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Qassam-Ticker Juli 23, 2007, 20:08

Posted by Lila in Rat und Tat.
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Die kleine Anastasia hatte heute einen tüchtigen, braven Schutzengel. Statt zu schlafen, hat sie geweint, und die Mutter hat sie aus dem Bettchen geholt und mit ins Wohnzimmer genommen. Minuten später fiel die Qassam-Rakete ins Kinderzimmer. Das Baby ist nur leicht verletzt, Mutter und Großmutter erlitten einen Schock. Das Bettchen ist hinüber.

anastasia.jpg

Kommentare»

1. grenzgaenge - Juli 23, 2007, 21:13

„Die kleine Anastasia hatte heute einen tüchtigen, braven Schutzengel.“

g“tt sei dank, g“tt sei dank …. und trotzdem ist es natuerlich tragisch. auch wenn das baby, mutter und grossmutter nichts ernsthaftes mitbekommen haben, rein koerperlich gesehen. ich glaube wie es in der seele aussieht kann man nur erahnen 😦

wann wird der terror ein ende nehmen ?

2. M - Juli 23, 2007, 21:16

Liebe Lila,
wenn Du Deinen Kassam-Ticker ergänzen würdest um einen Pali-Ticker, dann wäre erstgenannte Einrichtung wohl der Mühe wert.
So bleibt festzuhalten, dass Du auf einem Auge blind bist, und wir hier nie mehr als die halbe Wahrheit erfahren und erfahren sollen.
Aber Deine Besucher sind an der anderen Seite der Medaille wohl auch eh nicht interessiert, und ein Narrativ reicht, um die ganze Wahrheit zu verstehen.
Schade.

M

3. grenzgaenge - Juli 23, 2007, 21:54

lila ? auf einem auge blind ???? liest du regelmaessig mit ????

4. Lila - Juli 23, 2007, 22:01

1. Ich erhebe keine Gebühren, es besteht keine flächendeckende Lesepflicht, ich erhebe keinen Anspruch auf Objektivität (s. Impressum) und halte ehrlich gesagt solchen Anspruch für verlogen und unerfüllbar. Ehrlichkeit ja – Objektivität unmöglich. Für „objektive“ Nachrichten empfehle ich Dir beliebige Online-Zeitungen. Im Gegensatz zu Blogs erheben die nämlich durchaus den Anspruch auf Objektivität. Was davon zu halten ist? Gute Frage.

2. Israel beschießt nicht wahllos Wohngebiete von Zivilisten. Israel wehrt sich gegen Leute, die wahllos auf israelische Zivilisten schießen und sich zu diesem Zweck in zivilen Wohngebieten verschanzen. In Deinen Augen vielleicht ein kleiner Unterschied, aber doch ein beachtenswerter.

3. Stünde den Palästinensern unsere Luftwaffe zur Verfügung, gäbe es uns schon nicht mehr. Die Palästinenser haben Glück, daß wir nicht so wahllos zuschlagen wie sie, sondern immer nur gezielt. (Daß wir für Pannen nicht nur Untersuchungsausschüsse einsetzen und dafür bei uns Köpfe rollen, sondern wir auch evt. Verletzte in unseren Krankenhäusern behandeln, ist ein Detail, das Dir bestimmt ebenfalls unwichtig vorkommt).

4. Meine Besucher, wie ich doch hoffen will, informieren sich nicht allein bei mir. Ich habe eine Blogroll, ich stelle Links ein, Kommentatoren verlinken weiter. Wie kommst Du auf die Idee, ich würde hier „wohl auch eh“ zu einer Sekte Unmündiger predigen??? Bist Du der einzige mündige Leser, den ich habe?

5. Unter Blinden ist der Einäugige König. Unter Einäugigen, die sich für Vollsehend halten, auch.

6. Daß Du mir ein Auge zugestehst, ist mehr, als ich mir selbst an bösen Tagen zugestehe. Danke!

5. grenzgaenge - Juli 23, 2007, 22:15

na ja, lila, wenn du auf einem auge blind bist schaffe ich es mit zwei blinden augen am pc zu schreiben. cool !!

🙂

6. Lila - Juli 23, 2007, 22:17

Ich tippe blind. Das ist schon wahr.

Und das sowohl auf deutscher als auch englischer und (besser!) hebräischer Tastatur. So gesehen ist Einäugig gestrunzt.

7. Marlin - Juli 23, 2007, 22:28

Schöne Antwort, Lila, leider völlig verschwendet.

Wenn der Typ, oder war er/sie/es schonmal hier, nur auf einen Artikel anspringt, will dieser Leser doch nix weiter wissen.

Warum schreibe ich hier überhaupt? Ach ja: ich würde sagen: Glück gehabt.

8. Lila - Juli 23, 2007, 22:39

M liest hier regelmäßig mit und kommentiert. Wir sind nicht einer Meinung, aber er gehört nicht zu der Einmal-ausgekotzt-und-verschwunden-Sorte. Er stellt hier auch schon mal Links ein, mit Informationen, die ihm hier fehlen. Da hab ich nichts gegen, dafür ist mein Blog ja da.

9. grenzgaenge - Juli 23, 2007, 22:40

http://www.welt.de/welt_print/article1040389/Palaestina_scheitert_an_sich_selbst.html

finde ich ganz lesenswert, so als blinder unter blinden ….

😉

10. Lila - Juli 23, 2007, 22:55

Oh ja, danke für den Link. Eine traurige Geschichte, wirklich. Shlomo Avineri finde ich immer lesenswert.

Der Tag, an dem die Palästinenser nicht mehr alle Welt für ihre Misere verantwortlich machen, sondern sich fragen: was können WIR tun?, das ist der Tag, an dem ihre Gesellschaft gesund werden kann. Zu unser aller Erleichterung.

11. grenzgaenge - Juli 23, 2007, 23:07

ja, lila, man darf die hoffnung nicht aufgeben ….

laila tov, grenzgaenger

p.s. ich freue mich schon sooooo riesig auf meinen naechsten besuch im gelobten land 😉

12. mona lisa - Juli 24, 2007, 0:13

Eine Situation, die einen wieder an Schutzengel glauben lässt – ein beruhigendes Gefühl, wenn man sich nicht allein darauf verlässt. Schade, dass es oft solche Situationen sind, die einen an die Existenz von Engeln erinnert.

13. willow - Juli 24, 2007, 0:14

„Der Tag, an dem die Palästinenser nicht mehr alle Welt für ihre Misere verantwortlich machen, sondern sich fragen: was können WIR tun?, das ist der Tag, an dem ihre Gesellschaft gesund werden kann.“

Tja, aber das wäre der Tag, an dem „sie“ die Verantwortung für sich selbst übernehmen würden… dies ist, wie mancher sagen, ein Konzept, das im Islam nicht angelegt ist. Leider.

http://nebeldeutsch.blogspot.com/2007/03/religion.html

14. Lila - Juli 24, 2007, 6:27

Glaube ich nicht. Die Palästinenser werden nicht nur vom Islam beeinflußt. Sie können das Prinzip der Eigenverantwortung auch von anderswo übernehmen, wenn sie wollen.

Und ich bin sicher, es gibt genügend individuelle Palästinenser, die das auch tun. Ein Teil der Misere der palästinensischern Gesellschaft ist, daß die „alle anderen sind schuld und ich bin ganz arm dran“-Mentalität von außen positiv verstärkt wurde…

15. grenzgaenge - Juli 24, 2007, 7:07

ein problem duerfte auch sein das es mit der meinungsfreiheit in den autonomiegebieten nicht besonders gut aussieht. wer sich da fuer dialog mit israel ausspricht ist ein kollaborateur und laeuft gefahr am naechsten baum zu haengen. ich finde es immer wieder interessant das die selbsternannten menschenrechtsaktivisten z.b. von ai diese zustaende in den autonomiegebieten nicht wuerdigen, sondern jegliche schuld bei israel suchen. obwohl israel eine demokratie ist mit vielen stroemungen und meinungen. man darf sogar auf die regierung schimpfen und sich schalom wuenschen ….

16. Lila - Juli 24, 2007, 7:29

ai hat in der letzten Zeit mehrmal ausdrücklich die Situation in den palästinensischen Gebieten beklagt. Auch B´Tselem.

Daß wir überhaupt eine Organisation wie B´Tselem haben, zeigt den Unterschied zwischen den beiden Gesellschaften.

Da der Mensch aber ein Tier mit Entscheidungsfreiheit ist, hoffe ich grundsätzlich darauf, daß wir irgendwann eine Veränderung sehen werden.

Muß los, schönen Tag noch.

17. B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Freiheitskämpfer - Juli 24, 2007, 10:24

[…] armen, unterdrückten Palästinenser in ihrem Freiheitskampfe schießen dieses Mal […]

18. beer7 - Juli 24, 2007, 10:44

Elder of Ziyon hat einen Palaestinenser-Ticker. Er zaehlt nach bestem Vermoegen, wieviele Palaestinenser durch Palaestinenser getoetet werden. Seit Monaten uebertrifft diese Zahl die Zahl der Palaestinenser, die durch Israel getoetet werden…

http://spreadsheets.google.com/pub?key=pgOmKG2gPRMjAtRJKp6WEXA&output=html&gid=0&single=true&range=a1:a5

19. eran - Juli 24, 2007, 12:48

Aber M interessiet sicherlich nicht wer von Kugel getroffen wird, sondern wer sie abfeuert.

20. willow - Juli 24, 2007, 13:40

@M – ist dir aufgefallen, daß die „anderen“ Medien -Radio, Fernsehen, Tageszeitungen, Internet- recht umfassend über die Untaten der Israelis berichten? Ich glaube, Du kannst schon davon ausgehen, daß jeder der Leser hier umfassend über die „andere Seite“ informiert wird. Selbst über Verbrechen gegen unschuldige palästinensische Hunde…

http://spiritofentebbe.blogspot.com/2007/07/menschenrechtsaktivist-vs-tierschtzer.html

Und eigentlich sollte dir ebenfalls aufgefallen sein, daß Lila bei Bedarf auch durchaus darüber berichtet, wenn Seitens „der Israelis“ irgendwelcher Mist angestellt wird – alles andere würde ich für eine Unterstellung halten.

Oder bist du der Meinung, in den Medien wird insgesamt unausgewogen zugunsten der Israelis berichtet !? Das wär dann ein interessanter Standpunkt…

@Lila: natürlich läßt sich mit „Islam“ nicht alles begründen… aber es ist doch schon so, das Fehlen von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung sind typisch für autoritäre und kollektivistische Ideologien – schau dir nur den ehemaligen Ostblock an. Und dann noch die Eigenheiten des Islam, der den Anspruch hat jede Kleinigkeit festzuschreiben, da braucht man sich über die Ergebnisse nicht zu wundern. Aber andere „religiöse Ideologien“ mit ähnlich allumfassendem Anspruch führen zu ähnlichen Resultaten, Nordkorea ist ein schönes Beispiel. Aber wenigstens ist deren Streben nach einer Welt, die nach ihren Prinzipien lebt eher blauäugig…

21. grenzgaenge - Juli 24, 2007, 16:42

„Seit Monaten uebertrifft diese Zahl die Zahl der Palaestinenser, die durch Israel getoetet werden…“

ruth, das problem ist nur das DIESE zahl niemanden interessiert. eine meldung gibt es nur wenn die palaestinenser von der boesen, israelischen besatzungsmacht getoetet werden ….

22. Thomas - Juli 25, 2007, 12:25

Ich persönlich lese eigentlich nur deinen Blogg,
ab und zu schweife ich schon rüber zu greanzgaenge oder anderen Links. Nur ist es so, das man graenzgaenge in seinen Ansichten nicht mehr helfen kann und der Schreibstil bzw. die Sprache von allen anderen an deinem einfach nicht heran kommt. Bei dir kann man so schön abschalten. Jedenfalls bin ich irgendwann im Libanonkrieg auf deine Seite gekommen und muss feststellen, dass sich deine Ansichten in diesen ein paar Monaten meiner Meinung nach etwas zum Negativen gewandelt haben. Zurück zum Thema.

In den USA z.B. sterben durch Bandenkriege sicherlich mehr Opfer im Jahr als In Israel und Palästina zusammen genommen. Wieso interessiert es niemanden? Es interessiert niemanden weil ein Volk von in etwa gleich starken Individuen sich das Leben selber schwer macht. Wenn jetzt aber US Bürger die Ureinwohner also Indianer häufiger töten würden, dann würde es in allen Zeitungen stehen. Zwar sind beide Gruppen US Bürger, doch hat sich in den Köpfen eingebrannt dass die Indianer den anderen Unterlegen sind.

23. willow - Juli 25, 2007, 12:46

@Thomas:

Nun, über die US-Bandenkriege wird durchaus häufig berichtet (böse USA!), über palästinensische „Bandenkriege“ dagegen so gut wie nie – obwohl doch über nichts so gern berichtet wird wie über Palästina/Israel. Seltsam.

Wenn aber über die Toten durch Bandenkriege (fast) nicht berichtet würde, dafür aber ausgedehnt über jede Panne der Polizei, darüber, daß wieder ein bedauernswerter Mensch weggesperrt wird oder gar ums Leben kommt, nur weil er sich seiner Verhaftung wiedersetzte – dann würde doch der (falsche) Eindruck entstehen können, daß die Polizei ein größeres Problem darstellt als die Banden…

Ausgewogenheit ist wichtig, aber wenn du sie auf Täter/Opfer/Polizei-Situationen anwendest und versuchst, es Jedem Recht zu machen…dann stellst du dich ein Stück weit auf die Seite der Täter. Rechtsanwälte dürfen und sollen das, Journalisten sollten es vermeiden.

24. Thomas - Juli 25, 2007, 13:10

@Willow

Wieso stelle ich mich denn auf die Seite von Tätern? Und wie kommst du darauf das ich es allen recht machen will. Ich habe nur geschrieben wie die meisten Menschen es sehen.

Wenn ich über Polizeigewalt oder anderes vom Staat nicht ausführlicher Berichten würde als über Bandenkriege, dann würde ich uns allen unrecht antun, weil der Staat das Gewaltmonopol hat und deswegen eine Besondere Verantwortung innehat. Sprich, er darf dieses Monopol nicht misbrauchen. Mal davon abgesehen habe ich in den letzten 4-5 Monaten häufiger von Palästinensichen „Bandenkriegs“ Opfern in den einschlägigen Medien gelesen als von Amerikanischen. Kann aber auch sein das ich die falschen Medien konsumiere.

25. grenzgaenge - Juli 25, 2007, 17:29

„Nur ist es so, das man graenzgaenge in seinen Ansichten nicht mehr helfen kann“

danke fuer die bestaetigung, thomas. waere echt nicht noetig gewesen …. 🙂

26. eran - Juli 25, 2007, 20:09

sehr beeindruckend, sehr erschütternd, sehr empfehlenswert:

http://www.j-comm.de/index.php?option=com_content&task=view&id=844&Itemid=26

Dr. R. Eitan: Bombenalltag in Sderot

Videoaufzeichung des Auftritts von Frau Dr. Ruthi Eitan von Sapir College (Israel) in Siegen über die Lage in israelischem Sderot.

27. grenzgaenge - Juli 25, 2007, 20:11

danke fuer den link, eran 😉

28. grenzgaenge - Juli 25, 2007, 20:17
29. Add a link - Juli 26, 2007, 7:53

OT, doch weil es Dich sicher interessiert, Lila:
„Sharp Decline in Support for Suicide Bombing in Muslim Countries“:
http://pewglobal.org/reports/display.php?ReportID=257

30. beer7 - Juli 26, 2007, 9:55

Leider heisst der naechste Satz dort:

However, Palestinians stand out for their broad acceptance of suicide bombings. Seven-in-ten-Palestinians say this tactic is at least sometimes justified.

31. Add a link - Juli 26, 2007, 12:39

Ja, leider ist das so. Verzweiflung nennt man das wohl. Auch deshalb habe ich die Studie verlinkt.

32. beer7 - Juli 26, 2007, 13:30

Verzweifelung ist mE die falsche Erklaerung. Ich habe dazu in meinem Blog schon geschrieben:

http://beer7.wordpress.com/2007/07/26/leider-keine-fortsetzung-der-diskussion-mit-dr-barcha/

33. Add a link - Juli 26, 2007, 16:28

beer7, so sehr ich Deine sporadischen Hinweise auf Dein eigenes Blog schätze: Den Eintrag, den Du hier verlinkst, habe ich leider nur überfliegen können, und es wird ganz gewiß daran liegen, daß ich nicht zu erkennen vermochte, inwiefern Du dort etwas zur Erklärung des Kontrastes sagst, der in der von mir verlinkten Untersuchung hervortritt und auf den Du eben dankenswerterweise selbst hingewiesen hattest.

34. beer7 - Juli 26, 2007, 17:01

Dein Ton ist eher unfreundlich. Ich will Dir trotzdem die Muehe, einen langen Text lesen zu muessen, abkuerzen:

Eine Praemisse des heute weithin geltenden Menschenbilds (oft mit “links-progessiv” identifiziert) ist, dass Menschen in ihrer psychischen Grundstruktur so gut wie identisch sind. Diese Praemisse habe ich auch bei Grossman und Oz identifiziert. Wenn nun Menschen mehr oder weniger identisch ticken, dann muss moeglich sein, von sich auf andere zu schliessen, sich in jemand hineinzuversetzen und auf diese Weise seine Motive zu verstehen.

Ein “links-progressiver” Mensch, der versucht, auf diese Weise die Motive eines Selbstmordattentaeters zu verstehen, kann nur eine einzige Emotion finden, die ihn in solcher Weise handeln liesse: Auswegslose Verzweiflung. Dieses Motiv wird Terroristen untergeschoben, weil andere Erklaerungen mit dieser Praemisse nicht vereinbar sind.

35. willow - Juli 26, 2007, 19:56

@beer7: Wobei im Zweifel sofort bejaht wird, daß es z.B. zwischen karelischen Finnen und Süditalienern erhebliche Unterschiede im Denken und Fühlen gibt – überhaupt kein Problem.

Wird dagegen darauf hingewieden, daß Menschen aus anderen Kulturkreisen völlig anders ticken – sofort bist du ein rassistisches Problem… es sei denn, du spricht über für Mitteleuropäer nur extrem schwer mit durch „fremde“ Religionen/Philosophien begründeten Denkmustern von Tibetern, Chinesen, Japanern oder auch Amazonasindianern. Dann ist alles gut. Auch fremde Kulturen dürfen durchaus heftig und pauschal kritisiert werden, die der USA zum Beispiel….

Aber an Delphine, Indianer und Moslems dürfen die ansonsten geltenden Maßstäbe eben nicht angelegt werden, ach wenn sich z.B. die Palästinenser noch so für Mitteleuropäer merkwürdig benehmen…

36. Add a link - Juli 27, 2007, 1:40

Also, ich habe hier eine Studie eines angesehenen amerikanischen Meinungsforschungsinstituts verlinkt, die sagt, daß die Unterstützung für Suizidalanschläge in vielen muslimischen Ländern rückläufig ist. Das halte ich für eine ausgesprochen positive Nachricht; ich hätte das nicht vorherzusehen vermocht. Die negative Nachricht dabei ist, daß die Palästinenser von dieser Bewegung nicht erfaßt sind. Du hast das selbst hervorgehoben, beer7, womit dann die Frage auf dem Tisch ist, wie diese Differenz zu erklären ist.

Dazu habe ich dann eine recht einfache Deutung angeboten — nachdem eben Du selbst die Frage implizite aufgeworfen hattest. Dabei halte ich es durchaus für eine intellektuelle Tugend, möglichst einfache Erklärungen zu suchen. Es steht Dir frei, wenn Du denn hierüber diskutieren willst, eine ebenso einfache Alternative vorzuschlagen — oder auch eine komplexere Erklärung, wenn Du die damit verbundenen Zusatzannahmen motivieren kannst. Beides versuchst Du leider nicht.

Dafür kommst Du unmittelbar zu dem Urteil, meine Erklärung für den fraglichen Unterschied — also die einzige, die hier bisher überhaupt vorgeschlagen wurde — sei falsch. Deines Erachtens. Es wäre nun kein schlechter intellektueller Stil, diesem Urteil eine Begründung beizugeben. Grundsätzlich ist dabei eine längere, elaborierte Begründung selbstverständlich in noch höherem Maße willkommen als eine kurze, knappe Begründung. Nun stellt man aber beim Lesen Deines Artikels sehr schnell fest, daß er sich zumindest nicht in Gänze der Erklärung der hier thematischen Differenz widmet. Es wäre daher nicht unfreundlich gewesen, wenn Du die relevanten Gedanken noch einmal hervorgehoben oder vielleicht auf die relevanten Stellen besonders hingewiesen hättest. Leider war dann mein Eindruck, den mir jetzt Deine Antwort bestätigt, daß Du zum Thema der Differenz überhaupt nichts sagst. Es ist doch logisch unzweifelhaft, daß allgemeine Erwägungen zur muslimischen Kultur usw. nicht die spezifische Differenz des palästinensischen Handelns zu erklären vermögen. Thema verfehlt, könnte man auch sagen. Und ich finde dies in Verbindung mit dem belehrenden Ton, in dem Du auf Dich selbst wie auf eine Autorität verweist — nun, Du sagst es: eher unfreundlich.

Vielleicht aber ist es ja auch nur ideologisch. Du führst ein „weithin geltendes Menschenbild“ an, demzufolge „Menschen in ihrer psychischen Grundstruktur so gut wie identisch sind“, „ticken“ und einem erlauben, „von sich auf andere zu schliessen, sich in jemand hineinzuversetzen und auf diese Weise seine Motive zu verstehen.“ Nun führst Du dies gegen mich an, was darauf hinaus läuft, daß Du die falsche Unterstellung machst, ich folgte diesem weithin geltenden Menschenbild. Daß ich aber auf eine von Dir aufgeworfene Frage hin eine einfache Erklärung vorgeschlagen habe, motiviert keine so komplexe Annahme über mich. Hier handelt es sich wohl einfach um eine ideologisch-ideologiekritische Einordnung — als „links-progressiv“, wie Du dies nennst. Ich glaube grundsätzlich nicht an die magische Operation des Sich-in-jemanden-Hineinversetzens (jedenfalls müßte man erst einmal präzisieren, was gemeint ist). Und ich glaube auch nicht, daß Menschen ticken oder wenigstens gleich ticken, wenn damit gemeint sein sollte, daß sie in äußerlich gleichen Situationen gleich reagieren. Ich kenne aber auch niemanden, der das glaubt. Und ich weiß nicht so genau, was ich unter psychischer Grundstruktur verstehen soll. Wenn gemeint ist, daß die psychischen Anlagen des Menschen sich erkennbar von denen des Bonobo, der Hauskatze oder des Pudels unterscheiden, dann halte ich die Annahme mutatis mutandis allerdings für ziemlich unanfechtbar. Wenn aber gemeint sein sollte, daß die Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur gegen kulturellen Einfluß immun ist, dann weiß ich wieder nicht, wer das überhaupt glauben sollte.

Es ist keineswegs nur ein moralisches Gebot, im Menschen hinter den kulturellen Differenzen den Menschen noch zu sehen. Es ist auch ein methodisches Prinzip. Denn wie sollte man wohl die Ausbildung und Aneignung kultureller Formen erklären können, wenn es hinter der Kultur keine Motive gäbe?

Also, beer7, Du kannst gerne eine andere Deutung der thematischen Differenz vorschlagen. Aber über Einordnungen werde ich nicht diskutieren; sie liefern kein seriöses Argument. Meine Deutung der spezifischen palästinensischen Differenz ist nicht deshalb falsch, weil Du diese Deutung ideologiekritisch in bestimmter Weise verortest. Du müßtest Dich auf die Sache einlassen.

37. Lila - Juli 27, 2007, 13:50

Wat n Ärger, meine schöne Antwort hat der Sch… computer gefressen und ich habe keine Zeit mehr!!!!!!!!!! Uääääää.

38. Add a link - Juli 27, 2007, 14:30

Das ist sehr schade, Lila. Ist mir schon so oft so gegangen, daß ich jetzt — fast — immer daran denke, Strg+A, Strg+C zu drücken …
Es tut mir übrigens leid, Lila, was meinen Link angeht, daß sich die Diskussion so auf die palästinensische Ausnahme konzentriert hat. Die wichtigere Nachricht fand ich, daß sich in vielen Gesellschaften Selbstkorrekturmechanismen zeigen.

39. Lila - Juli 27, 2007, 14:33

Ich hab das auch gedrückt, ha, aber dann hab ich einen Satz aus Deinem Link kopieren wollen, auf einmal hat Firefox sich wie ein Phönix in die Asche geworfen, und als er aufstieg… da war mein Dings weg. Und in der Zwischenablage nur der kümmerliche Zitatsatz!

Dabei hab ich ein Widget zum Mehrfach-Kopieren. Ich benutz es nur nicht! Und ich krieg das nciht mehr zusammen, bin zu unkonzentriert, steck jetzt mitten in was anderem……………..

40. Add a link - Juli 27, 2007, 15:47

Schade, schade. Bestimmt hast Du etwas zum Sich-in-jemand-Hineinversetzen geschrieben. Wenn ich raten darf. — Passiert halt, mach Dir nichts draus. Schönes Arbeiten!

41. Flower Kraut - Juli 28, 2007, 17:07

*grins* da bin ich ja froh, dass auch meine Bloggermama nicht perfekt ist. Wenn ich jetzt erzählen würde was bei mir Frischling alles auf dem Bildschirm erschein … wieder verschwindet … kurz wieder auftaucht … um sich danach endgültig im Nirwana aufzulösen… Wahrscheinlich zu Recht! Demütig gestehe ich ein: Das www hat gewonnen.

42. Lila - Juli 28, 2007, 19:35

Du bloggst? Her mit dem Link, vielleicht fällt ja mal ein Leser für Dich ab… falls sich jemand bis Kommentar 42. vorbuddelt.

43. beer7 - Juli 29, 2007, 9:01

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„Verzweiflung“ als Motiv fuer die pal. Unterstuetzung von Selbstmordattentaten wuerde bedeuten, dass die Palaestinenser verzweifelter sein muessten als z.B. die Einwohner von Darfur.

Das erscheint mir eine gewagte Annahme.

Mir scheint es auch nicht richtig, dass ich Deinen Erklaerungsversuch nicht in Frage stellen darf, wenn ich keine andere, einfache Erklaerung anbringen kann.

Mein Erklaerungsversuch ist alles andere als homogen und einfach. Ich denke, dass kulturelle Elemente eine Rolle spielen, psychische ebenfalls (z.B. wuerde ich ein Element von Selbsthass vermuten), aber auch rationale Kosten-Nutzen-Ueberlegungen. Die Palaestinenser haben immer noch den Eindruck, dass Selbstmordattentate ihnen Nutzen bringen.

http://www.amconmag.com/2005_07_18/article.html

44. Lila - Juli 29, 2007, 9:16

Ich würde, in aller Kürze, noch hinzufügen, daß die „Verzweiflung“ (wenn man das Wort als Bezeichnung für die spezifische mentale Reaktion der Palästinenser auf ihre Situation akzeptiert) ohne Zweifel mit dem Nahostkonflikt zusammenhängt. Allerdings nicht so monokausal-schlicht, wie die meisten Leute glauben. „Israel hat die Verzweiflung der Palästinenser verursacht – damit ist Israel am Terror selbst schuld und könnte ihn beenden, so es wollte – damit braucht man keine Empathie an Israel, den wahren Schuldigen, zu verschwenden“. Das habe ich in Variationen Dutzende von Malen gehört…

Wer hat ein Interesse an „verzweifelten“ Palästinensern, die Terror gegen Israel anwenden? Bestimmt nicht Israel selbst. Aber wenn Du Dich mal fragst, wer daran Interesse hat, kommst Du der Antwort vielleicht näher.

Ich stimme Ruth zu, daß die Palästinenser nach wie vor glauben, Selbstmordattentate und Terror zahlen sich aus. Kein Wunder, wenn man sich überlegt, daß sie dafür nie zur Rechenschaft gezogen werden – und wenn wir ihnen die Kosten-Nutzen-Rechnung anders aufsetzen wollen, kommt schon der internationale Aufschrei. Als müßte man die Palästinenser dringendst vor der Einsicht bewahren, daß Terror ihnen mehr schadet als nutzt.

Ich glaube, Dan Shiftan sagt es am treffendsten: niemandem schadet der palästinensische Terror mehr als den Palästinensern. Ich sage ja schon seit Jahren: ohne Terror hätten sie schon längst ihren eigenen Staat. Und so grausam der Terror ist – er wird unseren Staat nicht untergraben. Das wissen die Palästinenser übrigens selbst, sie setzen ihre Hoffnungen eher auf Iran oder Syrien, was die Zerstörung Israels angeht.

Wie kommt es also, daß sich die Einsicht noch nicht durchgesetzt hat, daß der Terror die palästinensischen Nationalbestrebungen nicht etwa gefördert, sondern torpediert hat? Das ist wirklcih eine interessante Frage. Und: die Antwort ist nicht in Israel zu finden, wir spielen da eher eine Nebenrolle.

45. Add a link - Juli 29, 2007, 14:54

beer7, in jedem Handeln spielen kulturelle und psychische „Elemente“ und Kosten-Nutzen-Bewertungen eine Rolle. Jedes Handeln erklärt sich nur aus der Gesamtsituation. Dennoch kann man doch fragen, was bei ähnlichem kulturellem Hintergrund eine spezifische Differenz erklärt, und die Erklärung kann dann nicht in dem geteilten kulturellen Hintergrund bestehen. Daß aber die politische Situation der Palästinenser ziemlich verzweifelt ist, das läßt sich doch kaum übersehen. Darfur ist überhaupt nicht vergleichbar: Wer würde denn gegen Genozid noch auf Terror setzen? Die Lage ist viel schlimmer dort. — Lila weist vielleicht etwas überzeichnend, aber im Grunde zu recht darauf hin, daß der palästinensische Terror selbstdestruktive Züge hat, und Selbstdestruktivität indiziert stets eine hohe Stufe der Konflikteskalation, also einen eklatanten Mangel an Lösungsressourcen. Das gilt für politische Konflikte so gut wie für familiäre etwa. (Und es gilt, am Rande bemerkt, auch für als Selbsthaß beispielsweise verinnerlichte Konfliktsituationen.) Und die normale emotionale Reaktion auf den Mangel an Lösungsressourcen heißt nun einmal nicht Hoffnung, sondern Verzweiflung.

Lila, ja, wer hat ein Interesse daran? — Komm doch nicht mit solchen Andeutungen des Wirkens dunkler Mächte um die Ecke. Als ob alle Welt vom Dämon besessen wäre. Du bist doch selbst nicht so. Warum wir?

46. M - Juli 29, 2007, 15:03
47. Lila - Juli 29, 2007, 15:06

Andeutungen my foot, ich habe leider weder Nerv noch Zeit mich in dieses Thema wieder reinzustürzen.

Ohne Zweifel haben die Palästinenser eine Ausnahmerolle, hat mit Dämonen nichts zu tun und mit Verzweiflung auch nicht. Sie sind manipulierte Manipulatoren.

Von welchem Genozid sprichst Du übrigens???

48. Lila - Juli 29, 2007, 15:08

M, Du wiederholst Dich doch nicht etwa? Natürlich findest Du hier wie überall sonst Leute, die alles mögliche befürworten.

Haben wir Gaza flächendeckend bombardiert, obwohl wir es könnten? Nein.

Frag Dich mal warum. Nein, frag Dich besser nicht warum, es könnte Dein kostbares Weltbild beschädigen…

49. M - Juli 29, 2007, 15:15

Du hast nach diesem Link gefragt, auch wenn es eine Weile her ist.
Jetzt kriegst Du ihn, und das ist kein Grund sich zu beschweren.
Und: was weißt Du von meinem Weltbild?
Ziemlich unverschämte Antwort, Madame.

50. Lila - Juli 29, 2007, 15:34

Du hast mir in einer ganzen Reihe von Kommentaren, M., mehrmals ausführlich oder knapp gesagt, was Du von mir, von Israel und von Rungholt hältst. Du hast Deine Links eingestellt, und ich meine mich zu erinnern, den mit Eliyahu hast Du schon mal gepostet (mag jemand anders gewesen sein, jedenfalls kam er mir bekannt vor). Vielleicht ist Dir auch nicht klar, daß die Oberrabbiner hier keineswegs eine große Rolle spielen.

Und wie gesagt: frag Dich mal, wieso wir trotz unserer prekären Situation nicht so zurückschlagen, wie wir könnten und wie es jedes andere Land schon längst getan hätte.

Daß ich Dir überhaupt noch antworte, liegt nur daran, daß ich relativ gutmütig bin.

51. beer7 - Juli 29, 2007, 15:40

add-a-link

ich empfinde einen inneren Widerspruch in Deinen Ausfuehrungen zur Verzweiflung. Den Schwarzen in Darfur wuerde nicht einmal Terror helfen, d.h. ihnen fehlt mindestens eine „Loesungsresource“, die den Palaestinensern zur Verfuegung steht.

Trotzdem definierst Du Verzweiflung gleichzeitig als die normale Reaktion auf den Mangel an Loesungsresourcen und als die Erklaerung von Terror?

52. willow - Juli 29, 2007, 15:55

Synchronicity… gerade bei den „Waisen von Zion“ (die kenne ich noch nicht lange, aber die scheinen ziemlich „witzig“ zu sein…) gefunden:

„Da wird von humanitären Katastrophen und Menschenrechtsverletzungen im Sudan, in Zimbabwe oder Kuba gesprochen – doch über das schlimmste Desaster der Gegenwart schweigt man, nämlich Gaza!“

hier der ganze Beitrag: http://www.it-is-out.com/Blog/index.php

53. Add a link - Juli 29, 2007, 16:14

Lila, Sätze wie „Aber wenn Du Dich mal fragst, wer daran Interesse hat, kommst Du der Antwort vielleicht näher“ oder sind offenbar nur als Andeutung zu verstehen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Kannst Dich ja mit den Verschwörungstheoretikern von links und rechts zusammentun, sorry. Den Genozid in Sudan hatte beer7 ins Gespräch gebracht.

Es ist kein Widerspruch, beer7, zu sagen, die Lage der Schwarzen in Darfur sei verzweifelter als die der Palästinenser. Man kann nur daraus nicht schließen, die Lage der Palästinenser sei nicht verzweifelt. — Im übrigen scheinst Du einem grundsätzlichen Mißverständnis über die Rolle der Zuschreibung von Gefühlen in der Erklärung von Handlungen zu unterliegen. Wenn Person A Person B aus Liebe einen Ring schenkt und Person C Person D ebenso liebt, muß Person C Person D noch lange keinen Ring schenken. Die Gültigkeit der Erklärung „aus Liebe“ hängt nicht daran, daß jeder Liebende dasgleiche täte, und ebenso ist es mit anderen Gefühlen. Es wird jeweils nur ein kritisches Element der Situation fokussiert und keine monokausale Erklärung vorgeschlagen.

54. Lila - Juli 29, 2007, 16:16

Waaaah, ich hab keine Zeit, die Deadlines brennen!!

Add a link, hübsch utnerscheiden zwischen
1. verzweifelter Lage
2. verzweifelten Menschen.

Ist nicht dasselbe.

Verzeiht mir, ich muß ein paar Deadlines löschen….

55. beer7 - Juli 29, 2007, 16:33

add-a-link

also Deine „einfache“ Erklaerung (auf die Einfachheit hattest Du Dir doch etwas zugute gehalten) ist nicht monokausal, sondern focussiert nur das kritische Element.

Und wer definiert, was kritisch ist und was nicht?

Tut mir leid. Mir scheint, das Argument „Verzweiflung“ bringt uns niccht weiter.

56. Add a link - Juli 29, 2007, 17:43

Ach nee, Lila, wirklich.
beer7, wesentlich ist natürlich die Perspektive der Frage. Hier ging es um die Unterstützung von Selbstmordattentätern in der palästinensischen im Kontrast zu anderen muslimischen Gesellschaften. Und historische Erklärungen können niemals monokausal sein. Dennoch sollen sie möglichst einfach und nicht umständlich konstruiert sein. Einfachheit bemißt sich hier nicht an der (wohl stets unendlichen) Zahl von „Faktoren“. Woran dann? Keine leichte Frage. Und dennoch weiß jeder, daß „er schenkte ihr den Ring aus Liebe“ eine einfachere Erklärung ist als „er wollte ihr seine Liebe vortäuschen, um sie dazu zu bewegen, ihm Zugang zu den Akten zu verschaffen usw.“ Wenn wir nur wissen, daß ein Mann einer Frau einen Ring schenkt, haben wir keinen Grund zu der zweiten Annahme, während die erste natürlich ist.

57. Lila - Juli 29, 2007, 18:09

Na ich werde ja hier heute gründlich abgewatscht. Ganz klar: eine Verschwörung.

Add a link. Die Lage der Palästinenser würde ich so charakterisieren: sie verschlechtert sich von Runde zu Runde. Jedesmal wenn die Palästinenser sich in eine neue Runde ihres Kampfs begeben, verlieren sie etwas. Dabei wird ihre Entschlossenheit, auch in die nächste Runde zu steigen, nur noch stärker. Ich verstehe es nicht ganz, denn so selbst-destruktiv kann doch niemand sein? Anscheinend doch.

Die Angebote, die die Palästinenser schon hohnvoll ausgeschlagen haben, werden sie nie wieder bekommen. Jedesmal ist das Erreichbare kleiner, die Rhetorik aber nach wie vor gewaltig. Ich weiß nicht, so wie es heute aussieht, kann es gut sein, daß niemand mehr wirklich damit rechnet, daß sie einen Staat bekommen. Und wenn: wie sollte der verwaltet, organisiert, lebensfähig erhalten werden? Was gibt uns, die wir an einem stabilen Nachbarn interessiert sind, irgendwelche Hoffnung?

Ich weiß, daß es auch hier Leute gibt, die daran interessiert sind, die Palästinenser zu destabilisieren. Streite ich gar nicht ab. Aber wer unser Interesse wirklich im Auge hat, wünscht sich nichts sehnlicher als Stabilität und Zukunft für die Palästinenser, damit man endlich mal zu anderen Tagesordnungspunkten übergehen kann!

Doch wer Israel vernichten will, und es gibt durchaus Staaten bzw Bewegungen, die es damit ernst meinen, der ist froh, die Palästinenser als jederzeit scharfe Waffe in der Hand zu haben.

Wirklich, ich hab das schon so oft hingeschrieben, daß an meinen Andeutungen nichts nichts geheimnisvolles mehr ist! Ich bin die Sphinx ohne Geheimnis, wirklich.

Bestimmt hätten wir an verschiedenen Kreuzungen der Vergangenheit klüger handeln können – ebenso wie alle anderen Regierungen macht auch die israelische Fehler, versäumt Chancen. Aber unsere Versäumnisse, Fehleinschätzungen etc wiegen leicht im Vergleich mit der eisernen Entschlossenheit, einen Staat Israel nicht aufkommen zu lassen und zu diesem Zwecke die Palästinenser in einer möglichst verzweifelten Lage zu lassen.

Lies mal die Charta der Fatach, die ich neulich verlinkt habe. Oder die BEschlüsse von Khartoum, wenn Du Dir Illusionen machst über unseren Handlungsspielraum.

Die Palästinenser sind Geisel von Staaten, die ganz andere Interessen haben als das Wohlergehen der Palästinenser. Da aber für die brutale Instrumentalisierung dieses Volks immer Israel als Buhmann taugt, richtet sich der mörderische Haß gegen uns. Ich würde das nicht Verzweiflung nennen, sondern Haß. Ohne Haß kann kein Selbstmordattentat begonnen werden. Blinder Haß.

Die Mörderin von Noia Zer Aviv hat am anderen Tisch gesessen! Sie hat die Familie gesehen. Hat gesehen, daß Noia noch aus der Flasche trinkt. Und hat sie samt Bruder, Oma und Eltern draufgehen lassen. „In den Tod gerissen“, wie es so poetisch heißt. Ein solches Verbrechen begeht man nicht aus Verzweiflung, sondern aus Haß. Fanatismus. Sonstwas. Die übriggebliebene Schwester, die ist verzweifelt.

Die Motive der Mörder und derer, die sie losschicken, sind nicht einfach auf „Verzweiflung“ zu reduzieren. Wer verzweifelt ist, per definitionem, erhofft sich nichts mehr. Doch die Palästinenser erhoffen sich mit dem Terror etwas. Das steht sogar in dem Artikel selbst drin, daß Terror manchmal zur Erreichung von Zielen gerechtfertig ist. Sie setzen ihn als Instrument ein. Wer Instrumente einsetzt, wer etwas erreichen will, der ist nicht verzweifelt. Verzweiflung ist end of the road.

So einfach ist das. Nein, es ist viel komplizierter, aber so ungefähr.

(Die echte Tragödie liegt ja darin, daß der Terror sie von ihrem angeblichen oder echten Ziel nur weiter abbringt, s.o. Angebliches Ziel: Errichtung eines eigenen Staates neben Israel. Echtes Ziel: endgültige Zerstörung Israels und Errichtung eines Staats auf dessen Boden)

Und off topic. Das Thema Liebe und Ringe scheint Dich sehr zu beschäftigen. Komm, add a link, erzähl uns Dein Geheimnis, wir sagen es auch niemand weiter 😉 Du kennst uns doch.

Und dann: niemand wird einen Film oder Roman mit Plot I, Ring, Liebe, fertig-aus, wirklcih spannend finden. Das menschliche Hirn liebt Plot II mit allen Twists und Turns viel mehr.

Kannst Du nichts gegen machen.

Und im Leben, ach Gott, wie oft ist der Zusammenhang zwischen Ring und Ringfinger von viel komplizierteren Vorgängen bestimmt als einfach Liebe, fertig-aus. Frag mal einen Paartherapeuten…… oder Scheidungsanwalt.

58. Add a link - Juli 29, 2007, 22:57

Und dennoch, Lila, wird man Zeichen brauchen, um anderes zu sehen als Liebe.

Natürlich ist der Terror die letzte Hoffnung, da ist doch kein Widerspruch. Soweit muß man ja erst einmal kommen.

Habe ich vielleicht schon einmal Lisa Goldman und Imaan, die Schwedin, zitiert, die es einige Monate in Gasa ausgehalten hat? Imaan: „… even though his face was red from anger his eyes were MOST OF ALL filled with hopelessness.“ Lisa: „I know exactly what you mean. I saw that look in the eyes of many Gazans.“
http://living-in-gaza.blogspot.com/2006/02/meanwhile.html
Lisa verlinkt noch ein Foto, das sie geschossen hat (Flickr, sorry):
Hamoudi

Können wir dieses Thema damit schließen?

59. beer7 - Juli 30, 2007, 10:55

Wenn ich noch einmal auf einen eigenen Text samt den Kommentaren verweise, wird mir das bestimmt wieder als Eigenwerbung ausgelegt.

Ich waere bei Imaan ganz vorsichtig, ob sie nicht mehr oder weniger bewusst Propaganda verbreitet und mein Misstrauen bezieht sich gerade auf die Interaktion zwischen ihr und Lisa:

http://beer7.wordpress.com/2007/02/12/ein-gewisses-unbehagen/#comments

60. Thomas - Juli 31, 2007, 12:53

@beer7
Wenn du mal aus deinem Theorieuniversum in die Reale Welt eintauchen würdest, dann würdest du verstehen wieso man wenn man in Gaza gelebt hat nicht mehr normal auf Juden zugehen kann.

Genauso ist es wenn man in Sderot Lebt. Ich habe da letztens im Internet etwas über eine Frau gesehen die jetzt die Palästinenser zu tode hasst. Das sind ganz normale Menschliche Gefühle wenn man in so Extremen Gegenden wie Gaza oder Sderot lebt.

61. Lila - Juli 31, 2007, 13:51

Thomas – Sderot ist keine extreme Gegend. Sderot ist einfach eine Grenzstadt wie Aachen oder Konstanz. Erst wenn die Nachbarn anfangen zu schießen wird so eine Stadt „extrem“.

Und der Gazastreifen – hast Du Dir mal seine Geschichte angeguckt? Die Palästinenser bzw arabischen Bewohner des Gazastreifens haben konsequent jede Möglichkeit ausgeschlagen, ihr Los zu verbessern. Das letzte Mal bei der Wahl der Hamas, das vorletzte Mal nach der Räumung vor zwei Jahren.

Weißt Du übrigens, wo Beersheva ist? (7 heißt sheva) Hauptstadt des Theorie-Universums würde ich es kaum nennen, wirklich. Ich bin nicht sicher, ob Dein Wohnort, wo immer er auch sein mag, unbedingt einen realistischeren Blick auf die Realitäten des Nahostkonflikts gibt als Beersheva.

Und Du hast im Internet letztens was gesehen über eine Frau, die seit Jahren von den Palästinensern beschossen wird und diese jetzt tatsächlich haßt? Ich bin schockiert, wirklich. Du willst mir sagen, daß diese Israelin sich tatsächlich daran stört, seit Jahren von Qassam-Raketen beschossen zu werden? Unmenschliche Tiere, diese Israelis.

Doch im Ernst: ich weiß nicht, wieso ein Einwohner des Gazastreifens Grund hat, Israel zu hassen. Es wäre an der Zeit, sich mal gründlich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern, statt Geld, Zeit und Energie in Qassamraketen zu verpulvern. Wirklich, wenn die Palästinenser sich mal der Entwicklung der eigenen Infrastruktur mit derselben Hingabe widmeten, ginge es ihnen viel besser.

62. willow - Juli 31, 2007, 13:57

Tja, aber klitzekleine Unterschiede gibt es dann doch:

Auch in Sderot werden die meisten Menschen – nachdem sie etwas emotionalen Abstand gewonnen haben, versteht sich – nicht pauschal „die“ Palästinenser zu Tode hassen. Selbst bei vielen Angehörigen von Terroropfern findest du diesen Hass nicht. Das sieht im Gaza dann doch deutlich anders aus. Und der zweite Unterschied ist, daß die Bewohner des Gaza mehrmals die Chance hatten, ihre Lebensumstände zum Guten zu verändern.

Ein bissel wie beim Elternmörder, der um Milde bittet, weil er doch Vollwaise ist….

63. willow - Juli 31, 2007, 13:58

Synchronicity, mal wieder… 😉

64. Rita - Juli 31, 2007, 14:59

Ganz ehrlich und unter uns, die Leute wuerden sich prima verstehen, wenn wir die Politik abschaffen koennten.
Im Grunde moechte jeder nur in Frieden leben, und wenn es den Menschen gut geht, und sie etwas zu verlieren haben, fangen sie keinen Krieg an.
Wir sollten ganz einfach viel mehr miteinander in Beruehrung kommen und viel mehr diskutieren – die Waffen abschaffen und uns auf die humanen Werte besinnen.
Es geht auch anders…. ich bin fest davon ueberzeugt, und ich lebe schon seit 20 Jahren in Israel, bin Deutsche, habe zwei Kinder und bin dennoch von der Einstellung her immer noch offen geblieben fuer beide Seiten.

65. beer7 - Juli 31, 2007, 15:03

Thomas,

ein bisschen witzig finde ich ja schon, dass Du mir nicht zutraust, die Lage in Sderot und in Gaza angemessen zu beurteilen. Du duerftest sehr viel weiter weg vom Schuss sein als ich.

Bis vor ein paar Jahren fuhren wir regelmaessig zum Strand von Sikkim (neben Sderot), das sind 45 Autominuten und der naechste Zugang zum Meer von uns aus. Warum haben wir wohl damit aufgehoert?

Vor drei Jahren arbeitete ich bei einer Firma, mein Buero war in Ashdod, aber eine der beiden Fabriken lag in Sderot und ich war regelmaessig dort. Die Frau meines jetzigen Chefs arbeitet in Sderot. Mein Mann hat gerade ein Arbeitsangebot mit deutlicher Gehalts- und Statusverbesserung abgelehnt, weil es in Sderot waere.

Wie kommst Du eigentlich auf die Idee, mein Universum sei eines der Theorie?! Gerade weil die alltaeglichen Auswirkungen der Lage zu unuebersehbar sind, versuche ich zu verstehen. Theorien sind ein Hilfsmittel beim Denken und Verstehen.

66. beer7 - Juli 31, 2007, 15:06

Rita,

das klingt sehr oberflaechlich. Was ist Politik eigentlich in Deinem Verstaendnis? Koennte das abgeschafft werden?

Hast Du Dich mal bei einem Verein engagiert oder in einem anderen Verband oder in einer Firma versucht, etwas durchzubringen?

67. Lila - Juli 31, 2007, 15:06

Ruth, vielleicht hat Thomas ja gedacht, Dein Nick leitet sich von Deiner Gewohnheit her, jeden Abend sieben Bierchen…???

68. Lila - Juli 31, 2007, 15:07

Rita – Waffen abschaffen und diskutieren? Du und ich – ja gern. Hanija und ich – na, ich weiß es nicht….

69. beer7 - Juli 31, 2007, 15:08

dabei muesste man nur einmal auf meinen Nick klicken und haette gleich die Adresse! Vorurteile sind anscheinend so bequem, dass man sie keinem Risiko durch Wissen aussetzen darf!

70. beer7 - Juli 31, 2007, 15:22

Schon ein bisschen aelter, aber ich wuerde diesen Text von Saul Singer gern empfehlen zum Thema: „im Grunde moechte jeder nur in Frieden leben“.

http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1171894494975&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

71. Thomas - August 7, 2007, 12:51

@Lila
Ich glaube du brauchst mal Urlaub von Kritischen Themen.Du fasst alles nur noch Negativ auf. Kann sein das ich mich in der kurzen Mittagspause unverständlich ausgedrückt habe. Aber für mich ist es selbstverständlich als Mensch wenn ich einen Bombenangriff überlebt hätte die andere Seite zu hassen. Zumal die Frau das erlebte ja auch nicht richtig verarbeiten kann da die Bomben immer noch auf Sderot fallen. Das hat nichts mit Tieren oder anderen Sachen zu tun, sondern ist einfach Menschlich. Kein Mensch differenziert so wie all die Gutmenschen hier. Um es kurz zu sagen, die Frau tat mir einfach nur leid.

Genauso Leid tun mir die Palästinenser im Gazastreifen. Sie werden kollektiv für das Verbrechen von verrückten die nicht eingesehen haben das Sie den Kampf sowieso nicht mehr gewinnen können bestraft.

@beer7
Wie komme ich darauf das du Theoretikerin bist?
Ich habe deinen Blog gelesen und teilweise Phrasen gelesen die mich einfach mächtig wütend und sauer gemacht haben. Diese beinhaltenden teilweise so Menschenverachtende Ansichten, das ich einfach angenommen habe das du Theoretikerin sein musst. Denn ein Planungsstab muss ja auch alle möglichen Situationen durchspielen. Von ganz Links bist ganz rechts, auch wenn einige nie zu treffen würden. Auch sprichst du immer wieder von Palästinensichen Narrativen. Was ist das?, bzw. wo kann man sich schlau machen und welchem Narrativ hängst du an? Nur weil du in der nähe von Sderot wohnst, macht das dich noch lange nicht zur Nahost-Expertin. Ich selber bin auch kein Experte aber mit meinen Theorien nicht so abgespaced wie du. Ohne es jetzt böse zu meinen, lies dir doch einfach mal deine Textlavinen durch und frag dich mal ob ein Leser wie ich aus Frankfurt/Main danach schlauer geworden ist, oder ob er einfach nur viele inhaltsleere Wörter gelesen hat.

72. beer7 - August 7, 2007, 13:50

Thomas,

ich brauche meine Texte nicht extra noch einmal zu lesen, da ich sie ja schreibe und korrekturlese.

Tatsaechlich schreibe ich nicht fuer jedermann, sondern vor allem fuer mich selber. Kann gut sein, dass mein Blog nichts fuer Dich ist.

Da kann man nichts machen…

Ich habe mich uebrigens nirgends als Expertin bezeichnet, weil ich hier wohne. Ich bezeichne mich ueberhaupt nicht als Expertin. Dass ich wesentlich mehr Ahnung habe als Du, wuerde ich trotzdem annehmen. Und nicht, weil ich in Israel lebe, sondern weil ich versuche, umfassend zu informieren.

73. Lila - August 7, 2007, 14:10

Thomas, ich weiß nicht, was Du damit meinst, daß ich alles nur noch „Negativ“ auffasse. Ich differenziere eben.

Die Palästinenser im Gazastreifen tun mir auch leid. Sie werden nicht kollektiv bestraft – sie kriegen von uns sogar noch die Elektrizität umsonst, obwohl sie sich schon längst auf den Aufbau einer Infrastruktur hätten konzentrieren können, statt nur auf das Basteln von Waffen aller Art. Sie hätten sowohl von Israel als auch von internationalen Hilfsorganisationen alle Hilfe dazu bekommen. Aber es ist bequemer, sich zu beschweren und alle Verantwortung abzuwälzen.

http://news.bbc.co.uk/2/hi/talking_point/6929360.stm

Genau dasselbe ist wahr in Hinsicht auf ihre Wahl der Hamas. Die Hamas hat genau gesagt, was sie will. Und sie ist gewählt worden. Wie wäre es denn mal, wenn die Palästinenser für ihre Entscheidung die Konsequenzen tragen würden, und versuchen würden, das Beste draus zu machen? Da ginge es ihnen schon viel besser. Sie haben die Hamas gewählt.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25598/1.html

Daß die Israelis allgemein nicht die Neigung haben, von Haß und Gram zerfressen anzugreifen, siehst Du auch an dieser Meldung:

http://www.welt.de/politik/article1078411/Israelis_schiessen_mit_Eiern_und_Tomaten_zurueck.html?page=1#article_readcomments

Israelis schießen zurück – aber mit Eiern und Gurken.

Ich erinnere auch an den Karikaturen-Wettbewerb, den ein Jude als Reaktion auf das Karikaturen-Spektakel der Moslems ausgerufen hat – nicht etwa mit Karikaturen, die Moslems, sondern die Juden aufs Korn nehmen. Juden und Israelis reagieren so – und ich finde, das könnte ruhig mal gewürdigt werden. Ein bißchen Galgenhumor und Gelassenheit hat noch niemandem geschadet.

Das Bild der armen, armen Palästinenser ist so nicht korrekt.

http://jungle-world.com/seiten/2007/31/10337.php

Sie wissen ganz gut, was sie tun. Selbstmordattentate sind bei ihnen allgemein anerkannt als Mittel zum Zweck. Es mag sein, daß Du uns krummnimmst, sie daran zu hindern, ihre Zwecke per Terrorismus durchzusetzen. Tut mir sehr leid.

Übrigens erinnert mich das Beharren der Palästinenser, mit Blut und Gewalt, wie in ihrem geliebten Lied, „Palästina zu befreien“, an einen Menschen, der partout durch die Wand will. Neben ihm ist eine Tür, die er öffnen könnte – er müßte nur den Knauf drehen und die Tür öffnen. Aber er versucht es partout durch die Wand.

Da kann er dir leidtun, weil er furchtbare Beulen am Kopf hat – auch der Wand tut das nicht gut.

Die Tür ist trotzdem noch da, und sie ist gar nicht schwer zu öffnen. Doch sie führt vielleicht nur zu einem Teil des Hauses, und der Mann will das Ganze?

Jedenfalls, Thomas, zwingt Dich niemand, mein oder Ruths Blog zu lesen. Es ist nett, daß Du Dir die Mühe machst zu kommentieren, aber wenn Du Ruth etwas zu sagen hast, solltest Du das bei ihr machen und nicht hier. Deine Annahme, daß menschenverachtende Ausnahmen per se auf Theoretiker hinweisen, finde ich gewagt.

Ich weiß nicht, ob Du bloggst. Aber ich kann Dir verraten, daß die meisten Blogger nicht für ein Publikum schreiben. Sondern für sich selbst. Ich weiß es von mir selbst, aber auch von anderen. Wenn die Motivation von außen kommt, dann hört man irgendwann auf. Wenn man aber schreibt, um sich was von der Seele zu schreiben, dann bleibt man auch dran.

Ich bin gar nicht an hohen Zugriffszahlen und vielen Lesern interessiert. Ich verstumme eher, wenn die Zugriffszahlen zu hoch werden. Dann halte ich eine Weile den Mund, bis die Zahlen, wie jetzt, ganz niedrig werden. Ich denke beim Schreiben gar nicht daran, daß wirklich hinterher jemand das liest.

74. willow - August 7, 2007, 17:40

Nur weil du in der nähe von Sderot wohnst, macht das dich noch lange nicht zur Nahost-Expertin….

Wer sollte denn dann fundiert etwas zur Lage in Sderot schreiben können? Bettina Marx!? Du bist irgendwie der Meinung, durch die deutsche Nahostberichterstattung besser informiert zu sein als die „bösen Zionisten“ vor Ort. Ich denke einfach, „Anwohner“ können die Stimmung „vor Ort“ durchaus besser einschätzen. Du solltest bedenken, daß „unsere“ Medien fast nur den „bösen“ Israeli zeigen, also den Fanatiker, den Krieger, den Hassenden … gute, „normale“, menschliche Israeli kommen in unseren Nachrichten kaum vor, naja, bis auf Uri Avnery vielleicht.

Was genau findest du denn bei Ruth so menschenverachtend? Daß sie sich keine Illusionen über die Pläne der Hamas oder der Hisbollah macht?

Du findest hier viele Israeli, die das Leid „der Palästinenser“ sehr bedauern. Die aber vor allem bedauern, daß die durch Propaganda verblendeten Palästinenser keine Chance auf einen Fehler auslassen.

Wenn du etwas suchst, findest du viele Angehörige von Terroropfern die gerade nicht Vergeltung fordern. Hast du schon eine palästische Stimme gehört, der die Bewohner von Sderot einfach nur Leid tun?


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