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Ball flachhalten August 30, 2010, 13:45

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Zu diesem Wasserglas-Tsunami namens Sarrazin-Äußerungen möchte ich eigentlich nichts sagen, nur eines: das jüdische Gen. Ach ach ach, da hat es einer gewagt, davon auszugehen, daß Juden, eine endogame Gruppe, genetische Gemeinsamkeiten haben! Rassismus-Alarm! (Nur blöd, daß Juden gar keine Rasse sind, was…) Gut, daß das die Ärzte nicht wußten, die mich während meiner Schwangerschaften intensiv gepiekst haben, um die genetische Krankheit Tay-Sachs auszuschließen. Die ist nämlich bei ashkenasischen Juden ziemlich verbreitet. Und mein Mann ist somit gefährdet, diese Krankheit weiterzugeben.

Wirklich, politische Korrektheit ist ja schön und gut und es fühlt sich bestimmt toll an, rundherum politisch korrekt zu sein und keinerlei Unterschiede zwischen Menschen anzuerkennen. Aber man kann es auch zu weit treiben. Selbstverständlich ist es ein Unterschied, ob man einer ethnischen Gruppe en bloc Geiz, Faulheit, Lügenhaftigkeit oder sonstige Charakterfehler unterstellt – oder ob man der Tatsache ins Gesicht sieht, daß eine relativ kleine, endogame Gruppe im Laufe der Zeit einen besonderen Genpool bilden kann.

Vor allem, weil bis vor kurzem Konversionen im Judentum alles andere als erwünscht waren – und auch heute sind sie es nur bei zionistischen und pragmatischen Juden. Für viele traditionellere Juden sind Konvertiten jedenfalls nicht „echt“ – es fehlt der Stallgeruch.  Sie würden ihre Kinder nicht mit Konvertiten verheiraten. Auch Neu-Religiöse heiraten ja meist untereinander, wegen der Gesetze zur Reinhaltung der Ehe (bnei-nidda-Furcht bei Ultra-Orthodoxen).  Im Laufe der Jahrhunderte haben Juden nun mal vorzugsweise Jüdinnen geheiratet – oder, wenn sie nichtjüdisch geheiratet haben, sind sie oft vorher christlich geworden und haben die jüdische Gemeinschaft verlassen.

Was das allerdings für Gene in diesem Pool sind und wie die sich auswirken, das ist wieder eine andere Frage. Ob es an ihnen liegt oder nicht doch der traditionellen jüdischen Hochachtung vor Lernen und kritischem Nachfragen, daß es so viele jüdische Nobelpreisträger gibt…?

Wie gesagt, ich kann nicht beurteilen, was Sarrazin über Migranten in Deutschland sagt – ich habe nur anekdotische Evidenzen anzubieten, die ja nicht viel wert sind. Im Laufe der vielen Jahre, die meine Mutter als Hauptschullehrerin verbracht hat, haben wir  jedenfalls eine riesige Vielfalt an Begabungen bei Migrantenkindern festgestellt, und bei meinen moslemischen Studenten kann ich keine mindere Intelligenz feststellen. Na ja, im politisch inkorrekten Volksmund haben die Palästinenser den Ruf, besonders intelligent zu sein – was sie bei anderen Arabern unbeliebt macht. Wer kann sowas prüfen?

Aber wie sich alle auf einen Politiker stürzen, wenn der mal das Wort JUDE in den Mund nimmt, das ist schon drollig. The German doth protest too much me thinks…

Wochenende August 29, 2010, 9:43

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Wir hatten gestern einen vollgestopften Tag. Schwiegereltern und Verwandte waren hier, um Tertias 17. Geburtstag zu feiern – das bedeutet Kochen und Backen wie Alma Svensson. Außerdem hatte ich beide Söhne hier, die ihre vollgestopften Taschen und Wäschesäcke entleerten. Primus´ Wäsche ist noch erträglich, weil er gerade einen Kurs macht und nicht besonders physisch belastet wird, aber Secundus hat zwei Wochen Grundausbildung in der Wüste hinter sich. Auf seinen Uniformen hatten sich Salzkrusten gebildet, aber richtig dicke – so hat er geschwitzt. Er trinkt sieben Liter Wasser pro Tag, trägt seinen Sonnenhut und schmiert sich mit Ultrasol ein, so hält er die Hitze gut aus. Bald hat er die Grundausbildung schon hinter sich – weil er ja gleich zum Sani-Kurs geschickt wird, macht er eine kurze Intensiv-Grundausbildung. Durch das gemeinsame Interesse an der Arbeit als Sanitäter haben sich die beiden Brüder einander wieder angenähert – der Abstand war doch sehr groß in den letzten Jahren, jetzt ist er wieder geschrumpft.

Es war schön, alle vier mal zuhause zu haben. So oft habe ich das Vergnügen ja nicht. Heute früh sind sie losgefahren – leider nicht zur gleichen Zeit. Secundus mußte in den Negev und ist deswegen schon um halb sechs mit Y. mitgefahren – um die Bahn kurz vor sechs zu erreichen. Primus war gegen acht weg – er muß nach Hadera, das ist nicht so weit.  Ich warte auf eine Gelegenheit, sie beide mal gleichzeitig in Uniform zu erwischen, dann mach ich ein Bild. Ich kann kaum glauben, daß diese kräftigen jungen Männer meine kleinen Purzel sind, die noch vor kurzem auf dem Teppich saßen und die Playmobil-Ritter um die Ritterburg arrangierten. Wer kleine Kinder hat – genießen!!! Bald schon gucken sie von luftiger Höhe auf einen herab, meinen nachsichtig „kleine Mama, wenn du mich in den Arm nehmen mußt, zieh vorher die Gummihandschuhe aus“ und „das muß nicht gebügelt werden, du spinnst ja, niemand hat gebügelte T-shirts bei der Armee“ und „laß mich mal machen, die Pizzen, sonst werden sie nicht lecker“.

Primus meint übrigens, daß er sich an seine Kindheit überhaupt nicht mehr erinnert. Bis zur 5., 6. Klasse, sagt er, hat er nur sehr undeutliche Erinnerungen. Y. und ich haben gestöhnt, als er das sagte. Und dafür haben wir uns so ins Zeug gelegt, als er klein war! Ich habe Mobiles gebastelt, Schlaflieder gesungen und stundenlang vorgelesen oder Lotto gespielt. Wir haben die Kinder in den Affenwald in Yodfat und auf die Aaland-Inseln mitgenommen. Hätten wir uns alles sparen können! Wir hätten ihn bis zum 5. Schuljahr einfach ins Ställchen setzen können, mit einem Zwieback in der Hand und ein paar Pixie-Büchern. Er hätte sich auch daran nicht erinnert, nehme ich an… aber wir hatten gar kein Ställchen. Und irgendwann erinnert er sich vielleicht doch wieder.

Trauriger Abschied August 29, 2010, 9:27

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Vor ein paar Tagen war im Kibbuz eine traurige Beerdigung. Eine sehr nette Frau, mit der ich durch ihre Eltern und Söhne und gemeinsame Freundinnen vielfach verbunden war und die ich immer sehr mochte, ist gestorben. Sie war alleinerziehende Mutter, ihre Söhne stehen nun ganz allein da. Der Ältere ist in Primus´ Alter (ich habe ihn im Babyhaus betreut, war ein süßes Kerlchen), der Jüngere ist einer von Secundus´ besten Freunden. Die Mutter war schon seit vielen Jahren sehr krank, und wegen der schweren Grunderkrankung wurde wohl eine akute schwere andere Erkrankung übersehen. Als die Zweiterkrankung entdeckt wurde, war es schon zu spät. Innerhalb weniger Wochen starb sie.

Ich habe sie im März das letzte Mal gesehen, als sie zu meinem Vortrag im Kibbuz kam. Hätte ich nur gewußt, wie krank sie ist! Wir haben uns immer gefreut, wenn wir uns gesehen haben. Sie hat nie geklagt, obwohl sie seit vielen Jahren im Rollstuhl saß, auf fremde Hilfe angewiesen war, oft Schmerzen hatte und wußte, daß keine Heilung in Sicht ist. Wenn man sie gefragt hat: wie geht es dir?, hat sie immer gelächelt und gesagt: prima, danke, und dir? Sie war sehr stolz auf ihre Söhne. Ihre Eltern, auch nicht mehr jung, werden sich weiter um die Jungen kümmern.

Es war eine der traurigsten Beerdigungen seit langem. Der jüngere Sohn hatte sich schwarze Wintersachen angezogen – in der brütenden Hitze, die selbst auf dem schattig-kühlen Friedhof herrschte, stand er in Sweatshirt und langen Hosen. Es ist nicht üblich, sich bei Kibbuz-Beerdigungen schwarz zu kleiden – der Sekretär, der eine Grabrede hielt, kam in Shorts und einem ausgeleierten T-shirt, dazu Sandalen. Ich weiß nicht, ob der Sohn die schwarzen Sachen aus Trauer gewählt hat. Secundus erzählte mir hinterher, daß sein Freund sich so warm angezogen hatte, weil ihm bitterkalt war. Der arme Junge bibberte vor Kälte und zog sich mehrere Schichten Kleidung an, weil ihm so kalt war. Es war so traurig, ihn so zu sehen.

In solchen Situationen bewährt sich aber der Kibbuz, so wenig ich ihn auch vermisse (gefühlte hundertmal wurde ich gefragt, ob ich den Kibbuz vermisse, und die Antwort ist immer: NEIN, so seltsam das ist!). Die Familie wird von der Gemeinschaft aufgefangen, und die Mutter wird nicht vergessen werden. Aber ersetzen kann sie niemand.

Danke, Jane Austen August 24, 2010, 10:49

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Heute vor 17 Jahren lag ich mit einer schweren Eklampsie im Intensivbereich des Kreißsaals in einem mir unbekannten Krankenhaus (Nahariya). Ich war in der 32. Woche schwanger, ich wußte, daß das Kind in meinem Bauch schon länger nicht mehr wuchs, und ich wußte, daß der Kaiserschnitt nur eine Sache von Stunden ist.  Ich wußte, daß ich in das unbekannte Krankenhaus gebracht worden war, weil in Haifa kein Platz mehr für Frühgeburten war – alle Plätze in der Neonatologischen Intensivstation waren belegt. Seit zwei Wochen lag ich flach auf dem Rücken, an allerlei Kabeln und Schläuchen, während zuhause Primus (3 Jahre) und Secundus (1,5 Jahre alt, noch in Windeln) Sehnsucht nach ihrer plötzlich verschwundenen Mama hatten.

Trotzdem habe ich es nicht als schlimm in Erinnerung. Die Ärzte flößten mir Vertrauen ein und die Hebamme kümmerte sich so rührend um mich, daß ich Tertia ihren Namen gab (den ich immer schon schön fand). Ich habe gern die vielen Laute um mich herum mitangehört, konnte viele Geburten akustisch mitverfolgen und mich freuen, wenn dieser unbeschreibliche Erstschrei wieder und wieder durch den Kreißsaal ging. Außerdem hatte ich meine sämtlichen Bände Jane Austen dabei, und das hat mich gerettet. Niemand kann sich hängen lassen, wenn er Anne Elliot oder Fanny Price mit den Augen folgt. Ich war vergnügt und optimistisch und habe noch mit dem Anästhesisten über deutsches Bier gesprochen (wovon ich ja nichts verstehe), während sie mir den Bauch einpinselten und abdeckten.

Wir haben Glück gehabt. Unsere Tertia wurde per Kaiserschnitt heute vor 17 Jahren geboren, klein und mager, aber ansonsten gesund und munter. Sie wog zwar nur 1200 gr, hatte aber einen Apgar von 9 und verbrachte problemlose sechs Wochen unter der Obhut des wunderbarsten medizinischen Teams, das man sich nur vorstellen konnte. Es war nicht leicht, Stillen und Bindung und Geborgenheit und alles andere in Gang zu kriegen, aber wir haben es geschafft. Heute sieht man ihr nichts mehr an von den Problemen, die sich später einstellten, und alle  ärztlichen Untersuchungen haben ihr gute Gesundheit bestätigt. Sie war ein spatzenmageres Kind und ist jetzt eine sehr schlanke junge Dame, aber gesund dabei und von gutem Appetit. Es ist nicht mehr zu erkennen, daß ihr Start ins Leben außerhalb der Gebärmutter  weniger idyllisch und einfach war als der anderer Kinder. Eher ist sie ein bißchen zäher und härter im Nehmen als andere.

Auch ich habe mich von Eklampsie und  Kaiserschnitt gut erholt – das Photoalbum zeigt, daß ich bereits zwei Wochen nach der OP meine Jungens hochheben konnte.  Die vierte Geburt ist auch wieder normal verlaufen, ich brauchte keinen zweiten Kaiserschnitt.

Ja, wir haben Glück gehabt und ich danke den Menschen und himmlischen Mächten, die uns geholfen haben, und Jane Austen ganz besonders.

Und ich kann gut nachfühlen, wie schlimm die Angst und Trauer der Eltern sein müssen, die in Mainz um ihre Frühgeborenen bangen oder sie begraben müssen. Ich weiß nicht, inwieweit sich andere das vorstellen können – viele meinen ja, eine Frühgeburt ist noch kein vollwertiger Mensch, braucht keinen Namen und keine Ansprache und wird bedauernd, aber resigniert begraben. Aber für die Mutter, die noch wund ist von der Geburt und unter Schuldgefühlen leidet, daß ihr Körper dem Kind die natürliche Umgebung versagt hat, ist nichts qualvoller anzusehen als Babys Kampf um jeden Atemzug, jedes Tröpfchen Nahrung. Man hat ja in dem Stadium noch gar nicht mit der Abtrennung begonnen, die sich schrittweise über Monate und teilweise über Jahre hinzieht – und die wohl nie vollständig gelingt (also mir zumindest nicht, weder mutter- noch kindseits!). Ich denke an alle Beteiligten.

Und herzlichen Glückwunsch, Tertia!

Komische Geschichte August 17, 2010, 19:25

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die sich gerade in Tel Aviv abspielt.

Vor einer Stunde ist ein Palästinenser in die türkische Botschaft in Tel Aviv gekommen und hat unter der (falschen) Behauptung, ein abservierter Kollaborateur und darum bedroht zu sein, um politisches Asyl gebeten. Die Türken waren nicht begeistert, die Situation lief aus dem Ruder, und die türkischen Sicherheitsbeamten schossen auf den Palästinenser (ich weiß nicht, ob der mit Knüppel ausgestattet war:-) ). Er wurde verletzt, wohl nicht schwer.

Die Türken haben die Botschaft abgeriegelt und lassen die Leute vom Rettungsdienst Magen David nicht rein. Ist das nicht der größte Witz? Die Israelis bitten die Türken, sie zu einem Palästinenser zu lassen, der ihre Hilfe braucht – die Türken weigern sich. Gut, daß der Mann nicht schwer verletzt ist – sonst wäre die Verzögerung wirklich gefährlich.

Ich möchte nicht wissen, wie die Schlagzeilen aussähen, wenn es umgekehrt wäre – Erdogans Frau würde wieder bittere, bittere Tränen weinen über den armen Palästinenser… Mal sehen, wie die Geschichte in anderen Medien behandelt wird. Und wie sie erstmal heute weitergeht.

Nächtliches Dilemma August 17, 2010, 7:05

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Wir ächzen schon wieder unter einer Hitzewelle. Nicht, als ob zwischen Hitzewelle und Hitzewelle ein nett kühles Gewitterchen läge oder ein paar frische Nächte – normal heiß ist mir immer noch viel zu heiß, aber Hitzwellen-Heiß ist praktisch unerträglich. Die Nächte sind am schlimmsten. Es ist so schwül und fies und klebrig und heiß, daß man am liebsten in einer Wanne voll kalten Wassers übernachten möchte. Mit Eiswürfeln.

Mein liebster Y. und ich sind in fast allen Fragen einer Meinung und wir leiden auch gleichermaßen unter der Hitze. Jedoch sind unsere Vorstellungen von einer erträglichen Nacht während einer Hitzewelle gänzlich verschieden. Er bevorzugt geschlossene Rolläden und Klimaanlage (auf 24 Grad). Ich offene Fenster und Ventilator (auf höchster Stufe). Wir schlafen also mit der Fernbedienung der Klimaanlage zwischen den Kopfkissen. Ich knips sie aus, er knipst sie an. Auch einen Ventilator mit Fernbedienung haben wir inzwischen, oh Wunder der Neuzeit, und den knipse ich an, er aber knipst ihn aus. Gut, daß die Rolläden keine Fernbedienung haben, so bleiben sie auf halber Höhe.

Aber egal wie wir die Nacht verbringen, wir wachen morgens wie gerädert auf. In Schweiß gebadet, mit krummem Rücken und schmerzenden Knochen. Der Hals tut weh, die Augen auch. Ich schiebe unsere Moleste auf die Klimaanlage, Y. gibt dem Ventilator die Schuld.

Und wenn ich Y. um sechs Uhr früh zum Auto bringe und danach mein Basilikum streicheln gehe, dann stöhne ich schon – die Hitze ist unerträglich. Mitte August – wer weiß, wann die Temperaturen endlich runtergehen.   Erstmal kommen die Chamsin-Wellen im Herbst – da werde ich mich noch nach Schwüle sehnen, wenn die Trockenheit einem die Augäpfel zu Blätterteig dörrt.

Vermischtes, Häßliches (zumeist) August 17, 2010, 6:19

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Wie dumm, gemein und gedankenlos kann ein Mensch sein? Offenbar recht sehr, wie das Beispiel dieser Ex-Soldatin zeigt. Es mag ja sein, daß die Armeezeit die beste Zeit ihres Lebens war – nehmen wir an, in der Schule war sie isoliert, eine schöne Reise hat sie nie gemacht, und seit ihrer Entlassung hat sie nur Mißerfolge.  Da mag sie die Armee wohl genossen haben, aber welche Aspekte des Diensts genau? Macht über Festgenommene zu haben, ihr Recht auf Schutz der Privatsphäre zu verletzen, sie im Nachhinein noch einmal zu demütigen? Pfui Teufel.

Ich weiß wohl, daß ohne die Arbeit der Armee, die ständig Hinweisen auf terroristische Aktivitäten nachgeht, die Terrorwelle nicht gestoppt worden wäre – dies und der Schutzzaun, zwei nötige, aber unerfreuliche Maßnahmen, denen wir die Rückkehr zur Normalität verdanken, aber auf die viele Israelis gern verzichten würden, sobald es geht. (Im letzten Monat waren wieder zahlreiche vereitelte Anschläge – die Terror-Organisationen haben durchaus noch nicht genug.) Aber damit noch strunzen? Geschmacklos und widerlich.

Klüglich hat sie mit der Veröffentlichung der Bilder gewartet, bis sie aus der Armee entlassen war, denn sonst säße sie schon im Militärknast. Dann könnte sie mal sehen, wie sich das von der anderen Seite anfühlt.

[Update: die junge Frau ist schwer gekränkt und versteht nicht, wie jemand sich über die Bilder aufregen kann. Sie war nett zu den Palästinensern! sie hat ihnen zu essen und zu trinken gegeben! Und sie ärgert sich sehr über die Armee, von der sie sich im Stich gelassen fühlt. Hätte sie nur nie in dieser gräßlichen Armee gedient! Das finde ich auch.]

Auch häßlich: der Innenminister, noch ein schmieriger Shas-Politiker, mit seinem Feldzug gegen die Kinder illegaler ausländischer Arbeiter. 400 von ihnen will er ausweisen lassen, Sara Netanyahu hat sich mit einem Brief dagegen verwandt, auch Aliza Olmert engagiert sich für die Kinder. Ich erinnere mich noch genau an die Zeiten, als Palästinenser aus den Gebieten in Israel jobbten. Während der Intifada griffen einige von ihnen ihre israelischen Arbeitgeber mit Messern an oder halfen bei der Vorbereitung von Anschlägen. So entdeckte Israel die billigen Arbeitskräfte aus Thailand und den Philippinen. Es war allen klar, oder hätte allen klar sein sollen, daß Menschen kommen, wenn man Arbeitskräfte ruft. Und jetzt haben diese Menschen Familien. Der Innenminister erklärte in der Knesset, daß sie hier fettes Geld verdient haben und nun den Kindern erklären sollen: die Ferien sind vorbei, wir fahren zurück zu Oma und Opa.

Sehr schön. Ich möchte gern sehen, wie er winselt, wenn die USA, Kanada und Deutschland jetzt die jungen Israelis ausweisen lassen, die illegalerweise die Einkaufszentren mit ihren Büdchen überschwemmen, wo sie Poster, Kosmetika vom Toten Meer und Schund aller Art verscherbeln. Die meisten von ihnen haben keine Arbeitserlaubnis. Dann wird Yishai sich empören und rufen: Antisemitismus! Holocaust! Diese Bilder sind empörend! und so weiter.

Dieses Kleben am Prozeduralen angesichts menschlicher Schicksale, kommt Yishai das nicht bekannt vor? Sonst waren es die Juden, die um Aufenthaltserlaubnisse und Visen bangen mußten. Die israelische Bevölkerung ist gespalten – ungefähr halbe-halbe.

Das Thema Shas ist überhaupt übelkeiterregend – als der korrupte Ex-Minister Benizri seinen ersten Hafturlaub antrat (ein Tag), marschierten bei ihm sofort die prominenten Rabbis und Politiker von Shas auf, „um ihn zu stärken“. Es sah mehr aus wie eine Demonstration der Solidarität. Das wäre schön und menschlich bemerkenswert, wenn es mit einer Anerkennung seiner Schuld verbunden wäre. Aber sie sehen Benizri wie ein unschuldiges Opferlamm.

Es gibt auch bessere Nachrichten. So traurig und überflüssig der Tod der palästinensischen Schülerin Abir vor drei Jahren war – das Rechtssystem funktioniert, der Staat wird den Eltern eine Entschädigung zahlen. Das ist zwar kein Trost und bringt das Kind nicht zurück, aber immerhin ist es tröstlich, daß das Prinzip „Verantwortung übernehmen“ doch noch irgendwo funktioniert.

Und eine Forschergruppe in Jerusalem beschäftigt sich näher mit dem Hormon Oxytozin, das Wehen auslöst und mütterliche Gefühle sowie Einschießen der Muttermilch in Gang bringt. Oxytozin spielt aber auch bei Männern eine wichtige Rolle. Junge Väter erleben ebenfalls eine Oxytozin-Schwemme, und je mehr Hautkontakt sie zu ihrem Baby haben, desto mehr. Was wiederum den Oxytozinspiegel erhöht. Überhaupt scheint dieses Hormon die Empathie- und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.  Es ist der Kitt, der unsere menschlichen Bindungen zusammenhält. Ach, wie schön wäre es, wenn es dieses Wundermittel auf Verschreibung gäbe… manchen Menschen fehlt das Hormon gänzlich.

Nicht viel Zeit, August 11, 2010, 20:31

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obwohl mir schon einiges im Kopf rumgeht… aber leider ist der Schreibtisch voll und ich muß ihn leer arbeiten, bis die Mädchen wiederkommen.

Die waren übrigens mit meiner Mutter und meinen Geschwistern in Paris, das war schon lange ihr Traum.Tertia war im Louvre von den griechischen Statuen begeistert. Ich freue mich, daß sie dafür einen Sinn hat.  Und Quarta im Park von Versailles: „SO einen großen Garten braucht niemand“.  Stimmt!

Ich bin gerade etwas sprachlos, August 6, 2010, 18:23

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was man nicht alles in deutschen Tageszeitungen veröffentlichen darf.

Zusammen mit zwei Freundinnen bin ich in einem afrikanischen Tücherladen [in Paris] und bewundere die vielen Stoffe. Der Ladenbesitzer nickt uns zu. Er ist vielleicht fünfzig, etwas rundlich, trägt eine bunte Stoffkappe und hat ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Wir lächeln zurück.

Während ich mir den Kikoi um die Hüften wickle, spricht Maya mit dem Ladenbesitzer. „Er ist jüdischer Marokkaner!“, übersetzt sie. Sofort frage ich ihn: „Wie ist das Verhältnis zwischen jüdischen und muslimischen Marokkanern?“ Lächelnd hält er den Daumen hoch. „Sehr gut. Sehr gut. Wir sind alle Brüder. Ich bin Marokkaner, hundert Prozent Marokkaner“, erklärt er in gebrochenem Englisch. Ich erfahre, dass seine Vorfahren damals vor der spanischen Inquisition nach Marokko geflohen sind. Ich würde gerne weiterfragen. Dazu kommt es aber nicht.

So weit, so gut. Es ist zwar seltsam, daß die beiden edlen jungen Frauen (eine Deutsche, eine deutsche Türkin) lächeln und der Jude nur breit grinsen kann, aber lassen wir es dahingehen. Oh, und auch daß die Türkin „sofort“ eine Frage nach seiner Herkunft und seinem Verhältnis zu Moslems stellt – hm, ein bißchen unhöflich, denn wofür muß der Mann sich vor seinen Kunden rechtfertigen?, aber nehmen wir an, es ist Interesse.

Was der Besitzer erzählt, erinnert Maya an eine Theorie, die wir kürzlich in einem Comic über Palästina lasen: Nicht die Religion, sondern die ethnische Herkunft von „weißen“ Israeliten sei Grund für die rassistische Politik Israels. Juden aus Nordafrika seien unvoreingenommener gegenüber Palästinensern. „Wären alle in Israel so wie der Verkäufer, könnte man dort in Frieden leben“, sagt Maya zu mir.

Auf die Idee, daß Theorien aus Comics vielleicht nicht die reinste Quelle sind, aus der Wissen fließen kann, kommen die beiden arroganten Mädel nicht.  Sie unterhalten sich auf Deutsch und tauschen ihre Meinung aus.

Wobei ich nur anmerken möchte: es gibt auch die genau umgekehrte These, durch Wahlergebnisse eher gestützt (1977!), daß Juden aus orientalischen Ländern wesentlich skeptischer Arabern gegenüber sind, während „weiße Israeliten“ oft mit den Klischees vom edlen Wilden an den Konflikt herangehen und manchmal naive Vorstellungen davon haben, wie man ihn beenden kann.

Ich kann über sämtliche „weißen“ Kibbuzniks der Gründergeneration nur sagen, daß sie Araber mit absoluter Bewunderung und Sympathie betrachteten, Arabisch lernten, sich für Rechte arabischer Frauen, Kinder und Nachbarn einsetzten, und daß sie der festen Meinung waren, mit etwas gutem Willen könnte man wohl zusammenleben. Es ist mir schon öfter passiert, daß ich ältere Araber im Norden treffe, und die bei Nennung des Kibbuz sagen: ach, ich erinnere mich an die Marika! die hat meiner Frau damals geholfen, eine Ausbildungsstelle zu finden, und dann bei der Geschäftsgründung. Das war eine feine Frau! oder so ähnlich.

Die linken Parteien in Israel sind meist von Ashkenazim bevölkert, mir fällt gerade kein Meretz-Politiker ein, der nicht ashkanasischer Herkunft wäre (zumindest für die Generationen, für die das noch von Bedeutung war – in der jungen Generation ist es nicht mehr auszumachen, wer was ist, weil alle sich miteinander verheiratet haben – charakteristisch für rassistische Gesellschaften, nicht wahr….). Beim Likud dagegen sind besonders viele orientalische Mitglieder und langsam auch Spitzenpolitiker. Hm. Die Comic-Theorie hält also ihr Wasser nicht sehr gut. Lest andere Comics, Mädels!

Beim Schlagwort „Israel“ richtet sich der Verkäufer auf. „Israel?“ Eben noch freundlich, ist er nun angespannt. Er möchte eine Übersetzung, Maya kommt dieser Bitte nach. Er antwortet sichtlich erbost. Ich verstehe nicht viel Französisch, aber genug: Die Araber hätten so viel Land und die Juden wollten nur ein bisschen Platz zum Leben.

Und was ist daran sachlich falsch? Erstens kann ich gut verstehen, daß es den Mann nervös macht, wenn zwei Frauen, eine davon verschleierte Moslemin, über Israel reden, in einer Sprache, die er nicht versteht. Und wenn man sich die Karte mal anguckt und bedenkt, daß hier immer Juden gelebt haben, ist nicht von der Hand zu weisen, daß im Rahmen der Neuverteilung ehemaliger Kolonien und Mandatsgebiete auch die Juden einen Anspruch anzumelden hatten. Eine Karte zeigt wieder mal, daß sie dabei keineswegs schrappig waren.

Man kann Israel darauf kaum finden, so winzig ist es. Drumherum: arabische oder moslemische Staaten. Kein Grund also, gleich pampig zu werden, Mädels.

„Es ist das Heimatland der Palästinenser“, entgegne ich. „Keiner darf sie dort verjagen.“

Was auch niemand vorhat. In der Unabhängigkeitserklärung Israels, die ich ja schon x-mal verlinkt habe, wird das Recht aller Bürger, in ihrer Heimat zu leben, ausdrücklich garantiert. Daß in dem darauffolgenden Krieg, den die Nachbarn am folgenden Tag anzettelten, Menschen ihr Heim verloren, ist tragisch, aber leider für Kriege typisch. Es ist gewissermaßen das Risiko, das man eingeht, wenn man einen Krieg anfängt. Das sollte man zumindest bedenken.

Und Heimatland der Palästinenser? Schon, es kommt nur darauf an, wie man Palästinenser definiert. Die heutige Sprachregelung, mit der nur Araber als Palästinenser gelten, ist sehr modern – ja jünger als ich (und ich bin zwar kein spring chicken mehr, aber mit dem Alter, den zB das Wort „Jude“ oder „Judäa“ hat, kann ich trotzdem nicht konkurrieren!). Jeder regelmäßige Leser meines Blogs weiß, daß mein geschätzter Schwiegervater als Palestinian geboren wurde – nämlich als Palestinian Jew.

Es gab Palestinian Arabs und Palestinian Jews, die im Mandatsgebiet lebten. Und manche von ihnen lebten schon Generationen hier, andere, sowohl Juden als auch Araber, wanderten aus anderen Gegenden ein. Seit dem 18., 19. Jahrhundert hat die Gegend hier, die ja damals zum großen Osmanischen Reich gehörte, viele Einwanderungswellen gesehen. So einfach ist es also nicht. Und wenn man vergleicht, wer zuerst hier ist – nun, auch die Kanaaniter werden wohl nicht die ersten gewesen sein. Aber die Idee, daß die palestinian Arabs die ersten hier waren, kann man wohl nicht ernstnehmen, so populär sie auch sein mag. Aber selbst wenn es so wäre – was spräche gegen ein friedliches Zusammenleben, wie wir es im Moment praktizieren?

Und wie geht die dramatische Szene weiter?

„Nein, ich möchte alles wissen“, fordert der Verkäufer sie dann auf. Einmal sagt er etwas auf Französisch, woraufhin Maya entrüstet und schnell antwortet. Nun schaltet sich auch Mathilde ein, legt mir ihre Hand auf den Rücken. Wir sollten lieber gehen. Wir machen uns auf den Weg zum Ausgang.

Will ich mein Kikoi immer noch haben? Der Verkäufer sieht mein Grübeln und nimmt mir die Tüte aus der Hand. „No problem, no problem“, wiederholt er. Während er das Tuch aus der Tüte nimmt, sagt Maya zu mir: „Toll, jetzt sind wir Antisemiten.“

Toll, wirklich. Der Mann hat zu ihr gesagt, auf Französisch, daß das antisemitische Reden sind. Da ist Maya entrüstet und beleidigt. Nein nein, das ist kein Antisemitismus, ganz bestimmt nicht! Das sind doch nur die Fakten, oder, über die weißen Israeliten und ihren Rassismus?

Mich trifft das tief. „Sag ihm, ich habe kein Problem“, raunze ich. „Er hat anscheinend eines.“ Kritisch kuckt mich der Verkäufer an. Dann lacht er freundlich, auf einmal wäre es ganz leicht, zu der friedlichen Stimmung von vorhin zurückzukehren.

Auch die Türkin ist nun gekränkt. Die Antisemitismuskeule! Empörend! Das kann nur Problem des Juden sein. Daß die Mädchen, statt ihren Stoff zu kaufen und wieder zu gehen, eine Diskussion angefangen haben und dem armen Mann dabei sämtliche Klischees über Israel aufgehalst haben, das ist nicht etwa ihr Problem – nein nein, das ist das Problem des Juden.

Aber ich will das Thema Palästina nicht so schnell zu den Akten legen und bitte Maya um eine letzte Übersetzung: „Kein Land auf dem Blut eines anderen.“ Der Verkäufer lacht und sagt: „inschallah, inschallah.“

In der Tat Inshallah. Weder auf dem Blut der Opfer von Hebron (das war der erste Akt der Aggression zwischen Juden und Arabern – für Leute, die davon noch nie gehört haben: das war 1929, fast 20 Jahre vor der Gründung des Staats Israel – und das Massaker wurde durch die Verbreitung von Gerüchten ausgelöst, die Juden würden Araber töten – immer Gerüchte, Gerüchte als Rechtfertigung!). Noch auf dem Blut von Ilan Halimi, dem jungen Juden, der in Paris in tagelangen Qualen leiden mußte, bis seine moslemischen Kidnapper ihn ermordeten. Daß Juden ein bißchen „angespannt“ reagieren, ist vor diesem Hintergrund sogar fast ein bißchen verständlich, oder?

Später sitzen wir auf einer Wiese. Ich lege das große Kikoi-Tuch um meine Schultern. Es fängt an zu regnen. Das Tuch wird nass. Es ist schwer.

Ach ja, die türkischen Mädels haben es schwer. Was für ein gedankenschwerer Schluß. Das war aber wirklich eine bewegende Geschichte.

Allerdings beruhigt es mich doch wiederum, daß die Leserschaft zu großen Teilen so billige, kaum verhüllte rassistische Propaganda nicht abkauft. Interessanterweise kommt begeisterte Zustimmung größtenteils von türkisch oder arabisch benamsten Kommentatoren. Es wird wohl die Islamophobie mancher „weißen Teutonen“ sein, die ihnen nicht erlaubt, diese Art Text ernstzunehmen.

Warum ich überhaupt was dazu geschrieben habe? Nun, ich wundere mich, warum die taz solchen sewel überhaupt veröffentlicht. Meint sie, wenn man nur genügend Pamperlacke wirft, bleibt am Ende was hängen? Und als Einblick in den Müll, der anscheinend in manchen deutsch sozialisierten türkischen Köpfen herumschwirrt, ist der Text ebenso erhellend wie erschreckend.

(Ich verdanke den Hinweis auf dieses Machwerk der Kommentatorin Silke bei Lozowick, der Eintrag selbst ist auch interessant, wie stets. Leider hat Silke sich zu mir in mein Mini-Blögchen  noch nicht verirrt… schade.)

Kleines Erlebnis August 6, 2010, 12:31

Posted by Lila in Klippschliefer....
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Gerade ging ich raus in die Hitze, um mir ein paar Zweige Pfefferminz und Bergkraut für meinen Tee zu holen. Ich guckte in den weißen Eimer unter der Ableitung unserer Klimaanlage, wo ich das Wasser sammle, mit dem ich morgens oder abends die Pflanzen wässere – und erschrak. Der Eimer war fast voll, und im Wasser schwamm eine kleine Eidechse. Den blassen Bauch hatte sie nach oben gekehrt, die Beinchen in alle Richtungen ausgestreckt. Wie ein kleiner Fallschirmspringer hing sie da, regungslos, und wartete auf einen Fallschirm, der nie aufgeht. Gegen das Weiß des Eimers hob sie sich gut ab, und ich konnte deutlich jedes Schüppchen erkennen.

Ach, arme Eidechse, hattest du Durst, dachte ich, und schüttete vorsichtig die oberste Schicht des Wassers ab, um die kleine Leiche auf den Kompost zu befördern. Doch die Eidechse war gar nicht tot. Sie fiel auf den Rücken, drehte sich schnell um, und hielt dann inne. Sie atmete schwer, ich sah ihren kleinen Brustkorb heftig arbeiten. Sie guckte sich um, und nach einem winzigen Moment war sie verschwunden. Sie flitzte über die Hauswand in Richtung Garten, elegant und flink, als wäre nichts gewesen.

Und ich habe kleinen Napf nach draußen gestellt, damit das nicht noch einmal passiert. Bei der entsetzlichen Hitze suchen bestimmt viele Tiere eine Wasserquelle.  Wie gut, daß ich die Eidechse noch rechtzeitig gefunden habe. Noch dazu, wo ich jetzt weiß, daß es eine Lacerta Laevis war, eine bedrohte Art.

Tertia, fernmündlich August 5, 2010, 15:21

Posted by Lila in Kinder.
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Die Mädchen haben großen Spaß bei meiner Mutter und meinen Geschwistern. Sie genießen das kühle Wetter und die Aufmerksamkeit, und ohne mich als Rückhalt ist ihr Deutsch tadellos. Sie können, wenn sie müssen! Tertia amüsiert sich sehr über die vielen Fragen nach der Armee. Sie ist ja kein Kind mehr, und alle wissen, daß sie in einem Jahr Abi macht und dann eingezogen wird. Die meisten wissen auch, daß sie schon zwei Brüder in der Armee hat.  (Oh Gott!)

Tertia hat sehr viel gekichert, als sie mir die Fragen berichtet hat. „Ob ich wirklich zur Armee will, und was passiert, wenn ich nicht will, und ob ich Angst habe, und ob das nicht alles schrecklich ist, und lauter so Fragen“. Ich habe sie auch gleich was gefragt, nämlich: und was antwortest du? „Also, ich sage, daß ich mir das lange überlegt habe, aber jetzt will ich doch zur Armee. Denn wenn wir keine Armee haben und niemand hingeht, dann haben wir echt ein Problem. Bis wir Frieden haben, brauchen wir nun mal die Armee. Kämpfen will ich aber nicht, und Angst habe ich nicht.

Aber an den Krieg vor vier Jahren erinnere ich mich noch, und da hatte ich Angst, denn wir hatten keinen Schutzraum. Jetzt haben wir aber einen, und vor der Armee habe ich überhaupt keine Angst. Ich will mashakit tash werden – Mama, weißt du, daß es sowas in der deutschen Armee gar nicht gibt? Die heißt übrigens Bundeswehr. Einer hat mir gesagt, er wollte gern zur Bundeswehr und etwas wichtiges leisten, und dann haben sie ihn ein Büro gesetzt, und da hat er nach acht Monaten aufgehört. Ja, die hatten nichts für ihn zu tun, ich verstehe es auch nicht.  Ja, und dann sage ich den Leuten, daß ich es gut finde, daß bei uns auch die Mädchen eingezogen werden, denn da kann man sehen, daß Männer und Frauen kämpfen können, wenn sie wollen. Und manche Männer wollen es ja auch nicht. Also, bei uns kann man sich das mehr aussuchen. Aber Mama, hier sind die meisten Leute Pazifisten, sagen sie.“

Ich nehme an, die guten Freundinnen meiner Mutter und ihre Bekannten schlucken ein bißchen – tja, Pazifisten, das wären wir auch gern😀 Aber zu meiner Tertia kann keiner fies sein, also nehme ich an, im Stillen schütteln die Leute die Köpfe und sagen: ach die Lila, wie hat sie ihre Kinder indoktriniert! Hab ich aber gar nicht. Ich hätte jede andere Entscheidung gerade bei meinem Sorgenkind Tertia voll mitgetragen, und sie hätte wohl problemlos national service machen können. Das haben wir ihr immer gesagt.

Aber mashakit tash – das will sie gern werden, seit sie davon das erste Mal gehört hat. Was das ist? Mashak ist die Abkürzung für mefaked she-eino katzin, also ein Commander ohne Offiziersrang. Mashakit ist die weibliche Form. Und tash ist die Abkürzung von tnaey sherut, also Bedingungen des Diensts. Zum Beispiel Befreiungen von bestimmten Sachen, spezielle Bedürfnisse des Soldaten, was Freizeit und Zeit zuhause angeht. Die Mashakit tash ist also keine Offizierin (obwohl sie durchaus eine Offizierslaufbahn einschlagen kann), sondern so eine Art Sozialarbeiterin ihrer Einheit. Manche von ihnen dienen in kämpfenden Einheiten und sind dann auch im Feld dabei, andere sind bei nicht-kämpfenden Einheiten und haben ein friedlicheres Leben. Die mashakit tash ist die erste Anlaufstelle für alle Soldaten mit seelischen oder sozialen Problemen, in der Armee und außerhalb.

Für diesen Job, der recht hohes Prestige genießt, wird nicht jede Bewerberin genommen. Meine Tertia mit ihrem großen Interesse an Psychologie und Sozialarbeit würde sich schon dafür eignen. Diskret ist sie auch – ihre Eltern wissen wenig von ihrem Privatleben… und sie ist sehr gut in der Einschätzung von Menschen und im Gespräch. Ich könnte mir ohne weiteres vorstellen, daß sie ihre Arbeit so gut tut wie die nette junge Frau, die diesen Posten innehatte, als Y. vor vielen Jahren eingezogen wurde. Sie hat mit der Einheit den ganzen Libanonkrieg mitgemacht, und wir halten guten Kontakt mit ihr. Sie hat allen „ihren Jungs“ Schlüsselanhänger machen lassen, eine Hamsa mit ihrem Namen und „November 1981“ drauf. Y. trägt seinen täglich in der Hosentasche.

Tja, aber wie erklärt man das? Tertia erklärt es so ungefähr, sie sagt, sie will Sozialarbeiterin bei der Armee werden, und daß sie das interessiert. Und ich habe ihr gesagt, daß auch die Bundeswehr einen sozialen Dienst hat. Nur daß den eben nicht junge Mädchen stellen, die von der Armee angelernt werden, sondern professionelle Sozialarbeiter, die vermutlich keine Uniform tragen. Das weiß ich aber nicht genau.

Wie ist es also, wenn man beim Bund eingezogen wird? Hier ist es so, daß noch in der Aufnahmebasis (Bakum) das erste Gespräch mit der mashakit tash erfolgt. Ich merke, ich habe keine Ahnung. Also, Ex-Bundis, her mit dem esoterischen Wissen.

Seltsame Grillen August 5, 2010, 7:50

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Gestern abend verirrte sich eine kleine Grille in unser Schlafzimmer. Sie machte einen fürchterlichen Lärm und hüpfte verwirrt durchs Zimmer. Wir haben sie in der Hand gefangen und nach draußen gesetzt. Auch ein Heupferdchen von beachtlicher Größe, daß unser wilder Leo neulich durchs Haus jagte, habe ich sofort gerettet.  Und die Gottesanbeterin, die wir im alten Haus mal auf dem Kinderbett hatten, habe ich ebenfalls nach draußen gesetzt und mich gefreut, daß ich sie aus der Nähe angucken konnte.

Komisch, wovor ich mich ekle und wovor nicht. Die handtellergroßen Spinnen, die selten genug von draußen eindringen, sind mir so ekelhaft, daß ich sie nicht mal benennen kann, und ich bin froh, wenn Y. sie entsorgt. Wie, ist mir egal. Gott sei Dank, Kakerlaken haben wir hier noch nie gesehen, aber in meinen Jahren in Israel habe ich sie oft genug getroffen. Sie sind wirklich fies und ekelhaft, finde ich, und ich graule mich vor ihnen. Für Spinnen und Kakerlaken empfinde ich kein Mitleid – meine Empathie reicht nicht bis zu ihnen.

Skorpione sind wieder was anderes. Ich finde sie nicht ekelhaft, sie sehen sogar schön aus, aber ich habe auch kein Mitleid mit ihnen. Wenn ich welche im Haus antreffe, fackle ich nicht lange – ich mach sie kaputt. Y. rettet sie und läßt sie draußen frei – mir ist das zu gefährlich, ich will nicht, daß einer von uns auf so ein Biest tritt.  Eine Schlange dagegen, auch eine giftige Zefa, wie unser Nachbar sie schon zweimal im Haus hatte, würde ich wohl nicht töten – obwohl Zefas wirklich gefährlich sind. Was würde ich machen, wenn ich eine Zefa im Haus finde? Ich würde versuchen, sie zu fangen, und sie dann in einer Kiste weit wegbringen und freilassen.

Meine Mutter grault sich vor Ratten. Wenn die Katzen unserer Kindheit stolz ihre Beute vor unserer Tür deportierten, wies unsere Mutter uns mit zitternder, doch entschlossener Stimme an, „das tote Eichhörnchen“ oder „den Maulwurf“ in den Müll zu werfen. Sie konnte nicht mal das Wort Ratte aussprechen. Natürlich sind wir grausame Kinder mit der Ratte auf der Kehrschaufel in die Küche gekommen und haben gesagt: „guck mal, Mama, die süße kleine Ratte – was die für Zähnchen hat!“ Schande über uns. Über anderleuts Grusel lacht man. Wenn meine Kinder mir das mit einer Spinne – oh nein, danke!

Seltsam, wo Ekel- und Mitleidgrenzen verlaufen. Bestimmt gibt es auch Leute, die sich vor Grillen ekeln, oder die mit fetten Spinnen keine Probleme haben.  Aber ich bin sicher, daß eine Grille im Schlafzimmer Glück bringt.

Letzte Neuigkeiten und Gedanken zum Zwischenfall August 5, 2010, 6:11

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an der Grenze vorgestern, der Gott sei Dank hinter uns liegt. Gestern abend fand in Naqoura ein Treffen von Vertretern der Unifil, Israel und dem Libanon statt, in dem der normale Ablauf der Arbeiten an der Grenze noch einmal besprochen wurden. Auch bei diesem Treffen war allen Seiten klar, daß der Fehler auf Seiten der Libanesen lag und Israel das Recht hat, auf israelischem Territorium Sichthindernisse zu beseitigen.

Der verletzte Offizier (übrigens äthiopischer Herkunft) erholt sich, der getötete Familienvater ist gestern begraben worden. Auch im Libanon sind die Toten beerdigt – Moslems und Juden beerdigen schnell. Der Verletzte wurde im Krankenhaus interviewt und erinnert sich an den Vorfall – wie er und sein Vorgesetzter beschossen wurden, auf israelischem Territorium. Er hatte noch Kraft, seine Frau anzurufen und sie zu beschwindeln, daß er sich die Hand gebrochen hat. Dann wurde er ohnmächtig und mußte operiert werden, weil er nah am Herzen getroffen war. Jetzt geht es ihm gut, und er will so schnell wie möglich wieder Miluim leisten. Männer!!!

Die vielen, vielen hämischen, unsachlichen und haßerfüllten Kommentare und Talkbacks, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, zeigen mir deutlich, was ich eh schon wußte – automatische Verurteilung Israels ist für viele so selbstverständlich, daß sie ihren Standpunkt nicht mal in Frage stellen. Avenarius´ Kommentar ist ein besonders perfides Beispiel für die Verdrehung der Tatsachen – er preist ausgerechnet Assad, den hinterhältigen Kriegstreiber, der die ganze Region in Unruhe hält und mit Waffen beliefert, als friedliebenden Warner vor Krieg.

Vier Tote im Streit um einen Baum im israelisch-libanesischen Grenzgebiet, einen Baum, der der einen Armee die Sicht versperrt und der anderen zur Frage der nationalen Ehre wird. Dazu widersprüchliche Angaben über den Verlauf der Grenze und den Standort des hölzernen Gewächses, Beschuldigungen, Drohreden, Gefuchtel mit geladenen Waffen.

Das ist geradezu eine Verleumdungsklage wert. Der Streit ging nicht um den Baum – das war nur ein Vorwand, Avenarius! Schön blöd, daß er drauf reinfällt. Widersprüchliche Angaben – eine Seite hat gelogen, die andere die ganze Zeit die Wahrheit gesagt. Das nimmt Avenarius natürlich nicht zur Kenntnis.  Die Süddeutsche erwähnt es nicht einmal. Ihre Leser sind nach wie vor auf dem Kenntnisstand von vorgestern nachmittag. Bemerkenswert.

Die Taktik der Scharfschützen im Hinterhalt ist aufgegangen: wir greifen Israel an, die Idioten verteidigen sich auch noch und die ganze Welt hält sie dann für aggressive „skrupellose Kriegstreiber“ (Avenarius). Ich hoffe, für solche Journalisten gibt es ein besonderes Kämmerchen in der Hölle, wo sie pausenlos Wahrheit zu sich nehmen müssen – stelle ich mir sehr schmerzhaft vor für Freund Avenarius.

Kurz, so sehen unsere Freunde in der Welt aus. An die Feinde möchte ich an diesem Tag keinen Gedanken verschwenden.

Update am Freitag:

Noch ein paar interessante Texte zu diesem Lehrstück von „anti-Israel bias“ – für den Fall, daß nächste Woche wieder naive, wohlmeinende Erstkommentatoren auftauchen und sagen: ach, was bist du so vergrämt und bitter, ich finde unsere Berichterstattung über den Nahen Osten objektiv und umfassend! Ich fühle mich super informiert und habe mir aufgrund der Informationen in unseren soliden deutschen Medien eine richtig objektive, faktenbasierte Meinung gebildet! Also, lieber naiver Erstkommentator, food for thought:

Yaacov Lozowick über die Verzögerungen und den offensichtlichen Widerwillen der Medien, die wahre Version endlich zu berichten – man möge sich ausmalen, wie sich die Updates gejagt hätten, wären die Erklärungen der Unifil gegen Israels Version gerichtet gewesen…  Sein Fazit:

As I never tire of saying but unfortunately must repeat over and over and over, the reality Israelis know they live in is decidedly different from the mishmash of lies, mistakes, inaccuracies and wishful thinking just about everyone else is spoon-fed. Since reality is stronger than media reports, the discrepancy leads eventually to real-world actions, in which, for example, well-meaning but wrongly informed American Jews grow ever more exasperated with Israel for not understanding what any regular reader of the NYT can see; or when newly elected American presidents need 12-18 months of daily briefings before they begin to understand what’s really going on (Bush II needed 12 months, Obama seems to have needed the 18).

Bei Israelmatzav findet sich der Link zu einer ausgezeichneten Karte, die eindeutig zeigt, daß die Libanesen nicht etwa auf die bösen, bösen Baummörder gezielt haben, sondern direkt auf die Offziere, die eindeutig auf israelischem Territorium waren.

Mehr Bilder auch bei Elder of Zion, falls noch jemand Zweifel hegt.

Und eine Erklärung mit Bildern zum Thema Enklaven (muvlaot) und wie Israel mit ihnen umgeht bei der Jerusalem Post. Mir ist klar, daß die giftigsten „Israelkritiker“, deren Talkbacks und Kommentare in den Online-Medien ich mit Übelkeit gelesen haben, sich nie so weit aufs Thema einlassen.

Für sie ist klar, daß Israel Narrenfreiheit genießt, wegen Holocaust-Schuldgefühl und allgemeiner jüdischer Hinterlistigkeit unangreifbar ist, daß Israel das alles getan hat, um die armen Libanesen zu provozieren, und daß die Wahrheit eh nie ans Licht kommen wird, weil die Juden die Medien manipulieren. Nur der der Talkbacker selbst ist heldenhaft genug, um im Meer der israelfreundlichen Berichterstattung die Wahrheit ans Licht zu zerren. Tja, diese Leute werden sich die Karten nie angucken, die Artikel nie durchlesen. Sie sind unbelehrbar.

Überraschung! August 4, 2010, 9:51

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Auch die libanesische Armee gibt nun zu: sie hat zuerst geschossen. Nach der deutlichen Erklärung der Unifil, daß israelische Soldaten israelisches Territorium nicht verlassen haben, nun der zweite Anlaß, die Versionen der Geschichte zu korrigieren. Außderdem stellt sich die Frage nach der Rolle der Journalisten.

Ich sehe, daß weder Tagesschau („gegenseitige Schuldzuweisungen…“) noch Zeit („widersprüchliche Angaben beider Konfliktparteien“) oder SPon (Westerwelle ruft beide Seiten zur Zurückhaltung auf…) noch auch Aachener Nachrichten („beide Seiten zur Mäßigung….“)  oder Süddeutsche („gegenseitige Schuldzuweisungen…“)  oder Kölner Stadtanzeiger (ebenfalls keine neuen Fakten) das getan haben, sie habe die unklare Faktenlage von gestern noch als letzte Meldung stehengelassen. Wie sieht es in anderen Medien aus? Ich wälze diese Fragen doch gern auf die Leser ab…

Aber eines möchte ich doch zu bedenken geben: es muß Gründe dafür geben, warum die Version der „beide Konfliktparteien…“ weiter gepusht wird, auch wenn sie sich als überholt erwiesen hat. Diese Geschichte ist ein Paradebeispiel für das Vorgehen der Medien im Fall Nahost. Die Medien fühlen sich damit bestimmt sehr „ausgewogen“. So ausgewogen, wie sich ein Lehrer fühlt, der Bully und Bully-Opfer gleichermaßen als schuldig sieht. So ausgewogen, wie sich ein Richter fühlt, der der Frage nachgeht, was das Gewaltopfer getan hat, um die Gewalt zu provozieren.

Denn es kann einfach nicht sein, daß die Gewalt im Nahen Osten von EINER Seite ausgeht. Dann müßte man ja Stellung beziehen.

Falls jemand eine optimistischere Erklärung für das Phänomen „news freeze“ hat, bitte sehr…

In eigener Sache August 4, 2010, 7:24

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Ich habe auf meiner Lila-Seite ein paar Sätze ergänzt:

Mein Blog war jahrelang unmoderiert, doch da das Thema „Naher Osten“ Trolle anzieht, bin ich dazu übergegangen zu moderieren. Unflätige, antisemitische und rassistische Kommentare wandern in den Spam, und der tüchtige Spamfilter sorgt dafür, daß weitere Kommentare desselben Absenders verschwinden, ohne je das Tageslicht zu sehen. Emails ähnlicher Wesensart werden ungelesen gelöscht. Ich bin inzwischen auch dazu übergegangen, Email-Adressen stichwortartig zu überprüfen. Wer eine Spaß- oder Phantasieadresse angibt, läuft in Gefahr, gesperrt zu werden. Man sollte schon imstande sein, minimale Verantwortung für die Dinge zu übernehmen, die man so von sich gibt.

Was mich ärgert August 3, 2010, 20:15

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Im SPon steht doch tatsächlich immer noch die dämliche Überschrift von dem gefällten Baum.

Was für ein Unfug. Diese flapsige, leicht patronisierende Überschrift (guckt euch an, was für Chaoten im Nahen Osten ihr Unwesen treiben….) suggeriert, daß es tatsächlich eine spontane Reaktion der Libanesen auf eine Grenzverletzung war – vielleicht eine fälschliche, aber doch eben eine Grenzverletzung. Israel, das den „Baum“ „gefällt“ hat, hat damit „provoziert“. Die Überschrift ignoriert damit, daß es keineswegs eine israelische Provokation war, sondern daß Israels korrektes Vorgehen mißbraucht wurde, um die israelischen Soldaten in eine Falle zu locken.

Nicht zum ersten Mal. Nur sind wir solche Fallen von der Hisbollah gewöhnt, nicht von der libanesischen Armee. Das weist darauf hin, daß sich die libanesische Armee verändert – vor zwei Jahren noch ist sie gegen die Hisbollah vorgegangen und hat mit Israel kooperiert. Etwas Ernstes geht in der libanesischen Armee und Gesellschaft vor sich.

Diese dummerhafte Überschrift schiebt das alles unter den Teppich und macht aus dem Vorfall eine Posse. Das war er aber nicht. Ich bin froh, daß er vorbei ist, erwarte keine Neuauflage des letzten Kriegs und habe eigentlich schon zu viel darüber geschrieben – aber die Weigerung des SPon, den Vorfall als Warnzeichen ernstzunehmen, daß sich Hisbollah und libanesische Armee annähern, die macht mich wieder mal besorgt.

Update: es steht in Ynet, vielleicht schafft die Meldung es ja auch in die deutschen Medien?

UNIFIL forces that toured the site of Tuesday’s deadly exchanges of fire said the IDF’s activity along the border did not warrant the attack by Lebanese Army soldiers, Israeli army officials who spoke to UNIFIL representatives said.

According to the army, soldiers were performing routine operations in a border-area enclave within Israeli territory when they were ambushed by Lebanese troops.

Das ist die Wahrheit, man vergleiche damit die giftige Rhetorik eines libanesischen Politikers:

Ghazi Aridi, Minister und Regierungsmitglied im Libanon erklärte sofort: „Alle Libanesen werden ihr Land und ihre Würde verteidigen. Wir werden es nicht hinnehmen, ständig im Schatten israelischer Drohungen zu leben. Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem israelischen Terrorismus muss ein Ende haben. Wenn Israel und seine Unterstützer wirklich einen großen Krieg haben wollen, sollten sie wissen: Wir haben das Recht unser Land zu verteidigen. Dieser Krieg wird dann auch kein Picknick für Israel werden. Es wurde schon einmal geschlagen, und wes wird wieder geschlagen werden, egal welche Waffen es einsetzt“, so Aridi.

Also: Israel hat die Wahrheit gesagt, die Libanesen lügen. Die Provokation ging von der libanesischen Armee aus, nicht von Israel. SPon, Überschrift ändern! Scharfschützen-Hinterhalt provoziert blutiges Feuergefecht – das wär doch mal eine Überschrift.

Und hier die offizielle Erklärung August 3, 2010, 18:35

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Abgegeben von Avital Leibovitch, einer Offizierin.

Today’s unprovoked attack by the Lebanese army against the IDF, took place in Israeli territory along Israeli’s Northern border. In some areas, there is a gap between the IDF security fence and the actual border, which is where this attack took place. IDF soldiers were conducting routine maintenance work including clearing bushes from the area. This sort of activity is crucial to keep an open line of sight, to prevent attacks and kidnappings, like the one in the summer of 2006, which was in a similar location.

This crucial work was fully coordinated with UNIFIL, and there was nothing unique about it.

A Lebanese sniper opened fire towards IDF forces in a clear and blatant violation of UN security council resolution 1701.

The IDF retaliated with artillery and helicopter fire.

IDF intelligence is investigating if this was premeditated attack.

The LAF opened fire not at the soldiers who were doing the routine maintenance work on the fence, but at the commanders who were standing nearby observing the work. This indicates that it was a preplanned attack not in reaction to the work on the fence.

We estimate 4 casualties on their side.

Some parts of the LAF are influenced by Hezbollah

After the initial exchange of fire, we were requested to suspend our fire so that they could evacuate their wounded. roughly half an hour after we suspended our fire, LAF shot an RPG at one of our tanks. They missed the tank and our tank returned fire.

IDF only opened fire in response to our soldiers being shot at and wounded.

This is the most serious incident along the northern border since 2006.

Official Casualty Statement:

Lt Col (res) killed: Dov Harari.
Critically wounded (res) company commander (Captain).

bei IsraelMatzav gefunden.

Mal sehen, was die UNIFIL von sich geben wird.

Und für die Tagesschau noch einmal zum Mitschreiben: der Grenzzaun verläuft nicht überall genau auf der Grenze.  Wo israelisches Gebiet jenseits des Grenzzauns liegt, hat die israelische Armee das Recht, einen Strauch oder Baum zu fällen – unter Benachrichtigung der Unifil und somit auch der libanesischen Armee. Daß die Tagesschau das Problem im Baum und nicht in den Scharfschützen sieht, die Offiziere beschossen haben, die eindeutig auf israelischem Gebiet standen, ist wieder mal typisch… und die Kommentare sind dementsprechend. Ach, wie leicht lassen sich Leute manipulieren!

Und hier zur Verdeutlichung die Karte der Blauen Linie.

Da kann man sehen, wie nah Misgav Am und Addaisseh beieinanderliegen. Sie sehen auf der Karte fast aus wie zwei Teile eines Orts, der durch die Grenze geteilt wird.

Fragen, Antworten August 3, 2010, 16:47

Posted by Lila in Presseschau.
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Viele Fragen zum Vorfall heute mittag sind beantwortet. Die israelische Armee hat Routinearbeiten in den kleinen Enklaven vorgenommen, die sich auf libanesischem Gebiet befinden. Das ist seit dem letzten Krieg üblich, sagt die Armee, weil diese Enklaven von der Hisbollah genutzt wurden, zB bei dem Überfall auf Goldwasser und Regev vor vier Jahren.

Die Armee spricht sich vor her mit der UNIFIL über diese Aktivitäten ab. Die libanesische Armee ist nicht davon begeistert, hat aber nichts dagegen getan, bisher. Heute hat die libanesische Armee überraschend Feuer eröffnet. Die libanesische Version, von Haaretz:

„It started when the Israelis wanted to cut a tree down inside Lebanon,“ one security source in Lebanon said. „The Lebanese army fired warning shots at them and they responded by shelling.“

Die israelische Version besagt, daß sie nie israelisches Gebiet verlassen haben, und daß keine Warnschüsse abgegeben wurden.  Die Soldaten waren von den Schüssen überrascht und schossen zurück. Die Situation eskalierte schnell.

Die Hisbollah ist nicht beteiligt, zumindest nicht erkennbar beteiligt. Heute abend wird Nasrallah eine Rede halten, zum Thema Hariri. Saudi-Arabien und Syrien drohen mit Konsequenzen, falls die Hisbollah für schuldig befunden wird.

Es treffen also seltsam viele Dinge gleichzeitig zusammen. Ob der libanesische Soldat, der heute als erster zur Waffe gegriffen hat, Kontakte zur Hisbollah hat? Undenkbar ist es nicht.

Und warum ich unserer Armee mehr glaube als den Erklärungen der Libanesen? Nach den vielen haltlosen Anklagen gegen Israel wie im Fall der vergifteten Luftballons habe ich keinen Grund, den libanesischen Medien zu glauben. Assads Drohgebärden finde ich lächerlich und verlogen. Nach dem alten Motto: „it all started when Israel shot back!“… oder auf Deutsch: „Israel droht mit Selbstverteidigung“.

Wir haben kein Interesse an einem Krieg, wir haben ein Interesse daran, daß die UN-Resolutionen nach dem letzten Libanonkrieg eingehalten werden und daß dort Ruhe herrscht. Alle Grenzverletzungen waren einseitig aus dem Libanon, entweder von palästinensischen Splittergruppen dort oder der Hisbollah.  Die haben auch ein Kriegsziel, nämlich Israel zu besiegen und zu vernichten, aber wir haben kein Kriegsziel, wir haben keine Forderungen an den Libanon. Außer, daß sie uns endlich in Ruhe lassen und die Grenze anerkennen.

Ich finde aber, die UNIFIL soll klare Ansagen machen und öffentlich erklären, wie das Procedere bei israelischen Arbeiten in den Enklaven aussieht. Und die Armee sollte sich überlegen, wie sie es verbessern kann, damit nicht wieder ein einzelner nervöser Soldat eine solche Kettenreaktion auslöst.

PS: Ich habe das Gefühl, wir werden heute noch, sobald die Familien benachrichtigt sind, von den Verletzten auf unserer Seite hören. Und da ist der Name – ein Toter, zwei Verletzte.

Update: Wie fast  immer gehen bei uns erst exakte Informationen heraus, wenn die Familien benachrichtigt sind, was in den Ferien dauern kann. Der getötete Soldat ist Offizier und hatte die Aufsicht über die Routinearbeit an der Enklave (von der, wie alle bestätigen, die UNIFIL wußte – und wie in diesem Fall üblich ebenfalls routinemäßig die libanesische Armee per UNIFIL ebenfalls wußte). Der Offizier wurde von Scharfschützen erschossen, die der isrealischen Truppe ganz klar auflauerte. Er starb als erster. Daraufhin reagierten die israelischen Soldaten mit Feuer auf die libanesischen Armeefahrzeuge auf der anderen Seite der Grenze. Nach einer Weile hörte der Schußwechsel auf, die UNIFIL vermittelte, und es sah aus, als wäre die ganze Sache vorüber. Jedoch nach zwei Stunden wurden die Israelis noch einmal von einer Gruppe mit RPGs angegriffen.

Ich habe das dumpfe Gefühl, daß diese Einzelheiten es nie in andere Medien schaffen werden. Ebensowenig wie die oben verlinkte Liste mit Grenzverletzungen der libanesischen Seite es je in andere Medien als unsere geschafft hat. Im Ausland wird sich wieder einmal die Version „man kann es nie wissen…“ durchsetzen. Teil der Taktik gegen Israel. Ich hoffe wieder mal, ich irre mich.  Aber mir graut schon vor den Kommentaren in den deutschen Tageszeitungen. Wir werden angegriffe und müssen dann noch Prügel von irgendwelchen Zeitungsschreibern einstecken. Wie oft haben wir das schon erlebt!

Ehud Yaari erklärt Hintergründe über die libanesische Armee und ihre Kontakte zur Hisbollah, die enge Verbindung, die sich gebildet hat. Eine geschlossene Front gegen Israel – der gemeinsame Feind eint sie alle.

Eine Frage der Zeit August 3, 2010, 13:21

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Wenn es im Süden knallt, dann brauchen wir nicht lange zu warten – auch im Norden fängt es an. Wir haben wirklich reizende Nachbarn, rundherum.

Hoffen wir, daß das Mißverständnis mit der libanesischen Armee (denn welchen Grund hätten sie, auf eine  israelische Patrouille auf israelischem Grund und Boden zu feuern?) sich aufklären läßt, und daß der Raketenbeschuß durch die Hisbollah nur eine akustische Täuschung war.

Daß diese Spannungen nichts mit dem Iran zu tun haben, kann ich leider nicht glauben. Ich habe aber nicht den Eindruck, daß es weiter eskalieren wird. Der Iran hat kein Interesse an einer verfrühten militärischen Auseinandersetzung. Bis sie Atomwaffen haben, werden sie warten. Hoffen wir, daß ich mich nicht irre. Andererseits – sehr beruhigend ist der Gedanke nicht, was passiert, sobald sie die Atomwaffe erstmal haben…

Für heute ist die Krise hoffentlich vorbei.  Es war übrigens nicht in unserer Gegend (auf halbem Weg zwichen Kabri und Shlomi), sondern weiter nordöstlich, so daß ich nichts gehört und nichts gesehen habe – ich weiß es, genau wie die meisten meiner Leser, aus den Medien.

Heiß, heiß, heiß August 2, 2010, 12:40

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ist es im Moment in Israel. Ich versuche, ohne Klimaanlage auszukommen, weil ich doch allein bin und nicht so verwöhnt sein will, aber es ist schwierig. Selbst nachts ist es draußen stickig, schwül und heiß. Ich denke an meine hellhäutigen Jungens, die sich im Süden des Lands mit der Sonne rumquälen müssen, und das ist schwierig.

Ich sehe gerade bei Ruth einen Eintrag über eine andere Art Hitze. Lesen lohnt sich. Tatsächlich häufen sich hier in den letzten Tagen die Raketenangriffe. In Eilat und auch Jordanien landen Raketen aus dem Sinai. Am Samstag wurde ein Reha-Zentrum getroffen, das Opfer von Krieg und Raketenangriffen behandelt.

Die Armee reagiert inzwischen jedesmal, und zwar sehr schnell, nachdem sich ja in den vergangenen Jahren gezeigt hat, daß Zuwarten nicht hilft – im Gegenteil, die Raketenbastler und -schützen noch ermutigt. Ich neige aber dazu, der Armee zu glauben, wenn sie erklärt, an der Explosion im Haus eines Hamas-Kommandanten unbeteiligt zu sein.  Wenn die Armee etwas macht, dann gibt sie eine Erklärung dazu ab und steht dazu, wie bei den gezielten Gegenschlägen am Wochenende. Eher übernimmt die Armee schon mal Verantwortung, wenn der Fall unklar  ist  – wie im Falle al-Durra und im Falle Ghalia. Ob wir je wissen werden, mit letzter Sicherheit, was da wirklich geschehen ist?

So, und ich rufe jetzt meine Jungens an und schärfe ihnen ein, genug Wasser zu trinken, sich ordentlich mit Sonnencreme einzuschmieren, ihre Sonnenhüte zu tragen und sich nicht zu sehr anzustrengen…

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