jump to navigation

Nicht verallgemeinern Mai 30, 2008, 15:06

Posted by Lila in Presseschau.
trackback

Denn wenn man verallgemeinert, tut man Unrecht. Ich habe bei Israel Matzav einen Link zu einem Artikel in der JPost gefunden, der arabische Stimmen zum Korruptionsskandal zitiert. Das ist hochinteressant zu lesen, und erfreulich frei von Heuchelei und Hochmut. Im Gegenteil, sie zollen bei allem Haß auf das zionistische Regime dem israelischen Rechtsstaat Respekt, und das ist doch nicht selbstverständlich.

Egyptian writer Abdel Aziz Mahmoud said he doesn’t believe the day will ever come when an Arab leader will be put on trial for sexual harassment or financial corruption.

„I don’t think we will live to see the day when the police interrogate an Arab leader for sexually harassing his secretary or receiving bribes,“ he wrote. „Nor will our children and grandchildren live to see that day. What happened in Israel can never happen in any Arab country.“

„There is corruption in Israel and the Arab world,“ wrote Abu Hadi from Iraq. „But the difference is that the Israelis hold their leaders accountable, while we the Arabs remain silent about corruption.“

Jamal, who described himself as the Madman, wrote that „the reason why Israel has lasted for so long is because of its independent and fair judicial system. I challenge the Arabs to have such an independent judicial system.“

Many of the readers found it quite ironic that Olmert was being questioned because of „only“ tens of thousands of dollars he allegedly received from Talansky.

„They say he received something like $3,000 a year,“ said Abu Atab from Morocco inaccurately. „This shows that Olmert is a decent man. This is a small sum that any Arab government official would receive on a daily basis as a bribe. Our leaders steal millions of dollars and no one dares to hold them accountable.“

Touching on the same issue, a reader from Algeria posted this comment: „In the Arab world, our leaders don’t accept less than $1 million in bribes; the money must be deposited in secret bank accounts in Switzerland. Olmert is a fool if he took only a small sum.“

Mohammed in Lebanon: „Can you imagine if there was an investigation against an Arab or Muslim leader? Do you know how much money they would discover?“

Abu Yusef in Egypt: „Unfortunately, this is the real democracy. Our enemies are very good in practicing democracy. In the Arab world, our leaders steal everything and no one ever dares to ask a question.“

Rashid in Saudi Arabia: „Despite all our problems with the Jews, they are much better than us in fighting corruption and revealing the truth.“

Rashid Bohairi in Kuwait: „I swear Israel is a state that will succeed. They are prosecuting their prime minister because of tens of thousands of dollars. What about the millions of dollars that Mahmoud Abbas and the Palestinian Authority stole? How come the Palestinian people are still hungry?“

Ich war platt beim Lesen. Ich hoffe, arabische Politiker lesen diese Artikel auch und sehen, daß sie Bürger haben, die nach Transparenz und Demokratie hungern. Ich wünsche ihnen, daß sie den Tag sehen, an dem die Korruption in ihren Ländern mit rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft wird. Man fühlt sich zwar immer noch angeekelt und gedemütigt, von geldgierigem Gesocks regiert zu werden, aber immerhin – yesh din ve yesh dayan, es gibt ein Gericht und es gibt einen Richter.

Die Reaktionen dieser Araber trösten mich und bestimmt nicht nur mich in diesen Tagen, es ist schön und menschlich anständig, daß sie nicht mit Häme reagieren, sondern erst mal vor der eigenen Tür kehren. Ein kleiner Lichtstrahl. Ich weiß nicht, wie viele Araber so denken, aber es zeigt doch, daß sie kein monolithischer Block von passiven Subjekten sind, die sich automatisch allen anderen überlegen fühlen.

Der Gipfel war natürlich diese Aussage:

Israel Lover in Saudi Arabia: „Israel is a state that deserves to exist. It deserves our profound respect. I wish I were a citizen of this state.“

Ein Kandidat für die nächste Fackel-Zeremonie am Unabhängigkeitstag 🙂 ?

Kommentare»

1. Piet - Mai 30, 2008, 15:53

Schön, dass so geballt zu lesen. Aber es ist eben schwer zu sagen, wie hoch der Anteil so denkender Menschen tatsächlich ist, oder? Klar gibt’s die, in Universitätskreisen im Iran, im Libanon, … oder allgemein: In gebildeten Kreisen, unter jungen, wohlhabenden Menschen. Die Frage ist, wie groß deren Einfluss im Einzelnen ist. Immerhin, ein Funkenschimmer. 🙂

Übrigens fand ich es interessant, wie hoch in Israel doch die Zustimmung für Zipi Liwni als mögliche Olmert-Nachfolgerin zu sein scheint. Ich hatte dich so in Erinnerung, dass ihr viele ihre Loyalität (oder Unentschlossenheit, je nach Sichtweise) gegenüber Olmert verübelten, aber auch das scheint sich ja geändert zu haben? Hier würde man es vermutlich dem Kurzzeitgedächtnis der Menschen zuschreiben. 😉

2. Lila - Mai 30, 2008, 18:00

Das habe ich, wenn ich mich recht erinnere, geschrieben, als sich die Lage mit Grotten-Olmert gerade halbwegs stabilisiert hatte. Soweit ich es beurteilen kann, ist der letzte schäbige Rest seines Ansehens dahin, der Mann ist untragbar.

Livni hatte ihren Kairos, als der Winograd-Bericht herauskam und sie Olmerten zum Rücktritt aufforderte, dann aber nichts nachfolgen ließ. Das war taktisch ungeschickt. Ich denke, sie wird diesen Fehler nicht wiederholen, denn das wäre für lange Zeit schädigend für sie. Sie hat angekündigt, daß Kadima sich auf Neuwahlen einrichten soll.

Von den Kadima-Leuten ist sie vermutlich die populärste. Von Avi Dichter halte ich nicht viel, er hat den Mund schon oft zu weit aufgerissen, Mofaz ist mir komplett unsympathisch, Barak und Bibi, danke, die hatten wir schon.

Ich hoffe ja, daß wir mit Livni eine positive Überraschung erleben wie die Deutschen mit Merkel. Ich hätte ja auch gern eine amerikanische Präsidentin gesehen, das kommt vielleicht auch noch.

Mal gucken. Olmert hat sich jedenfalls bis auf die Knochen blamiert mit seinen Briefumschlägen voll Bargeld.

3. Marlin - Mai 30, 2008, 22:00

Klasse!

Und beeindruckend. 🙂
Solange gibt es halt noch Hoffnung, denke ich.

4. Piet - Mai 31, 2008, 0:17

Hast Recht, Lila, langsam kommt der Zusammenhang wieder. Schaun wa mal, was kommt, denn irgendwas kommt (muss ja auch): Olmert will „in naher Zukunft“ Parteivorsitz abgeben

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat sich dem wachsenden Druck aus seiner Partei gebeugt und Wahlen für einen neuen Parteivorsitzenden zugestimmt. Das berichtete der israelische Fernsehsender Channel 10. … Einer Umfrage der Zeitung „Jedioth Achronoth“ zufolge würde Olmerts Stellvertreterin, Außenministerin Zipi Liwni, eine solche parteiinterne Wahl gewinnen. Demnach erhielte sie derzeit 39 Prozent. Auf dem zweiten Platz lag Verkehrsminister Schaul Mofas mit 25 Prozent.

5. Lila - Mai 31, 2008, 0:22

Auf Umfragen gebe ich nichts mehr. Wie sagt Peres immer? „Die Umfragen habe ich alle gewonnen – die Wahlen leider verloren“.

Es reicht, wenn zB Livni montags Abu Mazen die Hand schüttelt und dienstags, chas ve chalila und unberufen, Fatach-affilierte Leute einen Anschlag verüben. Von innerparteilichen Kämpfen und Intrigen mal ganz zu schweigen.

Ich denke übrigens, auf Olmert wird zuhause massiver Druck ausgeübt. Das hat er angedeutet. Ich glaube, seine Frau und Kinder haben das Spießrutenlaufen satt und wollen nur noch eine Rückkehr ins Privatleben. Das hat er schon öfter angedeutet und seine Frau auch. Sie haben natürlich alle von Papas reichen Freunden profitiert, aber ich weiß nicht, ob Aliza so abgebrüht ist wie ihr Udi.

6. Lila - Mai 31, 2008, 18:28

Interessanter Artikel in der JPost zu Tzippi Livni:
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1212041429553&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Ich hoffe sehr, sie hat das Potential, das ihre vorsichtige öffentliche Persönlichkeit manchmal zu erkennen gibt.

7. beer7 - Juni 1, 2008, 14:48
8. Lila - Juni 1, 2008, 23:02

Aber was sagst Du zu den Geschichten, die über sie rumschwirren?

http://www.haaretz.com/hasen/spages/989013.html

Wer die verbreitet, will wohl partout, daß sie gewählt wird 😀

9. beer7 - Juni 2, 2008, 7:43

Natuerlich will Ha’aretz, dass Livni gewaehlt wird. Sie wuerde die in meinen Augen falsche Olmertpolitik fortsetzen.

Die Geschichte stammt urspruenglich von Uzi Mahnaimi in der Times. Derselbe, der schon die Genbombe erfunden hat und anlaesslich von Baraks Amstantritt als Verteidigungsminister vor einem Jahr einen innerhalb von Wochen zu erfolgenden Grossangriff im Gazastreifen prognositizierte.

http://beer7.wordpress.com/2007/07/30/ein-genauerer-blick-auf-uzi-mahnaimi/

10. kurz notiert « Raumzeit - Juni 7, 2008, 10:20

[…] Aus der arabischen Welt sickern auch einmal andere Töne durch. Die Wahrnehmung Israels als das Reich des Bösen geschieht nicht ohne Gegenrede,wie hier berichtet wird und in Ägypten wird das Exodus-Thema des 20. Jahrhunderts der von dort vertriebenen Juden in der grössten Tageszeitung am Platz journalistisch aufgearbeitet. Mehr dazu bei Lila: Nicht verallgemeinern. […]

11. Robert - Juni 13, 2008, 16:58

Lizaswelt hat Deinen Beitrag übernommen, ohne die Quelle zu nennen. Das finde ich nicht fair, zeigt aber dass Du, Lila, gute Arbeit leistest.

http://www.lizaswelt.net/2008/06/abweichler.html

12. Lila - Juni 13, 2008, 17:07

Ich glaube nicht, daß das von mir übernommen war; ich glaube eher, daß Lizaswelt und ich dieselben Zeitungen lesen 😉

Ich spare mir ja immer das Übersetzen, sonst käme ich nie zu was anderem. Aber für Leute, die nicht gern Englisch lesen, ist das bestimmt eine Hürde. Ich finde es prima, daß jetzt hier ein Link zur deutschen Übersetzung steht, danke, Robert!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s