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Halali Juli 30, 2007, 20:31

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zur Schnäppchen- und Schätzchenjagd. Ohne Internet hätte ich nie im Leben die uralten Scharteken aufgetan, die ich brauche und die in einem Antiquariat sonstwo schmoren. Oder die in winzigen Auflagen veröffentlichten Dissertationen, für die sich nur Fachkenner und -bibliotheken interessieren.

Kurz, ich bin glücklich. Vielleicht liegt es auch daran, daß man heute draußen sogar atmen konnte? Oder daß ich eine Freundin getroffen habe, mit der ich anderthalb Stunden lang über Grabsymbole, Putten, Kränze und Girlanden sprechen konnte? Oder daß ich ein neues Lieblingsgetränk entdeckt habe: Limonana. Zitronensaft, Eisbrocken, Nanablätter (Minze) alles zusammen in den Bläändär schmeißen, brrrrr machen, schmeckt einfach super und sieht toll grün aus.

Albtraum Juli 29, 2007, 7:06

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kurz vorm Aufwachen. Ich träume, ich gebe einen Vortrag vor riesigem Publikum. Ich zeige die Iphigenie von Feuerbach und frage rhetorisch, „nun, woran denkt sie? daran, was sie zum Abendessen machen soll?“ Da fällt mein Auge auf eine Frau im Publikum. Es ist Iphigenie selbst, eindeutig, und sie lächelt spöttisch.

Anselm Feuerbach, Iphigenie, 1871

Gut, daß Y. mich genau in dem Moment weckte.

Ab nach Kassel, Juli 28, 2007, 13:06

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ein interessantes Bild angucken.

Maerten van Heemskerck, Familie, c. 1530

Es ist sehr bekannt, ich weiß, aber nicht weniger interessant. Das Bild läutet eine gloriose Zeit für Familienporträts ein, ein Genre, das ich spannender finde als viele andere. Nein nein, Familienbilder sind überhaupt nicht idyllisch, Familienleben ist ja auch nicht idyllisch, wir bilden uns das nur ein, um es zu ertragen.

Für so ein frühes Bild zeigen sich die Figuren sehr selbstbewußt. Der Vater trinkt uns zu , die Mutter spielt mit den Zehen des jüngsten Kinds. Obwohl sie die Augen züchtig niederschlägt, sieht sie nicht unterdrückt aus, sondern schließt den Bildrand recht kräftig ab. Interessant auch die Tischecke und die spitze Form zwischen Häubchen der Tochter und Ärmel der Mutter – trennen die Mutter optisch von der Gruppe, obwohl Mädchen immer an Mutters Seite sind.

Obwohl der Vater uns kühl ins Auge sieht und uns höflich zutrinkt oder ein Glas anbietet, hat er seine Familie doch voll unter Kontrolle. Er und seine Frau, die beiden massiven seitlichen Blöcke, die die Familie halten – und er hat natürlich den Kopf am höchsten. Die Kinder, die miteinander was zu kichern haben, sind lebendiger kaum zu denken. Wer erinnert sich nicht an die Lachanfälle, die zu den besten Erlebnissen gehören, die man mit Geschwistern haben kann? Wenn man wie verrückt versucht, das Lachen einzudämmen, aber es kommt immer wieder. Und das nun ausgerechnet, wenn Leute zugucken! Heemskerck hätte ohne weiteres die Kinder ruhig und distanziert zeigen können, aber er wählt gerade die kleine, kichernde Entgleisung und die mahnende Vaterhand auf der Schulter des Mädchens. (Der Junge ist natürlich viel assertiver als seine Schwester, man beachte seinen Ellenbogen.)

Ich habe das Bild schon oft gezeigt, in Vorträge und vielleicht auch hier, und jedesmal finde ich es faszinierend. Ich mache mir gerade Gedanken über die Kirsche in der Hand des kleinen Mädchens, über die Korallenkette der Mutter und die Nacktheit des Jüngsten. Aber Brüderchen und Schwesterchen, wie sie so über die Jahrhunderte hinweg einen Scherz miteinander teilen, sind für mich sehr lebendig.

Übrigens war der Himmel über Jahrhunderte hinweg übermalt, mit einer braungrauen, neutralen Hintergrundfarbe. Ich stelle mir gern vor, wie aufgeregt der Restaurator gewesen sein muß, als der kühle Himmel zum Vorschein kam, mit den Wolken, die die Eltern noch weiter  als Achsen setzen.

Ich wäre jetzt gern in Kassel, um das Bild im Original zu sehen. Wieso ist das auch so weit weg?!

Sauer Juli 28, 2007, 0:13

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auf Flickr. Hätte ich nicht so viele Bilder dort gespeichert, würde ich einfach meinen Account löschen und fertig. Seit Yahoo Flickr geschluckt hat, ist der Service unter aller Kritik. Auf Mails kriegt man keine Antwort. Bezahlen geht nur noch mit Kreditkarte. Ich habe nur eine israelische, und die wird natürlich nicht akzeptiert. Früher, bis zur Yahoo-Übernahme, konnte man ganz einfach mit Paypal zahlen. Jetzt wird man auf Yahoo Wallet verwiesen, einen Dienst, der natürlich – eine Kreditkarten-Nummer sehen will. Und zwar eine amerikanische. Selbst wenn ich eine hätte, würde ich sie wohl kaum online einsetzen.

Kurz, ich ärgere mich richtig. Hat jemand einen Tip – einen anderen Photo-Dienst? Bestimmt bedeutet das, manuell die ganzen Bilder wieder einstellen – weiß der liebe Himmel, auf wie viele CDs ich sie gebrannt habe, ich mache doch die Festplatte so gern leer und sauber. Yahoo Wallet austricksen geht nicht. Ohne Kreditkarte geht nichts.

Ich bin anscheinend nicht die einzige, die sich ärgert.  Wieso etwas einfaches, das funktioniert, kompliziert und unmöglich machen? Ich habe das Gefühl – hätte der Google-Krake Flickr verspeist, wäre der Dienst noch stromlinienförmiger und internationaler geworden…

Fälltir nichts zu bloggen ein… Juli 27, 2007, 23:34

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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…fängstu dir ein Stöckchen ein (via Kaltmamsell).

Sieben Dinge, die sich bei mir seit Harry Potter I gewandelt haben. Hm. SIEBEN Dinge?
1. Ich habe den ersten Band auf Deutsch gelesen (hat Primus mir aus der Kibbuz-Bücherei geholt und aufs Kopfkissen gelegt, „Mama lies mal“) – alle anderen nur noch auf Englisch. Aber in welchem Jahr war das? Damals wird er in der Grundschule gewesen sein. Nächstes Jahr macht er Abi. Quarta war ein Baby. Na ja, obwohl sie jetzt ins dritte Schuljahr kommt, wird sie immer ein bißchen mein Baby bleiben. Pädagogisch dumm, aber sie kommt einem einfach immer klein vor verglichen mit den baumlangen Brüdern.

2.  Ich habe damals gern Kinderbücher gelesen. Ich lese noch immer gern Kinderbücher. (Habe heute einem früheren Lehrer zwei Kinderbücher über Einhörner ins Fach gelegt, weil ich neulich rausgefunden habe, das er sie auch mag.) Also keine Veränderung.

3. Ich fand damals schön, daß die Kinder sich Harry selbst ausgesucht haben. Seitdem haben sich die Filmfiguren klebrig über die eigene Vorstellungskraft gelegt. Das tut mir leid, besonders weil ich kaum eine Stimme nerviger finde als die deutsche Synchronstimme von Hermione. Könnte einem glatt die Freude an ihr vermasseln. Ich habe mich nicht verändert – sondern das Werk ist in die Wurstmaschine geraten.  (Ehrlicherweise zugegeben: Snape gewinnt durch Rickman, eindeutig. Ohne ihn wäre er nicht halb so beliebt bei den Fans, ich bin mir sicher.)

4. Damals war ich glücklich verheiratete Mutter von mehreren allerliebsten Kindern. Gott sei Dank, ich bin es noch. Keine Veränderung. Tfu tfu tfu, bli ayn ha-ra, melach-maim…

5. Wir wohnten damals in einem idyllischen, typischen Kibbuz-Häuschen mit Palme vorm Klofenster und einer Kochnische von der Größe eines Daumennagels. Seitdem sind wir umgezogen, in eine weniger idyllische, aber geräumigere Wohnung am Rande des Kibbuz. Aber der Kibbuz ist derselbe, das Land auch.

6. Damals hatten wir zwei Katzen: die puschlige, getigerte Mini und ihren Bruder,  den Siamkater Limon, der Y.s Freund und Vertrauter war und den er wirklich sehr geliebt hat. Wir alle. Limon war eine Seele von Kater und wir haben Bäche geheult, als wir ihn begraben haben. Seitdem haben wir uns einen kleinen, schwarzen Lump namens Lucius zugelegt, ja wie Vater Malfoy, und wenn er zwischen die Kaffeetassen springt oder in der sauberen Wäsche schläft, heißt er Lucifer. Eine umwälzende Veränderung!  In Minis Augen bestimmt. Aber – nach wie vor zwei Katzen.

7. Ich habe bis Band 4 mit Begeisterung mitgelesen und war ein Fan. Bei Band 5 bin ich aus allen Wolken gefallen: wie kann eine Erzählung so entgleisen, so den Fokus verlieren, so langatmig und un-fesselnd werden? (Wobei mir Rita Skeeter schon eine Warnung hätte sein sollen). Band 6 war besser als 5 (hab ihn gerade noch mal gelesen), Band 7 die lang erwartete Auflösung – aber so ein harmloser Genuß wie Harrys erster Besuch bei Rons Eltern oder die Beschreibung der ersten Stunden bei Professor Sprout  war uns nicht mehr vergönnt.  (Ich werde das Ganze nochmal lesen müssen, um den ganzen Zinnober mit dem elder wand zu kapieren – war mir zu kriminalmäßig.)

Fazit: bei mir hat sich in den Jahren seit ca. 2000 nichts verändert. Um mich herum, ja, aber ansonsten ist mein Leben von langweiliger, beruhigender Stabilität.

PS: Secundus ist wieder da, hurra!!!, und er liest ebenfalls. „Verratet mir nichts!!!“ waren seine ersten Worte bei der Heimkunft, danach „ich hab fünf Tage nicht geduscht“.

Trauriger Abschied Juli 24, 2007, 20:24

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Ich erzähle nicht viel von der Arbeit. Mein Unterricht in der Rentner-VHS geht weiter, da gibt es keine Semesterferien, aber ich erzähle nicht viel davon.

Heute haben wir einen meiner „Schüler“ begraben. Mein Nachbar war er auch. Jahrelang wohnten wir nebeneinander, aber weder er noch seine Frau sprachen je ein Wort mit mir, nur ein kühles Shalom von Zeit zu Zeit. Ich wußte, daß die Frau eine Holocaust-Überlebende ist, Einzelheiten weiß ich nicht, aber sie hat ihre ganze Familie als Mädchen im Holocaust verloren und wohl teilweise vor ihren Augen sterben gesehen. Daß sie da keine Lust hat, mit einer Deutschen besondere Konversation zu pflegen, habe ich immer respektiert und nie  mehr als ein höfliches Shalom geantwortet.

Die Frau malt, sie ist eine interessante Frau, das wußte ich. Irgendwie, durch einen Zufall, gerieten sie und ihr Mann mal in einen Vortrag von mir. Ich weiß nicht mal mehr, worum es ging, aber da beide Kunst liebten, beschlossen sie, in meinen Kurs zu kommen. Der Kurs über Landschaftsmalerei, der wirklich Spaß gemacht hat, dann der über Skulptur, der Kurs über Meisterwerke – immer kamen sie früh, ich habe immer für beide Stühle mit Lehnen an ihre liebsten Plätze gestellt, in den Pausen mit ihnen gesessen. Im Kurs über Meisterwerke durfte das Publikum sich aussuchen, worüber ich spreche, und diese beiden haben sich Matisse gewünscht.

Sie war (und ist noch) fit, eine schlanke, gutaussehende Frau mit scharfem Witz und viel innerer Bitterkeit. Er hat ihr geholfen, nach dem Holocaust ihr Leben wieder aufzubauen – er war Soldat bei der Haganah, er kam wohl schon vor dem Holcaust. Jedenfalls waren sie, als ich sie kennenlernte, in der schwierigen Zeit nach seinem ersten Schlaganfall. Er, der Fleißige, der Pingelige, der Selbstständige, mußte sich nun von ihr helfen lassen. Selbstverständlich habe ich mir nie anmerken lassen, daß ich sehe, ihm fehlt was. Wir haben über Kunst gesprochen. Manchmal hat sie mir von ihrer Vergangenheit erzählt. Ich glaube, sie hat außer mir mit keiner anderen Deutschen je gesprochen.

Es fiel ihm irgendwann schwer, meine Stunden zu besuchen, er kam kaum in die Klasse rein und wieder raus. Zuerst rief sie an und sagte, „leider verpassen wir morgen die Stunde, vielleicht nächste Woche wieder“. Doch auf ihre Stühle setzten sich irgendwann andere, sie kamen nicht mehr. Er war im Krankenhaus, und zum Schluß ging es schnell. Wir haben ihn heute begraben. Diese Generation, die kommt nicht wieder. Seine Frau muß nun ohne ihn weiterleben, ohne den Dialog, der beiden so wichtig war und den ich an beiden so wunderbar fand.

Aber unser Friedhof – den mag ich wirklich. Wenn wir durch den Garten unserer Nachbarin gehen, sind wir in zwei Minuten dort. Er liegt im Wadi, das auch von unserem Fenster  aus zu sehen ist – nur zu unserer Linken, wenn man das Headerbild anguckt. In einem Wäldchen. Als wir kamen, war der Wagen mit dem Sarg noch nicht da. Wir gingen, wie vor jeder Beerdigung, zuerst zu Y.s Großeltern, durch die kleine Pforte, nicht das große Tor. Beide Gräber schnell abgefegt – die schlichten, aus Naturstein gemauerten Grabplatten sehen bei allen gleich aus, alle Inschriften in derselben Schrift und Größe, sehr schlicht, sehr schön. Überall sieht man Kibbuzniks, die dasselbe tun – und wir wissen alle, daß wir dort mal liegen werden. Ein schöner Ort, ohne Schrecken.

Ich denke, die Witwe des Mannes, den wir heute begraben haben, wird irgendwann wieder in meine Stunden kommen. Ihre Tochter sagte mir, daß meine Stunden bis zuletzt für ihren Vater der einzige Grund waren, überhaupt aus dem Haus zu kommen – und daß die Frau sie gern hat, weiß ich. „Mein Sauerstoff“ hat sie die Stunden über Künstler genannt, die ihr was bedeuteten. Meine Arbeit ist also nicht sinnlos, wenn jemand denken sollte, na ja, halt so ein bißchen über Kunst labern. Wer längere Zeit hinweg in meine Stunden kommt, der lernt wirklich was, ich achte nämlich darauf, daß ich wirklich was beibringe und nicht nur hübschen Zeitvertreib biete. Und Kunst tröstet einfach, regt zum Denken an, irgendwie gerät man an die großen Fragen dabei. Nicht als ob ich Antworten hätte.

Ja, das war heute nachmittag.

Taubenschlag Juli 24, 2007, 20:05

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Y.s Tage bei der Armee sind schon wieder vorbei, er hat nicht den Eindruck eines Leidenden gemacht. Ja, die Männer haben das gern! Secundus ist auf Fahrt mit seinen Kollegen aus der Mittelstufe, fünf Tage am Banias. Fünf Tage ohne meinen Secundus! Und ich hab dazu die Erlaubnis gegeben, ja unterschrieben! Er zog heute früh hochzufrieden ab, ich warte drauf, daß er wiederkommt. Ich hatte einen ganz erfolgreichen Tag, muß ja auch mal sein. Primus und Tertia wühlen sich weiter durch ihre respektiven Potter-Bände. Quarta hatte heute im Kinderhaus einen Tag zum Thema Essen, in Klartext: Mutter mußte um sechs Uhr früh aufstehen und einen Pasta-Salat herstellen.

Ferien eben. Jeden Tag ist was anderes. Die Kinder haben Ferienprogramm, wir ganz normal. Das paßt nicht immer zusammen…. Außerdem macht mir die Hitze zu schaffen, Hitze von der „schweißgebadet-aus-der-Dusche-steigen“-Art, von der „gegen-diesen-Kopfschmerz-hilft-nichts“-Art, staubig-schwüle Hitze.

Bis Secundus heil wieder zuhause ist, bin ich jedenfalls nervös.

Qassam-Ticker Juli 23, 2007, 20:08

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Die kleine Anastasia hatte heute einen tüchtigen, braven Schutzengel. Statt zu schlafen, hat sie geweint, und die Mutter hat sie aus dem Bettchen geholt und mit ins Wohnzimmer genommen. Minuten später fiel die Qassam-Rakete ins Kinderzimmer. Das Baby ist nur leicht verletzt, Mutter und Großmutter erlitten einen Schock. Das Bettchen ist hinüber.

anastasia.jpg

Nicht der Rede wert Juli 23, 2007, 0:21

Posted by Lila in Land und Leute.
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Er hat mir gefehlt, Nasrallah, er war so still. Dabei waren wir jahrelang gewöhnt, regelmäßig seine Reden zu hören – auch wenn außer uns wohl nicht viele zughört haben. Doch letzthin wird er stiller. Hat er uns denn gar nichts mitzuteilen? Endlich wieder ein Wort von ihm!

 

Hezbollah claimed Sunday that it is able to strike at every part of Israel, and had the same capability during the Second Lebanon War last summer.

The leader of the Iranian and Syrian-backed organization, Hassan Nasrallah, made the comments to Qatari-based Al-Jazeera satellite television, in an interview to be aired in its entirety Monday.

„Even in the months of July and August 2006 there was not one place in occupied Palestine that we could not reach, every point and every corner,“ Nasrallah said. „I stress that we can do this today as well.“

Und wieso jetzt gerade diese neue Drohung? Ist er übermütig, nach dem Treffen seiner kräftigen Freunde, Assad und Ahmedinijad?
Laut Haaretz steckt mehr dahinter. Es scheint, daß UNIFIL energischer durchgegriffen hat als gewöhnlich.

In recent months, more than 90 percent of these areas have been searched, and UNIFIL patrols have found and destroyed Hezbollah arms, including Katyusha launchers, Katyusha rockets and explosives.

Details of the UN operations in southern Lebanon are in reports sent from UNIFIL to the organization’s headquarters in New York.

During searches after the war, 33 such areas – which the IDF euphemistically terms „nature reserves“ – were located.

These included bunkers and underground tunnels, some of which are sufficiently complex to include sub-systems, all built by Hezbollah south of the Litani River during the six years following the IDF withdrawal from southern Lebanon. Most of the rockets fired against Israel during the war last year were launched from the „nature reserves.“ 

Ganz interessant, was da vorgeht.

Israel has recently issued a number of warnings to Lebanon that if in the future there is an outbreak of hostilities and Hezbollah launches rockets from built-up areas, the IDF will not hesitate to bomb – and even totally destroy – urban areas after it gives Lebanese civilians the chance to flee.

UNIFIL’s efforts have touched a raw nerve with Hezbollah, and Israeli analysts have interpreted the recent attack against a UN armored vehicle, in which six soldiers of the Spanish battalion were killed, as being directly linked to the pressure the peacekeepers have put on the extremist Shi’ite organization. 

Ich weiß nicht, was sie sich davon versprechen, wirklich. Hisbollah, Syrien, Iran. Was soll aus ihnen werden, sollte es ihnen wirklich gelingen, uns endlich zu vernichten? Wen können sie dann als Sündenbock und Teufelsfratze benutzen, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten  abzulenken? Assad kann doch nicht an einem palästinensischen Staat interessiert sein, unmöglich. Nasrallah erst recht nicht, was hätte er von einem friedlichen Nahen Osten? Wo wäre er denn dann?

Übrigens: nicht nur Ehud Yaari, wie gestern erwähnt, hält den syrisch-iranischen Deal für gezielte Desinformation, sondern auch Ron Ben Yishai (auf den ich ehrlich gesagt weniger gebe als auf Yaari, spätestens seit seiner etwas peinlichen Berichterstattung von der Front im Irakkrieg… aber das soll vergessen sein).  Jedenfalls sieht es so aus, als wollten sie uns aus der Reserve locken. Was wollen sie damit erreichen, frage ich mich wieder. Sie steuern wohl partout auf einen Krieg zu? Es sieht so aus.

The situation, it appears, is quite at a dead end on all sides of the triangle – Washington, Syria and Israel – and the breaking of the current freeze is not in sight. Therefore, Assad realizes that with all due respect to peace talk, there are more important things that need to be done, and there are arenas that are no less important than Israel – Lebanon, for example, where some issues have to be finalized in the near future, such as the next president’s identity. With Iran by its side, Syria will certainly feel more confident when it comes to interfering in what’s going on in Beirut.

So what’s to do? Mostly receive much more of the same, that is, growing tension and escalating declarations, talk of resistance and preparations for it. The genuine fear is that someone who talks so much about „resistance“ will eventually be tempted to do something – and the missile presented in the first act may end up being launched in the third act.

Miserable Aussichten. Auch Guy Bechor ist pessimistisch zum Thema Syrien.

Von alledem findet sich etwas in deutschen Medien?  Viel Zeit zum Gucken hab ich nicht. Welt online: gegen Ende eines Artikels über die palästinensischen entlassenen Gefangenen.

Die Feinde eines Friedenskompromisses mit Israel trafen sich gleichzeitig in Damaskus und sprachen offene Drohungen aus. Der Chef der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, Hassan Nasrallah, drohte gar mit einem „heißen Sommer“ für Israel.

Wobei ich das Wörtchen „gar“ besonders neckisch finde.

FAZ: erwähnt wenigstens die neuen Beschüsse auf Sderot in einem Artikel zum Thema Gefangenen-Entlassungen.

In der südisraelischen Stadt Sderot erlitt unterdessen am Freitag ein Mann einen Schock, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Kassem-Rakete neben ihm einschlug. Auch am Donnerstag waren vier Kassem-Raketen in Sderot niedergegangen.

Stimmt, und heute wurde eine Frau verletzt. Ich vernachlässige meinen Qassam-Ticker!  Doch zurück zu Syrien, Iran, Hisbollah.

FR: nichts zum Thema gefunden. Ich geb es auf, muß schlafen gehen, habe heute, man glaubt es kaum, fast 40 Seiten geschrieben. Es gibt ja auch wirklich jede Menge anderer Nachrichten, die Deutschland mehr interessieren als diese oder jene Äußerung im Nahen Osten, von der man noch nicht weiß, was daraus wird. Wer noch Links zu deutschen Medien findet, zur Achse Iran-Syrien-Hisbollah und ihren Bemügungen, Israel zu provozieren, kannn sie ja in den Kommentaren deponieren…

Ich hoffe, in den nächsten Tagen finden ein paar Journalisten und professionelle Sorgenmacher auch außerhalb unserer kleinen Ecke mal, was das alles zu bedeuten hat, wozu es führen kann, wer daran Interesse haben kann und wie wir es verhindern können. Damit es nicht wieder heißt, „Israel greift an!“, wenn wir uns wehren. Es lohnt sich jedenfalls, Nasrallah ernstzunehmen. Bisher hat er alles, was er angekündigt hat, auch gemacht – auch wenn die gewünschten Ergebnisse noch ausgeblieben sind.

Neues aus der Bärenhöhle Juli 22, 2007, 13:23

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Ich: versunken in dringende Arbeit am Laptop, neben Harry Potter VI, bis Seite 68 gekommen (muß auffrischen! und wissen, wie es nach dem Film gestern, V, weitergeht). Also nach drei Stunden Arbeit gönne ich mir 30 Minuten Potter, nicht mehr. Und eine kurze Runde durchs Haus.

Tertia: liegt auf ihrem Bett, in ihrem Zimmer das totale Chaos. Auf ihren Lippen seliges Lächeln, in ihrer Hand ein zerlesener Band in dunkelblau. Zum wievielten Mal liest du Nummer V, Tertia? Als Antwort bekomme ich nur ein Brumm.

Secundus: besetzt das Jungenzimmer, sucht den zerfledderten Band IV zusammen. Monatelang habe ich ihn damit gelöchert, jetzt tut er es, damit er die letzten Bände nacheinander weglesen kann. Fein, ich lobe dich! Brumm.

Primus: hat sich auf Abbas Bett breitgemacht. Genüßlich liest er den letzten Band, den er mir entrissen hat. Ist es spannend, mein Junge? Brumm.

Nur Quarta und Y. führen ein normales Leben. Quarta ist mit der Kinderhaus-Gruppe im Schwimmbad, Y. mal wieder bei der Armee. „Ja ja, die Syrer“, scherzt er am Telefon. „Denen hast du es zu verdanken, wenn ich heut abend spät nach Hause komme“. Doch von mir kommt nur…. Brumm.

Schlechte Nachrichten Juli 21, 2007, 20:06

Posted by Lila in Land und Leute.
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Iran und Syrien machen einen Deal: Iran liefert Syrien Waffen im Wert von Milliarden, Syrien verspricht im Gegenzug, keine Gespräche mit Israel abzuhalten.

Earlier Saturday, the London-based Arabic-language newspaper Ashraq Al-Awsat reported that Iran’s President Mahmoud Ahmadinejad had pledged to help Syria conduct nuclear research during a visit to Damascus earlier this week.

In exchange, Syria agreed not to engage in peace talks with Israel, the newspaper reported. According to the report, Iran also pledged to provide Syria with $1 billion in military aid to purchase arms from Russia and North Korea.

Ehud Yaari meint, die Berichte sind nicht vertrauenswürdig, und das mag sein. Besorgnis breitet sich hier trotzdem aus.  Mal sehen, was weiter passiert.

Update Potter Juli 21, 2007, 11:55

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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In der Zeitung stand, die Buchladen-Kette Steimatzky öffnet um 2 Uhr nachts, damit man Harry Potter VII kaufen kann. Das wollten wir dann auch sofort, d.h., die Kinder und ich (niemand könnte Potter gleichgültiger gegnüberstehen als mein Mann!). Aber trotzdem haben wir vorsichtshalber bei „unserem“ Buchhändler angerufen. Roni meinte, nur in Tel Aviv oder größeren Städten öffnen die Läden, er selbst wartet den Shabat ab, also Samstagabend gibt es bei ihm die feierliche Ladenöffnung. Mir solls recht sein, 2 Uhr nachts ist ja wirklich ein bißchen wild, und es muß auch nicht partout am Shabat sein. (Obwohl ich finde, es gibt wichtigere Probleme als die einmalige Teilnahme an einem etwas verrückten Marketing-Gag, an den sich eine ganze Generation erinnern wird….)

Ich werde meiner natürlichen Neugierde also Einhalt gebieten bis heute abend, und dann Shalom, ich glaube, ich nehme mir ein paar Tage frei. (Für das letzte Buch haben die Kinder mir die Zeit gestoppt, es waren so zwischen 20 und 25 Stunden, wenn ich mich recht erinnere.)

Und heute gehen wir den Film Nr. V gucken. Quarta wird in Shrek III geschickt, mit ihrem vielgeprüften Vater, aber die Großen und ich gucken Harry Potter. Gut, daß es diese Multiplex-Höllen gibt, in denen eine ganze Familie altersgerecht abgefertigt wird. Ja ja, das sind die großen Kulturkritiker dieser Zeit. Die Woche über bejammern sie den Untergang des Abendlands, am Wochenende gucken sie Harry Potter oder Shrek III in einem dekadenten, lichtlosen Multiplex. Eines kann ich zu meiner Verteidigung anführen: ich konsumiere weder Popcorn noch Coca Cola.

Neu-, Stamm-, Mitleser, merket auf Juli 20, 2007, 22:37

Posted by Lila in Bloggen.
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Ist es Euch schon aufgefallen? Mir scheint, in meinem Blog sind lauter verhinderte Blogger versammelt. Ich empfehle, statt der Beiträge gleich die Kommentare zu lesen. Da findet man viel Stoff zum Nachdenken, Links, Diskussionen – und ich fühle mich manchmal wie Trittbrettfahrerin meiner KommentatorInnen!

Ich wünsche, liebe KommentatorInnen, allen Euren grundsätzlichen, interessanten, wohlüberlegten und klugen Beiträgen ein möglichst großes Publikum. Ich weiß nicht, ob Euch hier jemand findet, in langen, sich windenden Kommentarsträngen – und ob Ihr nicht doch eines Tages lieber entnervt, weil ich Euch immer dazwischenquatsche, eigene Blogs aufmacht… Ein warmes Plätzchen auf meiner Blogroll wäre Euch sicher.

Jedenfalls danke.

Disclaimer: womit ich keineswegs sagen wollte, daß die Kommentare, die hier von Mit-Bloggern hinterlassen werden, geringer zu schätzen sind!!!

Staunenswerte Betrachtungen Juli 20, 2007, 19:11

Posted by Lila in Land und Leute.
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Alle Achtung, ZEIT. Der Artikel über die weltanschauliche Schlagseite der BBC war lange fällig, und er ist mutig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen auf der Welt der BBC blind Glauben schenken.

Meine eigene weltanschauliche Schlagseite führt natürlich dazu, daß ich die folgenden Passagen zitiere:

Die Programme der BBC spiegeln in aller Regel vehementen Antiamerikanismus und eine scharf antiisraelische Einstellung wieder, sie plädieren für mehr Staat und Steuern, Steuerkürzungen und eine geringere Staatsquote werden grundsätzlich für falsch gehalten; auch legt die BBC eine einseitig proeuropäische Haltung an den Tag und neigt dazu, die Gegner, sei es gegen die Mitgliedschaft im Euro oder gegen weitere Integration der EU, erst gar nicht zu Wort kommen zu lassen. Das Weltbild der BBC ist säkular und geprägt von antichristlichen Reflexen; zugleich wird in aller Regel alles unterlassen, was Muslime verletzen oder als Kritik am Islam gedeutet werden könnte. Weshalb selbst die Auseinandersetzung mit dem totalitären Islamismus unterblieb.

Der Konsens, der bei der BBC herrscht, wird als allgemeingültig betrachtet. Aitken schreibt in seinem Buch, dass er während seiner Zeit bei der BBC umgeben war von Redakteuren, die ihre Auffassungen für so selbstverständlich und richtig hielten, dass sie gar nicht auf die Idee kamen, irgend jemand, der bei gesundem Menschenverstand sei, würde ihre Grundauffassungen nicht teilen. In der Praxis kann das zu einem „totalitären Liberalismus“ führen, der abweichende Stimmen und Meinungen nicht erlaubt. Das geschah zum Teil unbewusst, war häufig aber auch eine ganz bewusste Entscheidung.

Durch die Korridore von Broadcasting House weht die Ideologie des Multikulturalismus, oft verbunden mit einem moralischen Relativismus, der sich durch Geringschätzung, wenn nicht Ablehnung des eigenen demokratischen Staates auszeichnet. Die Ideologie des Multikulturalismus wurde inzwischen selbst von der „Kommission für rassische Gleichheit“ als gescheitert und kontraproduktiv erklärt; sie habe die „Gräben in der Gesellschaft vertieft und Integration verhindert“, erklärte schon im Jahr 2004 Trevor Philips, der Vorsitzende der Kommission, selbst ein Einwanderer aus der Karibik. Er warnte davor, sehenden Auges in eine „ghettoisierte Gesellschaft abzudriften“.

Die Corporation wies stets eine gewisse Schlagseite auf. Junge Leute, die von den Universitäten kommen, sind zumeist idealistisch und links eingestellt. Doch sorgte der Ethos der Unparteilichkeit lange Zeit für ein Gegengewicht. Ein „kultureller Marxismus“, der in der BBC Fuß fasste, trug dazu bei, dass im Lauf auf der Neunziger die relative Balance verloren ging. Generelle Medientrends, Sensationalisierung, Simplifizierung und Emotionalisierung, die überall in der Industrie um sich gegriffen haben, trugen das ihre dazu bei, den Trend zu verstärken. Verächtlichkeit für Politiker wurde zu einem hervorstechenden Merkmal eines „kritischen“ Journalismus, der nur ein Ziel verfolgt, nämlich zu beschädigen, unlautere Machenschaften aufzudecken und der stets das schlimmste von Politikern annimmt: Why is the bastard lying to me ist der Geist, in dem häufig Politiker-Interviews in der BBC geführt werden. Diese Art von Journalismus trägt seinen Teil dazu bei, antipolitische Trends und Verdruss an der Demokratie zu erzeugen.

Aber am besten liest man es selbst. Niemand ist objektiv, und das Unmögliche kann man auch von der BBC nicht verlangen. Aber man kann die Einseitigkeit wirklich übertreiben – besonders, wenn man sie als ausgewogen ausgibt. Sagen wir es so: auch das ehrwürdigste Medium entbindet uns leider nicht von der Notwendigkeit, selbst zu denken.

Ich bin übrigens nicht dafür, die BBC abzuschaffen. Dafür liebe ich ihre Literaturverfilmungen zu sehr.

Abends im Hause Rungholt Juli 18, 2007, 21:54

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Wir haben wieder mal jugendliche Besucher – zu Pessach hatten wir ja zwei jüdische Schüler aus Berlin, jetzt für drei Tage zwei Jungens aus London. Ich hör sie so gern sprechen! Heute nacht sind sie mit ihrer Gruppe und den Jugendlichen des Kibbuz am Meer, schlafen draußen. Gestern abend haben sie im Schwimmbad getobt und hinterher großes Abendessen gemacht. Ganz nett, wieder ein bißchen Englisch zu sprechen. Lustig, es ist wohl immer so, daß einer schweigsam ist und der andere redselig. Die Jungens finden den Schweiger netter, der ist so cool!, aber die Mutter findet natürlich den Reder netter und fragt ihm Löcher in den Bauch. „So, und was machen deine Eltern? hast du Geschwister?“ Wie schrecklich war es, wenn meine Mutter (oder Oma…) diese Frage stellt, wie natürlich plumpst sie mir heute aus dem Mund…. und ich höre gern die Antworten.

Das Harry-Potter-Fieber steigt auch bei uns beständig. Alle großen Kinder haben in den letzten Wochen sämtliche Bände noch mal gelesen (auf Ivrit) und alle Filme noch mal gesehen (auf Deutsch oder Englisch). Wir sind also reif für den fünften Film und den siebten Band. Ich habe die ersten Bücher so gern gelesen, die letzten beiden fand ich fast unlesbar (ich les sie auf Englisch, was ich genieße: „that´s mental“).

(Meine Lieblingsfiguren: Rons Eltern, Lupin, MacGonagal. Welches sind Eure?)

(Meine Lieblingsszenen: Mr. Weasley zu Besuch bei den Dursleys, fasziniert von Elektrizität. SEHR gelacht. Und im Feuerkelch, die Aufgabe im See. Sehr gut die Schilderung der Kiemenatmung.)

Primus bekam seinen ersten Harry Potter vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt, und zwar von meinem Schwager (jeder Leser hier weiß, daß ich für meinen lustigen Schwager eine riesige Schwäche habe – auch für Y.s Schwester). Ich hatte die deutschen Bücher mit dem wunderbaren Umschlag schon bei meinem kleinen Bruder gesehen, aber nicht gewußt, ob das nur Hype ist oder wirklich gut. Primus, der bis dahin zu meinem Leidwesen nicht viel las, nahm das Buch in die Hand. Schlug es auf. Sah noch einmal auf und sagte danke. Und ist seitdem Leser.

Er ist von Harry Potter zur Literatur gereift, er liest Kafka und David Grossman und SF und was er finden kann. Das Nette dabei: er steckt seinen Vater an. Mich hat er übrigens mit der Pottermania angesteckt: er hat mir eines Tages aus der Bücherei die deutsche Ausgabe mitgebracht. Auch ich habe skeptisch angefangen, aber flups-schwups war ich drin und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Secundus gehört, hm, zu der Gruppe der „Harry Potter und nichts als Harry Potter“-Leser. Andere Bücher machen ihm weniger Spaß. Er liest, aber zu einem richtigen Leser ist er nicht geworden. Mit Primus kann ich über Bücher richtig sprechen, er hat einen Sinn für Motive, Stil, Spannungsbögen, lauter Sachen, die echte Leser beobachten, während sie Spaß haben. Secundus ist es genug, wenn es Gute gibt, Böse, die besiegt werden müssen, viel Spannung. Ihm reicht der Märchencharakter, und natürlich die wunderbar geschlossene Welt.

Tertia war schon vor Harry Potter Leserin. Ich freue mich, wenn sie mit dem typischen unruhigen Leserblick durchs Has streift, „Mama, empfiehlst du mir was?“ Leider liest sie keine deutschen Bücher. Ich habe ihnen ja ganze Bibliotheken vorgelesen, aber dafür sind sie jetzt zu alt. Tertia kriegt von mir die Bücher geschenkt, die ich als Mädchen geliebt habe, Anne auf Green Gables, Vier Schwestern, und kauft sich, leiht sich ständig neue Bücher. Es ist ein Fest für sie, in die gutsortierte Kibbuzbücherei zu gehen und sich einzudecken. Quarta ist noch zu jung für so dicke Bücher, aber sie guckt die Filme und kennt und weiß natürlich alles.

Obwohl die Jungens schon ein bißchen über diese Geschichten erhaben sind – sie wollen nun auch wissen, wie es zu Ende geht. Also hat jeder von uns sein Szenario ausgebreitet. Y. und ich haben beide unabhängig voneinander gedacht, ob Rowling nicht doch am Ende zum ausgelutschten „war ja alles nur ein Traum“-Ende greift – „und die Narbe hat er, weil er sich mal den Kopf an der Tischkante gedötscht hat“, meinte Y.

Primus meint, „egal wie das Buch ausgeht – es gibt eine Enttäuschung. Wenn Voldemort stirbt – dann ist das ein typisches Ende, der Held siegt. Wenn Harry stirbt – war alles umsonst und das Böse siegt. Wenn keiner von beiden stirbt – dann will sie einfach noch ein paar Bände anhängen. Und wenn beide sterben – wieso liest man sieben Bände, wenn am Ende beide sterben?“ Er ist also skeptisch, ob der letzte Band wirklich ein Höhepunkt wird.

Tertia meint, ihr ist es egal, und wir müssen unbedingt in den Film gehen, und wir haben es ihr versprochen. Quarta meint, und sie kommt mit!, und es ist gar nicht zu gruselig! (Letztes Mal bin ich mit ihr parallel in einen Disneyfilm gegangen.) Schließlich meinte Y., der noch nie ein Potterbuch in der Hand hat und meint, zehn Pferde könnten ihn nicht dazu bringen!, „am Ende stellt sich raus, daß Voldemort eigentlich Harrys Vater ist“. Große Heiterkeit. „Au ja, Abba!“ Ich sehe schon, jedes andere Ende wird als Enttäuschung aufgenommen werden…

PS: Sehr amüsant dazu das SPon-Forum – das erste und vermutlich einzige, das ich lächelnd durchgeblättert habe!

Was ich heute mache Juli 17, 2007, 17:39

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Eine gute Freundin von uns liegt im Krankenhaus, sie hat ein recht winziges Mädchen bekommen, Frühgeburt. Es ist ihr zweites, die ältere Tochter ist noch keine drei Jahre alt. Zwar kommt uns das Geburtsgewicht des Neugeborenen recht hoch vor (unsere Tertia war wesentlich winziger), aber trotzdem –  einfach ist es nicht, ein Baby auf der Frühgeborenenstation zu haben. Man braucht Geduld, Geduld, Geduld – außerdem Gottvertrauen und Glück. Und gute Ärzte!

Jedenfalls habe ich das Gefühl, ich muß etwas Konstruktives tun, etwas Nützliches, etwas, das den Eltern und Kindern wirklich hilft. Und so sticke ich heute, was ich lange nicht mehr getan habe, ein Bild. Und zwar ein ganz besonders putzig-niedliches Motiv von Kate Greenaway – für ein Babyzimmer mit zwei kleinen Mädchen muß es einfach putzig-niedlich werden. Quarta hat das Motiv ausgesucht, die Farben auch. Bis sie nach Hause kommen, Mutter und Kind, ist das Bild fertig, rahmen lasse ich es auch. Und dann schenke ich es ihnen. Sehr nützlich, nicht wahr? Ja, ich bin eben immer fürs Praktische…

Und noch ein Döneken von Secundus… Juli 17, 2007, 16:26

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… der ist einfach täglich eine Geschichte wert. Secundus-Ticker… wär doch mal eine schöne Abwechslung.

Heute war er sehr stolz. Der landwirtschaftliche Betrieb der Schule, wo er ja seit Jahren arbeitet und die Abteilung Gewächshäuser leitet, hatte heute hohen Besuch. Ein Beamter aus dem Landwirtschaftsministerium, den Secundus schon mehrmals bei offiziellen Gelegenheiten getroffen hat. Der Junge ist ja so engagiert sowohl im Biosphärenpark-Kommittee (wo er der Jüngste ist) als auch in der Leitung dieses Betriebs, der in unserer Gegend der letzte Rest des einst so stolzen Zweigs „landwirtschaftliche Erziehung“ ist.

Denn dort wird nicht nur organisches Gemüse angebaut, handgemolkene Ziegenmilch zu Käse und Labane verarbeitet und verkauft und ein Streichelzoo für sämtliche Kinder der Umgebung unterhalten, sondern auch erzieherisch gearbeitet. Jede Woche kommen Stadtkinder, Sonderschüler, Behinderte, Sommergäste, was auch immer für Gruppen, und arbeiten ein paar Stunden unter Anleitung von Secundus und seinen Freunden bei den Tieren oder auf dem Feld.

Secundus war also sehr stolz, daß der Mann aus dem Ministerium ihn wiedererkannte. Auch den Landrat kennt er inzwischen richtig gut, es war sogar ein Bild von beiden im Lokalblättchen. Secundus ist Feuer und Flamme für die Landwirtschaft. Er will nicht mehr Tierarzt werden, sondern Landwirt. Er betrachtet die in der Wolle gefärbten Landwirte, die Fallachim, die hier im Kibbuz den Zweig unter Kontrolle haben, mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Nachsicht. Er hat auf jeden Fall vor, diesen Thron zu übernehmen. Der landwirtschaftliche Charakter der Schule muß, wie er findet, viel stärker betont werden. Jeden Tag kommt er schweiß- und erdverkrustet wieder.

Und jeden Tag höre ich zu, wenn er mir begeistert erzählt – mal hat er in den Kibbuzim Erzeugnisse verkauft, mal eine Gruppe angeleitet, mal die Klauen der Ziegen beschnitten, mal eine Ratte im Kükenhaus oder eine Giftschlange totgeschlagen – selbst seinen großen Bruder, der da ja auch arbeitet und die Arbeit ebenfalls liebt, nervt er schon mit seiner Begeisterung.  Ich höre gern zu, weniger weil mich der Pilz in Tikis und Ephraims Klauen so fesselt, aber ich sehe Secundus gern so verantwortungsbewußt und entschieden. Dafür nehme ich auch gern die endlosen Berge stinkender Wäsche und ruinierten Schuhe in Kauf.

Eins ist sicher, von mir hat er das nicht. Ich kann kaum einen Kohlkopp von einer Banane unterscheiden.  Aber meine Oma – was hätte die für eine Freude an dem Jungen gehabt! Ich sehe in Gedanken das Bild vor mir, meine Oma und Secundus, gemeinsam in der Erde wühlend und fachsimpelnd. Nichts hätte meine Oma glücklicher gemacht als ein Urenkel, der Landwirt werden will und der überall kräftig zupackt.  Schade, tausendmal schade, daß sie ihn nicht miterlebt hat. Aber verloren geht nichts in einer Familie.  Diese fleißigen Landwirts-Gene – das ist ein Geschenk meiner Oma, das mich nach ihrem Tod erreicht.

Aus dem Leben einer Mutter Juli 17, 2007, 15:02

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Heute früh, bevor wir alle aus dem Haus gehen, jeder seiner Beschäftigung nach, kommt Secundus noch einmal zurück. „Mama, du weißt doch, wir haben heute die Schüler aus England da. Bitte räum alles auf, damit es vernünftig aussieht.“ Und er verschwindet. Y. und ich gucken uns einigermaßen sprachlos an. Was sollte das denn nun?

Ich komme später von der Arbeit zurück als geplant, habe auch keine Zeit fürs Wohnzimmer, sieht doch ganz okay aus.  Secundus kommt wenig später zurück, guckt sich um, legt mir die Arme um den Hals und sagt, „danke Mama, sieht ganz toll aus“.

Eilig, eilig, Juli 16, 2007, 15:27

Posted by Lila in Land und Leute.
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eigentlich sollte ich auch gar nicht kommentieren, ich bin gerade in einer ganz anderen Abteilung meines Laptops am rum am brasseln.

Aber diesen Artikel konnte ich nicht lesen, ohne an meine Leser zu denken.

Im Dezember 2006 veröffentlichte die Weltbank eine Studie über die Rolle und Leistung der palästinensischen NGOs. Das Ergebnis ist nicht erschütternd, aber dennoch besorgniserregend: Die wirklich Bedürftigen unterhalb der Armutsgrenze werden kaum erreicht, die Personal- und Entscheidungsstrukturen sind wenig demokratisch, die Transparenz bei der Verteilung der Gelder lässt zu wünschen übrig und die Ergebnisse der eigenen Arbeit werden nicht ausreichend untersucht und dokumentiert. Das Potenzial aus Popularität und Geld werde nicht völlig ausgeschöpft, so das Fazit der Studie.

Auch mit ihrer Medienpräsenz gehen manche NGOs verantwortungslos um. Sie ergreifen in den Konflikten mit Israel und innerhalb der Palästinenser einseitig Partei und tragen so zur Verhärtung der Fronten bei. So bezeichnet manche NGO palästinensische Selbstmordattentäter euphemistisch als „Aktivisten“, „Friedenskämpfer“ oder „Märtyrer“, wohingegen sie für die israelische Seite und deren Taten dämonisierende Worte verwenden. Gerne wird das Bild vom brutalen Goliath und hilflosen David verwendet, auch wenn die Wirklichkeit viel komplizierter ist.

In der Tat. (Weydt hat Israel nicht sehr gern, das zieht sich durch all ihre Artikel – sie bemüht sich, so gut sie kann, „evenhanded“ zu schreiben…)

Es gab EU-finanzierte Schulbücher, die gegen Israel hetzen, oder Mittel für NGOs, die die israelische Politik als „ethnische Säuberung“ bezeichnen, wie z.B. das Palestinian Center for Human Rights, das 2004 fast 300.000 Euro von der EU erhielt. NGO-Monitor, eine israelische Gruppe, hat in diesen Fehlern anderer NGOs eine Marktlücke entdeckt und es sich zur Aufgabe gemacht, deren Vertreter auf der anderen Seite kritisch zu beobachten und anzuprangern.

Vor einigen Jahren hätte Samer Kokaly, ehemaliger Steinewerfer aus der ersten Intifada, mit Sicherheit durch keine noch so große Nachlässigkeit Gelder von der EU bekommen. NGO-Monitor gab es zwar noch nicht, aber er stand auf der schwarzen Liste der israelischen Regierung. Heute wird seine mittlerweile politisch-korrekte Arbeit international ausgezeichnet und finanziert. Kokaly organisiert in Beit Sahour nahe Bethlehem „sozialverantwortliche“ Aufenthalte in Palästina für die Alternative Tourism Group. Politisch interessierte Urlauber können in Familien um Bethlehem übernachten, mit Palästinensern und Siedlern sprechen und so einen unmittelbaren, unverfälschten Eindruck von der Besatzung erleben. Richard Gere und der Graffiti-Künstler Banksy saßen angeblich schon im Van der NGO. So etwas helfe mehr als Katjuschas, sagt Kokaly: „Unser Aufstand während der ersten Intifada war fast friedlich im Vergleich zu den Selbstmordattentaten. Trotzdem haben wir Steine geworfen, es sind Leute gestorben; auch einige Freunde von mir. Gewalt ist dumm, sie macht alles nur noch schlimmer. Aber ich kann die Wut der jungen Generation nachvollziehen.“

Falls Natasha voller Wut ist, so kann sie diese gut verstecken. Für diesen Sommer plant die palästinensische Friedensaktivistin ihre zweite Reise nach Deutschland, um dort an Schulen über die „palästinensische Sache“ zu sprechen. Von der ersten Reise war sie sehr angetan. Die Kinder waren interessiert und ergriffen, wollten wissen, was sie tun könnten. Was hat sie ihnen gesagt? „Sie sollen nach mehr Informationen verlangen. Sie sollen den Zeitungen schreiben, dass sie mehr erfahren wollen oder sie sonst als Kunden verlieren würden. You know: after all its business.”

Und aus solchen Quellen speist sich dann das Wissen der Leute, die Gift und Galle gegen Israel speien.  Demnächst an Eurer Schule!

Die Antwort Juli 16, 2007, 13:43

Posted by Lila in Bloggen.
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