor drei Jahren bis heute, mit vielen Links. Für Leute, die sich in Diskussionen mit Faktenwissen unbeliebt machen wollen. An den Tatsachen ist nichts zu deuteln.

Angela Merkel hat vollkommen Recht, wenn sie die eindeutige und einzige Schuld auf Seiten der Hamas sieht. Ich wüßte nicht, wie man es anders hindrehen könnte.

Auf dem Weg zur Silvesterparty Dezember 31, 2008, 20:08

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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erklärt uns Secundus, der die Zeit seiner Rückkehr mit der Vorbereitung dieser Party to end all parties verbracht hat, daß sie diesmal besonders viele Gäste haben werden. Kibbuz Beeri und Kibbuz Nahal Oz haben ihre Jugendlichen für eine Woche in den Norden geschickt, und sie feiern hier heute nacht zusammen mit unseren Kindern. Schön.

Die wahre Weltverschwörung Dezember 31, 2008, 19:46

Posted by Lila in Bloggen.
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Etwas fassungslos titel der SPon:

Saudi-Arabien gibt Palästinensern Mitschuld an Gaza-Krise

Die muslimischen Staaten sind sich uneinig über ihre Haltung gegenüber der islamistischen Hamas. Während Iran die Gruppe unterstützt und von der Arabischen Liga Aktionen gegen Israel fordert, räumt Saudi-Arabien eine Mitschuld der Palästinenser an der Gaza-Krise ein.

Ja, dabei wissen doch alle, wer Alleinschuld trägt.

Ich aber weiß den wahren Schuldigen. Ich weiß, wer es alles auf der Kappe hat, wessen Interessen es dient. Wir sind es, die Nahost-Blogger. Endlich Zugriffszahlen mit roten Backen! endlich Neubesucher, die noch nie von Lilas berühmt-berüchtigtem Blog gehört haben! endlich mal sich wichtig fühlen! endlich mal als kompetent anerkannt werden, wichtiger Kontakte verdächtigt werden, nach unbekannten Informationen gefragt werden!

Mit dem Libanonkrieg vor zwei Jahren hat es angefangen, das Gefühl der eigenen Wichtigkeit. Es stieg uns zu Kopf, berauschte uns. Mit unermüdlicher Wühlarbeit haben wir es nun dahin gebracht, daß die nächste Krise uns ins Zentrum des Weltinteresses katapultiert und…

Nicht überzeugend? Hm. Eine Theorie ist so gut wie die andere. Hauptsache Verschwörung. Verratet es niemandem.

Geständnis, abgerungen Dezember 31, 2008, 19:01

Posted by Lila in Bloggen, Persönliches.
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Ich finde „Dinner for One“ nicht witzig, kein bißchen. Ich finde es zäh und langweilig. So sehr ich es auch versucht habe, im Laufe meiner Jugend, ich kann es nicht witzig finden und bin froh, daß ich es heute nicht angucken muß. Es war mir immer peinlich, als stockernster Partykiller dabeizusitzen, wenn sich rund um mich herum die Leute in Juchzen und Prusten ergingen. Oh Gott, mit mir stimmt was nicht. Ich hasse „Dinner for One“, ich hasse Lachzwang.

Puh, ich habe es gesagt. Welche Erleichterung.

Prost Neujahr. Ich arbeite morgen, also ein ganz normaler Tag.

Updates Dezember 31, 2008, 17:26

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Der Shin Bet (der bekanntlich Kontakte überall hat🙂 ) berichtet, daß sich Hamasniks in Krankenhäusern verstecken. Es würde mich nicht wundern, denn die Terroristen haben noch nie davor zurückgeschreckt, humanitäre Einrichtungen für ihre Zwecke zu nutzen.  Was ich damit sagen will: wenn die Krankenhäuser geräumt werden und dann bombardiert, achtet in den Nachrichten darauf, ob sich eine zweie Explosion zeigt. Nämlich, wenn die gelagerten Waffen in die Luft gehen.

Wer meint, schade um die Krankenhäuser, traut der Hamas mehr Gemeinsinn zu,  als sie hat. Obwohl Mengen von medizinischer Ausrüstung in den Gazastreifen gelassen werden (über Kerem Shalom, weil die Ägypter nichts durchlassen wollen, bis die Fatach wieder am Ruder ist… wir sind da etwas flexibler), gelangt nicht alles zu den Kranken selbst. Angebote Israels, weitere Kranke und Verletzte aufzunehmen, scheitern an der Weigerung der Hamas, das zuzulassen.

Colonel Levi also accused Palestinian Health Ministry officials of preventing the injured from leaving Gaza to receive medical treatment in Israel and piling up bureaucratic hurdles.

So far, a 16-year-old boy who was injured in the operation was permitted to leave Gaza for Israel and on Wednesday a seven-year-old boy who sustained serious wounds will follow.

A number of cancer patients were also transferred to Israel for treatment, but Palestinian medical officials demand a long list of documents to approve the release of patients, and therefore prevent any serious treatment of the matter.

„Gaza hospitals have not collapsed, and international organizations have not reported a collapse and even point out that the medical equipment sent there is improving the hospitals‘ efficient activity. Regarding food as well, we have not received official complaints, there are large amounts of food in the Gaza Strip and there is no crisis in this regard,“ Levi said.

Sowas würde ich keinem menschlichen Wesen zutrauen – aber wir sprechen hier von der Hamas.  Im Krankenhaus von Ashkelon, das wegen der Raketen in den Keller umgezogen ist, liegen Krebspatienten aus dem Gazastreifen. Israel ist Kranken und Verletzten gegenüber traditionell hilfsbereit.

Zum Thema Medikamente und Blutspenden: David Bogner, den ich unvermeidlicherweise sehr oft verlinke, stellt eine interessante hypothetische und vielleicht gar nicht so hypothetische Frage. Lesen bildet! Auch die Kommentare sind hochinteressant.

Die arabische Liga ist tief gespalten. Auch wenn die „arabische Straße“ geschlossen gegen Israel demonstriert, sind nicht alle arabischen Regierungen auf Seiten der Hamas. Im Gegenteil. Ägypten, Saudi–Arabien und andere rennen zwischen den Tropfen.  Hinter dem Ruf nach Einigung der Palästinenser verbirgt sich eine Mahnung und Warnung, die Kämpfe zwischen Fatach und Hamas zugunsten der Fatach aufzugeben. Der genervte Unterton ist unverkennbar.

„This terrible massacre would not have happened if the Palestinian people were united behind one leadership speaking in one voice,“ he said at the league meeting’s opening.

„We are telling our Palestinian brothers that your Arab nation cannot extend a real helping hand if you don’t extend your own hands to each other with love,“ he said.

Höret wohl und merket auf, o Palästinenser.

Und besonders pikant: die Rakete, die heute die Decke einer Schule in Beer Sheva durchschlagen hat, ist chinesischer Herkunft. So viel zum Thema „selbstgebaute Knallfrösche“ – und zur Tüchtigkeit der Hamas-Regierung, die über Versorgungsengpässe klagt, aber schlagkräftige Raketen aus China bezieht.

Eine Grundsatz-Erklärung Dezember 31, 2008, 12:10

Posted by Lila in Land und Leute.
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für die kernigen, kampflustigen Kommentatoren und Leser, die Menschen wie mich mit Spott und Verachtung überschütten. Eigentlich hätten sie allein schon wegen ihrer Unhöflichkeit keine Beachtung verdient, aber ich sehe Aufklärungsbedarf. Und wann hätte ich dem je widerstehen können?

Die Kehrseite des Stereotpys vom bösen Haudrauf Avi Jedermann ist das Stereotyp vom guten Haudrauf Avi Jedermann. Eine bestimmte Sorte Israel-Freunde erwartet von Israel, genauer von der israelischen Armee Zahal, daß sie alle westlichen Frustrationen mit den Moslems, den Arabern, den Islamisten, den Jihadisten, wem auch immer, ausagiert und es ihnen mal richtig zeigt. Ohne humanistische Zimperlichkeiten, ohne Rücksichtnahme, ohne Ethos, ohne Moral. Immer feste druff, es wird schon keinen Falschen treffen. Macht sie alle! Die kernigen Freunde jubeln aus Europa gern mit, als Schlachtenbummler, die nicht naß werden, wenn es regnet.

Dahinter steckt erstens, wie mir schon länger auffällt, ein seltsamer Männlichkeits-Kult. So beziehen sich diese Kommentatoren ausnahmslos auf SÖHNE, meine Söhne, dabei ist im Moment von meinen Lieben meine Nichte als einzige aktiv in die Kämpfe verwickelt (Offizierin in der Luftwaffe).  Sei´s drum. Jedem Tierchen seinen blinden Fleck.

Doch zweitens steckt dahinter, und das ärgert mich viel mehr, eine Vorstellung von Zahal als einer Art Fremdenlegion. Skrupellos, eisenhart, schlagkräftig. Wer Zahal so sieht oder gern so sähe, hat nichts begriffen.

Im Gegensatz zu anderen Armeen, in denen sich die einfinden, die Armee grundsätzlich gut finden, während alle anderen wegbleiben, verweigern oder den Wehrdienst sonstwie umgehen, zieht Zahal ganze Jahrgänge von Mädchen und Jungen ein. Zahal ist Teil der Familie, für alle Israelis außer moslemischen Arabern und anti-zionistischen Ultra-Orthodoxen. Nicht etwa, wie manche unklugen Beobachter suggerieren, weil Israelis so militärbegeistert sind. Nein, wir stehen hinter Zahal, weil wir es selbst Zahal SIND. Auch jemand wie ich, der nie eine Uniform getragen hat. Zahal ist ganz praktisch Teil meines Lebens, seit ich hier bin.

Jeder von uns unterstützt Zahal, weil die Armee uns beschützt und weil wir dort Leute haben, die wir mögen und auf die wir uns verlassen. Alle Leute, mit denen ich zu tun habe, sind bei der Armee gewesen, sind immer noch im Reservedienst, oder haben liebe Menschen zur Armee geschickt. Wir reagieren kritisch, wenn die Armee Fehler macht (ob es um fahrlässigen Leichtsinn im Umgang mit Soldaten angeht, falsche militärische Entscheidungen oder was auch immer), wir identifizieren uns mit der Armee und sie ist Teil unseres Lebens. So wie für eine Pfarrfamilie die Kirche oder für eine Bergbaufamilie der Pütt Teil des Lebens ist.

Und umgekehrt absorbiert und reflektiert die Armee den israelischen Nationalcharakter. Und der ist sehr uneinheitlich. Es gibt fromme Israelis, hedonistische, intellektuelle, praktisch veranlagte, es gibt europäische, orientalische, gemischte und was-man-nur-will Israelis. Das prägt die Armee.

In vielen anderen Ländern existieren die Armee und die zivile Gesellschaft nebeneinander her, mit verschiedenen Wertsystemen und verschiedener Sozialstruktur. Es gibt Leute, die man in ihren Armeen nie finden würde, und wenn sie Soldat werden müssen, kommen sie gebrochen wieder. Es sind getrennte Welten, Armee und Gesellschaft.

In Israel sind Armee und zivile Gesellschaft eng miteinander verbunden. Die Armee besteht aus Bürgern, die Bürgern sind Teilzeit-Soldaten. (Ich bitte, das nicht mit der bewußten Verwischung der Grenzen zwischen Kämpfern und Zivilisten zu verwechseln, die ich bei der Hamas anprangere – wer bei uns keine Uniform trägt, ist Zivilist, auch wenn er die Uniform gerade erst ausgezogen hat, weil sein Reservedienst zu Ende ist – und er hat Anspruch auf Schutz wie ein Zivilist. Gerade weil Zahal eine Armee des Volks ist, trennen wir sehr säuberlich).

Das bedeutet, die Soldaten tragen die Werte der israelischen Zivilgesellschaftin die Armee , viel stärker, als das vielleicht in anderen Armeen der Fall ist. Und was sind die prägenden Werte der israelischen Gesellschaft?

Als Grundlage würde ich ohne Zweifel das Judentum nennen. So mies der Ruf des Worts „alttestamentarisch“ bei Nichtjuden  ist (ein Blick in Google zeigt die überwiegend negative  Konnotation),  so menschenfreundlich und moralisch anspruchsvoll ist das Judentum. Über den Fall des Feinds jubelt man nicht (Sprüche 24:17), man verlangt von sich selbst immer mehr als von anderen, man vergißt nicht, zu danken, wo Dank gebührt, ob dem Herrn oder dem Mitmenschen, und man ist nie vor Kritik und Selbstkritik sicher. Andere Religionen, andere Völker feiern ihre Siege. Die Juden feiern ihre Niederlagen auch. Sie rufen das eigene Versagen in der Wüste immer wieder in Erinnerung, um daraus zu lernen.

Sie haben ein langes Gedächtnis und wie ich schon oft bemerkt habe – die Dankbarkeit und der Ernst, mit der Juden sich jeder Hilfe von Nichtjuden erinnern, ist besonders eindrucksvoll.

Das Judentum kennt den Ausdruck „zelem enosh„, das ist der menschliche Kern, den der Mensch sich immer bewahren soll. Die Bilder, die betende Soldaten zeigen, deuten nur an, wie intensiv der jüdische Wunsch ist, Mensch zu bleiben. Auf jiddisch: ein mensh. Das ist das Wichtigste, den Respekt vor dem menschlichen Leben nicht zu verlieren, denn der Mensch ist im Bildnis Gottes geschaffen und wer den Menschen mißachtet, mißachtet Gott.

Auch säkulare Juden sind eindeutig von dieser Lehre beeinflußt, die sich auch in dem von Assa Kasher entworfenen ethischen Code wiederfindet. Dieser Code wird in der Ausbildung betont, und es herrscht weitgehende Einigkeit über ihn. (Daß es immer wieder Soldaten gibt, die dagegen verstoßen, liegt in der Natur des Menschen – auch an das Strafgesetzbuch halten sich längst nicht alle, auch an Verkehrsregeln nicht….)

Es ist dieser zelem enosh, dieses ehtische, lebensbejahende Rückgrat der israelischen Gesellschaft und der jüdischen Tradition, die Israel und Judentum bewundernswert machen. Für diese Werte ist in der Fremdenlegion kein Platz, weswgen die Fremdenlegion nicht für ihre wissenschaftlichen, intellektuellen, künstlerischen und kulturellen Errungenschaften bekannt ist.

Israel aber, als kleines, isoliertes, oft angegriffenes Land, rundherum von Nachbarn abgeschlossen und boykottiert, ohne Bodenschätze und mit feindseligen Bevölkerungsanteilen – Israel entwickelt Technologien und Medikamente, behandelt Kinder (aus dem Irak, aus Ruanda… und vielen anderen Ländern)  mit Herzfehler umsonst, bietet den Iranern nach einem Erdbeben unsere ausgezeichneten Rettungsdienste an (die Türken haben nicht bereut, daß sie dieses Angebot angenommen haben), Israelis machen Musik, Theater, schreiben Literatur, erforschen alles mögliche. Israel hat Universitäten, Orchester, Galerien. Israelische Kultur ist unglaublich vielfältig und lebendig.

Der Forscher, der Dirigent, die Bildhauerin, sie alle waren in der Armee und haben dort das Ihre gegeben – und ein bißchen von ihrem „spirit“ in der Armee gelassen. Die Armee wiederum hat sich, außer in Ausnahmefällen, nicht etwa zum Ziel gesetzt, diesen Geist zu brechen und aus dem Forscher, Dirigenten und der Bildhauerin Rekruten zu machen, die wie Fremdenlegionäre zuschlagen und keine Fragen stellen. Die Armee weiß, daß sie die israelische Gesellschaft zerstören würde, wenn sie das täte. Die Soldaten müssen so unbeschadet wie möglich aus der Armee kommen, in den Gerichtssaal, das Labor, die Autowerkstatt und den Kindergarten zurückkehren. sonst ist Israel in einer Generation kaputt. Tot. Eine Fremdenlegion mit zivilen Anhängseln. Dann wäre die Armee Selbstzweck, aber das Leben in Israel wäre nicht mehr lebenswert.

Zahal bewahrt unser Leben und bewacht unseren Schlaf. Wir sind dafür dankbar. Ich würde nie erwägen, meine Kinder in Deutschland in Sicherheit zu bringen und sie nicht dem Staat dienen zu lassen, der ihnen ermöglicht hat, glücklich aufzuwachsen. Aber Zahal ist keine Armee von Monstern und Robotern, sondern von Menschen, die Menschen bleiben wollen, mit Uniform und ohne Uniform.

Die Kommentatoren und Leser, die mich mit Verachtung auslachen und die Zahal als zu weich kritisieren, haben nicht den geringsten Respekt vor Israel, den Werten, die Israel ausmachen und die das Leben hier lebenswert machen. Israel schenkt der Welt Erfindungen, Krativität, Bücher, Mikrochips, intelligente Lösungen. Es ist dasselbe Israel, das sich überlegt, wie es Zivilisten schont, wie so so effektiv wie möglich und nicht destruktiver als nötig vorgeht. Ich weiß, daß das den Rambo-Fans nicht imponiert, sondern sie nur in ihrem Glauben bestärkt, daß Israel schwächlich ist und ich die Schwächlichste von allen. Darum schreibe ich auch nicht wirklich für sie, sondern für die, die in Israel mehr sehen wollen als den gewaltbereiten Vollstrecker ihrer eigenen Vernichtungsfantasien. Sondern für die, die wirklich verstehen wollen, wie Israel tickt. Respekt vor dem Leben.

Wer nicht begreift, daß ein Kämpfer MIT Gewissen und moralischem Rückgrat viel mehr Respekt verdient als ein gewissenloser, eisenharter Legionär – der hat nichts begriffen. Denn nur der Kämpfer, der mehr ist als Kämpfer, kann seiner Gesellschaft mehr geben als Krieg. Nur er kann auch Frieden machen. Die berühmtesten und tapfersten Kämpfer Israels hatten alle diesen „moralischen Mehrwert“, der sie an bestimmten Punkten ihres Lebens befähigte, nicht nur militärisch zu reagieren. Ich bin selbst mit einem Mann verheiratet, der mutig ist, kampfbereit, realistisch – und der sich seinen zelem enosh nie hat nehmen lassen. Darauf bin ich stolz, und dafür lasse ich mich auch anpinkeln.

Schickt freundliche Gedanken Dezember 31, 2008, 9:28

Posted by Lila in Land und Leute.
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an Ruth und ihre Familie. Sie sitzen seit dem Morgen wieder pausenlos im Schutzraum, nachdem sie letzte Nacht die Explosionen gehört haben. Die Schule fällt in Beer Sheva heute aus. Alarm nach Alarm in Beer Sheva.

Ich glaube, als Ruth ihre Blog-Uunterzeile „was so eine Perspektive ausmacht“ wählte, dachte sie nicht an eine so unerfreuliche Perspektive. Das Leben geht trotzdem weiter, Ruth geht ins Büro und auch das ist Gegenwehr.

Übrigens habe ich soe eben den Youtube-Channel der IDF entdeckt.  Da kann man sehen, wie Zahal angreift, und wo die Hamas sich jeweils niederläßt.

In Beer Sheva ist eine Schule getroffen worden, gestern ein Kindergarten. An mangelndem Willen der Hamas hat es nicht gelegen, daß kein Kind verletzt wurde.

Eifrig gesammelt haben sie ja. Hätten sie sich mal ebenso emsig um die Infastruktur gekümmert, diese Helden. Mal gucken, wie lange sie weiter schießen.

Verschweigungen, Verzerrungen, Verleumdungen Dezember 31, 2008, 9:00

Posted by Lila in Presseschau.
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Daß solche tendenziösen Interviews wie das mit Dethlefsen in der ZEIT überhaupt abgedruckt werden, läßt mich fast bedauern, mein jahrzehntelanges Abonnement der ZEIT schon vor ein paar Jahren gekündigt zu haben. Denn so kann ich es jetzt nicht kündigen. Ich kann nur sagen, pfui Teufel. Es verdient gar nicht, Satz für Satz auseinandergenommen zu werden – jeder Satz ist lügenhaft. Nur zwei Beispiele.

ZEIT ONLINE: Wie groß sind die Schäden im Gaza-Streifen?

Dethlefsen: Zahlreiche Wohnhäuser liegen in Trümmern, auch Schulen und sechs Moscheen wurden zerstört. Die Islamische Universität wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das war keine militärische Ausbildungsstätte der Hamas, sondern eine Hochschule.

Ach ja? Fragt sich nur, eine Hochschule für was.  Hier ist Wikipedia-Beschreibung der Uni. Leider ist sie unvollständig. Bereits bei früheren Einsätzen der Armee zeigte sich, daß in der Universität iranische Ausbilder die Studenten für den Jihad vorbereiten. Und vielleicht noch wichtiger: vermutlich wurde Gilad Shalit dort gefangengehalten.  Nun kann man viel gegen israelische Unis sagen, aber dort werden wenigstens keine Gefangenen festgehalten. Im Gegenteil: an der Uni Haifa wurde eine Demo der arabischen Studenten zugelassen:

„In spirit and in blood we will save Palestine“, „The defense minister is a child killer“, and „Fascism lives on“ are just some of the slogans shouted out by the students.

Reem Khazan, a political science student, told Ynet the demonstration was against „the killing in Gaza…If we want security for Sderot, there must be life in Gaza. Let them get out of there“.

When asked why she and her comrades did not protest the continued rocket attacks on Israeli communities from the Gaza Strip, Khazan said, „You can’t compare a Qassam to an Apache or the shelling that is going on now.“

Haifa University President Aaron Ben Ze’ev said, „The composition of the population in the university reflects the composition of the population in the State. As in other towns, including mixed towns, there have been protests following the operation in Gaza.

„There is no reason not to protest here as well. The university allows demonstrations under the frame of freedom of expression and students‘ rights.“

Und Aaron kann man nicht vorwerfen, kein Patriot zu sein. Aber wenn man es ernst meint mit der akademischen Meinungsfreiheit, dann muß man die Studenten auch protestieren lassen, solange sie es in den erlaubten Formen tun. Das ist zwar unbequem, aber so ist das in einem demokratischen Staat. Und in einer demokratischen Uni (es gab natürlich auch Gegenkundgebungen).  Das ist eine Hochschule. Die Islamische Universität in Gaza dagegen ist ein Rekrutierungszentrum für den Jihad.

The university’s main campus in Gaza City has been used by Hamas‘ so-called military wing to recruit terrorists and suicide bombers, according to Israeli and Palestinian security officials. The officials said chemistry labs were used to manufacture and improve explosives for Hamas-affiliated militias.

Previous Israeli raids of the main university campus in Gaza yielded mass quantities of weaponry and Hamas incitement material.

Officials from Palestinian Authority President Mahmoud Abbas‘ Fatah party last month claimed they captured seven Iranian military trainers – including a general of the Iranian Revolutionary Guards – inside Gaza City’s Islamic University, which they said was being utilized as a Hamas military training ground.

The Fatah officials said they also found about 1,000 Qassam rockets and equipment to manufacture the rockets inside the university. They previously suspected kidnapped Israeli soldier Gilad Shalit was being held for a time on the university grounds.

Nun kann man sagen: Fatah und Israel sind voreingenommen, ich glaube nicht, daß das stimmt. Aber man muß wahrheitsgemäß sagen, daß Israel, wenn es die Islamische Universität bombardiert, dies nicht tut, weil die bösen Zionisten die armen Palästinenser daran hindern wollen, Sozialarbeit und höhere Mathematik zu studieren. Israel bombardiert Ziele, die dem Terror dienen. Der sorgfältigen Aufklärungsarbeit zufolge ist die Islamische Universität in Gaza eindeutig eine Institution, die Terror fördert.

Das nicht wenigstens zu erwähnen, stellt eine Verzerrung der Tatsachen dar, die sich der Sprecher einer ehrenwerten Organisation wie der Ebert-Stiftung eigentlich nicht leisten sollte. Denn so klingt es wie: aus reiner Grausamkeit bombardiert Zahal zivile Ziele. Genau das Gegenteil ist richtig, genau das Gegenteil. Zahal beschränkt sich auf Ziele der Hamas, die uns den Krieg schon vor langem erklärt hat, und die uns in den letzten Jahren casus belli um casus belli geliefert hat.

Doch Knudsen sieht das ganz anders.

ZEIT ONLINE: Warum können die Hamas-Einrichtungen nicht zerstört werden, ohne dass so viele Zivilisten zu Schaden kommen?

Dethlefsen: Der Gaza-Streifen ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Alles liegt dort sehr dicht beieinander. Und da die israelische Armee auch Wohnhäuser angreift, in denen Hamas-Mitglieder wohnen, werden auch deren Nachbarn getroffen. Am Sonnabend bombardierten Kampfflugzeuge um 12 Uhr eine Polizeiwache, zur selben Zeit schließen die Schulen. Bei dem Angriff starben beispielsweise sieben Schüler und ein Lehrer einer Schule des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNWRA).

Ja, der Gazastreifen ist dicht besiedelt. Und ja, diesmal werden auch die Wohnungen von Hamas-Mitgliedern angegriffen – allerdings nicht, ohne vorher den Nachbarn SMS zu schicken mit der ernsten Warnung, sich in Sicherheit zu bringen, oder sie anzurufen. Allein der Aufklärungs-Aufwand, den Zahal betreibt, um das Leben dieser Nachbarn zu schützen, sollte Erwähnung finden – nicht jedes Mädchen hält so rein. Daß die Menschen Angst vor der Hamas haben und von ihr daran gehindert werden, sich in Sicherheit zu bringen, sollte vom Krieg gegen die Hisbollah bekannt sein. Das kann man uns wohl kaum in die Schuhe schieben.

Aber sagen wir doch den wahren Grund für die Verluste unter Zivilisten, auch wenn sie nur einen kleinen Teil der Verluste bei den Palästinensern darstellen und der Großteil der Getöteten Hamasniks sind, die nach Heldentod und Kampf dürsten und seit Jahren ununterbrochen gegen Israel rüsten, hetzen und schießen. Der wahre Grund ist die human-shield-Taktik der Hamas. Menschliche Schutzschilde sind erstens wirksam (wenn die Hamas nicht wüßte, daß Israel auf sie Rücksicht nimmt, würde es sie nicht einsetzen), zweitens verstoßen sie gegen das Völkerrecht, und drittens hat Israel das Recht, diese Schutzschilde außer Acht zu lassen.

Der Status frewilliger menschlicher Schutzschilde ist umstritten:

In either event, voluntary human shields should not be treated as civilians when military commanders are deciding whether or not to strike a target where human shields are present.

Und ob man die Bewohner des Gazastreifens als freiwillige oder unfreiwillige menschliche Schutzschilde definiert – den Genfer Konvention zufolge werden sie nicht geschont. Daß Israel sich trotzdem bemüht, sie zu schonen, entgeht den freundlichen Israel-Kritikern vollkommen, die mit dem internationalen Recht nur wedeln, wenn sie meinen, es gegen Israel einsetzen zu können.

Um es ganz klar zu sagen: die zivilen Verluste im Gazastreifen gehen auf die Kappe der Hamas. (Der Artikel lohnt die Lektüre).

Hamas’s brazen use of human shields is directly facilitated by the international community’s reluctance to address the issue and denounce the premeditated endangerment of ordinary people. According to all rules of warfare, including the Geneva Convention, this is nothing short of a war crime. When the crimes of Gaza’s terrorists against their own people are consistently overlooked around the world, it can only encourage the Islamists‘ immorality.

By staying silent on this fundamental moral issue, the international community becomes an accomplice to bloodshed both among the directly targeted Israelis and the unintentionally harmed Gazans.

Zahal macht große Anstrengungen, Zivilisten zu schonen, auch wenn diese Anstrengungen von den Medien glatt verschwiegen werden – auch heute sind 40 LKWs mit humanitären Gütern in den Gazastreifen gefahren. Monatelange Aufklärungsarbeit war nötig, um die Ziele zu bestimmen, die dem Terror dienen. Die Hamas verfolgt genau die umgekehrte Strategie. Gerüstet bis an die Zähne, mit Bunkern für die Hamas-Führer – und ohne irgendeine Art von Zivilschutz verlassen die Terroristen sich auf die naive Empörung von Leuten wie Dethlefsen, die die Schuld für zivile Opfer schlicht Zahal in die Schuhe schieben und damit aktiv die Strategie der Hamas unterstützen.

Die saubere Trennung zwischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten, sowohl auf der eigenen Seite als auch auf der gegnerischen Seite, ist eine zivilisatorische Errungenschaft, an der Terrororganisationen keinen Anteil haben. Die Terroristen, die die hochschwangere Tali Hatuel mit ihren vier Töchtern aus nächster Nähe erschossen haben, sind das beste Beispiel dafür. Daher auch die jubelnde Häme über solche Opfer.

Die fünf Schwestern, die im Gazastreifen vorgestern bei einem Luftangriff ums Leben gekommen sind, waren dagegen nicht Ziel des Angriffs, sondern sog. collateral damage, für dessen Vermeidung Israel sehr weit geht, leider nicht immer mit Erfolg. Demzufolge werden solche Todesfälle nicht mit Jubel, Trubel, Heiterkeit begrüßt, sondern sachlich als Tragödien berichtet, die niemand in Israel beabsichtigt hat.

Man kann sich auf den Standpunkt stellen, daß es den Hatuel-Mädchen und den Baloushe-Mädchen nicht mehr wichtig ist, wie sie umgekommen sind. Trotzdem hoffe ich, daß der Unterschied klar ist. Von Terroristen kann man keine Gnade erwarten. Israelische Piloten dagegen haben oft auf den Abschuß verzichtet, wenn sie Kinder sahen – weswegen sich die Schutzschild-Strategie ja als so populär erweist. Mit ihrer Rücksichtnahme hat Zahal die Hamas geradezu ermuntert, sich hinter Kindern zu verstecken.

Es ist alles nicht so einfach, wie Dethlefsen und andere „blutende Herzen“ es darstellen wollen. Wie gesagt, fast jeder Satz in diesem Interview stellt eine simplizistische Verzerrung da, unter Verschweigung wesentlicher Tatsachen. Und damit Verleumdungen Israels. Dehtlefsen identifiziert sich mit den Palästinensern so weit, daß er ihre Taktik untertützt. Damit disqualifiziert er sich als „Experte vor Ort“. Aber als Sprecher der Hamas hat er zweifellos eine Zukunft vor sich.

Quarta erzählt* Dezember 31, 2008, 7:11

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„Als wir mit der Oma im Kino waren, haben wir auf der Straße auf einer Mauer ein Hakenkreuz gesehen. Wie blöd kann jemand sein, der Neo-Nazi sein will? Die Nazis waren doch so böse. Tertia und ich hätten das ja gern übermalt, aber wir hatten keinen Stift dabei. Da haben wir dann auf das Hakenkreuz gespuckt. Also ich zumindest. Und zwar ganz doll.“

Sie sorgt für Ordnung, meine Tochter.

* für die Leser, die es nicht mitgekriegt haben: die Rede ist von ihrem Besuch bei der Oma in Deutschland

Trübe Aussichten Dezember 31, 2008, 1:27

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In der ZEIT, deren Nahostberichterstattung sonst eher durchschnittlich ist (bring Gisela Dachs back!), ist ein lesenswerter Artikel zu finden. Ha, natürlich finde ich den lesenswert, den hat ja auch ein Israeli geschrieben🙄 Er ist es aber wirklich. Besonders dieser Satz.

Weder Israel noch sonst irgendjemand hat eine langfristige durchführbare Strategie für den Umgang mit Hamas in Gaza. Es handelt sich hier um eine militante terroristische Organisation, die ein Stück des palästinensischen Gebietes eingenommen hat, sich jedoch weigert, wie eine souveräne Macht aufzutreten und schlussendlich die Opferrolle und das Märtyrertum ihres Volkes genießt.

Richtig. Ich habe mir hier im Blog ja auch schon oft den Kopf darüber zerbrochen, wie man mit der Hamas umgehen kann. Ganz spezifisch mit der Hamas im Gazastreifen, nicht dem Islamismus als solchem oder dem Terrorismus als solchem. Ich bin auf keine brauchbare Idee gekommen, meine Leser auch nicht. Zwischen Stillhalten und Hamas weiter schießen lassen, Flächenbombardement oder höchst riskantem begrenztem Militäreinsatz war nicht viel. Denn Reden geht mit der Hamas nicht, sie ist nicht dazu bereit, und wenn sie sich zu etwas verpflichtet, dann fühlt sie sich nicht daran gebunden. Was macht man also mit so einem Feind?

Yossi Alpher teilt mein Unbehagen der militärischen Lösung gegenüber, denn erstens sollte die Menschheit doch irgendwann ohne Knüppel-aus-dem-Sack Konflikte beilegen können, und zweitens bringt es auf die Dauer auch nichts. Heute zerstören wir ihre Abschußrampen, morgen bauen sie neue und übermorgen schießen sie wieder. Eine militärische Aktion hat nur Sinn, wenn sie die Bedingungen für eine politische Einigung schafft. Also zB der Hamas einen so gewaltigen Eindruck macht, daß sie nicht nur eine Art Vertrag, eine Art Duldungsabkommen mit Israel schließt, sondern sich noch dazu daran hält. So gern ich glauben würde, daß das möglich ist – es gelingt mir nicht.

Wie gesagt, ich habe eine militärische Aktion nicht gewollt, nicht begrüßt, ich habe sie gefürchtet und fürchte sie noch. Jetzt läuft sie, mit all ihren Schrecken, und ich habe meinen inneren Zwiespalt immer noch nicht gelöst. Einerseits ruft in mir das Kartoffel-Theorem („jetzt haben wir den Krieg, dann muß ich auch hinter der Armee stehen“) nach Akzeptieren der unvollkommenen Lösung als kleinstes Übel und fertig. Andererseits zerbreche ich mir den Kopf, wie man es fertigbringen kann, ohne Blutvergießen. Ich finde keine Lösung.

Wenn ich dann von der Hamas als spezifischer Gruppe Menschen an einem spezifischen Ort absehe und mir überlege, wie viele Menschen es in den Staaten um uns herum gibt, die den Staat Israel genauso irrational, heiß und vernichtend hassen, und wie schlecht die Chancen auf irgendeine Art der Verständigung stehen, dann wird das Nachdenken tatsächlich zur Qual, die sich nicht abstellen läßt.

Dann wieder denke ich an den jordanischen König, an Mubarak, und daran, daß es kein Naturgesetz ist, dieser Haß. Mit nüchternen, meinetwegen auch skrupellosen Realpolitikern kann man einen modus vivendi finden. Der Riß geht nicht durch die Grenze Israel und arabische bzw moslemische Welt (immer eingedenk: nicht alle Araber sind Moslems, und erst recht sind nicht alle Moslems Araber). Der Riß geht durch die arabische bzw moslemische Welt. Vielleicht muß der Riß so deutlich zutage treten, vielleicht erwächst draus doch irgendwann etwas Gutes.

Doch von meinen privaten Gedanken zurück zu Alpher. Er denkt ernsthaft über alternative Strategien nach. Er tut nicht so, als hätte er eine Lösung. Das gefällt mir.

Der Eifer, mit dem Sarkozy jetzt einen Waffenstillstand durchsetzen möchte – als wäre das eine Lösung aller Probleme, als wären wir nicht soeben aus dieser Illusion unsanft erwacht – ist mir desto unheimlicher, als er von einem Mann kommt, der die Hamas-Mentalität (jetzt ganz generalisierend, vielleicht unzulässig gesagt) bei französischen Moslems bekämpft. Und dernoch dazu  aus einem Land kommt, dessen größenwahnsinnige Kolonialpolitik auch im Nahen Osten ein unseliges Erbe zurückgelassen hat, vergiftete Erde, mit der wir uns jetzt rumschlagen müssen. Daß er sich hier als Vermittler empfehlen kann, zeigt eine gewisse unreflektierte Selbstsicherheit seinerseits, die bei einem Politiker nicht erstaunen kann.

Nein, wenn jetzt ein Waffenstillstand ausgehandelt wird, dann wird Hamas das als Sieg verbuchen, genauso wie sich Nasrallah trotz riesiger Verluste und persönlicher Angst vor der israelischen Armee (er sitzt seitdem im Schlupfloch) Als Sieger gebärden kann. So wie Zurückhaltung als Feigheit ausgelegt wird – die schrillen Stimmen aus Hamastan kennen nichts außer überbordener Haßrhetorik oder aber hysterischer Opferrhetorik. Eine humanitäre Waffenruhe, so schön das klingt, bedeutet für Israel einen Gesichtsverlust, den wir uns, so blöd das klingt, einfach nicht mehr leisten können.

Ich denke ja gar nicht in diesen Ehrenkategorien. Ich halte ein Eingeständnis von Schwäche für Stärke, und Imponiergehabe halte ich für Schwäche. Aber ich muß meinen Feind erkennen, wenn ich überleben will, und ihn lesen. Und ich lese die Hamas: wenn wir jetzt auch nur einen Zehbreit nachgeben, jetzt, nachdem wir angefangen haben – dann ist der letzte Flusen unseren Abschreckungsvermögens durch den Abfluß gegangen. Und so gern ich ohne das leben würde – mir scheint,  im Nahen Osten geht es nicht. Daß Alpher eine kurze Waffenruhe für einen Schritt hält, eine weitere Eskalation aufzuhalten, ist ermutigend. Er ist da optimistischer als ich.

Also, ich bleibe gespalten. Ich hoffe mit ganzer Kraft, daß dieser Einsatz wohlüberlegt, gezielt, knapp und effektiv zu Ende geführt werden kann, und daß das Kalkül aufgeht. Ganz daran glauben kann ich nicht. Es beruhigt mich, daß auch ein Sicherheitsexperte wie Alpher seine Zweifel hat und aushält.  Es ist schwer auszuhalten, daß ein Problem vielleicht keine Lösung hat, daß es gegen manche Krankheiten keine Medizin gibt und bei manchen Konflikten ein klärendes, ehrliches Wort nicht hilft. Ich finde es zunehmend schwerer, mit diesem Wissen zu leben.

Und Beer Sheva auch Dezember 30, 2008, 21:33

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Sderot und die Kibbuzim im Süden sind ja schon lange Ziel. In den letzten Monaten kam Ashkelon dazu, dann Netivot, in den letzten Tagen Ashdod, Kiryat Malachi, Rahat, Kiryat Gat… der ganze Süden. Heute abend also auch Beer Sheva. Eine Viertelmillion Menschen, wenn ich mir die Zahl richtig gemerkt habe.  Ein äußerst unangenehmes Gefühl, wenn das Dach über dem Kopf nicht mehr sicher ist.

Denn sich zuhause sicher und geschützt zu fühlen, ist so ein Grundbedürfnis. Weswegen zu Abenteurromanen immer die sichere Zuflucht gehört – als Kind mochte ich die Beschreibung der Höhle im „Berg der Abenteuer“ so gern, mit den Farnwedeln. Es tat mir immer leid, daß sie wieder zurück in ihre Internate müssen…

Jedenfalls haben sich mir die Gelegenheiten eingeprägt, bei denen wir nicht nur theoretisch bedroht waren (das sind wir ja immer), sondern konkret. 1991, das alberne Plastikzelt für Baby Primus und die stinkenden Gasmasken, die wir nie aufgesetzt haben. Dann war noch mal eine Saddam-Hysterie, aber ich habe mich geweigert, Fenster abzukleben, und habe mich über die Kindergärtnerin geärgert, die darauf bestand, die Kinder nur mit Gasmaske ausgerüstet in den Kindergarten reinzulassen. Lächerlich. Ich weiß nicht mal mehr, wann das war – 1998?

Zur Zeit der zweiten Intifada war ich nicht ängstlich, ich bin fast täglich mit dem Bus durch Haifa gefahren, dabei konsequent auch eine Linie, die zweimal Opfer von Anschlägen wurde. Ich mußte mehrmals Busse und Läden räumen, einmal auch die UB, wegen Bombenalarm, das hat mir nicht sehr viel ausgemacht – weil ich allein war. Dagegen war das Gefühl nach dem Anschlag in Kibbuz Metzer einfach ekelhaft, denn wenn der Terror in ein Kibbuzhaus eindringt, dann können wir die nächsten sein. Da fühlte ich mich ganz irrational bedroht. Überall in den Kibbuzi, auch bei uns, standen Wachleute rum. Vor jedem Spielplatz Bewaffnete. War vielleicht, war ganz bestimmt ein Overkill, aber wer will ein Risiko eingehen?

Dann 2006, puh, die Erinnerung ist noch frisch. Ich habe großes Mitgefühl mit jedem, dem zuhause das Gefühl der Sicherheit verloren gegangen ist, und der von ständigen Sirenen geknechtet wird. Von Betroffenen ganz zu schweigen. Möge es bald vorbei sein – und diesmal ein stabiler Zustand erreicht wird, ohne Bedrohung für irgendjemand.

Ich wußte es Dezember 30, 2008, 20:26

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Wir haben die Beerdigung im Fernsehen gesehen. Der Offizier, der gestern durch eine Rakete umgekommen ist, der Druse hier aus dem Norden, wurde in Usfiya begraben. Wir kennen den Familiennamen. Jeder Zweifel ist beseitigt, als wir Y.s früheren Kollegen unter den Trauernden sehen. Es ist ein Verwandter. Der Vater des Toten wird interviewt und er sagt: „wenn man einen Staat schützen will, muß man bereit sein, Opfer zu bringen“. Ach, die Drusen.

druze_funeral

Wie schon Ruth sagte: ein Beduine, ein Druse, zwei Juden ist die Bilanz der Opfer bisher. Ein Soldat, drei Zivilisten.

Pressekonferenz Dezember 30, 2008, 18:17

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von Peres und Ramatkal Ashkenazi zusammen. Obwohl Ashkenazi wie ein Haudegen aussieht (und als solcher auch in Satiresendungen wirkungsvoll veralbert wird – oy ha margemot!), redet er nicht wie einer. Er drückt nur seine Anerkennung für die ausgezeichnete Zusammenarbeit der einzelnen militärischen Zweige aus und versichert uns, als ob wir es nicht wüßten, daß das Schwierigste noch bevorsteht.

Peres´ Beitrag ist besonders interessant.

„My impressions are of meticulous planning and execution. I can’t remember such a thing in the history of Israel, such cooperation between all the armed forces.

„As someone who remembers every war in Israel’s history, from the War of Independence and on, I would like to say that this operation is much tougher than everyone thinks. Fighting terrorists is, to some extent, much harder than fighting armies,“ concluded Peres.

Ja, es würde niemanden wundern, wenn Peres sich auch an den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg noch persönlich erinnerte. Über sein biblisches Alter wird ja oft genug gewitzelt.  Wenn er uns versichert, daß dieser Waffengang besser vorbereitet ist als der letzte, oder die letzten, kann das mehreres bedeuten. Es sollte mich freuen, wenn es wahr ist, denn Fehler kosten Menschenleben, hüben und drüben, um die es bitter schade ist. Und auf lange Sicht können wir als Tolpatsche in dieser rauhen Nachbarschaft nicht überleben.

Und wie Peres uns ein bißchen Mut zusprechen will, das erinnert mich doch ein bißchen an die schöne Szene aus der Hornblower-Serie. Wir, gemeinsam mit Midshipman Hornblower, sehen den berühmten Captain Sir Edward Pellew zum ersten Mal und lauschen seiner Rede, die die Männer dazu bewegt, ihre Hüte in die Luft zu werfen.  Im Verlaufe des Films lernen wir Pellew besser kennen und verstehen, daß er diese Rede für seine Männer gehalten hat, sich selbst aber Zweifel und Kritik erlaubt und keineswegs geneigt ist, seinen eigenen Hut in die Luft zu werfen.  Wir stehen jetzt da wie die Seeleute, mit den Hüten in der Hand. Hochwerfen und jubeln, oder seufzend zurück in die Takelage klettern?

So ein blödes Gefühl Dezember 30, 2008, 13:04

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Primus ist südlich von Beersheva stationiert. Noch ist er in der Grundausbildung, das beruhigt mich zwar, denn so neugebackene Soldaten werden wohl nicht in den Brassel geschickt (dafür die Kinder anderer Mütter). Aber zumindest theoretisch ist er in Reichweite der Raketen, genauso wie Ruth und ihre Familie und noch einige Leute, die ich im Süden kenne. Und nach der Grundausbildung wird er vermutlich der Infanterie zugeordnet, ezye kef.

Telefonisch ist der Junge natürlich nicht zu erreichen. Ich lasse ihm lustige kleine Nachrichten in der Voicebox, wohl wissend, daß er auch keine Zeit hat, die abzuhören. Ich möchte nicht, daß er sich Sorgen um mich macht, weil ich mir solche Sorgen mache. Immerhin hört er keine Nachrichten und liest keine Zeitung. Diese Woche schläft er im Feld, nicht mal in seinem Zehner-Zelt mit dem stinkenden Schlafsack und der ollen Pritsche, die zu kurz für ihn ist. So hört er wenigstens nichts davon, daß inzwischen auch im Norden die Zeichen auf skeptisch stehen.

Wenn es auch hier wieder rundgehen sollte, muß ich mir nicht nur um die Kinder und alle anderen Menschen Sorgen machen, sondern auch darum, daß Primus sich um uns Sorgen macht und wir uns um ihn. Ohne miteinander sprechen zu können. Da kann man schon rapide von ergrauen, wirklich.

Und komm mir nicht wieder jemand, der mir erklärt, warum ich eisenhart sein muß und so weiter. Das hier ist mein Blog, und ich jammere, wenn ich will.

Jawohl.

Für abgehärtete Mägen Dezember 30, 2008, 0:51

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eine Portion Nahost-Grütze.

Ei ei ei. Ich geh ins Bett.

Schlagt mich nicht, aber – ich bin so froh, daß ich nicht mehr in Deutschland lebe, so froh, so froh. Es würde mich um das letzte bißchen Verstand bringen, wenn ich mir Leute, die so denken wie diese Zeitungsfritzen, jeden Tag im Bus oder der Bücherei angucken müßte.  Israelis haben ja auch den einen oder anderen Sprung in der Schüssel, aber… oh, da fällt mir ein, jetzt kann ich ja endlich den Videoclip anhängen, den uralten, den ich schon ewig aufbewahre und der nie paßt. Dieser miese Tag (für mich privat gut, aber für den Rest des Nahen Ostens mehr als miese!) muß unernst beendet werden.  Damit meine Leser so froh, so froh sein können, daß sie NICHT in Israel leben😀

Shuki und Dorit sind zur Hochzeit von Dorits Kollegin eingeladen. Zartfühlend, sensibel und Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, so sieht man in Shuki den Israeli, wie er einem täglich begegnet. Hebräischkenntnisse sind nicht erforderlich.


Gott sei Dank, Dezember 29, 2008, 23:19

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die Kinder sind wieder da. Sie sind voll Erlebnisse und Aufregung und haben ganz viel mitgebracht. Secundus hat im Flugzeug Zeitung gelesen und zu seiner Verblüffung festgestellt, daß hier ziemliches Chaos herrscht, um nicht zu sagen, Krieg.

(Hier fallen heute die Raketen dicht wie Sardinen, eine nach der anderen, in lauter Städten, die vorher nichts abgekriegt haben. Die Hamas hat sich gut bewaffnet, es wird höchste Zeit, ihnen die Lust zu weiteren Aktionen  zu nehmen.) (Ich sehe mit Verblüffung, daß SPon den ganzen Tag die alberne Schlagzeile vom „Krieg ohne Gnade“ stehenläßt – sonst scheint sich hier aus seiner Perspektive nichts zu ereignen.)

Die Mädchen haben sich über ihr ungeheuer aufgeräumtes und teilweise neu möbliertes Zimmer sehr gefreut. Quarta hat zu ihrer Freude lauter Winzigkeiten wiederentdeckt, die ich aus riesigen Stapeln gerettet und in kleine Döschen getan habe. Tertia will morgen nicht zur Schule gehen, sie will ihre ganzen neuen Sachen einräumen.

Secundus ist im Bad verschwunden. Ich warte, bis er wiederkommt, damit ich mit ihm einen Hitchcock angucken kann. North by Northwest wäre doch was. Schade, er will lieber schlafen.

Morgen ist wieder Schule.

Ich wünschte, die ganze Geschichte hätte sich seit dem Abzug aus dem Gazastreifen anders abgespielt. Vielleicht wäre es richtig gewesen, Sharons Drohung wahrzumachen und tatsächlich bei der ersten Qassam nach dem Abzug einen richtigen Terz zu veranstalten. Jetzt ist es eine riesige Arbeit. Seit acht Jahren schießen sie aus dem Gazastreifen, es gibt Kinder im Süden Israels, die keine andere Realität kennen.

Ich weiß doch von der Hausarbeit und der Arbeit, daß es viel sinnvoller ist, von Anfang an etwas durchzuziehen, als es auf die lange Bank zu schieben. Wir haben die Hamas in der Illusion gelassen, daß wir vor lauter Angst zittern und sie weiter nach Herzenslust ballern können. Und jetzt ist es ein riesiger Akt, die terroristische Infrastruktur zu zerstören, bevor sie uns zerstört.  Immer dieses Abwarten, es ist auch mein Fehler. Hamas und Hisbollah sind keine armen Hascherl, sie sind vorgeschobene Außenposten des Iran.  Wir müssen uns wehren.

Ashdod Dezember 29, 2008, 21:46

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Zwei Schwerverletzte. Das ist weit im Norden. Das sind mehr als Feuerwerkskörper, das sind iranische Grads. In Teilen durch die Tunnel geschmuggelt, in Werkstätten zusammgesetzt (in Wohnvierteln natürlich).

Update: die schwerverletzte Frau ist gestorben. Der andere Verletzte lebt. Auch in einem Kibbuz mehrere Verletzte.

Update: der Schwerverletzte in Kibbuz Nahal Oz ist auch tot.

Wir haben viel weniger Tote zu beklagen als die Bewohner des Gazastreifens. Ein weiterer Unterschied: bei uns sind es zu 100% Zivilisten. Logisch, denn die Hamas zielt ausschließlich auf Zivilisten.

Zornig, lesenswert Dezember 29, 2008, 20:38

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David Bogner vergleicht Israels Lage mit dem bebrillten Ömmes, der immer wieder auf dem Nachhausweg verprügelt wird, über Jahre hinweg. Egal wie oft er sich beschwert, egal bei wem er um Hilfe bittet – jeder hat eine Ausrede. Keiner stellt sich den Bullies in den Weg. Bis der bebrillte Ömmes sich wehrt. Auf einmal sind sie alle da und empören sich über die Gewalt, die er anwendet. Nichts anderes hilft gegen die Bullies. Aber man verzeiht es dem Ömmes nicht.

Revenge of the nerds

This morning I started counting all the on-line headlines that were along the lines of:

„[fill in country / organization name] … calls on Israel to immediately halt attacks on Gaza

I stopped counting after 17.  Disgusting!

You’d think millions of Sudanese refugees were being butchered in the streets of Darfur.  Oh wait, what am I thinking?  That’s not newsworthy!

No, it’s just little Israel – the nerds of the global schoolyard – being taken to task for daring to step out of character and defend ourselves.  For all our patents, scientific breakthroughs, high-tech start-ups and Nobel prizes, the world still finds it amusing when we’re forced to take a break from running the world media and banks, to run for the bomb shelters.

There is a comforting familiarity to the international amnesia over cause & effect here in the middle east.  It’s an almost willful desire to transform a straight-forward Casus Belli and measured (not to mention legal) military response, into a murky chicken and egg scenario (i.e. the well-worn ‚cycle of violence‘).

The worst part is that the world’s tired excuse for the years of silence and neglect that has led to a good portion of Israel’s population living in bomb shelters, is that they insist they can’t impose the rule of international law on Gaza.  Gaza is chaos, they say… a failed proto-state.  The world wants order, of course… but they throw up their hands at the futility of asking Gaza to adhere to the rules of civilization.

I forget… while the Red Cross has been busy screaming for Israel to spare the poor Gazans, has anyone asked if they ever got around to demanding access to kidnapped Israeli soldier Gilad Schalit, even once?  Oh right, no can do… that’s Gaza.  That’s out of our jurisdiction!

In reality it’s a simple case of the nerdy kid getting beaten up on the way to school for his lunch money – or for the sheer hell of it – isn’t it?  He’s asked his friends for help.  He’s asked his teachers for protection.  He’s even gone to the principal’s office a few times to see if there is something – anything! – that can be done to stop the beatings.  But nobody wants to confront the bullies.   Off school grounds there isn’t much anyone can do!

So finally, on the last day of school, the nerdy kid – who has done nothing to the thugs to arouse their endless violence except continue to come to school and exist — realizes that if he doesn’t take a baseball bat to the thugs who’ve been torturing him all year long, next year they might actually kill him.

It’s really that simple.

Do you think for one moment that Hamas would hesitate to do the same to us if the tables were turned?  No?  So why are you demanding a higher standard of conduct from us?

We may indeed be the nerdy kid.  But if our friends won’t stand by us;  if the teachers, and even the principal, refuse to protect us when we tried to play by the rules;  well, as you’ve pointed out so many times before… your rules don’t apply once we’re off school grounds.

Es lohnt sich, rüber zu Treppenwitz zu springen und das ganze Stück zu lesen.

Und bei Aussie Dave stellt sich Elder of Zion vor, wie es wäre, einen solchen Artikel in der Zeitung zu lesen.

JERUSALEM, December 26 (FMN) – The UN today stepped up its pressure on the Arab world to send humanitarian aid to the besieged residents of Sderot, suffering under years of constant rocket bombardment from Iranian-backed Arabs.

“The brave people of the Negev are being forced out of their homes, in what can only be called ethnic cleansing,” stated UN General Assembly President Miguel d’Escoto Brockmann. “This slow genocide is being ignored by the world at large, and the Arab world is responsible.”

The Arab world have been enforcing a siege on Israel for over sixty years. Basic humanitarian items are not allowed into Israel from most Arab countries, and Israel is likewise banned from selling its own goods to its neighboring states, hurting the economy of the tiny nation.

“Legally, Israel is suffering under occupation, as the Arab states control all of Israel’s land borders,” stated Brockmann. “In addition, there are hundreds of Arab settlements in Israel itself, which have been the major obstacle to peace for decades.”

“The Arab treatment of Jews and Israelis can only be described as a form of apartheid,” said former US president Jimmy Carter as he visited Ashkelon in a solidarity visit. “Israel, one of the most crowded nations in the world, has been forced to give more and more land to the expansionist Arabs over the past decades, and it gets nothing in return. Peace requires full normalization, and I am disappointed that even Egypt and Jordan continue to incite against Jewish national self-determination.”

“Israel has turned into an open-air concentration camp,” asserted peace activist Lauren Booth last month. “The Israeli economy is being constrained by the Arab boycott of Israel, which is still largely in force. The occasional ‘peace’ treaties and tiny trickle of trade is just a facade by the Arab world meant to cover up their humanitarian crimes against the peaceful people of Israel and their aims to shrink Israel’s land area into nothingness.”

While all of Israel suffers from the Arab blockade, it is the residents of Sderot who are suffering the most lately from indiscriminate rocket attacks by the Iranian-funded Arabs of Gaza.

Auch hier empfehle ich, sich das ganz zu Gemüte zu führen. Und sich dann zu fragen: warum lesen wir sowas nicht in der Zeitung? Warum konnte ich hier meinen Kassam-Ticker fortführen und meine Leser damit nerven, während in den Medien kein Wort von dem latenten Kriegszustand und Terror zu lesen war, der seit acht Jahren den Bewohnern Südisraels das Leben zur Hölle macht? Warum empört sich keiner gegen die Blockierung unserer Grenzen, die uns dazu zwingt, alles per Flugzeug oder Schiff einzuführen , gegen den Boykott arabischer Staaten, der uns teuer zu stehen kommt, gegen die heuchlerischen Angriffe in der UNO durch Staaten, in denen die grundlegendsten Menschenrechte nicht gelten? Warum ist das so? Warum wird Merkels Unterstützung für Israel in skeptischem Ton berichtet, als wäre sie nicht ganz bei Trost? Warum zeigt die Bilderserie der Tagesschau nur Bilder aus dem Gazastreifen, nicht aber aus Ashkelon? Und warum…

Ich höre auf. Ich habe gestern mit meinem Grimm einen Leser verloren, der mich für zu pessimistisch hält. Er mag Recht haben, ich nehme das vielleicht zu ernst. Aber es kann einen doch zur Verzweiflung bringen, daß so wenig Einsicht besteht, wer hier den Konflikt mit aller Kraft auf die Spitze getrieben hat, und wer sich widerwillig und ohne Begeisterung zur Gegenwehr durchgerungen hat. Dabei ist es so glasklar.

Barak hat in seiner Rede übrigens sinngemäß gesagt: ich bin nicht Kriegsminister (sar-ha-milchama), sondern Sicherheitsminister (sar-ha-bitachon). Ich bin nicht für Kriegführen, wenn es auch ohne Krieg geht. Ist es nciht seltsam, daß das nicht erwähnt wird?

Oh, und in Ashkelon fallen auch jetzt wieder Raketen….

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