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Nachrichten sind ungesund, April 8, 2017, 18:57

Posted by Lila in Deutschland.
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das wußte ich ja vorher schon, und meine Abstinenz war gut für meine Nerven. Kaum sehe ich Nachrichten, lese ich Zeitungen, weiß ich nicht, was aus dieser Welt noch werden soll. Leider ist es mir nicht egal!

Sehr getroffen hat mich der Leserbrief der Mütter aus Berlin, für die der Ruf der Schule ihrer Kinder wohl ein schützenswerteres Gut ist als die Unversehrtheit eines jüdischen Schülers. Für sie sind die Leidtragenden IHRE EIGENEN KINDER, nicht hingegen der von der Schule gemobbte jüdische Schüler.

Die reflexhafte Schuldzuweisung an den „Nahostkonflikt“ ist so typisch, daß mir dabei der Hut bis auf Reiseflughöhe hochgeht. Liebe dumme Mütter, der „Nahostkonflikt“ besteht daraus, daß die Araber im Nahen Osten seit über hundert Jahren nicht bereit und willens sind, Juden, die sich selbstbewußt als Juden bezeichnen, unter sich zu akzeptieren. Als Untertanen, ja. Als gleichberechtigtes Volk mit autonomem Staat, nein.

Die Juden wurden und werden im Nahen Osten genauso gemobbt wie der Junge an der Schule in Friedenau. Und die westliche Welt in ihrem Wahn der Ausgewogenheit, und man muß ja beide Seiten sehen, und alle haben ja Dreck am Stecken, und die nehmen sich ja alle nichts, und die Araber sind ja schließlich auch Semiten!, kurz, die westliche Welt macht es genauso wie die Friedenauer Mütter. Sie betrachtet Bullies und Opfer als gleichermaßen schuldig – und exkulpiert damit den Bully. (Wie gut der westlichen Welt das bekommt, sieht man ja…)

Das ist übel, aber daß die Mütter das nicht wissen, wundert mich nicht, denn woher sollten sie Hintergrund zum Nahen Osten, der darüber hinausgeht, daß die Juden eben bockig sind und nichts abgeben wollen und darauf bestehen, wie andere Völker Rechte zu haben? Woher sollten sie wissen, was Gerd Buurmann aufzählt, da es in normalen Medien nie zu finden ist? Sie plappern nur nach, daß es ein religiöser Konflikt ist, und den hat dieser Judenknabe in ihre schöne Schule getragen, und damit ihren guten Ruf kaputt gemacht, und ihre Kinder LEIDEN jetzt!

Das ist so unglaublich dreist, und es wird noch schlimmer durch den Unterton. Und den, meine Lieben, den kenne ich. Warum sind diese Juden so selbstbewußt? Haben sie noch nicht kapiert, daß man sie nicht mag, nicht haben will, nicht akzeptiert?

Meine Mutter ist schon öfters gefragt worden: ja, ist denn Ihr Schwiegersohn (und hier wird die Stimme diskret gesenkt) JUDE? In einem Ton, als wäre JUDE ungefähr so eine Bezeichung wie Vogelfreier, Bankräuber oder Bigamist? Während die Worte pseudo-tolerant-weltoffen lauteten, ach ja, mal was anderes, ja die Juden sollen ja ein intelligentes Völkchen sein, sagte der Ton: ach du liebe Güte, Ausländer ist ja schön und gut, aber Jude?

Drum war der Schulleiter überfordert mit einem Juden, der nicht verbirgt, Jude zu sein (wie das doch ein anständiger Jude, der keinen Ärger verursachen will, tun würde).

„Bei der Anmeldung des Schülers habe ich die Mutter darauf hingewiesen, dass wir keine Erfahrung mit jüdischen Schülern haben, die wie der 14-Jährige offen mit ihrer Religion umgehen.“

Hingegen scheint er gute Erfahrungen mit Muslimen gemacht zu haben, die mit ihrer Religion offen umgehen. Oder? Die Eltern jedenfalls nennen Antisemitismus und Antiislamismus in einem Atemzug, als würden an anderen Schulen muslimische Schüler von jüdischen bis zum Schulwechsel gemobbt.

Abgesehen von dieser typischen Distanzierung vom Jüdischen und dem Unwillen, sich damit zu solidarisieren, geht es im Kern um noch etwas, und das trifft mich als Mutter, Lehrerin und Lehrer-Ausbilderin ebenfalls.

Es geht um moralische Feigheit. Frau Schultz, Frau Kuhne und Frau Saridou wissen genau, was sie tun müssen, damit ihre Kinder in der Schule NICHT gemobbt werden. Sie müssen das jüdische Kind preisgeben. Und das tun sie. Sie schieben die Schuld den „Auswüchsen internationaler Konflikte“ zu (sprich: dem von deutschen Medien verbreiteten Mythos der israelischen Brutalität und Unverhältnismäßigkeit), womit die mobbenden Schüler aus dem Schneider sind. Dabei wäre es doch mal ein Erziehungsziel, sich für die Rechte der Schwächeren, der Minderheiten einzusetzen, und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, wenn es unbequem wird!

Wieso bin ich eigentlich so entsetzt? Vielleicht, weil ich unter Umständen irgendwann jüdische Enkelkinder in einer deutschen Schule haben werde? Weil ich meine Kinder in Israel großgezogen habe, u.a., um solchen Müttern nicht zu begegnen?

Es ist das Gesicht meiner Heimat, es hat harte, kalte, egoistische Augen, und es stellt sich schützend vor Bullies, die ein jüdisches Kind über Monate hinweg mobben, bis die hilflosen Eltern es von der Schule nehmen. Und sentimentale Tränen steigen in diese Augen nur, wenn sie an das entsetzliche Leid ihrer eigenen kostbaren Schneeflöckchen denken, deren Schule nun so arg durch den Schlamm gezogen wird.

Ja, Frau Schultz, Frau Kuhn und Frau Maridou und alle anderen Unterzeichner, auf Sie wäre kein Verlaß, wenn es Juden an den Kragen ginge, solange der gute Name nur dadurch nicht beschädigt wäre.

ETA: ebenfalls zum Thema: Störe meine Kreise nicht

Kommentare»

1. anti3anti - April 8, 2017, 19:39

Die Welt ändert sich nicht. Gut, dass es einen Judenstaat gibt.

2. Waldemar Pabst - April 8, 2017, 21:34

The same procedure

3. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev - April 9, 2017, 9:00

[…] sind ungesund“, befindet Lila. Ein Grund: Es wird so viel verleumdender Blödsinn zu Israel verzapft, selbst wenn etwas gar […]

4. Ekkehard Schroeder - April 9, 2017, 10:15

Der Brief der Eltern ist einfach nur dreist:
-Man Opfert sich selbst ein. Man Ignoriert dabei das es die eigene Klientel es war die „das Andere angegriffen hat.
-Wenn man pölitische Konflikte in der KLogik der Eltern auf dem Schulhof austrägt will man nicht erleben was „normal“ wäre wenn man das zB auf den Komplex 9/11 überträgt.
-Das Reden von einer erfolgreichen Arbeit: es wurde wiederlegt.
-Der Ruf nach Geld. anscheinend will man auch noch belohnt werden. Es ist das selbe wie nach der Pogromwelle der 90er. Anstatt eine politische Unmöglichkeit einzugestehen will man Geld für eine misslungene Arbeit haben.
Und somit hat man auch das Stichwort wo man diesen Brief einordnet: Das Gewäsch der Jugendpfleger, die behaupten das „ihre“ Leute nichts machen und der weg zum Flüchtlingheim gaanz zufällig war.

5. Alzheimerblog - April 9, 2017, 18:42
6. Hein - April 9, 2017, 19:19

Lila, Sie haben es auf den Punkt gebracht. Danke! Das gibt Mut, nie nachzulassen im (vergeblichen?) Kampf gegen den Antisemitismus.

7. nussknacker56 - April 9, 2017, 22:22

Noch ungesünder ist es, solche Nachrichten unkommentiert herunter zu schlucken. Da ist es viel bekömmlicher, zumindest ab und an die eigene Einschätzung entgegenzustellen.

8. Irene (@irene_muc) - April 10, 2017, 1:46

Mich hat das an einen Vorfall in München erinnert. Vor ein, zwei Jahren hielt ein kurdischer Schüler ein politisches Referat, das zwei türkischen Mitschülern nicht passte. Sie griffen den Kurden auf dem Heimweg körperlich an. Darauf riet die Schule dem Opfer, einige Tage zuhause zu bleiben, damit sich die Angelegenheit beruhigt.

9. AMC - April 10, 2017, 14:05

Sei dankbar, dass Du nicht täglich die dtsch. ö.r. Medien ertragen musst. Es wird immer schlimmer, weil Ideologie Dummheit produziert und Dummheit Hass, und keine Leser/Hörer/Zuschauerbeschwerde kann daran etwas ändern.
Zu den Müttern aus derr Schule: (meine Enkelkinder gehen in Berlin in die Schule): Da kann man nichts anderes machen, als Briefe und Reaktionen jener Art immer und überall weiter verbreiten, damit sie sich selbst entlarven. Es kostet Zeit und Kraft, bringt fast nichts und ist trotzdem nötig.

10. G. - April 10, 2017, 16:56

Gefällt mir. Ausgesprochen positiv. Schaut man sich einmal das Gesamtbild (Buurmester) der antisemitischen Schulung angehender Araber (und Perser) an und hält sich vor Augen, dass derartiges hierzulande jahrhundertelang gang und gäbe war, so neigt man weniger dazu, über Einwanderern den Stab zu brechen.

Der Stachel sitzt. Ein weiterer. Nicht zu vergessen, dank Zentralrat, Bloggern, Beck (Was für ein vortrefflicher Erzkonservativer, ewig schade!) und „WELT“. Fein.

Nie hat sich die Gesellschaft hierzulande mit den eigenen antisemitschen Bildern, dem tradierten Antisemitismus beschäftigt. Weniger noch als mit der eigenen Homo- oder Xenophobie. Und natürlich opfert man bewusst. Feine Sache!

Aber was für ein Rampenschwein, der Kleine! Mehr noch … ein richtiges Frontschwein. Anerkennung! In den Favelas dieser Republik. Wo die Scheisse am Kochen ist. Schlimmer geht nimmer. Und der Raum, der dort gewährt wird, stammt von uns. Von uns allen. Die Abgründe unserer Prägung, denen wir uns so ungern stellen. 😉

Ich würde mir wünschen, dass auch andernorts solche Schüler derart Rückgrat zeigen würden. Am anderen Ende der sozialen Leiter. Wie soll es sonst je werden? Wir brauchen den Stachel, um uns auseinanderzusetzen. Mit uns selbst. Zu unserem eigenem Wohl. Freiheit. Bequem ist der Mensch, feige und träge.

Um Deinen Küchen- und Haushaltsblog trauere ich allerdings. Kindererziehung, Bügelwäsche und Hausputz sind so interessante Themen. Gerade weil kaum berücksichtigt. Und eine Bloggerin von Deinem Format …

11. A.mOr - April 11, 2017, 15:18

Lila, wie gewohnt -mag ich sagen- Dein scharfsinniger Verstand zeichnet diesen Artikel aus.
Und die gute alte Feigheit hast Du zu recht erwähnt, die es so wie so ist: ob Abneigung gegen Juden mit im Spiel ist oder nicht.
Maskenloses Maskenspiel. Man zeigt Gesicht, wie?

Zu Recht erwähnst Du auch das (meine Meinung: manipulierende) Mitspielen der „Leitmedien“* (bzw., deren Versagen), die sich Nachrichtenmagazine (und ähnliches) nennen. Diese führen mit ihren selektiven Informationen Eltern in die Irre, und auch die Schüler.
Bei vielen Lehrern dürfen wir davon ausgehen, daß sie nicht besser informiert sind als die Eltern. Außerdem dürfte unter den Kindern in Deutschland (und anderen europäischen Ländern) mittlerweile ein „moslemisches Narrativ“ herrschen (meinetwegen reines Zahlenspiel). Sicher weitgehend unreflektiert bei diesen Schülern, aber umso konkreter unter ihnen ausgetragen. In einem „moslemischen Narrativ“ kommen Juden nicht gut weg, ob mit oder ohne den Staat Israel.

Auch andere Nichtmoslems kommen da nicht gut weg.
„Geteiltes Leid ist halbes Leid“, eine Formel, die bei hoch individualisierten Gesellschaften (wie Deutschland) ihre Kraft verliert.
(Fluch und Segen gleichermaßen, sozusagen, eigentlich auch „ziemlich jüdisch“, balagan.)

*Lila, Du hast auf den Artikel von TiN verlinkt.
Bevor er weg ist (gen gan Jisrael 😉 ) möchte ich ihn hier nochmal loben für einen, meines Erachtens wichtigen Kommentar eben dort unter dem Artikel von TiN:
willkommen Hein!

In jenem Kommentar ist folgendes Video eingebettet, welches auf brilliante Weise das oben angesprochene Dilemma (die Rolle deutscher Leitmedien bei dem Bild in deutschen Köpfen zum „Thema Israel“) aufzeigt.
Das wirklich Gute an diesem Video ist: was der Mann dort aufzeigt läßt sich jederzeit, zu jeglichem aktuellem Ereignis auch, nachprüfen. Es ist quasi eine Anleitung zur Praxis zum Verstehen, wie deutsche Leitmedien das „Thema Israel“ für die „Zwangsbezahler“ aufbereiten. Letztlich hat das Video potentiell die Sprengkraft (je mehr es sehen, desto besser) einen Skandal aufzuzeigen, der bislang vor aller (deutschen) Augen unentdeckt seine Umtriebe feiert. Und die Leute werden noch gezwungen dafür zu bezahlen. Finster.
Einem aufgezwungenen Gaul schaut man nicht ins Maul?
Die Aufklärung immerhin ist gratis, die Ehre gebührt ‚Jakov G‘.

Anmerkung noch zum Kommentar von anti3anti:
„Gut, dass es einen Judenstaat gibt.“

Gestern Abend haben unsere Feierlichkeiten zu Pessach begonnen, pünktlich zum vollen Mond im Monat Nisan.
Pessach ist vor allem auch eines, das Fest der jüdischen Selbstbestimmung.
Es beinhaltet den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten (dem jüdischen Volk, das bis heute existiert), es beinhaltet den Bund mit dem „Gott Israels“, es erzählt die Geschichte des jüdischen Volkes und die Untrennbarkeit im Judentum von Volkszugehörigkeit und „Religion“**, zu der sich die Juden frei entschieden haben.
Und vieles mehr…

(**“Religion“ ist ein Begriff für Christen, Moslems, Nicht-Religiöse/Atheisten, usw., finde ich, daher tue ich mich damit schwer, wenn es um’s Judentum geht.)

Die Anmerkung von anti3anti zeigt eines treffend auf:
die Staatsgründung von Israel läßt sich direkt vergleichen mit dem Auszug des jüdischen Volkes aus Israel.
Es nennt sich ‚jüdische Selbstbestimmung‘.

In diesem Sinne nocheinmal: Chag ßameach!
Lechayim – Am Yisrael Chay!

12. Lila - April 12, 2017, 9:23

A.mOR, vielen Dank für die Verlinkung. Das ist ein Video, das so viele Menschen wie möglich sehen sollten!!!!! Alle, die daran glauben, daß sie ach so objektiv von der Tagesschau informiert werden. Ist es der kühlblaue Hintergrund oder die perfekte, unterkühlte Aussprache der Tagesschausprecher, die diese Illusion so fest in den Köpfen verankert hat? Die Medien haben ihre Agenda, und die der Tagesschau (und auch der anderen Medien) kann gar nicht deutlicher gezeigt werden als durch Jakovs Video.

13. A.mOr - April 12, 2017, 20:47

Wie angemerkt, der Dank gebührt Hein, und vor allem Jakov!

Und Du hast so recht, Lila, das ist ausgezeichnete Aufklärung, kaum Aufwand oder irgendwas, einfach die nackte und nasse Wahrheit, die sich selbst erklärt, nachprüfbar und unbestechlich.
Kol hakawod, Jakov!

Viel zu wenig wurde es in vier Jahren angeklickt, ‚youtube‘ ist eben nicht die ‚tagesschau‘.

Beinahe kommt mir das schon wie eine verpaßte Chance vor.
Wenn die Deutschen bereits vor vier Jahren breit darüber informiert gewesen wären, auf welch gravierende Weise sie von ihren ‚Leitmedien‘ hinter’s Licht geführt werden, dann wäre -vielleicht- die Situation heute anders.
Besser?

PS/
Falls Hein hier nochmal reinliest: gute Reise!


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