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Vermischtes, Häßliches (zumeist) August 17, 2010, 6:19

Posted by Lila in Presseschau, Uncategorized.
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Wie dumm, gemein und gedankenlos kann ein Mensch sein? Offenbar recht sehr, wie das Beispiel dieser Ex-Soldatin zeigt. Es mag ja sein, daß die Armeezeit die beste Zeit ihres Lebens war – nehmen wir an, in der Schule war sie isoliert, eine schöne Reise hat sie nie gemacht, und seit ihrer Entlassung hat sie nur Mißerfolge.  Da mag sie die Armee wohl genossen haben, aber welche Aspekte des Diensts genau? Macht über Festgenommene zu haben, ihr Recht auf Schutz der Privatsphäre zu verletzen, sie im Nachhinein noch einmal zu demütigen? Pfui Teufel.

Ich weiß wohl, daß ohne die Arbeit der Armee, die ständig Hinweisen auf terroristische Aktivitäten nachgeht, die Terrorwelle nicht gestoppt worden wäre – dies und der Schutzzaun, zwei nötige, aber unerfreuliche Maßnahmen, denen wir die Rückkehr zur Normalität verdanken, aber auf die viele Israelis gern verzichten würden, sobald es geht. (Im letzten Monat waren wieder zahlreiche vereitelte Anschläge – die Terror-Organisationen haben durchaus noch nicht genug.) Aber damit noch strunzen? Geschmacklos und widerlich.

Klüglich hat sie mit der Veröffentlichung der Bilder gewartet, bis sie aus der Armee entlassen war, denn sonst säße sie schon im Militärknast. Dann könnte sie mal sehen, wie sich das von der anderen Seite anfühlt.

[Update: die junge Frau ist schwer gekränkt und versteht nicht, wie jemand sich über die Bilder aufregen kann. Sie war nett zu den Palästinensern! sie hat ihnen zu essen und zu trinken gegeben! Und sie ärgert sich sehr über die Armee, von der sie sich im Stich gelassen fühlt. Hätte sie nur nie in dieser gräßlichen Armee gedient! Das finde ich auch.]

Auch häßlich: der Innenminister, noch ein schmieriger Shas-Politiker, mit seinem Feldzug gegen die Kinder illegaler ausländischer Arbeiter. 400 von ihnen will er ausweisen lassen, Sara Netanyahu hat sich mit einem Brief dagegen verwandt, auch Aliza Olmert engagiert sich für die Kinder. Ich erinnere mich noch genau an die Zeiten, als Palästinenser aus den Gebieten in Israel jobbten. Während der Intifada griffen einige von ihnen ihre israelischen Arbeitgeber mit Messern an oder halfen bei der Vorbereitung von Anschlägen. So entdeckte Israel die billigen Arbeitskräfte aus Thailand und den Philippinen. Es war allen klar, oder hätte allen klar sein sollen, daß Menschen kommen, wenn man Arbeitskräfte ruft. Und jetzt haben diese Menschen Familien. Der Innenminister erklärte in der Knesset, daß sie hier fettes Geld verdient haben und nun den Kindern erklären sollen: die Ferien sind vorbei, wir fahren zurück zu Oma und Opa.

Sehr schön. Ich möchte gern sehen, wie er winselt, wenn die USA, Kanada und Deutschland jetzt die jungen Israelis ausweisen lassen, die illegalerweise die Einkaufszentren mit ihren Büdchen überschwemmen, wo sie Poster, Kosmetika vom Toten Meer und Schund aller Art verscherbeln. Die meisten von ihnen haben keine Arbeitserlaubnis. Dann wird Yishai sich empören und rufen: Antisemitismus! Holocaust! Diese Bilder sind empörend! und so weiter.

Dieses Kleben am Prozeduralen angesichts menschlicher Schicksale, kommt Yishai das nicht bekannt vor? Sonst waren es die Juden, die um Aufenthaltserlaubnisse und Visen bangen mußten. Die israelische Bevölkerung ist gespalten – ungefähr halbe-halbe.

Das Thema Shas ist überhaupt übelkeiterregend – als der korrupte Ex-Minister Benizri seinen ersten Hafturlaub antrat (ein Tag), marschierten bei ihm sofort die prominenten Rabbis und Politiker von Shas auf, „um ihn zu stärken“. Es sah mehr aus wie eine Demonstration der Solidarität. Das wäre schön und menschlich bemerkenswert, wenn es mit einer Anerkennung seiner Schuld verbunden wäre. Aber sie sehen Benizri wie ein unschuldiges Opferlamm.

Es gibt auch bessere Nachrichten. So traurig und überflüssig der Tod der palästinensischen Schülerin Abir vor drei Jahren war – das Rechtssystem funktioniert, der Staat wird den Eltern eine Entschädigung zahlen. Das ist zwar kein Trost und bringt das Kind nicht zurück, aber immerhin ist es tröstlich, daß das Prinzip „Verantwortung übernehmen“ doch noch irgendwo funktioniert.

Und eine Forschergruppe in Jerusalem beschäftigt sich näher mit dem Hormon Oxytozin, das Wehen auslöst und mütterliche Gefühle sowie Einschießen der Muttermilch in Gang bringt. Oxytozin spielt aber auch bei Männern eine wichtige Rolle. Junge Väter erleben ebenfalls eine Oxytozin-Schwemme, und je mehr Hautkontakt sie zu ihrem Baby haben, desto mehr. Was wiederum den Oxytozinspiegel erhöht. Überhaupt scheint dieses Hormon die Empathie- und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.  Es ist der Kitt, der unsere menschlichen Bindungen zusammenhält. Ach, wie schön wäre es, wenn es dieses Wundermittel auf Verschreibung gäbe… manchen Menschen fehlt das Hormon gänzlich.

Kommentare»

1. Reuter - August 17, 2010, 10:47

Ich finde es ekelhaft, was diese Ex-Soldatin getan hat.

Aber natürlich gibt es auch in der Zahal Menschen mit dicken bzw. schweren Persönlichkeitsdefiziten. Und auch die deutschen oder französischen oder englischen Soldaten bekleckern sich nicht tagtäglich mit Ruhm und Ehre. Ein engelhaftes Verhalten aller Menschen wird man nirgendwo auf der Welt finden.
Womit ich nicht das Tun der Soldatin entschuldigen will, das bleibt schäbig, primitiv und menschlich daneben.

Schlimm finde ich aber auch den Ausspruch von Jischai Menuchim (Direktor vom Israelischen Anti-Folter-Komitee).
Er behauptet nämlich, diese Tat der Ex-Soldatin sei „eine Haltung, die eine Norm geworden ist und darin besteht, Palästinenser wie Objekte und nicht wie menschliche Wesen zu behandeln“.

Ich weiß, dass vor allem junge Soldaten ganz sicher auch oft überfordert sind in der Konfrontation mit Palästinensern.
Aber daraus jetzt eine pauschale Anklage zu machen, dass die Zahal inzwischen die Palästinenser nicht mehr wie menschliche Wesen behandeln würde, das ist für mich eine ungeheuerliche Beschuldigung.

2. Karl Eduard - August 17, 2010, 10:51

Meine Güte, das war ihr Militärdienst! Mangels Gefangener mußten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mit Totenschädeln posieren. Diese Soldatin hat sich mit ihren Gefangenen ablichten lassen. Na und? Dumm, gemein, gedankenlos? Typisch bundesdeutsch gedacht würde ich meinen. Die Welt nimmt Israel sowieso nicht ab, daß es von edlen Elben dort nur so wimmelt, ein zweites Lothlorien vielleicht, und warum sollte die Armee eine Ausnahme sein? Des Mythos wegen? Das war ihr Militärdienst. Da ist frau stolz darauf und wenn sie die Gefangenen menschlich behandelte, dann war das in Ordnung. Sogar die Augen waren vorbildlich verdeckt. Bravo. Immerhin hat sie sie ja nicht an der Hundeleine spazierengeführt. Oder?

3. Lila - August 17, 2010, 12:48

Ich fand auch Totenschädel und Hundeleine nicht gerade geschmackvoll.

Und die banale Tatsache, daß es ihr Militärdienst war, rechtfertigt noch nicht die Facebook-Veröffentlichung dieser Bilder, die die Untersuchungsgefangenen zweifellos als demütigend empfinden. Wenn ich beim Zahnarzt bin, will ich auch nicht ein Bild meines sperrangelweiten Rachens hinterher auf seiner Facebook-Seite wiederfinden. Den Hebammen, die mich entbunden haben, bin ich dankbar dafür, daß sie nicht mit meiner Placenta posiert haben, und den Krankenschwestern, die mich zu meiner ersten Dusche nach der Geburt begleitet haben, daß sie diesen Anblick nicht auf Facebook veröffentlicht haben.

Wenn ich aus Versehen ein Bild von meiner Nachbarin machte, das sie dabei zeigt, wie sie im Hauskittel mit der Kippe im Mundwinkel Wäsche aufhängt, dann würde ich das auch nicht bei Facebook veröffentlichen. Bilder anderer Leute soll man nur veröffentlichen, wenn es diesen kein Unbehagen verursacht.

Es mag schon sein, daß ein Mensch aufgrund seiner Arbeit andere in Situationen sieht, die diesen hinterher unangenehm sind. Das muß man nicht auf Facebook ausbreiten. Grundlegende Regeln des Anstands.

Diese Eden ist einfach eine dumme Pute. Sie hat Bilder von ihrem Arbeitsplatz bei der Armee eingestellt, auf denen die an der Wand hängenden Code-Tabellen und Karten sichtbar waren. Ihre Reaktion zeigt deutlich, daß sie absolut nicht kapiert, was daran nicht okay war, diese Bilder zu veröffentlichen.

Ein Journalist kommt von außen und kann Bilder machen, wie Zahal-Soldaten Verdächtige in der Unterhose abführen, weil sie auf Bombengürtel untersucht wurden. Er ist Journalist, das ist seine Aufgabe. Daß unsere Soldaten dabei nicht aussehen wie Gildor und Glorfindel, ist klar, und das ist auch okay so. Ihre Arbeit ist nicht edles Schreiten und Singen, sondern dreckig und gefährlich.

Aber eine Soldatin sitzt in dem System drin. Wenn sie nicht die grundlegenden Tugenden von Anstand und Diskretion hat, dann war sie dort wirklich fehl am Platz. Es gibt Soldaten, die nach dem Dienst ihre Erfahrungen aus politischen Gründen ausschlachten – auch problmatisch. Warum haben sie nicht protestiert, solange sie noch Soldaten waren? Aber ihren Arbeitsplatz bei der Armee als privaten Spielplatz zu betrachten ist unter aller Kritik.

Ich plaudere auch keine Indiskretionen über Schüler und Studenten aus, und alle meine Geschichten über andere sind so verändert, daß man die Betreffenden (hoffentlich) nicht erkennen kann.

Diese Klatsch- und Tratsch-Mentalität ist wirklich grauenhaft.

4. willow - August 17, 2010, 15:12

Natürlich sollte man nicht, gar keine Frage! Wobei ich das verlinkte Bild als ziemlich harmlos einstufen würde, also weder demütigend noch bloßstellend oder auch nur verhöhnend . Dumme Pute scheint es ganz gut zu treffen, wobei das Veröffentlichen von Karten und Code-Tabellen deutlich über „absolut geschmacklos“ hinausgeht.

Aber richtig ekelig wird es dann, wenn diese dumme Pute dann in ganz großer Aufmachung als Beweis für die Grausamkeit und menschenverachtende Unmenschlichkeit des Juden herhalten muß – wobei natürlich auch wieder israelische Kronzeugen präsentiert werden.

5. yael1 - August 17, 2010, 19:30

Diese Göre scheint nichts im Hirn zu haben, wenn sie sich nun auch noch wundert, wie die Reaktionen ausfallen. Soviel Dussligekeit und jedwediges Fehlen des Anstandes scheint der abzugehen.
Schade, dass man die nicht mehr belangen kann.

6. Lila - August 17, 2010, 19:38

Hast Du sie im Fernsehen gesehen? Wow, wenn sie nicht so unsympatisch wäre, täte sie mir fast leid. Sie kapiert es echt nicht, daß Palästinenser keine Hintergrundfiguren für ihre privaten Fotos sind. Sie ist richtig sauer.

Tatsächlich tut der Dienst in den Gebieten (obwohl das Bild wohl nicht in den Gebieten entstanden ist) der Armee absolut nicht gut, sowohl moralisch-menschlich als auch „mivtzait“, wie sagt man das auf Deutsch? Es ist Polizeiarbeit, kein Job für eine Armee.

Ich wünschte, die Palästinenser würden uns davon erlösen und ihren Laden allein in Ordnung halten (wozu es in der Westbank zunehmend Anzeichen gibt, wenn man manchen Journalisten glaubt). Die Methoden der palästinensischen Polizei sind übrigens berüchtigt – ich weiß nicht, wie so ein Bild da aussehen würde.

Daß ein Großteil der Empörung von außerhalb verlogen ist, ist klar. Junge Leute in Uniform benehmen sich manchmal seltsam, egal welche Uniform sie nun genau tragen.

7. yael1 - August 17, 2010, 19:50

Ja, sie kam im Fernsehen.

„Ich wünschte, die Palästinenser würden uns davon erlösen und ihren Laden allein in Ordnung halten.“

Das wäre auch mal höchste Zeit.

Schlimm sind die Kommentare mal wieder bei der Welt. Da schwadroniert einer von Goldzähnen, Juden sind asozial und hätten wohl Angst vor dem Duschen. So was wird doch auch noch veröffentlicht und erst nach meinem Protest gelöscht.

8. Mr. Moe - August 17, 2010, 20:05

Hinsichtlich der Bewertung der Handlungen der Ex-Soldatinnen stimme ich allen hier zu. Gleichwohl gebe ich ähnlich wie Willow zu bedenken, dass das Ganze in deutschen Medien bereits mit dem Abu-Ghuraib-Folterskandal verglichen wird – und das ist nicht nur einfach eine andere Liga, das ist eine ganz andere Sportart.

9. lalibertine - August 17, 2010, 20:17

Die Bewertung der Sache ist ja wohl klar, dazu haben andere hier schon alles geschrieben.

Frage: Wenn die Fotos der doofen Pute Abu Ghuraib sind, was ist dann die Gefangenschaft von Gilad Shalit? Der Archipel Gulag?

10. Lila - August 17, 2010, 20:26

Moe: Selbstverständlich ist das eine andere Liga und auch Sportart. Deswegen muß ich es aber noch nicht in Schutz nehmen.

Lalibertine: So leitet der SPon seinen Artikel ein:

Die Bilder erinnern an die Aufnahmen aus dem irakischen US-Gefangenenlager in Abu Ghuraib, die 2004 in der ganzen Welt Entsetzen und Ekel hervorriefen. Gewaltexzesse wie damals sind auf den Bildern, die die israelische Soldatin Eden Abargil jetzt auf ihrer Facebook-Seite präsentierte, zwar nicht zu sehen. Aber auch diese Fotos sorgen für eine Welle der Empörung.

Auf die Art und Weise kann man wirklich jede Mücke zum Elefanten machen. Das kann ich auch. Nehmen wir doch den Vorfall heute abend:

Der Vorfall erinnert an die Geiselnahme im Dubrowka-Theater in Moskau, die 2002 auf der ganzen Welt Entsetzen und Abscheu hervorriefen. Zwar kam niemand ums Leben, die Geiselnahme gelang nicht und wir wissen überhaupt nicht, ob überhaupt eine Geiselnahme überhaupt stattfand, aber eine Welle der Empörung schwappt schon vorsorglich durch die Boulevardblätter der Welt.

Schööön. Mensch, und mit sowas kann man Geld verdienen? Und da racker ich mich mit Unterrichten ab…?

Die Welt bleibt übrigens bei ihrer Darstellung vom bewaffneten Nacktfrosch. Und damit wir gleich beim Stichwort Tel Aviv das Richtige denken (wenn auch in den Vorfall nur Araber und Türken verwickelt waren), dieser Nach-Absatz:

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind seit Jahren angespannt. Seit das israelische Militär am 31. Mai 2010 das türkische Hilfsschiff „Mavi Marmara“ stürmte und neun Aktivisten tötete, herrscht Eiszeit. Die „Mavi Marmara“wollte die israelische Seeblockade durchbrechen und direkt Hilfsgüter zu den Palästinensern im Gazastreifen bringen. Der israelische Angriff löste weltweit Bestürzung aus. Inzwischen untersucht eine Sonderkommission der Vereinten Nationen den blutigen Militäreinsatz im Mittelmeer.

Daß die weltweite Empörung noch kein Beweis dafür ist, daß diese Version stimmt, kann natürlich keiner ahnen. Daß die Hilfsgüter nur ein Bruchteil dessen sind, was Israel pro Tag in den Gazastreifen per LKW liefert – daß die meisten Hilfsgüter schon abgelaufen waren – daß die Aktivisten vorher Shahid-Videos aufgenommen hatten und zu einer Terror-Organisation gehörten – daß die Türken selbst Dreck genug am Stecken haben, den man ja auch mal erwähnen könnte – pfff, uninteressant.

Wie wäre es, a propos Türkei, mit einem Zusatz dieser Art:

Die Beziehungen zwischen der Türkei und dem Rest der Welt sind seit Jahren angespannt. Seit Bilder schwer verstümmelter Leichen von kurdischen Opfern türkischer Chemiewaffen-Einsätze an die Weltöffentlichkeit gelangten, herrscht Eiszeit.

Mehr dazu hier. Auf die UNO-Resolution zum Thema warten wir übrigens noch.

11. Mr. Moe - August 17, 2010, 22:08

@Lila:

Selbstverständlich ist das eine andere Liga und auch Sportart. Deswegen muß ich es aber noch nicht in Schutz nehmen.

Das habe ich ja auch nicht behauptet 😉 Und ich selbt nehme es ja auch nicht in Schutz, falls der Eindruck entstanden sein sollte.

jim - August 18, 2010, 2:11

http://www.tagesspiegel.de/politik/morde-an-kurden-von-oben-befohlen-aussagen-eines-admirals-entlarven-tuerkische-politik/1904518.html

„Morde an Kurden von oben befohlen“ Aussagen eines Admirals entlarven türkische Politik

Es geht um mindestens 3000 Mordfälle, manche Leichen wurden nie gefunden.

12. Karl Eduard - August 18, 2010, 9:45

DER TAGESSPIEGEL vergleicht das mit der Folter – Amerikanerin und ich kann nicht begreifen, wieviele willige Helfer der Zeitung, auch in Israel, zur Seite stehen. Da sitzt eine junge Frau in Uniform, der wahrscheinlich jemand gesagt hat, „schau mal her“ und dann hat sie jemand fotografiert bei ihrer täglichen Arbeit. Ich kann das Geheuchel darum nicht nachvollziehen. In der Presse erscheinen andauernd Bilder von „gedemütigten“ Palästinensern, von prügelnden israelischen Soldaten, nebst ihrer Opfer, da wissen wir doch, was da los ist und niemand macht ein Gedöns.

Auch Lila nicht.

Das gehört zur Arbeit der Armee. Leute, die verdächtig sind, an Kontrollpunkten, auszusortieren und dann sitzen sie da unter Bewachung, gefesselt und mit verbundenen Augen. Das ist das Geschäft der israelischen Armee, den Staat Israel zu schützen. Das, was hier im Westen Demütigung genannt wird. Ja, ist das nicht demütigend, daß es im Internet ein Video gibt, wo sich eine jugendliche Palästinenserin bis auf die Unterwäsche ausziehen muß, wobei der Sprengstoff sichtbar wird, den sie am Leibe trägt. DAS ist demütigend und wir wollten wohl alle, Israel würde auf solcherart Kontrollen verzichten, wegen der Menschenwürde. Wenn die Würde der Feinde höher hängt, als die eigene Sicherheit, dann könnt Ihr schon mal den Leichenbestatter für den Staat Israel bestellen.

13. Karl Eduard - August 18, 2010, 9:48

Im Grunde ist es mir aber egal, wer alles vom Gutmenschenvirus infiziert ist, ich empfinde die Aufregung nur als gewaltige Heuchelei, dann soll der Staat eben seine Soldaten für so etwas nicht einsetzen, er kann ja Rupert Neudeck mit seinen Grünhelmen anfordern. die machen das dann schon.

14. Lila - August 18, 2010, 12:11

Karl Eudard, ich glaube, Du verstehst nicht, was mich ärgert. Unterstellst Du mir etwa, ich würde unsere Sicherheit gefährden wollen? Was für ein Unfug. Es besteht doch gar kein Sicherheitsbedarf nach Photos von Häftlingen bei Facebook.

Verdächtige Personen festzunehmen und zu vernehmen gehört zu den Aufgaben der Sicherheitskräfte überall auf der Welt, und solange es noch Menschen gibt, die anderen Schaden zufügen wollen, wird das auch so bleiben. Dagegen sage ich doch gar nichts.

Was mich stört, ist die Verwendung solcher Situationen als Posen für Fotos, an denen das Dummchen nur interessiert, wie gut sie auf ihnen aussieht. Ihre Aufgabe bei der Armee ist keine photo opportunity für persönliche Eitelkeit. Die Bilderserie dieser jungen Frau hat der Sicherheit des Staats Israel nicht gedient, sondern GESCHADET (wegen der Bilder mit Einzelheiten aus ihrem Büro und von ihrem Schreibtisch). Sie scheint außerstande zu verstehen, daß das nicht in Ordnung war, und Du anscheinend auch.

Mir deswegen gewaltige Heuchelei und Gutmenschentum (ein Wort, das ich wiederum als heuchlerisch empfinde und darum nie benutze) zu unterstellen finde ich ziemlich daneben, sowohl von Edens Seite (die ihre Kritiker so angeht) als auch von Dir.

15. grenzgaenge - August 18, 2010, 13:37

Also ich bin ja auch jemand der gerne provoziert. Mein lieber Karl-Eduard: haben wir da etwas gemeinsam oder meinst Du wirklich zu 100% was Du da schreibst ? Ich bin deiner Meinung was Heuchelei und Gutmenschentum angeht. Das weite Teile, gerade der Bevölkerung in Deutschland, mit dieser K**ze infiziert ist glaube ich auch. Allerdings ist das Gutmenschentum sehr selektiv verteilt und wird genau dadurch zur Heuchelei.

Was nun die Soldatin angeht: Ich stimme Lila zu. Auch ich finde es absolut makaber und schlimm wenn solche (!) Bilder auf einem Facebook Account erscheinen. In Anlehung an die selektive (!) deutsche Gutmenschlichkeit könnte man fragen ob die Soldatin vielleicht eine schlechte Kindheit gehabt hat, ein unbefriedigendes Sexleben hat, vielleicht auch eine Erkrankung die ihr zu schaffen macht ? Ich frage mich einfach welche Faktoren zusammenkommen müssen um eine solche, geschmacklose, Selbstinzinierung zu betreiben.

Es ist tragisch genug das Checkpoints notwendig sind. Das wiederum ist nicht die Verantwortung Israels. Makaber finde ich wenn diese Checkpoints, durch nazistische Triebe einzelner Personen, missbraucht werden. Ich weiss das Soldatinnen ubd Soldaten eine enorme Belastung an diesen Checkpoints auf sich nehmen. Aber auch das ist keine Entschuldigung für das Verhalten der Soldatin.

Und jetzt schreibe ich etwas das man vielleicht nicht aus meiner Feder erwartet: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten dieser Soldatin und dem was man als Besatzung bezeichnet ? Welche Folgen hat eine Besatzung für die Besatzer ? Welche Folgen hat ein erzwungener Kriegszustand für eine Bevölkerung ?

(Ist es nicht ein Zeichen für Humanität und Selbstdisziplin das solche Fälle, wie der hier diskutierte, nicht öfters vorkommen ?)

Bevor ihr jetzt wegen meiner Gedanken über die Besatzung über mich herfallt würde ich euch vorschlagen vorherige Kommentare von mir zu lesen. Ich gehöre absolut nicht zu den Friedensbewegten. Aber das sollte mich nicht daran hindern über Fragen nachzudenken die mir unangenehm sind.

16. Marlin - August 18, 2010, 15:12

Stimme zu, dass die Frau dämlich ist. Und sie hätte es einfach nicht veröffentlichen dürfen. Vermutlich ist sie schon von der Generation Facebook, wo sowas kaum noch bedacht wird.

Es gab Berichte, wo Israelische Soldaten sich von einem Facebook-Kontakt haben aushorchen lassen.

Ich werde die Frau aber nicht verurteilen, offenbar waren die Infos, die sie präsentiert hat, auch nicht soo extrem, sonst gäbe es doch wohl trotzdem juristische Handhabe gegen sie, oder? Geheimnisverrat?

Schlimmer finde ich eher eure Schas-Typen von der religiösen Front. 😛

Die sind doof. Das müsst ihr noch in den Griff kriegen. 😀

17. grenzgaenge - August 18, 2010, 16:35

„Die sind doof. Das müsst ihr noch in den Griff kriegen.“

@Marlin: Das Phänomen Schas hat viele Aspekte. Und das Schas soweit aufgestiegen ist hat viele Gründe. Nicht alle Gründe sind schlecht. Mir scheint die Frage zu sein warum gerade Schas, auch mit seinen Sozialprogrammen, auf so fruchtbaren Boden gefallen ist. Das ist nicht als Schuldzuweisung an die Askenasim und deren Geschichte gemeint. Man kann es bedenklich finden wenn Religion sich sozialen Aspekten bedient – auch um Macht auszuüben und Korruption zu schüren. Aber man sollte schon die Gründe bedenken welche dahinterstecken. Schas hat sich, meines Erachtens, vor allem derjenigen angenommen um die sich die Askenasim nicht ausreichend bemüht haben. Ob von Anfang an neben dem Aspekt der Hilfe auch der Aspekt der religiösen Indoktrination und – in gewisser Weise – auch Ausnutzung im Spiel war kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber das die Askenasim sich gegenüber den Migranten aus dem Orient gegenüber, in vielen Fällen, nicht positiv gezeigt haben. Nochmal: das ist kein Vorwurf. Sondern der Versuch einer Erklärung. Schas hat einfach ein Bedürfnis abgedeckt und daraus politischen Gewinn gezogen. Man kann bedauern wenn politische Macht und Religion ein Bündnis eingehen. Man kann diese Tatsache aber auch nicht bedauern.

18. Lila - August 18, 2010, 16:51

Ganz richtig, Shas ist eher ein Symptom der tiefen inneren Spaltung und für viele Leute war Shas eine Protestwahl-Option. Viele religiöse Juden orientalischer Herkunft fühlten sich, zu Recht oder Unrecht kann ich nicht entscheiden, diskriminiert und von oben herab betrachtet. Außerdem darf man nicht vergessen, daß der Rav Ovadia Yosef für viele eine religiöse Autorität ist.

Und ich muß sagen, daß Arie Deri, der erste und größte Star von Shas, ein hochintelligenter Mann ist und seinen Nachfolgern haushoch überlegen. Unter ihm hätte Shas sich vielleicht anders entwickelt. Ich weiß, daß auch er korrupt war, aber leider haben sich seine Nachfolger nur daran ein Beispiel genommen, nicht aber an anderen seiner Qualitäten. Ich habe Deri immer gern zugehört und auch wo ich nicht mit ihm übereingestimmt habe, hatte ich immer Respekt für ihn. Vielleicht ist er auch nur ein besonders charismatischer und aalglatter Redner? Nein, ich glaube, Deri hatte mehr.

19. willow - August 18, 2010, 19:29

Kurz nochmal zurück zu der dummen Pute – wenn ich ihr Bild mit diesen hier

http://fotogaleri.hurriyet.com.tr/GaleriDetay.aspx?cid=36575&p=9&rid=2

vergleiche, dann kommen mir die internationalen Reaktionen doch etwas heuchlerisch vor…

20. Marlin - August 18, 2010, 21:42

Ich weiß, ich weiß, die vielen Schichten (wie bei Ogern 😉 ) dieser innenpolitischen Probleme kenne ich nicht und kann das alles nicht beurteilen.

Aber ich bin mir recht sicher, dass die Entwicklung, wie ich sie mitbekomme, dass die orthodoxen (wie die Araber) vom Wehrdienst befreit sind, subventioniert siedeln (nicht die Araber) und damit den Schutz der Armee in Anspruch nehmen und dabei an Menge zunehmen, eben ein Problem darstellen. Das ist ja völlig logisch. Gibt es dazu Stimmen vom „rechten“ Block, wie dieser Widerspruch zu sehen ist?

Die Räumung von Gaza war schon schlimm genug. (Ich schätze, hoffentlich im Extremfall) aber wenn diese Tendenz zunimmt, schwächt sie den gesamten Staat.

21. willow - August 19, 2010, 11:23

@Marlin

Auch in diesem Fall: Viele Schichten…

Zunächst einmal sind „die Orthodoxen“ keinesfalls so homogen, wie unsere Qualitätsjournalisten dies gern darstellen. Beispielsweise arbeiten Orthodoxe angeblich nicht – wie ich u.a. bei Ruth (Beer7) las, trifft dies auf eine Mehrheit in der Wirklichkeit nicht zu. Auch mit dem „Orthodoxe gehen nicht zur Armee“ ist das nich so einfach – von vielen Linken und/oder Säkularen wird es im Gegenteil mit einem gewissen Unbehagen gesehen, daß die Armee zunehmend durch „Orthodoxe“ geprägt wird.

Das mit dem „subventioniert siedeln“ (herrliche Formulierung!) scheint auch nicht ganz so einfach zu sein, zumal es auch „die Siedlung“ nicht gibt. Ariel z.B. wurde, wenn ich richtig informiert bin, von „Säkularen“ gegründet aber auch in Ma’ale Adumin sollen sehr viele Nicht-Orthodoxe leben. Überhaupt dürften sich hierzulande viele eine Siedlung ganz anders vorstellen als Gilo, Ariel oder Ma’ale Adumin – aber frag das Nahostkorrespondenten.

Nicht mal das mit dem „die Orthodoxen nehmen immer mehr zu“ ist so einfach… Schichten eben.

22. Wolfram - August 19, 2010, 12:20

@willos (19): ich kann nicht türkisch; was sollen diese Bilder darstellen?

23. Lila - August 19, 2010, 12:28

Mich nervt immer die Verwechslung von Orthodoxen und Ultra-Orthodoxen! Und bei den Orthodoxen gibt es wieder verschiedene Gruppen, ebenfalls bei den Ultra-Orthodoxen.

Ganz grundlegend und grob kann man sagen: die orthodoxe Strömung des Judentums ist die offiziell vom Staat anerkannte Strömung, im Gegensatz zu Reformjuden, Konservativen oder Rekonstruktionisten (die es hier alle auch gibt, deren Konversionen oder Eheschließungen aber nicht anerkannt werden). Die orthodoxen Juden sind Zionisten, arbeiten, zahlen Steuern, die Söhne dienen in der Armee (zumeist bei hoch anerkannten Einheiten), manche Töchter machen Zivildienst, aber sie drücken sich nicht. Es gibt orthodoxe Juden, die in Siedlungen leben, aber auch überall sonst.

Es gibt moderne Orthodoxe, es gibt rechte, aber auch linke Orthodoxe, und dieser Überbegriff sagt eigentlich gar nicht viel aus. Orthodoxe leben nach den Mitzvot, den religiösen Vorschriften, die aber durchaus verschieden ausgelegt werden können. Es gibt strenge und weniger strenge Auslegungen.

Ultra-orthodoxe Juden – das ist wesentlich komplizierter, weil sie sich in sehr viele kleinere Gruppen aufspalten, je nach Herkunft, Zugehörigkeit zu rabbinischen Lehrern oder Führungsfiguren, oder politischer Richtung. Es gibt durchaus zionistische Ultra-Orthodoxe, mit politischen Parteien und Vertretern im Parlament (Shas, Degel ha Tora et). Es gibt aber auch anti-zionistische Ultra-Orthodoxe, von denen viele im Ausland leben, aber eben auch einige in Israel.

Der hebräische Ausdruck Haredim (Gottesfürchtige) ist präziser als Ultra-Orthodoxe, finde ich. Haredim stellen ihr gesamtes Leben unter das, was sie als göttliches Gesetz ansehen.

Weil Haredim vom Armeedienst befreit sind (obwohl es auch Einheiten für Haredim gibt), ziehen sie viel Unmut auf sich. Sie eignen sich besonders gut, um sie als fanatische Masse zu filmen, und es ist von außen praktisch unmöglich, ihren Lebensstil und ihre Auffassungen zu verstehen. Über Haredim sind, auch in Israel, viele Vorurteile in Umlauf, und sie halten sich oft konsequent von anderen fern. Sie sind vermutlich die Gruppe der israelischen Bevölkerung, von denen andere am wenigsten wissen, über die sie aber viel zu wissen glauben (meist Negatives).

Ich sehe aber zB die Freiwilligen von Zaka (eine Organisation zur Rettung und Bergung von Schwerverletzten und Opfern von Katastrophen) als bestes Beispiel für Haredim, die auf ihre Art und Weise ihren Beitrag leisten, in Übereinstimmung mit ihren Werten und im Dienst der Allgemeinheit. Das gibt es also durchaus auch.

Ich bin nicht jüdisch, wollte es auch nie sein, aber ich glaube, Juden werden ähnlich wie Katholiken oder Moslems von Außenstehenden oft allzu sorglos über einen Kamm geschoren.

24. willow - August 19, 2010, 13:04

22. Wolfram

„@willos (19): ich kann nicht türkisch; was sollen diese Bilder darstellen?“

Interessant… hätte nicht gedacht, daß diese Bilder unbekannt sind.

Es handelt sich um Bilder, die von den „Friedensaktivisten“ auf dem Marmara-Schiff aufgenommen wurden und von deversen türkischen Zeitungen veröffentlicht wurden.

Zu sehen ist, wie die israelischen Soldaten von den „Friedensaktivisten“ aufs heftigste mißhandelt wurden – ganz offensichtlich sollten die Soldaten auch als Geiseln genommen werden. Wohlgemerkt, türkisch-intern wird nicht verschwiegen, daß diese Übergriffe den tödlichen Schüssen der Israelis vorangingen.

Ist es nicht interessant, daß die Bilder der dummen Pute ein internationales Thema sind – die verlinkten Zeitungsbilder von mißhandelten und gedemütigten israelischen Soldaten jedoch offensichtlich unbekannt blieben!?

25. mibu - August 19, 2010, 14:21

willow, könnte es sein, dass Sie nicht so sehr viel mehr als die „dumme Pute“ verstehen, dass bzw. warum die Veröffentlichung ihrer Bilder nicht akzeptabel ist ? Es sind nicht nur ethische Gründe, die dagegen sprechen. Zudem sind IDF sowenig wie jede andere nationale Streitkraft ein privater Klub von Abenteurern.
Und zu den Mavi-Bildern: mir sind die verlinkten Bilder häufig genug untergekommen, gelegentlich verpasse ich aber auch Dinge. Die Bilder werden manchmal auch als Beleg gezeigt, dass die Aktivisten wehrlose Soldaten eben nicht misshandelt sondern angeblich sogar versorgt haben sollen. Aufgrund solcher unterschiedlichen Motive würde ich das nicht ohne weiteres mit dem der IDF-Rekrutin gleichsetzen.

26. yael1 - August 19, 2010, 14:59

„ich glaube, Juden werden ähnlich wie Katholiken oder Moslems von Außenstehenden oft allzu sorglos über einen Kamm geschoren.“

Stimmt Lila. Daran sind aber leider vor allem die Medien mitschuld, weil sie selber nicht in der Lage sind, zu differenzieren. Denn selbstverständlich leisten die meisten Orthodoxe ihren Wehrdienst ab.
Und es gibt eine bestimmte Einheit, in denen auch Haredim ihren Dienst leisten. http://www.nahalharedi.org/

Mich nervt dieses über den Kamm scheren auch ohne Ende.

27. Lila - August 19, 2010, 15:37

Na ja, Willow, das sind doch zwei verschiedene Paar Schuhe.

Die Soldatin trägt die Uniform der IDF und repräsentiert sie damit. Ihre sorglose Art, mit der Menschenwürde der ihrer Obhut anvertrauten Festgenommenen umzugehen, wirft kein gutes Licht auf die IDF. Ebensowenig wie die, die auf den Hilfsgüter-Schiffen geplündert haben sollen – sowas kommt vor und wird von der IDF, wie wohl von den meisten Armeen, scharf verfolgt. Muß auch, weil es nicht eine private Übertretung ist, sondern eben als Repräsentant einer Armee und darum eines Volks bzw Staats.

Deswegen habe ich diese Eden eine dumme Pute genannt, weil sie nicht kapiert, daß sie mit ihrer Blödheit alle anderen Soldaten und damit auch Israelis gleich mit unter Verdacht stellt.

Es ist ziemlich unbestreitbar, daß wir, wie auch andere Länder, eine gewisse Erosion der Werte mit ansehen müssen. Nun kann das daran liegen, daß viele Übertretungen heutzutage viel stärker thematisiert und medial verbreitet werden als früher – wen haben früher Gewalt in der Familie, sexuelle Gewalt gegen Untergebene oder Kinder, Jugendkriminalität schon interessiert? Die Fälle wurden entweder totgeschwiegen oder die Täter, im Fall der Jugendkriminalität, still weggesperrt.

Ich weiß nicht, ob es eine optische Täuschung ist, oder ob sowohl Gewalt als auch Korruption und Unwillen, Verantwortung zu übernehmen, tatsächlich zunehmen. Das ist in der ganzen westlichen Welt ein Problem, auch bei uns, und auch in der Armee. Es ist besorgniserregend. Im Fall unserer Armee glaube auch ich, daß es einfach für zu viele Soldaten die Norm geworden ist, Palästinenser in Handschellen zu sehen. Wir müssen aus dieser Situation raus.

Die nach der Intifada II vollzogene Trennung von Israelis und Palästinensern hat zu einer gegenseitigen Weigerung geführt, den anderen als Mensch wahrzunehmen. es gibt dafür viele Indizien. Bei den Palästinensern zeigen Umfragen eindeutig, daß sie nicht die geringste Empathie mit Israelis haben, und auch bei uns (wo immer noch Anteilnahme am Schicksal einzelner Palästinenser herrscht und sich viele Bürger nach wie vor für sie einsetzen – für Kranke und Kinder besonders deutlich) nimmt die Empathiefähigkeit ab.

Die Generation dieser Soldatin war nie in Ramallah Eis essen und hat die besetzten Gebiete nie anders als feindlich und bedrohlich erlebt. Ihr Vater arbeitet nicht mit Arabern aus den Gebieten zusammen, ihre Mutter kauft dort nicht ein.

Und die jungen Palästinenser haben nie in Tel Aviv ein Eis gegessen oder in Haifa am Strand gesessen.

Diese Trennung, die durch die Intifada unvermeidlich wurde, bezahlen wir mit einer totalen Abwendung der beiden Völker voneinander. Sicherheitstechnisch mag das gut sein, aber auf die Dauer halte ich es für gefährlich.

Ich habe da schon mal drüber geschrieben. Als es um Yoram Binur ging, dessen Reportagen ich sehr vermisse.

https://rungholt.wordpress.com/2007/06/14/yoram-bin-nur/

Bin Nur, frei zitiert: „Ich habe noch nie Material gefilmt, das mir mehr Bauchschmerzen gemacht hätte. Diese Reportage zu machen fand ich schwierig. Die neue Generation – das sind schon nicht mehr die Palästinenser, die in Israel gearbeitet haben, die sich noch an Dudi und Shlomi erinnern und gut Ivrit können. Es sind Kinder, die sich nicht an die Osloer Verträge erinnern, nicht an Arafat, sie kennen nur Gewalt und Kampf. Ihre Helden – die Märtyrer und Kämpfer der verschiedenen Bewegungen in der Westbank, und, so seltsam es klingt – die israelischen Soldaten der Einheiten, gegen die sie kämpfen. An denen einen nehmen sie sich ein Beispiel, an den anderen messen sie sich. Es ist eine Generation ohne Hoffnung, ohne Zukunft, bereit, sich für ihren Kampf zu opfern.“

Das war vor drei Jahren. Jedes Jahr verbreitert die Kluft.

28. Marlin - August 19, 2010, 17:04

Ich werde von nun an die Ultraorthodoxen etwas abheben. 😉

Ich lerne ja auch hier. Der Begriff „Ultra“ ist mir aber geschichtlich etwas.. naja als Kampfbegriff vorbelastet.

In der Zone hieß es öfter: „die Bonner Ultras“ und so. Deswegen bin ich da ein wenig am schwimmen.

„Antifaschistischer Schutzwall“ und so.

29. Marlin - August 19, 2010, 17:04

Warum krieg ich eigentlich immer solche Bilder, die an Hakenkreuze erinnern? 😛

30. Lila - August 19, 2010, 17:29

Bist Du jetzt zufrieden????

😀

31. Marlin - August 19, 2010, 19:50

Viel besser. Erinnert mich an eine Art Schmetterling.. trifft meine gesamten Eigenschaften aufs genaueste.

😀

Danke schön, Lila. 🙂

Dorothee - August 21, 2010, 18:49

Diese „Trennung“ beunruhigt mich auch schon lange, weil sie zu so großem Empathieverlust auf beiden Seiten führt.
Mit vielen israelischen Freunden kann ich seit Jahren nur schwer über diese Sorgen sprechen und finde wie Lila, dass die Kluft immer grösser wird.
Der Arzt Abuelaish aus Gaza, über den hier schon informiert wurde, lebt jetzt mit seinen verbliebenen fünf Kindern in Kanada…


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