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Motive, Metaphern Oktober 23, 2007, 10:16

Posted by Lila in Kunst.
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Ich habe leichtsinnigerweise zugesagt, eine Reihe von vier Vorträgen zu halten, in einer Art Club, die Vortragsreihen anbieten. Dieses Halbjahr ist ihr Thema „Kunst und Natur“, und sie haben wirklich interessante Künstler, Bildhauer, Architekturhistoriker, was weiß ich alles eingeladen. Ich habe spontan, nachdem ich das Programm gesehen hatte, gesagt, ich mache mit, und zwar möchte ich jeden Vortrag einer anderen Landschaft widmen. (Nur Malerei und Photographie, denn die dreidimensionalen Künste sind schon durch andere Vortragende abgedeckt.) Ich möchte über die Wüste sprechen, das Meer, das Gebirge (und den Berg) und den Wald (und den Baum). Die Organisatorin meinte, das klingt interessant, und so war ich schwupps, verpflichtet.

Nun ist es das eine, so eine Vortragsreihe vor dem inneren Auge auftauchen zu sehen – mir schwebte schon irgendwas vor. Aber das dann auch wirklich umzusetzen war eine HEI-denarbeit, die mir gerade noch gefehlt hat! Noch dazu war der erste Vortrag über die Wüste, ein Thema, das mich vorher noch nie interessiert hat. Ich habe erstmal eine Unmenge von Stoff gesammelt – wirklich, mein Merkspruch stimmt, auch wer nur ein Löffelchen verfüttern will, muß trotzdem den ganzen Eintopf kochen. Ich habe letztendlich nicht mal ein Viertel der gesammelten Bilder auch gezeigt. Aber aus der Masse ergeben sich dann die Motive, die Einsichten, die Ideen. Keine Abkürzungen möglich. Das destilliert sich dann.

Die Grundthemen waren dann die Geschichte der Hagar und der Auszug der Kinder Israels (Wüste als Gegenpol zur bewohnbaren Welt, Wüste als Prüfung und Exil, Wüste als Vorbereitung und Reinigungl), diverse Wüstenheilige (Wüste als Rückzugsort, Ort der Askese und Visionen, Ort der Umkehr, Einsicht und Weisheit), Orientalismus (Wüste, Kamel und Araber als Orte unberührter Authenzität, leere Projektionsfläche und extreme menschliche Erfahrung – das ging bis zu Bildern von Peter O´Toole als Lawrence of Arabia), Surrealismus (Wüste als Metapher des Unbewußten und Projektionsfläche für Fata Morganas aller Art) und schließlich Heimat-Kunst (Regionalismus, Sandmalerei der Navajos bis Jackson Pollock in den USA, Traummalerei in Australien, Wüstenbilder aus Afrika). Abgeschlossen habe ich mit einem Kibbuzniks aus dem Negev, der in der Wüste malt.

Das war interessanter, als ich selbst gedacht hätte, und ich bin schon mal gespannt, was ich aus  den anderen Themen raushole. Wäre ich  ein bißchen karrierebewußter, würde ich da einen Artikel oder sowas draus schnitzen. Aber irgendwie wird daraus nie was. Ich vergesse schnell, wie viel Arbeit es war und was ich alles dabei gelernt habe, und schon muß ich mich an die nächste Arbeit setzen. Aber die Idee, das Thema Landschaft mal so aufzufächern, die ist eigentlich nicht schlecht. Ich denke mir, ich bin nicht die erste, die auf die Idee gekommen ist (Simon Schama hat so über Wälder geschrieben, Robert Rosenblum über Berge und Bäume). Aber ich arbeite eigentlich am liebsten mit den Bildern selbst, sehe sie mir in Abfolge immer und immer wieder an, bis ich verstehe, was ich sehe.

Übrigens habe ich keine Ahnung, was das zuhörende Publikum wirklich denkt. Während eines Vortrags sind immer alle aufmerksam. Aber wie viel hängen bleibt und wie überzeugend meine Ableitungen sind, das weiß der liebe Himmel. Verrückt eigentlich, daß man für so ein Luftgeschäft auch noch bezahlt wird, denke ich manchmal.

Kommentare»

1. Ralph - Oktober 23, 2007, 23:00

Hallo Lila,

wie läuft das eigentlich wenn Du so einen Vortrag vorbereitest?
Ist die Interpretation der Bilder dann stets deine eigene oder fragst Du die Maler, so sie noch leben sollten, was sie sich dabei gedacht haben bzw. damit aussagen wollten?
Liegt die Interpretation nicht immer individuell im Auge des Betrachters?

Mich erinnert das irgendwie an Textanalysen der alten Klassiker im Deutschunterricht. Da hatte immer der Lehrer die Deutungshoheit. 🙂

2. Fischer - Oktober 23, 2007, 23:08

*wirklich, mein Merkspruch stimmt, auch wer nur ein Löffelchen verfüttern will, muß trotzdem den ganzen Eintopf kochen.*

Darf ich mir den Merkspruch ausborgen? Der ist ja sooo wahr. Besonders beim Science-Blogging. *seufz*

3. Lila - Oktober 23, 2007, 23:51

Ralph – the medium is the message. Ich treibe keine Deutschlehrer-Interpretation im Sinne von „was will der Dichter uns damit sagen“. Hätte der Maler einen Essay schreiben wollen, so hätte er das getan. Manche haben es ja auch getan.

Ich arbeite ganz anders. Mal gucken, ob ich einen alten Eintrag finde zum Thema Symbole, Interpretationen und Panofksy-Bashing. Hier habe ich einen.

Aber was ich in meinen Vorträgen und im Unterricht erzähle, ist natürlich eine Mischung aus allem, was ich je gelesen habe… und meinen eigenen Gedanken. Und natürlich liegt allein schon in der Tatsache, daß ich wähle und anordne, was ich zeige, eine Verzerrung und Manipulation. Ich schicke das auch gern voraus, um das Publikum von vornherein zu warnen.

Aber das Bild, das Kunstwerk, hat immer Vorrang. Eine Interpretation, die das Kunstwerk nicht tragen kann, ist Quatsch.

Bei Bildern wie denen, die religiöse Mythen illustrieren, habe ich aber eine Basis in den Texten, auf die diese Bilder sich beziehen. D.h., da sauge ich mir nichts aus den Pfoten.

Wenn ich Dich aber an den Deutschunterricht in der Schule erinnere, oh weh, dann hab ich glatt versagt. Ich gehe in mich.

4. Ralph - Oktober 24, 2007, 10:07

Moin Lila,
mein Hinweis auf den Deutschunterricht sollte keine Kritik sein. Es war eben nur der erste Gedanke, der mir beim Lesen deines Artikel durch den Kopf schoss.

Und du hast natürlich recht, wenn man die Symbolsprache der Zeit, aus der das jeweilige Bild stammt, nicht kennt, sollte man eine Interpretation nicht beurteilen oder hinterfragen.

Ich habe es eben mehr mit Büchern. Bilder lösen in mir nur sehr selten etwas aus.

5. Marlin - Oktober 24, 2007, 23:40

*schnief* will auch mal bei Lila zuhörn. 😦

Gäbe es die Möglichkeit, solche Veranstaltungen auf Audio zu bannen? (Geschweige denn Video..)

Und dann natürlich zur Verfügung zu stellen. Dann kannste selber noch drauf zugreifen für Artikelbau. 🙂

Und ich würde mich freuen.

6. Heidi - Oktober 25, 2007, 11:58

Ja, das wär’s doch. Ich würde mich auch freuen.
Liebe Lila, das Konzept des Vortrags könntest Du doch in Deinem Blog ‚veröffentlichen‘, selbst wenn es nicht mit Feinheiten ausgearbeitet ist. Es wäre bestimmt sehr interessant.

7. Lila - Oktober 25, 2007, 17:31

Liebe Heidi, Deine Frage von vor ein paar Wochen habe ich zu drei Vierteln beantwortet :-((( und noch nicht veröffentlicht… 😳

Ich bin gerade gar nicht mit mir zufrieden, was meine Vortragsqualitäten angeht…. Gestern hätten ein paar griesgrämige Kindergärtnerinnen viel dafür gegegeben, von mir verschont zu bleiben. Sie waren wirklich ziemlich trotz aller meiner Versuche, volksnah, interessant, relevant und praktisch verwertbar zu bleiben, geradezu widerborstig.

Ich weiß, daß das nicht meine Schuld ist, sondern daß sie was gegen das neue Konzept der Weiterbildung haben, das nicht nur auf Patentrezepte setzt. Einige wollen ihre alte Lehrerin, die mit Kleber, Schere und einem Haufen alter Zeitungen ankommt und ihnen Techniken zeigt, die sie eins zu eins im Kindergarten umsetzen können.

Das kann ich sogar verstehen. Sie sind ja fachfremd. Aber es ist doch unangenehm, vor einem Publikum zu stehen, das durchsetzt ist von Grüppchen erwachsener Frauen, die unbefangen miteinander plaudern, am Telefon sprechen und zwischendurch rausgehen. ??? Was soll ich da machen?

Die Mehrzahl sind ja zufrieden, einige sogar begeistert, und die Kolleginnen finden meine Reihe toll, aber was nützt mir das, wenn ich diese Grüppchen dabeihabe? Ich hab keinen Nerv für Machtkämpfe und mahne nicht mal Kinder gern, geschweige denn Erwachsene. Noch interessanter sein!!!

Und heute bin ich elend frustriert mit mir selbst aus einem weiteren Vortrag gekommen. (Wobei das Publikum ebenfalls nichts davon gemerkt hat – ich hoffe es zumindest.) Ich halte meine eigenen Zeitvorgaben nicht ein. Ich ticke im 90-Minuten-Takt, das bin ich einfach so gewöhnt. Wenn ich, wie in dieser Institution, 75 Minuten lang unterrichten muß, krieg ich nicht alles rein. Egal wie ich kürze – und ich habe brutal gekürzt! – es klappt nicht. Über sowas kann ich mich schwarz ärgern. Noch besser planen!!!

Aber jetzt hab ich erstmal Wochenende………………….

8. Heidi - Oktober 25, 2007, 19:18

Liebe Lila,
wie gut ich das nachvollziehen kann, dass Du frustriert bist und Dich ärgerst. Ich war Realschullehrerin, musste also immer im Zeittakt arbeiten, 45 Minuten, und kam meistens nicht hin mit der Zeit. Ich hatte immer große Klassen, über 30 Schülerinnen,und kann sagen, dass man mit einem Vortrag oder Unterricht wohl nie a l l e gleichmäßig erreichen oder zufriedenstellen kann. Das geht einfach nicht, das gelingt nicht einmal einem Komiker. Soll heißen, mit einem anspruchsvollen Thema ist es umso schwieriger.
Wenn etwas nicht so läuft wie man es sich vorstellt, kann man es mit Methodenwechsel probieren.( Zum Beispiel bei einem Vortrag eine Diskussion in Gruppen einbauen, vielleicht Ergebnisse vortragen lassen. usw.) Ich möchte aber hier nicht groß Ratschläge geben, das steht mir nicht an, dazu weiß ich zu wenig über das gesamte Drum und Dran.
Ich möchte nur Mut machen. Man muss immer wieder etwas Neues probieren, man wird nie damit fertig. Das macht aber nichts,das ist das Spannende!
Ein schönes, erholsames Wochenende wünsche ich.

9. Marlin - Oktober 25, 2007, 22:14

Mein Vorschlag steht immer noch!

Und solche Trullas.. tja.. dazu kann ich wenig sagen. Bin ja das perfekte Publikum.

Handys aus, sonst wird zurückgeklingelt, und ansonsten bei Quatschen den Rohrstock Tango aufm Hintern tanzen lassen. 😀 Oder Pantoffel.

Nee, ehrlich jetz ma, tut mir leid, dass Du solche Damen dabeihast.


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