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Melanie Phillips Mai 6, 2017, 18:52

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erklärt den Nahostkonflikt. Wer die Fakten nicht kennt, die sie aufzählt, hat nicht genügend Informationen, um sich eine Meinung zu bilden. Wer es nicht glaubt, sollte ein paar Bücher lesen und sich besser informieren.

Erschreckend, daß sie in Berkley nur eine kleine Gruppe von Studenten treffen konnte – sie würde niedergebrüllt werden, wollte sie in größerem Rahmen einen Vortrag halten. Anti-israelische Veranstaltungen hingegen finden regelmäßig fest – das ist eben heute Mainstream-Meinung (auch wenn auf Lügen gestützt).

Ähnlich erschreckend, daß in Deutschland und Frankreich eine Doku über Antisemitismus nicht ausgestrahlt werden darf, aus äußerst dünnen Gründen. Alex Feuerherdt und Götz Aly sagen dazu, was zu sagen ist. Auf Arte laufen selbstverständlich regelmäßig Propagandawerke gegen Israel, ebenfalls auf Lügen gestützt.

Die Ansicht, daß man Israel mahnen, gängeln und „mit klaren Worten“ zurechtweisen muß, ist so sehr Einheitsmeinung geworden, daß sie unhinterfragt fast jede mediale Erwähnung des Landes schmückt. Wie wäre es mal mit der Eigen-Mahnung, die dahinterstehenen Faktoide (Israel verstößt gegen das Völkerrecht, Siedlungen sind Friedenshindernis, Deutschland ist eine moralische Großmacht…) kritisch zu hinterfragen? Wie wäre es mal mit kritischer Distanz zum „Pragmatiker“ Haniya, dessen Karriere als Terrorist nicht einmal erwähnt wird? Ja, das Wort „Terror“ wird nicht einmal erwähnt.

Kurz, die Welt ist durchgedreht. Lügen gelten als Wahrheit, die Wahrheit darf man nicht sagen, Floskeln werden wiederholt, bis alle sie glauben und nachplappern. Es ist zum Verzweifeln.

 

Nur kurz April 26, 2017, 11:14

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Zu dem Gabriel-Netanyahu-Streit kann ich nicht viel sagen, weil ich gerade absolut keine Zeit dafür habe, es ist hier auch kein Gesprächsstoff, weil Deutschland den meisten Leuten hier nicht sehr wichtig ist. Auf gar keinen Fall so wichtig, wie Israel den Deutschen ist.

Nur so viel zu den Kommentaren, die ich gelesen bzw überflogen habe. Fast alle basieren auf mehreren falschen Annahmen, nennen wir sie freundlich „Lebenslügen“.

  1. Deutschland hat eine wichtige Rolle im Friedensprozeß zwischen Israel und den Palästinensern zu spielen, denn…
  2. Deutschland ist neutral und darum ein guter Vermittler.
  3. Israel widersetzt sich einer Friedenslösung und baut Siedlungen, die das Friedenshindernis Nummer Eins sind.
  4. Die Palästinenser sehnen sich stark nach einer Friedenslösung und aus Frustration und Verzweiflung begehen sie manchmal Angriffe, die man nicht Terror nennen kann, weil sie sich ja nur gegen Israelis richten, also Widerstand sind und kein Terror.

Jede einzelne dieser Annahmen ist falsch.

Im Friedensprozeß, falls es so einen wirklich mal geben sollte, spielen nur die eine Rolle, die die Realität so sehen, wie sie ist. Dazu gehören keinesfalls verblendete Mitteleuropäer, die sich für fair und neutral halten, weil sie beiden Seiten im Konflikt die gleiche Schuld zuweisen. Deutschland ist nicht neutral.

Deutschland überweist den Palästinenser Gelder, die in Terrorstrukturen fließen. Deutschland unterstützt massiv anti-israelische NGOs. Deutschland ist keineswegs ausgewogen und fair. Es ist praktisch unmöglich, in Deutschland eine Meinung zu veröffentlichen, die ohne die oben genannten hohlen Versatzstücke auskommt. Deutschland hat seine Seite gewählt, deutsche Medien betreiben massive anti-israelische Propaganda, übernehmen ungeprüft palästinensische Lügen und Halbwahrheiten, Sprachregelungen und historische Fälschungen, und ist damit keinesweges als neutraler, fairer Vermittler prädestiniert.

Die Palästinenser betreiben seit 100 Jahren systematisch Terror gegen jüdische Zivilisten. Systematisch. Terror. Gegen jüdische Zivilisten.

Sie haben damit angefangen, BEVOR es einen Staat Israel gab, BEVOR es die Eroberung der Gebiete im Sechstagekrieg gab, BEVOR es eine Siedlungspolitik gab.

Terror hinterläßt Tote und Verwundete, die man nicht mehr lebendig machen kann, und Terror hinterläßt Verwüstungen in Biographien auf Generationen.

Siedlungsbau hinterläßt Häuser und Wohnungen, die man räumen und übergeben kann.

Jedes Kind kann verstehen, oder könnte es, wenn nicht alle Medien und Politiker ständig was anderes behaupteten, daß ein Trommelfeuer des Terrors ein echtes Friedenshindernis darstellt (trotzdem sind die Israelis mehrheitlich FÜR Frieden), Siedlungsbau hingegen nur ein rhetorisch aufgeblasener Popanz, der in echten Friedensverhandlungen pragmatisch zu lösen wäre.

Die Weigerung, Terror als Friedenshindernis zu bezeichnen, und die gedankenlose, immer wieder wiederholte Gleichung vom Siedlungsbau als Friedenshindernis, ist selbst eines der größten Friedenshindernisse überhaupt, da es in uns in Israel den bitteren, aber nicht unerwarteten Eindruck bestärkt, daß die Welt für Opfer palästinensischen Terrors null Empathie hat und die Palästinenser darum im Terror bestärkt. Und der kostet Menschenleben.

Über meine Sicht auf die problematischen Seiten des Siedlungsbaus bzw der Proklamation neuer Siedlungen (die oft genug gar nicht gebaut werden) und die Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Siedlungen etc, habe ich schon oft genug geschrieben, hab ich gerade echt keine Zeit für. Auch was die Armee angeht – wir haben genügend demokratische Instanzen, die genau wie in Deutschland für Recht sorgen. Besser vermutlich, da in Israel Dialoge offener geführt werden als in Deutschland.

Aber wer über ein paar Wohnungen in Gegenden, aus denen die Juden gewaltsam vertrieben wurden (mehrmals) und in die sie wieder zurückkehrten, Krokodilstränen vergießt, während er die unablässigen Anschläge auf Leib und Leben israelischer Zivilisten als gegeben hinnimmt – wer gemeinsame Sache macht mit Institutionen, die Israel ständig unter eine überkritische, ideologisch gefärbte Lupe nehmen, während sie Gräuel in Israels Nachbarländern elegant ignorieren – wer ohne nachzudenken immer dieselben Phrasen daherredet und das im Vollgefühl deutscher Wichtigkeit und deutscher Richtigkeit – der disqualifiziert sich selbst als Vermittler.

Es ist schade, daß Netanyahu die Gelegenheit nicht genutzt hat, gleichzeitig mit seiner Absage an Gabriel ein paar wichtigen deutschen Medien ein paar grundlegende Fakten mitzuteilen, die in Deutschland anscheinend unbekannt sind. (Und wäre ich seine Beraterin, ha ha, hätte ich ihm auch davon abgeraten, die Sache mit einer Absage so hoch aufzuhängen, es hätte gereicht, das Treffen abzukürzen, damit Gabriel Zeit bleibt, ein paar Familien von Terroropfern zu treffen. Oder ein paar syrische Verwundete im Krankenhaus in Zfat.)

Die deutsche Einheitsmeinung zum sog. Nahostkonflikt ist jedenfalls so fest betoniert, daß keiner sich selbst mal fragt: warte mal, in welchem anderen Konflikt bin ich eigentlich FÜR ethnische Trennung, FÜR Umsiedlung, FÜR ein Regime, das Homosexuelle, Kritiker und Frauen mundtot macht, FÜR religiösen Fundamentalismus und Kompromißlosigkeit, und FÜR Terror als Mittel der Politik? Hmm, vielleicht sollte ich die Fakten, die mir von meinen palästinensischen Freunden präsentiert werden, doch noch einmal überprüfen…?

Nein, das geschieht nicht. Wie die Palästinenser und ihre israelischen Sprachrohre es vorerzählen, so wird es nachgeplappert, auch ohne jegliche Kenntnis der wahren Lage.

Und ich habe noch nichtmal angefangen, über den iranfreundlichen Unterton nachzudenken, der so viele Artikel in deutschen Zeitungen durchzieht…

Leute, Eure Regierung und Eure Medien haben ihre Seite gewählt, und ich wünsche Euch viel Freude damit. Muß zurück an die Arbeit, es warten BERGE.

Hinter dem nächsten Hügel April 21, 2017, 16:55

Posted by Lila in Presseschau.
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.. von uns aus gesehen, nördlich, erlaubte sich gestern ein dreister Hisbollah-Offizier in Uniform, einer Gruppe libanesischer Journalisten die Grenze zu Israel zu zeigen. Hanita, Rosh ha Nikra, unsere Nachbarschaft also. Wenn ihr wissen wollt, wie hübsch es bei uns ist, guckt euch den Clip an, der Schauplatz ist 7 km entfernt, hab´s gemessen.

Warum dreist? Weil die Hisbollah laut UN-Beschluß 1701 südlich vom Litani nichts zu suchen hat. Auch im Interesse des Libanon selbst, was Saad Hariri heute dann noch einmal betonte.

Ich meide ja sonst tunlichst die Nachrichten, sie sind allzu schlecht, aber gestern habe ich sie natürlich angemacht und dann gleich unsere Nachbarschaft gesehen. Als wir noch in Granot gewohnt haben, hatte ich die Hügel des Südlibanon praktisch vor der Nase, jetzt wohnen wir mit Blick nach Süden, und wenn ich diese Hügel sehen will, muß ich auf die andere Seite unseres Hügels gehen – ganz fünf Minuten zu Fuß. Denn die ganze Gegend hier besteht aus Wadis, die sich tief eingeschnitten bis zum Meer ziehen.

Die Armee hat in den letzten Monaten einen Plan umgesetzt, das Gelände nah an der Grenze so zu verändern, daß es schwieriger wird, unbemerkt nach Israel einzudringen. Es ist ja in den letzten Jahrzehnten immer wieder passiert: der Mord an den Harans in Nahariya, das Massaker von Maalot, der Anschlag in Metzuba

Natürlich können Scharfschützen auch so israelische Soldaten auf israelischem Gebiet erschießen. Es ist in der Gegend von Misgav Am passiert und auch in Rosh Hanikra vor fünf Jahren. Natürlich hat UNO Israel immer zu Zurückhaltung gemahnt, ist ja klar, das tut sie ja auch, wenn in Frankreich ein Terroranschlag ist: die französische Regierung mahnen.

Seit dem letzten Krieg ist tatsächlich Ruhe eingekehrt, und ich glaube nicht, daß die Hisbollah Tunnel in diesen felsigen Boden sprengen kann, ohne daß wir es merken – hier ist nur eine ganz dünne Erdkruste, und dann kommt sofort Fels, wie man bei jeder Baustelle sehen kann. Bei uns wird gerade neu gebaut im Dorf, und den ganzen Tag höre ich, wie die Fundamente in den Fels gestemmt werden, ein Wahnsinnslärm, den man weithin hört.

Raketen sind auch lange nicht mehr geflogen, wann war die letzte? Das muß die vor vier Jahren gewesen sein, auf Shavei Tsion.

Allerdings baut die Hisbollah (oder die libanesische Armee?) hohe Türme an der Grenze, die man von uns aus auch deutlich sieht. Folgen für den Libanon? Keine.

צילום: אייל מרגולין- ג'יני

Einer der Türme auf libanesischem Gebiet 

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Hisbollah-Offizier an der Grenze, gestern

Blick aus meinem Arbeitszimmer in Richtung Libanon, vor vier Jahren

Wie dem auch sei, ein Hisbollah-Offizier in Uniform keine 8 km von mir entfernt, offen mit seinen Angriffsplänen strunzend, umgeben von schmeichelnd lachenden Journalisten, die sich über UN-Blauhelme lustig machen – das ist nicht angenehm. Und wenn unsere Nachrichten, sonst komplett Tel-Aviv-Jerusalem-zentriert, das als erste Meldung bringen, ist es wohl auch anderen nicht angenehm. (Und wenn Roni Daniel uns auch sonor erklärt, daß es hier um eine rein inner-libanesische Machtkampf-Geste geht.)

Daß diese Bilder einer offenen Provokation es nicht in Eure Medien geschafft haben, wundert mich kein bißchen. Nur israelische Beiträge zu einer Eskalation schaffen das. Daß diese Reaktionen auf frühere Provokationen sein könnten – auf diese Idee käme man nicht, wollte man sich per Tagesschau etc informieren.

Von Unrecht und seiner Tilgung Februar 3, 2014, 12:18

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Also sprach ein Kommentator:

 “So sehr ich den Juden diesen Staat gönne, so genau sehe ich die Tatsache, dass die Gründung Israels neues Unrecht begründete. Dieses Unrecht gilt es nunmehr zu tilgen. ”

Ich glaube nicht, daß der Komentator selbst willig oder imstande ist, meine Fragen sachlich zu überdenken und eine sachliche Antwort zu geben, aber ich frage trotzdem.

In welcher Hinsicht war die Gründung des Staats Israel mit größerem Unrecht verbunden als die Gründung der Staaten Syrien, Jordanien und Libanon?

In welcher Hinsicht war es unzumutbar für die arabischen Einwohner Israels (die Bezeichung „Palästinenser“ wäre unhistorisch, da sie erst in den 60er Jahren langsam gebräuchlich wurde), als gleichberechtigte Bürger in einem Staat Israel zu leben? Was genau war schlimmer an einer israelischen Regierung Israel als eine jordanische Regierung, ein britisches Mandat oder eine osmanische Provinzverwaltung?

Es ist ja nicht so, als wäre ein autonomes Volk der Palästinenser grausam unterjocht worden. In dieser Weltgegend gaben sich Jahrtausende lang verschiedenste Regierungen die Klinke in die Hand. Eine palästinensische war nicht dabei.

Auch wenn P.Bereit das glaubt. Und viele Leute es glauben. Das sind alles Leute, deren Bullshitometer anscheinend überhaupt nicht funktioniert, und statt mich hier im Blog abzuäschern, sollte ich lieber Olivenholz-Wunderkästchen aus dem Heiligen Land oder sonstige Wunderdinge verkaufen.

Noch einmal zum Mitschreiben: nach Ende des kolonialen Zeitalters wurden die kolonialen Reiche aufgeteilt und Einwohner dieser Reiche wurden autonom. Die sogenannten natives.

Im gesamten Nahen Osten lebten Juden, und niemand, der seine Sinne beisammen hat, kann bestreiten, daß Juden im Nahen Osten heimisch sind. Ungefähr die Hälfte der Bewohner Israels hat orientalische Wurzeln und kommt aus dem Nahen Osten bzw dem Maghreb. Juden sind natives des Nahen Ostens. Die Briten waren Kolonialisten, die Türken waren es, die Araber, die Kreuzfahrer und die Römer – sie alle kamen NACH den Juden.

Warum also sollten ausgerechnet die Juden, die im Nahen Osten seit Jahrtausenden heimisch waren, deren Anwesenheit archäologisch nachweisbar ist, kein Recht auf Autonomie haben? Warum war es ein himmelschreiendes Unrecht, ihnen einen Staat zuzugestehen, dagegen ganz selbstverständlich, in der andern Hälfte des Mandatsgebiets einen Staat Jordanien einzurichten und dort als Herrscher die Haschemiten zu etablieren, die überhaupt nicht dort heimisch sind?

Warum säen „Israel-Kritiker“ nach wie vor die Mär, daß alle Juden Rosenblum hießen und Intellektuelle in Wiener Kaffeehäusern waren, die sich auf einmal in den Kopf gesetzt hatten, einen Staat im Nahen Osten durchzusetzen? Warum kapieren sie nicht, daß die Hälfte der jüdischen Israelis Abutbul oder Buskila heißt, Maklouba und Mafroum ißt und im Nahen Osten heimisch ist? Daß die Hälfte der jüdischen Israelis aus Tunesien, Jemen, Irak, Syrien, dem Libanon kam, oder aus Familien, die seit Generationen in Zfat, Hebron oder Jerusalem leben? Woher hat Gustav Bauernfeind die Juden auf seinen Bildern genommen? Die haben  hier gelebt.

Die Staatsgründung Israels wurde von der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung begleitet. Zitat:

Der Staat Israel wird der jüdischen Einwanderung und der Sammlung der Juden im Exil offenstehen. Er wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben.

Und genau diesen Anspruch erfüllt der Staat Israel heute noch.

Warum ist das Zentrum des Bahai-Glaubens in Israel? Weil hier Glaubensfreiheit herrscht.

Warum sitzen arabische Abgeordnete in der Knesset? Weil hier politische Gleichberechtigung herrscht.

Warum gibt es Schulen und Hochschulen, in denen Arabisch Unterrichtssprache ist? Warum stehen Kirchen und Moscheen allen Gläubigen offen?

Weil der Staat Israel sich an die Regeln in der Unabhängigkeitserklärung hält.

Wo bitte ist das bittere Unrecht, das die Bewohner von Kfar Yasif und Nazareth erlitten haben?

Hätten die arabischen Nachbarstaaten die Gründung des Staats Israel als gleichwertig mit der Gründung des Staats Jordanien betrachtet (wozu sie Juden als gleichberechtigt hätten anerkennen müssen – aber dort liegt der Hund ja begraben), hätte es keinen Krieg gegeben, dann wäre die sog. Naqba nie passiert.

Doch gutgläubige Palästina-Anhänger wie P.Bereit werden nie einsehen, daß nicht die Gründung des Staats Israel ein großes Unrecht war. Sondern der aggressive Unwille der Nachbarstaaten, diese Staatsgründung als Teil der Ent-Kolonialisierung des Nahen Ostens zu begreifen und zu akzeptieren.

Und noch zwei Punkte: nachweislich kam der Islam NACH Judentum und Christentum in diese Gegend. Es steht zu vermuten, daß zumindest ein Teil der heutigen hier ansässigen Moslems jüdische Wurzeln hat und zum Islam konvertiert ist, als dieser hier Fuß faßte. Irgendwoher müssen die Moslems ja gekommen sein.

Zweitens sind viele der heute in Israel ansässigen arabischen Familien im Laufe des 18., 19. und 20. Jahrhunderts hier eingewandert, ebenso wie jüdische Familien eingewandert sind. Das schlägt sich in vielen arabischen Familiennamen nieder: al Masri, der Ägypter, oder Chalabi, der Mann aus Chalab (Aleppo). Die Gegend hier war noch im 19. Jahrhundert ziemlich leer, und nicht nur Juden sind aus anderen nahöstlichen Ländern und Europa hier eingewandert, sondern auch Araber. Übrigens auch Christen verschiedenster Provenienz und Tscherkessen. Auch viele Beduinen kamen von woanders her.

Daß die Nachweise jüdischer Präsenz im heutigen Staat Israel älter sind als die der anderen Gruppen, hat historische Gründe. Es ist eine einfache Tatsache. Jüdische Israelis leiten daraus keine größeren Rechte ab. Niemand spricht einem Araber aus Arab el Aramshe oder Baka al Garbiya das Recht ab, dort wohnen zu bleiben und alle Rechte des Staats Israel zu genießen. Aber den Verstand und Anstand sollte man schon haben, diese jüdische Präsenz nicht zu leugnen. Man sollte darauf verzichten zu behaupten, daß die Klagemauer immer schon islamisch war, daß nie ein jüdischer Tempel auf dem Tempelberg stand (der von Moslems mit einer Moschee ersetzt wurde), daß das Grab Rahels ein moslemisches Heiligtum ist und das Josefsgrab ebenfalls.

Wie gesagt, das Bullshitometer dieser Apologeten funktioniert einfach nicht, wenn es um Juden und Palästinenser geht. Manche glauben gern, daß die Juden den Tempel und die ganze jüdische Geschichte einfach erfunden haben.

Worin also bestand das gräßliche Unrecht von 1948? Und wie bitte ist es zu „tilgen“?

Zu Ägypten Februar 12, 2011, 9:45

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Ich stecke leider in knochentrockener Arbeit, und zwar BERGEN davon, aber natürlich muß ich etwas zu den Ereignissen der Nacht sagen.

Leider habe ich gerade keine Zeit, in deutschen Zeitungen nach Mubarak-kritischen Artikeln VOR Januar 2011 zu suchen, aber ich habe das dumpfe Gefühl, daß das eine schwierige Suche wäre. Mir scheint, all die scharfen Kritiker waren bis vor kurzem ziemlich gleichgültig. Gott, dieser Mubarak, der ist jetzt auch schon lange dran und ideal bestimmt nicht, aber Araber eben? und die sind nun mal von Natur aus keine Demokraten, nicht wahr? und haben so eine Mentalität, na ja… boykottieren jedenfalls wollte ihn niemand.

Wie gesagt, ich werde bei Gelegenheit mal danach suchen (hier ein Beispiel vom Dezember), aber ich finde den Opportunismus ekelhaft, mit dem er jetzt beschrieben wird wie Saddam Hussein…  und vor einem Monat war er noch ganz normales Staatsoberhaupt.

Es ist natürlich etwas lächerlich, wenn ich kleines Licht meine eigenen Aussagen zu Mubarak mal rückblickend erwähne, aber es hat mich selbst interessiert, wie weit ich sein Doppelgesicht erkannt habe.

Im Oktober 2010, als Secundus an der ägyptischen Grenze stationiert war und nachts die Schreie der angeschossenen Sudanesen hörte:

Das Schicksal der sudanesischen Flüchtlinge, die ausgerechnet im jüdischen Staat Zuflucht und Asyl suchen, ist der Welt anscheinend recht egal. Niemand möchte die Ägypter boykottieren, niemand protestiert, niemand hält Mahnwachen, organisiert sich. Es werden keine Anti-Ägypten-Wochen an Unis organisiert, und ägyptische Beiträge zu Filmfestivals und Buchmessen werden ohne Probleme akzeptiert. Niemand weigert sich, gegen ägyptische Sportler anzutreten, und niemand beschimpft Mubarak. Meine Güte, was sind schon ein paar tote Sudanesen?

Januar 2009 (über einen Haaretz-Artikel von Amos Harel):

Harel erwähnt, daß die Ägypter auf einen kompromißlosen Sieg Israels über die Hamas drängen. Klar, Eigeninteresse – Mubarak hat keine Lust, sich von den Moslembrüdern stürzen zu lassen. Doch muß man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein arabischer Regierungschef, der bereit ist, Israel zu unterstützen, aus Pragmatismus. Es sind pragmatische Politiker wie Mubarak, die mir Hoffnung für die arabische Welt geben, so zweifelhaft seine Methoden sein mögen. Leider scheint mir Mubarak mehr ein Auslaufmodell zu sein.

Dezember 2008, während „Gegossenes Blei“:

Wie gesagt, ich habe eine militärische Aktion nicht gewollt, nicht begrüßt, ich habe sie gefürchtet und fürchte sie noch. Jetzt läuft sie, mit all ihren Schrecken, und ich habe meinen inneren Zwiespalt immer noch nicht gelöst. Einerseits ruft in mir das Kartoffel-Theorem („jetzt haben wir den Krieg, dann muß ich auch hinter der Armee stehen“) nach Akzeptieren der unvollkommenen Lösung als kleinstes Übel und fertig. Andererseits zerbreche ich mir den Kopf, wie man es fertigbringen kann, ohne Blutvergießen. Ich finde keine Lösung.

Wenn ich dann von der Hamas als spezifischer Gruppe Menschen an einem spezifischen Ort absehe und mir überlege, wie viele Menschen es in den Staaten um uns herum gibt, die den Staat Israel genauso irrational, heiß und vernichtend hassen, und wie schlecht die Chancen auf irgendeine Art der Verständigung stehen, dann wird das Nachdenken tatsächlich zur Qual, die sich nicht abstellen läßt.

Dann wieder denke ich an den jordanischen König, an Mubarak, und daran, daß es kein Naturgesetz ist, dieser Haß. Mit nüchternen, meinetwegen auch skrupellosen Realpolitikern kann man einen modus vivendi finden. Der Riß geht nicht durch die Grenze Israel und arabische bzw moslemische Welt (immer eingedenk: nicht alle Araber sind Moslems, und erst recht sind nicht alle Moslems Araber). Der Riß geht durch die arabische bzw moslemische Welt. Vielleicht muß der Riß so deutlich zutage treten, vielleicht erwächst draus doch irgendwann etwas Gutes.

Ja, und so sehe ich Mubarak nach wie vor. Einerseits sind wir ihm dankbar, denn er war ein zuverlässiger Partner in einem Meer von Haß. Andererseits hat er Menschenleben zertrampelt und brutal geherrscht. Ich freue mich für die Ägypter, daß sie mit ihrem eindrucksvollen Protest tatsächlich das Undenkbare geschafft haben, und ich wünsche ihnen sehr ehrlich das Allerbeste.

Denn es ist wirklich das Allerbeste, in einem demokratischen, freien Staat zu leben, der auf Bildung und Chancengleichheit setzt, damit sich die riesigen sozialen Abgründe überbrücken lassen. Aber haben die Ägypter das schon erreicht? Natürlich nicht. Im Moment herrscht dort ein Vakuum, denn das Grundgesetz Ägyptens ist mit Mubaraks Rücktritt außer Kraft gesetzt, wie uns Ehud Yaari gestern abend wohlwollend erklärte. Damit ist gar nicht klar, welche Befugnisse Omar Suleiman eigentlich hat.  Daß das Militär nun die Zügel in der Hand hat, bedeutet noch nicht den Durchbruch – es sind Mubaraks Weggefährten. Mal sehen, wie es weitergeht.

Für Israel ist aber schon eines klar: egal wie stark die Islamisten bei der nächsten Wahl in Ägypten werden, wir werden keinen Partner mehr finden, der wie Mubarak eine Interessengemeinschaft mit uns bildet. Für uns wird die Welt noch ein bißchen kälter und feindseliger. Wir haben die Türkei verloren (und wegen der Annäherung zwischen Iran und Türkei, nicht wegen Ereignis A oder B), wir haben Ägypten verloren, Jordanien wackelt, und wer weiß, was sonst noch auf uns wartet.

Für die Ägypter auf der Straße freue ich mich – vor den Ägyptern in Hinterzimmern, die jetzt ihre Machtübernahme planen und Ägypten spätestens bei den übernächsten Wahlen in einen islamischen Staat verwandeln wolle, fürchte ich mich – und der naive Optimismus, mit dem der Westen Mubaraks Sturz begrüßt, läßt leider nichts Gutes ahnen.

Ein paar israelische Artikel zum Thema:

Haaretz über Fuads Telefongespräch mit Mubarak („Fuad“ Ben Eliezer, ein altes Schlachtroß der Avoda, wurde gestern auf allen Kanälen interviewt)

Roee Nahmias: How the Middle East was lost

Guy Bechor: The Experts got it wrong (von gestern – Frage: in wie weit hat Bechor sich geirrt, oder hat er Recht, daß die Veränderung noch nicht tief geht?)

Ich habe leider keine Zeit und bin mit dreiviertel Hirn in einem ganz anderen Film, wie leider in letzter Zeit zu oft, vielleicht später mal mehr?

Die Erzwolke Dezember 28, 2010, 15:00

Posted by Lila in Persönliches.
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Ich stehe am Schlafzimmerfenster. Es ist früher Morgen, der Himmel noch nicht ganz hell. Da sehe ich von links, von Osten her, große, graue, sehr dichte Rauch- und Qualmwolken herantreiben. Ich erschrecke und denke: was ist das? brennt es bei den Nachbarn? aber während ich das noch denke, sehe ich, daß der Qualm von allen Seiten kommt und das Haus einschließt. Ich laufe ins Wohnzimmer, wo alle versammelt sind. Wir sind ganz ruhig. Das Radio läuft, seltsamerweise auf Deutsch. „….nach diesem Angriff ist ganz Israel ist von der Erzwolke eingeschlossen, die sich schnell verfestigt. Hunderttausende sind bereits…“, und dann versickert die Stimme. Ich sehe, daß der Qualm am Fenster ganz fest geworden ist, und begreife, daß wir in dieser schiefergrauen, dunklen Festigkeit eingeschlossen sind. Mir schießt durch den Kopf, daß wir wie die Opfer von Pompeii aussehen werden, wenn wir eines Tages von Archäologen ausgegraben werden. Für meine Idee, Matratzen zusammenzuschieben und wenigstens nicht auf dem Boden zu sterben, ist keine Zeit mehr. Wir halten uns an den Händen und setzen uns auf den Boden. Legen uns hin. Ich denke noch: was ist eigentlich eine Erzwolke?

 

Als mich Y. kurze Zeit später weckte, war ich verstört und es hat Stunden gedauert, bis wirklich begriffen hatte, daß das nur ein Traum war.

Mein Qassam-Ticker Dezember 21, 2010, 8:53

Posted by Lila in Presseschau.
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ist natürlich kein richtiger Ticker, denn die täglichen Angriffe der letzten Tage habe ich nicht getickert, aber es ist deutlich mehr geworden. In den deutschen Medien sehe ich, daß nur die israelische Gegenwehr der Meldung wert ist, dabei gehen hier täglich Mörsergranaten und Qassam-Raketen ungezielt auf israelischem Gebiet nieder.  Angriffe, die sich im Gegensatz zu den israelischen Gegenschlägen ausschließlich gegen Zivilisten richten.

Heute früh war es wirklich knapp.  Eine Qassam-Rakete explodierte neben einem Kindergarten. Ein Kind erlitt einen Schock und eine 14jährige wurde durch Glassplitter  leicht verletzt.

Am Sonntag hat Israel eine Gruppe Männer beschossen, die gerade dabei waren, Raketen abzufeuern. Fünf der „Kämpfer“ (Al Jazeera) wurden dabei getötet.  Auf den Bildern waren die Überreste der Raketen und Ausrüstung deutlich zu erkennen, auch wenn in den meisten Meldungen westlicher Online-Medien die trauernden Angehörigen der Getöteten und nicht die Beweise ihrer Aktivität gezeigt wurden.  Auch gestern hat die Luftwaffe wieder Angriffe geflogen, wieder gezielt gegen Orte, an denen Raketen hergestellt oder abgefeuert werden.

Leider sind das, typisch für diese „Kämpfer“, meist Wohngegenden. Da braucht es auch keine israelische Luftwaffe, um Menschen zu verletzen – Unfälle kommen immer wieder vor (und die Hamas gibt es auch zu – ja, genau, dieselbe Hamas, die Weizsäcker und Schmidt uns als gleichberechtigte Gesprächspartner anempfehlen).

Mir scheint, wir sehen einer weiteren Eskalation entgegen. Und diesmal wird nicht, wie letztes Mal, abgewartet, ob der Beschuß von allein wieder aufhört. Diesmal befolgt die Armee, so sieht es zumindest aus, den Grundsatz: zero tolerance. Jeder Angriff wird beantwortet. Hoffen wir, daß es Erfolg hat. Diese Angriffe sind überflüssig wie ein Kropf, bringen niemandem etwas. Es besteht kein vernünftiger Grund für die Bewohner des Gazastreifens, die Bewohner von Ashkelon oder Sderot zu beschießen. Und sage mir nun keiner, die Blockade! die Blockade! Die Blockade ist doch gerade eine Konsequenz der Bewaffnung und der Angriffe der Terrororganisationen.

Kurz, da unten im Süden wird es wieder unruhig. Schade. Ich habe es den Menschen, die so viele Jahre mit der Bedrohung gelebt haben, so gegönnt, daß sie wieder normal leben konnten. Es scheint so, als wäre das nur eine Atempause gewesen.

Oh, und der einzige Israeli, der sich noch im Gazastreifen befindet, heißt Gilad Shalit.  Und er ist nicht als „Besatzer“ da.

Ein paar Fundstücke Januar 12, 2009, 23:41

Posted by Lila in Presseschau.
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Aus meinen Streifzügen durchs Netz gefunden. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen.

Zuerst ein Oldie, but goldie.Ulrich Sahm 2003 über die subtilen und nicht ganz so subtilen Taktiken der Berichterstattung über den Nahen Osten.

Jeder israelische oder palästinensische Tote wird mit Altersangabe beim Namen genannt. In anderen Weltregionen bin ich nicht bewandert. Aber ich vermute mal, dass Reuters und ap mit eben solchem Fleiß die Namen und Altersangaben der drei Millionen Todesopfer im Kongo, der 2 Millionen Toten im Südsudan, der 250.000 europäischen Toten im ehemaligen Jugoslawien gesammelt und veröffentlicht haben. Ganz gewiss wurden auch die Namen der Hunderttausenden Toten des Irakkriegs publiziert. Ich habe sie trotz intensiver Suche nicht gefunden.

Nicht einmal die Namen der Erfurter Schüler nach dem Amoklauf wurden von den internationalen Agenturen mit derart akribischer Genauigkeit nach Neuseeland, Japan, Argentinien und Südafrika vermeldet. Mir ist klar, dass 3000 Tote nach drei Jahren Krieg in Nahost ungleich schwerer wiegen als die amorphe Masse der 3000 Toten des 11. September. Zweifellos erzeugt jeder tote Palästinenser, dessen Leiche sogar aus dem Kühlschrank hervorgeholt wird, um für alle Welt sichtbar gefilmt zu werden, mehr Mitgefühl und Empathie als die Toten von New York, Tel Aviv oder Jerusalem. Denn die hat niemand jemals gesehen, weil sie aus Gründen der Pietät nicht gefilmt werden.

Auch seine anderen Punkte sind heute noch gültig wie zu Zeiten der Intifada. Wir strampeln uns ab, kommen nicht vom Fleck, am Rand bleiben die Toten zurück und die, deren Leben zerstört ist. Das war 2003 so, und ist auch heute noch wahr. Wie lange noch?

Antworten auf die Frage, wie der Konflikt enden kann. David Finkelstein versucht zu erklären, aus seiner Erfahrung der Shoah, was Israel braucht, erwartet, fordert, um sich nicht mehr wehren zu müssen.

The poverty and the death and the despair among the Palestinians in Gaza moves me to tears. How can it not? Who can see pictures of children in a war zone or a slum street and not be angry and bewildered and driven to protest? And what is so appalling is that it is so unnecessary. For there can be peace and prosperity at the smallest of prices. The Palestinians need only say that they will allow Israel to exist in peace. They need only say this tiny thing, and mean it, and there is pretty much nothing they cannot have.

Yet they will not say it. And they will not mean it. For they do not want the Jews. Again and again – again and again – the Palestinians have been offered a nation state in a divided Palestine. And again and again they have turned the offer down, for it has always been more important to drive out the Jews than to have a Palestinian state. It is difficult sometimes to avoid the feeling that Hamas and Hezbollah don’t want to kill Jews because they hate Israel. They hate Israel because they want to kill Jews.

There cannot be peace until this changes. For Israel will not rely on airy guarantees and international gestures to defend it. At its very core, it will not. It will lay down its arms when the Jews are safe, but it will not do it until they are.

Und Amir Taheri erklärt ein bißchen über die Hamas, was vielleicht die guten Seelen, die für sie demonstrieren, nicht wissen.

Hamas, as its charter and political literature make clear, does not want an end to Israeli occupation. It wants the end of Israel. That is because Hamas is part of a pan-Islamist movement with global messianic ambitions. Creating a Palestinian state in Gaza and the West Bank is not its aim. A branch of the Muslim Brotherhood, Hamas dreams of world dominion for its version of Islam rather than a mini-state in 5,000 square kilometres of barren land in a geopolitical backyard.

Although officially created in 1987, Hamas’s roots go back to the 1930s when Haj Amin al-Hussaini, the Grand Mufti of Palestine under the British Mandate, allied himself with Hitler and dreamt of reviving the Islamic Caliphate with himself as Caliph.

That Hamas cares little about Palestine as a would-be nation state is clear from its name and charter. Hamas is the Arab acronym for “Islamic Resistance Movement”, making it clear that the movement regards Palestine not as a nation in its own right but as a small part of the ummah, the community of believers. Hamas is the only significant party in Palestine whose name does not include the words Palestine or Palestinian.

To Hamas ideologues, such as the late Sheikh Ahmad Yassin, love of Palestine as a nation is a form of sherk, that is to say false worship or idolatry. Hamas sees Palestinian nationalists such as Abu Mazen as traitors to Islam.

Dafür wollen Leute in Europa wirklich demonstrieren? Vielleicht in der Hoffnung, im Kalifat ein schönes Leben zu führen? Ich stelle mir gerade einen typischen europäischen Linken im Kalifat vor und muß lachen. Ach, vielleicht erlebe ich es ja noch?

Und zum Thema der Kinder als Opfer, dem vielleicht unerträglichsten Aspekt des Kriegs, vor dem mir ja schon gegraut hat, bevor die Aktion anfing.

Yaacov Lozowick über moralisches Dilemma, Selbstbestimmung, Gut und Böse.  Und Noemi Ragens Mailing-Liste verdanke ich den Hinweis auf Ralph Peters Demons of Gaza.

Hamas isn’t fighting for political goals. „Brokered agreements“ are purely means to an end. And the envisioned end is the complete destruction of Israel in the name of a terrorist god. Safe in hidden bunkers or in Damascus, the Hamas leadership is willing to watch an unlimited number of civilians and even street-level terrorists die.

Lives, too, are nothing but means to an end. And dead kids are the coins that keep the propaganda meter ticking.

Und es funktioniert.


Die humanitäre Waffenruhe Januar 12, 2009, 20:50

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Jeden Tag stellt Israel für drei Stunden das Feuer ein, von 10:00 bis 13:00 Uhr, um LKWs durch Kerem Shalom und Karni in den Gazastreifen zu lassen. Was macht die Hamas in diesen drei Stunden?

Sie schießt Grad-Raketen auf Ashkelon und Sderot ab (heute zwei Volltreffer auf Wohnhäuser – in einem war die ganze Familie im Schutzraum, ohne den hätten sie nicht überlebt).

Sie stürzt sich auf einen Transport mit Medikamenten und Lebensmitteln, raubt ihn aus und versteigert den Inhalt an die Höchstbietenden.

Das, liebe Leute, sind die Typen, mit denen sich die Friedens-Demonstrierer in aller Welt wissentlich oder unwissentlich solidarisieren. Ich wüßte beim besten Willen nicht, wie man menschlich ncoh tiefer sinken könnte als die Hamas.

Ohne Worte Januar 12, 2009, 20:32

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Haniya redet Januar 12, 2009, 20:19

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aus dem Bunker. Er freut sich über jeden Toten, jeden Märtyrer. Er meint, das ist nur der Anfang, und es sollen noch viel mehr sterben. So siegt die Hamas, meint er. Der Sieg ist schon greifbar.  Er wartet auch schon ungeduldig auf Barack Obama, von dem er sich Entgegenkommen erwartet.

Damit wiederholt er nur, was Mashaal aus Damaskus predigt. Weitermachen bis zum bitteren Ende. Jemand muß diese Leute vor sich selbst schützen. Oder zumindest ihre Bürger vor ihrer gewählten Führung, die sie dazu ausersehen hat, für ihre irrsinnigen Ziele zu bluten.

Gratuliere Januar 12, 2009, 7:40

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Waltz with Bashir hat den Golden Globe gewonnen.  Der Regisseur hat den Preis den acht Kindern gewidmet, die dem Team während der Produktion des Films geboren wurden. Er wünscht ihnen, daß diese Kinder eines Tages den Film angucken und ihnen die Kriegsbilder vorkommen wie ein altes Videogame, das mit ihrem eigenen Leben nichts zu tun hat.

waltz_with_bashir

Es wird wohl niemanden in Israel geben, der nicht unwillkürlich „amen“ sagt, wenn er diesen Wunsch hört.

Einzeltäter Januar 11, 2009, 20:18

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Dafür fällt mir nun beim besten Willen keine Überschrift mehr ein. Heute, an der syrischen Grenze. Am Grenzzaun (Israel ist von Apartheidszäunen nur so umgeben 😉 ) werden ein paar Reparaturen gemacht, Soldaten und Zivilisten führen sie aus. Ein Mann auf der syrischen Seite der Grenze fängt an, auf sie zu feuern. Sie feuern nicht zurück, niemand hat Interesse an einer weiteren Front. Weiter passiert auch nichts. Israel beschwert sich bei der UNO über den Vorfall. Die Syrer haben den Mann schon festgenommen, um ihn zu vernehmen. Der Mann wollte wohl zeigen, was er von Israel hält. Ein Einzeltäter.

Wären wir wirklich alle so tollwütige Hunde im Nahen Osten, dann wäre der Vorfall eskaliert, ebenso die Raketen auf Nahariya vor ein paar Tagen. Aber so schlimm sind wir alle nicht. De-eskalationsstrategien funktionieren auch hier.

Grundwissen Nahost, die Antwort Januar 11, 2009, 11:08

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Das Land heißt – Libanon.

Wann war die letzte Demo gegen die Unterdrückung der Palästinenser im Libanon?

Grundwissen Nahost Januar 11, 2009, 8:39

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Es gibt ein Land, in dem werden die Palästinenser in Flüchtlingslager eingepfercht. Sie haben keine Staatsangehörigkeit und sind rechtlos.  Grundbesitz ist den Paläestinensern verboten, und über 70 Berufe sind ihnen verschlossen.  Seit Jahrzehnten leben sie in diesem Land, doch arbeiten und sich selbst erhalten, das dürfen sie nicht. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt unter der Armutsgrenze. Wenn sie in ihren Lagern rebellieren, schickt das Land, in dem sie leben, das Militär ins Lager, das mit brutalen Mitteln für Ordnung sorgt.

Wie heißt das Land?

Und zum Abschluß – Januar 9, 2009, 22:39

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ein  heiteres Ratespiel.

Stellt Euch das mal vor. In Eurem Land gibt es eine kleine, aber sehr von sich überzeugte Splittergruppe. Zeugen Jehovas, äußerster rechter oder äußerster linker Rand, oder irgendeine spinnerte Idee. Spinnert nicht mal an sich, vielleicht sogar sehr ehrenwert, aber repräsentativ für vielleicht, hm, 5% der Bevölkerung.

Welche Chance hat diese kleine Splittergruppe, die nichts geleistet hat außer ein paar Demos abzuhalten, den Weg in die oberste Schlagzeile ausländischer Zeitungen zu schaffen? Was müßte sie dafür tun? Eine spektakuläre Aktion a la Greenpeace wäre dafür schon nötig. So einfach ist es doch nicht, mediale Aufmerksamkeit zu erringen, nicht wahr?

Ich meine, ich blogge ja wie eine Ameise auf Drogen, seit fünf Jahren!, und kein einziges Mal haben ich  und die anderen deutschsprachigen Nahostblogger es zur ersten Titelzeile von (Ihr ahnt es schon, ach, das ist nun mal mein pet peeve….) SPon geschafft! Ja nicht mal als Barack Obama mit all seinem Charme und Charisma in Sderot war gab das eine oberste Titelzeile im SPon. Verflixt, wie macht man das?

Vielleicht sollten wir einfach mal eine Pressekonferenz abhalten.

Heute sahen wir nämlich in den Nachrichten (jawohl, ich blogge schon die Nachrichten von Channel 10, so tief sinkt man, wenn Krieg ist) eine kleine Reportage über die Gegner des Kriegs in Israel. Nicht israelische Araber, sondern ausgestiegene Mainstream-Israelis. Yonatan Shapira, dem Aya Korem ihr Lied gewidmet hat, Noam Livne… halt, sagt ihr, Noam Livne, der Name kommt mir bekannt vor!

In der Tat. Richtig, liebe Leser, das war heute Abend Schlagzeile Nummer Eins im SPon.

demo-smol

Aber halt, da steht doch was von hartem Vorgehen. Hat die Polizei in einem blitzartigen Schlag alle Aktivisten festgenommen? Haben sie eine Diskussion in Israel in Gang gebracht? Handelt es sich um erste Anzeichen eines Volksaufstands? Werden sie ausgewiesen, mit dem Tod bedroht, an die Wand gestellt?

Nein.  Nichts von alledem. Sie sind einfach nur Leute, die anders denken als der Rest des Lands. Was ihr gutes Recht ist, solange sie nicht gegen Gesetze verstoßen.

Im Gegensatz zu anderen Kriegen stehen selbst Leute, die eher links stehen, die vor militärischen Einsätzen Abscheu haben und vorher sehr gezweifelt haben, ob es das Richtige ist, hinter den Menschen von Sderot und Nir Am und Kerem Shalom. Also auch Menschen wie ich. Wir haben sie im Regen stehen gelassen, die Leute im Süden. Wir müssen uns schämen. Wir haben die Lage falsch eingeschätzt.

Wenn ich an einer Friedensdemo dieser Art vorbeikäme, würde ich nicht schreien: Vaterlandsverräter!, denn diese Demonstranten sind keine. Sie sind eine kritische Minderheit, an ihren Meinungen überprüfe ich meine, und ich teile ihre Verzweiflung über das Leid auf der anderen Seite. Doch ich verstehe und unterstütze, daß die Regierung in Jerusalem in erster Linie an die Kinder in Sderot denken muß, und daß die Regierung der Hamas für die Kinder im Gazastreifen zuständig ist. Wir sind keine Besatzungsmacht mehr.

Und darum fand ich es richtig und vernünftig, daß in Channel 10 eine Reportage über eine solche Demo gesendet wurde. Der Journalist, ein unerträglicher Querulant namens Miki Rosenthal, war früher selbst aktiver Besucher solcher Demos und nahm nun die Gelegenheit wahr, sich mit seinen alten Kumpeln zu zanken. Yonatan Shapira antwortete ihm mit ruhiger Stimme. Sie machten alle einen sympathischen Eindruck, ein bißchen weltfremd, und gänzlich überfordert von dem Anspruch, für die armen Tschachtschachim im Süden dieselbe Empathie zu haben wie für die edlen Wilden in Gaza.

Da sie mit ihren Demos nicht mehr als ein paar wütende Autofahrer auf sich aufmerksam machen konnten, mit ihren rührend handgemalten Schildern und palästinenischen Flaggen und Palitüchern, beschlossen sie, es der Welt mal richtig zu zeigen. Und riefen eine Pressekonferenz ausländischer Journalisten ein.

Und das war der Moment, als ich vor Kichern fast von der Couch geplumpst bin. Leute, SO funktionieren Medien. DAS war der große Scoop.

In Somalia wurde gestern ein Mitarbeiter einer UN-Organisation getötet, er wollte dort Essen verteilen und wurde erschossen – kein Wort davon in irgendeiner Zeitung, nur eifriges Googeln bringt sein Schicksal an den Tag.  Ich höre auch nichts von großem Protest bei der UNO. In Zimbabwe sterben Hunderte von Menschen an der Cholera, die humanitäre Lage dort soll entsetzlich sein – aber Leute, das ist weit weg, und die sind alle schwarz! Na gut, da sterben ein paar Tausende, aber man kann ja nicht überall sein, und in Tel Aviv ist so gutes Wetter!

Ein Sack Reis fällt in China um, Verzeihung: eine Gruppe freundlicher, gutmütiger, frustrierter Israelis hält eine Pressekonferenz ab und gibt ihre Meinungen zu Besten. Meinungen, Erfahrungen, Gedanken, Ängste und Träume.  Und das drückt alle andren Nachrichten, alle Fakten, Probleme, Krisen, Durchbrüche,  ein paar Reihen tiefer.

Wow. Ich wünschte, jemand würde meine Ängste, Erfahrungen und Träume mal so ernst nehmen.

Und jetzt fragt Euch: warum? Und: wenn das keine unproportionale Reaktion darstellt, was dann? Und dann: werden wir so ausgewogen informiert, wie wir glauben?

Feierliche Erklärung als Zusatz: ich habe nichts gegen den Artikel. Er ist interessant. Ich wundere mich nur über seine Plazierung. Für mich symptomatisch für die komplette Überschätzung des Nahostkonflikts und den Berichterstattungs-Overkill.  Dadurch kommt es zum Mißverständnis, daß der Nahostkonflikt von globaler Bedeutung ist.  Mein letzter Satz fragt ausdrücklich WIR, weil bei unseren Medien dasselbe Mißverhältnis herrscht. Vielleicht gerechtfertigt, weil wir in der Suppe drinsitzen. Aber hier wird auch jeder Spatz, der aus Schreck tot vom Dach fällt, berichtet. Klarer?????

Tränen Januar 9, 2009, 21:08

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Ich sehe Nachrichten, Bilder, die in Deutschland nicht gezeigt werden. Warum auch, sie sind viel zu marginal. Kein Blut, nur Tränen.

Eine junge Mutter mit fünf kleinen Kindern, im Süden, in Ashdod. Das älteste Kind ist vielleicht acht Jahre alt, das jüngste ein Baby. Ein hübsches Haus, eine hübsche junge Frau, niedliche Kinder. Gestern hat Or Heller ihren Mann gefilmt, Offizier bei Givati und im Gazastreifen. Heute hat  Heller wohl die Frau besucht. Er bringt ihr die Aufnahmen mit. Im Fernsehen sieht sie ihren Mann.  Die Kinder hüpfen aufgeregt, der Abba, der Abba! Einer meint altklug: „sie haben Givati gesagt im Fernsehen, und unser Papa ist Givati!

Die Mutter weint, die kleinen Jungen streicheln ihr Gesicht und sagen: nicht weinen, Ima, nicht weinen! Papa kommt ja wieder!, und sie sagt: ach ich weine ja gar nicht… Hinterher erklären die Kinder dem Journalisten die Lage. „Unsere Mama macht sich Sorgen um den Papa. Das Herz schlägt so schnell, wenn man an ihn denkt.  Wir warten, daß er wiederkommt.“

Abends legt sie die Kinder im Schutzraum schlafen. Sie schläft nicht viel. Sie hat Angst vor den Raketen, Sorge um den Mann und wünscht sich, der Krieg wäre schon vorbei.

Eine alte Frau in Nahariya, eine Überlebende des Holocaust, die seit langem in dem Altersheim lebt, das gestern früh getroffen wurde. Sie war bei Verwandten, doch nun ist sie ins Altersheim zurückgekehrt, und sie will zurück in ihr Zimmer. Das geht leider nicht, denn ihr Zimmer hat ein Loch in der Decke. Die Leiterin des Altersheims nimmt sie in den Arm und sagt: Sonja, komm zu mir nach Hause, du sollst es gut haben, bis dein Zimmer in Ordnung ist. Doch Sonja will in ihr Zimmer, zumindest mal gucken.

Sie öffnet die Tür, sieht die Zerstörung und fängt lautlos an zu weinen.  „Da steht ja noch mein Frühstück“, schluchzt sie. Dann setzt sie sich hin. „Sie wollen uns nicht leben lassen. Das ist diese Propaganda hitlerowska, sie sind wie vergiftet. Sie hassen uns, sie sind neidisch, sie gönnen uns das Leben nicht, aber wir leben“. Und sie nimmt die letzten Zitronen aus dem Kühlschrank und geht.

Tränen, zu viele Tränen.

Sehgewohnheiten Januar 9, 2009, 18:48

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Ich habe beim Lesen von Sahms Bericht über das israelische Fernsehprogramm laut gelacht (streckenweise, streckenweise….). Genau so ist es. Ich habe schon irgendwo gelesen, weiß der Kuckuck wo, daß das israelische Fernsehen und der Rundfunk an die Oper im Gazastreifen keine Worte verschwendet. Größeren Blödsinn habe ich selten gelesen, aber man kann ja vieles erzählen, wer von den deutschen Zeitungslesern kann es nachprüfen? Sahm weiß es mal wieder besser.

Allerdings werden bei uns die Gesichter von Kindern verwischt gezeigt, wie es bei uns üblich ist (auch bei Nachrichten über israelische Kinder müssen ihre Gesichter unkenntlich gemacht werden), und allzu schlimme Anblicke werden ebenfalls verwischt. Bei uns werden ja auch die Opfer von Selbstmordattentaten nicht gezeigt, weil das israelische Publikum Pietät hat (auch wenn man es kaum glauben möchte, wenn man die Gaffer sieht). Es gibt einen jüdischen Wert, der heißt „kvod-ha-met“, Würde des Toten.  Die wird verletzt, wenn man Tote vor die Kamera zerrt. Das macht man hier nicht, obwohl auch wir Tote genug haben. Die Bilder aus dem Gazastreifen, von palästinensischen Kameraleuten gefilmt, sind nicht so zimperlich. Um das Publikum zu informieren, zeigt man sie, wie gesagt, mit verwischten Einzelheiten und der Erklärung im Hintergrund, daß auf der ganzen Welt die Bilder unverwischt gezeigt werden.

Die Übertragungen der Beerdigungen von Soldaten und kurze Reportagen über die trauernden Familien sind hier so üblich, ebenso Updates aus den Krankenhäusern über Soldaten und verletzte Zivilisten. Wir wissen schon, welche Wortwahl in den Nachrichten darauf hinweist, daß etwas passiert ist, aber noch keine Nachricht rausgeht, weil die Familien noch nicht informiert sind. Man sieht es den Gesichtern mancher Journalisten an.

Das unfreiwillig komischste Phänomen aber läßt Sahm unerwähnt. Vermutlich ist er nicht zuhause, wenn es unsere Bildschirme heimsucht. Auch ich guck es nicht extra an. Ich bin darauf gestoßen, als ich hektisch nach Nachrichten gesucht habe, und konnte eine Weile nicht weggucken.

Als Geste für die Kinder des Südens werden wichtige Leute ins Studio eingeladen und geben den Schülern aus dem Süden eine Lektion. Peres war der erste – eine Stunde in Bürgerkunde (esrachut), das hab ich länger geguckt. Da haben die Schüler fragen stellen dürfen, die Peres sogar manchmal  beantwortet hat – manchmal hat er auch elegant den Bogen zu dem gefunden, was er eigentlich sagen wollte.

Das war zu Anfang. Seitdem laden sie jedesmal eine Gruppe Schüler und einen Würdenträger ins Studio, und die Szenen, die ich beobachten konnte, waren von großer unfreiwilliger Komik. Knesset-Abgeordnete, Minister, Schriftsteller und sonstige Koryphähen 😉 haben natürlich keine Ahnung, wie man eine interessante Stunde hält, selbst Ronit Tirosh und Yuli Tamir, die doch aus der Lehre kommen, haben es anscheinend längst vergessen. Oder nie gewußt, was erklärt, warum sie in die Politk gegangen sind.

Sie stellen sich vor die armen Kinder, als ob die nicht genügend Probleme hätten!, leiern ihnen anderthalb Stunden was runter, und die Kinder werden dabei gefilmt! Die Schüler sind offensichtlich von der Ehre durchdrungen, daß ein freundlicher, weitschweifiger alter Herr wie Yitzhak Navon ihnen was erzählt, langweilen sich aber entsetzlich. Wegen der Kameras sind die üblichen Zuflüchte –  SMS, Männeken malen, mit Rotem über Lotem und mit Lotem über Rotem tratschen – nicht möglich, also bleibt nur der starre Blick ins All. Und die Augen irgendwie offenhalten!

Jede Lehrperson, die je gekämpft hat wie ein Löwe, um ihr Publikum wach und alert zu halten, wird diesen Anblick genießen. Mich erfüllt Schadenfreude für die Schüler (geschieht den kleinen Monstern Recht, daß sie zuhören müssen!) und auch Schadenfreude für die Lehrenden (da seht ihr mal, wie schwierig das ist, ihr Großverdiener!).

Wir steigen aus dem Kreislauf der Nachrichten aus, indem wir was anderes machen. Ich sortiere mit den Mädchen ganze Berge von Perlen, noch ein Überbleibsel von meinen Aufräum-Aktionen während der Weihnachtsferien. Wir hören auch viel Musik. Wenn die Kinder abends fernsehen wollen, ist nichts zu sehen außer Bomben und Raketen, und ich will nicht, daß sie davon mehr sehen als das Nötigste, um informiert zu sein. Dann gucken wir manchmal einen Film aus der Hitchcock-Sammlung, die ich Secundus zu Weihnachten geschenkt habe.

Außerdem habe ich den Mädchen die Abenteuer-Vierteiler-Sammlung geschenkt, jedem Mädchen eine Vierer-Kassette. Ich wußte ja gar nicht, als mir diese Idee kam, wie nützlich das sein würde. Da es kein Fernsehprogramm mehr gibt, sind diese langsam und intensiv erzählten alten Serien ideal. Wir haben bisher nur „Zwei Jahre Ferien“ und den „Seewolf“ geschafft, die Dinger sind zu lang und man muß ja auch noch andere Dinge tun im Leben. Aber die Mädchen sind begeistert und wir gucken jeden Abend eine Folge.

Irgendwann werden wir uns an diese Tage wie an einen Albtraum erinnern. Tag und Nacht Roni Daniel, das ist für meinen Mann das Schlimmste.

Ohne Worte Januar 9, 2009, 18:04

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Heute nachmittag brach die Hamas die „humanitäre Waffenruhe“ und griff den Grenzübergang Kerem Shalom an, während der Konvoi durchfuhr.  Jawohl. Sie schießen mit Mörsergranaten auf einen Hilfkonvoi für ihre eigene Bevölkerung. Auf die Verurteilung durch die UNO dürfen wir wohl vergebens warten, die ist hinreichend damit beschäftigt, Israel dafür zu tadeln, daß es keinerlei Zivilschutz im Gazastreifen gibt und die „demokratisch gewählte“ Regierung deutliche Warnungen in den Wind geschlagen hat.

Ebenfalls während der Feuerpause wurden Grad-Raketen nach Ashkelon gefeuert.  Im Lauf des heutigen Tages sind über 30 Raketen auf Israel gefeuert worden. Wir sind bekanntlich in diesen Krieg eingestiegen, um den Raketenbeschuß zu stoppen. Wie jemand glauben kann, daß ein Waffenstillstand sinnvoll sein kann, während die Raketen noch fliegen, ist mir schleierhaft. Es sei denn, dem Jemand ist vollkommen egal, wie es in Südisrael aussieht. Dann natürlich.

Auch die Hamas weist die Resolution des Weltsicherheitsrats zurück.

Hamas spokesman Sami Abu Zuhri said the UN failed to consider the interests of the Palestinian people. „This resolution doesn’t mean that the war is over,“ he told the al-Jazeera satellite television network. „We call on the Palestinian fighters to mobilize and be ready to face the offensive, and we urge the Arab masses to carry on with their angry protests.“

Somit befinden wir uns in einer irrsinnige Lange, wie sie wohl nur der Nahe Osten hervorbringt: Israel und Hamas sind sich einig, daß diese Resolution nichts bringt. Auf Schlagzeilen wie „Die Hamas trotzt der UNO – Raketen fliegen weiter“ wird man allerdings vergeblich warten.

Die Verletzten Januar 4, 2009, 21:48

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An den Details sollt ihr sie erkennen. Tatsächlich, man wagt es kaum, sich zu freuen – die Lehren aus dem Libanonkrieg II scheinen gründlichst gezogen worden zu sein.

So wurde von den Soldaten, bevor sie in den Gazastreifen gingen, das äußerste menschliche Opfer verlangt, das ein Israeli bringen kann: sie mußten sich von ihren cell phones trennen.  Im Libanonkrieg riefen die tapferen Krieger nämlich ihre Mütter an, um den „mach dir um MICH keine Sorgen, aber was ist mit DIR“-Dialog mit ein paar Einzelheiten zu schmücken. Wo sie sind, wo sie hinwollen, was sie vorhaben… und Hisbollah hörte mit.

Jetzt sind die Eltern und Freunde mit den Nerven fertig und trösten sich mit der alten Weisheit, no news is good news. Ich denke an sie alle.

Außerdem wurden die Soldaten instruiert, auch im Falle einer Verletzung keine Interviews zu geben. Die Krankenhäuser bekamen Anweisung, keine Journalisten durchzulassen. Während eine Aktion noch läuft, geht es nicht an, daß Soldaten sich zur prime time darüber verbreiten, wo sie die Kugel ins Bein bekommen haben.

Als die ersten Verletzten eingeliefert wurden, drängten sich die Journalisten also am Übergang zwischen Krankenwagen und Krankenhaus. Die Soldaten, größtenteils leicht verletzt, feixten in die Kamera. „Wir reißen ihnen den Hintern auf“, scherzte einer mit feiner Ironie (das ist ein Zitat aus einer Nasrallah-Parodie in Eretz Nehederet), ein anderer machte das V-Zeichen und rief „Golani, Golani, Golani sheli!“ Ein schwerer Verletzter sagte, „alles wird gut“ und versuchte zu lächeln. So wurden sie einer nach dem anderen reintransportiert. Sie wollen alle wieder zurück, aber schnell! Ob die Eltern, die sorgenvoll durch den Korridor wandern, davon begeistert sind… vermutlich nicht.

Einzelheiten sind nicht zu erfahren. Gut so.