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Und noch eine Reise-Impression August 18, 2013, 21:11

Posted by Lila in Deutschland, Persönliches.
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…allerdings unbebildert.

Auf den Straßen fielen mit Autos mit einem Kennzeichen auf, das ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. JÜL-…! Das ist doch ein Teil meiner Kindheit. Seit wir von der schönen Ostsee in die schnöde Rübensteppe gezogen waren, hatten meine Eltern immer Autos mit dem Kennzeichen JÜL. Am schönsten fanden mein Bruder und ich ein Kennzeichen auf einem von Papas imposanten Opeln: JÜL-HA 8. Wir fanden es ganz toll, daß wir das ganze Kennzeichen zu einem Wort zusammenfassen konnten: Jülhacht. Da hatten wir Spaß dran.

Ich weiß nicht mehr, wann es war, daß die stolze Herzogstadt nicht mehr Kreisstadt war, sondern statt dessen nur noch zum Kreis Düren gehörte. Düren! Was gab es da schon außer dem Hoesch-Museum! Dürener sind doch ganz, ganz andere Menschen! (Meine Mutter hat sich ja köstlich amüsiert, und wir mit ihr, wie lokalpatriotisch der Rheinländer so an un für sisch ist – „ich bin nicht von hier, ich bin aus Aldenhoven“, beschied ein neuer Kollege sie, als sie unvorsichtigerweise meinte, er wäre wohl auch aus der Gegend). Und die Autos trugen ihre neuen DN-Kennzeichen, aus denen mein Bruder und ich gar nichts mehr lesen konnten, und denen niemand mehr ansah, woher sie kamen. Was für ein schwächliches, armseliges Zeichen, verglichen mit dem kernigen, leicht erkennbaren JÜL! Wir müssen noch recht klein gewesen sein, als die JÜLsche Herrlichkeit verschwand. Überall nur noch DN…

Und siehe da, ich weiß auch nicht wann und warum (das Internet hingegen weiß es alles ganz genau) – es gibt sie wieder, die JÜL-Kennzeichen. Noch gar nicht lange, meint meine Mutter, aber man sieht sie wieder oft und öfter. Lokalstolz ist doch eine seltsame Sache, Kindheitserinnerungen auch. „Also, Mama, dein nächstes Auto bitte NUR mit JÜL!“

Kommentare»

1. heplev - August 18, 2013, 22:06

Der Wechsel kam 1975 mit der kommunalen Neugliederung.
Seit diesem Jahr dürfen die alten Kennzeichen wieder genutzt werden. Wenn denn der jeweils zuständige Kreis bzw. die kreisfreie Stadt es zulässt, denn bei denen liegt die Entscheidung. Ich kenne da eine Stadt zwischen Köln und Düsseldorf, die machen das grundsätzlich nicht – was für die Einwohner eines ihrer Stadtteile, die die Eingemeindung (und den Absturz von der Kreisstadt zum Stadtteil immer noch nicht verkraftet haben) zum Anlass nehmen würden, im Fall einer Umentscheidung jetzt erst recht das Straßenverkehrsamt zu stürmen und ihren Autos ohne Notwendigkeit ein Nummernschild mit dem alten Kennzeichen zu besorgen… 🙂

2. Aristobulus - August 19, 2013, 21:51

Ah, wie schön & beseligend & beruuuhigend für die locals, solche Sorgen zu haben 😀

Die Franzosen haben seit Monsieur Sarkozy ihre Départementzahlen auf den Nummernschildern abgeschafft. Nein, sie haben sie liberalisiert – also kann ein Pariser (soixante-quinze seit Urzeiten, ja 1791), der jedoch Marseille gutfindet, sich jetzt da à son gré eine kleine treize hinmachen lassen. Die Départementzahl ist also nun ebenso postmodern beliebig wie der flottierende Geist der Europäer.
Nur die Deutschen sind illiberal wie eh und je, die träumen von einem retro-Zustand von 1975 😉

3. Wolfram - August 21, 2013, 0:28

Aristobul, glaube nicht, in Frankreich wäre irgend etwas liberalisiert. Das wäre viel zu freiheitlich für die Franzosen, die ungefähr soviel Pluralitätssinn haben wie ein gewisser Putin…

Die ID war ursprünglich, das Departementszeichen fakultativ zu machen: wer will, fährt eins spazieren, und wer nicht will – nicht.
Aber dann kamen so ein paar Lobbyisten, die schrieen, „wir wollen aber unsere Heimatverbundenheit…“ – und vielleicht fiel ein paar Leuten noch ein, zwar ist die Departementszahl auf dem Nummernschild kaum noch lesbar unter dem großen Regionswappen, aber immerhin ist das Departement dann noch da, wo es doch u.U. in der Verwaltungsreform einfach abgeschafft werden könnte… tja, und so wurden wir gezwungen, mit einem Departementskennzeichen herumzufahren, das wir uns aber theoretisch frei aussuchen können. Nur als ich neulich hinging und die 974 (La Réunion) haben wollte, hat man mir gesagt: Hamwernich, griechnweroochnichmehrrin. (Oder so ähnlich.) Also hatte ich die Wahl zwischen 17 und 17 und 17.
Nicht zu vergessen auch, Aristobul, daß das Departementskennzeichen désormais nicht mehr Teil des Kennzeichens ist, sondern lediglich Dekoration. Ich kann also jedes Jahr ein anderes Departementskennzeichen aufkleben, so ich seiner denn habhaft werde, solange vorn und hinten das gleiche ist. In Deutschland ist es aber schon ein UNterschied, ob einer AUR-A123 oder NOR-A123 hat. Ganz zu schweigen von ANK-A123 oder OB-A123!

4. Aristobulus - August 21, 2013, 20:11

Die Segeberger (SE) haben übrigens eine besondere Vorliebe für’s X, oder sie fahren besonders gern das Nummernschild lüften, oder beides.

Aber warum „schrieen“ die „Lobbyisten“, nur indem sie halt gern wie früher sehen möchten, ob einer z.B. aus der Vendée kömmt und also wahrscheinlich ein Chouan ist?

Warum konnten Sie nicht ’ne Zahl für Outremer kriegen? Sind doch auch Départements…
Und 17 ist nicht die übelste. Da gibt’s Wasser, Sümpfe und einen Nachbau einer Fregatte von 1780 in Rochefort, und sauren Wein zum guten Fisch 😉


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