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Kein Blut für Öl? Januar 4, 2009, 21:36

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Wenn der Iran jetzt droht, Israels Unterstützern den Ölhahn zuzudrehen – heißt das, daß das Blut der Bewohner von Südisrael billig zu haben ist? Ich erinnere mich an die weißen Laken in Deutschland, in der Innenstandt meiner Heimatstadt,   im Januar 1991, „Kein Blut für Öl“.  Ich bezweifle, daß sie sich da noch mal hinstellen würden, auf ihren Plakaten die Worte „Kein israelisches Blut für iranisches Öl“…

Aber es ist schon klar, daß die Iraner genau wissen, wo sie den Westen packen können. Wo das Öl anfängt, hört der Spaß auf. Meinetwegen, entscheidet, wie es euch am besten paßt. Aber haltet uns hinterher keine schönen Predigten wie Mr. Wickham.

Eine Botschaft Januar 4, 2009, 16:26

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Bei Chajm gefunden, der es bei Jewlicious gefunden hat.

Ihr Arabisch ist wirklich schülerhaft, aber gerade deswegen kommt die Botschaft klar und ehrlich rüber. Nein, wir hassen unsere Nachbarn nicht, wir handeln nicht aus Haß, sondern weil wir keine andere Wahl haben. An uns soll es nicht liegen, wenn bessere Zeiten kommen, eine vernünftige Führung bei den Palästinensern, ein Sadat oder König Hussein mit Weitsicht und Pragmatismus.

Rückblick – für Neuleser Januar 4, 2009, 7:30

Posted by Lila in Bloggen.
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Ich habe einfach mal per Suchfunktion nachgeguckt, was hier in den letzten Monaten und Jahren los war. Hier mal eine Zitatensammlung. Es ist nur eine kleine, kleine Auswahl. Wer sich das ernsthaft durchliest und noch behauptet, Israel führte einen grundlosen Angriffskrieg, der hat wohl einen so großen Haß auf Israel, daß er nicht zu einer objektiven Beurteilung der Lage imstande ist.

24. Dezember 2008

Obwohl die Israelis ja gern ihrer Blutrunst frönen, lassen sie sich inzwischen noch beschießen.  Das Kabinett diskutiert noch und wägt das Für und Wider einer militärischen Aktion ab. Mal sehen, was dabei rauskommt. So oder so nichts Gutes, nehme ich an.

21. Dezember 2008

wer sich auf diese Seite verirrt, sollte doch mitkriegen, daß im Süden von Israel Menschen im Krieg leben, auch wenn die Medien anderswo das für Kinkerlitzchen halten, nicht der Erwähnung wert. Heute waren bis zu dieser Stunde vierzehn, ein Mann wurde leicht verletzt.

Da eine militärische Aktion zur Eindämmung, wenn schon nicht totalen Unterbindung des Raketenterrors wohl kurz bevorsteht, nehme ich an, daß die deutschen Medien in Kürze wieder Notiz vom Gazastreifen nehmen werden. Nämlich, wenn Israel als Aggressor dargestellt werden kann. Es würde mich freuen, wenn ich mich irre.

19. Dezember 2008

Jeden Tag fallen Qassamraketen, heute schon drei. Scharfschützen aus Gaza zielen auf Kibbuzniks, die auf den Feldern arbeiten. So soll das nun weitergehen. Barak und Ashkenazi warten im Moment mal ab, was passiert.

Eine militärische Reaktion könnte eskalieren, und einen weiteren Krieg gegen eine Terrororganisation hat uns gerade noch gefehlt. Die Palästinenser legen uns das natürlich als Schwäche aus und provozieren, bis sie uns soweit haben, daß die Armee einmarschiert. Dann werden wir wieder die Proteste in der UNO hören, wie menschenverachtend die Politik Israels ist.

Ich finde, es gibt kaum etwas Menschenverachtenderes, als Bolzplätze, Einkaufszentren und Arbeiter auf dem Feld zu beschießen.

17. Dezember 2008

Ich hatte jabeinahe  gehofft, ich muß das Wort Qassam nie wieder schreiben, oder wenigstens eine Zeitlang. Tatsächlich ist es ja auch mit der “Ruhe” eine Weile gutgegangen. Diese Ruhe läuft morgen aus, und sie ist auch schon seit einem Monat nicht mehr in Kraft. Seither fallen wieder täglich Raketen auf die Ortschaften im Süden. Gestern auf einen Bolzplatz, auf dem gerade Kinder Fußball spielten. Heute auf den Parkplatz vor einem Einkaufszentrum voller Menschen.

Fußtruppen da reinzuschicken ist ein Albtraum, aber die Frage ist natürlich, was tun? Denn man kann sich auch nicht einfach so beschießen lassen, wie es schon seit Jahren praktiziert wird. Es sind Dutzende von Raketen auf Zivilisten, jeden Tag.

13. Dezember 2008

Auch im Dezember rauschen täglich Qassams verschiedener Modelle, Mörserraketen und auch Grads auf uns nieder. Ich wüßte ja mal gern, wie viele warme Schulmahlzeiten man von dem Geld kaufen könnte, das da verpulvert wird. Ist es nicht komisch, daß ich darüber nachdenke, aber den Qassam-Ballerern selbst diese Kinder ganz egal zu sein scheinen?

Immerhin kein alltägliches Schauspiel, ein  Staat, der über Jahre hinweg an die Leute Hilfsgüter  liefert, die ihn fast täglich mit Waffengewalt angreifen. Und das nicht nur zur Sommerszeit, nein auch im Winter, wenn es schneit. (Oder schneien sollte, wenn es nach mir ginge).

10. Dezember 2008

Stell Dir mal einen Moment vor, lieber Leser, die Deutschen würden die Schweiz bombardieren. Och, keine großen Raketen, nur so kleine Dinger, die auf ein paar Dörfchen an der Grenze fliegen, auf Schulen, Wohnhäuser, Fabriken, E-Werke. Wie würde das die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Schweiz beeinflussen, wie die politische Stimmung? Wußtest Du, daß in den letzten vier Wochen über 200 Raketen auf Südisrael niedergegangen sind? Daß das seit acht Jahren so geht, und daß der UNO (s. letzter Beitrag) nichts Besseres einfällt, als einen Forderungskatalog an Israel vorzulegen? Meinst Du nicht, die Härte und Einseitigkeit liegen eher auf der Seite der Berichterstatter, die keinen Gedanken daran verschwenden, wie das Ganze  für Israelis aussieht. Hart und einseitig werden wir dafür verurteilt, daß wir uns vor Terror schützen.

7. Dezember 2008

Der Beschuß auf den Süden Israels ist im letzten Monat wieder aufgenommen worden. Die Feuerpause ist nur noch ein Wort.

Schade, aber es war zu erwarten. Ich habe leider gerade keine Zeit, die ganze Entwicklung auseinanderzudröseln, wollte es aber klarstellen. Denn wenn auch der Beschuß kein Thema in den internationalen Medien ist – die sich ankündigende Reaktion Israels wird es sein. (Bericht von Haaretz hier.)

30. Oktober 2008

Natürlich sind die Probleme mit den Palästinensern keineswegs weniger geworden, auch wenn man davon im Moment weniger hört. Anschläge werden vereitelt, in den letzten Tagen fallen auch wieder Qassams*, und immer wieder kommt es vor, daß Unschuldige, Unbeteiligte ihr Leben verlieren. Zum Beispiel der Hirte, der die Soldaten für Diebe hielt – die Soldaten, die den Hirten für einen Angreifer hielten  und ihn erschossen – ein Albtraum, und nur einer von viel zu vielen. Oh Gott, ich wünschte, wir wären schon so weit, daß die Palästinenser unsere Sicherheit nicht mehr gefährden, wir die Truppen abziehen können und niemand mehr sterben muß, wiel er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Bedrückend, traurig.

6. Juni 2008

Während ich von Käsekuchen phantasiere,

fallen im Süden unablässig Mörsergranaten und Qassams mit immer größerer Reichweite. Wieder auf dem Campus der Sapir-Fachhochschule. Der Kibbuznik, der gestern ums Leben gekommen ist, ist heute begraben worden. Die arme Familie, drei Kinder vaterlos.

Nein nein, bisher ist die deutsche Medienfront mit Shaul Mofas´ “Säbelrasseln” beschäftigt, die Kommentare der Leser sprechen mal wieder eine allzu deutliche Sprache. Manchmal frag ich mich ja, ob das parodisch gemeint ist, aber nein. Mein Gott, wie gut, daß wir einen Staat und eine Armee haben und für das Überleben nicht auf diese Leute angewiesen sind!!! (Ich halte selbst nicht viel von Mofas, der mich noch nie mit einem originellen Gedanken oder einem Lösungsvorschlag überrascht hat, der Mann gehört mMn zum Stamm der Meckerer).

Aber ich bezweifle nicht, daß bei einer Militäroperation größeren Ausmaßes das Geheul hörbar auch bis zu uns dringen wird. Verlaßt Euch drauf, liebe Leser, wir haben das hübsche Spiel ja schon oft genug beobachtet. Den Becher leer ich jeden Schmaus…

Bis dahin geht es, nicht nur in Sderot, sondern überall in der Nähe des Gazastreifens zu wie in einer Kriegszone. So sehen bei uns die Nachrichten aus.

Was haben die Palästinenser davon? Nichts. Sie könnten einfach aufhören.

13. Mai 2008

Wir haben diese Woche zwei Menschen begraben. Tommy Kdoshim war Familienvater, Shula Katz eine Großmutter, die vor den Augen ihres Sohnes von der Rakete getötet wurde – auf dem Weg von ihrem Auto zum Haus ihrer Verwandten.

Wir lassen uns das absurderweise weiter gefallen, vielleicht aus Angst vor den internationalen Stimmen, denen Jimmy und Shula egal sind, ihre Mörder aber leidtun. Oder die Nachbarn der Mörder, in deren Vorgarten die Raketen abgeschossen werden.

Man sollte meinen, die Wahrheit sollte sich durchsetzen, aber leider können wir uns nicht darauf verlassen. Und wir sind nicht imstande, den Palästinensern NICHT zu helfen. Ich glaube, die israelische Regierung wird immer die Grenzübergängen wieder öffnen und die LKWs schicken. Wir können die Bevölkerung dort nicht verhungern lassen. Selbst wenn wir die Moral mal aus der Gleichung rauslassen – ich glaube nicht, daß die Bewohner des Gazastreifens sich hungernd gegen die Hamas stellen würden. Sie würden uns nur noch heftiger hassen. Die Hamas schiebt eh alles auf uns, und die Gehirnwäsche ist zu weit fortgeschritten.

12. Mai 2008

Eine Tote durch eine Qassam-Rakete. Heute früh sind zwei Raketen neben einer Schule gefallen, kurz bevor die Schüler kamen. Dieser Beschuß muß einfach aufhören. Die arme Frau, ihre Familie. Ich weiß noch keine Einzelheiten. Aber es ist so bedrückend, diese ewigen Raketen auf Zivilisten. Und Gilad Shalit sitzt immer noch dort fest.

11. Mai 2008

Heute 21 Qassams. Am Freitag kam ein Mann aus dem Kibbuz Kfar Aza ums Leben. Wir waren bei einer Feier eingeladen, wo ein Teil der Leute den Toten und einen Verletzten kannte.

Ich erinnere daran, damit der täuschende Eindruck der Ruhe sich nicht festsetzt. Natürlich wird es in den deutschen Medien erst wieder erwähnt werden, wenn Israel irgendwann genug hat und zurückschlägt. JEDEN Tag fallen Raketen im Süden, jeden Tag. Der Mann aus Kfar Aza wurde in seinem eigenen Haus Opfer der Rakete. Wie die Menschen dort durchhalten, weiß ich nicht. Neulich kam im eine Reportage über ein kleines Mädchen dort, in Quartas Alter. Sehr traurig. Was tun wir, um ihnen Solidarität zu zeigen? den Beschuß zu stoppen? Nichts, wir sind doch zu weit weg. Sonst würden wir auch dort einkaufen fahren, wie es manche Israelis freitags machen.

Wir sind immer in der Defensive. Wäre diese Situation doch schon beendet, würde die Hamas doch endlich das Feuer einstellen und sich damit abfinden, daß es einen Staat Israel gibt. Aber das wird wohl so schnell nicht passieren.

11. März 2008

Und der Gazastreifen? Auch ihn hat Israel ohne Vorbedingungen und Verhandlungen geräumt. Die anhaltenden Angriffe durch Qassams und Mörsergeschosse haben nicht aufgehört, im Gegenteil, sie haben sich verstärkt und sind durch Grads mit größerer Reichweite noch verschlimmert worden.

Stellt euch einen Moment lang vor, ihr würdet irgendwo in Israel wohnen. Würdet Ihr nicht VOR einer Räumung der Westbank gern einen Beweis dafür sehen, ja nur einen Hoffnungsschimmer oder Hinweis darauf, daß sich nicht das ganze Land in ein einziges Sderot verwandelt?

Und das sage ich, die ich die ganzen letzten 18 Jahre damit verbracht habe zu hoffen, daß meine Kinder NICHT als Soldaten in die Westbank müssen. Oh, und natürlich auch nicht die von irgendjemand anders! Daß das Problem vorher zu lösen ist. Daß es eine friedliche, einvernehmliche Lösung gibt und Soldaten nur mehr Radkappen polieren oder Antennen entstauben müssen. Und daß wir in Jenin einkaufen können, und die Geschäftsbeziehungen dahin wieder aufnehmen können, ach ja, und daß die Kollegen aus der Gegend wieder bei uns arbeiten können und man sich einfach mit gewohnt-nachbarlichen gemischten Gefühlen betrachtet wie der deutsche Autofahrer den niederländischen – nicht besser, nicht schlechter.

Ich sage es ungern, und ich sage es seufzend, aber im Moment sieht es einfach nicht danach aus, als hätten wir einen Partner für Ruhe. Von Frieden ganz zu schweigen.

7. März 2008

Irgendwann wird also irgendwas passieren im Gazastreifen. Ich fürchte für Soldaten und Zivilisten, für alles mögliche, ich will auch die Leute, die gestern abend jubelnd Baklawa verspeisten, nicht elend sterben sehen – aber am hartnäckigsten steckt mir ein Bild im Kopf.

Irgendwo in Gaza, vermutlich in einem Keller, sitzt Gilad Shalit. Er spricht Arabisch, er kennt die Leute, die ihn festhalten, inzwischen ganz gut. Irgendwo lief mal das Gerücht um, daß er mit ihnen Sheshbesh spielt, oder Schach, und so sehe ich ihn vor mir. Vor einem Spielbrett, ihm gegenüber ein junger Mann mit Keffiey und Gewehr, sie lachen. So möchte ich das Bild halten, harmlos, als wäre er freiwillig dort. Könnte nach einem Schachmatt aufstehen und nach Hause gehen.

Sobald ein Mensch totale Macht über einen anderen hat, besteht die Gefahr, daß er sie ausnutzt – und wie groß ist diese Gefahr erst, wenn ein junger israelischer Soldat Menschen in die Hände fällt, die nichts mehr hassen als israelische Soldaten. Und mit welcher Inbrunst dieser Haß zelebriert wird, das sehen wir ja täglich.

Wenn ich zu diesem Albtraumszenario dann noch fallende Bomben und Raketen, brennende und zerstörte Häuser, eine Bevölkerung auf der Flucht und heftige Binnenkämpfe unter der Feuerdeckung unserer Armee hinzudenke – dann befürchte ich, daß seine Eltern ihn nie mehr wiedersehen werden.

Ist es ein Zufall, daß wenig von ihm die Rede ist dieser Tage?

3. März 2008

Ein alter Mann mit Eselskarren ist der Inbegriff des schuldlosen Zivilisten im Gazastreifen, nicht wahr? Hätte die israelische Armee ihn getötet, wäre sein Name zu der Liste der Zivilisten hinzgefügt worden, die die Welt so besorgt macht.

Jedoch statt dessen hat die Armee nachgeguckt, was unter der Plane auf dem Eselskarren war. Es war eine Grad-Rakete, dazu bestimmt, anderen auf den Weg in israelische Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer zu folgen.

Gabi Ashkenazi hat erklärt, daß im Gegensatz zu den Behauptungen der palästinensischen Propaganda 90% der Toten im Gazastreifen keine Zivilisten waren, sondern als Zivilisten verkleidete Kombattanten (die dadurch natürlich echte Zivilisten tödlich gefährden).

Für Ulrike Putz und ihre Kollegen stellt der alte Mann auf dem Eselskarren wohl einen Zivilisten dar, weil er keine Uniform trägt.  Für die israelische Armee, die die Wohn- und Schlafzimmer der Menschen in Sderot, Nir Am und Ashkelon schützen muß, sieht das etwas anders aus.

(HT Aussie Dave)

Oh, und dieser alte Mann wird ebensowenig den Weg in die ausländische Medien finden wie das Baby, das von einer explodierenen Qassam getötet wurde. Nette Nachbarn, die Hamas.

2. März 2006

Nur Erinnerung an die vielen Gelegenheiten, bei denen ich über Qassams berichtet habe. Ich habe mich aufs letzte Jahr beschränkt und auch nicht alle Beispiele aufgeführt.

15. November 2006 :

Ich gebe nicht so viel auf scharfe Kritik aus Deutschland, gebe ich gern zu, weil ich mir nur vorstellen muß, was in Jülich los wäre, wenn die Holländer mit kleinen Raketen täglich die Große Rurstraße beschießen würden, und wie schnell man da nach harten Maßnahmen rufen würde, um den Beschuß zu stoppen. Da würde ich ihnen aus der Ferne auch zurufen, “mal langsam, Leute, da stirbt doch nur alle paar Monate jemand dabei, das solltet ihr doch verkraften können, Hauptsache, es bleibt friedlich!”. Ich hab da auch noch nie einen konkreten Ratschlag gehört, nur so allgemeine Phrasen von Gutem Willen und Aufhören, so arrogant zu sein, und lauter so Sachen, mit denen ich prinzipiell übereinstimme. Aber die gegen Qassams irgendwie nicht richtig helfen.

6. Februar 2007

22. Februar 2007

22. Mai 2007

Ich habe es nicht anders erwartet. Solange Israel stillhielt – keine Reaktion der UN auf den Beschuß mit Qassams. Sobald sich Israel wehrt – Besorgnis und Ermahnungen.

25. Mai 2007

Im Süden fallen Qassams nicht nur auf Sderot, das zu einer Art Metapher geworden ist – unter anderem wieder aus dem Wunsch heraus, komplizierte Realität in Schlagworte zu fassen. Alle umliegenden kleinen Orte, auch die Kibbuzim der Gegend, werden beschossen.

20. Juni 2007

24. Juni 2007

26. Juni 2007

29. Juni 2007

Drei Qassams heute. Keine Verletzten, sie landeten auf dem Feld.  Glück gehabt.

Für die Leute, die da leben, ein Russisches Roulette. Für den Rest der Welt, ein No-item. Für mich, ein Anlaß, meinen Ticker zu schreiben. Damit auch meine Leser ein bißchen nachfühlen können, wie sich der Waffenstillstand in Israel anfühlt.  Und wer ihn täglich bricht. UND dann noch von uns Strom und Wasser umsonst erhält, und noch weitaus mehr fordert…

23. Juli 2007
Und so weiter, und so weiter.

Das ermüdet den Leser? Dann stelle er sich vor, wie UNS das ermüdet.



Links Januar 3, 2009, 22:49

Posted by Lila in Presseschau.
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für Leute, die sich unbeliebt machen wollen 😀 (Da könnte ich eine Kategorie draus machen).

Maor Shani erklärt bei Spirit of Entebbe, warum das ewige Argument von der „unangemessenen Reaktion“ Unfug ist.  Wer sich die Zeit nimmt, den Text durchzulesen und sich durch den Kopf gehen zu lassen, und dann die Kommentare noch gleich dazu liest, steht ein bißchen schlauer vom Computer auf, als er sich hingesetzt hat. Zumindest was den Nahen Osten angeht.

Clemens Wergin und Andrea Seibel in der WELT machen sich Gedanken über Völkerrechtsveretzungen und Israels Stärke. Knapp, aber ganz interessant. Diese Stimmen gibt es also auch. Die Welt druckt übrigens auch Ghadry in deutscher Übersetzung ab, den ich hier auch schon verlinkt habe.

Zurück aus dem Süden Januar 3, 2009, 22:06

Posted by Lila in Land und Leute.
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Die Fahrt runter in den Süden dauert fast drei Stunden. Die Mädchen und wir Eltern. Wir kamen an Beer Sheva vorbei, wie vor drei Wochen. Ist es erst drei Wochen her? Da war es einfach eine fremde Stadt in einer Landschaft, die ganz verschieden ist von unserer. Ach, und das schöne Werk von Dani Karavan, das einen Hügel krönt.  Diesmal guckten wir uns nur an. Eine Stadt unter Beschuß. Wir fuhren östlich vorbei, wohl schon außerhalb der Reichweite.

Primus freute sich sehr, uns zu sehen. Wir lernten noch ein paar von seinen neuen Freunden kennen, alles freundliche Jungens. Ein paar Rabauken sind wohl schon aussortiert worden, zu Primus´ Bedauern auch der Kasper der Gruppe, wohl wegen mangelnder settlecher Reife. Primus futterte sich voll, erzählte, wir erzählten, und dann saßen wir einfach nur still zusammen und fühlten, daß wir zusammen sind und wie schön das ist. Ich hätte ihn gern einfach mitgenommen und als ich das sagte, grinste Primus. „Das kannst du versuchen. Schreit einfach Allahu Akbar und fahrt los“. Das war lustig, aber der Abschied war traurig.

Primus kriegt von den Beschießungen nichts mit, er ist mit seiner Grundausbildung voll ausgelastet. Seine Basis ist nicht im Radius der Raketen, aber eine andere Basis wurde evakuiert und die Soldaten und Soldatinnen bei Primus in der Basis untergebracht. Ich muß mir um den Jungen keine Sorgen machen, ich weiß, aber ich mach mir auch Sorgen um alle anderen.

Auf dem Rückweg in den Norden kamen uns sehr viele Versorgungsfahrzeuge entgegen, und auch so Laster, mit denen man Panzer transportiert. Wir guckten uns wieder an. Normalerweise hören wir kein Radio beim Autofahren, aber ich wurde unruhig, und die Nachrichten um vier Uhr mußte ich hören. Artiellerie eingesetzt? Das bedeutet, es geht los, meine ich. Y. meint, vielleicht.

Wir bretterten gleich durch zu Schwiegervaterns, dort war Familienfeier. Seine Lebensgefährtin wurde siebzig. Ich mag sie sehr gern, sie ist eine feine, warmherzige Frau, die jahrzehntelang als Kindergärtnerin, später Sonderschullehrerin gearbeitet hat. Man merkt ihr an, wie den meisten Veteranen der Erziehung, daß sie neugierig auf Menschen ist und feine Antennen hat. Sie wußte auch sofort, wie es in mir aussieht, obwohl ich versuchte, es zu verbergen. Ich mag ihre Schwestern, Kinder und Kindeskinder ebenfalls sehr gern.

Den Inhalt meines Gesprächs mit ihrer Tochter Hadar werde ich bei Gelegenheit mal weitererzählen – sie ist auf Familien-Spurensuche in Deutschland, hat sich in die deutsche Kultur verliebt und lernt auf Youtube, wie man deutschen Apfelkuchen macht. Mich hat sie nach Facetten des Ideals der deutschen Hausfrau befragt, und als stolze Enkelin zweier perfekter Hausfrauen habe ich ihr ein bißchen erzählt, was das bedeutet, incl. Literaturtips. Die deutsche Jüdin war ja nicht weniger deutsche Hausfrau als die Christin, wie Fanny Lewalds Erinnerungen zeigen.

Die Faszination dieser Israelin meines Alters mit der Lebenssphäre, die ihre Großmutter als junge Frau unter Protest verließ, um auf den steinigen Feldern von Hazorea zu arbeiten und das Land aufzubauen, war für mich sehr anrührend. Unsere Großmütter und Urgroßmütter haben ähnlich gelebt, haben den Ehrgeig gehabt, jede Arbeit im Haus selbst tun zu können, ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, gespart, geschont, auch wenn sie in guten Verhältnissen lebten.  Da schließen sich viele Kreise, in so einem Gespräch,  und ich habe Hadar geraten, nach Deutschland zu fahren und dort weiterzusuchen. Aber wirklich, das gehört in einen anderen Eintrag. Doch es half mir, dieses Gespräch über ein meinem Herzen nahes Thema, mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden.

Auf dem Rückweg wollte ich wieder Nachrichten hören, im Radio. Y. guckte auf die krumme Uhrzeit, was wird um die Zeit schon gesendet?, und es war natürlich eine Sondersendung. Für einen Moment hatten wir einen richtigen Deja-vu-Moment, denn wir standen an der Jelemy-Kreuzung, wo wir damals auch standen, als wir vom Challenger-Unglück hörten. Y. ist immer gelassen, mir fällt das schwerer, aber wir hörten nur schweigend zu. Wir wußten es ja, daß es kommt. Wir können nur hoffen… ach, das hab ich schon so oft gesagt.

Kaum war ich zuhause, rief meine Mutter an. Meine arme Mutter, wirklich, sie kann einem leidtun. Sie hat nun per Schwiegersohn den ganzen Nahostkonflikt am Hals, samt (inzwischen ehemaligen)  Kollegen und Freunden der linksliberalen Sorte, die ihr schon mal ins stellvertretende Gewissen reden. Sie hat ihr Kolllegium vor zwei Jahren dadurch schockiert, daß sie laut und deutlich sagte: so, und ich hoffe, die Israelis schaffen da unten mal richtig Ruhe! Sowas darf man in einem deutschen Lehrerzimmer eigentlich nicht sagen – schwarze Messen und Gattenmord werden eher verziehen als Stellungnahme für eine militärische Maßnahme Israels. Ganz, ganz weit außerhalb vom Konsens. Also nach außen hin kriegt meine Mama die Kritik ab, und innen drin ist sie vor Sorge ganz krank. Es ist ja nichts schlimmer, als sich aus der Ferne Sorgen zu machen.

Sie meinte aber, daß die Berichterstattung im Fernsehen und auch ihrer Zeitung fair ist. Ja, es sind sogar ein paar dieser früheren Kollegen zu ihr getigert gekommen und haben geknurrt, daß es ja wirklich unerhört ist, daß eine Regierung sich mit Waffen eindeckt und sich kein bißchen um die Bevölkerung kümmert. Und wenn denen das Handwerk gelegt würde, das wäre ja eine Wohltat. Oh ja.  Aber warum müssen wir das schon wieder machen?

Ich kann und will keine Toten mehr sehen. Keine Zivilisten mehr, keine Palästinenser, keine Soldaten, auch keine toten Terroristen mehr. Ich muß mich wappnen, mein Herz wieder in eiserne Reifen schlagen, morgen unterrichten, das Haus in Schuß halten, Essen machen, bloggen, Briefe beantworten.  Das Leben muß normal weitergehen, das ist mein kleiner Beitrag.

Der Mann der Stunde ist ohne Zweifel der König David. Pslam 121.

Handschuhe ausgezogen Januar 3, 2009, 8:51

Posted by Lila in Presseschau.
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Die Armee überschreitet in der Tat, wie von Gil Yaron deutlich erklärt, ihre bisher eingehaltenen roten Linien – wenn sie verletzt wurden, dann nur durch Versehen – und greift aggressiver an denn je. So unbequem es auch sein mag, die Taktik scheint zu wirken.

Natürlich, aus Damaskus kann Mashaal lauthals drohen und weiter strunzen, was er den Israelis alles antäte, wenn er nur an sie rankäme. Na schön. Normale, sachliche Kommunikation scheint es mit Leuten wie Mashaal nicht zu geben – entweder sie drohen Israel Vernichtung und Höllenschlund an, oder sie beklagen sich bitterlich, daß Israel an ihnen den Holocaust mit vertauschten Rollen durchexerziert.  Auch in weniger gespannten Zeiten gilt dieses Muster des Zorns.

Jedenfalls kämpft Israel im Gazastreifen um mehr als nur das Ende des Raketenterrors. Israel muß seine Abschreckungsmacht wiederherstellen, denn ohne die sind wir verloren. Und der Ausgang des letzten Waffengangs im Libanon ist gar nicht so eindeutig, wie Nasrallah es in seinen Ansprachen gern darstellt. Der Norden ist ruhig geblieben, bisher. Ich glaube nicht, daß Nasrallah zu diesem Zeitpunkt eine zweite Front aufmachen will. So wie Ashkenazi und Barak im Moment drauf sind, ist das nicht sehr verlockend. Ruhe durch Abschreckung, das ist das Ziel der Aktion im Süden – und nicht der Sturz der Hamas oder eine Wiederbesetzung des Gazastreifens.  Ruhe durch Abschreckung rundherum, wenigstens gegen Hisbollah und Hamas. Was dann mit dem Iran ist, der beide dirigiert,  ist wieder ein anderes Kapitel.


Guten Morgen, shabat shalom, Januar 3, 2009, 8:30

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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wir sind schon ganz früh aufgestanden und haben gekocht und Salat gemacht. Gleich werden die Taschen gepackt. Wir fahren Primus besuchen, unten bei Beer Sheva. Glücklicherweise ist er (bisher, tfu tfu tfu) außer Reichweite der Raketen. Es ist ein kühler Tag, keine Ahnung, wie wir das aushalten, stundenlang in der schubbigen Kälte auf einer Art Rastplatz zu hocken. Als er gestern anrief, war ich ja so erleichtert. Ich wußte, daß er eine schwierige Woche hinter sich hat, das war ihnen so angekündigt worden. Primus aber fühlt sich nur mild herausgefordert. Oder will der Junge mich etwa nur beruhigen?

Jedenfalls habe ich ihm sein Lieblingsessen gemacht, und gleich fahren wir los in den wilden Süden.

Senf, Senf, Senf Januar 2, 2009, 23:19

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.
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Das hat uns das Internet jedenfalls leichter gemacht: den Senf dazuzugeben. Vor lauter Senf sieht man die Wurst manchmal kaum noch.

Ich habe großen Spaß daran, bei Amazon, IMD und anderen freundlichen Stätten die Kommentare der Leser und Zuschauer zu lesen. Leider habe ich nicht immer die Zeit dazu, einen schönen Abend mit einem schönen Film dann auch bei IMD abzurunden, aber wenn es sich ergibt, ist es wunderschön.

Um dem circulus vitiosus zu entkommen, der sich durch zu häufiges Nachrichtengucken einstellt (weil man dann so unruhig wird, daß man sofort noch mehr guckt und noch unruhiger wird…), haben wir Orson Welles´ Third Man geguckt. Ich freue mich ja, daß meine Kinder an solchen Klassikern Freude haben und sich drauf einlassen, Filme zu gucken, die eben nicht für den zappenden Fernseh- oder Leih-DVD-Zuschauer gedreht wurden, der sich vom Acker macht, sobald er sich mehr als ein paar Minuten konzentrieren muß. Hitchcock und Welles setzen den Zuschauer voraus, der sein mühsam verdientes Geld in einer Kinokarte angelegt hat, und der sich gern die Mühe macht, die erste Dreiviertelstunde mit ihrer trügerischen Langsamkeit zu genießen und auf zu erwartende Verwicklungen abzuhorchen.

Danach kann man sich dann mit den Kindern noch prima unterhalten und erntet die schönste Freude geplagter Eltern, nämlich durch die Augen der Kinder etwas Bekanntes wiederzuentdecken. Secundus hat durch seinen LK Filmtheorie und -praxis ein gutes Auge für Winkel, Beleuchtung, Einstellungen und Gruppierungen im Raum. Tertia als Leseratte achtet mehr auf Narrativ, Charaktere und überzeugende Motivation. Und Quarta mit ihrem Gefühl für Menschen und ihrer Intuition nimmt jeden Hinweis des Regisseurs und der Schauspieler, jede hochgezogene Augenbraue,  aufmerksam auf. Sie begleitet jeden Film mit Kommentaren, Ausrufen und Fragen.

Wir hatten einen richtig, richtig schönen Abend. Ja, und zum Abschluß spinxe ich bei IDM ein und sehe zu meinem Ergötzen, daß jemand gespannt fragt: Do you ever get to know who the Third Man was? Und andere fragen ratlos, warum spanische Gitarre oder eine Ukulele aus Hawaii für die Filmmusik verwendet wurde. Ich kann mich über solchen Senf einfach wunderbar amüsieren, fies wie ich bin. Ja, es ginge auch ohne, aber schön ist es doch. Von allein wäre ich da doch nie drauf gekommen.

Herzlichen Glückwunsch Januar 2, 2009, 22:50

Posted by Lila in Muzika israelit.
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Morgen wird er 70 Jahre alt, aber er wirkt viel jünger. Vielleicht, weil er so schlaksig ist und sich alle paar Jahre erneuert. Mit seinen Filmen, Liedern und Kinderliedern ist er seit so vielen Jahren präsent, daß man eigentlich gar nicht auswählen kann. Versuchen wir es trotzdem.

Aus dem Film „Lool“ von Uri Zohar, 1969. Einwandererwellen – sie kommen an, und wenn dann die nächste Welle kommt, betrachten sie sie schon mit dem Mißtrauen der Alteingesessenen. „Und wir haben hier die Sümpfe trockenlegt, jawohl!“

Ani ve-ata, du und ich, wir verändern die Welt. Das haben schon andere vor uns gesagt – ganz gleich, du und ich, wir werden die Welt verändern. Und alle anderen werden sich anschließen…

Einsteins Kinderlieder, mit denen alle aufgewachsen sind, die in den 90er Jahren Kind waren. Adon Shoko, Herr Schoko, der einen anderen Herrn Schoko besuchen geht. Und was machen wir nun? Na gehen wir doch einen anderen Herrn Schoko besuchen.

Uf, gozal, flieg, junger Vogel. Die Hymne der alten Vögel, deren Nest leer wird. Sie wußten zwar immer, daß die Kinder flügge werden, aber jetzt kommt es doch plötzlich. Flieg, kleiner Vogel, wohin du willst, aber vergiß nicht, daß auch der Adler unterwegs ist…

Und das Lied, das er für mich ganz persönlich geschrieben hat: Aber ich, ich bin gern zuhaus. Es gibt Leute, die auf Berge steigen, Löwen jagen, Türme bauen, monatelang fasten… aber ich, ich bin gern zuhause, mit dem Buch und der Tasse Tee.

Das schönste zuletzt. Hi yoshva la-chalon, sie saß am Fenster, und das Lied vom Papagei Yossi.

Mazal tov, Arik Einstein. Und danke für alles!

Na endlich Januar 2, 2009, 13:04

Posted by Lila in Bloggen.
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hat die Armee ihren eigenen Blog. Dort werden auch die Videos veröffentlicht, die Youtube wieder rausnimmt. Auch eine kurze Erinnerung an Lufti Nasralladin steht drin, den Cousin von Y.s früherem Kollegen.  Ich werde der Familie das erzählen.

Auch wenn der Blog ein bißchen steinzeitlich aussieht und den freundlichen Austausch mit dem Leser nicht gerade herausfordert :räusper: , ist das doch ein positiver Schritt. Ich hoffe, wenn ein bißchen mehr Leser den Weg hinfinden und Kommentare hinterlassen, wird das Ganze etwas lockerer. Aber ich würde nicht meine letzte Gesundheitssandale drauf verwetten.

Es findet sich auch eine Statistik der seit 2005 auf Israel abgefeuerten Raketen. Angesichts der Zahlen und des Zeitraums klingt es wie Hohn, wenn jetzt die Rufe nach „Waffenstillstand“ wieder so laut werden. Wie Ruth schon vor Monaten die Bedeutung des Worts cease fire erklärte: we cease, they fire. Wir waren in dem Film schon, ihr Lieben.

Helfen Januar 2, 2009, 9:22

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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Für die, die Israel gern helfen möchten und mich in Mails fragen, wie sie das am besten machen können, hier zwei Ideen:

In Odense, Dänemark, wurden zwei Israelis verletzt, die dort in einem Einkaufszentrum Ahava-Produkte verkauften. Ahava ist eine reputierliche Firma, die kosmetische Produkte mit Ingredienzen aus dem Toten Meer herstellt. Es wäre schön, wenn die Verkaufszahlen von Ahava (was übrigens „Liebe“ bedeutet, etwas cheesy) jetzt demonstrativ anstiegen.  Die Produkte sind nicht übermäßig parfumiert und eine Tube Hand- oder Fußcreme kostet 12 EU, nicht billig, aber hält ziemlich lange.

Man kann auch mal bei Ebay gucken, da sind manchmal bessere Angebote.  Ich kaufe regelmäßig die Schlamm-Maske für meine pickel-anfälligen Jugendlichen und das Badesalz für mich selbst.  Die Gesichtspflege ist für meine Haut zu leicht und luftig, aber wer nicht so super-trockene Haut hat wie ich, wird sie mögen.

Der zweite Tip ist noch dekadenter 😛  Was fehlt den israelischen Streitkräften? Internationale Unterstützung, klare Vorgaben der politischen Führung, ein ausreichendes Budget, Motivation, nicht-stinkende Schlafsäcke, Ohrenstopfen gegen Akrabutim? Falsch geraten!

Was der IDF fehlt, ist eindeutig gesundes, nährstoffeiches Futter in Form von Pizza und Softdrinks.

(Es gibt auch Suppe.)

Aus der israelischen Presse Januar 2, 2009, 9:04

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*Links zu Ynet funktionieren gerade nicht, die Seite ist gehackt*

*und sie ist wieder in Ordnung, Erklärung hier*

Steven Klein macht sich Gedanken über Auswege aus der Lage, Kooperation und Verfolgung des eigenen Vorteils. Interessant, zumindest als Gedankenexperiment.

Ophir Falk formuliert die israelischen Kriegsziele, und wenn er glaubt, daß die durchzusetzen sind, dann ist er sehr optimistisch.  Es sind ehrenwerte Ziele, die der ganzen Region dienen – aber ob wir sie auch erreichen? Es gibt genügend Gegenkräfte, die das verhindern werden, fürchte ich. Kräfte, die ein Interesse an untüchtigen, unglücklichen, von Terror vergifteten Arabern haben.

Giora Eiland ist weniger optimistisch als Falk, weil er sieht, daß verschiedene Kriegsziele miteinander konkurrieren und ohne klare Ziele keine eindeutige Strategie zu entwickeln ist. Er sieht das Problem auf Seiten der Politiker, nicht der Armee. Denn die Zielvorgabe muß von der politischen Führung kommen, die Armee setzt das nur um.

Esti Appelbaum-Polani seufzt und krümmt sich, genau wie ich, wenn sie hört, wie unsere wunderbare politische und militärische Führung Englisch radebrecht. Es ist an der Zeit, sich ein bißchen Gedanken darüber zu machen, wie man „rüberkommt“. Mieses Englisch, ständiges äääh, äääh – das führt dazu, daß der Zuhörer innerlich ungeduldig wird und es ihm schwerfällt, Empathie zu empfinden. Wir empfinden nämlich am leichtesten Empathie mit Leuten, die uns ähnlich vorkommen. Und es ist wichtig, die eigene Aussage klar, verständlich und einsichtig zu Gehör zu bringen. Ich würde auch sagen: Englisch allein reicht nicht.

Und am interessantesten, ohne Zweifel auch am aufschlußreichsten für Sympathisanten der Hamas: Farid Ghadry über die Entscheidung, vor der die arabische Welt steht. (Falls es jemand nicht schon am Namen erkennt: Ghadry ist Araber).

We Arabs must be the ones to stop Hamas and Hizbullah, rather than support their demonic and twisted logic of resisting development, enlightenment, and progress of the region. Even when development and enlightenment stare them in the face, their instinct is to destroy them pretending to safeguard their honor, the mechanics of which supersede all else including a happy life of fulfillment and accomplishments.

Für einen solchen Ghadry, der den Mut hat, den Mund aufzumachen, müssen wir die Option von Verhandlungen weiter aufrechterhalten. Ich bin sicher, daß er für andere spricht, die dasselbe denken, aber Angst haben, es auszusprechen – oder die ihr uneingestandenes Mißbehagen mit Zielen und Methoden der Terror-Organisationen noch nicht zu Ende gedacht haben.

So bin ich zB über die Demonstrationen von arabischen Studenten an den Hochschulen hier überhaupt nicht entsetzt, weil ich sie gut genug kenne, um zu wissen, daß sie durchaus gespaltene Gefühle haben und sich oft nur genötigt fühlen, bedingungslos auf Seiten ihres Volks zu stehen – auch wenn das eine Solidaritätsbekundung für Terroristen mit einschließt, die man eigentlich entsetzlich findet.  Nach außen hin Identifikation mit jedem, der behauptet, für die Rechte der Palästinenser einzutreten – innen viele Fragezeichen, Zweifel, Ängste und Vorbehalte. Und wir machen es ihnen nicht leichter.

Die Reaktionen auf diesen Artikel sind ebenfalls lehrreich. Überlegungen, ob der Terror der arabischen Sache wirklich dient, werden von arabischen Lesern sofort als Verrat und Überläuferei beschimpft.  Ich glaube nicht, daß die Stunde der Ghadrys und Nusseibehs bereits gekommen ist. Aber ich glaube auch, daß wir ihnen Respekt schulden und ihnen gut zuhören sollten.

Tawfik Hamid ist ganz ähnlich aufgestellt.

After Israel launched its military attack on Hamas military installations in Gaza in response to repeated attacks on Israeli civilians, the Arab street wasted no time in demonstrating with passion against Israel. In Europe, many Westerners also took part in the protests.

As an Egyptian Muslim now living in America, I ask myself why the Arab street and its supporters in the West never show similarly strong response against Islamic terrorists who target innocents worldwide and explode markets full of predominantly Muslim civilians in Iraq, Pakistan, Sudan, Turkey, etc. When you consider that the Israeli attack killed some 400 mostly Hamas militant in the first four days, the passive attitude of the Muslim world against the terrorists represents extreme hypocrisy. If it truly cared for Muslims‘ lives, it should have demonstrated in the same numbers and with equal vehemence against the Islamists who murder hundreds of thousands of their fellow Muslims, not to mention the Hamas slaughter of rival Fatah members – women and children included.

Ja, das frage ich mich tatsächlich auch und habe es auch hier im Blog deutlich gefragt, als das innerpalästinensische Massaker so viele Todesopfer forderte. Wo war der Aufschrei, wo die empörten Demonstrationen? Solange jede Gewalt gegen Moslems toleriert wird, außer, wenn sie von Israel begangen wird, ist diese selektive Solidarität wertlos und erheuchelt.

Those who demonstrate against the military campaign on Gaza must realize that if Hamas had stopped pounding Israel with its rockets, Israel would not have launched its attack. If the Palestinians focused on building their society rather than destroying those of others, the whole region would enjoy peace and flourish. Should Palestinians recognize the right of Israel to exist, end terrorism against Jews and nurture a sincere desire to live in peace, they would end their suffering. The solution now is simply in the hands of the Palestinians – not the Israelis.

Interessant, nicht wahr? Das sage ich schon seit Jahren. Vielleicht sollte man diese Artikel mal den guten Menschen in die Hand drücken, die jetzt überall auf Demos gegen Israel gehen und empört ihre Fahnen schwenken. Vielleicht würden sie einem Araber ja eher glauben als mir.


Weiter im Auge behalten Dezember 31, 2008, 23:01

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Der Direktor des Shifa-Krankenhauses in Gaza City hat sich empört gegen Diskins Erklärung gewandt, daß das Krankenhaus zur Aufbewahrung von Waffen dient.  Mal gucken, was am Ende die Wahrheit ist. Ob Diskin sich geirrt hat, ob Diskin absichtlich gelogen hat, ob der Krankenhausdirektor hintergangen wurde oder die Unwahrheit gesagt hat, aus Überzeugung oder unter Zwang – ich wüßte es gern.

Ich hoffe und erwarte, daß der Shabak seine Quellen noch einmal gründlich prüft. Eine unberechtigte Bombardierung des Krankenhauses wäre eine Katastrophe. Ich hoffe, daß die Wahrheit ans Licht kommt.

Pro Bodenoffensive: Moshe Arens Dezember 31, 2008, 22:55

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Immerhin bedenkenswert für die Strategen, die meinen, die  Luftwaffe allein kann es reißen.

Moshe Arens war mehrmals israelischer Verteidigungsminister. Er gehört zur israelischen Rechten, und er ist einer der Rechten, die mir Eindruck machen. Er hat einen kühlen Kopf und ich mag seinen Stil, auch wenn ich politisch woanders stehe. Aber wo kämen wir hin, wenn wir nur Ideen annähmen, die von ähnlich Denkenden geäußert werden?

Arens läßt alle bisher ausprobierten oder empfohlenen Lösungsansätze des Gazaproblems Revue passieren und legt die Schwäche eines jeden einzelnen dar. Überzeugend, wie ich finde (es ist auch nicht soo  schwierig). Aber was dann?

Now that leaves the only effective alternative – for the Israel Defense Forces to take control of the rocket launching sites in the Gaza Strip. Over 60 years ago, in World War II, the Allies understood that the only way to put a stop to the shelling of London by German V2 rockets was for Allied armies to reach the launching sites in Western Europe.

Much has changed since then, but the rockets are essentially still the same (the Qassams and Grads fortunately have considerably less range than the V2s). So that leaves the job to the IDF ground forces.

Why has it been so difficult for our leaders – civilian and military – to understand this? The prospect of ground forces entering the Gaza Strip is not particularly attractive, especially after we have been told that „we have left the Gaza Strip forever.“ But nobody has yet found a way of defeating an enemy without invading their territory. Call it occupation or whatever else you like, but that is how wars have always been won, and if we are going to defeat Hamas and stop the rockets from raining on Israeli civilians that is what we will have to do.

„Once there, how are we going to get out?“ is the ultimate argument sounded by those who oppose the only move that can attain our declared objective of providing security for Israel’s citizens in the south. It is an argument that is based on the presumption that future events can be foretold with certainty; that the IDF, once in the Gaza Strip, will find it impossible to disentangle itself from there; and that Hamas, even after having been defeated, will continue to rule the Gaza Strip. Not very sound reasoning.

Ich wünschte, ich könnte seinen Optimismus über die Beendung der Aktion teilen. Bei militärischen Einsätzen geht es manchmal zu wie beim Redenhalten – man findet das Ende so schlecht, wenn man warmgelaufen ist.  Aber daß die Infanterie die Arbeit beenden muß, die die Luftwaffe angefangen hat, daran habe ich keinen Zweifel. Schweren Herzens sehe ich der Bodenoffensive entgegen, aber vom militärischen Standpunkt aus gibt es keine bessere Lösung. Damit erstmal Ruhe ist vor dem Raketenterror. Was dann politisch ist? Nun, vielleicht holen wir Arens wieder vom Regal und stauben ihn etwas ab. Ich hoffe, er hat auch dafür eine gute Idee.

Tatsachen. Dezember 31, 2008, 20:47

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Gefunden bei Meryl Yourish

Eine Zusammenfassung der Ereignisse seit der Räumung vor drei Jahren bis heute, mit vielen Links. Für Leute, die sich in Diskussionen mit Faktenwissen unbeliebt machen wollen. An den Tatsachen ist nichts zu deuteln.

Angela Merkel hat vollkommen Recht, wenn sie die eindeutige und einzige Schuld auf Seiten der Hamas sieht. Ich wüßte nicht, wie man es anders hindrehen könnte.

Auf dem Weg zur Silvesterparty Dezember 31, 2008, 20:08

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erklärt uns Secundus, der die Zeit seiner Rückkehr mit der Vorbereitung dieser Party to end all parties verbracht hat, daß sie diesmal besonders viele Gäste haben werden. Kibbuz Beeri und Kibbuz Nahal Oz haben ihre Jugendlichen für eine Woche in den Norden geschickt, und sie feiern hier heute nacht zusammen mit unseren Kindern. Schön.

Die wahre Weltverschwörung Dezember 31, 2008, 19:46

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Etwas fassungslos titel der SPon:

Saudi-Arabien gibt Palästinensern Mitschuld an Gaza-Krise

Die muslimischen Staaten sind sich uneinig über ihre Haltung gegenüber der islamistischen Hamas. Während Iran die Gruppe unterstützt und von der Arabischen Liga Aktionen gegen Israel fordert, räumt Saudi-Arabien eine Mitschuld der Palästinenser an der Gaza-Krise ein.

Ja, dabei wissen doch alle, wer Alleinschuld trägt.

Ich aber weiß den wahren Schuldigen. Ich weiß, wer es alles auf der Kappe hat, wessen Interessen es dient. Wir sind es, die Nahost-Blogger. Endlich Zugriffszahlen mit roten Backen! endlich Neubesucher, die noch nie von Lilas berühmt-berüchtigtem Blog gehört haben! endlich mal sich wichtig fühlen! endlich mal als kompetent anerkannt werden, wichtiger Kontakte verdächtigt werden, nach unbekannten Informationen gefragt werden!

Mit dem Libanonkrieg vor zwei Jahren hat es angefangen, das Gefühl der eigenen Wichtigkeit. Es stieg uns zu Kopf, berauschte uns. Mit unermüdlicher Wühlarbeit haben wir es nun dahin gebracht, daß die nächste Krise uns ins Zentrum des Weltinteresses katapultiert und…

Nicht überzeugend? Hm. Eine Theorie ist so gut wie die andere. Hauptsache Verschwörung. Verratet es niemandem.

Geständnis, abgerungen Dezember 31, 2008, 19:01

Posted by Lila in Bloggen, Persönliches.
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Ich finde „Dinner for One“ nicht witzig, kein bißchen. Ich finde es zäh und langweilig. So sehr ich es auch versucht habe, im Laufe meiner Jugend, ich kann es nicht witzig finden und bin froh, daß ich es heute nicht angucken muß. Es war mir immer peinlich, als stockernster Partykiller dabeizusitzen, wenn sich rund um mich herum die Leute in Juchzen und Prusten ergingen. Oh Gott, mit mir stimmt was nicht. Ich hasse „Dinner for One“, ich hasse Lachzwang.

Puh, ich habe es gesagt. Welche Erleichterung.

Prost Neujahr. Ich arbeite morgen, also ein ganz normaler Tag.

Updates Dezember 31, 2008, 17:26

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Der Shin Bet (der bekanntlich Kontakte überall hat 🙂 ) berichtet, daß sich Hamasniks in Krankenhäusern verstecken. Es würde mich nicht wundern, denn die Terroristen haben noch nie davor zurückgeschreckt, humanitäre Einrichtungen für ihre Zwecke zu nutzen.  Was ich damit sagen will: wenn die Krankenhäuser geräumt werden und dann bombardiert, achtet in den Nachrichten darauf, ob sich eine zweie Explosion zeigt. Nämlich, wenn die gelagerten Waffen in die Luft gehen.

Wer meint, schade um die Krankenhäuser, traut der Hamas mehr Gemeinsinn zu,  als sie hat. Obwohl Mengen von medizinischer Ausrüstung in den Gazastreifen gelassen werden (über Kerem Shalom, weil die Ägypter nichts durchlassen wollen, bis die Fatach wieder am Ruder ist… wir sind da etwas flexibler), gelangt nicht alles zu den Kranken selbst. Angebote Israels, weitere Kranke und Verletzte aufzunehmen, scheitern an der Weigerung der Hamas, das zuzulassen.

Colonel Levi also accused Palestinian Health Ministry officials of preventing the injured from leaving Gaza to receive medical treatment in Israel and piling up bureaucratic hurdles.

So far, a 16-year-old boy who was injured in the operation was permitted to leave Gaza for Israel and on Wednesday a seven-year-old boy who sustained serious wounds will follow.

A number of cancer patients were also transferred to Israel for treatment, but Palestinian medical officials demand a long list of documents to approve the release of patients, and therefore prevent any serious treatment of the matter.

„Gaza hospitals have not collapsed, and international organizations have not reported a collapse and even point out that the medical equipment sent there is improving the hospitals‘ efficient activity. Regarding food as well, we have not received official complaints, there are large amounts of food in the Gaza Strip and there is no crisis in this regard,“ Levi said.

Sowas würde ich keinem menschlichen Wesen zutrauen – aber wir sprechen hier von der Hamas.  Im Krankenhaus von Ashkelon, das wegen der Raketen in den Keller umgezogen ist, liegen Krebspatienten aus dem Gazastreifen. Israel ist Kranken und Verletzten gegenüber traditionell hilfsbereit.

Zum Thema Medikamente und Blutspenden: David Bogner, den ich unvermeidlicherweise sehr oft verlinke, stellt eine interessante hypothetische und vielleicht gar nicht so hypothetische Frage. Lesen bildet! Auch die Kommentare sind hochinteressant.

Die arabische Liga ist tief gespalten. Auch wenn die „arabische Straße“ geschlossen gegen Israel demonstriert, sind nicht alle arabischen Regierungen auf Seiten der Hamas. Im Gegenteil. Ägypten, Saudi–Arabien und andere rennen zwischen den Tropfen.  Hinter dem Ruf nach Einigung der Palästinenser verbirgt sich eine Mahnung und Warnung, die Kämpfe zwischen Fatach und Hamas zugunsten der Fatach aufzugeben. Der genervte Unterton ist unverkennbar.

„This terrible massacre would not have happened if the Palestinian people were united behind one leadership speaking in one voice,“ he said at the league meeting’s opening.

„We are telling our Palestinian brothers that your Arab nation cannot extend a real helping hand if you don’t extend your own hands to each other with love,“ he said.

Höret wohl und merket auf, o Palästinenser.

Und besonders pikant: die Rakete, die heute die Decke einer Schule in Beer Sheva durchschlagen hat, ist chinesischer Herkunft. So viel zum Thema „selbstgebaute Knallfrösche“ – und zur Tüchtigkeit der Hamas-Regierung, die über Versorgungsengpässe klagt, aber schlagkräftige Raketen aus China bezieht.

Eine Grundsatz-Erklärung Dezember 31, 2008, 12:10

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für die kernigen, kampflustigen Kommentatoren und Leser, die Menschen wie mich mit Spott und Verachtung überschütten. Eigentlich hätten sie allein schon wegen ihrer Unhöflichkeit keine Beachtung verdient, aber ich sehe Aufklärungsbedarf. Und wann hätte ich dem je widerstehen können?

Die Kehrseite des Stereotpys vom bösen Haudrauf Avi Jedermann ist das Stereotyp vom guten Haudrauf Avi Jedermann. Eine bestimmte Sorte Israel-Freunde erwartet von Israel, genauer von der israelischen Armee Zahal, daß sie alle westlichen Frustrationen mit den Moslems, den Arabern, den Islamisten, den Jihadisten, wem auch immer, ausagiert und es ihnen mal richtig zeigt. Ohne humanistische Zimperlichkeiten, ohne Rücksichtnahme, ohne Ethos, ohne Moral. Immer feste druff, es wird schon keinen Falschen treffen. Macht sie alle! Die kernigen Freunde jubeln aus Europa gern mit, als Schlachtenbummler, die nicht naß werden, wenn es regnet.

Dahinter steckt erstens, wie mir schon länger auffällt, ein seltsamer Männlichkeits-Kult. So beziehen sich diese Kommentatoren ausnahmslos auf SÖHNE, meine Söhne, dabei ist im Moment von meinen Lieben meine Nichte als einzige aktiv in die Kämpfe verwickelt (Offizierin in der Luftwaffe).  Sei´s drum. Jedem Tierchen seinen blinden Fleck.

Doch zweitens steckt dahinter, und das ärgert mich viel mehr, eine Vorstellung von Zahal als einer Art Fremdenlegion. Skrupellos, eisenhart, schlagkräftig. Wer Zahal so sieht oder gern so sähe, hat nichts begriffen.

Im Gegensatz zu anderen Armeen, in denen sich die einfinden, die Armee grundsätzlich gut finden, während alle anderen wegbleiben, verweigern oder den Wehrdienst sonstwie umgehen, zieht Zahal ganze Jahrgänge von Mädchen und Jungen ein. Zahal ist Teil der Familie, für alle Israelis außer moslemischen Arabern und anti-zionistischen Ultra-Orthodoxen. Nicht etwa, wie manche unklugen Beobachter suggerieren, weil Israelis so militärbegeistert sind. Nein, wir stehen hinter Zahal, weil wir es selbst Zahal SIND. Auch jemand wie ich, der nie eine Uniform getragen hat. Zahal ist ganz praktisch Teil meines Lebens, seit ich hier bin.

Jeder von uns unterstützt Zahal, weil die Armee uns beschützt und weil wir dort Leute haben, die wir mögen und auf die wir uns verlassen. Alle Leute, mit denen ich zu tun habe, sind bei der Armee gewesen, sind immer noch im Reservedienst, oder haben liebe Menschen zur Armee geschickt. Wir reagieren kritisch, wenn die Armee Fehler macht (ob es um fahrlässigen Leichtsinn im Umgang mit Soldaten angeht, falsche militärische Entscheidungen oder was auch immer), wir identifizieren uns mit der Armee und sie ist Teil unseres Lebens. So wie für eine Pfarrfamilie die Kirche oder für eine Bergbaufamilie der Pütt Teil des Lebens ist.

Und umgekehrt absorbiert und reflektiert die Armee den israelischen Nationalcharakter. Und der ist sehr uneinheitlich. Es gibt fromme Israelis, hedonistische, intellektuelle, praktisch veranlagte, es gibt europäische, orientalische, gemischte und was-man-nur-will Israelis. Das prägt die Armee.

In vielen anderen Ländern existieren die Armee und die zivile Gesellschaft nebeneinander her, mit verschiedenen Wertsystemen und verschiedener Sozialstruktur. Es gibt Leute, die man in ihren Armeen nie finden würde, und wenn sie Soldat werden müssen, kommen sie gebrochen wieder. Es sind getrennte Welten, Armee und Gesellschaft.

In Israel sind Armee und zivile Gesellschaft eng miteinander verbunden. Die Armee besteht aus Bürgern, die Bürgern sind Teilzeit-Soldaten. (Ich bitte, das nicht mit der bewußten Verwischung der Grenzen zwischen Kämpfern und Zivilisten zu verwechseln, die ich bei der Hamas anprangere – wer bei uns keine Uniform trägt, ist Zivilist, auch wenn er die Uniform gerade erst ausgezogen hat, weil sein Reservedienst zu Ende ist – und er hat Anspruch auf Schutz wie ein Zivilist. Gerade weil Zahal eine Armee des Volks ist, trennen wir sehr säuberlich).

Das bedeutet, die Soldaten tragen die Werte der israelischen Zivilgesellschaftin die Armee , viel stärker, als das vielleicht in anderen Armeen der Fall ist. Und was sind die prägenden Werte der israelischen Gesellschaft?

Als Grundlage würde ich ohne Zweifel das Judentum nennen. So mies der Ruf des Worts „alttestamentarisch“ bei Nichtjuden  ist (ein Blick in Google zeigt die überwiegend negative  Konnotation),  so menschenfreundlich und moralisch anspruchsvoll ist das Judentum. Über den Fall des Feinds jubelt man nicht (Sprüche 24:17), man verlangt von sich selbst immer mehr als von anderen, man vergißt nicht, zu danken, wo Dank gebührt, ob dem Herrn oder dem Mitmenschen, und man ist nie vor Kritik und Selbstkritik sicher. Andere Religionen, andere Völker feiern ihre Siege. Die Juden feiern ihre Niederlagen auch. Sie rufen das eigene Versagen in der Wüste immer wieder in Erinnerung, um daraus zu lernen.

Sie haben ein langes Gedächtnis und wie ich schon oft bemerkt habe – die Dankbarkeit und der Ernst, mit der Juden sich jeder Hilfe von Nichtjuden erinnern, ist besonders eindrucksvoll.

Das Judentum kennt den Ausdruck „zelem enosh„, das ist der menschliche Kern, den der Mensch sich immer bewahren soll. Die Bilder, die betende Soldaten zeigen, deuten nur an, wie intensiv der jüdische Wunsch ist, Mensch zu bleiben. Auf jiddisch: ein mensh. Das ist das Wichtigste, den Respekt vor dem menschlichen Leben nicht zu verlieren, denn der Mensch ist im Bildnis Gottes geschaffen und wer den Menschen mißachtet, mißachtet Gott.

Auch säkulare Juden sind eindeutig von dieser Lehre beeinflußt, die sich auch in dem von Assa Kasher entworfenen ethischen Code wiederfindet. Dieser Code wird in der Ausbildung betont, und es herrscht weitgehende Einigkeit über ihn. (Daß es immer wieder Soldaten gibt, die dagegen verstoßen, liegt in der Natur des Menschen – auch an das Strafgesetzbuch halten sich längst nicht alle, auch an Verkehrsregeln nicht….)

Es ist dieser zelem enosh, dieses ehtische, lebensbejahende Rückgrat der israelischen Gesellschaft und der jüdischen Tradition, die Israel und Judentum bewundernswert machen. Für diese Werte ist in der Fremdenlegion kein Platz, weswgen die Fremdenlegion nicht für ihre wissenschaftlichen, intellektuellen, künstlerischen und kulturellen Errungenschaften bekannt ist.

Israel aber, als kleines, isoliertes, oft angegriffenes Land, rundherum von Nachbarn abgeschlossen und boykottiert, ohne Bodenschätze und mit feindseligen Bevölkerungsanteilen – Israel entwickelt Technologien und Medikamente, behandelt Kinder (aus dem Irak, aus Ruanda… und vielen anderen Ländern)  mit Herzfehler umsonst, bietet den Iranern nach einem Erdbeben unsere ausgezeichneten Rettungsdienste an (die Türken haben nicht bereut, daß sie dieses Angebot angenommen haben), Israelis machen Musik, Theater, schreiben Literatur, erforschen alles mögliche. Israel hat Universitäten, Orchester, Galerien. Israelische Kultur ist unglaublich vielfältig und lebendig.

Der Forscher, der Dirigent, die Bildhauerin, sie alle waren in der Armee und haben dort das Ihre gegeben – und ein bißchen von ihrem „spirit“ in der Armee gelassen. Die Armee wiederum hat sich, außer in Ausnahmefällen, nicht etwa zum Ziel gesetzt, diesen Geist zu brechen und aus dem Forscher, Dirigenten und der Bildhauerin Rekruten zu machen, die wie Fremdenlegionäre zuschlagen und keine Fragen stellen. Die Armee weiß, daß sie die israelische Gesellschaft zerstören würde, wenn sie das täte. Die Soldaten müssen so unbeschadet wie möglich aus der Armee kommen, in den Gerichtssaal, das Labor, die Autowerkstatt und den Kindergarten zurückkehren. sonst ist Israel in einer Generation kaputt. Tot. Eine Fremdenlegion mit zivilen Anhängseln. Dann wäre die Armee Selbstzweck, aber das Leben in Israel wäre nicht mehr lebenswert.

Zahal bewahrt unser Leben und bewacht unseren Schlaf. Wir sind dafür dankbar. Ich würde nie erwägen, meine Kinder in Deutschland in Sicherheit zu bringen und sie nicht dem Staat dienen zu lassen, der ihnen ermöglicht hat, glücklich aufzuwachsen. Aber Zahal ist keine Armee von Monstern und Robotern, sondern von Menschen, die Menschen bleiben wollen, mit Uniform und ohne Uniform.

Die Kommentatoren und Leser, die mich mit Verachtung auslachen und die Zahal als zu weich kritisieren, haben nicht den geringsten Respekt vor Israel, den Werten, die Israel ausmachen und die das Leben hier lebenswert machen. Israel schenkt der Welt Erfindungen, Krativität, Bücher, Mikrochips, intelligente Lösungen. Es ist dasselbe Israel, das sich überlegt, wie es Zivilisten schont, wie so so effektiv wie möglich und nicht destruktiver als nötig vorgeht. Ich weiß, daß das den Rambo-Fans nicht imponiert, sondern sie nur in ihrem Glauben bestärkt, daß Israel schwächlich ist und ich die Schwächlichste von allen. Darum schreibe ich auch nicht wirklich für sie, sondern für die, die in Israel mehr sehen wollen als den gewaltbereiten Vollstrecker ihrer eigenen Vernichtungsfantasien. Sondern für die, die wirklich verstehen wollen, wie Israel tickt. Respekt vor dem Leben.

Wer nicht begreift, daß ein Kämpfer MIT Gewissen und moralischem Rückgrat viel mehr Respekt verdient als ein gewissenloser, eisenharter Legionär – der hat nichts begriffen. Denn nur der Kämpfer, der mehr ist als Kämpfer, kann seiner Gesellschaft mehr geben als Krieg. Nur er kann auch Frieden machen. Die berühmtesten und tapfersten Kämpfer Israels hatten alle diesen „moralischen Mehrwert“, der sie an bestimmten Punkten ihres Lebens befähigte, nicht nur militärisch zu reagieren. Ich bin selbst mit einem Mann verheiratet, der mutig ist, kampfbereit, realistisch – und der sich seinen zelem enosh nie hat nehmen lassen. Darauf bin ich stolz, und dafür lasse ich mich auch anpinkeln.