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Arbeit, Arbeit Oktober 15, 2007, 21:17

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Kunst, Uncategorized.
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Gestern war das erste Treffen mit den Kindergärtnerinnen – vielleicht erinnert sich jemand, ich habe angefangen, an zwei Fortbildungsstätten für Pädagogen zu arbeiten. Die Fortbildung für Kindergärtnerinnen mache ich zusammen mit einer kunstbegeisterten ehemaligen Kindergärtnerin, die einen M.A. in Früherziehung hat und nun eine Art Schulrätin, nur eben für Kindergärten ist. Wir verstehen uns gut, sie und ich, haben ähnliche Ideen, die wir von verschiedenen Seiten aus angehen – und die erste Stunde war puuuh, anstrengend. Die Kindergärtnerinnen kommen nach einem langen Arbeitstag und es ist genau die Nachmittagsstunde, wenn man eigentlich nur noch mit einem Kaffee pausieren möchte… Statt dessen werden sie bei uns mit anspruchsvollem Material konfrontiert.

Ich habe sofort gemerkt, daß die über 30 Frauen, die mir gegenübersitzen, in Grüppchen zerfallen, die sich kennen – sie haben wohl jahrelang zusammen Kurse in diesem Fortbildungszentrum gemacht, sind befreundet. Viele waren begeistert, daß sie eine relativ gründliche Einführung in kunsthistorische Grundbegriffe bekommen werden, damit sie nicht nur auf fertige Arbeitsmappen oder Ideen aus Büchern zurückgreifen müssen – aber ich habe sofort gespürt, daß hinten links drei Freundinnen saßen, die total enttäuscht waren und sich was ganz anderes vorgestellt hatten.

Das Konzept sieht so aus, daß ich die ersten zwei Stunden unterrichte, eben diese Grundbegriffe, und danach meine Kollegin eine Stunde praktische Ideen liefert. Von den praktischen Ideen meiner Kollegin waren alle total begeistert, von mir einige sehr, andere wohl nicht. Ich habe Spaß, wenn ich herausgefordert werde – ich hatte gestern großen Spaß und freue mich auf das Semester. Aber ein Publikum, das bisher gewöhnt war, in Fortbildungskursen zum Thema Kunst auszuschneiden, aufzukleben und nur praktische Tips zu kriegen, auf einmal mit abstrakten Begriffen zu konfrontieren – und das viele Jahre nach dem Studium – das reißt nun mal nicht alle vom Stühlchen.

Aber es bedeutet, daß ich mich einfach anstrengen muß, um meine Sachen wirklich gut zu verkaufen, um interessant und relevant und verständlich zu bleiben. Ich habe gestern mein Bestes getan, aber es war vielleicht doch nicht gut genug. Zumindest für mich nicht. Mal sehen, wie es nächstes Mal wird – ich gebe diese Serie ja in zwei verschiedenen Zentren, und ich bin gespannt, ob in der Großstadt die Atmosphäre anders ist als in der Kleinstadt, in der ich gestern war.

Hinterher kam übrigens eine Frau vom Schulamt, wie meine Kollegin eine Art supervisor für Kindergärten (mefakachat), und meinte, „ihr habt ein tolles Konzept, das hat uns hier schon seit Jahren gefehlt“. Wir haben also den ausdrücklichen Segen von oben – nur das Publikum müssen wir noch überzeugen.
Jeder Tag dieser und der nächsten Woche bringt mir Neues, das akademische Jahr fängt an und wie jedes Jahr habe ich viele neue Projekte. Jeden Tag bin woanders, muß mich auf anderes Publikum einrichten. Ich mach das sehr gern. Aber anstrengend ist es.

PS: Da kommt gerade eine Mail von der Kollegin. Sie ist begeistert, daß sie mich gefunden hat – genau, was sie gesucht hat und ich auch. Mir scheint, das wird gut weitergehen.

Kommentare»

1. dirk - Oktober 15, 2007, 21:46

Da kann man doch nur viel Erfolg wünschen!

2. Add a link - Oktober 15, 2007, 22:04

Falls man, wenn doch die Zeit etwas unglücklich scheint, erst die Stunde Praxis machen würde — fiele es hernach den Kindergärtnerinnen* vielleicht nicht ganz so schwer, sich auf die Theorie zu konzentrieren?
* Weißt Du, daß mancherorts die Kindergartenkinder Kindergärtner genannt werden?

3. Lila - Oktober 15, 2007, 22:11

Hier heißt der Gärtner ganan und die Gärtnerin ganenet (egal ob im Gemüse- oder Kindergarten). Die Kinder heißen yaldei-ha-gan, Kinder des Gartens.

Kindergärtner für Kindergartenkinder? Lustig.

Über die Reihenfolge haben wir auch nachgedacht. Aber die praktischen Anweisungen bauen eigentlich jeweils auf meine Ausführungen auf. Also Thema Farbe – theoretischer Hintergrund zur Farbe, danach praktische Tips. Ist irgendwie logischer.

4. Add a link - Oktober 15, 2007, 22:18

Ach, man kann der Theorie doch eine Woche Zeit lassen, sich zu setzen. Oder brauchen die Kindergärtnerinnen die Praxis zum Schluß vielleicht ja als Zuckerli (bzw. incentive)?

5. Ralf - Oktober 16, 2007, 10:23
6. Ralf - Oktober 16, 2007, 22:55

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