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Fies und hämisch Mai 29, 2008, 11:07

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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bin ich ja nicht sooo oft… aber ich kann es mir bei dieser Meldung einfach nicht verkneifen.

Dieses Bild schreit geradezu danach, mit einer beißenden Unterschrift versehen zu werden. Das ist aber nicht meine Stärke, vielleicht fällt ja jemandem was ein.

Außerdem erinnert es fatal an einige berühmte Vorbilder. Und da kenne ich mich ein bißchen besser aus.

Maria Magdalene, die schöne Büßerin, wird oft in dieser Pose dargestellt. Ja die Hand vor der Brust und die flehend-schmerzichen Augen sind geradezu ein Gemeinplatz der Büßerin geworden.

El Greco

Tizian

Gentileschi

Allerdings sind die büßenden Magdalenen ohne Zweifel ansehnlicher als Olmert, und die legendäre Hure mit dem guten Herzen (die ja bekanntlich gar nicht Maria Magdalena hieß) bereute ihre Taten, und ihr ward vergeben. Also nicht ganz Olmerts Fall… denn niemand könnte von ihm sagen, daß er es nur aus Liebe getan hat.

El Grecos charmanter Edelmann wäre wohl schon eher ein Vorbild für ihn. Ein so feiner Herr, daß niemand ihm Böses zutrauen würde, noch dazu von leiser Melancholie umwittert. Ein Ehrenmann.

El Greco

Jedoch, fromme Christen mögen es mir verzeihen, am meisten liegt wohl das wahre Opferlamm in seiner Linie.

El Greco

Verfolgte Unschuld, geopfert von einer verständnislosen Umwelt der Machenschaften und Kleinlichkeiten. Olmerts Worte zeigen, daß er sich genau so sieht.

„I have been done an injustice, and it is illogical that a prime minister should be brought down because of something like this,“ Olmert said to some of the lawmakers.

Ein Pontius Pilatus, wer anders denkt…

Kommentare»

1. Hendrik - Mai 29, 2008, 11:37

„Von wegen Herz – wo ist meine Brieftasche“

Schöne Zusammenstellung von Buß-Kunst! Übrigens ist das Wort „lawmakers“ im letzten Zitat bemerkenswert und gibt der Haaretz-Überschrift „Give me time to prove my innocence“ eine tiefere Wahrheit von beinahe berlusconischen Zügen: Gebt mir nicht Zeit, meine Unschuld zu prüfen, sondern um das Gesetz zu ändern, damit meine Schuld keine Schuld mehr ist!
Ach Tzipi, warum schaust Du Dir das an?

2. Norbert - Mai 29, 2008, 12:00
3. Hendrik - Mai 29, 2008, 12:41

Ha, das wird ein lustiges Spiel: hier der Silvio

http://www.msnbc.msn.com/id/12229641/

4. Hendrik - Mai 29, 2008, 13:28

und noch eines: Ich und die Wahl verloren?

5. Hendrik - Mai 29, 2008, 13:31

Lila, hattest Du meinen Silvio wieder gelöscht oder hatte WordPress meinen Kommentar verschluckt:

Ich versuchs nochmal. Ein weiteres Beispiel: Wer hat hier was gefälscht?

http://www.msnbc.msn.com/id/12229641/

6. Paul13 - Mai 29, 2008, 15:53

Mein Vorschlag:

„Wer? Ich?“

7. Marlin - Mai 29, 2008, 20:18

„Iiiich doch niiicht!“

😉

Habe zwar nur sehr kleine Bruchstücke mitbekommen, aber ich vertraue da auf Dein Urteilsvermögen, Lila. Warum werden bei Euch immer nur solche Pfeifen MPs??

Hier ists nicht besser, aber offenbar wird deren Korruption besser verheimlicht.. 😛

8. heplev - Mai 29, 2008, 20:20

Genau, Paul13!
Diese Geste ist mir – ich bin offensichtlich Kunstbanause – nur als „die Unschuld schlechthin“ bekannt. Und zwar die verlogene.

9. Lila - Mai 29, 2008, 20:34

Marlin- die Pfeifen, ja ich weiß es auch nicht.

Sharon war keine Pfeife, der Mann hatte was – wenn auch nicht genau das, was ich mir gewünscht hätte. Aber er hatte immerhin einen Plan, und obwohl auch er korrupt war, ging es ihm nicht nur um seine persönliche Bereicherung. Er hatte wirklcih eine Art Vorstellung, wie Israel mal aussehen soll, wo er hin wollte. Bis heute weiß glaube ich keiner genau, wie weit er gehen wollte mit der Zweistaatenlösung. Aber er hat eine Entwicklung durchgemacht während der letzten 20 Jahre, eine ähnliche wie die meisten Leute hier.

Rabin war keine Pfeife, er war ein sehr guter PM, der endlich mal Geld woanders als in den BG investiert hat. Es waren gute Zeiten für die Bildung und Erziehung, er hat Straßen gebaut, Städte gefördert, Naturschutzgebiete gegründet und so weiter.

Shamir, nach dem sehnt man sich heutzutage fast, er war persönlich so bescheiden wie Begin und Golda, und hatte Überzeugungen.

Barak, tja, mixed record. Bibi, ebenfalls. Zwei Karrieristen, beide intelligente Machtmenschen, beide bereit, alles zu verkloppen, spiegelbildliche Karrieren, jahrzehntelang miteinander verwoben. Ich glaube, da werden mal nette Doppel-Biographien drüber geschrieben werden.

Aber die paar Politiker, die mir Eindruck gemacht haben, sind aus der Tagespolitik raus oder haben keine Chance. Amnon Rubinstein habe ich immer geschätzt, Benny Begin (son of…) war ein redlicher und zuverlässiger, wenn auch gänzlich glanzloser Mann – nicht meine Ansichten, aber ich glaube, besser ein redlicher Rechter als ein verlogener Wischi-Waschi-Linker.

Ich halte Peres für einen guten Präsidenten, und ich hoffe, wir kriegen endlich mal einen PM, der seine Arbeit ebenso gut macht. Falls Zippi es wird – nun, wir wollen sehen. Ich glaube, wir kennen sie noch nicht gut genug, ich bin zwiespältig.

10. Hendrik - Mai 29, 2008, 23:04

Hey, was lese ich gerade:

http://www.haaretz.com/hasen/spages/988311.html

Tzipi Livni hat reagiert. Diplomatisch im Stil, aber deutlich in der Richtung! Bin gespannt.

11. Manfred - Mai 30, 2008, 0:50

Du hattest letztes Jahr schon mal die Frage gestellt, wer wohl ein guter israelischer MP wäre. Damals lief gerade der französische Wahlkampf, und ich war schon drauf und dran, Sarko für Israel vorzuschlagen, falls er die Wahl verloren hätte (seine Mutter stammt aus einer jüdischen Familie, da wäre es kein unüberwindliches Problem gewesen). Gott sei Dank hat er die Wahl gewonnen! Frankreich kann ihn leichter ertragen als Israel.

12. Marlin - Mai 30, 2008, 21:51

Klar, Lila. Es gab sicher mehrere Gute, aber Du weißt ja, wie das ist: aus den Augen, aus dem Sinn. 😉

Fändest Du Livni als MP gut? Wenn sie es nicht schafft, auf Anhieb, schätze ich ja, ausgehend von Deiner Analyse, dass Kadima weg vom Fenster ist.

13. Lila - Mai 30, 2008, 22:43

Also, für Analysen fühle ich mich nicht kompetent. Ich kenne ein paar Leute, wir unterhalten uns, ich lese ein paar Blogs, Zeitung, höre Nachrichten. Das ist nicht genug für eine echte Analyse.

Es hat hier, im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen, eine Unmenge kleiner Parteien gegeben, die einige Zeit erfolgreich waren, vielleicht ihr Dasein einem bestimmten Anliegen verdankten, und dann wieder untertauchten. Meist waren es Ein-Mann-Veranstaltungen: Tzomet war Rafael Eytan, Gesher war David Levy, Tchyia (glaub ich) war Geula Cohen, Shinui war Tommy Lapid, Mifleget ha Merkas, die Zentrumspartei, waren ein paar Leute (Roni Milo, Itzik Mordechai), und es gab mal eine Bewegung von Avigdor Kahalani für den Golan, dann die Rentnerpartei, das grüne Blatt….

Mir fallen endlos viele Winzparteien ein, die tatsächlich in die Knesset einzogen, dort mehr oder weniger erfolgreich agierten, und dann fusionierten, sich spalteten – in munterer Brownscher Molekülbewegung den Laden aufmischten.

Kadima war Ariel Sharon. Mit Ach und Krach ist Olmert auf dem Hosenboden gelandet (knapp gewonnen, abgestraft, aber doch gewonnen), was er auch der Tatsache zu verdanken hat, daß Livni (wie Merkel) den Zeitpunkt zu früh fand, gegen ihn anzutreten, und lieber als stabilisierende Kraft Sympathien sammelte. Die Konkurrenten, Peretz und Bibi, waren nicht gut aufgestellt. So gewann Olmert, einen Posten und eine Galgenfrist für Kadima.

Was haben sie draus gemacht? Nicht viel.Die Partei hat kein Profil. Sag mir einen Politiker und ich muß nachdenken, in welcher Partei er ist. Dalia Itzik, die war doch immer Arbeiterpartei, ist die jetzt Kadima? Shaul Mofaz, ja ist der denn nicht mehr LIkud?

Man erkennt nicht genau, was für ein Profil Kadima hat, es ist eine Partei der Karrieristen. Alle, die darin sitzen, haben sich mit Sharon bessere Chancen ausgerechnet als in ihrer alten Partei. So bindet man aber keine Wähler.

(Das sage ich ausdrücklich als Privatperson, nicht als international gefragte Analytikerin!)

Auf die Dauer braucht eine große Volkspartei aber ein Programm, ein Profil, echte Haltungen, erkennbare Einstellungen. Was sagt Kadima zur Steuerpolitik, zu innenpolitischen Fragen, zur Beschäftigungs- oder Sozialpolitik, zu Umweltfragen, zum Verhältnis Staat-Religion? Nichts. Da redet kein Mensch von. Das interessiert die Kadima-Leute gar nicht. Die denken nur ans nächste Stühlchen.

Arbeiterpartei und LIkud und die Nationalreligiösen und Meretz auch, aber die haben wenigstens ein Parteiprogramm.

Also, ich sehe auf die Dauer für Kadima schwarz, wenn sie nicht bald eine ernsthafte Diskussion von Inhalten anfangen und eine Art Vision herausmeißeln. Es reicht nicht, von Spielzug zu Spielzug zu hetzen, man muß auch eine Art Strategie haben.

Dieses Gefühl der Leere, wenn man Kadima ohne Sharon anguckt, könnte sich negativ für Livni auswirken. Den Linken ist sie als Likudfrau in Erinnerung, den Rechten als Unterstützerin von Sharons Räumung von Gush Katif. Ich persönlich halte sie für die beste mögliche Person, den unangenehmsten Job der Welt zu übernehmen PM in Israel ist ein Albtraum, man wird überall mit Eiern beworfen, im In- und Ausland, und genießt nirgends richtig begeistertes Publikum.

Ich fände es schade, wenn wir wieder Bibi oder Barak im Sattel haben. Bibi hat den berühmten Zickzackkurs zur Kunst erhoben – gerade er, der in Reden so energisch ist, hat kein erkennbare Linie in seine Politik gebracht. Barak, unser Hosentaschen-Napoleon, hat planlos vor sich hin gewurstelt, es war kaum mit anzusehen. Beiden war es unheimlich wichtig, nicht das Gesicht zu verlieren – was dann letztendlich doch genau dazu geführt hat. (In unguter Erinnerung die Bilder, als Barak und Arafat sich fast kloppten, um den anderen als ersten durch die Tür zu lassen – peinlich.)

Livni ist nicht gern umstritten, sie hat auf mich den ersten guten Eindruck gemacht, als sie Ego-Kämpfe in der Likud mit Takt und Augenmaß ausbügelte. Eben eine typisch weibliche Eigenschaft. Dabei bemüht sie sich, die Tatsache, daß sie eine Frau ist, ganz in den Hintergrund zu stellen – sie ist betont sachlich und ernst, was sie ja auch sein muß, und macht sich nicht mit ausgefallenen Frisuren oder großen Ausschnitten lächerlich. Damit wäre sie sofort unten durch, unsere Gesellschaft ist da total intolerant (Merkels Leidensweg kommt einem sofort in den Sinn, die ganze westliche Gesellschaft steckt da noch irgendwo fest.)

Israelische PM sind unbeliebt, es geht nicht anders. Sie müssen Faktoren in Betracht ziehen, die andere nicht mal wissen. Wir sind wütend auf Olmert, daß er Gilad Shalit noch nicht freigeboxt hat – wissen wir, was ihn alles einengt und fesselt? Israelis sind unglaublich kritisch, deswegen wird die Regierung so oft gewechselt. Der bringt nach drei Jahren ncihts? Raus mit ihm, Neuwahlen. Wir fühlen immer, das Wasser steht uns bis zum Hals Schonzeit gibt es nicht, alles steht auf Spitz und Knopf, ein Fehler, und wir sind weg.

Es ist möglich, daß Zipi es in sich hat, ich würde es uns allen wünschen. Das kann ich an nichts anderem festmachen als daran, daß sie bisher noch keine eklatanten Fehler gemacht hat. Aber genau das kann ihre Schwäche sein: sie hat kaum feste Konturen, bezieht nur selten richtig Stellung.

Wären Neuwahlen und könnte ich mitwählen, würde ich bestimmt für sie wählen, kein Zweifel.

Lange Antwort, was. Sorry.

14. Marlin - Mai 31, 2008, 20:42

Gar nicht. Du bist meine Nahost-Expertin. 🙂 Oder auch gern Analytikerin.

Danke.


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