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Schnell, schnell – Februar 23, 2012, 16:35

Posted by Lila in Rat und Tat, Uncategorized.
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ist ein Historiker im Haus? jemand mit einer sanften Stimme und einfühlsamem Wesen? Der wird jetzt gebraucht. Für die Linke.

Er muß sich nämlich mit ihnen zusammensetzen und ihnen sagen: „liebe Linke, ihr müßt jetzt mal ganz tapfer sein. Diese Beate Klarsfeld… also vielleicht paßt sie doch nicht so ganz zu euch. Ihr Mann – der soll ja nicht nur Jude sein, der soll sogar im Sechstagekrieg mitgekämpft haben. Als in einem brutalen Überfall und Expansionskrieg die Israelis den Staat Palästina vernichtet und die Bewohner geknechtet und in Flüchtlingslager gesteckt habt. Seither läuft der schleichende Völkermord, der die Zahl der Palästinenser von Jahr zu Jahr schrumpfen läßt.

Und der Sohn – das ist ja noch schlimmer.“

Hier wird die Linke vermutlich von Ensetzten gelähmt im Sessel zurücksinken. Hätten Historiker Riechsalz dabei, wäre es angebracht, aber ein Glas Mineralwasser soll ja auch belebend wirken.

„Der Sohn ist Rechtsanwalt und hat mit Sarkozy zusammengearbeitet. Er hat freiwillig seinen Wehrdienst in Israel abgeleistet – als Magavnik! Das sind doch die allerschlimmsten, die an den Checkpoints, eine Art Grenzpolizei. Wüteriche, übelst beleumdet. Er schämt sich nicht dafür, im Gegenteil, er ist stolz darauf und behauptet, die zionistische Besatzungsarmee ist nicht auf Haß aufgebaut.

Aber noch schlimmer. Er findet, solange Palästinenser in Israel friedlich und gut leben, steht Juden in der Westbank dasselbe Recht zu.

Seine Eltern haben sich nicht von ihm losgesagt. DAS ist die Familie Klarsfeld. Seid ihr sicher, daß ihr so eine Kandidatin wollt? Es ist ja schön und gut, daß sie mal einen Kanzler geohrfeigt hat, wer würde das nicht gern mal machen?, aber sie steht doch für die abscheulichsten Dinge überhaupt… sie paßt nicht zu euch…“

Ich hoffe, dieser taktvolle Mensch findet sich bald. Sonst könnte die Blamage unsterblich werden. Was ist ein grün unterfütterter Gauck im Vergleich zu einer rot unterfütterten Israel-Freundin?

Kommentare»

1. Jenny - Februar 23, 2012, 16:43

der ist gut 😉

2. Barbara - Februar 23, 2012, 17:42

Man darf gespannt sein, was daraus noch wird 😉

3. Rika - Februar 23, 2012, 18:19

Wunderbar…. besonders das Riechsalz 😉 !!!

Ja, ja, die liebe Linke und antifaschistischer Schutzwall, der zwar nicht mehr aus Mauer und Stacheldraht besteht, aber doch aus einer sehr manifesten Denkblockade im Hirn….

4. Rika - Februar 23, 2012, 18:20

„Ihr“ antifaschistischer Schutzwall – sollte es heißen… 😦

5. Liman Matthias Sanders - Februar 23, 2012, 18:23

http://www.taz.de/Moegliche-Nominierung-von-Beate-Klarsfeld/!88310/
Klarsfeld räumte ein, dass sie bei einigen Vertretern der Linken auch Skepsis hervorrufe. „Meine Solidarität mit Israel wird in manchen Parteikreisen kritisch gesehen. Ich bekomme unfreundliche E-Mails.“

6. Harry - Februar 23, 2012, 18:41

Ich denke, das ist durchaus bekannt bei der Linken. Sie sagte selbst „Meine Solidarität mit Israel wird in manchen Parteikreisen kritisch gesehen. Ich bekomme unfreundliche E-Mails.“ -siehe http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-02/interview-beate-klarsfeld Außerdem ist sie Mit-Erstunterzeichnerin von „Stop the bomb“

Beate Klarsfeld zu nominieren wäre mal einer der besseren Einfälle der Linken. Auch wenn sie wohl leider keine Chance hat. Sie wäre mir viel lieber als Herr Gauck, der den Holocaust für „überhöht“ und Sarrazin für „mutig“ hält.

7. Yael - Februar 23, 2012, 18:54

Ich fände es schade, wenn sie sich ausgerechnet von der in nicht wenigen Fällen antisemtischen Partei instrumentalisieren lassen würde. Das hat sie nicht nötig.

8. Yael - Februar 23, 2012, 19:03

@Harry

Gauck und die Stille Post im Netz

Von Sascha Lobo

Der Umgang mit Joachim Gauck zeigt: Auch im Netz will richtiges Zitieren gelernt sein. Schnell wurde aus dem Liebling ein Hassobjekt gemacht, basierend großteils auf verzerrten Zitaten. Das verstümmelte Zitat, eine Erfindung der Massenmedien, wird in den sozialen Medien schlecht nachgeahmt.

(…)

In der “taz” erschien am Tag nach Gaucks Nominierung ein Artikel, der behauptete, Gauck missbillige es, “wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird”. So unerhört sich dieser Halbsatz anhören mag, auf so unredliche Weise ist er einem Redenmanuskript Gaucks bei der Robert-Bosch-Stiftung entrissen. In der Rede über die europäische Erinnerungskultur sagte Gauck tatsächlich:

“Nur am Rande sei die Gefahr der Trivialisierung des Holocaustgedenkens erwähnt. Unübersehbar gibt es eine Tendenz der Entweltlichung des Holocaust. Das geschieht dann, wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird, die letztlich dem Verstehen und der Analyse entzogen ist.”

Im weiteren Verlauf der Rede wird klar, dass Gauck mit dem Halbsatz eigentlich meinte, dass es gefährlich sei, so zu tun, als könne sich ein Holocaust sowieso nie wieder ereignen und man daher gar nicht besonders erinnern, analysieren, aufarbeiten müsse – das Gegenteil einer Verharmlosung.

(…)

–> http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,816601,00.html

http://christianspoecker.wordpress.com/2012/02/20/wie-gauck-durch-halbe-zitate-zum-sarrazin-kumpel-wird/

9. Achim Hecht - Februar 23, 2012, 19:10

Frau Klarsfeld wäre auch für mich eine respektable Kandidatin, wenn sie sich denn nicht von der Hilfsgemeinschaft ehemaliger Stasiangehöriger instrumentalisieren liesse. Und Herr Gauck hat nicht gesagt, dass er „den Holocaust“ für überhöht finden würde, sondern

„Nur am Rande sei die Gefahr der Trivialisierung des Holocaustgedenkens erwähnt. Unübersehbar gibt es eine Tendenz der Entweltlichung des Holocaust. Das geschieht dann, wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird, die letztlich dem Verstehen und der Analyse entzogen ist.“

Diese Aussage kann man kritisieren. Es ist aber eine andere als Du ihm in den Mund legst, Harry.

Von Sarrazins biologistischen Quark, für den dieser zu Recht kritisiert wird, hat sich Gauck übrigens auch distanziert.

10. Silke - Februar 23, 2012, 19:29

Lt. Klarsfeld selber (danke Yael für den Link) ist sie nicht nur per Assoziation untragbar, auch sie selbst hat sich da gewissen Sachen gewidmet, da kann ich nur sagen auweia auweia.

Nach dem Yom Kippur Krieg bin ich nach Damaskus gereist, um mich für eine bessere Behandlung der israelischen Kriegsgefangenen einzusetzen

http://www.hagalil.com/archiv/2012/02/20/klarsfeld/

11. hering51 - Februar 23, 2012, 19:51

Ich sehe hier keinen Unterschied zum Gauck-Bashing. Die Linke ist NICHT der monolithische Block ehemaliger Stalinisten und Israel-Hasser. Falls die Linke Frau Klarsfeld nominieren sollte würde ich mich nicht beschweren.

12. willow - Februar 23, 2012, 20:21

„1974 wurde ich auf dem arabischen Gipfeltreffen in Rabat festgenommen, weil ich Flugblätter verteilte, in denen ich Frieden zwischen den arabischen Staaten und Israel forderte; diese Aktion wiederholte ich dann auf dem arabischen Gipfeltreffen in Algerien.“

Mutig ist sie jedenfalls …

13. Lila - Februar 23, 2012, 21:00

Hering, weiß ich doch. War ja ein bißchen scherzhaft gemeint. Ich finde die Idee ja eigentlich auch gut. Nur doch erstaunlich für eine Partei, die sich mit Israel ein klaaaines bißchen… äh… schwertut.

Einige meiner besten Freunde wählen die Linke… 🙂

Ich seh gerade – die ersten Füße werden schon kalt. Da wär ich ja zu gern mal Mäuschen, um zu hören, warum jemand Klarsfeld doch nicht will. Ein Schelm wer dabei Böses denkt… 😀

14. jakobo - Februar 23, 2012, 21:06

wenn sie von der linken nominiert wird hat sie sowieso keine changsen gegen die anderne parteien.

J

15. Andreas Moser - Februar 23, 2012, 21:20

Ich fände es toll. Zwei akzeptable Kandidaten, was kann es Besseres geben.
Nach allem was ich hier über die Lebensgeschichte und den Mut von Frau Klarsfeld lese, glaube ich nicht, daß sie sich instrumentalisieren ließe. Eher ließe sich da die Linkspartei auf eine Überraschung ein, die sie nicht kontrollieren könnte.
Der Wahlausgang würde angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung nicht spannender, aber die Diskussionen bis dahin würden es allemal.

16. Yael - Februar 23, 2012, 21:26

Seit Jahren wird es abgelehnt, ihr das verdiente Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Diese Tatsache spricht schon dafür, dass Sie- egal wer sie aufstellt- keine Chance hat. Die Ohrfeige gegen Kiesinger hat ihr die pol. Elite auch heute noch nicht verziehen.
Ich finde es auch ein Skandal, dass nach wie vor kein Buch von ihr ins Deutsche übersetzt wurde.

17. Silke - Februar 23, 2012, 21:44

willow 12

auch das mit der Kiesinger Ohrfeige war im Kontext der damaligen Zeit alles andere als un-mutig.

18. Silke - Februar 23, 2012, 21:52

so wie ich Broder verstanden habe, hält er nicht viel von ihr. Vielleicht hat sie mal was nicht-Nettes über Sarrazin gesagt 😉

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article13882698/Das-schaebige-Spiel-der-Linken-mit-Beate-Klarsfeld.html

Nun sollte man es einer 73 Jahre alten Dame, die ihre „fifteen minutes of fame“ schon lange hinter sich hat, nicht übel nehmen, dass sie der Versuchung nicht widerstehen kann, aus dem Schatten der Geschichte wieder ins Rampenlicht zu treten. Das ist menschlich. Schließlich leidet sie darunter, dass ihr bis heute das Bundesverdienstkreuz verweigert wurde.
—–
Mit Hilfe einer Rentnerin, die von einem Lebensabend im Schloss Bellevue träumt.

Etikettiert er Gauck auch als „Rentner“ mit Lebensabendträumen oder sind nur Frauen mit 70+ schon jenseits von was weiß ich? und warum ist bei Klarsfeld „15 minutes of fame“ was bei Gauck vermutlich als „beachtliches Lebenswerk“ etikettiert wird?

Also ich ganz für mich persönlich vermute, ich würde es mehr genießen, mich über Klarsfeld-Predigten zu ärgern als über Gauck’sche.

19. Lila - Februar 23, 2012, 22:00

Silke, ich verstehe Broders Arroganz Beate Klarsfeld gegenüber auch überhaupt nicht. Die Frau hat mehr aufzuweisen als fünf Minuten im Rampenlicht, oder meinetwegen 15. Sie und ihr Mann haben Arbeit geleistet, die auch Broder anerkennen müßte. Stört es ihn, daß sie nicht jüdisch geboren ist? Wäre es ihm lieber, Serge würde vorgeschlagen? Aber Beate ist nun mal Deutsche, ihr Mann nicht. (Ich weiß nicht, ob sie konvertiert ist – vielleicht. Manchen Juden gefallen Konvertiten ja auch nicht.)

Ich hatte einfach das Gefühl, als ich die Nachricht heute früh las, daß ganz vielen Linken der Name nicht viel sagt und sie beim Nachlesen vermutlich einen SChreck gekriegt haben 🙂

Denselben Schreck übrigens, der SPD und Grüne beim Vertiefen in Gaucks Aussprüche in die Glieder gefahren sein muß.

Mir macht´s nichts aus, ich geb jedem Präsidenten erstmal ne Chance. Wenn er mir nicht gefällt, wechsel ich ihn aus. So einfach ist das.

20. Yael - Februar 23, 2012, 22:08

Sie ist keine Jüdin geworden.

21. Jakobo - Februar 23, 2012, 22:15

an broder gibt es allgemein nciht viel zu verstehen ausser dass er eitel ist und sich selbst gerne hoert.

J

22. hcl - Februar 23, 2012, 22:30

Sorry, Yael,
vielleicht lohnt es sich doch, anders als Sascha Lobo das getan hat, genauer hinzuschauen, was Gauck in diesem Zusammenhang noch geäußert hat. Clemens Heni hat das getan (http://clemensheni.net/2012/02/20/ein-politisch-kultureller-super-gauck-antisemitismus-halt-einzug-ins-schloss-bellevue/) und ich finde an seiner Argumentation ebensowenig auszusetzen wie an seiner Folgerung, dass Gauck hier ganz offensichtlich sekundären Antisemtitsmus vertritt. Da würde ich gern wissen, was Du anders siehst.
Und die Partei der Högers und Paechs, der Dierkes und et al. will ja nun Luc Jochimsen und Christoph Butterwege als (durchaus akzeptable und respektable) weitere BP-Kandidatenanwärter antreten lassen – wait and see.
Ein wenig verkehrte Welt bleibts halt doch: die „Linke“ bringt zunächst einen Kabarettisten und dann Beate Klarsfeld aufs Tapet – Grüne und SPD bringen die FDP zu der Einsicht, den Konservativen Gauck zu protegieren… Und ja doch: Beate Klarsfeld wäre meine Präsidentin – Seyran Ates aber auch, und vielleicht noch eher.

23. Yael - Februar 23, 2012, 23:11

Ich habe den Artikel von Heni vor einigen Tagen überflogen, ich werde es noch intensiver nachholen. Aber ich sehe hier keinen Antisemitismus. Gauck spricht viel mehr an, dass es Tendenzen gibt, die Shoa so, wie soll ich es ausdrücken, als so überdimensional (ich finde leider keinen anderen Ausdruck) darzustellen, dass man keinen Versuch mehr macht, zu versuchen, zu erklären, wie es dazu kommen konnte, also wie er sagt, zu analysieren. In kurzen Worten, ich schließe mich dem Spiegelartikel an.

24. Silke - Februar 23, 2012, 23:16

Lila 19

vermutlich mißfällt Broder der Lidschatten, den sie heute auflegt. 😉

Mir scheint oft, daß es einfach Leute gibt, die er auf’m Kieker hat. Oft genug hat er ja Recht. und bei Klarsfeld weiß ich es nicht.

Seit der Kiesinger Ohrfeige, die mir in meinem jugendlichen Zustand natürlich gefiel, habe ich kaum was von ihr mitgekriegt.

Aber der Hieb mit dem Alter ist in Anbetracht dessen, daß Gauck gerade mal ein Jahr jünger ist, schon sehr seltsam.

25. Margot - Februar 23, 2012, 23:19

Die LINKE hat bereits von sich gegeben, dass Frau Klarsfeld ihnen zu israelfreundlich ist und deshalb wohl keine Bundespräsidenten-Kandidatin ihrer Partei werden kann. Heute gehört auf 3Sat in den 19 Uhr-Nachrichten.
Margot

26. Lila - Februar 23, 2012, 23:21

Es hat sich also doch ein menschenfreundlicher Historker gefunden, auf das Dankestelegramm der Linken zu meinem fixen Eingreifen wart ich noch…

27. Silke - Februar 23, 2012, 23:22

Seyran Ates – ja das wäre mal was und – verrückte Welt – Schäuble hat mir letztes Jahr oder so in nem Interview der Woche richtig gut gefallen. Ich und Schäuble, das Älterwerden ist ein seltsam Ding.

Aber Schäuble hat vermutlich als Politker im Alltagsgeschäft zu viel gemauschelt. Da würde sich vermutlich schon in der ersten Woche was finden lassen, womit der Hinrichtungsprozess einleitbar ist.

Aber Seyran Ates – ja von der lasse ich mir ausgesprochen gern was „predigen“.

28. willow - Februar 23, 2012, 23:31

zu Seyran Ates sage ich auch „ja“ – genügsam, wie ich bin …

29. hcl - Februar 24, 2012, 0:45

Bitte unterschätzt nicht mein trivial-praktisches Denken – als BP hätte Seyran Ates wenigstens genügend bodyguards. Und mein Favorit –caeteris paribus – wäre eh Hans Magnus Enzensberger gewesen (weil der denken, schreiben, reden und rechnen [!] kann und ich selten einer Meinung mit ihm bin).
Was Broder angeht: er sieht so grün (vor Neid, wir peinlich) aus,glaubt er denn wirklich, einem Mitglied der Ehrenlegion fehle das Bundesverdienstkreuz? Man kann ja mal nach Barby oder Lischka googlen (Klarsfeld) oder nach Pausenclown.
@ yael: danke für Deine Stellungnahme, mir bleibts unwohl, und zwar sehr: Du hast es ja schon zitiert: die Einzigartigkeit der Shoa als eines präzis geplanten, logistisch excelllent durchgeführten Massenmords zu konstatieren, ist „Triviallsierung des Holocaustgedenkens“!, ist „Tendenz der Entweltlichung „dieses Geschehens“? Nichts an dieser Überlegung ist ein Gedanke, alles ist ein Versuch, nichts zu vergleichen, sondern alles gleichzusetzen: die Shoa ein Genozid wie jeder andere. Dhafour, Armenien, you name ist – Israel und die „Palästinenser“ nicht zu vergessen.
Und das mag ich gar nicht. Bin halt ein Deutscher, liebe die Logik.

30. Yael - Februar 24, 2012, 0:56

„@ yael: danke für Deine Stellungnahme, mir bleibts unwohl, und zwar sehr: Du hast es ja schon zitiert: die Einzigartigkeit der Shoa als eines präzis geplanten, logistisch excelllent durchgeführten Massenmords zu konstatieren, ist “Triviallsierung des Holocaustgedenkens”!, ist “Tendenz der Entweltlichung “dieses Geschehens”? Nichts an dieser Überlegung ist ein Gedanke, alles ist ein Versuch, nichts zu vergleichen, sondern alles gleichzusetzen: die Shoa ein Genozid wie jeder andere. Dhafour, Armenien, you name ist – Israel und die “Palästinenser” nicht zu vergessen.
Und das mag ich gar nicht. Bin halt ein Deutscher, liebe die Logik.“

Sry, mir schwirrt gerade der Kopf, aber vielleicht muss man so sehen: In dem Sinne, indem man die Ursachen für den Völkermord an den Juden analysiert etc. pp, damit man entschiedener gegen künftige Völkermorde vorgehen kann, ohne die Einzigartigkeit der Schoa zu leugnen bzw. sie mit anderen gleichzusetzen.
Das wäre mein Gedanke, aber Gauck zu verstehen, ist nicht ganz leicht.

31. Surfer - Februar 24, 2012, 4:30

Teile der NPD wollten doch den 98 jährigen in Rom wegen Kriegsverbrechen unter Hausarrest stehenden ehemaligen SS Offizier Erich Priebke 2010 aufstellen, zur Bundespräsidentenwahl sind alle bizarren Phantasien erlaubt offenbar.

32. Harry - Februar 24, 2012, 11:18

Natürlich gibt es auch überspitzte Kritik gegen Gauck.

Dennoch: Wer im Zusammenhang mit dem Holocaust von „Überhöhung“, im Zusammenhang mit der Oder-Neiße-Linie von „Unrecht“, im Zusammenhang mit Sarrazin von „mutig“, im Zusammenhang mit dem Thema Integration von „Überfremdung“ spricht, der will sich bei einem bestimmten Millieu anbiedern. Niemand sagt, dass Gauck ein Rechtsradikaler oder gar ein Nazi sei. Aber er weiß genau – wie z. B. auch Teile der CSU und weiland FJS – mit welchem Vokabular er die positive Aufmerksamkeit der Leute aus dieser Ecke bekommt. Es ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.

Gauck ist nicht so dumm, dass er nicht wüsste, wie diese Worte interpretiert werden könnten. Nicht umsonst sagte der Leiter des Simon-Wiesenthal-Center Jerusalem, Efraim Zuroff, 2010, er sei froh, dass Gauck nicht gewählt worden sei. Und nicht umsonst jubeln nun so unappetitliche Blätter wie „Junge Freiheit“ und „National-Zeitung“. Und daran ändert auch nichts, dass er gestern bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nazi-Morde war (die er im Vorfeld übrigens abgelehnt hat).

Dies und sein lupenrein marktliberales Freiheitsverständnis lassen mich sehr an Gauck zweifeln.

33. Norbert - Februar 24, 2012, 16:26

„lupenrein marktliberales Freiheitsverständnis“

Was ist daran schlecht?

Möchtest du lieber
„Unfreie Staatskomandowirtscht“ ?

34. Paul - Februar 24, 2012, 16:27

Zu 19 Lila
Habe eben den von Silke verlinkten Artikel von Broder gelesen. Komme zu einer anderen Schlussfolgerung als Du.
Habe den Eindruck, dass Broder „Dichtung und Wahrheit“ – ich meine Wirklichkeit und Satire – sehr eng miteinander verwebt. Das ist mir jedenfalls bei seiner „Safari durch Deutschland“ aufgefallen.
Selbst Fakten werden dann bezogen auf andere Fakten plötzlich zur Satire. Dieses Konstrukt ist sehr anfällig für Mißverständnisse. Das ineressiert Broder aber nicht.
Er „sonnt“ sich dann auch mal gerne in seinen Einfällen, die dann auch schon mal Satire² sind.
Bei der Safarie nimmt dann sein Kumpel aus Ägypten immer „Reisaus“. Manchmal geistig, manchmal auch schon körperlich.

Wenn Du unter diesem Aspekt seinen Artikel liest, kannst Du zu einer anderen Beurteilung kommen. Für mich ist der Satireanteil sehr hoch.

35. Lila - Februar 24, 2012, 16:34

Notorisch humorlos wie ich nun mal bin, ist es gut möglich, daß ich den satirischen Ton nicht mitgekriegt habe. Aber bei Broder merk ich es normalerweise schon. Ich fand das ärjentzwie nicht sehr amüsant.

Aber wie gesagt – ich bin für meine Humorfreiheit so bekannt, daß die Kinder, wenn ich mal einen gelungenen Scherz mache, rufen: „GUT, Mama! guckt mal, es ist erst Februar und Mama hat den Jahreswitz schon gemacht!“ Wenn ich dann hilfsuchend meinen Mann angucke, verbessert der die Kinder: „HALBjahreswitz, bitte“.

Na, dann geh ich Brodern noch mal lesen. Auf Paul ist doch immer Verlaß…

36. Lila - Februar 24, 2012, 16:41

Örks, ich seh da nach wie vor nur billige Häme und Spott.

Nun sollte man es einer 73 Jahre alten Dame, die ihre „fifteen minutes of fame“ schon lange hinter sich hat, nicht übel nehmen, dass sie der Versuchung nicht widerstehen kann, aus dem Schatten der Geschichte wieder ins Rampenlicht zu treten. Das ist menschlich. Schließlich leidet sie darunter, dass ihr bis heute das Bundesverdienstkreuz verweigert wurde.

Das Spiel allerdings, das die Linke treibt, ist an Schäbigkeit und Zynismus nicht zu übertreffen. Ganz im Stil der 50er- und 60er-Jahre positioniert sie sich als eine Antifa-Truppe, die den „reaktionären Elementen in der BRD“ Paroli bieten will. Mit Hilfe einer Rentnerin, die von einem Lebensabend im Schloss Bellevue träumt.

Ist das Satire? Gegen wen wendet sie sich dann? Findet Broder heimlich die Linken gut und bürstet seine heimliche Liebe gegen den Strich?

Erklär´s mir, Paul, isch verschtonn et net.

37. Yael - Februar 24, 2012, 16:44

Ich glaube, Broder ist sauer darauf, weil sie sich von der Linken aufstellen lassen würde, wenn es dazu kommt. Daher ist er wohl so kiebig.

38. Silke - Februar 24, 2012, 16:50

ich wäre bereit gewesen, Broder zu Klarsfeld noch einmal zu lesen, so Paul mir ein Beispiel geliefert hätte, in dem Broder Gauck als einen „alten Herrn“ oder Gleichwertiges charakterisiert.

Nö, ich kenne Broder über Frauen, die ihm nicht passen, zuletzt waren es glaube ich welche, die strickten oder häkelten, nur zu gut.

Da gibt es nen Punkt, wo er mit Frauen, die ihn an irgendwas Betuliches erinnern, ein echtes Problemchen hat.

39. Lila - Februar 24, 2012, 16:52

Silke, ganz ehrlich – das war genau mein Gefühl… gut übrigens, daß ich das mit der Häkelphobie nicht mitgekriegt hab. 👿 Sowas.

40. Paul - Februar 24, 2012, 17:51

Lila, Silke, Yael,
ich will es mal versuchen, obwohl ich weiß, dass es beinahe unmöglich ist. Auch einen Witz kann man nicht erklären. Wenn man ihn erklärt hat, ist er keiner mehr.

Die Linke möchte deutlich machen, dass die Wahl des Bundespräsidenten eine Farce ist. Durch Provokationen verucht sie das zu verdeutlichen. Auch die Nominierung von Sodann gehörten dazu. Dazu passte dann sein Kommentar.

Jetzt gibt es die Neuauflage durch die Nominierung von Klarsfeld.
Wer ist diese Frau? Welche Verdienste hat sie erworben? Wer kennt sie noch? Was außer der Ohrfeige weiss man noch von ihr?
Die Antwort lautet: Nichts. (Wir dürfen dabei nicht von uns auf andere schließen.)
Was befähigt sie für dieses Amt? Nichts!

„Das ist der Grund, weshalb wir sie nominieren,“ sagt Broder, sagt die Linke.
Zum besseren Verständnis: Broder sagt, dass die Linke dies sagt, dies meint.

Broder stinkt es an, dass Frau Klarsfeld nicht sofort dementiert. Wenn sie das nicht tut, sondern „mitspielt“, dann hat sie seine Häme verdient.

Das ist nicht Frauenfeindlich. Es geht nicht um die „Frau“, sondern um die Person. Wenn es ein ebenso bedeutungsloser Mann gewesen wäre, hätte er genauso geschrieben. Sein Seitenhieb auf Sodann mag als Beleg dafür dienen.

Broder signalisiert m.E., dass der ganze Artikel satirisch ist, durch den letzten Satz mit Margot Honecker.

Zum Schluss für Silke:
„Nö, ich kenne Broder über Frauen, die ihm nicht passen, zuletzt waren es glaube ich welche, die strickten oder häkelten, nur zu gut.“

Mit diesem Satz hast Du eigentlich die „Tür zum Verständnis dieses Artikels von Broder zu gemacht“.
Es wird mir auch nicht gelingen sie wieder zu öffner. 😆

Aber Broder wollte nur der PDS eins auswischen und ihre Verlogenheit anprangern.
Ich gebe aber zu, dass es nicht einfach ist seinen Gedankengängen zu folgen.
Es kann helfen, wenn man nicht die Einzelaussagen betrachtet, sondern den Gesamtzusammenhang.

Und „Frauenfeindlichkeit“ muss man in diesem Fall wirklich nicht unterstellen.

Lila, fällt mir gerade ein. Vielleicht passt es?
Ein Gemälde muss man auch immer als Ganzes sehen um es zu beurteilen?
Ich hoffe, dass dies richtig ist?

Mal sehen ob ich es gut erklärt habe?

41. Danny Wilde - Februar 24, 2012, 18:19

Broder.

Mein 12-j. Sohn erklärt vor Mama und Papa, „wenn es Feministinnen und vor allem Feministen gibt, warum gibt’s dann keine Maskulisten? Blöd und doof!“ – tja, er irrt, denn Broder gehört eindeutig zu der aussterbenden Spezies derer, die kein Blatt vor den Mund nehmen, auch wenn man mal klar Dämliches und Maskulistisches über Frauen ablässt (der Quark, der bzgl. der chronisch bescheuerten Männer oft aus Damenmunde quillt, wird von uns doch auch sportlich weggesteckt, und kommt mir ja nicht damit, wir hätten es verdient, sonst komm ich mit „q.e.d.“).

Das Gezicke über Klarsfeld (Beate) fand ich aber auch grenzwertig, und vielleicht äußert er sich ja nochmal dazu – falls er hier zu weit gegangen sein sollte, wird er dazu Stellung beziehen (hat er immer gemacht, was selten nötig war, aber wenn, kann der Mann, im Gegensatz zu allen anderen gleich eitlen Publizisten, sich korrigieren, hab’s selbst ein paar Mal auf der Achse gelesen).

Aber ich neige auch Pauls Meinung zu, allerdings dass es eher keine Satire war, sondern so ne sehr böse Art Ironie, weil er partiell in das Kostüm der SED äh „Die Linke“ geschlüpft ist und sehr genau schon vor der „Die Linke“ selbst die dort unweigerlich kommenden Vorbehalte antizipiert hat.

Insofern dasselbe ausdrückt wie du, Lila, nur du bist bei all deiner Ironie oben im Text ja ein viel zu warmer lieber netter Mensch, so eklig ätzend wie Broder kriegst du es halt nicht hin, und das würde ja auch zu unserer Lila gar nicht passen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass auch Broder für sich den größten Respekt vor Beate hat; vielleicht aber einen noch gößeren vor Serge.

Und er hat ja das wichtigste überhaupt benannt, wie widerlich dieses aus dem Hut gezauberte Kaninchen als Zaubertrick nämlich zu verstehen ist.

42. Danny Wilde - Februar 24, 2012, 18:41

Ach und jetzt kommt mir das hoch, was erst aus Bauch und Herz ins Hirn musste, und was Broders gehässiges Schwirren zwischen den Polen des schlechten Benehmens und der intelligenten Schmähung erklärt:

Hat sich hier von euch EIN(e) EINZIGE(r) mal selbst gefragt, wie er/sie reagiert hätte, im Falle man hieße Beate Klarsfeld, und „Die Linke“ stellte einen als Kandidaten auf?

Na?

„Geht’s noch?“ vielleicht?, „seht zu dass ihr Land gewinnt!“, so, ja?, oder gleich: „leckt mich doch kreuzweise, ihr gottverschissenen judenhassenden lügenden Möchtegern-Skipper und Kauft-Nicht-bei Juden-Schilderhochhalter“, wäre das eure angemessene Reaktion gewesen? Oder so ähnlich?

Und was macht diese Madame??

Seht ihr. DAS hat Broder eben auch gesehen. Er hat ihr halt mit einem monströsen Kirmes-Gruselkabinett-Zerrspiegel ne verbale Ohrfeige runtergehauen, die nur so klatscht. Selbst wenn sie nicht wusste, welcher Qualität der telefonierende rote Mephistopheles wirklich war, entschuldigt das gar nichts. Nicht, wenn es um DAS Amt geht.

43. Danny Wilde - Februar 24, 2012, 18:55

Zu spät (sehe ich grad). Paul hat es BESSER gesagt.

44. Lila - Februar 24, 2012, 18:55

Also, ich hätte ja nie geglaubt, daß ich mich mal zur Verteidigerin der Mavi-Marmara-Partei mausere 🙂 … aber ich glaube, auch die Linke hat ein Recht auf Differenzieren. Daß allein diese Lötzsch, die ich nicht kenne, auf die Idee gekommen ist, spricht für sie. Mehrere Linke haben Klarsfeld mit warmen Worten unterstützt.

Auch Bodo Ramelow, Fraktionschef der Linken in Thüringen, hält dieses Kandidatenwirrwarr für unglücklich: „Ich hätte mir gewünscht, dass diese Diskussion vorher hinter verschlossen Türen zu Ende geführt wird“, sagte Ramelow. Er halte es für problematisch, „dass wir neben Luc Jochimsen jetzt auch zwei respektable Kandidaten von außen haben. Meine Kandidatin wäre Frau Klarsfeld“, sagte Ramelow.

Ähnlich äußerte sich Bundesschatzmeister Raju Sharma: „Beate Klarsfeld als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl wäre ein Glücksfall für die Linke. Ich wünsche mir, dass wir diese Chance nutzen.“

Das muß man ja auch anerkennen.

Daß Lötzsch das anscheinend nicht sehr professionell angefaßt hat, ist natürlich schade. Die Reaktion von Beate Klarsfeld selbst erkläre ich mir dadurch, daß sie vermutlich kein genaues Bild hat, wer da eigentlich ihren Namen ins Rennen gebracht hat. Ich kann Euch nämlich versichern, daß es gar nicht so einfach ist, von außen den Anschluß nicht zu verlieren. Ich muß mir da echt Mühe geben, und zu vielen Themen in D. sag ich einfach nichts, oder wenn ich was sage, schicke ich immer zuvor: ich weiß nicht genug, aber ich denke mir mal…

Allerdings habe ich, als die Linke auf mich zukam, sie kühl und höflich abfallen lassen. Danke für die Ehre, aber ich halte mich nicht geeignet für das Amt und für die rein symbolische Prozedur. Außerdem stehe ich der Linken politisch nicht besonders nahe, obwohl ich manche ihrer Grundsätze teile, im aller-allgemeinsten Sinne.

Danny, Du hättest nicht so unhöflich sein sollen, sonst wären sie auf mich gar nicht zugekommen…

Und Paul, Du bist ein kluger Kopf, wahrlich. Darauf wäre ich nie gekommen, so raffiniert bin ich nicht 🙂 Ich glaube, auch Beate Klarsfeld ist so raffiniert nicht. Da ich ihre Verdienste die ganzen Jahre über kenne und mir ihr Name sehr geläufig ist, wie übrigens Brodern auch, ganz bestimmt, wäre ich nie auf diese Gedanken gekommen. Ganz ehrlich – ich glaube auch nicht, daß Lötzsch s o raffiniert ist… oder?

45. Silke - Februar 24, 2012, 19:21

Lila

in dem hagalil-Stück über Klarsfeld habe ich gelesen, daß ihr die DDR mal juristisch aus der Patsche geholfen hat, vielleicht hat sie aus jenen Zeiten ein DDR Bild, daß nach heutigem Standard zu „grau“ ist.

Und wie irgendeiner im Interview im dradio sehr richtig bemerkte, wählen eben beträchtliche Teile der Ex-DDR die Linke, soll sie denen, so sie ihr ne Ehre antragen, ungeprüft auf die Zehen treten.

Und falls Klarsfeld mit gerade mal 73 nicht schon der Senilität anheim gefallen ist, traue ich ihr ohne weiteres zu, jedem schäbigen Spiel gewachsen zu sein, sollte sie dessen erst einmal gewahr worden sein.

Broder hat auch auf Knobloch gern auf dieser Linie rumgehackt. Selbst wenn er recht hatte, ist die Hausfrau und/oder Mama- und/oder alte Dame Beschimpfung doch a bisserl dürftig.

46. Silke - Februar 24, 2012, 19:28

Danny

was die Maskulinisten anlangt, so habe ich neulich festgestellt, daß mir nie ein Pendant zu diesem seinerzeit hoch interessanten Buch untergekommen ist. Nur Gejammer wie schlecht ihr Männer vergleichsweise behandelt werden und dann war doch da der Hype mit dem Therapeuten, der den Männern half ihren irgendwie inneren aus irgendeinem Grimm Märchen zu entdecken. Hans hieß der Typ glaube ich, der aus dem Märchen, nicht der Befreiung versprechende Psycho.

http://www.amazon.de/Herrschaft-Tyrannei-Mannes-unserer-Gesellschaft/dp/3420046138/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1330104242&sr=8-1

Das Buch hat übrigens auf Englisch leider oder glücklicherweise einen viel weniger animierenden Titel.

Ich glaube zwar, daß ziemlich genauso viele Mütter/Frauen Kindern sexuell zu nahe treten wie es Väter/Männer tun, aber dennoch bleibt bestehen, daß wir beim Vergewaltigen und/oder Sex „erzwingen“ im Erwachsenenalter erheblichen Nachholbedarf haben.

Aber vielleicht sehe ich das falsch, drum endlich her mit dem Maskulinistenpendant zu Kate Millet’s.

Wo und in welchen Worten steht „es“ bei den Großschriftstellerinnen des vergangenen Jahrhunderts?

47. Silke - Februar 24, 2012, 19:31

Danny – Nachsatz

kürzlich ist eine neue Biografie zu Gertrude Bell erschienen. Den Besprechungen nach zu urteilen, wird es in dieser so dargestellt, als habe Bell T.E. Lawrence die Marschbefehle erteilt.

Ich halte das aufgrund früher Gelesenem (je eine Biografie und anderes) schlecht vorstellen und finde es drum eine doppelte Gemeinheit, einerseits gegenüber Lawrence andererseits impliziert es ja, daß Bell allein ohne die Oberherrschaft über Lawrence nicht genug Gewicht auf die Waage bringt.

48. Lila - Februar 24, 2012, 19:35

Der Eisenhans?

Hm. Für mich bedeutet Feminismus einfach nur die Erweiterung des Humanismus auf die Frauen. Hat historisch ein bißchen länger gebraucht, bis auch die Rechte der Frauen entdeckt wurden. Aber mir würde als Oberbegriff Humanismus reichen – zum homo sapiens gehören beide Geschlechter dazu, und inzwischen werden ja auch, wiederum mit zeitlichem Abstand, auch die Rechte der Intersexuellen entdeckt.

49. Silke - Februar 24, 2012, 20:15

ja, ich glaube, so hieß der – ja und Robert Bly hieß der Autor und ich habe Werbung dafür ne Zeitlang allüberall gesehen. Irgendwie schienen sich dann auch Schwitzhütten und das da einzufinden. Für jemanden, der schon in den frühen 70ern beim Hype um Wilhelm Reich und Urschrei irgendwie dabei war, war das alles a bisserl traurig. Irgendwie hatte ich immer die Hoffnung, die Männer würden intelligentere Pfade ausfindig machen.

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Daps&field-keywords=3499620154&x=0&y=0

Was den Humanismus anlangt, auf Englisch haben sich den Begriff die Atheisten gekrallt und irgendwann in den Zeiten, als uns all das umtrieb, wurde mir klar, daß Gleichheit zwar rundum erstrebenswert ist, aber unerreichbar. Das mit dem gegenseitigen Respektieren des Andersseins hält leider immer nur so lange, bis einer meint, er bekäme nicht genug vom Kosakenzipfel.

Also entweder mußte ich mich zum Herrschenwollen aufraffen, was mir lästig wäre, oder mich mit der Assistentenrolle einrichten (die so lange der Chef genug Macht hat, eine sehr beschützte ist.)

Ich habe mich für Assistentin entschieden und fand, daß es mir wie angegossen passte. Wenn man nen Chef hat, der Spaß an ner intelligenten Frau hat, es gibt solche Männer zum Glück gar nicht selten, und man kann übersehen, daß er einen oft anguckt, als wäre man ein vielversprechendes Kind, geht’s einem richtig gut.

Leider hatte ich nur einmal ganz am Anfang ne Frau als Boss und die war eine so erstklassige Einpeitscherin für Grundfertigkeiten, daß wir später beinahe Freundinnen waren.

Doch das ist nur der Beruf, privat ist all das ne ganz andere Nummer, da ist es vermutlich gut, wenn man es schafft, die Fiktion von der Gleichwertigkeit in Frieden zu gestalten.

50. Jakobo - Februar 24, 2012, 20:46

„Also, ich hätte ja nie geglaubt, daß ich mich mal zur Verteidigerin der Mavi-Marmara-Partei mausere“

Schade dass die die gute stimmung auf dem schiff nicht ausgenutzt haben um ueber die situation von den kurden zu reden 😉

J

51. Danny Wilde - Februar 24, 2012, 20:58

Na ihr habt ja recht, aber 1. betraf meine Feminismuskritik mehr die aktuelle Diskussion in D (Frauenquote und ähnlichen Unsinn) (und das sag ich als Mann, der für seine Ehefrau arbeitet, die beruflich erfolgreicher war und ist und zudem ihre Selbständigkeit regelmäßigere Einkommen abwirft als die seine abwarf), und 2. als Sohn einer Mutter, die bis zu ihrem viel zu frühen Tod 1981 zum engeren Dunstkreis um Alice S. in Köln gehörte, und mir insofern ein durchaus feines Sensorium zu Frauenfragen anerzogen wurde (das aus vielerlei Gründen deutlich differenzierter denn enthusiastisch ist), 3. war das Thema der sexuellen Machtausübung hier nicht Gegenstand vor dem von HMB aufgeworfenen Schmäh, 3a. ist auch das ein Fass, das man nicht ernsthaft hier öffnen sollte, denn, ja, Silke: auch die Slit-Owners arbeiten klar unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden sexuellen Waffen in durchaus beachtenswerter Bandbreite.

Und selbstverständlich, Lila, bedeutet der Feminismus eigentlich für mich genau dasselbe, oder anders, hab ihn schon damals nie verstanden, denn wer, zum Teufel, sollte eigentlich ernsthaft jemals die Anwendung des Humanismus „auf die Frauen“ bezweifeln?, wer??? Frauen und Männer sind gleich und nicht gleich: Gleich in allen Möglichkeiten und Rechten (und Pflichten – siehe deinen, Lila, wunderbaren Report über Tertia), und ungleich in Geschlecht und, meistens, des sexuellen Sich-Hingezogen-Fühlens (hierzu als Scherz aus dem Leben – für nen Hetero auch nicht schlecht mit einer Lesbe durch die Kneipen zu ziehen…. höhöhö…, „boah aber kuck ma DIE da!!, heissssssss!!“).

Aber back to Beate. Lila, du hast ja an anderer Stelle die Kleinheit der Welt und die Größe des Rätsels Mann beschrieben, hier im Blog. Insofern hast du zu Beate Klarsfeld einen ganz anderen Zugang als z.B. ich. Aber nichts entschuldigt den zynischen Hintergedanken der „Die Linke“ bei dem Nominierungsversuch. Falls ich irgendwas zu unhöfliches hier geäußert habe, was dein Verständnis für Ramelow + Lötzsch und Co. (nsorten) hier angestuppst haben sollte, nehme ich es zurück.

Diese Leute sind wirklich, wirklich böse und sehr reich.

Sie haben, trotz ihrer letztlich marginalen Bedeutung, die mit weitem Abstand größten und meisten Plakate vor Wahlen, zumindest hier in NRW. Sie versuchen Themen zu besetzen, die ihnen nicht zustehen, solange sie nicht den Verbleib des SED-Parteivermögens transparent gemacht haben und solange sie sich nicht mit der DIKTATUR DDR auseinandergesetzt haben. Stattdessen prozessieren sie gegen ehemalige Bürgerrechtler, die sie bis heute nicht mundtot gekriegt haben, oder fahren Diffamierungskampagnen, z.T. noch posthum, das ist unfassbar perfide. Somit musste Gauck dämonisiert werden (nazi-affin) und ein blütenweißer Gegenkandidat her.

Kennst du das Blog von Zettel? (zettelsraum.blogspot.com) Der hatte genau das vorhergesehen. Es WAR nämlich vorhersehbar. Nur in der Perfidie nicht. Nichts am Klarfeld-Vorschlag war ernsthaft oder aus tatsächlicher Überzeugung, nichts. Es war nur, allerdings vordergründig brillantes, Kalkül.

52. Harry - Februar 24, 2012, 21:13

Die Linke ist Beate Klarsfeld ja nicht unbekannt, immerhin hat sie sie bereits zwei mal für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen, und es gab immer wieder Veranstaltungen der Linken mit Beate Klarsfeld.

Beate Klarsfeld verbündet sich mit denen, die ihr gerade nützlich sind. Das meine ich nicht negativ, sondern anerkennend. So hat sie schon mit der DDR-Regierung paktiert – die DDR finanzierte die Broschüre „Die Wahrheit über Kurt Georg Kiesinger“ die Beate Klarsfeld dann verteilte. Auf der anderen Seite hat sie angeblich auch mal mit dem Mossad zusammen gearbeitet. Sie liebt die mediale Aufmerksamkeit, die aber kein Selbstzweck ist, sondern sie benutzt sie, um ihre Anliegen vorzubringen. Das war schon der Sinn der Ohrfeigen-Aktion bei Kiesinger. Dass sie diejenige war, die Gesine Lötzsch angerufen hat, weil sie eine Chance gesehen hat, wieder Aufmerksamkeit zu bekommen glaube ich unbesehen.

Zu dem Kandidaten-Streit in der Linken: Im Grunde ist das ein nun schon über 20 Jahre geführter Kampf innerhalb der Linken in Deutschland: Antiimps gegen Antideutsche, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche für die Details. Auch Broder ist im weitesten Sinne ein Teil davon, er war ja mal ursprünglich ein Linker. In der Linkspartei sind die Gruppen auch vertreten, auf der einen Seite z. B. der BAK Shalom, auf der anderen Seite der Linksaußen-Flügel.

53. Lila - Februar 24, 2012, 22:09

Ach du liebe Güte, ich weiß schon, warum ich zu deutschen Themen lieber die Klappe halten sollte! Ich erfahre hier ja lauter gar erschröckliche Dinge. Manches davon wüßt ich lieber nicht 😯

Klarsfelds Eingehen auf den Vorschlag schmeckt in der Tat nach Eitelkeit, ebenso wie Gaucks „Sie fahren jetzt den zukünftigen Präsidenten“ … beneidenswert, wer frei davon…

Na ja, bis morgen früh gibts neue Schlagzeilen. Ich bin aber echt mal gespannt, wie Gauck sich tatsächlich machen wird, und was wir in fünf Jahren von ihm denken werden.

Aber die Reise nach Burkina Faso sollte er vielleicht doch auf das Ende seiner Amtszeit schieben… vorsichtshalber.

54. Silke - Februar 24, 2012, 22:48

Frauenquote dachte ich auch einmal wäre Unsinn, iss sie aber leider leider leider nich, egal wie demütigend wie für die ersten, die über Quote auf irgendwelche Sessel kamen, auch gewesen sein muß.

Bis Rita Süßmuth, die auf PräsidentIN bestand, es mir erklärte, glaubte ich sogar die Sprachakrobatik von wegen Bürger und Bürgerinnen sei unnötig, war sie aber langfristig gesehen ganz und gar nicht, im Gegenteil, sie hat sich rückblickend als sehr wirksam erwiesen.

Und Danny Du argumentierst von ner Position von vielen Einzelerlebnissen, die einzeln alle ihre Gültigkeit haben, gegen Erlebnisse in Großeinheiten, die mittels klar erkennbarer Führungsstrategien und Widerstände viele über einen Kamm scheren.

Ich habe mal nen netten Betrag für nen Verbesserungsvorschlag bekommen, die Türschilder geschlechtsneutral zu gestalten. Es wurde entschieden, Frau bei den Frauen wegzulassen (Verlierer war, Herr bei den Männern hinzuzufügen) Die entsprechenden Weisungen wurden der Türschilderbereitstellungsabteilung erteilt. Jedes Mal, wenn eine Neue ein Büro bezog, sollte sie ein Schild ohne Frau bekommen. In unserer Abteilung hielt das vielleicht ein, zwei Mal, dann setzte sich das Beharrungsvermögen durch, denn es sei unseren Besuchern nicht zuzumuten, daß sie dem Türschild nicht ansehen könnten, welches Geschlecht sie dahinter erwarte.

Und die Purzelbäume rund um geboren habende Frauen erspare ich Dir.

55. Silke - Februar 24, 2012, 23:44

Lila

hast Du denn ernsthaft geglaubt, nur bei Euch würde sich gekuddelmuddelt? und gingen die Erwägungen und Zwänge und Verpflichtung kreuz und quer in x und 90 Dimensionen durch alle Ecken Eures Landes?

Wie oft habe ich bei Yaacov Lozowick Amis darüber aufgeklärt (manchmal sogar mit Erfolg), daß Dinge, die sie an Israel als Zeichen für baldigsten Niedergang der Demokratie beklagen, sie in Deutschland, auf dessen Umerziehung zur Demokratie sie ja zu Recht stolz sind, nicht einmal bemerken.

Woanders hatten wir dieser Tage den schönsten Zoff um Gauck’s alles umarmende Lobgesänge auf die Freiheit, wobei sich für mich herausstellte, daß jedes Grüppchen meint, daß die Freiheit, die ihm am meisten konveniert auch die sei, die ohne jeden Zweifel die anderen Freiheit bejubelnden Grüppchen restlos glücklich machen würde.

Und ich wage ganz kühn mal ne Voraussage zu Gauck.

Er wird Merkeln Predigten halten und die, denen es nicht paßt, daß Merkel sich gegenüber dem amerikanischen Druck zum Quantitative Easing (QE) aka Geld Drucken als widerborstig erweist, und das sind offenbar ganz beträchtliche Anteile der schreibenden Zunft, werden ihn dafür bejubeln. Ich wette in dem Punkt darauf, daß ihr einst absolviertes Physikstudium sie dazu befähigen wird, Theorien beider Seiten zu widerstehen, während ich mir gut vorstellen kann, daß Gauck das Lied eines Wirtschaftsexperten verinnerlichen wird.

Möge ihr Glück beim Halten der Balance beschieden sein und das nicht nur um meinetwillen, denn wenn wir auch noch koppheister gehen, dann ziehen wir zwangsläufig viele viele mit.

56. Wolfram - Februar 25, 2012, 15:07

In Frankreich wird wesentlich öfter von den Klarsfelds gesprochen als in Deutschland, und sie hinterlassen allgemein ein G’schmäckle. Unter anderem wird immer wieder, gerade von Leuten, die sie eigentlich unterstützen sollten, vorgebracht, Familie Klarsfeld arbeite vor allem für den eigenen Nutzen, sei es der eigene Ruhm, sei es die eigene Tasche – aber nicht für die Sache.
Beate Klarsfeld ist bestimmt nicht charakterlich geeignet, um alle Deutschen zu repräsentieren – und ich bezweifle sehr lebhaft, daß sie überhaupt in der Lage ist, irgendwen außer sich selbst zu vertreten.

57. Justme - Februar 25, 2012, 20:17

„Beate Klarsfeld ist bestimmt nicht charakterlich geeignet, um alle Deutschen zu repräsentieren“

Warum – haben alle Deutschen so einen guten Charakter?

58. Lila - Februar 25, 2012, 20:36

Mein Vater hat mal ein Lehrbuch für Betriebswirte geschrieben – „Vom Ist zum Soll“. Ich glaube, der Bundespräsident repräsentiert das Soll, nicht das Ist.

59. Silke - Februar 25, 2012, 21:06

sie hinterlassen allgemein ein G’schmäckle

wieviele pro-Israel-ites, die öffentlichkeitswirksam sind, gibt es in Frankreich, die kein Gschmäckle hinterlassen?

Wolfram - Februar 25, 2012, 21:22

Das ist der Vorbildcharakter, Lila, oder? (Ich hätte gedacht, Betriebswirte und Kaufleute verstehen etwas anderes unter Ist und Soll, nämlich schwarze und rote Zahlen – aber so kann man es ja auch lesen.)

Justme, hättest du nach dem Gedankenstrich weitergelesen, hättest du die Antwort auf deine Frage schon gefunden. Ein „guter Charakter“ ist das letzte, was ich ihr zuschreiben würde; sie ist derart von sich selbst überzeugt und davon, daß sie selbst das Maß aller Dinge ist, dabei frei von jeglicher Spur Selbstkritik – man würde sich nach wenigen Wochen Christian Wulff zurückwünschen.
Daß sich Beate Klarsfeld von der DDR hat bezahlen lassen, und somit an ein totalitäres und menschenverachtendes Regime verkauft hat, ist ein weiteres Argument. Dafür gebührt ihr die Ohrfeige mindestens genauso wie die von der DDR gekaufte Kiesinger-Ohrfeige.

Ganz nebenbei: ich stimme Joachim Gauck voll zu, die Rede von der Einzigartigkeit des Holocaust ist meist ein Sich-in-die-Tasche-Lügen. Damit macht man sich so fein weis, „das gabs nur einmal, das kommt nicht wieder“. Und blendet dabei aus, daß die „Entjudung“ als Programm vorher schon existierte und auch heute noch existiert, zum Beispiel in einer Reihe von Staaten der arabischen Welt. Blendet dabei aus, daß die systematische Vernichtung von Menschen wegen abweichender Abstammung, Ansichten, Glaubensinhalte oder sexueller Orientierung (hab ich noch KZ-Motive vergessen? Fügt sie nach!) nicht nur bei den Nazis hoch im Kurs stand, sondern auch im Kommunismus, ob es nun „nach Bautzen“ ging oder in den GuLag oder bis heute in Iran, Nord-Vietnam oder Rotchina in Staatszuchthäuser, Folter und ungewisses Verschwinden. Um nur einige zu nennen. Und Pol Pot sollte auch nicht vergessen werden.

Die „Linke“ steht in der Kontinuität des Spätstalinismus, von dem sich Beate Klarsfeld schon mal hat bezahlen lassen. Damit ist nur konsequent, daß die „Linke“ sie vorschlägt – aber dadurch ist sie als Oberhaupt eines freiheitlichen Staates indiskutabel.

60. Lila - Februar 25, 2012, 21:48

Ja, ich mit meinen wilden Assoziationen.

Mein Vater hat übrigens auch ein Buch geschrieben, das hieß „Vertrauen ist gut – Kontrolle besser“. Wenn ich nicht ganz doll falsch erinnere, hat er im Vorwort geschrieben: Das hat zwar Lenin gesagt, es stimmt aber trotzdem 🙂

Keine Ahnung, wo Klarsfeld heute politisch steht und wie ihr privater Charakter ist.

Jetzt stell ich mich mal gänzlich bloß und erzähle was mir von einer Fernsehreportage von ihr im Gedächtnis geblieben ist.

Are you ready?

Sie wurde in ihrem Alltag in ihrer Pariser Wohnung gezeigt. Unter anderem dabei, wie sie die Küche wischte. Und dabei hat sie faszinierenderweise eine Technik benutzt, die ich weder aus deutschen noch israelischen Haushalten kannte. Sie hat den Schrubber umgedreht und den Aufnehmer um den Stiel gelegt, um in die Ecken und zwischen die Küchenschränke und den Kühlschrank zu kommen.

So. Sehr peinlich – für sowas hab ich einfach ein Mordsgedächtnis.

Ich glaube, die Arbeit der Klarsfelds beim Aufspüren alter Nazis ist bemerkens- und anerkennenswert. Daß sie vielleicht dabei persönliches Geltungsbedürfnis an den Tag legt, mag sein. Damit eignet sie sich nicht zur Präsidentin, trotz ihrer Verdienste. Aber wirklich uneitle Menschen gibt es gar nicht so viele.

Wie weit der Weg vom Gauckel zum Gockel ist – das werden wir noch sehen.

61. Justme - Februar 25, 2012, 22:52

„Ich glaube, der Bundespräsident repräsentiert das Soll, nicht das Ist.“
Ach so! Jetzt verstehe ich.

„Sie hat den Schrubber umgedreht und den Aufnehmer um den Stiel gelegt, um in die Ecken und zwischen die Küchenschränke und den Kühlschrank zu kommen.“

Super Idee, muss ich auch mal probieren, für die unzugänglichen Ecken im Badezimmer.

62. Justme - Februar 25, 2012, 22:55

„Blendet dabei aus, daß die systematische Vernichtung von Menschen wegen abweichender Abstammung, Ansichten, Glaubensinhalte oder sexueller Orientierung (hab ich noch KZ-Motive vergessen? Fügt sie nach!) nicht nur bei den Nazis hoch im Kurs stand, sondern auch im Kommunismus, ob es nun “nach Bautzen” ging oder in den GuLag oder bis heute in Iran, Nord-Vietnam oder Rotchina in Staatszuchthäuser, Folter und ungewisses Verschwinden.“

das klingt für mich wie die typische Relativierung „Aber unter STalin hat es auch Gulags gegeben“. Finde ich nicht legitim.

Den Vergleich mit Pol-Pot hingegen schon…

63. Silke - Februar 25, 2012, 23:07

Timothy Snyder, der ja dank der Arbeit an „Bloodlands“ so einiges über Massenmorde wissen dürfte, hat in allen Gesprächen, die ich mit ihm gehört habe, den Holocaust ausdrücklich als etwas Anderes bezeichnet.

Dabei hat er auch Sachen gesagt, die sich aus dem Zusammenhang gerissen, „verdächtig“ anhören, daß nämlich wer nach Auschwitz kam, bessere Chancen zu überleben hatte, als die, die von den Killerkommandos in den „Bloodlands“ ermordet wurden.

Daß ein neues gigantisches Morden jederzeit wieder möglich ist, halte ich für selbstverständlich, aber daß es unter den bereits Geschehenen eines gab, in dem Scharen von Leuten mit meinem Beruf brav und pflichtbewußt an einem Schreibtisch saßen und z.B. überprüften, ob die Reichsbahn bei ihrer Rechnungslegung von 4 Pfennig pro km pro Mensch sich nicht irgendwo vertan hatte, bezweifle ich. Ich vermute mal, daß die Reichsbahn für jene Transporte wie auch sonst üblich Kinderrabatte gewährte und daß die oder der Rechnungskontrolleur oder Buchhalter auch das aufs Pingeligste kontrollierte. Diese Jobs im RSHA sind mein persönlicher Alptraum, doch daß es die gegeben haben muß, ergibt sich aus Berichten von anderen Ämtern.

Daß es irgendwo so sorgfältig organisiert quer durch die Hierarchien gelaufen ist, erscheint mir nach allem, was ich von anderen Morden gigantischen Ausmaßes weiß, ziemlich unwahrscheinlich.

Daß der nächste dank elektronischer Erfassungsmöglichkeiten noch viel gespenstischere Szenarien wird liefern können, sofern sich ein Staat voll ordentlicher kaufmännischer Sachbearbeiter-innen der Aufgabe annehmen sollte, ist ziemlich wahrscheinlich.

64. willow - Februar 25, 2012, 23:32

„Wenn ich nicht ganz doll falsch erinnere, hat er im Vorwort geschrieben: Das hat zwar Lenin gesagt, es stimmt aber trotzdem :-)“

Soll der olle Lenin tatsächlich gesagt haben – wie mir Russen sagten, existiert aber auch die alternative (und in der Praxis meist angewandte) Fassung

Vertrauen ist gut – Mißtrauen ist besser!

65. mibu - Februar 26, 2012, 11:11

Silke, die Technologien für einen totalen Überwachungsstaat haben wir eigentlich schon länger, sie werden aber dennoch ständig weiterentwickelt, weil sie noch nicht perfekt genug arbeiten. Mit biometrischen Erfassungstechniken, insbesondere zur Auswertung genetischer Identifikationsträger, sind wir längst (mindestens 10 Jahren) in einer neuen Entwicklungsphase.

Das Problem ist nach wie vor, wie schon bei früheren Entwicklungen neuer Technologien, dass sie schwer vermittelbar sind und deshalb kaum eine öffentliche Debatte in der Weise in Gang kommt, wie es nötig wäre, um Fehlentwicklungen und Missbrauch rechtzeitig verhindern zu können.

Wenn nur die entsprechenden Gesetze verabschiedet werden, werden auch bei uns nur die allerwenigsten darüber nachdenken, ob das, was sie tun, nicht nur legal sondern auch legitim oder ethisch rechtfertigbar ist. Da mache ich mir keine Illusionen.

Was die Datenbestände betrifft, wird zudem gern übersehen, dass neben den Beständen staatlicher Institutionen jene der Wirtschaft um ein Vielfaches größer sind. Darüber machen wir uns praktisch überhaupt keine Gedanken. Siehe Facebook, Google, etc. aber auch die ganzen Finanzinstitute, Handelskonzerne(via Kundenkarten), etc. Was einerseits den Alltag vereinfacht, wozu es meist in erster Linie entwickelt wurde, kann jederzeit für alles mögliche andere Verwendet werden – und wird es auch.

66. Silke - Februar 26, 2012, 13:38

mibu

wenn Du mit mir sprichst, lass bitte das Wort „wir“ weg.

Ich bin ex-Datenverwalterin-Profi aka Sesselfurzerin, also von dem Segment über das Du ansonsten so gern und ausladend und pauschal und IMHO ignorant herziehst.

67. mibu - Februar 26, 2012, 14:44

… wir in den westlichen Industrienationen, ausser Silke, … so richtig ?

68. Silke - Februar 26, 2012, 17:19

nein nicht richtig und auch total unwitzig – denn das bezichtigt, wiederum alle anderen Datenverwalter-Profis, nicht zuletzt auch die, die noch jenseits der von Inscheniören durchgedrückten Weltbilder arbeiten dürfen, der Scheuklappenträgerei.

Auch wenn dem Inscheniör nichts zu schwör ist, sollte er sich doch mit der Tatsache abfinden, daß er nicht der Einzige ist, der eine Lizenz zum Selberdenken hat.

69. mibu - Februar 26, 2012, 21:32

Silke, du solltest mir nicht unterstellen, auf andere und deren Arbeit herabzusehen. Ich habe vergleichsweise wenige Probleme, mit anderen zusammenzuarbeiten, gerade weil ich deren Arbeit respektiere – egal in welcher Position und unabhängig von deren Ausbildung.

70. Silke - Februar 27, 2012, 0:08

mibu

es war nicht in diesem thread und ich suche jetzt auch nicht danach, aber das nächste Mal hebe ich es mir auf.

71. Silke - Februar 27, 2012, 0:38

Lila
Mein Gedächtnis sagt, daß diese Frauen (ich glaube es waren nur Frauen) irgendwann Berlin bestrickten. Ich glaube Häklerinnen waren auch dabei. Irgendwie in dem Zusammenhang bekannte Broder, daß ihm solche Frauen ein Graus seien. http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla_Knitting

Außerdem bin ich gestern daran erinnert worden, daß er Merkeln gern als Mutti bezeichnete und da müssen ihm ja derzeit ganz furchtbar die Felle wegschwimmen.

Denn ein Teil der Gurus sagt, sie mache alles falsch und ziele aufs 4th Reich, ein anderer Teil bewundert sie, weil sie die letzte/die einzige sei, die dank ihrer Ausbildung hoffentlich das Wissen habe, um die Modelle der Economists zu verstehen und alle alle finden sie wichtig. So etwas schmerzt natürlich, wenn man so ganz und gar auf erfolgreiches Lächerlichmachen gewettet hat.

Einerseits soll die deutsche Staatsbürgerin gebärfreudiger werden, zumindest die mit Studium, andererseits wird Mutti als Schimpfwort beliebt. Da frage ich mich schon, ob die Schreiberlinge beim Witzig-Sein die Denkapparate ausschalten.

72. Yael - Februar 27, 2012, 15:50
73. Silke - Februar 28, 2012, 18:10

Lila

mein Gedächtnis behauptet mittlerweile schüchtern, daß Broder mit Klarsfeld nicht einverstanden war, als 2006 zuerst das mit der Eisenbahnausstellung aufkam.

74. Roithamer - Februar 29, 2012, 18:11

Guckt mal, was jetzt (29.02.) in der Zeitung steht

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article13894685/Beate-Klarsfelds-Gier-nach-dem-eigenen-Denkmal.html

Ich kann Broder verstehen, dass er sie nicht mag.

75. Silke - Februar 29, 2012, 19:21

der nächste Börne-Preisträger Götz Aly hat sich nicht entblödet in der FR zu fragen, was wohl Klarsfeld’s Eltern von 1933 bis 1945 gemacht haben.

Zur Erinnerung, das ist der gleiche Götz Aly, der während seiner Zeit bei Yad Vashem kurz vor der Flotilla von der Osmanischen Union zwecks Lösung aller Nahost-Probleme träumte um dann Israel in Sachen Flotilla massiv vorab zu verurteilen, was er dann später a bisserl abmilderte und damit wurde ihm Absolution erteilt.

Aus dem was Broder schreibt, schließe ich, daß Klarsfeld damals schon wußte, wie PR geht, aber ich bin ja auch ein Tiefen-psycho-analytiker.

Ich leide derzeit wieder unter dem Bedürfnis auszuwandern, so heftig wie schon seit langem nicht mehr.


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