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Guy Bechor zum Thema Wikileaks November 29, 2010, 8:00

Posted by Lila in Uncategorized.
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Frei zitiert, ich schreibe mit.  (Frühstücksfernsehen, Arutz 2, gönne ich mir heute mal)

 

„Israel kommt bei den Dokumenten relativ gut weg, weil Sachen veröffentlicht werden, die wir immer schon behauptet haben. Israel ist eine offene Gesellschaft und unsere Politiker und Diplomaten sind offen bis zur Indiskretion. Niemand ist überrascht, daß Israel die Exil-Iraner unterstützt und die iranische Nuklearbewaffnung fürchtet.  Was ist daran neu?

 

Wer wirklich peinlich berührt sein muß, das sind die arabischen Staaten, die gewohnheitsmäßig mit doppelter Zunge sprechen. Sie sagen intern das Eine und nach außen das Andere. Ich sage das seit Jahren, wie alle meine israelischen Kollegen: alle lügen, wir sagen die Wahrheit. Das war auch immer unser Problem mit den Palästinensern. Wir wissen diese ganzen Enthüllungen seit langem, wir sind kein bißchen überrascht, daß die Saudis einen militärischen Schlag gegen den Iran sehen wollen. Bisher hat uns niemand außerhalb von Israel geglaubt, vielleicht glaubt es ja jetzt jemand?“

 

Ich höre immer gern Guy Bechor, denn er ist Optimist, und das ist tröstlich. Tatsächlich sind Veröffentlichungen wie dieses Dokument und dieser Bericht für Israel eine Bestätigung dessen, was wir schon wissen. Daß viele Araber zwischen Iran und Israel letzteres vorziehen, überrascht hier niemanden.

 

Ein paar interessante Zitate sind auch dabei.

Der Amir von Qatar:

 

4. (C) The Amir cautioned that the Syrians will not accept everything the U.S. proposes, stressing that the Israeli occupation of the Golan Heights continues and that the return of this land to Syria is paramount for Damascus. The Amir observed that the „Syrians have lost confidence in the U.S. and that the Israelis now have the upper hand in the region because of the support of the United States.“ The Israeli leaders need to represent the people of Israel, who themselves do not trust Arabs. The Amir said this is understandable and „we can’t blame them“ because the Israelis have been „under threat“ for a long time.

5. (C) What has changed, continued the Amir, is that Arabs „for sure“ now want two states — Israel and Palestine. When you consider that many in the region perceive that Hizballah drove Israel out of Lebanon and Hamas kicked them (at least initially) out „of the small piece of land called Gaza,“ it is actually surprising that the Israelis still want peace. The region, however, is still „far away“ from peace, concluded the Amir.

 

Interessante These.

 

Guy Bechor kommt wieder zu Wort:

 

„Man sieht auch deutlich, daß das palästinensische Problem überhaupt nicht relevant ist. Die anderen arabischen Sprachen leisten nur Lippendienst, wenn sie für die Palästinenser sprechen. Was sie wirklich bewegt, sind ganz andere Fragen. Niemanden kümmert es wirklich, was mit ihnen geschieht. Und ob es einen Staat Palästina gibt oder nicht, ändert an der Realität im Iran gar nichts. Und darum interessiert es auch niemanden. Das ist alles nur Rhetorik. Die Wikileaks-Dokumente sind ehrlich, das ist die reale Welt, in der die Palästinenser keine Rolle spielen.“

 

Daß Mubarak Netanyahu als charmant und zungenfertig bezeichnet, aber bemängelt, daß dieser seine Versprechen nicht einhält, überrascht hier niemanden. Auch die harsche Kritik an unserer politischen Trauma-Troika zur Zeit des letzten Kriegs, Olmert, Peretz und Livni, die weder miteinander arbeiten noch auskommen konnten, ist vollkommen gerechtfertigt.  Daß der amerikanische Botschafter das sah und nach Washington berichtete, ist doch wohl seine Aufgabe.

 

Daß Barak vor der Aktion „gegossenes Blei“ versucht hat, sich mit der Fatach und Ägypten abzusprechen, diese aber abgeblockt haben, reißt auch niemanden vom Hocker. Selbstverständlich geht man nicht in so eine Aktion rein, ohne sich ein politisches Ziel zu setzen.  Ob ein künstlich und mit Gewalt herbeigeführter Umsturz in Gaza auf Dauer gut und fruchtbar gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln, und verstehe die Zurückhaltung der Ägypter. Abgesehen davon, daß sie sich in der Welt der doppelten Zunge nicht leisten können, allzu offen zu zeigen, daß sie mit Israel zusammenarbeiten.

 

Daß die Welt sich Sorgen um die Türkei macht, ist ebenfalls old news. Die Türkei hat sich verändert, sie wird mächtiger und nähert sich dem Iran stetig an.

 

Der Rote Halbmond hat Waffen geschmuggelt – na, da sperren wir vor Überraschung Mund und Augen auf, wer hätte das gedacht? Es ist geradezu lächerlich, wie deutlich diese Dokumente zeigen, daß israelische Einschätzungen realistisch sind.

Wie nehmen die deutschen Medien mit ihrem großen Interesse für den Nahen Osten die Wikileaks-Informationen aus dieser Gegend wahr?

 

Ich hoffe, Bechor hat Recht (wie so oft) und es erweist sich als Segen, daß ein paar Sachen jetzt auf dem Tisch sind.  Um es mit Yaakov Katz´Worten zu sagen:

 

“If only we could say publicly what we hear behind closed doors,” Israeli officials would comment, following off-record talks they held with Arab leaders throughout the Middle East.

Well, now they can.

Kommentare»

1. mibu - November 29, 2010, 9:46

Die Reaktion, die beim Spiegel über die Einschätzungen unserer Politiker gelesen habe, laufen darauf hinaus: was ist daran nun neu, eher beruhigend, dass die amerikanischen Diplomaten unsere Politiker etwa so einschätzen wie wir’s selbst auch tun, nix wirklich neues …
Ich bezweifle, dass es die deutsch-amerikansischen Beziehungen wirklich belasten kann, auch wenn’s für’s diplomatische Personal damit in nächster Zeit nicht leichter wird.
Interessanter wird die Sache schon bei der Einschätzung der türkischen Regierung, wobei auch dort die Reibungspunkte längst bekannt sind. Aber es zeigt sich, dass in nächster Zeit die USA wohl eher weniger Druck auf die EU hinsichtlich eine Aufnahme der Türkei machen werden. Das Vertrauen hat unübersehbare Risse bekommen.
Für arabische Staaten ist die Situation wahrscheinlich am schwierigsten, allerdings aus deren Perspektive betrachtet auch nicht wirklich überraschend. Eine dominierende Militärmacht oder gar Atommacht Iran ist ein existentielles Risiko für diese Staaten. Interessanterweise kann unter Umständen auch Iran mit Ärger rechnen: Hilfsflüge des roten Halbmonds zur Hälfte mit Militärhilfe für die Hezbollah vollzustopfen kann nicht wirklich im Interesse Libanons sein.
Meinem Eindruck nach reagieren die USA etwas zu dünnhäutig auf den Wikileaks-Zirkus, zumal diese Veröffentlichungen durchaus auch kritisch diskutiert werden.

2. ekattwinkel - November 29, 2010, 12:14

Liebe Lila, ich habe in meinem Blog einen kurzen Beitrag mit Link hierher veröffentlicht, weil ich dazu beitragen möchte, dass mehr Menschen in Deutschland diese wichtigen Informationen lesen. Wie immer Dank für Deine Arbeit!LG E.K.

3. Annika - November 29, 2010, 12:55

Ach, das mit den Politiker-Einschätzungen ist doch eher ein netter Gag. Die interessanten Infos sind woanders. Unter anderem die von dir, Lila, zitierten Sachen. Wobei du nicht voraussetzen darfst, dass jeder in Europa/den USA sich mit dem Thema so gut auskennt wie du. Die Geschichte mit dem Roten Halbmond zum Beispiel hat mich persönlich schon überrascht.

4. Malte S. Sembten - November 29, 2010, 16:14

Nun, ich habe den heutigen „Spiegel“ bisher nicht gelesen, aber ich möchte wetten, dass vieles von dem, was Lila hier schreibt (Waffenschmuggel durch den Roten Halbmond, etc.) von deutschen Medien NICHT „enthüllt“ wird. Bei „Geheimdokumenten“, die Israel bestätigen, wird der Wunsch nach Geheimhaltung selbstredend respektiert.

5. yael1 - November 29, 2010, 16:53

Zumindest wird schon über die arabischen Länder berichtet:

Die arabischen Regime sind nach dem jüngsten Wikileaks-Coup in eine Art Schockstarre gefallen. Denn die von der Internet-Plattform Wikileaks publizierten Dokumente der Diplomaten ohne Maulkorb sind für sie nicht nur peinlich, sondern zum Teil auch politisch brandgefährlich.

http://www.welt.de/politik/ausland/article11286540/Wikileaks-Enthuellung-ist-fuer-Araber-brandgefaehrlich.html

6. Lila - November 29, 2010, 16:58

Es ist wohl vermessen zu hoffen, daß dem durchschnittlichen deutschen Zeitungsleser mal der Gedanke kommt, wie schwierig es für Israel ist, mit Leuten zu verhandeln, die zwei vollkommen unterschiedliche Diskurse (hier paßt das Wort vielleicht mal) gleichzeitig führen?

Wer zwischen den Zeilen lesen konnte, für den sind diese wahren Positionen der arabischen Poltiker keine Überraschung.

Es wäre schön, wenn sie ihre Völker mal aufklären und mit der Wahrheit konfrontieren würde, statt sie mit Lügen und Beschwichtigungen und ewiger Hetze gegen Israel zu füttern. Das erweist sich heute als Bumerang.

ETA: Oh, Bibi und ich einer Meinung – das muß gefeiert werden.

The documents revealed, among other things, that many Arab leaders called on the United States to attack Iran. „If the exposure causes the region’s leaders to refrain from saying what they think in private talks, then we have a problem,“ Netanyahu said.

„But if the leaders make the statements publically there will be a significant change. When leaders are willing to tell their people the truth it promotes peace.“ The prime minister added that „peace based on truth has a lasting chance.“

7. Silke - November 29, 2010, 17:32

Tja, hat jemand dem deutschen Leser berichtet, daß Abbas den Mufti hat hochleben lassen?

„We must also recall the outstanding [early] leadership of the Palestinian people, the Grand Mufti of Palestine-Haj Mohammed Amin al-Husseini, who sponsored the struggle from the beginning, and sponsored the struggle and displacement for the cause and died away from his home.“
http://elderofziyon.blogspot.com/2010/11/new-abbas-poster.html

lt. dem Elder hat der Teil ja sogar in der englischen Übersetzung des Artikels gefehlt – honi soit …

8. yael1 - November 29, 2010, 17:58

Abbas hat schon in seiner Dissertation die Gaskammern und Vernichtungslager geleugnet und von einer Million toter Juden geschrieben. Das ist eigentlich alles bekannt, nur keiner will es wirklich wissen.

http://www.zionismus.info/antizionismus/arabisch-10.htm

9. Anne - November 29, 2010, 23:12

Herrlich, die öffentliche Entlarvung dessen, was man zum großen Teil schon durch genaues Hinsehen und genaues Lesen und Zuhören hätte wissen können.

10. Lila - November 29, 2010, 23:22

Und was sagen deutsche Kommentatoren zu diesen Sachverhalten:

Secret documents leaked by the controversial Web entity WikiLeaks say Iran used ambulances to smuggle weapons into Lebanon during Hezbollah’s 2006 war with Israel.

Wird sich jetzt jemand für die Verdammungen entschuldigen, die wir uns eingefangen haben, wenn wir Krankenwagen, die mit Waffen vollgestopft waren, beschossen haben?

(Genaueres bei IsraelMatzav)

11. yael1 - November 30, 2010, 17:12

Auch sehr interessant:

Es ist nicht die einzige Enttäuschung der Amerikaner: So versprach ihnen Syriens Präsident Baschar Assad, Libanons Hisbollahmiliz nicht mehr hochzurüsten. Eine Depesche hält jedoch fest, dass Damaskus nur eine Woche später die Waffenlieferungen an die Hisbollah nur intensivierte.

Manche Depeschen porträtieren Israel zwar als Panikmacher, der Washington mit voreiligen Warnungen zum Handeln treiben will. So warne Israel seit den neunziger Jahren, dass Teheran „schon bald“ eine Atombombe besitzen könne. Israels Geheimdienstchef Meir Dagan ging sogar so weit, den USA einen fünf Stufen Plan zum Sturz des iranischen Regimes zu unterbreiten.

Aus der Mehrheit der bisher veröffentlichten Depeschen geht jedoch hervor, dass Amerikas Sichtweise sich weitgehend mit der israelischen deckt. So teilt auch Washington die Sorge vor islamistischen Tendenzen der Türkei, deren Verlässlichkeit zunehmend fraglich sei und deren Außenminister Ahmet Davutoglu sogar als „besonders gefährlich“ eingestuft wurde. Das iranische Rüstungsprogramm sei nach der Lieferung fortschrittlicher nordkoreanischer BM-25 Raketen nicht mehr nur für die Region, sondern auch für Westeuropa eine existentielle Gefahr.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kleine_luegen_unter_freunden/

12. Stoff für’s Hirn! « abseits vom mainstream – heplev - Dezember 11, 2010, 19:34

[…] verschickt und David Harnasch hat’s auf der Achse des Guten eingestellt. Und Lila hat mehr darüber […]


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