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Einfach so Oktober 12, 2007, 16:06

Posted by Lila in Uncategorized.
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In Israel wird in manchen Schulen nach einem ganz interessanten Konzept Geschichte gelehrt. Es ist das Konzept der Brücken und der Inseln (gsharim ve-i´im גשרים ואיים). Manche Themen sind Brücken (gesher גשר) – man geht drüber, um woanders hin zu gelangen. Andere Themen sind Inseln(ii איי) – man bleibt länger drauf und erforscht sie.

Mir ist diese Metapher, die mir ein Geschichtslehrer mal erzählt hat, im Gedächtnis geblieben. Seitdem verwende ich sie oft, für mich selbst. Brücken und Inseln – es gibt Menschen, die Brücken sind. Man läßt sie schnell hinter sich – oder sie uns. Andere sind Inseln, auf denen man gern verweilt, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Themen, die immer wiederkehren in meinem Leben – Inseln. Andere, von denen ich erkenne: sie haben mich nur zeitweise interessiert, haben mich woanders hin geführt.

Das Schöne ist, daß man im Leben, im Gegensatz zum Geschichtsunterricht, oft nicht plant und nicht weiß, ob man gerade auf einer Insel oder einer Brücke ist. Na gut, manchmal ist es klar. Aber manchmal merkt man es erst hinterher, als ob man durch Nebel gegangen ist, der sich dann lichtet.

Ich liebe Inseln, ich glaube, das ist eine Ur-Liebe der Menschen. Wie enttäuschend fand ich das Ende von Jim Knopf, wenn das ganze Land auftaucht und Lummerland keine Insel mehr ist! Was für eine banale Lösung! Auch Brücken sind so eine menschliche Liebe – sie sind menschengemacht und verbinden die großen und kleinen Inseln, auf denen wir leben. Die Brücke von Mostar, die Seelandbrücke meiner Kindheit, Cäsars Brücke über den Rhein, die modernen riesigen Brücken in Griechenland und Dänemark, die Golden Gate Bridge, die Brücke in Oslo, auf der Munch schreit – Brücken haben Charakter. Wir bleiben nicht auf ihnen, aber wir erkennen sie.

Schade, daß ich diese Metapher nicht erfunden habe, die Brücken und die Inseln. Es ist so ein schönes Bild, immer in Bewegung, mal über Wasser, von dem man nicht weiß, was unter der Oberfläche liegt – mal auf einem unbekannten Stückchen Land, durch das man neugierig streift und das man immer besser kennenlernt. Im Laufe der Jahre erwirbt man sich dann eine innere Landschaft, die ein bißchen aussieht wie Finnland – nur daß man da noch kleine Brücken und Stege hinzudenken muß – und ins Unendliche dehnen sich die unbekannten Archipel, von denen wir nichts wissen.

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