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False friends und andere Mai 27, 2008, 22:08

Posted by Lila in Ivrit, Uncategorized.
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nennt man Worte einer Fremdsprache, die man zu kennen glaubt, wei sie der eigenen Muttersprache ähnlich sind. Aber dann bedeuten sie doch was anderes.

In unserer beliebten Serie „israelischer Slang für Anfänger“ möchte ich mich heute einigen beliebten Worten widmen, die an deutsche Worte erinnern, aber nur von ferne.

Was ist ein Shveetzer? Ich schreibe mit Absicht nicht Schwitzer, denn das sagt man anders. Um Shveetzer wie ein Israeli zu sagen, muß man das i langziehen wie Fräulein Andacht das ü, und die Endsilbe klingt fast so wie im Französischen das -aire. (Temeraire) Das heißt, das r ist richtig schön anwesend, wird nicht zu einem maulfaulen -a verkürzt wie im Deutschen. Als Beispielwort nehme ich gern den Namen Mor, der im Deutschen wie Moa klingt, aber im Hebräischen wie Mooore.

Es klingt also anders als Schwitzer, und es bedeutet einfach Angeber. Dazu gibt es auch ein Verb, lehashveetz, prahlen, protzen, strunzen, und angewendet klingt das so: hishvatzti, ich habe geprahlt. Oder chavurat shveetzerim, eine Bande von Angebern. Man kann assoziativ sogar an einen Menschen denken, dem vor lauter Prahlerei die Oberlippe stets feucht ist, so wie Mr. Collins. Aber wie sich das genau herleitet, habe ich noch nicht überzeugend dargelegt gefunden. Jedenfalls ist ein Shveetzer ein etwas lächerlicher Angeber, dagegen der Shachtzan ein echter, eingebildeter Snob.

Ein Shtiinker stinkt wirklich, denn er ist ein Verräter, Betrüger, Spion für den Feind. Shtinker sorgen für Stunk, sie verpfeifen Freunde und niemand kann sie leiden.

Fraayer dagegen sind keineswegs Freier, weder auf ebendiesen Füßen noch hinterm Bahnhof. Ein Fraayer ist ein gutmütiger Trottel, einer, an dem bei Schlangestehen alle schnippisch vorbeiziehen, „ich will nur mal eben den Arzt was fragen“. Er ist der Betuppte, der Gelackmeierte. Vermutlich Neueinwanderer! „Nu, seh ich aus wie ein Fraayer?“ lautet eine beliebte rhetorische Frage. Nein, nein, bestimmt nicht. Fraayer sind immer die anderen.

Aber nicht alle sind unbekannte Größen. Da gibt es den Shluumper, der tatsächlich so schlampig ist, wie er sich anhört (und dessen Schwester Shluumperit keinen Deut besser ist – bin ich denn eure Fraayerit, daß ich hinter euch her räume?), den Shnorrrer, der allbekannt ist, und den Freser, der sich vollstopft.

Auch der Bandit kommt einem bekannt vor, es wird gern auf Kinder angewendet. Mamzer katan, kleiner Bastard, ist ein Wort für schalkhafte Kinder, und mamzer gadol, großer Bastard, geradezu anerkennend für Leute, die es hinter den Ohren haben.

All diese wunderbaren Worte kommen aus dem Jiddischen, einer Sprache, die uns auch den Nudnik und die Yente geschenkt hat, den Paskudniak, den Shmendrik, den Potz, den Tembel, die Pustema und die vilde Chaie. Lauter nervige Typen, ohne Zweifel, jeder auf seine Art. (Der Nudnik nörgelt, die Yente tratscht und mischt sich ein, der Paskudniak haut einen übers Ohr, der Shmendrik hat von nichts ne Ahnung, der Potz glaubt, er hat sie, die Ahnung, die Pustema ist einfach rundherum widerlich, und die vilde Chaie ist eine Beheyme – ein wildes Tier.)

Der Tembel, charmant-vertrottelt wie im bei uns sehr beliebten Lied von Kaveret, verdient einen eigenen Eintrag, so nennen sich meine Söhne nämlich gegenseitig liebevoll, und ihren Vater ehren sie mit dem schönen Wort Tembel merkasi, der Haupt-Tembel.

Einige dieser Worte kommen langsam aus der Mode, die Jüngeren benutzen gern den stets nützlichen maniak, keine Ahnung, woeher der kommt, um jemanden, äh, abzuqualifizieren. Doch selbst eine sonst sehr wohlerzogene Kollegin benutzte das Wort eindrucksvollerweise, als ich sie nach der langen, schweren Geburt ihres ersten Kinds besuchte. Sie fragte, wie die Geburt der am gleichen Tag fälligen Kollegin gelaufen war, bei der ich vorher war, und als ich sagte, „oh, das ging ganz schnell und war nicht schlimm“, knurrte sie nur, „diese maniakit„.

Aber wie sagt man im Yiddishen und auch im hebräischen Slang zu jemand, über den man nur Gutes zu sagen weiß? Ganz einfach. Er ist ein Mensch.

Kommentare»

1. david - Mai 28, 2008, 0:53

noch zwei:
falzan – besserwisser
tznon – eingetrocknetes gemüse

noch ein anderes, das hier gerade ein neues Trendwort ist:
deloy – depp, trottel, kann aber auch ein adjektiv sein
angeblich soll das wort aus dem jemenitischen arabisch kommen, allerdings wissen die jemeniten, die ich bisher gefragt habe, auch nicht viel mehr. hinweise, irgendwer?

ansonsten interessant fuer ethymologische falzanim:
balashon blog

2. Sheygetz - Mai 28, 2008, 1:14

Bei der Vorliebe für alles Amerikanische (Englische) ist der maniak doch wahrscheinlich ein maniac und damit der neuzeitliche meshiggener, dont’t you think.

3. Hendrik der Shmendrik - Mai 28, 2008, 1:45

Einfach herrlich!

4. Anne - Mai 28, 2008, 12:35

:-))) Ich kenne auch aus dem Amerikanischen die anerkennende Äußerung: He’s a real mensch. Schön, dass nicht nur so Wörter wie Blitzkrieg aus dem Deutschen in andere Sprachen eingewandert sind.

5. Lila - Mai 28, 2008, 13:02

Ich würde mal tippen, daß dieser Gebrauch des Worts Mensch den Umweg übers Yiddische genommen hat. Im Deutschen sagt man das doch nicht so, oder? Und wenn man „he’s a mensch“ oder auch „he’s a mentsch“ googelt, kommen nur yiddische Quellen.

Kann man sich schon einige Gedanken drüber machen….

6. grenzgaenge - Mai 28, 2008, 18:52

„Aber wie sagt man im Yiddishen und auch im hebräischen Slang zu jemand, über den man nur Gutes zu sagen weiß? Ganz einfach. Er ist ein Mensch.“

@lila: das stimmt. ich hoerte es vor kurzem auf einer beerdigung. der rebbe wollte keine lange rede halten. sein kurze rede lautete: „er war ein mensch“. damit war alles gesagt. natuerlich kann man mit der redewendung „er ist ein mensch“ genau so das wirken eines lebenden menschen wuerdigen.

7. Jerry - Mai 28, 2008, 21:17

maniak=idiot,verrückter im Türkisch
maniak= bekloppter auf Polnisch

so ist es erklärbar wie das Wort in Iwrit gelang

8. croco - Mai 28, 2008, 22:27

Wie interessant!
Aus dem Schwäbischen kenne ich den „Schwätzer“, also einen üblen Angeber. Oder „schwätz ned“, hör auf anzugeben.
„A Mensch“ ist eine Frau oder ein Mädchen, das in vieler Hinsicht bewundernswert ist, kraftvoll aber auch schlau.
„Des isch mai Mensch“. Das ist meine Freundin, anerkennend gemeint.

9. Lila - Mai 28, 2008, 22:50

Richtig, Shveetzer kommt bestimmt von Schwätzer, wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen! Und der Maniak hat angeblich im Arabischen eine etwas andere Bedeutung, das kann aber eine urban legend sein, ich weiß es nicht mehr.

Auf die Liste der nicht-verwandten, aber lustigen Wörter gehört auch naknik, die Wurst. Ya naknik nennen meine Söhne sich entnervt gegenseitig, und auch hier wird ein schönes Verb draus: le-naknek mishhu, jemanden zur Wurst machen.

Oh, ich muß mal ein Kapitel über lustige Verben machen… das Hebräische verwandelt ja mit ein paar Vokalverschiebungen und einer kleinen Nach– oder Vorsilbe jedes Wort ins Verb. Hitchardanti, ich habe mich geeidechst, ist so ein Wort. (Na ja, im Deutschen sagt man ja auch, sich aalen, und es bedeutet dasselbe.)

10. vered - Mai 29, 2008, 6:39

„Brush up your Hebrew“, Lila, bei dir lernt man doch immer was.. – Eine nahe Verwandte der Yente ist übrigens die Yachne. „Ungerecht, dass angeblich nur Frauen quatschen und klagen“, dachte meine Kollegin, und kreierte prompt das Wort Yachén.

11. Lila - Mai 29, 2008, 6:54

Die Dritte im Bunde ist die Katschke. Kann man auch nen Katschkan draus machen.

Und bissig-gemein dann: die Klafte. Ihr meckernd-griesgrämiges männliches Pendant ist der Kuter. Beiden kann man nichts Recht machen.

12. Jerry - Mai 29, 2008, 20:27

Katschke=> aus polnischen Kaczka= Ente.
also wenn jemand ein falsches Gerücht in die Welt setzt, dann ist das eine Katschke. Vergleichbar mit der Zeitungsente.

13. Lila - Mai 29, 2008, 20:35

Jerry, Du bist super, danke!!!!

14. Carsten - Mai 31, 2008, 2:14

Toll, jetzt wollte ich gerade mit der Schwätzer-shveetzer-Erkenntnis prahlen, da macht das doch glatt jemand vor mir. Und nimmts dann auch noch für die Schwaben in Beschlag 😉

„mensch“ finde ich aber sehr liebenswürdig – einerseits, weil es für meine Ohren witzig klingt („the mensches at…“), andererseits, weils über die deutsche Bedeutung auch so eine nett optimistische Bedeutung entfaltet – er ist Mensch, also muss er gut sein.

15. Lila - Mai 31, 2008, 8:25

Ich habe noch nie gehört, daß „mensch“ im Plural gebraucht wurde. Es ist ein Kompliment für ein Individuum und seinen Charakter. What a mensch.

16. grenzgaenge - Mai 31, 2008, 22:47

nun ja, lila, es waere auch schwierig „mensch“ im plural anzuwenden. es geht schliesslich um einen einzelnen, nicht um ein kollektiv. der gedanken an ein kollektiv das mit dem begriff „mensch“ beschrieben werden koennte finde ich alles andere als positiv.

17. Dogs that Bark … « Pagan Israelophile - Juni 3, 2008, 13:48

[…] know …” Yeah. Sure. Absolutely. It makes me wanna scream “Wake up guys! That maniak isn’t only willing to blow all of Israel up he well soon (?) also have the means to do […]


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