jump to navigation

Hinter dem nächsten Hügel April 21, 2017, 16:55

Posted by Lila in Presseschau.
Tags: , , , ,
trackback

.. von uns aus gesehen, nördlich, erlaubte sich gestern ein dreister Hisbollah-Offizier in Uniform, einer Gruppe libanesischer Journalisten die Grenze zu Israel zu zeigen. Hanita, Rosh ha Nikra, unsere Nachbarschaft also. Wenn ihr wissen wollt, wie hübsch es bei uns ist, guckt euch den Clip an, der Schauplatz ist 7 km entfernt, hab´s gemessen.

Warum dreist? Weil die Hisbollah laut UN-Beschluß 1701 südlich vom Litani nichts zu suchen hat. Auch im Interesse des Libanon selbst, was Saad Hariri heute dann noch einmal betonte.

Ich meide ja sonst tunlichst die Nachrichten, sie sind allzu schlecht, aber gestern habe ich sie natürlich angemacht und dann gleich unsere Nachbarschaft gesehen. Als wir noch in Granot gewohnt haben, hatte ich die Hügel des Südlibanon praktisch vor der Nase, jetzt wohnen wir mit Blick nach Süden, und wenn ich diese Hügel sehen will, muß ich auf die andere Seite unseres Hügels gehen – ganz fünf Minuten zu Fuß. Denn die ganze Gegend hier besteht aus Wadis, die sich tief eingeschnitten bis zum Meer ziehen.

Die Armee hat in den letzten Monaten einen Plan umgesetzt, das Gelände nah an der Grenze so zu verändern, daß es schwieriger wird, unbemerkt nach Israel einzudringen. Es ist ja in den letzten Jahrzehnten immer wieder passiert: der Mord an den Harans in Nahariya, das Massaker von Maalot, der Anschlag in Metzuba

Natürlich können Scharfschützen auch so israelische Soldaten auf israelischem Gebiet erschießen. Es ist in der Gegend von Misgav Am passiert und auch in Rosh Hanikra vor fünf Jahren. Natürlich hat UNO Israel immer zu Zurückhaltung gemahnt, ist ja klar, das tut sie ja auch, wenn in Frankreich ein Terroranschlag ist: die französische Regierung mahnen.

Seit dem letzten Krieg ist tatsächlich Ruhe eingekehrt, und ich glaube nicht, daß die Hisbollah Tunnel in diesen felsigen Boden sprengen kann, ohne daß wir es merken – hier ist nur eine ganz dünne Erdkruste, und dann kommt sofort Fels, wie man bei jeder Baustelle sehen kann. Bei uns wird gerade neu gebaut im Dorf, und den ganzen Tag höre ich, wie die Fundamente in den Fels gestemmt werden, ein Wahnsinnslärm, den man weithin hört.

Raketen sind auch lange nicht mehr geflogen, wann war die letzte? Das muß die vor vier Jahren gewesen sein, auf Shavei Tsion.

Allerdings baut die Hisbollah (oder die libanesische Armee?) hohe Türme an der Grenze, die man von uns aus auch deutlich sieht. Folgen für den Libanon? Keine.

צילום: אייל מרגולין- ג'יני

Einer der Türme auf libanesischem Gebiet 

image description

Hisbollah-Offizier an der Grenze, gestern

Blick aus meinem Arbeitszimmer in Richtung Libanon, vor vier Jahren

Wie dem auch sei, ein Hisbollah-Offizier in Uniform keine 8 km von mir entfernt, offen mit seinen Angriffsplänen strunzend, umgeben von schmeichelnd lachenden Journalisten, die sich über UN-Blauhelme lustig machen – das ist nicht angenehm. Und wenn unsere Nachrichten, sonst komplett Tel-Aviv-Jerusalem-zentriert, das als erste Meldung bringen, ist es wohl auch anderen nicht angenehm. (Und wenn Roni Daniel uns auch sonor erklärt, daß es hier um eine rein inner-libanesische Machtkampf-Geste geht.)

Daß diese Bilder einer offenen Provokation es nicht in Eure Medien geschafft haben, wundert mich kein bißchen. Nur israelische Beiträge zu einer Eskalation schaffen das. Daß diese Reaktionen auf frühere Provokationen sein könnten – auf diese Idee käme man nicht, wollte man sich per Tagesschau etc informieren.

Kommentare»

1. A.mOr - April 21, 2017, 17:29

Šimru al azmechem, Lila!
Woll’n mal hoffen, daß sonore Stimme nicht nur zur Beruhigung der Gemüter angedacht ist; Grund zur Besorgnis gibt es ohnehin, wenn Hisbollah mit der libanesischen Regierung konkurriert. Und beim Grenzen austesten werden Grenzen erweitert, ist wie beim Sport…

2. Hein - April 21, 2017, 22:48

Es gibt viele Gründe traurig zu sein. Die Reaktion der „freien“ Welt auf israelische Belange ist es auch.

3. jim11111 - April 22, 2017, 14:12

Hallo A.mOr, altes Krokodil, hier, zu deim Beitrag bei „Erdowahn“ 7. A.mOr – April 21, 2017, 16:22,

Im Schatten solcher Ereignisse bewegen sich übrigens alteingesessene Straftäter wie Fische im Wasser.
Einfache Rechnung.

Wem nutzt das?
Irgendjemand hat es bestimmt nur gut gemeint…

dort ist leider schon zu, ich darf meine Antwort, ausnahmsweise, doch hier reinstellen?

Emanuel Levinas, „Zwischen uns“, Versuche über das Denken an den Anderen, S 182:

«… dieses in seinem Ausdruck – in seiner Sterblichkeit – liegende Gegenüber des Antlitzes lädt mich vor, fragt nach mir, fordert meine Anwesenheit: als sei der unabsehbare Tod, mit dem das Antlitz des Anderen konfrontiert ist – reine Andersheit, gewissermaßen von aller Ganzheit getrennt – meine Sache. Als „betrachte“ er mch und „gehe er mich an“ (me regarde), noch ohne Wissen des Anderen, den er bereits betrifft, vor seiner Konfrontation mit mir, bevor er der Tod ist, der mich selber anblickt. Der Tod des Anderen stellt mich infrage und bezieht mich ein, als würde ich an diesem für den Anderen, den ihm Ausgesetzten, unabsehbaren Tod durch meine eventuelle Gleichgültigkeit zum Komplizen; und als hätte ich, bevor ich ihm noch selber geweiht bin, mich für diesen Tod des Anderen zu verantworten und den Nächsten nicht in seiner tödlichen Einsamkeit alleine zu lassen. Gerade in dieser Ermahnung an meine Verantwortung durch das Antlitz, das mich vorlädt, nach mir fragt, meine Anwesenheit fordert, gerade in dieser Infragestellung ist der Andere mir Nächster.»

Ps: kleines Geschenk:

4. A.mOr - April 24, 2017, 1:21

Hi Jim,
ich freue mich, daß es Dich noch gibt!
Und Danke für die wunderbare Efrat!
Musikalisch zu der Passage von Levinas (warum überrascht mich das nicht? (; ) scheint mir dieses Stück zu passen:

(Oh, so schön auch das Lied von REM, und so brilliant die Inszenierung, Efrat von Dir ist unschlagbar!)

Menschen sind Menschen, und Menschen sind nicht Menschen, die Biologie bestimmt nicht den „Adel“, sozusagen, so wenig wie das Geblüt. Es ist nur menschlich Mitleid für jene in Elend zu haben, aber wie menschlich ist es, wenn solche „Mitleidenden“ keine Empathie aufbringen, zB., für Maria sel.A., zB., für Melissa sel.A., und so viele weitere Opfer inzwischen sind zu zählen, mir persönlich unbekannte, und doch meine potentiellen Freunde.

Sie sind Opfer der „importierten Gewalt“ geworden, die bei einer „unkontrollierten Einwanderung“ –von der Bundesregierung selbst initiiert- zu erwarten war; selbst bei einer kontrollierten Einwanderung wäre damit zu rechnen gewesen, wenn auch in geringerem Maße.

Und wie ich bereits andeutete, wenn man jedes Verbrechen „den Einwanderern dieser Tage“ zuschieben kann, dann kann man „auf ihrem Deckel“ Verbrechen begehen. Und so geschieht es auch.
Zumindest auch werden solche Verbrechen bestimmter Milieus, die schon länger in Deutschland/Europa ihre Areale abstecken, sogleich (wenigstens in öffentlicher Wahrnehmung, der redlichen Polizeiarbeit habe ich an der Stelle keinen Vorwurf zu machen) „den Flüchtlingen“ zugeschrieben.

Und man bedenke auch des „Menschenmaterials“, welches dem kriminellen Milieu geradezu in den Schoß geworfen wird. So viele „Verlorene“, sie sind dankbar was zu tun zu haben. Und wo zuzugehören. Man bedenke auch, daß europäische Straftäter ihrerseits nicht aufgehört haben zu existieren. Im kriminellen Milieu arrangiert man sich, auch durch Mord und Totschlag.

Heute/morgen gedenken wir der Shoa.
Heute/morgen werden deutsche Politiker gedenken, oder so tun als ob, und Reden halten, über das Unrecht was einst war.

Heute ist gestern, und gestern ist morgen?
Sehr hoff ich mich zu täuschen. Das Unrecht jedoch, es ist längst geschehen.

Ja, Jim, mir lebn.
Alle werden wir sterben, aber ist nicht die Frage wichtiger, wie wir leben?
Levinas hat selber erfahren wie es ist ausgeliefert zu sein. Nicht jede/r mit solcher Erfahrung ist bereit oder in der Verfassung dann noch zu reden und/oder zu schreiben. Und Tote reden auch nicht.

Vielleicht möchte ich diese Sache noch loswerden, wenn Du mir erlaubst.

Wir gedenken nun den vielen Ermordeten, wir denken an sie und erwarten sie in der nächsten Welt. Wir haben einen Schuldigen gefunden, und man möge uns verzeihen, wenn wir politisch nicht korrekt damit „die Deutschen“ meinen.
Ja, wir wissen, es waren nicht alle Deutschen so, das weiß auch Yad Washem. Wir wissen, daß sie sich Nationalsozialisten genannt haben und Antisemiten, und sie haben soviele ermordet, Juden, Tsiganer, politische Gegner, und soviele mehr, und soviele mehr sind gestorben in diesem unseligen Krieg, entfesselt durch den Größenwahn kaltblütiger Kalkulation, und geradezu anmahnend am Beispiel Polen als „Verteidigung“ verschleiert.

Das ist noch nicht so lange her, noch heute leben Täter, die nie vor ein Gericht gestellt wurden für die Untaten, derer sie sich schuldig gemacht haben, und es leben auch noch einige von jenen, die damals nur überleben konnten, in der Hoffnung, daß sie noch einmal die Chance bekommen zu leben. Viele jener aber haben nur weiter überlebt, und nicht mehr in das Leben zurück gefunden. So schwer wirkt es gegen den Menschen, wenn solches Unrecht ihnen getan wird. Und die Kinder und Kindeskinder, selbst sie –immerhin einige- konnten nicht der Bedrückung entkommen, die man auf ihre Eltern und Großeltern gelegt hat.

Nun aber gibt es längst auch Enkel und die Kinder sogar solcher Enkel.
Heute denke ich, daß die Deutschen ihren Kindern gutes wollen, so wie jüdische Eltern ihren Kindern gutes wollen, so, wie (im Idealfall) alle Eltern ihren Kindern gutes wollen.

Aber, Jim, ich frage Dich: hast Du den Eindruck, daß die großen Verantwortlichen in der deutschen Politik das Wohl dieser Enkel im Auge haben?

Natürlich lehne ich mich damit sehr weit aus dem Fenster, aber ich behaupte, daß israelische Eltern nicht verstehen (und nicht gutheißen) können, wie in Deutschland die Enkel diesem „Experiment an Menschenmassen“ geopfert werden, so, als hätten sie den Wert nur von Spielfiguren.

Und was verteidigt man denn? Die Rente? Den großen Plan der Wiederbessermachung? Die Wirtschaftsinteressen von wem? Das wunde Herz über vergangene Verbrechen?

Wie zu erwarten war, bekommen jene wieder mehr Aufmerksamkeit, die einerseits Erlösung von der „korrupten Politikerklasse und all ihrer Untaten“ versprechen, und andererseits zu „wissen“ meinen, daß –wer auch sonst?- die Juden dafür verantwortlich seien.

Im Namen der Menschen, ist das wirklich noch immer möglich?
Wir gedenken der Shoa, denken „die Deutschen“ daran, daß es sich nicht wiederholt?

5. jim11111 - April 26, 2017, 11:54

hi A.mOr, fürchte, in dieser Frage kommen wir Beide nicht zusammen. Natürlich birgt die Aufnahme von hundertausenden, ja Millionen Menschen in Not auch Risiken. Selbstverständlich sind da auch Verbrecher darunter, darauf hat man sich einzustellen und ja, „die Deutschen“ haben daran zu denken, haben die Verantwortung! Aber – allein in diesem Jahr sind schon mehr als 1000 Menschen im Mittelmeer ertrunken und das ist unerträglich!

Chajm, den ich sehr schätze, hat zB auf Maimonides verwiesen, Du erinnerst Dich:

http://www.sprachkasse.de/blog/2015/09/09/nicht-helfen/

Seit Jahrzehnten wissen wir um die explosive Dramatik in diesen Ländern, die demographische Dynamik, Armut und Klimawandel mit allen nur denkbaren Begleitumständen bescheid – und haben versagt.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s