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20. Oktober Oktober 21, 2007, 1:08

Posted by Lila in Persönliches.
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ist unser Hochzeitstag. Was für ein Zufall, daß wir uns kennengelernt haben! Fast hätten wir uns verpaßt. Ist das schön, verheiratet zu sein, so spießig-gemütlich sich das anhört… und es ist doch eigentlich eher ein Abenteuer. Wenn auch weniger anstrengend als Single-Abenteuer.

Ich höre in letzter Zeit von Single-Freundinnen so viele Horrorgeschichten, die Partnersuche in Zeiten des Internets ist nicht leichter geworden, sondern ein ganz zynisches Ruck-Zuck-Auswahlverfahren. So wie Curt Goetz, war er das?, bei Carl Zuckmayer die Küken-Auswahl schildert, unter den Bürzel geguckt und sortiert.

Meine Freundinnen sagen, so geht das zu. Die Auswahl scheint unendlich, morgen wird der Richtige schon erscheinen, warum heute Zeit mit einem Stiesel verbringen, auch wenn er halbwegs nette Mails oder SMS schickte? Einerseits finden sie es gräßlich, wegen ihres Aussehens sofort ausgebürzelt zu werden, andererseits machen sie es selbst genauso. (Oh, in der ZEIT ist dazu eine ganze Serie, habe sie nur überflogen und mag sie deswegen nicht verlinken – fiel mir nur so ins Auge.)

Y. und ich haben uns kennengelernt, bevor wir noch in das Alter kamen, in dem man zu Hilfsmitteln greift. Wir waren beide in mehr oder weniger festen Händen, als wir uns kennenlernten, und waren beide überhaupt nie in der Situation, daß wir jemanden gesucht haben und nicht wußten, wie oder wo oder wen. Das ist Anfang 20 alles gar kein Thema. Wir lernten uns kennen, hatten das Gefühl, das war´s – und das war´s.

Wenn ich mir das jetzt so überlege, würde ich auch sagen, wir waren recht hurtig mit unserem Entschluß, zu heiraten. Für zwei traumatisierte Scheidungskinder, die immer verkündet hatten, sie wollten nie heiraten, haben wir uns in Windeseile besonnen und uns an das Endlos-Projekt „transnational heiraten“ begeben.

Es hat dann noch fast ein Jahr gedauert, bis wir wirklich die Ringe kaufen konnten – hab ich doch schon öfter erzählt, wie die Juweliers-Verkäuferin uns anstarrte, weil wir Englisch sprachen. „Ja ist Ihr Verlobter en Engländer?“, fragte sie in diesem herrlichen rheinischen Singsang. „Nein, ein Israeli“. Und sie, mit großen Augen: „DAS ist der Israeli? oh, wir haben Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen und uns gefragt… Gabi, komm doch mal, hier ist der Israeli!“ Und sie staunten ihn an. „DEN“ Israeli.

Wir haben dann ganz einfache goldene Ringe genommen, und ich habe auch die deutsche Sitte, Namen und Hochzeitstag eingravieren zu lassen, übernommen – auch wenn das in Israel gar nicht üblich ist. (Ist sogar unerwünscht, Gravierungen im Ehering, glaube ich). Aber ich habe als Kind gern die Eheringe meiner Eltern angeguckt, und tatsächlich, auch meine Kinder haben das alle gern gemacht und wie ich früher gerätselt, warum nicht jeder seinen eigenen Namen am Finger trägt. Wenn wir die Ringe abnehmen, was wir selten tun, sieht man, wo sie hingehören. Wir können sie also gar nicht richtig abnehmen, unsere Finger sind auch ohne Ring beringt.

Tja, ich weiß also gar nicht, wie das ist, partnerlos, partnersuchend zu sein. Ich kann es darum nur schlecht nachvollziehen. Aber ich gehöre auch nicht zu den Leuten, hoffe ich zumindest!, die nur ihren eigenen Lebensstil für Einzig Wahr und Richtig halten und alles andere für irgendwie minderwertig…

Für mich sind meine partnerlosen Freundinnen vollwertige Personen, ich bewundere, wie sie ihr Leben allein meistern, und übe mich immer ein bißchen in Selbstzweifel, wenn ich vergleiche. Die schaffen was, wovon ich nicht weiß, ob ich es könnte. Und das muß auch schön sein, zu fühlen, daß man selbständig ist und zurechtkommt. Nicht als Teil eines Paars, sondern allein. (Ich fühle ihren Ärger mit, wenn sie von Ehefrauen dann sofort des Männerraubs verdächtigt werden – auch für Geschiedene und Witwen ein trauriges Kapitel, wenn die verheirateten Freundinnen sich auf einmal zurückziehen!)

Meine Freundinnen also fragen sich, „hmm, wäre ich überhaupt imstande, mit jemandem zusammenzuleben, wo ich doch schon Ende 30 bin und allein eigentlich immer gut zurechtgekommen bin?“, und ich frage mich, „hmm, wäre ich überhaupt imstande, allein zurechtzukommen, wo ich doch schon fast Mitte 40 bin und eigentlich seit 20 Jahren mit jemandem zusammenlebe?“ Und dann versichern wir einander, „das könntest du schon, da bin ich mir sicher – wenn ich das kann, kannst du es auch“.

Obwohl ich meine Freundinnen bewundere, und interessanterweise habe ich eine ganze Batterie alleinstehender Powerfrauen, die seit vielen Jahren meine Freundinnen sind!, möchte ich doch nicht mit ihnen tauschen. Mir gefällt das Leben als gebundene Frau. Mir gefällt, daß ich Teil eines Paars bin, zu jemandem gehöre, der mich akzeptiert, auch wo mir selbst das Akzeptieren schwerfällt, und dem es wiederum gefällt, mit mir zu leben. Das kommt mir zwar seltsam vor, aber Y. lacht mich aus und meint, alle Frauen sind schwierig, und ich soll mir nicht einbilden, schwieriger zu sein als alle anderen.

Und was würde ich, wenn jemand so leichtfertig wäre und mich um Rat fragte, als unverzichtbare Bedingungen für eine stabile Ehe bzw Langzeit-Partnerschaft nennen? Nichts Originelles. Von sich selbst mehr verlangen als vom anderen. Sich für den anderen interessieren. Den anderen niemals einfach so hinnehmen wie eine Tapete, an die man sich gewöhnt hat. Die Fehler des anderen nicht zu wichtig nehmen. Kritik annehmen lernen, so wie sie gemeint ist: nicht als Ablehnung, sondern als kleine, liebevolle Hilfe bei der Selbstkorrektur. Auch mal eine Pause voneinander machen. Er mit den Kopfhörern und Musik, ich mit einem Buch oder dem Blog. Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Liebe – bemerken, wie es dem anderen gerade geht, ihm ein gutes Wort geben. Nicht nachtragen und nicht nachkarten.

Und am wichtigsten für mich: ich kann immer noch über Y.s Witze lachen. Ich finde ihn einfach sehr, sehr witzig – und ich weiß, wenn ich ihn bei guter Laune halte, dann habe ich auch mehr zu lachen. Das ist ein Perpetuum mobile. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich ihn sehe. Und ich hoffe, das geht noch viele Jahre so weiter. Sehr lang ist so ein Menschenleben nicht, und ich bin dankbar für die vielen guten Jahre, die wir bisher zusammen hatten.

Kommentare»

1. david - Oktober 21, 2007, 1:25

Indiskrete Frage, aber das interessiert mich immer sehr: An welchem Finger tragt ihr denn jeweils die Ringe?

2. Lila - Oktober 21, 2007, 1:33

Linker Ringfinger, alle beide.

3. Jolie - Oktober 21, 2007, 1:47

Nachträglich alles Liebe und Gute Euch Zweien!

4. beer7 - Oktober 21, 2007, 16:58

Herzlichen Glueckwunsch!

5. Add a link - Oktober 21, 2007, 17:14

Die FAZ, glaube ich, möchte auch ganz herzlich gratulieren, mit einem Interview.
http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~EF8D26A8168294340AACD1CE82D7B0ACF~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Muß doch so gemeint sein?

6. kaltmamsell - Oktober 21, 2007, 17:53

Herzlichen Glückwunsch! Vor allem dazu, dem Partner für diese Art Partnerschaft begegnet zu sein.

7. Herr Rau - Oktober 21, 2007, 19:19

Herzlichen Glückwunsch! Keine Ringe bei uns, aber ich kann mich nur anschließen: Ist das schön, verheiratet zu sein.

8. Elisabeth - Oktober 21, 2007, 20:55

Liebe Lila, einen ganz herzlichen Glückwunsch an Dich zu schicken, freut mich zu diesem Anlaß besonders! Was Du geschrieben hast, kann ich nur voll und ganz unterstreichen, auch ich bin gerne verheiratet, zwar zum 2. Mal, aber auch das schon seit 6 Jahren (immerhin!), beim erstenmal waren es 27 Jahre, von denen die meisten ziemlich gut waren. An meinem Mann liebe ich besonders, dass wir so schön gemeinsam lachen können, er ist ein beigeisterter Esser der Dinge, die aus meiner Küche kommen, er überläßt mir die Oberhoheit über die Computer und – ich glaube, dass ist das Wichtigste – er respektiert mich als Mensch mit Erfahrungen und Gewohnheiten, die ich/man sich so im Laufe des Lebens angeeignet hat. Und darüber hinaus bereichert er unser gemeinsames Leben mit so wundervoller Musik und er teilt meine Liebe zu den Katzen und zu meinen Kindern.
Ich bin ein Glückskind, wirklich.

9. willow - Oktober 21, 2007, 21:22

Von Herzen alles Gute… wie freue ich mich für dich!
Gerade auch, weil mir manches bekannt vorkommt 😉 den wievielten feiertet ihr? – könnte das eine halbwegs runde Zahl sein??? 🙂

Weiter so!

10. Manfred - Oktober 21, 2007, 22:30

Herzlichen Glückwunsch, Lila, und weiterhin Alles Gute!

11. rika - Oktober 21, 2007, 23:07

alles, alles gute und herzlichen glückwunsch!

ja, gemeinsam lachen können ….

12. eran - Oktober 22, 2007, 1:32

Liebe Lila,

auch von mir Herzlichen Glückwunsch

13. schoschana - Oktober 22, 2007, 15:50

herzlichen glückwunsch auch von mir! bei uns ist es heuer das 24. jahr. ich glaube, kein mensch kennt mich so gut wie mein mann. wenn man so jung zusammenkommt, dann ist das wirklich wie „verwachsen“. man wird ja zusammen er-wachsen sozusagen. ich freue mich auch noch jeden morgen, wenn ich meinen mann sehe. das hat nicht nachgelassen. manchmal habe ich ängste, dass das eines tages aufhören könnte (es wird so sein, einer muss irgendwann zuerst gehen), aber ich verdränge das dann ganz schnell und stelle mir vor, wie wir tatterig mit ein paar und 80 immer noch zusammen lachen.

14. jim - Oktober 22, 2007, 15:55
15. jim - Oktober 22, 2007, 15:57

ok, bin halt zu ungeschickt – das Kleeblatt, das vierblättrige möcht ich Euch gern schenken.

jim

16. Kunst, Kitsch und Krempel - November 5, 2007, 15:47

Von dieser Stelle…

mchte ich Lila und ihrem Y. nachtrglich alle guten Wnsche zum Hochzeitstag ausdrcken.
Ich hab den Eintrag verlinkt, weil ich dieses Hohelied der Liebe auch meinen Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten mchte.

Einer Frage kann ich mich nich…

17. Birgit - November 5, 2007, 19:01

Weil Loco es verlinkt hat, habe ich es lesen dürfen. Schön ge- und beschrieben. Ich kenne beide Leben. Und es gibt immer nur das eine, gute Leben.

Glückwunsch für Euch von mir!


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