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Trauriger Abschied August 29, 2010, 9:27

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Vor ein paar Tagen war im Kibbuz eine traurige Beerdigung. Eine sehr nette Frau, mit der ich durch ihre Eltern und Söhne und gemeinsame Freundinnen vielfach verbunden war und die ich immer sehr mochte, ist gestorben. Sie war alleinerziehende Mutter, ihre Söhne stehen nun ganz allein da. Der Ältere ist in Primus´ Alter (ich habe ihn im Babyhaus betreut, war ein süßes Kerlchen), der Jüngere ist einer von Secundus´ besten Freunden. Die Mutter war schon seit vielen Jahren sehr krank, und wegen der schweren Grunderkrankung wurde wohl eine akute schwere andere Erkrankung übersehen. Als die Zweiterkrankung entdeckt wurde, war es schon zu spät. Innerhalb weniger Wochen starb sie.

Ich habe sie im März das letzte Mal gesehen, als sie zu meinem Vortrag im Kibbuz kam. Hätte ich nur gewußt, wie krank sie ist! Wir haben uns immer gefreut, wenn wir uns gesehen haben. Sie hat nie geklagt, obwohl sie seit vielen Jahren im Rollstuhl saß, auf fremde Hilfe angewiesen war, oft Schmerzen hatte und wußte, daß keine Heilung in Sicht ist. Wenn man sie gefragt hat: wie geht es dir?, hat sie immer gelächelt und gesagt: prima, danke, und dir? Sie war sehr stolz auf ihre Söhne. Ihre Eltern, auch nicht mehr jung, werden sich weiter um die Jungen kümmern.

Es war eine der traurigsten Beerdigungen seit langem. Der jüngere Sohn hatte sich schwarze Wintersachen angezogen – in der brütenden Hitze, die selbst auf dem schattig-kühlen Friedhof herrschte, stand er in Sweatshirt und langen Hosen. Es ist nicht üblich, sich bei Kibbuz-Beerdigungen schwarz zu kleiden – der Sekretär, der eine Grabrede hielt, kam in Shorts und einem ausgeleierten T-shirt, dazu Sandalen. Ich weiß nicht, ob der Sohn die schwarzen Sachen aus Trauer gewählt hat. Secundus erzählte mir hinterher, daß sein Freund sich so warm angezogen hatte, weil ihm bitterkalt war. Der arme Junge bibberte vor Kälte und zog sich mehrere Schichten Kleidung an, weil ihm so kalt war. Es war so traurig, ihn so zu sehen.

In solchen Situationen bewährt sich aber der Kibbuz, so wenig ich ihn auch vermisse (gefühlte hundertmal wurde ich gefragt, ob ich den Kibbuz vermisse, und die Antwort ist immer: NEIN, so seltsam das ist!). Die Familie wird von der Gemeinschaft aufgefangen, und die Mutter wird nicht vergessen werden. Aber ersetzen kann sie niemand.

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