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Mal was anderes… Juli 27, 2014, 0:09

Posted by Lila in Persönliches, Rat und Tat.
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… wie miserable Gesprächspartner immer sagen:-)

Mein über alles geliebtes Kindle-Gerät hat heute früh seinen Geist aufgegeben. Es war ein ganz einfaches Modell, mit dem ich zufriedener war als mit je einem Kauf. Es hatte diese schönen schmalen Knick-Knack-Knöpfe an den Seiten, kein Touchscreen, keine Beleuchtung, sondern nur eine schön matte Oberfläche, die sich leicht sauberwischen ließ.

Jetzt überlege ich mir, mit welchem Modell ich dieses Wunderwerk ersetzen kann. (Der Kundendienst bietet mir Ermäßigungen an, wenn ich das alte Gerät einsende – werde es also nicht melancholisch im Garten begraben können…)

Ich bleibe bei Kindle, ich liebe nun mal meine Ketten, die mich an Amazon binden. (Zum Leiden geboren, das bin ich.) Aber lohnt es sich, in Schnickschnack zu investieren? Kann man sich an ein Touchscreen gewöhnen? (Daß Beleuchtung nützlich ist, ist mir schon eher klar.) Was meint Ihr???????

Mit Kindern in Köln August 18, 2013, 7:55

Posted by Lila in Deutschland, Persönliches, Rat und Tat.
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Neu und faszinierend und ganz in der Nähe von Dom und Museen: die Bonbonschmiede mit Schauküche.

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Ich kann ja Leuten, die ihre Arbeit gut und geschickt machen, ewig zugucken. Und wie diese winzigen Erdbeeren oder Bananen oder Maracuja in die Bonbonstangen reinkommen, ist schön anzusehen. Ja, aus diesen seltsamen Klopsen werden am Ende Bonbons. Außerdem sind die Bonbons sehr, sehr lecker.

(Oh, und wie gut, daß sie den Laden nicht „Klümpschenschmiede“ genannt haben… ich hab die Stimme der Milchfrau noch im Ohr, die mit dem Milchwagen durch unsere Straße kam, als ich Kind war. Ich holte die Milch in einer hellblauen Plastikkanne, und die Milchfrau fragte: „willste en Klümpschen, Liebschen?“ Klümpchen? Ach so – ein Bonbon.)

 

Ein kleines Ritual beim Nachhausekommen April 18, 2013, 22:13

Posted by Lila in Persönliches, Rat und Tat.
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hat Secundus. Seine Waffe ist natürlich nicht geladen, aber er muß sie immer bei sich tragen und ist dafür verantwortlich, daß sie nicht in falsche Hände fällt. Darum baut er sie auseinander, wenn er zuhause ist, und bringt die Einzelteile getrennt und jeweils durch abschließbare Türen gesichert unter. Wenn wir am Wochenende wegfahren, muß jedes Einzelteil hinter mindestens zwei abgeschlossenen Türen liegen. Er hat mehrere Verstecke, die nur er kennt. Selbst wenn ich gefragt würde, könnte ich nicht sagen, wo die verschiedenen Teile sind.

Vermutlich besitzen hier mehr Menschen als in Deutschland private Waffen, aber wesentlich weniger als in den USA. Wer eine Waffe kaufen möchte, braucht einen Waffenschein. Um den zu behalten, muß man regelmäßig Auffrisch-Kurse machen und ihn erneuern lassen. Dazu gehörten nicht nur Übungen am Schießstand, sondern auch Überprüfungen der mentalen Stabilität (muß Y. noch mal genauer danach fragen).

Y. hatte jahrelang ein kleines Dingelchen, das er nur selten bei sich trug, und das er ebenfalls ungeladen, gesichert, getrennt von der Munition… hinter Schloß und Riegel aufbewahrte. Irgendwann wurde ihm das Ganze zu aufwändig, er ging nach Yokneam auf die Polizeiwache und sagte, daß er die Waffe spenden möchte, er braucht sie nicht. Legte sie behutsam auf den Tisch und ging.

In Israel kommen, unberufen, eher selten Amokläufe vor. Was wohl vorkommt, sind Morde, meist sog. Beziehungsmorde, bei denen Wachleute ihre Dienstwaffe gegen ihre Partnerin wenden.  Oft stellt sich dann heraus, daß diese Leute nur eine oberflächliche, rein technische Ausbildung an der Waffe hatten. Wer hingegen drei Jahre lang ständig eine Waffe mit sich rumschleppt, sie dauernd ölen, auseinanderbauen, kontrollieren und verstauen muß, wem diese ganzen Rituale der Vorsicht in Fleisch und Blut übergegangen sind, der wird sie nicht leichtfertig benutzen. Denn er begreift die volle Verantwortung, die so eine Waffe bedeutet. So scheint es mir zumindest.

Wem im Bus in Israel mulmig wird, wenn er die kindlichen Hände sieht, die sich im Bus um ihre Waffen legen, der kann beruhigt sein. Diese Waffen sind nicht geladen. Unfälle kommen vor – Y. hat einen Freund durch die Kugel eines anderen Freunds verloren, und bei aller Vorsicht ist es immer möglich, daß ein Mensch sich falsch verhält. Ja, es gibt auch Fälle, in denen eine Waffe ungesichert im Haus herumlag und Kinder oder Jugendliche sie zur Hand nehmen. Aber im Großen und Ganzen verhalten sich Israelis sehr vorsichtig mit Waffen, und Soldaten kontrollieren x-mal, ob die Waffe auch wirklich sicher ist, bevor sie damit aus der Basis gehen.

In manchen arabischen Dörfern werden (die in meinen Augen) Unsitten wie in die Luft böllern zu Hochzeiten etc gepflegt, was nicht nur teuer, sondern auch sehr gefährlich ist. Aber auch dort gelten die Regeln mit Waffenschein und Überprüfung. Man kann nicht einfach in den Laden gehen und sich dort bewaffnen.

Ich weiß, daß in einer Gesellschaft wie der amerikanischen Waffen einen anderen Stellenwert haben als in Europa, und ich glaube nicht, daß man die mentale Einstellung zu Waffen ändern kann. Viele Amerikaner, das habe ich inzwischen verstanden, sehen in einer persönlichen Waffe den Garant ihrer Freiheit und Sicherheit. Erbe ihrer Prärie-Pionier-Vergangenheit. Gary Cooper eben in High Noon, wo ja selbst die naive Quäkerin schließlich begreift, daß gegen manchen Feind nur hilft, zu ziehen, bevor er zieht. Gegen Symbole und Mythen läßt sich mit Ratio nicht viel ausrichten. Auch wir haben unsere Mythen, an denen wir hängen (Freie Fahrt für freie Bürger….).

Ich würde den Menschen in den USA aber, angesichts der vielen Unfälle und des häufigen in meinen Augen leichtfertigen Umgangs mit Waffen (ich erinnere an den Vater, der den Laptop seiner Tochter als Disziplinmaßnahme durchlöcherte…), wünschen, daß sich ein professionellerer und ernsthafterer Umgang mit Waffen durchsetzte. Gerade wenn man Waffen einen so hohen Status einräumt, sollte man lernen, wie man mit ihnen umgeht, ohne andere zu gefährden. Und zwar so gründlich wie mein Secundus und seine Freunde, denen nie in den Sinn käme, eine Waffe einfach geladen irgendwo rumliegen zu lassen oder damit zu anderen Zwecken als militärisch genau vorgeschriebenen zu schießen.

Mein Senf zu der ganzen Waffendiskussion. Kam mir heute so in den Sinn, als ich sah, wie Secundus seine Waffe zerlegte und wie der Osterhase versteckte, bevor er noch seine Mutter, die er fast einen Monat nicht gesehen hatte, begrüßte.

Zwei Monate Kindle Januar 30, 2013, 1:04

Posted by Lila in Persönliches, Rat und Tat, Uncategorized.
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und ich kann mich Cronenburg Wort fuer Wort nur anschliessen. Nachdem ich hier vor einiger Zeit mal nachgefragt hatte, was meine geschaetzten Leser zu E-Book-Readern einfaellt, und ich so viele Empfehlungen bekommen habe, habe ich mir erstmal die Kindle-App fuers Telefon und Kindle for PC runtergeladen. Die Auswahl an Buechern ist gut, und im Laufe der Jahre wird sie bestimmt noch viel besser werden. Ich kann auch Buecher von anderen Seiten runterladen und auf dem Laptop lesen. Manchmal muss ich sie dafuer mit Calibre in ein Kindle-kompatibles Format umwandeln, ist kein Problem.

Seitdem konnte ich mit grossem Vergnuegen auf dem Laptop und unterwegs auf dem Smartphone-Bildschirm lesen. Beides ist nicht ideal – ein Laptop lieg beim Einschlaf-Lesen doch nicht so bequem in der Hand (die Katzen setzen sich auch gern drauf), und das Telephon auf die Dauer doch ein bisschen klein. Also war klar, dass ich mir das „echte“ Modell anschaffe.

Ich hab es mir selbst zu Weihnachten geschenkt – tatsaechlich habe ich dieses Jahr mich selbst am besten beschenkt, denn es hiess ja „Weihnachten ohne Geschenke“, und ich hab ein etwas schlechtes Gewissen, dass ich nun ausgerechnet mir selbst das schoenste Geschenk gemacht habe. Nach langem Ueberlegen habe ich mich fuer das billigste Modell entschieden, denn es bietet mir genau das, was ich brauche, und der Preisunterschied kommt mir sehr gross vor. Ich will ja kein Tablet, ich will auch nicht ins Internet damit, will weder Musik hoeren noch Filme gucken – sondern einfach nur lesen. Lesen, lesen, lesen.

Seit ich mich erinnern kann, war ich eigentlich nur mit Buch unterwegs. Meine Mutter erzaehlt oft, dass sie mit mir eine lange Bahnfahrt gemacht hat, als ich drei Jahre alt war, und dass ich alle meine Bilderbuecher auswendig wusste, besonders mein Lieblingsbuechlein vom Schlaufuchs (was gaeb ich darum, das noch mal in der Hand zu haben – es ist untergegangen, als meine Kindheit unterging, bei der Trennung meiner Eltern). Die Leute im Abteil glaubten damals, ich kann schon lesen.

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Daran erinnere ich mich nicht mehr, an den Schlaufuchs, aber meine Mutter hat uns schon vor der Schulzeit das Lesen beigebracht. Sie las damals ein Buch ueber die Vorzuege, die es fuer Kinder hat, wenn sie frueh lesen koennen, und da waren so Wortkaertchen dabei. Perfekt war die Methode nicht, aber sie muss gereicht haben, denn ich kann mich zwar noch genau an den Prozess des Schreibenlernens in der Schule erinnern, aber nicht ans Lesenlernen. Das konnte ich schon. Unsere Fibel war uebrigens „Wunderbare Sachen“ mit schoenen Texten von Ursula Woelfel und noch schoeneren Bildern von Lilo Fromm. Ich habe diese Fibel geliebt und jedes Bild weckt in mir heute noch Erinnerungen – Heiner und das Vogelhaus, das haben wir vor Weihnachten gelesen, jedes Kind hatte eine Kerze auf dem Tisch und wir haben vor dem Unterricht gesungen. Ein Lied vor dem Unterricht gab es uebrigens jeden Morgen, das war schoen, aber nur im Advent gab es Kerzen…

Ich habe seit meiner Kindheit immer, immer ein Buch dabei. Ach, ich weiss noch, meine Reise zu Freunden in Passau, da kam ich mit einer riesigen Tasche an, sechzehn Buecher fuer eine Woche. Und dann habe ich bei Heiner Henke antiquarisch noch eingekauft. Keine Ahnung, wie ich die Rueckfahrt mit der Bahn geschafft habe, mit kiloweise Buechern im Gepaeck… Weswegen ich Reclam-Ausgaben immer geschaetzt habe, weil man die so prima in die Handtasche stecken kann. Seit ich alle meine Reclam-Buecher mit Umschlaegen versehen habe (gern aus National-Geographic-Photographien, das Papier eignet sich ideal dafuer), muss ich nicht mal das relativ fiese Gelb ertragen.

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Ich weiss noch aus meiner Schulzeit, wie mich die Mitschuelerin genervt hat, die mit grossen Augen zusah, wie ich im Schulbus mit einem schoenen Eichendorff in der Hand neben ihr sass, und sie mich fragte: „waaas, lieste ne Lektuere?“ Denn sie kannte Reclam natuerlich nur aus dem Unterricht, das war fuer sie kein Buch, sondern eine Schullektuere. Aber ich lese nun mal nach wie vor sehr gern 18. und 19. Jahrhundert. Und Reclam hat mir immer gut gedient. Solide Ausgaben guter Literatur.

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Jedoch selbst bei Reclam-Buechern setzt mir die Tasche natuerliche Grenzen. Mehr als drei, vier oder fuenf… zur Auswahl kann auch ich nicht mitschleppen. Aber ich brauche Buecher, ueberall.

Ich weiss noch, wie meine Kommilitonen in Deutschland, alle so sophisticated, auf mich herabgeblickt haben, weil ich einfach schmoekere und Personen sympathisch oder unsympathisch finde und auch Fachliteratur wie Romane lese. Alles so uncool und unwissenschaftlich. Aber fuer mich ist Lady Bertram lebendig, ich hoffe bei jedem Lesen fuer Anna Karenina, dass sie diesmal der Katastrophe entgeht. Wenn ich ein Buch ueber Illuminationen lese, dann werden Julia Aniciana und der Moench Eadfith genauso lebendig fuer mich wie Lady Bertram und Maditas Kindermaedchen Alva.  Oh, und Tante Schorlemmer und die kleine Wienke. Ich habe einfach gern Buecher um mich herum.

Hans Fallada erzaehlt in seinen Erinnerungen von seiner Schwester Itzenplitz, die sich beim Kochen am Kochbuch festliest und beim Kofferpacken an den Zeitungen, in die sie die Schuhe einwickeln will. So geht’s mir auch mein Leben lang, alles Gedruckte lockt mich, und ich bedaure sehr, dass ich nicht spontan Buecher kaufen kann. Selbst Amazon-Bestellungen muss ich mir zu meiner Mutter schicken lassen, weil sie nicht nach Israel liefern, die Doofen. Und sehr viel Antiquariatbuecher bestelle ich. Das muss dann alles mitgeschleppt werden im Flieger. Sehr laestig.

Y. sagt schon seit Jahren, dass das Haus voll ist und ich an mich halten soll. Er hat ja Recht, aber verglichen mit anderen Leuten, deren Blogs ich lese oder die ich besuche, habe ich ueberhaupt nicht viele Buecher. Und neue gar nicht. Na ja, kaum. Mir fehlt viel neue Literatur, die lese ich dann bei meiner Mutter, zuhause habe ich in den letzten Jahren fast nur Fachliteratur hinzugefuegt. Und davon vieles, was ich auf dem Kindle weniger geniessen koennte.

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Es war also eine gute Entscheidung, in den letzten Jahren ueberwiegend in Fachliteratur zu investieren, denn in meinem Fach sind viele illustrierte Werke, die sich fuer den Kindle nicht eignen. Dafuer macht mir’s der Kindle einfacher, Literatur, die nur von Worten lebt, zu lesen. Vielleicht hole ich dann irgendwann mal auf, was ich in den Jahren hier versaeumt habe? Denn runterladen kann ich natuerlich, egal wo ich bin – kein Porto, keine Wartezeiten, kein Bibbern beim Einchecken, ob ich im erlaubten Bereich bin oder wieder mal…

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Mit dem Kindle erweitert sich die Anzahl der Buecher in der Handtasche ins fast Unerschoepfliche. Ich habe mir auch schnell eine Huelle gehaekelt, damit er nicht verkratzt. Denn ich schleppe ihn ueberall, ueberall mit hin.

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Selbst wenn ich vom Bus zur Taxi-Haltestelle tappe, halte ich ihn in der Hand und lese. Ich kann ihn mit einer Hand halten. Umblaettern ist einfach, sowohl mit der linken als auch der rechten Hand. Wenn ich nicht die olle Lesebrille rauskramen will, die ich ja leider seit zwei Jahren brauche, dann stelle ich die Schrift auf groesser. Das Schriftbild ist deutlich, der Bildschirm ermuedet die Augen nicht (Laptop und Telefon leider sehr wohl). Die matte Oberflaeche sehe ich gar nicht mehr. Es passiert beim Lesen auf dem Kindle, was auch bei einem Buch passiert: das Material verschwindet, nur das Leseerlebnis bleibt uebrig. Sammeltaxi und Stress bleiben zurueck, und ich bin in den endlosen Gaengen von Moria oder in Tizians Atelier. Je nachdem, was mich gerade lockt.

Ich wusste ja schon, seit ich Euch im Mai gefragt habe, dass mir so ein Ding gefallen wuerde. Gerade die Leseratten waren die groessten Fuersprecher der E-book-reader. Und gerade sie haetten abgeraten, wenn die Technologie das Leseerlebnis, den Genuss, beeintraechtigt haetten. Dass ich auf den Kindle, also ein Amazon-Mainstream-Produkt, gekommen bin, liegt daran, dass ich wenig wagemutig bin, es gern einfach habe, und natuerlich auch an Amazons schlauer Kundenbindung. Ich bin seit Jahr und Tag Amazon-Kundin, und nachdem ich mir durch die kostenlosen Apps schon eine kleine Bibliothek aufgebaut hatte, kam mir Kindle am heimeligsten vor. Mein Schwager hat gelacht, dass ich so willig nach dem Koeder geschnappt habe, aber ich bin zufrieden.

Die Synchronisierung ist nicht perfekt. Auf dem Laptop habe ich meine Kindle-Buecherei in viele schoene Sammlungen aufgeteilt. Die wurde beim Synchronisieren nicht uebernommen, und ich musste auf dem Kindle noch mal alle Sammlungen neu aufbauen. Ob ich das optimieren koennte, weiss ich nicht – es hat mich nicht so doll gestoert, dass ich nun recherchiert haette, wie ich es aendern kann.

Meine drei Kindle-Stationen (Laptop, Telefon, Kindle) synchronisieren sich und wissen immer, welche Seite ich zuletzt gelesen habe – wenn ich das Buch zum ersten Mal lese. Beim zweiten Lesen versteht der Kindle nur, dass ich zur letzten Seite gekommen bin. Um die Seiten-Synchronisierung wieder auf Null zu setzen, muss ich auf meine Kindle-Seite bei Amazon gehen und fuer jedes gelesene Buch einzeln die Einstellung aendern. Es waere bequemer, wenn ich diese Verwaltungs-Seite direkt auf dem Geraet haette und nicht nur auf der Webseite. Aber geschenkt, das ist kein grosses Problem.

Wenn ich Buecher mit Ortsangaben lese, benutze ich Kindle auf dem Laptop. Denn dann kann ich gleich in Google Earth nachgucken, worueber ich gerade gelesen habe, und Buch und Schauplatz verlinken. Ich kopiere in Google Earth das Zitat aus dem Buch an den Schauplatz, und beim Wiederlesen kann ich virtuell reisen. Manchmal denke ich, das muesste ich eigenlich als Google-Maps oeffentlich machen, so viele schoene kleine Erlebnisse habe ich, wenn ich die Landschaften oder Gebaeude angucke.

Anmerkungen in die Kindle-Buecher schreibe ich nur auf dem Laptop, denn die kleine Bildschirm-Tastatur auf dem Kindle ist ziemlich muehsam zu bedienen. Aber die Anmerkungen werden synchronisiert, und das reicht mir. Es tut  mir nicht leid, dass ich das einfachste Modell gekauft habe – waere eine Tastatur dabei, dann waere es schon nicht mehr die ideale Groesse. Gerade das Spartanische gefaellt mir daran.

Ich habe noch nicht probiert, wie das mit dem Ausleihen funktioniert. Als Premium-Kundin oder wie das heisst habe ich diese Moeglichkeit, ein Buch pro Monat fuer einen Monat auszuleihen. Was ich sehr stark nutze, sind die Leseproben. Wenn ich eine Biographie ueber Michelangelo suche, dann kann ich mir von allen in Frage kommenden Buechern Leseproben runterladen, meist die Inhaltsangabe und ungefaehr das erste Kapitel. Dann habe ich schon einen ganz guten Eindruck davon, wie das Buch geschrieben ist, und ob ich den Rest auch haben will. Klar, ich koennte auch bis nach Haifa in die sehr gute UB fahren, aber es ist doch bequemer, mich auf der Couch zu luemmeln und meine Leseproben genau zu ueberdenken.

Die Buecher, die taeglich bei Amazon fuer nichts angeboten werden, taugen allerdings nicht viel. Natuerlich, die gesamte Literatur vor dem 20. Jahrhundert gibt es umsonst, und das ist wunderbar. Ich habe zu meiner Freude jetzt vieles auf dem Kindle, was ich auch im Regal habe, und wuerde am liebsten beides aneinander koppeln – wenn ich ein Buch kaufe, dann gleich mit Zugriff auf die Kindle-Ausgabe. Aber bei den Klassikern funktioniert das umsonst. Ich habe beim Stoebern auch alte Kinderbuecher entdeckt, die ich nicht kannte. Eine echte Entdeckung war die Familie Pfaeffling – zum ersten Mal nicht-perfekte Eltern in einem Kinderbuch, das vor den 50er Jahren erschienen ist. Eine manchmal griesgraemige oder ungerechte Mutter, ein aufbrausender Vater.  Ohne Kindle waere ich auf solche Buecher gar nicht gestossen, aber ich freue mich, dass ich sie gefunden habe. Anne of Green Gables in englischer Ausgabe – eine Wiederbegegnung mit einer Heldin meiner Kindheit.

Aber was nicht Klassik ist und umsonst bei Amazon auf der Liste steht, ist nicht verlockend. Das muss es auch  nicht sein. Ich suche keine Schnaeppchen, sondern gute Buecher. Meine Tante, die mir im Laufe meines Lebens zahllose Buecher geschenkt hat, deren Haus von Buechern und Bildern foermlich aus den Naehten platzt, hat den Kindle mit Misstrauen betrachtet, weil sie glaubt, dass das ein Geraet fuer Leute ist, die nicht „richtig“ lesen, sondern kurzlebigen Schrott konsumieren. Als ob Menschen auf der Suche nach kurzlebigem Schrott nicht lieber den Fernseher anstellten. Jedoch im Amazon-Bauchladen fuer lau findet sich auch kurzlebiger Schrott. Qualitaet hat ihren Preis. Und Autoren wollen auch leben.

Unterwegs und vorm Einschlafen lese ich eigentlich immer. Wie schlaeft man ohne Buch ein? Das geht doch gar nicht.  Jahrelang hat Y. mir nachts das Buch aus den Haenden genommen und das Licht ausgemacht, wenn mich der Schlaf beim Lesen ueberwaeltigt hatte – inzwischen ist es kein Buch mehr, sondern meist der Kindle. Er fuehlt sich angenehm an, und das alte Problem, wie man ein Buch mit einer Hand haelt und umblaettert, waehrend man auf der Seite liegt, ist geloest. Besonders in kalten Naechten, wenn man am liebsten ganz und gar unter die warmen Decken kriechen moechte. Mit dem Kindle kann ich tatsaechlich auch dicke Buecher lesen, bis die Schrift vor meinen Augen verschwimmt und ich das Buch mit in den Traum nehme. Weil ich ja sehr unter Einschlafproblemen leide, ist das ideal fuer mich. Statt an meine endlosen Reihen von Emails zu denken oder an auf uns gerichtete Raketen-Sprengkoepfe, sehe ich die Eltern Drendorf vor mir oder reise durchs 14. Jahrhundert.

Das war eine sehr gute Anschaffung. Nachteile habe ich noch nicht entdeckt. Ich bin spaet auf diesen Zug aufgesprungen, und neulich habe ich irgendwo gelesen, dass die Zeit des E-book-readers ohnehin vorbei ist, weil alle Welt Tablets will. Ich nicht. Ich will nicht abgelenkt werden – alle Welt lenkt mich ab. Ich will nur lesen.

Frage an meine Leser aus Berlin Dezember 9, 2012, 14:43

Posted by Lila in Persönliches, Rat und Tat.
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Wie viel muss man fuer ein durchschnittliches Abendessen in einem netten, nicht fancy und nicht schaebigen Restaurant in Berlin pro Person rechnen? Wir wollen den Studenten ungefaehre Anhaltspunkte geben.

Die guten Tips von vor zwei Jahren, oh, fast drei Jahren!, sind nicht vergessen. Die sind alle noch in der Liste. Ueber Updates aller Arten freuen wir uns. Diesmal sind die Studenten juenger und vermutlich haben sie weniger Geld zur Verfuegung als die Lehrer in der Weiterbildung, mit denen wir 2010 gefahren sind.

Danke!!!

 

PS: Beim Lesen der vielen guten Tips von damals kriege ich das Beduerfnis, meine Leser mal so richtig zu knuddeln! Das passiert mir hoechst selten!! Rette sich wer kann!!!

Kleine Frage: lohnt sich eigentlich… Mai 26, 2012, 0:19

Posted by Lila in Rat und Tat.
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… ein E-book-reader? Kindle oder sowas? Schwirrt mir gerade im Kopf rum. Ich liebe ja meine Papierbücher, aber so ein Ding, wie ich sie zunehmend zB in der Bahn sehe, das hat doch bestimmt auch seinen Nutzen? Was würdet Ihr raten, was habt Ihr, seid Ihr zufrieden, oder ist es schade um´s Geld?

Schnell, schnell – Februar 23, 2012, 16:35

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ist ein Historiker im Haus? jemand mit einer sanften Stimme und einfühlsamem Wesen? Der wird jetzt gebraucht. Für die Linke.

Er muß sich nämlich mit ihnen zusammensetzen und ihnen sagen: „liebe Linke, ihr müßt jetzt mal ganz tapfer sein. Diese Beate Klarsfeld… also vielleicht paßt sie doch nicht so ganz zu euch. Ihr Mann – der soll ja nicht nur Jude sein, der soll sogar im Sechstagekrieg mitgekämpft haben. Als in einem brutalen Überfall und Expansionskrieg die Israelis den Staat Palästina vernichtet und die Bewohner geknechtet und in Flüchtlingslager gesteckt habt. Seither läuft der schleichende Völkermord, der die Zahl der Palästinenser von Jahr zu Jahr schrumpfen läßt.

Und der Sohn – das ist ja noch schlimmer.“

Hier wird die Linke vermutlich von Ensetzten gelähmt im Sessel zurücksinken. Hätten Historiker Riechsalz dabei, wäre es angebracht, aber ein Glas Mineralwasser soll ja auch belebend wirken.

„Der Sohn ist Rechtsanwalt und hat mit Sarkozy zusammengearbeitet. Er hat freiwillig seinen Wehrdienst in Israel abgeleistet – als Magavnik! Das sind doch die allerschlimmsten, die an den Checkpoints, eine Art Grenzpolizei. Wüteriche, übelst beleumdet. Er schämt sich nicht dafür, im Gegenteil, er ist stolz darauf und behauptet, die zionistische Besatzungsarmee ist nicht auf Haß aufgebaut.

Aber noch schlimmer. Er findet, solange Palästinenser in Israel friedlich und gut leben, steht Juden in der Westbank dasselbe Recht zu.

Seine Eltern haben sich nicht von ihm losgesagt. DAS ist die Familie Klarsfeld. Seid ihr sicher, daß ihr so eine Kandidatin wollt? Es ist ja schön und gut, daß sie mal einen Kanzler geohrfeigt hat, wer würde das nicht gern mal machen?, aber sie steht doch für die abscheulichsten Dinge überhaupt… sie paßt nicht zu euch…“

Ich hoffe, dieser taktvolle Mensch findet sich bald. Sonst könnte die Blamage unsterblich werden. Was ist ein grün unterfütterter Gauck im Vergleich zu einer rot unterfütterten Israel-Freundin?

Unvergessen Juli 9, 2010, 18:00

Posted by Lila in Persönliches, Rat und Tat.
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dieser alte Eintrag der unübertroffen klugen Kaltmamsell, wahrlich eine Frau von Welt.

Da ich schon jung eine seltene BH-Größe hatte, halte ich mich für eine Expertin auf dem Gebiet vertrauenswürdiger Wäsche-Dealer. Indizien: Der Laden ist klein, vollgestopft und unübersichtlich, die darin agierende Fachkraft ist weiblich, älter, gepflegt, hat einen umfangreichen Körper und ausländischen Akzent, vorzugsweise aus den neuen EU-Ländern. Idealerweise Grand-Dame-Ausstrahlung mit einem Hauch liebevoller Mütterlichkeit.

Als ich also gestern auf Wäsche-Suche ging und ratlos von Laden zu Laden schlenderte, fiel mir diese Perle der Weisheit wieder ein, denn schon durchs Ladenfenster konnte ich die Verkäuferin des kleinsten Ladens der Innenstadt als Russin identifizieren. Stark blondiert mit knallroter, trotzdem biederer Strähne, wohlgerundete Figur, freundlicher Blick. Sofort war ich im Laden. Statt mit Maßbändern zu hantieren, warf sie mir einen durchdringenden, durchaus anerkennenden Blick zu und fischte zielsicher zwei BHs aus den vollgepfropften Gestellen. Ich verschwand in der Kabine, und oh Wunder, beide paßten wie angegossen.

Da  sich letzthin herumgesprochen hat, was für eine esoterische Wissenschaft die BH-Anpasserei ist, dachte ich, ich frage die freundliche Dame lieber mal, ob ich mich nicht täusche. Und als sie hilfsbereit nachfragte, ob ich etwas brauche, lud ich sie in die Umkleidekabine ein, zur Begutachtung. Höchst zufrieden stellte sie mir die Träger noch ein bißchen höher und meinte: perfekt, so muß ein BH sitzen.

Beim Bezahlen dankte ich ihr herzlich und lobte ihre Kompetenz. Da strahlte sie. Ach, nichts Käufliches hebt das Selbstbewußtsein so deutlich wie ein neuer, schöner BH. Nur Schuhe haben eine ähnlich durchdringende Wirkung auf das gesamte sterbliche Ich, aber BHs sind schöner, weil verborgen.

Danke, liebe Kaltmamsell, für diesen Ratschlag, der sich wunderbar bewährt hat.

Ungetrübtes Vergnügen Oktober 28, 2008, 11:48

Posted by Lila in Rat und Tat.
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Auf Umwegen sind zwei meiner Lieblingsfilme wieder zu  mir gelangt, diesmal auf DVD, so daß ich sie sehen kann, wann immer ich das Gefühl habe, mein Leben kann eine Portion elegant untergeschlagenen Eischnee gebrauchen.

Design for Living. Bei Lubitsch ist kein Wort überflüssig, keine Geste, keine Pause. Die drei Hauptdarsteller sind atemberaubend brilliant: der rauhbeinige Maler George (Gary Cooper, jung und bezaubernd schön), der gewandte, witzige Autor Tom (Frederic March, ach) und Gilda, die Frau, die sich nicht entscheiden kann (Miriam Hopkins, perfekt). Lubitsch hat diese wunderbare ironische Distanz, die den ganzen Film zu einem einzigen Vergnügen machen. Ich habe einfach nur gestrahlt. Nach so vielen Jahren konnte ich den Dialog noch Wort für Wort mitsprechen. Ein Film für die Ewigkeit. (Wikipedia, IMD). Die Eröffnungsszene:

Man kann es nicht besser machen.

It happened one Night. Capra ist weniger ironisch und funkelnd als Lubitsch, mit wärmeren Untertönen und weniger erotischer Zweideutigkeit. Die Geschichte nimmt mehr Schlenker als bei Lubitsch, aber jeder einzelne davon macht Spaß, weil man sich entweder an Clark Gable oder Claudette Colbert ergötzen kann. Am besten natürlich an beiden zusammen. (IMD hier)

Ach, sollte es noch irgendwo eine arme Seele geben, die bisher ohne diese Filme leben mußte, kann ich nur sagen: nachholen. Und natürlich nur im Original! Alles andere wäre Sünde.

Von Hifil und Nifal März 15, 2008, 15:17

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Rat und Tat.
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Was wie ein verfeindetes oder verbündetes Brüderpaar klingt, das sind die Namen der sogenannten hebräischen Fälle. Ich habe gestern einen vergnüglichen Nachmittag mit Tertia verbracht, sie bereitet sich nämlich auf eine wichtige Prüfung in hebräischer Grammatik vor. Ich kann den Kindern in Mathe überhaupt nicht helfen (ich ergreife die Flucht beim Anblick von Formeln, außerdem kann ich micht an die hebräischen Ausdrücke für „zum Quadrat“ und „Wurzel“ und so nicht gewöhnen), in Literatur bis zu einem gewissen Grade, Geschichte sehr gut – und auch, ha ha, in hebräischer Grammatik. Dabei ergreift nämlich Y. die Flucht!

Ich habe noch aus Studienzeiten ein ausgezeichnetes Buch, in dem alle Verbformen mit Beispielen durchkonjugiert werden. Es gibt nur sieben sog. Fälle, nach denen sie abegewandelt werden, und native speakers machen das automatisch richtig – aber eine Verbform genau zu bestimmen, das fand Tertia sehr verwirrend. Wie hält man die sieben binyanim, die Fälle, auseinander? Manchmal ist es ganz nützlich, eben nicht native speaker zu sein. Meine in harter Arbeit entdeckten Eselsbrücken und Erklärungen halfen, auf einmal machte es bei Tertia pling im Kopf und alles war ganz einfach.

Zuerst haben wir alle Übungsblätter ausgefüllt, die die Lehrerin ausgeteilt hatte. Dann meinte sie, ich soll ihr Verbformen geben, und sie bestimmt sie – in Form einer Liste: Infinitiv, Wurzel, aktiv oder passiv, Zeit, Person, Fall. Letzteres war ihr eben vorher schwergefallen. Ich gab ihr also eine Liste besonders fieser Verbformen, mit wegfallenden Konsonanten und veränderten Vokalen. Kein Problem, sie konnte sie alle bestimmen. Dann knöpfte sie sich ihre Mutter vor. Mit dem Buch in der Hand prüfte sie mich. Ging recht glatt. Insgesamt ein fröhlicher Nachmittag.

Danach sahen wir zusammen Abendnachrichten. Auf den Inhalt achteten wir kaum, statt dessen riefen wir uns bei jedem Verb zu: hufal! nifal! kal! hitpael! Hat großen Spaß gemacht. Tertia meint, sie wird meine Erklärung an ihre Freundinnen weitergeben.

Für meine hebräisch-geplagten Leser hiermit ein Bild als Eselsbrücke, man kann die Fälle nämlich in Form einer Menora anordnen.

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Tertia und ich haben daraus ein schönes Bild gemacht, und ich habe die Ausdrücke in lateinischen Buchstaben dazugeschrieben. Die eine Seite der Menora ist aktiv, also rot, die andere passiv, also blau. Jeder aktive Fall hat einen passiven Gegenspieler: das normale Verb, Kal, den Nifal. Die Intensivform, der Piel, heißt im Passiv Pual. Und kausative Verben stehen im Hifil, im Passiv Hufal. Nur der reflexive Hitpael ist sowohl passiv als auch aktiv, deswegen haben wir ihn lila gemacht.

Wer gern Näheres wissen möchte, der kann mir eine Mail schicken, und ich schick ihm eine ausführlichere Anleitung. Ich habe zwar die tückische Absicht, die besorgniserregend angeschwollenen Zugriffszahlen wieder auf ein überschaubares Maß zu drücken😉 (wozu sich hebräische Grammatik trefflich eignet), aber ich will auch nicht ZU grausam sein. Ich hab auch noch eine ausführlichere Fassung der bunten Menora…

Pet peeve Oktober 7, 2007, 18:31

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Kaltmamsell, hörst Du mich?

Endlich ein Buch (von der Linguistin Deborah Cameron), das den immer wieder zitierten BS von den genetischen Unterschieden in der Kommunikation von Männern und Frauen entzaubert. So bequem es ist, wenn jedes Geschlecht sich seufzend in seine Ecke zurückzieht, der Mann mit der Bohrmaschine und sein Frauchen mit dem Telefonhörer – so zerstörerisch wirken sich diese Mythen des Alltagslebens auf Beziehungen auf. Denn man braucht sich dann gar keine Mühe zu geben, den zottigen Kerl mit der Bohrmaschine zu überzeugen. Der weiß ja sowieso, daß wir unberechenbare Plappermäulchen sind. Steht ja bei Gray.

Ich habe tatsächlich schon Leute getroffen, die diese Bücher richtig ernstnehmen und sogar in Diskussionen zitieren. Natürlich habe ich, als ich so ein Buch geschenkt gekriegt habe, es auch gelesen – allein schon, um mich so richtig herzlich zu ärgern.

Dabei macht mich besonders nervös, wie einfach es sich die Schreiber machen. Sie schildern unsere prähistorischen Vorfahren als Fred und Wilma Feuerstein: er jagt und brummt und kämpft, sie hält die Höhle in Ordnung, wickelt die Kinder in Pelze und sammelt quasselnd mit ihren Freundinnen Beeren und Pilze. Ergo ist Frau Sammlerin, Mann Jäger.

Ein wunderbarer Zirkelschluß. Da unsere Vorfahren so rücksichtsvoll waren, keinerlei schriftlichen Dokumente zu hinterlassen, tobt sich die menschliche Phantasie an den Überresten aus. Niemand weiß genau, ob in der Urhorde nicht auch die Frauen jagten und die Männer sammelten. Obwohl in allen Prähistorischen Museen und Buchillustrationen der höhlenzeichnende Mann und die im Kochtopf rührende Frau gezeigt werden, spiegeln diese Rekonstruktionen nichts anderes wider als die Realität, die ihre Erschaffer im Kopf hatten.

Sich auf diese Projektionen zu berufen, um heutige Kommunikationsmuster damit zu erklären, ist mehr als gewagt. Wir würden das in Bezug auf menschliche Gesellschaften nicht mehr durchgehen lassen, glaube ich. Aber wenn es um Männer und Frauen geht, wo wir ja alle einen Hausschatz von Dönekens zur Verfügung haben, greifen wir gern auf so schlichte Erklärungen zurück. Aber stimmt es?

Great sheaves of academic papers, says Cameron, show that the language skills of men and women are almost identical. Indeed, the central tenets of the Mars and Venus culture – that women talk more than men, that men are more direct, that women are more verbally skilled – can all be debunked by scientific research. A recent study in the American journal Science, for instance, found men and women speak almost exactly the same number of words a day: 16,000.

Warum also, wenn die Fakten so sind, werden diese Erklärungen trotzdem gern geglaubt? Es ist leichter, meint Cameron, Konflikte auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen als auf echte Probleme, die man dann lösen muß. Oder man müßte akzeptieren, daß man sich nicht einig ist. Da haben Venus-Mars-Theorien etwas Beruhigendes.

“There has been a revolution in gender politics – there is much more blurring between the roles of men and women – and I think a lot of men and women are uneasy about that. Books like Mars and Venus tell us that although men and women may be very similar on the outside, we are profoundly different on a deeper level – that we’re ‘hard-wired’ differently.”

Also, es lohnt sich vielleicht, diesen Artikel zu lesen, auch wenn man Camerons Buch nicht lesen mag, wenn man, wie ich, von diesen Theorien die Nase voll hat, die die Welt so einfach und unveränderlich und übersichtlich machen.

Oh, der Kerl mit der Keule kommt wieder, ich muß das erlegte Zebra kochen und ihm den Pelz lausen…

Qassam-Ticker Juli 23, 2007, 20:08

Posted by Lila in Rat und Tat.
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Die kleine Anastasia hatte heute einen tüchtigen, braven Schutzengel. Statt zu schlafen, hat sie geweint, und die Mutter hat sie aus dem Bettchen geholt und mit ins Wohnzimmer genommen. Minuten später fiel die Qassam-Rakete ins Kinderzimmer. Das Baby ist nur leicht verletzt, Mutter und Großmutter erlitten einen Schock. Das Bettchen ist hinüber.

anastasia.jpg

Ratschlag bitte! März 9, 2007, 19:07

Posted by Lila in Rat und Tat.
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Nach nur fünf Jahren ist unsere Waschmaschine kaputt – ob der Techniker sie reparieren kann, werden wir Sonntag sehen. Wir haben sie von meiner Mutter bekommen, eine Maschine von Bosch, sollte eigentlich halten. Aber das dramatisch harte israelische Wasser hat ihr wohl zugesetzt (obwohl wir so einen Wasserenthärter-Vorsatz benutzen und ich regelmäßig mit Zitronensäure entkalke). Noch wissen wir nicht, ob es nötig sein wird – aber ich würde mich über ein paar Tips zum Waschmaschinenkauf freuen. Wir waschen täglich 3 bis 4 Maschinen Wäsche (a 7 kg), haben kein Geld für eine Miele (die hier sowieso unbezahlbar ist) und ohne Waschmaschine sind wir auf-ge-schmissen!

Komisch, so alle paar Jahre geht auf einmal alles gleichzeitig kaputt. Als hätten eines Nachts, vielleicht während der Mondfinsternis?, alle Apparate einander zugeflüstert: wir machen sie fertig, komm, gib du den Geist am Montag auf, dann ich am Dienstag und der DVD Mittwoch….

Schützt die Mädchen November 16, 2006, 18:39

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Kunst, Rat und Tat.
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und auch die Jungens. Vorhin kam mein Mann von der Arbeit, und ich sah sofort, daß er schlechte Nachrichten hat. „L. ist im Krankenhaus, totaler Zusammenbruch“. Oh nein. Wir wußten, daß das kommt, es war vorauszusehen, aber daß es nun wirklich eingetroffen ist….

L. ist Anfang 20, und ihre Eltern gehören zu den nettesten Leuten des Kibbuz: die Mutter eine bekannte Künstlerin, eine sensible und stets freundliche Frau, der Vater Schulpsychologe, Erziehungsberater und Sportler. Beides charismatische Menschen. Sie haben drei Kinder: zwei Söhne und, als mittleres Kind, L. Sie wird so um die zwölf gewesen sein, als die Magersucht anfing. Ich arbeitete damals mit der Mutter und erinnere mich gut an ihre Sorge, aber auch die Hoffnung. Der Vater, als Psychologe, kannte natürlich die beste Klinik und vermutlich gibt es kaum ein Wort in Artikeln und Büchern über Magersucht, das er nicht gelesen hat. Doch L. wurde nicht wieder gesund, trotz aller Anstrengung der gesamten Gemeinschaft. Ihr älterer Bruder heiratete und hat heute zwei kleine Kinder, der jüngere Bruder studiert, alle Freunde und Freundinnen aus ihrer Altersgruppe haben ihr Leben als Erwachsene begonnen. Doch L. ist nach wie vor im Kibbuz, nicht als Mitglied, sondern als Tochter, als Sonderfall, als Kranke. Sie arbeitet nicht mehr, obwohl ihr die Arbeit in einer Einrichtung für Kinder unter Anleitung einer Kindertherapeutin eine Zeitlang gut tat – da konnte sie sich um andere kümmern, und das hat sie wohl eine Zeitlang gehalten.

Unser Haus ist am Rand des Kibbuz. Unter unseren Fenstern führt der „Rundweg“ vorbei, der um den ganzen Kibbuz einen krummen Bogen schlägt. Auf der anderen Seite dieses Wegs breitet sich die Landschaft des Headerbilds aus, Wadis, Bäume, Wildschweine, Felder. Dort sehen wir L. endlos oft pro Tag marschieren. Sie guckt nicht rechts nicht links. Sie ist mager, daß ich sie nicht ohne Tränen sehen kann. Ihr Gesicht ist finster, ihre Haut wie Leder, nur ihr Zopf ist noch schön, dick, golden. Ihre Jeans schlottern.

Vor zwei Wochen fuhren wir aus dem Kibbuz, den Rundweg entlang. L. kam uns entgegen. Sie schenkte uns keinen Blick. Wir sahen mit Entsetzen, daß ihre mageren Arme und das Kinn ganz blutig waren. Sie ist hingefallen! Was machen wir? Sie würde es uns sehr übelnehmen, wenn wir anhielten und sie mit unserem Mitgefühl überfielen. Also riefen wir ihren älteren Bruder an, mit dem Y. beruflich zu tun hat. Y. sagte ihm Bescheid, in sachlichem Ton, als wäre das etwas Normales, daß eine junge Frau störrisch weiter um den Kibbuz stapft, obwohl ihr das Blut vom Kinn läuft. Der Bruder sagte nicht viel, ich glaube, er war dankbar, daß Y. so sachlich blieb. Am nächsten Tag, als sie wieder unter unserem Fenster vorbeilief, waren ihre Wunden verbunden.

Wenn ich an ihre Eltern denke, und was sie jetzt durchmachen, kann ich nur heulen. Ich weiß nicht, was mit L. geschieht, ob die Ärzte es schaffen, sie diesmal zu stabilisieren. Doch ich sehe schwarz für L. Sie ist seit über zehn Jahren schwer magersüchtig und alle Therapien der Welt haben nicht geholfen. Sie will nicht leben, das sehe ich ihrem Gesicht an, das strahlt sie einfach ab. Zu Anfang haben manche Leute im Kibbuz die „Schuld“ bei den Eltern gesucht, aber das war vollkommen abwegig. Alle Eltern sind normale Menschen und haben Macken, aber wie viele Kinder wären froh um solche Eltern wie L.s Eltern! Sie haben nichts falsch gemacht, obwohl ich mir sicher bin, daß sie viele schlaflose Nächte verbringen und sich fragen: wo hätten wir was anders machen sollen? Was wissen wir schon über Magersucht, wie sie entsteht und wie sie zu heilen ist? Die Zahlen der erkrankten Mädchen und Frauen steigen, und die Jungen und Männer holen auf.

Was können wir machen, wir, die Erwachsenen? Wir können aufhören, über unsere Figur zu jammern und jedes verlorene Kilo als Sieg, jedes zugenommene Pfund als Niederlage zu zelebrieren. Wir müssen protestieren, gegen die Diätindustrie, gegen bissige Bemerkungen über Dicke, wir müssen das Spektrum der Schönheit erweitern, bis es auch die Donna velata oder la Bella mit einschließt. Wenn ich im Unterricht diese wunderschönen Frauen zeige, ist die erste Reaktion der Studentinnen (wohlgemerkt der weiblichen, nicht der männlichen Studenten!) – „puh, die ist aber fett“. Einen anderen Standard gibt es nicht mehr. Die Dünnste ist die Schönste. Alles andere gilt nicht. Unsere Augen sind krank, wir sehen nichts anderes mehr.

Tizian, La Bella, 1536

Ich versuche dann immer, den StudentInnen zu erklären, daß es in einer lebenden Population eine Normalverteilung der Merkmale gibt – ob Schuhgröße, Gewicht oder Kopfumfang. Die Glockenkurve mag steiler oder flacher sein, aber meist schubsen sich die meisten Werte in der Mitte, und die extremeren Werte zu beiden Seiten sind seltener. Die jeweilige Reichweite der Merkmale sichert unser Überleben, mal sind die Bedingungen für Magere, mal für Pummelige besser. Ebenso wie die Merkmale sind die Auswahlkriterien für Partnerwahl verteilt. Wenn man eine Population von „vergebenen“ Frauen untersucht, werden auch dort dieselben Merkmale der Glockenkurve auftreten. Männer suchen nicht nur das magere Schlarett, es reicht sich umzusehen, um herauszufinden, daß nicht nur Frauen mit BMI unter 20 einen Partner finden. Daß aber Medien und Schönheitsindustrie die Vorbilder für Schönheit allein aus dieser allerflachsten Seite der Kurve nehmen, allein aus den extrem mageren Frauen, hat fatale Folgen für alle anderen. Es ist brutal.

Raphael, Donna velata, 1516

Neulich war ja so eine Umfrage, welche Frauen deutsche Männer attraktiv finden. Ich habe mit Erleichterung Frauen mit normalen Figuren auf den vorderen Plätzen gesehen. Den wirklich Magersüchtigen geht es auch nicht partout um Attraktivität oder Partnersuche – eine junge Frau wie L. läßt keinen Mann an sich heran, sie ist viel zu beschäftigt mit sich selbst, und jede Sorge um sie, jede Annäherung weist sie ab. Das Problem ist komplizierter, ich weiß.

Aber im alltäglichen Leben müssen wir umdenken, müssen wir den Mädchen andere Werte vermitteln als „Sei dünn, sei dünn, sei noch dünner“. Ja, den Jungens auch, aber Jungens sind doch diesen grausamen Maßstäben nicht unterworfen, wenn meine schlampigen Kibbuzniks auch nicht repräsentativ sind… bei uns gibt es noch kaum Markensnobismus oder Coolness-Wettbewerb. Die Jungens laufen in Sportsachen rum und fertig. Die Mädchen auch – doch selbst meine magere Tertia (die als ehemaliges Frühchen immer untergewichtig war und es noch immer ist) kam mal in die Küche geschlichen und meinte, „Mama, alle meine Freundinnen machen eine Diät, das will ich auch gerne“.

Habe ich richtig reagiert? Ich habe mein Erschrecken verborgen und herauszufinden versucht, wie sie auf diese Idee kommt, wer die Freundinnen sind, und was sie sich von einer Diät verspricht. Zu meinem Glück kam am selben Abend eine Sendung über Magersucht im Fernsehen, ein Geschenk des Himmels. Ich habe sie mit Tertia zusammen geguckt. Seitdem habe ich das Wort Diät nicht mehr von ihr gehört. Aber die Sorge, auch um anderleuts Kinder, ist immer da.

Es wird mal wieder Zeit Juli 28, 2006, 23:08

Posted by Lila in Rat und Tat.
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für ein bißchen zivilere Themen. Lange habe ich meine Leser nicht mehr mit einem Ausschnitt aus meiner Sammlung „Rat und Tat“ beglückt, meinen wunderbaren, unerschöpflichen Ratschlagsbüchern. Heute wieder einmal aus Elsa Veser-Duttis Klassiker „1000 Tips für die praktische Hausfrau“ von 1931, einem Buch, das meiner Oma gehört hat. Sie hat es mir geschenkt, als ich ein junges Mädchen war, damit ich mal sehe, wie schwer es die Frauen früher hatten.

Zum Einstieg (oder Wiedergewöhnen) also ein leichteres Thema, ein kosmetisches. Seite 231:

Haarpflege

Das beste und einfachste Mittel, das Haar zu waschen, ist folgendes: Man schabe gute, weiße Seife, koche sie unter Hizufügung von etwas Borax, und wasche mit der warmen, aber nicht heißen Lösung das Haar. Dann spüle man es mit warmem Wasser nach, bis der Seifenschaum entfernt ist. Nach dem Trocknen reibe man etwas Oliven- oder Klettenwurzelöl auf den Haarboden, was den Haarwuchs fördert und dem Haar Glanz verleiht. Die Brennschere ist zu vermeiden, ebenso kalte Duschen und Brausen. Auch minderwertige Öle und Pomaden haben schon manchen kräftigen Haarwuchs beeinträchtigt.

Oder: Zum Haarwaschen dient auch folgendes Mittel: 2 Eßlöffel Quillaja- oder Panamarinde koche man mit 1 Liter Wasser zusammen auf, lasse es so lange ziehen, bis die Brühe braun geworden ist, gieße dann die Flüssigkeit durch ein Tuch und verdünne sie mit warmem Wasser. Hierin wasche man gründlich Haarboden und Haar, spüle warm nach und trockne. Ist das Haar vollständig getrocknet, so reibe man den Haarboden mit etwas Olivenöl ein. Das Mittel ist vollkommen schadlos für den Haarboden.

Oder: Ein tadelloses Kopfwaschmittel ist ferner das in jeder Drogerie erhältliche Lavaren-Salz, von dem eine geringe Menge zum Waschen genügt. Das Haar wird vollkommen sauber, schön locker und glänzend.

Ein Wunder, daß die Leute sich überhaupt je zum Haarewaschen aufgerafft haben.

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