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Generationen kommen, Generationen vergehen… Januar 29, 2011, 22:22

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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… manche Bücher bleiben bestehen.

 

Ich habe einen genüßlichen Shabat-Nachmittag damit verbracht, meinen Töchtern den ersten Band der unsterblichen Serie über die Krankenschwester Susanne Barden (ja, so wurde die Sue-Barton-Serie verdeutscht) vorzulesen. Beim Aufräumen habe ich die alten Bücher gefunden und den Mädchen davon erzählt, und Tertia hat sich sogar drangegeben und angefangen zu lesen. Aber ein ganzes Buch auf Deutsch lesen… ach Mama, willst du nicht wenigstens mal den Anfang… und eh ich mich´s versah, steckte ich schon wieder ganz tief drin in der Geschichte. Die Mädchen, die sich nicht viel versprochen hatten von dem alten Buch, waren genauso begeistert wie ich.

 

Tatsächlich, diese Bücher bestehen die Prüfung der Zeit. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem meine Mutter mit mir in der Buchhandlung Fischer stand und begeistert sagte: die Bücher kauf ich dir, die habe ich als Mädchen geliebt! Und ohne mich auch nur zu fragen, kaufte sie die ersten zwei Bände. Ich zog ein langes Gesicht und war überzeugt davon, daß ich jetzt was ganz Doofes in der Hand hatte. Und ich hätte meine Mutter am liebsten geärgert und die Bücher ignoriert. Eine Serie über eine Krankenschwester! Aber das ging dann doch nicht. Nachdem ich die ersten beiden Bücher in Windeseile eingeatmet hatte, mußten alle anderen Bände auch her, und dann die Carol-Page-Serie derselben Autorin, über den Werdegang einer Schauspielerin.

 

Das muß 1976 gewesen sein oder 1977. Ich habe die Serie so oft gelesen, daß ich sie fast auswendig kann. Und ich freue mich, daß sie nicht enttäuscht. Meine Töchter haben genauso über die Wortwechsel zwischen Susy und ihren Freundinnen gekichert, mitgebibbert, ob sie ihre Hauben kriegen oder nicht, und spekuliert, ob das gestrenge Fräulein Cameron ein Drache oder eine strenge, aber faire Lehrerin ist. Sie haben mir das heilige Versprechen abgeknöpft, morgen weiter vorzulesen. Ich muß nun schwer an mich halten, um nicht allein weiterzulesen.

 

Keiner hat behauptet, daß das Dasein als Eltern ein reines Vergnügen ist, und das ist es nicht. Sorgen, Ausgaben und ständiger Geschwisterstreit (gibt es ein schönes Wort wie bickering auch im Deutschen?) lassen die Nerven dauerhaft zerfransen. Aber das Schicksal entschädigt einen auch, und eine Entschädigung für die Beschwerlichkeiten des Elterndaseins ist das Glück, ein schönes Erlebnis eine Generation weitertragen zu dürfen. Gerade mit Büchern ist mir das ja oft nicht ganz vergönnt (obwohl ich den Kindern viele hebräische Übersetzungen meiner Lieblingsbücher geschenkt habe und mich auch freue, daß sie sowohl eigene Entdeckungen machen als auch in Y.s lesenden Spuren wandeln).

 

Aber heute war es richtig schön. Morgen werden die Mädchen Connies Geheimnis erfahren. Mal sehen, wie ihnen das gefällt…

Schönes Wetter Januar 26, 2011, 14:55

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Immer abwechselnd Sonne und Regen. Und wenn es bei uns regnet, scheint über dem Meer die Sonne. Mir ist der Regen lieber, aber wenn sie Regenwolken bescheint, ist mir die Sonne recht.

Wie weit geht die Kooperation… Januar 26, 2011, 13:49

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… zwischen den Sicherheitsorganen der PA und Israel?

 

Wie es scheint, ziemlich weit. Nicht, als ob wir es nicht geahnt hätten. Eine Überraschung ist es nicht.

 

According to the leaked documents from the failed Israeli-Palestinian peace negotiations, then-Defense Minister Shaul Mofaz asked the Palestinian Authority’s interior minister, Nasser Youssef, to kill Madhoun, who was 32 at the time.

„We know his address … Why don’t you kill him?“ Mofaz told the PA minister during a meeting in Tel Aviv in the summer of 2005. Yousef said the orders to kill the al-Aqsa commander had already been given, but a short while later he added, „The environment is not easy, our capabilities are limited.“

Mofaz said Madhoun was planning another terror attack atone of the crossings on the Israel-Gaza border.

Israel killed Madhoun a few months later in a drone missile attack on his car in Gaza. The secret documents do not reveal and proof that directly links the PA to Madhoun’s death, but Al-Jazeera claims the documents show Israelis and Palestinian security services were working in close cooperation.

 

Ohne Kooperation der palästinensischen Behörden wäre die fast totale Eindämmung des Terrors nicht möglich gewesen. Wir sprechen sonst nicht laut darüber, um niemanden zu gefährden, aber es ist ein wichtiger Teil der Strategie. Präventive Angriffe und „Entschärfen tickender Bomben“  (Liquidierungen), Defensive und Kontrolle (Schutzzaun, Checkpoints), Aufklärung (Festnahmen, Verhöre – besonders nach der Aktion Schutzwall wurden enorme Mengen von Informationen gesammelt) und Kooperation mit den Palästinensern. Ich hätte anno 2001 nie geglaubt, daß es je eine Zukunft ohne Terror gibt, und habe an der Effektivität aller Maßnahmen gezweifelt. Da war ich zu pessimistisch.

 

So verdreht es ist, weil manche Maßnahmen (gezielte Liquidierung) durchaus umstritten sind, aber die Bestätigung, daß es ganz pragmatische gemeinsame Interessen und Zusammenarbeit gibt, die ist ein kleiner Lichtblick in diesem ganzen furchtbaren Schlamassel. (Falls die Nachricht nicht getürktfälscht ist).

 

Für die PA-Leute natürlich super-super-peinlich und auch sehr gefährlich. Al Jazeera haben sie wirklich auf dem Kieker.  Hier ausführlicher dazu.

Festgenommen Januar 26, 2011, 13:15

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Ich wußte es schon lange, weil Primus nicht nur im Rettungswagen war, der die Überlebende aufnahm, sondern auch bei der Suche nach den Mördern im Einsatz war…  und auch, als sie gefaßt wurden. Solange nicht zweifelsfrei klar war, daß sie es wirklich waren, und die Medien darüber berichten, konnte ich natürlich nichts sagen.  Die überlebende Frau hat wirklich eine Geistesgegewart an den Tag gelegt, die bewundernswert ist – sonst hätte sie auch nicht überlebt.  Ich kenne so manche Meldung „von der anderen Seite“ (nicht nur was Armee und Söhne angeht), kann aber nicht immer was dazu sagen. Nicht leicht für Frau Schwalbe!

 

Ich zucke immer noch bei jeder Meldung aus der Gegend um Jerusalem und Hebron, obwohl Primus inzwischen wieder in der ruhigen kleinen Basis in den Golanhöhen ist. Bald wird Secundus in seiner Nähe sein, denn er wird in Har Dov stationiert. Dann habe ich zwei Söhne an der Grenze. Na ja, wir leben ja auch an der Grenze. Wird schon nichts passieren.

 

 

Wie denn nun? Januar 26, 2011, 8:57

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Gestern wurde unter anderem bekannt, daß Zipi Livni in den Gesprächen mit den Palästinensern auch über die Dörfer gesprochen hat, die durch eine Grenze in der Mitte geteilt würden.

According to the secret memos, in January 2008 then-Foreign Minister Livni explained privately that there are „some Palestinian villages located on both sides of the 1967 line about which we need to have an answer, such as Beit Safafa, Barta’a, Baqa al-Sharqiya and Baqa al-Gharbiya.“

Drei Lösungen sind möglich. 1. Das Dorf wird in der Mitte geteilt, wie Rajar. Da die Erfahrungen mit Rajar (Ghajar) nicht sehr gut sind, ist es beiden Seiten wichtig, solche Fälle zu vermeiden. 2. Das Dorf geht an Israel. Man kann sich vorstellen, was los wäre, wenn bekannt würde, daß Israel sich ganze Dörfer einverleibt! Daran ist also gar nicht zu denken. 3. Das Dorf wird Palästina zugeschlagen.

Diese Idee eines Gebietsaustauschs wird in den Medien immer als „Transfer“ bezeichnet, was etwas irreführend ist, weil es so klingt, als sollten Menschen „transferiert“ werden (Lieberman hat ähliche, viel weitergehende Ideen – er würde Wadi Ara an den Staat Palästina abtreten, die Hochburg des Islamismus in Israel). Aber eigentlich werden Gebiete transferiert, nicht Menschen – kein Mensch muß umziehen, aber statt zu Israel gehört es zu Palästina. Also das genaue Gegenteil vom „Landraub“, den Israels forsche Kritiker uns so gern unterstellen.

Was nun sagen die Bewohner von Barta dazu?

Sie sind sauer.

„Tzipi Livni can conduct business at the expense of her own home and community, but not at the expense of Baqa al-Gharbiya. We will remain on our lands,“ said Adris Moasi, a resident of the Arab village, which is mentioned in the documents

Anscheinend hat niemand Adris Moasi erklärt, daß er ja auf seinem Land bleiben soll. Nur eben als Palästinenser, nicht als Israeli.

„This is sheer insolence. At one time Israel’s Arabs were viewed as merchandise that could be transferred and exchanged, but there is no room for such things today,“ Moasi said. „We will continue living here despite opposition from racists.“

Immer dieses Wort Rassismus. Als ob irgendjemand behauptet hätte, Palästinenser wären eine Rasse und müßten deshalb aus Israel vertrieben werden. Darum geht es doch gar nicht. Es geht um eine Grenzziehung, die Moasi und seiner Familie Leid ersparen soll. Was würde er sagen, wenn eine Grenze durch sein Dorf verliefe? Es wird viele Jahre dauern, bis diese Grenze so offen und durchlässig sein wird, wie sie früher einmal war – dafür haben zahllose Terrorangriffe und -versuche gesorgt. Das kann er sich doch nicht wünschen. Vielleicht will er ja gar keine zwei Staaten? Vielleicht will er gar keine Grenze gezogen sehen zwischen einem Staat Palästina und einem Staat Israel? Er wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, denn dieser Staat wird kommen, und vermutlich noch bevor Israel endgültig erledigt wird.

Und wenn er gegen das Umsiedeln von Menschen ist – was sagt er dann dazu, daß jüdische Siedler ihre Häuser verlassen sollen? Bestimmt ist er vor der Räumung des Gazastreifens mit einem orangen Band am Autospiegel rumgefahren und hat sich mit den Protesten der Siedler solidarisiert, nicht wahr? Denn Rechte gelten für alle, und wenn er nicht wie ein Objekt umgesiedelt werden will, dann muß er dasselbe Recht auch den Bewohnern von Efrat zugestehen. Oder?

Natürlich bedeutet der entschiedene Widerstand gegen die palästinensische Staatsangehörigkeit nicht, daß man gern in Israel lebt, chalila.

Imad Abu-Moch, a Baqa al-Gharbiya resident whose home is located about 66 feet from the West Bank security barrier, said „Our forefathers were born here, and we will remain here. We will continue living in this country in the current state, even though it is not very good.“

Ja, es ist ein mieser Staat, aber immer noch besser als ein zukünftiges Palästina, oder was soll das bedeuten?

Übrigens hat er durchaus Recht, daß der Staat Israel weit davon entfernt ist, ideal zu sein. Meine Kinder müssen drei bzw zwei Jahre ihres Lebens für die Armee draufgeben, das immerhin bleibt ihm erspart. Der Staat zieht uns mit Steuern das Hemd vom Leib, während es große Teile der Bevölkerung gibt, die sich an diesen Lasten nicht beteiligen. Immer wieder gibt es Fälle von Korruption und Vetternwirtschaft, nicht zuletzt auch im „arabischen Sektor“. Am Schulsystem habe ich viel auszusetzen, im Umgang mit Minderheiten ist sehr viel zu verbessern, und mich stören die abscheulichen Kommerz-Zentren, die die Innenstädte verwüsten, und viele andere Dinge sehr. Ob es anderswo besser ist, weiß ich nicht, aber auch ich werde hier wohnen bleiben, trotz meiner Meckereien. Denn immerhin darf ich sie offen äußern. Ich nehme an, auch Imad weiß das zu schätzen.

Abd el-Karim Qabha, who owns a Shawarma stand in Barta’a, is against the idea. „If I move to the Palestinian side (of the West Bank barrier) my livelihood would suffer. This proposal is indicative of the racism and discrimination against the Arabs. I refuse to leave my home and business and will fight for them until the very end.“

Auch Abd-el-Karim hat noch nicht verstanden, daß er nicht umziehen soll. Warum meint er, daß er weniger verdienen wird, wenn er Shwarma in Palästina statt in Israel verkauft? Vielleicht kaufen ja die rasssistischen Juden bei ihm ein? Oder insgesamt ist das wirtschaftliche Klima in Israel besser? Nun, als arabischer Patriot könnte er mal erwägen, finanzielle Einbußen hinzunehmen, um beim Aufbau des Staats Palästina mitzuarbeiten? Es ist unfair, heute und damals zu vergleichen, aber…. Y.s Großeltern hätten mit ihren Berufen in den USA viel Geld verdienen können. Sie haben lieber in Israel Steine vom Feld gesammelt. Das wirtschaftliche Argument zieht nicht, noch dazu wo der Staat Palästina viel Unterstützung bekommen wird – auch von uns. Niemand ist daran interessiert, daß er untergeht, bevor er noch auf seinen Füßen gestanden hat.

Aber nicht alle sind dagegen.

However, some villagers are in favor of transferring Baqa al-Gharbiya to Palestinian control. „This way we could live in a Muslim state rather than a Jewish one. We live (in Israel) without any rights. In the Palestinian territories there are signs of social and economic improvement, and it’ll be easier for us to live there,“ one resident said. „Also, the expenses – electricity, taxes, phone bills – won’t be as high there.“

Gänzlich ohne Rechte. Hm, er hat ein paar Rechte, die ich nicht habe. Er kann wählen und sich wählen lassen. Er kann eine Schule besuchen, Abi machen, studieren und arbeiten. Er kann demonstrieren, vor Gericht ziehen und klagen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Er kann seine Religion frei praktizieren, was in einem islamischen Staat nicht jedem vergönnt ist. Allerdings hat er vermutlich Recht, wenn er sagt, daß Strom, Steuern und Telefonrechnungen in Palästina billiger sein werden als in Israel. Wenn das sein einziger Grund ist, sich mit einem palästinensischen Paß anzufreunden, nun, dann ist das ein bißchen dünn, aber besser als gar nichts.
Und ich finde auch, die wirtschaftliche Blüte in der Westbank ist ein sehr gutes Zeichen. Insgesamt ist der Lebensstandard in der Westbank höher als im Gazastreifen (dort allerdings immer noch höher als in Ägypten – ich erinnere mich, als die Grenze mal kurz offen war und Ägypter geradezu schockiert waren, worüber Gazaner klagen, im Vergleich damit, wie sie leben!), und in Israel höher als in der Westbank. Ich persönlich hoffe auf eine zukünftige gute Zusammenarbeit zwischen Palästina und Israel, und wer könnte besser davon profitieren als Menschen wie Imad, die fließend Hebräisch sprechen und Israel „von innen“ kennen?
Aber schließlich hat der Ynet-Journalist doch noch jemanden gefunden, der die Idee von Zipi Livni ganz pragmatisch sieht.
Barta’a resident Rami Qabha also said it makes sense to transfer Arab villages situated along the Green Line to the control of a future Palestinian state. „There is nothing racist about Livni’s proposal,“ he said, „It would be a good thing for Israeli-Arabs to unite with the Palestinians, and it would give us the opportunity to work in the territories.“
Richtig, Rami. Nur, daß sie dann nicht mehr „die Gebiete“ sein werden (witzig, daß er dieselbe Sprachregelung benutzt wie ich), sondern ein Staat.
So sieht die Gemütslage also bei arabischen Israelis aus – palästinensische Israelis, israelische Palästinenser, israelische Araber… wie ihr wollt. Die Wahl zwischen Palästina und dem viel kritisierten Israel fällt ihnen also schwerer, als man sich das von außen vorstellt. Vielleicht könnte man den Leuten ja einfach die Möglichkeit geben, ihre israelische Staatsbürgerschaft zu behalten, so daß sie doppelte Staatsbürgerschaft haben?
Wenn es irgendwann zur Zweistaatenlösung kommen, wird das Problem dieser Dörfer auf der Grenze tatsächlich auf den Tisch kommen. Mal sehen, wie es gelöst wird. Eines prophezeie ich aber jetzt mal ganz keck: egal wie die Lösung aussieht – die Bewohner von Barta und Baqa werden mit Empörung darauf reagieren.

Ungeordnete Gedanken Januar 25, 2011, 14:54

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Alles mögliche schwirrt mir heute durch den Kopf, ich habe nicht viel Zeit zum Lesen oder Hören, aber trotzdem versuche ich mal, mich in meine palästinensischen Nachbarn reinzuversetzen. Und auch in mich selbst.

Obwohl in den PA-treuen Medien, so sagen unsere Medien jedenfalls, die ganze Enthüllungsgeschichte mit den „Palestine papers“ totgeschwiegen wird, wissen die Palästinenser es natürlich – sie haben ja Zugang zu Al Jazeera und Internet und brauchen die lokalen Medien nicht.

Ich kann verstehen, daß sie stocksauer sind. Es ist alles ein bißchen viel auf einmal. Erst die Wikileaks-Geschichte – wo sich herausstellt, daß die ganze arabische Solidarität zu Palästina und so weiter nur Lippenbekenntnisse sind, daß viele arabische Staaten zwar polemisch schreien, aber pragmatisch flüstern, und daß sie viel mehr Angst vor Mahmoud A. als vor Bibi N. haben. Die Diskrepanz zwischen den öffentlichen Deklarationen und der geheimgehaltenen Realität muß normale Palästinenser ziemlich getroffen haben. Und wer denkt an euch? An euch denkt eigentlich niemand. Außer wenn ihr als Schachfiguren, Feigenblätter oder Objekte der Wohltätigkeit herhalten müßt. Ganz schön bitter.

Und jetzt Pali-Leaks. Also nicht nur die arabischen Politiker rundherum lügen und schwindeln und halten eigentlich mit den USA und dem Westen und damit irgendwie auch mit dem zionistischen Feind, sondern auch die eigenen Politiker! Dieselben Politiker, die sie sowieso als korrput und unterdrückend empfinden. So, lauthals schreien sie nach Siedlungsstopp, aber insgeheim sind sie bereit, auf Siedlungen zu verzichten! So, sie führen zwar ständig das Mantra „chak al aouda, chak al aouda“ (Rückkehrrecht) im Munde, aber insgeheim haben sie längst Kompromißlösungen ins Auge gefaßt!

Selbst wenn ich als Palästinenserin FÜR diese Kompromißlösungen wäre (und eine Umfrage in beiden Ländern würde mich aktuell mal sehr interessieren, wie weit jeweils wie viel Prozent der Leute zu gehen bereit wären), ich würde mich schwarzärgern über die Medien und Politiker, die ihr Volk mit Lügen gefüttert haben. Was für einen Sinn hat es, einerseits in Verhandlungen mit Livni und Olmert flexible und auch unrealistische Lösungen im Gespräch zu erörtern und auszuloten, was ich von beiden Seiten für rundherum lobenswert halte – und andererseits das eigene Volk so zu verhetzen, daß solche Lösungen sowieso nie durchzuführen wären? Halten die arabische Welt die Palästinenser, halten die palästinensischen Politiker ihr Volk für dumm?

Es ist wohl an der Zeit, den Palästinensern die Wahrheit zu sagen, wie auch Israelis der Wahrheit nicht ausweichen können. Kompromisse gehören zum Leben dazu. Jeden Morgen, wenn ich mich aus dem Bett quäle und meine gottverdammten Pflichten erfülle, statt mich auf die andere Seite zu drehen, schließe ich einen Kompromiß zwischen meinen Wünschen und den Anforderungen der Realität. Jeder kann das, ich kann es, unsere Regierung kann es (selbst Liebermann, dessen Vorstellung eines Staats Palästina auch wohlwollend nur kniepig genannt werden, erkennt damit an, daß ein solcher Staat entstehen wird), und die Palästinenser können es auch.

Ja, liebe Nachbarn, eure Leute haben euch angelogen, Lokshn verkauft, auf die Schippe genommen. Wir in Israel wußten das, und wir haben oft genug gefordert, daß diese Alles-oder-gar-nichts-Rhetorik aufhören muß, weil sie nie zu einem konstruktiven Kompromiß führen kann. Ihr hättet es auch wissen können, und vermutlich habt ihr es auch gewußt. Es tut mir leid für euch, daß Abu Mazen euch nicht zugetraut hat, die Notwendigkeit für Kompromisse einzusehen, sondern doppelzüngig zu euch war – und verdient habt ihr es nicht.

Es ist verständlich, daß manche Gedankenexperimente nie veröffentlicht werden, weil sie nur eine Momentaufnahme aus langen Verhandlungen sind, aber die Öffentlichkeit gänzlich über das Ziel der Verhandlungen zu täuschen – das finde ich übel.

Ich kann nur hoffen, daß jetzt die Diskussion mit offeneren Karten geführt wird. Abu Toameh, den ich sehr schätze, teilt diese Hoffnung allerdings nicht.

Most Palestinians who were interviewed in east Jerusalem and Ramallah said they had never had much confidence anyway in Abbas and negotiators Saeb Erekat, Ahmed Qurei and Yasser Abed Rabbo.

Sollen wir uns also schon mal auf die Vorherrschaft der Hamas auch in der Westbank vorbereiten? Oh je, dann heißt es ade, Kooperation der Sicherheitskräfte und ade, Hoffnung auf irgendeine Art Einigung…  das wäre ja sehr traurig.

Diese ganze Kette enttäuschter Hoffnungen erinnert mich an eine wiederkehrende Szene in meiner Kindheit. Wir wurden oft von unserem Vater ins Bett gebracht, was ich als schön und gemütlich in Erinnerung habe. Entweder in meinem oder in Bruders Zimmer setzten wir Kinder uns aufs Bett, und unser Vater streckte sich auf dem Teppich aus, den Aschenbecher (den ich noch so vor mir sehe, aus rotem Glas) neben sich, rauchte die Attika-Zigaretten, die wir nachmittags für ihn vom Koma gegenüber holten, „zwei Attika und einen Kicker“, und erzählte uns Geschichten.

Mal Geschichten aus seiner Kindheit im Krieg und in der Nachkriegszeit, mal Märchen. Ich habe immer noch im Ohr, wie bei ihm die Ziege aus dem Tischlein-deck-dich klang, und wenn ich den Kindern Märchen erzähle, klingt das verflixt ähnlich. Määäh, määäh! Ja, das waren schöne Abende. Bis dann Schluß war und der Papa keine Geschichte mehr erzählen wollte.

„Ach, Papa, erzähl uns noch ne Geschichte!“ bettelten wir. Und dann fing mein Vater die für solche Gelegenheiten passende Geschichte an: „Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sprachen: Vater, erzähl uns eine Geschichte! Da fing der Vater an: es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne…“ Ich weiß noch genau, wie ich als Kind jedesmal beim verheißungsvollen „da fing der Vater an…“ ein Prickeln der Erwartung hatte. Vielleicht, vielleicht fängt ja doch noch eine Geschichte an! Aber nein. Spätestens beim dritten Durchlauf hatten wir verstanden, daß jetzt geschlafen werden mußte. Papa klaubte Zigaretten, Feuerzeug und Aschenbecher zusammen, und der Tag war vorbei.

Ja, und so ist es hier im Nahen Osten auch. Immer denke ich, naaa, jetzt fängt der Vater aber an!, und es ist immer dieselbe Geschichte. Leider.  Aber ich kann mir nicht helfen, das Prickeln der Erwartung werde ich wohl nie ganz verlieren, auch wenn es inzwischen so matt geworden ist, daß ich es selbst kaum bemerke.

 

ETA: Soeben bei IsraelMatzav gefunden: Link zu einem ebenfalls sehr pessimistischen Artikel von David Frum.

 

Former Palestinian Liberation Organization representative Karma Nabulsi writes on the Guardian’s website, „had such deals eventually come to light, Palestinians would have rejected them comprehensively.“ Nabulsi is almost certainly correct, and that is the tragedy of the story.

 

Lohnenswert und sehr klar, wenn auch, wie gesagt, pessimistisch. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt…

Yossi Beilin zum Thema „Brisante Geheimdokumente“ Januar 24, 2011, 7:51

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… wie der SPon, sensationsgierig wie immer, sie zu nennen beliebt. Auch unsere Medien nennen sie „secret documents“, weil die Dokumente selbst nicht bekannt waren und man natürlich rätselt, ob es tatsächlich Dachlan war, der sie weitergeleitet hat. Aber die Tatsachen, die in den Dokumenten erscheinen, sind weder geheim noch brisant.  Alles bekannt, alles alte Kamellen, alles längst in den Medien besprochen. So alte Kamellen, daß Yossi Beilin sich wundert, warum die Palästinenser nun so verlegen sind, als hätte man sie beim Ladendiebstahl erwischt, und von einer Lügenkampagne sprechen. Als wäre es eine Schande, zu Zugeständnissen bereit zu sein.

 

Beilin, einer der Väter der Genfer Initiative, sagt vollkommen zu Recht, daß bereits damals alle diese Punkte abgesprochen waren: jüdische Stadtteile Jerusalems zu Israels, arabische zu Palästina. (Ja, wenn Avri Gilad moderiert, guck ich Frühstücksfernsehen, auch um sicherzugehen, daß es über Nacht nicht irgendwo Ärger gegeben hat, wo die Söhne Dienst tun…). Beilin weist darauf hin, daß es Karten gibt, genaue Pläne, die auch die Palästinenser unterschrieben haben – palästinensische Politiker, die nach wie vor viel Einfluß haben.

 

Er erwähnt nicht seine Friedens-Rivalen vom Mifkad Leumi, die ebenfalls zu weitreichenden Übereinstimmungen gelangten. Na ja, der Mifkad war auch wesentlich weniger erfolgreich, nicht mal die Website existiert noch. Und Ami Ayalon ist wohl wieder segeln gegangen oder tauchen, in der Politik jedenfalls hat er keine großen Wellen gemacht.

 

Aber gegen Anfang des Jahrzehnts zeichneten sich durchaus Lösungen ab. Und die sind alle bekannt. Woran es letztendlich hapert? Beilin sagt, die Differenzen waren nicht sehr groß – es ging zB um Ariel, das Abu Mazen geräumt sehen wollte (und israelische Verhandlungspartner wie Amnon Lipkin Shachak, ehemaliger Generalstabschef, aus sicherheitspolitischen Gründen ebenfalls), wozu Olmert nicht bereit war. Auch von der palästinensischen Seite waren Punkte, bei denen sie nicht nachgeben wollte. Beilin klang frustriert, als er sagte, mit etwas mehr Biß und Entschlossenheit von beiden Seiten hätte man zu einem Übereinkommen gelangen können.  Der Guardian hat schon 2008 Olmerts Angebot an die Palästinenser abgedruckt.  Ich bleibe dabei – das war nicht schlecht.

 

Sowohl Israelis als auch Palästinenser erklären die bekanntgewordenen Dokumente für ungenau – die Israelis sagen, viele Details stimmen nicht, die Palästinenser sagen, sie sind erstunken und erlogen. Aber es geht ja eigentlich nicht um die Dokumente, nicht wahr (obwohl eine genaue Analyse interessant wird). Es geht ja eigentlich darum, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen.

 

Die Taktik der Palästinenser, ohne Verhandlungen einen Frieden zu erzwingen, unter aktiver Mitwirkung südamerikanischer Staaten und bald auch Europa (Schweden und Norwegen wären selbstverständlich bereit, einen ohne Verhandlungen ausgerufenen Staat Palästina anzuerkennen), ist originell. Die Grenzen von 1967 waren damals verletzlich und sind es immer noch. Daß Israel, seit 1948 unter praktisch pausenlosem Beschuß und nach einem militärischen Sieg 1967, nun dazu gezwungen werden soll, diese Grenzen ohne Verhandlungen zu akzeptieren, ist vermutlich historisch ohne Vorbild. Normalerweise gibt ein militärischer Sieg der siegeden Seite einen gewissen Vorsprung bei Verhandlungen. Und daß unser Wunsch nach Sicherheit gerechtfertigt ist, bedarf wohl keiner Erklärung – wir werden verbal und tätlich ständig angegriffen. Daß den Chilenen und Venezolanern das nicht gewärtig oder nicht wichtig ist, kann ich mir gut vorstellen.

 

Viele israelische Beobachter allerdings meinen, die Ausrufung dieses Staats im September können wir mit Seelenruhe erwarten. Dann nämlich stehen nicht mehr Staat gegen Nicht-Staat, sondern zwei Staaten gegeneinander. Haben die Palästinenser die Infrastruktur für einen Staat? Hoffen wir es mal. Aber was genau aus dem ganzen Schlamassel werden soll, weiß ich auch nicht.

 

Lozowick hat sich noch vor Bekanntwerden der Dokumente und der erneuten Diskussion um Zugeständnisse aller Arten Gedanken darüber gemacht und ein paar Leute befragt.

 

I have however been tapping various brains recently, asking well connected and well-informed people what they think is likely to happen over the next year or two, before or after we have our next elections.All of the people I’m referring to are better informed than most of us regular mortals. The responses fall into two rough categories. The first says we’re back at a Yitzchak Shamir moment in time, where Israel’s government is trying mostly to kick the can down the road, make no dramatic decisions, not get maneuvered into any corners, and wait for the world to change in some unforeseeable way. Before you sneer about how shortsighted that position is, keep in mind that Shamir launched this policy in the late 1980s, and close to a quarter century later, an entire generation, the reality is still recognizably similar to the one he saw.

The second school of interpretation says we’re approaching an Arik Sharon moment, when in 2004, having defeated the Second Intifada, Sharon launched the unilateral disengagement from Gaza and a corner of the West Bank, and probably would have continued it on more of the West Bank had he stayed with with us. The top story in Haaretz this morning supports this second view, when it tells about a Lieberman plan to hand over something like 50% of the West Bank to the PA, and to recognize the area as an independent Palestinian state with territorial disagreements with Israel about their mutual final borders.

Although I won’t make predictions, I admit the second plan is preferable in my mind. I would even take it further, and dismantle some of the far-flung settlements, and enable an independent Palestine with well more that 50% of the WB. The more they get up front, the less they’ll be able to whine about how they can’t do anything because they’re so cruelly occupied by the Israelis, and the more Israel will be able to demand that the rest be handed over, or not, as the result of real negotiations aimed to reach End of Conflict status – which can’t be achieved anytime soon.

 

Wir werden es abwarten müssen.

Kleines Erlebnis Januar 21, 2011, 9:27

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Gestern kam ich ziemlich früh in die Klasse, wo ich die Lehrer in der Fortbildung unterrichte – und nur eine Studentin saß schon an ihrem Platz. Ich kam mit ihr ins Gespräch. Sie ist mir schon länger aufgefallen, wegen ihrer Schönheit und ihrer angenehmen Stimme. Sie wird so Anfang, Mitte 30 sein, ist groß und schlank, aber nicht mager, und hat ein sehr klares Gesicht. Graublaue Augen, dunkelblonde Haare und ein ganz besonderer Gesichtsausdruck.

 

Die Gruppe, zu der sie gehört, besteht aus lauter Lehrern in der Fortbildung, also alles erfahrene Lehrer und viele davon auch schon Eltern. Einige von ihnen sind älter als ich. Zwei junge Männer sind frisch verheiratet, aber noch kinderlos – sie haben früh mit dem Studium anfangen können, weil sie Moslems sind und nicht zur Armee mußten, und sie haben ihre Zeit gut genutzt. Die Gruppe besteht fast ausschließlich aus Arabern, nur ein jüdischer Mann, ein durchtrainierter Sportlehrer ist dabei. Unter den Arabern konnte ich die Christinnen sofort identifizieren, denn sie sitzen zusammen, haben französische Namen und hatten zu Weihnachten frei, und von einem der Männer weiß ich, daß er Druse ist.

 

Im Gespräch mit der schönen jungen Frau erfuhr ich nun, daß sie Tscherkessin ist. Erst das zweite Mal, daß ich eine Tscherkessin in der Klasse habe! Diese Minderheit in der Minderheit interessiert mich sehr, und ich habe mich gefreut, daß sie mir davon erzählt. Sie ist mit einem Tscherkessen verheiratet, selbstverständlich, denn Tscherkessen heiraten nicht aus ihrer ethnischen Gruppe heraus. Sie haben ihre eigene Tradition, obwohl sie Moslems sind, ihre eigene Sprache und ihre eigenen Sitten. Sie trägt lange Röcke (die ihr sehr gut stehen), weil das bei den Tscherkessen so üblich ist, und kauft ihre Sachen mal bei Mango, mal in Läden für religiöse Jüdinnen. Ihre Söhne erzieht sie als Tscherkessen.

 

Ihr Hebräisch ist so frei von jedem Akzent, daß ich sie für jüdisch gehalten hatte – sie ist nämlich in einer jüdischen Stadt aufgewachsen, weil ihr Vater dort arbeitete, und ist erst als Erwachsene in das tscherkessische Dorf Kfar Kama zurückgekehrt, in dem sie seitdem lebt. Jetzt steht sie vor der gleichen Aufgabe wie ihre Eltern zuvor – die Kinder einerseits zu toleranten, aufgeschlossenen Menschen zu erziehen und andererseits dafür zu sorgen, daß sie Tscherkessen bleiben, also tscherkessisch leben und eines Tages auch heiraten werden.

 

Was sie mir über ihre Kultur erzählt hat, war interessant und faszinierend. Sie sagt, weil es nur so wenige Tscherkessen gibt, trifft sie oft Leute, die nicht viel über ihr Volk wissen. Das kränkt sie aber nicht, sie ist stolze Tscherkessin und fühlt sich in Israel sehr wohl, weil sie hier gleiche Rechte genießen und tscherkessisch leben können. Die Männer dienen in der Armee, und ähnlich wie Drusen und Beduinen ist die Armee sehr wichtig – viele Männer bleiben in der Armee oder arbeiten beim Grenzschutz oder der Polizei. Als ich Y. von dem Gespräch erzählte, sagte er, daß einer seiner Mitarbeiter Tscherkesse ist, und daß er auch bei der Armee mehrere kannte.

 

Ich muß sagen, ich genieße es richtig, daß in diesem Land die Bevölkerung so heterogen ist – aber alle sind selbstverständlich  Israelis. Wer das Land aus der Ferne betrachtet, kann diese Vielfalt unmöglich wahrnehmen.

Tu bi Shvat Januar 20, 2011, 1:24

Posted by Lila in Land und Leute.
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Oh, das ist ein Fest, das ich gern mag! Das Neujahrsfest der Bäume, besonders der fruchttragenden. Im Kibbuz wird es natürlich immer wunderschön gefeiert, und die Kinder haben jedes Jahr Bäume gepflanzt, die sie dann auch besuchen konnten. Wo hier gepflanzt wird, weiß ich gar nicht – müssen wir uns am Wochenende mal umhören, oder wir fahren in den Kibbuz und pflanzen dort.  Am besten wäre natürlich, in den Carmel oder nach Gamla zu fahren, wo dieses Jahr ganz Israel mit dem Schüppchen tätig sein wird.

Jedes jüdische Fest ist untrennbar mit einem bestimmten bestimmten Essen verbunden – zu Pessach natürlich Mazzot und gefilte Fisch und Kneidlach-Suppe und die seltsamen Mischungen am Pessachtisch – Maror und Charoset. Zu Rosh ha Shana gibt es Äpfel und Honig, zu Sukkot Granatäpfel, zu Chanukka Ölgebackenes und Reibekuchen, zu Shavuot Milchprodukte aller Art – das führt so weit, daß Israelis außerhalb der „Saison“ keine Reibekuchen (levivot) und keine Berliner Ballen (sufganiot) essen. So wie man ja im August keine Printen oder Lebkuchen essen mag. (Ich mach aber trotzdem Reibekuchen, wann ich will – auch wenn die Kinder dann sagen: ja ist denn Chanukka? Nein, Kinder, die deutsche Mutter ißt auch im Februar gern Rivvekooche, und überhaupt schmecken die bei mir anders! Und Berliner bzw sufganiot mag ich weder zu Chanukka noch sonst irgendwann…)

Ich bin schon oft verwundert gefragt worden, ob es außer Christmas, Halloween und Thanksgiving noch christliche Feste gibt, und was man dabei jeweils ißt. „Oh, zu Christmas eßt ihr bestimmt Truthahn“ – zu viele amerikanische Filme, bei uns gibt es zu Weihnachten seit eh und je Heringssalat und Kartoffelsalat. Halloween soll es ja jetzt in Deutschland auch geben, habe ich mir sagen lassen, vielleicht wird nächstes Jahr ja auch endlich Thanksgiving eingeführt? Nun, wenn ich sage, es gibt noch eine ganze Menge Feste und Feiertage, aber außer Weihnachtsplätzchen und Ostereiern ißt man eigentlich in jeder Gegend und jeder Familie was anderes, dann ernte ich erstaunte Blicke. (Vielleicht irre ich mich ja auch und erzähle seit Jahren Schrott?)

Nun, zu Tu bi Shvat futtert man Trockenfrüchte, Nüsse und Mandeln, und oooh, die mag ich gern. Am liebsten allerdings mochte ich eine Spezialität, die leider vom Markt verschwunden ist.  In Platten getrocknetes Aprikosenmus, das wird richtig fest und zäh wie Leder, wird deswegen auf Hebräisch auch lädär genannt.  Das Zeug ist so süß-säuerlich, daß es mir die Zähne vergrätzt, aber einmal im Jahr muß das sein. Ich finde es total lecker. Jedoch wurde lädär wohl aus der Türkei importiert, wenn ich mich recht erinnere, und ich habe dieses Jahr keines mehr gesehen. Dieser verflixte Erdogan, jetzt vermasselt er mir Tu bi Shvat, wie soll ich das verkraften?

Aber halt, wofür gibt es das Internet? Hier habe ich schon ein Rezept für das geliebte zähe, an den Zähnen klebende Schnupperzeug gefunden. Oh ja, das wird mein nächstes Projekt…

Ich liebe Bäume, und ich liebe Apfelringe und getrocknete Aprikosen und Kirschen und Cranberries und Äpfel und Mandeln, vor allem in der Schale geröstete. Also, frohes Tu bi Shvat, das muß gefeiert werden!

 

Kein Schwein guckt mehr hin, Januar 20, 2011, 0:01

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aber die Armee hat ihren Bericht zum Tod von Jawaher Abu Rahma veröffentlicht.  Wie bereits vorher bekanntgeworden, war sie 500 m von der Demo entfernt und damit auch von der Stelle, wo das Tränengas am konzentriertesten war. Ohne Exhumierung ist es nicht einfach, die Todesursache festzustellen, aber die Ärzte der Armee vermuten, daß ein ärztlicher Fehler zu ihrem Tod geführt hat – eine Überdosis Atropin zum Beispiel.

Ich kann es nicht beurteilen. Aber eines fällt schon auf: der Bericht interessiert außer mir niemanden. Und ob jemand glaubt, daß die Armee nicht einfach nur Verantwortung abschieben wollte?

Und zu dem Thema sehe ich gerade einen Artikel in Ynet: der Soldat, der die Nerven verlor und einen unschuldigen Mann in seinem Bett erschoß, wird aus der Armee entlassen.

Und während ich mich noch frage, wie es wohl den Soldaten geht, deren Kamerad, Nadav Rothberg, durch friendly fire ums Leben gekommen ist  – da lese ich im Blog einer Mutter eine Anwort.

Strick- und Häkelnadel-Brigade Januar 19, 2011, 21:45

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Bei Treppenwitz gefunden: Frauen aus aller Welt stricken und häkeln warme Mützen für IDF-Soldaten, auch eine Frau in Alaska, abgeschnitten von aller Welt. Sie wiederum wurde von diesem Blog einer Soldatenmutter inspiriert, wo auch die Anleitungen zu finden sind. Für Häkelfans wie mich, denen Stricknadeln nicht so gut in der Hand liegen, gibt es hier eine Anleitung.

 

Chain ist eine Luftmasche, single crochet eine feste Masche, und die Mütze wird nicht in Runden gearbeitet, sondern rauf und runter. Da kribbeln einem doch gleich die Finger! Wieso bin ich nicht von allein auf die Idee gekommen?

(Meine Söhne haben warme Mützen, die haben sie von ihrem Jugendleiter im Kibbuz spendiert bekommen, der weiß, was junge Israelis brauchen. Aber anderen Jungens und Mädchen ist kalt…)

Enthüllung! Sensation! Januar 19, 2011, 20:05

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Aus einer Rede Ben Gurions kurz vor Gründung des Staats Israel:

 

„Wir haben es bereits ganz offen gesagt, und dabei wird es bleiben: Wenn es einen jüdischen Staat mit der Hauptstadt Jerusalem gibt, werden wir nicht akzeptieren, dass darin auch nur ein einziger Araber lebt.“

 

Wie findet Ihr das? Rassistisch, diskriminierend, gewaltsam, Verstoß gegen Menschenrechte, drohnende ethnische Säuberung, üble Vorzeichen für den noch zu gründenden Staat? Was haltet Ihr von so einem Staat? Seid Ihr für seine Gründung? Würdet Ihr einem zukünftigen Premierminister, der sich so äußert, Hilfe leisten?

 

Aber kommt das Zitat nicht auch jemandem komisch vor? Das paßt ja gar nicht zu den Worten in der Unabhängigkeitserklärung Israels:

 

Der Staat Israel wird der jüdischen Einwanderung und der Sammlung der Juden im Exil offenstehen. Er wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestutzt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben.

 

Die Erklärung dafür? Ganz einfach. Ich habe das erste Zitat einfach erfunden. Nein, nicht ganz erfunden. Neulich erst hat jemand ganz dasselbe gesagt, nur eben andersrum:

 

„Wir haben es bereits ganz offen gesagt, und dabei wird es bleiben: Wenn es einen palästinensischen Staat mit der Hauptstadt Jerusalem gibt, werden wir nicht akzeptieren, dass darin auch nur ein einziger Israeli lebt.“

 

Was meint er mit „Israeli“? Araber mit israelischem Paß? Oder vielleicht doch – Juden?

 

Und wie kommen Euch der Mann und sein geplanter Staat vor?

Ein Monat mit Primus Januar 18, 2011, 6:57

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Er ist schon fast vorbei, Primus‘ Monat zuhause. Heute fährt er zum letzten Mal mit Y. in die Firma. Die beiden Männer sind sich nähergekommen in diesem Monat. Sie sind jeden Morgen zusammen losgefahren, Primus hat die ganze Firma kennengelernt und aus der Perspektive des starken Helfers in allen Abteilungen sieht man eine Menge. Er hat in allen Abteilungen geholfen – Kisten und Möbel geschleppt, Lager und Büros umorganisiert, Wände und Türen gestrichen, lauter lang aufgeschobene Arbeiten zu Ende gebracht. Mittags hat er mit Y. oder anderen Mitarbeitern gegessen, abends sind siegemeinsam zurückgekommen und haben zusammen hier gegessen.

Vorgestern, nach einer regnerischen Nacht, wäre ihnen auf den letzten scharfen Kurven den Berg rauf fast ein entgegenkommendes Auto reingefahren. Y. wich ihm nach links aus. Der andere Fahrer hatte total die Kontrolle über seinen Wagen verloren, rutschte auf Y.s Seite in den Straßengraben und überschlug sich. Y. und Primus hielten sofort an, Primus leistete Erste Hilfe, Y. rief Polizei und Krankenwagen. Der Fahrer war ein junger Mann, äußerlich unverletzt, aber er stand total unter Schock. Y. und Primus hatten noch einmal großes Glück, daß es noch möglich war, dem Mann auszuweichen – nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er frontal mit ihnen zusammengestoßen wäre. Auch für den Mann war es ein Glück, daß die beiden ihm helfen konnten.

Primus hat sich einen Monat lang das Leben aus Erwachsenenperspektive angucken können – als Kind nimmt man die Eltern ja ganz anders wahr und hinterfragt nicht weiter, was sie in ihrem geheimnisvollen Arbeitsleben eigentlich tun, wozu sie sonst noch Zeit haben und wie es ihnen dabei geht. Beide haben mich ein paarmal abgeholt und er hat auch mich in Aktion gesehen – außerdem kann er jetzt, wo er wieder eine eigene Wohnung hat, besser beurteilen, wie viel Arbeit Haushalt macht. Er hat seine Schwestern angepfiffen, wenn sie frech werden wollten – das kann er gar nicht vertragen, weil sein Blick hinter die Kulissen ihn überzeugt hat, daß Eltern nicht grundlos einen gewissen grundlegenden Respekt  erwarten.

Es wird mir sehr schwerfallen, ihn wieder abzugeben. Auch Y. wird ihn vermissen. Seine Mitarbeiter waren sehr beeindruckt von Primus´ Fleiß. Der Junge ist sehr kräftig und stark, und es macht ihm Spaß, diese Kraft einzusetzen. Er schleppt lieber den ganzen Tag schwere Kisten, als fiddlige Malerarbeiten zu machen. Er ist auch hilfsbereit und springt gern bei – das war schon so, als er klein war und den alten Leuten im Kibbuz ihre Einkäufe aus dem Laden zur Elektrokarre tragen half oder der Nachbarin mit dem gelähmten Mann beim Schieben des Rollstuhls den Hügel rauf half.

Y. hört es natürlich gern, wenn Primus gerühmt wird, das geht Eltern doch immer glatt runter.

Primus ist die meiste Zeit fröhlich und hat Sinn für komische Situationen. So freut es ihnen, daß es täglich Mißverständnisse mit einem nur Russisch sprechenden Arbeiter gibt. Wenn er „toda“ sagt, weiß niemand, ob er das hebräische Danke meint oder das russische „tu da“, hierhin. Es klingt gleich. Die Dialoge, die sich daraus ergeben, können Primus lange glücklich machen, und seinen Vater auch. Tuda! tuda? tuda, toda?

Die Katzen, die ihn für seine lange Abwesenheit erst mit Mißachtung straften, haben sich wieder an ihn gewöhnt und belagern ihn. Seine Schwestern freuen sich, daß er Anteil an ihren Schulsorgen nimmt, ihren Freundeskreis ein bißchen kennengelernt hat und sich für alles interessiert, was sie ihm erzählen. Er ist erwachsen geworden, er hält seine Wohnung allein tadellos in Ordnung, er macht seine Wäsche allein oder nimmt mir Arbeit ab, er ist wirklich ein rundherum feiner Kerl.

Noch ein Jahr, und was er dann macht, steht noch nicht fest. Ich hoffe, er bleibt hier in der Nähe – ich hab ihn einfach gern hier.

Angucken! Januar 14, 2011, 18:24

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Ich habe mit Neugier die Video-Serie im SPon über Israel angeklickt, aber schnell (beim 3. Teil…) wurde mir klar: die Autoren sind mit vorgefaßten Meinungen nach Israel gefahren und haben dieselben natürlich bestätigt bekommen.

Wenn zB eine palästinensische Familie in Ost-Jerusalem aus ihrem Haus geklagt wird und Juden einziehen, könnte man ja mal angesichts der Rechtstaatlichkeit des Staats Israel auf die Idee kommen, daß es sich vielleicht tatsächlich um einen rechtlichen Anspruch handelt. Bekanntlich war Ost-Jerusalem jahrzehntelang von den Jordaniern besetzt, und auch zu anderen Zeiten sind Juden aus Häusern vertrieben worden. Ist es nicht wenigstens der Erwähnung wert, daß sich oft komplizierte Besitzverhältnisse ergeben? Und daß es in Israel ein funktionierendes legales System gibt? Okay, Trickser gibt es immer wieder, aaaber…. Und warum sind jüdische Bewohner von Ost-Jerusalem automatisch Siedler? Die Sprachregelung allein schon zeigt, daß die beiden Journalisten mit beiden Beinen auf dem Boden des „palästinensischen Narrativs“ stehen.

Die weiteren Filmchen zeigen mir schon an den Titeln, daß kein Interesse an einer fairen Präsentation besteht: „Siedler-Wahn“ – es kann also nichts anderes als Wahn sein, wenn Juden in Judäa leben wollen? Könnte man dann nicht auch ein Kapitel „Palästinenser-Wahn“ nennen und dezent darauf hinweisen, wie künstlich und neu diese ganze palästinensische Identität ist, daß Palästina kein arabisches Wort ist und kein Volk bezeichnet (Araber können das P ja nicht mal aussprechen und sagen deswegen Falestin – oder Balestine, wenn sie Englisch sprechen), und daß manche Ansprüche der Palästinenser eindeutig wahnhafte Züge zeigen (zB, daß die Klagemauer moslemisch ist). Aber nein, nur das schöne Narrativ in seiner Geschlossenheit nicht angreifen. Am Ende käme noch jemand auf den Gedanken, daß Israel auch Rechte verteidigt.

Jedoch ein Film sticht hervor, und das verdanken wir nicht den beiden Jungspunden mit dem Mikrophon und der Kamera, sondern einer bezaubernden Frau, die zu kennen ich mich rühmen kann. Selbstverständlich Hannah aus Hazorea, die in den Jahren, als ich in der VHS der Kibbuzim unterrichtet habe, treu in meinen Stunden saß. Hazorea ist ein wunderbarer Kibbuz – noch ein richtiger Kibbuz, wo das Essen im Speisesaal umsonst ist und noch Voluntäre arbeiten. Hazorea – dort ist die Lebensgefährtin meines Schwiegervaters großgeworden, vor vielen Jahren. Hazorea ist von seinen Jeckes geprägt und wahrlich sehenswert.

 

Hannah und ihre Altersgenossen in anderen Kibbuzim sind Menschen, wie man sie sonst nirgends findet. Für sich selbst ganz anspruchslos, hochgebildet und intelligent, mit einer gesunden Mischung aus bodenständigem Pragmatismus und idealistischem Trotz-allem-Glauben an das Gute im Menschen, sehr fleißig und mit riesiger Neugier auf andere – es ist einfach ein Privileg, diese „Vatikim“ (Kibbuzniks der Gründergeneration) kennen zu dürfen.

Die Autoren scheinen sich nicht gefragt zu haben, ob die Nachkommen dieser klugen und herzlichen Frau tatsächlich zu Monstern mutiert sind, die mit Wonne Palästinenser vertreiben, unterdrücken und knechten. Oder ob das Nahost-Narrativ nicht doch ein paar Facetten mehr aufweist als ihre Videoserie: „Hebron: Ex-Soldaten prangern Apartheid an“ und „Palästinensische Dörfer: gewaltfreier Widerstand mit Todesfolge“. Da sind die Rollen fest verteilt, nur keine Überraschungen. Man hätte ja auch titeln können: „Jenin: Soldaten im Kampf gegen Terrororganisationen“ oder „Palästinensische Dörfer: Hetze schon im Kindergarten“, aber bitte, das wäre ja grauenhaft, wenn jede Münze zwei Seite hätte! Nein nein.

(Mit Entsetzen nehme ich außerdem zur Kenntnis, daß diese Deutschen der Meinung sind, zehn Monate Sommer im Jahr sind ein Vergnügen!)

Na gut, der Clip über Tel Aviv zeigt menschliche Israelis… und erwähnt nebenher, daß „die Bedrohung durch Terroranschläge zurückgegangen ist“, als wäre das ein Naturphänomen. Jungs, fragt doch mal, WIESO die zurückgegangen ist … aber auf diese Idee kommen sie gar nicht.

Tja, wie gesagt, der Deutsche fühlt sich von seinen Medien umfassend und ausgewogen informiert *hüstel*…

Jedoch – die Bilder sind schön, und Hannah und Hazorea wirklich wirklich wirklich wunderbar. Angucken und Sehnsucht kriegen!

Gestrandet Januar 14, 2011, 11:33

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Gestern auf dem Heimweg ging uns auf einmal ohne Vorwarnung ein Reifen kaputt. Gut, daß wir gerade relativ langsam fuhren. Aber um uns war heftigster Berufsverkehr und es war dunkel – keine angenehme Situation. Wir mußten den Pannendienst anrufen und uns auf eine Wartezeit gefaßt machen. Quarta war allein zuhause, denn Tertia war mit ihren Freundinnen ins Kino gegangen, und jammerte am Telefon, daß sie Hunger hat und nicht gern allein ist. Aber wir konnten ihr nicht helfen. Ich fragte Quarta, „wie will Tertia denn nach Hause kommen?“, und Quarta meinte, „mit dem Taxi“. Gut so, denn wir hätten sie nicht abholen können.

Der Telefonfritze vom Pannendienst hatte den Abschleppwagen statt zur Kreuzung Yavor, wo wir festsaßen, zur Kreuzung Yagur geschickt – wir hatten gleich gemerkt, daß er sich im Norden absolut nicht auskannte. Es dauerte also noch länger, bis der Mann mit dem Abschleppwagen endlich kam, dafür war er aber sehr nett und lustig. Er verlud das Auto, aber er hatte nur Platz für zwei Leute. Einer von uns mußte also zu Fuß zur Tankstelle laufen und sich von dort ein Taxi bestellen.

Wir zankten eine Weile hin und her, wer dieser Jemand sein sollte, bis Primus sich durchsetzte. Er ging zu Fuß los, wir kletterten in die Fahrerkabine. Der Fahrer zeigte mir auf seinem Handy Bilder aller Wracks, die er in der letzten Woche abschleppen mußte – darunter ziemlich gräßliche Bilder. Er erklärte mir auch, wie er mithilfe von Ketten auf dem Dach liegende Autos umdreht, und klagte über seine Arbeitsbedingungen, und wie viele Unfälle es im Norden gibt. Ich war innerlich unruhig wegen Primus – warum habe ich den Jungen auch gehen lassen, wäre ich doch mal lieber zurückgeblieben! Eine fürwahr vergnügliche Fahrt.

Y. hatte sich überlegt, eine „pantcheria“ (vom Wort puncture für Panne) in Kfar Yassif ist die beste Lösung – in der Hoffnung, daß die noch offen haben, uns sofort das Rad wechseln können und wir dann nach Hause fahren können. Der Fahrer brachte uns also zu so einer Pannenwerkstatt an der Hauptstraße,  die uns schon oft ins Auge gestochen war – „König der Reifen und Räder“.  Da war aber schon zu, denn es war inzwischen schon spät. Der Besitzer meinte am Telefon, wir können den Wagen vor seiner Werkstatt parken und morgen früh wiederkommen.

Und nun standen wir mitten in Kfar Yassif, mein normaler Taxidienst in Nahariya wollte kein Taxi schicken (war ihm zu weit) und mein liebster Taxifahrer, der junge Druse  mit der kecken Kappe, hat den Job an den Nagel gehängt, aber gab mir die Nummer von seinem Onkel, der ebenfalls Taxifahrer ist. Primus war inzwischen bis Achihud gelangt. Ich hatte ihm streng verboten zu trampen (Soldaten dürfen das sowieso nicht), aber während er die Straße langging, hielt neben ihm ein Taxi mit einem religiösen Fahrer. Der sagte zu ihm: du bist Soldat, das seh ich sofort. Komm mit, ich bringe dich soweit es geht. Der Taxifahrer wollte kein Geld von ihm, er nahm ihn mit bis Achihud, und ich schickte ihm den Taxifahrer-Onkel. Aber war das nicht nett von dem fremden Taxifahrer?

Wir waren in Kfar Yassif gestrandet, aber ich wollte immer schon Roys libanesische Pizzeria ausprobieren. Ich würde am liebsten ja mal das Schild vor seinem Laden fotografieren, da sind nämlich die libanesische und die israelische Flagge nebeneinander abgebildet. Wir waren inzwischen so hungrig wie Quarta. Während unsere Pizzen in den Ofen gingen, fragte ich den Besitzer, ob er uns ein Taxi empfehlen kann. Er war sofort am Telefon und rief seinen Neffen an, der ein Taxiunternehmen hat.

 

Die Räume des Restaurants waren ebenfalls mit großen israelischen und libanesischen Flaggen dekoriert, außerdem mit Bildern von Mahlzeiten und deren Namen in englischer, hebräischer und arabischer Schrift. Ich amüsierte mich über ein Bild von Fritten – hebräisch chips, aber auf dem Bild stand sheeps. Im Fernsehen lief der arabischsprachige Sender des israelischen Fernsehens, mit dem Menorah-Logo. In Nullkommanichts war das Taxi da und die Pizzen waren auch fertig. Der Besitzer geleitete uns noch nach draußen und wartete, bis wir sicher im Taxi saßen. Auch er war außergewöhnlich nett.

Es war schon richtig spät, als wir schließlich alle zusammen im Wohnzimmer saßen und über Roys libanesische Pizzen herfielen. In drei Taxis kamen wir an, fast gleichzeitig – Tertia aus Nahariya, Primus aus Achihud und wir aus Kfar Yassif. Quarta hatte auf uns gewartet und war auf der Couch eingeschlafen, alle Katzen um sie herum drapiert.

Heute früh fuhr Y. wieder nach Kfar Yassif, zum „König der Reifen und Räder“.  Der König war ein netter Mann, der Y. erstmal zum Kaffee einlud. Dann untersuchte er das Rad, das sich vollkommen verzogen hatte – wir hatten uns schon gefragt, wie auf einmal mitten in der Fahrt der Reifen kaputtgeht und das Rad so großen Schaden nimmt, oder daß wir etwas gemerkt haben. Vermutlich sind wir über eine Schraube gefahren, denn im Reifen war ein großes rundes Loch. Wir haben echtes Glück gehabt. Jetzt ist das Auto wieder in Ordnung, und ich bin sehr erleichtert und dankbar, daß es so glimpflich abgegangen ist.

 

Und ich sinne darüber nach, wer uns gestern schnell und freundlich geholfen hat – ein religiöser Taxifahrer und eine ganze Menge freundlicher Araber.

 

Es fällt mir immer wieder auf, wie außergewöhnlich nett und höflich die Araber hier in Galiläa sind. Von Feindseligkeit wirklich nicht die geringste Spur.  Sie scheinen auch keine Probleme damit zu haben, Bürger des Staats Israel zu sein. In arabischen Restaurants hängt die israelische Flagge, und in unserem libanesischen Lieblingsrestaurant in Shlomi, von Exil-Libanesen geführt,  bezahlen Soldaten in Uniform nur die Hälfte.  Es ist also möglich, daß Araber zufrieden und selbstbewußt im jüdischen Staat leben, und ich kann gar nicht ausdrücken, wie viel Hoffnung mir das macht.

Artikel in Cicero – lesen und verstehen Januar 13, 2011, 14:44

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Bereits in den Kommentaren empfohlen, hier noch einmal eindrücklich als Lektüre ans Herz gelegt für jeden, der den Nahostkonflikt verstehen möchte.  Das kommt nämlich dabei raus, wenn einer einfach mal hingeht und den Leuten zuhört, statt ihnen das zu unterstellen, was man gern hätte.

 

An dieser Stelle muss etwas über die UNRWA gesagt werden. Die Vereinten Nationen verfügen nämlich über zwei Flüchtlingshilfswerke: die UNRWA für die palästinensischen Flüchtlinge und ein weiteres, das UNHCR, für alle anderen Flüchtlinge der Welt. Und für all diese endet der Flüchtlingsstatus nach der ersten Generation. Der Status des Flüchtlings ist nicht vererbbar. Und dementsprechend ist die Aufgabe des UNHCR, dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge in den Ländern, in die sie geflohen sind, heimisch werden und die vollen Bürgerrechte bekommen. Das Leben in Flüchtlingslagern ist ein Status, den es für das UNHCR aufzulösen gilt.

Die UNRWA hat einen völlig anderen Auftrag. Sie betrachtet es als ihre Aufgabe, die Flüchtlingslager im Gazastreifen, im Westjordanland, im Libanon, in Jordanien und Syrien zu versorgen, und verlängert damit den Flüchtlingsstatus über Generationen. Und es ist kein Ende abzusehen. Auch Khouloud ist nach UN-Definition ein Flüchtling – wäre es selbst dann, wenn sie in England geblieben wäre –, und ihre Kinder werden es auch sein. Khoulouds Schwester etwa lebt in Jordanien und ist mit einem Jordanier verheiratet. Durch diese Ehe ist sie in der Lage zu wählen, ob sie jordanische Bürgerin werden oder palästinensischer Flüchtling bleiben möchte. Sie wählte Letzteres. Diese Vererbbarkeit des Flüchtlingsstatus ist eine Ausnahme, die die UN für die Palästinenser gemacht hat, und für niemanden sonst.

Das streitet Khouloud übrigens auch gar nicht ab. „Ja, es ist ein Sonderrecht. Aber dieses Sonderrecht steht uns zu. Warum? Es geht um Gerechtigkeit!“ Da überrascht es nicht, dass Khouloud von den Verhandlungen zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Israel überhaupt nichts hält. „Unsere Leute wollen keine Zweistaatenlösung. Unsere Führung handelt nicht in unserem Namen. Und die Israelis wissen das auch.“ Aber was wollen „die Leute“, was will Khouloud? „Es geht um das Recht auf unser Land“, sagt sie. „Auf dieses Recht zu verzichten, wäre nicht nur ein Verrat an den Flüchtlingen, es wäre ein Verrat an Palästina. Dafür sind unsere Märtyrer nicht gestorben.“

 

Und jetzt sagt mir noch einmal: es muß mehr Druck auf Israel ausgeübt werden, um den Friedensprozeß in Gang zu bringen. Ja, das wird helfen!

 

Erschütternd auch, wie wenig sich seit Martha Gellhorn geändert hat…  und sie hat ihren Artikel 1961 geschrieben.

 

 

 

 

Internet verblödet (mich zumindest) Januar 13, 2011, 14:11

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So steht´s im Text: „….weakens Papal authority.“

 

Ich:😯 Was hat´n Paypal damit zu tun????

Zusammenhang? Januar 13, 2011, 1:12

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Ich habe es in Google Earth ausgemessen – von unserem Haus sind es fünf Kilometer bis zur libanesischen Grenze. Nicht 50, nicht 15 – fünf Kilometer. Und dort ist die Lage unruhig. Die Hisbollah verläßt die Regierung, die damit nicht mehr regierungsfähig ist.  Und das, um von den Ergebnissen der Ermittlungen im Fall Hariri abzulenken. Wer weiß,  wohin das noch führen kann.

Nicht, als ob ich mir mehr Sorgen machte als zu Zeiten, da wir 55 km von der Grenze entfernt lebten – das macht in Israel alles keinen Unterschied, ein Hinterland oder geschützte Mittellage, die gibt es hier nicht. Trotzdem, kein angenehmes Gefühl, daß jenseits einer so nahen Grenze Chaos herrscht, und dieses Chaos von unseren Freunden in Teheran ferngesteuert wird, und daß die Hisbollah alles tut, um uns den Mord an Rafik Hariri in die Schuhe zu schieben. Aus meinem Traum, Taboule mal auf der anderen Seite der Grenze zu probieren, wird wohl so schnell nichts.

Ich frage mich aber, ob ein Zusammenhang besteht zu der ganzen Geschichte mit dem Erdgas – ich weiß nicht, inwieweit die deutschen Medien sich damit überhaupt beschäftigen. Eigentlich ist es mal wieder typisch: Israel entdeckt Erdgasfelder im Mittelmeer, die nach allen Karten eindeutig in israelischen Gewässern liegen. Die Libanesen beschweren sich bei der UNO, daß das eigentlich libanesische Gewässer sind.

Reuters hält den libanesischen Anspruch selbstverständlich für berechtigt:

Lebanon has stopped short of accusing Israel of encroaching on its territory, but the mistrust between the two has exacerbated Lebanese fears.

Bassil has said Israel had showed a „degree of aggressiveness“ when talking about the issue.

Khalil, who presented a draft energy proposal to parliament last month, said Lebanon was „worried about an Israeli violation on the borders of the economic waters“.

If we assume that Israel is drilling within the borders then they could be digging in a common field,“ Khalil told Reuters. „Drilling in border areas aims to take advantage of common fields, which may infringe on Lebanon’s rights.“

Bassil said the companies had no right to work in potential common fields unless there were guarantees from both states.

….

Hunter said unless the reservoirs are mapped out, it was hard to know their limits or where the gas came from. „The flow is important because it means it could potentially be coming from somewhere else.“

„Gas doesn’t sit within national boundaries.“

Hervorhebungen von mir. Ja, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…

Der Christian Science Monitor berichtet mehr:

The maritime border between the two countries has never been delineated because they have officially been at war since Israel declared independence in 1948.

Israel says its gas concessions lie within Israeli waters, but it remains unknown whether the gas field extends to beneath Lebanon’s territorial waters. The Lebanese government recently handed to the UN documents marking what it believes is the correct path of Lebanon’s maritime border with Israel.

In the absence of a mutual agreement on the border and division of resources, Israel could follow the „right of capture“ rule, which allows a nation to extract oil or gas from its side of the border, even if the reserves stretch into another country’s territory.

Some Lebanese politicians have accused Israel of attempting to steal Lebanon’s oil and gas resources, and militant Shiite Hezbollah has sworn to use its weapons to defend them. Israeli officials have warned of retaliation for attacks on its oil and gas facilities.

Das sagt der israelische Globes:

We have seen it all before, in 2009.Then, following the „Tamar“ discovery, the Lebanese parliament declared that the reserve belonged to Lebanon. So it declared, so what? This time too, many in Israel assume, it will continue to be gas business as usual on Noble Energy’s platforms.

In the government, however, Lebanese intentions arouse considerable concern. According to foreign reports, Israel has hurriedly placed a line of buoys along the maritime border with Lebanon, to a distance of four miles into the Mediterranean Sea.

Meanwhile, Israel’s Ministry of Foreign Affairs has managed to reach a quiet agreement with Cyprus on the maritime border between the two countries, and the government is trying to expedite passage of a Maritime Territories Law, which will lead to a declaration of the areas of the exploration licenses as an Exclusive Economic Zone.

Das sagt Muqata dazu:

Lebanon has been making moves lately to try to grab Israel’s oil fields away and claim them for themselves.

Lebanon has run all the way to the UN to get that ball rolling.
While originally, and officially the UN originally said they weren’t getting involved. Now it seems that they might be.

Lebanon is claiming that Israel’s gas is located off their coast and belongs to them.

So I decided to clarify a few concepts for the readers before the discussion really gets out of hand.

The cream colored areas are the exploration rights zones, not the size of the gas fields.

Questions might arise if the underground gas reserves actually straddle the border of a neighboring EEZ, (Exclusive Economic Zone) but they don’t.

But that hasn’t stopped Lebanon has claimed it is possible the basin extends to Lebanese waters. Delek Drilling, one of the partners in the U.S.-Israeli consortium, denied this: „An examination made with the Petroleum Commissioner showed that these claims are not correct and the location of the license where Tamar 1 is being drilled was studied carefully and it was found that the entire area of the license was within territorial waters of the state of Israel.“ Delek Group chairman Gabi Last added, „The border of Israel’s exclusive economic zone waters passes to the north of the Tamar oil drilling, and significantly so.“

But the truth won’t stop Lebanon from creating a false narrative.

Unfortunately, since this is the UN we are talking about, we can now expect yet another international attack on Israel’s basic rights.


Lebanon is greedy. Lebanon knows it can probably count on the UN to attack Israel in the arena, and perhaps even win.

Und das sagt Israel Matzav dazu:

You will recall that just last week, the United Nations said it could not get involved in a dispute created by Lebanon over possible oil and gas wells off the Mediterranean coast of both Israel and Lebanon. Well, I’m sure you’ll all be shocked – just shocked – to hear that since it might give the UN a chance to take billions of dollars in oil revenue away from Israel, the UN has decided that it will get involved after all.

Und was sage ich dazu? Ich verstehe nichts von Meeresgrenzen, denke mir aber, daß  es bestimmt zuverlässige Karten gibt. Auch diese Regelungen mit Zonen, in denen die Nutzung von Bodenschätzen einem Land ausschließlich zustehen, waren mir vorher unbekannt.

Ich weiß nicht mal, ob ein Zusammenhang besteht – ob die Unruhe der Hisbollah nicht auch mit diesem wirtschaftlichen Konflikt zusammenhängt. Ist das jetzt die Probe aufs Exempel – zu sehen, wie weit die UNO zu gehen bereit ist, um jeder Forderung von  Israels Feinden Nachdruck zu verleihen? No blood for gas oder vielleicht doch?

Und ist es nicht traurig, daß die Libanesen nicht mal auf die Idee kommen, eine wirtschaftliche Partnerschaft mit Israel anzustreben? Eine Kooperation könnte zB mit israelischem Know-How in libanesischen Gewässern bohren. Vielleicht finden sie dort ja auch Erdgas. Das wäre doch schön, nicht wahr? Ja, wäre es schon. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…

 

Und wieder fallen Qassams Januar 10, 2011, 18:07

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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Auch bei uns kommt das in den Nachrichten gerade mal an… dritter? vierter? Stelle. Ich kann es den Leuten im Süden nicht übelnehmen, daß sie sich verlassen fühlen.  Diesmal Ashkelon.

Aber diesmal schlägt Zahal kosequent jedesmal zurück. Die Hamas versucht inzwischen, ihre Rivalen unter Kontrolle zu bringen. Vielleicht läßt sich ja diesmal die große Eskalation verhindern. Hoffentlich.

Wochenende Januar 9, 2011, 8:38

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Ach, wie genieße ich es, wenn alle Vier zuhause sind! Gestern waren wir bei Schwägerin und Schwager eingeladen, das neue Baby anstaunen. Sehr niedliches kleines Mädchen! Y. hat es lange auf dem Arm gehabt und beide waren begeistert voneinander. Er hat ein Händchen für Babies, das verlernt man auch nicht.

Bei der Gelegenheit habe ich auch wieder mal meinen Rosalie-von-Tümmler-gleichen Sinn dafür bewiesen, „wo wat am kommen is“. Ich häkle ja so gern und habe von meinem letzten Baby-Decken-Projekt vor zwei Jahre noch jede Menge blaue und grüne Babywolle übrigbehalten. Die schlummerte in meiner Wollekiste,  aber neulich holte ich sie raus und fing an, kleine Vierecke zu häkeln. Für eine Babydecke. Und da die meisten Leute viel auf proppere Farben für Jungen und Mädchen halten, für ein männliches Baby.

Auf die Frage: „für welches Baby wird das denn?“, hatte ich keine Antwort außer, „es wird sich schon noch ein Baby dafür finden“. Und tatsächlich – Jung-Neffe und seine Frau erwarten ihr erstes Kind. Das erste Kind der jüngeren Generation – und mit Anfang, Mitte 30 sind die beiden nicht mal blutjung. Wir fühlten uns geradezu großelterlich beglückt. Und die junge Frau erzählte mir auch, daß es ein Junge wird. Jawohl. Wußt ich´s doch.

Es war auch sonst sehr nett – Y.s Familie ist von der freundlich-stillen Sorte. Keine Dramen, keine Kräche, alle verstehen sich gut und respektieren die Privatsphäre des jeweils anderen, so daß man sich immer herzlich freut, wenn man sich sieht. Wir sind auch größtenteils Vegetarier bzw Grenz-Vegetarier, also Leute, die lieber ein Stück Pastete oder einen Salat statt Fleisch essen. Das fällt mir immer auf, wenn ich das angebotene Essen sehe – außer meinen Söhnen, den Säbelzahntigern, vermißt keiner das Fleisch dabei.

Interessante Gespräche hatten wir auch. Ein junger Neffe beendet jetzt sein M.A.-Studium – Geschichte und Politik des Nahen Ostens. Er schreibt gerade an einer Hausarbeit über islamische Fatwas – und zwar vergleicht er Fatwas für Moslems, die in westlichen Ländern leben, mit denen für Moslems in islamischen Ländern. Er hat mir erklärt, daß es Websites gibt, auf denen sich Moslems Rat bei religiösen Autoritäten holen, besonders wenn westliche Gewohnheiten mit der Überlieferung kollidieren (wann betet man in einem Land mit Sommerzeit? zum Beispiel). Ich habe ihm den heiligen Schwur abgeknöpft, mir eine kurze englische Zusammenfassung zu schicken oder mich anzurufen, wenn die Arbeit fertig ist, weil ich das Thema so interessant finde. Und ich hoffe doch auch auf Interesse meiner Blogleser:-)

Das war also Freitag, und Samstag war ein heimprusseliger Tag, nur abends sind wir weggegangen, ins Freakit. Als Secundus dem Kellner auf der Karte etwas zeigte, sah der wohl das Abzeichen von seiner Einheit auf dem Armband seiner Uhr und meinte: „ach, du bist in der Nahal, Battalion X? da kriegst du hier extra Service“. Ich habe ihm dann anvertraut, daß Secundus Geburtstag hatte, und er hat seinen Nachtisch mit Wunderkerzen serviert bekommen. Es ist immer so nett, mit vier so großen Kindern loszuziehen – wir gucken sie an, Y. und ich, und sehen, daß sie uns eigentlich bald nicht mehr brauchen. Dabei waren sie mal so abhängig von uns. Daran darf man sie natürlich nicht erinnern.

Gestern haben wir auch Erinnerungen rausgekramt – wie wir auf den Aaland-Inseln waren und uns jeden Abend betrunken haben, wir Erwachsenen (meine Mutter und Tante, mein Bruder und seine damalige Freudin). Und wie wir zweimal die Fähre nach Eckerö nehmen mußten, um uns Weißwein nachzukaufen. Und wie die Kinder am vorletzten Abend die letzte Flasche versteckt haben, und wie wir nach unserem Wein geschrieen haben und meine Tante grundlos verklagt haben – „du hast doch garantiert das Abendessen damit verfeinert, gib´s doch zu“. Bis die Kinder unter großem Gekicher die gesuchte Flasche rausrückten….

Erst zehn Jahre her… im Wadi unter unserem alten Haus im Kibbuz

Und wie Quarta, damals wirklich noch ein ganz kleines Mädchen, mit der aaländischen Flagge durch Mariehamina marschiert ist. Die Flagge haben wir immer noch. Wie süß war das.

Als sie klein waren,  war es ganz selbstverständlich, daß wir immer alle Vier um uns hatten. Manchmal wurde uns das sogar zu viel. Aber schön war es doch. Jetzt sind es besondere Anlässe, wenn ich sie alle Vier bei mir habe, denn die Jungen streben am Wochenende eher zu Freunden.

Heute früh dann – Secundus, bewehrt mit extra warmer Wäsche und seinen neu „verbesserten“ Ausrüstungsteilen (über dieses Ritual israelischer Soldaten, shifzur, muß ich unbedingt mal schreiben! aber nur mithilfe eines der Söhne), fährt zurück nach Arad, in die Wüste, wo es nachts kalt ist und tagsüber kühl. Primus, Gott sei Dank, ist noch zwei Wochen bei uns. Leider werde ich die Barett-Verleihung von Secundus verpassen, denn sie fällt auf einen Tag, an dem ich keinesfalls den Unterricht absagen kann. Prüfungen. Primus wird versuchen, hinzufahren.

Ich tröste mich mit der schönen Aussicht, dem herrlich klaren Morgen, der gut vollgeregneten Erde. Im Garten gucken mich Disteln an – egal wie viele ich rausziehe, sie wachsen schneller, als ich mich bücken kann. Aber sonst hat die ganze Aussicht etwas Kontemplatives.

Das ist die Aussicht in Richtung Meer.

Und das ist Haifa bzw Nesher. Zwischen den dunklen Bäumen und den Häusern von Nesher liegt die Bucht von Haifa. Ein paar Meter höher, und man sieht sie – von unserer Mülltonne aus zum Beispiel.

Die doofen Disteln – wir zögern, ob wir nicht doch mit chemischen Zeugs drangehen sollen. Egal wie viel ich rupfe, es macht gar keinen Unterschied.

Der Weg nach Mitzpe Hila – Blick in Richtung Osten, in Richtung Maalot. Das Haus neben uns ist fertig, aber der Nachbar zieht nicht ein – ich weiß nicht wieso. Das Haus unten wird bald fertig, jeden Tag arbeitet dort eine Truppe netter junger Männer. Und das Haus daneben wird gerade erst angefangen – auch dort wird  jeden Tag gearbeitet. Ich weiß, daß eine Reihe Häuser da unten bedeutet, daß die Straßenbeleuchtung dort weitergeführt wird – und damit sehe ich nachts die Sterne nicht so gut. Denn jetzt ist das Tolle an unserer Aussicht, daß nachts außer den Sternen und Haifa in der Ferne Dunkelheit herrscht. Ich mag das.

 

Oh, und ich mag die Pfützen so gern. Als Kind habe ich geglaubt, daß in Pfützen kleine Geister leben, die Pfützenmädchen. Ich wäre gern eine von ihnen gewesen.  Aber näher als bis auf die Fensterbank (von außen) sind mir die Pfützenmädchen nie gekommen, und auch das war nur bis zu meinem 10. Geburtstag. Danach waren sie verschwunden.

Meine Küchenkräuter, vom Deck aus photographiert. Die wachsen wie verrückt, und dort schaffe ich es auch, das Beet unkrautfrei zu halten. Na ja, es ist eben klein. Aber beim Nachbarn tut sich nichts – eigentlich soll da ein Zaun hin, wer weiß, wie lange das noch dauern kann…

Oben auf dem Haus – der Solarboiler. Eine sehr praktische Sache.

Das Haus der Nachbarn auf der anderen Seite – sehr nette Leute, jünger als wir, mit kleinen Kindern.  Ihre Einligerwohnung in der unteren Etage haben wir für die Jungens dazugemietet.

Die Gärten stoßen aneinander. Die Jungens brauchen also nur durch Matsch und Disteln zu tappen, und sie sind bei uns.

Hier ist der Eingang zur Wohnung der Söhne. Die Schlammpfoten sind von ihnen. Ich geh gleich hin und mach sie sauber – die Nachbarin ist Marokkanerin, und sie ist eine sehr ordentliche und saubere Hausfrau…. Man sieht, daß die Söhne eine große Terrassentür haben, Terrasse und Grill, und die Wohnung ist sehr komfortabel. Alles neu und sehr schick. Die Nachbarin hat einen sehr guten Geschmack. Was den Jungens natürlich ganz egal ist.

Noch ein paar Aussichts-Bilder. Ich weiß, es sind immer dieselben Bilder, die Kamera taugt auch nicht viel…. aber ich freue mich dran:-)

Das Carmelgebirge zieht sich hin. Irgendwo im Dunst liegen Yokneam und die Kibbuzim am Rand des Yisrael-Tals… man kann das gut auf der Karte erkennen. Das Tal ist dunkel, der Berg heller gezeichnet.

Wir sitzen nördlich von Kabri, gucken bis Nesher rüber, und die Ausläufer des Carmel ziehen sich bis ins Gebiet, wo wir gewohnt haben.

Und die Aussicht in Richtung Nahariya. Manchmal, wenn ich Zeit habe, guck ich durch den Feldstecher die Schiffe an und vergleiche sie mit dieser Liste. Ich freue mich, wenn ich ein Schiff erkennen kann. Leider habe ich nur selten Zeit dazu. (Auch diese Seite ist nützlich, um Schiffe zu verfolgen – auch wenn sie Israel nicht nennt und nicht kennt, sondern das Gebiet blank läßt wie anno dazumal die ostdeutschen Karten Westberlin….die Schiffe sehe ich trotzdem.)

Ja, die Welt ist schön, und ich muß mich daran freuen, auch wenn mir wieder vor der Woche graut, die vor mir liegt. Tag für Tag anpacken, wie im jüdischen Gebet: danke, daß Du uns den heutigen Tag hast erreichen lassen. Denn das ist schon so viel.

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