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Es gibt einen Wahlsieger! Mai 30, 2008, 8:35

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ja, der Wahlkampf zog sich über Monate hin, und gestern wurde es groß verkündet – wir haben endlich einen Nationalvogel!

Wie wir es ohne nationalen Repräsentativ-Vogel ausgehalten haben, in diesem Paradies der Ornithologen, weiß ich nicht. Ich war natürlich Anhängerin des Rötelfalken (bas adom, lesser kestrel), schließlich brütet auch dieses Jahr wieder eine Falkenfamilie auf unseren Dach, wie auf allen unserer Nachbarn. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich diese herrlichen Vögel durch den Himmel schießen sehe. Leider hat er nicht gewonnen, aber er ist eindeutig unser Heimatvogel hier im Kibbuz.

Weitere Kandidaten aus dem Vogelreich Israels waren

– der Bulbul, ein sehr verbreiteter Vogel, der vermutlich durch seinen Namen zu Fall kam – im Kindergartenslang nämlich machen kleine Jungens mit ihrem Bulbul Pipi… keine Ahnung, wie es zu dieser Doppeldeutigkeit kam. Jedenfalls gibt es Leute, die sagen, der Bulbul braucht nicht Nationalvogel zu werden, denn er war ja schon Präsident…

– die Schleiereule (white barn owl, tinshemet), die ich auch sehr mag. Wir haben im Kibbuz schon seit vielen Jahren eine Schleiereulen-Sippe, die in einer alten Scheune haust. Wenn man dort abends vorbeigeht und Glück hat, dann hört man eine Eule rufen.

– der Goldfink, Chuchit, wobei ich natürlich immer an Carel Fabritius´wunderschönes, trauriges Bild im Mauritiushuis denke…

– der Geier (Nesher – das Wort wird auch oft für Adler verwendet, obwohl Adler ayit heißt, eng. griffon vulture), der schon in der Bibel erwähnt wird und sehr königlich aussieht, wenn er über die Berge fliegt – auch wenn seine Tischgewohnheiten etwas unappetitlich erscheinen,

der Spornkiebitz, eine Art Regenpfeifer (engl. spur-winged plover, lateinisch Vanellus spinosus, hebr. siksak), der von vielen favorisiert wurde – er ist nämlich ein vorwitziger, selbstbewußter Frechdachs, und entspräche damit dem Volkscharakter der Schubser und Drängler…

– Tzufit, honey-sucker, ein wirklich wunderschöner zierlicher Vogel, eine seltene Kolibri-Art. Sie haben so schön schillernde Federn und fangen das Licht ein, wenn sie in der Luft stehen und ihre spitzen Schnäbel in die Blütenkelche versenken. Ich sehe sie sehr gern.

– der Pashosh, auch graceful warbler oder Streifenprinie genannt, was ich ohne Google nie im Leben gewußt hätte!, ein hübscher kleiner Vogel. Pashosh nennt man auch kleine Kinder, und es ist ein beliebter Name für Kindergärten für die Allerkleinsten. Ey-ze pashosh ist so ein entzückter Ausruf über einem Kinderwagen, was für ein Streifenprinchen!…

Das klingt immerhin noch annehmbarer als der Ausruf ey-ze mammi für deutsche Ohren – mammi heißt nämlich nicht Mami, sondern bezeichnet alles Niiiiedliche. Das hat mich zu Anfang hier wirklich erstaunt – daß man kleine Kinder mammi und kleine Mädchen bubbele oder bubi nennt. Buba heißt nämlich Puppe, hat mit Bub nichts zu tun – außer man meint einen Puppenjungen, dann heißt der Bub. Ey-ze bub! Für diese menschlichen Verwirrungen jedoch kann der kleine Vogel nichts.

Die genauen Ergebnisse gibt es hier, mit ein paar hübschen Bildern.

Doch der Wahlsieger ist eindeutig der Wiedehopf (duchifat), der wirklich sehr schön ist. Im hebräischen Volksmund stinkt er auch nicht (obwohl sein Nest ja sehr stinken soll), aber er ist unkoscher. Na, er ist ja auch nicht zum nationalen Leibgericht, sondern Lieblingsvogel gewählt worden.

Herzlichen Glückwunsch, Wiedehopf! Ich hoffe, die ganze Aktion hat wirklich geholfen, die Bedürfnisse der Wildvögel ein bißchen prominenter zu machen.

Kommentare»

1. vered - Mai 30, 2008, 18:53

Ich war gespannt, welcher Vogel siegen würde, wunderte mich, dass die Liste der Kandidaten den Peres (Gypaetus barbatus) nicht einschloss, der ein sehr imposanter und rarer Vogel ist, und setzte auf den Bulbul, nicht wegen Kindergartenslang, sondern wegen der Nähe zu bilbul, der hier mindestens ebenso weit verbreitet ist wie der Bulbul.

A propos Doppeldeutigkeit: es gibt oder gab? auch im Abendland die Assoziation (Sing-)Vogel Erotik . Ihren Ursprung kenne ich nicht, es muss sich aber um eine alte Vorstellung handeln, der Minnesang ist voll davon (so Walther von der Vogelweide „schône sanc diu nahtegal“). Im Orient ist/war es der Bulbul oder Bülbül pers. Bülbül =Nachtigall), der die Liebenden erfreute.

.

2. Lila - Mai 30, 2008, 19:03

Oh ja, zu dem Thema gibt es eine schönen Aufsatz von Eddy de Jongh, über erotische Vögelchen-Anspielungen in der Malerei. Aber ich glaube, bei dem stinkenden Wiedehopf verbieten sich solche Assoziationen eher.

Allerdings scheint mir, die Phantasie des Menschen geht recht eigensinnig in die erotische Richtung. Vögel, Katzen, Obst, Blumen, Hügelformationen… alles symbolisch aufgeladen. Und seit der Psychoanalyse kann man ja praktisch nichts mehr unbefangen benutzen, ob konvex oder konkav.

Ich finde übrigens die Vogelnamen im Hebräischen besonders schön, weiß auch nicht warum. Vermutlich, weil sie wie Eigennamen klingen. Zamir, Efroni, Orev, Orvani, Dror, Drara, Shachorit, Yanshuf, Yona, Chassida, Bat Yaana, Nachlieli…..das ist so ein schöner Vogel, der Nachlieli. Nur Shahaf klingt mir zu hart.

3. flowerkraut - Juni 1, 2008, 1:02

Hübscher Wahlausgang, ihr könnt den Falken ja schließlich zum offiziellen Kibbutzvogel wählen. Bzw. wenn schon, denn schon: Ein Vogel, Tier, Pflanze und Stein für jede Landschaft, so wie beispielsweise hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Dalarna
… falls die Nachrichten mangels News ausfallen und ihr mal Langeweile habt. 😉

4. Aya - אייה - Juni 1, 2008, 17:15

Shalom !

Als ich den Vogel gestern im Internet sah, hab ich mich sofort „Verliebt!“ Da kannte ich noch gar nicht die „Story!“

Er strahlt etwas Unbeschreibliches aus – genauso wie für mich „Israel“ auch.

Ich gebe ihm den Namen „AYA“ – אייה

denn Aya bedeutet: Wenn G-d bereit ist (if g-d is willing) und auch Bird!

Seit 2 Jahren, als ich meinen neuen Vornamen „Aya“ in Israel „geschenkt“ bekam (und auch offiziell angenommen habe – neuer Passport) – war ich noch ein bisschen auf der Suche… smile, nach der Identität „des Vögelchens“.

Jetzt ist sie da: Das ist sie für mich: Ha DUCHIFAT! – Gefunden, am 01.06.2008,1:00 – auf der website von Haaretz und Jerusalempost.
Und ich hatte nach nichts Konkretem… gesucht.

Das sind die Ereignisse und Zeichen, die ich soooo LIEBE ! Toda rabah!

Ich fühle mich metzuyan – und es ist so schön!

Shalom

Aya M.

5. Hendrik - Juni 3, 2008, 11:12

Ich möchte ja nicht zwingend herum unken, aber kann es sein, dass der kleine, süße Stinkevogel mit seinem Rückengefieder aussieht, als hätte er ein Pali-Tuch um die Schultern? Erinnert mich ein bissel an deutsche Punks. Seltsam! Ok, wahrscheinlich über-assoziiere ich! 😉


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