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Nicht der Rede wert Juli 23, 2007, 0:21

Posted by Lila in Land und Leute.
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Er hat mir gefehlt, Nasrallah, er war so still. Dabei waren wir jahrelang gewöhnt, regelmäßig seine Reden zu hören – auch wenn außer uns wohl nicht viele zughört haben. Doch letzthin wird er stiller. Hat er uns denn gar nichts mitzuteilen? Endlich wieder ein Wort von ihm!

 

Hezbollah claimed Sunday that it is able to strike at every part of Israel, and had the same capability during the Second Lebanon War last summer.

The leader of the Iranian and Syrian-backed organization, Hassan Nasrallah, made the comments to Qatari-based Al-Jazeera satellite television, in an interview to be aired in its entirety Monday.

„Even in the months of July and August 2006 there was not one place in occupied Palestine that we could not reach, every point and every corner,“ Nasrallah said. „I stress that we can do this today as well.“

Und wieso jetzt gerade diese neue Drohung? Ist er übermütig, nach dem Treffen seiner kräftigen Freunde, Assad und Ahmedinijad?
Laut Haaretz steckt mehr dahinter. Es scheint, daß UNIFIL energischer durchgegriffen hat als gewöhnlich.

In recent months, more than 90 percent of these areas have been searched, and UNIFIL patrols have found and destroyed Hezbollah arms, including Katyusha launchers, Katyusha rockets and explosives.

Details of the UN operations in southern Lebanon are in reports sent from UNIFIL to the organization’s headquarters in New York.

During searches after the war, 33 such areas – which the IDF euphemistically terms „nature reserves“ – were located.

These included bunkers and underground tunnels, some of which are sufficiently complex to include sub-systems, all built by Hezbollah south of the Litani River during the six years following the IDF withdrawal from southern Lebanon. Most of the rockets fired against Israel during the war last year were launched from the „nature reserves.“ 

Ganz interessant, was da vorgeht.

Israel has recently issued a number of warnings to Lebanon that if in the future there is an outbreak of hostilities and Hezbollah launches rockets from built-up areas, the IDF will not hesitate to bomb – and even totally destroy – urban areas after it gives Lebanese civilians the chance to flee.

UNIFIL’s efforts have touched a raw nerve with Hezbollah, and Israeli analysts have interpreted the recent attack against a UN armored vehicle, in which six soldiers of the Spanish battalion were killed, as being directly linked to the pressure the peacekeepers have put on the extremist Shi’ite organization. 

Ich weiß nicht, was sie sich davon versprechen, wirklich. Hisbollah, Syrien, Iran. Was soll aus ihnen werden, sollte es ihnen wirklich gelingen, uns endlich zu vernichten? Wen können sie dann als Sündenbock und Teufelsfratze benutzen, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten  abzulenken? Assad kann doch nicht an einem palästinensischen Staat interessiert sein, unmöglich. Nasrallah erst recht nicht, was hätte er von einem friedlichen Nahen Osten? Wo wäre er denn dann?

Übrigens: nicht nur Ehud Yaari, wie gestern erwähnt, hält den syrisch-iranischen Deal für gezielte Desinformation, sondern auch Ron Ben Yishai (auf den ich ehrlich gesagt weniger gebe als auf Yaari, spätestens seit seiner etwas peinlichen Berichterstattung von der Front im Irakkrieg… aber das soll vergessen sein).  Jedenfalls sieht es so aus, als wollten sie uns aus der Reserve locken. Was wollen sie damit erreichen, frage ich mich wieder. Sie steuern wohl partout auf einen Krieg zu? Es sieht so aus.

The situation, it appears, is quite at a dead end on all sides of the triangle – Washington, Syria and Israel – and the breaking of the current freeze is not in sight. Therefore, Assad realizes that with all due respect to peace talk, there are more important things that need to be done, and there are arenas that are no less important than Israel – Lebanon, for example, where some issues have to be finalized in the near future, such as the next president’s identity. With Iran by its side, Syria will certainly feel more confident when it comes to interfering in what’s going on in Beirut.

So what’s to do? Mostly receive much more of the same, that is, growing tension and escalating declarations, talk of resistance and preparations for it. The genuine fear is that someone who talks so much about „resistance“ will eventually be tempted to do something – and the missile presented in the first act may end up being launched in the third act.

Miserable Aussichten. Auch Guy Bechor ist pessimistisch zum Thema Syrien.

Von alledem findet sich etwas in deutschen Medien?  Viel Zeit zum Gucken hab ich nicht. Welt online: gegen Ende eines Artikels über die palästinensischen entlassenen Gefangenen.

Die Feinde eines Friedenskompromisses mit Israel trafen sich gleichzeitig in Damaskus und sprachen offene Drohungen aus. Der Chef der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, Hassan Nasrallah, drohte gar mit einem „heißen Sommer“ für Israel.

Wobei ich das Wörtchen „gar“ besonders neckisch finde.

FAZ: erwähnt wenigstens die neuen Beschüsse auf Sderot in einem Artikel zum Thema Gefangenen-Entlassungen.

In der südisraelischen Stadt Sderot erlitt unterdessen am Freitag ein Mann einen Schock, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Kassem-Rakete neben ihm einschlug. Auch am Donnerstag waren vier Kassem-Raketen in Sderot niedergegangen.

Stimmt, und heute wurde eine Frau verletzt. Ich vernachlässige meinen Qassam-Ticker!  Doch zurück zu Syrien, Iran, Hisbollah.

FR: nichts zum Thema gefunden. Ich geb es auf, muß schlafen gehen, habe heute, man glaubt es kaum, fast 40 Seiten geschrieben. Es gibt ja auch wirklich jede Menge anderer Nachrichten, die Deutschland mehr interessieren als diese oder jene Äußerung im Nahen Osten, von der man noch nicht weiß, was daraus wird. Wer noch Links zu deutschen Medien findet, zur Achse Iran-Syrien-Hisbollah und ihren Bemügungen, Israel zu provozieren, kannn sie ja in den Kommentaren deponieren…

Ich hoffe, in den nächsten Tagen finden ein paar Journalisten und professionelle Sorgenmacher auch außerhalb unserer kleinen Ecke mal, was das alles zu bedeuten hat, wozu es führen kann, wer daran Interesse haben kann und wie wir es verhindern können. Damit es nicht wieder heißt, „Israel greift an!“, wenn wir uns wehren. Es lohnt sich jedenfalls, Nasrallah ernstzunehmen. Bisher hat er alles, was er angekündigt hat, auch gemacht – auch wenn die gewünschten Ergebnisse noch ausgeblieben sind.

Kommentare»

1. Manfred - Juli 23, 2007, 2:37

„Wen können sie dann als Sündenbock und Teufelsfratze benutzen, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken?“ Erstens: sich gegenseitig. Zweitens: den gesamten Westen. Zumindest dem iranischen Regime ist der Ehrgeiz zu einer Art islamischer Weltrevolution durchaus zuzutrauen.

Aber dass die Unifil wirklich und wahrhaftig ernsthafte Anstrengungen unternimmt, die Hisbollah zu entwaffnen, das hat mich fast vom Stuhl geworfen. Ich dachte immer, das sei eine dieser Alibimissionen, mit denen die vielzitierte „internationale Gemeinschaft“ versucht, irgendwie den Daumen im Brei zu haben, ohne irgendjemandem wehzutun; schon gar nicht Terroristen. Wie schön, wenn ich mich geirrt haben sollte.

Ich habe auf die Schnelle auch keine Meldung gefunden. Aber mal vorsorglich die ganz dumme Frage: Wie setzt man eigentlich einen Link? Ich verstehe zu meiner Schande vom Internet ungefähr so viel wie die Sau vom Uhrwerk.

2. Piet - Juli 23, 2007, 2:52

Sie steuern wohl partout auf einen Krieg zu?

„In diesem Sommer gibt es keinen Krieg“ (Schmuel Gordon, Dozent am Institut für Internationale Beziehungen und Strategische Studien der Universität Tel Aviv; taz, 23.7.07) -> http://www.taz.de/index.php?id=467&art=2145

„Die Spannungen zwischen Syrien und Israel wachsen. Doch bislang betreibvt Baschar Assad nur eine Strategie begrenzter Provokation, die ihm innnenpolitisch nützt.“

3. Manfred - Juli 23, 2007, 3:00

Maine dumme Frage ziehe ich zurück. Ich habe es gerade zufällig selbst herausgefunden.

4. Heimo - Juli 23, 2007, 5:49

ja die Feinde Israels rotten sich wohl wieder langsam, aber stetig zusammen – ich beobachte das alles mit wachem Auge – natürlich nicht in der deutschen Presse – die reagiert erst, wenn etwas passiert ist, nicht wenn die Bedrohung sich berets ganz klar abzeichnet..

was ich aber heute im net gefunden hatte war:

sowohl:

„Iran will Syrien aufrüsten
Am Donnerstag wurde bei einem Treffen zwischen dem syrischen Präsidenten Bashar Assad und seinem iranischen Amtskollegen Mahmud Ahmedinedschad ein Vertrag abgeschlossen, demzufolge Iran Syrien mit Waffen versorgen will, wenn Syrien jegliche Verhandlungen mit Israel auf Eis legt. Im Rahmen dieses Vertrages soll Syrien 18 Kampfjets des Typs MiG-31 sowie acht Flugzeuge des Typs Suchoi-24 erhalten, dazu 400 T-72-Panzer aus russischer Herstellung, Mikojan-8-Hubschrauber und C-801 sowie C-802-Raketen aus iranischer Herstellung. Dies wurde gestern in der in London erscheinenden arabischen Tageszeitung „Al Shark al Awsat“ veröffentlicht. Mit dieser Waffenlieferung würde die syrische Armee entschieden an Stärke gewinnen. Außerdem will Iran die syrische Atomforschung im technischen Bereich unterstützen und in der Entwicklung von chemischen Kampfstoffen helfen. Zusätzlich sollen die syrische Marine und Luftwaffe im Iran trainieren dürfen. “

als auch:

„Zahal: Die Zeit läuft ab
Ein hoher Offizier der israelischen Armee meinte gegenüber dem israelischen Rundfunk, dass die noch offene Tür mit der Möglichkeit, die im Gazastreifen entstehende Hamas-Armee zu zerstören, sich rapide schliesse. Das Militär müsse einen schnellen Schlag gegen diese 13.000 Mann starke Armee ausführen, um noch einen Sieg zu landen. Diese Truppe sei gut trainiert, habe genug Soldaten und die Motivation, gegen Israel zu kämpfen und verfüge über ein Arsenal fortgeschrittener Antipanzer- und Flugabwehrraketen sowie eine ständig steigende Zahl von Kurzstreckenraketen. “

das mit Unifil hat mich auch erstaunt, daß da wohl jetzt tatsächlich kontrolliert & nach Waffen gesucht wird –

aber wenn man sieht, daß schwarze Wolken am Himmel sich zusammen brauen & weiß, daß jetzt bald das Gewitter losbricht, wird man schnell die die Liegestühle & empfindlichen Teile aus dem Garten in Sicherheit bringen – man reagiert sowie man den Schaden kommen sieht, bevor er geschieht

je mehr Zeit verstreicht, umsomehr & umso bessere Waffenarsenale werden mit eindeutigem Ziel um Israel herum angehäuft –
reagiert Israel zu früh (aber vielleicht noch rechtzeitig), gilt es in den Augen der Welt wieder mal als Aggressor – reagiert es aber zu spät & wird dadurch vielleicht ‚gar‘ ausgelöscht, dann wird es der Verlierer sein, was von der Weltmeinung wohl mit Achselzucken quittiert wird & der Vermutung geahndet wird, daß Israel das ja wohl provoziert haben muß..

5. Lila - Juli 23, 2007, 6:18

Daß es diesen Sommer schon zum Showdown kommt, bezweifelt auch mein Mann. Er meint, N. hat schon einmal zu früh zugeschlagen und ein zweites Mal passiert ihm das nicht. Aber die verbale Kriegsvorbereitung reicht doch.

Was wollen die eigentlich alle von uns???

Guten Morgen jedenfalls.

6. grenzgaenge - Juli 23, 2007, 8:11

guten morgen, trotzdem !

7. noktavian - Juli 23, 2007, 17:49

Zum Thema Iran-Syrien-Hisbollah durfte Anfang des Monats die notorische Mona Sarkis auf Telepolis fabulieren. Aber Vorsicht: Sarkis‘ Artikel triefen von übelster antiisraelischer Propaganda. Glücklicherweise ist „Telepolis“ kein Leitmedium, aber da die Seite vom Heise-Verlag betrieben wird, wird sie von deutschen IT’lern häufig frequentiert.

Ich glaube, dass Nassrallah, Assad, Haniyeh, Ahmadinedschad etc. wissen, dass sie Israel derzeit militärisch nicht besiegen können. Aber die permanenten Drohungen gegen Israel im Zusammenhang mit einem Low-Level-Kriegszustand hilft ihnen, ihre Führungspositionen auszubauen bzw. zu erhalten.

8. willow - Juli 23, 2007, 19:13

Na dann schon lieber schwarzer Humor… gerade entdeckt – die Onlinetagebücher des Ismail H. 😀

„Liebes Tagebuch,

wieder liegt eine harte Woche vor mir. Termine ohne Ende. Und was, wenn die Zionisten Ernst machen und eine Großoffensive starten? Dann reibt sich Abu Mazen in Ramallah die Hände….. “

http://spiritofentebbe.blogspot.com/2007/07/eine-woche-im-leben-des-ismail-h.html

9. flowerkraut - Juli 30, 2007, 1:14

Falls ihr meinen Senf dazu noch lesen möchtet?!
Wie lange hören wir schon die gemischten Nachrichten über Geheimdiplomatie nebst zarten Friedensfühlern zw. Syrien und Israel einerseits und das Schlagen von Kriegstrommeln anderseits? Ein Jahr, drei oder fünf? Das war der erste Teil meiner Antwort. Der zweite ist: Niemand will diesen Krieg. Nach dem Libanonkrieg ist er in Israel bei den meisten Leuten wahrscheinlich so erwünscht wie eine sich aufdrängende Schwiegermutter. Und Syrien möchte möglichst alles vom Golan zurück und zwar wie es so üblich ist mit möglichst stolzgeschwellter Brust. Es, also die herrschenden Figurenriege, möchte dafür aber keine unkalkulierbaren Gefahren eingehen, nicht durch einen direkten Krieg und zweitens will es wohl auch keinen islamistischen Freudentaumel riskieren. Deshalb wählt Syrien eher die Taktik der kleinen Nadelstiche. Ich glaube aber, dass Assad jun. sehr genau beobachtet was z.B. in der Türkei und in Nordafrika passiert.
Ein gewisses Risiko besteht aber natürlich. Insbesondere, falls Israel sich mit den Palästinensern einigen oder arrangieren sollte (kleine Hoffnungen gibt es jetzt zumindest bezüglich des Westjordanlandes), ohne dass in der Golanfrage etwas passiert. Syrien würde dann nämlich mit leeren Händen dastehen und seine Felle endgültig wegschwimmen sehen. Dann könnte Syrien unkalkuliert reagieren, aber um dies zu vermeiden, wird es einerseits weiter an bestimmte pal. und libanesische militante Gruppen Unterstützungen geben -und sich dabei „natürlich“ iranischer Hilfe erfreuen dürfen, aber vielleicht agiert die Hesbollah unabhängiger als hier meist gedacht wird?- und anderseits wird Syrien weiter auf einen für sich möglichst günstige Verhandlungstart bestehen. Für Israel und dem Libanon(!) stellt sich jeweils die Frage wie weit, sie das kontrollieren bzw. tolerieren können oder wollen. Aber als ferner Beobachter sehe keine Änderung des israelischen Verhaltens.

Wie die UNIFIL hat Waffen gefunden? Welch Überraschung! Kann ich fast nicht glauben!. Wahrscheinlich einen alten Karabiner und ein paar olle Metallteile usw., an denen sie wirklich nicht mehr vorbeischauen konnten.

10. beer7 - Juli 30, 2007, 10:59

flowerkraut,

was Syrien wirklich will ist mitnichten den Golan, sondern den Libanon. Darauf sind derzeit alle syrischen Aktionen ausgerichtet.

Um den internationalen Druck wegen des Haririrmordes zu mildern, kann es auch mal opportun sein, Gespraeche mit Israel zu fuehren.

Dieser Blog liefert sehr fundierte und quellenorientierte Analysen zu Syrien und Libanon: http://beirut2bayside.blogspot.com/

11. flowerkraut - Juli 31, 2007, 0:56

Libanon – ok
nur
„Um den internationalen Druck wegen des Haririrmordes zu mildern, kann es auch mal opportun sein, Gespraeche mit Israel zu fuehren.“

Eine interessante These, aber ich bin nicht überzeugt davon.
Den Blog( er scheint sehr meinungsstark zusein) schaue ich mir bei Gelegenheit genauer an. Toda!

12. willow - September 12, 2007, 10:06

Gerade wieder einen schwarzhumorigen fiktiven Brief entdeckt….

http://spiritofentebbe.blogspot.com/2007/09/abu-mazen-greift-wieder-zur-feder.html


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