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Eine gute Woche Mai 27, 2020, 5:23

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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und ich kenne die Abläufe im Kindergarten schon ganz gut. Vieles ist anders, als ich es kannte, und auch besser. Im alten Kindergarten haben wir eigentlich nicht mit den Kindern gespielt, da wurde nicht mal der Begriff „spielen“ verwendet, sondern grundsätzlich nur „arbeiten“ – die Kinder arbeiten im Sandkasten, am Wassertisch, im Haushalt (meshek beit – so heißen Puppen-, Küchen- und Verkleidungs-Ecke zusammen mit den großen Bauklötzen, mit denen die Kinder sich ihre Spielwelt zusammenstellen, jedesmal anders). Aber im neuen Kindergarten gibt es eine viele Regale voll mit Brett- und Gesellschaftsspielen, viel mehr als im alten, mit denen die Kinder gern spielen. Sie laden dafür ein, wen sie wollen, eben auch uns, und ich habe schon jede Menge neuer Spiele gelernt. Da wir ein großes Team sind, können wir das auch zeitlich schaffen. Dabei lernt man die Kinder auch richtig gut kennen.

Während ich Frühstück mache und abräume, beobachte ich die Kinder beim Spiel, und das bestärkt meine Überzeugung, wie wichtig soziale Kontakte für Kinder sind. Die in meiner Kindheit verbreitete Auffassung, daß Kinder zarte Pflänzchen sind, die ständig unter Mutters Gluckenflügel gehören, hat wohl vollkommen ausgeblendet, wie Kinder genießen, mit anderen Kindern zusammenzusein. Es gibt lockere Gruppen von Kindern, die täglich zusammen spielen, und echte Freundschaften, auch in Junge-Mädchen-Kombination.

Die Eltern dürfen den Kindergarten noch immer nicht betreten, und wir nehmen die Kinder morgens am Eingang im Empfang. Die Abschiede fallen, wie ich seit Jahrzehnten weiß, den Eltern deutlich schwerer als den Kindern. Tränen habe ich nur einmal dabei gesehen, und das war kurz nach der Wiedereröffnung nach 2 Monaten Corona-Pause. Der normale Abschied ist liebevoll und kurz, das Kind hängt die Tasche auf und läuft zu den Freunden, um Pinguin-Falle zu spielen oder Falafel-König oder sich in eine Welt aus Bauklötzen, Dinosauriern und Lego zu integrieren.

Einmal sah ich eines der süßesten kleinen Mädchen im Krach mit der Mutter. Ich weiß nicht, was da vorher war, aber die Tochter war deutlich sauer auf die Mutter und kam ein bißchen mürrisch rein. Sie ließ das aber sofort hinter sich, als sie die Freunde sah, besonders den besten Freund, der schon auf sie wartete. Sie spielte den ganzen Tag schön, stellte ein ganzes Bilderbuch her und sah vergnügt aus. Dann hieß es, „deine Mutter ist da“, und ich half ihr beim Einsammeln von Tasche und Wasserflasche und begleitete sie nach draußen. Die Spannungen waren sofort wieder da, das konnte ich sehen. (Heute habe ich beiden wieder beim Abschied zugsehen, und er war ganz harmonisch – also kein grundlegendes Problem).

Ich habe ja schon erzählt, wie gern ich sehe, daß die Kinder eigentlich den ganzen Tag lang spielen. Ich habe kein einziges Mal gehört, daß jemand über Langeweile geklagt hätte. Wer keine Lust mehr auf Gruppenspiel hat, der geht in die Lese-Ecke (wo nie mehr als drei Kinder sein dürfen), oder macht ein Puzzle.

Wegen der Corona-Vorschriften dürfen die Kinder manches nicht machen, was sonst normal wäre – sie gucken also nur zu, wenn zur Vorbereitung des Shavuot-Festes Käse hergestellt wird (in anderen Jahren machen sie den selbst, jetzt darf es nur die Kindergärtnerin und sie trägt dabei Handschuhe), aber auch dabei haben sie Spaß. Aber am Freitag haben sie alle ihr Shabat-Brot gebacken, dabei haben einige statt des normalen Hefezopfs Figuren geformt, sie können mit ihrem Teig machen, was sie wollen.

Die täglichen Ausflüge zu Fuß sind auch noch nicht erlaubt, was ich sehr bedaure, denn ich würde gern mehr vom Kibbuz sehen. Hoffentlich geht das ab nächste Woche wieder. Aber die Kinder kommen auch ohne Ausflug aus, keines fragt danach. Und auch ohne den Mittagsschlaf, der im alten Kindergarten gepflegt wurde, kommen sie gut aus. Es ist zwischen 14.00 und 16.00 ein bißchen stiller, aber sie spielen ganz munter weiter.

Die Gruppen sind noch immer geteilt, aber am Sonntag wird der Kindergarten hoffentlich wieder vereinigt. Dann können wir auch wieder das Essen in Schüsseln auf den Tisch stellen, so daß sich jeder nehmen kann, statt wie jetzt jedem Kinder mit Handschuhen getrennt zu servieren. Wir wieseln bestimmt zehn Minuten zwischen den sechs Tischen hin und her, „möchte jemand an diesem Tisch Möhren?“, und die Kinder haben nicht den ganzen Überblick, was es eigentlich alles gibt, auch wenn wir es vorher sagen.

Mundschutz tragen wir im Kontakt mit den Eltern, dann dürfen wir ihn abnehmen. Eine Mitarbeiterin arbeitet auch in anderen Einrichtungen, und sie trägt ihren Mundschutz den ganzen Tag. Wir desinfizieren Tische, Stühle, Türklinken, Lichtschalter etc ständig, und ich fröne meinem persönlichen Hobby, dem Abwischen der Wände und Türen in Kinderhand-Höhe. Ob es was nützt, weiß keiner, aber es riecht nett und die Mutter der Porzellankiste geht auf keine Kuhhaut.

Sollte es das gewesen sein mit Corona? Ich weiß es nicht, denn Nachrichten sehe und höre ich nicht mehr. Ich hoffe es aber.

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