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Ende einer Ära Februar 24, 2014, 3:57

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Im Kibbutz, 2008

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in Manot, 2011

2013-06-19 18.21.13

vor ein paar Monaten

Bis auf Secundus, der telefonisch dabei war, haben wir alle Mini zum Tierarzt begleitet. Das Ergebnis der Untersuchungen war eindeutig: die Nieren sind irreversibel geschädigt, Mini liegt im Sterben. Und wir haben einstimmig beschlossen, sie nicht länger leiden zu lassen.

Quarta, die ja jünger ist als Mini und ein Leben ohne sie nicht kennt, hat sehr geweint, Die Großen, von denen jeder auf seine Weise an ihr hängt, waren traurig. Für Y. und mich war es das erste Mal, daß wir so einen Enschluß fällen. Uns war wichtig, daß wir entscheiden, was für Mini das beste ist. Und daß es auf eine Art und Weise geschieht, mit der die Kinder umgehen können, besonders Quarta. Aber man kann nicht richtig helfen, wenn jemand so unglücklich ist. Wir konnten Quarta diese Tränen nicht ersparen.

Mini lag betäubt auf dem Behandlungstisch, und der Tierarzt gab uns viel Zeit, uns zu verabschieden. Dann meinte er, es ist besser, wenn nur ein Elternteil bei Mini bleibt, während er sie einschläfert. Er wollte Quarta wohl nicht direkt aus dem Raum schicken. Ich blieb bei Mini, und im letzten Moment sagte der Tierarzt mit einem Blick auf Tertia: „du kannst auch dabeibleiben“. Er benutzte ein Barbiturat, es ging ganz schnell und ohne Zucken.

Wir haben Mini im Garten begraben, unter einer hohen alten Zypresse. Hinterher haben wir lange in der Küche gesessen, Bilder angeguckt und Katzen-Erinnerungen ausgegraben. Von dem Apriltag im Jahr 1996, als wir Mini und Limon aus dem Wurf einer Nachbarskatze aussuchten, bis zu Minis letzter Nacht, als sie sich die Treppe hochschleppte, um auf ihren Lieblingsplatz in meinem Kleiderschrank zu kommen.

Seit meiner Kindheit haben mich Katzen begleitet. Ein Haus ohne Katzen ist für mich so undenkbar wie ein Haus ohne Bücher. Meine Eltern hatten nicht viel gemeinsam, aber beide liebten Katzen. Auch Y. hatte immer Katzen. Ich weiß noch, wie er mich zum ersten Mal zu sich nach Hause einlud – Kätzchen angucken. Mit jeder Katze sind Erinnerungen verbunden, aber mit Mini zweifellos die meisten. Achtzehn Jahre sind einfach eine lange Zeit.

Es wird noch dauern, bis ich nicht mehr automatisch nach meiner steten Begleiterin Ausschau halte.

Freude und Leid Februar 23, 2014, 13:23

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Am Wochenende hatten wir eine richtig große Familienfeier, mehrere Geburtstage zusammen und viele Gäste. Ich hatte alles richtig strategisch geplant und zwei Tage lang in der Küche gestanden. Nichts macht mich ja froher als um mich herum Leute zu sehen, die sich mit meinem Essen vollstopfen.

Die junge Generation hat ja inzwischen kleine Kinder bekommen, und zu meiner großen Freude fühlten die sich im Garten sehr wohl und buddelten fröhlich in der Erde herum. Daß der Garten (trotz fast regenloser Wintermonate) voller Unkraut ist, störte weder die Kleinen noch ihre Eltern und mich ehrlich gesagt auch nicht. Ich bemühe mich, jeden Tag eine halbe Stunde Garten einzuschieben, aber das klappt nicht immer.

In Y.s Familie ist es eigentlich üblich, sich zu einer festen Stunde zu treffen und auch relativ schnell wieder zu verschwinden – noch ein Überbleibsel aus Kibbuz-Zeiten, wo wir uns ohnehin jeden Freitagabend im Speisesaal und jeden Samstagabend bei der Oma trafen. Aber ich habe wegen der vielen jungen Familien und der langen Fahrtzeit flexible Zeiten angesagt. Ab mittags war offenes Haus, jeder kam, wann es seinen Kindern oder ihm selbst am besten paßte.

Ich hatte zwei Buffets vorbereitet, eins mit salzigen Sachen und eines mit Kuchen. Und weil wir endlich Platz genug haben, saßen überall die bereits erwähnten futternden Grüppchen. Zu meiner sehr großen Freude. Und zu meiner noch größeren war diesmal auch ein lieber Verwandter von mir dabei, der durch Zufall ausgerechnet an diesem Tag ein paar Stunden von einer Dienstreise abknapsen konnte.

Ja, das war ein schöner Tag und ich habe mir vorgenommen, daß wir jedes Jahr im Frühling so eine große Familien-Einladung machen.

Und das Leid. Ach, wer keine Haustiere hat, weiß nicht, wie man an so einem Tier hängen kann. So viele Menschen leiden in der Welt, daß man sich fast schämt, um ein Tier traurig zu sein – aber nur fast.

Achtzehn Jahre haben wir unsere Mini, treu und etwas barschen Charakters. Sie hat mehrere Umzüge gleichmütig verkraftet und jedes neue Revier ohne Anpassungsschwierigkeiten übernommen und beherrscht. Daß ihre Lieblingsmenschen einer nach dem anderen nur noch unregelmäßig auftauchten, noch dazu  in seltsam riechenden Uniformen, hat sie irritiert hingenommen, dann aber ihre Zuneigung auf mich übertragen.

In den letzten Jahren war sie immer in meiner Nähe. War ich in der Küche, dann saß sie auf dem Kratzbrett und guckte mir zu. War ich im Garten, saß sie unter der Bougainvillea und guckte mir zu. Saß ich am Schreibtisch, dann fläzte sie sich mit dem unfehlbaren Instinkt der wahren Katze genau über die Bücher, Artikel oder Blätter, die ich brauchte – oder über die Tastatur. Ja, sie hat sogar mehrmals Dokumente gedruckt, indem sie auf die entsprechende Taste gedrückt hat. Wenn ich Wäsche aufhänge, muß ich mich nicht umgucken, um zu wissen, daß sie hinter mir her stolziert.

Achtzehn Jahre. In dem Sommer, als wir sie adoptierten, kam Primus ins erste Schuljahr und ich fing mein Kunstpädagogik-Studium an. Heute ist Primus ein junger Riese von fast 24 Jahren, und ich unterrichte längst in den Sälen, in denen ich einst studiert habe. So vieles hat sich verändert, aber die bescheidene, manchmal etwas mürrische Tigerkatze, die den Katern im Haus von Anfang an zeigte, wer die Oberpfote hat, war immer dabei.

Wir haben über sie gelacht – wie jämmerlich sie uns anguckte, um zur Terrassentür rausgelassen zu werden, als hätte sie ihr Leben lang darauf gewartet. Und wie rasend schnell sie von der Terrasse nach vorne rannte, den Baum raufkletterte,  um auf den Balkon zu springen und dort ebenfalls mit sehr betrübtem Gesicht kläglich an der Tür zu kratzen, als hätte man sie ausgesperrt. Oft kamen wir die Treppe nicht so schnell hoch, wie die Katze vom „ach laßt mich doch raus“ zum „ach laßt mich doch rein“ wechselte.

Sie hat schon lange abgebaut, wurde magerer (obwohl wir für das ihr genehme Fressen pro Tag mehr ausgaben als für die anderen Katzen  in der Woche) und ruhiger, aber machte einen fitten und wachen Eindruck. In der letzten Woche aber ist sie ein Schatten ihrer selbst und es ist sehr traurig, sie so zu sehen. Der Tierarzt macht uns keine Hoffnungen mehr. Sie ist stoisch wie alle Katzen, aber wir haben den Eindruck, sie leidet. Heute abend fahren wir alle zusammen noch einmal mit Mini zum Tierarzt. Die Großen haben sich dafür freigenommen. Alle Optionen sind offen.

Der große, böse, gemeine Kater, Mai 27, 2013, 19:00

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Feind aller Katzheit. Der muß es gewesen sein, da hatte Luzifer, mein Kampfkater, keinen Zweifel dran.

Pünktlich um 19.05 ging der zweite ABC-Alarm des Tages los, im Rahmen unseres jährlichen Heimatschutz-Trainings. Quarta und ihre Freundin, die heute mittag beim ersten Alarm in der Schule den ganzen Drill routiniert mitmachten, sahen mich nur müde an. „MÜSSEN wir in den Schutzraum?“ Ich sah in Quartas Augen den Appell „mach mir keine Schande, Mutter“, und gab nach. Schließlich ist der Drill nur dazu da, damit alle genau wissen und sich einprägen, wo ihr geschütztes Gebiet ist – in Häusern ohne Schutzraum muß man den erstmal rausfinden. Also begnügte ich mich mit der Frage, ob sie denn auch wissen, wo er Schutzraum ist? Ja, Quartas Freundin schläft sogar drin.

Ich wanderte also allein in den Schutzraum, um dort das Fenster zu schließen. Und da sah ich Luzifer. Er stand wie angewurzelt vor dem offenen Fenster, hatte sich aufgeplustert, der Pelz stand ihm in alle Richtungen ab. Noch Minuten nach Verhallen der Sirenen war er im Kampf-Modus und stelzte schließlich angewidert von dannen.

Es ist aber auch ein ekelhaftes Geräusch, dieser ABC-Alarm.

In den Sukkot-Ferien Oktober 7, 2012, 11:20

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Beide Mädchen sind in heller Aufregung: Leo hat eine Schlange gefangen, und die Schlange lebt noch! Sie haben Angst um Leo, aber auch um die kleine Schlange. Ist es eine giftige zefa? Y. und ich sehen sofort, daß es keine zefa ist, sondern eine junge, harmlose Schlange. Ja eigentlich nur ein Schlängchen, klein und zierlich. Trotzdem beißt sie sich an Leos dicker Backe fest. Er versucht sie abzuschütteln, die Mädchen erwarten mit Bangen, daß er jetzt tot umfällt, und Y. greift schnell zu.

 

Er hält die Schlange fest und erklärt den Mädchen, woran man erkennt, daß es keine zefa ist, sondern eine ungefährliche Münz-Schlange. Die Mädchen sind trotzdem nicht so begeistert wie von dem kleinen Rodrigo, den sie im Kibbuz ja mal am liebsten zuhause gehalten hätten. Y. fängt sich schließlich auch noch einen kleinen Biß von der undankbaren kleinen Schlange, und läßt sie laufen. Hoffentlich nimmt sie sich in Zukunft vor unserem Jäger in Acht. Der wäre vermutlich begeistert, wenn er eine zefa erlegen könnte. Er stöbert immer noch im Garten herum und springt jeden Ast an, in der Hoffnung, es könnte eine Schlange sein…

 

Und zum dritten Mal… März 6, 2012, 14:27

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… haben wir loslassen geübt. So heißt es doch immer so schön, nicht wahr? Lieben heißt loslassen. Na schön. Lassen wir also mal los.

Wie ihre Brüder wurde Tertia in Haifa eingezogen. Hof ha Karmel, die Karmel-Küste, so heißt ein riesiger Busbahnhof und Bahnhof in Haifa, direkt am Meer, wo die Armee ein paar Räume für diesen Zweck hat.

Tertia hat seit Wochen ihr Gepäck akribisch genau vorbereitet. Jede Freundin oder Cousine hat sie ausgehorcht nach Tips, was man gut brauchen kann, und von Brüdern, Opa und Vater hat sie noch Tips gratis dazu bekommen. Sie hat eindeutig einen perfektionistischen Zug.

Wir fuhren sie also gestern früh in Richtung Haifa, und sie war stolz, wie kompakt ihre Tasche gepackt ist. Sie war aber auch aufgeregt und überlegte dauernd, was wir denn nur machen, wenn wie diesen Sammelpunkt der Armee nicht finden. Es nützte gar nichts, ihr zu sagen, daß wir ganz genau wissen, wo er ist, und daß die Wachleute am Busbahnhof neue Rekruten sowieso richtig einweisen.

Normalerweise muß man nämlich beim Betreten eines Bahnhofs oder Busbahnhofs in Israel durch eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektor und Durchleuchtung oder zumindest Durchsuchung der Taschen. Aber als der Wachmann uns sah, meinte er: „aha, eine neue Soldatin? dann laß ich euch so durch –  rechts und dann die Treppe rauf“ und ließ uns durch eine Seitentür ein. Wir verkniffen uns das „haben wir dir doch gesagt“…

Vor der Treppe zum Sammelpunkt standen schon Dutzende aufgeregter Familien mit jungen Mädchen und Gepäckstücken. Die Stimmung war aufgeregt und irgendwie geladen – alle nervös, alle bemüht, es nicht zu zeigen. Genau wie ich.

Es war ganz gut, daß Primus für den Vormittag einen Termin in Tel Aviv bei der deutschen Botschaft ausgemacht hatte. So verabschiedeten wir uns von Tertia, noch bevor die Menschenmenge die Treppe raufströmte. Oben müssen sich die neuen Rekruten registrieren, sie hören eine Rede und dann werden sie mit Namen aufgerufen, zu ihren jeweiligen Bussen. Die Busse in die Aufnahme-Basis stehen dann schon unten bereit. Das Chaos, das auf dieser elenden Treppe herrscht, wenn gleichzeitig Massen rauf- und runterdrängen, das hat mich schon die beiden letzten Male sehr gestört.

Diese Szene ist angeblich eine israelische Urszene:  wie die Kinder in den Bussen weggebracht werden und die Eltern schluchzend am Busbahnhof zurückbleiben. Und schon vor langer Zeit habe ich mir vorgenommen, daß ich mir und den Kindern das erspare. Wir haben Primus bis zum Bus begleitet und sind dann gegangen, ohne die Abfahrt abzuwarten, was er dankbar vermerkt hat.

Secundus – da erinnere ich mich an nichts mehr, weil ich gerade eine Studienfahrt nach Berlin hinter mir hatte und vom Flughafen direkt zum Busbahnhof kam. Ich war so müde, daß ich während der Rede auf dem Stuhl tief und fest einschlief. Ich glaube, auch da sind wir abgehauen, bevor das Heulspektakel anfing. Secundus hätte mir nie verziehen, wenn ich ein Drama gemacht hätte. Und für ihn ist alles, was über einen kernigen Schlag auf die Schultern oder in den Nacken („tschapcha„) hinausgeht, Drama.

Und so ließen wir Tertia und Y. zusammen zurück. Y. ist cool genug, um ohne Tränen und Hysterie so eine Zeremonie über die Bühne zu bringen. Tertia hätte das auch schrecklich gefunden.

Am Abend vorher hatten wir in der Küche zusammengestanden. Y. nahm mich in den Arm, Quarta drängte sich sofort dazwischen („ich bin in der Mitte!“), Primus hatte den Arm um uns alle gelegt und Tertia stand ein bißchen zögernd daneben. „Muß ich mich da jetzt anschließen…“ Wir streckten unsere Arme nach ihr aus und sie war dabei. Sie mag das eigentlich nicht, ebensowenig wie Secundus. Gut, daß der nicht dabei war – er wäre meterweit geflohen und hätte sich nicht mehr in unsere Nähe getraut. Primus und Quarta sind lockerer in der Beziehung. In der Küche kann man so eine Familienumarmung machen, in der Öffentlichkeit wäre es den Kindern peinlich.

Y. erzählte mir hinterher, daß alles ganz flott ging. Registrieren, Rede, und weg waren die Mädchen.

Ich war in der Zeit im Zug nach Tel Aviv. Mit Primus ist es ja immer lustig, und die deutsche Botschaft ist immer nett. Ich höre ja so gern, wenn Deutsch gesprochen wird, als wäre es selbstverständlich. Die Frau am Schalter war besonders freundlich – sie ist auch mit einem Israeli verheiratet und ihr Sohn trägt ebenfalls Primus´ schönen Namen. Innerhalb von 17 Minuten war Primus´ deutscher Paß beantragt, und wir waren draußen. (Ich muß aber auch sagen, daß Primus und ich wirklich alle Papier beisammen hatten und gut vorbereitet waren).

Dann noch ein Kaffee zusammen, und er ging seiner Wege, und ich meiner. Damit ich nicht wehmütig werde, ging ich an der alten Kern-Siedlung Tel Avivs vorbei, Sarona, und machte ein paar Photos. Und dann saß ich schon im Zug nach Nahariya. Der Tag war sonnig und windig und angenehm, das Meer wunderbar blau und ich hatte Zeit zum Nachdenken.

Die Jungens, na ja, Ihr wißt schon. Und jetzt ist auch Tertia die Woche über weg. Hm. Ich mag das ja nicht, aber ich muß damit leben. Und solange die Kinder zufrieden sind mit dem, was sie tun, kann ich auch damit leben. Nicht wahr. Muß ja auch. Aber wie blöd ist es, daß ich nichts mehr dazu beitragen kann, ob sie zufrieden sind oder nicht. Aber das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Und so saß ich etwas benommen in der Bahn und sah, wie meine Gedanken sich im Kreis drehten. Ich saß gewissermaßen ein bißchen neben mir.

Zuhause warteten wir natürlich mit Spannung auf ihren ersten Anruf. Der kam gegen Abend. „Ach, wir sind noch immer in dem doofen Bakum, nichts geht vorwärts…“, stöhnte sie. Bakum ist die Abkürzung für basis klita-u-miyun, also die Basis für Aufnahme und Einordnung. Da kriegen sie die Uniform und andere Ausrüstung, werden geimpft und untersucht und die Zähne werden geröntgt (denken wir mal lieber nicht darüber nach, zu welchem Zwecke…), und müssen Formulare ausfüllen. Das dauert und ist nervtötend.

Mehr haben wir noch nicht von ihr gehört. Irgendwann am späten Abend sind sie wohl mit dem Bus nach Bahad 11 gefahren, der bsis hadracha, Ausbildungs-Basis Nr. 10, in Zrifin. Als Primus damals ebenfalls in Zrifin, aber in Bahad 10, seinen Sani-Kurs gemacht hat, bin ich in so einem Gebäude gewesen, wo Mädchen untergebracht sind. Eine ganze Gruppe Mütter ging dort aufs Klo und guckte sich unauffällig-durchdringend um. Na ja, Jugendherberge ist Luxus dagegen, andererseits hört man aus fast allen Zimmern Mädchen lachen und elend sahen sie nicht aus.

Y., der tüchtige Vater, hatte für Tertia genau wie für die Söhne eine ganz lange Liste gemacht, wo alles draufsteht, was zu Anfang bei der Armee erfragt wird. Unsere sämtlichen Identitätskarten-Nummern, Einzelheiten zu ihren Brüdern und deren Dienst, alle Telefonnummern und sonstige Dinge, die die Armee wissen will. Wenn sie zB die Fahrtkosten von unserem Kaff nach Nahariya im Familienauto erstattet haben will, will die Armee wissen, wie viele km das sind und was wir für ein Auto fahren. Eben lauter so Kram.

Das Blatt war eng beschrieben und gesteckt voll mit Informationen. Tertia jedoch ließ es heute früh in ihrer Tasche, weil sie nicht damit rechnete, nach dem Frühstück nicht mehr auf ihr Zimmer zu dürfen. Und nun darf Y. sämtliche Informationen per SMS nachreichen, während Tertia durch weitere bürokratische Runden geschleust wird.

Nur gut, daß Y. ebendieses Szenario vorhergesehen hatte und für sich eine Kopie des Zettels bereithielt. Er ist wirklich ein höchst brauchbarer Mann, ich hätte nie daran gedacht, daß Tertia wissen muß, wieviel Sprit unser Auto verbraucht.

Mal gucken, was sie heute abend erzählt. Hoffentlich ruft sie an. Und wenn nur, um zu hören, wie es „ihrer“ Mini geht. Mini, die sehr an ihr hängt, läuft unglücklich durchs Haus. Ohne Primus, der noch in Tel Aviv ist, weicht sie nun auf die drittbeste Option aus, nämlich unser Zimmer. Mini ist extrem wählerisch – bei Quarta ist sie ungern, weil da immer diese schwarzen Nervensäge rumlungern. Tertia wird traurig sein, wenn sie hört, wie oft Mini in ihr Zimmer läuft und nach ihr sucht. Ich habe ihr versprochen, mich besonders um Mini zu kümmern. Aber nicht zu sehr, denn Mini soll ja ihre Zuneigung nicht auf mich übertragen. Das wäre Tertia auch nicht recht.

So eine Familie ist ein System, das man dauernd neu ausbalancieren muß, selbst das Wohlbefinden der Katzen muß stets sorgsam optimiert und abgestimmt werden. Und das mit dem Loslassen, na schön. ich lern es noch.

Unser Shavuot Juni 10, 2011, 0:55

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Ja, ich weiß, ich wollte und sollte schlafen gehen, es klappt aber nicht. Drum nutze ich die Zeit, kurz ein paar Shavuot-Highlights aufzuzählen.

1. Secundus hat regila, d.h., regulären Urlaub und er ist zuhause! Und da die Armee sein Repertoire des Eßbaren (das jahrelang nur aus beigem Essen bestand) erheblich erweitert hat, macht es Spaß, zu kochen. Heute hat er, haltet Euch fest, PILZE klaglos gegessen! Das Leben ist schön, und Hoffnung gibt es immer.

2. Wir sind alle krank, jeder von uns laboriert an was anderem, keiner ernsthaft aber alle genervt. So war unser Shavuot-mäßiger Tatendrang nicht sehr groß. Die traditionelle Feier im Kibbuz haben wir uns geschenkt. Nächstes Jahr, bli neder.

3. Wir haben aber ein neues Restaurant in Akko ausprobiert, Donianan. Im Abu Christo waren wir schon und Uri Buri ist nächstes Mal dran. Das Donianan liegt sehr schön, hoch über dem Hafen. Wir haben draußen gesessen, die Sonne ging unter, und das war echt voll romantisch, ey.

(wir saßen oben – hab das Bild aus dem Internet gefischt, wo fälschlich behauptet wird, es ist das Abu Christo, ist es aber nicht. Wir haben oben links, unter den im Bild zusammengeklappten Sonnenschirmen, gesessen.)

(das war unsere Aussicht, Bild von hier)

Uns hat´s geschmeckt. Die Salate waren, wie immer in arabischen Restaurants, üppig und eigentlich schon genug. Laut Taboulometer, meinem persönlichen Gradmesser der Güte orientalischer Restaurants, war es gute, solide Mittelware. Nichts läßt mein Taboulometer höher ausschlagen als das bescheidene kleine Arazim in Shlomi, wo nie ein Tourist ißt. (Es sieht so bescheiden aus, daß meine Mutter entsetzt zurückprallte und erklärte, da geht sie nicht rein).

Obwohl mir Primus sehr gefehlt hat, war es ein schöner Abend. Die Kinder sind schon groß genug, um sich anständig zu benehmen, und da wir alle etwas schwächelten, hätten wir für eine größere Aktion keine Energie mehr gehabt.

3. Am nächsten Tag hat der heldenhafte Vater die drei Kinder nach Manara mitgenommen, wo das berühmte Kliff von Manara ist. Mit der Seilbahn rauf, und mit einer Art Schlittenbahn wieder runter. Quarta hat alles für mich gefilmt – sie hat sich todesmutig mit Secundus in so einem Wägelchen ins Abenteuer gestürzt. Obwohl Secundus nur spöttisch meinte, „was du alles verpaßt hast, Mama!“, flüsterte Quarta mir zu: „Mama, er hat die ganze Zeit gelacht, es hat ihm Spaß gemacht!“ Auch Tertia fand den Ausflug schön. Sie waren dann noch essen mit dem Papa, der sonst so wenig Zeit hat. Das war allerdings nicht so gelungen, denn Quarta fand eine Schnecke in ihrem Salat – Gott sei Dank, während er ihr serviert wurde. Typisch Quarta: sie war in erster Linie besorgt darum, daß Kellner oder Koch der Schnecke nun was antun könnten („Mama, meinst du, die haben die Schnecke ermordet?“).

4. Als ich mich nach Abfahrt von Mann und Mäusen (na gut, würdevollen, fast erwachsenen Nagern) gerade im Chaos auf die Couch legen wollte, um meine hartnäckigen Schmerzen in entsprechendem Tee zu ertränken und mich an ein bißchen eskapistischer Lektüre zu erfreuen, klingelte das Telefon. Der Hausbesitzer war dran – ob es mir paßt, wenn er in einer Stunde mit potentiellen neuen Mietern bei uns aufschlägt. Aber ja, meinte ich höflich. In einer Stunde? Oha, eine Stunde. Gut, daß das Chaos nur oberflächlich war und innerhalb einer halben Stunde spurlos beseitigt war. Ich war sehr stolz auf mich.

Die potentiellen neuen Mieter waren Meckerfritzen, dh. sie schwieg und er meckerfritzte. Hausbesitzers (ein wunderbar nettes Paar) und ich wiesen beim Betreten des riesigen Balkons auf die schöne Aussicht hin, darauf meinte der Meckerfritze nur trocken, „was hab ich von ner schönen Aussicht?“ Wieso sucht er dann in dieser Ecke der Welt ein Haus, wo die schöne Aussicht fast unausweichlich ist? Die Küche betrachtete er mit Ekel, den Garten (in dem der Hausbesitzer wie ein Wilder geackert hat) mit Entsetzen. Ob er glaubt, daß der Preis dann runtergeht? Ich glaube, die nehmen das Haus nicht.

5. Und a propos würdevolle Nager:  mein sanftmütiger Leo, mein treuer Begleiter und Gesellschaftskater, hat tatsächlich eine Wüstenrennmaus (gerbil) gefangen. Trotz seiner Behinderung also ein vollwertiger Kater. Er war so stolz, daß es ans Komische grenzte, rief uns alle raus aufs Deck und strunzte mit seiner Beute. Wir brachen natürlich alle in bewundernde Rufe aus (bis auf Quarta, die den gerbil gern gerettet hätte, aber dafür war es zu spät).

Leo tat daraufhin etwas, das ich noch nie gesehen habe, obwohl ich seit meiner Kindheit Katzen habe, und alle diese Katzen auch Mäuse, Ratten und Schlangen gefangen und uns gebracht haben. Er nahm den armen gerbil in beide Pfoten und warf ihn in die Luft! Aber richtig hoch! Dann sprang er ihm begeistert hinterher und fing ihn auf. Das tat er immer wieder, mit wachsender Begeisterung. Schließlich warf er die tote Maus gegen die Hauswand – da sie immer in einem anderen Winkel abprallte, war das für ihn wohl ein besonders schönes Spiel. Wir nahmen zur Kenntnis, daß er doch kein fast menschenähnlicher Schmusekater, sondern ein domestiziertes Raubtier ist, und überließen ihm seinen Späßen.

6. Und wem jetzt ganz der Appetit vergangen ist: natürlich habe ich, wie jedes Jahr zu Shavuot, Salmonellenkuchen gemacht. Wie immer ein großer Hit. Der Quark hier in Israel ist so lecker.

7. An Paul, den edlen Spender des Zwiebelsaft-Rezepts, doppelter Dank. Ich habe Secundus damit schon einmal verpflegt, als er arg gehustet hat, und als sein Husten jetzt zurückkam (er hat sich wohl bei Y. neu angesteckt), da bat er von selbst darum. Mein Sohn bittet um Zwiebelsaft! Ich hab ihn mit Honig angesetzt. Nächstes Mal kommt Thymian aus dem Garten rein. Y. übrigens bringt es nicht über sich, ihn zu probieren. Vielleicht stellt er sich auch nur ein bißchen an, damit Secundus sich heldenhafter fühlen kann, wenn er ohne mit der Wimper zu zucken Zwiebelsaft trinkt? Das Zeug hilft wirklich, wenn auch die ganze Küche danach riecht – es ist ein geniales Rezept.

Talentiertes Lumpengesindel Februar 1, 2011, 14:57

Posted by Lila in Katzen.
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Katzen sind vielfach begabt. Sie sind klug, graziös, gelenkig, mutig und können auf Anhieb einschlafen oder aufwachen. Doch ihr größtes Talent ist das Erahnen menschlicher Prioritäten. Mini wird sich auf kein anderes Häuflein Kleidung setzen als die, die ich gerade in den Schrank räumen oder anziehen will. Leonardo wird sich nie auf einem anderen kopierten Artikel fläzen als dem, den ich gerade unbedingt brauche. Und Lucifers scharfer Blick hat erkannt, daß ich gerade zwischen Buch und Häkelarbeit schwanke.

 

 

(Es wird übrigens dieser Schal in grauer Chenille, ganz leicht zu häkeln. Ich habe mir dasselbe Modell schon in drei verschiedenen Garnen gehäkelt, es sieht jedesmal anders aus und das Muster ist ganz einfach).

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