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Woran merke ich, Oktober 28, 2007, 20:43

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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daß meine Jüngste im dritten Schuljahr ist?

Daran, daß ich ihr die Mathe-Hausaufgaben nicht mehr erklären kann.

Y. ist noch bei der Armee (er hat die Nase total voll….), also erbarmt sich Primus und macht mit Quarta Mathe… Der Junge verdient sich die Duldermedaille in Gold mit Schwert und Sanduhr.

Groß, klein. Warm, kalt Oktober 27, 2007, 12:18

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Männer wegklicken, ist nichts für euch.

Als Teil der seltsamen Riten des Erwachsenwerdens stößt jede Frau auf die weitverbreitete Ratschlags“literatur“. Auch wenn man Frauenzeitschriften meidet, dringen in unsere Augen und Ohren die dringlichen Botschaften, daß unser natürliches Aussehen unbedingt verbessert werden muß. Schon als Mädchen, also zu Zeiten, in denen diese Ratschläge mir viel notwendiger vorkamen, habe ich mich gefragt: wieso müssen Frauen mit weit auseinanderstehenden Augen dieselben optisch näher zusammenmalen, die mit nah beieinanderstehenden sie optisch aber auseinandermalen?

(Falls noch ein Mann mitliest: das soll man mittels dunklem und hellem Lidschatten in ausgeklügelten Malereien bewerkstelligen.) (Weswegen die meisten Lidschatten im Zweierpack verkauft werden, die Industrie weiß warum.)

Wieso soll eine Frau mit großem Mund die Lippen klein malen, eine mit kleinem Mund ihn groß malen? Damit alle hinterher denselben durchschnittlichen Mund haben? Aber das funktioniert ja sowieso nicht. Ist es nicht schön, daß Münder verschieden sind?

Mir fiel das neulich ein, als ich mit Tertia einkaufen war – eine herrliche Fahrt übrigens, Bücher und weitere Schmuck-Materialien für ihre Werkstatt- das Geburtstagsgeld juckte wohl in der Tasche! Wir standen vor einem Fenster, wo fast gleich aussehende Lockenscheren und Glätteisen angeboten wurden. Tertia kicherte, ich auch. „Wie“, meinte sie, „wer Locken hat, will sie glatt haben, und wer glatt hat, will Locken?“ Ja, genau.

Das ist also die eine grundlegende Regel: erkenne Deine Abweichungen von der Norm, auch „Mängel“ oder „Schönheitsfehler“ oder „Problemzonen“ genannt, und behebe sie trickreich. Das ist die sogenannte negative Botschaft.

Die zweite grundlegende Regel wendet die Selbsterkenntnis dann ins Positive: erkenne die Farben, die dir stehen, und stimme dich darauf ab. Es gibt kaum einen Artikel über irgendein weibliches Thema, der dieses Themenfeld nicht erwähnt. Blasse Blondine mit blauen Augen? Blau, weiß, eventuell grau. Dunkelhäutige Brünette mit braunen Augen? Rot, gelb und alle warmen Farben.

(In Deutschland fiel mir eine Werbekampagne auf, war es für Nivea?, in der wohl in Drogerien goldfarbene und silberfarbene Tücher aushänge. Die soll frau sich vors Gesicht halten, sich im Spiegel angucken und urteilen, welches sie schön, lebendig und frisch aussehen läßt, und welches grabesreif, welk und untot. Dementsprechend kann frau sich dann mit den entsprechend schmeichelnden Farben ausstatten…falls sie nicht sowieso und immer grabesreif, welk und untot aussieht!)
Irgendwann hat ein gewitzter Mensch dieses warm-kalte Grundschema weiter abgewandelt und es in die Form der allgemein menschlichen, allzeit beliebten Struktur der Vier Jahreszeiten gepreßt (daher meine neuerliche Beschäftigung mit dem Thema, die 4J interessieren mich einfach so als Thema in Kunst, Kultur und analogem Denken, ich finde es faszinierend).

Obwohl die Farbschemata kaum Ähnlichkeit mit den Jahreszeiten selbst aufweisen (Sommer ist kalt – ???), werden sie von Verbraucherinnen anscheinend fraglos hingenommen. Irgendwann bin ich mal bei einer Feier einer solchen Farbberaterin in die Hände gefallen, und sie hat konstatiert, daß ich ein kalter Typ bin und kalte Farben tragen soll. Ich hatte gerade einen lila Pullover an und den fand sie genau richtig.

Aber was soll ich nur machen? Ich passe in kein Schema. Die eine Hälfte meines Kleiderschranks besteht aus kalten Farben – grau, schwarz, dunkles Violett, kaltes Grün. Die andere aus warmen Farben – braun, tomatenrot, olivgrün. Sämtliches Zubehör – alles in zwei Paletten vorhanden. Ich entscheide eben jeden Tag, ob ich kalt oder warm bin. Ich habe sogar mein Make-up in zwei Gruppen aufgeteilt, für die kaltfarbigen und warmfarbigen Tage.

Noch schlimmer: andere Frauen tun das auch. Ich sehe massenweise Frauen, die diese eisernen Regeln ignorieren, ihrem Instinkt folgen und sich in Farben wohlfühlen, die von jeder Farbberaterin als nicht von ein und derselben Frau tragbar erklärt werden. Und niemand wendet entsetzt die Augen ab.

Wie ich nun meine Tochter durch die Untiefen der Eisernen Regeln für die Gepflegte Frau schippern sehe und mich erinnere, wieviel hundertfach ich das ganze Zeug schon gesehen, gelesen, gehört habe – da kommt es mir noch viel lächerlicher vor als früher. Ein Vorteil des Älterwerdens: man verläßt sich mehr auf den eigenen Instinkt als auf die Eisernen Regeln.

(Diese Überlegungen gehören im weitesten Sinne zur Vorbereitung auf die Stunde über Farbtheorie, die ich bei meinen Kindergärtnerinnen halten werde – alle meine Kollegen würden vor Entsetzen in Ohnmacht fallen, daß ich nicht mit Goethe und Konsorten anfange, aber ich glaube, für dieses Publikum greife ich besser auf Themen aus der Alltagswelt zurück😉 )

Von Mäusen Oktober 23, 2007, 14:10

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Tom und Jerry  sind übrigens nicht aus dem Hause Walt Disney. Aber alles andere stimmt natürlich😉

Motive, Metaphern Oktober 23, 2007, 10:16

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Ich habe leichtsinnigerweise zugesagt, eine Reihe von vier Vorträgen zu halten, in einer Art Club, die Vortragsreihen anbieten. Dieses Halbjahr ist ihr Thema „Kunst und Natur“, und sie haben wirklich interessante Künstler, Bildhauer, Architekturhistoriker, was weiß ich alles eingeladen. Ich habe spontan, nachdem ich das Programm gesehen hatte, gesagt, ich mache mit, und zwar möchte ich jeden Vortrag einer anderen Landschaft widmen. (Nur Malerei und Photographie, denn die dreidimensionalen Künste sind schon durch andere Vortragende abgedeckt.) Ich möchte über die Wüste sprechen, das Meer, das Gebirge (und den Berg) und den Wald (und den Baum). Die Organisatorin meinte, das klingt interessant, und so war ich schwupps, verpflichtet.

Nun ist es das eine, so eine Vortragsreihe vor dem inneren Auge auftauchen zu sehen – mir schwebte schon irgendwas vor. Aber das dann auch wirklich umzusetzen war eine HEI-denarbeit, die mir gerade noch gefehlt hat! Noch dazu war der erste Vortrag über die Wüste, ein Thema, das mich vorher noch nie interessiert hat. Ich habe erstmal eine Unmenge von Stoff gesammelt – wirklich, mein Merkspruch stimmt, auch wer nur ein Löffelchen verfüttern will, muß trotzdem den ganzen Eintopf kochen. Ich habe letztendlich nicht mal ein Viertel der gesammelten Bilder auch gezeigt. Aber aus der Masse ergeben sich dann die Motive, die Einsichten, die Ideen. Keine Abkürzungen möglich. Das destilliert sich dann.

Die Grundthemen waren dann die Geschichte der Hagar und der Auszug der Kinder Israels (Wüste als Gegenpol zur bewohnbaren Welt, Wüste als Prüfung und Exil, Wüste als Vorbereitung und Reinigungl), diverse Wüstenheilige (Wüste als Rückzugsort, Ort der Askese und Visionen, Ort der Umkehr, Einsicht und Weisheit), Orientalismus (Wüste, Kamel und Araber als Orte unberührter Authenzität, leere Projektionsfläche und extreme menschliche Erfahrung – das ging bis zu Bildern von Peter O´Toole als Lawrence of Arabia), Surrealismus (Wüste als Metapher des Unbewußten und Projektionsfläche für Fata Morganas aller Art) und schließlich Heimat-Kunst (Regionalismus, Sandmalerei der Navajos bis Jackson Pollock in den USA, Traummalerei in Australien, Wüstenbilder aus Afrika). Abgeschlossen habe ich mit einem Kibbuzniks aus dem Negev, der in der Wüste malt.

Das war interessanter, als ich selbst gedacht hätte, und ich bin schon mal gespannt, was ich aus  den anderen Themen raushole. Wäre ich  ein bißchen karrierebewußter, würde ich da einen Artikel oder sowas draus schnitzen. Aber irgendwie wird daraus nie was. Ich vergesse schnell, wie viel Arbeit es war und was ich alles dabei gelernt habe, und schon muß ich mich an die nächste Arbeit setzen. Aber die Idee, das Thema Landschaft mal so aufzufächern, die ist eigentlich nicht schlecht. Ich denke mir, ich bin nicht die erste, die auf die Idee gekommen ist (Simon Schama hat so über Wälder geschrieben, Robert Rosenblum über Berge und Bäume). Aber ich arbeite eigentlich am liebsten mit den Bildern selbst, sehe sie mir in Abfolge immer und immer wieder an, bis ich verstehe, was ich sehe.

Übrigens habe ich keine Ahnung, was das zuhörende Publikum wirklich denkt. Während eines Vortrags sind immer alle aufmerksam. Aber wie viel hängen bleibt und wie überzeugend meine Ableitungen sind, das weiß der liebe Himmel. Verrückt eigentlich, daß man für so ein Luftgeschäft auch noch bezahlt wird, denke ich manchmal.

20. Oktober Oktober 21, 2007, 1:08

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ist unser Hochzeitstag. Was für ein Zufall, daß wir uns kennengelernt haben! Fast hätten wir uns verpaßt. Ist das schön, verheiratet zu sein, so spießig-gemütlich sich das anhört… und es ist doch eigentlich eher ein Abenteuer. Wenn auch weniger anstrengend als Single-Abenteuer.

Ich höre in letzter Zeit von Single-Freundinnen so viele Horrorgeschichten, die Partnersuche in Zeiten des Internets ist nicht leichter geworden, sondern ein ganz zynisches Ruck-Zuck-Auswahlverfahren. So wie Curt Goetz, war er das?, bei Carl Zuckmayer die Küken-Auswahl schildert, unter den Bürzel geguckt und sortiert.

Meine Freundinnen sagen, so geht das zu. Die Auswahl scheint unendlich, morgen wird der Richtige schon erscheinen, warum heute Zeit mit einem Stiesel verbringen, auch wenn er halbwegs nette Mails oder SMS schickte? Einerseits finden sie es gräßlich, wegen ihres Aussehens sofort ausgebürzelt zu werden, andererseits machen sie es selbst genauso. (Oh, in der ZEIT ist dazu eine ganze Serie, habe sie nur überflogen und mag sie deswegen nicht verlinken – fiel mir nur so ins Auge.)

Y. und ich haben uns kennengelernt, bevor wir noch in das Alter kamen, in dem man zu Hilfsmitteln greift. Wir waren beide in mehr oder weniger festen Händen, als wir uns kennenlernten, und waren beide überhaupt nie in der Situation, daß wir jemanden gesucht haben und nicht wußten, wie oder wo oder wen. Das ist Anfang 20 alles gar kein Thema. Wir lernten uns kennen, hatten das Gefühl, das war´s – und das war´s.

Wenn ich mir das jetzt so überlege, würde ich auch sagen, wir waren recht hurtig mit unserem Entschluß, zu heiraten. Für zwei traumatisierte Scheidungskinder, die immer verkündet hatten, sie wollten nie heiraten, haben wir uns in Windeseile besonnen und uns an das Endlos-Projekt „transnational heiraten“ begeben.

Es hat dann noch fast ein Jahr gedauert, bis wir wirklich die Ringe kaufen konnten – hab ich doch schon öfter erzählt, wie die Juweliers-Verkäuferin uns anstarrte, weil wir Englisch sprachen. „Ja ist Ihr Verlobter en Engländer?“, fragte sie in diesem herrlichen rheinischen Singsang. „Nein, ein Israeli“. Und sie, mit großen Augen: „DAS ist der Israeli? oh, wir haben Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen und uns gefragt… Gabi, komm doch mal, hier ist der Israeli!“ Und sie staunten ihn an. „DEN“ Israeli.

Wir haben dann ganz einfache goldene Ringe genommen, und ich habe auch die deutsche Sitte, Namen und Hochzeitstag eingravieren zu lassen, übernommen – auch wenn das in Israel gar nicht üblich ist. (Ist sogar unerwünscht, Gravierungen im Ehering, glaube ich). Aber ich habe als Kind gern die Eheringe meiner Eltern angeguckt, und tatsächlich, auch meine Kinder haben das alle gern gemacht und wie ich früher gerätselt, warum nicht jeder seinen eigenen Namen am Finger trägt. Wenn wir die Ringe abnehmen, was wir selten tun, sieht man, wo sie hingehören. Wir können sie also gar nicht richtig abnehmen, unsere Finger sind auch ohne Ring beringt.

Tja, ich weiß also gar nicht, wie das ist, partnerlos, partnersuchend zu sein. Ich kann es darum nur schlecht nachvollziehen. Aber ich gehöre auch nicht zu den Leuten, hoffe ich zumindest!, die nur ihren eigenen Lebensstil für Einzig Wahr und Richtig halten und alles andere für irgendwie minderwertig…

Für mich sind meine partnerlosen Freundinnen vollwertige Personen, ich bewundere, wie sie ihr Leben allein meistern, und übe mich immer ein bißchen in Selbstzweifel, wenn ich vergleiche. Die schaffen was, wovon ich nicht weiß, ob ich es könnte. Und das muß auch schön sein, zu fühlen, daß man selbständig ist und zurechtkommt. Nicht als Teil eines Paars, sondern allein. (Ich fühle ihren Ärger mit, wenn sie von Ehefrauen dann sofort des Männerraubs verdächtigt werden – auch für Geschiedene und Witwen ein trauriges Kapitel, wenn die verheirateten Freundinnen sich auf einmal zurückziehen!)

Meine Freundinnen also fragen sich, „hmm, wäre ich überhaupt imstande, mit jemandem zusammenzuleben, wo ich doch schon Ende 30 bin und allein eigentlich immer gut zurechtgekommen bin?“, und ich frage mich, „hmm, wäre ich überhaupt imstande, allein zurechtzukommen, wo ich doch schon fast Mitte 40 bin und eigentlich seit 20 Jahren mit jemandem zusammenlebe?“ Und dann versichern wir einander, „das könntest du schon, da bin ich mir sicher – wenn ich das kann, kannst du es auch“.

Obwohl ich meine Freundinnen bewundere, und interessanterweise habe ich eine ganze Batterie alleinstehender Powerfrauen, die seit vielen Jahren meine Freundinnen sind!, möchte ich doch nicht mit ihnen tauschen. Mir gefällt das Leben als gebundene Frau. Mir gefällt, daß ich Teil eines Paars bin, zu jemandem gehöre, der mich akzeptiert, auch wo mir selbst das Akzeptieren schwerfällt, und dem es wiederum gefällt, mit mir zu leben. Das kommt mir zwar seltsam vor, aber Y. lacht mich aus und meint, alle Frauen sind schwierig, und ich soll mir nicht einbilden, schwieriger zu sein als alle anderen.

Und was würde ich, wenn jemand so leichtfertig wäre und mich um Rat fragte, als unverzichtbare Bedingungen für eine stabile Ehe bzw Langzeit-Partnerschaft nennen? Nichts Originelles. Von sich selbst mehr verlangen als vom anderen. Sich für den anderen interessieren. Den anderen niemals einfach so hinnehmen wie eine Tapete, an die man sich gewöhnt hat. Die Fehler des anderen nicht zu wichtig nehmen. Kritik annehmen lernen, so wie sie gemeint ist: nicht als Ablehnung, sondern als kleine, liebevolle Hilfe bei der Selbstkorrektur. Auch mal eine Pause voneinander machen. Er mit den Kopfhörern und Musik, ich mit einem Buch oder dem Blog. Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Liebe – bemerken, wie es dem anderen gerade geht, ihm ein gutes Wort geben. Nicht nachtragen und nicht nachkarten.

Und am wichtigsten für mich: ich kann immer noch über Y.s Witze lachen. Ich finde ihn einfach sehr, sehr witzig – und ich weiß, wenn ich ihn bei guter Laune halte, dann habe ich auch mehr zu lachen. Das ist ein Perpetuum mobile. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich ihn sehe. Und ich hoffe, das geht noch viele Jahre so weiter. Sehr lang ist so ein Menschenleben nicht, und ich bin dankbar für die vielen guten Jahre, die wir bisher zusammen hatten.

Stadtporträt Oktober 19, 2007, 14:21

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von Haifa. Lesenswert. Ich bin zwar keine „Chefa-it“, sondern für mich Landpomeranze ist Haifa einfach die nächste große Stadt – aber wenn es eine Stadt in Israel gibt, in der ich mich wohlfühle, ist das Haifa. Gestern war ich im Downtown-Viertel Hadar, wo ich früher sehr oft war – in den letzten Jahren seltener, Stadt zieht mich weniger an und ich bin öfter in den oberen Stadtzentren. Das ist eigentlich schade, denn gerade diese leicht bis schwer heruntergekommenen Viertel sind interessant. Die verschiedenen Täler und Wadis, in denen sich ganz eigene Populationen zusammenfinden. Die Ladenschilder in verschiedenen Sprachen, russisch, arabisch, englisch, hebräisch. Der schöne bewaldete Berg mit der wunderbaren Aussicht bis in den Libanon – oder bis runter weit ins Zentrum von Israel. Das dörfliche Hinterland einerseits, die Industrie-Vororte am Meer andererseits. Die weit geschwungene Bucht, die vielen Schiffe, die sich langsam übers Meer schieben. Haifa ist rauh, verwinkelt, verwirrend, bunt. Krumme alte Moscheen neben seltsam geformten Hochhäusern. Die German Colony mit ihren gepflegten Steinhäusern und guten Restaurants, auf dem Weg zum Meer – die breite Straße runter vom Bahai-Garten ans Meer.

Eine Freundin hat uns mal auf der Yacht ihres Vaters mitgenommen, so daß wir Haifa vom Meer aus sehen konnten. Das war schön. Ich träum schon seit Jahren davon, mal mit dem Schiff anzureisen. Flugreisen geben einem gar keinen richtigen Begriff von den Entfernungen, die man zurücklegt.

Update Oktober 18, 2007, 17:38

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zum Thema herzkranke Kinder, das ich neulich mal erwähnt hatte. Zwei Kinder sind in Holon operiert worden. Ich hoffe, sie erholen sich bald. Und ich wünschte, es gäbe mehr Leute wie diese Ärzte und die Organisatoren dieser Aktion (Save a Child´s  Heart). Dann wäre die Welt wirklich ein besserer Ort.

Die guten Zeiten zum Bloggen… Oktober 17, 2007, 17:38

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…sind fürs erste wieder vorüber. Die hektischen Wochen mit der Nase im Computer, in denen ich den Semesteranfang vorbereite, aber immer zwischendurch mal eine halbe Stunde für einen schnellen Eintrag oder eine Antwort auf einen Kommentar habe (oder mir nehme…), die sind erstmal wieder vorbei.

Jetzt sind die hektischen Wochen dran, in denen ich jede Menge neuer Gesichter lernen muß (ich schreibe mir nach jeder Stunde die Namen auf, die ich mir gemerkt habe, mit einer kleinen physiognomischen Skizze…), und wieder mit Erstaunen feststelle, wie Recht doch die Gestalttheorie hatte: jede Klasse, jede Gruppe von Zuhörern ist mehr als nur die Summe ihrer Einzelmitglieder. Die Größe der Gruppe, ihre inneren Beziehungen, der Raum, das Thema, das alles kommt noch hinzu. Und dann etwas Undefinierbares. So eine Art ruach kvutza, Geist der Gruppe, oder Atmosphäre.

Ich stelle mich auf alle ein, passe meine Pläne für die nächsten Wochen an – da kann ich das Tempo anziehen, bei denen muß ich drosseln. Ich bin wieder mehr unterwegs – obwohl ich nach wie vor nicht die ganze Woche arbeite, und dann auch nicht von morgens bis abends. Hier ein Häppchen, da ein Häppchen. Eigentlich ein schönes Leben.

Draußen vor meinem Fenster wird es langsam Herbst – ich mag das und freue mich über jedes kühle Windchen, über jede Wolke, über jede Hoffnung auf den ersten Regenschauer. Ich mag es auch, daß die Tage kürzer werden.
Wir haben eine kleine Straßenkatze adoptiert, erstaunlicherweise ist das Tierchen stubenrein, lieb und geradezu wohlerzogen. Es muß sie jemand ausgesetzt haben – sie hatte eindeutig kein Zuhause, hat sich hier aber sofort zurechtgefunden. Die Kinder haben den Kleinen Leonardo genannt, Leo paßt ja zu Lutz, und sie sind beide schwarz – aber Kater Lutz ist keineswegs bereit, Leo in seine Pfoten zu schließen. Und Mini wendet nur schockiert die Augen ab – schon wieder so ein vulgärer Eindringling! Ihre Menschen haben den Verstand komplett verloren!

Wir werden ihn morgen von einem Tierarzt untersuchen lassen, impfen lassen und ihm dann ein neues Zuhause suchen, damit Mini und Lutz nicht schwermütig werden.  Ich habe schon ein Nachbarsehepaar im Auge, die für den Mann, nach einem Schlaganfall, ein Haustier suchen. Sie sind Katzenfreunde, und Quarta könnte Leo dort auch besuchen… mal sehen.

Am letzten Wochenende waren wir bei sehr guten Freunden, Studienfreunden von Y. Wir sind eine Gruppe von vier Familien, kennen uns seit über 15 Jahren und treffen uns alle paar Monate. Meist bei der ältesten Familie, in einem Kibbuz am See Genezareth. Wir schleppen Mengen von Essen ran, tauschen Rezepte aus, unsere Kinder wachsen heran, die Männer erinnern sich an vergangene Zeiten… das sind immer schöne Treffen. Gerade weil man sich nicht dauernd sieht. Wir haben alle Kibbuz-Hintergrund – im Vergleich sieht man auch, wie sich unsere Kibbuzim gewandelt haben. Ich freue mich schon auf das nächste Mal.

So, morgen steht mir wieder ein neuer Tag vor neuem, unbekanntem Publikum bevor. Die erste Stunde eines Kurses über die Renaissance.  Morgen  also rede ich über die Grundlagen der Renaissance, zeige den Zusammenhang mit der Antike, aber auch die Kontinuität mit dem Mittelalter. Ich habe mich entschlossen, mit der Malerei anzufangen – die läßt sich leichter zeigen als Architektur oder Skulptur, die ja immer einen viel größeren Sprung der Vorstellungskraft erfordern. Die bewahre ich mir also für später auf. Außerdem sind gerade die originären Leistungen der Renaissance in der Malerei am deutlichsten sichtbar, weil dafür antike Vorbilder fehlen – Pompeji war ja damals noch nicht ausgegraben. Die Maler mußten sich also selbst ihre klassischen Ideale schaffen.

Komisch, jedesmal, wenn ich Renaissance unterrichte, wie auch beim Thema Impressionismus, denke ich: nun, jeder liebt die Renaissance, kann ich ihr denn nicht widerstehen? Ist mir das nicht zu harmonisch, zu ideal, zu ausgewogen, zu intellektuell-allegorisch-neuplatonisch? Und jedesmal werfe ich mich dem bestrickenden Reiz, um dieses Klischee bis zu Ende zu bedienen, der Botticellischen Linien, der sanften Hälse von Filippo Lippi, der reinen Umrisse von Piero della Francesca und des milden Lichts von Ghirlandaio in die Arme…

Noch schlimmer wird es bei den allseits beliebten Madonnen von Raphael, deren Schönheit mich immer an die Experimente erinnert, in denen das Wesen der Schönheit psychologisch ergründet werden soll. Zu diesem Behufe überblenden die Forscher ein Bild nach dem anderen – und je mehr Bilder überblendet werden, je durchschnittlicher und allgemeiner das Gesicht wird, das da entsteht – je perfekter sich die jeweiligen individuellen Unvollkommenheiten gegenseitig aufheben — desto schöner wird das Gesicht empfunden. So empfinde ich auch Raphaels Madonnen – jede Unregelmäßigkeit ist aufgehoben, sie sehen alle aus wie Frauen, die nie die Stimme, ja nicht mal die Augenbraue heben, sondern in schönem Gleichmaß durch die Welt wandeln.

Dabei ist die Raphaelsche Welt so schön, seine Landschaften im Hintergrund sind so wunderbar, daß ich am liebsten die Madonna mal für einen Moment wegschicken würde, um die Landschaft einfach genießen zu können. Sie sitzt mir im Weg… Doch Raphael schenkt uns nur kurze Ausblicke auf diese Welt, wir sind wie Alice, die durch ein Türchen gucken muß, durch das sie nicht durchpaßt.

Aber egal wie ich mich wappne – schon nach kürzester Zeit lächele ich diese perfekten Madonnen versonnen an und merke, wie mein Blutdruck, Herzschlag und Atmung in seliges Nirvana taumeln. Ich gebe es auf. Renaissance, du hast gewonnen. Himmlische Schönheit, ich tue Abbitte. Irgendwas weht in dieser Kunst – und wenn alle sie lieben, dann haben eben alle Recht.  (Dasselbe gilt für Monet – wie ich auch versuche, den allzu beliebten Seerosen zu widerstehen, ich versinke auch hier im dämmernden Grünblau… da ist nichts zu machen.)

Und noch mehr Deutschland in israelischen Medien Oktober 15, 2007, 21:20

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ein Deutscher als Vermittler – Ernst Uhrlau.

Hoffentlich geht das irgendwie weiter – vielleicht kommt es ja zu noch mehr Austausch-Aktionen?

Und: Angela Merkel. Ich hätte nie gedacht, daß die mir so gut gefallen würde. (Wie lächerlich kommt einem im Rückblick der idiotische Spot „kann die dat?“ vor…)

Arbeit, Arbeit Oktober 15, 2007, 21:17

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Gestern war das erste Treffen mit den Kindergärtnerinnen – vielleicht erinnert sich jemand, ich habe angefangen, an zwei Fortbildungsstätten für Pädagogen zu arbeiten. Die Fortbildung für Kindergärtnerinnen mache ich zusammen mit einer kunstbegeisterten ehemaligen Kindergärtnerin, die einen M.A. in Früherziehung hat und nun eine Art Schulrätin, nur eben für Kindergärten ist. Wir verstehen uns gut, sie und ich, haben ähnliche Ideen, die wir von verschiedenen Seiten aus angehen – und die erste Stunde war puuuh, anstrengend. Die Kindergärtnerinnen kommen nach einem langen Arbeitstag und es ist genau die Nachmittagsstunde, wenn man eigentlich nur noch mit einem Kaffee pausieren möchte… Statt dessen werden sie bei uns mit anspruchsvollem Material konfrontiert.

Ich habe sofort gemerkt, daß die über 30 Frauen, die mir gegenübersitzen, in Grüppchen zerfallen, die sich kennen – sie haben wohl jahrelang zusammen Kurse in diesem Fortbildungszentrum gemacht, sind befreundet. Viele waren begeistert, daß sie eine relativ gründliche Einführung in kunsthistorische Grundbegriffe bekommen werden, damit sie nicht nur auf fertige Arbeitsmappen oder Ideen aus Büchern zurückgreifen müssen – aber ich habe sofort gespürt, daß hinten links drei Freundinnen saßen, die total enttäuscht waren und sich was ganz anderes vorgestellt hatten.

Das Konzept sieht so aus, daß ich die ersten zwei Stunden unterrichte, eben diese Grundbegriffe, und danach meine Kollegin eine Stunde praktische Ideen liefert. Von den praktischen Ideen meiner Kollegin waren alle total begeistert, von mir einige sehr, andere wohl nicht. Ich habe Spaß, wenn ich herausgefordert werde – ich hatte gestern großen Spaß und freue mich auf das Semester. Aber ein Publikum, das bisher gewöhnt war, in Fortbildungskursen zum Thema Kunst auszuschneiden, aufzukleben und nur praktische Tips zu kriegen, auf einmal mit abstrakten Begriffen zu konfrontieren – und das viele Jahre nach dem Studium – das reißt nun mal nicht alle vom Stühlchen.

Aber es bedeutet, daß ich mich einfach anstrengen muß, um meine Sachen wirklich gut zu verkaufen, um interessant und relevant und verständlich zu bleiben. Ich habe gestern mein Bestes getan, aber es war vielleicht doch nicht gut genug. Zumindest für mich nicht. Mal sehen, wie es nächstes Mal wird – ich gebe diese Serie ja in zwei verschiedenen Zentren, und ich bin gespannt, ob in der Großstadt die Atmosphäre anders ist als in der Kleinstadt, in der ich gestern war.

Hinterher kam übrigens eine Frau vom Schulamt, wie meine Kollegin eine Art supervisor für Kindergärten (mefakachat), und meinte, „ihr habt ein tolles Konzept, das hat uns hier schon seit Jahren gefehlt“. Wir haben also den ausdrücklichen Segen von oben – nur das Publikum müssen wir noch überzeugen.
Jeder Tag dieser und der nächsten Woche bringt mir Neues, das akademische Jahr fängt an und wie jedes Jahr habe ich viele neue Projekte. Jeden Tag bin woanders, muß mich auf anderes Publikum einrichten. Ich mach das sehr gern. Aber anstrengend ist es.

PS: Da kommt gerade eine Mail von der Kollegin. Sie ist begeistert, daß sie mich gefunden hat – genau, was sie gesucht hat und ich auch. Mir scheint, das wird gut weitergehen.

Wahlabend Oktober 12, 2007, 22:10

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Heute abend war ich mal mal wieder im Wahlausschuß. Das letzte Mal, so vor zwei, drei Wochen, habe ich gar nichts davon erzählt, dabei war es die hochdramatische Entscheidung zur Frage, Struktur des Kibbuz ändern oder nicht. Nicht Privatisierung, aber so ein Modell nichtFisch-nichtVogel. Knapp-knapp hat die Mehrheit wieder nicht gereicht – es muß eine Mehrheit von 75% für so eine bedeutsame Entscheidung geben, sonst kommt sie nicht durch. Die Auszählung war wieder, wie im Frühjahr, sehr spannungsgeladen. Alle dachten, es geht durch, aber acht Stimmen fehlten an der Mehrheit.

Aber heute war nicht so eine schicksalhafte Wahl. Es wurde eine neue Vorsitzende für den Erziehungsauschuß gewählt, zwei junge Frauen standen zur Wahl. Die vorherige war in meinem Alter gewesen (wir haben Kinder im selben Alter), jetzt ist die jüngere Generation dran. Ich finde, die Richtige ist gewählt worden, eine hochintelligente, engagierte Erzieherin, die ich näher kennengelernt habe, als sie studierte. Ich freue mich immer, wenn junge Leute, die so hohes Potential für alles mögliche haben, in einen Beruf gehen, der so wenig Geld und Prestige bringt wie frühkindliche Erziehung. Na ja, im Kibbuz ist das Prestige hoch, aber das Geld ist trotzdem wenig.

Um die andere Entscheidung, ob die Arbeit am Modell, das neulich wieder abgelehnt wurde, fortgesetzt werden soll. Natürlich haben alle dafür gestimmt. Ich erwarte, daß es demnächst noch einmal zur Wahl steht, mit ein paar Änderungen, und dann durchkommt.

Dann werden wir juristisch keine Chavrei kibbutz mehr sein, keine Kibbuzmitglieder. Ich weiß nicht, ob ich die einzige bin, der das leidtut. Selbst die ältere Frau, mit der ich heute an der Urne saß, und die eine feurige Gegnerin der ganzen Veränderungen ist, meinte, sie hat darüber noch nicht nachgedacht. Ich schon. Ich empfinde es als Ehre und Statssymbol, chaverat kibbutz zu sein, egal, ob andere Leute das doof finden oder nicht. Ich habe mich entschieden, im Kibbuz zu leben, und ich sage mit Stolz, daß ich Kibbuzmitglied bin. Das bedeutet mir etwas. Es hat auch Auswirkungen rechtlicher Art und sogar finanzielle Vorteile. Der Kibbuz schließt vorteilhafte Verträge mit Firmen, Läden und allen möglichen Einrichtungen ab. Wir kriegen in vielen Läden Prozente, wenn der Kibbuz ein guter Kunde ist. Ich habe Vorteile bei der Steuereinstufung. (Fragt mich bloß keine Einzelheiten!) Nicht zuletzt bin ich stolz, daß wir wählen und abstimmen. Obwohl: das soll auch so weitergehen, wenn wir nicht mehr Kibbuz sind, sondern Yishuv kehillati… und auch da werden Mitglieder reingewählt.

Jedesmal, wenn wir mit unseren Listen und unserer Urne und den Zetteln dasitzen, kommen Gäste aus den Ferienhäusern oder Gäste von Familien, meistens auch der Arzt des Kibbuz (der hier nur Toshav ist, also resident, wie heißt das auf Deutsch? na der wohnt bloß hier). Worüber wir abstimmen, wer Wahlrecht hat, wie das abläuft, und wie wir sichergehen, daß nicht gefudelt wird.

Wir sitzen immer zu zweit im Eingang vom Dining room, immer zwei Leute aus dem Wahlausschuß. Nur wir dürfen das, wenn ich zum Beispiel nicht kann, dann darf ich nicht Y. schicken. Meine Schwiegermutter schon, die ist nämlich auch im Ausschuß. Wir haben zwei Listen mit den Namen der Wahlberechtigten, also der formellen Mitglieder – ich habe immer von aleph bis lamed, mein Partner von mem bis tav. Wer seine Zettel in die Urne geschmissen hat, den streichen wir aus. Manchmal nehmen Leute die Wahlzettel mit, diskutieren erst mal an ihrem Tisch, bringen die Zettel dann zurück. Weil sie es manchmal auch vergessen, streichen wir sie immer erst aus, wenn sie wirklich gewählt haben.

Mittags ist die erste Öffnung der Urne, abends die zweite. Abends ist netter, weil festlicher, auch wenn es da länger dauert, weil wir zählen müssen. Jeweils anderthalb Stunden. Wir führen natürlich die Listen von mittags weiter. Manchmal fallen dann Fehler auf. So blieb Rafi bei uns stehen und erzählte uns was. Ich sage, „Rafi, du hast ja noch gar nicht gewählt!“ Er meint, „doch doch, da hat der Mordechai mich wohl nicht von der Liste gestrichen! streicht mich aus, ich habe gewählt“. Wir fragen hinterher den Leiter des Wahlausschusses, der die ganze Zeit in der Nähe herumstreicht, was wir nun machen sollen. Er ruft bei Mordechai an und fragt. Hat Rafi heute mittag bei dir abgestimmt? Ja, oh weh, tut mir leid!! Wir streichen Rafi von der Liste, der Leiter des Wahlausschusses schreibt es alles im Wahlprotokoll nieder.

Es muß alles seine Richtigkeit haben, sonst passiert es schon mal, daß sich Chaverim beschweren oder meinen, es wird gefudelt. Wenn jemand nicht abstimmen kann und jemand anders die Vollmacht gibt, muß das schriftlich vorliegen. Immer ein Gedöns. Alles muß von allen unterschrieben werden.

Pünktlich um acht machen wir die Liste zu und die Urne auf und fangen an zu zählen. Der Leiter des Wahlausschusses zählt auf spanisch, ich auf deutsch, eine Kollegin auf englisch, ein anderer auf russisch. Wir hatten schon die verrücktesten Zähl-Abende. Immerhin stört man sich nicht, wenn man in fremden Sprachen murmelt… Manchmal kommt es vor, daß Chaverim auf die Wahlzettel was draufschreiben, meist aus Protest. Das sind dann ungültige Zettel. Heute war einer dabei. Jemand hat auf den Zettel mit den zwei Namen geschrieben, es ist ihm egal.

Der Leiter des Wahlausschusses hilft aber nur. Wir als verantwortliche Mitglieder müssen letztendlich die Verantwortung für die Zahlen nehmen. Alles wird am Schwarzen Brett angeschlagen. Alle Unterlagen kommen in einen großen Umschlag. Erst nach drei Monaten wird der vernichtet – bis dahin können Chaverim verlangen, ihn zu öffnen, nachzuzählen.

Und immer, aber auch immer warten draußen Chaverim und fragen, nu, wie ist es ausgegangen? Machmal rufen mich sogar Leute an. So gespannt war ich noch nie auf ein Ergebnis…

Heute abend hatte ich es besonders nett, weil Quarta bei mir saß, Secundus in der Küche arbeitete und auch mein Schwager mit seiner Familie da war. Das ist ein schöner Job, nicht zu anstrengend, aber man weiß immer, was vorgeht. Und der halbe Kibbuz, den ich ja sonst nicht sehe, zieht an mir vorüber…

Was Israelis über Deutschland in der Zeitung lesen Oktober 12, 2007, 17:47

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In Haaretz. Jacques Schuster von der Welt über deutsche Kritik an den USA, deutsche Annäherung an Rußland und deutsche Distanz zum Westen.

Although Germans consider Russia anything but appealing, in comparison with the U.S., the Eastern empire doesn’t seem so bad at all. 

Caught in a whirlpool of outrage, Germans completely overlook Russian behavior. This summer, Vladimir Putin threatened more than once to launch his missiles on European cities. He warned that Russia’s ballistic rockets could soon be stationed in Kaliningrad, that is, „very close to Europe.“ 

Yet in 2003, 45 percent of Germans felt threatened by their most important ally, the U.S. Although that number has dropped since Angela Merkel became chancellor, a deep distrust and an ill- tempered suspicion remain.

A growing number of Germans oppose the U.S., gleefully observe the increasing rift between the two countries and react sullenly when someone reminds them of the U.S. role in Europe’s liberation. They are annoyed about Europe’s dependence on the U.S., while masking their own weakness as a moral strength. In their view, Germany is an island of virtue whose citizens know how to turn swords into ploughshares. 

A restless spirit is sweeping society. It drips with nostalgic longing for an alternative future in a different system of alliances, or – if everything else fails – on its own. Germany is de-Westernizing itself, in a creeping manner, but steadily. The more the past fades, the more its ghosts are rising. Fritz Stern, an expert on German history at Columbia University – who is anything but a neo-con – witnessed this trend in his recently published memoirs, where he wrote how „the revolt against ‚the West,‘ its alleged materialism and its so-called spiritual emptiness, coupled with a hegemonic arrogance, has spread.“ 

Germany’s foreign policy will become increasingly torn, unpredictable and full of a vociferous moral rigor. In 1877, Dostoyevsky wrote about „Germany, the protesting empire.“ May reason triumph, so that we need not have to remember his other, approving characterization of Germany: „Already from the first moment of its arrival in the historical world, the characteristic and major trait of this great, proud and special people was that it never wanted to unite with the Western world, neither in its destiny nor in its basic morals.“

Wie weit er das deutsche Stimmungsbild wiedergibt? Keine Ahnung. Das müßt Ihr mir schon sagen. Ich bin mal gespannt!

Einfach so Oktober 12, 2007, 16:06

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In Israel wird in manchen Schulen nach einem ganz interessanten Konzept Geschichte gelehrt. Es ist das Konzept der Brücken und der Inseln (gsharim ve-i´im גשרים ואיים). Manche Themen sind Brücken (gesher גשר) – man geht drüber, um woanders hin zu gelangen. Andere Themen sind Inseln(ii איי) – man bleibt länger drauf und erforscht sie.

Mir ist diese Metapher, die mir ein Geschichtslehrer mal erzählt hat, im Gedächtnis geblieben. Seitdem verwende ich sie oft, für mich selbst. Brücken und Inseln – es gibt Menschen, die Brücken sind. Man läßt sie schnell hinter sich – oder sie uns. Andere sind Inseln, auf denen man gern verweilt, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Themen, die immer wiederkehren in meinem Leben – Inseln. Andere, von denen ich erkenne: sie haben mich nur zeitweise interessiert, haben mich woanders hin geführt.

Das Schöne ist, daß man im Leben, im Gegensatz zum Geschichtsunterricht, oft nicht plant und nicht weiß, ob man gerade auf einer Insel oder einer Brücke ist. Na gut, manchmal ist es klar. Aber manchmal merkt man es erst hinterher, als ob man durch Nebel gegangen ist, der sich dann lichtet.

Ich liebe Inseln, ich glaube, das ist eine Ur-Liebe der Menschen. Wie enttäuschend fand ich das Ende von Jim Knopf, wenn das ganze Land auftaucht und Lummerland keine Insel mehr ist! Was für eine banale Lösung! Auch Brücken sind so eine menschliche Liebe – sie sind menschengemacht und verbinden die großen und kleinen Inseln, auf denen wir leben. Die Brücke von Mostar, die Seelandbrücke meiner Kindheit, Cäsars Brücke über den Rhein, die modernen riesigen Brücken in Griechenland und Dänemark, die Golden Gate Bridge, die Brücke in Oslo, auf der Munch schreit – Brücken haben Charakter. Wir bleiben nicht auf ihnen, aber wir erkennen sie.

Schade, daß ich diese Metapher nicht erfunden habe, die Brücken und die Inseln. Es ist so ein schönes Bild, immer in Bewegung, mal über Wasser, von dem man nicht weiß, was unter der Oberfläche liegt – mal auf einem unbekannten Stückchen Land, durch das man neugierig streift und das man immer besser kennenlernt. Im Laufe der Jahre erwirbt man sich dann eine innere Landschaft, die ein bißchen aussieht wie Finnland – nur daß man da noch kleine Brücken und Stege hinzudenken muß – und ins Unendliche dehnen sich die unbekannten Archipel, von denen wir nichts wissen.

Blödsinnig Oktober 11, 2007, 9:04

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Wann wird das Thema Mutterschaft (sieht ohne -t auch prima aus!) mal ohne das Tremolo in der Stimme abgehandelt?

Aber Hitler zum Trotz sei gesagt: Warum soll die Kindererziehung, die schwerste Arbeit, die in der Gesellschaft verrichtet wird, nicht wieder hochgehalten und geehrt werden?

So schreibt eine Juristin namens Tönnies in der FAZ, in einem Artikel, der von Blödsinn nur so wimmelt, aber ich bin mal gnädig (hab auch gar keine Zeit!) und picke mir nur diesen Satz raus.

Die schwerste Arbeit, die in der Gesellschaft verrichtet wird? Oha. Welch Superlativ. Ich glaube nicht, daß die mütterliche Kindererziehung die schwerste Arbeit ist. Sie ist schwer, aber sie ist auch befriedigend.

Sterbende Angehörige pflegen – das ist schwer. Anderleuts Kinder erziehen, unter Beschuß der sorgenden Eltern – das ist schwer. Jeden Tag anspruchsvolle Leute bedienen – das ist schwer. Kranken eine schlimme Diagnose mitteilen – das ist schwer. Einen kleinen Betrieb führen, der gegen die Großen kämpfen muß – das ist schwer. Eine Theorie entwickeln, die allen anderen widerspricht – das ist schwer.

Oh, es gibt viele schwere Arbeiten ohne Heiligenschein, ohne automatische Anerkennung. Da gibt es keinen Wettbewerb, keine Preise und keine Superlative. Das Leben ist überhaut ziemlich schwer, oder? Aber werden die anderen schweren Dinge anerkannt, mütterliche Mühen aber unter den Teppich gekehrt?

Mütterliche Erzieungsarbeit ist immer von der Umwelt gewürdigt worden, machen wir uns doch nichts vor. Die 68er haben auch Kinder gehabt und sie genossen und Bücher über Erziehung gelesen und wollten ihre Kinder glücklich sehen und sind mit ihnen verreist und haben sie nackig rumspringen lassen. Sie waren auch stolz auf ihre Kinder und haben das Beste für sie gewollt. Über das Wie kann man streiten, die Moden in der Kindererziehung wechseln…

Der immer wieder konstruierte Gegensatz NS-Zeit vs. 68er ist noch dazu historisch ungenau. Zwischen Mutterkreuz und Kinderladen schob sich nämlich eine hochinteressante Periode, ich würde sie die Würmeling-Phase nennen. Daß gegen die rebelliert wurde, ist recht verständlich. Wer ein Mutterideal favorisiert, das mit Erwerbstätigkeit nicht zu vereinen ist, sollte sich harmloserweise lieber mit Würmeling als mit Magda Goebbels schmücken. Würde ich mal so empfehlen.  Soo arm ist unsere deutsche Geschichte denn doch nicht, daß man nur die Wahl zwischen bösen 68ern und noch böseren Nazis hätte.

Aber es sind nicht die 68er und wohl auch nicht Würmeling oder Magda Goebbels, die den Eltern die Lust am Kinderkriegen ausgetrieben haben, sondern die zunehmende Schwierigkeit, in einen Lebenslauf all die Maximalforderungen zu stopfen, die im Umlauf sind: beruflicher Erfolg, erfüllte Partnerschaft, Wohlstand (Eigenheim, zwei Autos, Auslandsreisen muß doch sein!), und dann eben auch noch Kinder… Da läßt eben mancher etwas weg. Es können auch Kinder sein.

Meine kinderlosen Freundinnen sagen: „es hat irgendwie nie gepaßt, und dann war es zu spät“, „ich wollte keine Kinder“, „ich mag keine Kinder“ – in Variationen. Keine von ihnen hat gesagt, „Mutterschaft ist überholt, die 68er haben das deutlich gezeigt“ oder „ich bin grundsätzlich gegen Mutterschaft, weil sie mich versklaven würde“ oder anderen ideologischen Kram.

Nein, die Gründe für Kinderlosigkeit sind entweder persönlich oder biographisch, aber doch nicht ideologisch. Eine gesellschaftliche Ächtung der Mutterschaft hat es doch nie gegeben, das ist ein Hirngespinst. Aber stimmt es, daß das so schwer ist, diese Arbeit der Mutter?

Ja, es ist schwierig, man schläft nachts nicht, Impfen ist schrecklich, Trotzalter, Hausaufgaben, alles üble Sachen, die einem das Leben vergällen… ach wirklich? Eltern, sagt, bin ich die einzige, die sich durch ein Mamaliebdrücken und einen stolzen Blick auf die Blockflöten-Solistin mehr als entschädigt fühlen? Wenn doch nur jede schwierige Aufgabe in der Gesellschaft so vergolten würde…

Also, wenn ich was nicht leiden kann, dann ist es diese Heroisierung der Mütterlichkeit. Brrrrr. Und hätte ich noch keine Kinder, würde mich das vermutlich ziemlich abschrecken.

Hintergrund Oktober 11, 2007, 8:55

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zur Geschichte des akademischen Boykotts gegen Israel, und warum er nicht durchgekommen ist. Nicht etwa, weil die Initiatoren sich besonnen hätten. Sondern weil der Boykott gegen geltendes englisches Recht verstoßen hätte.

Die beiden britischen Akademiker, Hirsh und Pike, die gegen den Boykott am heftigsten gekämpft haben, werden nun in Haaretz interviewt. Hirsh ist Jude, Pike nicht.

„Even people who oppose Israel’s policies thought that the idea of the boycott was idiotic,“ says Pike in reply to a question about his participation in the campaign as a non-Jew. „My area of research in philosophy is the principles of justice, and this was clearly unjust. I thought it was important for non-Jews to voice their opinions aloud too.“

Das finde ich auch. Interessanterweise sind auch unter den Inititatoren des Boykotts Juden, die sich besonders energisch vom ungeliebten jüdischen Staat abgrenzen wollen.

Über die Diskussionskultur der Anti-Israel-Aktivisten:

Pike says that they threatened to sue him, called him „a Zionist scab“ and some even decided that he was actually Jewish. „Many people said that I was getting money from the Israeli embassy,“ he says, „which is really untrue. I lost friendships during this period. In previous discussions in the union they told me, ‚Jon, you’re wrong.‘ This time, they said, ‚Jon, you’re a liar,‘ and that’s a big difference.“ 

Im Kampf gegen Israel sind alle Mittel recht, persönliche Angriffe und Unterstellungen eingeschlossen.  Es geht nicht um Argumente oder Sachverhalte, sondern um Weltanschauung und moralische Überlegenheit. Kommt mir bekannt vor! Und zum Thema Boykott und antisemitische Motive:

Hirsh says he is not certain that the motivation of those who proposed the boycott was anti-Semitism, but he’s certain that the proposal itself is an anti-Semitic act.


„Boycotts against Jews have a very long history. You have to note the fact that nobody who proposed the boycott proposed boycotting American academia for the invasion of Iraq, Russians academia for the occupation of Chechnya, or Chinese academia for what is happening in Tibet. Using other, stricter standards towards Jews is a discriminatory and racist act.“ 

Auch wenn der Boykott also offiziell nicht durchgeführt werden kann – israelische Wissenschaftler stoßen häufiger in Europa auf gläserne Wände, hinter denen es nicht weitergeht.  Man kann nicht genau sagen, ob es nun der Name einer israelischen Uni im Lebenslauf ist oder ein akademischer Grund, weshalb ein Professor nicht eingeladen, ein Papier abgelehnt wird.

Wie es im Moment mit den weiteren Boykottaufrufen steht, dem der Journalisten und der Ärzte in Großbritannien, weiß ich nicht.  Die Briten haben uns wirklich auf dem Kieker. Wollen sie ihre moslemische Minderheit glücklich machen, ihre tief verwurzelten antisemitischen Traditionen pflegen oder juckt sie einfach so der Hafer?

Hirsh and Pike have no good answer to the question of why all this happened in Britain of all places. Anyone who has been keeping abreast of public opinion in Europe in recent years could have expected such an initiative in France or Spain, for example, where public opinion is much more belligerent toward Israel.

„I only have a feeling about that,“ says Hirsh, „which is based on things I heard at one of the conferences on the subject. Suddenly one of the participants got up and said, ‚how do the Israelis dare accuse us of anti-Semitism? After all, we saved them in the Holocaust.‘ The British, unlike other countries in Europe, have no history of collaboration with the Nazis during World War II, perhaps because they never had the opportunity. Therefore their consciences are clearer when it comes to Jews. On the other hand, there are many guilty feelings in Britain about the colonialist past and a feeling that Israel was established because of Britain. This feeling has only been reinforced in recent years in light of the present support of Israel by British and U.S. governments.“

Was natürlich mit der historischen Realität wenig zu tun hat. Aber wen kümmert das? Das britischen Mandat und die Beschränkung der Zahl der Einwanderer hatten den Tod vieler aus Europa geflüchteten Juden zur Folge. Auch in England gab es durchaus Sympathien für Hitler – was geschehen wäre, wenn Hitler den Engländern wirklich Zusammenarbeit oder einen Bund angeboten hätte, darüber kann man nur spekulieren. Aber sich jetzt als Retter der Juden aufzuspielen, dem Staat Israel die eigene dreckige Kolonialpolitik anzuhängen, obwohl Israel gegründet wurde, um Unrecht der Kolonialpolitik auszugleichen – das ist ein echter Knüller.

Auch wenn der Boykott abgeblasen ist – ein gutes Gefühl habe ich deswegen noch lange nicht.

Verblüfft Oktober 11, 2007, 8:37

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Aus bester Quelle habe ich soeben gehört, daß es in Deutschland Leute gibt, die die globale Erwärmung – dem Mossad in die Schuhe schieben. Logisch, nicht wahr? Mensch, wieso bin ich da nicht von allein drauf gekommen? Das ist wirklich mal eine einsichtige, in sich schlüssige Erklärung.

Ich mußte natürlich sofort nachgoogeln, ob es noch mehr Scharfsinnige gibt, die dieser Verbindung auf die Spur gekommen sind. Dabei stellte sich raus, daß der Mossad die Bin-Laden-Videos zu verantworten hat, den 11. September (was wir alle natürlich schon wußten) und noch alles mögliche andere. Wirklich, wieso mit einem so tüchtigen Geheimdienst ausgestattet, Israel nach wie vor so winzig ist und sich noch nicht gegen seine Feinde durchgesetzt hat, bleibt ein komplettes Rätsel.

Und die Klimaveränderung hat der Mossad nur darum in Gang gesetzt, um eine Ausrede für einen Angriff auf Iran zu konstruieren. War eine Kleinigkeit, wirklich.

Die (englischen) Quellen sind so trübe, daß ich darauf verzichte, sie zu verlinken. Ich würde nach ihrer Lektüre aber davon ausgehen, daß die steigenden Scheidungsraten, der Konsum von Drogen und Psychopharmaka, die vielen Verkehrsunfälle, das Verschwinden von Sitte und Moral bei der Jugend, die Vermehrung der Kriebelmücke in den Rurauen, die Ersetzung des Christkinds durch Santa Claus und des St. Martin durch Halloween, das unmögliche Fernsehprogramm und die Mode der Plateau-Absätze auf die Umtriebe des Mossads zurückzuführen sind. Eindeutig. Fleißig sind die Kerle wenigstens.

Keine Überraschungen Oktober 10, 2007, 18:48

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Egoload - Harmoniebedürftiger Idealist

via Sprechblase

Herz Oktober 10, 2007, 10:55

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Beim Ausbruch des Kriegs im letzten Sommer liefen hier in Rungholt alle Arten von Reaktionen ein. Eine Leserin, mir bis dahin als verständnisvolle, sympathische, gedankenvolle Frau bekannt, entsetzte mich zutiefst mit einem Angriff auf Israel, der mich fast vom Bloggen abgebracht hätte. Warum wir den Libanon angegriffen hätten, wann Israels brutale Landnahme-Politik und Geiselnahme der ganzen Region endlich aufhört, die ganze Litanei der anti-israelischen Propaganda prasselte auf mich nieder, während ich mir überlegen mußte, wo ich mit den Kindern hingehe, wenn die Raketen hier fallen, denn der Bunker ist zu weit weg. (Ihr werdet Euch erinnern: das Treppenhaus. Gut, daß in unserer Gegend nicht viel gefallen ist!) Das habe ich nicht vergessen. Viele Kommentare habe ich gelesen im Laufe der Jahre, viele vergessen – aber der Kommentar dieser Frau, der von wahrem Haß geschrieben war und uns als wahre Monster darstellte, bleibt mir unvegessen.

Sie schleuderte mir schließlich entgegen: wann wird Israel sich endlich menschlich den Arabern gegenüber betragen? Warum hat Israel kein Herz? Auch diese Frage ist mir geblieben, und ich versuche, wenn Israel sich menschlich den Arabern gegenüber zeigt, das auch zu erwähnen. Wenn palästinensische Opfer, zum Beispiel bei den Kämpfen von Fatah und Hamas, in unseren Krankenhäusern behandelt werden – wenn israelische Rettungsmannschaften auf der ganzen Welt dabei sind, nach Katastrophen zu helfen – wenn israelische Lastwagenfahrer ihr Leben aufs Spiel setzen, um Gaza mit Lebensmitteln und Medikamenten zu beliefern – wenn israelische Offiziere ein palästinensisches Kind retten, nachdem das Auto seiner Eltern von andren Palästinensern mit Steinen beworfen wurde – wenn wir täglichen Raketenbeschuß nicht mit einer Aktion a la Russe beantworten und ganze Wohngebiete dem Erdboden gleichmachen, sondern nur ein bißchen drohen und nach Monaten punktuell reagieren – dann erwähne ich das, weil ich weiß, daß es sonst niemand tut.

Man kann leicht zynisch sein und sagen, ach was, das zählt alles nicht. Tropfen auf dem heißen Stein, unwichtig. Es zählt aber doch. Die 40 irakischen Kinder, die unter einer Herzkrankheit leiden und nun in Holon behandelt werden – jedes von ihnen zählt, jedes von ihnen möchte leben, jedes von ihnen hat eine Familie, für die seine Gesundheit alles bedeutet. Zum Beispiel Mustafa.

One child who was screened Tuesday was 4-year-old Mustafa, who Houri [der behandelnde israelische Arzt] said was diagnosed with a dangerous case of crossed arteries and would need two surgeries in Israel soon to unfold them before they harden.

Mustafa’s mother, a Kurdish woman who identified herself only as Suzanne because she feared retribution, said „traveling to Israel made her anxious … not because I’m going to a country considered an enemy of Iraq, but because I’m afraid of retribution by Iraqi militants, by the terrorists back home.“

„I’m afraid and it’s not easy for me at all, but I’m willing to take the risk to save my beloved son’s life,“ she said as she caressed Mustafa.

„Israel is a good country. It’s a country that has mercy on other people,“ she added.

Ja, das ist schwer zu glauben, und ich weiß, daß ein Teil meiner Leser es nicht glauben wird oder als Propaganda abtut. Wir sind ein kleines Land, wir kämpfen um unser Überleben, wir könnten, wie es das Vorurteil gegen Juden ja auch behauptet, uns darauf beschränken, „unseren Leuten“ zu helfen. Aber das tun wir eben nicht. Jüdische, israelische Ärzte und wohltätige Organisationen sind überall aktiv. Das ist nicht selbstverständlich.

Und das Abartige? Elemente der arabischen Gesellschaft, wie die oben zitierte Mutter sagt, drohen den Menschen, die von Israel Hilfe annehmen, mit dem Tode. Das muß man sich mal vorstellen. Es ist gut möglich, daß Mustafa und seine Mutter, wenn sie aus Holon wieder nach Hause kommen und der Junge, bli ayn rah, geheilt ist, die Familie unter Repressalien leiden muß.

Ich finde das einfach mind-boggling, so sehr, daß mir kein deutsches Wort dafür einfällt! Und ich weiß immer noch nicht, woher die immer wieder laut vorgebrachte Klage, daß Israel kein Herz hat und die Araber wie Dreck behandelt, herkommt. (Und: auch arabische Familien haben schon Israelis Organe gespendet, arabische Ärzte haben israelische Leben gerettet, auf dieser Ebene der Zusammenarbeit und Menschlichkeit hat es schon viele nie erzählte Geschichten gegeben.)

Ein israelischer Arzt hat, wie ich gerade gesehen habe, auf Youtube einen Film von seiner Arbeit eingestellt, einen ganz einfachen. Er will sich damit gegen die Forderung der britischen Ärzteschaft wehren,  Israel und israelische Mediziner zu boykottieren. Das schmerzt ihn persönlich, weil er jeden Tag arabische Patienten behandelt und den Boykott als großes Unrecht empfindet.

Ein weiterer Fim aus Youtube, was man da nicht alles findet!, erzählt die von mir damals schon erwähnte Geschichte der jungen Frau, die in einem israelischen Krankenhaus behandelt wurde und sich dort in die Luft sprengen wollte.

Na, und für die, die es damals nicht gesehen haben, noch mal der Film über das palästinensische Kind.

Also, wo ist unser Herz? Vielleicht sind wir doch nicht so durch und durch schlecht und herzlos? Menschen sind gut und schlecht zugleich, Israelis wie alle anderen auch. Woher kommt der Haß, die Verleumdung, der Unwille, das Gute anzuerkennen, woher dieser ewige Schrei nach Boykott?
Ach, man überzeugt eh nur die Überzeugten…

Ich hoffe, Oktober 10, 2007, 0:31

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der strahlende Glanz, der mich umgibt, ist auch gebührend aufgefallen. Die Luft um mich herum knistert geradezu vor Nobelpreisen.

Vor drei Jahren waren es zwei Professoren vom Technion, die den Chemie-Nobelpreis bekamen. Na gut, mit dem Technion habe ich nicht genug zu tun, um mir das persönlich an den Jackenaufschlag zu heften – außer daß ich da ein paar Mitarbeiter und Studenten kenne. Aber immerhin: Haifa. Neue Heimat! Na ja, fast. Sie warnen jedenfalls regelmäßig vor den katastrophalen Folgen der ständigen Kürzungen im Erziehungs- und Bildungsbudget. Nicht als ob es hülfe: ab morgen fängt hier wieder ein endloser Lehrerstreik an….

Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an einen Jülicher. Alte Heimat! Als ich klein war, kämpfte ich mit dem Namen des väterlichen Arbeitsplatzes: die Kerschungs-For-Anlage. Inzwischen heißt es Forschungszentrum – wie banal. Die Bauern nannten es „dat Atom“. Ich bin nämlich in einem Land aufgewachsen, in dem die Zuckerrüben im Herbst hohe Berge bilden, kein Vokal an seinem Platz bleibt, selbst die Spatzen auf den Dächern katholisch sind, alle Mütter Lehrerinnen und alle Väter Physikprofessoren sind. Da mußte ja wohl mal an einen ein Nobelpreis abfallen. Ich gratulier auch schön!

Einziger Wermutstropfen:  es gibt keine Nobelpreise für Geisteswissenschaften. Herrn Nobel standen die wohl zu fern, und Berthas wohltätiger Einfluß ging nicht weit genug, nun auch noch einen Preis für Historiker zu stiften. Vielleicht dachten sie auch, mit dem Literatur-Preis den Geisteswissenschaften schon genügend zu dienen. Fälschlich, wie ich finde. Denn Literatur-Nobelpreise gehen an schaffende Künstler, nicht an geisteswissenschaftlich Forschende. Es wäre interessant zu sehen, wessen Arbeit da belohnt würde. Zum Verständnis der Welt tragen auch Historiker und andere Geisteswissenschaftler bei. Na ja, so verpassen die Geisteswissenschaften ein jährliches Ereignis, das der Darstellung der Wichtigkeit des eigenen Fachs dient. Schade.

Aber das soll mich nicht verdrießen. Wie schön, Menschen zu sehen, die mit hoher Begabung ausgestattet sind, eigensinning in einem Fachgebiet forschen, das Außenseitern komplett esoterisch zu sein scheint, und dem menschlichen Wissen wichtige, bahnbrechende Impulse geben. Wie schön auch, daß wir in Gesellschaften leben, die diesen Freiraum geben und Forschung unterstützen.

In Ynet Oktober 9, 2007, 20:45

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Lesenswert.

Soldiers patrol the scorched and blackened landscape. From atop military trucks and armored personnel carriers, they flash V for victory at stunned journalists.Destruction and death pervade this Palestinian refugee camp. It took three months of intense fighting between army troops and the Fatah Islam terrorists before the group was defeated. Nearly a month after the battle ended, the media finally reported on the toll: 164 soldiers and dozens of militants died, while 47 Palestinian civilians were killed. An additional 310 were injured.

In the aftermath, the United Nations issued a scathing condemnation. The European Union called for restraint in confronting the terrorists. And Palestinian President Mahmoud Abbas threatened to break off all diplomatic contact.

All of the above is true – except for the last paragraph. In reality, no indignant voices have been raised either in the West or in the Middle East over the civilian lives lost in the fighting.

Surprising? It should not be. Nahr al-Bared, the refugee camp where the terrorists were dug in, happens to be located in Lebanon. The army which, in the words of the New York Times, „ringed the camp (to) pound it with artillery and tank shells in prolonged bombardments“ was Lebanese. Israel played no role in the confrontation. And that’s why the media coverage is so muted.

Mehr braucht man zum Thema doppelte Maßstäbe eigentlich nicht zu sagen.

Und hat eigentlich jemand von Euch mitgekriegt, daß die Fatah es inzwischen zugegeben hat: die Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem, über die die Welt sich so erregt hat, war eine Farce. Eine Inszenierung Pallywoods, des erfolgreichsten kreativen Unternehmens und Exportschlagers der Palästinenser.

„The conspiracy was to make a siege and put all the fighters inside the church so Israel would make the siege. People from the Palestinian Authority collaborated with this conspiracy,” said Eiman Abu Eita, Fatah’s representative in the Bethlehem satellite town of Beit Sahour who at the time of the siege was Beit Sahour’s al-Aqsa Brigades chief.

Eita was speaking in the newly released book, „Schmoozing with Terrorists: From Hollywood to the Holy Land, Jihadists Reveal their Global Plans – to a Jew!“ by author and Mideast reporter Aaron Klein.

Aber bei der allgemeinen Empfindlichkeit, was Menschenrechte angeht (außer natürlich, sie werden von China, Rußland oder ähnlich wichtigen Handelspartnern begangen…), wird doch diese Meldung auch in deutschen Medien angekommen sein?

Hamas and Fatah committed „grave breaches“ of international law in their brief civil war in the Gaza Strip in June, a Palestinian human rights group said on Tuesday, detailing a series of extra-judicial killings. In a new report, the Palestinian Center for Human Rights (PCHR) said 161 Palestinians, of whom 41 were civilians, were killed during fighting between June 7 and June 14 in which Hamas Islamists took control of the territory from secular Fatah. „The two sides perpetrated grave breaches of the provisions of international law concerning internal armed conflicts, including extra-judicial and willful killings and shooting at combatants and civilians after capturing them,“ The PCHR said. In some cases, people were seized by gunmen in their homes and their bodies were later found dumped in remote areas. „The PCHR also documented a number of cases, in which militants executed wounded persons during their evacuation to hospitals,“ The 105-page report said, citing testimony from relatives of the dead.At least two people — a Fatah fighter and a Hamas member — were pushed to their deaths from tall buildings, said the PCHR, the leading Palestinian human rights group in the Gaza Strip.

Und eine human interest story über einen Mann aus Haifa, der im Fernsehen eine Dokumentation über die kleine jüdische Gemeinde in Damaskus sah – und seine seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehenen Vettern erkannte.

The fact that he cannot contact his cousins weighs heavy on Kamao’s heart. „We don’t contact them on purpose, not out of fear that something will happen to us, but out of fear that they will be harmed. We don’t know what the government’s reaction would be if they knew they were making contact with Jews from Israel,“ he said.

Kamao expressed anger at the fact that Israel allows its Druze citizens to cross the border and enter Syria, saying, „If I was a Druze from the Golan Heights, I could go to Damascus, visit my family and safely return to Israel. Nothing would happen to me.

„When talking about family unification and family visits, we must remember that not only the Druze have families in Syria – Jews have families there too, and they also want to stay in touch with them.“

Das stimmt – da diskriminiert der Staat seine jüdischen Bürger. Israelische Drusen können in Damaskus studieren – aber ein aus Syrien eingewanderter Jude seine Familie nicht besuchen. Es wäre aber auch sehr gefährlich, ich glaube nicht, daß die Syrer ihn so einfach reinließen. Auch der Libanon läßt ja offiziell keine Israelis rein, weswegen israelische Geschäftsleute verschiedene Pässe benutzen.

Ich hab noch mehr gefunden, aber das reicht jetzt erst mal.

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