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Neulich, beim Elternsprechtag Mai 24, 2008, 11:14

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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an der High school. Das ist immer ein Kraftakt! Wir haben Primus und Tertia mitgenommen, Secundus hat mir eine lange Liste seiner Lehrer vorbereitet. Als wir ankamen, strömten schon Scharen von Eltern und Jugendlichen herbei. Wir trennten Streitkräfte: Y. und Primus in Richtung Naturwissenschaft, Tertia und ich ins Gebäude Geisteswissenschaften. In jedem Gebäude liegen Pläne aus mit einem Grundriß, auf dem eingezeichnet ist wo welcher Lehrer sitzt. Und dann heißt es eben, warten, bis man dran ist.

Die Leute sehen anders aus als in Deutschland, kein Zweifel, was daran liegt, daß es fast alles Kibbuzniks sind. Nach wie vor erkennt man Kibbuzniks. Die Erwachsenen kleiden sich wie die Jugendlichen, niemand ist schick oder teuer gekleidet. Väter tragen Jeans und irgendwelche Hemden und Schluppen, nur die die drusischen Väter in ihren Offiziersuniformen fallen auf. Die Mütter kleiden sich genau wie ihre Töchter, Jeans und irgendein Top und wilde Haare. Oh, und die Lehrerinnen und Lehrer sehen auch nicht anders aus. Wenn man einen ausgewachsenen Mann in karierten Pantoffeln rumlaufen sieht, ist es entweder Alfons der viertel-vor-Zwölfte oder ein Kibbuznik oder ein Lehrer für Geographie an unserer Schule.

In einer Warteschlange stand ich zwischen zwei niederländischen Müttern, die unbekümmert über ihre Umgebung lästerten. „Typisch israelisch“ war nicht das einzige, was ich verstand. Ein Elternpaar sprach Portugiesisch. Die Niederländerinnen und die vermutlich aus Brasilien stammenden Eltern fingen an, sich zu unterhalten und zu vergleichen, wie viele zweisprachige Kinder ihre Kinder in der Klasse haben. Tertia brachte mir Tee, und ich konnte nicht anders als sagen, „danke Schatz“. Daraufhin die Niederländerinnen, etwas dismayed, „oh weh, eine Deutsche! die hat uns verstanden!“ Und ich dachte, ich kenn fast alle Eltern an der Schule!

Mit Tertia zum Lehrersprechtag gehen ähnelt übrigens einem altrömischen Triumphzug. Wo das Kind eintritt, entspannen sich die Gesichtszüge der Lehrer, und sie rufen, „ach, das liebe Mädchen! so klug, und dabei so still! immer nett! hat immer ihre Hausaufgaben! und ihr Heft ist so ordentlich!“ Der Lehrer für Bibel, ein religiöser Freak mit Kippa und Birkenstocksandalen, meinte, ihre Arbeiten zeigen, daß sie wirklich Interesse am Fach hat und sich eigene Gedanken macht. Was Tertia abstreitet. Ihre Kunstlehrerin (die mal meine Studentin war) möchte, daß Tertia Kunst als Leistungskurs („chamesh yechidot“) nimmt. Tertia will das nicht, die Begeisterung der Lehrerin ist ihr peinlich.

Die Lehrer auf Secundus´ Liste waren deutlich weniger enthusiastisch. Ihnen ist klar, daß sie im Leben meines Sohnes eine eher untergeordnete Rolle spielen. Mich interessieren weniger die Noten, mehr das Sozial- und Lernverhalten. Immerhin macht keines meiner Kinder in der Richtung Probleme, sie sind nicht frech und stören nicht, das ist immerhin schon etwas. Und die Noten, tja. Y. meint, er sieht in Noten weder einen Liebesbeweis der Kinder noch einen Garant für ihre Zukunft. Das ist Sache der Kinder, sie lernen für sich selbst und nicht für uns oder die Lehrer.

Wenn ich mich erinnere, wie wichtig bei uns früher Noten waren, und wie ich von Mathe- zu Lateinarbeit gelebt habe, bin ich wieder froh, daß das Schulsystem hier entspannter ist.

Primus, fast durch sein Abi, hat sich eigentlich von seinen Lehrern verabschiedet. Er versteht sich mit seinen Lehrern sehr gut, sie loben ihn auch alle. Interessanterweise sind Primus und Tertia Leseratten, und das schlägt sich auf die Schulleistungen nieder. Ich erkenne auch bei meinen jugendlichen Schülern sofort, wer liest und wer nicht.

Er und seine Freunde haben Kuchen verkauft, wie das auch in Deutschland an manchen Schulen üblich ist. Ich habe aus nichts einen Quark-Ölteig gemacht, mit Äpfeln gefüllt und hübsch geflochten, wurde sehr hübsch. Als Primus mit den vier Zöpfen ankam, war er stolz, daß alle dachten, die sind gekauft. Sie haben auch gut verdient, die Kinder, das Geld wird für die Abschlußfeier gebraucht.

Und ich war wieder mal beeindruckt, mit welcher Nettigkeit und Hingabe die Lehrer meiner Kinder arbeiten, für so wenig Geld und so wenig soziale Anerkennung. Die ich ihnen hiermit von ganzem Herzen ausspreche!

Kommentare»

1. kaltmamsell - Mai 25, 2008, 11:43

„Y. meint, er sieht in Noten weder einen Liebesbeweis der Kinder noch einen Garant für ihre Zukunft.“
Wie entspannt und großartig! Warum nur haben unsere Eltern, Deine und meine, das so ganz anders gesehen? Ob ich je aufhören werde damit zu hadern?

2. Tanja - Mai 25, 2008, 20:22

Was für ein schöner Beitrag! Vielen Dank!

(Und ich sass den halben Freitag an einem Input-Seminar fürs „Kader“ zum Thema Lehrerbekleidung an unserer Schule. Was wie wirkt, wo man hinwill [weg vom Schulgeruch] und wie man dahin kommt [keine Jeans mehr? Strenge Regelungen für Schülerkleidung?] – es war grauenhaft.)


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