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Und noch ein Döneken von Secundus… Juli 17, 2007, 16:26

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.
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… der ist einfach täglich eine Geschichte wert. Secundus-Ticker… wär doch mal eine schöne Abwechslung.

Heute war er sehr stolz. Der landwirtschaftliche Betrieb der Schule, wo er ja seit Jahren arbeitet und die Abteilung Gewächshäuser leitet, hatte heute hohen Besuch. Ein Beamter aus dem Landwirtschaftsministerium, den Secundus schon mehrmals bei offiziellen Gelegenheiten getroffen hat. Der Junge ist ja so engagiert sowohl im Biosphärenpark-Kommittee (wo er der Jüngste ist) als auch in der Leitung dieses Betriebs, der in unserer Gegend der letzte Rest des einst so stolzen Zweigs „landwirtschaftliche Erziehung“ ist.

Denn dort wird nicht nur organisches Gemüse angebaut, handgemolkene Ziegenmilch zu Käse und Labane verarbeitet und verkauft und ein Streichelzoo für sämtliche Kinder der Umgebung unterhalten, sondern auch erzieherisch gearbeitet. Jede Woche kommen Stadtkinder, Sonderschüler, Behinderte, Sommergäste, was auch immer für Gruppen, und arbeiten ein paar Stunden unter Anleitung von Secundus und seinen Freunden bei den Tieren oder auf dem Feld.

Secundus war also sehr stolz, daß der Mann aus dem Ministerium ihn wiedererkannte. Auch den Landrat kennt er inzwischen richtig gut, es war sogar ein Bild von beiden im Lokalblättchen. Secundus ist Feuer und Flamme für die Landwirtschaft. Er will nicht mehr Tierarzt werden, sondern Landwirt. Er betrachtet die in der Wolle gefärbten Landwirte, die Fallachim, die hier im Kibbuz den Zweig unter Kontrolle haben, mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Nachsicht. Er hat auf jeden Fall vor, diesen Thron zu übernehmen. Der landwirtschaftliche Charakter der Schule muß, wie er findet, viel stärker betont werden. Jeden Tag kommt er schweiß- und erdverkrustet wieder.

Und jeden Tag höre ich zu, wenn er mir begeistert erzählt – mal hat er in den Kibbuzim Erzeugnisse verkauft, mal eine Gruppe angeleitet, mal die Klauen der Ziegen beschnitten, mal eine Ratte im Kükenhaus oder eine Giftschlange totgeschlagen – selbst seinen großen Bruder, der da ja auch arbeitet und die Arbeit ebenfalls liebt, nervt er schon mit seiner Begeisterung.  Ich höre gern zu, weniger weil mich der Pilz in Tikis und Ephraims Klauen so fesselt, aber ich sehe Secundus gern so verantwortungsbewußt und entschieden. Dafür nehme ich auch gern die endlosen Berge stinkender Wäsche und ruinierten Schuhe in Kauf.

Eins ist sicher, von mir hat er das nicht. Ich kann kaum einen Kohlkopp von einer Banane unterscheiden.  Aber meine Oma – was hätte die für eine Freude an dem Jungen gehabt! Ich sehe in Gedanken das Bild vor mir, meine Oma und Secundus, gemeinsam in der Erde wühlend und fachsimpelnd. Nichts hätte meine Oma glücklicher gemacht als ein Urenkel, der Landwirt werden will und der überall kräftig zupackt.  Schade, tausendmal schade, daß sie ihn nicht miterlebt hat. Aber verloren geht nichts in einer Familie.  Diese fleißigen Landwirts-Gene – das ist ein Geschenk meiner Oma, das mich nach ihrem Tod erreicht.

Kommentare»

1. Marlin - Juli 17, 2007, 20:18

Heee, der soll keine Schlangen erschlagen!! 😡

Ratten, zur Not, aber deswegen kam doch die Schlange, um die Ratte zu essen. Menno.

Stock mit Strick dran, fangen, aussetzen. Sollte doch möglich sein, oder wat?

2. Lila - Juli 17, 2007, 20:26

Mir tat es auch um die Schlange leid, aber es war eine Zeffa, eine giftige Natter. Wenn wir andere Schlangen finden, freuen wir uns. Wir haben ihm auch gesagt, er hätte sie nicht totmachen sollen. Aber eine Zeffa fangen und aussetzen, das muß man können. Ich hoffe, er lernt es. Ich könnte es auch nicht, ich würde sie auch kaputtmachen.

So gern ich Schlangen mag. Ich mach auch die Skorpione bei uns auf der Wiese kaputt. Böse Welt.

3. Marlin - Juli 17, 2007, 22:50

Du bist gemein!! 😦

Obwohl ich Skorpione auch nicht unbedingt besonders freundlich finde. Aber totschlagen? Das ist doch an sich schon eklig. So große Tiere. Schachtel, und fangen, und anderswo aussetzen?

4. willow - Juli 17, 2007, 22:55

Über den Umgang mit Tieren (und Menschen…) – schöner Artikel:

http://spiritofentebbe.blogspot.com/2007/07/menschenrechtsaktivist-vs-tierschtzer.html

Aber mal ehrlich, die armen Schlangen und Skorpione!

5. Hannes - Juli 17, 2007, 23:58

Komisch, wenn ich das so lese, kommt mir meine Stadtmensch-Kindheit/Jugend irgendwie banal und fade vor. Wieviele Gemeinschaften dieser Art gibt es eigentlich noch in Israel, sterben die langsam aus?

6. Lila - Juli 18, 2007, 0:23

Die Skorpione hier sind nicht groß, sie sind recht klein und schwarz. Du würdest, wenn Du einen im Hauseingang fändest, wirklich einfangen und aussetzen? Alle Achtung, so edel bin ich nicht. Mir wäre das Risiko zu groß, daß in der Umgebung unseres Hauses jemand darauf tritt.

Mit den Schlangen ist das so eine Sache. Wir haben hinter dem Haus mehrmals eine sog. Schwarze Schlange gesehen, ebenfalls ein fieser Beißer, aber weniger giftig als die Zeffa und Zeffas Todfeind. Das beruhigt mich. Außerdem jagt unsere Katze Schlangen, leider auch die harmlosen kleinen Zeitounis, die Olivenschlangen, die ich so hübsch finde. Zweimal hat sie uns schon stolz Schlangenleichen serviert.

Ja, die armen Tiere. Insgesamt ist meine mörderische Bilanz in 20 Jahren Israel aber nicht sehr groß. Zwei getötete Skorpione, und dazu einer, den ich schon tot im Schlafzimmer vorfand – zwei von unseren Katzen erlegte Schlangen. Aber ich weiß nicht, was ich täte, wenn ich hier im Haus eine Zeffa fände – ob ich wirklich den früheren Nachbarn rufen würde, der in solchen Fällen kommt und die Schlange fängt, oder ob ich sie nicht doch…. denn der Biß ist oft tödlich.

Auf der Plusseite: wir haben eine stattliche Anzahl von aus dem Nest gefallenen fastflüggen Rötelfalken gerettet und die Jungen haben sie zu dem für Falken verantwortlichen Tierarzt gebracht. Es herrscht nämlich leider eine Krankheit unter den wunderschönen und seltenen Tieren, von denen bei uns so viele leben. Ich hoffe, bis nächstes Jahr erholt sich unsere Population. Die geretteten Jungen haben alle überlebt und sind ausgesetzt worden.

Und zu unseren Gemeinschaften: wir leben und gedeihen. Auch wenn wir schon x-mal von Außenstehenden für tot erklärt worden sind. Amnon Rubinstein, den ich überhaupt schätze, sagt es hier:

After years of crisis, reduced productivity and departing members, kibbutzim have experienced a noticeable turnaround. If in 1997 the overall kibbutz product was at a level of NIS 20 billion, in 2006 the figure stands at about NIS 27 billion. In this same nine-year period, the kibbutzim have gone from a collective debt of NIS 700 million to a NIS 1.2 billion profit, accounting for 12% of all Israeli exports.

This comes at a time when the kibbutz population represents just 1.8% of the total population. During the 12-year period between 1988 and 2005, 52,000 members left the kibbutzim; in the past two years thousands have joined the kibbutzim, and children of members are returning.

Among the kibbutz youth are a disproportionately high number of IDF combat troops obviously not heeding the ultra-leftist call to avoid army service.

Ganz interessanter Artikel. In erneuerter Form erlebt die Kibbuz-Idee eine Renaissance.

7. willow - Juli 18, 2007, 11:09
8. Marlin - Juli 18, 2007, 17:57

Ich weiß nicht, wie es in Gegenden mit giftigen Tieren um die Aufmerksamkeit der Menschen steht. Eure Kinder sind doch schon groß, um aufzupassen oder? Wenn sie kleiner wären, müsste man natürlich vorsichtiger sein und solche Tiere natürlich weiter wegbringen.
Und wenn die Skorpis wirklich klein sind, kann man sie doch auch mit Handfeger und Schaufel wegnehmen? Oder sind sie zu agil für offenes Tragen?

Jedenfalls kann ich fast nichts mehr töten, bei Mücken allerdings juckt es mich schon (welch Wortspiel 😉 ) in den Fingern, sie zu erschlagen. Aber nichtmal das kann ich mehr. :/ Früher habe ich noch Fliegen und Mücken weggesaugt und kaputtgeboxt, aber in Berlin gibt es erstens nicht soo viele wie aufm Dorf und 2. kann ich es nicht mehr.
Und mal was anderes: Sind diese Tiere unter Naturschutz, oder gibt es genug davon? (Ich hoffe letzteres. Dann kannst Du auch nochmal eine knappe Absolution für die Rötelfalken zum Ausgleich erhalten. 😀 )

Willow, hab es gelesen. Armes Hundchen. Aber irgendwie werden Tiere in Asien nicht sonderlich geschätzt. Vielleicht auch in Afrika. Vielleicht hat es in Europa ja mit dem Wohlstand zu tun, dass sich die Einstellung etwas geändert hat, was aber in Japan trotzdem zu keiner wirklichen Veränderung geführt hat, meine ich. Wenn man sieht, wie kleine Hunde und Katzen in Glaskästen zum Kauf angeboten werden, in praller Sonne.. ;-(

Von China müssen wir ja nun nicht reden.

9. Lila - Juli 18, 2007, 18:36

In Israel gibt es Tierschutzvereine und -heime, aber an die vielen wilden Katzen mußte ich mich auch erst gewöhnen. Kibbuzniks sind tierlieb, was dazu führt, daß viele Leute ihre Tiere neben Kibbuzim aussetzen. Es gibt hier auch immer Leute, die die Tiere dann aufnehmen.

Tierversuche sind in Israel verboten, und gerade vor drei Tagen kam eine Sendung im Fernsehen über das Leiden der Tiere bei Tierversuchen, und seitdem kaufen bestimmt mehr Leute mit Aufmerksamkeit aufs Tierschutz-Signet.

Ich fange Langbeine, Motten und Gottesanbeterinnen auch mit der Hand weg und setze sie aus. Bienen natürlich auch. Bei Kakerlaken und Skorpionen bin ich rabiat.

Schlangen – wie gesagt, wir haben im Kibbuz mehrere Schlangen-Fans, die in solchen Rufen rund um die Uhr zum Fang zur Verfügung stehen. Keine Ahnung, was ich machen würde – wirklich nicht. Vor ein paar Jahren wurde eine Frau beim Müllwegwerfen gebissen, eine andere fand eine Zeffa im Kleiderschrank, mein Schwiegervater hat regelmäßig welche im Garten. Er tut ihnen nichts, aber er hat auch keine kleinen Kinder.

Jedes Kind lernt hier schon im Kindergarten, wie man die Zeffa erkennt. http://www.ynet.co.il/PicServer2/01082004/599112/snake_wa.jpg

Wir haben hier so viele schöne Tiere direkt vorm Haus, die Mungos (die bei unseren Nachbarn im Müll wühlen), Igel, Wildschweine, Schakale, Pelikane, Störche, Falken… alles vom Wohnzimmerfenster aus zu sehen. Die Zeffa nehme ich da als Draufgabe. Ich müßte eigentlich wirklich mal lernen, wie man sie im Falle eines Falles fängt.

Y. als Schlangenliebhaber würde natürlich niemals eine Schlange totmachen, er würde sie eher mit nach Hause nehmen. Einmal haben die Kinder eine Zeitani-Schlange zuhause gehalten, über Nacht. Sie haben sie Rodrigo genannt und schließlich mit großem Pomp auf Urgroßvaters Grab drüben auf dem Friedhof ausgesetzt.

Ich habe nichts gegen SChlangen und finde sie schön, aber halten will ich keine. Und eine Zeffa sollte mir lieber nicht über den Weg laufen – besonders nicht, wenn ich die Mädchen vor ihr schützen muß!!!

10. Add a link - Juli 18, 2007, 19:18

Die Langbeine heißen übrigens Weberknechte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Weberknechte

11. Lila - Juli 18, 2007, 21:07

Dann weißt Du bestimmt auch den Unterschied zwischen Schnake und Weberknecht. ????

12. Add a link - Juli 18, 2007, 21:44

Ich war eher froh, einmal auf einem Gebiet etwas zu wissen, das so gar nicht meines ist … Schnaken sind mir sonst nur im süddeutschen Sinne, als Stechmücken bekannt. Ich könnte natürlich nachschlagen und vergleichen …
http://de.wikipedia.org/wiki/Schnake
Aha, sehe man sich den Abschnitt „Weitere Trivialnamen“ an:
„Regional werden Schnaken auch bezeichnet als Bachmücken, Pferdemücken, Elefantenmücken, Langbeinmücken, Stelzmücken, Kankel (Südniedersachsen), Schneider, Keilhacken, Staunzen, Mückenhengste, Mückenböcke, Mückenbullen, Hexen, Haxensepp (Südbayern), Schuster, Schnegger, Slak, Schnok, Amel, Emel, Purks, Pock(s), Hemel, Fräter, Sappen, Tod oder Kothammel … Bei einigen der Trivialnamen dieser Insekten handelt es sich offenbar um Verwechslungen mit den zu den Spinnentieren gehörenden Weberknechten, die regional ebenfalls als Schneider, Schuster, Tod oder Kanker bezeichnet werden. Auch die aus dem Englischen stammende Bezeichnung „daddy long-legs“ taucht zuweilen in der deutschen Bezeichnung für Schnaken auf als „Meister Langbein“ oder „Opa Langbein“. Dabei ist interessant, dass „daddy long-legs“ in Großbritannien meist Schnaken sind, in den USA jedoch Weberknechte …“
Jetzt wissen wir’s. Langbein kannte ich nur als Familiennamen oder als scherzhafte Personenbezeichnung, tja. Der Unterschied ist also ein atlantischer.

13. Lila - Juli 18, 2007, 21:56

Ya-alla, in meinem Blog bist Du glatt verschwendet.

Aber die Kriebelmücke, die kennst Du nicht! Dat es ene janz fiese Möpp.

14. Add a link - Juli 18, 2007, 22:13

Ah, aus Köln wohl, diese Kriebelmücke. Soll bitte da bleiben!

15. Add a link - Juli 18, 2007, 22:34

Okay, Köln war nicht ganz präzise. Niederrhein eben.
http://www.tourisme67.com/fr/index.php

16. willow - Juli 20, 2007, 17:27

Kleintierberichterstattung…

Spionierende Eichhörnchen, bösartige Dachse und gefährliche Stachelschweine machen in den letzten Tagen schlechte Schlagzeilen für Kleintiere im Nahen Osten. Zum Glück retten die Eulen den Tag.

http://hrbs.myblog.de/hrbs/art/185916980/_font_size_4_Kleintierberichterstattung_font_#comm

😉

http://spiritofentebbe.blogspot.com/2007/07/menschenrechtsaktivist-vs-tierschtzer.html

>-) >)


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