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Waffenruhe? August 26, 2014, 21:44

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Seit dem Nachmittag habe ich Posten vorm Fernseher bezogen und mir Ansichten zum Waffenstillstand angehört (hatte die Augen auf dem Schal, den ich gerade häkle). Ein bißchen Zeitungen gelesen habe ich auch. Die Einschätzungen sind unterschiedlich. Sehr viele Israelis, auch in der Regierung, sind unzufrieden. Sie hätten lieber eine Bodenoffensive II gesehen, mit dem Ziel, die Hamas zu zerschlagen, abzusetzen, den Gazastreifen wieder zu übernehmen.

Meine eigene Meinung ist unmaßgeblich und noch nicht abgeschlossen. So wie das Urteil über Libanon II erst jetzt möglich ist, nachdem sich gezeigt hat, daß die Hisbollah jedes Interesse an einer weiteren Runde mit Israel auf Jahre hinaus verloren hat (wer uns beschießt, das sind palästinensische Splittergruppen), so wird es uns auch mit Zuk Eytan gehen. Libanon II hat Ruhe an der Nordgrenze gebracht, und wenn nach 14 langen Jahren des stetigen Beschusses auf den Süden jetzt ähnliche Ruhe dort einkehrt, dann war Zuk Eytan ein Erfolg.

Die “Zugeständnisse” Israels sind keine, denn humanitäre Hilfe über die Grenze hat Israel ohnehin schon die ganze Zeit geleistet.

Die Bedingungen für den Waffenstillstand lagen schon seit Wochen auf dem Tisch. Wer sich dagegen gesträubt hat, sie anzunehmen, war Khaled Mashaal, der Hamas-Strippenzieher, der im fernen Qatar anordnet, daß Gaza weiteren israelischen Beschuß aushalten muß. Der meist sehr gut informierte Ehud Yaari jedenfalls erklärte detailgenau, wo der Riß zwischen Hamas-Qatar und Hamas-Gaza verläuft, und daß ein weiterer Riß Hamas-Gaza und einfache Leute-Gaza trennt. Die einfachen Leute hatten schon lange die Nase voll, Hamas-Gaza hätte ebenfalls schon vor einiger Zeit gern einem Waffenstillstand zugestimmt, doch Hamas-Qatar drang auf eine Fortführung. Und das, laut Yaari, auf Druck der Qataris.

Hamas-Gaza hat sich gegen Hamas-Qatar durchgesetzt. Die albernen Versuche, jetzt Siegestaumel zu inszenieren, können nicht beeindrucken – in den Trümmern stehen traumatisierte Menschen, während hysterische Politiker ins Mikrophon was von entessar und jihad kreischen. Dazu ballern sie besinnungslos in die Luft. Falls jemand dadurch ums Leben kommt – kein Problem, wird Israel auf die Rechnung gesetzt. (Angeblich schon zwei Tote bei den Siegesfeiern…)

 

Selbst wenn es ein Sieg wäre, wäre er zu teuer erkauft – und es ist keiner, sondern, wie ich hoffe, der Nagel im Sarg der Hamas. Sie hat keine Freunde mehr, keine Unterstützer. Die Ägypter kommen der Hamas kein bißchen entgegen (Grenzübergang Rafah soll geöffnet werden…) und aus der arabischen Welt schlägt ihnen ebenfalls wenig Sympathie entgegen. Iran, Türkei, Qatar – keine guten Bundesgenossen, fürchte ich. Der Westen, auch Israel, möchte Abu Mazen gestärkt sehen, und die Alleinregierung der Hamas im Gazastreifen könnte bald schon Geschichte sein. Sie hat Schlüsselfiguren und Infrastruktur eingebüßt, und sie wird der Bevölkerung nur schwer klarmachen können, daß der Bruch von elf (!) Waffenruhen wirklich zu ihrem Besten war.

Die Frage bleibt natürlich, selbst wenn die Hamas ihren Rückhalt verliert und ihre Macht – wer tritt an ihre Stelle? In der islamischen Welt gibt es viele Strömungen, und was im Moment aufsteigt, sieht aus wie die Hamas auf Steroiden. Starken Steroiden. Ich kann die Zukunft des Gazastreifens nicht optimistisch sehen.

Außerdem fragen sich alle: was passiert, wenn die nächste Rakete aus dem Gazastreifen kommt? Egal, ob von der Hamas oder einer unautorisierten Splittergruppe abgeschossen – was tun wir? Und was ist mit den Tunneln?

In den Verhandlungen nächsten Monat wird es hart auf hart gehen. Abu Mazen beabsichtigt, als good cop seine Rolle so gut zu spielen, daß internationale Daumenschrauben an Israel gelegt werden. Er möchte eine Räumung der umstrittenen Gebiete – zurück auf die Waffenstillstandslinien von 1949. Das wird nach dem schlagenden Beweis an allen Fronten, was mit Gebieten passiert, die Israel räumt, nicht mehr geschehen. Nicht in unserer Generation, so gern viele Israelis diesen Mühlstein um den Hals auch los wären. Aber wir sind in den letzten Monaten zuverlässig aus allen Gebieten beschossen worden, die wir geräumt haben, aus dem Sinai, dem Südlibanon, dem Gazastreifen und als Zugabe auch noch aus den Golanhöhen – und was von dort gekommen wäre, wenn dieser kleine Teil der Golanhöhen nicht in israelischer Hand wäre, mag man sich kaum ausmalen.

Den Nagel im Sarg dieser Ambitionen war wohl der Beschuß auf Lod und die Schließung des Flughafens. Keiner kann Israel zumuten, seinen einzigen Ein- und Ausgang zur Welt auf Gedeih und Verderb seinen bitteren Feinden auszuliefern. Das heißt – versuchen werden sie es natürlich wieder, die Schweden, Russen, Franzosen und andere Helden, die selbst keine Sekunde bereit wären, jahrzehntelangen Beschuß auszuhalten, wie ihn die Bewohner des Hula-Tals oder des Negevs ausgehalten haben.

Da wird Abu Mazen (der ja selbst nicht allzuviel Rückhalt hat) einsehen müssen, daß er sich verkalkuliert hat. Der Bund mit der Hamas war ein schwerer Fehler, und ich weiß nicht, wie einem solchen Fuchs wie Abu Mazen so ein Fehler unterlaufen konnte. Wer weiß, was für Druckmittel im April eingesetzt wurden. Und ich vermute, daß die Menschen neulich mit den Säcken auf dem Kopf, die vor Moscheen kniend erschossen wurden, zur Fatach gehörten. Viel böses Blut ist zwischen Hamas und Fatach, und die Fatach wird die Hamas nicht retten.

Die Siegesrede jedenfalls kulminierte in dem Ruf: unser Weg ist der Jihad! Ob sowas bei Euch gesendet wird, weiß ich nicht, aber wir haben es live gesehen und waren nicht überrascht. Die Hamas und ein Teil der palästinensischen Bevölkerung ist nach wie vor auf dem Weg des Jihad. Von Frieden war keine Rede, von gütlichem Abkommen. Keine Zukunftsperspektive. Auch Abu Mazen hat keine zu bieten, außer der Durchsetzung der seit Jahrzehnten wiederholten Maximalforderungen, hinter denen sich die Absicht verbirgt, den jüdischen Staat zu ersetzen.

Netanyahu jedenfalls hat seine Linie durchgesetzt, auch wenn er im Moment höchst unpopulär ist und über einige Entscheidungen noch lange diskutiert werden wird. Er hat auf die Luftwaffe gesetzt und nach dem Bruch des letzten Waffenstillstands den Druck deutlich erhöht. Das war selbst für Laien wie mich erkennbar. Die Armee hat noch aggressiver Ziele angegriffen, die als Kommandozentralen, Abschußgebiete oder Symbole der Macht der Hamas dienten, darunter auch Hochhäuser mit Einkaufszentren. Außerdem wurden schwerere Bomben eingesetzt, die mehr Schaden anrichten, auch in der Umgebung, und die tief in den Boden eindringen. Und es wurden gezielt Kommandeure der Hamas angegriffen. (Die Einschätzung hier lautet, daß Deif wahrscheinlich entweder tot oder schwer verletzt ist, und daß wir vielleicht nie die Wahrheit erfahren werden – ohne Informanten bloßzustellen, kann auch die Armee nicht mehr dazu sagen.)

Diese drei Elemente: die erhöhte Aggressivität, die schwereren Waffen und die gezielten Tötungen, haben letztendlich die Hamas im Gazastreifen davon überzeugt, daß die Bevölkerung das nicht länger aushalten kann und eine Waffenruhe dringend notwendig ist. Das ist die Einschätzung der Armee, naturgemäß, und das ist auch Netanyahus Kalkül gewesen. Die Hamas hätte eine Bodenoffensive II begrüßt und hat Israel geradezu eingeladen. Das hätte sehr hohe Verlustzahlen bedeutet – der Weg hätte durch ein Netz von Sprengfallen geführt. Die Hamas hat Gaza sorgfältig präpariert.

(Gestern war ich im Kibbuz und traf dort eine frühere Nachbarin, deren Enkel mit Secundus befreundet ist – er war dort, er ist bei der Einheit Yahalom, und das wenige, was mir die Oma erzählen konnte, hat mir gereicht – der Kampf gegen die Tunnel kann auch geführt werden, ohne Hunderte von Soldaten in Kankras Höhle zu schicken.)

Wie viele zivile Opfer der Einsatz der Luftwaffe wirklich gefordert hat, wird noch untersucht werden müssen. Jedes zivile Opfer ist eines zuviel, und wäre die Hamas keine Terror-Organisation, täte es mir auch um die nicht-zivilen Opfer leid. Aber leider hat der Kampf gegen den Terror einen schrecklichen Preis, den auch Unbeteiligte zahlen.

Ob es manchem im Gazastreifen, der sich an die Zeiten vor der Hamas erinnert, nicht leidtut, sie an die Macht gebracht zu haben? Sie dürfen es nicht sagen, nicht mal denken. Auch das tut mir leid. Wir können an all diesen Dingen nicht viel ändern. Vierzehn Jahre Beschuß – und keiner weiß, ob und wann es das wirklich gewesen ist. Und komplett sinnlos. Wie viele schöne, lebensverschönernde und lebenswichtige Dinge hätte man produzieren können, statt alle Ressourcen in Waffenbau, Tunnelbau, Propaganda zu investieren. Ein Jammer.

Also, wie es auf die Dauer weitergehen wird im Gazastreifen und mit dem Gazastreifen, weiß keiner. Wird daraus wieder ein attraktives Ziel für Touristen, mit Hotels am Strand und Fischrestaurants und Gewächshäusern voller Nelken und Erdbeeren? Oder wird ein Vorposten der Hölle daraus, schlimmer als heute, wo IS und unendlich viele Terror-Splittergruppen sich Machtkämpfe liefern und die Bevölkerung als Geiseln halten?

Jeder weiß, was ich den Bauern, Geschäftsleuten, Hausfrauen, Schulkindern und Fischern dort wünsche. Ich wünsche ihnen aber auch die Weisheit, selbst Schritte zu tun, um sich aus den Klauen der Terroristen zu befreien – physisch, aber auch mental.

Und wir? Unser Aktionsradius ist beschränkt. Vielleicht werden die vielen obsessiven Israel-Kritiker irgendwann mal einsehen, daß Israels Feinde eben keine friedliebenden, harmlosen, gutherzigen Gesellen mit etwas hitzigem Temperament sind, sondern verblendete, manipulative, gewaltverherrlichende Anhänger eines Todeskults, in deren Lexikon weder Kompromiss noch Selbstzweifel existieren. Sie haben einen Langzeit-Plan. Vielleicht tun uns die barbarischen Taten und Worte der IS-Terroristen ja den Gefallen, die fest geschlossenen Augen des europäischen Friedensträumers einen Spalt weit zu öffnen. Mit manchen Leuten ist nicht in Frieden zu leben, egal wie gern man möchte. Über Jahre hinweg hat Barak den Beschuß aus Gaza ignoriert, hat es geholfen? Nein.

Unser Kriegsziel war weder Tod noch Verderben der Feinde noch irgendeine Eroberung oder Bezwingung. Unser einziges Kriegsziel war: Ruhe und Frieden für die Bewohner der Gegend, die von Raketen aus dem Gazastreifen erreichbar ist. Ist das ein zu hohes Ziel?

Das wird sich zeigen.

(Sehr lesenswert – Ulrich Sahm bei Heplev, der immer ausgezeichnete Quellen bringt.)

Nach 32 Tagen Miluim… August 24, 2014, 21:24

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…. sagen ein paar Soldaten Danke.

Sie bedanken sich bei allen, die ihren Aufenthalt im Süden angenehm gestaltet haben – besonders den vielen Bürgern, von denen sie beschenkt und versorgt wurden.

Dieser Clip zeigt gleichzeitig ziemlich viele Aspekte der israelischen Mentalität und Armee. Es sind Miluim-Soldaten, also Reservisten, die älter sind als reguläre Soldaten, erfahrener, gelassener und keine Jungens mehr. Sie sind meistens eine eingeschworene Gemeinschaft, die über Jahre und Jahrzehnte hinweg zusammen Miluim macht, sich kennt und locker miteinander umgeht.

Im Gegensatz zu anderen Armeen ist die israelische, und ganz besonders bei den Miluimnikim, der Umgang locker, die Uniformen sind schlampig und ungebügelt, und die Hierarchien sind flach. Zackigkeit, zwanghafte Rituale wie Spindkontrolle und ähnliche Spirenzchen gibt es nicht – nur in der Grundausbildung, wenn aus Schulkindern Soldaten und Soldatinnen werden, wird der Unterschied mit dem zivilen Leben deutlich gemacht, aber nach der großen Party des “Distanz-Bruchs” ist es damit vorbei. Allerdings müssen reguläre Soldaten bestimmte Kleidungsvorschriften einhalten, aber auch sie laufen oft in ungebügelten Uniformen rum.

Einmal, als Y. in wirklich total zerknitterter Montur zum Miluim fuhr, wollte ich protestieren, doch er grinste nur und meinte: in unserer Basis laufen keine regulären Soldaten rum, da brauch ich mir keine Mühe zu geben. Nur seine roten Stiefel hat er stets gut in Schuß gehalten.

Man sieht den Männern an, daß sie seit über einem Monat irgendwo im Süden campieren, aber auch bei normalem Miluim laufen sie so rum, unrasiert, Hemd aus der Hose, zerstrubbelt.

Und sie haben Humor und Lebensfreude. Etwas, das ganz viele Israelis einfach so ausstrahlen. Egal wie miserabel die Lage ist, man meckert erstmal gründlich und dann sucht man die Seiten, über die man lachen kann und sich freuen. So wie diese Soldaten nach 32 Tagen zwischen Mörsergranaten und Bodenoffensive sich gern bedanken möchten bei denen, die ihnen die Zeit erleichtert haben.

Wenn sie nach Hause kommen, ziehen sie die Uniform aus und gehen wieder ins Geschäft, in die Schule, in die Firma oder aufs Feld. Und wenn das nächste Mal der Brief mit dem dreieckigen Stempel kommt, na dann holen sie wieder die Uniform raus, putzen den Staub von den Stiefeln und packen ihren Kram, um wieder für Israel zu kämpfen. Ohne Haß, ohne Kampfparolen, ohne Prahlerei. Wenn man sie fragt, warum eigentlich?, dann würde vermutlich bei den meisten die Antwort lauten: ki ein breira – weil wir keine Wahl haben.

Ich hoffe, daß Leute, die diesen Clip sehen, verstehen, warum wir uns so auf die Armee verlassen. Auf diesen Männern (und Frauen) ruht Israels Überleben seit Jahrzehnten. Wir wissen das.

(Clip zuerst gesehen: hier)

Und kurze Zeit später – eine Ergänzung.

Was sehe ich beim unschlagbar aktuellen und interessanten Elder of Zion? Ein Soldat, der erzählt, wie es ist, gegen die Hamas zu kämpfen.

Ergänzende Details August 24, 2014, 20:54

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Die Rakete gestern nacht, die aus dem Libanon, fiel in einem von Drusen bewohnten Ort. Glücklicherweise war die Familie, deren Haus getroffen wurde, nicht zuhause. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Heute nachmittag fielen  am Grenzübergang Erez wieder Mörsergranaten, diese Kurzstreckenwaffen, gegen die Iron Dome nichts ausrichtet, und der schon mehrere Israelis zum Opfer gefallen sind. Am Grenzübergang Erez warteten gerade Taxis auf palästinensische Kranke, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter auch drei der Taxifahrer. Arabische Israelis.

Keiner kann sich sicher fühlen. Die Mörsergranaten fallen, wo sie fallen, oft ohne Vorwarnung. Auch der kleine Junge aus einem Kibbuz in der Nähe zum Gazastreifen ist von so einer Waffe getötet worden. Ja, ja, diese Feuerwerkskörper töten und verletzen. Außerdem versetzen sie Zivilisten über Jahre hinweg in Angst und Schrecken.

Ich habe den Eindruck, daß Netanyahu diesmal die Sache bis zu Ende durchfechten will und eigentlich auch nicht anders kann. Anders als vor fast zwei Jahren ist kein ägyptischer Vermittler daran interessiert, ein Abkommen zu zimmern – und nach der begrenzten Haltbarkeit des letzten wäre Israel dazu auch nicht mehr zu bewegen. So widerwillig Netanyahu sich in diese neue Runde begeben hat, so zäh zieht sich die Sache jetzt auch hin. Bei jeder Waffenruhe hatten wir eine winzige Hoffnung, daß irgendjemand bei der Hamas Vernunft annimmt, Mashaal anruft, der es sich in Qatar gutgehen läßt, und ihm verklickert, daß es so nicht weitergehen kann und sie das Feuer auf Israel einstellen. Aber das passiert natürlich nicht. So lebensmüde ist keiner. Und so geht es weiter.

Abu Mazen stellt eine politisch-diplomatische Initiative in Aussicht. Deutlicher kann er nicht zeigen, daß ihm die Linie, zu der Khaled Mashaal die Hamas drängt, nicht paßt. Auch die offene Kritik an den mörderischen Hinrichtungen paßt dazu. Das ist immerhin ermutigend – Ehud Yaari meint, es gab einen riesigen Krach, als die beiden in Qatar zusammentrafen. Yaari skizzierte auch eine der Ideen, die Abu Mazen zugeschrieben werden – eine Art internationales Mandat für den Gazastreifen. Mal gucken, ob die Idee Hand und Fuß hat.

Weder das eine noch das andere hat meiner bescheidenen Ansicht nach die prahlerisch hervorgebrachte Behauptung des Iran, eine israelische Tarnkappen-Drohne abgefangen zu haben (Ehud Yaari meinte dazu nur knapp, ihm sei  nichts von einer solchen Drohne bekannt, aber vielleicht sei  er ja nicht gut genug informiert). Immerhin haben die Iraner diesmal für ihre Geschichten kein armes Äffchen mißbraucht.

Mein Bullshitometer jedenfalls hat geschrillt, als ich diese Nachricht gehört habe. Daß deutsche Zeitungsleser das für bare Münze nehmen und vor Häme hyperventilieren, wundert mich kein bißchen. Es wird ja auch von der Tagesschau als Tatsache berichtet.

Gleichzeitig strunzen die Iraner mit ihren eigenen Wunderdrohnen. Na, wollen wir hoffen, für die Ehre der Iraner, daß es sich diesmal nicht um ein Modell aus dem Baukasten handelt… Aber gefallen hat mir der Kommentar der Iraner:

The Revolutionary Guards said of the drone incursion: “This wily act further exposed the Zionist regime’s adventurous temperament and added yet another black page to a record filled with crime and mischief.”

Abenteuerlustiges Temperament – das nehme ich doch glatt als Kompliment. Und falls sie wirklich so eine Wunderdrohne vom Himmel geholt haben… dann war es bestimmt nicht die einzige.

Ein grüner Gast August 24, 2014, 17:39

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Eigentlich habe ich immer schön gewohnt, selbst als arme Studentin – aber schöner als mein Arbeitszimmer hatte ich es noch nie. Ich sitze vor einer großen Fensterfront und gucke auf Bäume. Zwischen den Bäumen erkenne ich die Sulam-Zur-Hügel bzw  Berge, im Westen liegt Rosh ha Niqra, wo der Berg zum Meer hin abfällt. Der große Elefanten- oder Ombu-Baum (zweihäusige Kermesbeere) vor unserem Fenster erfüllt mir eigentlich den Kindheitstraum vom Baumhaus, denn er wächst beharrlich um unser Haus herum und streckt seine Zweige an die Fenster.

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Jedesmal, wenn Y. auf eine Leiter klettert und seine Zweige stutzt, antwortet der Baum darauf mit besonders vielen neuen Trieben, die innerhalb von wenigen Monaten dicht belaubt und wuchsfreudig die fehlenden Äste wettmachen.

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Y. hat das inzwischen aufgegeben mit der Leiter und der Säge – der Baum hat den längeren Atem.

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Dem schönen Baum, dessen Äste mir ans Fenster wachsen, verdanke ich viele glückliche Stunden. Zur Blütezeit summt ein hyperaktives Bienenvolk darin herum und ich freue mich, daß sie leben und gesund sind und aktiv. Jede Menge Vögel fliegen den Baum an und da die Fensterfront aus reflektierenden Scheiben besteht, sehe ich sie, aber sie sehen mich nicht. Darum kommen sie ganz nah heran und ich kann sie mir alle angucken.

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Doch am beglückendsten ist der regelmäßige Besuch eines Chamäleons, das wohl auf dem Baum lebt. Alle paar Tage höre ich es, wenn es mit dem Kopf ärgerlich an die Scheibe klopft, wohl weil es sein eigenes Spiegelbild für einen frechen Artgenossen hält. Dann mache ich Bilder und freue mich an dem wunderschönen Tier. Irgendwann schleicht es wieder davon, und obwohl ich die Augen fest auf seinen geschmeidigen Körper richte und mich darauf konzentriere, es nicht aus den Augen zu verlieren, ist es so gut getarnt, daß es sich einfach in Luft, Licht und Blattgrün aufzulösen scheint. Wie durch Zauberhand verschwindet es.

Wenn das Chamäleon kommt, dann rufe ich die Kinder, die gerade da sind, und wir stehen hinter der Scheibe und bewundern das Tier.

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All diese Bilder habe ich im Laufe der letzten Woche vom Arbeitszimmer-Fenster aus gemacht – teilweise vom Schreibtisch aus. Doch auch hinter dem Haus haben wir schon dieses wunderschöne Tier bewundern können – dann in ganz anderer Färbung.

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Ich würde es ja gern mal in die Bougainvillea setzen und gucken, wie es sich dann verfärbt – aber ich möchte das Chamäleon nicht erschrecken.

Ist es nicht wunderbar, daß ich so ein wunderbares, interessantes Tier sehen kann, ohne vom Schreibtisch aufzustehen?

Gelandet und auftauchend August 24, 2014, 17:15

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Es ist schon einige Tage her, daß wir wieder in Israel gelandet sind – wie immer fällt es nicht ganz leicht, mich wieder in meinen Alltag einzufädeln, meinen Reisberg abzuarbeiten, mich an die drückende, grelle Hitze zu gewöhnen. Ich genieße es, wieder zuhause und mit Y. und den Kindern zu sein – vermisse aber natürlich meine Mutter und Geschwister und die vielen lieben Menschen in Deutschland. Und für Niesel, Plääster und Pladder gäbe ich viel. Wie jeder weiß.

“Die Situation” macht es nicht einfacher. Ja, ich bin wieder informiert, wie ich es im Urlaub überhaupt nicht war, was mich gestört und irritiert und geärgert hat. Aber die Art der Informationen, die ich jetzt wieder mitkriege, ist auch nicht gerade beglückend. Ja, kann man mir eben nichts rechtmachen.

Vorhin habe ich es auf Google Earth kontrolliert: ja, die Rakete gestern, die in einem Drusenort südlich von uns gelandet ist, wurde nicht weit von uns gezündet (in Dhaira, keine 10 km von uns entfernt) und ist uns tatsächlich über die Köpfe geflogen. Y. und ich waren noch wach – wir hatten gestern Familien-Shabat und das Haus ging gerade zur Ruhe. Quarta war aufgeregt, weil “unsere” Wildschweine mit Frischlingen durch den Ort trappeln, und stand draußen am Zaun.

Als die Rakete über uns hinwegfegte, zuckten Y. und ich beide zusammen und blickten von unseren Büchern auf. Er sagte sofort: das war keine Grad und keine Katyusha, die zischen!, und ich sagte: das war aber auch keine Artillerie – das war direkt über uns und zwar in Richtung Süden.

Wenige Sekunden später war auf Rotter.net schon die Bestätigung. Bei uns war kein Alarm, und selbst wenn Alarm wäre, würde er nichts nützen, weil wir eine Vorwarnzeit von 0 Sekunden haben und keinen Iron Dome. Als dann bekannt wurde, wo die Rakete eingeschlagen ist (die Medien sagen dazu nicht viel, aber die Anwohner wissen es natürlich), habe ich mir die Karte angeguckt.

Dann die Alarme in den Golanhöhen. Und im Süden pausenlos, wirklich pausenlos Beschuß (wer´s nicht glaubt, der kann ja mal die Red-Alert-App runterladen). Ohne unseren exzellenten Zivilschutz gäbe es viel, viel mehr Tote. Wären Israels Kritiker dann endlich zufrieden? Müssen wir auch Zivilisten als menschliche Schutzschilde einsetzen, damit die Opferzahlen ausgeglichen sind und die Journalisten endlich finden, daß es “fair” zugeht? Und werden Briten, Deutsche, Amerikaner und Franzosen bei ihren militärischen Aufgaben auch hübsch daran denken, daß sie genauso viele Leute verlieren müssen, wie sie selbst töten?

Ach, doofer Zynismus, es ist ja zu traurig für solche Worte.

Die Hamas hat kein Interesse an einem Waffenstillstand, obwohl sie praktisch isoliert ist und ihre Herrschaft im Gazastreifen mit brutaler Gewalt aufrechterhält, u.a. mit öffentlichen Hinrichtungen von Verdächtigen. Das passiert ja ziemlich regelmäßig, aber nicht immer sind die internationalen Medien daran interessiert. Die Namen der Hingerichteten werden immer geheimgehalten, damit der Shabak sie nicht überprüfen oder abgleichen kann – aber irgendjemand (weiß nicht mehr wer) von der Armee meinte, die bisher bekannten Namen solcher “Kollaborateure” wären gar keine gewesen. Diese Hinrichtungen sind ein Terror-Instrument gegen die eigene Bevölkerung.

Daß die Hamas in die Entführung der drei Jugendlichen verwickelt war, hat nun auch Mashaal zugegeben – und erstaunlicherweise drucken deutsche Zeitungen es sogar! Sonst war es ja oft so, daß Informationen aus israelischem Mund als Spekulationen oder Verleumdung abgetan wurden, und wenn sie sich dann doch bestätigten, hörte schon keiner mehr zu. Aber diesmal ist hoffentlich einigen Leuten klargeworden, daß Israel nicht einfach so ins Blaue beschuldigt, sondern normalerweise gute Gründe hat, auch wenn es die nicht immer offenlegen kann (z.B. um Informanten nicht zu gefährden).

Gibt es einen Ausweg aus dem Chaos? Nein. Am einfachsten wäre es, wenn die Ägypter bereit wären, die Administration des Gazastreifens zu übernehmen, oder aber die PA. Die Hamas muß entmachtet werden. Aber das ist eine rein theoretische Forderung, die kein Mensch umsetzen kann. IS-Terroristen warten nur darauf, in ein Vakuum zu stoßen. Sie rücken immer näher. Wann Jordanien fällt, ist vielleicht nur eine Frage der Zeit. Was in Syrien als nächstes geschieht, weiß keiner. Libyen, Irak, überall Chaos. Über Afrika denken wir gar nicht erst nach – wo sind sie, die von Boko Haram entführten Mädchen? Das Empörungs-Getwitter ist verklungen, Boko Haram und andere Terrorgruppen haben weiter freie Hand. Da ist Gaza nur eine Etappe. Können wir verhindern, daß die Menschen dort sich der nächsten, noch radikaleren Stufe des politischen Islamismus in die Arme werfen?

Was sagt und tut Europa? Ach, hört doch auf euch zu zanken – das sagt Europa im besten Falle. Wir würden ja gern. Aber überall auf der Welt greift der politische Islam an. Warum Gegenangriffe überall gerechtfertigt sind, außer wenn es Israel ist, das sich wehrt – ich weiß es nicht. Und im übelsten Falle sagt Europa: Israel muß entwaffnet werden! isoliert! boykottiert! an den Pranger und vor Gericht gestellt!

Würde ich den Kopf jedesmal schütteln, wenn mich beim Lesen deutscher Nachrichten der Drang dazu überkommt, hätte ich mir den Kopf schon fast abgeschüttelt.

So, und jetzt geh ich noch ein bißchen Reis schippen…

 

 

Urlaub im Urlaub August 8, 2014, 13:43

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Nach wie vor bin ich in Urlaub, nur war ich eine Woche in einer verschärften Version von Urlaub, nämlich ohne Internetanschluß. Und dann war auch noch mein Auslands-Guthaben auf dem mobilen Telephon verbraucht. Ich war gewissermaßen auf einer Insel der Seligen, als Unselige natürlich, weil ich nicht wußte, was überhaupt in meinem Teil der Welt vorgeht. Seit gestern abend bin ich aber wieder in einer Gegend, wo es wenigstens von Zeit zu Zeit Internet gibt.

Meine Bitte um Entschuldigung an alle, die versucht haben, mich zu erreichen. Jetzt muß ich erstmal ein bißchen Mails nacharbeiten, aber nicht zu viel – schließlich sind das meine letzten Tage im Urlaub, in ein paar Tagen fliege ich zurück.

Mal was anderes… Juli 27, 2014, 0:09

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… wie miserable Gesprächspartner immer sagen :-)

Mein über alles geliebtes Kindle-Gerät hat heute früh seinen Geist aufgegeben. Es war ein ganz einfaches Modell, mit dem ich zufriedener war als mit je einem Kauf. Es hatte diese schönen schmalen Knick-Knack-Knöpfe an den Seiten, kein Touchscreen, keine Beleuchtung, sondern nur eine schön matte Oberfläche, die sich leicht sauberwischen ließ.

Jetzt überlege ich mir, mit welchem Modell ich dieses Wunderwerk ersetzen kann. (Der Kundendienst bietet mir Ermäßigungen an, wenn ich das alte Gerät einsende – werde es also nicht melancholisch im Garten begraben können…)

Ich bleibe bei Kindle, ich liebe nun mal meine Ketten, die mich an Amazon binden. (Zum Leiden geboren, das bin ich.) Aber lohnt es sich, in Schnickschnack zu investieren? Kann man sich an ein Touchscreen gewöhnen? (Daß Beleuchtung nützlich ist, ist mir schon eher klar.) Was meint Ihr???????

Sein bisher sinnfreistes Bild Juli 26, 2014, 21:11

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hat Alexander Gerst aus der ISS geschossen.

Ihr habt das anders mitgekriegt?

Derdeutsche Astronaut Alexander Gerstzeigtauf Twitter, wie der Gaza-Konflikt vom All betrachtet aussieht: Er teilte eine Satellitenaufnahme von Israel und dem Gaza-Streifen, auf dem einige helle Punkte zu sehen sind. Diese zeigen laut Gerst die Explosionen und Raketen über Israel und Gaza.

„Mein traurigstes Foto“, schreibt Gerst dazu.

Alle Welt veröffentlichte dieses Bild und die ach so trübselige Beschreibung.

Was sieht man denn eigentlich auf dem Bild?

Wenn man das Bild anguckt und Israel kennt, sieht man rechts zweifelsfrei die Bucht von Haifa. Ich habe mal ein bißchen gesucht, ob das noch jemandem außer meinem Mann aufgefallen ist (mir erst, nachdem er mich drauf aufmerksam machte). Und wurde fündig. Im Meer der Nachquatscher haben sich wohl ein paar Kluge die Mühe gemacht, den Bildausschnitt zu identifizieren.

Bitte sehr. Was da so schön blitzt und funkelt, das ist Tel Aviv bei Nacht und nicht der Gazastreifen.

Und wer immer noch glaubt, daß die weißen Punkte Raketen sind, dem zeigt die Seite mal Melbourne bei Nacht.

Tja, genau dasselbe Funkeln. Urbane Zentren sind viel zu hell erleuchtet – aber es sind nicht die bösen Israelis, die daran schuld sind (und auch die bösen Palästinenser sind es nicht).

Wie leichtgläubig sind die Menschen eigentlich???????? Die Kommentatoren brechen massenhaft in Tränen aus. Oh nein, wie schrecklich.

Jetzt fragt sich nur: hat Gerst selbst an den Quark geglaubt, den er verzapft hat, oder war es eine bewußte Täuschung, weil auch er das “Narrativ verinnerlicht” hat?

 

 

160 tote palästinensische Kinder Juli 26, 2014, 20:37

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Wer weint um sie? Wer demonstriert für sie? Wer ist empört, verlangt Antworten, verlangt politische Konsequenzen für ihren elenden Tod?

Niemand weint für sie, niemand demonstriert für sie, niemand ist empört. Antworten und politische Konsequenzen werden nicht eingefordert.

Sie sind einfach nur tot. Sie nützen niemandem mehr. Sie sind kein politisches Kapital, mit dem man wuchern kann – es sei denn, man deklariert ihren Tod um und lastet ihn Israel an.

Denn sie sind beim Tunnelbau erstickt. Statt einer Kindheit mit Spiel und Lernen kennen sie nur die Fron unter Tage, als wären sie im London des frühen 19. Jahrhunderts geboren. Der Geldstrom, der in den Gazastreifen fließt, wird nicht etwa in gute Schulen gesteckt, sondern in das Tunnelsystem, das als Waffe gegen den Todfeind dienen soll. Gegen einen Todfeind, der diesen Kindern viel lieber helfen würde, als gegen das Ergebnis der Schufterei in den Krieg zu ziehen.

Wann kommt der Tag, an dem die palästinensischen Eltern ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen?

Und wann kommt der Tag, an dem auch die öffentliche Meinung in Europa und den USA kapiert, daß sie alle, alle Opfer der Hamas sind – die Tunnelgräber-Kinder, die Schmuggel-Kinder, die Kinder mit dem Bombengürtel und die menschlichen Schutzschilde, die für den Irrsinn der Eltern sterben.

Es ist leicht, von Israel zu fordern, daß die israelische Armee palästinensische Kinder schützen soll statt israelische. Aber wären nicht zuerst die Eltern dieser Kinder gefragt, ihren Kindern eine normale Kindheit zu ermöglichen, ohne Indoktrination und Haß und Todeskult und gefährlicher Schufterei im Dunkeln?

 

 

Ein Beispiel für sachliche und kompetente Berichterstattung: Gisela Dachs in der ZEIT.

Und ein Beispiel für sentimentale Identifikation mit den Tunnelbauern: National Geographic.

Elder of Zion: das Wichtigste Juli 26, 2014, 11:43

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Elder war so nett, seine wichtigsten Beiträge noch einmal zusammenzufassen. Wer sie gelesen und verstanden hat, weiß vermutlich mehr, als Tageszeitungs-Leser in einem ganzen Jahr über den Konflikt erfahren.

Gioras Enkelin oder: die nächste Generation Juli 26, 2014, 10:52

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Vor drei Jahren habe ich davon erzählt, wie der Tod eines Kibbuzniks im Yom-Kippur-Krieg seither die ganze große Familie überschattet. Giora war der Vater eines guten Freundes von Y., der nur noch wenige Erinnerungen an den Vater hat und auch einen Film über ihn gedreht hat. Giora selbst (der übrigens, selbstverständlich, aus einer schwer vom Holocaust getroffenen Familie kam) hatte rote Haare, sein Sohn hingegen hat die schwarzen Locken und Augen seiner jemenitischen Mutter. Die Enkelin, in Primus´Alter und mir natürlich von Geburt an bekannt, hat die roten Haare ihres nie gekannten Großvaters Giora geerbt.

Vor drei Jahren habe ich sie kurz erwähnt:

Als das erste Enkelkind geboren wurde, war riesige Aufregung im Kibbuz – das kleine Mädchen hatte die roten Locken des verstorbenen Großvaters. Gioras Haare, sie hat Gioras Haare! Gestern haben wir das kleine Mädchen getroffen, sie ist längst Studentin und hat immer noch eine traumhafte rote Mähne.

Inzwischen ist das hübsche Mädchen mit der roten Mähne verheiratet und ihr Mann ist im Gazastreifen. Y. hat mir erzählt, daß sie mit der Angst um ihn allein kaum fertig wird und darum zurück zu ihren Eltern gezogen ist.

Denkt daran, wenn Ihr Bilder der Soldaten seht – die israelischen Familien haben es sich nicht ausgesucht, über Generationen hinweg zu kämpfen. Sehr viele von ihnen tragen alte Narben der jüdischen Geschichte, die bei jedem Konflikt, jeder Bedrohung neu schmerzen.

Vorbereitungen aufs Fest Juli 26, 2014, 10:39

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Y. erzählte mir gestern, daß bei den Verhören von Hamas-Leuten, die sich Israel ergeben haben, ein Plan entdeckt wurde, den man mit Fug und Recht teuflisch nennen kann: sie wollten zu Rosh HaShana, dem jüdischen Neujahrsfest, Hunderte Kämpfer durch Dutzende Tunnel schleusen und einen Massenangriff auf israelische Dörfer und Kibbuzim starten. Einen Teil der verhaßten Zionisten ermorden, einen Teil verschleppen.

Gil Yaron in der Welt:

Doch erst jetzt, eine Woche nach Beginn der Bodenoffensive, wird Israel sich der wahren Gefahr und des Ausmaßes der Tunneloperationen der Hamas bewusst: Verhöre in Gaza gefangen genommener Hamas-Aktivisten sollen einen tödlichen Plan aufgedeckt haben. Demnach planten die Islamisten zum jüdischen Neujahrsfest im September ein Massenattentat.

Hunderte Hamas-Kämpfer sollten gleichzeitig durch Tunnel ins Grenzgebiet rund um Gaza eindringen, dort sechs Ortschaften angreifen, so viele Menschen wie möglich töten und zahlreiche Zivilisten in den Landstrich verschleppen. Das teilten israelische Militärs der Webseite nrg.co.il mit.

Und wenn die ganze Welt von Israel forderte, gegen diese Tunnel nicht vorzugehen – das können wir uns nicht leisten. Diese Gefahr muß ausgeschaltet werden.

Davon gibt es offenbar mehr als erwartet. “Die Hamas hat Gaza in mehrere Abschnitte unterteilt”, erklärt der Ex-General im Gespräch mit der “Welt”. “Jeder Abschnitt wird von einem Brigadegeneral befehligt, der 400 bis 600 Kämpfer befehligt.” Dafür erhalte er ein Budget, um seinen Bereich auf den Krieg vorzubereiten – Hinterhalte legen, Kommandobunker und Depots bauen. Doch am meisten wollten die Hamas-Kommandeure Angriffstunnel nach Israel: “Das bringt Prestige”, sagt der Offizier. Die würden jedoch nicht von Kämpfern gegraben: “Das ist ein Beruf, sogar ziemlich gut bezahlt.” Ganze Familien lebten davon, Gaza für die Hamas zu untertunneln. Laut israelischen Schätzungen sollen die Islamisten dafür Hunderte Millionen US-Dollar ausgegeben haben.

Warum das nicht ein ähnlich großes Thema in internationalen Medien ist wie in den israelischen? Keine Ahnung…

Es ist auf jeden Fall eine echtere Bedrohung als das Risiko, daß ein Flugzeug beim Anflug auf Ben Gurion von einer Rakete getroffen wird. Die hysterischen Kommentatoren des ängstlichen SPon-Artikels jedenfalls scheinen nicht zu begreifen, daß aus dem Gazastreifen keine gezielten Anti-Aircraft-Missiles geschossen werden – die könnten aus der sog. Westbank kommen, aber die ist ja noch unter israelischer Kontrolle, wie gut! ach nein, wie gräßlich! Was aus dem Gazastreifen kommt, wird zu 90% von Iron Dome abgefangen und ist nicht speziell auf Flugzeuge ausgelegt wie die (ungenau gefeuerten) Strelas beim Angriff 2002 in Mombasa. Also wesentlich weniger Risiko als beim routinemäßigen Überfliegen vieler anderer gefährlicher Gegenden…

Das bisher Beste, Juli 26, 2014, 10:16

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das ich bisher zu Protective Edge gelesen habe. Claudio auf Spirit of Entebbe.

 

Telepathie? Gedankenlesen? Synchronizität…? Juli 25, 2014, 0:29

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Seltsam – doch so steht es geschrieben… 

So endeten immer die Gruselgeschichten, die meine Freundin Monika in der Sexta und Quinta aus der Schultasche zog und die wir in der Klasse heimlich unter dem Tisch lasen. Huuuuh, und was, wenn es sowas wiiiirklich gibt…?

Genauso ein Gefühl hatte ich vorhin, als ich Broders Artikel über den Flugstopp nach Tel Aviv las (verlinkt bei Achse des Guten).

Wort für Wort hatte mein Mann kurz zuvor am Telephon dasselbe gesagt.

Nachts und bei klarem Wetter kann man von Deir Ammar aus den Flughafen von Tel Aviv mit bloßem Auge sehen. Die Gebäude und die Landebahnen laden förmlich zu einem Überraschungsbesuch ein. Wenn eine Boden-Luft-Rakete ein Flugzeug in 10 Kilometer Höhe treffen kann, dann kann sie auch ein unbewegliches Objekt in 12 Kilometer Entfernung treffen. Das ist die Luftlinie zwischen Deir Ammar und dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv. Und Deir Ammar ist nicht der einzige Punkt in der Westbank, von dem die Küstenebene übersehen werden kann.

Wer unter diesen Umständen glaubt, Israel werde die Westbank komplett räumen – so wie es im Jahre 2005 Gaza geräumt hat – und das Gebiet irgendeiner palästinensischen Behörde überlassen, der macht sich entweder etwas vor, oder er hat noch nie einen Blick auf die Landkarte geworfen. Wie zum Beispiel Ban Ki-moon, der Generalsekretär der UN, der erst vor zwei Tagen die Israelis ermahnt hat, sich der “Zwei-Staaten-Lösung” mit “offenen Grenzen” nicht zu verweigern.

Er hätte genauso gut die Israelis auffordern können, aus Angst vor dem Tode Selbstmord zu begehen oder Israel auf den Mond zu verlegen. In solchen Fällen wäre es von Nutzen, dem Ratgeber einen mehrtägigen Aufenthalt im Kibbutz Nirim, direkt an der Grenze zu Gaza, oder in der Kleinstadt Sderot anzubieten, die beide seit 13 Jahren beinah täglich von Gaza aus mit “selbst gebastelten Kleinraketen”, die angeblich keinen Schaden anrichten, beschossen werden.

Ja, so gern wir oft den Ärger los wären – man KANN den Palästinensern nicht die Küstenebene, Ben Gurion und alles andere auf dem Tablett servieren. Das haben sie mit ihrer Bedrohung des Flughafens, vor der wir ja immer gewarnt haben, zweifelsfrei unter Beweis gestellt.

Ich habe es schon oft gesagt und wiederhole mich: ich bin in den 70ern und 80ern in Deutschland aufgewachsen. Für mich sind Waffensysteme Dinge, die man kauft, um andere abzuschrecken, nicht aber, um sie anzuwenden. So denken die meisten Deutschen – es fällt uns schwer zu glauben, daß andere Waffen horten, um sie tatsächlich zu verwenden (und daß unsere Bundeswehr sie inzwischen auch verwendet…) Wir sind Mokkatäßchen-Sammler – aber andere Leute trinken da tatsächlich draus. Newsflash: wenn die Araber Waffen haben, dann wenden sie die auch irgendwann an. Und zwar gegen Israel.

Und darum KANN man, auch wenn man noch so gerne wollte, die Gebiete, die Westbank, Judäa und Samaria nicht räumen. Sonst ist überall Sderot. Oder Ben Gurion unter Raketenbeschuß.

Das weiß mein Mann, und Broder weiß es auch. Sonst haben sie nicht viel gemeinsam, aber hätte ich bei meinem Gespräch mit Y. mitgeschrieben, wäre fast wörtlich Broders Artikel dabei rausgekommen.

Seltsam? Doch so steht es geschrieben……..

Gelesen Juli 24, 2014, 23:35

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Bei Jameel in der Muqata findet sich ein Brief von einem Soldaten im Süden.

What’s happening here in the staging area [area where soldiers prepare to enter Gaza] is beyond comprehension, not rationally, not emotionally and beggars the imagination.

Almost every hour a car shows up overflowing with food, snacks, cold drinks, socks, underwear, undershirts, hygiene supplies, wipes, cigarettes, backgammon and more. They’re coming from the North and the Center, from manufacturers, from companies and private businesses, from prisons, Chareidim and Settlers, from Tel Aviv and even Saviyon.

Every intersection on they way down here we get stopped, not by the police, but be residents giving out food. What is amazing is that the entire situation wasn’t organized and everyone is coming on their own without coordination between the folks coming.

They’re writing letters and blessings, how they’re thinking of us all the time. There are those who spent hours making sandwiches, so they’re as perfect and comforting as possible.

The Chareidim are coming from their yeshivot to ask the names of the soldiers with their mothers’ names so that the whole yeshiva can pray for them. It should be mentioned that all of this is done under the threat of the terrorist tunnels and rockets in the area.
Soroka Hospital (in Be’er Sheva) today looks like a 5 star hotel. A wounded friend who was recently discharged told us how the MasterChef truck is parked outside and is preparing food for the wounded.

So sind sie, die Israelis. Sie lieben die Soldaten, alles unsere Jungens und Mädchen!, und sie drücken Liebe gern mit Essen aus, mit Briefen und Liedern und Gebeten.

Wer sich aus der Ferne beteiligen möchte, kann hier eine Pizza für die Soldaten bestellen.

Später:

die passenden Bilder dazu habe ich bei Paula gefunden.

Die Soldaten haben ihren Panzer mit den Kinderbildern und -briefen, die sie bekommen haben, beklebt.

Warum mich der SPon an Peter Frankenfeld erinnert… Juli 24, 2014, 23:05

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… mit aller gebietenden Ehrfurcht vor Peter Frankenfeld und Lonny Kellner! ich hoffe, sie verzeihen´s mir. Ihr kennt doch “ein Ehepaar erzählt einen Witz”? Die Pointe kommt nie.

Genauso ist es mit dem SPon. Die Pointe lassen sie gern weg.

Die SPon-Schlagzeile:

Gaza-Krieg: Israelische Raketen töten Flüchtlinge in Uno-Schule

Der Artikel bleibt dann wenig überrraschend im Tenor:

Bei einem israelischen Raketenangriff auf Gaza hat es erneut viele Tote gegeben. Der Angriff hat nach palästinensischen Angaben einer von der Uno betriebenen Schule gegolten. Viele Menschen hatten in dem Gebäude Zuflucht vor den Angriffen aus Israel gesucht. Bei der Attacke sollen nun mindestens fünfzehn von ihnen getötet worden sein. Das berichteten die örtlichen palästinensischen Behörden am Donnerstag. Zudem seien mehr als 200 Menschen in der Ortschaft Beit Hanun verletzt worden, berichteten Rettungskräfte.

Der Sprecher des Palästinenserhilfswerks der Uno (UNRWA), Chris Gunness, schrieb auf seinem Twitter-Account ebenfalls von mehreren Toten und Verletzten in einem Uno-Gebäude. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sei entsetzt, teilte ein Sprecher mit. Unter den Toten seien auch Uno-Mitarbeiter. Seit Beginn der Offensive vor zwei Wochen sind bisher laut Uno allein 75 UNRWA-Schulgebäude getroffen worden.

Die israelische Armee rechtfertigte sich später, sie habe die Betreiber vor dem Beschuss gewarnt. Israel wirft der im Gazastreifen herrschendenHamas vor, immer wieder aus dicht bewohnten Vierteln die Armee anzugreifen und so den Tod von Zivilisten in Kauf zu nehmen.

Und wo ist die Pointe?

Sie findet sich in israelischen Nachrichtenquellen.

The Israeli military said it was reviewing the incident and suggested Hamas rockets may have been to blame.

“We can’t confirm that this is a result of errant fire. In any case, we do not target UN facilities,” military spokesman Lt. Col. Peter Lerner said. Lerner said the military had urged the UN and the Red Cross to evacuate the school for three days leading up to the incident.

….

The IDF initially said it was looking into the incident, but later said rockets launched by Hamas had landed in the Beit Hanoun area during fighting with its forces, and that those rockets may be responsible for the deaths.

Elder of Zion hat mehr Informationen dazu, die Jerusalem Post ebenso.

Jetzt fragt man sich natürlich: warum geht der SPon-Schreiber unbesehen davon aus, daß palästinensische Quellen glaubwürdig sind, israelische Informationen aber nicht einmal im Konjunktiv erwähnenswert sind?

Wer hat je in einer deutschen Zeitung lesen können, daß es immer wieder zu Todesfällen im Gazastreifen kommt, weil eigene Geschosse fehlgehen? Niemand. Dabei passiert es regelmäßig.

Also – für den Beschuß der Schule und die Todesfälle gibt es zwei mögliche Erklärungen.

1. ein fehlgeleitetes Geschoß Israels, also ein Fehler, wie sie leider und tragischerweise immer wieder vorkommen (weswegen man es vermeiden sollte, einen Krieg anzufangen – die Hamas wurde wiederholt davor gewarnt und auch ihre Wähler), und

2. ein fehlgeleitetes (oder nicht fehlgeleitetes…) Geschoß der Hamas.

Hätte der SPon diese beiden Möglichkeiten nicht erwähnen sollen? Nein, er geht lieber davon aus (und erzählt es seinen Lesern so), daß die IDF mit Absicht Zivilisten tötet…. und durch die Narrenfreiheit, die die Medien der Hamas durch diese Berichterstattung gewähren, unterstützen sie diese Terroristen aktiv.

Sehe ich da ein Muster? Journalistischer punctum interruptum?

(Fairerweise: die FAZ berichtet wenigstens, daß aus der Nähe der Schule geschossen wurde und die Hamas die Flüchtlinge am Verlassen der Schule gehindert hat. Wesentlich differenzierter auch die Welt. Es scheint, als würde der populäre Riese SPon wirklich nur populistisch die Erwartungen seiner Leser befriedigen, wenn es um Israel geht – statt wirklich zu informieren.)

Ein dickes Dankeschön Juli 24, 2014, 20:54

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an all die Menschen, die ich heute nachmittag in Köln gesehen habe. Ich war mit Quarta unterwegs und gar nicht darauf vorbereitet, eine nicht sehr große, doch unübersehbare Gruppe von Menschen zu sehen, alt und jung, die mit Israel-Flaggen und Plakaten für Israel demonstrierten.

Am liebsten hätte ich mir das Mikrophon geschnappt und mich bei allen dafür bedankt, daß sie sich für Israel und seine Darstellung in den Medien starkmachen. Denn das können sie nur, indem sie sich extra informieren – wer allein von der Darstellung in den Nachrichten, den Online- und Printmedien seine Meinung bildet, ohne tiefer zu graben, der kann keine gute Meinung von Israel haben. Daß diese Menschen es trotzdem haben, zeigt, daß sie alle sich die Mühe gemacht haben, das unvollständige Bild zu ergänzen.

Quarta war begeistert und machte Bilder, dann zuckelten wir weiter. Ein verwirrt aussehender älterer Herr saß in der Nähe des Doms mit einem häßlichen anti-israelischen Plakat, das behauptete, Israel hätte wohl die “Lizens” zum Töten. Ich zischte ihm zu, daß man Lizenz mit Z schreibt. Wie froh war ich, daß Quarta vorher die pro-israelischen Demonstranten gesehen hatte. So nahm sie den Mann, der da allein rumsaß, nicht richtig ernst und meinte: “Mama, das ist bestimmt ein armer verwirrter Obdachloser, hätte der nen Hund gehabt, dann hätte ich ihm ein bißchen Geld gegeben”.

Also – ich hoffe doch sehr, daß ein paar meiner Leser in dieser Gruppe waren. Falls Ihr jemanden kennt, der dabei war oder oder in einer anderen Stadt ein Gegen-Zeichen zu den häßlicheren Anti-Israel-Demos setzt – sagt ihm danke in meinem Namen, und daß es WICHTIG ist.

Kleiner Hinweis an Ban Ki Moon Juli 24, 2014, 14:07

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Der Gute drückt beredt sein Entsetzen über das “Verschwinden” der unter UNRWA-Schulen gefundenen Raketen aus. Wo mögen sie nur sein???

Guck mal hier, Ban:

oder auch hier:

oder vielleicht hier:

Das werden sie wohl gewesen sein…

Danke, Ägypten Juli 24, 2014, 14:01

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Ägypten hat zwei Angriffe auf Israel abgewehrt.

Einen Selbstmordattentäter.

The Egyptian army thwarted an attack against Israel on Wednesday night, killing a suicide bomber who ran towards the border near Kerem Shalom, Egyptian military sources said.

Und ein Fahrzeug voll Grad-Raketen.

The sources also said that the army destroyed a vehicle loaded with Grad rockets before they were fired at Israel.

The attack on the vehicle killed two individuals, taking place in the north Sinai town of Sheikh Zuweid near the border with the Gaza Strip.

Man kann nur hoffen, daß sie diese Schläge nach sorgfältiger juristischer Beratung getätigt haben. Sonst wird Navi Pillay auch den Ägyptern Verstöße gegen das internationale Recht vorwerfen – man muß schon sehr vorsichtig sein, wenn man sich gegen Terror verteidigt.

Doch Scherz beiseite – wir können den Ägyptern dankbar sein für die Kooperation und noch mehr für die Idee, die dahintersteht. Daß nämlich kein Staat Terroristen unterstützen sollte, egal wen sie aufs Korn nehmen.

Tageszeitung Juli 24, 2014, 13:31

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Der Kaffee bei meiner Mutter ist um Klassen besser als der zuhause, das macht das Frühstück wunderbar. Aber die Tageszeitung macht den Genuß wieder zunichte. Heute lasen die Nachbarn und Freunde meiner Mutter als Kommentar zur Lage einen Artikel von Joachim Zinsen mit der folgenden Überschrift:

Was zu kritisieren ist – Israel, der Gaza-Krieg und die Reaktionen darauf

Was zu kritisieren ist? Die Anspielung ist überdeutlich. Was gesagt werden muß. Grass läßt grüßen.

Zuerst setzt Zinsen sich scharf vom Gejohle gegen Israel ab.

Über den Charakter von Hetzparolen wie “Jude, Jude, feiges Schwein” oder “Gestern angeblich Opfer, heute Täter” erübrigt sich jede Debatte. Sie sind antisemitisch. Jeder, der solche Sprüche skandiert, propagiert Rassenhass, gehört gesellschaftlich geächtet.

Beifall von der falschen Seite schätzt der Israel-Kritiker nicht.

Wer die Politik israelischer Regierungen gegenüber den Palästinensern scharf kritisiert, sieht sich schnell von Gestalten umgeben, mit denen er eigentlich nichts zu tun haben will. So ergeht es derzeit der Linkspartei.

Doch das ist nicht das einzige Problem, das ihn plagt.

Andererseits gibt es ein Phänomen, das ebenfalls fast jeder Kritiker der israelischen Politik schon erlebt hat. Macht er den Mund auf, schlägt die deutsche Israel-Lobby mit der Antisemitismus-Keule zu. Selbst wohlabgewogene Aussagen werden oft bewusst zu einer verkappten Form des Judenhasses uminterpretiert. Das Ziel ist offensichtlich: Zum einen soll vom Kern der Kritik abgelenkt und die öffentliche Debatte umgelenkt werden. Zum anderen sollen Kritiker eingeschüchtert werden.

Ob die wohlabgewogenen Äußerungen wirklich über jeder Kritik schweben und nicht doch Ressentiments füttern oder Äpfel mit Birnen vergleichen? Darf man das nicht untersuchen, ohne den Israel-Kritiker schwer zu kränken? Zinsen meint wohl, die gute Absicht reicht.

Um sich dann mit Wonne der Israel-Kritik zu widmen.

In diesem Spannungsfeld wird Kritik an der israelischen Regierung schnell zu einer Gratwanderung. Und doch ist sie berechtigt. Gerade jetzt, wo die Gewalt wieder einmal eskaliert. Ja, was die israelische Armee derzeit im Gaza-Streifen treibt, ist blindwütig und maßlos, hat mit Selbstverteidigung nichts mehr zu tun.

Blindwütig und maßlos? Was sind denn das für irrationale, emotional aufgeladene Adjektive, Herr Zinsen? Was die Armee dort “treibt”? Das nennt er wohlabgewogene Kritik, die man nicht kritisieren darf, ohne sofort als Keulenträger bezeichnet zu werden? Dann möchte ich Zinsen nicht in weniger wohlabgewogenem Vokabular erleben.

Weiß Zinsen nichts von der Schutzschild-Politik der Hamas, nichts von den Feuerpause-Angeboten der israelischen Regierung, nichts von den Warnungen an die Zivilbevölkerung? Ist er so weit von jedem militärischen Wissen entfernt, daß ihm überhaupt nicht klar ist, wie viele Opfer es bei blindwütigem und maßlosem Treiben der Armee gäbe? Dann wären die Zahlen nicht dreistellig, ja nicht einmal vierstellig. Doch, von der Schutzschild-Taktik weiß er, aber er glaubt es nicht. Er hält es für eine Lüge der israelischen Regierung.

Anders als Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ständig behauptet, ist dort die Zahl der palästinensischen Opfer nicht so hoch, weil die Hamas Zivilisten als lebende Schutzschilde benutzt. Nein, die Menschen in Gaza sterben, weil sie den Angriffen der israelischen Armee nicht ausweichen können.

Und warum können sie nicht ausweichen? Weil es keine Schutzräume gibt. Weil dank Terror die Grenzzugänge geschlossen sind. Weil Ägypten die Grenze ebenfalls nicht öffnet, obwohl Ägypten nicht von Raketen aus dem Gazastreifen betroffen ist. Doch für Zinsen gibt es nur einen Schuldigen.

Auf beiden Seiten herrschen Rassisten, die sich gegenseitig in die Karten spielen. Denn auch nach diesem Krieg wird es sein wie nach den vorherigen: Aus den Gräbern der Opfern wächst neuer Hass. Hass, der immer mehr Menschen in das Lager der Radikalen, der Nationalisten, der Unversöhnlichen treibt. Die Folgen sind absehbar: Der Strudel der Gewalt wird abertausende weitere Palästinenser in den Tod ziehen. Israels Blutzoll wird angesichts seiner gewaltigen militärischen Überlegenheit zwar niedriger sein. Doch das Land wird langfristig als demokratischer Staat nicht überleben.

Was soll man dazu noch sagen? Zinsen wäre glücklich, wenn er Israel den Status als Demokratie absprechen könnte. Weiter kann man die Äquidistanz nicht treiben. Den Bombenterror auf israelische Dörfer und Städte, die Tunnel, vorher die Bombengürtel – das alles ist ihm kein Wort wert.

Auf die Spitze treibt dann für die Leser der Aachener Nachrichten Valerie Barsig mit einem im Internet nicht auffindbaren Interview, ganzseitig präsentiert. Darin äußert sich ein linker, friedfertiger israelischer Musiker, der seit Jahren in Deutschland lebt, in den genehmen Formeln: beide Seiten… beide Seiten… beide Seiten… Um nur ja das bequeme Weltbild der AN-Leser nicht zu zerstören. Wie schräg es ist, eine gesetzlose Bande von Terroristen, die seit Jahren Zivilisten beschießen, und einen demokratischen Staat, der seine Bürger schutzen muß, moralisch gleichzusetzen, ist weder den Schreibern noch ihren Lesern richtig klar, da sie diese Routine nie hinterfragen.

Viele der Tatsachen, die ich hier im Blog erwähne, sind Menschen, die sich allein aus der Tageszeitung informieren, schlicht unbekant. Sie werden nicht erwähnt. Eine ganze Seite wird den freundlichen Phrasen eines linken israelischen Musikers gewidmet, doch genauere Informationen über das Tunnelsystem z.B. fehlen ganz. Auch die ständigen Alarme in Israel, die ich per Internet verfolge, bleiben in der Zeitung, die ich seit einer Woche lese, unerwähnt.

Kurz, es wundert mich nicht, daß die Menschen hier denken, was sie denken.

Ein Gegengift:

 

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