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Nur kurz April 26, 2017, 11:14

Posted by Lila in Presseschau.
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Zu dem Gabriel-Netanyahu-Streit kann ich nicht viel sagen, weil ich gerade absolut keine Zeit dafür habe, es ist hier auch kein Gesprächsstoff, weil Deutschland den meisten Leuten hier nicht sehr wichtig ist. Auf gar keinen Fall so wichtig, wie Israel den Deutschen ist.

Nur so viel zu den Kommentaren, die ich gelesen bzw überflogen habe. Fast alle basieren auf mehreren falschen Annahmen, nennen wir sie freundlich „Lebenslügen“.

  1. Deutschland hat eine wichtige Rolle im Friedensprozeß zwischen Israel und den Palästinensern zu spielen, denn…
  2. Deutschland ist neutral und darum ein guter Vermittler.
  3. Israel widersetzt sich einer Friedenslösung und baut Siedlungen, die das Friedenshindernis Nummer Eins sind.
  4. Die Palästinenser sehnen sich stark nach einer Friedenslösung und aus Frustration und Verzweiflung begehen sie manchmal Angriffe, die man nicht Terror nennen kann, weil sie sich ja nur gegen Israelis richten, also Widerstand sind und kein Terror.

Jede einzelne dieser Annahmen ist falsch.

Im Friedensprozeß, falls es so einen wirklich mal geben sollte, spielen nur die eine Rolle, die die Realität so sehen, wie sie ist. Dazu gehören keinesfalls verblendete Mitteleuropäer, die sich für fair und neutral halten, weil sie beiden Seiten im Konflikt die gleiche Schuld zuweisen. Deutschland ist nicht neutral.

Deutschland überweist den Palästinenser Gelder, die in Terrorstrukturen fließen. Deutschland unterstützt massiv anti-israelische NGOs. Deutschland ist keineswegs ausgewogen und fair. Es ist praktisch unmöglich, in Deutschland eine Meinung zu veröffentlichen, die ohne die oben genannten hohlen Versatzstücke auskommt. Deutschland hat seine Seite gewählt, deutsche Medien betreiben massive anti-israelische Propaganda, übernehmen ungeprüft palästinensische Lügen und Halbwahrheiten, Sprachregelungen und historische Fälschungen, und ist damit keinesweges als neutraler, fairer Vermittler prädestiniert.

Die Palästinenser betreiben seit 100 Jahren systematisch Terror gegen jüdische Zivilisten. Systematisch. Terror. Gegen jüdische Zivilisten.

Sie haben damit angefangen, BEVOR es einen Staat Israel gab, BEVOR es die Eroberung der Gebiete im Sechstagekrieg gab, BEVOR es eine Siedlungspolitik gab.

Terror hinterläßt Tote und Verwundete, die man nicht mehr lebendig machen kann, und Terror hinterläßt Verwüstungen in Biographien auf Generationen.

Siedlungsbau hinterläßt Häuser und Wohnungen, die man räumen und übergeben kann.

Jedes Kind kann verstehen, oder könnte es, wenn nicht alle Medien und Politiker ständig was anderes behaupteten, daß ein Trommelfeuer des Terrors ein echtes Friedenshindernis darstellt (trotzdem sind die Israelis mehrheitlich FÜR Frieden), Siedlungsbau hingegen nur ein rhetorisch aufgeblasener Popanz, der in echten Friedensverhandlungen pragmatisch zu lösen wäre.

Die Weigerung, Terror als Friedenshindernis zu bezeichnen, und die gedankenlose, immer wieder wiederholte Gleichung vom Siedlungsbau als Friedenshindernis, ist selbst eines der größten Friedenshindernisse überhaupt, da es in uns in Israel den bitteren, aber nicht unerwarteten Eindruck bestärkt, daß die Welt für Opfer palästinensischen Terrors null Empathie hat und die Palästinenser darum im Terror bestärkt. Und der kostet Menschenleben.

Über meine Sicht auf die problematischen Seiten des Siedlungsbaus bzw der Proklamation neuer Siedlungen (die oft genug gar nicht gebaut werden) und die Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Siedlungen etc, habe ich schon oft genug geschrieben, hab ich gerade echt keine Zeit für. Auch was die Armee angeht – wir haben genügend demokratische Instanzen, die genau wie in Deutschland für Recht sorgen. Besser vermutlich, da in Israel Dialoge offener geführt werden als in Deutschland.

Aber wer über ein paar Wohnungen in Gegenden, aus denen die Juden gewaltsam vertrieben wurden (mehrmals) und in die sie wieder zurückkehrten, Krokodilstränen vergießt, während er die unablässigen Anschläge auf Leib und Leben israelischer Zivilisten als gegeben hinnimmt – wer gemeinsame Sache macht mit Institutionen, die Israel ständig unter eine überkritische, ideologisch gefärbte Lupe nehmen, während sie Gräuel in Israels Nachbarländern elegant ignorieren – wer ohne nachzudenken immer dieselben Phrasen daherredet und das im Vollgefühl deutscher Wichtigkeit und deutscher Richtigkeit – der disqualifiziert sich selbst als Vermittler.

Es ist schade, daß Netanyahu die Gelegenheit nicht genutzt hat, gleichzeitig mit seiner Absage an Gabriel ein paar wichtigen deutschen Medien ein paar grundlegende Fakten mitzuteilen, die in Deutschland anscheinend unbekannt sind. (Und wäre ich seine Beraterin, ha ha, hätte ich ihm auch davon abgeraten, die Sache mit einer Absage so hoch aufzuhängen, es hätte gereicht, das Treffen abzukürzen, damit Gabriel Zeit bleibt, ein paar Familien von Terroropfern zu treffen. Oder ein paar syrische Verwundete im Krankenhaus in Zfat.)

Die deutsche Einheitsmeinung zum sog. Nahostkonflikt ist jedenfalls so fest betoniert, daß keiner sich selbst mal fragt: warte mal, in welchem anderen Konflikt bin ich eigentlich FÜR ethnische Trennung, FÜR Umsiedlung, FÜR ein Regime, das Homosexuelle, Kritiker und Frauen mundtot macht, FÜR religiösen Fundamentalismus und Kompromißlosigkeit, und FÜR Terror als Mittel der Politik? Hmm, vielleicht sollte ich die Fakten, die mir von meinen palästinensischen Freunden präsentiert werden, doch noch einmal überprüfen…?

Nein, das geschieht nicht. Wie die Palästinenser und ihre israelischen Sprachrohre es vorerzählen, so wird es nachgeplappert, auch ohne jegliche Kenntnis der wahren Lage.

Und ich habe noch nichtmal angefangen, über den iranfreundlichen Unterton nachzudenken, der so viele Artikel in deutschen Zeitungen durchzieht…

Leute, Eure Regierung und Eure Medien haben ihre Seite gewählt, und ich wünsche Euch viel Freude damit. Muß zurück an die Arbeit, es warten BERGE.

Kommentare»

1. Hein - April 26, 2017, 12:02

So ist es. Ich werde für Verbreitung dieses Artikels sorgen.
Danke Lila

2. Lila - April 26, 2017, 12:06

Mach Dich nicht unbeliebt 🙂

3. jim11111 - April 26, 2017, 12:10

Kein Nachtisch heute!

Einige Anmerkungen zum diplomatischen Eklat zwischen Netanyahu und Gabriel…

http://www.hagalil.com/2017/04/netanyahu-gabriel/#more-46162

4. Tanja - April 26, 2017, 13:47

Danke Lila!

5. CK - April 26, 2017, 14:41

Tosender Applaus ! 🙂

Trete heuer übrigens wieder bei Kommunalwahlen an. In Esch kann man also einen überzeugten Zionisten wählen 😉

https://lforliberty.wordpress.com/2017/04/12/erneut-auf-einer-wahlliste-dabei/

6. G. - April 26, 2017, 14:57

Da hast Du gerade einmal die in den Meeren des internets kaum aufzufindende Wüstung Rungholt betreten, da rüstet Du schon wieder zum Verlassen.

Brilliant geschrieben. Einzigartig. Warum um alles in der Welt für eine handvoll Auserwählter anstelle beispielsweise einer regelmässigen Kolumne in der „Welt“? Es gäbe dort sogar bescheidene Zeilenhonorare. Ich werde es nie verstehen. Schade.

Die Medien hierzulande tun, was sie immer taten. Sie verkaufen, sie unterhalten. (Gegenüber) Ihr(em) Publikum.

Und eben das hat seine Affinitäten. Bürgerlich jahrhundertelang von einer bis zum heutigen Tag nicht abreissen wollenden Kette seiner Geistesgrössen diesbezüglich intellektuell geschult und ebenso politisch parteiübergreifend agitiert und bedient.

Die diesem Publikum hieraus resultierenden moralischen Affinitäten, die das Gesamtbild der Deinerseits angeprangerten Missstände mehr als hinlänglich zu erklären taugen, dürftest Du genau so sehen. Du hast Dich zumindest so verhalten. Mit den Füssen abgestimmt.

Gabriel kann sich der Schulterklopfer sowie der Meinungshoheit an den Stammtischen sicher sein. Er hat Moral bewiesen. Und politisches Gespür, nicht wahr?

Von einer Wahl allerdings vermag ich nichts zu erkennen. Eher eine Konstante. Seit Jahrhunderten.

An dieser Stelle würde ich Dich gerne noch einmal an Deine Idee eines Haushaltsblogs erinnern. Und sollte Dich die Kommentarfunktion verdriessen, schalte sie doch einfach ab! Ich jedenfalls würde mich freuen von Dir – was auch immer – lesen zu dürfen. Eine angenehme Zeit Dir und den Deinen!

7. Barbara - April 26, 2017, 15:01

Mit dem importierten Antisemitismus und dem Einknicken vor muslimischen Forderungen in Deutschland wird sich die Kritik an Israel noch verstärken. Grüne und Linke arbeiten daran.
Danke Lila für diese wichtige und für jedermann gut verständliche Zusammenfassung.

8. Ekkehard Schroeder - April 26, 2017, 17:03

Drei Dinge sind mir spontan eingefallen:
Erstens: Beim Abschluss des Iran-Deals konnte es Gabriel als Wirtschaftsminister nicht abwarten die Früchte zu ernten.
Die „grüne Revolution“ 2009 war nicht lange her, der arabische Frühling aktuell.
Es wäre angemessen und wichtig gewesen hier sich mit der Zivilgesellschaft zu treffen, ihnen Mut zu machen und Unterstützung zu bieten. Auch um den Preis des Eklats.
Das Gegenteil ist passiert.
Zweitens: Man muss sich die Frage stellen ob man davon begeistert wäre wenn hierzulande man Pegida und AfD international als Teil der Zivilgesellschaft mit ihrer „Kritik“ an der Presselandschaft usw hofieren würde. Üblich ist es eher das internationale Investoren sich dort zurückziehen wo diese Bewegungen Erfolg haben.
Drittens: Der Schulzeffekt verliert an Zugkraft. Ernsthafte Änderungen an der Agenda 2010 stehen nicht an: Die SPD hat weiter ein ungelöstes Problem. Mit antiamerikanischen Reflexen zum Irakkrieg 2003 gewann Schroeder doch noch einmal eine Legislaturperiode. Gut vorstellbar das Gabriel die selbe Karte spielen wird.
Egal ob Kohl nach dem Kater der Wiedervereinigung gegen Flüchtlinge, Schroeder gegen Bush oder jetzt womöglich Gabriel: mit der Mobilisierung des Mobs scheint man bei fehlender Popularität Mehrheiten sichern zu wollen.

9. caruso - April 26, 2017, 21:06

Großartig!!! Danke! Ich werde es verbreiten!
lg
caruso——-

10. Paul - April 27, 2017, 3:09

Liebe Lila,
ich reihe mich ein in die Schar der Gratulanten zu dieser Philippika.
Das ist das alte Feuer und die alte Leidenschaft für eine gute Sache zu kämpfen. Habe den Beitrag zur weiteren Verwendung in meine „Waffenkammer“ gelegt, um als Multiplikator im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten für die weitere Verbreitung zu sorgen.

Schreibe bitte weiter so. Auch wenn die Arbeit die Frequenz verändert. Besser selten als nie.

Folge bitte nicht dem Vorschlag von @G. Haushaltsblog muss nicht sein. Ein bischen was persönliches zur Entspannung, aber sonst Politik, Politik, Politik.

Herzlich, Paul

11. Paul - April 27, 2017, 3:53

Liebe Lila,
ich komme noch mal zurück.
Das habe ich gerade bei Rika gefunden.
https://himmelunderde.wordpress.com/2017/04/26/so-bloed-kann-selbst-der-sigi-nicht-sein/#comment-5191

Das musst Du unbedingt lesen.
Du hast Mitstreiter.

Herzlich, Paul

12. Paul - April 27, 2017, 4:39

Zum Schluss noch, ich müsste längst im Bett sein, aber heute ist ein ertragreicher Tag, noch ein lesenswerter Beitrag in Numeri 24:9, den ich Dir nur wärmstens empfehelen kann.
https://numeri249.wordpress.com/2017/04/26/judenhass/

Herzlich, Paul

13. Yael Levy - April 27, 2017, 8:17

Du schreibst wirklich gut und bringst es auf den Punkt! Vielen Dank!

14. martin - April 27, 2017, 9:47

klasse, klare Argumentation, mach bitte weiter.
martin

15. A.mOr - April 27, 2017, 19:35

Sigmar Gabriel,
was ein Kerl – welch ein Mannsbild, der diesen Israelis zeigt, wo das deutsche Magenband hängt!
Besucht er also im Lande der Neo-Apartheid die inneren (von Ausländern finanzierten) Feinde des Regimes -wie einst in Südafrika üblich können auch diese in Israel frei agitieren und Lügen verbreiten und sogar im Bus sitzen wo sie mögen, und einladen wen sie mögen- und verweigert dann dem Judenboss noch das Telefonat, welches (trotz allem) noch ermöglicht hätte, daß das geplante Gespräch nach Protokoll (wie versprochen so typisch deutsch-verläßlich gebrochen) noch hätte stattfinden können.

Ja, die Zeiten ändern sich,
wenn die Neo-Deutschen nun die Hosen runterlassen.

Und Bibi reicht dann noch die Hand?

Da könnt ja jeder kommen!

„Pack-Mann“ for Playboy!

Und man ist sich über dem einig -pro oder contra Israel gedeutet- Bibi sei der Verweigerer!

Der SiegMarr versteht sein Handwerk, das kann man ihm hiermit belegen; auch wenn’s irgendwie niemanden auffallen mag?

Mich erinnert das an die Inszenierung einst mit der „Mavi Marmara“, so wie so, Israel kann (konnte) nur „falsch“ handeln.

16. A.mOr - April 27, 2017, 19:44

Und Lila, stimme der Zustimmung hier zu: großartiger Text von Dir!
Vor lauter Freude buchstabiere ich’s mal anders herum:
tiekgiruart.

17. Jürgen - April 27, 2017, 21:36

Schön geschrieben für uns aber leider nichts Neues. Es sei den jemand läse es als Neuling.

Ist das so? – Dann sei uns willkommen, wir freuen uns über jede/n! Unwissende gibt es leider viel zu viele und Aufklärung tut immer noch not…

Ich erinnere: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Aber das hat Herr G. mutmaßlich nie verstanden….

18. nussknacker56 - April 27, 2017, 23:21

Gut geschrieben und präzise auf den Punkt gebracht, Lila. Man könnte aus dem Schreiben nicht mehr rauskommen vor lauter Empörung über diese ständigen miesen Attacken. Und doch es gibt noch ein anderes Leben – es ist wichtig, sich das immer wieder in Erinnerung zu rufen.

19. Andreas Moser - April 28, 2017, 1:40

Deutschland spielt durchaus zeitweise eine Verhandlungsrolle, aber vor allem hinter den Kulissen, z.B. bei Gefangenenaustauschen oder Geiselbefreiungen. Da wird Deutschland von allen Seiten als ehrlicher Makler gesehen.

20. Lila - April 28, 2017, 6:53

Sehr richtig, Andreas, ich habe mir überlegt, ob ich das noch in einem Absatz hintendran hänge. Aber eigentlich ist es auch kein Ruhmesblatt, bei allem Respekt vor den Vermittlern (den ich auch oft genug hier zum Ausdruck gebracht habe), daß ein Land auch von Terroristen als wichtiger Partner gesehen wird…..

Vergessen wir auch nicht, daß Deutschland zwar Frieden predigt, aber zu den größten Gewinnern im Waffengeschäft gehört.

Und so ergibt sich LEIDER ein Bild eines doppelgesichtigen Lands, dessen Bürger an seine eigenen Lebenslügen eifrig glaubt, während es die Früchte der Geschäft mit Leuten genießt, deren „Werte“ sie verbal heftig ablehnen.

21. Jürgen - April 28, 2017, 16:06

Und wen es vielleicht interessiert, hier mein hausärztliche Diagnose betr. S. Gabriel:

Man kann den Herrn Gabriel ja irgendwie verstehen(, ebenso, wie den aktuellen Mainstream. Verstehen, wohlgemerkt nicht gutheißen)

Seine Reaktion ist eine uralte, man nennt das „Verschiebung“ oder „Projektion“, ich sehe eigene Fehler und projiziere sie auf andere Menschen um sie besser auszuhalten. Man kann lernen, das zu vermeiden, vielleicht sollte man Herrn G. eine Therapie anbieten 😉

Begründung:

1) die Fakten:
während der Zeit der NS-Diktatur haben die Vorfahren der allermeisten Deutschen ein historisch beispielloses Verbrechen begangen oder toleriert, nur ganz Wenige von uns können behaupten Nachfahren von Opfern oder Widerstand gewesen zu sein.
Ungeachtet einer eher theoretischen und diskutablen persönlichen Schuld (was kann ich dafür was mein Großvater gemacht hat) ist es dennoch höchst unangenehm, den eigentlich geliebten Verwandten in dieser unbestreitbar schuldhaften Rolle wahrzunehmen.

2) die Folgen:
es sind mehrere möglich:

2.1.) Akzeptanz
Akzeptanz der Situation und der daraus folgenden Konsequenzen, z.B. Verhindern eines „Rezidivs“ durch Aufrechterhaltung der Erinnerung und zu mindestens Neutralität und Zurückhaltung im folgenden Zeitraum, wenn schon keine Unterstützung der Nachfahren der Opfer

2.2.) Verdrängung / Verleugnung
2.2.1.) „es war gar nicht so“ – Holocaustleugnung in D. strafbar und eine Sache der Neo-Nazis
2.2.2.) die „normalen Deutschen haben das alles nicht gewusst“ – na klar , die konnten alle nicht lesen und hatten natürlich keine jüdischen Nachbarn… (historisch belegt falsch, nach dem Krieg aber die beliebteste Methode)

2.3.) Projektion
Okay, das WAR natürlich ganz schlimm damals. ABER, die Anderen, die Nachfahren der Opfer sind doch GENAUSO (oder doch zu mindestens AUCH) böse. Also sind die NICHT BESSER als wir, also GENAUSO schuldig. — dann MÜSSEN wir wegen unser historischen VERANTWORTUNG verhindern, dass neues Unrecht geschieht… usw. usf.
Das hört sich alles total unsinnig an, kommt uns aber doch irgendwie sehr bekannt vor (wird uns ja jeden Tag von unseren Medien und Politikern so vorgekaut).

Vielleicht sollten unsere „Verantwortlichen“ irgendwann realisieren, dass sie sich verhalten wie seelisch Kranke!
Das ist zwar allgemein menschlich aber irgendwann auch mal zu viel.

22. A.mOr - April 28, 2017, 16:21

Zu dem ganzen Gerede um das „was und warum und wie“ des Besuchs von Sigmar Gabriel in Israel wurde inzwischen viel geschrieben. Seltsamerweise, sogar diejenigen, die ein Verständnis mit dem Handeln und der Situation von Netanyahu einräumen, fällt nicht auf, daß nicht Bibi es war, der das Gespräch mit dem Außenminister aller Deutschen verweigerte, sondern es war Sigmar Gabriel selbst!

Dieser hat sehr bewußt und durchaus anerkennenswert durchtrieben diesen Eklat verursacht, indem er selbst das Gespräch verweigerte.
Es kann nicht die Rede sein von einem „ungeschickten Diplomaten“ oder ähnliches, hier hat ein Taktiker sein ganzes Können gezeigt.

‚Arutz Sheva‘ gibt den Lesern in einem kurzen und klaren Bericht Kenntnis darüber, wie diese Situation „am Boden“ ablief:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/228772?utm_source=activetrail&utm_medium=email&utm_campaign=nl

Und Bibi ist nach wie vor bereit, das Gespräch zu suchen.

Kann Lila nur wiederholen:
„Leute, Eure Regierung und Eure Medien haben ihre Seite gewählt,…“

Schabat schalom.

23. A.mOr - April 28, 2017, 17:00

Schabat schalom,
das gilt auch für die Juden in Berlin.

Heute jedoch findet in unmittelbarer Nähe der Joachimstaler Synagoge und anderer jüdischer Einrichtungen zu Berlin eine Demonstration von Israelfeinden statt.

Das hat zur Folge, daß jüdische Besucher der Synagoge heute Abend zu Schabat unmittelbar an diesen Demonstranten vorbeigehen müssen um ihr Ziel zu erreichen. Es ist möglich, daß daher direkte Angriffe auf die körperliche Versehrtheit von den Besuchern der Synagoge stattfinden können, und es ist darüber hinaus eine Bedrohungslage geschaffen, die auch in weitreichende Verfolgung ausarten kann. Es können Besucher ausgespäht werden, überdies dürften verbale Entgleisungen den jüdischen Synagogenbesuchern entgegen geschleudert werden.

Das ist eine Bedrohungslage, die an aller erster Stelle darauf abzielt, Juden zu verängstigen.

Mir ist bislang nicht bekannt, daß die Berliner Behörden diese Zusammenrottung antisemitisch gestimmter Menschen an den Berliner Synagogen unterbinden werden.

Dieses könnte ausarten in eine Situation, wie wir sie etwa vor einiger Zeit in Paris erlebten: eine gut besuchte Synagoge wurde von einem antijüdischen Mob angegriffen, es wurde versucht diese Synagoge mit Brandbeschleunigern dem Feuer zu übergeben, und alleine der mutige Einsatz einer kleinen Organisation in deutlicher Unterlegenheit, Angehörige der sogenannten „Jüdischen Verteidigungsliga“, verhinderte bis zum Eintreffen der Gendamerie schlimmeres.

Auch sollte man nicht vergessen,
daß dem Holocaust in Deutschland eben gerade solche Bedrohungsszenarien vorausgingen.

Zur Kenntnisnahme:

https://www.facebook.com/redoc.eu/

https://ajcberlin.org/de/media/meldungen/ajc-berlin-alarmiert-%C3%BCber-israelfeindliche-demonstration-der-n%C3%A4he-der-joachimstaler

Auch: http://www.hagalil.com/2017/04/palaestinensische-provokation/

Es werden hier vermutlich auch Juden aus Berlin mitlesen: bitte seid vorsichtig!

Es ist mir schleierhaft, warum diese Brisanz überhaupt möglich sein kann.
Und selbst die Warner (siehe die Links), zB. von der AJC, vermeiden herauszustellen, welches Bedrohungsszenario dieses angesetzte „Spießrutenlaufen“ für die Berliner Juden darstellt.

Was man ungefähr erwarten kann?
Erlaube ich mir ein Bild von letzter Woche einzustellen, genommen von einer (kleineren) Demonstration von „Israelkritikern“, 17.April:

Der ausgestreckte Arm zeigt eine eintätowierte „88“.
Die Palitücher, das Arafat-Bild…, zeigen, wo man steht, wer zusammensteht, und wo man hin will.

24. AMC - April 28, 2017, 17:07

Auch von mir einen kleinen Beitrag hierzu:

25. G. - April 28, 2017, 22:10

Wenn auch wieder trefflich argumentiert, @lila, so kann ich das Bild eines doppelgesichtigen Landes nicht teilen.

Wir hegen judenfeindliche, antisemitische, assimilophobe oder antizionistische Ressentiments seid Jahrhunderten. Ganz offen.

Jahrhunderten kirchlicher Indoktrination folgte die bürgerliche „Aufklärung“. Eben der Beginn jener bis zum heutigen Tag nicht abreissen wollenden Kette ausgehend von Kant, dessen Judenfeindlichkeit auch philologisch kaum zu widerlegen ist, bis hin zu einem Walser, dessen Essenz eigentlich nur in der Widerherstellung diesbezüglicher politischer Handlungsfreiheit zu sehen ist. Von Grass ganz zu schweigen, der mit allerletzter Schuldzuweisung an die Juden für den kommenden Weltuntergang den Bogen einmal mehr bis ins Lächerliche überspannte. Ein jeder stets mit Moral argumentierend. Moral.

Das uns resultierende Problem anstehender Bearbeitung einer zwischenzeitlich ein wenig extremer geratenen Tragödie war durch Abspaltung erträglich zu lösen. Einerseits eine Abspaltung eben dieser Tragödie aus dem historischen Kontext, in dem allein sie sich in ihrem Zustandekommen erschliessen mag, des anderen sicherlich auch im Sinne einer Anna Freud.

All dies – solchermassen betrachtet – auf das Dritte Reich begrenzt, konnte nun das seinerzeit zwangsweise erkannte Übel dort isoliert, angeprangert, betrauert und von der eigenen Geschichte und Person abgegrenzt werden. Die gesellschaftliche Prägung, die diesbezüglichen Affinitäten wurden nie hinterfragt und dürften sich In ihrer Grundeinstellung über Jahrhunderte kaum verändert haben.

Und dies erklärt die Affinität unserer Gesellschaft zu Positionen von Konfliktparteien, deren Werte wir auch nicht ansatzweise teilen mehr als hinlänglich. Es erklärt Berichterstattung deutscher Medien und den seinerzeit radikalen Positionswechsel der Linken. Die einzige Wahl einer Postion, die ich hier erkennen kann. Und es würde schlechterdings ebenso taugen, eine mögliche Bereitschaft zum Zustandekommen eines Spiessrutenlaufes beim Besuch einer Synagoge zu verstehen.

Doch niemand mag sich auf die heisse Herdplatte setzen. Niemand mag die eigene Person als antisemitisch einstufen und somit die Verantwortung für den beschriebenen Sündenpfuhl jenes mit der ihm allein zugeordneten Schuld abgegrenzten Dritten Reiches übernehmen. Deswegen die oftmals ein wenig wirr wirkende Moral. Moral. Scheint mir nicht doppelgesichtig. Scheint mir neurotisch.

Und es ist die Gesellschaft selbst, die sich für eben die Argumente, die Positionen und die Darsteller öffnet, die ihrer Einstellung am ehesten entsprechen. Wenig erfolgversprechend, sich dem derzeit in den Weg zu stellen. Wer macht den Wellenbrecher? Dauerhaft?

Herrlich, Henryk M. Broder zum Thema: „Gabriel wollte in Israel von Opfer zu Opfer sprechen“ . 😉

Es würde einer der themenreichsten, lesenswertesten und spektakulärsten Haushaltsblogs, diesem Genre womöglich zum endgültigen literarischen Durchbruch verhelfend! Wäre es geworden oder könnte es werden. Da bin ich mir sicher. Schade.

26. Uri - April 29, 2017, 12:24

Na, es gibt schon Verhandlungen von Zuständigen in Berlin, Sergey Lagodinsky, mit den zuständigen Senatsstellen, dass der Demoort woanders liegen muss. Er ist ein erfahrener Politiker, auf ihn kann man sich verlassen.
Ansonsten: Gabriel ist eindeutig ein Opfer (von Opfer zu Opfer): Er hat massiv abgenommen, in kurzer Zeit… Ich hab ihn kaum wiedererkannt.

27. wgnaunyn - April 29, 2017, 21:45
28. A.mOr - April 30, 2017, 3:54

Gerd Buurmann hat einen Knaller von einem Text hingelegt:
https://tapferimnirgendwo.com/2017/04/29/jeder-nur-einen-holocaust/

#24 – Uri,

dann vertraue ich Dir einfach mal, was die Info angeht 😉 genaueres weiß ich bislang nicht, und zu „Vorfällen“ scheint es insgesamt nicht gekommen zu sein.

Die Zielrichtung jener, die ihre „Israelkritik“ vor den Berliner Synagogen austragen wollen, ist jedoch unmißverständlich. Und wenn es mich kein wenig überrascht, so besorgt es mich.

@Jim,

erlaube ich mir ebenfalls Kommentarstrang übergreifend hier noch eine Antwort auf Deinen Einwurf, den Hinweis auf Maimonides (Chajm wird auch mich gemeint haben, hatten wir einen kleinen Disput;-) und den Hinweis auf die „1000 Ertrunkenen“, usw.

Vorweg, ich versuche es so kurz wie ich’s hinbekomme, und ich finde es sehr schwer zu antworten. Hier geht es um Menschenleben, zumindest der Thematik nach, und beinahe kommt dabei der Eindruck auf, daß es um Abwägung von Menschenleben ginge. Eigentlich denke ich, daß ich Dir das nicht noch erklären muß, aber andere wollen es vielleicht lieber wissen: auf keinen Fall möchte ich Dir eine Absicht unterstellen, bei der es um die Abwägung von Menschenleben geht.

Nun aber zur Sache.

1000 sind ertrunken, sie begaben sich auf Hohe See und gaben sich der Hohen See, sie sind das Risiko selbst eingegangen. Das ist traurig um die Menschenleben, wie viele schöne Menschen sind gestorben?

Und eine ist ertrunken, ihr Name ist Maria, sie wurde 19 Jahre „alt“, sie wollte einfach nur nach Hause gehen, sie wollte nicht vergewaltigt werden, und sie wollte nicht am Flußufer ertränkt werden. Sie ist kein Risiko eingegangen, bei dem sie mit Lebensgefahr rechnen konnte.

Sie wurde gequält und ermordet von einem, der nicht „auf Hoher See“ ertrank. Und sie ist in diesem „Bild“ eine „1“, wie eine „1001“, aber kein Märchen, sondern ein wahr gewordener Alptraum beendete ihr Leben, und sie ist nicht die Einzige, die von diesen „Seevölkern“ (nenn‘ es einen bitteren Spaß, daß ich diese Bezeichnung wähle) bereits gequält wurde, und ermordet wurde.

Elend und Not, was ist ein Leben wert?
Chajm (und nun Du, bzw., lassen wir Maimonides reden) erinnert uns daran, daß wir hilfsbereit sein sollen, weil wir selbst Hilfe gebraucht haben, weil wir es verstehen. Gerade erst haben wir Pessach gefeiert, und nicht vergessen, was der Grund dafür ist. Wir tragen diese Lehre -man könnte sagen- wie eine nicht verheilende Wunde, aber auch als Verantwortung, die wir durch den Bund und unsere Selbstbestimmung eingegangen sind. Und auch der Fremde in unserer Mitte ist uns ein Bruder und eine Schwester, sind uns Kinder, und auch Alte.

Wir kennen die Geschichte auch mit den „Seevölkern“, wir mußten unsere Freiheit und Selbstbestimmung gegen diese (Philister) behaupten. Das ist uns schließlich gelungen, der Sieg des David (dem späteren König) über den Goliath war die symbolische Kehrtwende, und in Davids Wache, als er dann König war, fanden sich auch treue Philister. Aus Feindschaft wurde Freundschaft, die letzten Philister (von denen, welche blieben) sind wahrscheinlich einfach im jüdischen Volk assimiliert, so wie zuvor die verschiedenen kanaanitischen Völker.
Hier mischen sich die Indizien der Geschichtsforschung mit der Lehre und Erzählung aus Torah, Tanach, usw., und es ist bei aller notwendigen Trennung kein Gegensatz. Immer öfter bestätigt die Geschichtsforschung die Aussagen der Torah, bzw., der jüdischen Lehre.

Als Die Römer rund 1000 Jahre später kamen, nahmen sie dem jüdischen Volk den Tempel und die staatliche Selbstbestimmung.

Zurück zu Maimonides.
Was ist Nächstenliebe?
Anderen zu helfen, das wird man sicher als solches erklären können, wenn es in diesem Motiv geschieht. Und weiteres kann man dazu sagen.
ZB., Nächstenliebe ist es auch, wenn ich meine Lieben und meine „potentiellen Freunde“ (wie ich den Begriff umseitig wählte) beschütze vor dem Feind, der ihnen das Leben und die Würde nehmen will.
Sicher verstehst Du den Punkt, den ich damit herausstellen will, und deshalb auch geht es um Abwägung. Welches Leben ist wichtiger, wenn man sich entscheiden muß? Das Leben der Fremden oder das Leben der (wahrlich) Nächsten?

Du hast noch den Punkt „Not und Elend“ angesprochen.
„Wir“ haben so lange schon gewußt, daß Landschaften und Menschen weltweit ausgebeutet würden. Das mag soweit so behauptet werden, auch wenn bei diesem „wir“ (genauso wie bei einem Verständnis darum, um was, bzw., wen es sich beim Rambam handelt) wohl eher nicht Mehrheiten gemeint sind.

Und wer hat diese Ausbeutung zu verantworten, wer hat daran verdient?
Muß man die Europäer dafür gerade stehen lassen, daß einzelne Interessengruppen (Firmen, usw.) in ihre eigene Tasche prall einfüllten, ohne Rücksicht auf die Menschen, ob sie nun Europäer oder nicht gewesen sind? Müssen die Europäer büßen? Wie soll man das verstehen, was hätten die Europäer tun können gegen die Interessen von Firmen, die sich Privatarmeen unterhalten, und auch andere Mittel haben, um ihre Interessen zu wahren? Und haben diese Ausbeuter im Auftrag der Europäer gehandelt, oder nicht doch im eigenen Interesse? Und waren nicht auch Unterstützer dieser Interessengruppen vor Ort tätig, die dort ansässig waren, „Eingeborene“ sozusagen?

Sind die Europäer schuldig, daß sie durch Technik und Fortschritt, nutzbar gemacht durch den Erfindungsgeist Einzelner zwar nur, eine Welt von Wohlstand aufbauen konnten, die durch ihren Schweiß und ihren Einsatz überhaupt erstehen konnte? Muß man sie bestrafen, weil sie sich ihren Fortschritt erarbeitet haben? Klingt das nicht so, als würden Neider etwas nicht gönnen?
Und was ist mit dem „geistigen Fortschritt“, Aufklärung etwa?

Solche Fragen ergeben sich mir, vielleicht übersehe ich etwas?

Aber beim Thema „Not und Elend“ gibt es noch einen Aspekt, den ich erwähnenswert finde. Die derzeitige Massen-Einwanderung in Europa, speziell auch nach Deutschland, ist vor allem eine „moslemische“ Wanderung. Weil sie in Not seien. Ja?

Die „Altchristen“, bzw., „Christen des Ostens“, oder „Christen des Orients“ zählen heute zu den am meisten verfolgten Minderheiten, selbst in Ländern, wo sie einst Mehrheiten bildeten (Libanon, zB., aber auch in der Stadt Betlechem…). Es ist leicht zu erkennen, daß diese wirklich schlimme Not leiden, daß ihre Leben nicht sicher sind, und derartiger Unbill durch Verfolgung ausgesetzt sind, daß ihnen ihre Leben vielleicht nicht einmal mehr sehr lebenswert erscheinen.
Wieviele schöne Menschen sind gestorben?

Wenn ins „Rettungsboot Europa“ Menschen eingeladen werden, um sie aus schlimmer Not zu erlösen, warum kommen diese Menschen nicht? (Wurden sie nicht eingeladen?) Warum kommen im Gegenteil gerade die Menschen, die sich zur „Religionsgemeinschaft“ zählen lassen, die für diese Verfolgungen an allererster Stelle sich verantwortlich zeigen?

Und das sind „nur“ die „Christen“, auch andere werden verfolgt. Aber beinahe nur Moslems kommen als „Flüchtlinge“. Ist doch bemerkenswert, nein?

Sicher ist der Kommentar schon wieder recht lang, aber zuletzt möchte ich erwähnen, daß es mir unangenehm ist, auf Deine Stellungnahme zu antworten, weil sie nun diese Antwort von meiner Seite ergibt. Mein Mitleid, zB., mit mir zwar im Großen und Ganzen unbekannten Deutschen/Europäern wird mir vielleicht von anderen als Herzlosigkeit ausgelegt.
Mitleid für jene: okay.
Mitleid für jene: egal.
Was ist das?

Wir leben offenbar dieser Tage in Zeiten, wo man sich „Seiten“ zuordnet, oder auch unfreiwillig zugeordnet wird. Davon kann ich mich leider nicht ausnehmen, bin keine schwebende Instanz auf irgendeiner Wolke, und im Leben selbst durchaus nicht transzendent. Mir begegnen diese Menschen von denen wir reden, ich habe einen kleinen Einblick in das Thema, welches wir hier als „Not und Elend“ bereden, und in das Thema „Krieg“, und kann letztlich nur als Mensch mit meinen Erfahrungen auch jeweiliges Gegenüber einschätzen, nicht hinter die Stirn sehen, und mit der Zeit auch besser verstehen. Dankbar zeigen sich so einige, sympathische Menschen durchaus, und andere zeigen sich anders, ob mit oder ohne Lippenbekenntnisse. Habe sehr verschiedene Charaktere kennengelernt von jenen, die als Flüchtlinge bezeichnet kamen. Viele Sprachen, viel mehr, als manche wahrscheinlich annehmen…

Grundsätzlich, das weißt Du ja, habe ich eine klare Linie, auch diese wird von manchen mißverstanden, aber man kann es immerhin denen erklären, die es interessiert.
Für die Selbstbestimmung der Völker bin ich, immer noch. Seien es die Basken, seien es die Schotten, die derzeit vielleicht lieber in der EU bleiben würden, seien es gar Sorben, die ihre Straßenschilder lieber bilingual beibehalten, usw.

Was die dezidierten Ziele von sogenannten „Identitären“ sind, das weiß ich nicht, aber grundsätzlich verstehe ich, wenn Leute ihre Identität, Zugehörigkeit zu einer Kultur, zu einem Volk, usw., beibehalten möchten, und ich kann auch nachvollziehen, wenn sich Leute gegen Unterdrückung (oder gar den Versuch der Identitäts-Ausmerzung) erwehren. Und selbst, wenn ich es nicht nachvollziehen könnte, der Mensch ist Mensch.
Und ich kann die Europäer, ob sie Slowenen sind, oder Bayern oder Franken, oder Bretonen oder auch Polen, usw., verstehen, wenn sie ihre Identität nicht dem „guten Willen“ solcher unterwerfen wollen, deren Redlichkeit aus nachvollziehbaren Gründen anzuzweifeln ist.

Daj, ad kan.

ps/ Hoffentlich muß ich jetzt nicht das ganze Mittelmeer durchschwimmen, um Dich noch erreichen zu können, Jimi. Und wirklich schön, wenn auch Uri wieder hier ist.
Gute woch und lajla tow.

😉

29. A.mOr - April 30, 2017, 18:44

30.April/1.Mai.
Der 4. auf den 5. Ijar heute Abend.

Heute werden in Deutschland und etlichen weiteren Ländern viele Menschen mit großem Vergnügen in den 1.Mai tanzen und feiern. Sei es ihnen gegönnt, und möge nichts ihre Freude trüben!

Andere werden wohl wie üblicherweise Krawall feiern.

Und wir?

Heute, am 5.Ijar 5777, wäre ich so gerne bei euch in Israel, nur um die Sirene zu hören, und daß wir alle zusammenstehen. Die Sirene wird in meinem Herzen tönen, im Herzen bin ich den ganzen Tag bis morgen Abend ganz besonders aufmerksam bei euch, bei mir – Am Yisrael.
Und dann, den 6.Ijar, bin ich immer noch bei euch, bei mir – Am Yisrael Chai!

„20 Tage nach Pessach“, sozusagen, hören wir mit Stolz die Hymne des souveränen Staats der Juden, des Staates Israel, baruch hašem!

Möge diese Hymne Israels, die Hymne der Hoffnung und der Freiheit und der Menschenliebe, wie ein heilendes Feuer in den Herzen derer brennen, seien sie Juden oder nicht, die ihrer unbedingt benötigen!

30. A.mOr - April 30, 2017, 19:22

Der 1.Mai ist der „Tag der internationalen Arbeiterbewegung“. Vermutlich genügt es den meisten einfach in den „ersten Mai zu tanzen“, Arbeiter bewegt oder nicht.
Das Wetter wird besser, es ist wieder wärmer, und man hat -dieses Jahr- einen Feiertag auf einen Feiertag (den Sonntag) extra.
Schön, und es sei gegönnt!

Wir jedoch, speziell im Land Israel selbst, gedenken, und dabei geht es eben alles andere als um Freude. Wir gedenken der Ermordeten und Verwundeten durch die Feinde Israels.

Die einen feiern, die anderen trauern.

Und was hat es mit dieser „Arbeiterbewegung“ eigentlich auf sich?

Manfred Breitenberger hat einen sehr informativen Artikel dazu geschrieben, der eine Brücke schlägt bis hin zu den Ereignissen rund um den „SiegMarr“, den derzeitigen Außenminister aller Deutschen, der Israel gerade erst sprichwörtlich ins Gesicht spuckte.

Ganz sicher für die meisten Leser sehr lehrreich.
https://thinktankboy.wordpress.com/2017/04/25/kautsky-gabriel-und-der-sozialdemokratische-antizionismus/

Damit möchte ich wirklich nicht den Sigmar „PackMann“ Gabriel „entschuldigen“, der weiß schon selbst ganz genau, was er tut und getan hat.
Gehe ich mal von aus.

31. jim11111 - Mai 1, 2017, 0:01

hallo A.mOr, denke, es geht nicht an, hier den Kommentarbereich insofern zu missbrauchen, als dass wir, jeweils themenfremd, unser Privatkonzert veranstalten. Ich denke, ein klein wenig Ahnung von Deinen Sorgen und Ängsten zu haben, diese nachempfinden zu können; denke auch, dass ich selbst kaum beitragen kann, Dir diese zu nehmen, und deshalb schicke ich Dir, obwohl oder besser noch, gerade weil in Deinem obigen Schreiben an mich viel dringend Diskussionswürdiges ankommt, abschließend das Gedicht, das ich vor langer Zeit für Dich gemacht habe:

Es dämmert,

A.mOr

wenn ein Buch
mit tausenden von Worten
und weiß wie Schnee im Schlaf still mondmilchhell begossen
die Nacht verbracht vor unserm Haus
geweckt vom Licht
aufblättert.

Lies: Yehuda Amichai,

„Als ich Kind war …
… Alle Dinge reichten mir die Hand,
ein Bulle stieß die Sonne mit seinen Hörnern, …“


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