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Letzte Neuigkeiten und Gedanken zum Zwischenfall August 5, 2010, 6:11

Posted by Lila in Presseschau.
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an der Grenze vorgestern, der Gott sei Dank hinter uns liegt. Gestern abend fand in Naqoura ein Treffen von Vertretern der Unifil, Israel und dem Libanon statt, in dem der normale Ablauf der Arbeiten an der Grenze noch einmal besprochen wurden. Auch bei diesem Treffen war allen Seiten klar, daß der Fehler auf Seiten der Libanesen lag und Israel das Recht hat, auf israelischem Territorium Sichthindernisse zu beseitigen.

Der verletzte Offizier (übrigens äthiopischer Herkunft) erholt sich, der getötete Familienvater ist gestern begraben worden. Auch im Libanon sind die Toten beerdigt – Moslems und Juden beerdigen schnell. Der Verletzte wurde im Krankenhaus interviewt und erinnert sich an den Vorfall – wie er und sein Vorgesetzter beschossen wurden, auf israelischem Territorium. Er hatte noch Kraft, seine Frau anzurufen und sie zu beschwindeln, daß er sich die Hand gebrochen hat. Dann wurde er ohnmächtig und mußte operiert werden, weil er nah am Herzen getroffen war. Jetzt geht es ihm gut, und er will so schnell wie möglich wieder Miluim leisten. Männer!!!

Die vielen, vielen hämischen, unsachlichen und haßerfüllten Kommentare und Talkbacks, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, zeigen mir deutlich, was ich eh schon wußte – automatische Verurteilung Israels ist für viele so selbstverständlich, daß sie ihren Standpunkt nicht mal in Frage stellen. Avenarius´ Kommentar ist ein besonders perfides Beispiel für die Verdrehung der Tatsachen – er preist ausgerechnet Assad, den hinterhältigen Kriegstreiber, der die ganze Region in Unruhe hält und mit Waffen beliefert, als friedliebenden Warner vor Krieg.

Vier Tote im Streit um einen Baum im israelisch-libanesischen Grenzgebiet, einen Baum, der der einen Armee die Sicht versperrt und der anderen zur Frage der nationalen Ehre wird. Dazu widersprüchliche Angaben über den Verlauf der Grenze und den Standort des hölzernen Gewächses, Beschuldigungen, Drohreden, Gefuchtel mit geladenen Waffen.

Das ist geradezu eine Verleumdungsklage wert. Der Streit ging nicht um den Baum – das war nur ein Vorwand, Avenarius! Schön blöd, daß er drauf reinfällt. Widersprüchliche Angaben – eine Seite hat gelogen, die andere die ganze Zeit die Wahrheit gesagt. Das nimmt Avenarius natürlich nicht zur Kenntnis.  Die Süddeutsche erwähnt es nicht einmal. Ihre Leser sind nach wie vor auf dem Kenntnisstand von vorgestern nachmittag. Bemerkenswert.

Die Taktik der Scharfschützen im Hinterhalt ist aufgegangen: wir greifen Israel an, die Idioten verteidigen sich auch noch und die ganze Welt hält sie dann für aggressive „skrupellose Kriegstreiber“ (Avenarius). Ich hoffe, für solche Journalisten gibt es ein besonderes Kämmerchen in der Hölle, wo sie pausenlos Wahrheit zu sich nehmen müssen – stelle ich mir sehr schmerzhaft vor für Freund Avenarius.

Kurz, so sehen unsere Freunde in der Welt aus. An die Feinde möchte ich an diesem Tag keinen Gedanken verschwenden.

Update am Freitag:

Noch ein paar interessante Texte zu diesem Lehrstück von „anti-Israel bias“ – für den Fall, daß nächste Woche wieder naive, wohlmeinende Erstkommentatoren auftauchen und sagen: ach, was bist du so vergrämt und bitter, ich finde unsere Berichterstattung über den Nahen Osten objektiv und umfassend! Ich fühle mich super informiert und habe mir aufgrund der Informationen in unseren soliden deutschen Medien eine richtig objektive, faktenbasierte Meinung gebildet! Also, lieber naiver Erstkommentator, food for thought:

Yaacov Lozowick über die Verzögerungen und den offensichtlichen Widerwillen der Medien, die wahre Version endlich zu berichten – man möge sich ausmalen, wie sich die Updates gejagt hätten, wären die Erklärungen der Unifil gegen Israels Version gerichtet gewesen…  Sein Fazit:

As I never tire of saying but unfortunately must repeat over and over and over, the reality Israelis know they live in is decidedly different from the mishmash of lies, mistakes, inaccuracies and wishful thinking just about everyone else is spoon-fed. Since reality is stronger than media reports, the discrepancy leads eventually to real-world actions, in which, for example, well-meaning but wrongly informed American Jews grow ever more exasperated with Israel for not understanding what any regular reader of the NYT can see; or when newly elected American presidents need 12-18 months of daily briefings before they begin to understand what’s really going on (Bush II needed 12 months, Obama seems to have needed the 18).

Bei Israelmatzav findet sich der Link zu einer ausgezeichneten Karte, die eindeutig zeigt, daß die Libanesen nicht etwa auf die bösen, bösen Baummörder gezielt haben, sondern direkt auf die Offziere, die eindeutig auf israelischem Territorium waren.

Mehr Bilder auch bei Elder of Zion, falls noch jemand Zweifel hegt.

Und eine Erklärung mit Bildern zum Thema Enklaven (muvlaot) und wie Israel mit ihnen umgeht bei der Jerusalem Post. Mir ist klar, daß die giftigsten „Israelkritiker“, deren Talkbacks und Kommentare in den Online-Medien ich mit Übelkeit gelesen haben, sich nie so weit aufs Thema einlassen.

Für sie ist klar, daß Israel Narrenfreiheit genießt, wegen Holocaust-Schuldgefühl und allgemeiner jüdischer Hinterlistigkeit unangreifbar ist, daß Israel das alles getan hat, um die armen Libanesen zu provozieren, und daß die Wahrheit eh nie ans Licht kommen wird, weil die Juden die Medien manipulieren. Nur der der Talkbacker selbst ist heldenhaft genug, um im Meer der israelfreundlichen Berichterstattung die Wahrheit ans Licht zu zerren. Tja, diese Leute werden sich die Karten nie angucken, die Artikel nie durchlesen. Sie sind unbelehrbar.

Kommentare»

1. boxi - August 5, 2010, 7:13

vielleicht sollte man bei starken fehlern sich auch mal gedanken machen, ob man das nicht z.b. beim presserat oder bildblog „meldet“. sowas kann eine ganz andere öffentlichkeit schaffen als so ein blog und ein paar kommentare hier.

2. mibu - August 5, 2010, 9:17

Lila, ich glaube nicht dass es sich lohnt, sich über einen derart blöden Artikel weiter aufzuregen. Wenn Avenarius meint, es wäre hier nur um einen Baum gegangen, zeigt er lediglich was für ein Holzkopf er ist. Einer, der offenbar die Entwicklungen der letzten Monate nicht mitverfolgt hat und nun aus spektakulärem Anlass meint selbst etwas dazu absondern zu müssen. Einer der meint, er könne einfach mal ebenso den Superschlauen Über-Durchblicker raushängen lassen, und sich über die Tölpelhaftigkeit der Simpel im nahen Osten lustig machen. Er glaubt, er könne einfach so mal im Vorbeigehen alle durch den gleichen Kakao ziehen. Dabei fehlt ihm offenbar einfach das Verständnis dafür, welche Interessen hier politische Vorgänge bestimmen und welche Spannungen sich hier aufbauen.
Ich empfinde diesen Artikel als eine außergewöhnliche Peinlichkeit für die Süddeutsche Zeitung. Die hätten eigentlich Grund sich zu ärgern.

3. mibu - August 5, 2010, 9:27

Aus gegebenem Anlass habe ich mir gestern abend nochmals Segevs Buch „1967“ zur Hand genommen und gestöbert. Ich glaube zwar, dass man die damalige Situation nur schwer mit der heutigen vergleichen kann. Aber ich habe ein wenig den Eindruck, dass es im Verhalten des Libanon und vor allem Syriens durchaus Parallelen gibt. Assads Reden machen einen ziemlich doppelzüngigen Eindruck auf mich. Allerdings kommt’s mir so vor, dass sich Jordanien und Ägypten von Assads Taktiken und Strategien kaum noch beeindrucken lassen.

4. Reuter - August 5, 2010, 9:29

Boxi,-
es gibt zur SZ einen ähnlichen Blog wie der „bildblog“ zur BILD:

http://www.suedwatch.de/blog/?p=3819
http://www.suedwatch.de/blog/?p=3860

Der Blogbetreiber befasst sich dort intensiv mit der SZ-Schreiberei von Thomas Avenarius, der (Zitat) „sich in Windeseile schon am Ende des zweiten Tages nach dem Grenzkonflikt mit einem Kommentar zu Wort meldet“ mit: „“Vier Tote im Streit um einen Baum […] Ein einsamer Baum … löst einen handfesten Krieg aus”
Trotzdem stellt dieser Griff ins K** noch den intelligentesten Teil seiner Wortmeldung dar. Richtig schäbig wird er erst, wenn er jene tödliche Aggression der Libanesen zu relativieren und zu entschuldigen versucht …“

Ich habe den „suedwatch-blog“ erst gestern zufällig entdeckt und muss mich da aber erst mal ein bisschen einlesen …

5. Karl Eduard - August 5, 2010, 11:52

Ich würde mir das persönlich nicht mehr so Herzen nehmen, schliesslich hat in Deutschland immer der Große schuld, wenn ihn der Kleine gegen das Schienbei tritt. Die deutschen Medien lügen schon reflexhaft und sie können gar nicht mehr anders.

6. Lila - August 5, 2010, 15:26

Besser als Gideon kann man es nicht sagen:

Ich erlaube mir zu zitieren:

Deutschland behauptet, Polen hat Radiosender überfallen. Polen dementiert. Widersprüchliche Angaben. Gegenseitige Schuldzuweisungen. Umstrittener Grenzverlauf. Polen droht Deutschland (im Fall einer Invasion). Hitzköpfe auf beiden Seiten. Armeen marschieren auf. Kriegsrhetorik aus Warschau und Berlin.

Immer schön ausgewogen bleiben!

7. yael1 - August 5, 2010, 19:30

Klasse.


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